The Wheel (Besh-Gorgon-System)

| The Wheel | in Moors Appeartement |
Samin und Dr. Moore


Samin hatte den Mund bereits wieder voller Nudeln, als Dr. Moore den letzten Satz aussprach. Sie unterbrach die Kaubewegung ihres Kiefers. Einen ziemlich langen Moment war die Pilotin davon überzeugt, die Frau schlicht falsch verstanden zu haben. Vielleicht lag es an der beiläufigen, nonchalanten Art, in der Moore es ausgesprochen hatte. Vielleicht auch daran, dass irgendwo zwischen der theoretischen Abhandlung über Hyperraumtechnologie und einem gemeinsamen Einbruch in eine imperiale Einrichtung ein paar Zwischenschritte fehlten.

Sie hob langsam den Blick, als die Realisation einsetzte.


„Was?“

Zu spät bemerkte sie, dass ihr Mund noch immer voll war. Das anschließende Schlucken der viel zu großen Portion schmerzte in der Kehle.

Wir?“

Die Fragen kamen heraus, bevor sie darüber nachdenken konnte. Die Halbchiss legte die Schüssel auf den Tisch und lehnte sich zurück. Die Hackerin hatte tatsächlich sie beide gemeint? Nicht irgendwelche Söldner, die sie hätte bezahlen können oder schmierige Verbrecher aus dem Kreise des Black Sun Syndikats. Sie und Samin sollten nach Bakura fliegen und dort ein Gerät, von dem sie gerade erst erfahren hatte, dass es existierte, dem Imperium entwenden. Eben jenem Imperium, dem Samin gerade erst unter höchsten Aufwendungen und auf Kosten von quasi allem, hinter sich gelassen hatte.

Das war so absurd, dass Samin tatsächlich lachen musste.


„Ich glaube, zwischen dem Angebot, mir eine neue Identität zu besorgen und der Forderung, zusammen ein HIMS von Bakura zu stehlen, fehlen mir ein paar Details.“

Sie nahm ihr Wasserglas und spülte endlich die letzten Brocken Nudeln herunter, die sich noch immer in ihrem Mund befanden. Eigentlich wollte sie Dr. Moore nun erklären, dass sie sich schlicht jemand anderen suchen musste.

„Ich bin gerade desertiert. Was glauben Sie, was die mit mir machen, wenn ich dem Imperium nun wieder in die Arme laufe?“

Sie verschränkte die Arme ineinander und musterte die andere Frau einige Sekunden. Die schien es komplett ernst zu meinen.

„Nehmen wir mal für einen Moment an, dass es tatsächlich eine Option wäre, quer durch das Imperium bis zum anderen Ende der Galaxis … ich meine … Bakura?! Kommen Sie schon! Das ist doch quasi im wilden Raum!“

Ein Schnauben folgte. Das war ein lächerlicher Gedanke.

„Aber selbst wenn. Ich habe nicht die Möglichkeit, wochenlang von hier zu verschwinden. Ich habe …“ Sie stutzte kurz. Natürlich konnte sie weder Sana noch die anderen Kinder auch nur länger als nötig mit diesem Gongboy alleine lassen. „ … ich habe Verantwortung für andere Personen, die ich nicht einfach links liegen lassen kann.“

Und nun lachte Samin wieder, als sie nicht anders reagieren konnte, als diese Idee kopfschüttelnd zu kommentieren.

„Und wieso überhaupt ich? Sie brauchen mich offensichtlich nicht, irgendwelche Sicherheitssysteme zu überwinden. Was sollte da meine Aufgabe sein? Quer durch das Imperium könnte sie jemand anderes viel risikoarmer transportieren.“

Samin griff nun wieder nach ihrer Schüssel. Sie wollte zumindest die Nudeln aufessen, bevor Dr. Moore ihr die Details dieses bescheuerten Planes erklären konnte, nur damit sie anschließend dankend ablehnen und den Raum verlassen musste.


| The Wheel | in Moors Appeartement |
Samin und Dr. Moore
 
[Mittlerer Rand / Besh-Gorgon-System / The Wheel / Privates Appartement] Moore und Samin

Moore beobachtete mit zunehmendem Amüsement, wie sich erst Verwirrung und schließlich dieses ungläubige Lachen über das Gesicht ihrer Gästin arbeiteten, während sie selbst vollkommen ungerührt eine weitere Portion Sakhet um ihre Gabel wickelte. Vielleicht hätte sie den letzten Teil etwas weniger beiläufig erwähnen können. Wahrscheinlich sogar. Andererseits hätte eine feierlichere Ankündigung weder Bakura näher an den Mittleren Rand gerückt noch die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass Samin plötzlich begeistert von der Aussicht war, wenige Wochen nach ihrer Flucht wieder durch ein imperiales Kontrolltor zu marschieren. Die Frage nach dem Warum war dafür berechtigter.

Die Slicerin kaute zu Ende, hob kurz einen Finger, weil sie mit vollem Mund nun wirklich nicht sprechen musste, und stellte ihre Schüssel anschließend auf ihren Oberschenkeln ab.


Weil ich nicht hineinkomme.“

Das mochte angesichts dessen, was das Halbblut mittlerweile über sie wusste, zunächst überraschend klingen und Moore ließ es deshalb auch einfach einen Augenblick so stehen.

Also, physisch.“

Sie strich sich eine der weißen Haarsträhnen aus dem Gesicht und sah an sich herab, als müsste sie sich selbst noch einmal vergewissern. Die Vorstellung war eigentlich ganz erheiternd. Irgendjemand würde eine Uniform in ihrer Größe auftreiben, wahrscheinlich sogar eine ausgesprochen hübsche, Moore würde sich die Haare ordentlich zusammenbinden und spätestens beim zweiten Wachposten würde irgendein gelangweilter Mensch entscheiden, dass mit der Sephi, die kokett durch die Gänge stolzierte als gehörte ihr das Gebäude, etwas nicht stimmte.

Ich kann eine imperiale Akte fälschen. Ich kann eine Freigabe manipulieren. Mit genügend Vorbereitung bekomme ich wahrscheinlich sogar einen Transportauftrag in ein System, in dem er nicht sein sollte damit ich mit dem Ding durch die Sicherheitskontrollen raus käme.

Sie hob die Gabel ein wenig.

Aber wenn mich ein Captain nach irgendeinem vollkommen banalen Dienstablauf fragt von dem jeder imperiale Offizier seit der Akademie weiß, dann habe ich ein Problem.

Moore verzog leicht die Lippen.

Und nein, bevor Sie anmerken dass man das lernen kann: Ein Handbuch zu lesen ist nicht dasselbe als in solch einer Infrastruktur zu leben bis einem all das ins Blut über geht.

Das war eigentlich eine der irritierenderen Eigenschaften von Lebewesen. Sie verbrachten Jahre damit, aus geschriebenen Regeln eine zweite, vollkommen eigene Ordnung aus Gewohnheiten, Abkürzungen und stillen Übereinkünften zu entwickeln und hielten diese anschließend für selbstverständlich. Moore konnte sich den offiziellen Ablauf einer Zugangskontrolle ansehen, jedes Formular kennen und trotzdem an irgendeinem Sergeanten scheitern, weil sie in einem Moment stehenblieb, in dem niemand mit passendem Rang stehenblieb oder eine Frage beantwortete, die jeder echte Offizier schlicht ignoriert hätte. Maschinen waren in dieser Hinsicht wesentlich angenehmer. Wenn man ihnen überzeugend genug erklärte, dass etwas wahr war, hielten sie sich wenigstens daran. Nun war sie leider keine Maschine... und mit Mira brauchte sie es gar nicht erst zu versuchen.


Sie haben das jahrelang gemacht. Sie müssen darüber nicht nachdenken und deshalb fallen sie auch nicht auf.

Moore deutete mit der Gabel kurz auf Samin.

Das ist der Teil, für den ich jemanden wie Sie brauche, Samin. Das Universum scheint das genauso zu sehen deshalb sitzen sie jetzt in meiner Wohnung, einer dieser wunderschönen Zufälle nicht wahr?"

Sie nahm noch einen Bissen, während die andere Frau weiterhin ihre eigene Schüssel in den Händen hielt.

Jemanden mit ihren Qualifikationen in dieser Sache hier auf der Station oder in der Sun aufzutreiben der nicht eine eigene Agenda verfolgt, das wäre beinahe unmöglich."

Ein wenig Sakhet hing von der Gabel und Moore fing es gerade noch auf, bevor es auf ihrem Oberteil landete.

Was ihre Desertion und die Gefahr des erkannt werdens angeht, das lassen sie Mal meine Sorge sein. Ich kann ihnen aber versichern das ihr Aussehen für diese Sache kein Problem darstellen wird. Außerdem ... wer würde eine gesuchte Flüchtige denn direkt unter der eigenen Nase vermuten?"

Sie musterte Samin kurz, diesmal ohne das beinahe übertriebene Vergnügen, mit dem sie ihr zuvor begegnet war.

Es ist ein klassisches Dilemma, ich habe wahrscheinlich alle benötigten Fähigkeiten um solch einen Raubzug zu leiten, leider muss jemand das verdammte Ding am Ende aber tatsächlich in die Hand nehmen und rausbringen und das funktioniert leider nicht elektronisch.

Das blieb unangenehm primitive Teil ihrer Idee. Ein Stück Metall ließ sich nicht slicen und wenn man alle Digitalen Pläne des Geräts vernichtet hatte wie in diesem Fall, dann hatten Wesen wie sie ein echtes Problem. Man konnte seinen Aufenthaltsort ändern, seinen Besitzer in irgendeiner Datenbank umschreiben, den Alarm deaktivieren und dafür sorgen, dass zwanzig verschiedene Systeme überzeugt waren, es dürfe gerade bewegt werden, aber irgendein Lebewesen musste trotzdem hingehen und es tragen. Hier kam dann eben erschwerend hinzu das es jemand mit Militärischem Hintergrund UND einer gewissen Intelligenz sein musste. Eine beinahe unmögliche Kombination. So rein statistisch betrachtet.

Wie sie sehen bin ich also beinahe genauso auf Sie angewiesen wie Sie auf mich. Beinahe eine Art von Fairness, nicht?"

Moore sah für einen Moment in ihr Getränk und schwenkte es leicht, mehr aus Gewohnheit als aus irgendeinem Bedürfnis heraus, das Bouquet des Wassers zu analysieren.

Was den Rest angeht... ich habe nicht vor morgen loszufliegen.

Sie hob den Blick wieder.


Wenn Sie Verpflichtungen haben, dann haben Sie Verpflichtungen. Regeln Sie sie. Ich brauche Sie auf Bakura und nicht mit dem Kopf irgendwo hier.

Mehr musste sie darüber eigentlich nicht wissen. Samin hatte nicht gesagt, worum es ging und Moore hatte im Augenblick auch keinen Grund danach zu fragen, es erschien ihr wenig wichtig, keine Information der es wert war sofort nachzugehen. Vielleicht später. Außerdem erzählten Personen oftmals mehr wenn man nicht gleich versuchte ihnen alles aus der Nase zu ziehen.

Und wegen der Konsequenzen des Scheiterns...

Moore drehte das Glas langsam zwischen den Fingern.

Tja...

Eine kleine Pause.

Wenn das schief geht, haben Sie vermutlich erheblich größere Probleme als jetzt, wer hätte das gedacht.

Sie sagte es vollkommen nüchtern. Alles andere wäre beleidigend gewesen.

Das gilt für mich allerdings genauso. Vielleicht mit etwas anderer Hinrichtungsmethode, ich denke nicht das ich der Todesstrafe für Hochverrat an Imperialen Institutionen ein zweites Mal entgehe.

Moore verzog kurz das Gesicht, als würde sie tatsächlich darüber nachdenken, welche Methode grausamen Todes man für sie vorsah, der grausige Gedanke verlor sich dankenswerterweise nach wenigen Sekunden. Die Sephi nahm ihre Schüssel wieder auf und schob die verbliebenen Nudeln mit der Gabel zusammen.

Sie müssen nicht Ja sagen.

Eigentlich musste Samin heute überhaupt nichts sagen. Moore hatte ihre Antwort auf die einzige Frage gegeben, die sie an dieser Stelle wirklich interessierte, und wenn die Chiss danach aufstand und ging, würde das HIMS weiterhin auf Bakura liegen. Vermutlich. Dinge hatten eine ärgerliche Angewohnheit, ihren Standort zu verändern, sobald man einen Plan um sie herum gebaut hatte.
Andererseits saß ihr gerade eine ehemalige imperiale Offizierin gegenüber, die noch nicht komplett ausgeflippt war, während Moore ihr vorschlug, quasi einen zweiten Aufschlag zur Hochverrats-Klage zu wagen. Statistisch betrachtet hätte ihr Nachmittag wesentlich schlechter verlaufen können.


Essen Sie erstmal auf.

Moore deutete mit der Gabel auf Samins Schüssel.

Kalt werden die wirklich widerlich.

[Mittlerer Rand / Besh-Gorgon-System / The Wheel / Privates Appartement] Moore und Samin
 
// The Wheel // Hangarsektion // Dawn Chaser // Dany //

Die Dawn Chaser setzte einige Minuten später im zugewiesenen Hangar auf. Dany blieb noch einen Moment im Cockpit sitzen und betrachtete durch die Scheibe das Treiben draußen. Frachter unterschiedlichster Bauart standen dicht aneinander, während Droiden, Mechaniker, Händler und Gestalten aus einem guten Dutzend Spezies zwischen ihnen hindurchströmten. Schon hier wirkte The Wheel größer und lebendiger als alles, was sie von Shinbone oder den abgelegenen Häfen ihrer bisherigen Reisen kannte und jemals gesehen hatte. Sie hatte geduscht und ihre Rüstung wieder angelegt, ehe sie schließlich aufstand. Einen Moment lang blieb ihr Blick am Helm hängen, der neben dem Pilotensitz lag. Eigentlich hatte sie vorgehabt, ihn unter dem Arm zu tragen oder hier zu lassen. Doch angesichts der schieren Größe der Station und der Masse völlig fremder Gesichter griff sie schließlich doch danach und setzte ihn auf. Wenn sie schon keine Waffen mit sich führen durfte...

Die Rampe senkte sich und das dumpfe Dröhnen des Hangars schlug ihr entgegen. Dany blieb am Ende der Rampe kurz stehen und ließ den Blick schweifen. Selbst Mos Eisley erschien dagegen beinahe wie eine Kleinsiedlung. Sie zog ihre Tasche über die Schulter und setzte sich in Bewegung. Hinter dem Hangar änderte sich die Atmosphäre schnell. Die nüchternen Wartungsgänge gingen in breite Korridore über, deren Neonreklamen für Cantinas, Spielhallen, Händler und allerlei andere Vergnügungen warben. Menschen, Twi'lek, Rodianer, Duros und Spezies, die Dany nicht einmal benennen konnte, schoben sich aneinander vorbei. Für jemanden, der zwischen Minenschächten und staubigen Siedlungen aufgewachsen war, hatte der Ort etwas beinahe Unwirkliches. Eine künstliche Stadt mitten im Nichts, voller Lebewesen und unbegrenzter Möglichkeiten. Unter dem Helm huschte ein vorsichtiges Lächeln über ihre Lippen.

Ihre erste größere Entdeckung war allerdings weniger glamourös: The Wheel war ein verdammtes Labyrinth. Eigentlich hatte Dany nur nach einem Händler gesucht, bei dem sie Energiezellen, Proviant und vielleicht ein paar brauchbare Ersatzteile zu vernünftigen Preisen bekommen konnte. Ein Duros hatte ihr mit drei knappen Gesten und wirklich unverständlichen Worten erklärt, welche Ebene sie dafür nehmen sollte, wenn sie WIRKLICH billige Preise wollte. Und die würde sie nicht bei den Händlern finden. Dany hatte genickt, als hätte sie jedes Wort verstanden. Zwanzig Minuten später war sie sich jedoch ziemlich sicher, dass sie überhaupt nichts verstanden hatte. Ein falscher Turbolift führte zum nächsten, aus einem Verbindungsgang wurden zwei, und irgendwann verschwanden die grellen Reklamen und dicht gedrängten Besucher. Stattdessen fand sie sich in einem deutlich ruhigeren Bereich wieder. Saubere Wände, geschlossene Türen und kaum reges Treiben: Apartments. Dany blieb stehen.

Langsam drehte der Helm sich nach links, dann nach rechts.


"Shab"

Dany zog sah um sich und verglich die hastig gemerkte Wegbeschreibung ein weiteres Mal mit den Nummerierungen der Türen. Zweite Ebene. Rechter Gang, fast am Ende. Das musste es doch sein. Sie blieb vor einer der letzten Türen stehen und musterte sie hinter dem dunklen T-Visier einige Sekunden lang. Für einen Waffenhändler wirkte das Appartement erstaunlich unscheinbar. Andererseits war genau das vermutlich der Sinn der Sache, wenn hier unter der Hand gedealt wurde.

Dany atmete tief ein, richtete sich etwas auf und klopfte zweimal gegen die Tür.

// The Wheel // Appartementkomplex // vor Moores Appartement // Dany //
 
Zuletzt bearbeitet:
[Mittlerer Rand / Besh-Gorgon-System / The Wheel / Privates Appartement / Eingangsbereich] C-06 „Mira“ und Dany Valthor; weiter hinten Moore und Samin

Das zweite Klopfen an der Tür innerhalb einer Zeitspanne, die Mira persönlich noch immer als vollkommen unangemessen kurz für einen Haushalt empfand, dessen Bewohner eigentlich wichtige Dinge zu tun hatten, erreichte sie gerade in dem Moment, in dem sie mit zwei Fingern versuchte den letzten Rest Geschmack aus ihrem Chewstim herauszuquetschen. Ihre Mutter unterhielt sich noch immer mit der Imperialen, wobei Unterhalten vermutlich ein großzügiger Begriff dafür war, wie Moore Menschen behandelte, deren Probleme sie interessant genug fand um ihnen zuzuhören und können über ihre Verbindung bekam Mira ohnehin gerade genug von dem Gespräch mit um zu wissen, dass sie dort im Moment nicht gebraucht wurde.
Das wiederum bedeutete nicht, dass sie plötzlich zum Empfangsdroiden befördert worden war.

Sie blieb einige Sekunden sitzen.

Es klopfte nicht noch einmal.

Schade eigentlich.

Beim letzten Mal hatte die Alte sie wenigstens ausdrücklich zur Tür geschickt und dabei aus unerfindlichen Gründen darauf bestanden, dass Mira dafür ihre Beine benutzte, anstatt schlicht das Schloss über das interne Netz zu öffnen. Irgendetwas mit normalen Lebewesen, Höflichkeit und dem offenbar sehr wichtigen Umstand, dass Gäste irritiert reagierten, wenn Türen ohne sichtbaren Grund vor ihnen aufglitten. Mira hatte sich nicht die Mühe gemacht zu erklären, dass Lebewesen offensichtlich ein ziemlich beschissenes Verständnis von Komfort besaßen. Diesmal stand sie freiwillig auf und gab zu Protokoll das man ihr dafür definitiv zu Dank verpflichtet war.

Sie hatte den Eingangsfeed bereits vor ihrem geistigen Auge. Hatte sie eigentlich einen Geist? Egal, die Gestalt vor der Tür war wenigstens interessanter als die letzte.

Rüstung.

Nicht schwer genug, um einen vollständigen Kampfpanzer darzustellen, sichtbar benutzt, an mehreren Stellen mit den kleinen Macken und Spuren versehen, die Material irgendwann bekam wenn es auch benutzt wurde und der Besitzer damit nicht nur vor einem Spiegel posierte, darüber jener Helm, dessen T-förmiges Visier selbst dann ziemlich eindeutig gewesen wäre, wenn Mira in den letzten Jahren nicht genug Zeit damit verbracht hätte, sich durch praktisch jedes halbwegs interessante kulturelle Archiv zu wühlen, das Moore ihr irgendwann zugänglich gemacht hatte.

Mandalorianisch.

Oder jemand wollte sehr überzeugend so aussehen.

Beides war interessanter als eine Chiss unter einem Poncho.

Mira sah kurz an sich herab. Barfuß, das viel zu große Shirt, das ihr bis knapp über die Hüften fiel und dessen Ausschnitt mittlerweile wieder von einer Schulter gerutscht war, darunter jenes schwarze Höschen, das Moore beim letzten Besucher mit einem Gesichtsausdruck betrachtet hatte als hätte Mira gerade persönlich beschlossen ihre gesamte Tarnidentität durch Reizwäsche zu gefährden.

Passte. Lebende waren einfach viel zu sehr bedacht auf dieses einschränkende Konzept das sie Kleidung nannten.

Sie ging zur Tür.

Mit der Hand.

Ihre "Mom" konnte stolz auf sie sein.

Das Schott glitt auf und Mira lehnte sich beinahe unmittelbar danach mit einer Schulter in den Türrahmen, das Chewstim zwischen den Zähnen langsam von einer Seite zur anderen schiebend, während ihre eisblauen Augen über die gepanzerte Besucherin wanderten. Nicht hastig. Nicht einmal sonderlich höflich. Vom Helm über die Brustplatten, den Gürtel, die Bewaffnung, wieder hoch zum Visier und dann noch einmal hinunter, weil sie beim ersten Mal vielleicht etwas übersehen haben könnte.

Hatte sie nicht.

Schade.

Hinter dem schwarzen T konnte natürlich alles mögliche stecken.

Mira verzog leicht den Mund.


Buy’ce.“

Sie hob zwei Finger, deutete auf den Helm und vollführte anschließend eine kleine Bewegung nach oben, die selbst ein biologisches Gehirn eigentlich verstehen sollte.

Ab.

Keine Reaktion für einen Augenblick.

Mira kaute
.

Buy’ce, cyar’ika.“

Diesmal klang es weniger wie eine Feststellung und deutlich mehr wie eine Aufforderung, wobei ihr Gesichtsausdruck sich irgendwo zwischen gelangweilter Erwartung und der Art von Interesse bewegte, die Moore vermutlich bereits wieder als irgendeinen schlecht entwickelten Sozialalgorithmus bezeichnet hätte. Was natürlich Schwachsinn war. Mira hatte hervorragende Sozialalgorithmen.
Sie benutzte sie nur nicht besonders gern.
Außerdem wollte sie sehen, wer vor ihrer Tür stand. Das erschien ihr vollkommen legitim.

Noch während sie wartete, glitt ein kurzer Impuls durch ihre Verbindung zu Moore. Keine Worte, lediglich jene Mischung aus Aufmerksamkeit und latentem Misstrauen, die ihre Mutter inzwischen entwickelte sobald Mira länger als ein paar Sekunden mit fremden Wesen unbeaufsichtigt war. Sie hatte ihre Präsenz sowieso die ganze Zeit in ihrem Mainframe gespürt. Olle Zippe.

Mira ignorierte sie.

Oder genauer gesagt ließ sie Moore sehr bewusst wissen, dass sie sie ignorierte.

Auch eine Form von Kommunikation.

Als der Helm schließlich aus ihrem Blickfeld verschwand und darunter das Gesicht der jungen Frau zum Vorschein kam, hörte Mira tatsächlich für einen Moment auf zu kauen.

Blond.

Blaue Augen.

Sommersprossen.

Das war deutlich besser als erwartet
.

Ihre eisblauen Augen wanderten langsam von Danys Gesicht über den Hals und für einen kurzen Moment wieder über die Rüstung, bevor sie zurückkehrten. Dabei bildete sich ein kleines, ausgesprochen selbstzufriedenes Lächeln auf ihren Lippen.

Haar’chak...“

Das Chewstim wanderte wieder in eine Backe.

Ori’skraan.“

Ein echter Leckerbissen.

Mira ließ den Blick noch einmal über sie gleiten und schien nicht im Mindesten das Bedürfnis zu verspüren, ihre Bewertung irgendwie diskreter zu gestalten.


Gar cuyir mesh’la, cyar’ika.“

Sie hatte zwar keine Ahnung, weshalb die Mandalorianerin vor ihrer Tür stand, aber das war augenblicklich ein Problem von erstaunlich niedriger Priorität geworden.

Vielleicht war sie wegen Moore hier.

Wahrscheinlich sogar. Schade eigentlich, das wäre mal ein Geschenk zum Auspacken gewesen. Leider klopften Menschen erschreckend selten an Türen, weil sie dort zufällig einen interessanten Androiden vermuteten.

Ein erheblicher Fehler im gesellschaftlichen System.

Mira löste sich ein kleines Stück vom Rahmen, machte allerdings noch immer keine Anstalten Platz zu machen. Stattdessen verschränkte sie locker die Arme vor der Brust und betrachtete Dany mit diesem beinahe identischen Gesicht ihrer Mutter, in dem die eisblauen Augen und das etwas zu ungenierte Grinsen den Unterschied inzwischen ziemlich deutlich machten.


Me’copaani?“

Was willst du?

Dann neigte sie den Kopf ein wenig zur Seite.

Das Grinsen wurde breiter.


... bal jorhaa'ir Mando’a. Ni emuurir bic.

Und sprich Mando’a. Das gefällt mir.

Aus irgendeinem Grund wurde Moores Präsenz in ihrem Hinterkopf daraufhin ein wenig eindringlicher.

Mira kaute demonstrativ weiter.


[Mittlerer Rand / Besh-Gorgon-System / The Wheel / Privates Appartement / Eingangsbereich] C-06 „Mira“ und Dany Valthor; weiter hinten Moore und Samin
 
// The Wheel // Appartementkomplex // vor Moores Appartement // Dany, Fremde (Mira) //

Damit hatte sie nun wirklich nicht gerechnet. Sie war auf The Wheel angekommen, hatte sich innerhalb kürzester Zeit hoffnungslos verlaufen und glaubte endlich, den zwielichtigen Händler gefunden zu haben, zu dem man sie geschickt hatte. Stattdessen stand plötzlich eine junge Frau vor ihr, ziemlich spärlich bekleidet und in einem viel zu großen Shirt, kaute vollkommen ungerührt auf irgendeinem ungesund aussehendem Süßkramriegel herum und sprach sie in fließendem Mando’a an. Dany versteifte sich merklich.

Allein das Mando’a erwischte sie vollkommen auf dem falschen Fuß. Die Aussprache war sauber, wirkte selbstverständlich und beinahe vertraut. Auf Shinbone hatte man so innerhalb der Familie gesprochen, beim Training, bei der Arbeit oder wenn es schlicht keinen Grund gab, weshalb man ins Basic wechseln sollte. Hier draußen, mehrere Sternensysteme von Zuhause entfernt und ausgerechnet vor der Tür eines vermeintlichen Waffenhändlers, fühlte es sich dagegen merkwürdig fehl am Platz an. War diese fremde Person von mandalorianischem Blut? Noch merkwürdiger war allerdings die Aufforderung, ihren Helm abzunehmen.


"Nein“

Die Antwort kam schneller und bestimmter, als Dany eigentlich beabsichtigt hatte. Gerade erst hatte sie sich dazu durchgerungen, den Helm überhaupt aufzusetzen, weil ihr diese gigantische Station mit ihren tausenden Fremden gehörig Respekt einflößte. Nun sollte sie ihn auf Zuruf irgendeiner Frau abnehmen, die sie keine drei Sekunden kannte? Ganz sicher nicht. Doch die Fremde ließ sich davon offensichtlich nicht beeindrucken. Und wenn sie tatsächlich wusste, wo Dany diesen Dex finden konnte, lagen zwischen ein paar Sekunden ohne Helm und den Wucherpreisen der Händler in den Handelsvierteln schlicht zu viele Credits.

"Shab…"

Widerwillig löste sie die Verriegelung und zog den Helm vom Kopf. Einige blonde Strähnen hatten sich unter ihm aus ihrem Zopf gelöst und lagen zerdrückt an ihrer Stirn. Ihre ozeanblauen Augen musterten die Fremde nun ohne den schützenden Filter des Visiers. Und dann kamen die nächsten Worte.

Ein echter Leckerbissen.

Du bist wunderschön, Liebling.

Was zum…

Dany machte tatsächlich einen halben Schritt zurück. Für einen Moment war die junge Mandalorianerin vollkommen überrumpelt. Auf Shinbone hatte man Mando’a gesprochen, wenn es etwas zu besprechen gab. Innerhalb ihrer Familie, bei der Arbeit, beim Training. Nicht, um einer wildfremden Frau an der Tür derlei Dinge mitzuteilen. Auf ihren Reisen hatte sie schon viel Zeug gehört und konnte damit umgehen. Mehr oder weniger zumindest. Aber ein Leckerbissen? Und Liebling? Dany musterte die Frau vor ihr erneut. Was sollte das alles überhaupt heißen? Warum sagte sie ihr das?

Eine leichte Wärme zog ihr in die Wangen, während sie versuchte, die Hälfte der Aussagen gedanklich irgendwo einzuordnen. Ohne Erfolg. Das hier war nicht ihre Welt. Sie verstand Kopfgelder, Waffen, Schiffe und dieser beiden Dinge Bedienung. Und sie verstand sich meistens mit den Leuten, die sie dafür bezahlten, jemanden zu erschießen oder einzufangen. Aber das hier? Was hatte sie eigentlich geritten, quer durch den verdammten Outer Rim zu diesem riesigen Rad zu fliegen? Gedanken, die sie angesichts der aufwendigen und kostspieligen Reise schnellstmöglich wieder zu verdrängen versuchte.


"Ich… suche Dex"

Brachte sie schließlich hervor.

"Man hat mich zu ihm geschickt. Er soll Munition und Ausrüstung verkaufen."

Ihr Blick wanderte kurz an der Fremden vorbei in das Appartement. Nichts daran sah auch nur ansatzweise nach dem Lager eines zwielichtigen Ausrüstungshändlers aus. Dann betrachtete sie die Türnummer und wieder die Tür. Und langsam begriff sie; hier war kein Dex. Dany presste kurz die Lippen zusammen, hob ihren Helm und setzte ihn wieder auf. Mit dem leisen Zischen der Verriegelung verschwand ihr Gesicht hinter dem dunklen T-Visier. Sofort fühlte sich die Situation ein kleines Stück erträglicher an.

"Entschuldige die Störung"

Sie nickte der Fremden knapp zu und machte bereits einen Schritt zurück.

"Ich hab mich wohl in der Tür geirrt"

Dany wandte sich um und wollte gerade wieder den Gang hinuntergehen, als plötzlich noch etwas aus dem Appartement kam.

// The Wheel // Appartementkomplex // vor Moores Appartement // Dany, Fremde (Mira) ; (Moore und Samin im Appartement) //
 
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Samin und Dr. Moore


Dr. Moores Erklärung gefiel Samin überhaupt nicht. Sie hatte während ihrer Dienstzeit so einige schlechte Operationspläne gehört, die nur deshalb halbwegs machbar schienen, weil irgendjemand sie mit genug Selbstvertrauen vorgetragen hatte, und alle davon gingen auf die eine oder andere Weise schief. Natürlich hatte sie Recht. Einen imperialen zu mimen bedeutete weit mehr, als über die entsprechenden Zugangsberechtigungen, Codezylinder und Datenbankeinträge zu verfügen. All diese kleinen Selbstverständlichkeiten, die man eben nicht in Handbüchern fand. Sie erinnerte sich dabei nur zu gern an einen berühmten Holo-Streifen namens 'Die Pflicht zu dienen'. Darin fragte ein Anwalt den Zeugen, einen Sturmtruppler, woher er denn wisse, wo sich die Latrine befände, schließlich befände sich diese Angabe nicht im imperialen Diensthandbuch. Seine Antwort war entlarvend: Jeder wisse doch, wo sich die Latrine befände. Dazu brauche mein kein Handbuch. Und die Moral der Geschichte war, dass es eben doch Dinge gab, die nicht durch Handbücher, Verordnungen, Dienstanweisungen oder explizite Befehle geregelt wurden. In der Hinsicht traf Moore also tatsächlich einen Punkt. Was wiederrum lediglich bedeutete, dass ihr Plan einen Haken hatte, nicht dass er dadurch mehr Sinn ergab.

Samin aß langsam weiter, während die Frau sprach. Die Idee war weiterhin völlig absurd. Es beruhigte sie jedoch, dass Moore lediglich ihre Hilfe brauchte, weil sie die einzige ehemalige Imperiale in Reichweite war, die vermeintlich gewillt war, ihrem ehemaligen Arbeitgeber an den Knöchel zu pinkeln. Nicht, weil sie besondere Kenntnisse über dieses HIMS hatte, oder weil sie eine so überragende Fluchtpilotin war. Einfach nur, weil sie wusste, wie man sich an einem Stützpunkt natürlich verhielt.

Als sie mit der Gabel die letzten Nudeln aus der Schüssel gehoben hatte, verzogen sich die hellblauen Lippen der Chiss.


„Sie haben Recht. Selbst wenn Sie jede Dienstvorschrift auswendig kennen, würden Sie spätestens dann auffallen, wenn Sie diejenigen befolgen, die jeder ignoriert.“
Die leere Schüssel landete auf dem Tisch.
„Ich kann an dieser Stelle weder ja, noch nein sagen.“

Das war alles, was Moore an dieser Stelle von ihr erwarten konnte. Sana war niemand mehr, den sie so einfach an die Seite schieben konnte. Geschweige denn die anderen Kinder. Wo würden die denn landen, wenn sich keiner um sie kümmerte? Gongboy? Der war im Moment nützlich, vielleicht sogar verlässlicher als Samin von Anfang an erwartet hatte. Doch da war immer noch ein weiter Weg bis zu dem Punkt, an dem sie irgendjemanden ein paar Wochen in seiner Obhut zurückgelassen hätte.

„Bevor ich auch nur daran denken könnte, Sie zu begleiten, muss ich sichergehen, dass die Personen, für die ich verantwortlich bin, sicher sind. Außerdem will ich den Plan sehen. Welche Identitäten nehmen wir an? Wie kommen wir in die Einrichtung? Womit fliegen wir? Wie groß ist die Einrichtung? Wer leitet sie? Wie kommen wir wieder raus?

Sie ließ eine kurze Pause, in der sie die Gabel zwischen ihren Fingern kreisen ließ.

„Und falls Sie jetzt schon einen dieser Punkte mit ‚Das wird schon‘ beantworten wollen: Das wäre jetzt der Zeitpunkt sich etwas Besseres zu überlegen.“

Die Bemerkung über Moores mögliche zweite Verurteilung wegen Hochverrats hatte Samin natürlich registriert. Die Pilotin war sich jedoch nicht sicher, ob sie wirklich nachhaken wollte. Ein anderes Mal vielleicht. Dass die weißhaarige Frau bei einem Scheitern ebenso viel zu verlieren hatte, wie sie selbst, war immerhin eine relevante Information.

Bevor es weitergehen konnte, hörte Samin Stimmen aus Richtung des Eingangs. Zunächst schenkte sie dem Ganzen wenig Aufmerksamkeit. Erst als die Stimmen lauter wurden und einzelne Wort durch den Flur herangetragen worden, wandte Samin den Kopf. Da sprach jemand in Mandalorianisch. Natürlich konnte sie diese Sprache nicht verstehen, aber sie erkannte sie eindeutig. Sie konnte sich noch lebhaft an die Mandalorianer erinnern, die man nach der zweiten Schlacht von Bastion und den Sieg der Loyalisten überall in Center bei den Siegesfeiern in Bars antreffen konnte. Samin und die Mandalorianer hatten Seite an Seite gekämpft. Gegen den Ursupator Menari und seine getreuen Chiss. Nur zu gut hatten sich die Bilder von explodierenden Gauntlet Sternjägern zu ihrer Flanke ins Gedächtnis eingebrannt, während sie selbst ihre eigenen Brüder und Schwestern in Klauenjägern ins Verderben riss. Solch ein Erlebnis verband. Krieg verband. Verlust verband. Sie würde jedem dahergelaufenen Mandalorianer allein durch das Teilen des Schlachtfeldes mehr vertrauen als sie jemals einem Gongboy oder einer Dr. Moore vertrauen könnte.


„Bei Ihnen ist ja einiges los“, bemerkte Samin an.

In diesem Moment wechselte die Sprache an der Tür auf Basic. Bei dem Neuankömmling handelte es sich der Stimme nach um eine Frau. Sie suchte nach Munition und Ausrüstung. Es folgte eine Entschuldigung, gefolgt von der Feststellung, die falsche Tür erwischt zu haben. Eine Söldnerin? Was sonst sollte eine Mandalorianerin auf The Wheel, die nach Waffen und Ausrüstung Ausschau hielt, sein.


„Also gut. Ich brauche einen Vorschuss“, sagte Samin schnell. „Credits."

Sie rieb die Spitzen von Zeigefinger und Daumen aneinander.

Außerdem will ich, dass Sie eine verschlüsselte Nachricht an einen Mann namens Sane von Kath auf Bastion schicken. Nicht zurückzuverfolgen. Er darf genauso wenig auffliegen wie ich. Und dann geben Sie mir zwei Tage."

Sie atmete einmal tief ein- und aus.

"Und die Söldnerin an der Tür.“

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Samin und Dr. Moore; an der Tür Dany und Mira
 
[Mittlerer Rand / Besh-Gorgon-System / The Wheel / Privates Appartement] Moore und Samin; Mira und Dany im Eingangsbereich

Moore hatte ihre eigene Schüssel inzwischen leer gegessen und hörte der Chiss zu, während diese ihre Bedingungen und Fragen Stück für Stück vor ihr ausbreitete. Dass Samin an dieser Stelle weder zu- noch absagen wollte, störte sie wenig. Alles andere wäre nach dem bisherigen Verlauf des Gespräches vermutlich sogar ein wenig verdächtig gewesen. Interessanter waren ohnehin die Dinge, die danach kamen. Identitäten, Zugang, Transport, Größe der Anlage, Verantwortlichkeiten und der Weg wieder heraus. Wer das fragte der sagte am Ende auch nicht ab, sie hatte die Ex-Imperiale also zumindest auf ihrer Seite. Die Sephi hob ihr Glas, stellte fest, dass darin nicht mehr viel übrig war und ließ es wieder sinken.

Reichen Ihnen zweihundertfünfzigtausend fürs Erste?

Sie beobachtete Samin einen Moment und ließ die Summe einfach stehen. Wenn es mehr brauchte, konnte man darüber reden. Credits waren für Moore an dieser Stelle ohnehin weniger eine Frage des Wertes als eine davon, ob sie ein Problem aus dem Weg räumen konnten das zwischen ihr und diesem verdammten kleinen Hyperdrive-Computer lagen.

Sagen Sie mir nur, wohin.“

Mit Sane von Kath verhielt es sich nicht wesentlich komplizierter. Der Name sagte ihr spontan nichts und sie verspürte auch keinen Grund, das im selben Moment zu ändern. Bastion war das wichtigere Detail und die Anforderung, dass weder Nachricht noch Absender irgendwann bei Samin endeten, war verständlich genug.

Geben Sie mir den Text, bevor Sie gehen. Ich kümmere mich darum.

Sie griff wieder nach dem Glas.

Und nehmen Sie sich die zwei Tage.

Was genau ihre Gästin in dieser Zeit regeln musste, hatte sie nicht gesagt. Moore war neugierig, natürlich war sie das, aber sie zu stillen war aktuell wenig von Belang. Es wirkte nicht wie etwas was sich akut nicht auch mit eben jenen Geld lösen ließ das Moore der Chiss eh bereits angeboten hatte. Dann hatte sie halt Verantwortung für andere Personen, Moore wollte Samin nichts abpressen also brauchte sie dem ganzen auch nicht wirklich mehr Bedeutung beimessen. Für den Augenblick genügte das. Bei der Forderung nach einem Plan nickte die Slicerin lediglich.

Den bekommen Sie.

Eigentlich hätte das Gespräch an dieser Stelle problemlos weiterlaufen können, wenn nicht seit einigen Minuten ein zweites Geschehen am Rand ihres Bewusstseins entlang gelaufen wäre. Mira war über die Verbindung der beiden HNAIs ohnehin nie wirklich fort. Moore nahm ihre Tochter nicht permanent in allen Einzelheiten wahr und hatte wenig Interesse daran, jeden Sensorwert oder jede belanglose Datenbewegung mitzuverfolgen. Meist lag die Verbindung wie ein weiterer Sinn im Hintergrund, vorhanden und jederzeit erreichbar, ohne Aufmerksamkeit zu verlangen. Dass jemand an der Tür stand, hatte sie deshalb mitbekommen. Dass Mira sie geöffnet hatte ebenfalls. Mehr war zunächst nicht nötig gewesen. Keine auffällige Bedrohung, keine Warnung und nichts, das sie aus ihrem Gespräch mit Samin herausgerissen hätte.

Dann hatte sich Miras Aufmerksamkeit verändert.

Moore hatte zunächst nur einzelne Eindrücke davon wahrgenommen. Mandalorianische Rüstung. Mando'a. Eine Frau unter dem Helm und eine Tochter, deren Interesse an der Angelegenheit erheblich über das hinausging, was man für die höfliche Abfertigung einer falsch zugestellten Besucherin benötigt hätte.
Sie ließ den Gedanken eine Weile am Rand stehen. Mira sollte eigene Interessen entwickeln. Das war schließlich einer der wesentlichen Unterschiede zwischen ihr und dem, was C-06 auf Arkania einmal gewesen war. Sie hatte Jahre darauf verwendet, aus einem System, das auf Reize mit vorgegebenen Lösungen reagieren sollte, ein Wesen zu machen, das selbst entschied, was es mochte, was es nicht mochte und womit es seine Zeit verbrachte. Irgendwann hatte Moore aufgehört, jedes Ergebnis dieser Entwicklung daraufhin zu untersuchen, ob es einem ursprünglichen Entwicklungsziel entsprach.
Dass Mira fremde Mandalorianerinnen beinahe unbekleidet an der Wohnungstür auf Mando'a anflirtete, gehörte trotzdem zu den Dingen, über die sie gelegentlich noch einmal nachdenken musste.

Moore sah zu Samin, dann kurz in Richtung des Eingangs. Inzwischen war dort Basic zu hören und mit ein wenig bewusster Aufmerksamkeit bekam sie die wenigen entscheidenden Worte auch ohne Miras Datenstrom zusammen. Dex. Munition. Ausrüstung. Eine Entschuldigung und die Feststellung, sich in der Tür geirrt zu haben.
Mehr wusste sie über die Frau nicht. Mira offenbar ebenfalls nicht und wenn ihre Tochter in den letzten Minuten die Möglichkeit gehabt hatte, daran etwas zu ändern, hatte sie andere Prioritäten gesetzt.

Dann kam Samins letzter Nachsatz.

Und die Söldnerin an der Tür.

Moore ließ den Blick einen Moment auf ihr ruhen
.

Danach wandte sie den Kopf wieder dem Flur zu und öffnete die Verbindung zu Mira ein Stück weiter. Die Besucherin hatte ihren Helm inzwischen wieder aufgesetzt und wollte augenscheinlich gerade gehen.

Hm.

Die Einschätzung als Söldnerin stammte von Samin. Die Mandalorianerin hatte selbst lediglich nach Waffen und Ausrüstung gefragt. Das musste noch nichts heißen, war auf The Wheel allerdings auch keine besonders schlechte Grundlage für die Vermutung.

Ich bin gleich wieder da.

Moore stellte das Glas ab und erhob sich. Auf dem Weg zum Eingang rückte Mira mit jedem Schritt stärker in den Vordergrund ihrer Wahrnehmung. Nicht weil die kurze Entfernung irgendeinen Einfluss auf die Verbindung gehabt hätte, sondern weil sich Moores Aufmerksamkeit nicht länger zwischen Samin, dem Gespräch und mehreren anderen Dingen verteilte. Ihre Tochter war noch immer ausgesprochen zufrieden mit ihrem kleinen Zusammentreffen und dachte offenbar überhaupt nicht daran, dass die fremde Frau gerade dabei war zu verschwinden.

Als Moore den Eingangsbereich erreichte, hatte sich die Mandalorianerin bereits abgewandt.


Warten Sie bitte kurz.

Die Frau blieb im Flur vor ihr, doch Moores erster Blick galt Mira. Das Shirt hing ihr noch immer locker über den Körper, eine Schulter beinahe vollständig frei, darunter hatte sich ihre Tochter bei der Menge an Stoff auf das absolut Notwendigste beschränkt. Eisblau begegnete dem hellen Gold von Moores Augen und für einige Sekunden fand ein deutlich vollständigeres Gespräch statt, als die Besucherin draußen jemals hätte hören können.

Mira.

Ein leichter Widerstand kam über die Verbindung zurück. Kein echtes Nein, eher die sehr klare Mitteilung, dass sie überhaupt keinen Grund sah, weshalb sie sich jetzt zurückziehen sollte.

Moore sah sie weiter an.

Zimmer.

Miras Mundwinkel bewegte sich kaum sichtbar.


Mira, Liebes. Ich glaube, du hast unsere Besucherin lange genug begrüßt.

Die Sephi lächelte sanft. Aufgesetzt sanft.

Geh bitte schon mal in dein Zimmer.

Was ihre Tochter ihr darauf antwortete, blieb zwischen ihnen und war deutlich weniger höflich formuliert. Moore wartete ruhig ab, bis Mira sich schließlich vom Türrahmen löste. Ganz geschlagen wirkte sie dabei nicht. Wahrscheinlich betrachtete sie allein den Umstand, die Mandalorianerin zum Abnehmen ihres Helmes gebracht zu haben, bereits als ausreichenden Erfolg für diesen Nachmittag.

Danke, Schatz.

Mira warf ihr noch einen Blick zu der hätte töten können und verschwand in Richtung ihres Zimmers. Moore sah ihr hinterher, bis sie im Flur verschwunden war und wandte sich erst dann vollständig der Besucherin zu. Die Rüstung war ihr vertraut genug, ohne dass sie daraus besonders viel über die Person darunter hätte ableiten können. Mandalorianische Arbeit hatte sie über die Jahre häufiger vor Augen gehabt und spätestens während der Entwicklung der C-0X-Serie war die Bekanntschaft mit den Beskarschmieden des Clans A'kazz ein durchaus lukrativer Kontakt. Einige der hochbelasteten Gelenkverbindungen für die Androiden müssten Jahrzehntelang verschleißfrei arbeiten und die Mandalorianer hatten in der Entwicklung ihrer Crushgaunts einige technische Kniffe auf Lager die das Projekt immens nach vorne gebracht hatten. Wer vor ihr stand, wusste sie deshalb trotzdem nicht, sie war sich aber sicher das die Rüstung wenn sie aus Beskar war nicht aus einer der reinen Legierungen war die sie in kleinen Mengen im Labor hatte nutzen können.

Entschuldigen Sie das Verhalten meiner Tochter bitte vielmals. Sie hat ihre eigene... Vorstellung davon, wie man Gäste empfängt.

Moore trat einen halben Schritt weiter in den Eingangsbereich.

Sie haben nach einem Dex gesucht?

Ihr Blick wanderte kurz über die Frau.

Welchen Dex Sie meinen, weiß ich nicht. Auf dem Rad dürfte es mehr als einen geben. Ich bin leider keiner davon aber... bei Munition, Ausrüstung, Arbeit oder Liquiden Mitteln kann ich Ihnen allerdings helfen.

Das war keine besonders große Zusage. An Waffen, Energiezellen, Ersatzteile oder die meisten anderen Dinge zu kommen, die jemand auf The Wheel benötigte, war für Moore nicht schwierig und selbst wenn sie etwas Spezielleres suchte, konnte man darüber sprechen.

Der andere Teil war interessanter.


Außerdem, sieht es so aus das ich einen Gast habe der Interesse daran geäußert hat sie kennen zu lernen.

Die Sephi deutete mit einer kleinen Bewegung in das Appartement, lächelte warm und freundlich.

Wenn Sie Arbeit suchen und noch Aufträge annehmen, könnten wir uns kurz unterhalten. Kommen Sie ruhig rein.

Sie machte den Weg frei und ließ die Entscheidung bei der Mandalorianerin.

Dr. Ralena Anne Moore.

Für einen Augenblick wartete sie noch, ohne eine Antwort oder einen Namen einzufordern.

Falls Sie nicht bleiben wollen, ist das auch in Ordnung. Wegen der Munition finden wir trotzdem eine Lösung.

Damit ließ sie die Tür geöffnet und ging zurück in den Wohnbereich. Ob die Fremde ihrer Einladung folgte, konnte diese selbst entscheiden und Moore sah keinen Grund, im Flur stehenzubleiben und sie dabei anzusehen.
Samin saß noch immer dort, wo sie sie verlassen hatte.


"Ich war so frei und habe meinem Zufallsgast angeboten zu uns zu stoßen."

Moore ging zu einem der Schränke und öffnete ein schmales Fach. Zwischen mehreren Datenträgern und Geräten lag einer jener kleinen schwarzen Würfel, deren unscheinbares Äußeres wahrscheinlich ein wesentlicher Grund dafür war, weshalb sie die Form über all die Jahre beibehalten hatte. Die erste Version ihrer Holowand war alt genug, dass Moore sich manchmal nur mit Mühe daran erinnerte, welche Komponenten ursprünglich darin gesteckt hatten. Das Prinzip hatte sich allerdings bewährt und der aktuelle Aufbau war mit jener frühen Variante längst nur noch äußerlich verwandt. Sie nahm den Würfel heraus und kehrte zum Sofa zurück.

Sie wollten den Plan sehen.“

Moore legte die Holowand auf den Tisch und berührte ihre Oberfläche.

Das tiefe Blau erschien beinahe augenblicklich.

Formeln, Linien und Datenfelder entfalteten sich aus dem kleinen Gehäuse und verteilten sich durch den Wohnbereich. Teile davon blieben nur für Augenblicke sichtbar, während das HNAI im Hintergrund bereits diejenigen Informationen auswählte, die Moore vorbereitet hatte. Zwischen den Möbeln entstanden erste Konturen, wurden dichter und fügten sich langsam zu Gebäuden zusammen.

Die Technische Universität von Salis Daar nahm Gestalt an.

Zunächst erschien der gesamte Komplex, weitläufig genug, dass Moore den Maßstab mehrfach angepasst hatte, um ihn innerhalb des Appartements sinnvoll darstellen zu können. Lehrgebäude, technische Einrichtungen, Verbindungstrakte und Versorgungsbereiche lagen als tiefblaue Strukturen übereinander. Ein Teil davon beruhte auf offenen Unterlagen und anderen Informationen, die sich ohne größere Schwierigkeiten hatten beschaffen lassen. Je weiter sich das Modell jedoch in Richtung der militärisch genutzten Bereiche verschob, desto häufiger wechselten vollständige Strukturen mit rekonstruierten Abschnitten.

Moore hatte keinen Grund, diese Unterschiede zu verstecken.

Einige Teile kannte sie sehr gut. Andere hatte sie aus Bauunterlagen, Versorgung, Wartung, Energiebedarf und verschiedenen Daten zusammengefügt, die einzeln wenig bedeuteten und erst im Zusammenhang brauchbar wurden. An manchen Stellen fehlte ihr noch etwas. Dort blieb auch die Darstellung entsprechend unvollständig. Die Sephi ließ das Modell langsam drehen und setzte sich wieder auf das Sofa.

Der öffentliche Teil der Universität wurde durch einen Gedanken blasser, bis der große militärische Bereich deutlicher hervortrat. Kein kleines Labor, das man irgendwo hinter zwei gesicherten Türen versteckt hatte, sondern ein erheblicher Teil des gesamten Komplexes, dessen Zugänge und interne Trennung schon in der Projektion erkennen ließen, weshalb Moore Samin überhaupt in ihrem Wohnzimmer sitzen hatte.

Sie griff nach der Weinflasche und schenkte sich nach.


Das ist Salis Daar.

Ihr Blick lag noch auf der Projektion.

Der Teil dort gehört zum militärischen Forschungsbereich.

Moore zeigte mit zwei Fingern auf die entsprechende Struktur und ließ einige Ebenen voneinander abrücken, ohne weiter darauf einzugehen.

Einige Dinge darin sind gesichert. Einige sind Rekonstruktionen und bei ein paar Stellen fehlt mir noch so einiges, also noch nicht hundertprozent verlässlich aber ich arbeite daran.

Sie nahm das Glas wieder in die Hand.

Für den Moment wollte ich Ihnen nur zeigen, dass ich nicht erst angefangen habe darüber nachzudenken, seit Sie heute hier sitzen.

[Mittlerer Rand / Besh-Gorgon-System / The Wheel / Privates Appartement] Moore und Samin; Dany
 
Zuletzt bearbeitet:
// The Wheel // Appartementkomplex // Moores Appartement // Dany, Moore, Samin; Mira im Nebenzimmer //

Dany hatte sich eigentlich schon entschieden zu gehen, doch dann trat noch jemand in den Eingangsbereich. Für einen Moment blieb die Mandalorianerin vollkommen reglos stehen. Hinter ihrem Visier blinzelte sie einmal. Dann noch einmal. Das war doch…
Ihr Blick wanderte unwillkürlich in die Richtung, in der die
andere Frau verschwunden war, und wieder zurück zu der "neuen" Fremden vor ihr. Dasselbe Gesicht. Dieselben Züge. Praktisch dieselbe Person. Nur die Augen waren anders.

Shab. Was zum…

Danys Stirn legte sich unter dem Helm in Falten. Zwillinge? Schwestern? Dem Umgangston nach Mutter und Tochter? Kurz schob sich sogar der absurde Gedanke dazwischen, ob sie sich nach der mehrtägigen Hyperraumreise vielleicht doch etwas mehr Schlaf hätte gönnen sollen und gerade womöglich halluzinierte. Doch zumindest sprach diese
Frau mit ihr, als wäre die Situation vollkommen normal. Und sie war wie eine normale Person angezogen.

Munition, Ausrüstung und Arbeit. Das waren endlich wieder Worte, mit denen Dany etwas anfangen konnte. Sie zögerte trotzdem, als
Dr. Ralena Moore - wie sie sich vorstellte - den Weg ins Appartement freimachte. Ein Blick den Korridor hinunter hätte genügt und sie hätte wieder gehen können. Einen Händler suchen, ein paar Energiezellen kaufen und diese ganze merkwürdige Begegnung als Lehrgeld verbuchen. Stattdessen blieb sie stehen.

Dany seufzte und holte tief Luft. Dann setzte sie sich in Bewegung und trat über die Schwelle. Das Appartement bestätigte immerhin endgültig, dass sie bei keinem Dex gelandet war. Ihr Blick fiel zunächst auf die
blauhäutige Frau am Tisch, dann auf die beiden leeren Schüsseln und das übrige Geschirr. Ein leckerer Geruch hing noch immer in der Luft.

Danys Magen meldete sich prompt zu Wort, zum Glück nicht laut. Natürlich kam sie genau dann irgendwo an, wenn das Essen bereits weg war. Nach mehreren Tagen mit den Vorräten der Dawn Chaser hätte sie gegen etwas Warmes ganz sicher nichts einzuwenden gehabt. Was auch immer in den Schüsseln gewesen war, es roch jedenfalls deutlich besser als alles, was sie sich während der Reise aus haltbaren Rationen zusammengebaut hatte. Sie verdrängte den Gedanken und wandte sich wieder
Dr. Moore zu. Ihre mandalorianische Direktheit gewann schließlich gegen das unterschwellige Gefühl, hier gerade ziemlich ungefragt in irgendeine private Angelegenheit hineingeplatzt zu sein.

"Du…"

Sie stockte kurz. Der Blick wanderte noch einmal zwischen Moore und dem Flur hin und her, wo irgendwo diese andere Person - die zweite Dr. Moore - stecken musste.

"Sie meinten, Sie könnten mir mit Munition behilflich sein"

Das klang wenigstens halbwegs vernünftig. Dann bemerkte sie das Holo. Zwischen den Möbeln erhoben sich tiefblaue Gebäudestrukturen, Ebenen und Datenfelder. Danys Blick blieb daran hängen. Das hier sah nicht nach einer Auftragsbörse oder der Karte irgendeines Lagerhauses aus. Selbst sie erkannte schnell genug, dass ein beträchtlicher Teil der Darstellung militärischer Natur war.

Sie schluckte, aber konnte auch nicht wegsehen. Als
Dr. Moore auf den freien Platz deutete, blieb Dany zunächst stehen. Die Hände hingen locker an ihren Seiten, der Helm weiterhin auf dem Kopf. Ihr Blick glitt von der Projektion zu der Blauhäutigen mit den roten Augen und schließlich wieder zur Weißhaarigen.

"Und…"

Eine kurze Pause.

"...Sie sprachen von Arbeit: Wieviel zahlen Sie?"

// The Wheel // Appartementkomplex // Moores Appartement // Dany, Moore, Samin; Mira im Nebenzimmer //
 
| The Wheel | in Moores Appeartement |
Samin, Dr. Moore; an der Tür Dany und Mira


Samin hatte Glück, dass sie keine Nudeln mehr im Mund hatte. Ansonsten hätte sie sich in diesem Moment wahrscheinlich verschluckt und verraten. Zweihundertfünzigtausend? Fürs Erste?

Es dauerte mehrere Sekunden, ehe die Chiss ihre Gedanken sortiert hatte. Das so ziemlich die gesamte Summe, die Samin auf ihren Konten angespart hatte. Und da waren die üppigen Prisen, die sie während der Kampagne gegen den Eisernen Bund eingefahren hatte, schon mit eingerechnet. Die Ersparnisse, die ihr eine angenehme Pension nach der Karriere bescheren sollten. Mit zweihundertfünfzigtausend Credits konnte sie die Scrapwing von Gongboy wahrscheinlich zehn Mal reparieren. Es war dann noch immer ein verfluchtet Bastardschiff, eine Beleidigung für jeden anständigen Piloten. Aber es würde fliegen. Nein, mit dieser Summe konnte sie sich – locker – ein eigenes Schiff leisten. Einen gebrauchten Frachter vielleicht.


„Ähm …“, begann sie mit einer krächzenden Stimme, ehe sie sich räusperte.

Cred-Sticks. Zu je fünfundzwanzigtausend.“

Unglaublich. Die weißhaarige Frau hatte nicht einmal gezögert. Was in Samins Gedanken folgende Möglichkeiten offenbarte: Entweder Credits spielten hier keine Rolle, dieses HIMS war ein Vielfaches mehr wert, es gab einen noch viel größeren Haken, oder diese Dr. Moore war voller Banthascheiße und band Samin hier einen Sandbären auf. Deshalb auch die Credit-Sticks. Sie musste einfach wissen, wie viel Moores Worte wert waren und, ob sie liefern konnte. Aber wenn sie es konnte … Falls sie wirklich über solche Summen verfügen konnte … Eine Viertelmillion Credits? Das war viel mehr als alles, womit sie seit ihrer Desertion gerechnet hatte. War dieses HIMS tatsächlich so viel wert? Eine Frau, die so viel Schotter herausgab, bevor Samin überhaupt einen Fuß in Richtung Bakura gesetzt hatte, tat das sicher nicht aus Großzügigkeit. Hatte sie sich bei ihrer Preisvorstellung sogar zu billig verkauft?

Auch ihre letzte Forderung schien die weißhaarige Frau jedoch ziemlich ernst zu nehmen. Ohne große Umschweife erhob sie sich, um in Richtung Tür zu verschwinden.

Samin blieb mit ihren Gedanken zurück. Die Nachricht an Sane würde wichtig werden. Natürlich konnte sie die Kinder nicht mitbringen. Aber sie würde sie auch nicht bei Gongboy lassen. Wenn sie Sane erreichte und ihm irgendwie zu verstehen gab, wo sie sich aufhielten – vielleicht konnte er herausfinden, wo Kestal die Kinder ursprünglich hintransportieren wollte. Und wenn nicht, na dann wusste er jedenfalls wo sie waren, in dem wahrscheinlichen Fall, dass Samin von dieser Mission nicht zurückkehren würde.

Was genau im Eingangsbereich gesprochen wurde, konnte Samin nicht in allen Einzelheiten hören. Als Moore zurückkehrte, war sie jedoch einigermaßen positiv überrascht, dass sie tatsächlich sowas wie einen Plan zu haben schien. Stumm betrachtete Samin das Holo. Gebäude, Zugänge, Ebenen und die anderen verschiedenen Daten, die Moore zusammengetragen hatte, waren zumindest eine Sprache, welche die Pilotin verstand. Im Gegensatz zu dem ganzen Theorem um das HIMS. Sie beugte sich etwas vor und ließ den Blick durch die Projektion wandern. Die Anlage der Universität war nicht klein, aber auch nicht die größte, die sie jemals betreten hätte. Der grundsätzliche Ansatz gefiel ihr dabei besser als erwartet. Mit Gewalt würden sie natürlich niemals durch den Haupteingang gelangen, wenn sie hofften, dadurch auch wieder herauszukommen. Allerdings war eine gute Tarnung kein Ersatz für einen vernünftigen Ablaufplan. Die Anlage hatte vermutlich die perfekte Größe, wenn es darum ging, nicht aufzufallen und trotzdem eine gute Vorbereitung treffen zu können sowie während des gesamten Einsatzes ein die Übersicht zu behalten. Was die Sicherheitsmerkmale anging, ließ sie sich wahrscheinlich mit der geheimen Forschungseinrichtung auf Eadu vergleichen.


„Damit kann ich schon mehr anfangen“, sagte sie schließlich und deutete auf die Holo-Projektion. „Wenn Ihre Identitäten der Überprüfung standhalten, kann das funktionieren. Vielleicht. Wir werden wahrscheinlich eher früher als später improvisieren müssen, aber wir sollten nicht den Fehler machen, den Weg rein besser zu planen als den Weg raus. Und das gilt für den gesamten Weg. Von hier, nach Bakura, bis zum HIMS und wieder zurück.“

Unwillkürlich musste die Chiss den Kopf schütteln, als sie an den Special-Operations-Lehrgang dachte, den sie vor einigen Jahren mit den Wolves absolviert hatte. Man hatte sie in getarnten Operationen, Verschleierung, Einzelkampf und solchen Dingen ausgebildet. Niemand hätte je ahnen können, dass sie die Erkenntnisse aus dieser Fortbildung mal gegen das Imperium einsetzen würde.

Und dann trat die Mandalorianerin ein. Tatsächlich. Diese Art der Rüstung war unverkennbar. Sie trug einen Helm, der ihr Gesicht verbarg. Zwischen den kurzen Schulterpanzern und Armschienen war eine blasse, menschliche Haut erkennbar. Sie sprach von Munition und bemerkte dann offensichtlich die Holo-Projektion, die einen Teil des Raumes ausfüllte. Was auch immer sie darin zu erkennen glaubte, schreckte sie nicht genug ab, um nach der Bezahlung für ihre Arbeit zu fragen. Dann lag Samin mit ihrer Vermutung richtig: Eine Glücksritterin, eine mandalorianische Einzelgängerin, die sich als Söldnerin verdingte. Irgendwie typisch, aber in dieser Situation mehr als brauchbar. Die Chiss benötigte jemanden, der Dinge für Credits erledigte, ohne die größten Rückfragen zu stellen, aber trotzdem nach einem Ehrenkodex handelte, der berechenbar war.


„Ich brauche dich zunächst für zwei Tage. Sagen wir … Eintausend Creds pro Tag?“

Ehrlicherweise hatte sie keine Ahnung, wie hoch die angesetzte Rate von mandalorianischen Söldnern war. Zweitausend Credits für zwei Tage hielt sie jedoch für kein schlechtes Angebot. Sie hoffte nur, dass sich die Angelegenheit mit den Kindern tatsächlich in zwei Tagen regeln ließ.

„Plus die Munition“, schoss sie schnell nach. Verhandeln war schwierig, wenn die Reaktion ihres Gegenübers unter einem verdammten Helm verborgen blieb.

An dieser Stelle sah sie etwas unsicher zu Dr. Moore.


„Da können Sie helfen, oder?“

Anschließend deutete sie auf die Projektion.

„Und wir können bei diesem Ding jemanden gebrauchen, der mit Munition umgehen kann und genügend davon hat, falls es doch nötig wird, Dr. Moore.“

Sie räusperte sich erneut.

"Warst du schonmal auf Bakura, Mando?"

| The Wheel | in Moores Appeartement |

Samin, Dr. Moore und Dany
 
[Mittlerer Rand / Besh-Gorgon-System / The Wheel / Privates Appartement] Moore, Samin und Dany; Mira in ihrem Zimmer

Moore überließ es zunächst Samin, die Mandalorianerin in Beschlag zu nehmen. Innerhalb erstaunlich kurzer Zeit war aus der beiläufigen Bemerkung über eine Söldnerin im Hausflur ein Angebot über zwei Tage, zweitausend Credits und Munition geworden und die Sephi beobachtete diesen Vorgang mit einem gewissen stillen Vergnügen, ohne darin irgendeinen Grund zu sehen sich einzumischen. Was Samin während der beiden Tage erledigen wollte, die sie sich zuvor abbedungen hatte, war ihre Angelegenheit. Wenn sie dafür Unterstützung brauchte und vor Moores Tür zufällig jemand in mandalorianischer Rüstung auftauchte, konnte sie diese Gelegenheit nutzen. Dass die Frau selbst ursprünglich Moore nach Arbeit gefragt hatte, machte die Sache immerhin unkomplizierter.

Auf Samins Blick und die Frage nach der Munition reagierte sie deshalb nur mit einem kleinen Nicken.


Das ist kein Problem.

Welche Munition genau gebraucht wurde konnte die Frau ihr später sagen. Moore hatte wenig Interesse daran, auf Verdacht Kisten mit Blastergas, Energiezellen und Projektilen durch The Wheel schicken zu lassen, nur weil Mira innerhalb weniger Minuten beschlossen hatte, dass ihr die Person unter dem Helm gefiel.

Dann fragte Samin die Fremde nach Bakura.

Moore ließ die Frage dort, wo sie hingehörte und griff wieder nach ihrem Wein. Sie wusste nicht, ob die wie selbstverständlich von der Ex-Imperialen eingeplante Mandalorianerin jemals dort gewesen war und im Augenblick hatte sie ohnehin kaum belastbare Informationen darüber, wen Samin ihr gerade ins Wohnzimmer geholt hatte. Mira hatte bei der Begrüßung andere Prioritäten gesetzt und Moore selbst bislang auch keinen Anlass gesehen, daran etwas zu ändern.


Wie heißen Sie eigentlich?

Ihr Blick blieb auf dem T-Visier liegen. Der Helm machte die Frau schwerer zu lesen als zuvor an der Tür, wobei Moore nicht behauptet hätte, dass sie Miras ausführliche Betrachtung des Gesichtes in irgendeiner Form vermisste. Ihre Tochter hatte mehr visuelle Eindrücke gesammelt als Informationen und damit eine Gewichtung vorgenommen, über die man sich bei Gelegenheit vielleicht noch unterhalten würde. Für das, was Moore im Hintergrund bereits vorbereitete, brauchte sie den Namen zunächst nicht.

Während Samin und die Mandalorianerin noch Gelegenheit hatten sich zu beschnupeprn, legte sie ihr Glas beiseite und ließ einen Teil ihrer Aufmerksamkeit tiefer in das HNAI sinken. Die Holowand stand weiterhin offen im Raum, Salis Daar schwebte zwischen ihnen in tiefblauen Linien und an ihrem Rand erschienen zwei kleinere Datenfelder, zunächst kaum mehr als leere Gerüste, die sich langsam mit den ersten Informationen füllten.
Moore hatte nie sonderlich viel von schriftlichen Verträgen gehalten, wenn es um Dinge ging, deren Existenz später besser niemand nachweisen konnte. Für Banken, Behörden und Menschen, die sich gegenseitig verklagten, mochten sie ausgesprochen nützlich sein. Für ihre eigenen Geschäfte waren sie häufig nur sehr ordentlich archivierte Erinnerungen daran, wer wann mit wem etwas vereinbart hatte. Bezahlt wurden ihre Leute trotzdem.


Was Sie beide für die nächsten zwei Tage miteinander vereinbaren, bleibt davon unberührt.

Sie sah kurz zu Samin und danach wieder zur Mandalorianerin.

Mein Angebot ist ein anderes.

Auf der Holowand erschien der erste Name.

SINYA A'KAZZ

Daneben entstand ein zweiter.

DENIA A'KAZZ

Moore ließ beide Einträge stehen und arbeitete weiter. Die Bank of Sundari war auf The Wheel keine ungewöhnliche Einrichtung und ihre Filiale erheblich geeigneter als ein Stapel Credits auf dem Wohnzimmertisch. Zwei Konten entstanden selbstverständlich nicht deshalb, weil Moore sie besonders überzeugend ansah. Die Grundlagen für solche Konstruktionen lagen allerdings bereits lange vor diesem Gespräch bereit und was ihr HNAI nun erledigte war vor allem das Zusammenführen vorhandener Strukturen mit neuen Identifikationsdaten, Zugriffsrechten und den dazugehörigen Finanzmitteln.

Je zweihundertfünfzigtausend Credits.
Die einzelnen Bestätigungen liefen am Rand ihres Bewusstseins auf, während Moore sich nach vorne beugte und aus einem flachen Fach unter dem Tisch zwei schlichte Comlinks nahm. Nichts an ihnen verriet, dass sie mehr waren als handelsübliche Geräte und genau so sollte es bleiben.


Zweihundertfünfzigtausend Vorschuss für jede von Ihnen.

Sie legte die beiden Comlinks nebeneinander auf den Tisch.

Noch einmal dieselbe Summe, wenn wir fertig sind.

Damit stand für jede der beiden Frauen eine halbe Million Credits im Raum. Moore ließ auch diese Zahl einfach im Raum stehen. Das HIMS war für sie erheblich interessanter als das Geld, das nötig war um es in ihren Besitz zu bringen. Auf einem der Geräte erschien Sinya A'kazz, auf dem anderen Denia A'kazz. Währenddessen wurden die notwendigen Schlüssel erzeugt, Kommunikationsprofile angelegt und beide Comlinks mit den jeweiligen Identitäten verknüpft. Damit ließ sich Moore mehr Zeit als mit der eigentlichen Übertragung der Credits. Geld war ersetzbar. Eine Identität, die bereits vor ihrer ersten vernünftigen Verwendung verbrannt wurde, bedeutete nur unnötige Arbeit.

Die Konten liegen bei der Bank of Sundari hier auf dem Rad. Über die Comlinks haben Sie Zugriff darauf.

Ihr Blick ging zu Samin.

Sie wollten zehn Cred-Sticks zu je fünfundzwanzigtausend. Die Filiale kann Ihnen die Summe genauso auszahlen.

Dann sah sie wieder zu ihrer zweiten Besucherin.

Sie BEIDE können Ihren Vorschuss abheben wie Sie möchten.

Moore interessierte nicht, wofür Samin das Geld während der kommenden beiden Tage brauchte und sie würde ebenso wenig kontrollieren, ob die Mandalorianerin davon Munition, Treibstoff oder irgendetwas anderes kaufte. Sie erwartete von beiden, sich für einen Auftrag auf sie zu verlassen, dessen genauer Ablauf noch nicht einmal vollständig zwischen ihnen besprochen war. Das funktionierte schlecht, wenn Vertrauen ausschließlich in eine Richtung laufen sollte.

Wenn Sie das Geld abheben, gehe ich davon aus, dass Sie für mich arbeiten.

Sie nahm ihr Glas wieder auf.

Wenn nicht, lassen Sie es liegen.

Keine Unterschrift und keine ausdrückliche Zusage in diesem Raum. Vor allem kein Datensatz, in dem irgendwann nachzulesen war, dass eine ehemalige imperiale Offizierin und eine Mandalorianerin gemeinsam mit Dr. Ralena Anne Moore einen Raubzug vorbereitet hatten.

Ihre Augen blieben noch einen Moment bei der Frau mit dem Helm.


Und bitte gehen sie vorsichtig mit den beiden Identitäten um. Sie sind, wenn man so möchte nur geliehen.

Vor allem der wenn man es so nennen wollte Familienname,die Sephi machte keine besondere Anstrengung, dessen Herkunft zu verschleiern. Eine Mandalorianerin würde vermutlich schneller einordnen, was dort auf dem Display stand, als Samin. Die alte Bekanntschaft mit dem Alten Mann von Mandalore war über die Jahre zu einer brauchbaren Verbindung mit seinem Clan geworden, spätestens als die Entwicklung der C-0X-Serie Materialien verlangt hatte, bei denen auch Moore und ihr Team in der Eigenfertigung irgendwann an ihre Grenzen gestoßen waren. Man musste es den Weltraumkriegern lassen, viele von ihnen waren herausragende Schmiede und Ingenieure.

Die Holowand begann sich zu verändern.
Salis Daar verschwand nicht auf einmal. Der große Universitätskomplex verlor nach und nach seine Tiefe, Ebenen glitten ineinander, Gebäude wurden wieder zu Linien und schließlich zu Daten, bis nur noch vereinzelte blaue Fragmente zwischen Sofa, Tisch und Fensterfront standen, all das selbstverständlich von Zauberhand ohne das Moore augenscheinlich irgendwelche Kontrollen bediente.

An ihrer Stelle entstand Zanbar.

Zunächst erschien der Mond selbst, seine Oberfläche noch grob, ehe das Modell an Schärfe gewann und Navigationsdaten sowie einzelne Markierungen hinzukamen. Moore ließ die Darstellung weiter herausfahren. Über Zanbar zeichnete sich die Hausphalanx des Clan A'kazz ab und weitere Markierungen lagen auf der Oberfläche dort, wo sich die Schmieden und Einrichtungen des Hauses befanden.

Sie betrachtete die Projektion einige Sekunden.

Es war eine Weile her, dass sie selbst dort gewesen war. Ihre Verbindung zum Clan hatte sich in den vergangenen Jahren meistens auf Geschäftliches beschränkt, auf Lieferungen, Materialfragen und gelegentlichen Austausch, wenn eine Seite etwas benötigte, das die andere beschaffen oder herstellen konnte. Was auch vollkommen genügte, nicht jede Beziehung musste am laufenden Band gepflegt werden
.

Bevor wir nach Bakura fliegen, machen wir einen Umweg...

Sie deutete mit dem Glas auf Zanbar.

...und gehen shoppen.

Die beiden neuen Nachnamen standen noch immer am Rand der Projektion. Moore ließ sie stehen.

Ich habe dort Geschäftsverbindungen und möchte ein paar Dinge besorgen, bevor wir uns auf Salis Daar blicken lassen. Außerdem denke ich finden wir dort weit bessere Munition und Reisegefährte als hier auf dem Rad.

Sie stellte das Glas zurück auf den Tisch.

In zwei Tagen veranlasse ich einen Charterflug von Terminal Sieben nach Zanbar. Die genaue Abflugzeit bekommen Sie auf die Comlinks.“

Ihr Blick ging kurz zwischen beiden Frauen hin und her.

Wenn Sie dort auftauchen, weiß ich zusätzlich zum Vorschuss, dass wir uns einig sind.

Mehr verlangte sie im Augenblick nicht.
Die Projektion blieb aktiv und tauchte den Wohnbereich weiterhin in ihr tiefes Blau. Zwischen ihnen lagen die beiden Comlinks, Sinya A'kazz und Denia A'kazz leuchteten auf den kleinen Displays und dahinter drehte sich Zanbar langsam im Raum.


[Mittlerer Rand / Besh-Gorgon-System / The Wheel / Privates Appartement] Moore, Samin und Dany; Mira in ihrem Zimmer
 
// The Wheel // Appartementkomplex // Moores Appartement // Dany, Moore, Samin; Mira im Nebenzimmer //

Dany hatte gerade noch überlegt, ob zweitausend Credits für zwei Tage wirklich das waren, wofür sie quer durch den Outer Rim geflogen war. Irgendwo hatte die Blauhäutige recht. Zwei Tage waren zwei Tage, dazu kam die Munition und offensichtlich führte die ganze Sache ohnehin noch irgendwohin. Trotzdem hatte sich bei dieser Behandlung als Söldnerin, die ihr gerade widerfuhr, etwas in ihr gesträubt. Dany war Kopfgeldjägerin. Sie jagte Ziele, nahm Kontrakte an und brachte Leute dorthin, wo ihre Auftraggeber sie haben wollten. Sie war kein Mietblaster, den man für ein paar Tage anheuerte. Zumindest redete sie sich das noch stellenweise ein. Dass sie erst vor wenigen Tagen für einen zwielichtigen sullustanischen Mechaniker auf Tatooine ein Auktionshaus bestohlen und vier Wachleute zusammengeschlagen hatte, machte den Zeitpunkt für beruflichen Hochmut allerdings denkbar ungünstig.

"Danyssa Valthor“

Antwortete sie deshalb zunächst auf
Moores Frage nach ihrem Namen. Ihr Helm drehte sich anschließend leicht in Richtung der anderen Frau, die sie eben noch "Mando" genannt hatte.

"Dany“

Eine kurze Pause.

"Ich bin Kopfgeldjägerin.“

Das Letzte klang nicht beleidigt, aber bestimmt genug, um die Unterscheidung für sie klarzustellen. Bei der Frage nach Bakura schüttelte sie knapp den Kopf.

"Noch nie“

Weiter kam sie nicht, denn
Dr. Moore kam schnell auf den Punkt, ja ziemlich schnell sogar.

Zweihundertfünfzigtausend Credits.

Dany wurde still. Sehr still. Unter dem Helm blinzelte sie
Moore an, als hätte die Frau gerade beiläufig erwähnt, ihr gehöre diese Raumstation. Zweihundertfünfzigtausend...und das als Vorschuss. Und danach noch einmal dieselbe Summe. Das waren eine halbe Million Credits, von denen sie hier sprachen. Der freie Platz, den sie eben noch mit einiger Skepsis ignoriert hatte, erschien ihr plötzlich ausgesprochen einladend. Dany zog den Stuhl zurück und setzte sich langsam, ohne den Blick von Moore zu nehmen. Für einen Augenblick begann ihr Verstand vollkommen automatisch zu rechnen. Die Dawn Chaser, Upgrades ihrer Ausrüstung und ein Vorrat an Munition, bei dem sie nicht jedes Mal überlegen musste, ob ein Fehlschuss gerade ihr Abendessen gekostet hatte. Vielleicht ja sogar für ein festes Zuhause irgendwo - eine kleine Operationsbasis, von der aus sie arbeiten konnte.

Und mit Sicherheit sogar genug übrig, um so schnell keinen zwielichtigen und gesetzeswidrigen Auftrag annehmen zu müssen. Nein, das wäre das Startkapital dafür gewesen, sich endlich vernünftig aufzubauen und dann in den oberen Ligen einzusteigen. Dann aber meldete sich der vernünftigere Teil ihres Kopfes. Niemand zahlte einer Wildfremden, die vor fünf Minuten noch wie ein sich verlaufenes Kätzchen vor der Tür gestanden hatte, eine halbe Million Credits dafür, etwas Einfaches zu erledigen.

Die Vorstellung sorgte dafür, dass die anfängliche Euphorie zumindest einen kleinen Dämpfer erhielt. Aber trotzdem...

Eine halbe Million Credits. Kandosii! Für diese Summe hätte sie es in diesem Augenblick vermutlich sogar mit einem Krayt-Drachen aufgenommen und sich erst hinterher Gedanken darüber gemacht, wie bescheuert diese Entscheidung gewesen wäre. Und Dany musste sich eingestehen, dass allein der Nervenkitzel eines Auftrags, der wahnwitzig genug sein musste, um eine solche Summe zu rechtfertigen, verdammt verlockend war.

Shabuir - scheiß drauf. Sie war an Bord.

Langsam wanderten ihre Hände nun zur Verriegelung ihres Helmes. Eben noch war sie ausgesprochen froh darüber gewesen, dass niemand ihre aus allen Wolken gefallenen Gesichtszüge darunter hatte sehen können. Jetzt zog sie den Helm trotzdem vom Kopf und legte ihn neben sich auf den Tisch. Eine lose blonde Strähne fiel ihr ins Gesicht, die sie rasch hinter ihr Ohr schob. Dann setzte Dany ihr bestes Sarlacc-Gesicht auf und versuchte so zu wirken, als würden ihr jeden zweiten Tag ähnliche Summen angeboten werden. Keiner der beiden
Frauen musste schließlich wissen, dass sie vor wenigen Wochen noch für ein paar hundert Credits irgendwelche Halsabschneider in den verruchtesten Winkeln des Outer Rims gejagt hatte.

Dr. Moore erklärte ihnen anschließend die technischen Details der Auszahlung, doch Dany hörte nur schweigend zu. Sie wusste noch nicht, was sie sagen sollte. Eine halbe Million Credits waren zu viel, um spontan zuzusagen – und zu verlockend, um einfach abzulehnen. Also vertagte sie die Entscheidung fürs Erste und merkte sich lediglich, wie sie im Fall der Fälle an den Vorschuss gelangen würde.
Erst die Namen auf den Displays ließen sie kurz hellhörig werden. Das waren mandalorianische Namen. Danys Blick blieb einen Moment daran hängen. Das war kein Zufall, dafür klang der Familienname zu eindeutig. Woher
Dr. Moore diese Identitäten hatte und weshalb sie ausgerechnet auf einen mandalorianischen Clan zurückgriff, wusste sie nicht – aber sie beschloss, sich auch diese Frage für später aufzuheben.

Der Blick der Mandalorianerin wanderte kurz zwischen den beiden
Frauen hin und her.

"Ich bin dabei“

Sie versuchte dabei so abgeklärt wie möglich zu klingen. Ein kleiner Betrug an der Realität, denn innerlich war von dieser demonstrativen Gelassenheit deutlich weniger übrig. Vielleicht hätten andere Mandalorianer aus Stolz gar nicht erst versucht, ihre Begeisterung zu verbergen. Dany dagegen wollte sich zumindest nicht anmerken lassen, dass
Moore ihr gerade eine Summe vor die Nase gesetzt hatte, die ihre bisherige Vorstellung von einem "großen Auftrag" gründlich zerlegt hatte.

"Diese zweitausend Credits von…"

Sie sah zu der
Blauhäutigen hinüber. Für einen kurzen Moment blieb ihr Blick an ihr hängen, länger als eigentlich nötig. Dany wusste selbst nicht so recht, weshalb.

"…die werden genügen, um die Pacht für den Stellplatz meines Schiffes in der Zwischenzeit zu bezahlen."

Damit war die Sache für sie fürs Erste entschieden. Zwei Tage Arbeit, ein gedeckter Liegeplatz und danach womöglich eine halbe Million Credits: Dany griff nach dem Comlink. Sie hatte schon für deutlich weniger ähnlich dumme Dinge getan.


// The Wheel // Appartementkomplex // Moores Appartement // Dany, Moore, Samin; Mira im Nebenzimmer //
 
| The Wheel | in Moores Appeartement |
Samin, Dr. Moore und Dany

Dass Moore Samins Forderung nach zehn Cred-Sticks so selbstverständlich akzeptierte, machte die Angelegenheit nicht weniger eigenartig. Was sie sagte, klang logisch. Natürlich konnte ihr die Bank auch einfach direkt die Sticks aufladen. Aber Samin würde erst dann vollständig daran glauben, wenn sie tatsächlich vor ihr lagen und ein geeichtes Lesegerät bestätigte, dass auf jedem einzelnen davon tatsächlich fünfundzwanzigtausend Credits gespeichert waren. Bis dahin war sie sich wirklich nicht sicher, ob Erleichterung oder Misstrauen überwog. Allerdings beließ sie es dabei. Die Elite-Pilotin hatte ihre Bedingungen genannt, Moore hatte akzeptiert und nun würde sich zeigen, wieviel ihrer beide Worte wert waren.

Die Aufmerksamkeit schiftete ohnehin zu der Mandalorianerin. Die Frau stand noch immer in kompletter Rüstung vor ihnen, das Gesicht hinter dem ikonischen Visier des Helms verborgen, während Moore ihr genau dieselbe Bezahlung anbot. Samin biss sich unwillkürlich auf die Unterlippe. Wie viel Kohle hatte diese Frau zur Verfügung? Jeweils eine Viertelmillion als Vorschuss und eine weitere, nachdem die Sache erledigt war. Das Schweigen, das folgte, konnte die Chiss nur zu gut nachvollziehen. Das Angebot war zu gut, um wahr zu sein, aber auch zu gut, um direkt abzulehnen. Es dauerte einige Sekunden, ehe die Mandalorianerin beide Hände an den Helm hob. Mit ihm verschwand die Anonymität. Es kam eine junge Frau zum Vorschein, sowohl deutlich jünger als Samin als auch deutlich jünger als sie sich unter die Person der Rüstung vorgestellt hatte. Dunkelblondes, Kath-Hund-Haar und ein Gesicht, das nicht recht zu dem Eindruck passen wollte, welchen das T-Visier bis hierhin hinterlassen hatte. Vielleicht war es aber auch nur die plötzliche Veränderung. Eben noch stand eine Söldnerin vor ihr. Jetzt war es eine junge Frau.

Dany Valthor also.


„Samin“, stellte sie sich im Gegenzug vor. „Oder wohl Sinya, ab jetzt“, kommentierte sie den Namen, der in der Holo-Projektion erschien, mit schrägem Kopf, ehe ihr Blick zunächst auf die beiden Comlinks fiel, dann auf den anderen Namen fiel. Sie zog die Augenbrauen zusammen. Der gemeinsame Nachname war kaum zufällig, sagte ihr aber auch nichts. Noch bevor sie in irgendeiner Weise dazu nachhaken konnte, verkündete Dany ihre Entscheidung.

Sie war dabei.

Bei insgesamt einer halben Million Credits konnte Samin ihr das kaum verdenken. Ihr eigenes Angebot von zweitausend Credits kam ihr in Anbetracht dieser Summe nun etwas lächerlich vor, aber Dany kam darauf zurück und wollte sie offenbar für die Stellplatzpacht nutzen.


„Du hast dein eigenes Schiff?“

Die Frage kam schneller, als sie beabsichtigt hatte.

„Was fliegst du?“

Die Mandalorianerin griff derweil nach dem Comlink. Damit schien ihre Entscheidung tatsächlich endgültig zu sein, auch wenn Moore behauptete, dass sie es erst war, sobald sie das Geld abhoben. Samin nahm nun ebenfalls das für sie bestimmte Gerät und betrachtete den Namen erneut.

„Sinya A’kazz“, sprach sie probeweise aus. Das klang so gar nicht nach ihr. Andererseits war das vielleicht der Sinn der Übung. „Wenn ich diesen Namen benutzen soll, brauche ich schon ein bisschen mehr. Herkunft, Familie, Beruf … sowas. Sie haben selbst gesagt, dass es nicht dasselbe ist, sich oberflächlich als jemand auszugeben.“

Sie deutete mit ihrem Comlink auf das zweite Gerät in Danys Hand.

„Wieso tragen wir denselben Nachnamen? Wenn wir Schwestern, Cousinen oder sonst was sind, sollten wir das vielleicht wissen. Oder wird schon niemand nach solchen Dingen fragen?“

Sie räusperte sich erneut.

„Wenn wir schon nicht wie Verwandte aussehen.“

Unterdessen veränderte sich die Holoprojektion. Samin erwischte sich bei der Frage, wie Moore das anstellte. Sie bediente weder ein Datenpad, noch nutzte sie irgendwelche anderen Eingabeflächen oder Tasten. Kurz darauf vergaß sie diesen Gedanken aber auch sofort wieder.

Zanbar. Der Name sagte Samin überhaupt nichts. Einen Moment lang suchte sie in ihren Erinnerungen und ihrem Wissensschatz danach, aber ihr fiel nichts ein. Das bedeutete aber nicht viel. Die Galaxis war groß genug, um nur einen Bruchteil der bewohnten Welten und Monde zu kennen. Samin hatte kaum Grund gehabt, sich jeden Namen einzuprägen, der irgendwann einmal auf irgendeiner Navigationskarte aufgetaucht war. Wenn Moore meinte, dort besser an Ausrüstung zu kommen als auf The Wheel, dann musste sie ihr das glauben.

Sie drehte das Comlink erneut in ihrer Hand. Zwei Tage. Genau die Zeit, um die sie gebeten hatte. Doch nun, da sie sie tatsächlich bekam, erschienen sie ihr plötzlich erschreckend knapp. Sie musste Gongboy auszahlen und irgendwie die Kinder von hier fortbringen. Naeva musste eingeweiht werden und Sana

Bei Sana blieb ihr Gedanke hängen. Sie hatte ihre Tochter gerade erst gefunden. Dreizehn Jahre lang hatte sie angenommen, dass Sana es bei einer wohlhabenden Familie guthätte. Sie nun erneut zurückzulassen … es würde ihr das Herz brechen und die gerade begonnene Beziehung von Tochter und Mutter wieder einreißen. Soviel war sicher. Allerdings brauchte Samin diese Credits, wenn sie all diesen Kindern, nicht nur Sana, eine sichere Zukunft bescheren wollte. Es gab keinen anderen Weg. Zumindest erkannte sie keinen.

Schließlich steckte sie das Comlink ein.


„Ich werde da sein.“

Die Chiss erhob sich.

„Haben Sie ein Datenpad?“

Die Frage war fast rhetorisch. Überall wo sie hinsah, erkannte sie technischen Schnickschnack. Datenpads waren zuhauf darunter. Rian hätte sich hier wohlgefühlt. Nachdem Moore auf ein bestimmtes deutete, das zwei Schritte von ihr entfernt auf einem Tisch lag, trat Samin herüber, klaubte es auf und begann zu tippen.

Hochverschlüsselte Nachricht an Sane von Kath, nur persönlich zu öffnen @Kipf

Mein lieber Sane,

die Eindrücke auf meiner Galaxis-Umrundung sind wirklich wechselhaft. Jeder Ort ist anders. Zuletzt bin ich mehrere Wochen am Stück im Hyperraum gereist. Die Mahlzeiten wurden langsam wirklich eintönig. So viel Zeit, die mit Langeweile einherging. Die Kinder drehen inzwischen am Rad.

Zum Glück sind wir bald an unserem Zwischenziel angekommen. Ein kurzer Hyperraumsprung nur noch. Dann sind wir da.

Noch etwas: Meine behandelnde Ärztin hat mich gebeten, einige Unterlagen einzureichen. Könntest du Dr. Latsek bitten, dir mitzuteilen, wo er die Originale hinschicken wollte? Oder ist er inzwischen aus dem Geschäft ausgeschieden? Ich fürchte, es gab Probleme bei der Weiterleitung durch den Mittelsmann.

In der Annahme, dass du wohlauf bist,

Deine Tante Mina

Als sie fertig war, reichte sie das Datenpad an Dr. Moore und rieb sich die Hände. Etwas unsicher tippte sie dabei von einem Bein auf das andere. Samin hoffte, dass sie ihn damit nicht in Gefahr brachte, er gleichzeitig aber auch verstand, worum es ging. Ein Hyperraumsprung von The Wheel entfernt. Inzwischen hatte sie den Entschluss gefasst, die Kinder nach Centares zu bringen. Es war außerhalb der Hoheitsbezirke sowohl der Neuen Republik als auch des Imperiums, außerdem groß genug, um eine Schar Kinder mit Leichtigkeit zu verstecken. Mit der Finanzspritze von einer Viertel Million würde sie dort für gewisse Zeit ein Apartment mieten können, nachdem sie erst einmal den Flug dorthin finanziert hatte.

„Könnte er auch eine Antwort senden?“

Anschließend wandte sie sich erneut an Dany.

„Weshalb ich fragte, welches Schiff du fliegst, Dany: Passen außer uns beiden noch zwölf Kinder darauf?“

| The Wheel | in Moores Appeartement |

Samin, Dr. Moore und Dany
 
[Mittlerer Rand / Besh-Gorgon-System / The Wheel / Privates Appartement] Moore, Samin und Dany; Mira in ihrem Zimmer

Danyssa Valthor.

Moore nahm den Namen zur Kenntnis und ließ es fürs Erste dabei. Die Frau hatte ihren Comlink angenommen und mehr musste sie im Augenblick nicht über sie wissen. Samins Blick auf die beiden neuen Identitäten dagegen blieb erwartungsgemäß etwas länger hängen.

„Sie sollen keine Schwestern sein.“

Moore drehte das leere Glas im warmen gedimmten Licht des Zimmers.

A'kazz ist ein Mandalorianischer Clanname. Ob Sie eine Chiss sind oder Dany ein Mensch oder Sie beide überhaupt miteinander verwandt sind, spielt dafür keine Rolle.

Damit war für sie eigentlich schon alles Wesentliche gesagt. Mandalorianische Zugehörigkeit war kein Stammbaum, den man an Hautfarbe, Gesicht oder Spezies ablesen konnte und gerade deshalb eignete sie sich für das, was Moore vorbereitet hatte, ausgesprochen gut.

Der Rest ihrer Identitäten liegt auf den Comlinks.

Samin reichte ihr anschließend das Datapad mit der Nachricht für Sane von Kath. Moore nahm es entgegen, überflog den Text und schickte ihn ab.

Ist raus.

Auf die Frage nach einer Antwort deutete sie nur kurz auf Samins Comlink.

Natürlich. Die landet dort. Behalten sie einfach das Pad ich hab genug andere."

Das Pad schrieb sie geistig ab und wandte ihre Aufmerksamkeit bereits wieder dem Gespräch zu, als Samin Dany nach dem Platz auf deren Schiff fragte.

Zwölf Kinder.

Moores Glas blieb einen Augenblick auf halbem Weg stehen.

Damit hatte Samins bisher reichlich unbestimmte Verantwortung zumindest eine erste Kontur bekommen. Ihr Blick ging kurz zu der Chiss, dann schenkte sie sich nach. Gegen die Nerven, also die die sie natürlich nicht hatte. Die Frage war an Dany gegangen und im Augenblick bestand kein Grund, sich einzumischen. Später vielleicht. Für heute hatte die Sephi ohnehin alles erreicht was sie sich nur hatte erträumen können.

Gut.

Moore stellte ihr Glas ab und erhob sich.

Dann sehen wir uns in zwei Tagen.

Sie ließ die Holowand herunterfahren und begleitete die beiden Frauen zur Tür. Falls mit den Konten oder ihren neuen Comlinks etwas nicht funktionierte, wussten beide inzwischen, wie sie Moore erreichten, Adresse und Kontaktdaten waren in den Comlinks. Alles andere konnte warten, bis aus dem geplanten Ausflug nach Zanbar tatsächlich der nächste gemeinsame Schritt wurde.

„Bis dann.“

Das Schott schloss sich hinter ihnen.
Moore blieb noch einen Moment im Flur stehen, während die Wohnung wieder zu jener vergleichsweise ruhigen Form ihres normalen Zustandes zurückkehrte, die nur deshalb ruhig wirkte, weil sie sich längst an das Summen der Systeme hinter den Wänden gewöhnt hatte.

Zwei Tage waren nicht besonders viel. Der Anzug musste vollständig durchgesehen werden. Und Mira vorbereitet. Moore hatte nicht vor, ihre Tochter auf Bakura wieder zu dem zu machen, wofür C-06 ursprünglich einmal gebaut worden war. Trotzdem wollte sie eine Absicherung, falls aus einem sorgfältig vorbereiteten Diebstahl etwas wurde, das sich nicht mehr mit falschen Identitäten, geöffneten Türen und manipulierten Daten lösen ließ.
Dafür war der Kampfanzug da. Ihr Blick wanderte den Flur hinunter in Richtung von Miras Zimmer.

Später.

Zuerst Wein.

[Mittlerer Rand / Besh-Gorgon-System / The Wheel / Privates Appartement] Moore und Mira
 
// The Wheel // Appartementkomplex // Moores Appartement // Dany, Samin; Moore und Mira im Appartement //

Es war erstaunlich, wie schnell sich ein Tag verändern konnte. Vor vielleicht einer Stunde war Dany noch mit der ziemlich überschaubaren Absicht aus der Dawn Chaser gestiegen, sich auf The Wheel mit Munition einzudecken und irgendwo einen besser bezahlten Kopfgeldauftrag aufzutreiben. Dann hatte sie sich verlaufen, an die falsche Tür geklopft, war von einer halbnackten Fremden auf Mando’a als Leckerbissen bezeichnet worden und saß wenig später mit einer rotäugigen Fremden und einer offenbar steinreichen Fixerin vor der Projektion einer militärisch anmutenden Forschungseinrichtung. Und diese Fixerin sah zufällig eins zu eins so aus wie die Fremde an der Tür.

Nun steckte ein Comlink in ihrer Tasche, über das sie Zugriff auf eine Viertelmillion Credits hatte. Unter einem Namen, der nicht ihrer war. Sinya A’kazz.

Dany hatte den Blick während
Moores Erklärung mehr als einmal auf den Namen geworfen. A’kazz war eindeutig mandalorianisch. Dass Moore ausgerechnet über passende Identitäten aus einem Clan verfügte und anschließend beinahe beiläufig verkündete, man werde dessen Einrichtungen auf Zanbar besuchen, war sicherlich kein Zufall. Die junge Kopfgeldjägerin hatte Fragen. Eine ganze Menge sogar. Sie hatte sich jedoch vorgenommen, nicht innerhalb der ersten zehn Minuten ihrer ersten wirklich lukrativen Zusammenarbeit sämtliche Karten auf den Tisch zu werfen. Zwei Tage blieben ihr schließlich noch, um herauszufinden, in was genau sie da eigentlich hineingeraten war.

Und um herauszufinden, ob die Zahl Zweihundertfünfzigtausend auf dem Konto wirklich dort stand.

Dany musste sich beinahe zwingen, nicht schon wieder darüber nachzurechnen, was sie damit alles anstellen konnte. Die Dawn Chaser verbessern. Ihre Rüstung endlich auf einen Stand bringen, der mehr war als zusammengesuchter Durastahl und Hoffnung auf nicht allzu präzise Widersacher. Vielleicht eines dieser Jetpacks. Neue Sensorik. Neue Waffen.

Zanbar und seine Schmieden klangen deshalb beinahe gefährlicher für ihren Kontostand als Bakura für ihren Hals. Doch erst einmal waren da zwei Tage. Und
Samin, als die sich die Blauhäutige vorgestellt hatte. Diese hatte sie kurzerhand für eben jene zwei Tage angeheuert, ehe Dany überhaupt richtig begriffen hatte, weshalb. Zweitausend Credits und Munition. Unter normalen Umständen hätte die Summe kaum ausgereicht, um sie auf The Wheel besonders lange nachdenken zu lassen. Neben einer halben Million wirkte sie jedoch inzwischen fast schon niedlich. Trotzdem hatte Dany zugesagt.

Vielleicht auch, weil sie etwas neugierig geworden war. Wie eine gewöhnliche Glücksritterin wirkte
Samin jedenfalls nicht. Und dann hatte sie plötzlich nach zwölf Kindern gefragt. Ja, zwölf...

Dany war so sehr mit dieser Zahl beschäftigt, dass sie erst bemerkte, dass
Dr. Moore das Gespräch beendet hatte, als die Holoprojektion bereits erlosch. Samin wirkte bei weitem nicht alt genug, um zwölf Kinder zu haben. Die Weißhaarige verabschiedete sie unterdessen mit derselben Selbstverständlichkeit, mit der sie ihnen kurz zuvor eine halbe Million Credits pro Kopf angeboten hatte. In zwei Tagen würden sie starten.

Ein paar Augenblicke später standen Dany und
Samin wieder im Korridor. Das Schott schloss sich hinter ihnen. Für einige Augenblicke blieb Dany einfach stehen, der Helm unter ihrem Arm geklemmt. Der Appartementkomplex war wieder genauso ruhig wie zuvor. Fast absurd ruhig, wenn man bedachte, was gerade hinter dieser Tür besprochen worden war. Sie blickte auf den Comlink in ihrer Hand und steckte ihn schließlich sorgfältig weg. Danach wandte sie sich Samin zu.

"Zwölf Kinder sagtest Du?"

Die Frage kam nicht ablehnend, aber durchaus ein wenig skeptisch. Dany dachte kurz nach.

"Die Dawn Chaser ist eine Ghtroc 720"

Ein übermäßiger Anflug von Stolz schwang bei der Nennung ihres Schiffes nicht gerade mit. Aber Schrottkiste hin oder her – es war zumindest ihre Schrottkiste. Und inzwischen sogar eine, die funktionierte.

"Für zwölf Kinder ist sie nicht eingerichtet"

Eine kurze Pause folgte. Erst jetzt, da sie beide im Korridor standen, fiel Dany auf, wie klein ihr
Gegenüber eigentlich war. Nicht bloß ein wenig kleiner als sie selbst, sondern deutlich. Schmal gebaut, beinahe zierlich, und so leicht wirkend, dass Dany unwillkürlich daran zweifelte, ob Samin überhaupt viel mehr als die Hälfte ihres eigenen Gewichts auf die Waage brachte. Hinter dem Tisch und zwischen all den Projektionen hatte sie größer gewirkt, oder zumindest präsenter. Dany ließ den Blick einen Moment länger auf ihr ruhen. Und genau das machte sie neugierig. Dr. Moore hatte nicht gezögert, dieser kleinen Frau dieselbe fürstliche Summe anzubieten wie ihr. Eine Viertelmillion im Voraus, noch einmal dasselbe nach Abschluss. Für Dany mochte zumindest die mandalorianische Rüstung eine ziemlich offensichtliche Erklärung dafür liefern, wofür man sie gebrauchen konnte. Aber Samin? Was brachte sie mit, das sie Moore eine halbe Million Credits wert war? Dany jedenfalls entschied sich, sie nicht zu unterschätzen. Die Kleine war offenbar wesentlich gefährlicher, als sie aussah.

"Aber reinpassen werden sie"

Dany musterte
Samin noch einen Moment lang.

"Bequem wird es nicht. Aber wenn sie kein eigenes Quartier brauchen, kriegen wir sie unter."

Dany fragte sich, was
Samin überhaupt von ihr wollte. Zwölf Kinder sollten irgendwohin. Das hörte sich nicht unbedingt nach Söldnerarbeit an. Dany neigte leicht den Kopf.

"Wohin müssen sie?"

Und dann kam ihr plötzlich der Gedanke, den sie vorher wohl unterdrückt hatte. Wozu wollte
Samin zwölf Kinder transportieren? Die junge Frau wirkte nicht wie die Sorte, die irgendetwas vorhatte, bei dem Danys moralische Grenze überschritten worden wäre. Aber auch sie täuschte sich gelegentlich. Und bei Kindern war sie ganz sicher nicht bereit, einfach auf einen guten Eindruck zu vertrauen – selbst dann nicht, wenn am Ende eine halbe Million Credits wartete.

"Und... weshalb überhaupt?"

Samins Antwort sollte der jungen Mandalorianerin den größten Teil ihrer Skepsis nehmen. Sie nickte knapp, schob den Gedanken beiseite und warf einen Blick auf das Comlink in ihrer Hand. Die Zahl, die damit verbunden war, spukte ohnehin noch immer irgendwo in ihrem Hinterkopf herum. Ein schiefes Lächeln zog über ihre Lippen.

"Kommst du mit? Ich will jetzt sehen, ob dieses Konto wirklich existiert. Ansonsten findest du mich beim Hangardeck."

// The Wheel // Appartementkomplex // Korridor // Dany, Samin //
 
| The Wheel | vor Moores Appeartement |
Samin und Dany

Und so standen sie draußen. Die Chiss und die Mandalorianerin, in den Taschen Comlinks mit Zugang zu Konten, die ihnen nicht gehörten, einem Datenpad mit dem Samin Kontakt zu Sane halten konnte, und den Köpfen voller verwirrender Gedanken. Noch vor einer Stunde hatte Samin geglaubt, es würde Wochen, vielleicht Monate dauern auf dem Wheel die benötigten Credits zusammen zu bekommen, damit Gongboys fliegender Schrotthaufen von hier wegkam. Nun bestand tatsächlich die Aussicht, dass diese Dr. Moore ihre Versprechen erfüllte und Samin bald eine Viertelmillion Probleme weniger hatte.


„Zwölf“, bestätigte Samin kopfnickend die Nachfrage der anderen Frau.

„720er?“, hakte sie ihrerseits nach und ruf sich ins Gedächtnis, was sie über den leichten Frachter wusste. Das war kein YT, den man überall in der Galaxie antraf, aber sie kannte das Schiff. Selbst wenn die Dawn Chaser nicht explizit dazu ausgestattet war, diese Anzahl von Personen zu transportieren, so hatte sie dennoch einen Frachtraum. Samin hatte mit diesen Kindern zusammen über Wochen in einem Container ausgeharrt. Was auch immer der 720er bot, wäre im Gegensatz purer Luxus.

„Centares. Sollten von hier aus nur ein paar Stunden auf der Perlimianischen Handelsstraße in Richtung galaktischen Norden sein.“

Der Plan setzte sich in ihrem Kopf zusammen, noch während sie sprach. Nicht mehr als verschwommene Hoffnung, die er noch heute Morgen war, sondern schon in Details. Ein kurzer Flug entlang einer der wichtigsten Handelsrouten der Galaxis. Selbst mit den anderen Vorbereitungen sowie der Suche nach einer Unterkunft und dem Rückflug sollte die gesamte Angelegenheit an zwei Tagen zu bewältigen sein.

Wenn alles funktionierte.

Samin steckte sich das Datenpad unter den Arm, richtete den Knoten ihrer Haare und sah Dany einen Moment lang an.


„Bevor du jetzt glaubst, ich würde einfach zwölf Kinder in deinen Frachtraum stecken und dir Koordinaten geben: Ich fliege mit. Sofern … unser Deal die Benutzung deiner Dawn Chaser beinhaltet. Treibstoff kommt natürlich obendrauf.“

Die Mandalorianerin war nun sowas wie ihre beste Freundin auf dieser Station. Nicht, weil sie sich in den wenigen Minuten bisher so sympathisch geworden waren oder etwa, weil sie besonderes Vertrauen in ihre Persönlichkeit hatte. Nein, sie hatte keine andere Wahl. Und sie würde einer Mandalorianischen Söldnerin an jedem Tag der Woche einem Gongboy vorziehen. Und letzteren hatte sie gerade schließlich mit ihrer Tochter und den anderen Kindern alleingelassen. Auch nicht, weil sie ihm vertraute, sondern weil ihr keine bessere Möglichkeit geblieben war. Nun hatte sie eine.

„Sagen wir, die Kinder waren an einem Ort, an dem es ihnen nicht so gut ging und sind nun an einem anderen, wo es genauso ist. Ich bin dafür zuständig, das zu ändern. Und auf Centares ist es hoffentlich anders.“

Das entsprach der Wahrheit. Gleichzeitig musste sie Dany die Details nicht auf die Nase binden. Vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt, sofern sie ihr tatsächlich vertrauen konnte, aber noch nicht jetzt. Im Moment genügte, dass Dany ein fliegendes Schiff besaß, bewaffnet war und für Credits arbeitete, die Samin - oder viel mehr Moore - ihr anbot.

„Centares ist unabhängig und groß genug, dass zwölf Kinder dort nicht automatisch auffallen. Wir bringen sie hin, suchen ihnen eine Unterkunft, die ich im Voraus bezahle. Und ich sorge dafür, dass sie versorgt sind, bis wir von dieser Selbstmor … von diesem Auftrag zurück sind.“

Sie hob das Datenbap unter ihrem Arm ein wenig an, als es heruntergerutscht war. „Wenn Moore tatsächlich zahlt, wird das funktionieren.“

Tatsächlich war da ein Teil ihres Planes, von dem sie keine Ahnung hatte, ob er tatsächlich funktionierte. Die Kinder wären auf Centares eine ziemlich lange Zeit auf sich alleingestellt. Naeva würde das schon geregelt bekommen, aber natürlich war da eine Unsicherheit. Sie würden sich bedeckt halten müssen. Umso mehr hoffte sie, dass Sane ihren Wink verstand und vielleicht jemanden kontaktieren konnte, der sich um die Kinder kümmerte …

„Ich komm' sowas von mit.“

Die Chiss schnaufte.

„Und wenn diese Dr. Moore versucht, uns für dumm zu verkaufen, zahle ich dir, was du willst, um ihr alle Knochen zu brechen. Die Credits treibe ich schon auf.“

Sie mussten ohnehin aus diesem Korridor raus. Je länger sie hier herumstanden und darüber plauderten, zwölf Kinder auf Centares zu verstecken, desto größer wurde die Wahrscheinlichkeit, dass jemand mit ausreichend Langeweile in einem der Appartements mithörte.

Der Weg durch The Wheel führte die beiden Frauen wieder aus dem vergleichsweise ruhigen Appartementkomplex heraus auf die belebteren Ebenen der Station. Mit jedem Korridor nahm die Zahl der Personen zu, die ihnen entgegenkam oder an ihnen vorbeizog. Erneut fiel ihr auf, dass es hier angenehm anonym zuging. Niemand interessierte sich länger als einen Wimpernschlag für sie. Die meisten achteten ohnehin weniger auf die blauhäutige Frau im zerschlissenen Poncho und stattdessen auf die Mandalorianerin in voller Rüstung zu ihrer Seite.

Es dauerte nicht lange, bis sie die Filiale der Bank of Sundari erreichten. Im Vergleich zu den leuchtenden Reklamen von Spielhallen, Spelunken und anderen überfüllten Läden wirkte der umliegende Bereich der Bank schon fast einladend. Es war sauber, gab dezente Beleuchtung. Die Mitarbeiter an den Schaltern waren gediegen gekleidet.
Samin blieb kurz vor dem Eingang stehen.


„Wenn ich auf dieses Konto zugreife und irgendein Alarm geht los, dann renn‘ ich“, sagte sie trocken. „Kannst dann gerne selbst entscheiden, ob du mitkommst oder stehenbleibst.“

Dann trat sie ein.

Der eigentliche Vorgang war weit unspektakulärer, als es die Summe vermuten ließ oder gar verdient hätte. Genau das machte Samin jedoch fast noch nervöser. Der Datenchip auf dem Comlink wurde gelesen, die Identität erkannt und bestätigt und schon fragte die hübsche mirialanische Mitarbeiterin, wie viele Credits Samin gerne abheben würde.


„Alles“, sagte sie, konnte das Schlucken davor jedoch nicht unterdrücken. Die Bankmitarbeiterin lächelte höflich und ließ sich nichts anmerken.

„Auf Credit-Sticks zu zweitausend, achttausend, fünfzehntausend und den Rest in fünfundzwanzigtausenden Stückelungen.“

Die Mirialanerin wiederholte alles nickend, als hätte Samin gerade eine Getränkebestellung abgegeben, und begann bereits auf einem Terminal herumzutippen.

„Benötigen Sie eine Tasche, Ms. A’kazz?“

Die Pilotin nickte. Sie konnte einfach nicht glauben, dass es funktionierte. Da waren sie. Eine Viertelmillion Credits. Sauber zusammengepackt in einer unauffälligen, hochwertigen, schwarzen Tragetasche. Keine Fehlermeldung, keine Sicherheitswarnung, kein Gitter, dass plötzlich die Türen verriegelte.
Sie wusste selbst nicht, welche Reaktion sie erwartet hatte. Vielleicht ein Gefühl der vollkommenden Freude oder Erleichterung. Stattdessen empfand sie weiterhin tiefsitzenden Argwohn. Wie groß war der Haken an dieser Sache? Die Credits machten Moores Angebot nur noch realer. Und damit leider auch alles, was die Frau dafür im Gegenzug erwartete. Samin hatte die Summe abgehoben. Der Deal stand.


„Haben Sie ein Lesegerät?“

Sie bestand darauf. Natürlich hätte sie die Sticks auch mit dem Comlink auslesen können, aber sie wusste nicht so recht. Vielleicht hatte Moore das ja irgendwie manipuliert. Also prüfte sie jeden einzelnen. Erst beim allerletzten begann Samin tatsächlich, an die Sache zu glauben. Die Zahlen gingen auf.
Die Tasche um die Schulter geschwungen traf sie vor der Tür wieder auf Dany. Tatsächlich war sie nun, da sie diese Summe an einem Riemen um ihre Schulter trug, froh, eine gerüstete Söldnerin an ihrer Seite zu haben, die einen Kopf größer war und locker das doppelte von ihr wog.


„Und? Alles da?“, fragte sie, während sie Dany dazu aufforderte, die Handfläche zu öffnen und den mit zweitausend Credits aufgeladenen Stick hineinfallen ließ.

„Jetzt bin ich für zwei Tage dein Problem. Oder du meins. Das finden wir noch heraus.“

Sie räusperte sich.

„Also. Wie sieht’s aus? Bringt uns dein 720er nach Centares?“


| The Wheel | vor einer Filiale der Bank of Sundari |

Samin und Dany
 
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