Tales of the Galaxy - Unsere Kurzgeschichten

Das Piratennest Teil II
Dur Tovi mit 29 Jahren

Endlich war der Lieutenant Commander von der Besprechung zurück. Lieutenant Tovi war schon kurz davor gewesen, eine Nachricht zu senden. Denn solche Besprechungen konnten zwar lange dauern - aber doch nicht so lange... oder war es nur seine Ungeduld, die ihm die Zeit wie Honig fließend wahrnehmen ließ? Wie auch immer. Es stellte sich heraus, dass das gefundene Piratennest auch ein Umschlagpunkt für diverse verbotene Distanzen war - und daher auch wesentlich stärker verteidigt als angenommen. Sein Vorgesetzter teilte der Krew mit, dass sie dennoch schnell zuschlagen sollten - damit die Piraten ja keinen Wind bekamen. Aber bis die Verstärkung in Form von mehreren VSDs einträfe, sollten sie sich keinesfalls zu tief in den feindlichen Raum wagen und auch Zweikämpfe vermeiden.
"Sir, heißt das, dass wir wie gewohnt unsere Position zwischen unseren Hangarn und den Gegnern einnehmen sollen und dabei so viele angreifende Jäger wie möglich auf uns lenken und vernichten?", fragte Tovi schließlich nach. Sein Vorgesetzter brummte. Dann nickte er verdrossen. "Ich weiß: Keine Position, in der wir Ruhm und Ehre ernten können. Aber zumindest unsere Kanoniere können Erfahrungen und wichtige gesicherte Abschüsse sammeln", flüsterte er dann dem Lieutenant zu. Und dieser konnte ihn verstehen. Ein guter Auftrag für die Mannschaft, die durch gute und aufgezeichnete Leistung Belobigungen und Beförderungen einstreichen konnte, ohne in allzu großes Risiko zu geraten. Aber für sie beide, die sie eine Karriere als leitende Offiziere anstrebten, war das die Art von Mission, die in der Vita nichts bringen würde. Sie brauchten Heldentaten und mussten auf sich aufmerksam machen - zumindest bis sie einen gewissen Rang erreichten.
"Ab dann heißt es: Sein Leben nicht unnötig aufs Spiel setzen, sondern durch Offizierspolitik, Verbindungen und den prestigeträchtigen Einsätzen seine Stellung zu untermauern, bis man von anderen Höherrangigen hochgezogen wird", erinnerte sich
Tovi an die Aussage eines alten und ziemlich zerbrochen wirkenden Commodores a.D., dem er in seiner Akademiezeit einmal von einer Kneipe zu seiner Unterkunft gebracht hatte.
Und er hoffte inständig, dass da nur die Verbitterung eines alten Mannes gesprochen hatte und nicht die ernüchternde Wahrheit der Erfahrung. Denn wenn sich nicht die besten Strategen und Taktiker durchsetzten, würde das Galaktische Imperium seiner Aufgabe, Frieden und Stabilität zu bringen, nicht nachkommen. Gleichzeitig schadete es sicher nicht - so abstoßend der Lieutenant das auch fand - diesem Ratschlag im Hinterkopf bei seinem Handeln zu haben. Er war sich nämlich sicher, dass er -
Dur Tovi - in einer entsprechend hohen Position wirklich die Galaxis sicherer machen könnte. Dazu müsste er aber eine solche erreichen. Was bedeutete: Glanzleistungen und Heldentaten erzielen, ein eigenes Schiffkommando zu bekommen, weiter zu überzeugen und schließlich Captain oder vielleicht sogar Commodore zu werden. Und er war reflektiert genug, dass mit seinen bisherigen Leistungen und den Ergebnissen an der Akademie schon der Rang des Captains für ihn in kaum zu erreichender Ferne lag. "Daher werde ich also büffeln und beißen und mir den Erfolg erringen - wie es sich für einen wahren Offizier ziemt", sprach er sich selbst Mut zu.

Und wurde dann aus seinen Gedanken gerissen, als er den nächsten Befehl erhielt.
"Tovi, zurück ans Steuer. Wir werden jetzt aufbrechen. Wir müssen schnell und präzise sein, damit unser Angriff die Piraten überrumpelt. Und wir werden uns in der ACCs halten. Sie sind unser bester Schutz gegen die Kreuzer der Piraten." Tovi nickte zackig und setzte sich wieder an seinen Platz. Dort leuchteten auch schon die Koordinaten auf. Er musste kurz keuchen - klickte sich dann durch die verschiedenen Karten des Bordcomputers. Und er hatte leider Recht. Die Piratenbasis lag direkt an dem Rand eines Weltraumnebels. Das heißt, ihre Sensoren würden zwischen 30-50% ihrer Genauigkeit einbüßen - wenn es schlecht lief, sogar noch mehr. "Da hat sich der Abschaum aber leider ein gutes Quartier gewählt", sprach er eigentlich zu sich selbst, allerdings laut genug, dass ihn nicht nur seine Kollegen, sondern auch der Lieutenant Commander hörte. "Pah. Das mag zwar stimmen - aber wir sind besser ausgebildet als sie. Und vor ein Bisschen Nebel muss man sich nicht fürchten. Außerdem behindert dieser Nebel deren Sensoren mindestens so stark wie unsere", polterte dieser los. Tovi stieg die Schamesröte ins Gesicht; wieder einmal hatte er einen wichtigen Faktor übersehen. Andererseits sollte eine Mannschaft die Gefahr nie unterschätzen, wenn die Sensoren nicht absolut präzise funktionierten. Im All konnten Meter und Zentimeter den Unterschied bei Katastrophen machen. Oder sie erlaubten es, ein Geschoss rechtzeitig zu sehen und abzufangen - oder aber von diesem auf dem falschen Fuß überrumpelt und dann getroffen zu werden. Dieser Einsatz würde kein Spaziergang werden. Dann räusperte sich Tovi und zwang sich zu einem Lächeln: Das würde kein Spaziergang werden - aber vielleicht umso mehr eine Chance, zu zeigen, dass er mehr war als Brückenoffizier. Und dann fokussierte er sich nochmal auf seine Feinde. Die Piraten - so viel Leid und Elend durch diese Gesetzlosen. Neben all seiner Karriere und seinen Prinzipien musste er hier erfolgreich sein - auch, um seine Eltern zu rächen.
Mit dieser Motivation, die alle Sorge und Zweifel verdrängte, gab er die Koordinaten der Piraten-Basis ein und aktivierte den Hyperraumsprung.


Fortsetzung folgt...
 
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