Prefsbelt IV

[ Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Blue One / Bühne vor dem Gouverneurspalast ] Theranos Zesh, Zahyn Lydien, Gregor Bay, Veran Koss und andere Würdenträger Prefsbelt IV´s


Die große Geste war vollzogen, die Verträge unterzeichnet, die Delegationen – bis auf einen kleinen Kern – bereits auf dem Weg zurück nach Truuine mit der Unterstützung der Blauen Legion. Zurück blieb eine gelöste, beinahe festliche Atmosphäre, wie man sie auf Prefsbelt IV lange nicht erlebt hatte.

Die Bühne vor dem Palast hatte sich längst von einem Ort formeller Zeremonie zu einem Raum gelöster, aber kontrollierter Festlichkeit gewandelt. Zwischen der dezent beleuchteten Bar, den bereitstehenden Stehtischen die herangeschafft wurden und den Gruppen aus Würdenträgern, Offizieren und geladenen Gästen herrschte ein stetiges Murmeln aus Gesprächen, Gläserklirren und immer wieder gedämpftes Lachen zu vernehmen. Von hier oben bot sich ein freier Blick über den Hauptplatz, wo die Musik weiterspielte und sich die Menschen langsam in kleinere Gruppen verteilten. Provisorische, aber gut organisierte Stände säumten das Areal, mit dem Abbau einiger Absperrungen wirkte der Hauptplatz offener und freier. Eine heitere Stimmung lag in der Luft.

Theranos Zesh bewegte sich langsam über die Bühne, das Weinglas locker in der Hand und blieb dann nahe der Bar stehen, wo sich mehrere der truuinischen Ingenieure versammelt hatten, die vorerst auf Prefsbelt IV verbleiben würden. Ein kurzes Gespräch entspann sich, getragen von sichtbarer Erleichterung über den Abschluss des Vertrages. Der Gouverneur brachte seine Zufriedenheit darüber zum Ausdruck, wie reibungslos die letzten Tage verlaufen waren, und ließ durchblicken, dass er die Zusammenarbeit mit ihnen sehr schätze. Es folgte noch ein wenig Smalltalk und unterhaltung über diese und jenes Detail an dem Gemeinsam Projekt. Das Gespräch endete in aufrichtiger Dankbarkeit, bevor die Ingenieure sich wieder ihren eigenen Gesprächen zuwandten.

Kurz darauf trat Theranos zu Gregor Bayl, Zahyn Lydien und Veran Koss. In wenigen, aber klaren Worten lobte er die Effizienz, mit der alle Beteiligten auf die Ereignisse der vergangenen Tage reagiert hatten. Besonders Koss erhielt ein weiteres knappes, aber anerkennendes Wort für die schnelle Einsatzbereitschaft der Blauen Legion. Die Männer nahmen das Lob mit professioneller Zurückhaltung auf, ehe jeder von ihnen bald wieder in Anspruch genommen wurde – Gespräche hier, Anweisungen dort, ein ständiger Strom kleiner Pflichten.


Theranos bewegte sich weiter über die Bühne, nickte dem einen oder anderen bekannten Gesicht zu und erwiderte Grüße, ohne lange zu verweilen. Da fiel sein Blick auf eine vertraute Gestalt.
Kal Andrim näherte sich gemeinsam mit einer Offizierin über die Bühne hinweg. Ein leichtes Lächeln trat auf Theranos’ Gesicht, kaum merklich, aber ehrlich. Er hatte gehofft, den Kuati hier noch anzutreffen – ihr letztes Gespräch war offen geblieben, und die mögliche Unterstützung bei den Werftprojekten war nach wie vor von Interesse.


„Oh, Flight-Lieutenant Andrim“, begrüßte Theranos ihn und nickte ihm zu. „Welch Freude.“
Sein Ton blieb warm, doch kontrolliert.
„Colonel Rorsam und Major Dimbain haben mit ihren Staffeln hervorragende Arbeit geleistet“, sagte Theranos ruhig und mit hörbarer Anerkennung in der Stimme. „Ganz so, wie man es von ihnen erwarten durfte.“
Einen Herzschlag lang ließ er den Satz wirken, bevor er fortfuhr – beiläufig, fast unauffällig, und doch mit klarer Bedeutung
„Nichtsdestotrotz hatte ich ursprünglich angedacht, Ihnen diese Ehre zukommen zu lassen, Flight-Lieutenant Andrim.“
Ein leichtes Schulterzucken begleitete die Worte, mehr Geste als Entschuldigung.
„Aber sei es drum. Entscheidend ist, dass das Ergebnis stimmt – und das tut es.“

Nach der Aussage zur Kooperation zwischen Prefsbelt IV und Truuine huschte ein kaum merkliches Lächeln über sein Gesicht.
„Umso mehr freut es mich, dass diese Kooperation bislang von allen Seiten positiv aufgenommen wurde.“

Als Kal ihm Captain Arari Sunstrider vorstellte, erinnerte sich Theranos sofort an die Begegnung bei der Akademie. Er erwiderte die Vorstellung höflich, doch sein Blick wurde für einen Moment ernster, als er das Thema des Balls streifte.
Theranos’ Blick wanderte zu Captain Sunstrider. Ein freundliches, kontrolliertes Lächeln lag auf seinem Gesicht.

„Natürlich erinnere ich mich an Sie, Captain. Es ist mir eine Freude“, sagte der Gouverneur ruhig und nickte ihr höflich zu.
Für einen kurzen Moment veränderte sich sein Ausdruck. Die Freundlichkeit blieb, doch sein Blick wurde ernster.


„Ich hoffe sehr, dass es auf dem Ball zu keinen weiteren Unannehmlichkeiten gekommen ist“, fuhr Theranos fort. In seiner Stimme lag nun ein spürbarer Unterton von Missbilligung und Ärgerniss. „Der Umstand hat mich im Nachgang durchaus beschäftigt.“
Er hielt kurz inne, dann sprach er weiter, bewusst sachlich.

„Ich habe sowohl die Mitglieder dieser Gruppierung als auch den Herrn, der sich mit Flight-Lieutenant Andrim duelliert hat, im Nachhinein schriftlich durch mein Büro informieren lassen, dass ein derartiges Gebaren von mir nicht geduldet wird – schon gar nicht von zukünftigen Offizieren und Absolventen der Akademie dieses Planeten.“
Sein Blick ruhte auf Sunstrider.
„Ich hoffe, das trägt zu Ihrer Beruhigung bei, Captain.
Dass dieses Schreiben deutlich schärfer ausgefallen war und er den Akademiedirektor unmissverständlich daran erinnert hatte, welche Disziplin er von einer Einrichtung mit solchem Ruf erwartete – inklusive der Forderung nach Konsequenzen für die beteiligten Studenten – verschwieg Theranos bewusst. Er ließ das Thema ruhen und wandte sich mit einem leichten Atemzug wieder einem entspannteren Tonfall zu.

Auf Kal Andrims hinweise auf ein weiteres Gespräch reagierte Theranos erfreut.

„Sehr gern können wir unser Gespräch fortführen – ob in den kommenden Tagen oder sogar noch heute, ganz wie es Ihnen beliebt“, sagte Theranos ruhig. „Der Nachmittag hat ja gerade erst begonnen.“
Mit einer leichten, beinahe beiläufigen Bewegung schwenkte er sein Glas und deutete über die erhöhte Bühne hinweg auf das lebhafte Treiben vor dem Palast.
„Diese Soiree wird sicher noch eine ganze Weile andauern“, fuhr er fort. „Prefsbelt IV hatte in den letzten Jahren nur wenige Anlässe zum Feiern.“

Sein Blick glitt kurz über die Menge, blieb einen Moment an den Gruppen aus Würdenträgern hängen – dort, wo Gregor Bayl gerade von Gespräch zu Gespräch wechselte und sichtbar in seinem Element war.
„Dabei wurde hier früher immer gern gefeiert, gelacht, diskutiert wurde mir zugetragen“, meinte Theranos und ein leises, amüsiertes Schnauben entwich ihm. „Klatsch und Tratsch eingeschlossen, versteht sich.“

Er nahm einen kleinen Schluck und senkte das Glas wieder.
„Für heute jedenfalls steht außer dem Empfang und ein paar unvermeidlichen Fotos nichts Dringendes mehr an“, fügte er hinzu. „Und morgen lediglich eine kurze Inspektion des aktuellen Standes der Werft, gerne könnten wir unser Gespräch heute noch fortführen oder sie begleiten mich morgen zur Inspektion und danach führen wir unser Gespräch, was halten Sie davon?.“ fragte Theranos einladend.


Noch während des Gesprächs näherten sich mehrere Vertreter der Presse und baten um Fotos. Theranos stellte sich bereitwillig für ein Foto zur Verfügung, nahm eine ruhige, souveräne Haltung ein. Kurz bevor sich die Kameras zurückzogen, kam ihm eine Idee.
Ein Kuati an seiner Seite der obendrein ein formidabler Pilot – dazu eine fähige Offizierin – war in seinen Augen kein Detail, das man ungenutzt lassen sollte.

Er wandte sich noch einmal an die Journalisten und deutete mit einem knappen Lächeln auf Kal und Captain Sunstrider. Ob man nicht auch diese beiden Offiziere mit aufnehmen wolle – Freunde der planetaren Regierung, wie er betonte und stellte sich etwas nähe an Kal Andrim und lächelte.



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Prefsbelt IV | Blue One - Gouverneurspalast | Kal Andrim, Theranos Zesh, Arari Sunstrider, diverse Würdenträger (NSCs)

Gouverneur Zesh betonte noch einmal, dass er eigentlich für den Kuati die Ehre des Formationsüberflugs vorgesehen hatte. Da ließ Kal sich die Gelegenheit nicht nehmen, eine kleine Spitze gegen seinen Geschwaderkommandanten zu setzen.

„Was soll ich sagen? Es war Colonel Rorsam eine Herzensangelegenheit, diese Ehre für sich selbst und Major Dimbain zu beanspruchen. Ich hoffe, wir werden es ihm verschmerzen können.“

Im Verlauf des Gesprächs war es dem Gouverneur dann noch ein Bedürfnis, den unangenehmen Zwischenfall auf dem Ball der Akademie anzusprechen. Kal konnte sich in etwa vorstellen, wie das Schreiben des Gouverneursbüros an alle Beteiligten und den Akademiedirektor ausgesehen hatte. Mit einem Handstreich spielte der Kuati also die Angelegenheit herunter, während Captain Sunstrider neben ihm bei dem Thema sich leicht versteifte.

„Vielen Dank Herr Gouverneur, das ist gut zu hören. Ich bin mir aber sicher, dass es sich bei der Angelegenheit um einen bedauerlichen Einzelfall gehandelt hat, der sich so nicht wiederholen wird.“

Kal war sich ziemlich sicher, dass der Gouverneur dafür sorgen würde, dass sich so etwas nicht wiederholen würde. An die richtigen Medien durchgestochen konnte so etwas schnell unangenehm hochkochen und war genau deswegen die perfekte Gelegenheit, um unliebsames Personal still und heimlich zu entfernen. Kein gewiefter Politiker würde sich die Gelegenheit nehmen lassen, aus der Sache politisches Kapital zu schlagen.

„Feierlichkeiten sagen Sie? Oh, ich bin mir sicher, dass Sie mehr als genug Gelegenheit haben werden, Ihre Erfolge mit dem Volk zu teilen. Eröffnung Ihrer Industrieprojekte, der Geburtstag und das Krönungsjubiläum ihrer kaiserlichen Hoheit und natürlich auch lokale Anlässe, wie der klassische Ernteabschluss, Gründungstag der Blauen Legion, Ihr Geburtstag, derlei.“

Das Gespräch entwickelte sich ganz so, wie Kal es sich gewünscht hatte und so konnte der Kuati die Einladung zum weiteren Gespräch nur annehmen und er bezog Captain Sunstrider dreisterweise auch direkt mit ein. Es würde ihrer ganz sicher gut tun, Kontakte in die Politik zu knüpfen. Insbesondere jetzt, wo Colonel Rorsam in irgendwelche kindischen Intrigen gegen sie involviert zu sein schien.

„Eine wunderbare Idee. Ich glaube, ich spreche sowohl für Captain Sunstrider als auch mich selbst, wenn ich sage, dass wir heute Nachmittag nach dem Empfang etwas Zeit für Sie erübrigen können. Ich denke, Captain Sunstrider könnte dem Kommandanten Ihrer blauen Legion ein paar sachdienliche Ratschläge für den Aufbau eines eigenen Jagdgeschwaders zur Luftunterstützung geben, während wir über das Industrieprojekt reden. Und morgen begleite ich Sie genauso gerne auf Ihrer Inspektion.“

Kaum hatte Kal diese Worte ausgesprochen wurden sie von einer ganzen Schar von Pressevertretern heimgesucht, was Gouverneur Zesh dafür nutzte, ein paar Pressephotos mit den beiden Kampfpiloten zu machen. Hervorragend, Kal schenkte den Journalisten sein eingeübtes Presselächeln und schüttelte die Hand des Gouverneurs, nachdem er und Captain Sunstrider als Freunde der planetaren Regierung bezeichnete. Ein an sich inhaltsleerer Titel, natürlich unterstützten sie als Offiziere ihrer Majästät die legitime Regierung Prefsbelt IVs. Gleichzeitig aber würde diese Berichterstattung Captain Sunstrider als Schild dienen, denn wer sie jetzt noch Angriff, würde sich auch indirekt mit der lokalen Administration anlegen. Dieser Nachmittag hatte nicht besser laufen können.

Prefsbelt IV | Blue One - Gouverneurspalast | Kal Andrim, Theranos Zesh, Arari Sunstrider, diverse Würdenträger (NSCs)
 
[ Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Blue One / Bühne vor dem Gouverneurspalast ] Theranos Zesh, Kal Andrim,Arari Sunstrider sowie Zahyn Lydien, Gregor Bay, Veran Koss und andere Würdenträger Prefsbelt IV´s


Theranos nahm die Fragen der Journalisten, sowie die letzte, wo er denn Kal Andrim und Captain Sunstrider kennen gelernt hatte, mit ruhiger Selbstverständlichkeit auf, das Glas noch in der Hand, den Blick offen.

„Wir haben uns am Ball der Offizier Akademie kennengelernt“, erklärte er gelassen. „Flight-Lieutenant Andrim ist mir dort als ebenso fähiger wie reflektierter Offizier mit Charakter begegnet. Ich halte es für sinnvoll, Menschen mit Erfahrung, Weitblick, Ambitionen und Gespühr frühzeitig in Gespräche einzubinden.“
Ein kurzes, kaum merkliches Lächeln begleitete die nächsten Worte.
„Ob und in welcher Form eine weitergehende Zusammenarbeit entsteht, wird derzeit beraten. Doch ich bin überzeugt, dass offene Gespräche stets der bessere Anfang sind.“

Es war keine verbindliche Zusage – aber eine Aussage, die in den richtigen Ohren Gewicht haben würde. Theranos wusste das, immerhin war es nie schlecht Verbindungen nach Kuat zu haben. Und er nahm wahr, wie Kal Andrim diese Nuance verstand.

Nachdem die Journalisten sich zurückgezogen hatten, führte der Gouverneur, Kal und Captain Sunstrider noch durch einige kleine Gesprächsinseln auf der Bühne, stellte sie ausgewählten Würdenträgern vor, wechselte beiläufige Worte, ließ Gläser neu füllen. Der Nachmittag senkte sich langsam.

Schließlich erklang über den Platz die Stimme eines Sprechers aus dem Ministerium für Kunst und Kultur – unverkennbar aus dem Umfeld Gregor Bayls. Mit ruhiger, festlicher Tonlage wurde angekündigt, dass kurz nach Sonnenuntergang ein Feuerwerk den offiziellen Abschluss der Vertragsfeierlichkeiten markieren würde. Ein leiser Applaus brandete auf, getragen von Zustimmung und Vorfreude.

Theranos wandte sich wieder an seine beiden Gäste.

„Ich würde vorschlagen, wir ziehen uns für einen Moment zurück“, sagte er ruhig. „Ein wenig Ruhe – und Raum für ein Gespräch ohne Mikrofone und kommen später kurz vor dem Feuerwerk zurück.“

Er winkte einen uniformierten Palastbediensteten heran und sprach leise, aber bestimmt.
„Bereiten Sie bitte meinen privaten Empfangsraum vor und lassen Sie Veran Koss zu uns kommen.“
Ein knappes Nicken, dann verschwand der Mann lautlos.

Noch einen Moment blieben sie stehen, tranken in ruhe aus und lauschten noch ein zwei Musikstücken. Dann setzte sich die kleine Gruppe in Bewegung.

Begleitet wurden sie wie gehabt von einer Ehrwache der Blauen Legion, etwa zehn Mann, deren Paradeuniformen noch einmal eleganter und feiner gearbeitet waren als jene der regulären Gardeeinheiten – dezente Goldakzente, klare Linien, ein sichtbares Zeichen unmittelbarer Gouverneursnähe.

Sie durchquerten die große Säulenhalle, das Stimmengewirr verklang hinter ihnen, und erreichten schließlich den Aufzug, der sie in den privaten Bereich des Palastes brachte.



Der Empfangsraum erwartete sie bereits in gedämpftem Licht. Das Feuer im Kamin brannte ruhig, spiegelte sich in Metall und Glas.
Der private Empfangsraum des Gouverneurs war bewusst kein Ort der Zurschaustellung, sondern einer der Konzentration. Gedämpftes Licht lag auf elfenbeinfarbenen Wänden, durchzogen von feinen Goldlinien, die sich wie ruhige Adern durch das Gestein zogen. Dunkles Holz, sorgfältig verarbeitet, rahmte Türen und Nischen, während der Kamin an der Stirnseite des Raumes ein gleichmäßiges, beruhigendes Feuer trug, dessen Schein sich weich auf Metall und Glas brach.

Vor dem Kamin standen vier hohe Ohrensessel in ruhigem Halbkreis um einen niedrigen Marmortisch gruppiert. Auf ihm warteten Häppchen, eine schwere Kristallkaraffe mit Wasser, ein Kübel mit Eis – und zwei gekühlte Flaschen Imperialis Sensus, deren Etiketten im warmen Licht dezent schimmerten sowie eine Flasche corellianischer Whiskey.

Weiter hinten dominierte ein größerer Tisch aus poliertem Ebenholz den Raum, ausgelegt für vertrauliche Besprechungen, darüber eine filigrane, goldene Leuchte, die das Zimmer in kultivierte Ruhe tauchte. Hohe Bücherregale säumten die Wände, gefüllt mit Bänden zu Geschichte, Politik und Strategie, dazwischen vereinzelte Skulpturen und Holokunstwerke – bewusst gewählt, niemals zufällig.

Zwei hüfthohe Pflanzen, streng geschnitten und in schlichten, glänzenden Gefäßen, brachten Leben in die klare Komposition aus Stein, Holz und Metall. Alles hier war Ausdruck von Ordnung, Maß und Kontrolle – ein Raum, der Gespräche tragen konnte, ohne sie zu belasten.
Vor dem Marmortisch standen vier hohe Ohrensessel, und Veran Koss erhob sich, als sie eintraten.


„Gouverneur“, begrüßte er sie knapp und respektvoll, dann wandte er sich Kal und Captain Sunstrider zu und begrüßte auch sie.
Theranos nahm Platz und deutete auf die Sessel. Nach dem sich alle gesetzt hatten brachten zwei bedienstete 4 Gläser und schenkten die Gewünschte Getränke ein und entfernten sich wieder.
Dann wandte sich Theranos Kal direkt zu.


"Flight-Lieutenant Andrim", begann Theranos ruhig "ich habe eine klein Präsentation vorbereitet und hoffe so zumindest die meisten Fragen im vorhinein beantworten zu können." beendete Theranos den Satz mit einem leichtem lächeln.


Er erhob sich, trat einen halben Schritt zur Seite und aktivierte mit einer beiläufigen Bewegung den im Tisch eingelassenen Holoprojektor. Lautlos erhob sich das schimmernde Abbild einer weitläufigen Anlage: Ebenen, Hallen, Landefelder, Schienensysteme, Montagebereiche – die planetare Werft zwischen Blue One und Green One in abstrahierter, aber eindrucksvoller Darstellung.

Theranos begann ruhig zu sprechen. Er beschrieb den Umfang des Projekts, die schiere Fläche, die sich über hunderttausende Quadratmeter erstreckte – überirdisch wie unterirdisch. Er sprach von modularen Fertigungshallen, von separaten Produktionslinien, von Logistikachsen, die bereits jetzt in den Boden Prefsbelts getrieben wurden.
Der Fokus, so erklärte er, liege zunächst klar auf der Jägerproduktion. Standardisierte Linien für imperiale Raumjäger, mit Reserven für Varianten, Anpassungen, spätere Erweiterungen. Die Infrastruktur sei bewusst so ausgelegt, dass sie mit der Zeit auch größere Einheiten aufnehmen könne – Transporter, spezialisierte Raumfahrzeuge, vielleicht mehr, sollte es die politische Lage erfordern.

Er ließ Zahlen einfließen, ohne sie aufzudrängen. Fördermittel des Sektors. Direkte Investitionen aus dem Apparat des Moffs. Eine Finanzierung, die nicht auf kurzfristigen Gewinn, sondern auf strategische Nachhaltigkeit zielte. Alles war vorhanden – Material, Arbeitskräfte, politische Rückendeckung.
Während Theranos sprach, glitt das Holobild weiter, zeigte Produktionszyklen, Verkehrsströme, mögliche Erweiterungszonen. Seine Stimme blieb kontrolliert, sachlich, doch man spürte den Stolz eines Mannes, der wusste, dass er hier etwas von Bedeutung formte.

Unweit davon hatte sich Veran Koss mit Captain Sunstrider in ein leiseres Gespräch vertieft. Es ging um Luftüberlegenheit, um Einsatzprofile, um die Frage, wie eine planetare Eliteeinheit wie die Blaue Legion langfristig durch eigene Jäger oder eine kleine Staffel ergänzt werden könnte. Keine Entscheidungen, nur fachlicher Austausch – sachlich, konzentriert, respektvoll.

Theranos beendete seine Ausführungen schließlich, deaktivierte den Projektor und wandte sich wieder Kal zu.
Nun war es an Kal Andrim, zu sagen, wie – und ob – er Teil dessen werden konnte, was hier im Entstehen war.



[ Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Blue One / Gouverneurspalast / Privater Empfangsraum des Gouverneurs ] Theranos Zesh, Kal Andrim, Arari Sunstrider und Veran Koss
 
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Prefsbelt IV | Blue One - Gouverneurspalast - Besprechungszimmer | Kal Andrim, Theranos Zesh, Arari Sunstrider, Veran Koss (NSC)

Gouverneur Zesh ließ sich wahrlich nicht lumpen. Die dargebrachten Getränke waren von vorzüglicher Qualität und überstiegen definitiv den finanziellen Rahmen des durchschnittlichen imperialen Bürgers. Das war die Art von subtiler Wertschätzung, die der Kuati durchaus zu schätzen wusste und in Erinnerung behalten würde. Und der corellianische Whiskey selbst war durchaus auch nach Kals Geschmack.

Während
Palastdirektor Koss und Captain Sunstrider über die Aufstellung eines Luft-/Raumgeschwaders für die Blaue Legion debattierten, ging Gouverneur Zesh mit Kal die Präsentation über das Werftprojekt durch. Die dargebotenen Informationen waren erstaunlich detailliert und der Kuati musste gar nicht so viele Nachfragen stellen, um an die Kennzahlen zu kommen, die er brauchte, um das Projekt tatsächlich bewerten zu können. Was der Gouverneur ihm hier präsentierte, war erheblich mehr als ein elaboriertes PR Pamphlet.

„Sie haben hier wirklich großes geschaffen, Herr Gouverneur. Und das in so kurzer Zeit, ich bin wirklich beeindruckt. Sie und der Moff sind ein strahlendes Beispiel dafür, was das Imperium bewirken kann, wenn die richtigen Leute an den richtigen Schaltstellen sitzen.“

Dennoch gab es ein paar Dinge, die Kal nicht so klar waren, wie er es gerne gehabt hätte.

„Sind Sie sich aber wirklich sicher, genügend Arbeiter für all' diese Anlagen in so kurzer Zeit ausbilden zu können? Einige dieser Anlagen werden hoch spezialisierte Arbeitskräfte benötigen und Prefsbelt IV verfügt aus historischen Gründen nicht unbedingt über die nötigen Ausbildungskapazitäten dafür.“

Sie kamen jedoch nicht dazu, das Thema noch weiter zu vertiefen. Eine Erschütterung ging durch das Gebäude, die Kal nicht nur in seinem Zwerchfell spürte sondern auch in Wellen in seinem Glas sah. Ein Schatten verdunkelte für einen Augenschlag das Licht, dass durch das große Transparistahlfenster in den Raum schien und der Kuati ging neugierig zum Fenster, um zu sehen, was da draußen vor sich ging.

Kaum war
Kal am Fenster angekommen, ging nicht nur der Kommunikator des Palastdirektors los, der Kuati sah außerdem die Luftabwehrgeschütze des Palastes den Abendhimmel erleuchten. Ein Angriff? Hier im Herzen des Imperiums fernab der Grenzgebiete? Das war gelinde gesagt überraschend, allerdings glaubte Kal nicht an einen Großangriff der Republik hier mitten im Prefsbelt-Sektor. Waren es also Piraten?

„Gouverneur, Sie haben hier anscheinend ein kleines...Ungezieferproblem.“

Palastdirektor Koss trat an Theranos Zesh heran, um ihn mit mehr Informationen zu versorgen. Er schien schwer besorgt zu sein. Kal hingegen, wandte sich ruhig wieder dem Transparistahlfenster zu und schaute hinaus, um das Schauspiel da draußen zu genießen, während Captain Sunstrider neben den Kuati trat. Für Kal war eines ganz klar. Jemand hatte hier das Imperium herausgefordert und er würde die passende Antwort dafür erhalten.

Prefsbelt IV | Blue One - Gouverneurspalast - Besprechungszimmer | Kal Andrim, Theranos Zesh, Arari Sunstrider, Veran Koss (NSC)
 
[ Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / irgendwo in Blue One ] Noren Rhex


In den Wochen zuvor hatte Noren Rhex wenig geschlafen.

Nicht aus Nervosität, sondern aus Gewohnheit. Zeit war für ihn kein Zustand mehr, sondern ein Werkzeug. Er hatte sie genutzt, verschoben, gestreckt, verkürzt, je nachdem, was die Lage verlangte. Red One war dabei nie Selbstzweck gewesen, sondern ein Mittel. Ein Ort, an dem man zuhören konnte, ohne beobachtet zu werden, an dem Geld, Waffen und Menschen beweglicher waren als in jeder offiziellen Struktur.

Er hatte sich immer wieder umgehört. Hatte Kontakte geprüft, alte Schulden hervorgezogen, neue Abhängigkeiten geschaffen. Hatte Transporte organisiert, ohne selbst sichtbar zu werden. Hatte Lager angelegt, klein genug, um keine Aufmerksamkeit zu erzeugen, verteilt genug, um im Ernstfall nicht alles zu verlieren. Nichts davon war spektakulär gewesen, aber alles zuverlässig.

Noren hatte nichts überstürzt. Rivalitäten zwischen den Kartellen waren gezielt geschürt worden, bis Kooperationen unausweichlich erschienen, Führungsfiguren hatten schleichend an Einfluss verloren, während seine Stimme sowie die, die ihm nahestanden, an Gewicht gewannen. Am Ende liefen die entscheidenden Wege über Strukturen, die er lenken konnte, ohne sie offen zu benennen. Mord war dabei nie Selbstzweck gewesen, Diebstahl kein Ziel an sich – beides hatte lediglich Raum geschaffen, in dem Entscheidungen neu getroffen wurden.

Einige Leute hatte er eingebunden. Wieder andere hatten schlicht aufgehört, eine Rolle zu spielen und waren sang- und klanglos verschwunden.
Währenddessen hatte er Blue One im Blick behalten.

Noren kannte die Stadt wie seine Westentasche, bevor er sich eine neue Identität hatte zulegen müssen. Er wusste, wie schnell sich Gerüchte dort ausbreiteten, wie träge Verwaltungswege waren und wie sehr man sich auf Routinen verließ. Vor allem aber wusste er, wie stark man an diese neue Blaue Legion glaubte, die sich aus den Bewohner von Blue One sowie Ex-Militärs und ein paar Söldnern zusammensetzte. So wurden die Bürger von Freunden, Nachbarn und Bekannten beschützt, was dem ganzen eine vertraute Note gab.


Dann hatte sich jedoch die Lage geändert.
Die Information war beiläufig gekommen, fast nebensächlich hatte der Gouverneur angekündigt, dass zwei der erfahrensten Kompanien der Blauen Legion den Planeten verlassen würden. Ein Einsatz auf Truuine, die Unterstützung eines Verbündeten.

Bei dieser Nachricht hatte Noren lautstark los geprustet, das Glück war ihm am heutigen Tage mehr als wohlgesinnt.

Der neue Gouverneur schickte die Hälfte seiner schlagkräftigsten Kräfte fort, während er selbst in der Stadt blieb. Eine Kompanie am Palast gebunden, eine weitere zersplittert in Sicherungsaufgaben.
Hätte Noren früher zugeschlagen, hätte er eine vollständig alarmierte Legion geweckt, ohne es zu wissen, aber so fügte sich alles.


Jetzt saß Noren Rhex in einem unscheinbaren Raum irgendwo in Blue One. Kein Ausblick, keine Fenster, nichts, was Aufmerksamkeit erregte. Vor ihm mehrere Projektionsflächen, leise laufende Systeme, kurze Statusmeldungen. Seine Leute waren in Stellung, verteilt und vorbereitet. Wissend, dass sich die Sache für sie alle lohnen würde. Der Moment war günstig. Vielleicht günstiger, als er es selbst ursprünglich geplant hätte.
Der Gouverneur war beschäftigt. Die Stadt abgelenkt. Die stärksten Kräfte von Prefsbelt IV waren aus der Welt. Und niemand schien zu ahnen, wie kurz die Katastrophe bevorstand.

Noren Rhex lehnte sich zurück und streckte sich. Sein alter Name Robert Kern sowie die Zeit als ehemaliger Gouverneur von Prefsbelt IV war Geschichte, aber bald würde er unter einem neuen Namen über sie alle hereinbrechen. Niemals…wirklich niemals würde er sich geschlagen geben. Und bald…ja bald würden Sie es alle erkennen.



[ Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Blue One / Hauptplatz ]


Die Explosion entlud seitlich neben der Bühne direkt am Palastgebäude und riss Lichtinstallationen sowie provisorische Verkleidungen auseinander und ließ Teile der Bühne einstürzen. Während Rauch und Staub über den Rand des Hauptplatzes hinwegrollten. Für einen kurzen Augenblick schien die Stadt den Atem anzuhalten – Musik, Stimmen und Bewegung brachen gleichzeitig ab –, doch dieser Moment verging so schnell, wie er gekommen war, und wich blanker Panik und Chaos.

Menschen schrien, drängten auseinander, stolperten über umgestoßene Stände und rissen einander mit sich, während Banner herabfielen und alles im Chaos versank. Die Blaue Legion sowie die Planetaren Sicherheitskräfte, reagierte nach wenigen Momenten. Die auf den Dächern der Umliegende Gebäude, am Balkon des Gouverneurspalastes und auf dem Platz stationierten Einheiten gingen mit ihren Blastergewehren in Anschlag und versuchten, die Urheber dieses Anschlags zu erspähen.

Der ersten Schüsse fielen aus einer Seitengasse, kurz darauf folgten weitere. Gleichzeitig öffneten sich mehrere Kanaldeckel direkt verteilt auf dem Platz, und maskierte Gestalten kletterten aus der Tiefe empor, und eröffneten das Feuer auf das Sicherheitspersonal und abgestellte Fahrzeuge. Für Sekunden war unklar, aus welcher Richtung die Angriffe tatsächlich kamen, und genau diese Unübersichtlichkeit war beabsichtigt. Des weiteren wurden überall Rauchbomben oder ähnliche Pyrotechnik gezündet was den halben platz sowie Gebäude in leichte Rauchschwaden hüllte.

Aus dem Chaos lösten sich kleine Trupps von Angreifern, manche in zivilen Jacken, andere mit zusammengewürfelter Ausrüstung, die im Lauf feuerten, hinter Fassaden verschwanden und wenig später an anderer Stelle wieder auftauchten. Die Sicherheitskräfte erwiderten das Feuer kontrolliert und gezielt, doch war es schwer, die Angreifer unter den vielen Zivilisten auszumachen die in alle reichtung versuchten der Gefahr zu entkommen. Gleichzeitig mussten die Sicherheitskräfte ständig ihre Positionen wechseln, um nicht von mehreren Seiten gleichzeitig unter Druck zu geraten.

Ein Sicherheitstrupp versuchte, den südlichen Zugang zum Platz zu sichern, kam jedoch kaum voran, bevor Blasterfeuer aus mehreren Fenstern im dritten Stock eines Gebäudes einschlug, während ein weiterer Schütze von einem abgestellten Liefergleiter aus das Feuer eröffnete. Mehrer Sicherheitskräfte gingen zu Boden, der Rest zog sich hastig zurück und suchte Deckung, während Sirenen über den Platz hinweg heulten.

Ein Transporter der Blauen Legion versuchte, Verletzte aufzunehmen und aus dem Gefahrenbereich zu bringen, doch kaum hatte sich die Heckrampe geöffnet, feuerte aus einer Querstraße ein schweres, improvisiertes Fahrzeug. Der Treffer schlug direkt in den hinteren Bereich ein, riss Metall auseinander und schleuderte Trümmer sowie die Insassen des Transporter über die Straße, bevor der Transporter zur Seite kippte und brennend liegen blieb.


Auf den Dächern eskalierte der Kampf weiter, als Angreifer über Notleitern und Wartungsstege vordrangen und aus kurzer Distanz das Feuer eröffneten. Einige Legionäre und Planetare Sicherheitskräfte griffen zu Vibroklingen oder Elektrostäben, um Gegner auf engem Raum zurückzudrängen, während andere aus kniender Stellung Deckungsfeuer gaben. Weitere Soldaten wurden über eine Brüstung gedrängt und verschwanden zwischen Rauch und herabfallenden Bannern, während ein maskierter Angreifer reglos auf dem Dach zurückblieb und seine Komplizen bereits wieder den Rückzug antraten.

Im wohlhabenden Viertel rund um den Hauptplatz zerbarsten Schaufenster nahezu zeitgleich, Lagerhäuser wurden aufgebrochen, Tresore gesprengt und Depots geplündert. Gruppen verschwanden in alten Versorgungstunneln und tauchten mehrere Straßenzüge weiter wieder auf. Was nicht mitgenommen werden konnte, wurde einfach angezündet, sodass kleinere Explosionen und Brände die Stadt durchzogen, nicht flächendeckend, aber überall spürbar und somit das Chaos vollendete.

Ein Nebengebäude nahe dem Platz hielt den Belastungen schließlich nicht stand, als mehrere Detonationen die Fassade und die darunter befindlichen Säulen wegriss und eine Seitenwand in sich zusammenbrach. Staub quoll über die Straße, blockierte einen wichtigen Fluchtweg und trieb weitere Zivilisten in Panik auseinander. Immer mehr Truppen kamen aus allen Ecken von Blue One und aus dem Gouverneurspalast herbei und nahmen den Kampf auf.


Als schließlich bewaffnete Speeder sowie leichte Fluggeräte aus den äußeren aufstiegen und in niedriger Höhe über die Gebäude hinwegfegten, verlagerte sich der Kampf erneut. Blasterfeuer peitschte über Dachkanten und Plattformen, Triebwerke heulten zwischen den Türmen, und für kurze Zeit wirkte es, als würde der Hauptbezirk von Blue One in Flammen stehen.


[ Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Blue One ]
 
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Theranos nahm Kals Worte mit Freude auf. Das schwache Licht des Kamins zeichnete warme Konturen auf sein Gesicht, während sein Blick ruhig auf dem Kuati ruhte.

„Ihre Einschätzung ehrt mich, Flight-Lieutenant“, erwiderte er schließlich. Seine Stimme blieb gelassen, beinahe nüchtern, doch darin lag ein leiser Nachklang von Zustimmung. „Und sie ist nicht unbegründet. Das Imperium funktioniert dann am besten, wenn Verantwortung dort liegt, wo auch Überblick und Ambition vorhanden ist.“

Er machte eine kurze Pause, hob das Glas einen Fingerbreit an und setzte es wieder ab, als markiere er damit einen gedanklichen Übergang.

„Was Ihre berechtigte Frage nach den Arbeitskräften betrifft“, fuhr er fort, „so habe ich dies bereits mit dem Moff erörtert. Prefsbelt IV besitzt für dieses Projekt höchste Priorität. Uns wurde zugesichert, dass uns sämtliche benötigten Ressourcen zur Verfügung stehen werden – Material ebenso wie qualifiziertes Personal. Spezialisten können versetzt werden, Ausbildungskapazitäten werden ausgeweitet. Wenn notwendig, auch über planetare Grenzen hinweg.“
Ein kaum merkliches Lächeln legte sich auf seine Lippen.

„Gleichzeitig“, fügte er hinzu, „halte ich es für klug, neue Kompetenz einzubinden. Menschen, die verstehen, wie imperiale Projekte nicht nur funktionieren, sondern wachsen.“ Sein Blick traf Kal nun direkter.

Der Gedanke formte sich beinahe ersichtlich hinter seiner Stirn. Es wäre doch gelacht, dachte Theranos, wenn es ihm nicht gelänge, einen fähigen Piloten mit Weitblick und Ambition zumindest zeitweise an Prefsbelt IV zu binden. Nicht als Verpflichtung – sondern als Angebot, dem man sich schwer entziehen konnte.

Noch ehe Kal antworten konnte, veränderte sich die Atmosphäre.

Eine tiefe Erschütterung lief durch den Raum, erst kaum mehr als ein fernes Grollen, dann deutlich genug, um die Gläser auf dem Marmortisch leise aneinanderstoßen zu lassen. Das Feuer im Kamin flackerte unruhig auf, und für einen Augenblick schien selbst der Raum den Atem anzuhalten.

Fast gleichzeitig erwachten die Kommunikatoren.

Ein scharfes, abgehacktes Signal durchbrach die Stille. Veran Koss’ Gerät meldete sich zuerst, gefolgt von Theranos’. Der Palastdirektor war bereits aufgestanden, als er die eingehenden Informationen erfasste. Sein Gesicht hatte jede Spur von Gesprächskultur verloren und war zu reiner Funktion geworden.

Theranos nahm den Kommunikator ruhig an. Die Stimme am anderen Ende war angespannt, professionell – und unmissverständlich.
Eine Explosion am Hauptplatz. Mehrere Zündpunkte. Ein Bestätigter Angriff und eine Unübersichtliche Lage.

Für einen Moment sagte Theranos nichts. Sein Blick wanderte zum Transparistahlfenster, als könne er die Stadt selbst spüren, so wie ein Arzt den Puls eines Patienten erfühlt. Dann nickte er knapp, mehr sich selbst als dem Gerät gegenüber.

„Verstanden“, sagte er ruhig und beendete die Verbindung.

Veran Koss hatte sich bereits zur Tür gewandt. Mit einer knappen Geste aktivierte er den internen Kanal. Seine Stimme war jetzt hart, ohne jede Verzierung.

„Oberste Sicherheitsstufe, Eine Einheit sofort hierher. Höchste Priorität.“ bellte Koss

Die Tür öffnete sich wenig später lautlos, und mehrere Legionäre in Ihren Kampfanzügen traten ein, die Haltung angespannt bis ins Mark.


Für einen flüchtigen, unkontrollierten Moment verlor Theranos die vollkommene Ruhe, die ihn sonst wie eine zweite Haut umgab.
Etwas Heißes, Unwilliges zog sich in seinem Nacken zusammen. Die feinen Härchen dort stellten sich auf, als hätte jemand instinktiv an seinem inneren Warnsystem gerissen. Nicht Angst – Wut und Hass. Dieser Tag, dieser Ablauf, diese sorgfältig komponierte Ordnung hätte zum Tag des Jahres werden könne… und irgendjemand hatte es gewagt, diesen Tag zu beschmutzen.
"Verdammt"
rief Theranos gepresst und schlug mit der Unterseite seiner Faust auf dem Marmortisch.
"Wie konnte das passieren !" rief er, wohl Wissenden das er in diesem Moment darauf keine Antwort erhalten würden.

Sein Blick verhärtete sich, der Kiefer spannte sich sichtbar an. Für den Bruchteil einer Sekunde entglitt seine Miene der Kontrolle – ein dunkler, schneidender Ausdruck, der nichts Diplomatisches mehr trug. Etwas Kaltes, Unnachgiebiges blitzte auf. Nicht laut. Nicht theatralisch. Aber unmissverständlich.

Wie konnte man es wagen, dachte er. Ausgerechnet heute.

Doch ebenso schnell, wie der Zorn aufgestiegen war, zwang er ihn wieder zurück. Theranos atmete einmal langsam durch, ließ die Schultern kaum merklich sinken und richtete sich innerlich neu aus. Ärger war ein Signal – kein Zustand, in dem man verweilen sollte.

Er stand auf und wandte sich Veran Koss zu, seine Stimme nun wieder fest, kontrolliert, klar.


„Koss, kümmern Sie sich darum“, sagte er ruhig. Kein Zweifel lag in den Worten. „Alle verfügbaren Kräfte. Strukturieren, sichern und den Fein zurückdrängen. Nehmen Sie umgehend Kontakt mit Legat Lydien auf – ich will eine saubere Lageübersicht und abgestimmtes Vorgehen und bringen Sie mir ein paar unsere Angreifer wir müssen wissen mit wem wir es zu tun haben.“

„Ich ziehe mich in mein Büro zurück“
, fuhr Theranos fort. „Dort habe ich Zugriff auf alle Kanäle. Sollte operative Unterstützung nötig sein, greife ich von dort aus ein und jetzt LOS.“

Koss nickte knapp. Für ihn war das keine Diskussion, sondern ein Arbeitsauftrag und sofort eilte er durch die immer noch offenstehende Tür davon.

Dann wandte sich Theranos den beiden Offizieren zu.
Kal Andrim und Captain Sunstrider standen noch immer nahe dem Fenster, der ferne Widerschein von Feuer und Bewegung spiegelte sich in den Scheiben. Theranos trat einen Schritt näher, musterte sie einen Augenblick lang – nicht prüfend, sondern einschätzend.


„Flight-Lieutenant Andrim“, begann er ruhig „Captain Sunstrider.“

Seine Stimme senkte sich leicht, wurde persönlicher, direkter.

„Ich weiß, dass ich Ihnen in dieser Situation keine formelle Weisungsbefugnis habe, aber ich hätte dennoch gern Ihre Unterstützung.“

Sein Blick verengte sich minimal.

„Da draußen hat jemand beschlossen, diesen Planeten herauszufordern. Diese Stadt. Diese Ordnung unser Imperium.“ Ein kurzer, harter Atemzug. „Ich würde es sehr begrüßen, wenn Sie dafür sorgen, dass diese Bastarde verstehen, was das bedeutet.“

Ein kaum merkliches Lächeln blitzte auf – kühl, kontrolliert, ohne jede Freundlichkeit.

Mit einer knappen Geste gab er einem Bediensteten ein Zeichen. Zwei kleine, dunkle Zugriffschips wurden auf einem Tablett herangetragen und Kal sowie dem Captain ausgehändigt.


„Diese Chips bringen Sie nach oben“, erklärte Theranos. „Direktzugang zum Dach. Mehrere frisch vorbereitete TIE-Jäger warten dort. Voll betankt. Einsatzbereit.“

Er hielt inne, ließ den Moment wirken.

„Zeigen Sie Colonel Rorsam und Major Dimbain welche Staffel die besseren Piloten hat.“ ein kurzes Grinsen blitze in Theranos Gesicht auf.

Dann wandte er sich ab, bereits im Gehen, flankiert von den Soldaten der Blauen Legion. Die Türen zum inneren Bereich öffneten sich, und Theranos Zesh verschwand in Richtung seines Büros – dorthin, wo Übersicht herrschte, wo Entscheidungen gefällt wurden, und von wo aus Ordnung notfalls mit aller Härte wiederhergestellt wurde.


[ Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Blue One / Gouverneurspalast / Auf dem Weg zum Gouverneurs Büro] Theranos Zesh mit einer Leibwache
 
Prefsbelt IV | Blue One - Gouverneurspalast - Besprechungszimmer | Kal Andrim, Theranos Zesh, Arari Sunstrider, Veran Koss (NSC)

Gefahr war in Verzug und der Gouverneur bat um die Unterstützung der beiden Kampfpiloten, um die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen. Captain Sunstrider und Kal Andrim boten ihre Unterstützung natürlich sofort an. Für aufrichtige Bürger des Imperiums wie sie war das absolute Ehrensache und verstand sich von selbst.

„Machen Sie sich keine Sorgen, Herr Gouverneur. Wir werden Ihren Himmel säubern. Für das Imperium!“

Nach Captain Sunstriders Ausruf salutierten die beiden Offiziere zackig vor dem Gouverneur und begaben sich in den nächst gelegenen Turbolift, der sie in kürzester Zeit zum Dachhangar des Palastes bringen würden. Kals Gedanken rasten. Sie würden keine Zeit für eine ausgiebige Vorflugüberprüfung haben und ihnen vollkommen unbekannte TIE-Jäger fliegen, das barg einige Risiken und war fast genauso gefährlich wie der Umstand, dass sie nicht wussten, womit genau sie es da draußen zu tun hatten. In diesen Momenten war das Geschäftsgespräch mit Theranos Zesh vollkommen vergessen. Jetzt erst einmal war es wichtiger, die unmittelbar bevorstehende Schlacht nicht nur zu überleben, sondern zu meistern.

Bis die Turbolifttüren sich wieder öffneten, wechselten
Captain Sunstrider und Kal kein Wort miteinander. Das war einfach nicht nötig. Sie waren beide erfahrene Kampfpiloten und Offiziere ihrer Majestät und wussten, was zu tun war. Oben angekommen, wartete auch schon die von Palastdirektor Koss vorbereitete Hangarcrew, die den beiden Piloten in frische Flugmontouren half und zu den bereitstehenden TIE-Jägern half. Leider waren es nur herkömmliche TIE/ln Jäger. Ein Symbol des Imperiums zwar, aber das Modell war aufgrund seines Alters kaum noch für den modernen Kampfeinsatz geeignet, wenn es nach Kal ging. Natürlich würde das den Kuati genauso wenig davon abhalten, in den Kampf zu ziehen wie seine Staffelführerin.

Wenigstens schienen die Jäger im fabrikneuen Zustand zu sein, wenn man jedenfalls von ihrer blauen Lackierung mit den goldenen Akzentuierungen absah. Die Farben der Blauen Legion standen den Jägern zumindest ausgezeichnet. Die Jäger waren voll betankt und ihre Laserbatterien voll aufgeladen, also meldete
Kal sich schnell flugbereit.

>>Beta-Führer, hier Beta 07. Ich melde volle Funktionsbereitschaft.<<

Die Antwort von Captain Sunstrider folgte direkt auf dem Fuß. Ihre Stimme war ruhig und kontrolliert. Hier fühlte sie sich ganz offensichtlich erheblich wohler als auf den Empfängen voller einflussreicher Leute.

>>Verstanden, Beta 07. - Achtung Flugkontrolle, hier spricht Captain Sunstrider vom 152. Raumjägergeschwader. Ich und Flight-Lieutenant Andrim aus meiner Staffel befinden uns im Hangar des Palastes und sind startbereit. Bestätigen Sie bitte unsere Transpondersignale. Wir erbitten Starterlaubnis und benötigen ein Lagebild.<<

Die Antwort ließ tatsächlich etwas länger auf sich warten, als es Kal lieber gewesen wäre. Überrascht war er aber genauso wenig. Niemand hatte mit diesem Angriff gerechnet und der Gouverneurspalast war auch nicht gerade ein vorgeschobener Posten direkt hinter der Frontlinie, er war genau das Gegenteil und entsprechend konnte er sich das Chaos vorstellen, dass gerade überall tobte.

>>Gut von Ihnen zu hören, Captain Sunstrider vom...152. Raumjägergeschwader...Transponder für...Beta 01 und Beta 07 sind bestätigt. Sie Sind die einzige Luftunterstützung, die wir haben. Verstärkungen vom Raumhafen sind angefordert, werden aber noch betankt.<<

Man hatte sie also buchstäblich mit herunter gelassenen Hosen erwischt, vielleicht sogar Zugang zu internen Informationen.

>>Für die Parade war der Flugraum über der Stadt gesperrt worden. Alles was sich da draußen am Himmel bewegt, kann also als Feind betrachtet werden. ...Flugerlaubnis ist erteilt, gute Jagd. Wir haben die Palastsensoren mit Ihren synchronisiert, Sie werden also neue Informationen erhalten, sobald sie uns zur Verfügung stehen.<<

Weder Captain Sunstrider noch Kal selbst fackelten lange und starteten, sobald sie die Starterlaubnis erhalten hatten.

>>Verstanden Flugkontrolle. Wir werden den Luftraum säubern. Markieren Sie uns zusätzlich Prioritätsziele am Boden. Wenn sich die Gelegenheit bietet, werden wir auch auf Bodenziele schießen.<<

Dicht an dicht rasten die beiden TIE-Jäger über die Häuserdächer. Sowohl Captain Sunstrider als auch Kal selbst schossen auf ein gutes Dutzend von Gelegenheitszielen, während sie eine Schleife über dem Palastbezirk flogen und sich einen Überblick verschafften. Die Lage konnte chaotischer nicht sein und schien wie aus einem Holoviddrehbuch entsprungen zu sein. Die Angreifer schienen es auf das absolute Chaos angesehen zu haben, sie lieferten sich Feuergefechte mit der Blauen Legion und den regulären Sicherheitskräften, schienen aber auch auf Zivilisten zu schießen und einfach an wahlloser Zerstörung interessiert zu sein...wobei...brachen sie da in eine Bank ein? Kal war viel zu schnell an dem entsprechenden Straßenzug vorbei, um sich mehr Gedanken darüber zu machen.

>>Beta 01, hier Beta 07. Wir haben es hier scheinbar mit einer zusammengewürfelten Partisanentruppe zu tun. Ich schlage vor, wir teilen uns auf, um den Feind an so vielen Stellen wie möglich unter Druck setzen zu können.<<

Captain Sunstrider schien einen ähnlichen Eindruck zu haben, denn ihre Antwort ließ nicht lange auf sich warten.

>>Gute Idee, Beta 07. Wir nehmen den Palast als Ankerpunkt. Sie übernehmen die Sektoren nördlich des Palastes und ich kümmere mich um den Süden.<<

Und so stoben die beiden TIE-Jäger auseinander, um die Zahlreichen Airspeeder und Landspeeder aufs Korn zu nehmen. Es war fast schon zu einfach. Die Zielerfassungssysteme der TIE-Jäger hatten keine Probleme, die Ziele zu erfassen und die Feuerkraft ihrer Laserkanonen waren allem überlegen, was an notdürftiger Panzerung auf die Rümpfe der Speeder geschweißt worden war. Ein geringerer Pilot hätte vielleicht Gewissensbisse gehabt, nicht aber der Kuati. Diese Rebellen hatten den Frieden des Imperiums gestört und unzählige Unschuldige ermordet. In Kals Augen hatten sie keinerlei Gnade verdient und so gab er auch keine Warnschüsse ab, sondern zielte, um zu töten und den Feind zurückzuschlagen.

Doch so viele Speeder sie auch runterholten, die Gegneranzahl schien einfach nicht kleiner zu werden. Was sollte das hier werden? Ein Umsturzversuch?
Kal hatte keine Zeit darüber nachzudenken. Stattdessen nahm er ein zur mobilen Festung umfunktioniertes Müllabfuhrfahrzeug aufs Korn. Es hatte mit den darauf installierten repeating Blastern der Blauen Legion an dieser Flanke schwer zu schaffen gemacht und explodierte in einem wirklich eindrucksvollen Feuerball, den niemand genießen konnte, da die Lage viel zu chaotisch war, um irgend jemandem Gelegenheit zum Verschnaufen zu geben.

Prefsbelt IV | Blue One - Gouverneurspalast - Luftraum über dem Palast | Kal Andrim
und Arari Sunstrider in den Cockpits ihrer TIE-Jäger
 
[ Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Blue One / Gouverneurspalast ] Theranos Zesh, Gregor Bayl und andere NPC´s


Theranos erreichte den inneren Bürokomplex, als der Palast längst nicht mehr nur ein Gebäude, sondern ein Nervenknoten geworden war.

Die Türen glitten auseinander, und für einen kurzen Moment herrschte jene eigentümliche Stille, die entsteht, wenn Menschen gleichzeitig begreifen, dass etwas Wichtiges geschieht. Der angeschlossene Besprechungsraum lag im Halbdunkel, nur vom kalten Schimmer mehrerer Holoanzeigen erhellt. Mehrer Projektionen zeigten den Hauptplatz, Straßenzüge, Dachkameras, rote Markierungen, die kamen und gingen. Stimmen hatten sich überlagert, Meldungen waren durcheinandergegangen – bis jetzt.

Wachen der Blauen Legion standen an den Wänden, angespannt, wachsam. Mehrere planetare Offiziere beugten sich über Projektionen, Datapads in den Händen. Legat Gregor Bayl war unter ihnen, ebenso Verbindungsoffiziere der Sicherheit und Logistik. Sie diskutierten leise, konzentriert – und verstummten fast gleichzeitig, als Theranos eintrat.


„Der Gouverneur ist da.“ ruf einer der anwesenden.

Es war kein Ausruf, eher eine Feststellung. Doch sie wirkte wie ein Schnitt durch den Raum. Gespräche brachen ab, Blicke wandten sich ihm zu. Für einen Herzschlag lag spürbare Erleichterung in der Luft – nicht überschwänglich, nicht emotional, sondern tief, ehrlich.

Bayl trat einen Schritt vor.
„Gut, dass Sie hier sind“, sagte er leise. „Wir wussten nicht, wo—“

Theranos hob die Hand. „Ich bin da“, sagte er ruhig. Mehr brauchte es nicht.

Er trat an den Tisch, ließ den Blick über die Anwesenden gleiten, über die Anzeigen, über die Stadt, die sich draußen wehrte. Dann nickte er knapp. „Berichten Sie.“

Die Worte wirkten wie ein Ordnungssignal.

Legat Bayl nickte und begann seinen Bericht: "
Die Lage entfaltete sich in sachlichen Sätzen. Explosionen am Hauptplatz. Mehrere Zündpunkte. Koordinierte Angriffe aus Seitengassen, von Dächern, aus Versorgungstunneln. Überall rauchtund qualmt es und die verständliche Panik der Zivilisten hat uns auch nicht unbedingt geholfen. Die zivilen Verluste halten sich in Grenzen, öffentlich wurde nicht absichtlich auf Sie geschossen.. Plünderungen im wohlhabenden Viertel. Improvisierte schwere Fahrzeuge. Gestohlene Speeder. Erste Luftkontakte – inzwischen unter Druck durch zwei gestartete Jäger vom Palast."

Der Gouverneur nickte “Ja die zwei Jäger sind Flight Lieutenant Andrim und Captain Sunstrider ich hab Sie um unterstützung gebeten”

Danach verharrte Theranos einen Moment vor der Projektion.
„Wie viele Angreifer konnten wir inzwischen bestätigen?“

Der dienstälteste Sicherheitsoffizier trat einen halben Schritt vor. Seine Stimme war sachlich, getragen von der nüchternen Routine eines Mannes, der Chaos gewohnt war.
„Nach aktuellem Stand mehrere hundert, Herr Gouverneur. Wir gehen von etwa zweihundertfünfzig bis dreihundert bewaffneten Kräften aus. Kleine Zellen, die unabhängig voneinander agierten.“

Theranos nickte kaum merklich „Wissen wir, von wo sie hergekommen sind?“

Ein anderer Offizier übernahm, während er eine der Holoprojektionen vergrößerte. Verschwommene Aufnahmen zeigten Masken, zivile Jacken, zusammengewürfelte Ausrüstung.
„Gemischt. Lokale Elemente, aber auch Fremde. Akzente in Sprache und Ausrüstung deuten auf mehrere Systeme hin. Keine eindeutigen Fraktionskennzeichen, keine Symbole. Alles bewusst anonym gehalten, wir nehmen an, es handelt sich um Söldner oder eine zusammengewürfelte Piratenbande, oder etwas ähnliches."
Theranos hatte gehofft einen Anhaltspunkt zu bekommen wer die Angreifer waren aber darum würde er sich später kümmern müssen.

Plötzlich eine erneute Erschütterung.


"Was war das nun wieder ?!"sagte Theranos verärgert.

“Es gab eine Explosion am Haupttor” rief einer der Offiziere. Kurz darauf war die Ansicht vor dem Haupttor war zu sehen.


Rauch hing schwer in der Luft, zäh und grau, als hätte er sich entschieden, nicht mehr zu weichen. Trümmer lagen über die breite Freitreppe verstreut, zerborstene Steinplatten, verbogene Metallstreben, Reste einer Balustrade, die noch vor Stunden Symbol von Stabilität gewesen war. Die massive Palastpforte selbst war bis auf ein paar Schrammen und Einschusslöcher unversehrt geblieben, doch ihre Umgebung trug deutliche Narben.

Ein großer Halbkreis aus Legionären hatte sich davor gebildet. Schulter an Schulter, manche noch in den Paradeuniformen, andere in Ihren Kampfanzügen und alle waren von Staub und Ruß gezeichnet, Waffen im Anschlag, die Bewegungen minimal, kontrolliert, diszipliniert während Blaster-Feuer auf Sie eindrang. Kein Chaos mehr – hier hatte sich Ordnung zurückgemeldet, hart erkämpft, aber standhaft.
In einem Teil des Halbkreises, lag schräg in den Boden gerammt, das Wrack eines abgestürzten Jägers oder leichten Schiffs. Der Rumpf war aufgerissen, Metall nach außen gestülpt wie eine offene Wunde. Funken sprühten aus freiliegenden Leitungen, vereinzelte Flammen leckten an der Hülle, während dünne Rauchfahnen aufstiegen und sich im Abendlicht verloren.

Theranos trat unwillkürlich einen halben Schritt näher an den Tisch.
Zwischen den Gestalten am Boden, unmittelbar neben dem brennenden Wrack, lag eine reglose Figur in einer Galauniform.
Theranos deute auf die Gestalt
„Vergrößern“, sagte er sofort.
Das Bild schärfte sich, die Projektion zoomte heran, pixelige Unschärfe wich klaren Konturen. Ein Körper in dunkler Uniform. Eine vertraute Silhouette, die sich kaum merklich, aber dennoch etwas bewegte.

Es war
Legat Zahyn Lydien.

Für einen Herzschlag schien der Raum selbst zu erstarren.
Bayl sog scharf die Luft ein. Es war kein kontrollierter Laut, sondern ein instinktiver, erschrockener Atemzug. Seine Hand hatte sich unbewusst an der Tischkante festgekrallt, als müsse er sich vergewissern, dass er noch stand.

„Nein…“, entfuhr es ihm leise, fast unhörbar.

Theranos sagte nichts – für einen Augenblick.

In ihm zog sich etwas zusammen. Nicht Panik oder Furcht. Sondern ein kaltes, schweres Gewicht, das sich tief in die Brust senkte. Lydien war nicht nur kein Symbol, oder ein Posten, den man ersetzte. Er war Struktur, einige Jahrzehnte an Erfahrung, ein Mann, auf den sich sehr viel stützen und ein Mann den er sehr schätzte und vertraute.
Theranos’ Gesicht wirkte etwas erschütterte und seine Augen hatten sich merklich verengt.


„Sanitäter sofort dorthin“, befahl er. „ Jede verfügbare Einheit in diesem Sektor.“ dann wandte sich Bayl zu. „Wir holen Ihn da raus“, sagte Theranos leise, aber bestimmt.

Bayl schluckte und nickte sagte aber kein weitere Wort.
Theranos richtete sich auf und atmete langsam aus und wandte sich wieder konzentriert dem Projektor zu.


Der Angriff dauerte noch einige Zeit an, doch wurden die feindlichen Einheiten immer weniger. Theranos und die Offiziere koordinierten die Einheiten und taten ihr bestes. Der Luftraum klärte sich dank Flight Lieutenant Andrim und Captain Sunstrider, am Boden wurden letzte Widerstände durch Varen Koss gebrochen und die Stadt begann, sich langsam wieder zu beruhigen.
Als die Sirenen schließlich verstummten und nur noch vereinzelte Einsatzmeldungen durchgingen, stand Theranos still vor der Projektion von Blue One.

Nachdenklich fuhr er sich über das Gesicht.


„Jetzt“, sagte er leise, mehr zu sich selbst als zu den anderen „beginnt die eigentliche Arbeit.“

Aufbau. Aufarbeitung. Worte für die Öffentlichkeit. Trauer für die Opfer – ehrlich, sichtbar. Und dann die Jagd nach denen, die geglaubt hatten, dieser Planet sei verwundbar.

Sein Blick verhärtete sich.


„Wir werden herausfinden, wer diese Bastarde waren“, sagte Theranos ruhig. „Und wir werden dafür sorgen, dass sich so etwas nicht wiederholt.“


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Noren Rhex saß im Halbdunkel und ließ die Bilder vor sich wirken, eines nach dem anderen, ohne Eile, ohne Hast. Das leise Summen der Projektoren war kaum mehr als ein Hintergrundgeräusch, doch für ihn bildete es den Takt, in dem sich die Stadt bewegte. Alles lief besser, als er es sich in seinen nüchternsten Berechnungen erhofft hatte. Nicht perfekt, nicht reibungslos – aber genau so, wie es laufen musste, damit Wirkung entstand.

Seine Leute hatten die Stadt nicht überwältigt doch war das nie der Plan gewesen. Planetare Sicherheitskräfte waren an dutzenden Punkten gebunden, kleine Trupps der Blauen Legion mussten Stellung beziehen, sichern, ausweichen, neu ansetzen. Überall dort, wo man Ordnung erwartet hatte, war Bewegung entstanden, und Bewegung fraß Zeit. Die fehlenden Einheiten waren spürbar, deutlicher, als er es zu hoffen gewagt hatte. Wo sonst schnell und geschlossen reagiert worden wäre, mussten nun Lücken gefüllt, Wege improvisiert, Entscheidungen vertagt werden.

Noren lehnte sich ein wenig zurück und verschränkte die Hände vor sich. Niemand hatte mit einem Angriff dieser Größe gerechnet. Nicht mit mehreren hundert Bewaffneten, nicht mit so vielen gleichzeitigen Brennpunkten, nicht mit der Entschlossenheit, mit der seine Leute vorgingen. Das allein hatte gereicht, um die Balance zu verschieben.

Natürlich blieb das nicht ohne Gegenwehr.


Mit jeder Minute trafen weitere Kräfte ein, aus Kasernen, aus Außenposten, aus Bereichen, die bislang ruhig geblieben waren. Erste Meldungen über Festnahmen gingen ein, dann über Verluste. Hier ein Trupp zurückgedrängt, dort eine Gruppe eingekesselt. Einige seiner Leute hatten es nicht geschafft, andere hatten sich zu lange aufgehalten. Das war der Preis. Noren nahm ihn zur Kenntnis, ohne sich daran aufzuhalten. Er wusste, dass dieses Zeitfenster schmal war. Eine Viertelstunde, vielleicht eine halbe, dann würde sich das Kräfteverhältnis spürbar verschieben.

Und irgendwann würde der Himmel nicht mehr leer bleiben.

Er dachte unwillkürlich an seine eigene Zeit als Gouverneur. Damals hatte es in Blue One kaum mehr gegeben als eine Handvoll alter Jäger, Maschinen, die eher Symbol als tatsächliche Abschreckung gewesen waren. Ob das noch immer so war, wusste er nicht. Und genau darin lag das Risiko. Wenn es mehr gab, wenn inzwischen modernisiert worden war, dann würde sich das Blatt wenden – langsam, aber unausweichlich.


Noch war es nicht so weit.

Noren gab ein knappes Zeichen, und auf mehreren Anzeigen veränderte sich das Bild. Jetzt kam der Teil, den er sich bis zuletzt aufgehoben hatte. Gestohlene Schiffe, andere hastig umgerüstet, roh, laut, tief fliegend. Sie jagten auf Höhe der Gebäude durch die Straßenschluchten, manchmal nur wenige Meter über dem Boden, eröffneten das Feuer auf Verteidigungsstellungen, auf abgestellte Fahrzeuge, auf Lagerhäuser, die ohnehin schon im Visier gestanden hatten. Es ging nicht um Präzision, sondern um Präsenz und Chaos. Um das Gefühl, dass selbst der Luftraum nicht mehr sicher war. Für einen Moment schien es, als würde dieser letzte Schlag genügen, um die Verteidiger weiter zurückzudrängen.

Doch dann tauchten sie auf.



Zwei Jäger, schnell, sauber, anders als alles, was er bislang auf den Anzeigen gesehen hatte. Sie kamen nicht hastig, nicht unkoordiniert, sondern mit der Selbstverständlichkeit erfahrener Piloten, die wussten, dass der Himmel ihr Element war. Noren beugte sich leicht vor. Damit hatte er gerechnet, irgendwann. Dass es so früh sein würde, überraschte ihn dennoch.

Die ersten seiner Maschinen gingen verloren, schneller, als erwartet. Ein Treffer, ein Aufblitzen, dann nichts mehr. Einer versuchte, sich in Bodennähe zu retten, tauchte ab, jagte zwischen zwei Straßenzügen hindurch, kaum höher als ein Speeder. Der Jäger folgte ihm, zog die Linie mit, ließ sich nicht abschütteln. Noren beobachtete den kurzen Tanz aus Beschleunigung und Ausweichmanövern, erkannte das Können auf beiden Seiten – und wusste doch, wie er enden würde. Ein greller Lichtblitz, ein Feuerball, Trümmer, die gegen Fassaden schlugen.

Es war beeindruckend, auf eine nüchterne Art.

Noch ein Gefecht, noch ein Versuch, sich in den Schatten der Gebäude zu retten, doch auch dieser endete binnen Augenblicken. Die beiden Jäger arbeiteten sich vor, ruhig, konzentriert, nahmen Ziel um Ziel aus dem Spiel egal welche Manöver man gegen sie versuchte. Der Luftraum leerte sich, und mit ihm schwand der letzte Überraschungseffekt.


Noren richtete sich langsam auf. Es war genug.

Er gab das Signal zum Rückzug, auf allen Frequenzen. Seine Leute wussten, was das bedeutete. Wer konnte, verschwand. Wer nicht, blieb zurück.

Als er die Projektionen eine nach der anderen abschaltete, ließ er den Abend noch einmal Revue passieren. Menschen waren gestorben, ja. Aber nicht darum war es gegangen. Es ging um Bilder, um Eindrücke, um Geschichten, die man weitererzählte. Um zerstörte Transporter, geplünderte Lager, beschädigte Gebäude. Um den Gedanken, der sich festsetzte, dass der neue Gouverneur an diesem Tag nicht alles im Griff gehabt hatte.

Das Vertrauen war angerissen worden. Nicht zerstört – aber beschädigt.

Noren Rhex griff nach seinem Mantel und machte sich bereit zu gehen. Er wusste die Stadt, würde nicht mehr dieselbe sein wie zuvor. Und genau das war der Punkt gewesen.

Für heute würde das genügen.



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Prefsbelt IV | Blue One - Gouverneurspalast - Luftraum über dem Palast | Kal Andrim und Arari Sunstrider in den Cockpits ihrer TIE-Jäger

Kal hatte es aufgegeben, die Ziele zu zählen, die er abgeschossen hatte, mehr als einmal hatten der Kuati und Captain Sunstrider auch Gelegenheiten genutzt, einen Bodenangriff zu fliegen und die Verteidiger des Palastbezirkes zu entlasten. Trotzdem schien nichts davon zu nützen, bis sich plötzlich etwas änderte. Auf ein unsichtbares Signal hin traten die Angreifer den Rückzug an. Sicher, einige agierten geordneter als andere, doch die Gleichzeitigkeit, mit der sich alle Fronten zu bewegen begannen, ließ auch für den Laien auf ein hohes Maß an Organisation dieses Angriffes schließen.

Das hier war keine panische Flucht, weil Ziele nicht erreicht wurden oder auch nur der Widerstand der Sicherheitskräfte unerwartet hoch gewesen wäre. Irgendjemand schien entschieden zu haben, sein Ziel erreicht zu haben und nun den Rückzugsbefehl gegeben zu haben. Es waren einfach zu viele, als das
Captain Sunstrider und Kal die Flucht hätten aufhalten können. Das bedeutete aber auch nicht, dass sie den Angreifern nicht ordentlich Fersengeld geben konnten. Allzu weit entfernten sie sich jedoch nicht vom Palastkomplex selbst. Die Gefahr eines Täuschungsmanövers war nicht unerheblich und es wäre doch überaus peinlich, jetzt auf einen so simplen Trick hereinzufallen.

Darüber hinaus hatte der Kuati auch kein gesteigertes Interesse daran, nun in eine vielleicht hastig organisierte Falle zu geraten. Der TIE/ln, den er gerade steuerte, verfügte über keinerlei moderne Defensivsysteme, sodass ein einziger Boden/Luft-Raketentreffer für
Kals vorzeitiges Ableben sorgen würde. Und das war eine Erfahrung, auf die er gut und gerne verzichten konnte. Nein, stattdessen flog er eine Schleife und ging hinter Captain Sunstrider in Formation, um zusammen mit ihr über dem Palastbezirk imperiale Präsenz zu zeigen. Das ikonische Geräusch der beiden Zwillingsionenantriebe über den Häuserdächern würde den Überlebenden und Rettungskräften hoffentlich Zuversicht spenden.

>>Die Schlacht ist in den letzten Zügen, Captain. Der Himmel gehört bereits uns.<<

Captain Sunstriders Antwort ließ nicht lange auf sich warten.

>>Sieht ganz so aus, Flight-Lieutenant. Doch zu welchem Preis?<<

Mit gemischten Gefühlen beobachtete Kal das Geschehen unten in den Straßen. Mehr als ein Gebäude war im Zuge der Kämpfe in Brand geraten. Der eine oder andere Absturz hatte sicher seinen Teil dazu beigetragen. Es würde wahrscheinlich Monate dauern, alle Schäden zu beheben und die Opfer des heutigen Tages würden den Menschen hier sicherlich erheblich länger im Gedächtnis bleiben. Etwas war in Bewegung geraten und noch war nicht absehbar, was als nächstes Geschehen würde. Das hier war nur der Auftakt zu weiteren Taten gewesen, davon war der Kuati überzeugt.

Sein Zungenschnalzen war so laut, dass es beinahe sein Helmmikrophon aktivierte. Politische wie soziale Instabilität wie diese war nichts, was die Firma schätzte. So würde er die Leitung ganz gewiss nicht davon überzeugen können, wie von ihm geplant in die Zukunft Prefsbelts zu investieren. Nein, sie würde Sicherheitsgarantien fordern, die
Gouverneur Zesh in dieser Situation keinesfalls würde leisten können und die Firma würde ganz sicher nicht auf Kals Zuruf allein erhebliche Firmensicherheitskräfte hierher verlegen, um ein Projekt zu schützen, das noch keinen Profit abwarf und es auch so bald nicht tun würde.

Doch die Antwort des Imperiums würde nicht lange auf sich warten lassen. Die Autorität der Imperatorin war hier herausgefordert worden und darauf gab es nur eine passende Antwort. Diese Rebellen würden gejagt und zur Strecke gebracht werden und wenn es nach
Kal ging, würde er eine Rolle dabei spielen und die passenden Lorbeeren dafür einstreichen. Der Gedanke zauberte ein kaltes Lächeln auf sein Gesicht.

Prefsbelt IV | Blue One - Gouverneurspalast - Luftraum über dem Palast | Kal Andrim
und Arari Sunstrider in den Cockpits ihrer TIE-Jäger
 
[ Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Blue One / Gouverneurspalast ] Theranos Zesh, Gregor Bayl, Veran Koss und andere NPC´s


Der Holoprojektor war noch immer aktiv.

Blue One schwebte in kaltem Licht über dem Tisch – Straßenzüge, Dächer, Knotenpunkte, rote und gelbe Markierungen, die sich langsam zurückzogen, während andere verblassten. Der unmittelbare Kampf war vorbei, doch die Stadt wirkte noch immer angespannt, als halte sie den Atem an, unsicher, ob sie sich Entwarnung erlauben durfte.

Theranos Zesh stand reglos davor, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, den Blick auf die Projektion gerichtet, ohne sich auf ein einzelnes Bild zu fixieren. Er hatte in den vergangenen Stunden kaum gezählt, wie viele Befehle er gegeben, wie viele Entscheidungen er getroffen hatte. Es war ein Strom gewesen – Funkmeldungen, Lageberichte, Positionswechsel, kurze Ansprachen, immer wieder dieselben Worte, die dennoch Wirkung zeigten.

Die Blaue Legion hatte sich gefangen, die planetaren Kräfte hatten Linien gebildet, gehalten, zurückgedrängt. Immer wieder waren freudige Meldungen eingegangen, die ihm bestätigten, dass Flight Lieutenant Andrim und Captain Sunstrider im Luftraum mehr bewirkten, als man hatte hoffen dürfen. Viele abgeschossene Maschinen. Entlastete Bodentrupps. Aufatmen an Stellen, an denen der Druck zuvor kaum auszuhalten gewesen war, bei anderen Kämpfen haben Sie den Bodentruppen zum Sieg verholfen.

Theranos wusste es genau, ohne die beiden wäre dieser Tag anders ausgegangen.
Er wandte sich schließlich vom Hologramm ab.


„Der Hauptplatz wird gesperrt“, sagte er ruhig. „Bis auf Weiteres. Vollständig.“
Mehrere Offiziere nickten gleichzeitig während Theranos fortfuhr.

„Blue One geht in den Lockdown. Ausgangssperre ab sofort. Kein ziviler Luftverkehr. Niemand verlässt die Stadt, weder über Raumhafen noch über Nebenrouten oder zu Fuß.“ Seine Stimme blieb kontrolliert, doch in ihr lag nun jene Schärfe, die keinen Interpretationsspielraum ließ. „Alle bekannten Schächte, Wartungszugänge und Abwasserverbindungen werden gesichert und überprüft. Ich will jede Karte, jeden Plan, jede Abweichung. Wenn sich noch jemand versteckt hält, finden wir ihn.“ sagte Theranos und schlug leicht demonstrativ mit seiner Faust in seine offene Handfläche.

Er ließ den Blick durch den Raum gleiten dann nahm seine Stimme einen versöhnlicheren und ruhigeren Ton an.

„Alle imperialen Banner werden auf Halbmast gesetzt.“
Für einen kurzen Moment schien selbst der Holoprojektor leiser zu werden.
"Nicht aus Schwäche“, fügte Theranos hinzu. „Sondern aus Würde.“

Er machte eine kurze Pause, dann setzte er nach, leiser, aber umso bestimmter.
„Die öffentliche Darstellung erfolgt erst, wenn wir entscheiden, was gesagt werden muss – und was nicht. Was passiert ist, interessiert die Bevölkerung. Wie es erzählt wird, entscheidet über Stabilität.“

Niemand widersprach.

Ein medizinischer Offizier trat vor und berichtete über Legat Zahyn Lydien. Die Worte waren sachlich, präzise, frei von Beschönigung. Die Explosion vor 4 stunden hatte Ihn kräftig erfasst. Rechte Schulterpartie, Ober sowie Unterarm sowie teilen am Hüftbereich. Nerven und Knochen sein betroffen. Die wichtigste Operation war gelungen, zwei würden noch folgen müssen dennoch war der Zustand stabil – aber es würde dauern. Ein paar Monate. Vielleicht länger. An eine Rückkehr in den aktiven Dienst war vorerst nicht zu denken.

Theranos nickte langsam und Atmete hörbar aus.

„Das hatte ich befürchtete", sagte er und machte eine kurze pause. „Herr Koss.“
Veran Koss der vor kurzem eingetroffen war richtete sich unmerklich auf.

„Sie übernehmen ab sofort die Zuständigkeit für innere Sicherheit, Ordnung und Koordination der planetaren Kräfte. Bis Legat Lydien wieder auf den Beinen ist.“ Ein kaum hörbares Zögern lag in seiner Stimme. „Es ist keine Entscheidung, die mir gefällt. Aber sie ist notwendig.“

Koss neigte den Kopf. „Zu Befehl, Eure Exzellenz."
Gregor Bayl der neben Ihm stand hatte sich angespannt. Man sah es ihm an, lange bevor er sprach.

„Mit Verlaub“, begann er, in seiner Stimme lag viel Emotion „Wir wissen noch nicht einmal, wer dahintersteckt, Legat Lydien ist noch nicht mal erwacht und schon wird sein Platz...—“

Theranos drehte sich langsam fast bedrohlich zu Legat Bayl um.
„Wie können Sie es wagen“, sagte er scharf.

Bayl erstarrte.
Theranos trat näher an Gregor Bayl heran.

"Wie kommen Sie darauf meine Befehle infrage zu stellen." er machte kurze pause und kam dann noch näher, so dicht, dass nur Bayl ihn hören konnte.

„Vergessen Sie nicht“, sagte er leise, beinahe fauchend, „dass auch ich Zahyn Lydien schätze. Dass auch ich weiß, was er für diesen Planeten bedeutet." sein Ton wurde etwas ruhiger und versöhnlicher "Glauben Sie ernsthaft, er würde wollen, dass sein Verantwortungsbereich jetzt führungslos bleibt?“

Er legte Bayl eine Hand auf die Schulter. Nicht nur tröstend sondern ordnend.
„Ich verstehe Ihr Unbehagen doch, wenn Sie dort lägen“, fuhr Theranos fort, „würden Sie wollen, dass man wartet. Oder dass jemand übernimmt und alles tut, um den Feind zu finden und den Planet zu schützen? Was denken Sie würde Legat Lydien tun“?

Bayl schluckte. Die Wut wich, zurück blieb Erschöpfung und etwas, das sich wie Einsicht anfühlte.
„Jawohl, Eure Exzellenz“, sagte er schließlich. „Verzeihen Sie, wenn Sie mich nun entschuldigen würden.“
Theranos nickte.
Gregor Bayl salutierte drehte und verließ den Raum.

Nach ein paar Sekunden fuhr Theranos fort.

„Legat der inneren Sicherheit“, sagte er zu Koss und drehte sich leicht zu Ihm. „Nehmen Sie alle Gefangenen in Gewahrsam. Verhören Sie sie. Finden Sie heraus, wer sie geführt hat, wer sie bezahlt hat, wer diese Stadt kennt. Und bringen Sie gemeinsam mit Legat Bayl Blue One wieder in Ordnung über alles weitere sprechen wir demnächst.“
Veran Koss nickte "Jawohl Eure Exzellenz."

Theranos ließ den Blick über die Anwesenden gleiten.
„Ich und Prefsbelt IV zählen auf Sie...weitermachen.“
Ein vielstimmiges „Jawohl, Eure Exzellenz“ folgte, und die Arbeit setzte sich fort, als hätte man nur kurz den Atem angehalten.

Theranos wandte sich zum Gehen und sagte.

„Sobald Flight-Lieutenant Andrim und Captain Sunstrider verfügbar sind, sollen sie sich bitte in meinem Büro einfinden“, sagte er noch. „Bei dringenden Angelegenheiten wissen Sie, wo ich bin.“


Erst in seinem Büro, als die Tür sich hinter ihm schloss, ließ die Spannung nach. Nicht vollständig – nur genug, um ihn ins Wanken zu bringen. Für einen Augenblick wurde ihm schwindlig. Er stützte sich am Schreibtisch ab, spürte, wie kalter Schweiß ausbrach.

Adrenalin. Nichts weiter.
Und doch… nicht nur das.

Der Gedanke, wie knapp es gewesen war, wie kalt ihn dieser Schlag getroffen hatte, ließ sein Herz schneller schlagen. Er hatte nie auf einem Schlachtfeld gestanden. Er hatte Anschläge überlebt, Intrigen abgewehrt – aber das hier war anders gewesen. Größer. Näher und vor allem traf es nicht nur Ihn sondern auch Unschuldige.

Langsam richtete er sich auf.
Sein Blick fiel auf den kleinen, privaten Weinschrank neben dem Fenster.

„Niemand kann mir das jetzt verwehren“, murmelte er.

Er öffnete eine Flasche Imperialis Sensus – Luxa Solis, schenkte sich ein Glas ein, nahm einen ruhigen Schluck, stellte es ab und ließ sich in den Sessel sinken und nahm einen Schluck Wein.

Theranos atmete aus und sah aus dem Fenster, wer auch immer dafür verantwortlich war er würde ihn dafür zur Verantwortung ziehen.



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Prefsbelt IV | Blue One - Gouverneurspalast - Luftraum über dem Palast | Kal Andrim und Arari Sunstrider in den Cockpits ihrer TIE-Jäger

Als endlich die Luftunterstützung vom Raumhafen eintraf, landeten Captain Sunstrider und Kal Andrim wieder im Hangar des Palastes. Das Gefecht war vergleichsweise kurz gewesen, doch Stadtkämpfe gehörten zu den schwierigsten Szenarien, denen sich ein Kampfpilot stellen konnte und so waren sie beide vollkommen verschwitzt, als die beiden sich aus den Cockpits schälten und wieder den Hangarboden betraten. Die Techniker begrüßten Sie direkt mit elektrolytehaltigen Getränken, die sie gerne annahmen und die bereitstehende Dusche wartete mit heißen Duschen auf sie, mit denen sie sich schnell wieder vorzeigbar herrichten konnten. Erstaunlicherweise waren ihre Uniformen während des Einsatzes gereinigt, gebügelt und gepresst worden. Auch die Stiefel waren frisch poliert. Es schien so seine Vorzüge zu haben, im Palast von Gouverneur Zesh zu arbeiten.

Kaum waren die beiden wieder vorzeigbar, wies sie ein Palastdiener darauf hin, dass
Governeur Zesh sie schnellstmöglich in seinem Büro erwartete. Weder Captain Sunstrider noch Kal Andrim hatten da irgend etwas dagegen und was den Kuati anging, war ein längerer Aufenthalt im Palast allemal besser, als hinaus in die zerstörten Straßen zu treten. Auf den Schlachtgestank konnte Kal gut und gerne verzichten und der Gedanke, seine frisch polierten Stiefel dreckig zu machen, behagte ihm auch so ganz und gar nicht. Ein Stadtkampf war eine überaus schmutzige Angelegenheit, der Kuati hatte sich nicht umsonst bewusst gegen die Armee oder selbst das prestigeträchtigere Sturmtruppenkorps entschieden.

Der Turbolift brachte sie schnell zurück in die Eingeweide des Palastes. Lang war ihre Reise nicht. Natürlich residierte der Gouverneur nicht direkt unter dem Hangar. Der Hausherr hatte aber natürlich dennoch seinen eigenen Bereich in den oberen Etagen, wie es sich für den Herrscher einer imperialen Welt gehörte. Zum Gouverneur selbst wurden sie problemlos durchgelassen. Mittlerweile waren sowohl
Captain Sunstrider als auch Kal Andrim einigermaßen bekannt hier und ihre Uniformen des Raumjägerkorps machten es auch leicht, sie zu identifizieren. Natürlich wurden trotzdem ihre Codezylinder überprüft. In der angespannten Lage wurde peinlichst auf die Sicherheit des Gouverneurs geachtet. Niemand wollte gerade jetzt ein Attentat riskieren.

Den Gouverneur fanden sie schließlich in seinem Büro vor. Er war allein, in Gedanken versunken und schien keine allzu gute Laune zu haben. Aber wer konnte ihm das nach dem heutigen Tag auch verdenken? Viel war geschehen und einiges davon war alles andere als gut gewesen. Insbesondere in den letzten Stunden. Scheinbar hatte er sich auch ein Glas Wein gegönnt. Nun, er war hier der ranghöchste imperiale Beamte auf dem Planeten, wer würde es ihm also vergönnen oder die Missgunst zumindest öffentlich äußern?
Kal Andrim war dieses Detail ziemlich gleichgültig. Als Kampfpilot im aktiven Dienst mied er zwar die meisten Genussmittel, er war aber auch keineswegs ein Kind von Traurigkeit oder irgend eine Art von Moralapostel, was diese Dinge anging. Die beiden Kampfpiloten nahmen Haltung an und warteten, bis Theranosh Zesh sie begrüßte.

„Prefsbelt IV hat sich heute unwiderruflich verändert, Herr Gouverneur.“

Die Frage war nur, ob zum Besseren oder zum Gegenteil. Es würde an Männern wie Theranos Zesh liegen, das Eisen zu schmieden, bevor es kalt wurde.

„Wissen Sie schon etwas über die Täter und ihre Beweggründe? Sie werden dem langen Arm des Imperiums selbstverständlich nicht entkommen können.“

Jedenfalls nicht, wenn Kal etwas zu sagen hatte. Das Imperium stand für Ordnung, für Stabilität. Und es würde nicht damit hadern, jede Gefahr mit eiserner Faust zu zermalmen.

Prefsbelt IV | Blue One - Gouverneurspalast - Büro des Gouverneurs | Theranos Zesh, Kal Andrim
und Arari Sunstrider (NSC)
 
[ Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Blue One / Gouverneurspalast / Gouverneurs-Büro] Theranos Zesh

Der Lärm des Tages legte sich langsam und das Gouverneursbüro lag in gedämpfter Ruhe, nur unterbrochen vom leisen Summen der Klimasteuerung, leiser Imperialer Musik und dem gelegentlichen Aufblinken neuer Berichte am Rand des Schreibtisches. Theranos saß in seinem breiten Sessel, ein halb geleertes Glas Luxa Solis neben der Hand, und ließ den Blick über die Daten gleiten, die Miss Marris ihm in kurzen Abständen weiterleitete.

Der Schaden war erheblich – aber nicht vernichtend.
Fassaden, Straßenzüge, einzelne Gebäude. Ein größerer Komplex am Hauptplatz, zwei weitere Strukturen in angrenzenden Vierteln. Brände, die rechtzeitig eingedämmt worden waren, bevor sie tragende Bereiche erfasst hatten. Keine kritischen Archive, keine militärischen Depots, keine sensiblen Datenverluste. Raub, Brandschatzung, Zerstörung von Sachwerten. Schmerzhaft – aber reparabel.

Theranos rieb sich mit Daumen und Zeigefinger die Schläfe, schloss für einen Moment die Augen.
Kaum hatte er geglaubt, es war für einen Atemzug Ordnung geschaffen zu haben, öffnet sich bereits das nächste Schlachtfeld.

Er drehte seinen Sessel und sein Blick wanderte zu der Wand hinter dem Schreibtisch.
Der Säbel seines Vaters hing dort, leicht verziert und seit kurzem geschmückt mit einer Gold-Blauen Quaste als Zeichen des Hoheitsgebiets auf Prefsbelt IV. Daneben Urkunden, Auszeichnungen aus Akademietagen, Leistungsabzeichen aus Kursen, die andere gemieden hatten. Zeugnisse von Disziplin & Ordnung. Für einen Augenblick verharrte er dort, sammelte sich, bevor ein leises Signal ihn zurückholte.


Miss Marris’ Stimme aus dem Kommunikator

„Eure Exzellenz. Flight Lieutenant Andrim und Captain Sunstrider sind gerade dabei zu langen. Sie werden so nehme ich an, bald bei Ihnen eintreffen.“

Theranos’ Mundwinkel hoben sich kaum merklich.
„Gut“, erwiderte er ruhig. „Teilen sie ihnen schöne Nasszellen zu und lassen sie die Uniformen der zwei auf Vordermann bringen. Des Weiteren sollen zwei höhergestellte Apartments im Gästetrakt vorbereitet werden. Und senden Sie folgendes Schreiben an den Colonel Rorsam. Ich zeichne es gegen – ich bin gerade nicht in Stimmung für eine Holonachricht.“

Er machte eine kurze Pause damit sich Miss Marris bereit machen konnte, dann fuhr er fort, kontrolliert, sachlich.

“Sehr geehrter Colonel Rorsam, ich ersuche erneut Ihre Unterstützung diesmal nicht für den Überflug Ihrer Staffel” er machte eine kurze Pause und kratze sich am Kinnbart “sondern im Kampf gegen Rebellion, Angst, Terror und für Ordnung, Solidaritär, Disziplin und unser Großartiges Imperium” Theranos nahm kurz einen kleinen Schluck aus seinem Glas bevor er fortfuhr.
”Aus diesem Grund bitte ich darum, das die Staffel von Captain Sunstrider & Flight Lieutenant Andrim oder einzelner kampferfahrener Piloten der Regierung von Prefsbelt IV vorübergehend zur Verfügung zu stellen da diese an dem heutigem Tage eine Bestleistung dargeboten haben die Ihres gleichen sucht. Mit Ihrer Hilfe werden wir diese Rebellen der gerechten Strafe zuzuführen. Lang lebe das Imperium und seine Imperatorin.

Hochachtungsvoll Gouverneur Theranos Zesh”


Das bestätigende “wird erledigt von Miss Marris kam prompt und schon war die Leitung wieder frei.

Theranos nahm einen weiteren Schluck Wein, stellte das Glas wieder ab, gerade in dem Moment blinkte eine Meldung des neu ernannten Legaten Veran Koss auf seinem Schreibtisch auf.

Er nickte kaum merklich, als er die Zeilen überflog. Der Ton war knapp, präzise, frei von Ausschmückung – genau so, wie er es erwartet hatte. Die neue Signatur am Ende des Berichts verriet, dass Koss seine temporäre Rolle bereits angenommen hatte.
Ein kurzes, fast unwillkürliches Schmunzeln huschte über Theranos’ Gesicht. Doch es erstarb, noch bevor es wirklich Gestalt annehmen konnte.

Sein Blick verharrte an einem Abschnitt des Berichts, an einer Zusammenführung von Bewegungsmustern, Zugängen, alten Verwaltungspläne und erste Aussagen von Gefangen. Nichts davon war ein Beweis. Noch nicht. Aber die Übereinstimmungen waren zu sauber, um sie zu ignorieren.

Jemand hatte diese Stadt angegriffen – und nicht nur irgendjemand. Diese Person kannte Ihre Routinen. Ihre Schwachstellen. Ihre vergessenen Wege.
Theranos lehnte sich langsam zurück, faltete die Hände vor sich und atmete ruhig aus. Wenn sich dieser Verdacht erhärten sollte, würde es die Lage grundlegend verändern. Politisch. Persönlich. Und strategisch.

Und genau das konnte er im Moment am wenigsten gebrauchen.



Gut eine halbe Stunde später, traten Kal Andrim und Captain Sunstrider ein.
Beide wirkten gefasst, professionell und frisch versorgt. Die Uniformen tadellos, die Stiefel poliert – ein stiller Beweis dafür, dass die Maschinerie des Palastes auch in der Krise funktionierte. Theranos erhob sich und begrüßte beide in freundlichem Ton.


„Captain Sunstrider. Flight Lieutenant Andrim“, begann er ruhig. „Es freut mich, Sie beide wohlbehalten wieder hier zu sehen.“ sagte er mit Ehrlichkeit in seinen Worten.

Sein Blick glitt kurz über die beiden, blieb einen Moment bei Kal hängen, prüfend, nicht unfreundlich.

„Ich konnte Ihren Einsatz über unser provisorisches Kommandozentrum verfolgen“, fuhr er fort und ging langsam um den Tisch herum. „Und ich habe Funksprüche gehört, die Sie selbst vermutlich selbst nicht empfangen haben.“

Er hielt inne, verschränkte die Hände locker hinter dem Rücken.

„Offiziere am Boden, Einheiten auf Dächern, Sicherungstrupps in aussichtslosen Lagen – mehrere Positionen wären heute gefallen, wenn Sie nicht eingegriffen hätten.“ Ein kaum wahrnehmbares Nicken. „Das ist keine leere Floskel, sondern eine erfreuliche Feststellung.“

Ein kurzer Blickwechsel, dann setzte er nach, leiser.
„Gute Arbeit. Von Ihnen beiden.“
Theranos deutete auf die Sitzgelegenheiten.
„Bitte, nehmen Sie Platz."

Während sie Platz nahmen, griff Theranos zur Flasche Luxa Solis, schenkte jedem von ihnen ein Glas ein – nicht mehr als ein guter symbolischer Schluck – und ließ gleichzeitig auf Knopfdruck zwei Wassergläser mit Eis aus dem Tisch gleiten.

„Sie sind zwar offiziell nicht außer Dienst – aber nicht mehr in der Luft und dieser Moment gehört Ihnen. Sollten Sie dennoch auf den guten Wein verzichten den wir sonst im Konferenzzimmer genossen hätten, ist das Ihre Sache.“
Er setzte sich wieder, lehnte sich leicht zurück.


„Zur Lage“, fuhr er fort. „Der materielle Schaden ist begrenzt. Keine sensiblen Verluste. Keine Akten oder Infos wurden entwendet, keine wichtigen Einrichtungen erlitten großen Schaden.“ Ein kurzer Atemzug. „Es ging um Wirkung. Um Chaos. Um einen Angriff auf die Integrität dieser Stadt – und des Imperiums.“

Sein Blick wurde härter.
„Blue One befindet sich nun im vollständigen Lockdown. Kommunikation nach außen ist auf wenige Kanäle beschränkt. Der Luftraum bleibt gesperrt, das Verlassen der Stadt ist bis auf weiteres verboten. Wir werden jeden Hinweis verfolgen.“

Dann, mit einem Anflug von Müdigkeit, antwortete Theranos auf die Frage von Kal.
„Ein Verdacht steht im Raum – aber solange er nicht bestätigt ist, bleibt er unausgesprochen.“

Er sah Kal direkt an.
„Ich nehme an, es ist Ihnen genauso klar wie mir“, sagte er ruhig. „Aber unsere Gespräche über wirtschaftliche Projekte müssen vorerst zurückgestellt werden. In der jetzigen Lage würde kein verantwortungsvoller Akteur investieren .“

Ein kaum merkliches Zögern dann blickte er beide Piloten an.
„Ich hoffe, das trifft Sie nicht komplett unvorbereitet, das ich aufgrund der aktuellen Lage bereits Ihren Colonel kontaktiert und um Unterstützung gebeten habe.“, fuhr Theranos sachlich fort. „Sollte er zustimmen, würde ich Ihre Staffel – oder Teile davon – gern hier sehen um diese Rebellen ihrer gerecht Strafe zuzuführen deren Lager just in diesem Moment, ausgehoben oder beobachtete werden. Wir nehmen an das Ihr Hauptquartier östlich bis nordöstlich von Blue One liegt, zumindest ziehen sich vereinzelte Einheiten augenscheinlich in diese Richtung zurück.

Dann schloss er die Hände ineinander und ließ eine kurze Pause entstehen um das gesagte wirken zu lassen bevor er fortfuhr.
“Wie auch Ihr Colonel entscheidet, ich habe Ihnen zwei Suiten im Gästetrakt des Palastes einrichten lassen, um sich von Ihrem heutigen Tag zu erholen wenn Sie diese nutzen möchten."

“So”
sagte Theranos abschließend und betonte das Wort etwas, “das ist der aktuelle Stand der Dinge”.

Sein Blick wanderte zwischen Captain Sunstrider und Kal Andrim hin und her. „Sagen Sie mir, wie sehen Sie die aktuelle Lage?“


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Captain Sunstrider und Kal Andrim nahmen wie geheißen Platz. Der Kuati nahm den Wein gerne an, während seine Staffelführerin dem Wasserglas den Vorzug gab. Aufmerksam lauschten beide den Ausführungen des Gouverneurs. Theranos Zesh war voll von Lob für ihre Leistungen im Himmel und steckte dann grob das Ausmaß der Schäden ab, die angerichtet wurde. Material war der Schaden wohl begrenzt, der Verwalter hatte aber ganz richtig erkannt, dass es mehr um die Außenwirkung gegangen war. Die Hintermänner des heutigen Angriffs hatten die Regierung verwundbar wirken lassen wollen und da hatten sie vollen Erfolg gehabt. Naturgemäß musste die Reaktion des Imperiums entsprechend entschlossen erfolgen.

Ganz von sich aus sprach der Gouverneur dann noch an, dass jegliche Gespräche zu einer wirtschaftlichen Kooperation bis auf weiteres auf Eis gelegt werden mussten. Das war ein Thema, das
Kal selbst mit Theranos Zesh hatte besprechen wollen. Dass der Gouverneur die Sache selbst so offen und entschieden ausgesprochen hatte, würdigte dem Kuati ein anerkennendes Nicken ab. Er hatte die Lage absolut korrekt eingeschätzt und dass er in dieser Situation nicht verbissen an der Idee festhielt, bewies wunderbar, dass er weiter Herr der Lage war und nicht drohte, die Nerven zu verlieren. Ein kühler, analytischer Kopf war wichtig in diesen Stunden und Tagen.

Schließlich bot er den beiden Kampfpiloten zwei Gästesuiten im Palast an, was sie beide gerne annahmen. Und dann fragte
Theranos Zesh noch, was Captain Sunstrider und Kal von der Lage hier hielten. Seine Staffelführerin hielt sich wie so häufig zuvor lieber zurück. Sie schien sich immer noch nicht daran gewöhnt zu haben, auch in politischen Sphären zu denken. Also ergriff der Kuati das Wort, um keine peinliche Stille sich ausbreiten zu lassen.

„Ich stimme Ihnen zu, dass das wahrscheinlichste Ziel war, der Öffentlichkeit eine Schwäche der lokalen Verwaltung aufzuzeigen. - Die Frage ist nur, zu welchem Zweck? Wenn die Motive der Täter nicht klar werden, wird es schwer werden, sie zu identifizieren. Wir können nur hoffen, dass die Verhöre von Gefangenen nützliche Informationen zu Tage fördern werden. Aber bis dahin würde ich mit weiteren Angriffen rechnen. Je chaotischer die Lage wird, desto besser wird es für die Hintermänner sein.“

Bedächtig schwenkte Kal den Wein im Glas, während er seine Gedanken mit dem Gouverneur teilte.

„Ich rate dringend davon ab, Kräfte aus anderen Städten abzuziehen, um sie in der Hauptstadt einzusetzen. Es könnte eines der Ziele unserer Widersacher sein, mit Ablenkungsmanövern die Sicherheit an für sie wichtigen Punkten zu schwächen. - Aktivieren Sie für das Präsenzzeigen lieber Kadettenkader der Akademie, denen Sie vertrauen können.“

Um an Straßenecken zu stehen und grimmig zu gucken oder Verkehrskontrollen auszuführen, brauchte es wahrlich keine kampferfahrenen Truppen. Das sollten die Kadetten hinbekommen.

„Und ja, dass wir Sie so gut es geht unterstützen, versteht sich von selbst. Ich bin mir sicher, dass wir Ihnen dabei werden helfen können, die Ordnung auf Prefsbelt wieder herzustellen.“

Kal wusste zwar nicht, was Colonel Rorsam entscheiden würde. Aber nötigenfalls würde der Kuati ein paar Anrufe tätigen und das Wenige an Einfluss, was er hatte, nutzen, um seinen Teil zur Lösung der Krise beizutragen.

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Theranos hörte Kal aufmerksam zu, ohne ihn zu unterbrechen. Er lehnte sich leicht zurück, das Glas locker in der Hand, der Blick ruhig, wachsam. Als Kal geendet hatte, nickte Theranos langsam.
„Ihre Analyse deckt sich mit meinen eigenen Einschätzungen“, sagte er schließlich.
Er stellte das Glas ab und verschränkte die Hände vor sich.

„Ich werde Ihre Hinweise umgehend an den Legaten für innere Sicherheit weiterleiten“, fuhr er fort. „Insbesondere Ihre Warnung vor vorschnellen Truppenverlagerungen.“

Ein kaum merkliches Innehalten, dann ein anerkennender Blick.
„Die Idee, Kadetten gezielt einzusetzen – sichtbar, diszipliniert, kontrolliert – ist klug. Sie schafft Ordnung, ohne unnötig zu eskalieren.“ Ein leichtes Nicken. „Wir werden sie prüfen und ich werde später unserem Freund, dem Akademiedirektor“ Theranos, konnte sich ein leichtes Grinsen nicht verkneifen ”eine Nachricht zusenden ich bin mir sicher das er uns Unterstützt."


In diesem Moment öffnete sich die Tür, und Miss Marris trat ein. Wie immer wirkte sie ruhig, gesammelt, der kleine Datenträger in ihrer Hand das einzige Zeichen dafür, dass sie mehr als eine Botschaft brachte.

„Eure Exzellenz“, begann sie leise. „Die Gästesuiten im Gäste-Trakt sind vorbereitet.“
Sie trat an die beiden Piloten heran und reichte ihnen jeweils einen schmalen Codezylinder.
„Diese gewähren Ihnen Zugang zu Ihren Suiten sowie zu den gesicherten Gäste-Bereichen des Palastes sei es die Lounge, die Bibliothek, der Sportbereich oder wenn Sie das Spa aufsuchen wollen.“, erklärte sie höflich. „Sollten Sie etwas benötigen, stehe ich oder der Diensthabende Offizier jederzeit zur Verfügung.“

Theranos erhob sich.
„Ich denke, Sie beide haben genug für einen Tag getan“, sagte er und erlaubte sich ein knappes, ehrliches Lächeln. „Ruhen Sie sich aus. Sie werden bald gebraucht – vielleicht schneller, als uns allen lieb ist.“

Er nickte Miss Marris zu.
„Bitte kümmern Sie sich um unsere Gäste.“

Gerade als Miss Marris sich zum Gehen wandte, hielt sie noch einmal inne.

„Eure Exzellenz“, fügte sie hinzu. „Dr. Sylven Daro ist vorhin eingetroffen. Er hat sich sofort ins eingerichtete Lazarett begeben, um sich um die Verwundeten zu kümmern. Zudem hat Herr Torven Krail sein kommen für morgen angekündigt und wir dann sein Büro beziehen. Er ließ ausrichten, dass er sich danach melden wird.“

Theranos nahm die Information schweigend auf, dann nickte er.
„Gut“, sagte er. „Danke, Miss Marris.“

Nachdem die Piloten den Raum verlassen hatten,verließ auch er kurze Zeit später sein Büro und trat hinaus in den breiten Korridor des Gouverneurspalastes. Die Schritte hallten gedämpft über den polierten Steinboden, begleitet vom leisen Präsenzgefühl der Wachen, die nun wieder an festen Positionen standen. Der Palast atmete noch immer Anspannung, aber sie war geordnet, kontrolliert – kein Chaos mehr, sondern Wachsamkeit.

Am Ende des Ganges öffnete sich eine hohe Transparistahltür zum Balkon.

Theranos trat hinaus.

Blue One lag unter ihm, weit ausgebreitet, in einem Licht, das bereits zwischen Nacht und Morgendämmerung schwankte. Rauchfahnen zogen noch vereinzelt durch die Straßen, Lichter flackerten und über allem lag dieses eigentümliche Schweigen nach einem überstandenen Sturm.

Er legte die Hände auf das kalte Geländer.

Sein Blick wanderte über die Stadt, nicht suchend, sondern messend. Finanzen würden nun entscheidend sein. Wiederaufbau, Entschädigungen, Umverteilungen. Ordnung bedeutete nicht nur Sicherheit – sie bedeutete Vertrauen.
Marcon Felth, der Name drängte sich unweigerlich in seine Gedanken. Der zukünftige Legat für Finanzen war angekündigt, vorbereitet, vorgesehen gewesen, um Strukturen zu glätten, Zahlen zu ordnen, die planetaren Finanzen in ruhigere Bahnen zu lenken – und um ein wachsames Auge auf die Werft zu haben

Eine kurze Zeit blickte Theranos noch über Blue One, ehe er wieder in sein Büro zurückkehrte. Sodann setzte er sich an seinen Schreibtisch, griff nach einem Datapad und zog erste Linien, notierte Gedanken, Möglichkeiten, Abzweigungen. Des Weiteren studierte er die Karte von Prefsbelt IV und setzte Notizen, welche Ortschaften und Bereiche er plante, genauer zu untersuchen um diese Rebellen zu finden. Das war zumindest das einzige, was er heute noch sinnvolles tun konnte.

Der Tag war vielleicht so gut wie vorbei, doch die Arbeit hatte gerade erst begonnen.



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Prefsbelt IV | Blue One - Gouverneurspalast - Büro des Gouverneurs | Theranos Zesh, Kal Andrim und Arari Sunstrider (NSC)

Das Gespräch näherte sich seinem natürlich Ende als Captain Sunstrider und Kal Andrim die Codezylinder für ihre Zimmer überreicht wurde. Natürlich würden sie das Angebot in Anspruch nehmen. Allein schon, um dem Gouverneur nicht vor den Kopf zu stoßen. Morgen aber würden sie sich schon verabschieden müssen, was der Kuati auch schon einmal kommunizierte.

„Vielen Dank, wir werden die Zimmer heute Nacht gerne nutzen. Ich glaube aber, dass ich für Captain Sunstrider und mich spreche, wenn ich sage, dass wir uns morgen dann schon verabschieden müssen. Was auch immer die nächsten Tage bringen werden, wir werden Ihnen mehr nutzen, wenn wir in Bereitschaft bei unserer Einheit sind.“

Sicher, an sich hatte Colonel Rorsam da auch noch ein Wörtchen mitzureden, aber zumindest was Kal anging war der Mann keineswegs das Zentrum seines Universums. Und dem Gouverneur gegenüber zumindest den Anschein von Entscheidungsgewalt zu wahren, verstand sich von selbst für den Kuati. So verabschiedeten sich die beiden Kampfpiloten aus dem Büro und suchten ihre Quartiere auf. Noch auf dem Weg ergriff Captain Sunstrider das Wort.

„Heute ist viel passiert, Flight-Lieutenant und die kommenden Tage können uns noch gefährlich werden. Wir wissen nicht, wie tief diese Krise geht und ob auch Teile des Verwaltungsapparats infiltriert wurden. Wir werden daher in aller Frühe aufbrechen und unsere Staffel in den Orbit bringen. An Bord unseres Trägerschiffes werden wir am sichersten sein.“

Und da würde Captain Sunstrider auch so weit entfernt vom Zentrum der Macht hier sein, wie nur irgend möglich. Kal nickte die Worte ab, er stimmte ihr auch grundsätzlich zu. Die Stationierung im Orbit hatte außerdem den Vorteil, dass sie auf Entwicklungen am Boden selbst in entlegenen Gebieten schnell würden reagieren können.

„Verstanden, Captain. Ich werde meinen Wecker früh stellen. Sagen wir, wir brechen um 5 Uhr auf?“

Captain Sunstrider nickte den Vorschlag ab, bevor sich ihre Wege trennten. Sie würden noch vor dem Morgengrauen aufbrechen. Der kleine Rundflug in dem TIE/ln war schon ganz interessant gewesen. Im nächsten Gefecht wollte Kal Andrim aber dann doch lieber in seinem eigenen TIE/ba sitzen.

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[ Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Blue One / Gouverneurspalast / Besprechungsraum ] Theranos Zesh, Gregor Bayl und Marcon Felth

Blue One lag im Morgenrot.
Die Sonne erhob sich gerade über der Stadt, noch flach, noch zurückhaltend, und legte ein kühles, goldenes Licht über Dächer, Türme und die breiten Magistralen des ersten Bezirks.

Im Gouverneurspalast hingegen war die Dämmerung längst vergangen.
Hier wurde schon länger gearbeitet. Die schweren Türen des Besprechungsraums glitten lautlos auseinander, und eine Gruppe von Baumeistern, Architekten und Ingenieuren verließ den Raum, angeregt diskutierend, Datapads unter den Armen, Stimmen gedämpft, aber voller Energie. Pläne waren gezeichnet, Varianten entworfen, Zeitachsen abgesteckt worden.

Zurück blieben drei Männer. Theranos Zesh stand mit verschränkten Händen vor dem Tisch, der von einem ruhigen, detaillierten Hologramm des Hauptbezirks überzogen war. Neben ihm Legat Gregor Bayl, den Blick auf die Projektion gerichtet, Stirn leicht in Falten gelegt. Auf der gegenüberliegenden Seite tippte der neue Legat für Finanzen Marcon Felth, noch letzte Anmerkungen in sein Datapad, ehe er innehielt.



„Ja“, sagte Marcon schließlich nachdenklich. „Das ist tragfähig und finanziell überlegt. So könnten wir es umsetzen.“

Theranos’ Blick löste sich vom Hologramm.
Ein knappes Nicken. „Perfekt“, erwiderte er ruhig. „Dann gehen wir diesen Weg. Lassen Sie es morgen von unserem Pressesprecher verkünden.“

Bayl ließ ein leises Lächeln erkennen. „Es ist ein idealer Anlass“, meinte er. „Die Sanierung des Hauptbezirks lässt sich nicht nur rechtfertigen – sie wirkt nach außen wie ein sichtbares Zeichen von Kontrolle und von Erneuerung nach diesem schrecklichen Vorfall vor ein paar Wochen.“

„Zumal“, ergänzte Felth, ohne aufzusehen, „die finanziellen Mittel es unserem Glück zulassen."
Er hob kurz den Blick. „Dass die Konten des ehemaligen Gouverneurs sowie etlicher seiner Firmenkonten frühzeitig gesperrt und die veruntreuten Gelder beschlagnahmt wurden. Ohne diese Rücklagen wäre ein solcher Schritt deutlich komplizierter.“

Ein Hauch von Zustimmung ging durch Theranos’ Miene. Er hatte diese sogenannten Notfall-Fonds nicht aus Optimismus eingerichtet, sondern aus Erfahrung – zivile, militärische, wirtschaftliche und medizinische Reserven, getrennt, geschützt, sofort abrufbar. Jetzt zahlte sich diese Struktur aus.
Das Hologramm zeigte aufleuchtende Markierungen. Fassaden, Plätze, öffentliche Gebäude. Auch angrenzende Straßenzüge, die nur indirekt betroffen waren.

Bayl neigte leicht den Kopf.
„Ich finde, wir könnten an manchen Stellen mehr tun als nur instand setzen. Plätze schaffen, kleine Grünflächen, Raum für Begegnung, Möglichkeiten, die Kultur und die Gesellschaft von Blue One zu fördern.“

Felth zog eine Augenbraue hoch und schon seine runde Brille etwas höher. „Oder man schafft neuen Wohnraum, Geschäfte oder Industrie und das alles staatlich verwaltet, mit solider Rendite, langfristiger Stabilität und Profit.“ Für einen Moment lag Spannung in der Luft – keine Feindseligkeit, sondern zwei Blickwinkel, die einander prüften.
Theranos hob beschwichtigend eine Hand.

„Beides“, sagte er. „Oder eine sinnvolle Kombination meine Herren, überprüfen Sie, wo viel Wohnungen sind oder Wohnraum, dort werden wir die Kultur und die Begrünung fördern. Dort wo es an Industrie mangelt oder an Wohnraum werden wir diesen unter ein Firma der Planetarenregierung schaffen“

Beide Legaten nickten. Die Diskussion war damit beendet – nicht unterdrückt, sondern geordnet.

Felth warf einen Blick auf die Zeit und schloss sein Datapad.
„Dann wäre mein Teil für den Moment abgeschlossen. Ich werde mir heute mehrere Firmen ansehen, an denen die Planetare Regierung beteiligt ist. Einige davon sind… erstaunlich ineffizient. Vielleicht finden sich dort weitere Reserven oder Möglichkeiten, den Profit zu erhöhen." Ein kurzer Seitenblick. „Und später möchte ich mir noch persönlich ein Bild von der Werft und deren Fortschritt machen.“

„Tun Sie das“
, sagte Theranos. „Ich erwarte Ihren Bericht.“
Felth verneigte sich knapp, wünschte einen guten Tag und verließ den Raum.
Theranos beendete das Hologramm und drehte sich zu Legat Bayl.

“Nun gut, ich mache mich ebenso auf dem Weg zu meinem Büro, ich muss Gouverneur Garison von Quarzite noch eine Direktnachricht aufnehmen”.

„Quarzite Eure Exzellenz?“
fragte Gregor Bayl nachdenklich.

Theranos lächelte kurz.
„Nicht politisch. Zumindest nicht primär.“
"Ich plane für meinen Wein von Imperialis Senus, besondere Gläsern, Verpackungen zu kreieren, des weiteren plane ich mögliche Schmuck oder andere Luxusprodukte in das Repertoir von der Marke Imperalis Senus aufzunehmen.”

Legat Bayl nickte zuversichtlich. “Das hört sich auf jeden Fall nach einem Plan an, ich wünsche Ihnen viel Erfolg dabei, Gouverneur. Ich muss ebenfalls noch ein Paar Berichten nachgehen, wenn Sie mich entschuldigen wollen.”
Theranos nickte Gregor Bayl zu und so verließen beide den Besprechungsraum.


In seinem Büro angekommen, rief Theranos die aktuellen Berichte von Legat Veran Koss auf.
Seit dem Terroranschlag vor ein paar Wochen, hatte Veran Koss alles in seiner Macht Stehende getan und war jedem Gerücht und jeder Spur nachgegangen.

Nachdem klar geworden war, dass der damalige Gouverneur Robert Kern hinter all dem steckt, wussten Sie immerhin, mit wem Sie es zu tun hatten. Daraufhin wurde jeder unter die Lupe genommen, der irgendwann mal irgendwie mit Ihm zu tun gehabt hatte.

Es hatte nicht lange gedauert, bis mehrere kleine Verstecke ausfindig gemacht worden waren – improvisierte Unterschlüpfe in alten Versorgungsgängen, leerstehenden Lagerhallen, vergessenen Wartungsräumen. Keine großen Hauptquartiere, eher Reste. Rückstände. Menschen, die zu spät gewesen waren oder zu wenig wussten. Festnahmen, Sicherstellungen von Material.
Des Weiteren war eine hohe Belohnung ausgesetzt worden. Hinweise wurden entgegengenommen, überprüft, verworfen oder weitergeleitet. Sein Gesicht war auf allen Holoschirmen präsent und würde vielleicht zum ein oder anderen Verrat in seinen Reihen führen zumindest hoffte man das.

Auch aus dem Luftraum kamen immer wieder Meldungen.
Seit der Zusage des Colonels und der Zusicherung der Unterstützung der Staffel von Captain Sunstrider & Kal Andrim kamen Sie immer schneller mit der Suche voran. Es war auch zu weiteren kleineren Scharmützeln gekommen. Keine großen Gefechte, aber gezielte Abfangmanöver, saubere Abschüsse. Genau so, wie man es von erfahrenen Piloten erwartete, die wussten, wie man Bewegungen liest, Muster erkennt und Fluchtwege abschneidet.

Soweit so gut, gerade war Veran Koss auf dem Weg eine weitere mögliche Fährte bei einer Zollstation zu überprüfen und hatte, soweit Theranos bekannt war, bei Captain Sunstrider um Unterstützung gebeten da diese Station im Orbit lag. Er war gespannt, was dabei herauskommen würde.

Schließlich schloss er die Berichte und machte sich daran eine Nachricht für den Gouverneur von Quarzite aufzunehmen.




// Nachricht an: Kanto Garison, Gouverneur von Quarzite \\
Absender: Theranos Zesh, Gouverneur von Prefsbelt IV
Verschlüsselte Übertragung höchster Sicherheitsstufe, Direktkanal

Das imperiale Wappen erscheint als Hologramm, dreht sich langsam und löst sich in feine Lichtlinien auf.

Das Abbild von Gouverneur Zesh materialisiert sich – sitzend, von der Hüfte aufwärts. Er trägt die Anthrazitfarbene Gouverneursuniform mit seinem Dienstgrad. Die Haltung ist ruhig, kontrolliert, die Hände locker vor sich gefaltet. Im Hintergrund: eine klare, geordnete Architektur aus Stein, Glas und Metall.

Theranos hebt den Blick zur Kamera.

„Sehr geehrter Herr Gouverneur Garison.“

Ein kurzer Moment der Höflichkeit, dann spricht er weiter, ruhig und präzise.
„Es ist mir eine Freude Ihre Bekanntschaft zu machen, mein Name ist Theranos Zesh und ich bin der amtierende Gouverneur von Prefsbelt IV. Ich erlaube mir, Sie direkt zu kontaktieren, da ich es bevorzuge, wirtschaftliche und kulturelle Vorhaben auf Verwaltungsebene zu klären – ohne Umwege, ohne unnötige Öffentlichkeit.“
Ein kaum merkliches Lächeln. „Gerade dann, wenn es um Projekte geht, die mehr darstellen sollen als bloßen Materialaustausch.“

„Seit meiner Zeit an der imperialen Akademie habe ich mich neben Verwaltung und Politik stets auch mit Fragen von Ästhetik, Symbolik und Wertschöpfung beschäftigt. Nicht nur aus Idealismus – sondern auch aus der Überzeugung, dass Ordnung nicht nur funktional, sondern sichtbar sein sollte und mit Stil zelebriert werden muss.“

Ein kurzer Atemzug.

„Gemeinsam mit einem Partner aus einer langen traditionsreichen Winzerfamilie habe ich auf Prefsbelt IV eine Marke etabliert, Imperialis Sensus. Ein Erzeugnis, welches bewusst nur an Gewisse Kreise, Personen, Organisationen und Lokalitäten ausgegeben wird. Gedacht für besondere Anlässe, für Persönlichkeiten in Verantwortung – kurz: für jene, die Qualität nicht konsumieren, sondern verstehen und schätzen.“

Theranos’ Blick bleibt ruhig.

„Ein solches Produkt verlangt nach einer Form, die seinem Anspruch gerecht wird. Gläser, Flaschen, Schatullen – Materialien, die nicht nur tragen, sondern repräsentieren und den Wert widerspiegeln, der in Ihrem Inneren wohnt.“
Ein leichtes Neigen des Kopfes. „In diesem Zusammenhang bin ich bei meiner Recherche auf Quarzite gestoßen und somit auf Ihre Verwaltung.“

Er lässt die Worte wirken.
„Soweit mir bekannt ist, verfügt Ihr Planet über kristalline Ressourcen von außergewöhnlicher Struktur, Reinheit und Qualität. "Eigenschaften, die sich nicht allein für technische Anwendungen eignen, sondern so hoffe ich auch für hochwertige, langlebige Luxusgüter – sofern sie mit der nötigen Sorgfalt verarbeitet werden.“

Ein offener, aber kontrollierter Ton.
„Bevor ich weiter plane, interessiert mich Ihre Einschätzung.
Welche Möglichkeiten sehen Sie selbst in der Nutzung dieser Ressourcen in diesem Bereich? Welche Formen der Verarbeitung sind etabliert und welche Möglichkeiten hat Quarzite, seine Ressourcen zu veredeln?“

Eine weitere kurze Pause.
"Sollten Sie hier eine gemeinsame Perspektive sehen, auf Grundlage von Verlässlichkeit, Qualität und gegenseitigem Respekt sowie Wertschätzung und natürlich der Aussicht auf Profit, vielleicht sogar als permanenter Lieferant der Firma, lassen Sie es mich gerne wissen.“

"Des Weiteren für Sie zur Information in öffentlicher Sache. Auf Prefsbelt IV werden aktuell zwei Großprojekte umgesetzt, zum einen eine neue Planetare-Schiffswerft im Auftrag von Moff Aren Veyliuar zum anderen eine Schwimmende Handels und Industriestadt welche über unter Unterwasser auf unserem Meer in Kooperation mit der Verwaltung von Truuine gebaut wird. " Er lehnt sich minimal zurück. ”Um für beide Projekte die höchstmögliche Qualität zu gewährleisten, würde ich natürlich gerne Produkte von Quarzite in beiden Projekten mit einfließen lassen.”

Theranos neigt leicht den Kopf.

„Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung, Gouverneur Garison – und auf auch einen möglichen Austausch jenseits reiner Zahlen.“

„Heil dem Imperium.“
Gezeichnet, Gouverneur Theranos Zesh

\\ Ende der Nachricht //


Theranos beendete die Nachricht und grinste. Er hoffte, dass er den Kuati mit der Möglichkeit, bei den Projekten mitzuwirken, geködert hatte und dieser somit mit der Aussicht auf Profit den Wunsch hatte Theranos bei seinem Firmen vorhaben zu unterstützen.


[ Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Blue One / Gouverneurspalast / Gouverneursbüro] Theranos Zesh,
 
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Prefsbelt IV | niedriger Orbit, Anflug auf Zollsltation Beta-03 | Kal Andrim und Ailemar Perlim (NSC) und Reyan Vexler in ihren TIE/ba, Legat Veran Koss in einer Raumfähre, begleitet von drei weiteren TIE/ba

Die vergangenen Wochen waren geschäftig gewesen. Nachdem Colonel Rorsam sich darauf eingelassen hatte, Prefsbelt IV in seiner Krise zu helfen, hatte das Geschwader kaum eine ruhige Minute gehabt. Mittlerweile war das 152. Raumjägergeschwader quer über den Planeten verteilt, um zusammen mit der blauen Region die immer wieder aufflammenden Feuer des Terrorismus im Keim zu ersticken. Kal aber beschwerte sich nicht. Der Kuati liebte das Fliegen und zog den Luftkampf politischen Ränkespielen wie im Ballsaal der Akademie allemal vor.

Und für beides hatte es ausgiebig Gelegenheit gegeben. Wer auch immer diese Bewegung finanzierte, hat scheinbar unendlich viele Geldressourcen. Anders konnte man sich die schiere Unzahl an Söldnern und Glücksrittern nicht erklären, die erstaunlich gut organisiert und bewaffnet ihre Aktionen durchführten. Für
Kal war das einerlei. Diese Leute waren Unruhestifter und Verräter und verdienten seiner Meinung nach nur den Tod. Zum Glück besaß er die Autorität und das Können, ihnen genau dieses Schicksal zu bescheren.

Heute ging es um eine Zollstation im Orbit. Sie hatte sich irgendwie...auffällig verhalten, nur wusste
Kal nicht, wie genau. Beta Staffel sollte jedenfalls Begleitschutz für ein Inspektionsteam spielen. Die lokale Administration hatte schnell gelernt, nicht ohne erhebliche Militärpräsenz ihre Untersuchungen durchzuführen. Was aber wollten sie beim Zoll finden? Bisher hatten sich die Probleme vor allem auf zivile Bereiche konzentriert. Eine Unterwanderung von Behörden und dann auch noch einer so gut bewaffneten wie dem Zoll, war schon eine ganz andere Dimension.

>>Rotte 4, hier Beta 7. Bleiben Sie bei der Fähre des Legaten, wir werden einen Überflug bei Gefechtsgeschwindigkeit machen und schauen, ob jemand reagiert. Bleiben Sie wachsam und unterhalb der Station.<<

Für die kurzfristige Anfrage von Legat Veran Koss war nur die zweite Hälfte der Beta-Staffel verfügbar gewesen, weswegen Kal als stellvertretender Staffelführer das Kommando hatte, bis Captain Sunstrider zu ihnen stoßen konnte. Mit ihrer Ankunft war in den nächsten 30 Minuten aber nicht zu rechnen, also übernahm der Kuati bis dahin die Führung und sprach auf einer offenen Kommfrequenz zu der stillen Raumstation.

>>Prefsbelt IV Zollstation Beta-03, hier spricht Flight-Lieutenant Kal Andrim. Hören Sie mich?<<

Nach seiner Anfrage wartete Kal einen langen, stillen Moment, bevor er wieder das Wort ergriff.

>>Prefsbelt IV Zollstation Beta-03, bitte antworten Sie.<<

Wieder antwortete Kal nur Stille, bis er zurück auf den Staffelkanal schaltete.

>>Die stellen sich weiter tot, also gehen wir wie geplant vor. Beta 8 und Beta 9, bleiben Sie wachsam und rechnen mit Abwehrfeuer. Auf mein Zeichen geht es los. 3...2...1...beschleunigen!<<

Komplette Funkstille war mehr als verdächtig. Die Sensoren zeigten keine Schäden an der Station an und so lange dort nicht alle tot umgefallen waren, hätte ihnen jemand antworten müssen. Sie beschleunigten fast auf Höchstgeschwindigkeit der TIE/ba. Kal wollte lieber kein Risiko eingehen. Die Flight-Lieutenants Perlim und Vexler blieben dicht hinter ihm und folgten ihm, wie der Kuati es von ihnen gewohnt war.

Der eingeschlagene Kurs führte sie dicht an der Station vorbei. Und zwar so dicht, dass der Annäherungsalarm auslöste. Genau das war aber auch
Kals Absicht gewesen. Wenn die Besatzung auf Funksprüche nicht reagierte, weckte sie der Alarm vielleicht auf. Und tatsächlich passierte auch etwas. Die Geschütztürme der Raumstation erwachten zum Leben und versuchten die Jäger zu erfassen, doch zum Glück gingen alle Schüsse ins Leere. Diese Geschütze waren darauf ausgelegt, widerspenstigen Frachterkapitänen Respekt beizubringen und nicht mehr. Trotzdem führte der Kuati seine Rotte wieder unter die Station, um auch einen Glückstreffer auszuschließen.

>>Raumfähre Tydirium, hier Flight-Lieutenant Andrim. Ich rate Ihnen dringend, den Anflug abzubrechen und den Legaten in Sicherheit zu bringen. Die Zollstation scheint an den Feind gefallen zu sein. Ich wiederhole: Die Zollstation wurde von den Terroristen besetzt.<<

Kaum hatte Kal den Funkspruch abgesetzt, änderte sich die Lage zum Schlechteren. Die vier an der Zollstation angedockten imperialen Zollkorvetten erwachten zum Leben und begannen, aufzusteigen. Damit brachten sie wenigstens nicht den Legaten in Gefahr, doch was auch immer sie vorhatten...es würde keineswegs etwas gutes sein.

Prefsbelt IV | niedriger Orbit, nahe Zollsltation Beta-03 | Kal Andrim
und Ailemar Perlim (NSC) und Reyan Vexler in ihren TIE/ba, Legat Veran Koss in einer Raumfähre, begleitet von drei weiteren TIE/ba
 
[ Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Blue One / Gouverneurspalast ] Veran Koss


Der Morgen über Blue One wirkte geordnet, fast trügerisch ruhig. Die Verkehrsadern der Stadt zogen sich in klaren Linien durch die Straßen und die Skyline. Verkehr floss diszipliniert, ohne Hast, ohne sichtbare Unruhe. Für die meisten war es ein Zeichen, dass die Maßnahmen der letzten Wochen griffen.

Veran Koss, Legat der Planetaren Sicherheit stand am Fenster seines Büros im Gouverneurspalast und ließ den Blick über die Stadt gleiten, ohne sich wirklich auf sie zu konzentrieren. Hinter ihm lagen mehrere Datapads auf dem Tisch, jedes einzelne gefüllt mit Berichten, Zahlen, Namen. Razzien, Festnahmen, beschlagnahmte Waffen, aufgedeckte Geldströme. Die Zellen des Feindes waren angeschlagen worden, das stand außer Frage. Und doch blieb ein bitterer Beigeschmack – nicht wegen dessen, was man sah, sondern wegen dessen, was er noch nicht sah.
Die Bewegungen des Feindes waren nicht spontan sondern geplant. Sie waren finanziert, strukturiert, geduldig aufgebaut worden. Und sie hatte gelernt, sich anzupassen. Ordnung wurde nicht frontal angegriffen. Sie wurde unterwandert – Beamter für Beamter, Codezeile für Codezeile und all das war das Werk eines Mannes.

Verans Stirn legte sich in Falten.
“Robert Kern". Spuckte er den Namen regelrecht aus. "Warten Sie nur bis Sie habe", endete Veran seinen Satz.
Das leise Signal eines eingehenden Berichts durchschnitt die Stille. Die diensthabende Offizierin meldete sich, angespannt, aber kontrolliert. Ein Bodenzolldepot in Gold One hatte wiederholt versucht, Kontakt mit der Orbit-Zollstation Beta-03 aufzunehmen. Ohne Erfolg. Seit nun fast zwanzig Minuten Funkstille.

Zu lang.

Koss legte das Datapad langsam zurück. So lange keine Antwort, bedeutete entweder ein technisches Versagen – oder etwas sehr viel Unangenehmeres. Der Bericht war korrekt weitergeleitet worden, über den Wirtschaftslegaten direkt an ihn.
Veran gab knappe Befehle für den orbitalen Sicherheitsraum. Kontakt zur Bereitschaftsstaffel. Vorbereitung eines Inspektionsteams. Als er sein Büro verließ, war sein Gesicht ruhig, doch in seinem Inneren ordnete sich bereits ein Lagebild. Wenn jemand den Zoll anfasste, griff er eine der wenigen Stellen an, an denen imperiale Ordnung nach außen hin sichtbar und greifbar war.

Die Gänge des Palastes lagen still vor ihm. Gardisten der Blauen Legion standen reglos an ihren Posten, Paradeuniformen makellos, Blicke geradeaus. Sicherheit war nicht nur Präsenz, wusste Koss. Sie war Haltung, Wiederholung, Verlässlichkeit. Theranos Zesh hatte ihn nicht wegen blinder Härte an diese Position gesetzt, sondern wegen genau dieser Unterscheidung.

Auf der oberen Landeplattform wartete bereits die Lambda-Fähre, im Funk als Tydirium geführt. Daneben zwei planetare Truppentransporter, sowie eine der neuen TIE/ln Fighter Staffeln der Blauen Legion hielt sich in Bereitschaft, Triebwerke vorgeheizt, Sensoren aktiv.

Nachdem Veran an Bord war, hob die Inspektions-Einheit ab. Der Aufstieg verlief ruhig. Unter ihnen schrumpfte die Oberfläche von Prefsbelt IV zu einem geordneten Mosaik aus Licht und Struktur, darüber spannte sich der Orbit – und darin, dunkel und still vor dem Sternenfeld, die Zollstation Beta-03. Sie wirkte unversehrt und gerade das machte sie verdächtig.
Als der Legat ins Cockpit trat, knackte gerade der Bordlautsprecher. Der offene Funkkanal der Jägerstaffel war zugeschaltet worden. Das gleichmäßige Brummen der Triebwerke wirkte plötzlich lauter, als hätte der Raum selbst registriert, dass sich etwas veränderte. Veran hörte, wie Flight Lieutenant mehrmals versuchte, mit der Station in Kontakt zu treten. Leider vergebens. Koss registrierte, wie sich etwas in ihm verhärtete – kein Zorn, kein Impuls, sondern ein inneres Einrasten. Wenn sie schwiegen, dann entschieden sie sich.


Andrim meldete sich erneut. Die Jäger beschleunigten, zogen dicht an der Station vorbei – und dann reagierte sie. Nicht mit Worten.Geschütztürme erwachten zum Leben. Erste Schüsse zuckten ins All, verfehlten ihr Ziel, aber bestätigten das Wesentliche. Dort saß jemand. Und dieser jemand war bereit, Waffen einzusetzen. Die Jäger brachen sauber unter der Station weg. Sekunden später kam ein Funkspruch von Kal Andrim mit dem Rat, die Fähre zu wenden. Die Piloten blickten zu Veran Koss der gerade im Cockpitstand.
Koss schwieg einen Moment. Nicht, weil er zögerte, sondern weil er bereits rechnete.

Im selben Augenblick lösten sich vier, augenscheinlich gekaperte RSD Light Corvetten von den Andockarmen der Station und machten sich Kampfbereit.
Für Veran Koss war ein direkter Zugriff nun ausgeschlossen. Zu viele unbekannte Faktoren und zu wenig Kontrolle.


„Flight-Lieutenant Andrim, hier Legat Veran Koss“, sagte er ruhig. „Ich werde die Station nicht stürmen. Aber ich lasse Sie nicht allein. Ich unterstelle Ihnen hiermit Temporär die dritte Jäger-Staffel der Blauen Legion. Da Sie hier definitiv der erfahrenste Pilot sind und die Staffel noch sehr neu ist. Sobald der Raum frei ist, wird mein Kommando die Station einnehmen. Wir zählen auf Sie.”

Gleich danach gab Veran Koss die Befehle an sein Kommando weiter. Die Staffel flog auf die Station und auf Kal Andrim zu und die Lambda-Fähre sowie die Transportschiffe begannen, die Distanz zur Station zu vergrößern.
Koss verschränkte die Hände hinter dem Rücken und beobachtete, wie die Corvetten langsam den Kampf mit den Jägern aufnahmen.

Sein Blick glitt kurz zur Zollstation zurück. Sie hing noch immer reglos im Hintergrund, ein massiver Körper aus Metall und Struktur, der sich nicht rührte. Keine sichtbaren Starts. Keine neuen Signaturen. Noch nicht.



[ Äußerer Rand / Prefsbelt-Sektor / Prefsbelt IV / Orbit über Prefsbelt IV / in der nähe der Zollstation Beta-03 ] Veran Koss, Kal Andrim und Ailemar Perlim (NSC) und Reyan Vexler in ihren TIE/ba, Legat Veran Koss in einer Raumfähre, sowie die TIE/ln Staffel Blue-Three und Zwei Truppentransporter
 
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Prefsbelt IV | niedriger Orbit, nahe Zollsltation Beta-03 | Kal Andrim, Ailemar Perlim (NSC) und Reyan Vexler in ihren TIE/ba, Legat Veran Koss in einer Raumfähre, begleitet von drei weiteren TIE/ba, Staffel Blue-Three der Blauen Legion in TIE/ln 12/12

Legat Koss hörte zum Glück auf Kals Empfehlung. Technisch gesehen konnte der Kuati dem Politiker keine Befehle erteilen, das bedeutete aber keineswegs, dass er für dessen Ableben nicht verantwortlich gemacht werden würde. Das war ein Problem weniger und aktuell hatten sie wirklich mehr als genug Probleme. Kal schaute auf seinen sekundären Sensorschirm. Die 12 TIE/ln würden hier nicht viel ausrichten können und die Unerfahrenheit ihrer Piloten machten die Sache nicht besser. Also beschloss er, der Blauen Legion eine Unterstützungsrolle zukommen zu lassen.

>>Blaue Legion, hier Flight-Lieutenant Andrim. Teilen Sie Ihre Staffel auf. Eine Hälfte bleibt bei der Station und sorgt dafür, dass niemand von dort entkommen kann, bis wir Verstärkung bekommen. Der Rest folgt mir in einem Kilometer Abstand und bleiben Sie wachsam. Lassen Sie sich ja nicht von diesen Turbolasern erwischen, ein Treffer genügt, wenngleich sie nicht zur Punktverteidigung ausgelegt sind.<<

Unterdessen hatten die vier Zollkorvetten schon 1.500 Höhenmeter zurückgelegt. Aber das war keine Distanz, die die wendigen und schnellen Raumjäger nicht in kürzester Zeit aufholen konnten. Lediglich die Zollstation unter ihnen konnte sie beschießen, aber die kleinen, wendigen Raumjäger konnten dem Feindfeuer relativ einfach ausweichen. Insbesondere weil die Station peinlichtst darauf zu achten schien, die Korvetten nicht zu treffen. Einige grüne Lasersalven schickten Sie aus in die hinterste Korvette, aber deren Schild schluckte das erwartungsgemäß ohne größere Probleme. Ein weiteres Mal versuchte Kal es also mit einem Funkspruch auf offener Frequenz.

>>An die Besatzungen der vier Zollkorvetten, hier spricht Flight-Lieutenant Kal Andrim vom imperialen Raumjägerkorps. Identifizieren Sie sich und nennen Sie uns Ihr Flugziel.<<

Es folgte ein langer Moment von Schweigen.

>>Hier spricht Flight-Lieutenant Kal Andrim. Zollkorvetten, identifizieren Sie sich umgehend. Anderenfalls werden Sie als feindliche Akteure betrachten und abschießen. Dies ist Ihre letzte Warnung.<<

Diesmal gab es eine Antwort...wenn man denn kreativ auslegen wollte, was als nächstes geschah. Die vier Korvetten beschleunigten zu ihrer Höchstgeschwindigkeit. Das war nichts, womit die TIEs nicht mithalten konnten, aber es war doch klar, dass sie hier mit reden nicht weiterkommen würden. Kal schaltete zurück auf eine Frequenz, den nur seine improvisierte Staffel hören konnte.

>>Na schön, sie haben es nicht anders gewollt. Blaue Legion, Schließen Sie auf. Wir nehmen die hinterste Korvette aufs Korn. Wir werden mit einer Protonentorpedosalve beginnen und sie dann unter konzentriertes Laserfeuer nehmen. Dabei bleiben wir unter dem Level der Korvette, um den Geschützen des Feindes zu entgehen. Schön nach Drehbuch.<<

Die TIE/ln der Blauen Legion benötigten einen Moment, um aufzuschließen. Zeit die Kal dazu nutzte, die zur Verfügung stehenden Sensordaten genauer auszuwerten. Worauf flogen die Korvetten da zu? Ah, da. Am Rande der Sensorreichweite seines TIE/ba tauchte eine kleine Schar Frachter auf, die sich im Landeanflug auf den Planeten zu befinden schien. Unverzüglich schaltete Kal auf einen Notrufkanal, um die Frachte zu warnen.

>>Achtung anfliegende Frachter, hier spricht Flight-Lieutenant Kal Andrim. Sie nähern sich einer aktiven Gefechtszone, brechen Sie den Anflug auf Prefsbelt IV ab. Ich wiederhole, brechen Sie den Anflug auf Prefsbelt IV unverzüglich ab und gehen in Warteposition im hohen Orbit, bis Sie weitere Anweisungen erhalten!<<

Wieder gab es keine Antwort. Scheinbar wollte heute keiner mit Kal reden, aber der Kuati hatte jetzt keine Zeit, großartig darüber nachzudenken. Sie waren bereit für den Angriff und als die TIE/ba ihre Zielerfassung auf die hinterste Korvette hatten, begann diese mit Ausweichmanövern, die unter Beweis stellten, dass der Pilot nicht wirklich mit dem Schiff vertraut war. Sie konnten die Kurswechsel problemlos kompensieren und auf Kals Befehl hin schossen die 6 TIE/ba nicht weniger als ein Dutzend Protonentorpedos auf die Korvette ab, die auch alle ihr Ziel fanden.

Sicher, die Torpedos waren an sich dafür ausgelegt, kleine schnelle Ziele wie Bomber oder sogar Abfangjäger zu verfolgen, aber ein ganzes Dutzend brachte selbst eine Korvette in Schwierigkeiten. Kurz nach dem Einschlag der Torpedos eröffneten Sie mit ihren Lasern das Feuer und es dauerte tatsächlich nicht lange, bis die Schilde der Korvette versagten und Panzerplatten zu schmolzen begannen. Eine zweite Salve an Torpedos gab ihr dann den Rest und ließ sie in einer beeindruckenden Explosionsreihe vergehen.

Damit war ein von vier Zielen ausgeschaltet, leider hatten sie dafür nicht weniger als die Hälfte der zur Verfügung stehenden Torpedos benötigt. Aber
Kal hatte auch hier, nicht viel Zeit, über das Problem länger nachzudenken. Urplötzlich explodierte der Sensorschirm mit einer Vielzahl von neuen Transpondersignalen. Nicht weniger als 16 Cloakshape Raumjäger waren aus dem Nichts aufgetaucht. Wo waren sie hergekommen? Sie waren noch viel zu tief im Masseschatten des Planeten als dass sie aus dem Hyperraum gekommen sein konnten.

Die Flugbahnen der Raumjäger ließen sich zu den Frachtern zurückverfolgen und das weckte böse Erinnerungen für den Kuati. Genau dieselbe Taktik hatte er schon in einer zurückliegenden Kampagne beim Kampf gegen Piraten erlebt. Wie auch immer, sie befanden sich jetzt in der Unterzahl und
Kal war alles andere als zuversichtlich, dass die Legionäre hinter ihm sonderlich viel würden ausrichten können. Also abgesehen davon, zu sterben, natürlich. Also funkte der Kuati sein Trägerschiff im Orbit über ihnen an.

>>Hier spricht Flight-Lieutenant Kal Andrim. Flugkontrolle, können Sie mich hören? Die Lage hat sich zu unserem Nachteil entwickelt. Wir verfügen nicht über genug Feuerkraft, um alle vier Korvetten auszuschalten und der Feind hat zusätzlich noch Jägerunterstützung erhalten, die uns zahlenmäßig überlegen ist. Ich erbitte schnellst mögliche Unterstützung.<<

Die Kommunikationsstation des Trägerschiffs bestätigte Kals Anfrage, doch die tatsächliche Antwort ließ auf sich warten. Sein Blick ging auf die Uhr auf einem Sekundärbildschirm. Captain Sunstrider war mit dem Rest der Beta-Staffel auf den Weg hierher, aber noch mindestens 15 Minuten entfernt. Das sah alles andere als gut aus.

Prefsbelt IV | niedriger Orbit, nahe Zollsltation Beta-03 | Kal Andrim
, Ailemar Perlim (NSC) und Reyan Vexler in ihren TIE/ba, begleitet von drei weiteren TIE/ba, Staffel Blue-Three der Blauen Legion in TIE/ln 12/12
 
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