Klassiker, die ihr empfehlen könnt

Ich finde Filme abstoßend, die Gewalt ohne Sinn und Zweck einsetzen. Gefühlt wird das immer mehr.

Beim Einsatz mit Tieren ordne ich schon ein, zu welcher Zeit der Film entstanden ist und ob da überhaupt sich jemand um sowas wie Tierwohl, Intimkoordination oder Jugendschutz geschert hat.

Individuell hat dann jeder eine persönliche Grenze, wo es ihm zuviel wird oder was man einfach nicht schauen mag.
Skandalfilme, die nur auf Schock setzen, sind jenseits der kontroversen Szenen oft langweilig und banal.
 
Klingt für mich also eher nach einem Film der Kategorie „Filme, die auf den Index gehören“.

Der Film ist in seiner ungeschnittenen Fassung in Deutschland bis heute nach §131 StGB beschlagnahmt, was einem Totalverbot gleichkommt. Geschnittene Fassungen, in denen idR ca. 4 Minuten fehlen, sind bis heute allesamt indiziert.

Der Film selber soll ja dann gar nciht so speziell sein wenn man gewissen Reviews glauben kann.

Der Film ist natürlich Trash, und nach heutigen Sehgewohnheiten wirkt er noch seltsamer, als zum Zeitpunkt seines Erscheinens. Speziell und kontrovers ist er hingegen dennoch, und ich würde selbst heute noch zartbesaiteten Seelen davon abraten, ihn zu schauen.

Ich merke, dass ich keinerlei Neugier entwickle, sobald ich das Gefühl habe, dass ein Film vor allem darauf setzt, sein Publikum auszuhalten zu lassen, wie weit er gehen kann.

Das Gefühl hatte ich nicht nur bei Horrorfilmen, sondern auch bei "Pretty Woman" z.B. :p

C.
 
Ich finde Filme abstoßend, die Gewalt ohne Sinn und Zweck einsetzen. Gefühlt wird das immer mehr.

Der Film wollte damals als Medienkritik angesehen werden, welche auch ziemlich offensichtlich durchkommt (siehe mein Review weiter oben). Die Tiertötungsszenen sollen erste Hinweise darauf sein, wie veroht die Filmcrew ist. Trotzdem hätte man diese streichen oder anders lösen müssen (Tarzan hat bei den alten Dschungel-Klassikern ja auch nicht gegen echte Krokodile etc. gekämpft). Aber Tierschutz bei Filmen gab es in den 70ern (gerade in Italien) wohl sehr wenig. :(
 
Zwei britische Klassiker nachgeholt:

Ladykillers

Ich bin kein Fan des Remakes der Coen Brüder, haber aber nun das Original nachgeholt.

Die Story ist sehr ähnlich des Remakes, wird hier aber weitaus charmanter erzählt. Dazu ist der Film einfach nur "very british" was neben Kult Star Alec Guiness und Peter Sellers vor allem Katie Jonson und ihrem tollen Spiel als Miss Wilberforce zu verdanken ist. Die alte Lady wirkt einfach nur dem Viktorianischen Zeitalter entsprungen und dort stecken geblieben. Der Kontrast zwischen ihr und den brutalen Gangstern macht viel von dem Reiz des Films aus.

Von London gibt es auch einige schöne Aufnahmen, allen voran vom Harry Potter Bahnhof Kings Cross.

Die Gagdichte könnte durchaus höher sein und auch Spannung sucht man eher vergebens. Aber alleine der britische Charme macht den Film trotzdem sehr kurzweilig und sehenswert.

7 von 10 Punkten!


Peeping Tom

Franzl aus der Sissi-Trilogie als Serienmörder zu sehen war etwas gewöhnungsbedürftig, aber Karlheinz Böhm hat diese völlig konträre Rolle sehr gut gemeistert.

Gemeinsam mit dem im selben Jahr erschienenen Psycho von Hitchcock gehört der Film zu den ersten und bekanntesten Psychothrillern überhaupt.

Die Story kann man teilweise als Vorbild für viele Episoden von Criminal Minds sehen: Ein Mann, der als Kind von seinem Vater gequält wurde, übernimmt im Alter dessen Rolle und wird zum Serienmörder, verliebt sich, möchte deshalb aufhören und stirbt am Ende.

Der Film konzentriert sich fast völlig auf den Täter. Von den Ermittlungen sieht man leider wenig. Für einen Film der 60er war das sicherlich mutig, aber fehlt dadurch etwas eine Identifikationsfigur.

Dass die Kritik damals ziemlich harsch mit ihm umgegangen ist und ihn als "voyeuristischen Schund" abgetan hat, kann ich nicht wirklich verstehen. Klar war der Film für damals mutig, aber trotzdem gut gemacht und voyeuristisch ist er selbst (im Gegensatz zu seiner Hauptfigur) auch nicht, spielen sich die meisten Gewaltszenen nur in den Gedanken der Zuseher ab.

7 von 10 Punkten
 
Lola rennt

Tom Tykwer - Franka Potente, Moritz Bleibtreu

Das Leben ist das Ergebnis einer endlosen Kette von Zufällen. Jeder einzelne Tag könnte in unzähligen Variationen verlaufen, doch nur eine davon wird Wirklichkeit. Von all den anderen Möglichkeiten bleibt uns meist nur eine vage Ahnung. Schon unsere eigene Existenz beruht auf Zufall. Wäre vor dem Moment unserer Zeugung auch nur eine Kleinigkeit anders geschehen, gäbe es uns nicht. Gleichzeitig beeinflusst jeder Mensch mit seinem Leben das Leben anderer Menschen, die wiederum auf weitere Menschen einwirken. Alles hängt miteinander zusammen, oft ohne dass wir es bemerken.

Genau von diesen Möglichkeiten erzählt Lola rennt. Dass ausgerechnet Lolas Geschichte erzählt wird, wirkt dabei fast selbst wie ein Zufall. Gleich zu Beginn wird sie gewissermaßen aus einer anonymen Menschenmenge herausgelöst. Genauso gut hätte der Film von Frau Jäger, Herrn Meier oder irgendeinem anderen Berliner handeln können.

Es ist ein heißer Sommertag in Berlin. Manni hat einen fatalen Fehler gemacht. Als Geldkurier eines Gangsters verliert er in der U Bahn eine Tasche mit 100.000 Mark. Wenn er das Geld nicht innerhalb von zwanzig Minuten auftreibt, ist er so gut wie tot. In seiner Panik ruft er seine Freundin Lola an. Lola liebt Manni bedingungslos und macht sich sofort auf den Weg, um ihm zu helfen. Ihre einzige Hoffnung ist ihr Vater, ein Bankdirektor.

Dreimal läuft Lola durch Berlin und dreimal entwickelt sich alles anders. Jede dieser Variationen entsteht aus einer scheinbar unbedeutenden Begegnung im Treppenhaus, als Lola an einem Jungen mit seinem Hund vorbeikommt. Dieser kleine Moment verändert jedes Mal den weiteren Verlauf der Geschichte. Lola begegnet denselben Menschen mal ein paar Sekunden früher, mal ein paar Sekunden später. Dadurch verschieben sich plötzlich ganze Ereignisketten. Nicht nur Lolas Schicksal verändert sich, sondern auch das Leben der Menschen, denen sie begegnet. Besonders originell sind die kurzen Fotosequenzen, in denen man einen Blick auf die Zukunft dieser Nebenfiguren bekommt. Mit wenigen Bildern erzählt Tykwer ganze Lebensgeschichten.

Parallel zu den Möglichkeiten des Lebens zeigt der Film auch die Möglichkeiten des Kinos. Unterschiedliche Stilmittel werden miteinander vermischt, ohne dass es jemals beliebig wirkt. 35 mm Film, Videoaufnahmen, Zeichentrick, Zeitlupe, Zeitraffer, Schwarzweiß und Farbe greifen ineinander und erzeugen einen ganz eigenen Rhythmus.

Die Dynamik des Films ist beeindruckend. Die Schnitte sind schnell, manchmal geradezu atemlos. Unterstützt wird das Ganze von einem treibenden Techno Soundtrack, der perfekt mit den Bildern harmoniert. Selten passen Musik und Film so gut zusammen wie hier. Das Keuchen von Lola, das Echo ihrer Schritte und ihr ständiger Vorwärtsdrang spiegeln sich direkt in den Beats wider. Während man Franka Potente durch die Straßen Berlins rennen sieht, entsteht fast automatisch das Bedürfnis, selbst loszulaufen. Der Film entwickelt eine Energie, die einen komplett mitzieht.

Auch die Besetzung ist hervorragend. Moritz Bleibtreu macht Mannis Angst und Verzweiflung jederzeit glaubwürdig. Franka Potente verleiht Lola genau die richtige Mischung aus Entschlossenheit, Verletzlichkeit und Kraft. Ihre Liebe zu Manni wirkt echt und genau deshalb fiebert man bei jedem neuen Durchlauf wieder mit.

Ich kenne kaum einen anderen deutschen Film, der mich so mitgerissen hat wie Lola rennt. Der Film ist spannend, stilistisch mutig und gleichzeitig überraschend klug. Wer sich für die kleinen Zufälle interessiert, die über unser Leben entscheiden können, und wer mit schnellem Tempo und Techno etwas anfangen kann, wird hier ein echtes Highlight des deutschen Kinos entdecken.
 
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