Meine Mutter ist in Altersteilzeit gegangen. Warum? Weil sie sich mit Ü60 den Alltag im Kindergarten nicht mehr geben wollte und konnte. Sie hat ihren Job geliebt, zu viel wohl, sie hat sich da nämlich reingehängt und es war dann einfach wirklich einfach Zeit für sie, aufzuhören - damit sie gesund bleibt und noch ein paar gesunde psychische Jahre hat.
Erzieherin ist kein körperlich hoch anspruchsvoller Beruf, auch geistig bringt man da in dem Sinne keine Höchstleistungen und es ist auch niemand lebensgefährdet, wenn man mal einen schlechten Tag hat. Trotzdem habe ich gesehen, was es aus ihr machte, als sie draußen war. Noch 2, 3 Jahre mehr kann in dem Alter einen enormen Unterschied machen. Ich merke, wie meine Eltern immer mehr körperliche Probleme bekommen - jetzt sind sie beide 67 und wirklich verflucht sportliche Menschen, vor allem mein Vater. Trotzdem sind ihre Körper nicht mehr fit, trotzdem muss mein Vater andauernd zur Physio und zu Orthopäden etc. Und auch er hatte keinen körperlich anspruchsvollen Beruf.
Menschen ab 60 werden rapide älter, selbst, wenn sie sich fit halten. Jetzt können meine Eltern noch, wie sie wollen. Ich weiß nicht, ob das in zwei, drei Jahren noch so aussieht.
[Dazu kommt: Wir brauchen sie dringend als Babysitter. Ohne meine Eltern könnte ich nicht arbeiten, weil mein Job nun mal Nachmittagsarbeit erfordert und unser Dorfkindergarten nur bis 15 Uhr offen hat bzw mein Sohn auch nur 7h gehen darf. So kann ich wenigstens einen Nachmittag arbeiten und meine eigene miserable Rente vielleicht minimal aufbessern. Setzt das Rentenalter hoch und tausende kostenlose Babysitter gehen verloren. Sicher, das machen nicht alle Großeltern, gar keine Frage, aber absolut genug, dass das relevant sein könnte. Sieht nur niemand, weil die Realität von arbeitenden Frauen gar nicht wirklich bedacht wird. Danke auch dafür...]