Ich finde, bei Filmdiskussionen wird oft vergessen, dass Menschen Filme komplett unterschiedlich wahrnehmen. Jeder bringt seine eigenen Erfahrungen, Erwartungen und Vorlieben mit. Deshalb kann derselbe Film auf zwei Menschen völlig unterschiedlich wirken. Der eine sieht einen tiefgründigen Charakterfilm, der andere einen langweiligen Film, in dem nichts passiert. Beide Sichtweisen können ehrlich gemeint und nachvollziehbar sein.
Genau deshalb finde ich andere Perspektiven auf Filme meistens interessanter als die reine Bestätigung der eigenen Meinung. Wenn alle nur schreiben, dass ein Film genial oder schlecht ist, bringt das kaum etwas. Spannend wird es erst dann, wenn jemand Dinge im Film sieht, auf die man selbst nie geachtet hat. Manchmal verändert so eine Sichtweise sogar den eigenen Blick auf einen Film im Nachhinein.
Ich habe auch das Gefühl, dass heute oft so getan wird, als müsse jede gute Geschichte zwangsläufig von einer großen Charakterentwicklung leben. Natürlich kann das ein wichtiger Teil eines Films sein. Aber die Filmgeschichte ist voll von großartigen Filmen, die ganz anders funktionieren.
Nimmt man zum Beispiel Zwei glorreichen Halunken. Weder der Blonde, noch Tuco oder Sentenza machen eine klassische Entwicklung durch. Sie werden keine besseren Menschen, lernen keine große Lektion und verändern sich im Kern kaum. Trotzdem lieben viele den Film. Nicht wegen einer inneren Wandlung der Figuren, sondern wegen der Atmosphäre, der Spannung, der Inszenierung, der Musik und der Dynamik zwischen den Charakteren. Der Film lebt von seinen Bildern, seiner Stimmung und diesem ständigen Kräftemessen zwischen den Figuren.
Das gilt für viele ältere Abenteuerfilme oder Western. Die Hauptfiguren sind dort oft eher feste Typen oder Archetypen. Gerade das macht ihren Reiz aus. Nicht jede Geschichte muss psychologisch funktionieren, um stark zu sein. Manche Filme leben mehr von Stil, Rhythmus, Dialogen oder einer besonderen Stimmung.
Deshalb finde ich es immer etwas schwierig, wenn Filme nur noch nach festen Kriterien bewertet werden. Kunst funktioniert selten so eindeutig. Oft liegt gerade in dem anderen Blick auf einen Film das Interessanteste an einer Diskussion.