Mon Calamari (Calamari-System)

I|I Mon Calamari I|I Coral City I|I Senatskuppel I|I Sondersitzung des Galaktischen Senats I|I Vold Trembor und Senatoren I|I
Die Stimme der Togorianerin verhallte, und für einen Moment hing ein eigenartiges Schweigen in der Kuppel. Kein Schweigen der Einigkeit, sondern das gespannte Innehalten eines Saales, in dem die Worte noch sortiert, die Positionen noch kalkuliert wurden. Dann brandeten Rufe auf, ein Wechselbad zwischen zustimmend, abfällig und pöttisch. Das Toben der Senatoren erinnerte an einen Schwarm Raubfische, der prüfte, ob das, was ins Wasser gefallen war, Beute oder nur Geröll war. Die Rede der Senatorin von Togoria hatte die Kuppel geteilt wie ein Blitz durch ein Gewitter. Als ginge es weniger um Worte als um das Bild, das die Kameras einfingen. Vold Trembor stand still, sein Atem rauschte tief und rhythmisch durch die Filter, während die Projektionen über das Gold seiner Maske flackerten. Er hörte nicht nur, er las jede Stimme, jeden Tonfall, jede Pause, als wären sie Zahlen in einem Kalkül. Neben ihm richtete sich Katal Ambor etwas auf. Der Senator wirkte fast erleichtert, als hätte Rrooow ihm ein Stück seiner verlorenen Würde zurückgegeben.

„Endlich jemand, der Vernunft spricht,“ murmelte er, die Hände noch zitternd, aber die Augen mit einem Glanz, den Vold seit Beginn der Sitzung nicht mehr gesehen hatte. „Sehen Sie, Trembor? Wir sind nicht allein. Diese junge Togorianerin… sie versteht die Gefahr. Sie wird unsere Verbündete sein.“

Vold wandte langsam den Kopf, die dunklen Glaslinsen fixierten Ambor. Seine modulierte Stimme kam tief und gemessen, das Timbre so, dass es wie Zustimmung klang, aber in Wahrheit Gift tropfte:

„Ja, Herr Senator. Ihre Worte ergänzen die Ihren. Sie ist ein Beleg dafür, dass nicht alle von der Euphorie des Kanzlers erfasst wurden.“

Ambor nickte eifrig, klammerte sich an die Vorstellung einer Allianz. Vold ließ ihn. Innerlich jedoch sah er klarer: „Ambor erkennt nicht, dass er sich gerade an die Schwachen bindet. Hendrey reißt die Massen mit, Quún hält die Exekutive, die großen Fraktionen formieren sich und Ambor klammert sich an die Stimme einer unerfahrenen Neuen. Er nennt es Verbündete. Ich nenne es Strohhalm.“ Sein Blick glitt über die Halle, zu Hendrey, dessen Gesicht noch vom Applaus glänzte, jede Geste einstudiert für die Kameras. Das ist die Welle. Rrooow ist der Mahnruf am Rand. Beides zusammen ergibt eine Dramaturgie, die ich nutzen kann. Ambor wird glauben, er habe Rückhalt, während er sich in Wirklichkeit isoliert. Und wenn der Moment kommt, werde ich ihn genau mit dieser falschen Sicherheit stürzen.

Er legte
Ambor kurz die Hand auf den Unterarm, eine Geste wie Solidarität, in Wahrheit ein Zügel.
„Sie haben recht, Herr Senator. Senatorin Rrooow spricht aus, was viele denken, die sich nicht zu Wort melden. Gemeinsam bilden Sie ein Gegengewicht. Eine Allianz der Vernunft.“

Der angeschlagene Senator von Metalorn lächelte matt, als habe er gerade Halt gefunden. Vold wusste, dass dieser Halt aus Sand bestand. Je mehr Ambor auf Senatoren wie Rrooow oder andere zurückhaltendere Senatoren setzte, desto deutlicher würde er sich aus dem Kreis der Entscheider verabschieden. Und Vold, der Architekt hinter der Maske, würde dafür sorgen, dass, wenn die Bretter unter Ambors Füßen brachen, niemand außer ihm bereitstand, um das Banner Metalorns hochzuhalten.

Vold Trembor saß reglos, nur die dunklen Linsen seiner Maske spiegelten die wechselnden Projektionen. Seine Ohren hörten nicht nur Worte, sondern das Gewicht dahinter. Rrooow hatte keine Wucht wie Hendrey, keine Resonanz in den Medien, doch sie hatte etwas anderes: eine moralische Integrität, die, richtig platziert, durchaus nützlich sein konnte. Ein Mahnruf von einem unbeschriebenen Blatt wirkt stärker, als wenn er aus dem Mund eines alten Mannes kommt, der längst als Bremser gilt.

In seinem Kopf arbeiteten die Zahnräder eines präzisen Getriebes. Ambors Erleichterung über Rrooows Rede hatte ihm einen kurzen Aufschwung gegeben. Ein schwacher Mann, der in der Stimme einer unerfahrenen Senatorin eine Lebensader sah. Vold würde diese Hoffnung nicht zerstören – noch nicht. Stattdessen würde er sie nutzen. Wenn Ambor glaubt, Rrooow sei seine Verbündete, dann soll er in dieser Annahme leben. Ich werde ihm helfen, die Fäden zu spinnen, kleine Treffen anzustoßen, Gespräche in Nebenfluren zu arrangieren. So glaubt er, eine Koalition der Vernunft aufzubauen. Tatsächlich aber baue ich ihm ein Netz, in dem er sich verfangen wird.
Vold überlegte, wie er Varad Trembor ansetzen würde. Sein Cousin verstand es meisterhaft, Kontakte zu kartieren: Wer sprach mit wem? Wer neigte zum Kanzler, wer suchte Schutz in der Fraktion der Zögerer? Varad würde diskrete Dossiers erstellen, in denen jedes Zitat, jede Geste, jede Schwäche vermerkt wurde. Ambor würde glauben, diese Informationen dienten ihm, doch in Wahrheit würden sie Volds eigenes Fundament legen. „Ich lasse Ambor die unbequemen Gespräche führen. Er soll an Türen klopfen, Senatoren um Geduld und Rechtschaffenheit bitten. Und während er das tut, werde ich die Stimmen hören, die er nicht erreicht. Ich werde die Zweifel aufnehmen, die er weckt, und sie in Unterstützung für mich verwandeln.“

Kazo, der Selkath, würde man die Aufgabe übertragen, das Bild Ambors subtil zu rahmen: nicht als standhaften Hüter der Verfassung, sondern als Mahner, der gut spricht, aber wenig bewegt. Cale Rynar, der Pantoraner, würde dafür sorgen, dass in den Holo-Clips nicht Ambors Gesicht, sondern das des jungen Hendrey dominierte, flankiert von Bildern, die Vold selbst als ruhigen, kontrollierten Beobachter zeigten. Ein Architekt im Schatten, der bereits wirkt, bevor er überhaupt gesprochen hat.
Doch das Spiel ging tiefer.
Ambors Hoffnung auf Rrooow war für Vold mehr als nur ein Zeichen von Schwäche; es war ein Schlüssel: Wenn ich den Eindruck verstärke, dass Ambor und Rrooow zusammenstehen, dann kann ich beide in eine Nische drängen, in das Lager der Bedenkenträger. Und wenn dieses Lager in der tobenden Stimmung marginalisiert wird, werde ich allein zurückbleiben, als der Mann, der zwischen den Lagern Brücken schlägt.

Der Plan formte sich klar: Zuerst würde er
Ambor helfen, eine kleine Koalition der Zögerer um Rrooow zu knüpfen. Er selbst würde die Rolle des Vermittlers spielen, der zwischen Hendreys Kriegspathos und Rrooows Mahnungen die Balance wahrt. Wenn die Stimmung kippt, würde man Ambor als Symbol des Stillstands fallen lassen und Trembor an seine Stelle treten, mit Hendrey als lautem, lenkbaren Speer an seiner Seite.

Vold atmete tief, das sonore Rauschen füllte den Raum um ihn wie das Brummen eines Generators. Er wusste: Der Schlüssel zur Macht lag nicht darin, der Lauteste zu sein, sondern darin, alle Stimmen so zu verteilen, dass sie am Ende einen Akkord spielten und dieser Akkord würde seinen Namen tragen.

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| Outer Rim | Calamari-Sektor | Calamari-System | Dac | Coral City | Senatsgebäude | Großer Plenarsaal |
Ylsara Adinara, Gefolge sowie sämtliche Senatoren der Republik, der Kanzler und diverse andere



Es dauerte lange, bis der Tumult langsam ausfranste. Die Zwischenrufe waren abgeebbt, doch das Meer aus Stimmen bleib. Die Spannungen im Saal waren deutlich in ihren Montrals spürbar. Ylsara benötigte ein gehöriges Maß an Körperbeherrschung, um ihre Lekku nicht unkontrolliert zucken zu lassen. Viele der Repulsorkapseln im Plenarsaal begannen sich neu zu ordnen. Ylsara blieb demonstrativ inmitten ihrer Delegation stehen. Nicht, weil sie unentschlossen war, sondern berechnend. Sie hatte gesprochen, indem sie nicht gesprochen hatte und war dabei sichergegangen, dass die Kameras sie eingefingen. Dies war nicht die Stunde für Inhalte. Der Kanzler hatte Fakten geschaffen, alles andere würde als Belanglosigkeit verlorengehen. Senator Hendrey hatte das noch am ehesten verstanden. Seine Wortmeldung war kaum Debattenanstoß als viel mehr Selbstinszenierung. Solche Bilder würden bleiben.
Die Rede der Senatorin von Togoria lag noch in der Luft. Ylsara hatte auch ihr aufmerksam zugehört, hatte die Pause bemerkt und registriert, aus welcher Richtung Applaus kam - und aus welcher nicht. Es war keine Rede gewesen, die die Kuppel entzündet hatte - eine dieser inhaltlichen Reden, die unter den Taten des Kanzlers untergehen würde. Dennoch gab es jene Senatoren, die sich daraufhin tiefer in ihre Kapseln zurückgezogen hatten. Ylsara wusste nicht, ob der Kanzler den Krieg begonnen hatte oder nicht. Aber verhindert hatte er ihn mit Sicherheit nicht. Allein dieser Umstand würde hunderte Senatoren vor den Kopf stoßen. Die Togruta ließ ihren Blick wandern, langsam und kontrolliert. Sie nahm wahr, wie einige Senatoren aus den hinteren Rängen ihre Kapseln einander annäherten, wie kurze Gespräche entstanden. Andere suchten bereits das Licht im Scheinwerferlicht jener, die zuvor Beifall erhalten hatten - aus allen Lagern. Es bildete sich eine sichtbare Linie zwischen den Gewinnern der Verkündung des Krieges und den Mahnern - noch unscharf, aber erkennbar.

Als die Kameras verstanden hatten, dass die Senatorin von Druckenwell nicht sprechen würde, und verschwanden, rückte Sirae Korlan neben ihr merklich näher heran.


"Zwei Lager. Die einen werden als Kriegstreiber, die anderen als Feiglinge verunglimpft werden. Wir sollten abwarten, in welche Richtung das Pendel ausschlägt."

Ylsara nickte nur.
Sie beobachtete nun, wie eine Delegation nach der anderen den Saal verließ. Es waren überwiegend jene, die nun alle Hebel in Gang setzen würden. Doch sie erkannte auch spontane Bündnisse zum demonstrativen Boykott der Sitzung. Einige dieser Abgänge zogen tatsächlich kurzzeitig die Aufmerksamkeit der Holokameras auf sich, nur um Sekunden später von einer spitzen Bemerkung aus den Reihen der Lauten überlagert zu werden. Ein Raunen ging durch die Kuppel, gefolgt von Gelächter, Applaus und auch fassungslosen Gegenrufen.

Es war ein Schauspiel. Der Beschluss war längst gefasst. Nichts, was sie hier äußerten, würde an dem Fakt, dass die Neue Republik Kashyyyk angriff, irgendetwas ändern. Inhaltlich würde dieses Vorgehen im Verteidigungsausschuss aufgearbeitet werden - und ja, Ylsara blickte mit Genugtuung auf diese Möglichkeit.

Sie stützte sich leicht auf die Reling ihrer Kapsel, ohne das Gewicht wirklich zu verlagern. Ihre Haltung blieb gewohnt aufrecht, ruhig und unverrückbar. Sie war keine Stimme dieses Tages gewesen und dennoch gehörte sie zu den Gewinnern. Druckenwell würde zunächst aus den Negativschlagzeilen verschwinden, verdrängt werden. Persönlich hoffte die Togruta, sich als Konstante zwischen den lauten Stimmen inszenieren zu können. In unruhigen Zeiten suchte man solche Persönlichkeiten, ob bewusst oder nicht. Abseits der Kameras würde sie ihre Fühler ausstrecken. In alle Richtungen. Das Gespräch mit Senator Darvani war noch lange nicht beendet. Die Angelegenheit hatte nun eine völlig neue Dynamik bekommen. Doch sie hatte ihre Assistentin auch angewiesen, zu den Wortführern Ambor und Hendrey die Fühler auszustrecken. Sie würden Verbündete suchen. Vermutlich ließ sich für Druckenwell dabei etwas herausschlagen.

Ylsara sah noch einmal zur zentralen Plattform, wo der Kanzler, umringt von Beratern und Kameras stand. Unweigerlich würde er das Gesicht dieses Krieges werden. Wenn es gut für die Neue Republik lief, würde er sich vielleicht zum Helden machen. Doch sobald die Waage kippte, würde er sich den Angriffen nicht mehr wehren können. Ob gewollt oder nicht, hatte er sich zur Zielscheibe gemacht.
Als die Sitzung sich dem Ende neigte, ließ die junge Senatorin von Druckenwell langsam, fast beiläufig, ihre Kapsel Stück für Stück zurückgleiten. Sie wollte nicht den Eindruck erwecken, zu den Boykottierern der Sitzung zu gehören. Am Ende, als der Lärm sich verteilte, blieb Ylsara vielleicht auch einen Moment länger als eigentlich nötig. Dann wandte sie sich zum Ausgang. Ihr Gefolge formierte sich um sie auf dem Weg hinaus.


"Kessa, gibt Senator Darvani Bescheid, dass ich unser Gespräch nun gern fortsetzen würde. In seinem Büro. Das liegt näher."

| Outer Rim | Calamari-Sektor | Calamari-System | Dac | Coral City | Senatsgebäude | Außerhalb des großen Plenarsaals |
Ylsara Adinara, Gefolge
 
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Die Hitze der Debatte hatte sich längst von der eigentlichen Rede gelöst und ein Eigenleben angenommen, das wie ein elektrischer Sturm durch die Kuppel des Senatsgebäudes wanderte, über schwebende Kapseln sprang, an erhobenen Händen, gereizten Zwischenrufen, harten Blicken und flackernden Projektionen entlanglief und aus einer politischen Sitzung etwas machte, das eher an eine kontrolliert entgleisende Front erinnerte als an die würdige Beratung freier Welten. Überall summten Drohnenkameras wie metallische Insekten, die den Geruch von Aufruhr wittern konnten; überall zuckten kurze Holoeinblendungen über private Konsolen, in denen Schlagzeilen, Ausschnitte, Zitate und hastig verfasste Kurzmitteilungen bereits in Echtzeit um die Vorherrschaft über die öffentliche Deutung rangen. Das eigentliche Geschehen spielte sich längst nicht mehr allein auf den Plattformen ab, auf denen Senatoren das Wort ergriffen, sondern in dem unsichtbaren Geflecht aus Feeds, Kommentaren, Verdichtungen und jenen wenigen Sätzen, die in einer aufgeheizten Stunde wie Geschosse einschlagen konnten.

Vold Trembor stand inmitten dieses kontrollierten Chaos mit jener unbeweglichen Ruhe, die an ihm nie zufällig wirkte, sondern stets wie das Resultat einer tieferliegenden Konstruktion erschien. Das dunkle Gold seiner Atemmaske fing das kalte Licht der Projektionen ein, spiegelte kurz aufglühende Ausschnitte aus Hendreys Rede, die Gesichter empörter Senatoren, die eingeblendeten Schlagworte des Kanzlers, und in den schwarz getönten Linsen seiner Augen wirkte die tobende Halle wie etwas, das bereits in Daten, Tendenzen und Schwächen zerlegt worden war. Sein Atem ging tief und gleichmäßig, ein sonores, durch Metall und Filter geführtes Geräusch, das in ihm dieselbe beruhigende Wirkung entfaltete wie früher das Summen industrieller Anlagen in den Hallen Skako Minors. Wo andere nur Lärm hörten, hörte Vold Muster.

Neben ihm saß
Katal Ambor noch immer mit jener mühsam aufrechterhaltenen Würde, die nach einer Niederlage nicht deshalb zerbricht, weil sie offen angegriffen wird, sondern weil sie in den Augen anderer zu bröckeln beginnt. Der alte Senator hatte Rrooows Rede als Bestätigung missverstanden, als Zeichen dafür, dass sich um ihn noch immer ein Lager der Besonnenheit formieren könne, und eben diese Hoffnung machte ihn für Vold so leicht lenkbar wie selten zuvor. Er sah die Unruhe in Ambors Fingern, das kaum merkliche Zucken am Mundwinkel, den müden Stolz eines Mannes, der sich einreden wollte, er habe nur einen schlechten Moment erlebt, nicht aber den Beginn seines politischen Endes.

Es war in diesem Augenblick, während eine weitere Welle aus Zwischenrufen durch die Kuppel brandete, dass
Cale Rynar in Volds Blickfeld trat. Zumindest nicht physisch, sondern als sein Mann, die Meinungen im HoloNet spinnen konnte, bis die ursprüngliche Botschaft völlig transmutiert wurde. Er war der Herr über Trembors Feeds, Trends, Schnitträume und Kurzkanäle, er las das HoloNet wie andere ein offenes Buch. Vold hatte ihm längst beigebracht, nicht nur auf das zu achten, was gesagt wurde, sondern vor allem auf das, was in den Sekunden danach geschah. Und genau dort lag nun eine neue Front.

Mehrere Senatoren, darunter
Jon Hendrey mit seinem untrüglichen Gespür für öffentliche Dramaturgie, nutzten bereits die laufende Debatte, ohne erneut das offizielle Wort zu ergreifen. Kurze Nachrichten, scharf zugespitzte Formulierungen, knappe Bilder mit Unterzeilen, die Pathos in Schlagworten konservierten, kursierten in den Netzen der Republik, während die Sitzung noch lief. Hendrey verstand instinktiv, was viele Ältere nie begriffen hatten: Politische Macht in solchen Stunden nicht nur davon abhing, was im Saal gesagt wurde, sondern davon, wer die Reaktion der Galaxis zuerst in eine verständliche, teilbare Emotion übersetzte. Freiheit. Sicherheit. Verantwortung. Stabilität. Solche Worte reisten schneller als jede Rede, wenn man sie richtig auflud.

Der stellvertretende Senator ließ seinen Kopf nur leicht zu
Ambor wenden und sprach mit jener tiefen, modulierten Ruhe, die jeden Rat wie nüchterne Notwendigkeit klingen ließ. „Herr Senator“, sagte er, während im Hintergrund eine Einblendung von Hendreys markantester Geste über mehrere private Displays flackerte, „die Debatte endet nicht hier in der Kuppel. Sie geht bereits jetzt weiter, draußen, in den Feeds, in den Kurzmitteilungen, in den Kommentaren der Märkte, der Verbände, der lokalen Netze. Wer dort schweigt, überlässt sein Bild den anderen.“

Ambor folgte seinem Blick nur zögerlich und schien zum ersten Mal wirklich wahrzunehmen, dass etliche Köpfe in der Umgebung nicht auf die Rednerbühne, sondern auf ihre privaten Anzeigen gesenkt waren. Dass Zustimmung und Ablehnung inzwischen nicht mehr nur in Beifall und Buhrufen gemessen wurden, sondern in der Geschwindigkeit, mit der ein Satz sich vervielfältigte. „Dann muss mein Team etwas vorbereiten“, murmelte er unsicher.

Vold schüttelte kaum merklich den Kopf. „Wenn Sie jetzt warten, bis Ihr Kommunikationschef Formulierungen abstimmt, Bildfreigaben einholt und jeden Satz glättet, dann sprechen Sie erst, wenn die Erzählung längst geschrieben ist. Authentizität duldet in solchen Momenten keine Ausschüsse. Wenn Sie wollen, dass man Ihnen Haltung glaubt, dann müssen Sie jetzt selbst sprechen. Direkt. Ohne das übliche Polieren. Gerade Ihre Kritiker erwarten von Ihnen doch ohnehin nur kalkulierte Vorsicht. Enttäuschen Sie sie.“

Es war eine elegante Grausamkeit, und Vold kannte ihre Wirkung. Ambor, ohnehin gekränkt durch die Resonanz auf Hendrey und berauscht von der Vorstellung, mit Rrooow und einigen anderen Mahnern ein Lager der Vernunft zu verkörpern, griff nach dieser Empfehlung wie nach einer letzten Gelegenheit, seine Handlungsfähigkeit zu beweisen. Dass gerade seine Unbeholfenheit im schnellen, ungefilterten HoloNet ihn verwundbar machte, verschwieg Vold mit derselben Sorgfalt, mit der ein Chirurg eine Klinge verbarg. Denn was Ambor für unmittelbare Aufrichtigkeit halten würde, musste draußen fast zwangsläufig als zögerlicher, selbstgerechter oder unglücklich formulierter Widerspruch zu einer emotional aufgeladenen Kriegserzählung erscheinen. Ein falscher Ton, ein missglückter Satz, eine zu scharfe Mahnung im falschen Moment oder ein unglücklich platzierter Lacher und das HoloNet würde keinen Widerspruch, sondern eine Schwäche wittern. Banthadung-Zyklone entstanden nicht aus nüchterner Analyse und überlegenen Argumenten. Sie sind das Produkt aus Reibung, Missverständnis und dem öffentlichen Vergnügen daran, einen taumelnden Politiker zu treiben.

„Formulieren Sie knapp“, setzte Vold nach, in dem Tonfall eines treuen, strategisch denkenden Stellvertreters. „Nicht technokratisch oder gar defensiv. Etwas, das Haltung zeigt und sie authentisch wirken lässt. Vielleicht, dass Freiheit auch im Krieg an Recht gebunden bleiben muss. Dass wahre Stärke sich nicht vor parlamentarischer Kontrolle fürchtet. Senden Sie es sofort, solange die Debatte brennt.“

Ambor nickte, schon halb mit seiner Konsole beschäftigt, halb mit dem Versuch, die eigene Nervosität in Entschlossenheit umzudeuten. Der Skakoaner beobachtete, wie des Senators Finger, die eben noch die Lehne umklammert hatten, nun fahrig über die Eingabefläche huschten, wie Stolz, Verunsicherung und Eile jene gefährliche Mischung ergaben, aus der schlechte öffentliche Kommunikation geboren wurde. Genau das brauchte er. Doch während er Ambor in dieses offene Feuer schob, handelte Vold selbst mit ungleich größerer Präzision. Mit einer beiläufigen Bewegung ließ er auf einem separaten, gesicherten Kanal eine kurze Nachricht an Cale Rynar absetzen, knapp genug, um im Strom anderer Daten unterzugehen, und eindeutig genug, um keinen Interpretationsspielraum zu lassen. Beobachte Ambor-Feed. Keine sichtbare Verbindung zu mir. Fallout eindämmen. Mein Name bleibt außerhalb jeder Korrelation. Nutze Drittquellen, Sekundärsignale, neutrale Accounts.

Er kannte
Rynar gut genug, um zu wissen, was diese wenigen Worte in dessen Kopf auslösen würden. Der Pantoraner würde nicht fragen, ob Ambor gezielt ins Messer lief. Er würde lediglich damit beginnen, das Netz um den entstehenden Schaden so zu spannen, dass die Strudel, die Ambors hastige Äußerungen auslösten, ihn selbst trafen, aber nicht auf Vold zurückschlugen. Rynar verstand mediale Dynamiken mit der kühlen Intuition eines Mannes, der wusste, wann man einen Trend verstärken, wann man ihn umlenken und wann man ihn in konkurrierenden Empörungswellen ertränken musste. Er würde dafür sorgen, dass Kommentatoren Ambors Aussagen aus eigener Initiative aufgriffen, dass Reaktionen aus Lagern kamen, die nichts mit Trembor in Verbindung standen, dass etwaige Nachfragen zu internen Abstimmungen im Büro Metalorns in Nebel aus allgemeinem Sitzungschaos und individueller Spontaneität verschwanden. Wenn nötig, würde er Volds Namen parallel mit gänzlich anderen Motiven in den Feed setzen: Bilder ruhiger Aufmerksamkeit, nüchterne Beobachtungen, womöglich ein später, perfekt dosierter Beitrag, der staatsmännische Besonnenheit ausstrahlte und jede Assoziation mit Ambors digitalem Stolpern zerstörte.

Vold hob den Blick wieder in die Halle. Das Licht flackerte über Gold, Blau und Marmor, über zornige Gesichter und eifrige Hände, über die kleinen privaten Schauspiele einer Republik, die im Namen ihrer Prinzipien gerade lernte, wie schmal die Grenze zwischen Überzeugung und Inszenierung geworden war. In diesem aufgeladenen Moment, in dem jeder glaubte, Geschichte zu erleben, empfand er jene besondere Form kalter Klarheit: Wissen ist eine Waffe und Empörung ein Werkzeug, dass schneidet und zersetzt, richtig dosiert aber rahmt und im richtigen Augenblick in die gewünschte Richtung lenkt.

Der Skakoaner war sich sicher, dass
Ambor sende würde und die Reaktionen entsprechend über ihn wie ein Gewitter einschlagen würden. Die Banthadung-Zyklone würden ihn treffen, gerade weil er glaubte, endlich authentisch zu handeln. Vold Trembor würde, verborgen hinter der unbeweglichen Würde seiner Maske und der makellosen Architektur seiner eigenen Medienlinien, bereits den nächsten Schritt vorbereiten, in dem aus dem Fehler des einen die Notwendigkeit des anderen wurde.

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Dac / Coral City / Senatskuppel / Senator Jon Hendrey, Senatoren der Neuen Republik

Noch lange, nachdem seine Kapsel wieder in den Ring zurückgeglitten war, sog Jon die Stimmung der Sitzung in sich auf. Seine Rede war kein Beitrag zur Debatte gewesen, jedenfalls nicht in dem Sinne, in dem Männer wie Ambor dieses Wort verstanden. Sie war in Feuer gegossenes Öl gewesen, ein gezündeter Funke im richtigen Moment, der den ohnehin überhitzten Saal weiter in Brand gesetzt hatte. Jon gehörte mitnichten zu jener intellektuellen Politikerkaste, die in diesen Sälen tagelang über Verfahren, Zuständigkeiten und historische Verantwortung philosophieren konnte. Senator Ambor hatte von Verfassungen gesprochen, von Prozessen, von Konsultationen, und Jon wusste nicht einmal genau, welcher Ausschuss für solche Vorgänge zuständig gewesen wäre. Doch dafür wusste er etwas anderes. Kaum jemand würde sich morgen an eine Ausschusssitzung als Teil eines demokratischen Prozesses erinnern. Aber jeder würde sich daran erinnern, wer Stärke gezeigt hatte. Zustimmung, Wut, Begeisterung und Angst. Das waren die einzigen vier Sprachen, die in der Politik wirklich zählten, und Jon Hendrey sprach sie fließend. Mit einem zufriedenen Lächeln auf seinem kantigen Gesicht hob er die Hand an sein Ohr und kappte die Comlink-Verbindung.

Die Debatte verlor ihre Schärfe nicht auf einmal, sondern ebbte langsam ab. Immer neue Kapseln lösten sich aus ihren Ringen, immer neue Senatoren verlangten das Wort, manche mit echter Empörung, andere mit vorbereiteten Sätzen, die bereits während Quúns Rede in den Büros ihrer Stäbe entstanden sein mussten. Jon blieb länger als nötig, teils weil man blieb, wenn man an diesem Tag gesehen werden wollte, teils weil er genoss, wie sein Name hier omnipräsent war. Erst spät am Abend, als die Kuppel sich bereits leerte, und Delegationen in kleineren Gruppen hinausströmten, verließ er schließlich den Saal. In seinem Quartier wechselte er ohne großes Zögern aus dem Anzug in den weiß-blau-gelben Trainingsanzug, zog die Jacke über die noch warme Haut, setzte die kabellosen Stöpsel in die Ohren und trat fast sofort wieder hinaus in die Nacht von Coral City. Draußen empfing ihn die Senatsstadt mit kühler Nachtluft und sich langsam leerenden Straßen.

Die kabellosen Stöpsel in seinen Ohren verbanden sich schnell mit dem Kanal seines Stabes und nach wenigen Atemzügen schnitt Marens Stimme durch die Musik. Das Briefing fiel knapper aus als sonst, fast vorsichtig, als hätten sie gemerkt, dass Jon nach diesem Tag weniger empfänglich für kleinteilige Regie war. Seine Rede lief stark, sehr stark sogar; mehrere Ausschnitte waren in den sicherheitspolitischen Feeds bereits weit oben, vor allem die Passagen über Freiheit, Sicherheit, Verantwortung und die Weigerung, Bürger der Republik an Tyrannen auszuliefern. Die Reaktionen waren erwartungsgemäß polarisiert, aber genau darin lag der Nutzen. Seine Anhänger feierten ihn als klare Stimme in einem chaotischen Senat, seine Kritiker nannten ihn gefährlich simpel, und beides sorgte dafür, dass sein Name die Nachrichten dominierte.

Auch die Anfragen häuften sich. Büros von Senatoren, Medienkanäle, Veteranenverbände, Vertreter aus der Sicherheitswirtschaft und mehrere diskrete Kontakte aus industriellen Kreisen hatten Gesprächsbedarf angemeldet, manche direkt, andere über Zwischenpersonen. Jon nahm es mit einem kaum sichtbaren Lächeln auf, hob im Vorbeilaufen die Hand für zwei Passanten und lief weiter, die Promenade typischerweise als Bühne nutzend, auf der er beiläufig Präsenz zeigte.

Vieles von dem, was Maren ihm mitteilte, ging dabei zum einen Ohr hinein und zum anderen wieder hinaus, bis ein Name fiel, der ihn unvermittelt hellhörig werden ließ.

"Senatorin Amidala?“

Platzte er Maren ins Wort. Für einige Sekunden herrschte absolute Funkstille.

"Ylsara Adinara, Jon. Die Senatorin von Druckenwell.“

Jon ließ seinen Lauf ausklingen. Er bog in eine ruhige Seitengasse ab und eine knappe Handgeste genügte, damit seine Securities im Hintergrund die Umgebung prüften und dafür sorgten, dass weder neugierige Augen noch zufällige Ohren zu nah kamen.

"Nach dem heutigen Tag will jeder Senator mit Jon Hendrey sprechen. Das bedeutet aber nicht, dass jede Provinzsenatorin automatisch einen Termin bekommen soll. Aber was ist mit dieser hübschen Senatorin, der ich täglich beim Joggen über den Weg laufe? Hat deren Büro sich schon gemeldet?“

„Jon, Druckenwell ist einer der bedeutendsten Wirtschaftsstandorte der Republik. Schwerindustrie, Zulieferketten, Werftkapazitäten, kritische Infrastruktur. Und innenpolitisch steckt die Welt in einer handfesten Krise. Nach dem Anschlag ist die Lage prekär, und wenn sich der Konflikt dort zuspitzt, landet das sehr schnell unter Begriffen wie Prävention, Stabilisierung oder Schutz kritischer Infrastruktur im Verteidigungsausschuss.“

Sie ließ ihm gerade genug Zeit, um den Zusammenhang zu begreifen, bevor sie fortfuhr.

"Außerdem ließe sich ein Treffen mit einer Togruta-Senatorin, wenn du es willst, auch öffentlich nutzen. Minderheiten, republikanische Vielfalt, verantwortungsvolle Zusammenarbeit...genau das Zeug, das wir in den Problembezirken Eriadus gerade benötigen.“

Bei dem Wort "Togruta“ schaltete etwas in Jons Kopf um. Er sagte zunächst nichts, fuhr sich nur langsam über das Kinn und nahm dabei fast automatisch seine nachdenkliche Pose ein. In seinem Blick arbeitete es. Nicht besonders tief vielleicht, aber dafür schnell.

"Oder wir halten das Treffen zunächst unter dem Radar der Öffentlichkeit. Senatorin Adinara könnte auf jemanden aus sein, der einen Antrag zu ihren Gunsten unterstützt oder trägt, ohne dass sie selbst zu sichtbar damit verbunden wird. Druckenwell ist aktuell überdeckt von Kashyyyk und der Kriegsdebatte. Und genau deshalb kann man dort politisch arbeiten. Wir sollten also flexibel bleiben.“

Jon nickte schließlich langsam. Die anfängliche Geringschätzung war nicht verschwunden, aber sie hatte sich unter etwas Nützlicheres geschoben; eine potentielle Gelegenheit.

"Teile dem Büro von Senatorin Adinara mit..."

Begann er, während sein Blick aus der Seitengasse zurück zum Licht der Promenade wanderte.

"...dass Jon Hendrey einem Treffen große Bedeutung beimisst."

Dac / Coral City / Promenaden / Senator Jon Hendrey, Maren Dovall (Comlink)
 
| Outer Rim | Calamari-Sektor | Calamari-System | Dac | Coral City | Im Gleiter | Rücksitz |
Ylsara Adinara und Fahrer


Am Tag nach der Sondersitzung war Coral City geschäftiger denn je. Ylsaras Holo-Benachrichtigungsfeed war am Morgen voll von den Ereignissen und Meldungen der Nacht. Die Streitkräfte der neuen Republik hatten die imperiale Flotte im Orbit von Kashyyyk bezwungen. Überall auf dem Planeten tobten noch Kämpfe, doch der vorteilhafte Ausgang für die Angreifer schien unter einschlägigen Militärexperten gewiss. Überall in der Hauptstadt der Neuen Republik diskutierten Politiker, Journalisten und Lobbyisten schon in den Morgenshows über den Wookiee-Planeten. Die großen Nachrichtenkanäle spielten Quúns Rede in Dauerschleife ab, analysierten die Meldungen von der Front und stritten darüber, ob die Republik einen geknechteten Platen befreit oder ihre eigenen demokratischen Grundsätze verraten hatte. Auf den Straßen waren Bürger unterwegs, die Transparente zur Unterstützung der Wookiees herumtrugen.
War der Angriff auf Kashyyyk mal zufällig kein Thema, stritten sich Podiumskontrahenten über die Bedeutung von allem, was auf der Pressekonferenz der Jedi geteilt wurde. Gerade forderte ein bebrillter Corellianer die Einhaltung der Verfassung, während ein Reporter sein Gegenüber immer wieder durch stechende Nachfragen provozierte und völlig offensichtlich auf ein schlagzeilenfähiges Duell pochte. An diesem Punkt presste Ylsara den großen Knopf auf ihrem Datenpad, um es auszuschalten. Ihr Handgelenk schmerzte inzwischen vom Dauerwischen, während sie zwischen den Feeds hin und her gesprungen war. Nun war es Zeit, die Schlagzeilen beiseite zu lassen.

Nicht, weil sie nicht wichtig waren. Oder gar, weil sie keine Meinung zu den Ereignissen hatte. Ganz im Gegenteil. Doch jede öffentliche Aussage würde nun im Wirbel der Kashyyyk-Debatte untergehen, während sie andere Probleme hatte. Druckenwell brannte weiter. Es interessierte derzeit nur keinen. Die Nachrichten von ihrer Heimatwelt wurden vom großen Feuer überdeckt, das die beiden galaxisumspannenden Fraktionen gerade entfachten.

Meldungen aus Il Avali gab es genug. Stillstehende Fabrikkomplexe und Orbitalwerften, Zusammenstöße zwischen Sicherheitskräften und Gewerkschaften. Die Zahl der Festnahmen und Verletzten stieg stetig weiter an. Gleichzeitig schienen sich gewisse Teile der Arbeiterbewegung zunehmend zu organisieren und - was viel schlimmer war - militarisieren. Was vor wenigen Wochen noch aus spontanen Demonstrationen und Streiks bestanden hatte, begann langsam zu einer echten politischen Bewegung zu werden. Genau das machte die Situation für die Senatorin von Druckenwell so gefährlich. Die Lage musste stabilisiert werden. Wenn möglich, unter der Hand und abseits der unzähligen, gierigen Reporter-Augen, die derzeit auf das andere Thema gerichtet waren. Der Plan war weiterhin, den Antrag für eine Intervention in den Verteidigungsausschuss zu bringen. Der Antrag dufte nicht von ihr selbst kommen, so viel war ebenfalls klar. Das würde ihre eigene Legitimität für Auswärtige, aber vor allem alle Fraktionen von Druckenwell untergraben. Sie musste möglichst neutral agieren, um Einfluss auf alle zu bewahren.

Den ein oder anderen Senator hatte sie bereit eingelullt. Aber wenn sie sicher gehen wollte, brauchte sie Stimmen im Verteidigungsausschuss. Sichere Stimmen.


“Wir sind da, Ma’am.”

Die Stimme ihres Fahrers riss sie aus den Gedanken. Sie war allein gekommen - gegen heftige Einwände ihres Sicherheitsverantwortlichen.
Das The Deep Current lag mehrere Ebenen unterhalb der repräsentativen Bezirke Coral Citys. Offiziell handelte es sich um ein Restaurant der gehobenen Klasse und eine Bar für Geschäftsreisende, Werftmanager sowie wohlhabende Besucher von Dac. Tatsächlich war es einer der Orte, an dem man vertrauliche Gespräche führen konnte, ohne die Befürchtung, dass etwas nach Außen getragen wurde. Was im Deep Current besprochen wurde, blieb im Deep Current. Es war ein ungeschriebenes Gesetz.

Die Einrichtung war deutlich dunkler als die meisten Lokale an der Oberfläche der schwimmenden Mon Calamari-Kuppeln. Blaugrünes Licht fiel entlang der gewölbten Decke und tauchte den Raum in eine gedämpfte Atmosphäre, die an die Tiefsee erinnern sollte. Hinter riesigen Transparistahlfensterscheiben bewegte sich dabei tatsächlich die Tiefsee Dacs. Gelegentlich glitten Schwärme kleiner Leuchtfische durch die dunklen Wassermassen und verschwanden wieder in der Schwärze, während dahinter größere Silhouetten durch die Dunkelheit zogen. Der Ort gefiel ihr. Nicht, wegen des Luxus. Sondern, weil hier niemand laut sprach. Niemand machte hier offensichtlichen Wahlkampf. Niemand brauchte eine Rolle spielen. Denn niemand sah hin. Daher war es der perfekte Ort, sich mit jemandem wie ihm zu treffen. Und er war leicht zu finden.


“Senator Hendrey.”

Ein höfliches, breites Lächeln erschien auf ihrem Gesicht.

“Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben. Nach Ihrem gestrigen Auftritt muss die Hälfte des Senats etwas von Ihnen wollen …”

Sie setzte sich auf den freien Platz gegenüber.

“Ich hoffe jedenfalls, dass ich nicht gegen wichtigere Termine konkurrieren musste.”

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Ylsara Adinara und Senator Hendrey
 
Dac / Coral City / Büro von Senator Jon Hendrey / War Room / Senator Jon Hendrey, Team des Senators von Eriadu

Der Tag hatte für Jon Hendrey begonnen, wie gute Tage für Jon Hendrey beginnen mussten. Noch vor dem ersten großen morgendlichen Nachrichtendurchlauf war er seine morgendliche Runde entlang der Promenaden von Coral City gelaufen, stets prüfend, ob Passanten, Drohnen oder zufällig positionierte Helfer seines Teams den richtigen Blickwinkel auf ihn hatten. Danach folgte einer seiner vier wöchentlichen Kraftworkouts, offiziell Teil seiner rigorosen persönlichen Disziplin, inoffiziell selbstverständlich beiläufig für seinen Holokanal mitgefilmt, wo zusammengeschnittene Sequenzen von Bankdrücken und Klimmzügen später wieder zeigen würden, wer das stärkste Alphatier im republikanischen Senat war. Am Vormittag hatte sein Team ihn dann in schneller Folge über die Entwicklungen an der Kashyyyk-Front instruiert, über bestätigte Landungen, umkämpfte Zonen, militärische Fortschritte und jene Formulierungen, mit denen man Siege feiern konnte, ohne den Eindruck zu erwecken, man freue sich zu sehr über einen Krieg. Darauf folgte eine Holo-Videobotschaft an seine Anhänger, staatsmännisch im Ton, entschlossen im Blick, mit genau der richtigen Mischung aus Dank an die Soldaten, Solidarität mit diesen Wookiees und dem unvermeidlichen Versprechen, dass die Republik nicht zögern werde, um Freiheit und Demokratie zu verteidigen. Die übrigen dreißig Minuten vor dem nächsten Termin wurden genutzt, um ihn auf Senatorin Ylsara Adinara vorzubereiten: Druckenwell, Anschlag, Industrie, Verteidigungsausschuss, innere Unruhen, Togruta, strategische Bedeutung, mögliche Anträge, mögliche Fallen, Togruta, Anschlag... es waren zu viele Informationen, verteilt auf zu wenig Zeit und während Jon nickte, nachfragte, zweimal den Namen korrekt wiederholte und das einmal beinahe wieder falsch, wusste er im Grunde bereits, dass er improvisieren musste.

Diese ganze Erbsenzählerei mit technischen Details, Zuständigkeiten, lokalen Fraktionen, Ausschusswegen und möglichen Formulierungsfallen war nicht seine Stärke, und je länger die Namen, Zahlen und Querverbindungen durch den War Room geisterten, desto stärker spürte Jon, wie sein Geduldsfaden riss. Er war nicht gewählt worden, weil er Produktionsstatistiken von Druckenwell herunterbeten konnte oder weil er jede Untergruppe irgendeiner degenerierten sozialistischen Arbeiterbewegung kannte oder weil er wusste, welche Klausel in welchem Ausschuss wann gezogen werden musste. Er war Jon Hendrey. Die Zukunft! Sein Team schien das anders zu sehen oder zumindest nicht mit derselben Klarheit. Maren sprach von Risiken, Leera von Wahrnehmungsfallen, Cassa von kontrollierter Gesprächsführung und Syril hatte gerade begonnen, eine weitere innenpolitische Strömung auf Druckenwell zu erklären, als Jon den Stuhl nach hinten schob und mit einem scharfen Geräusch vom langen Tisch im War Room aufstand. Einen Augenblick lang sagte niemand etwas. Er ließ die Stille wirken, die Hände auf die Tischkante gestützt, den Blick hart genug, dass selbst Leera ihr Pad ein wenig sinken ließ.

Dann erinnerte er sie daran. Nicht laut zuerst, sondern ruhig - gefährlich ruhig. Er erinnerte sie daran, wer das Mandat im Senat hatte, wer den Namen auf den Plakaten trug und wer ihn bloß in Terminkalender eintrug. Er erinnerte sie daran, dass jeder in diesem Raum ersetzbar war, jeder Titel, jede Funktion, jedes angeblich unverzichtbare Talent, während es nur einen Senator Jon Hendrey gab. Und als er schließlich sagte, dass sie für ihn arbeiteten und nicht umgekehrt, war die Luft im Raum spürbar kälter geworden. Die Zuversicht kehrte nicht in ihre Gesichter zurück, aber der Widerspruch verschwand. Das genügte ihm. Jon richtete sich auf, strich seine Trainingsjacke glatt und erklärte mit jener festen, glänzenden Selbstsicherheit, die vor den Holo-Kameras immer wie Führung wirkte, dass er die Sache unter Kontrolle hatte.

Kurz darauf verschwand Jon in dem privaten Nebenraum, um sich umzuziehen. Als er wieder heraustrat, trug er einen seiner Standard-Anzüge, makellos geschnitten, dunkelblau, mit hellem Hemd, offenem Kragen und genau jener Mischung aus Zugänglichkeit und Dominanz, die seine Berater irgendwann als "staatsmännisch, aber nicht verstaubt" beschrieben hatten. Ohne noch einmal nach den Datapads, Projektionen oder besorgten Gesichtern seines Stabes zu sehen, verließ er das Büro in Richtung Hangar, wo sein luxuriöser Gleiter bereits von zwei Sicherheitsleuten flankiert wartete. Auf dem Weg dorthin hob Jon im Vorbeigehen die Hand zum Gruß für einige wartende Journalisten und eine Schülergruppe, die gerade durch das Senatsgebäude geführt wurde. Dann verschwand er schließlich hinter den getönten Scheiben des Fahrzeugs.

Wie immer fragte ihn der Chauffeurdroide nach dem Start, ob der Senator eine der bereitgestellten Erfrischungen wünsche, und wie immer lehnte Jon ab. Er trank nicht. Er nahm keine Drogen. Er arbeitete und trainierte. Für irgendwelche anderen Laster hatte er keine Zeit. Stattdessen saß er aufrecht auf dem Rücksitz, den Blick auf die Stadt gerichtet, die an ihm vorbeizog. Erst als der Gleiter allmählich an Höhe verlor und schließlich sanft zum Halten kam, löste Jon den Blick von den Scheiben, strich sein Jackett glatt und setzte sein typisches Lächeln auf. Das Etablissement, das
Adinara gewählt hatte, sagte Jon auf Anhieb weniger zu. Es war gehoben, aber nicht auf jene repräsentative Art, die ihm lag. Es war mehr Bibliothek als Lokal. Die Gäste sprachen leise, Kellner schlichen mehr oder weniger umher und hinter den riesigen Transparistahlfenstern lag die Tiefsee der Meereswelt wie eine schwarze Wand.

Sein Team hatte ihn darauf vorbereitet, dass
Adinara kein sichtbares Treffen suchen würde, also überraschte ihn die Wahl des Ortes nicht, auch wenn sie ihm nicht gefiel. Der Empfang führte ihn mit professioneller Zurückhaltung an den reservierten Platz. Wie immer war er pünktlich. Genauer gesagt überpünktlich, denn Pünktlichkeit war Respekt, Überpünktlichkeit Kontrolle. Fünf Minuten wartete er, den Blick einmal über die dezente Einrichtung, die dunklen Fenster und die wenigen anwesenden Gäste gleiten lassend, ehe Senatorin Ylsara Adinara schließlich eintraf. Sofort erhob er sich.

"Senatorin"

Erwiderte ihre Begrüßung. Sie sah aus wie auf den Bildern. Nicht unbedingt sein Typ, aber mit Sicherheit ansehnlicher als 99 Prozent des restlichen Senats, speziell ihres Ausschusses. Dass sie direkt damit einstieg, seinen gestrigen Auftritt zu komplimentieren, war zusätzlich sympathisch. Die Bedenken seines Teams waren also komplett aus der Luft gegriffen.

"Die Republik wirkt an diesem Mittag entschieden heller"

Mit diesem Kompliment erwiderte Jon ihr Lächeln und nahm nach ihr Platz.

"Senatorin Adinara, manche Termine sind Pflicht, andere sind interessant. Und dieser hier gehört eindeutig zur zweiten Kategorie."

Während die Dac-Kellner ihnen still Datapads mit den Speise- und Getränkekarten brachten, wich das Lächeln zu keiner Sekunde aus seinem Gesicht. Nachdem er ein edles Quellwasser von Naboo bestellt hatte, fuhr er schließlich fort.

"Freiheit braucht Sicherheit. Sicherheit braucht Stabilität. Und Stabilität braucht Gespräche wie dieses - besonders in turbulenten Zeiten wie diesen."

Dac / Coral City / The Deep Current / Senator Jon Hendrey, Senatorin Ylsara Adinara
 
Dac – Coral City, Hotellobby – Jayne, Tyross, Sirion und Rrooow

Ein Teil der Delegation verfolgte die Nachrichten auf den großen Holoschirmen in der Hotelbar. Tyross saugte jedes Wort in sich auf und wirkte enthusiastisch ob der Nachricht von der Befreiung von Kashyyyk. Sirions Aufmerksamkeitsspanne schien überschritten zu sein, er las irgendetwas auf seinem Datapad, neben ihm eine längst erkaltete unberührte Tasse Tee. Jayne, ihr Sicherheitsmann, stand mit hinter dem Rücken verschränkten Armen hinter ihr. Er sagte, dass er ihre Sicherheit gewährleisten müsse, aber eigentlich war er wegen dem kostenlosen Ale hier. Rrooow trank Tasse um Tasse des ebenfalls kostenlosen Kafs (sie wohnten ja, dank des Sponsorings von Lantillies und Contruum, all inclusive in diesem Hotel). Sie brauchte das, um wach zu bleiben. Es war eigentlich viel zu spät, sie wollte aber kein bisschen verpassen.

Ehrlich gesagt fand sie die Bilder grauenvoll. Diese wunderschönen Wälder, sie brannten. Wookiee-Sklaven wurden befreit, aber sie sahen fürchterlich aus. Alle waren sie ausgemergelt, viele verletzt, manche hatten kaum mehr Fell. Bei ihnen konnte man die Spuren von Misshandlung sehen, alte und nicht so alte Narben. Überall lag zerstörtes Kriegsgerät herum und was sie nicht zeigten, war der Togorianerin bewusst: dieser Menge an zerstörtem Material stand eine entsprechende Anzahl getöteter Soldaten. In manchen der brennenden Wroshyr-Bäumen hatten sicher auch einmal Wookiees gelebt. Am liebsten hätte sie nicht mehr weitergesehen, aber eine morbide Neugier hielt sie davon ab. Irgendwann musste es doch Neuigkeiten in der Dauerschleife geben? Ein Wort des Kanzlers, wie es jetzt weiterging?


»Balamak hat den Aufnahme in die Neue Republik beantragt,«

Murmelte Sirion leise und es war Rrooow nicht klar, ob er nur laut las oder ob es für sie alle gedacht war. Togorianerinnen hörten gut.

»Hmm.«

Erwiderte Rrooow, die gerade gebannt das Holo sah, wo ein neuer Inhalt lief, ein Interview mit irgendeinem Militärkommandanten in Uniform.

»Die Beitrittsverhandlungen starten nächsten Primeday.«

»Hmm.«

»Die Republik stellt das Sternensystem für die Dauer der Verhandlungen unter seinen Schutz. Von der Allianz ist aber nicht die Rede.«

»Hmm.«

»Scheinbar haben die auch einen eigenen Botschafter.«

»Zsum Glück… Moment, wass?«

»Hier steht: ›Für die Dauer der Beitrittsverhandlungen sichert die Neue Republik militärischen Schutz zu.‹


Wiederholte der Sephi.

»Sschhon klar, aber welchher Planet nochmal?«

»Balamak.«

»Aber dass isst eine Welt der Phhobium-Allianzs!«

»Deswegen lese ich ja die Nachrichten vor!«

»Und die haben ohne unsser Wisssen mit der Republik militärisschhen Sschhutz aussgehandelt.«


»Scheinbar, ja.«

Eigentlich waren Sirion und Rrooow nicht unbedingt das Modell ›zwei Gehirnzellen, ein Gedanke.

»Warum mach(h)en wir das(s) nicht auch(h)?«



Bereits am nächsten Morgen standen sie bei Fraktionsführer Cado Bhar auf der Matte. Sie hatten entschieden, dass es wesentlich erfolgversprechender war, wenn die Ossus-Lianna-Achse den Antrag einbrachte als wenn eine einzelne Hinterbänklerin das täte. ›Sie‹ waren in dem Fall außer Rrooow natürlich Sirion, außerdem Malaaw, der seltsame Gizer-Droide, der ihnen allen einigermaßen suspekt war und zu guter Letzt Abgeordnete Starsinger von Contruum.

»Um zusammenzufassen, Ihr möchtet von mir, im Namen der OLA einen Antrag einzubringen, sämtliche Welten dieser sogenannten ›Phobium-Allianz‹ unter den militärischen Schutzschirm der NR zu stellen? Selbst diejenigen, die noch gar keinen Beitrittsantrag gestellt haben? Und obwohl Lantilies und Contruum den Beitritt kurz vor der Ziellinie platzen haben lassen?«

Fragte der Ysanna mit einem Stirnrunzeln. Rrooow sah sich bemüßigt, ihn zu korrigieren:

»Pausisert. Geplatzst isst er nichht. Ihr habt richtig vversstanden, genau dass möchhten wir, diesselbe Zsusage wie Balamak ssie bekommen hat.«

»Und die Republik bekommt im Gegenzug…?«

»Lantillies tritt in dem Fall der neuen Republik bei. Die Verhandlungen sind ja bereits so gut wie abgeschlossen,«


Betonte Sirion.

»Contruum ebenfalls. Außerdem haben wir die Zusagen von Nazzri, Phaseera und Avenelle, in diesem Falle unverzüglich in Beitrittsverhandlungen zu treten,«

War Ulariel über Holo zu vernehmen. Sie hatten Glück gehabt, der späte Abend in Coral City hatte dem frühen Vormittag in Torian City entsprochen. Die Contruumerin hatte ihre ganze Schlafenzeit über Gelegenheit gehabt, diplomatische Kanäle zu aktivieren und das Ergebnis lag bereits vor. Auch, weil in den Hauptstädten der jeweiligen Welten die Nachricht von Balamak ebenfalls angekommen war.

»Außzerdem ändert ssichh ffür die Republik gar nicht mehr viel, den Schutz noch etwas auszudehnen. Angenommen, das Imperium greift eine Welt der Phobium-Allianz an, die nicht unter republikanischem Schutz steht, dann müssten die übrigen Welten, also unter anderem Lantillies, Contruum, Charros ihr beistehen. Attackiert das Imperium im Gegenzug diese Welten, Mitglieder der Republik, dann ist diese sofort mittendrin und muss alle diese verteidigen,«

Behauptete Malaaw, wobei Rrooow klar war, dass der Vergleich recht stark hinkte. Egal, Bhar hatte begriffen, dass sich hier möglicherweise eine größere Beitrittswelle abzeichnete, die sich die OLA an's Revers knüpfen konnte. Stärkere Republik, Kontrolle über Hyperraumrouten und alles, was sonst noch dazu gehörte. Er erklärte:

»Also gut, bis morgen bringt die OLA den Antrag in den Senat ein.«

Dac – Coral City, Senatsgebäude – Büro von Cado Bhar – Cado Bhar, Malaaw, Sirion und Rrooow
 
Dac – Coral City, Senatsgebäude – Sitzungssaal des Beitrittsausschusses – Senatoren, Sirion und Rrooow

Falls Rrooow gedacht hätte, dass ihr bzw. Cado Bhars Antrag, allen Beitrittskandidaten künftig automatisch den militärischen Schutz der Neuen Republik zusichern, ein großes Thema für den ganzen Senat wäre, hätte sie sich geschnitten. Tatsächlich hatte sie das gedacht. Ganz und gar nicht damit gerechnet hatte sie damit, wie schnell die ganze Angelegenheit in die Ausschüsse verwiesen worden war oder dass Bhar zum entsprechenden Termin nicht einmal anwesend war. Falls die Togorianerin darauf ausgewesen wäre, im Mittelpunkt zu stehen, hätte sie sich darüber freuen können, aber das war so gar nicht ihr Ding. Sie befürchtete eher, dass ihr Anliegen ohne die sichtbare Rückendeckung ihres Fraktionsführerin wie die wilde Idee der Hinterbänklerin aussah die sie war. Eines, das in den Augen der Ausschlussmitglieder ein zu hohes Risiko mit sich brachte für das was man gewann. Rrooow vermutete jedenfalls, dass die Senatoren so denken würden. Der Senat kam ihr gerade generell wie paralysiert vor. Krieg war die Stunde der Exekutive, hieß es immer, und in ihren Augen schien es sich zu bewahrheiten.

Sie sortierte die weiteren Gegenargumente, mit denen sie rechnete, im Kopf. Im besten Fall konnte sie denen in ihrer Rede bereits zuvorkommen. Ja, sie würden dafür plädieren, lieber im Äußeren Rand und im Wilden Raum zu wachsen. Das Imperium würde ein Erstarken der Neuen Republik an der perlemianischen Handelsstraße als direkte Bedrohung wahrnehmen – und so weiter.


»Für die Ossus-Lianna-Achse spricht nun Senatorin Rrooow von Togoria,«

Verkündete der Protokolldroide, der mit diesen eher mechanischen Dingen im Sitzungsablauf betraut war. Ehe Rrooow so richtig wusste wie ihr geschah, setzte sich ihre Kapsel bereits in Bewegung und schwebte in die Mitte des Raumes. Ob sie wollte oder nicht. Eigentlich wollte sie ja, aber es fühlte sich so sehr nach Kontrollverlust an. Bleib' ruhig… keine Panik… im Grunde erwarten sie nicht viel von dir, was hast du also zu verlieren?

Du nichts, aber die Republik eine sehr willkommene Stärkung ihrer militärischen und wirtschaftlichen Fähigkeiten.


»Ähem,«

Räusperte die bepelzte Senatorin sich, ihr Latte-Kafiato-Glas mit beiden Pfoten fest umschlossen, als könne es ihr Halt geben. In einer der übrigen Kapseln saß Senatorin Snoff, ein vertrautes Gesicht, die sie ermutigend anlächelte. Also gut…

»Meine Damen und Herren, sonstige Geschlechter, Zwischenformen und Droidenwesen, eine neue Zseit brichht in der Galaxsiss an. Die Ära der Ffriedenss und dess Wiederauffbauss, die wir sso lange genosssen hatten, isst vvorüber – auff Dauer, ffürchhte ichh. Jahrelang konnten wir unss darauff konzsentrieren, dem Sksky Rivver die demokratisschhe Ordnung mit den Mitteln der Diplomatie zsurückzsugeben. Dochh der Machhtwechhsel im Imperium und der Angrifff auff Kasshhyyyk machhen den Weg der Vverhandlungen auff einen Sschhlag ssehr vviel komplexser. Ssie erinnern ssichh, dass letzste Mal ssprachh ichh vvor diessem Gremium als Vvertreterin vvon Lantilliess. Mit Bedauern mussste ichh auff den letzsten Metern noch den Sstop dess Auffnahmevverffahrenss vverkünden. Der planetaren Regierung wurde der Sstatuss alss Beitrittsskandidat, aber nochh ohne die militärisschhe Beisstandssgarantie der Republik, auffgrund der Nähe zsum Imperium und Sspezsiell der Ffesstungsswelt Taanab zsu gefährlich.«

Rrooow sah sich die Gesichter des Senatoren an. Das war nicht die Vollversammlung, sondern ein Ausschuss. Die Leute die hier saßen, erinnerten sich noch ganz genau an die Beitrittsverhandlungen von Lantillies, Contruum und Gizer.

»Sseit vvergangenen Primeday läufft nun dass Beitrittssvverffahren von Balamak, wohlgemerkt unter Ssichherheitssgarantien der Republik. Sseitdem wurde mit vvon den Regierungen von Lantilliess, Contruum und Gizser ssignalissiert, den Beitrittssprozsesss wieder auffnehmen zu wollen. Weitere Welten der Phfobium-Allianzs, namentlichh Nazzsri, Phfasseera und Avenelle kündigten an, in Vverhandlungen treten zu wollen und wie ichh erffahren habe, gibt es auf Uyter ebenffallss einen solchhen Vvorsstoßz. Bedingung in allen diessen Ffällen isst aber, dass die Republik ihnen vvorab militärisschhen Beisstand im Ffalle eines imperialen Prävventivvsschhlagss zsussichhert.«

Ein Glück, dass der Ausschluss im Geheimen tagte. Hoffentlich hielten die Ausschussmitglieder dicht? Das Imperium könnte natürlich auch auf die Idee kommen zuzuschlagen, bevor der Aufnahmeantrag tatsächlich gestellt wurde. Deshalb war Diskretion furchtbar wichtig, und noch eine Sache mehr.

»Desshalb sschhlägt die OLA vvor, allen potentsiell beitrittsswilligen Welten, ssoweit militärisschh leisstbar, vvon vvornherein unter den Sschhutzs der Republik zsu sstellen. Anderenfallss droht der Zsusstrom vvon Planeten, die in die Arme der Republik zsurückkehren wollen, zsu vverssiegen. Angsst würde unsser demokratisschhess Projekt zsersstören. Angsst vvor einem gesschhwächhten Imperium im Umbruchh, unter neuer Fführung. Diesse Welten ssind ja gerade nichht jene weit draußzen am Rand, die noch nie Teil der Republik waren und die ersst mit Ssteuercreditss entwickelt werden müsssen. Ess ssind jene, die jahrhundertelang Teil der Republik gewessen waren, im Sslicse, zsentral gelegen, nahe am Imperium, teilweisse nochh Teil dess Imperiumss. Ess ssind wirtsschafftlich sstarke Welten, wie Lantilliess, Contruum und Gizser mit ihrer Sschhifffssbauindusstrie, die die Republik bereichern würden. Wir müsssen nur daran glauben, an unss, und daran, dasss wir gemeinsam niccht sschwächher, ssondern sstärker sind! Lasssen Ssie unss ein Ssignal ssenden an alle Welten, die genug haben von Gewalt und Willkürherrsschhafft, die sso gerne in Sschoßz der Demokratie zurückkehren möchhten: ihr sseid nichht alleine. Zsussammen ssind wir sstark! Let thse Sstarss ssing!«

Mit einem leiseren »Ichh danke ihnen« gab Rrooow dem Protokollführer zu verstehen, dass sie geendet hatte. Sicherlich verstanden die Ausschlussmitglieder das Zitat der Deklaration der Neuen Republik. Pathos war ihr Mittel, den Mut in den Senatoren zu wecken und hofffentlichh hatte sie damit Erfolg.

Dac – Coral City, Senatsgebäude – Sitzungssaal des Beitrittsausschusses – Senatoren, Sirion und Rrooow
 
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Ylsara Adinara und Senator Hendrey


Hendreys Kompliment klang, als hätte er ihn aus einem Flirthelfer-Ratgeber geklaut. Ylsara lächelte es höflich weg. Der Senator von Eriadu hatte eine leicht überdurchschnittliche Körpergröße für einen Menschen, war aber gebaut wie ein Houk. Er musste unglaublich viel Zeit mit dem Körpertraining verbringen. Sie kannte kaum einen Menschen, der augenscheinlich derart durchtrainiert war.
Nachdem sie sich gesetzt hatten, eilten Kellner der einheimischen Dac-Spezies herbei und reichten ihnen Datapads mit den Karten der verfügbaren Speisen und Getränke. Hendrey bestellte sich ein Wasser. Es passte zu seinem Auftreten und grenzte ihn gleichzeitig von vielen ihrer Kolleginnen und Kollegen ab. Auf den ersten Blick wirkte es fast bescheiden. Die meisten Senatoren nutzten Treffen wie diese, um auf jeweilige Staatskosten an den erlesensten Getränken zu nippen und die teuersten Speisen zu verköstigen. Nur, dass seine Bestellung so gar nicht bescheiden war. Das Quellwasser von Naboo war auch nicht gerade günstig. Es war eines, sich importiertes Wasser auf einem Wüstenplaneten zu bestellen. Aber auf einem Meeresplaneten? Den unendlichen Vorrat hiesigen mit Aufbereitungsmaschinen für Menschen trinkbaren Wassers zu ignorieren und stattdessen ein Wasser zu ordern, das durch die halbe Galaxis gereist war? Solche Nerven musste man erst einmal besitzen.

Die Senatorin von Druckenwell versuchte, sich ihre Gedanken in keinerlei Weise anmerken zu lassen. Sie selbst bestellte einen frisch gepressten Saft aus den Nesseln von Salzwasser-Anemonen.


"Turbulente Zeiten sind es tatsächlich”
, bekräftigte Ylsara. “Zeiten, die entschlossenes, geradliniges Handeln erfordern. Sie werden sich daher sicher nicht wundern, warum ich gerade Sie aufsuche.”

Das Lächeln der Togruta wandelte sich fast in einen entschuldigenden Ausdruck, während sie sich einen ihrer gold-weiß-gestreiften Lekku über die Schulter legte.

“Ich will Ihnen keine Zeit stehlen und direkt zur Sache kommen."

Passenderweise trafen nun bereits die bestellten Getränke ein. Das Personal des Deep Current wusste, welche Art von Gäste es bewirtete. Hier ließ man sich nicht zu viel Zeit bei der Zubereitung, weder an der Bar noch in der Küche.

“Ich brauche Ihre Hilfe.”

Soviel war ihm bestimmt schon sicher. Also gleich raus mit der Sprache. Die Senatorin hatte das Gefühl, dass sie ihn damit am besten erreichte.

Druckenwell braucht Ihre Hilfe. Sicher sind Sie informiert. Einer meiner Verbündeten wird bei nächster Gelegenheit einen Antrag in den Verteidigungsausschuss bringen, der die Neue Republik zur Intervention auf Druckenwell auffordert, um den Frieden und die Ordnung wiederherzustellen.”

Sie seufzte, als sie an die derzeitige Lage dachte.

“Ich bitte Sie, den Antrag zu unterstützen.”
In diesem Moment nahm sie ihr Saftglas in beide Hände und lenkte ihren Blick über den Rand hinweg in das Gesicht Hendreys.

“Was würden Sie als Gegenleistung verlangen?”

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Ylsara Adinara und Senator Hendrey
 
Dac / Coral City / The Deep Current / Senator Jon Hendrey, Senatorin Ylsara Adinara

Jon hob das Glas an, nahm jedoch zunächst keinen Schluck. Stattdessen blieb sein Lächeln. Es war gerade noch charmant und warm genug, um nicht allzu deutlich zu zeigen, wie sehr ihm ihre Worte gefielen.

Sie brauchte seine Hilfe.

Es gab Sätze, die in der Politik mehr wert waren als diese ganzen Anträge, Holo-Reden oder Nachrichtenberichte. Und dieser hier gehörte zweifelsohne dazu.
Senatorin Adinara hatte ihn nicht um eine Einschätzung gebeten, nicht um einen unverbindlichen Austausch, nicht um eine der kollegialen Höflichkeiten, hinter denen sich meistens nur Feigheit oder Zeitverschwendung verbargen. Sie hatte SEINE Hilfe erbeten. Und das völlig offen und unumwunden. Und während Jon nach außen hin mit seiner antrainierten staatsmännischen Ruhe vor ihr saß, spürte er innerlich jenes wohlige Gefühl, das sich immer dann einstellte, wenn die Galaxis für einen Moment endlich begriff, welche zu spielende Rolle ihm in dieser gebührte.

Aber natürlich durfte man sich das nicht anmerken lassen. Nicht hier. Nicht bei einer Frau wie
Ylsara Adinara, die viel zu aufgeweckt und abgebrüht wirkte. Also stellte Jon das Glas langsam wieder ab, faltete die Hände locker vor sich auf dem Tisch und neigte den Kopf im hunderte Male erprobten und antrainierten Maß, das Anteilnahme, Ernst und Führungsbereitschaft zugleich ausdrücken sollte.

"Senatorin Adinara, ich schätze Ihre Offenheit."

Seine Stimme blieb ruhig, aber darunter lag der feste Ton eines Mannes, der es gewohnt war, Worte wie Entscheidungen klingen zu lassen. Dass er dabei aussah wie ein Holo-Star und auch genauso klang, schadete dabei natürlich nicht.

"Und ich werde ebenso offen antworten: Freiheit und Demokratie auf Druckenwell sind nicht verhandelbar."

Er ließ den Satz für einen Moment einfach stehen. Nicht zu lang, nicht pathetisch genug, um lächerlich zu wirken, aber gerade lang genug, um den Moment ihrer ungeteilten Aufmerksamkeit zu fassen. Dann griff er endlich nach seinem Wasser, nahm einen kleinen Schluck und stellte das Glas bewusst kontrolliert zurück.

"Eine Welt wie Druckenwell ist keine Randnotiz, Senatorin. Eine Welt mit industrieller Stärke, kritischer Infrastruktur und republikanischen Bürgern, die Schutz verdienen, darf nicht im Schatten größerer Schlagzeilen verschwinden. Kashyyyk und die Wookies stehen dieser Tage im Zentrum der Aufmerksamkeit, ja. Aber Verantwortung bedeutet, auch dort hinzusehen, wo die Kameras gerade nicht stehen."

Das klang gut. Sehr gut sogar. Jon bemerkte es selbst und ließ sein Lächeln um eine Spur wärmer werden. Es war einer dieser Sätze, die man später problemlos in eine Erklärung übernehmen konnte, falls es nötig wurde. Vielleicht sogar in einen kurzen Clip. Es war nicht zu viel, nicht zu konkret, aber vollkommen problemlos verwendbar.

"Wenn auf Druckenwell Ordnung, Wohlstand und Sicherheit ins wanken geraten, dann ist das keine lokale Unannehmlichkeit. Dann ist es eine Frage republikanischer Stabilität. Und Stabilität ist das Fundament, auf dem Freiheit und Demokratie überhaupt erst stehen können."

Er lehnte sich etwas zurück und sah sie aufmerksam an. Der gönnerhafte Zug in seiner Haltung war kaum zu übersehen, aber er trug ihn mit der Selbstverständlichkeit eines Mannes, der das, was er da gerade sagte, sogar tatsächlich glaubte. Selbst wenn er es nicht wirklich verstand und eigentlich keine Ahnung davon hatte, was Druckenwell war, wo es lag und wie die Lage dort im Detail aussah. Und es ihn im Grunde auch nicht wirklich interessiert hätte, wenn die Teams der beiden Senatoren nicht den Kontakt hergestellt hätten.

"Sie fragen mich, was ich als Gegenleistung verlangen würde..."

Jon hob eine Hand, schon andeutend, was nun folgen würde.

"Nichts."

Eine kurze Pause folgte. Denn er wusste, wie solche Pausen wirkten. .

"Ich verlange keine Gegenleistung dafür, dass ich tue, was richtig ist. Wenn Freiheit bedroht wird, wenn demokratische Ordnung unter Druck gerät und wenn eine republikanische Welt Hilfe benötigt, dann sollte Unterstützung keine Ware sein, die man gegeneinander aufrechnet."

Für einen Augenblick klang er beinahe wirklich überzeugt davon. Vielleicht war er es sogar in diesem Moment.

"Sie können also davon ausgehen, dass ich mir diesen Antrag sehr genau ansehen werde. Und wenn er dem dient, was Sie beschrieben haben - der Wiederherstellung von Frieden, Ordnung und Sicherheit auf Druckenwell - dann werde ich ihn mit aller Kraft unterstützen."

Er ließ den Blick kurz über den Tisch und hinüber zu ihr wandern. Seine Stimme wurde nun etwas verbindlicher und persönlicher.

"Aber natürlich, Senatorin, begrüßt man in Zeiten wie diesen, wenn man weiß, wer auf derselben Seite steht."

Das Lächeln blieb freundlich, doch nun lag etwas Berechnenderes darunter.

"Die Republik wird in den kommenden Monaten robuste Verteidigungspolitik brauchen und zwar dringender denn je. Klare Entscheidungen und verlässliche Stimmen. Kolleginnen und Kollegen im Herzen unser Demokratie, die verstehen, dass Wohlstand, Freiheit und Sicherheit nicht voneinander zu trennen sind und sich nicht hinter leeren Worthülsen verstecken, wie der Senator von Metalorn."

Jon faltete die Hände erneut vor sich und neigte sich nur wenig nach vorn.

"Ich würde es also sehr begrüßen, in Ihnen künftig eine Verbündete zu wissen, wenn es darum geht, unsere Republik nicht nur zu verwalten, sondern zu schützen."

Er ließ den Satz kurz wirken.

"Nicht als Gegenleistung, sondern als Ausdruck gemeinsamer Verantwortung."

Wieder lächelte er charismatisch. Dieses Gespräch lief optimal und er hatte es gewusst, dass er das schaffen würde, ohne dass diese ganzen opportunistischen Aasfresser in seinem Büro ihm jedes einzelne Wort vorkauen mussten.

Dac / Coral City / The Deep Current / Senator Jon Hendrey, Senatorin Ylsara Adinara
 
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Ylsara Adinara und Senator Hendrey


Ylsara verschluckte sich fast an ihrem Saft. Er verlangte nichts für seine Unterstützung im Senat? Wenn dies tatsächlich der Fall war, dann hatte sie Senator Hendrey völlig falsch eingeschätzt. Nein, ihr ganzes Team hätte Jon Hendrey falsch eingeschätzt. Es wäre vermutlich das erste Mal in der Geschichte der Neuen und Alten Republik gleichermaßen, dass ein Mitglied des galaktischen Senats einen fremden Antrag rein aus Überzeugung und, weil es mit seinem moralischen Kompass übereinstimmte, unterstützte. Politik war nichts anderes als ein Straßenbasar, nur dass teurere Anzüge und schmuckere Kleider getragen wurden. Wollte man etwas, musste man etwas geben. Man musste Hände waschen, Klinken putzen und dies waren nur die harmlosen Methoden andere Senatoren davon zu überzeugen, was das richtige war. Nur ein Bruchteil der skandalöseren Methoden kam jemals ans Tageslicht von Dac.

Also beobachtete Ylsara den gestählten Vorzeigemenschen, während er seinen Vortrag darüber hielt, ein Kämpfer für Freiheit, Ordnung und Frieden zu sein, und es fiel ihr schwer, den Mund geschlossen zu halten. Beinahe war die Senatorin versucht, sich kurz umzudrehen, um zu schauen, ob sich nicht doch eines seiner Holo-Teams hinter ihr befand, um diesen Monolog aus Pathos als Propagandamaterial mitzufilmen. Sie wusste aber, dass das Deep Current dies in ihrem Etablissement niemals zugelassen hätte. Wenn er also nicht mit versteckter Kamera arbeitete, dann hielt er diese filmreife Rede tatsächlich für Ylsara. Sie spürte, wie ihre Montrals kribbelten.

Oder tat er das etwa für sich selbst?

Aber dann kam es. Natürlich. Beinahe wäre sie auf seine durchaus überzeugende Selbstdarstellung hereingefallen. Natürlich wollte er eine Gegenleistung. Und so war gewiss: Im Senat handelte doch keiner aus der intrinsischen Motivation heraus, das Richtige zu tun.
Nachdem Ylsara die ganze Zeit eine versteinerte Fassade aufrechterhalten hatte, um gar nicht erst in die Gefahr zu geraten, verwirrt oder gar pikiert auszusehen, entspannten sich ihre Gesichtszüge nunmehr. Er verpackte seine Forderung nach einem Bündnis unter diesen fadenscheinigen Worthülsen und damit nicht genug - genau jene Worthülsen zu nutzen warf er auch noch dem Senator von Metalorn vor. War das alles nur ein Schauspiel oder glaubte er seinen eigenen Worten?
Ylsara war sich nicht sicher. Aber sie musste mitspielen. Mehr war es nicht. Natürlich hatte sie bereits damit gerechnet, praktisch mit Hendrey fraktionieren zu müssen. Also kehrte nun ihr charmantes Lächeln zurück, das zumindest versuchen konnte, mit seinem zu konkurrieren.


“Wer wäre ich, wenn das Wohl der Neuen Republik nicht mein oberstes Ziel wäre?”

Sie benetzte ihre Lippen erneut mit der türkisen Flüssigkeit aus ihrem Glas.

“Natürlich bin ich mir unserer gemeinsamen Verantwortung bewusst, die wir als Mitglieder des Senats haben.” Sie nickte theatralisch.

“Ich stehe immer auf der Seite von Freiheit, Sicherheit und Wohlstand, Senator.”

Erneut suchten ihre Augen die seinen.

“Darauf können Sie vertrauen.”

Damit war sie sich zumindest einigermaßen sicher, sich seine Stimme erkauft zu haben. Der genaue Preis würde sich noch herausstellen. Nachdem, was ihr Team jedoch über Hendreys zur Schau gestellte Agenda und bisheriges Abstimmungsverhalten herausgefunden hatte, würden sich die politischen Kosten für sie im Rahmen halten. Das schlimmste, was passieren konnte, war die Zusage zu dem ein oder anderen Rüstungsdeal an ein Unternehmen, dass Eriadu nahestand, oder die Abschaffung eines Bürokratieparagraphen, der die wirtschaftliche Expansion seiner Welt im Zaum hielt. Alles andere konnte doch nicht gegen ihre eigenen Interessen verstoßen. Oder?

Jedenfalls sah sie nun den Punkt gekommen, einen weiteren Schritt zu gehen.


“Wenn ich so offen sein darf: Ich bin mir Ihrer Wirkung und Präsenz in den Medien bewusst und habe deshalb noch eine weitere Bitte: Sprechen Sie in der Öffentlichkeit aus, dass die Situation auf Druckenwell eine helfende Hand benötigt.”

Sie stellte ihr Glas ab und strich sich mit der Hand beiläufig über einen ihrer Lekku.

“Wenn die anderen Senatoren sehen, dass Sie dieses Thema ernst nehmen … dann werden sie sich ein Beispiel an Ihnen nehmen und Ihrem moralischen Kompass folgen. Sie haben einfach diese überzeugende, geradlinige Art.”

Hatte sie bisher mit einer gewissen Weiblichkeit in der Stimme gesprochen, wurde sie nun durch eine Ernsthaftigkeit gefüttert, mit der sie verdeutlichen wollte, dass ihre nächsen Worte absolute Priorität hatten.

“Aber: Sicher werden Sie meine persönliche Situation verstehen können… mit dem Antrag an sich darf ich weder im Ausschuss noch im Plenum etwas zu tun haben. Die politischen Strukturen auf Druckenwell sind in dieser Angelegenheit … kompliziert. Ich wäre Ihnen daher unendlich dankbar, wenn Sie meine persönliche Motivation weder gegenüber den Medien, noch Senatoren erwähnen würden, die etwas anderes für die Neue Republik im Sinn haben als wir beide.”

In diesem Moment kam eine Dac-Kellnerin so unauffällig wie möglich an den Tisch getreten und stellte einen kleinen Korb in der Mitte des Tisches ab. Darin befand sich etwas, das aussah wie getrocknetes Meeresgemüse und Fischsticks.

“Entschuldigen Sie bitte. Wenn es genehm ist: Ein Gruß aus der Küche.”

Mit einem höflichen Nicken verabschiedete sie sich wieder.

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Ylsara Adinara und Senator Hendrey
 
Dac / Coral City / The Deep Current / Senator Jon Hendrey, Senatorin Ylsara Adinar

Jon spürte es schon, bevor Adinara ihre nächste Bitte vollständig ausgesprochen hatte. Dieses Gespräch lief nicht nur gut. Es lief exakt in jene Richtung, die er vorhergesagt hatte. Sein Team hatte ihn mit Risiken, Fallen, Formulierungen, Namen, Fraktionen und Warnungen überhäuft, als würde er ohne ihre Instruktionen nicht einmal den Weg zum richtigen Tisch finden. Maren mit ihrem vorsichtigen Blick fürs Detail, Syril mit seinen endlosen Zusammenhängen, Cassa mit ihren konstruierten Wendungen, Leera mit ihrer unausstehlichen nervösen Gier nach Kontrolle. Sie alle hatten es ihm nicht zugetraut.

Und jetzt saß die
Senatorin Druckenwells vor ihm, lächelte, sprach von seiner Wirkung, seiner Präsenz, seiner überzeugenden, geradlinigen Art und bat ihn nicht nur um Unterstützung im Ausschuss, sondern obendrein noch um seine Stimme in der Öffentlichkeit. Natürlich tat sie das.

Jon Hendrey musste nicht vorbereitet werden wie irgendein 0815-Verwaltungsbeamte. Er verstand Menschen. er verstand Momente und er verstand Macht, wenn sie nur darauf wartete, von jemandem mit ausreichend Selbstvertrauen ergriffen zu werden. Sie hatten sich allesamt geirrt - wieder einmal.

Als die Dac-Kellnerin den kleinen Korb zwischen ihnen abstellte, senkte Jon kurz den Blick. Meeresgemüse und etwas, das aussah wie Fischsticks. Er hatte in seinem Leben - besonders aber vor einigen Monaten während der Wahlkampagne auf Eriadu - bereits genug Dinge gegessen, die irgendein Spin Doctor als authentisch oder volksnah bezeichnet hatte, um vorsichtig zu sein. Für den Moment berührte er nichts davon, sondern schenkte der Kellnerin nur ein knappes Nicken.

Er wartete, bis sie wieder außer Hörweite war. Dann wandte er sich erneut vollständig
Adinara zu.

"Senatorin, Sie haben die goldrichtige Entscheidung getroffen, zu mir zu kommen."

Er sagte es nicht überheblich, zumindest nicht bewusst.

"Ich kann öffentlich aussprechen, was ausgesprochen werden muss: dass Druckenwell Stabilität braucht. Dass Freiheit nicht nur dort verteidigt wird, wo die Presse gerade am meisten hinsieht. Und dass Hilfe keine Schwäche ist, sondern ein Zeichen republikanischer Stärke."

Das Lächeln blieb, aber es wurde etwas milder, als sie auf ihre persönliche Situation zu sprechen kam. Natürlich verstand er sie. Nicht in allen technischen Einzelheiten, gewiss nicht. Aber im Kern. Sie wollte den Nutzen, ohne die Spur zu hinterlassen. Wer konnte ihr das schon verdenken?

"Was Ihre persönliche Rolle betrifft, können Sie vollkommen beruhigt sein."

Jon neigte den Kopf ein wenig. Im Grunde sprach er nur das aus, was ihm selbst politisch nützte.

"Diskretion ist manchmal keine Schwäche, Senatorin, sondern Strategie. Erleichternd, dass wir beide das nur allzu gut wissen."

Er ließ den Satz einen Moment wirken. Vielleicht war auch das verwendbar. Zwar nicht öffentlich, aber in einem kleineren Kreis. Irgendwo anders.

"Ich werde prüfen lassen, welcher Moment geeignet ist. Ein Statement vor den sicherheitspolitisch relevanten Medien. Vielleicht ein kurzer Auftritt, vielleicht eine gezielte Stellungnahme, aber nichts Überladenes. Nichts, das wie ein Manöver aussieht."

Eine kleine Pause folgte.

"Authentisch. Entschlossen. Republikanisch."

Er nahm nun doch eines der getrockneten Stücke aus dem Korb, betrachtete es einen kaum merklichen Augenblick zu lang und legte es dann auf seinen kleinen Teller, ohne hineinzubeißen.

"Und sobald der Antrag im Verteidigungsausschuss auftaucht, werde ich ihn als das behandeln, was er ist: eine notwendige Maßnahme zum Schutz von Freiheit, Wohlstand und Ordnung auf einer wichtigen republikanischen Welt."

Jon lehnte sich leicht zurück, seine Augen auf
Adinara gerichtet. Er hob sein Glas schließlich doch noch einmal an.

"Auf gemeinsame Verantwortung"

Die beiden Politiker stießen an, die Gläser klirrten und für einen Augenblick herrschte Stille.

"Ich muss gestehen, Senatorin, Sie haben ein gutes Gespür für Orte. Ist das hier Ihr übliches Terrain für schwierige Gespräche oder genieße ich eine besondere Auswahl?“

Dac / Coral City / The Deep Current / Senator Jon Hendrey, Senatorin Ylsara Adinara
 
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Ylsara Adinara und Senator Hendrey


Nachdem die beiden Senatoren auf ihre neue strategische Partnerschaft angestoßen hatten, nahm Ylsara einen kräftigen Schluck aus ihrem Glas. Dieses Treffen war gut verlaufen. Zu gut? Zumindest weit besser, als sie im Vornherein erwarten konnte. Aus irgendeinem Grund wartete sie immer noch auf das böse Erwachen. Würde er sich an ihre Absprachen halten? War es ein Fehler, ihn so unverbindlichen Bedingungen auszusetzen? Die Senatorin von Druckenwell konnte nur hoffen, dass sich dieser Termin nicht im Nachhinein als Schuss ins Knie herausstellte.

„Nun, das hier ist viel mehr mein übliches Terrain für die angenehmen Gespräche, Mr. Hendrey.“

Die Togruta lachte kurz. Es war ein ehrliches Lachen.

„Die schwierigen Gespräche führe ich im Senat. Plenum, Ausschuss, mein Büro … auf dem Flur. Sie kennen das ja. Dort, wo man als Senator aufeinandertrifft. Ins Deep Current komme ich, wenn ich ich selbst sein möchte. Und Sie habe ich hierher eingeladen, weil ich die Hoffnung hatte, dass wir auf persönlicher Ebene miteinander funktionieren. Nicht nur als Vertreter unserer Planeten.“

Sie lehnte sich theatralisch gelassen zurück, um auch ihrer Körpersprache in eine offenere, ungezwungenere Haltung zu bringen und das Gespräch damit auf eine zweite Ebene zu lenken. Es war Zeit, zu sehen, wo Hendrey die Grenze zog. Wie sehr sein Auftritt Schauspiel und in wie weit echte Persönlichkeit darstellte. Ihr fiel nun auf, dass er sich zwar etwas des gereichten Fingerfoods auf den Teller gelegt, danach andererseits jedoch nicht mehr angerührt hatte. Ylsaras Blick blieb einen Augenblick darauf hängen, ehe sie wieder zu ihrem Gegenüber sah.

„Sie essen nichts.“

Es war keine Frage, aber auch kein Vorwurf. Ihr Tonfall hatte etwas Amüsiertes angenommen, während sie selbst nach einem der getrockneten Gemüsestücke griff und in eine würzige Paste dippte, die dazu gereicht wurde. Die Küche des Deep Current gehörte definitiv zu den Gründen, warum sie diesen Ort mochte. Zwar legten die Portionen gelegentlich mehr Wert auf Präsentation als darauf, einen Gast tatsächlich satt zu bekommen, aber das war Teil des Konzepts. Und es passte zu den Gästen.

„Und Sie trinken nur Wasser. Man hat mir über Sie erzählt, dass Sie morgens laufen gehen und vermutlich mehr Zeit mit Training verbringen, als der gesamte Verteidigungsausschuss zusammen.

Sie biss von ihrem Gemüse ab und ließ ihren Blick dabei kurz durch das Lokal schweifen. Hinter den Transparistahlscheiben war inzwischen ein größeres Tier aufgetaucht, dessen langgezogener Körper für einige Sekunden zwischen den Außenscheinwerfern in der Tiefsee zu erkennen war, bevor es wieder in der Dunkelheit verschwand.

„Sie haben einen eisernen Willen. Ungewöhnlich für einen Menschen, wenn Sie mir die Bemerkung erlauben.“

Sie grinste entschuldigend und legte den Rest des Gemüses zurück auf ihren Teller.

„Nach Ihrem Auftritt gestern und dem, was man im Holonet von Ihnen sieht, war ich mir nicht sicher, ob Sie ein Blender sind. Aber Sie scheinen Ihre Überzeugungen zu leben.“

Erneut hob Sie ihr Glas.

„Ich bin froh, dass ich Sie persönlich kennenlerne. Und ich bin froh, dass wir uns The Deep Current dafür ausgesucht haben, und nicht den Flur des Senats.“

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Ylsara Adinara und Senator Hendrey
 
Dac / Coral City / The Deep Current / Senator Jon Hendrey, Senatorin Ylsara Adinara

Jon hörte ihr zu und lächelte weiter, weil Lächeln in der Politik in neunundneunzig von hundert Fällen richtige Entscheidung war. Vor allem dann, wenn man für einen kurzen Moment nicht genau wusste, welche Entscheidung eigentlich die Richtige war. Die Senatorin sprach davon, sie selbst sein zu wollen, von "persönlicher Ebene", von angenehmen Gesprächen und davon, dass sie nicht nur als Vertreter ihrer Planeten miteinander funktionieren sollten. Das war für Jon durchaus gefährliches Terrain. Für Druckenwell hatte es immerhin Begriffe gegeben. Stabilität, Verteidigungsausschuss, kritische Infrastruktur. Robust auftreten, aber nur nicht zu robust. Doch auf diese persönliche Offenheit hatte ihn niemand vorbereitet. Niemand hatte ihn gebrieft, wie diese Frau "persönlich" tickte und wie er mit ihr auf dieser persönlichen Ebene am Besten umzugehen hatte.

Also tat er, was er immer tat, wenn eine Situation spontan zu menschlich wurde und wurde wieder staatstragend. Bei ihrer Bemerkung über das Essen senkte er den Blick auf das trockene Meeresgemüse, das noch immer unangetastet auf seinem Teller lag. Natürlich hatte sie das bemerkt. Frauen und speziell aufmerksame Frauen wie
Senatorin Adinara bemerkten solche Dinge schnell. Also griff er nach einem Stück, tunkte es in die würzige Paste und führte es mit der ruhigen Entschlossenheit eines Mannes zum Mund, der während unzähliger Wahlkampagnen und Auftritte schon etliche Male irgendein Zeug herunterwürgen und sich dabei nichts anmerken lassen musste. Dieses Zeug war salzig - sehr salzig. Und obendrein scharf. Es war wirklich schrecklich, aber sein Lächeln hielt.

"Bemerkenswert"

Er kaute mit kontrollierter Würde, schluckte und nahm einen kleinen Schluck Wasser zum Nachspülen.

"Sehr regional. Sehr… charaktervoll"

Dann sprach sie von seinem Training, seinem eisernen Willen und davon, dass das für einen Menschen ungewöhnlich sei. Jon blinzelte kaum merklich. Ungewöhnlich für einen Menschen? Mehr als die halbe Galaxis wurde von Menschen regiert, verwaltet, erobert, verteidigt, besteuert, gerettet und gelegentlich ruiniert. Wenn eiserner Wille irgendwo natürlich vorkommen musste, dann doch wohl bei Menschen. Aber vielleicht war das ein typisches Togruta-Kompliment, oder wieder so eine kulturelle Sache.

Bei diesem Thema fand er aber endlich wieder festen Boden unter den Füßen.


"Disziplin sehe ich als meine oberste Pflicht, Senatorin."

Es war nun sein Gelände.

"Viele Menschen - besonders in der Politik - sprechen über Führung, aber beginnen ihren Tag damit, sich die erste Ausrede zu erlauben. Nur noch fünf Minuten - morgen wieder, ganz sicher - heute nicht mehr. Ich glaube nicht an diese Art von Freiheit."

Er stellte das Glas ab und lehnte sich etwas zurück.

"Ich trinke nicht, ich konsumiere keine Drogen - noch nie, nicht einmal eine einzige Nase. Ich trainiere, ich arbeite. Und nicht, weil ich glaube, dass ein Senator wie ein Elitesoldat aussehen muss. Sondern weil ein Senator, der über Sicherheit spricht, zumindest verstehen sollte, was Belastbarkeit bedeutet."

An diesen Teil glaubte Jon tatsächlich selber. Es war eine seiner wenigen echten Überzeugungen in dieser Galaxie.

"Gerade deshalb ist mir auch die Unterstützung unserer Kriegsveteranen so wichtig. Wir sprechen im Senat ständig über Flottenbewegungen, Mandate und Interventionen. Aber dahinter stehen Männer und Frauen, die ihren Körper, ihre Jugend und manchmal ihr ganzes Leben in den Dienst unserer Sicherheit stellen."

Er sah Adinara nun direkter an.

"Die Dankbarkeit für ihren Dienst darf nicht bei einer Rede vor dem Senat und den Kameras enden. Sie muss in Veteranenfonds enden, in Kliniken, in Umschulungen, in Unterstützung für Familien. Wer an der Verteidigung der Republik partizipiert, muss auch helfen, jene zu tragen, die den Preis dieser Verteidigung mit Blut, Schweiß und Tränen bezahlt haben."

Es war einer der seltenen Momente, in denen der Senator nicht versuchte, so zu klingen, als hätte er einen Punkt. Er hatte tatsächlich einen, wie er meinte. Sein Lächeln kehrte nun wieder zurück, etwas wärmer und selbstzufriedener.

"Vielleicht ist das der persönlichste Teil an mir, Senatorin: ich glaube an Stärke. Aber ich glaube nicht, dass Stärke damit endet, jemanden in den Einsatz zu schicken. Sondern sie endet dann, wenn er wieder nach Hause zurückkommt."

Er ließ den Satz einen Moment stehen, ehe sein Blick wieder auf das Meeresgemüse fiel.

"Und ja… vermutlich erklärt das auch, warum ich jeden Morgen laufen gehe“

Eine kurze Pause. Es war Zeit, das Gespräch wieder zurück zur Togruta zu lenken.

"Das ist mein persönlicher Standpunkt zu dieser Sache. Nun aber interessiert mich Ihrer; was hat die Krise auf Druckenwell mit Ihnen gemacht, Senatorin?“

Dac / Coral City / The Deep Current / Senator Jon Hendrey, Senatorin Ylsara Adinara
 
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Ylsara Adinara und Senator Hendrey


Während Hendrey sprach, widmete sich Ylsara wieder ihrem Glas, ließ jedoch keinerlei Zweifel daran, dass sie ihm aufmerksam zuhörte. Als der Senator das offenbar wenig überzeugende Meeresgemüse mit einer Ernsthaftigkeit probierte, als hinge die gesamte politische Stabilität der Neuen Republik davon ab, konnte sie ein Schmunzeln nicht ganz unterdrücken. Charaktervoll? Sie hatte dasselbe Zeug schon oft genug gegessen, um zu wissen, dass charaktervoll tatsächlich die diplomatischste Beschreibung dafür war.

Bei allem, was danach kam, war sie sich weniger sicher. Sie hatte gehofft, mehr über seine Persönlichkeit zu erfahren. Darüber, wie er war, wenn niemand zusah. Stattdessen bekam sie aber recht buchstäbliche Antworten über seine Disziplin, den Ansatz von politischer Führung, Sicherheit und schließlich die Versorgung republikanischer Veteranen. Es war beeindruckend, wie schnell er es schaffte, seine persönlichen Eigenschaften mit einer politischen Grundsatzrede zu verbinden, offenbar ohne es wenigstens selbst zu bemerken. Andererseits war sie sich nicht sicher, ob Hendrey ihr tatsächlich auswich. Während seine seine ersten Sätze noch so klangen, als würde er sie in eine laufende Holo-Kamera sprechen, veränderte sich etwas, als er von den Veteranen sprach. Sie konnte nicht sagen, woran sie das genau festmachte.


„Da widerspreche ich Ihnen keinesfalls“
, erwiderte die Togruta schließlich als sie ihr inzwischen leeres Glas vor sich abstellte. „Wer republikanische Bürger in den Krieg schickt, übernimmt auch Verantwortung dafür, was aus ihnen wird, wenn sie zurückkommen. Auch, nachdem die Kameras der Siegesparade bereits abgeschaltet sind.“

Auf Druckenwell hing die Verwundetenversorgung in der Regel davon ab, wie sehr es sich wirtschaftlich rechnete. Jemand, der einen Arm verlor, bekam einen neuen, solange er anschließend genug Produktivität erzeugte. Wer für das Sicherheitskorps verletzt wurde, konnte immerhin darauf hoffen, dass Innenministerium und Konzernrat den propagandistischen Wert eines gut versorgten Veteranen erkannten. Aber wer in den zurückliegenden Kriegen gegen das Imperium, oder gar in der Rebellion gedient hatte, und vielleicht zu Alt war, um den Rest seines Lebens mit ausreichender Arbeitsleistung füllen zu können, der war im Zweifel für sein eigenes Schicksal verantwortlich. Das war natürlich tragisch. Es war einer jener Bereiche, über die Ylsara vor einigen Jahren vermutlich noch schweigend hinweggesehen hätte. Inzwischen sah sie das anders. Vielleicht auch deshalb, weil sie mittlerweile wusste, wie es sich anfühlte, wenn Entscheidungen, die an einem Konferenztisch getroffen wurden, plötzlich vor der eigenen Haustür ausgetragen wurden.

„Ich glaube Ihnen, dass Sie das ernst meinen“, fügte sie hinzu. „Das mit den Veteranen.“

Nun konnte sie ein leises, aber ehrliches Lachen nicht mehr zurückhalten. „Aber das Gemüse ist schrecklich, nicht wahr? Die Paste macht es allenfalls erträglich. Ich hoffe, Sie haben nicht auch noch genau die Sorte erwischt, die einem noch zehn Minuten lang die Zunge betäubt.“

Sie hatte versucht, hinter seine Fassade zu schauen. Vielleicht war genau das das Problem gewesen. Jon Hendrey hörte nicht auf Jon Hendrey zu sein, wenn sie ihm die ausdrückliche Gelegenheit dazu gab. Aber das musste auch nicht zwingend bedeuten, dass nichts dahinter war. Vielleicht war dieser permanente Selbstzwang ein Teil seiner Persönlichkeit. Vielleicht gab es zwischen dem Senator, der Marke Hendrey und dem eigentlichen Mann keinen künstlichen Unterschied.
Auf eine bestimmte Weise konnte Ylsara das besser nachvollziehen, als ihr lieb war. Auch sie konnte schließlich nicht einfach an der Garderobe ihre Lekku abgeben und aufhören, Senatorin von Druckenwell zu sein, nur weil jemand sie genau daran festmachte.

Ylsara lehnte sich etwas zurück. Draußen hinter dem Transparistahl zogen weiter exotische Fischschwärme ihre Runden durch das Wasser. Für einen Augenblick folgte ihr Blick einem silbrig schimmernden Tier, das dicht an der Scheibe vorbeizog, bevor sie wieder zu Hendrey sah.


„Ein Fonds“, sagte sie schließlich.

„Der Senat sollte einen Kriegsversehrtenfonds auf den Weg bringen, finden Sie nicht auch? Gerade jetzt. Das wäre nicht nur das richtige Signal, das wäre der richtige Weg.“

Sie ließ den Blick schweifen, während sie darüber nachdachte.

„Um die Rehabilitation zu finanzieren. Rückkehr ins Arbeitsleben. Hilfe zur Selbsthilfe. Was meinen Sie?“

Erst nachdem sie die Frage laut ausgesprochen hatte, fiel Ylsara auf, dass sie genau das getan hatte, was sie zuvor bei ihrem Gegenüber beobachtet hatte. Hendrey hatte einen Versuch, seine Persönlichkeit hervorzukitzeln mit politischen Überzeugungen beantwortet. Sie selbst war nun auf eine persönliche Frage angesprochen und hatte keine zwei Minuten gebraucht, um daraus einen Vorschlag für einen Kriegsversehrtenfonds zu machen. Vielleicht war es tatsächlich schwieriger, zwischen Amt und Person zu unterscheiden, gerade wenn zwei Senatoren miteinander sprachen. Sie verzog die Lippen zu einem schmalen Lächeln und hob kurz die Hand.

„Ach, wo sind meine Gedanken. Sie fragen mich, was die Krise mit mir gemacht hat und ich antworte Ihnen mit einem Gesetzesvorschlag. Offensichtlich sind wir beide zu sehr Senator. Mit Leib und Seele.“

Die Togruta griff automatisch nach ihrem Glas, bemerkte nun allerdings, dass es noch immer leer war. Stattdessen ließ sie also ihre Finger auf dem dünnen Stiel liegen. Streiks, Demonstrationen, Massenentlassungen und ein Präsident, der glaubte, mit dem Kriegsrecht die Kontrolle zurückzugewinnen. Das waren Probleme, klar. Aber jene, die sich politisch bearbeiten ließen. Man konnte mit den Konzernen sprechen, mit den Fraktionsvertretern sprechen, Druck ausüben, Zugeständnisse anbieten und sich letztendlich auf Kompromisse einigen. Das war die Art von Politik, die Ylsara gewohnt war. Die Politik, die sie beherrschte.

Seit dem Anschlag war alles anders. Greven und Venn waren innerhalb eines einzigen Wimpernschlags gestorben. Drelkar hatte die Regierung übernommen und die Demonstrationen in bewaffnete Straßenkämpfe verwandelt, die sich inzwischen sogar auf die Orbitalwerften ausgebreitet hatten. Inzwischen wurden die Entscheidungen nicht mehr bei Konferenzen, sondern auf den Straßen Il Avalis getroffen. Und dort waren die Möglichkeiten begrenzter.


„Ich glaube, mir ist zum ersten Mal bewusst geworden, dass ich auch nur ein Rad im Getriebe bin“, sagte sie schließlich überraschend ehrlich. Ihre Stimme war noch ruhiger geworden, ohne jedoch die kontrollierte Haltung zu verlieren. „Das klingt wahrscheinlich merkwürdig aus dem Mund einer Senatorin. Ich sitze im Verteidigungsausschuss, spreche mit den Ministern, Konzernvorständen und allen anderen, die etwas zu sagen haben. Man verbringt so viel Zeit in Räumen voller mächtiger Leute, dass man anfängt zu glauben, jedes Problem ließe sich dort lösen.“

Sie hielt einen Moment inne, weil sie überlegte, wie weit sie sich öffnen wollte. Hendrey hatte ihr zuvor zumindest einen Teil seiner eigenen Überzeugungen gezeigt, oder zumindest, was er davon hielt. Wenn sie von ihm erwartete, dass aus ihrer zweckgebundenen Zusammenarbeit ein langfristiges Bündnis wurde, konnte sie schlecht jede persönliche Frage mit einer Antwort vom Reisbrett beantworten. Dennoch gab es Dinge, die nicht ausgesprochen gehörten. Dass ihre Stellung auf Druckenwell von genau jenen Konzernen abhing, deren Entscheidungen zur Eskalation beigetragen hatten, gehörte dazu. Auch, wenn das Geheimnis so offen war.

„Und dann werden innerhalb weniger Minuten zwei dieser mächtigen Männer vor laufenden Kameras ermordet, auf den Straßen vor der eigenen Haustür wird geschossen und ein Imperiumsfreund wie Innenminister Drelkar hat plötzlich die Regierungsgewalt an sich gerissen.“

Sie sah Hendrey wieder direkt an, während sie sich auf die Unterlippe biss. Ein erstes Zeichen von Frust.

„Ich kann Ihnen eins sagen: Ich habe Angst davor, meine Heimat zu verlieren. Nicht davor, dass plötzlich eine imperiale Flotte über Druckenwell auftaucht und der Planet von der Sternenkarte verschwindet – obwohl auch das inzwischen eine Option zu sein scheint. Nein, ich fürchte mich, dass der Planet, auf dem ich aufgewachsen bin, verschwindet.“

Sie seufzte.

„Ich hätte gerne den Planeten zurück, auf den eine politische Niederlage bedeutet, eine Abstimmung zu verlieren, und nicht, auf offener Straße erschossen zu werden.“

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Ylsara Adinara und Senator Hendrey
 
Dac / Coral City / The Deep Current / Senator Jon Hendrey, Senatorin Ylsara Adinara

Jon nahm zur Kenntnis, dass Senatorin Adinara ihm beim Thema Veteranen zustimmte und bemühte sich, diese Zustimmung mit einer ruhigen Würde anzunehmen Dass seine Zunge währenddessen an einer Stelle tatsächlich taub wurde, wie von der Togurta prognostiziert, minderte den Moment nur unwesentlich. Er warf dem Meeresgemüse auf seinem Teller einen kurzen Blick zu. Für einen Augenblick fragte Jon sich, ob dies irgendeine subtile Prüfung war. Wenn ja, dann hatte er sie wohl bestanden.

"Ich muss gestehen, dass es… intensiv ist"

Er nahm einen weiteren kleinen Schluck Wasser und stellte das Glas wieder ab.

"Aber dennoch charaktervoll"

Ein kurzes, kontrolliertes Lächeln folgte. Als
Adinara den Kriegsversehrtenfonds ansprach, fand Jon augenblicklich wieder festen Boden unter den Füßen. Was sie da ansprach, waren keine fremden Begriffe für ihn. Es war verständlich und es war gut. In seinem Kopf entstand für einen gefährlichen Moment bereits ein Bild. Dort war ein Podium und im Hintergrund Flaggen. Er selbst neben Veteranen, deren Hände er mit sichtbarer Entschlossenheit drückte. Vielleicht eine invalide Pilotin. Vielleicht ein Kind eines gefallenen Soldaten, das ihm dankbar einen Blumenkranz reichte.

Er räusperte sich unmerklich und zwang seinen Blick wieder auf die
Senatorin.

"Fonds für Kriegsveteranen stellten einen zentraler Punkt meiner Wahlkampagne dar - und auch ein Versprechen“

Seine Stimme bekam wieder einen noch festeren Charakter, weil er nun nicht mehr frei über Gefühle improvisieren musste, sondern über etwas sprach, das er tatsächlich greifen konnte. Womit er sich monatelang und tagtäglich beschäftigt hatte.

"Versprechen sind in dieser Republik leider oft nur Worte, solange niemand bereit ist, sie mit Credits aus den Staatskassen und echter Verantwortung zu unterfüttern. Rehabilitation, Rückkehr ins Arbeitsleben, Hilfe für Familien, Unterstützung für jene, die nicht mehr so zurückkommen, wie sie gegangen sind… ja. Das ist nicht nur richtig, das ist überfällig."

Er nickte langsam und diesmal lag darin keine einstudierte Geste, sondern Zustimmung.

"Wenn Sie dazu einen Vorstoß planen, sollten wir darüber sprechen. Nicht unbedingt hier und jetzt, aber bald."

Dann kam sie auf seine Frage zurück. Oder vielmehr bemerkte sie, dass sie seine persönliche Frage mit einem Gesetzesvorschlag beantwortet hatte. Jon hätte darüber lachen können, aber nur sehr kurz, denn er erkannte sich darin zu deutlich wieder. Sie waren zwei Senatoren, die zumindest teilweise versuchten, persönlich zu werden und binnen weniger Atemzüge wieder bei Fonds, Ausschüssen und Zuständigkeiten landeten. Es war fast schon beruhigend. Und vielleicht war
Adinara tatsächlich eine Verbündete.

Er lächelte etwas breiter.


"Vielleicht sind wir das, Senatorin. Aber wissen Sie, was ich immer sage: Demokratie und Freiheit sind keine Uniform, die man nach Dienstschluss oder zu einem Dinner ablegt. Entweder man trägt sie oder man trägt sie nicht."

Der Satz gefiel ihm, sehr sogar. Doch als
Adinara weiter sprach, veränderte sich die Luft am Tisch. Sie sprach nicht mehr nur über Druckenwell als Problem, nicht über Anträge, Fraktionen oder Konzerninteressen. Sie sprach von ihrer Heimat und von ihrer Angst. Sie hatte also Angst. Diese kontrollierte, fast widerwillige Ehrlichkeit traf ihn unerwartet. Er kannte sie von den Wählern auf den Straßen, wenn er vor den Kameras mit ihnen über ihre Sorgen sprach. Aber er kannte sie nicht unter Politikerkollegen. Er sah sie einen Moment lang nur an. Er musste ihr so antworten, wie er es bei einem Fabrikarbeiter aus der Unterschicht Eriadus's auf einer Wahlkampfveranstaltung getan hätte, um irgendwelche Gewerkschaften zu beschwichtigen.

"Nein, Senatorin"

Seine Stimme war nun leiser als zuvor.

"Das alles klingt nicht merkwürdig"

Er hielt kurz inne.

"Ich verstehe, was es bedeutet, wenn eine Welt beginnt, sich selbst fremd zu werden. Wenn politische Niederlagen nicht mehr mit demokratischen Prozessen beantwortet werden, sondern mit Gewalt. Wenn Menschen, die gestern noch Teil derselben Ordnung waren, plötzlich glauben, dass diese Ordnung ihnen nichts mehr schuldet und sie der Ordnung nichts mehr schuldig sind."

Er lehnte sich ein wenig vor, nicht dramatisch, sondern ruhiger als sonst.

"Das darf nicht der neue Normalzustand werden. Nicht auf Druckenwell und nirgendwo sonst in unserer Republik."

Die Stimme des Senators war nun maximal entschlossen.

"Dann sorgen wir dafür, dass Sie Ihre Heimat nicht verlieren, Senatorin. Nicht an das Imperium, nicht an die Gewalt und nicht an die Angst."

Eine kurze Pause folgte.

"Und sorgen wir dafür, dass politische Niederlagen dort wieder das sind, was sie sein sollten: verlorene Abstimmungen und keine Leichen auf offener Straße."

Er ließ den Satz stehen, bevor er den Blick kurz auf ihr leeres Glas senkte. Ein Ausweg aus zu viel Ernst, aber kein vollständiger Rückzug.

"Ich stehe an Ihrer Seite"

Dac / Coral City / The Deep Current / Senator Jon Hendrey, Senatorin Ylsara Adinara
 
Dac – Coral City – Hotelsuite – Arbeitszimmer – Ulariel Starsinger (via Holo), Sirion, (NPCs) und Rrooow

»Habe ich das also richtig verstanden: du hast deine flammende Rede gehalten, unter großem Beifall, breite Zustimmung undosweiter und alles, was dabei rauskam war, dass sie es zuständigkeitshalber dem Verteidigungsausschuss zugeleitet haben? Und dafür lässt Bhar dich vor dem Beitrittsausschuss antanzen? Hätte er nicht gleich sagen können, dass du in den Verteidigungsausschuss musst damit? Jetzt verlieren wir ja wieder Zeit«


Fragte Abgeordnete Starsinger, der anzusehen war, dass sie es immer noch nicht recht glauben konnte, und sah Rrooow dabei ungeduldig an. Sie und die Contruumerin duzten sich inzwischen und sie hatten auch wirklich ein gutes Verhältnis, aber die planetare Regierung machte in letzter Zeit enormen Druck, was die Sicherheitszusagen der Republik anging, mehr noch als Lantillies. Oder zumindest hatte Sirion nichts dergleichen verlauten lassen. Ok, das musste bei ihm nichts heißen.

»Ichh weißz, aber wir ssind sschhon auff dem richhtigen Weg. Der Beitrittssaussschusss gibt die entssprechhende Empffehlung ab, sso vviel haben wir sschhon erreichht, nun disskutiert der Vverteidigungssausschhusss darüber, ob die Republik eine ssolchhe Garantie überhaupt abgeben kann. Vvon wegen militärische Resssourcsen überdehnen und sso. Diesse militärisschhen Ffragen ssind alle sstreng geheim, wir erffahren da leider gar nichhtss.«

»Und über Bhar? Die Ossus-Lianna-Achse hat ja sicher auch Senatoren im Verteidigungssausschuss sitzen.«

»Er ssagt nichhtss und ichh bin mir nichht mal ssichher, ob er sselbsst Bescheid weisss. Ich weiss, dasss isst unbeffriedigend, aber ess will ja auchh niemand, dasss das Imperium Einzselheiten über die militärisschhe Sstärke der Republik erffährt.«

»Ich brauche ja gar keine Einzelheiten, sondern nur ein ›ja‹ oder ›nein‹. Wobei, genau genommen brauche ich ein ›ja‹, sonst geben die hier niemals Ruhe. Die Cocomoras verhalten sich verdächtig bedeckt in letzter Zeit.«

»Weniger Piratenaktivvitäten wäre ja eigentlichh possitivv?«


Fragte Rrooow.

»Nicht wenn das Gerücht umgeht, dass die lieben Kleinen von verstärkten imperialen Patrouillen dezimiert werden – dann nicht.«

Ehmaaa kam in den Raum geflitzt und erklärte aufgeregt:

»[TOGORIANISCH]Du, Rrooow, dieser Gruseldroide von Gizer kommt gerade herein![/TOGORIANISCH]«

»Oh, da kann ich mir schon denken, was der Master Controller auf seinem Blechherzen hat. Na dann wünsche ich mal viel Vergnügen mit ihm und gute Nerven. Ich glaube du wirst sie brauchen. Ich bin dann mal raus,«

Verabschiedete sich Ulariel und ihr Holobild verschwand. Rrooow wusste, dass die Abgeordnete nicht die geringste Lust verspürte, mit dem Master Controller zu reden. Eigentlich, dachte sie, wäre es mal sinnvoll, alle Beitrittskandidaten an einem Tisch zu haben, aber das ging wohl nicht. Gizer, so schien es, blieb ihre Aufgabe ganz allein. Sie hatte nicht einmal mehr Gelegenheit, Ehmaaa um eine frische Tasse Kaf zu schicken, da war der Droide auch schon da. Wortlos marschierte er in die Mitte des Raumes und erklärte erst dann:

»Der Master Controller wünscht Sie persönlich zu sprechen, Senatorin Rrooow.«

Viel mehr sagte er Blechheini ja nie. Auf das ›persönliche Gespräch‹ bildete sich die Togorianerin freilich nichts ein, er war ein Droidenhirn und konnte problemlos mit x Leuten gleichzeitig persönliche Gespräche führen. Aus dem Kopf des Droiden baute ein Holoprojektor ein übergroßes Bild einer Figur auf, die einen humanoiden Droiden darstellte. Eine Art Avatar, bestenfalls, um organischer zu wirken, denn nach allem was bekannt war, handelte es sich beim Master Controller um einen stationiären Computer.

»Senatorin. Ich höre, die Republik habe immer noch nicht über die nötigen Sicherheitsgarantien für Gizer entschieden.«

Auch der Master Controller war etwas… direkt, um das Mindeste zu sagen. Rrooow seufzte.

»[TOGORIANISCH]Ehmaa, hol' mir bitte einen Latte Kaffiato von der Hotelbar. Ein Notfall.[/TOGORIANISCH]«

Sie hatte keine Ahnung ob der Mastercontroller ihre Sprache verstand und es war ihr auch egal. Wenn es so war, dann zeigte er es nicht, denn sie pflegten in Basic zu kommunizieren, was für Rrooow abgesehen von ihrem anatomisch bedingten Akzent auch keinerlei Problem war.

»Nein, dass hat ssie in der Tat nochh nichht.«

»Ich muss darauf insistieren, dass Sie die Angelegenheit mit größerer Dringlichkeit verfolgen. Die Sicherheit Gizers hängt zu 57,31 Prozent von dieser Entscheidung der Neuen Republik ab, mit einer mittleren Abweichung von 9,68 Prozent. Bei der äußeren Sicherheit, spezifisch dem Schutz vor feindlichen Invasionen, beträgt die Quote sogar 92,16 Prozent. Die Zahlen erlauben keinen weiteren Aufschub.«

»Masster Controller, darff ichh Ssie daran erinnern, dasss Gizser nachh wie vvor großze Deffizsite in Ffragen der Mitbesstimmung und der Infformatsionsffreiheit auffweisst? Ssolange Ssie ihre eigenen Haussauffgaben nichht erffüllen, kommt ein Beitritt leider nichht in Betrahht.«

»Die innere Stabilität Gizers muss gewahrt werden. Derzeit liegen die Voraussetzungen für die verlangten Reformen nicht vor. Für die Sicherheitsgarantien ist dies aber unerheblich. Diese würden bereits einem Beitrittskandidaten gewährt und nicht erst einer Mitgliedswelt.«


Rrooow sah Sirion an. Meinte der Master Controller das ernst? Für sie klang es danach, als hätte das Droidenhirn ausgerechnet, dass ihm der Kandidatenstatus ausreichte, weil Gizer das, was es am dringendsten wollte, bekommen konnte, ohne seine Macht teilen zu wollen. Aber nicht mit ihr. Der Togorianerin reichte es langsam.

»Wisssen Ssie wass? Entweder, Ssie bewegen sich langssam, gewährt der Pressse den Zsugang zsu den einsschhlägigen Infformatsionen und führt endlichh diesse vverdammte Vvolkssbeffragung. Wenn Ssie wirklich, wie Ssie immer behaupten, Gizser vviel vviel gerechhter und bessser auff dasss Wohl aller aussgerichhtet regieren, haben Ssie dochh vvon sso einem Refferendum vvon dann besstenss infformierten Bewohnern ja nichhtss zsu beffürchhten. Oder ichh lassse die Beitrittssvverhandlungen sschheitern. Ess ssteht ihnen ffrei, in dem Ffall eine neue Vvertretung zsu benennen, aber in dem Ffall isst Gizser trotzsdem ungesschhützst, bisss die Auffnahme der Verhandlungen offfizsiell besschhlosssen isst. Ssolange kann dass Imperium mit Ihrer Welt ungehindert tun wass ess möchhte. Ssichher ffindet ssichh in deren Ssternenfflotte auchh irgendwo Bedarff ffür ein gebrauchhtes Droidenhirn, vvielleichht als Navvcomputer oder dergleichen. Ichh gebe Ihnen Zseit biss die Entsschheidung dess Vverteidigungssaussschusssess vvorliegt. Ffür Ssie alss Elektronenhirn ssollte dasss ja mehr als genug Bedenkzseit ssein.«

Die Projektion erlosch und ohne einen weiteren Kommentar verließ der Gizer-Gruseldroide den Raum.

»War das zsu harsschh?«

Fragte Rrooow Sirion, obwohl sie sich keine Sorgen machte. Nicht mehr. Endlich Gizer kooperierte jetzt endlich oder sie versuchten ohne ihre Hilfe ihr Glück im Beitrittsausschuss, ihr war es egal. Es gab plötzlich so viele beitrittswillige Welten in der Phobium-Allianz dass sie mit einer weniger immer noch mehr als genug zu tun hätte. Der Sephi, der von seiner Tätigkeit für die Regierung von Lantillies schon öfter mit dem Master Controller zu tun hatte, meinte allerdings:

»Nö – beleidigt ist der nicht. Wahrscheinlich würde er sagen, Emotionen sind irrationales, ineffizientes organisches Verhalten und er steht da drüber. Schätze er hat einfach errechnet, dass er in dem Gespräch nicht mehr weiter kommt und da sage ich: chapeau!«

Jetzt kam auch Ehmaaa mit dem Glas Kaf.

Dac – Coral City – Hotelsuite – Arbeitszimmer – Ulariel Starsinger (via Holo), Sirion, Ehmaaa (NPCs) und Rrooow
 
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Ylsara Adinara und Senator Hendrey


Ylsara hatte mit allem gerechnet. Mit einem einfachen Nicken, fadenscheinig-beruhigenden Worten oder ausweichenden Kommentaren. Hendrey griff hingegen ihre Worte auf und spiegelte sie ihr beinahe unverändert wider. Standen sie etwa tatsächlich auf derselben Seite?
Sie hatte ihm mehr preisgegeben, als sie ursprünglich vorgehabt hatte. Nicht genug, um ihm wirklich gefährliches Wissen in die Hand zu geben. Schließlich wusste er nichts von van Janetschko oder davon, wie weit sie wirklich bereit war, die Machtverhältnisse auf Druckenwell zu verschieben. Aber sie hatte ihm einen ehrlichen Einblick in ihre Persönlichkeit gegeben. Umso angenehmer war es, darauf zumindest nur mittelbar eine politische Gegenleistung angeboten zu bekommen.


„Danke“, sagte sie schließlich und hob dem Blick wieder zu ihm. „Das meine ich ernst.“

Ob Hendrey tatsächlich auf ihrer Seite sein würde, müsste sich zeigen. Spätestens dann, wenn aus Worten Abstimmungen und aus Abstimmungen Konsequenzen wurden. Ylsara war nicht so dumm, Versprechen mit Ergebnissen gleichzusetzen. Trotzdem hatte sie heute nicht nur um seine Stimme gebeten, sondern wollte auch wissen, mit wem sie es zu tun hatte. Fürs Erste genügte sie, was sie herausgefunden hatte.

„Ich werde Sie an Ihre Worte erinnern“, fügte sie mit einem seichten Lächeln hinzu. Dass Hendrey auch den Fonds ernst nahm, gefiel ihr. Vielleicht war die Idee tatsächlich noch besser, als der spontane Einfall, aus dem sie entsprungen war.

„Wir sollten nochmal darüber sprechen. Sowas muss durchdacht sein. Ich möchte keine zusätzliche Bürokratie erschaffen, wo am Ende fünfzig überbezahlte Beamte einem Veteranen erklären, welches Formular ihm fehlt.

Sie dachte sofort an mögliche medizinische oder kybernetische Versorgung, Reha, zivile Eingliederungsunterstützung und Angebote für Familien. Wenn möglich, konnte man auch auf bestehende Strukturen zurückgreifen, oder diese optimieren.

„Ich lasse meine Leute etwas vorbereiten und schicke es Ihnen. Dann können Ihre Leute drüberschauen und alles finden, was meine Leute übersehen haben.“

Sie grinste.

„Meine Mitarbeiter können sich dann darüber ärgern und am Ende haben wir einen Entwurf, der uns beiden gefällt, aber unsere Leute auf Kriegsfuß miteinander gestellt hat.“

So lief es eben.
Die Togruta deutete einer Kellnerin mit einem Fingerzeig, doch bitte ihren Anemonensaft nachzufüllen. Erst jetzt fiel ihr auf, dass sie ja schon wieder über Gesetzgebung sprachen. Und das, obwohl sie gerade noch festgestellt hatten, wie schlecht sie beide darin waren, ihre Ämter für einen Moment abzulegen.


„Herrje, vor einer halben Stunde wollte ich lediglich Ihre Unterstützung für Druckenwell und nun gründen wir gemeinsam Fonds. Das ist Ihre Schuld“, schloss sie scherzhaft.

Hinter dem Senator glitt ein Schwarm kleiner, bäulicher Fische durch das Wasser. Ylasara sah ihm für einen Moment nach. Sie war hierhergekommen, um einen Senator für ihre Interessen zu gewinnen. Das schien funktioniert zu haben. Dennoch war das nicht der Teil, über den sie am meisten nachdachte.


„Wissen Sie … Ich habe Sie heute hierher eingeladen, weil ich wissen wollte, ob wir miteinander arbeiten können“, sagte sie und hob ihr frisch nachgefülltes Glas ein Stück in seine Richtung. „Ich glaube, diese Frage haben wir beantwortet.“

Ihr Lächeln wurde etwas verschmitzter.

„Sie haben gesagt, dass Sie an meiner Seite stehen werden. Das ist ein erstaunlich großes Versprechen, dafür dass wir uns ja erst seit gerade eben wirklich kennen.“

Ihr Ton war nicht skeptisch, eher neugierig, während sie über den Rand ihres Glases hinwegblickte.

„Warum?“

Es war dieser Moment, in dem Ylsara die größte Ehrlichkeit von Jon Hendrey erhoffte. Doch bevor er auch nur zu einer Antwort ansetzen konnte, wurden sie von einer Unruhe erfasst, die sich ein paar Tische weiter abseits ausbreitete. Etwas erschrocken - The Deep Current war ansonsten sehr gediegen und still - , sah die Senatorin hinüber. Ein Bothaner schien dort in Diskussionen seinen Tischnachbarn verstrickt zu sein. Etwas aus der Bahn geworfen zwang sie sich dazu, ihren Blick abzuwenden, sich wieder ihrem Gegenüber zu widmen und auf eine Antwort zu warten, nur um Sekundenbruchteile später erneut abgelenkt zu werden.

„Tod dem Imperium!“, rief nun jemand aus Richtung des Tisches. „Kriegstreiber!“, war die Reaktion eines anderen. „Republiksverräter!“ Bevor sie sich versah, entwickelte sich die Situation in ein offenes Handgemenge.


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Ylsara Adinara und Senator Hendrey
 
Dac / Coral City / The Deep Current / Senator Jon Hendrey, Senatorin Ylsara Adinara

Warum? Für den Bruchteil eines Augenblicks blieb Jon Hendrey vollkommen still. Nicht, weil ihn die Frage kalt erwischte - natürlich nicht. Ein Mann wie er wurde nicht kalt erwischt. Warum aber nun stand er nun an ihrer Seite? Warum hatte er es so gesagt? Er hätte etwas über Freiheit sagen können. Über robuste Sicherheit, Stabilität und Verantwortung, über die Pflicht starker Welten, schwächere Momente anderer Welten mitzutragen, über republikanische Solidarität in Zeiten des Feuers. All das lag bereit, ordentlich aufgereiht in seinem Kopf, perfekt einstudiert in hunderten Briefings mit Beratern und Wahlkampfmanagern. Und trotzdem spürte er, dass Ylsara gerade - genauso wie vorhin erst - keine Antwort aus dem Katalog wollte.

Und das war ärgerlich. Gerade als Jon die Lippen öffnete, um eine Antwort zu geben, schwappte die Unruhe vom Nebentisch endgültig durch das gedämpfte Lokal. Jon wandte den Blick zur Seite, gerade rechtzeitig, um zu sehen, wie ein Bothaner halb aufstand und mit einer Bewegung anklagend auf seinen Tischnachbarn deutete, die ganz sicher nicht mehr zu jenen höflichen Umgangsformen gehörte, die man in einem Etablissement wie dem Deep Current erwartete.


"Tod dem Imperium!"

Der Ruf durchschnitt die gedämpfte Stille wie ein Messer. Mehrere Gäste drehten sich um. Ein anderer warf das Wort zurück, kaum verständlich, aber laut genug, dass es eigentlich gar keine keine Rolle mehr spielte, wer ursprünglich überhaupt was gemeint hatte. Und dann, mit einem Mal, kippte der Augenblick. Eine Hand stieß gegen eine Schulter, jemand riss eine Serviette vom Tisch, ein Glas zerbrach klirrend auf dem Boden und in der nächsten Sekunde war aus einer politischen Diskussion genau jene Form von körperlicher Überzeugungsarbeit geworden, die in Jons Reden immer sehr einfach zu verurteilen war, in unmittelbarer Nähe jedoch deutlich unübersichtlicher wirkte.

Jon erhob sich sofort. Das war gut. Aufstehen war richtig. denn es sah entschlossen aus. Aufstehen sah aus wie Führung. Nur dass ihm unmittelbar danach auffiel, dass der weitere Ablauf nicht ganz so klar war. Er hatte trainiert, ja. Sehr viel sogar. Er konnte Gewichte stemmen, Sprints laufen, Klimmzüge sauberer ausführen als die meisten seiner Senatskollegen ihre eigenen vorgeschriebenen Skripts vorlesen konnten. Aber es bestand ein gewisser Unterschied zwischen einem kontrollierten Kraftworkout vor einer Holokamera und einem plötzlich eskalierenden Handgemenge in einem halbdunklen Restaurant unter Wasser, in dem ein Bothaner, ein Mensch und inzwischen offenbar auch ein gereizter Quarren versuchten, einander patriotisch zu beschädigen.

Diesen Unterschied bemerkte er nun recht deutlich. Trotzdem trat er zumindest einen halben Schritt vor
Ylsara. Nicht heldenhaft weit, aber genug, dass sein Körper sich zwischen sie und die aufbrechende Unruhe schob. Seine Schultern richteten sich auf, sein Kinn hob sich, und für einen Moment sah er tatsächlich aus wie der Mann auf seinen Plakaten: stark, breit, unerschütterlich und bereit, sich zwischen Freiheit und Demokratie und das Chaos zu stellen.

Innerlich hoffte er aber, dass niemand innerhalb dieses Chaos auf die Idee kam, diese Pose praktisch zu überprüfen.


"Bleiben Sie einen Moment hinter mir, Senatorin"

Seine Stimme klang ruhig. Er war selbst fast beeindruckt davon. Einer der Streithähne taumelte gegen einen Nachbartisch. Ein weiteres Glas zerbrach. Irgendwo rief eine Dac-Stimme in einer Sprache, die Jon nicht verstand, aber der Tonfall war universell: Das hier war teuer, unangebracht und sollte sofort aufhören.

Jon hob eine Hand.


"Meine Herren!"

Das war ein guter Anfang, fand er: Würdevoll und autoritär. Doch leider interessierte es im unmittelbaren Kampfbereich niemanden.

"Meine Herren, im Namen der republikanischen Demokratie-"

Ein Teller flog direkt in seine Richtung, nah genug, dass Jon den Satz instinktiv abbrach und minimal zur Seite wich.

Hinter ihm hörte er
Ylsara, aber er sah nicht zurück. Das wäre nämlich falsch gewesen. Ein Mann, der schützte, blickte nach vorn und ein Mann, der unsicher war, blickte nach hinten. Jon blickte also nach vorn und versuchte zugleich, aus dem Augenwinkel zu erkennen, ob der Hinterausgang näher war als der Haupteingang. Zum Glück mussten solche Berechnungen nicht lange seine Aufgabe bleiben.

Zwei seiner Sicherheitsleute waren bereits in Bewegung, begleitet von hausinternem Sicherheitspersonal des Deep Current. Einer von Jons Männern tauchte an seiner linken Seite auf, der andere einen trat hinter der
Senatorin hervor.

"Senator, wir gehen"

Der Ton ließ keinen echten Widerspruch zu, aber Jon hätte dennoch widersprechen können. Natürlich hätte er das, schließlich war er der Senator und hatte das Kommando über sein Team. Jon nickte aber knapp, als hätte er genau diesen Ablauf angeordnet.

"Bringen Sie Senatorin Adinara zuerst raus!"

Er trat seitlich, damit
Ylsara sich bewegen konnte, blieb aber weiterhin so positioniert, dass er zwischen ihr und dem größeren Teil der Unruhe stand. Ein schmaler Grat zwischen echter Tapferkeit und dem sehr starken Wunsch, nicht von einem wütenden Bothaner mit dem Tafelsilber des Deep Current abgestochen zu werden.

Die Sicherheitsleute führten sie rasch an der Wand entlang. Hinter ihnen wurde das Handgemenge größer, nicht gefährlich im militärischen Sinn, aber hässlich genug, um durchaus eskalieren zu können. Jemand rief erneut etwas gegen das Imperium und dazu noch etwas unsittliches über den ehemaligen Imperator Allegious. Jemand anderes antwortete mit einem Fluch auf die Kriegstreiber im Senat. Dann gingen mehrere Stimmen ineinander unter.

Eine Seitentür öffnete sich. Dahinter lag ein schmalerer Servicegang, kühler, heller und deutlich weniger dekorativ. Erst dort, im sanften Licht des Korridors, wandte Jon sich wieder vollständig zu
Ylsara um. Er richtete sein Jackett und atmete kontrolliert aus.

Seine Zunge war immer noch leicht taub. aber das war angesichts der Lage vermutlich nicht ihr größtes Problem.


"Ich hoffe, Sie sind unverletzt"

Er sah sie tatsächlich kurz prüfend an, als wäre er wirklich besorgt gewesen, bevor sein Blick für einen Moment zur geschlossenen Tür glitt, hinter der das Durcheinander weiterging. Dann kehrte er zu ihr zurück.

"Sie haben mich eben nach dem Warum gefragt..."

Eine kurze Pause folgte. Auf eine gewisse Art und Weise war dieses Chaos ihm behilflich gewesen, denn nun hatte er die perfekte Antwort parat. Es war wie ein Blitzschlag, der ihn plötzlich traf und die Worte förmlich in den Mund lag:

"Darum!"

Er deutete mit einer knappen Bewegung zurück zur Tür, nicht außerordentlich dramatisch, aber fest.

"Weil eine demokratische und freiheitliche Republik nicht nur auf Schlachtfeldern gegen das Imperium verteidigt wird. Sie wird auch im Inneren verteidigt, wo wir dafür sorgen müssen, dass politische Differenzen nicht durch brutale Gewalt, sondern durch Dialog und Pluralismus gelöst werden."

Seine Stimme wurde wieder ruhiger. Sicherer. Jetzt fand er den Boden unter den Füßen zurück.

"Kommen Sie, Senatorin. Das Deep Current ist ein bemerkenswerter Ort, aber ich glaube, für heute hat es genug Eindruck bei uns beiden hinterlassen."

Dac / Coral City / vor dem Hinterausgang des Deep Current / Senator Jon Hendrey, Senatorin Ylsara Adinara
 
Dac – Coral City – Hotelsuite – Arbeitszimmer – Ulariel Starsinger (via Holo), Sirion, Ehmaaa (NPCs) und Rrooow

Die nächsten Tage wartete Rrooow gespannt darauf, dass der Master Controller von Gizer ihr endlich seine Entscheidung mitteilte. Es war nicht normal, dass das so lange dauerte. Ein Elektronenhirn brauchte keine Bedenkzeit und es gab auf Gizer auch keine demokratischen Prozesse, die Zeit in Anspruch nahmen. Zumindest noch nicht: wollte die Welt unter dem militärischen Schutzschirm der NR Zuflucht suchen, mussten Reformen stattfinden, die zumindest ein Mindestmaß an Mitspracherecht für dessen Bürger ermöglichten. Da mochte sich der Master Controller sich noch so sehr als wohlwollender Diktator sehen (und das vielleicht auch sein), aber Demokratie bedeutete nun einmal, dass das Volk entscheiden konnte, welche Politik sie haben wollte – es musste nicht notwendigerweise die beste für sie sein.

Im Grunde genommen gab es nur zwei mögliche Erklärungen für die Verzögerung. Entweder sondierte der Master Controller alternative Bündnisse mit anderen Welten, auf denen politische Entscheidungen ganz analog durch Abstimmung anstatt durch Rechenprozesse erfolgten, oder er wollte Rrooow auf die Folter spannen, bis sie vielleicht doch nachgab. Falls das Elektronenhirn das dachte, hatte es sich aber gehörig verrechnet. Natürlich wäre es auf dem Flimsi eine Niederlage für Rrooow, statt vier nur noch drei Welten im Senat zu vertreten, aber das war ihr egal. Sie hatte sich nicht darum gerissen. Togoria alleine, da hätte sie sich vielleicht, sobald der Laden lief, zum nächsten Semester zum Holostudium auf der Uni von Rudrig einschreiben können, aber Lantillies allein reichte schon, um einen Vollzeitjob aus dem Senatorinnenposten zu machen. Auf Gizer konnte sie gut und gerne verzichten, war es doch die mit Abstand nervenaufreibendste Welt, die sie vertrat.

Dummerweise tat ihr der Master Controller den Gefallen nicht. Am Morgen der Abstimmung verdarb Maalaw ihr die Laune (und den Kaf), indem sie ihr mitteilte, dass ein offizielles Kommunique der Regierung von Gizer (aka dem Master Controller) eingetroffen war, in welchem diese für die Zukunft regelmäßige Volksbefragungen und Pressefreiheit zusicherte. Verdammt aber auch. Naja, gut für die Bevölkerung von Gizer vermutlich. Im Prinzip auch gut für Rrooow, dass sie die Auseinandersetzung Tatsache durch harte Kante für sich entschieden hatte. Eigentlich war da ja nicht unbedingt ihre Art, aber in der Politik vielleicht manchmal erforderlich? Jetzt müsste ihr das nur noch mit Rruuugh gelingen, doch ihre Mutter war zweifellos ein ungleich zäherer Brocken als der Master Controller. Sie kannte ihre Mutter lange genug um zu wissen, dass sie sturer war als selbst der stumpfsinnigste Automat.

Da der Togorianerin dadurch eh keine Lust mehr auf Frühstück hatte, ließ sie sich direkt zum Senatsgebäude fahren. Strategisch suchte sie eine Lounge in der Nähe des Sitzungssaales, in dem der Verteidigungsausschuss tagte. Gerne hätte sie Tookelein gespielt, aber dazu hätte es ein zwei Meter großes Tookeloch gebraucht. Sie wollte möglichst als erste erfahren, wie die Entscheidung ausging. Die Wiederaufnahme der Beitrittsverhandlungen wäre dann ein rein bürokratischer Akt, der keinen Beschluss des Beitrittsausschusses mehr erforderte. Im Optimalfall konnte sie Lantillies und Contruum binnen Minuten nach der Entscheidung unter den Schutz der neuen Republik bekommen (Gizer würde ihn ohnehin sofort genießen, da der Master Controller die Beitrittsverhandlungen nie pausiert hatte – ›festgefahren‹ hieß nicht ›pausiert‹).

Natürlich konnte sie hier nicht einfach alleine dumm herumstehen, als wäre sie der einzige Hardcorefan einer abgehalferten Band, die am Morgen des Erscheinens des neuen Albums als einzige vor dem Holowürfelladen anstand. Sie hatte sich einen Gesprächspartner gesucht, Senator Beeweidee von einer Randwelt namens Alzoc III. Die Talz hatten viel mit den Togorianern gemeinsam, da fiel es ihr leicht, eine Verbindung herzustellen. Ihr wäre sogar beinahe der Kaf kalt geworden, als sich die Türen des Sitzungssaals mit einem leisen Zischen öffneten und die Senatoren, Datapads unter dem Arm, nach draußen schlenderten – nicht wenige davon direkt zur Lounge zu Kaf und Imbissen. Rrooow brauchte einen Senator, den sie kannte… oh, da war der Vertreter von Corellia. Sofort ging sie auf Abfangkurs.


»Oh, Ssenator Ssolo, welchh ein Zsuffall, dasss ichh ssie hier trefffe!«

»Und wer genau seid Ihr?«


Arroganter Schnösel, dieser Markhain Solo, dachte Rrooow.

»Mein Name ist Ssenatorin Rrooow.«

Und ja, das ist mein einziger Name und nein, ich verstehe sehr gut Basic, auch wenn sich meine Aussprache vielleicht nicht immer so anhört. Ich habe Examen in der Sprache geschrieben, denen Sie inhaltlich gar nicht folgen könnten, dachte sie sich im Stillen dazu.

»Ichh vvertrete gleichh drei sschhifffssbauende Welten, Lantilliess, Contruum und Gizser und wir würden ssehr gerne mit der CsECs in'ss Gesschhäft kommen – vvoraussgessetzst, der Aussschhusss hat heute die richhtige Entscheidung getrofffen. Anderenfallss, ffürchhte ichh, wird ess wohl bald eher SsFSs und KDY sein. Nichht dasss wir dass wollen, vverssteht ssichh.«

Senator Solo musterte sie kurz, als überlegte er, ob ihr ihr in leichter Sprache antworten müsste.

»Da kann ich Sie beruhigen, Ihre Welten sind von nun an sicher vor dem Imperium. Was den Rest angeht, vereinbaren Sie doch bitte einen Termin mit meiner persönlichen Assistentin.«

Mit diesen Worten ließ er sie stehen. Offenbar hatte der Corellianer nicht vor, in der Lounge einen Kaf zu sich zu nehmen. Wow, das war doch mal eine Abfuhr, dachte Rrooow. Sie freute sich jetzt schon auf die Menge an Arschkriecherei, die erforderlich sein würde, um neue Geschäftschancen für ihre Welten aufzutun. Warum versuchte sie nicht gleich, einen Termin bei einem Shooting Star wie Senator Hendrey zu bekommen? Sie schnappte sich eine andere Senatorin, die sie zwar nicht kannte, die aber gerade aus demselben Raum kam und ebenfalls keine Anstalten machte, sich in der Lounge niederzulassen. Scheinbar hatten die Kaf da drinnen. Beim Jediausschuss gab es sowas nicht.

»Sstimmt ess wirklichh? Beitrittsswelten genießzen künfftig ssoffort den militärisschhen Beisstand der NR?«

»Das wird von Fall zu Fall entschieden. Die Welten der sogenannten Phobium-Allianz stehen aber ab sofort unter dem Schutz der Republik, das ist richtig.«

»Danke.«


Die Menge löste sich recht schnell auf und ehe sie sich versah, waren nicht nur die Ausschussmitglieder weg, sondern auch Beeweidee und Rrooow blieb alleine mit den Baristadroiden zurück. So einen wie diesen hätte sie auch gern, wenn die nur nicht so unverschämt teuer wären…

Sie orderte einen Kaf, setzte sich an einen freien Tisch und baute dort ihren Holoprojektor auf. Sie kontaktierte Lantillies und alsbald baute sich das Bild des persönlichen Sekretärs der Vorsitzenden auf. Ein kurzer Blick auf das Multiweltenchrono auf ihrem Kom, damit sie ihn korrekt begrüßte.


»Guten Abend! Ichh würde gerne mit Vvorssitzsender Briant. sprechen, ess isst ssehr dringend.«

Der Sekretär bat sich einen Moment aus und kaum hatte Rrooow ihren heiß dampfenden Kaf neben dem Projektor stehen, erschien auch bereits das vertraute dunkelhäutige Gesicht von Delres Briant.

»Guten Abend, Senatorin. Es klingt, als hätten Sie Neuigkeiten für uns, verstehe ich das richtig?«

»Ja – die Neue Republik akzseptiert unssere Bedingungen. Mehr noch, die gessamte Phfobium-Allianzs ssteht ab ssoffort unter militärischen Sschhutzs. Wass ichh nochh nichht weiss isst, ob diess abhängig von einem Beitrittssvverffahren isst oder nichht.«

»Für uns spielt das keine Rolle. Wir treten bei. Das Schutzversprechen gibt uns politischen Rückenwind. Die Chance, Lantillies in den Schoß der Republik zu führen war nie größer als jetzt.«

Dac – Coral City – Senatsgebäude, Lounge – Delres Briant (via Holo) und Rrooow
 
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