[ Mittlerer Rand / Bright Jewel Sektor / Bright Jewel System / Ord Mantell / Worlport / Casino / Wartebereich ] Teldor, sowie (NPCs) Kasinogäste und -personal
Die Beine übereinandergeschlagen, blätterte Teldor Kland die Seite des Magazins um, in dem er die letzte Stunde über geschmökert hatte. Unkooperativ verdrehte das dünne Flimsiplast sich unter seinen Fingern und riss. Für einen Moment starrte Teldor auf das, was er angerichtet hatte, und seufzte. Er justierte seinen Sitz auf dem harten Plastoidstuhl und legte das Magazin beiseite, um seinem Hirn für einen Moment Ruhe von der trivialen Boulevardberichterstattung über die Schickeria Ord Mantells zu gönnen. Es gab sicherlich Leute, die so etwas lasen – warum sonst sollte derlei Material im hinteren Wartebereich eines Casinos ausliegen? Teldor gehörte nicht dazu. Doch in der Not fraß der Sithlord bekanntlich Wompratten.
Die Umgebung hatte sich seit seinem letzten Rundblick nicht verändert. Noch immer verprassten dieselben hohlwangigen Gestalten auf dem Casinofloor vor ihm die finanzielle Grundlage ihrer maßgeschneiderten Kostüme und noch immer schallte das helle Klimbim der vorgeblich fröhlichen Geräuschkulisse aufdringlich zu ihm herüber. Aus einer Tür neben seiner sonst verlassenen Sitzgruppe trat just in diesem Moment ein Kellner mit durchaus schmackhaft aussehenden Leckereien. Doch bevor Teldor ihn um ein Häppchen bitten konnte, erspähte er den Portier, der grade in seine Richtung schlenderte. Wohl um zum drölfzigsten Mal zu fragen, ob er während seiner Wartezeit nicht doch ein bisschen Zeit – in diesem Ambiente natürlich ein Jargonbegriff für Geld – an einem der Automaten verschwenden wollte. Das Haus gewinnt immer, aber nur wenn man auch spielt! Hastig versenkte Teldor wieder den Blick im Magazin.
„Verzeihung, Legat, Gouverneurin Manemi ist nun bereit Sie zu empfangen.“
, sagte der Portier trotzdem einen Moment später und Teldor sah wieder auf. Er zwang sich zu einem Lächeln, legte das Magazin wieder beiseite und erhob sich.
„So bald schon!“
, gab er zurück, die Zähne noch immer entblößt. Das Lächeln war sicher nicht so funkelnd wie jenes, das Gouverneur Solaris auch in einer solchen Situation zur Schau gestellt hätte, doch war es gut eingeübt. Für einen Moment dachte er an den Empfang zurück, den Gouverneur Zesh ihm auf Prefsbelt IV bereitet hatte, unterdrückte jedoch das tiefe Seufzen, das dabei in seiner Brust aufsteigen wollte. Er war sich damals bewusst gewesen, dass Zesh als Unikat betrachtet werden musste und dass er nicht überall wie der Imperator – pardon, nun Imperatrix! – persönlich behandelt werden konnte. Aber dennoch… zwei Stunden im Wartebereich eines Ord Manteller Kasinos auf einen Empfang zu warten, musste dann aber definitiv das untere Ende der Gastfreundschaftsskala markieren. Hoffte er.
Der Portier führte Teldor einmal quer durch das Kasino, wo die Gouverneurin von Aleen bereits im Restaurantbereich auf ihn… naja, wartete war wohl zu viel gesagt. Manemi hatte wohl schon die Gelegenheit genutzt, um ein ausgiebiges Mittagessen zu bestellen, denn ein weiterer Kellner stellte bereits eine Platte mit Spezialitäten vor ihr ab. Natürlich kannte Teldor sich nicht genug mit den lokalen Gerichten aus, um dies zu bestimmen – ein kleines Fähnchen in einer Wurst beanspruchte dies für sich. Der Legat unterdrückte ein eindringliches Knurren seines Magens und trat mit einem weiteren Lächeln näher. Gouverneurin Manemi hob ihren Blick.
„Gouverneurin, seien Sie gegrüßt. Mein Name ist Teldor Kland und ich bin der-“
„Legat des Äußeren auf Truuine, ich weiß schon.“
, gab die junge Frau zurück und wies mit der Hand auf den leeren Platz ihr gegenüber. Ihres gehäuften Tellers zum Trotz wirkte sie selbst eher wie ein Strich in der Landschaft. Teldor schätzte sie auf Gouverneur Solaris‘ Alter, vielleicht eine Spur jünger. Ihr spitzes Gesicht wurde von einem blonden Kronenzopf betont, der einen modischen Kontrast zu dem schwarzen Sommerkleid bot, das sie zu dieser Gelegenheit angelegt hatte. Teldor tat sein Bestes sein Gesicht neutral zu halten, während er unbewusst ein Staubkorn vom Ärmel seiner eigenen Verwalteruniform wischte. Wie geheißen setzte er sich. Seine Mundwinkel schmerzten, während er ihnen ein weiteres Lächeln abverlangte.
„Eben der. Ich danke Ihnen für den Empfang, Gouverneurin.“
„Sie haben mir auch keine andere Wahl gelassen. Nachdem Sie mir von Aleen nach Ord Mantell gefolgt sind.“
Unter dem Tisch gruben sich Teldors Finger in seinen Oberschenkel.
„Ich bitte vielmals um Vergebung für die Unannehmlichkeiten. Der persönliche Besuch ergab sich ja nur, um die erfolgreiche Kommunikation zwischen unseren Verwaltungen sicherzustellen.“
Sechs. Sechs Anfragen hatte sein Büro an die aleener Verwaltung gestellt, nur um jedes Mal ignoriert zu werden! Gouverneurin Manemi runzelte die Stirn.
„Man würde annehmen, es sei bereits klar kommuniziert worden. Wir können Ihnen nicht helfen.“
Teldor erlaubte seinem Gesicht die Miene der Dame zu spiegeln.
„Gouverneurin, es geht wie in meinen Briefen bereits dargelegt, um interimperiale Strafverfolgung. Es handelt sich um eine Interessensperson im Fall eines gesuchten Schwerverbrechers. Ich kann nicht genug betonen, dass diese Antwort für Gouverneur Solaris unter diesen Umständen ungenügend ist.“
„Dann soll er eben die Sector Ranger einschalten. Ich verstehe nach wie vor nicht, warum ich in dieser Sache mit einem Legaten des Äußeren und nicht mit einem Strafvollzugsbeamten kommuniziere.“
Manemi hob ein breites Weinglas an die Lippen und stellte es einen Moment später vielleicht etwas zu fest wieder ab. Rote Flüssigkeit schwappte und ein einzelner, roter Tropfen verunzierte die weiße Tischdecke.
„Wie bereits in den Briefen dargelegt, handelt es sich hierbei bisher lediglich um einen Verdachtsfall.“
Teldor verschränkte die Arme über der Tischdecke und versuchte krampfhaft sich das lächelnde Gesicht von Gouverneur Solaris als sein Gegenüber vorzustellen. Dies war ein Test, er musste die Fassung bewahren. Auch das gehörte zu seinem Berufsprofil. So gerechtfertigt er sich auch hätte beschweren können, er wollte etwas von Manemi. Und wer wusste schon, ob Solaris nicht in Zukunft einen lukrativen Vertrag mit Aleen abschließen wollte. Keine Brücken verbrennen, Teldor, auch wenn diese junge Schnepfe es grade wirklich darauf anlegte…
„Wir möchten die Befragung zunächst selbst vornehmen. Es geht ja zunächst nur um Hinweise auf seinen Aufenthaltsort, nicht darum den Kriminellen selbst zu verfolgen.“
, erklärte er und verstummte. Einen Moment breitete sich Stille am Tisch aus, bevor Manemi die Hand hob und ungeduldig kreisen ließ. Teldor verstand die rüde Aufforderung zum Punkt zu kommen natürlich nur zu gut. Trotzdem nahm er sich einen Moment, um meditativ die Luft durch die Nase auszustoßen und die Bedeutung des Wörtchens ‚Machtgefälle‘ zu reflektieren.
„Gouverneurin…“
, begann er erneut.
„Es geht um die Auslieferung eines einzelnen Bürgers. Noch dazu eines Nichtmenschen. Wir haben seine Adresse, seinen Aufenthaltsort und eine konkrete Verbindung zum Sachverhalt. Alles, was wir brauchen, ist eine mäßig motivierte Polizeipatrouille und einen Transport in den Orbit. Diese Unterhaltung ist doch so weit unterhalb unserer beiden Gehaltsklassen-“
„Ich korrigiere, es ist ein einzelner meiner Bürger und ich wüsste nicht, was seine Spezies hier zur Sache tut.“
Die Stimme der Gouverneurin hatte plötzlich einen noch schärferen Ton angenommen und blaues Eis war in ihre Augen getreten. Er spürte den Unterschied zwischen ihren Positionen fast körperlich. SIE konnte sich so etwas erlauben…
„Sofern ich richtig informiert bin, handelt es sich bei Ihrem teuren Gouverneur Solaris um einen Arkanier – was zufällig auch meine Spezies ist. Ich würde Sie bitten derlei rassistische Bemerkungen zukünftig in meiner Gegenwart zu unterlassen.“
Teldor schluckte und schwieg für einen Moment. Das musste er in Manemis Akte wohl überlesen haben. Peinlich.
„Ich…bitte vielmals um Verzeihung.“
, gab er schließlich zurück.
„Verstehe.“
Die Antwort der Gouverneurin war schneidend.
„Ich würde mich freuen, wenn die truuiner Verwaltung als kleine Entschuldigung für mein Fettnäpfchen Ihre Rechnungen hier auf Ord Mantell begleichen könnte.“
Teldors Seufzen war kaum hörbar, selbst für ihn. So viel dazu also, eine einfache Deportierung zu verhandeln. Dennoch war er sich sicher, dass Solaris bereit war, für Erfolg in dieser Sache auch ein wenig Geld in die Hand zu nehmen. Manemi horchte sichtbar auf.
„Von welchem Rahmen sprechen wir?“
Für einen Moment schwieg Teldor nachdenklich, dann sagte er:
„Sofern wir uns einig werden können, wäre es uns eine Freude alle bisher auf Ihrer Reise entstandenen Kosten zu begleichen.“
Hoffentlich hatte die Gouverneurin ihre Mittel bisher im Kasino nicht zu sehr überstrapaziert. Noch eine Sache, die er hätte versuchen können im Vorfeld in Erfahrung zu bringen. Wobei das Kasino vermutlich keine Auskunft über derlei Angelegenheiten gab. Egal, doofer Gedanke. Wie hoch die Summe werden würde, war vermutlich dann doch ein Glücksspiel. Er konnte das dumme Grinsen des Portiers förmlich riechen, würde der davon erfahren.
„Sofern wir uns einig werden, soso.“
, gab Manemi kühl zurück, jedoch wirkte ihre Miene entspannter als das ganze bisherige Gespräch über.
„Das nimmt Ihrer Entschuldigung jetzt doch etwas die Wirkung…“
„Ich würde mich freuen, wenn Sie noch einige meiner Chips aufbrauchen würden. Ich fürchte, ich muss nach unserem Gespräch sofort nach Truuine zurückkehren und habe bedauerlicherweise keine Zeit die Lokalität angemessen zu zelebrieren.“
„Mhmhm?“
, fragte Manemi und bedeutete ihm weiterzusprechen.
„Ich habe noch etwa Zehntausend…“
Die dünne Handbewegung nach oben entging ihm nicht.
„Zwanzigtausend Credits beim Kasino vorliegen.“
„Ich verstehe. Merillion sagten Sie?“
, fragte die Gouverneurin und nahm einen Stift und eine Serviette zur Hand.
„Dante Merillion. Ganz Recht.“
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