Truuine

[Innerer Rand | Truuine-System | Truuine | Äquator | Abyston | Wasserbezirk | Rand des Festlandsockels | Schiffswerft | HQ] Matthew, Nira, Major Cestus Varro, Leibwachen, Offiziere und Lokale Sicherheitstruppen sowie Republikanische Sicherheitskräfte(NPCs)


Der Zugriff auf das Hauptquartier war ebenso rasch beendet gewesen, wie er begonnen hatte.

Nachdem die Kreuzung genommen worden war, hatten sich die verbleibenden Räume ohne nennenswerte Gegenwehr sichern lassen. Tür um Tür war geöffnet, überprüft und anschließend unter Kontrolle gebracht worden. Vereinzelte republikanische Sicherheitskräfte hatten noch versucht, sich zu sammeln, waren jedoch entweder entwaffnet oder mit Betäubungsschüssen kampfunfähig gemacht worden. Technisches Personal war festgesetzt, Datenträger gesichert und laufende Prozesse unterbrochen worden, bevor weitere Löschversuche greifen konnten.

Die beschädigte äußere Schleuse hatte sich als ungewollter Vorteil erwiesen. Der blockierte Fluchtweg hatte die letzten Beteiligten in einen Abschnitt gezwungen, der sich ohne größere Auseinandersetzung abriegeln ließ. Aquatische Arbeiter waren aus der Situation herausgeführt und medizinisch untersucht worden; niemand hatte ernsthafte Verletzungen davongetragen.

Innerhalb kurzer Zeit hatte die Anlage nicht mehr wie ein umkämpfter Ort gewirkt, sondern wie eine unter militärische Verwaltung gestellte Infrastruktur. Sicherungstrupps hatten feste Posten bezogen, Protokolle waren aufgenommen, erste Bestandslisten erstellt worden. Die operative Kontrolle war vollständig auf die Kräfte Truuines übergegangen.

Matthew hatte sich noch davon überzeugt, dass sämtliche relevanten Datenarchive physisch isoliert und keine externen Verbindungen mehr aktiv waren. Erst danach hatte er die unmittelbare Einsatzleitung an die zuständigen Sicherheitsstäbe übergeben. Weitere Maßnahmen – Auswertung, Transport, personelle Zuordnung – waren Routine.

Die eigentliche Arbeit begann erst nach dem Ende eines solchen Zugriffs.


[Moraband – einige Tage später]


Die Rückkehr in die Hauptstadt hatte eine andere Art von Stille mit sich gebracht.

Kein gedämpftes Dröhnen von Maschinen, kein metallisches Echo enger Gänge – stattdessen die kontrollierte Ordnung administrativer Räume. Das Praxeum erhob sich wie gewohnt über der Stadt, seine klaren Linien wirkten beinahe unbeteiligt an den Ereignissen, die sich nur wenige Tage zuvor unter der Meeresoberfläche abgespielt hatten.

Matthew ließ sich anmelden, wie es die Protokolle verlangten. Persönliche Verhältnisse änderten nichts an der Struktur, die Gouverneur Solaris bewusst aufgebaut hatte. Als er schließlich eintrat, war seine Haltung die eines Amtsträgers, nicht die eines Kriegers.

„Ridley“, begann er wenig förmlich und neigte leicht den Kopf. „Es ist schön zu sehen, dass die Jedi dich unversehrt zurück geschickt haben. Ich nehme an, dass meine ständigen Ausflüge zu deinen Akolyhten jetzt endlich ein ende haben? Auch wenn ich die Gelegenheit zum Üben meiner Machtblendung positiv nutzen konnte, das ständige hin und her fliegen war doch etwas lässtig. Vorallem wärhend der Grundausbildung.“

Er legte ein Datenpad auf den Tisch, aktivierte die Darstellung und ließ mehrere Projektionen aufscheinen: Bevölkerungsmodelle, Altersverteilungen, Langzeitprojektionen.

Die Sicherung der Werft ist, wie du weißt abgeschlossen. Die Auswertung der sichergestellten Unterlagen sollte bald fertig sein. Ich möchte jedoch einen anderen Punkt mit dir besprechen. Einen, der langfristig erheblich größere Auswirkungen haben könnte.“

Ein Diagramm verschob sich, zeigte nun genetische und soziologische Parameter.

„Die yevethanischen Kriegsgefangenen“, fuhr Matthew ruhig fort, „Ich wurde informiert, das die Verwaltung einen Plan für ein Pilotprojekt zur Umerziehung frischen Nachwuchses auf den Weg gebracht hat. Mata und ich haben uns die Daten nochmals angesehen. Unter der Voraussetzung einer kontrollierten Umerziehung und Integration ergab sich ein interessanter Plan."

Er vergrößerte eine Projektion. Wachstumsraten erschienen, daneben Arbeitskraftverteilungen und Anpassungsindizes.

„Wenn wir die erste Generation unter einen 20 Jährigen Vertrag stellen, ähnlich unser bisherigen Strafarbeiter, dann könnten wir wenn wir eine vollständige Fortpflanzung der Arbeiter erlauben, eine Ausreichend große Bevölkerungsdichte an Yevethanern haben, in der die Verbleibenden ursprünglichen Kriegsgefangenen mit ihrer veralteten Doktrin völlig untergehen würden. Bei konsequenter administrativer Begleitung ließe sich innerhalb weniger Jahrzehnte ein stabiler, nützlicher, yevethanischer Bevölkerungsanteil etablieren, sofern das Pilotprojekt tatsächlich eine erfolgreiche Umerziehung nachweißt, versteht sich.“

Matthew ließ eine kurze Pause.

„Gleichzeitig könnten wir auf diesem Wege den Kriegsgefangenen ein Incentive geben es sich nicht mit den hiesigen Imperialen zu verscherzen. Wenn wir gute 10 tausend Eier pro Jahr von Ihnen in Verwahrung nehmen und sie begrenzenten und stark überwachten Zugang zu ihren Nachkommen erhalten, geben wir ihnen einen Grund als Gruppe dafür zu sorgen das Aufstand und Sabotage sich nicht lohnt.“


[Innerer Rand | Truuine-System | Truuine | Nordpol | Moraband | Regierungspalast | Gouverneursbüro] Matthew, Ridley
 
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Statt üblichen geschlechtsspezifischen Pronomen, werden in diesem Post experimentell geschlechtsneutrale Neopronomen verwendet. „Hen“ ist zu lesen wie „er/sie“ (Nominativ & Akkusativ). „Hens“ ist zu lesen wie „ihr/sein“ (Genitiv). „Hem“ ist Dativ. Beispiel: „Dies ist Ridley Solaris. Hen ist imperialer Gouverneur und hens Planet heißt Truuine. Legat Talzin ist hem zu Diensten.“ Von Außen spielt Ridley eine Person mit er/sein Pronomen vor, um im chauvinistischen Imperium nicht benachteiligt zu werden.
[ Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Truuine / Nordpolarkreis / Regierungspalast / Ridleys Büro ] Ridley

Auch wenn Ridley später an diesem Tag nach Osicia fliegen wollte, um den Akolythen einen Besuch abzustatten, fand der erste Termin am Morgen noch in Moraband stand. Matthew hatte sich relativ spontan einen Termin geben lassen und Ridley hatte zugestimmt eine gute Stunde für hens Vizegouverneur einzuplanen. Besonders seit Beginn der militärischen Grundausbildung hatten beide viel zu selten Gelegenheit gehabt sich unter vier Augen auszutauschen. Natürlich sahen sie sich immer mal wieder in diversen Meetings, doch fand der größte Teil ihrer Interaktion dieser Tage über Memos und Holonachrichten statt. Dass so wenig manuelle Kontrolle vonnöten war, war ein Beweis dafür, wie gut hen den Mann als Vizegouverneur ausgewählt hatte.

„Matthew!“

, beantwortete Ridley die Begrüßung des Anzati, breitete die Arme aus und erhob sich von hens Platz hinter dem Schreibtisch. Nach kurzem Zögern trat hen dann auch hinter dem Möbelstück hervor und begrüßte ihn mit einem auf Arkania üblichen Kuss auf beide Wangen.

„Die Jedi hatten keine Wahl!“

, sagte Ridley lachend auf Matthews Anspielung auf Umbara hin.

„Ich glaube sie hatten eher vor mir Angst. Warum sonst hätten sie eine Padawan, eine Meisterin und einen Rat schicken sollen? Die Senatorin ist sogar gar nicht erst aufgekreuzt.“

Matthews Wunsch, dass seine verdeckten Missionen zu den Akolythen nun ein Ende haben würden, bedachte Ridley mit einem Nicken. Die Missionen waren vonnöten gewesen, um die Lüge zu untermauern, dass Vorn und Qowrow in hens Abwesenheit über keine Machtfähigkeiten verfügten. Dafür hatte hen den Mann bei hens Abreise nach Umbara gebeten, sie in regelmäßigen Abständen in der Macht zu blenden. Etwas, das allem Anschein nach vorbildlich funktioniert hatte.

„Für den Moment. Ich habe kurzfristig keine weiteren Reisen im Terminkalender.“

Ridley grinste.

„Ich danke dir für deinen Einsatz. Beizeiten solltest du mir Machtblendung ebenfalls beibringen, denke ich. Das ist eine zu nützliche Fähigkeit, um damit immer erst zu dir kommen zu müssen.“

Nun kamen sie jedoch zum Geschäftlichen. Auch jetzt trat Ridley dafür nicht hinter hens Schreibtisch zurück, sondern setzte sich stattdessen auf die Tischkante. Matthew legte sein Datapad mit eingebautem Holoprojektor zwischen ihnen auf den Tisch und brachte das Gespräch zunächst zur erfolgreichen Enteignung der Werft.

„Das war gute Arbeit. Die sichergestellten Rebellen sind wichtige Assets in der Wiedererlangung unserer ‚New Tide‘-Crew. Ich habe über inoffizielle Wege bereits einmal angefragt, ob sich ein Gefangenenaustausch organisieren lässt. Wir werden sehen, was da kommt.“

Nachdenklich rieb Ridley sich das Kinn und fuhr dann fort:

„Dahingehend habe ich auch noch eine Bitte, denke ich. Der Angriff auf Port Ryloth soll bald losgehen, aber bis dahin hat glaube ich deine Schülerin etwas Platz im Terminkalender. Seit Kriegsbeginn gibt es eine Ausreisesperre für republikanische Staatsbürger. Jedoch besteht immer das Risiko, dass unsere kriminellen Elemente versuchen werden, sie über Abystons Schlammdistrikt nach Port Ryloth oder offworld zu schmuggeln. Ich möchte das gerne unterbunden sehen und Nira scheint mir die geeignete Kandidatin. Findet das deine Zustimmung?“

Eigentlich hatte Matthew jedoch über ein langfristigeres Projekt sprechen wollen. Geduldig hörte Ridley zu, während er das Gespräch auf die yevethanischen Kriegsgefangenen lenkte, die inzwischen vollständig angekommen waren. Mata und er hatten sich das Konzept von Legatin Denizli noch einmal genau angesehen und wollten nun vorschlagen, wie eine größere Yevethanerpopulation auf Truuine aussehen konnte. Ihnen schwebte ein zwanzigjähriger Initialvertrag vor, der eine jährliche Fortpflanzung von 10.000 Eiern als Anreiz für die Yevethaner betrachtete, sich zu benehmen. Nachdenklich brummte Ridley.

„Das setzt natürlich voraus, dass wir mit unserer kulturellen Umerziehung erfolgreich sind. 10.000 Eier im Jahr bedeutet auch, dass wir bis zu 120.000 Kinder und Jugendliche gleichzeitig versorgen werden müssen, bevor die ersten überhaupt die Volljährigkeit erreichen. Das Arthious Waisenhaus ist mit großzügigen Mitteln versehen, aber auch dieses bietet nur Kapazität für 25.000 – inklusive aller eigentlichen Waisen, die auf Truuine entstehen oder ankommen. Aber Gebäude lassen sich ja bauen; ich habe Sorge, dass wir bei solchen Mengen nicht genug Erzieher Anstellen können, die die yevethanischen Nachkommen in eine ideologisch kontrollierbare Richtung drängen können. Es wird schwer werden Erzieher von außerhalb Truuines einzustellen – es sind immer noch Yevethaner, von denen wir sprechen.“

Für einen Moment zögerte hen, dann fuhr hen fort:

„Ich sehe hier noch logistische und soziologische Schwächen, die euer Konzept ausbügeln muss, bevor wir es in Betracht ziehen können. Ich erkenne den Nutzen einer truuinespezifischen Wachstumsquelle für kompetente Neubevölkerung absolut an. Jedoch ist das Risiko natürlich die Außenwirkung. Wenn wir plötzlich hunderttausende Yevethanereier ausbrüten, wird der Verwaltungsflurfunk sicherlich von einem Koornacht-Kolonieprojekt sprechen – gesponsort ausgerechnet von den Xenoverwaltern. Wenn wir diesen Weg gehen, darf hier nichts schiefgehen, ansonsten können wir froh sein, wenn wir lediglich unsere Karrieren verlieren.“

Ridley grinste.

„Das Pilotprojekt ist jedoch ein erster wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Bevor ich mein ‚Ja‘ gebe, brauche ich einen detaillierten Plan, der sogar Moff Ranganathan überzeugen würde. Vielleicht lege ich ihm den sogar vor, einfach um extra sicherzugehen. Detaillierte Daten – nicht nur Projektionen – über Kosten, Nutzen und Risiken sind dabei essentiell.“

Erneut rieb die Gouverneursperson sich das Kinn, während hen überlegte, ob hen etwas vergessen hatte.

„Mir gefällt auch der zwanzigjährige Vertrag nicht, um ehrlich zu sein. Ja, die Überlebendenden der Fünftausend werden ideologisch untergehen. Dennoch sehe ich das Risiko für ein no-go Viertel in einer unserer Städte, wenn wir ihnen einfach erlauben sich als freie Bürger wieder anzusiedeln. Diese Leute werden sich isolieren und dann einfach aufgrund ihrer Ideologie mit unschuldigen Bürgern und Sicherheitskräften in Konflikt treten. Das wäre ungeschickt, denke ich. Ich stelle mich dem nicht ganz quer, aber vermutlich ist eine abgelegene Unterwassersiedlung nach Sterilisation das Beste. Wir isolieren die Überlebenden vom Rest Truuines, versorgen sie mit allem, was sie brauchen und warten, bis die letzten von ihnen an Altersschwäche gestorben sind. Was meinst du?“

Nachdem sie noch eine Weile über das Für und Wider eines yevethanischen Zuchtprogramms gesprochen hatten, hatte Ridley auch noch ein eigenes Thema auf dem Herzen. Dies hatte hen auch bislang nicht über Memos oder persönliche Nachrichten angesprochen, da hem das Risiko zu groß erschienen war.

„Matthew…was genau ist mit den Krath passiert?“

, fragte die Gouverneursperson in beunruhigtem Tonfall.

„Moff Ranganathan war von einem auf den anderen Tag mutig genug seine Familie zurückzuholen und eine Reaktion der Krath ist auch ausgeblieben. Wie kann es sein, dass unsere Rückendeckung plötzlich derart weggebrochen ist? Hast du irgendetwas von deinen Kontakten gehört? Insgesamt kann ich mir nicht vorstellen, dass diese ganze Sache einen guten Ausgang nimmt. Die Krath haben uns geholfen Truuine über die Übergangsphase zu halten – zum Preis der Sympathie und Unterstützung unseres direkten Vorgesetzten auf Sektorebene. Dass er noch nicht versucht hat uns zu versetzen oder einzusperren ist ein gutes Zeichen, aber kann ich nicht umhin als mir langfristig Sorgen zu machen, wie es weitergehen wird.“

Resigniert seufzte hen und kam noch einmal zu den Yevethanern zurück:

„Ich denke aus diesen Gründen ist es besonders wichtig Ranganathan in den Yevethanerprozess tatsächlich auch einzubinden. Ich schätze, dass er uns nur allzu gerne einen Strick drehen würde. Ein nicht autorisiertes, yevethanisches Kolonieprojekt in seinem Sektor wäre perfektes Material dafür, meinst du nicht?“

Nachdem sie auch über diesen Punkt gesprochen hatten, warf Ridley einen Blick auf hens Chrono.

„Scheint, als wären wir mit unserer Besprechung schneller durchgekommen als ich dachte. Wir haben noch etwa eine halbe Stunde…hast du Lust zum Praxeum zu gehen und mal wieder ein Trainingsduell auszufechten?“

Noch seltener als Treffen von Angesicht zu Angesicht, hatte das ehemalige Meister-Schüler Paar dieser Tage die Gelegenheit zusammen zu trainieren. Es war etwas, das Ridley ehrlich vermisste. Mit hens eigenen Akolythen hatte hen nie ein solches Verhältnis aufgebaut und auch hens Beziehung zu Quiver war selten so positiv und produktiv, wie hen dies von Matthew gewöhnt gewesen war. Zu Ridleys Freude stimmte hens ehemaliger Meister zu und so begaben sie sich schnellen Schrittes zum Praxeum, das in angenehmer Laufreichweite entfernt lag. Unterwegs ging ihr Gespräch zwar noch weiter, doch waren die Themen dank mangelnder Abhörsicherung der offenen Stadt deutlich seichter. Nach wenigen Minuten hatten sie ihr Ziel erreicht und auch mit dem Fußweg eingerechnet, noch Zeit für mindestens ein Duell.

Mit einem Lächeln verbeugte Ridley sich vor Matthew und hens reinweiße Lichtschwertklinge erwachte zum Leben. Zweimal ließ hen den gebogenen Griff in der Hand kreisen und überließ Matthew den ersten Angriff. Der Anzati verließ sich wie immer auf die akrobatischen Manöver seines favorisierten Ataru-Stils und so war die Gouverneursperson vorbereitet, als er im nächsten Moment mit einzelner aktivierter Klinge auf hen zusprang. Ridley lächelte dünn und antwortete mit einer typisch minimalistischen Makashi-Riposte.

Einige Momente lang war Ridley zufrieden damit sich defensiv zu geben. Die Linke in sauberer Duellpose hinter dem Rücken verschränkt, führte hen fast schon klinische Paraden und wich genau in den gebotenen Abständen aus. Beinahe wirkte es, als mache hen sich über hens Meister lustig, bis hen schließlich selbst zum Gegenangriff überging und Matthew mühelos ein paar Schritte zurückdrängte.


„Du hältst dich zurück.“

, sagte Ridley ruhig, während hen ein blitzschnelles Netz aus Schwüngen und Stichen wob, das dem Anzati augenscheinlich Probleme bereitete.

„Ich denke, das ist nicht nötig. Gib mir alles, was du hast.“

Dies brauchte Matthew sich nicht zwei Mal sagen zu lassen. Die zweite Klinge seines Doppellichtschwertes erwachte zum Leben und plötzlich fand Ridley sich in der Defensive wieder. Der Anzati war unglaublich schnell und nun ging ein doppelseitiger, roter Regen auf Ridleys einzelne Duellklinge nieder. Erneut hielt hens Verteidigung stand, doch hatte die Routine hens Bewegungen verlassen. Rotes und weißes Licht spiegelte sich auf hens bleicher Haut und glitzerte in dem dünnen Film aus Schweiß, der begonnen hatte, sich auf hens Gesicht auszubreiten. An den Schläfen hatten sich sogar dickere Tropfen gebildet.

„So…wollte ich das…sehen.“

, zischte Ridley, während hen nun selbst hens ganzes Können aufwendete, um den Ansturm von hens Meister zu brechen. Tausende Stunden Training kanalisierte hen nun in ein einzelnes, emotionskaltes Netz aus Paraden, Riposten – und schließlich einem Gegenangriff. Die Gouverneursperson spürte die Anstrengung in den Gliedern und einem dumpfen Druck zwischen hens Schläfen. Lange würde hen dies ohne Hilfe der Dunklen Seite nicht mehr durchhalten können, doch hatte hen noch genug Saft für einen weiteren Ansturm.

Konzentriert atmete Ridley aus und griff an. Ataru war darauf ausgelegt den Gegner schnell zu besiegen und aus der Phase hatte hen das Duell nun erfolgreich herausmanövriert. Hens Antwort kam blitzschnell und erbarmungslos. Stich um Stich arbeitete hen sich vor und drängte Matthew zurück. Die weiße Klinge zuckte wie ein Fisch im Wasser, setzte gleichzeitig die Verteidigung des Vizegouverneurs unter Druck und parierte seine tastenden Gegenangriffe. Die Wand hinter ihm kam näher und hen sah sich schon siegreich aus der Sache hervorgehen als Matthew etwas Unerwartetes tat. Erst im letzten Moment erkannte Ridley den Machtstoß und konnte grade noch verhindern wie ein Blatt im Wind davongeweht zu werden. Stattdessen machte hen einen kontrollierten Satz nach hinten und lenkte die überschüssige Energie zu den Seiten ab. Mit einem stummen Fluch registrierte Ridley wie viel gewonnenen Raum der Angriff hen gekostet hatte. Hatte hen noch genug Reserven für einen weiteren Ansturm? Schwerlich.

Grade wollte hen den eigenen Widerstand aufgeben und endlich die Dunkle Seite als letzten Reservepool heranziehen, da begann hens Com auf der anderen Seite des Raums vernehmlich zu fiepen. Ridley lachte auf und deaktivierte hens Lichtschwert.


„Das ist der Timer für unser Meeting. Nennen wir es ein Unentschieden?“


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Nach kurzem zögern gab Ridley Matthew die arkanisch übliche Begrüßung und der Anzat würde es zwar öffentlich nicht zugeben, doch hatte er die persönlichen Treffen mit seinem ehemaligen Schüler vermisst. Natürlich sahen sie sich bei Meetings und Besprechungen, doch der formelle Kontakt im öffentlichen Raum oder über Memos wie Holo Nachrichten, war doch sehr viel steifer als es zwischen den beiden sonst üblich gewesen war.

„Interessant, dass sowohl wir als auch die Rebellen am Ende keine Diplomaten, sondern Machtnutzer zu dieser Verhandlung geschickt haben.. Nun. Jetzt bist du ja zurück.“

Das seine ständigen Reisen zum Truuiner Mond ein ende gefunden hatten war für Matthew doch eine Erleichterung. Zwar hatte er aufgrund des Trainingseffekts tatsächlich die Abstände zwischen seinen Besuchen leicht erhöhen können, aber trotzdem war er oft mehrfach die Woche unbemerkt zu den Akolythen seines Schülers geflogen, um deren aufkommenden Machtfähigkeiten zu unterdrücken.

Als Matthew auf den Einsatz an der ehemaligen Alaani Inc. Werft zu sprechen kam hatte der Gouverneur auch gleich noch einen Auftrag für Matthews eigene Schülerin. Republikanische Bürger, die sich durch den anhaltenden Frieden tatsächlich gewagt hatten auf der abseits gelegenen Welt Truuine einzusiedeln, sollten aufgebracht und festgenommen werden.

„Ich denke das ist eine vorzügliche Idee, so kann sie Ihre militärische Ausbildung sinnvoll einsetzen und wir haben Zeit uns auf den Südpol vorzubereiten. Angesichts der offensichtlichen Schmuggelversuche von Alani Inc. würde es mich nicht überraschen, wenn unter den aufzugreifenden Personen noch der ein oder andere Strippenzieher oder Laufbursche finden würde.“

Dann kamen sie jedoch endlich zu dem eigentlichen Thema des heutigen Termins. Die Yevethaner. Die grundsätzliche Idee schien Ridley zu gefallen, dass das Konzept jedoch schwächen hatte, war für Matthew keine Überraschung. Pragmatisch wie sein Schüler stets war, hatte der Gouverneur sogar einige Ideen welche offenen Fragen und Probleme das Konzept dringend beantworten musste. Offensichtlich vorallem logistisch wären die Knappen 120 tausend Kinder eine Herausforderung. Glücklicherweise hatten sie ja bis zur Umsetzung noch ein paar Jahre Zeit. Matthew würde einen Ausschuss an Clerks mit den Problemen beschäftigen und die Legaten mit der Aufsicht beauftragen.

„Wenn das Konzept grundsätzlich deine Zustimmung findet, werde ich dafür sorgen, dass Mata und Legatin Denizli mit der Aufstellung und Planung beauftragen. Wir haben, selbst wenn wir es umsetzen wollen, ja sowieso noch ein paar Jahre Zeit. Eine Sterilisierung der übrig gebliebenen ursprünglichen Kriegsgefangenen wäre sicher sinnvoll und je nach Stand der dann existierenden Yevethanischen Bevölkerung könnten wir statt Isolierung vielleicht auch einfach eine ausreichende Verteilung der ehemaligen Kriegsgefangenen organisieren. In Jedem Fall sollten wir die Bildung eines Yevethanischen Gettos verhindern“

Auf Ridleys nächste Frage hin wurde der Anzat wieder todernst. Auch seine Kontakte zu der Organisation waren größtenteils verstummt. Die Nachforschungen, die er angestellt hatte ergaben kein sonderlich gutes Ergebnis.

„Ich fürchte unsere Freunde gibt es zu großen Teilen nicht mehr. Du hast sicherlich von dem Bombardement der Eisernen Zitadelle auf Empress Teta gehört? Spekulationen über einen lokalen Aufstand der ehemaligen Herrschaftsfamilie oder einem versuchten Putsch durch oder an dem lokalen Gouverneur haben nach der Sache die Runde gemacht. Die Wahrheit ist für uns deutlich unangenehmer. Die Eiserne Zitadelle war das Krath Hauptquartier. Einige meiner Kontakte sind spurlos verschwunden, andere haben selbst keinerlei Nachrichten erhalten und generell war das Wissen um die Eiserne Zitadelle nur wenigen Krath geläufig. Ich denke Ranganathan hat gemerkt, dass seine Bewacher sich in Luft aufgelöst haben und hat versucht, ob er mit ein wenig Aufstand davon kommt. Er scheint sich seiner Sache jedoch nicht sicher genug zu sein, um uns ganz offiziell ans Bein zu pissen.“

Matthews Mine verfinsterte sich als er an den Bericht dachte, den sein Schüler ihm hatte zukommen lassen, nachdem Ranganathan seine Familie hatte abholen lassen. Das der Mann dabei eine Reihe ihrer Sicherheitsleute auf offener Straße ermorden lassen hatte würde Matthew ihm nicht durchgehen lassen.

Was deine langfristigen Sorgen um den Moff angeht. Wenn wir am Südpol fertig sind, werde ich für eine Weile nach Manaan reisen. Der Clerk, die Soldaten und auch Ranganathan und seine Familie werden uns danach keinerlei Probleme mehr bereiten.“

Matthew’s letzten Worte trieften geradezu vor Hass. Nicht nur hatte der Moff einen Mord an Matthews und Ridleys Leuten befohlen, sondern er hatte ihnen dabei auch noch offen ins Gesicht gespuckt. Die Temperatur im Raum, wie auch die Helligkeit der Beleuchtung nahmen für einen Moment spürbar ab.

Nachdem Sie diesen letzten Punkt besprochen hatten, gingen die beiden Verwalter schließlich rüber ins Praxeum um zum ersten Mal seit langem wieder die Klingen zu einem Trainingsduell zu kreuzen. Seit dem letzten gemeinsamen Training lag einige Zeit zurück und Matthew freute sich auf die Gelegenheit. Er war sicher, dass sein Schüler besser geworden war, besonders da Ridley sich auf den zum Duell äußerst geeigneten Makashi Stil spezialisiert hatte.

Die beiden erreichten den Trainingsraum und nachdem sie ihre jeweiligen Mäntel abgelegt hatten, verbeugten sie sich voreinander, so wie sie es vor jedem Kampf getan hatten. Ridleys rein weiße Klinge wirbelte ein, zweimal, dann kam der hoch gewachsene Arkanier in einer perfekten Duellpose zum Stehen. Lediglich die Spitze seiner Klinge beschrieb noch kleine Kreise. Matthew selbst wog seinen Griff einen Moment in der Hand, dann sprang er mit der gleichen Eröffnung auf seinen Schüler zu wie er es schon so oft getan hatte.

Die rote Klinge erwachte mitten im Sprung zum Leben und die Lichtschwerter prallten aufeinander. Ridleys Riposte war perfekt ausgeführt. Das war neu. Diesen so offensichtlichen ersten Angriff seines Meisters zu parieren, hatte der Arkanier schon lange gelernt. Daraus direkt zu einem eigenen Angriff über zu gehen hatte er jedoch bisher noch nicht gewagt. Die folgenden Sekunden gab sich der weißhaarige jedoch weiterhin Defensiv, abgesehen von Riposten konzentrierte sich Ridley auf seine Abwehr und Matthew musste zugeben, dass die Abwehr seines Schülers erheblich besser geworden war.

Dann beschuldigte Ridley Matthew der Zurückhaltung. Womit er gar nicht falsch lag. Der weißhaarige war erheblich schneller geworden und mit nur einer Klinge hatte Matthew inzwischen Mühe den Angriffen seines Schülers nachzukommen. Also ließ er sich nicht lange bitten, seinen Schüler nicht weiter zu schonen. Die zweite rote Klinge zischte und plötzlich ging die doppelte Anzahl an Angriffen auf den schlanken Arkanier nieder und brachte ihn zum Schwitzen.

Jedoch musste auch Matthew einsehen, dass selbst er die Anstrengung des Kampfes zu spüren begann. Sein Lichtschwertstil war dem seines Schülers, was Energieverbrauch anging, meilenweit unterlegen. Selbst seine anzatische Physiologie würde ihm nicht mehr lang weiterhelfen. Doch hatte er bisher noch nicht an seinen Machtreserven zapfen müssen, um die Anstrengung des Kampfes erträglich zu halten.

Trotz der doppelten Angriffe und des weiterhin hohen Tempos, war es Matthew nicht gelungen die Verteidigung seines Schülers zu durchbrechen. Ja die Paraden waren unsauberer geworden und die Riposten hatten nachgelassen, doch die wachsende Ermüdung in Matthews Muskeln ließen ihn langsamer werden, und genau darauf hatte Ridley gewartet. Der schnelle Sieg hatte sich nicht eingestellt und nun ging der Gouverneur erneut in den Angriff über.

Zum ersten Mal in diesem Duell musste Matthew sich eingestehen, dass ihm die Kontrolle über das Duell entglitten war. Selbst seine mit der Macht gestützten Muskeln waren dem Ansturm den Ridley entfachte nicht gewachsen. Schritt für Schritt drängte der Arkanier ihn zurück und Matthew konnte die Wand in seinem Rücken schon beinahe spüren. Ein reines Lichtschwertduell mit seinem Schüler würde er ohne den Einsatz der Dunklen Seite nicht gewinnen. Er konnte einfach nicht genug Geschwindigkeit und Präzision aus seinen ermüdenden Muskeln herauskitzeln, ohne sich hinzugeben. Aber er war noch lange nicht am Ende seines Lateins. Ohne eine Hand von seinem Schwert zu nehmen oder auch nur einen hauch langsamer in seinen Paraden zu werden feuerte der Anzat einen Machtstoß auf seinen Schüler ab.

Ridley der ohne die typische Geste wohl nicht damit gerechnet hatte stolperte Rückwärts. Gerade als Matthew zu einem erneuten Angriff übergehen wollte, damit der Arkanier ihn nicht erneut in die Ecke drängte, klingelte auf der anderen Seite des Trainingsraumes das Comlink des Gouverneurs.

Die beiden Sith blickten einander für einen Moment verdutzt an, dann deaktivierten sie beide lachend ihre Schwerter.

„Da würde ich sagen gerettet durch die Glocke. Wen sie gerettet hat, kann ich aber nicht sagen. Unentschieden.“

Noch immer lächelnd schlugen die beiden Krieger in einem Unterarm Griff ein. „Lassen wir bis zum nächsten Mal nicht so viel Zeit vergehen. Ich sehe ohne einen echten Herausforderer bin ich lax geworden in meinem Training.“

Schließlich verabschiedete sich sein ehemaliger Schüler und Matthew wanderte ein paar Trainingsräume weiter, um seiner jetzigen Schülerin bei ihrem Training zuzusehen. Schließlich hatte er ihr noch einen Auftrag zu erteilen, und sie würde sich über eine Trainingseinheit sicherlich nicht beschweren.


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Statt üblichen geschlechtsspezifischen Pronomen, werden in diesem Post experimentell geschlechtsneutrale Neopronomen verwendet. „Hen“ ist zu lesen wie „er/sie“ (Nominativ & Akkusativ). „Hens“ ist zu lesen wie „ihr/sein“ (Genitiv). „Hem“ ist Dativ. Beispiel: „Dies ist Ridley Solaris. Hen ist imperialer Gouverneur und hens Planet heißt Truuine. Legat Talzin ist hem zu Diensten.“ Von Außen spielt Ridley eine Person mit er/sein Pronomen vor, um im chauvinistischen Imperium nicht benachteiligt zu werden.
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Ridley lachte laut auf, als Matthew feststellte, dass eine von ihnen von der Glocke gerettet worden war – er sich aber unsicher sei wer. Hen war seit hens Ausbildung wirklich weit gekommen, wenn hen ernsthaft den Anzati ins Schwitzen gebracht hatte.

„Sehr gut. Wenn du willst, lass ich dir meinen Trainingsplan zukommen.“

, gab Ridley grinsend zurück. Nun war es jedoch endgültig Zeit zu gehen. Herzlich verabschiedeten die beiden Sith sich und Ridley machte sich auf den Weg zum Landefeld des Praxeums, wo hens Lambdafähre bereits auf hen wartete. Kaum hatte hen das Schiff betreten, schloss sich die Rampe hinter hem und sie hoben ab. Endlich gen Osicia.

Der fröhlichen Verabschiedung zum Trotz, gingen Ridley die äußerst beunruhigenden Dinge nicht aus dem Kopf, die Matthew in dem Gespräch vor dem Trainingsduell gesagt hatte. Das Hauptquartier der Krath sei einem orbitalen Bombardement zum Opfer gefallen? Auch Ridley hatte über die Tragödie der Eisernen Zitadelle auf Empress Teta gelesen, doch dies rückte die ganze Sache noch einmal in ein extrem beunruhigendes Licht. Was genau war wirklich geschehen? Dass die Krath zerschlagen worden waren, schien klar. Doch von wem? Hatten Allegious loyale Elemente eine Chance genutzt die Kontrolle wieder an sich zu reißen, oder hatte Imperatorin Vendar ein loses Ende ihrer Machtergreifung ausgebrannt?

Matthews Antworten hatten keineswegs zu einem Gefühl der Sicherheit geführt – eher im Gegenteil. Und dann war da noch seine Andeutung gegenüber Moff Ranganathan und seiner Familie. Sie würden ihnen nach einer zukünftigen Reise Matthews nach Manaan ‚keinerlei Probleme mehr bereiten‘. Ridley konnte sich denken, was das heißen sollte, es jedoch nicht gewagt nachzufragen. Hen hätte auf eine offene Ankündigung einfach keine Antwort gehabt und hen musste darüber nachdenken, was genau hens Standpunkt war.

Alles in allem schien es hem, als liefe die ganze Sache grade gewaltig aus dem Ruder. Die Familie eines Moffs als Geisel, derselbe Moff der sich seine Lieben wiederholte und als Machtdemonstration lokale Sicherheitskräfte erschießen ließ… Ridleys Vizegouverneur, der fast offen damit drohte, seine Fähigkeiten als Sith auszunutzen, um dieser Bedrohung den Garaus zu machen. Ridley fürchtete, was die nächste Runde in dieser Eskalationsspirale sein würde. Oder was passieren würde, ließ hen die Bedrohung Ranganathan nicht ausbrennen.

Eigentlich hatte Ridley sich für unterwegs einen Bericht über das beginnende Weltraumaufzugprojekt um Naar eingepackt. Doch ließen die Gedanken an das zurückliegende Gespräch hen kaum zur Ruhe kommen. Mühsam zwang hen sich dazu die Zeilen zu entziffern, doch hatte hen grade erst den ersten Absatz verstanden, als hens Com klingelte.


„Präfektin Timone.“

, begrüßte die Gouverneursperson das Hologramm der Karkarodon, das im nächsten Moment über dem kleinen Gerät erschien. Mühsam glättete hen die Stirnfalten, die noch immer von hens düsteren Gedanken kündeten. Die Gestalt im Rollstuhl nickte und antwortete:

„Seien Sie gegrüßt Gouverneur. Ich habe hier eine interessante Sache, denke ich. Es geht um die Causa Merillion.“

Unwillkürlich horchte Ridley auf.

„Gab es einen guten Tipp?“

„Sehr viele sogar. Die zehn Millionen Credits Prämie haben zu einer wahren Flut an Meldungen geführt.“

, gab sie zurück.

„Bei den meisten geht es um angebliche Sichtungen von Reinblütigen Sith. Ich habe ein eigenes Team aufgestellt und beordert jede davon individuell zu prüfen. Wir haben jedoch auch einen Fall, der so kurios ist, dass ich vor dem Handeln Ihren Input einholen wollte, Gouverneur.“

Ridley nickte und bedeutete Mata fortzufahren.

„Der Hit kommt von Aleen. Ein lokaler Bürger hat angegeben, mit einem Reinblütigen Sith zur Schule gegangen zu sein und hat sogar alte Klassenfotos geschickt. Die Gesichtsnarben scheinen mit dem Videomaterial übereinzustimmen, das wir von der keladanischen Verwaltung erhalten haben. Auch wenn ich zugebe, dass es nicht ganz einfach zu sehen ist.“

„Okay.“

, sagte die Gouverneursperson und legte den Kopf schief.

„Das klingt konkret. Gibt es noch Familie auf Aleen?“

„Jaein.“

Ridley zog eine Augenbraue hoch. Mata nickte entschuldigend und fuhr fort:

„Es scheint keine weiteren Reinblütigen Sith im Zusammenhang mit dieser Schule zu geben. Doch weist der Tipp auf einen noch lebenden Aleena namens Dante Merillion hin, der wohl einen Ziehsohn dieser Spezies gehabt haben soll.“

„Hm. Das klingt in der Tat kurios.“

, sagte Ridley nachdenklich.

„Waren Aleena nicht Reptiloide unter einem Meter Körpergröße?“

Mata nickte.

„Wie kommt ein Sith Reinblut auf einen Planeten wie Aleen und wird dort von lokalen Aliens ganz regulär in eine örtliche Schule gesteckt?“

„Das habe ich mich auch gefragt. Es gibt keine imperialen Aufzeichnungen, aber laut unserem Tipp soll Merillion wohl von dem Planeten verschwunden sein, kurz bevor das Imperium dort die Kontrolle übernahm.“

„Das ist ja ein reichlich detaillierter Tipp. Es passt gut…aber vielleicht zu gut. Ich nehme an wir sind nur aufgrund der Klassenfotos wirklich darauf aufmerksam geworden?“

Erneut nickte die Karkarodon.

„Das ist richtig. Der Nachname Merillion ist auf diesem Planeten recht häufig und wir hätten die Sache vermutlich ohne Fotos bereits eingestellt.“

„Fotos kann man fälschen… Und die Merkmale waren ja auch im Holonet zu sehen. Wenn auch dem keladanischen…“

Ridley brummte nachdenklich. Die Sache hatte das Potential hem einen nahen ‚Verwandten‘ des verdammten Jedi in die Hände zu spielen, aber auch massive Ressourcen zu verschwenden, sollte sie sich als fruchtlos erweisen.

„Was sollen wir tun, Gouverneur?“

„Zahlen Sie den Tippgeber auf keinen Fall schon aus. Zumindest für’s erste.“

, befahl hen.

„Schicken Sie jemanden dorthin, die Nachforschungen anstellen kann. Möglichst unauffällig, sonst riecht unser guter Herr Merillion womöglich noch Lunte. Ich denke es sollte eine Patrolianerin sein, auch wenn sogar diese unter Aleena auffällig sein wird. Vielleicht kann sie sich einen lokalen Privatdetektiv mieten? Ach, Sie finden sicher einen schlaueren Weg als ich.“

„Informationen verifizieren, ich verstehe. Ich melde mich dann noch einmal, sollte sich eine heiße Spur ergeben.“

„Danke, Mata.“

Das Hologramm erlosch und Ridley warf einen Blick auf hens Chrono. Das Gespräch hatte beinahe den Weg nach Osicia überbrückt, weswegen hen den Bericht auch mit einem Seufzen wieder wegsteckte. Dafür würde hen also später noch einmal Zeit schaffen müssen.

Der Termin mit den Akolythen führte Ridley in die Innenstadt von Osicia. Beide schienen sich während der Übung auf dem Eismond Kyyne äußerst kompetent angestellt und ihrem Team fünf Tage Sonderurlaub errungen zu haben. Aus diesem Grund hatte hen entschieden die Gelegenheit zu nutzen und sich heute – am Ende besagten Urlaubs – in einem zivilen Etablissement mit ihnen zusammenzufinden. Das erschien hem wie eine passende Symbolik für die Entwicklung, die die beiden über die letzten Monate durchgemacht hatten. Von gefangenen Zwangsarbeitern zu einer militärischen Grundausbildung, zu Bürgern Truuines, die wie alle anderen auch seine Städte bewohnten. Vor allem Vorn schien sich in der Übung besonders hervorgetan zu haben und die Sache am Ende mit einem ‚heroischen Heldentod‘ gewonnen zu haben. Auch wenn es den mit Stunblastern und Betäubungsgranaten eigentlich nicht wirklich geben konnte.

Als hen eintraf, warteten die Akolythen bereits auf hen. Ridley hatte als Treffpunkt ein kleines Café an der Wasserkante gewählt. Es war ein wirklich schöner Laden mit einem breiten Schaufenster zum Wasser hinaus, bequemen Sesseln und verschnörkelten Teetassen. Die Farbgebung starrte nur so von Blau-, Pink- und Magentatönen, die wohl auf das patrolianische Erbe der Besitzerin zurückzuführen waren. Ein Schild hinter dem Tresen, augenscheinlich aus einem liebevoll geschnitzten Stück Treibholz, reiterierte den Namen der Stube: Patroliaans Drogisterij.

Schon beim Eintreten stieg Ridley ein intensiver, würziger-süßer Duft in die Nase, der sich an der Tür mit dem Salz des Meeres mischte. Einen Moment lang blieb Ridley stehen, genoss das wirklich schöne Ambiente und trat dann zu Vorn und Qowrow hinüber, die gedrängt an einem eine Spur zu kleinem Tisch hockten. Die Auren beider Akolythen wirkten mit der Gesamtsituation eher unzufrieden, was Ridley nur noch mehr amüsierte. Routinemäßig ignorierte hen den Cocktail aus Wut und Abneigung, den heute beide ausstrahlten. Sollten sie doch meckern.


„Seid gegrüßt! 1st Private Vorn, 1st Private Qowrow, es freut mich sie beide gesund und in einem Stück wiederzusehen. Ich entschuldige mich so lange fortgewesen zu sein, doch wie man hört, haben Sie sich in meiner Abwesenheit mehr als hervorgetan.“

Dabei schaute Ridley vor allem Vorn an und winkte der patrolianischen Besitzerin.

„Drei Tees bitte…wir verlassen uns auf Ihre Empfehlung.“

, sagte hen an sie gewandt und warf dann wieder Vorn einen Blick zu.

„Mir scheint, als hätten Sie Ihre Waffe wieder redlich zurückverdient.“

Mit einem dünnen Lächeln zog hen das Lichtschwert des Hünen aus einer Innentasche und legte es auf den Tisch. Für den Moment ließ hen hens Hand jedoch noch auf dem Griff ruhen.

„Bitte erstatten Sie mir über die Übung Bericht.“

Qowrow brummte nur unwillig. Nachdem Ridley jedoch auch Vorn Gelegenheit zum Antworten gegeben hatte, fuhr hen fort:

„Sie fragen Sich sicher, wie es nun weitergehen wird. Die gute Nachricht: Die Warterei hat nun endlich ein Ende. Wir mobilisieren und der erste Angriff auf den Südpol wird in den nächsten Tagen erfolgen.“

Ridley lächelte breit. Natürlich wäre es unter normalen Umständen fragwürdig gewesen solche Informationen in einem Café preiszugeben, doch waren einerseits die einzigen anderen Gäste einzelne Mitglieder von hens Garde und andererseits war der Laden zuvor gründlich auf Abhörmechanismen hin gefilzt worden.

„Sie beide werden zusammen mit den Planetaren Sicherheitskräften an die Front gebracht, doch dort sehen wir uns wieder. Wir werden zu dritt die Speerspitze unseres Angriffs bilden. Haben Sie hierzu Fragen oder Wünsche?“


[ Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Truuine / Äquatoriale Inselkette / Osicia / Café 'Patroliaans Drogisterij' ] Ridley und Vorn, sowie (NPCs) Qowrow, Besitzerin und Ridley Garde
 
Innerer Rand | Truuine-System | Truuine | Äquator | Abyston | Wasserbezirk | Rand des Festlandsockels | Schiffswerfthauptquartier ] Major Cestus Varro



Major Cestus Varro stand auf einer der oberen Wartungsebenen, die Hände locker hinter dem Rücken verschränkt und den Blick über die gestaffelten Arbeitssektionen gerichtet. Während unter ihm aquatische Techniker in ruhigen, routinierten Bewegungen an den Gerüststrukturen entlangglitten und Verwaltungsoffiziere der Skybridge-Bataillone gemeinsam mit neuen Ingenieuren und Mitarbeitern, die von der Planetaren Regierung ausgewählt wurden die temporären Kontrollstationen Berichte sichteten, Personal erfassten und Produktionsketten neu ordneten so wie es der Vertrag von Prefsbelt IV vorhergesehen hatte.

Cestus nickte zufrieden. Vor noch ein paar Tagen hatten Sie diese Station erst eingenommen, doch jetzt deutete nichts darauf hin, dass hier einst Rebellion die Zügel in Händen hielten.

Die schwimmende Containersiedlung in der Nähe der Anlage trug inzwischen neue Kennzeichnungen, Nummern, die mit nüchterner Präzision an Modulen angebracht worden waren, und zwischen den schmalen Stegen gingen Arbeiter ihrem Tagwerk nach.

Der Blick des Major glitt nochmal kurz über die Anlage und zu den Posten der Blauen Legionäre, die in ihrer normalen Dienstuniform an strategisch gewählten Punkten standen, nicht als Drohung, sondern als sichtbares Zeichen jener Ordnung, die nun über allem lag.

Zusätzlich zur Freude des Major hatte er auch noch eine Handvoll OMS Devilfish Subs von der Planetaren Regierung erhalten und ein paar Aquatische Soldaten, die Sie unterstützen und einschulen sollten. Cestus fand es gut Einheimische an der Seite zu haben, immerhin kannten sie sich auch besser in der Umgebung aus und konnten sich auch besser in dieser bewegen.

Auch wenn aktuell das leitende Personal hauptsächlich aus Offizieren und Personen aus Prefsbelt IV bestand, so würde sich das in den nächsten Monaten und Jahren ändern. So sah der Vertrag doch vor das früher oder später die Mehrheitsbeteiligung der Fabrik wieder an Truuine zurückfallen würde sobald die Vertragsbedingungen erfüllt waren.

Er bevorzugte zwar menschliche Soldaten und Arbeiter, das blieb eine innere Konstante, geformt aus Gewohnheit, Erfahrung und kultureller Nähe, doch die Präzision, mit der sich die aquatischen Arbeiter in den vertikalen Ebenen bewegten, die Selbstverständlichkeit, mit der sie unter Wasser und auf offenen Plattformen arbeiteten, zwang ihn zu einer sachlichen Anerkennung dessen, was vor ihm geschah. In seiner Gedankenführung blieb nur ein Maßstab bestehen, und zwar Effizienz. Auch das war ein Grund, warum Gouverneur Theranos Zesh und Legat Veran Koss ihn nach Truuine geschickt hatten und nicht eine anderen Offizier.

Die Umbenennung der Werft war bereits Thema in internen Schreiben, ein neuer Name, der die Verbindung zu Truuine deutlicher tragen sollte, und auch wenn dieser Schritt noch nicht offiziell verkündet worden war, zeichnete sich ab, dass die Anlage künftig nicht nur ein industrieller Standort sein würde, sondern ein Symbol für Handlungsfähigkeit.

Nach ein paar Minuten, wandte sich Cestus ab und machte sich auf den Weg zur Garnison nach Oscia um die Truppen und deren Kampfbereitschaft zu überprüfen.



Nach einiger Zeit war Osicia in sicht. Das offene Stadtbild, dessen Boulevards die sich in breiten Linien zum Meer hin öffneten, wo atmosphärische Magnetschilder es nichtamphibischen Bewohnern erlaubten, sich in Unterwasservierteln zu bewegen, während die von Karkarodon dominierte Bevölkerung in einer Selbstverständlichkeit zwischen beiden Elementen wechselte, die einem Außenstehenden zunächst beinahe irritierend erschien, doch im Rhythmus dieser Stadt völlig natürlich wirkte.

Im Zentrum erhob sich der Militärkomplex wie ein Fremdkörper, ein nachträglich eingefügter Koloss aus grauem Durastahlbeton und Stahl, dessen hohe Türme und kantige Fassaden in deutlichem Kontrast zu den niedrigeren, hellen Gebäuden der umliegenden Viertel standen, und während Varros Shuttle auf dem befestigten Landeplatz der Garnison aufsetzte, fiel sein Blick bereits auf den großen Exerzierplatz, der von den Barackengebäuden umschlossen wurde und dessen Weite es erlaubte, ganze Bataillone in Formation aufzustellen.

Die Blaue Legion hatte hier einen eigenen, bevorzugten Bereich erhalten, sauber abgegrenzt, mit separaten Quartieren, die zwar funktional, jedoch deutlich besser ausgestattet waren als Cestus gehoffte hatte.

Der befehlshabende Offizier der Garnison erwartete ihn bereits im Eingangsbereich des Komplexes, eine Haltung zwischen militärischer Strenge und diplomatischer Wachsamkeit, und nachdem der formelle Gruß ausgetauscht war, begaben sie sich in das Gebäude.

Der Offizier berichtete in ruhigem Ton, dass sämtliche Ausrüstung überprüft, Munitionsbestände erneut kontrolliert und Kommunikationskanäle mehrfach getestet worden seien, dass Fahrzeugkontingente einsatzbereit stünden und die Unterbringung der Legion reibungslos verlaufe, während Varro ihm zuhörte, ohne ihn zu unterbrechen, nur gelegentlich eine kurze Nachfrage stellte, die zeigte, dass er die Details nicht nur registrierte, sondern gedanklich in die kommenden Abläufe einordnete.

Als der Bericht endete, trat für einen Moment Stille ein, in der lediglich das entfernte Marschieren einer Einheit über den Exerzierplatz zu hören war, erklärte Varo, dass er nicht lediglich formale Einsatzbereitschaft erwartet, sondern dauerhafte Präsenz in Körper und Geist, regelmäßigen Drill, morgendliche Läufe, Gefechtsübungen unter simulierten Belastungen und eine Disziplin, die nicht erst im Ernstfall aktiviert, sondern täglich gepflegt werde.

Im Anschluss machte Cestus Stichproben der Ausrüstungslisten, kontrollierte persönlich einige der Lagerbereiche und begab sich in die Unterkünfte seiner Männer, wo er unangekündigt Quartiere betrat, Spinde inspizierte, Waffenständer musterte. Bis auf vereinzelte kleinere Verstöße gegen Ordnungsvorschriften – ein nicht korrekt gesicherter Spind, eine unvollständig dokumentierte Wartungseinheit – fand er nichts, was seine Zufriedenheit ernsthaft trübte.

Die Männer standen in guter Form, ihre Haltung aufrecht, ihre Reaktionen wach, und während er über den Exerzierplatz zurück in Richtung des Verwaltungsgebäudes ging, war in seinem Schritt jene ruhige Gewissheit zu erkennen, dass die Legion für das Kommende vorbereitet war.


So verließ Major Cestus Varro am späten Nachmittag Osicia auch schon wieder, stieg in seine Lambdafähre und trat die Reise zum Praxium nach Moraband an.



Innerer Rand | Truuine-System | Truuine | Äquator | Osicia | Garnison | Abflug nach Moraband] Major Cestus Varro
 
[Innerer Rand | Truuine-System | Truuine | Nordpol | Moraband | Praxeum | Trainingsräume] Nira, Soldaten (NSC)


Eine Schande. Das waren die letzten Tage gewesen! Verletzt hatte sie sich! Wie eine Anfängerin. Nicht zum ersten Mal in den letzten Stunden starrte sie ihre Trainingspartner wütend an.


“Nochmal! Strengt euch an!”


Unruhig ging sie auf und ab, während ihre Trainingspartner wieder anlegten. Wieder fingen sie an salvenweise zu feuern, was Nira versuchte mit ihrem Lichtschwert abzublocken. Wieder wurde sie gestreift, wieder schrie sie auf. Nicht vor Zorn, nicht vor Schmerz, vor Wut über ihre eigenen Unzulänglichkeiten.

“NOCHMAL!”

Forderte die Rothaut. Zwar waren die Blaster nicht tödlich, aber dennoch konnte man mittlerweile Spuren dieses Trainings erkennen. Sie schonte sich nicht. In Niras Gedankenwelt war eine Pause erst dann genehmigt, wenn es erkennbaren Fortschritt gab. Alleine das Zögern, das leichte Zittern der Männer, die auf sie schossen ließen, erahnen, dass Nira schon eine ganze Weile hier war. Wieder schossen sie, wieder konnte Nira nicht alles ablenken, wieder schrie sie. Auch ihr Körper wollte langsam protestieren, doch das wäre falsch. Eine Sith durfte keine Schwäche kennen. Schwächen waren Ketten, die es zu sprengen galt. Und so wollte sie die nächste Runde einfordern, doch die Männer schauten einander an.

“Ma’am! Ich bitte Sie! Wir sind erschöpft. Wir sind durchgängig am Schießen, ohne Pause! Wir müssen uns erholen! Und auch Ihr Körper scheint Ruhe zu brauchen!”

Nira funkelte sie finster an.


“Der Feind macht keine Pause, die Republik macht keine Pause und ich… werde… ganz sicher… keine Pause machen!”


Erst da bemerkte Nira bewusst ihren Meister.

“Ihr könnt gehen…”

Kam es an die Männer gewandt, ehe sich Nira vor ihrem Meister nieder kniete.

“Verzeiht meine Unzulänglichkeiten beim Einsatz. Ich muss noch vieles lernen, mein Meister…”

Auch wenn die Rothaut es überspielte, so war alleine das leichte Zittern ihrer Arme und Finger ein klares Zeichen, dass sie sich extrem hart ran genommen hatte. Dazu kam eine innere Unruhe, die selbst ein Schüler es hätte spüren können. Eines war zumindest klar. Nira war außer Balance und extrem wütend. Nicht auf ihren Meister, nein. Die Rothaut war wütend, weil sie noch immer so weit weg von ihrem ursprünglichen Ziel war und glaubte, kaum Fortschritte gemacht zu haben. Dass sie lediglich ein Bewusstsein dafür entwickelte, das ihre eigenen, einst verblendeten Ansichten langsam ablöste, kam ihr allerdings nicht in den Sinn. Dafür war sie gerade viel zu wütend und festgefahren. Auch wenn sich Nira um Ruhe bemühte, so war das alles mehr als offensichtlich an ihrer Atmung, Körperhaltung und Aura leicht zu vermuten.




[Innerer Rand | Truuine-System | Truuine | Nordpol | Moraband | Praxeum | Trainingsräume] Matthew, Nira
 
[Innerer Rand | Truuine-System | Truuine | Nordpol | Moraband | Praxeum | Trainingsräume] Matthew, Nira


In der Macht verschleiert und noch immer leicht gereizten Muskeln betrat Matthew den Trainingsraum in dem er die Präsenz seiner Schülerin wie auch seiner Leibgarde spürte. Keiner der Anwesenden bemerkte, wie er sich in der Nähe der Türe an eine Säule lehnte und das Training beobachtete. Es war offensichtlich, dass die Gruppe in dieser Konstellation schon eine weile zugange war.

Immer und immer wieder verlangte Nira, dass die Männer das Training fortsetzen, ohne dass sie dabei wirklichen Fortschritt machten. Schließlich wagte Sergent Gemata wiederworte zu geben und Matthew trat bei dem emotional geladenen Ausbruch seiner Schülerin vor. Erst jetzt bemerkte Nira ihn und entließ die Leibgarde aus ihrem Training. Schnell kniete sie vor ihm nieder und entschuldigte sich für ihre „Unzulänglichkeiten“ beim Einsatz wenige Tage zuvor. Offensichtlich hatte Matthew seiner Schülerin zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt in der letzten Zeit.

„Beruhige dich, Nira. Ich habe an deinem Einsatz in der Fabrik nichts auszusetzen. Ich bin froh, dass die Grundausbildung so gefruchtet hat und auch wenn es dir noch an Übung im Umgang mit deinem Lichtschwert und der Macht fehlt, muss ich dir doch zu deinen fortschritten Gratulieren.“

Matthew Levitierte zwei Meditationskissen aus einer Ecke des Raumes zu ihnen und bedeutete Nira platz zu nehmen. Er selbst setzte sich im Schneidersitz seiner Schülerin zugewandt hin und legte die Handgelenke auf seinen Knien ab.

„Ich habe die letzten Berichte der Abendschule erhalten. Deine Fortschritte sind ausgezeichnet, du hast in Rekordzeit Lesen und Rechnen gelernt, du hast gelernt mit alltäglicher Technik umzugehen und dein Astrophysik-Kursleiter hat mir empfohlen dir Pilotentraining zu geben, da du augenscheinlich einen Knack für Stellare Navigation zu haben scheinst. Dein Allgemeinwissen hat sich deutlich gebessert und dein Studium von Philosophie wie Psychologie schreitet voran. Unterschätze nicht, was eine gute Bildung dir ermöglicht.“

Matthew spürte, dass es Nira schwer fiel die Fortschritte der letzten Monate anzuerkennen. Abgesehen von einer gesteigerten Körperlichen Verfassung fühlte sie, dass sie auf der Stelle trat. Ihre Lichtschwerttechnik war noch immer Rudimentär und Ihre Machtnutzung hatte kaum sichtbare Fortschritte gemacht, doch Matthew konnte den Unterschied in Ihrer Präsenz fühlen. Die Verrohte und primitive Kraft, über die die Rothaut schon bei Ihrer Ankunft verfügt hatte, wandelte sich in etwas, was einem Jäger ähnelte. Sie erweckte nicht mehr den Eindruck eines primitiven Schlägers, weder in der Macht noch in ihrem Verhalten. Sie erweckte den Eindruck eines jungen Raubtieres, unsicher in ihrer neuen Position aber dennoch deutlich gefährlicher als zuvor.

„Ich verstehe, dass du deine Fortschritte als mangelhaft wahrnimmst. In dem Leben, dass du zuvor geführt hast, hattest du keine Verwendung für Allgemeinbildung oder strategisches Denken. Zum Überleben brauchtest du praktische Fähigkeiten. Doch du kannst nicht jeden Feind mit roher Kraft allein überwinden. Deine bisherige Ausbildung diente dem Zweck, dir dass funktionieren einer Gesellschaft und in dieser zu ermöglichen. Ein Sith allein mag es vielleicht vermögen Imperator zu werden, doch unsere Feinde sind vielzählig. Wenn du den gesamten Orden vernichtest, um dein Ziel zu erreichen, wer Kämpft dann gegen die Jedi? Wer hält das Militär im Schach, verhindert, dass simple Wesen sich einbilden die Geschicke der Galaxis lenken zu können? Wenn du dein Ziel erreichen willst, brauchst du Verstand sowie Kraft. Wissen ist Macht. Einfluss ist Macht. Ein Wesen dazu zu bringen was du willst, und es denken zu lassen es wäre seine eigene Idee gewesen, das ist wahre Macht.“

Für einen Moment ließ Matthew das gesagte auf seine Schülerin wirken. Es würde sicherlich noch etwas dauern, bis die Rothaut sich an ihre neue Realität gewöhnt hatte. Er hatte es versäumt ihr die nötige Bestätigung zu geben, dass sie tatsächlich Fortschritte machte, auch ohne in den Wegen der Sith große Sprünge zu machen.

„Kehren wir zu dem zurück, was du eigentlich von mir lernen wolltest. Die Wege der Sith und die Fähigkeiten die Macht zu deinem Zweck einzusetzen. Wir beginnen mit etwas, was ich dir schon während der Grundausbildung beibringen wollte. Die Tiefschlaftrance. Ich will das du meditierst. Diese Fähigkeit ist unter Sith nicht so weit verbreitet, da sie eine Kontrolle über deine Gefühle voraussetzt die vielen jungen Sith fehlt. Atme gleichmäßig, beruhige deine Gefühle und Gedanken. Spüre der Macht nach, wie sie dich durchdringt und mit deiner Umgebung verbindet. Wenn du diese Verbindung ausreichend nachspüren kannst, dann kannst du lernen deinen Körper aus Ihr zu nähren. Diese Technik erlaubt dir eine schnellere Regeneration, verbesserte Heilung deines Körpers und eine generelle Wahrnehmung deiner Umgebung, während du dich erholst.“

Matthew sah seiner Schülerin eine Weile zu. Es fiel ihr schwer sich zu beruhigen und einen meditativen Zustand zu erreichen. Auch in dieser Technik war der praktische Nutzen von abstrakter Natur.

„Wenn du die Grundzüge dieser Fähigkeit heute erlernst, dann darfst du dir das nächste Trainingsthema und Ziel selbst aussuchen.“

Vielleicht brachte eine Belohnung ein wenig Schwung in die Sache.


[Innerer Rand | Truuine-System | Truuine | Nordpol | Moraband | Praxeum | Trainingsräume] Matthew, Nira
 
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[ Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Truuine / Südpolarkreis / Rebellenbasis / Korridor ] Aldor, sowie (NPCs) Lt. Karveks Zug

Taktisch vorrückend hatten sie ihr Ziel fast erreicht. Jedoch mussten sie enttäuscht feststellen, dass der Weg in die Kommandozentrale durch eine Panzertür blockiert war. Aldor suchte den Raum nach Überwachungskameras ab, fand eine und schaltete sie mit einem gezieltem Schuss aus. Sie würden ihre Gegner im Dunklem lassen, ungewiss, was die Aquatrooper vor ihrer Tür tun würden.

Dan stellten sie sich zusammen und besprachen die Situation. Erst erläuterte Akwaake, mit was sie hinter dieser Tür zu rechnen hatten.

"Haben wir noch ein paar Granaten übrig, um die Crew aus den Gräben zu locken. Sonst müssen wir uns irgendwas einfallen lassen."

Innerlich verfluchte er denjenigen Ingenieur, der auf die Idee gekommen war, Gräben zu installieren. Nur damit irgendein Admiral die Genugtuung erfuhr, auf seine untergebenen Offiziere hinabzublicken. Er musste jedoch seinen Groll beiseite schieben, um Lucias Zeichensprache zu verstehen. Sie schlug vor, nach anderen Wegen zu suchen, was Rayk nicht ganz unberechtigt kritisierte.

"Einen Versuch ist es wert. Bevor die Trooper sich langweilend rumsitzen müssen, können auch einige nach anderen Wegen suchen. Bei Lüftungsschächten könnten nur je ein oder zwei Truppler hintereinander einsteigen, also wird es schwer sein, so die Brücke zu stürmen. Am besten inzenieren wir nebenbei einen Frontalangriff, um sie abzulenken."

[ Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Truuine / Südpolarkreis / Rebellenbasis / Korridor ] Aldor, sowie (NPCs) Lt. Karveks Zug
 
[Truuine System - Erweiterter Orbit von Truuine - Truuines Satellit (Mond) Kyyne - Schrottkrater - Dreadnought - ??? - Akolyth Vorn, Mitglieder von Team Grün]

Traumlos zu schlafen war eine merkwürdige Erfahrung. Obwohl es so hätte sein sollen, fühlte es sich NICHT WIRKLICH wie ein zeitloser Wechsel von Wachzustand zu Schlaf zu Aufwachen an. Das Gehirn wusste um das Vergehen von Zeit, selbst wenn das Bewusstsein noch keine Gedanken formen konnte. Folglich fühlte Vorn nicht nur das Aufwachen, er wusste auch instinktiv um das (unfreiwillige) Einschlafen. Beziehungsweise die Betäubung. Als er also aus diesem erzwungenen Schlaf erwachte, reagierte der Akolyth so ziemlich genau so wie Big Q, als man diesen nach seiner Betäubung aufgeweckt hatte. Mit defensiver Gewalt. Aber nicht indem er um sich schlug. Stattdessen wurde ein erst seit kurzem erlerntes „Programm“ abgespielt. Und dieses bediente sich der Macht.

Nachdem Vorn sich selbst davon überzeugt hatte, wie nützlich die Tiefschlaftrance und andere von der Macht unterstützten Verteidigungsmechanismen waren, hatte er sich beinahe so etwas wie einen Reflex antrainiert. In der (absolut gerechtfertigten) Annahme, dass der stinkende Haarige oder sein sch***hteliger
Meister ihn irgendwie hinterrücks fi**en würde, hatte Vorn es sich angewöhnt besonders wachsam zu sein. Und siehe da, dieser „neuronale Notfallbefehl“ wurde just in diesem Augenblick aktiviert. Noch bevor der rothäutige Mensch seine Augen geöffnet, aber wach war, initialisierte er alle mehr unterbewusst als gesteuerten Befehle seines antrainierten Akolythenbewusstseins.

Irgendetwas knallte, krachte, wummerte und dann, nach ein paar Sekunden, stöhnte und ächzte. Vorn öffnete schließlich die Augen, sich bewusst, dass er sicher war. Die Decke über ihn war langweilig schmucklos und doch zugleich typisch imperial sch***htelig. Als wollte das Imperium einen mit Glanz und Spiegelflächen konvertieren. Der kurze Moment zwischen bewussten Erwachen und dem danach einsetzenden Bedürfnis nach Kontrolle und Sicherheit verflog quasi sofort, sodass Vorns Oberkörper in die Senkrechte schnellte und seine Arme bereit für den Kampf waren. Doch es gab keine Gefahr. Stattdessen sah er eine Reihe von Imperialen, die sich in unterschiedlichsten Stadien des „wegsteckens“ befanden. Manche hockten oder standen in der Nähe einer Wand und erhoben sich geräuschlos, andere – weinerliche Schw***teln – beklagten ihr Ungemach. Vorn brauchte nicht lange um die Situation zu erfassen. Er war auf so etwas wie einer Krankenstation und alles um ihn herum war kreisförmig von ihm weggestoßen worden.

„Grmph!“ grummelte der Akolyth hörbar in sich hinein. Er erinnerte sich. Schockgranaten waren (lächerlich zahlreich) auf seine Position herabgeregnet und er war ohne jede Chance - und Hoffnung auf einen allerletzten Rettungsplan - getroffen worden. Natürlich erinnerte er sich nicht wirklich an irgendetwas genau. Sein betäubtes Gehirn konnte keine detaillierte Chronologie der Ereignisse erstellen, doch ein „X geschah vor Y und dies vor Z“ war dann doch möglich. Scheiße. Hatten sie gewonnen?

Die Antwort kam von einem bekannten, wenn auch namenlosen Gesicht. Der
Major, welchen er in den Wartungsschacht gestopft hatte. Die hässliche Fischfresse mit der imperialen Uniform meldete sich zuerst zu Wort und schien dabei angestrengt so tun zu wollen, als wäre sie gerade nur von einem dezent nervigen Windstoß getroffen worden, der keiner bewussten Erinnerung wert war. Das er nicht stand, sondern aufstehen musste, bemerkte Vorn natürlich. Verfi**te Offiziere. Konnten nichts einfach so wegstecken, hinnehmen und öffentlich zugeben. In unnötig formellen Worten informierte man den Akolythen über seine Heldentat.

First of all: Heldentat? Bitte was? Als hätte man Vorn Säure ins Gesicht geschüttet, zuckte er zusammen. Zuerst reflexartig angewidert, dann bewusst angepisst. Und es wurde mit jedem weiteren Satz schlimmer. Propagandistisch überschwänglich berichtete der Offizier von Vorns heldenhaften Einsatz, als wolle er nicht nur sich selbst, sondern eben auch den Machtnutzer UND alle Zuhörenden überzeugen wollen. Von Vorns selbstloser Tat eben. Was im Grunde so war, als würde man einem Fluss unterstellen nur deshalb zu fließen, damit Tiere daraus trinken konnten.
Nein?! Wie wäre es verfi**t nochmal mit SCHEIßE NEIN?! Der rothäutige Mensch hörte zu, doch eigentlich war er nur mit Schadensbegrenzung beschäftigt. Jedes Wort schien ihn bewusst provozieren zu wollen, weshalb der erneut – ENDLICH – mit der Macht ausgestattete Krieger sich verdammt nochmal zusammenreißen musste, damit er seinen zurückgekehrten Meister nicht gleich wieder „auf die Barrikaden“ bringen würde. Indem er dem Major den wässrigen Fischfressenhals umdrehte, ist ja klar.

Im Grunde wurde es danach nur noch schlimmer. Sie hatten das Szenario gewonnen. Mehr oder weniger nur wegen Vorns Idee. Eben die Wartungsschächte zu benutzen. Wie sich herausstellte, waren diese gar nicht offiziell Teil der Übung, gleichzeitig aber auch nicht verboten gewesen. Keiner hatte sie vor dieser Übung überprüft und fast jeder Schacht und Gang war mehr oder weniger eine potentielle Todesfalle gewesen. Man hatte sie nie erwähnt, weil ohnehin kein Teilnehmer von sich aus auf sie kommen würde. Dummerweise/Klugerweise war es Vorn doch und hatte somit den einzigen noch zur Verfügung stehenden Ausweg gefunden. Wenn auch, und darauf legte der Machtnutzer großen Wert, nicht in der Realität.

Unnötig zu erwähnen, dass ihn jeder deshalb auf den Sack gehen wollte. Alle entschieden sich kollektiv auszublenden, dass eine solch Tat so gar nicht zu diesem Akolythen passte und es daher auch nicht sein konnte. Das es eben Propaganda sein musste. Sie alle taten so als ob. Da aber ein Teil dieser Lüge aus Vorns jämmerlichen Versuch in den Schacht zurück zu kriechen bestand, lehnte er sie offensichtlich grundsätzlich ab. Er sprach es nicht aus, doch ein jedes übermütig fröhliches
Team Grün Mitglied kassierte einen dazu passenden Blick, ein Grunzen oder ein mit der Schulter anrempeln. Es half aber nur wenig, da sich Vorns Gemütsfassung nicht schnell genug herumsprach. Sie alle waren ach so froh über den Bonus. Als hätte er es für sie getan. Oder für sein eigenes Bankkonto oder die Freizeit. Niemand, nicht einmal die restlichen Misfits, schienen sich darüber im Klaren zu sein. Imperiale halt.

Alles in allem waren es ein paar echt beschissene Stunden. Plötzlich schien keiner mehr Vorn VÖLLIG meiden zu wollen. Die Kluft existierte nach wie vor, doch immer wieder wurden Arme und Hände gereicht oder dankende Worte ausgesprochen, als könne man damit irgendetwas bewirken. Also irgendetwas anderes als ABSOLUT ABGEFU**T zu sein! Aber es endete. Und sei es auch nur, weil der Machtnutzer seine gewonnenen freien Tage dazu nutze, um aus dem Wirkungsbereich von Team Grün zu entkommen. Außerhalb dieses ganz spezifischen Szenarios kannte ihn nämlich niemand. Seine Verbindung zu
Aster hatte da wenig Einfluss gehabt.

Die nächsten Tage waren zugleich erholsam und merkwürdig. Gefühlt das erste Mal überhaupt, bewegte sich der Rothäutige alleine auf einer imperialen Welt, ausgestattet mit genug Credits, um sich alles zu leisten, das einen eher schlichen Mann wie ihn umtrieb. Also viel Essen, die Möglichkeit zu trainieren und alleine zu schlafen. All das kostete aber gar nicht mal so viel. Zumindest in einem solch begrenzten Zeitrahmen. Ein ganzes Jahr hätte er nicht so leben können. Die Stadt auf welcher Insel auch immer war bedeutungslos. Vorn würde sich keinen Namen von irgendwem merken. Hinterließ etwas keinen bleibenden Eindruck, sodass er sich Jahre später noch daran erinnern konnte, wieso sich Namen merken?

Also aß er buchstäblich in der erstbesten Fressbude in der erstbesten fremden Stadt auf einer unbekannten Insel, „freundete“ sich dabei mit dem menschlichen Koch an, verschwendete Unsummen, als gäbe es das Konzept von begrenzten Geldmitteln nicht. Alkohol wurde konsumiert, aber als schädlich für das tägliche Muskelerhaltungstraining angesehen und daher wieder aufgegeben. Ohnehin. Diese verfic**e Übung hatte ja mal so gar nichts für seinen Körper getan. Ja, sie waren ewig marschiert und hatten hier und da auch Dinge von A nach B bewegt, doch für seinen Körper? Verschwendete Liebesmüh. Er war geschwächt von Mond zurückgekehrt.
Lächerlich beschissen ineffiziente Übung für spindeldürre Schw**hteln. Kein Wunder also, dass sie für jede noch so anspruchslose Arbeit Droiden benutzten... wie dem auch sei...

Vorn hatte es sich gut gehen lassen und dabei so ziemlich allen bisher angesammelten Lohn in einer Stadt innerhalb weniger Tage ausgegeben. In einer Kolonie ohne Geldwirtschaft aufzuwachsen, war eben nicht unbedingt hilfreich. Vorn wusste um das Konzept, doch er besaß nicht den Willen, um sich daran zu halten. Credits aufzusparen erschien ihm so sinnbefreit wie das Atem unter Wasser … drecks Fischfressen. Wieso musste er sie nur jeden verfi**ten Tag ertragen? Als ob der Ozean um sie herum Grund genug war um solcherlei Geschmeiß dulden zu müssen. Der ganze Planet war voller Luft, die Vorn einatmete. Also war seine Spezies jawohl offensichtlich überlegen! Na wenigstens hatte er ein Restaurant und eine Muckibude für Menschen gefunden. Klar, manch einer davon war so hässlich und deformiert wie nach einem Krieg, aber immerhin waren es Menschen!

Man konnte im Bezug auf Vorn jedoch auch nicht so weit gehen, um von „glücklich“ zu sprechen. Vorn betrieb nur aggressives Aufschieben. Denn der Tag würde kommen, da würde er
Aster und seinen Köter Big Q erneut gegenüberstehen. Er unterdrückte diesen Gedanken mit Hilfe der Credits und des Urlaubs, doch wann immer er einen Moment der Stille fand, kam der Frust zurück. Das Problem war das fehlende Konzept. Seit dem Verlassen der Kolonie war er im Grunde immer nur am reagieren. Musste er das nicht, dann sammelte er Wissen, stählte seinen Körper oder bereitete sich sonst irgendwie auf das nächste ungewisse Szenario vor. Seit den Hutten hatte es nie einen Tag gegeben, an den Vorn einfach mal frei Schnauze seine Zukunft planen konnte. Und das mochte eine Zeit lang okay, mochte akzeptabel oder wenigstens tolerabel sein. Aber halt auch nur EINE ZEIT LANG. Gefühlt war genau diese nun abgelaufen. Vorn spürte es in seinen Eingeweiden, als hätte ihn Magga persönlich ein Zeichen gesandt. Die Waage kippte. Die Vorteile, die es einen brachte im Imperium zu dienen, kompensierten kaum noch die Nachteile. Oder anders ausgedrückt: Vorn fiel es immer schwerer sich zu benehmen. Er wollte irgendwem den Hals umdrehen!

Als hätte
Magga seinen loyalen Diener erhört und wolle ihn nun belohnen, endete der Urlaub des Akolythen mit einer Nachricht seines temporären Meisters. Er wollte ihn – und den Stinker – in einer Stadt namens Osicia treffen. Beinahe hätte sich Vorn sogar an den Namen erinnert, doch am Ende hörte er nur das Rauschen von Wellen und zuckte ignorant mit den gedanklichen Schultern. Dank der hoch entwickelten imperialen Technologie musste er sich an gar nichts erinnern. Den Namen einmal zur richtigen Zeit gegenüber der richten Person fallengelassen und er kam dort schließlich an. Diesmal sogar ohne zu bezahlen, obwohl es kein militärischer Transport war. Aus irgendeinem Grund schien man ihm am Ende des Fluges nicht bezahlen lassen zu wollen. Aber was auch immer … nicht sein Verlust.

Der Treffpunkt war ein Restaurant namens „Patroliaans Drogisterij“, welches Café genannt wurde, doch wen zur Hölle interessierte der Unterschied? Es gab Essen und Getränke, man wurde bedient, saß an Tischen und das auf Stühlen. Verfi**t überkomplizierte Imperiale mit ihren Hang zur... na halt überkomplizierten Dingen. Der Name war natürlich auch ein verbaler Hirnfi**, HÖCHSTwahrscheinlich erdacht von Fischfresse Typ 3. Ärgerlicherweise war der Schoßhund des Meisters früher dran als dieser selbst. Der Wookiee traf fast zeitgleich mit Vorn selbst ein und es dauerte nicht lange, um die nach wir vor existierende Abneigung kundzutun. Auf unverständliche Weise, ist ja klar. Es kam aber zu keinen Handgreiflichkeiten oder Anstarrwettbewerben. Stattdessen setzten sie sich an einen x-beliebigen Tisch und verseuchten die Atmosphäre um sie herum, indem sie maximal unfreundlich und zugleich unerwünscht auftraten. Es gab die Versuche sie zu bedienen, doch die scheiterten nach Sekunden. Die Akolythen waren nicht deshalb gekommen.

Sie waren für den dritten Gast gekommen, der gar nicht mal so lange auf sie warten ließ. Da sich beide Machtnutzer aber nicht gescheit unterhalten und sich hasserfüllte Blicke zuwerfen nur so und so viele Sekunden „unterhalten“ konnte, fühlte es sich doch länger an als real war. Irgendwann erschien
Aster dann aber und NATÜRLICH machte er eine Show daraus. Alles um sie herum war bedeutungslos, wenn nicht zumindest langweilig und austauschbar. Aber NEIN, der werte Herr musste ja so tun als wäre es ein Fest für die Sinne. Jaha, auch Vorn verfügte über Augen, Ohren und eine Nase, aber verfi**t nochmal, wie vorhersehbar schw***telig musste man sein, um daraus eine Sache zu machen? Was auch immer. Aster tat es natürlich und kam dann zu ihnen. Um gleich mal politisch-bürokratische Leere über die Akolythen auszuschütten. Schwafelei auf höchsten Niveau eben.

Bis dann plötzlich Vorns Laserschwert auf dem Tisch lag. Und darauf Asters Hand. Es einfach zu übergeben war natürlich zu viel verlangt. Vorns maßgeblicher Anteil am Sieg des Szenarios war eben nicht genug. NATÜRLICH nicht. Er wollte wissen, wie die Übung verlaufen war. Na das konnte er haben!

„Man hat uns von vorn bis hinten verarscht. Jede beschissene Gelegenheit wurde genutzt, um uns zu fi**en. Wir konnten uns nicht mal so gut verteidigen, wie wir hätten können!“

Vorn verzog sein Gesicht zu einer weinerlichen Fratze.

„Auf niemanden schießen, der gerade klettert. Sonst könnte er stürzen und sich sein scheiß Genick brechen!“

Ein Grunzen.

„Was ein Witz! WAS soll ich mit so einer beschissenen Übung? Was hat das mit der verfi**ten Realität zu tun?!“

Es schien, als würde Vorn alle Klagen, Beleidigungen und Flüche des letzten Monats auf einmal aus sich heraus kotzen. Als hätte er endlich jemanden gefunden, bei dem er sich beschweren konnte. Nur um dann zu realisieren, das er es mit einem Politiker zu tun hatte. Als
Aster antwortete, schien er auf keinen einzigen Kritikpunkt reagieren zu wollen. Stattdessen redete er einfach über die Zukunft. Was hätte in die Hose gehen können, weil es bei dem Rothäutigen nie gut ankam, ignorierte man ihn auf so provozierende Weise. Glücklicherweise bezog sich besagte Antwort von Aster auf die erste ECHTE militärische Auseinandersetzung in Vorns imperialen Leben. Verdammt. Obwohl per se kein Gegenargument zu seiner Hasstirade, konnte der Mensch doch nicht anders als zuzuhören. Er wollte ja nun WIRKLICH echte Feinde zu Klump hauen. Also so wirklich WIRKLICH!

„Ich will nichts mit dem da zu tun haben!“ sagte Vorn und deutete auf den Wookiee, als er an der Reihe war zu reden.
„Der haarige Stinker behindert mich nur. Ich will meine eigene Einheit und sie sollen mir widerspruchslos gehorchen!“

Dann nahm er endlich sein Laserschwert in die Hand und hielt den Griff demonstrativ fest, die Öffnung direkt auf Asters Gesicht ausgerichtet.


„Und ich will keine verfi**ten Beschränkungen, keine Gefangenen, kein „pass auf deine Leute auf“. Ich hab kein Bock mehr auf diese Babysitterscheiße!“


Er wollte töten... und nicht nur die Feinde des Imperiums... mit etwas Glück würde sogar dieser Pisser von Major, der diese Lügen über das Ende der Übung verbreitet hatte, in seiner Nähe sein, sobald er alle Regeln und Gesetzte des Imperiums ignorieren durfte. Er würde ihm buchstäblich die Kehle herausreißen. Mit den Zähnen...

[Truuine System - Truuine - Äquatoriale Inselkette - Osicia - Café "Patroliaans Drogisterij" - Darth Aster, Akolyth Vorn, Akolyth Qowrow und ein paar andere Unwichtige NPCs]
 
[Innerer Rand | Truuine-System | Truuine | Nordpol | Moraband | Praxeum | Trainingsräume] Matthew, Nira



Nira war nicht zufrieden. Ihre Leistungen waren minderwertig und nicht gut genug. In ihrem aktuellen Zustand brauchte sie sich keine Gedanken um den Thron machen… Dafür war sie einfach zu schwach. Irgendwann müsste Nira ihren Meister überholen und dann wäre sie maximal mächtig genug, um EINEN Planeten zu beherrschen. Die ganze Galaxie? Wie viel mächtiger waren diese Sith nur, die überhaupt einmal Imperator des Imperiums gewesen waren. So kniete sie vor ihrem Meister und hörte seine ersten Worte und kämpfte gegen ihren inneren Zorn an. Wollte er sie beruhigen?! Lächerlich! Sie war nicht gut genug!

So setzte sich Nira eher widerwillig auf das Meditationskissen und hörte weiter zu. Ihre schon fast wie eine sterbende Sonne glühenden Augen auf den Boden vor sich gerichtet. Bei dem Thema “Pilotentraining für sie” zuckten kurz ihre Mundwinkel hoch, denn immer noch hatte sie ein gewisses Unbehagen, wenn sie irgendwo hin fliegen musste. Auch wenn es keine Angst oder gar Panik war, so war da bei Nira immer so ein mulmiges Gefühl, was dazu führte, dass die Rothaut oft einfach zu Fuß ging, wenn es möglich war.


“Ich mache nur das, was meine Lehrer mir sagen. Nicht mehr.”

War das einzige, was Nira bis dahin zu sagen hatte. Es ging nichts voran. Ihr Körper und Geist waren gleichermaßen schwach! Enttäuschend! Was aber noch peinlicher war, war die Erinnerung daran, für wie stark sie sich als Jüngerin empfunden hatte. Dabei war die Rothaut nie besser als die Insekten gewesen, auf denen sie herumgetrampelt hat. Nein. Alles, was Nira gewesen war… Alles, was sie ausgemacht hatte… Es war nur das Verhalten eines minimal größeren Insekts mit Größenwahn. Daher waren die Worte ihres Meisters nur teilweise beruhigend. Auch als er weiter sprach, hörte Nira zu. Ironischerweise hatte der Mann, welcher nun vor Nira saß, wirklich einiges in den letzten Tagen und sogar beim Militärtraining verschlafen.

“Warum denkt ihr, habe ich bei der Militärausbildung meine Truppe so eingesetzt und nicht einfach in Massen vor geschickt. Ich weiß das. Hätte ich meine Männer bei der Übung verheizt, hätte ich auch bei dem Einsatz nicht gehandelt, wie ich es getan habe, dann hätten wir wertvolle Zeit und/oder Männer verloren. Beides ist keine Option. Ich habe die Nachrichten angeschaut. Ich habe darüber nachgedacht. Wir stehen vor einem Krieg, wenn er nicht gerade in diesem Moment ausbricht. Alleine ein Soldat, den wir unnötig bei unserem Ausflug verheizen, kann am Ende den Unterschied machen, ob wir siegreich sein werden, oder eine Niederlage erleiden. Wir werden Opfer haben. Wichtig ist nur, dass diese Opfer einen Wert im gesamten Bild haben…”

Ihr Blick wurde finsterer.

“Und genauso ist es bei meinem Ziel… Wenn ich schon jetzt hier jeden Soldaten gegen mich aufbringe… Wer würde eventuell irgendwann hinter mir stehen, wenn ich den Imperator ablösen will… Hier und jetzt lege ich schon den ersten Grundstein dafür… Ich bin nur sauer, dass ich getroffen wurde und deswegen unser Trupp geschwächt war. Wären wir nochmal auf härteren Widerstand getroffen, dann wäre meine Einsatzkraft härter reduziert gewesen als nötig.”

In der Tat war Nira in den letzten Wochen vor dem Einsatz und vor der Militärausbildung zu dem Schluss gekommen. Schon recht früh war das Training ihres Meisters erfolgreich gewesen, auch wenn dieses bewusste Denken etwas Zeit in Anspruch genommen hatte, um bei Niras Dickschädel durch zu kommen. Nur langsam suchte sie den Blick ihres Meisters. Auch wenn da immer noch die Wut in ihren Augen lag, war es nicht vergleichbar mit jener bei ihrer Ankunft. Eher wirkte es wie der Blick einer Person, die sich selbst antrieb, weiter Fortschritte zu machen. So hörte die Rothaut mit einer stoischen Ruhe zu, die wahrscheinlich bei ihrer Ankunft noch quasi unmöglich gewesen wäre. Wahrscheinlich nur ein weiteres Zeichen dafür, dass Nira mental gereift war. Sie schnaubte nach dem Ende der Erklärung und raunte nur ein leises;

“Klingt für mich nach Jedi-Kram…”

Allerdings setzte sich Nira nun wie zum Meditieren hin und schloss ihre Augen. Innerlich war es hart. Denn am Ende kämpften ihre Instinkte nun gegen das Beruhigen. Ihr Geist empfand es einfach als unsinnig, auch wenn es eine Lektion war. Bei dem Vorschlag, sich ein Thema in Zukunft selbst aussuchen zu dürfen, unterbrach Nira kurz die Meditation und schaute ihren Meister eingehend an.

“Ich will keine Wahl treffen, die keinen Sinn macht.”

Ihr Blick wanderte auf ihre Schwerthand.

“Um genau zu sein, verstehe ich immer besser, dass das was ich lernen wollte einfach nur die Allmachtsfantasien einer Närrin waren… Die Träume einer Person, die nicht verstand, wovon sie sprach…”

Damit schloss sie ihre Augen. Ironischerweise waren ihre eigenen Worte ausreichend, damit sich Nira nun doch deutlich besser beruhigen konnte und nach und nach in einen meditativen Zustand übergehen konnte. Es war für sie auch ein wenig ironisch, dass es ihr vor dem Einsatz leichter gefallen war, selbst als die Rothaut in einem Fluggerät gesessen hatte und nun in einem Trainingsraum auf Probleme stieß. Dennoch schaffte Nira es in eine Meditation zu fallen.



[Innerer Rand | Truuine-System | Truuine | Nordpol | Moraband | Praxeum | Trainingsräume] Matthew, Nira
 
[ Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Truuine / Südpolarkreis / Rebellenbasis / Korridor ] Lucia und Aldor, sowie (NPCs) Lt. Karveks Zug

„[Granaten haben wir noch]”

, signalisierte Lucia in standardimperialer Zeichensprache.

„[Ebenfalls genug Detopacks mit Fernzünder, um es dort drinnen äußerst unangenehm werden zu lassen.]“

Auf Lucias Vorschlag die Lüftungsschächte zu benutzen, zeigte Lieutenant Karvek sich vorsichtig optimistisch und schlug vor diesen Weg zumindest zu erkunden. Insgesamt schien er jedoch den Frontalangriff zu favorisieren. Der Grundtenor lag also darin zunächst mehr Informationen über ihre Optionen einzuholen. Gesagt, getan. Sergeantin Yagasdottir machte sich mit einem Trupp auf den Weg die naheliegenden Lüftungsschächte zu erkunden, während Sergeant Sperber und seine Leute damit begannen die Panzertür selbst zu untersuchen. Command Sergeant Akwaake hielt sich an Lieutenant Karvek und Lucia schnappte sich den abgetrennten Karkarodonarm, um den Lageplan und daraus vielleicht resultierende Lösungen ihres Problems unter die Lupe zu nehmen.

Insgesamt schienen die Erbauer der Basis ihr Handwerk verstanden zu haben. Die Brücke zeigte mit den Fenstern in Richtung der Schlucht und konnte nur von hinten, aus der Basis heraus betreten werden. Unter ihr und zu den Seiten befand sich nichts als Fels und über ihr kam bereits nach wenigen Metern der verstärkte Meeresboden. Der einzig logische Zugangspunkt für sie war also die verstärkte Panzertür, die bereits jetzt Sergeant Sperbers Team hartnäckig Widerstand zu bieten schien. Hier hatte jemand wahrlich einen Tresor gebaut, der nur mit unangenehm viel Zeit und Ressourcen aufgebrochen werden konnte. Das Gegenteil ihrer Mission, waren sie doch eigentlich geschickt worden, um den Feind rasch zu enthaupten.

Nach wenigen Minuten kehrte Sergeantin Yagasdottir zurück und die Offiziere fanden sich ein weiteres Mal zu einer Beratung zusammen. Zwar konnte Lucia das Gesicht der Sergeantin unter ihrem Helm natürlich nicht sehen, doch kannte sie Greta gut genug, um einzuschätzen, dass die Frau keine guten Nachrichten mitbrachte.


„Die Lüftungsschachtidee wird nicht funktionieren.“

, begann Sergeantin Yagasdottir mit angestrengt neutraler Stimme.

„Es gibt keine Schächte, die von hier aus zur Brücke führen und auch nach draußen gibt es keine Schächte, durch die ein Soldat passt. Wir haben mehrere Schächte zum Druckausgleich verfolgt, aber in Menschengröße führen sie ausnahmslos zur Oberseite der Basis.“

„Ich fürchte von der Panzertür habe ich ebenfalls schlechte Nachrichten.“

, schaltete Sergeant Sperber sich ein.

„Die Tür ist genau für so eine Situation geschaffen. Mit unseren Schweißgeräten und Detopacks können wir durchbrechen, aber schätze ich, dass dies etwa vier Stunden dauern wird.“

Entmutigt brummte Lucia in ihr Atemgerät hinein. Sie hatten den Feind in die Ecke gedrängt, doch würde es viel zu lange dauern, ihn dort herauszuholen. Und dabei sprachen sie noch nicht einmal von dem kostspieligen Frontalangriff selbst. Nachdenklich betrachtete Lucia die Karte. Es musste doch einen Weg geben den Panzer irgendwie aufzubrechen…

„[Ich denke ich weiß etwas.]“

, signalisierte Lucia plötzlich. Ihr Herz schlug schneller und nicht nur, weil sie einen logischen Durchbruch erzielt hatte.

„[Yagasdottir, wo genau treffen die Lüftungsschächte auf den äußeren Panzer?]“

Die Sergeantin zeigte auf eine Stelle über der Brücke.

„[Folgende Idee: Wir platzieren unsere Detopacks an genau dieser Stelle und schließen diese Zwischentür hier.]“

Sie zeigte auf die Tür, durch die Yagasdottirs Team vorhin verschwunden war, um zu den Lüftungsschächten zu gelangen.

„[Lassen wir dann die Detopacks hochgehen, sollten die Panzerplatten von innen beschädigt werden. Die sind auf gleichmäßigen Außendruck ausgelegt, auf eine punktuelle Explosion von innen werden sie empfindlich reagieren. Wenn meine Einschätzung richtig ist, wird der Tiefendruck die beschädigten Platten durchschlagen und die Rebellen in der Brücke eliminieren. Der Rest der Basis sollte hinter dem verschlossenen Schott größtenteils verschont bleiben…]“

„Auch mit geschlossenem Schott wird es über die Lüftungsschächte zu einem Druckpeak im Rest der Basis kommen, bevor die Druckausgleichssysteme greifen können!“

, schaltete Sergeant Sperber sich jäh mit alarmiertem Tonfall ein.

„Irgendwelche Aquaxenos im Rest der Basis und uns sollte das nicht tangieren. Aber Sie haben keinen Helm mehr, Velucci!“

„[Dazu kam ich noch, Sergeant.]“

, signalisierte Lucia mit finsterer Miene in Richtung ihres Kollegen.

„[Wie Sergeant Sperber richtig bemerkt hat, wird es einen Druckpeak geben, bevor der Druckausgleich greift. In diesem Fall würde ich vermutlich durch Barotrauma schwer – oder wahrscheinlicher tödlich – verletzt werden.]“

Die Sergeanten Sperber, Yagasdottir und Akwaake erhoben bei diesen Worten unisono die Stimmen zum Protest und ein Trooper aus Lucias Trupp, der die Besprechung aus dem Hintergrund verfolgt hatte, schwamm vor.

„Ma’am, ich biete Ihnen meinen Helm an!“

„[Schweigen Sie, Trooper! Das betrifft Sie grade nicht.]“

, gestikulierte sie erbost in Richtung des vorlauten Mannes. Die Tragweite seiner Geste war ihr nicht entgangen, doch hatte sie ganz sicher nicht vor, sich von irgendjemandem ganz ritterlich retten zu lassen. In Richtung ihrer Kollegen fuhr sie energisch fort:

„[Wenn ich meinen Plan fertig ausführen dürfte? Wir haben einen Plan, der die Brücke in einem Schlag eliminieren kann. Unabhängig von etwaigen Nebenwirkungen. Wir sollten diese Leute anfunken und zur Aufgabe auffordern. Die kommen aus dieser Sache entweder als Mus oder lebend heraus! Mir scheint, das ist eine relativ einfache Wahl.“

Mit einem nachdenklichen Brummen wiegte Command Sergeant Akwaake ihren Kopf hin und her.

„Wir wissen, dass ein externer Militärberater der Republik dort das Sagen hat. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass der so einfach aufgibt. Aber einen Versuch wäre es wert.“

„[Wenn er ablehnt, sollten wir meinen Plan umsetzen.]“

, antwortete Lucia rasch. Der Trooper, der sich eben eingeschaltet hatte, schien noch etwas sagen zu wollen, doch brachte ihn Lucias Blick zum Verstummen.

„[Der Verlust eines Troopers ist vier Stunden Wartezeit und einem Frontalangriff mit sicherlich höheren Verlusten vorzuziehen!]“

Die Situation wirkte unwirklich. Logisch war Lucia sich über die Konsequenzen ihres Vorschlags natürlich im Klaren. Dennoch fühlte es sich an, als würde sie die Worte einer anderen verfolgen. Ihre Hände waren trotz der klaren Worte taub und ein dumpfer Druck hatte sich um ihren Kopf gelegt, fast so als stürze der schwere Druck des Ozeans bereits von allen Seiten auf sie ein. Dennoch war sie nicht versucht für ein anderes Vorgehen zu plädieren. Der Vorschlag war logisch und ihrem taktischen Verständnis nach das korrekte Vorgehen.

„[Lieutenant?]“

, signalisierte sie in Karveks Richtung. Der Lieutenant würde in letzter Instanz entscheiden müssen, ob er bereit war sie zu opfern, wenn sich die Rebellen nicht ergaben.


[ Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Truuine / Südpolarkreis / Rebellenbasis / Korridor ] Lucia und Aldor, sowie (NPCs) Lt. Karveks Zug
 
Statt üblichen geschlechtsspezifischen Pronomen, werden in diesem Post experimentell geschlechtsneutrale Neopronomen verwendet. „Hen“ ist zu lesen wie „er/sie“ (Nominativ & Akkusativ). „Hens“ ist zu lesen wie „ihr/sein“ (Genitiv). „Hem“ ist Dativ. Beispiel: „Dies ist Ridley Solaris. Hen ist imperialer Gouverneur und hens Planet heißt Truuine. Legat Talzin ist hem zu Diensten.“ Von Außen spielt Ridley eine Person mit er/sein Pronomen vor, um im chauvinistischen Imperium nicht benachteiligt zu werden.
[ Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Truuine / Äquatoriale Inselkette / Osicia / Café 'Patroliaans Drogisterij' ] Ridley und Vorn, sowie (NPCs) Qowrow, Besitzerin und Ridley Garde

Vorns Bericht – wenn man ihn denn so nennen wollte – war in seiner gewohnten Art uncharmant und vulgär. Ridley merkte, dass hen eine gesegnete Weile nicht mehr mit ihm gesprochen hatte, denn hen brauchte einen Moment, bis hen die aggressiv dummen Worte verarbeitet hatte. Wirklich, nach Monaten des Trainings beschwerte Vorn sich noch immer über die Fiktionalität einer Übung? Hatte er noch immer nicht verstanden, worum es bei VORBEREITUNG auf die Realität gehen sollte?! Sogar Ridley hatte verstanden, dass ihnen im Feld Koordination und Kommandokette im Zweifel das Leben retten konnten, also genau das was auf Kyyne trainiert worden war. Für einen Moment erwog Ridley ein wenig Atem zu verschwenden dem Mann diesen Sachverhalt zu erklären…entschied sich dann jedoch dagegen. Genauso gut hätte hen versuchen können einer Taube das Schachspiel beizubringen. Also fuhr hen stattdessen mit einem Zukunftsausblick fort.

Doch auch hier hatte Vorn natürlich auf Ridleys Frage nach Wünschen in erster Linie Blödsinn, den er loswerden wollte. Er wollte nichts mit Qowrow zu tun haben und dann wollte er auch noch ein Kommando über eine Einheit. Und um allem die Krone aufzusetzen, forderte er dann ebenfalls noch, dass er auf die ihm zugeteilten Leute nicht achtgeben wollte. Mit einem Seufzen schüttelte Ridley den Kopf und rieb sich die Nasenwurzel. Dieser Typ war wirklich ein Unikat. Bei der Macht, hen hatte Vorn nicht vermisst!


„Nein, Private Meri… Sie können entweder das Kommando über eine Einheit bekommen, oder als Einzelkämpfer agieren. Haben Sie das noch immer nicht begriffen?“

Ridley musste arg an sich halte nicht die Augen zu rollen.

„Meinetwegen können Sie Ihre destruktive Energie auf den Feind entfesseln, aber die Verantwortung für ihr Squad werden Sie nicht loswerden, solange Sie in meinen Sicherheitskräften dienen. In diesem Licht muss ich Ihren Wunsch eines eigenen Kommandos leider ablehnen.“

Ridley schenkte dem roten Menschen ein Lächeln, das genau anzeigte, wie sehr Vorn hen mal konnte. Dennoch schon hen dem Mann nun endlich sein Lichtschwert zu.

„Was die Trennung von Ihnen beiden angeht, habe ich jedoch gute Nachrichten. Der Plan ist, dass wir alle gemeinsam den ersten Angriff kämpfen, uns jedoch anschließend verteilen. Unser Oberkommando geht von Guerillataktiken aus, sobald wir die erste Verteidigungslinie einmal durchbrochen haben und bis wir die eigentliche Stadt erreichen. Es wird somit keinen Grund für Sie beide geben, sich Übergebühr zu Gesicht zu bekommen.“

Mit einem weiteren Lächeln war Ridley nun Qowrow einen Blick zu, der sich bisher außer ein wenig unverständlichem Grollen still verhalten hatte. Der Wookiee einen uncharakteristisch wütenden Ausdruck in den Augen, zuckte jedoch nur die Schultern.


„[Was der rote Drecksack sagt. Wenn’s geht will ich seine hässliche Hackfresse nicht seh’n!]

, erklärte er auf shyriiwook.

„Gut. Wie gesagt, das wird sich weitgehend arrangieren lassen.“

, gab Ridley zurück.

„In Ordnung, dann ist glaube ich auch soweit das Wichtigste schon besprochen. Ich möchte Sie vor Beginn der Kampfhandlungen jedoch noch einmal auf die Gefahr hinweisen, die von Ihren Emotionen ausgeht. Auf Kyyne konnten Sie sich uncharakteristisch gehenlassen, dies hat jedoch nun wieder ein Ende. Denken Sie stets an den Machtmut!“

, erklärte hen mit einem freundlichen Nicken und stellte zu hens Überraschung fest, dass dies Qowrows schlechte Laune nur noch zu steigern schien. Grade wollte hen nachfragen welche Laus ihm denn über die Leber gelaufen war, als das Glöckchen am Eingang des Cafés bimmelte. Ah, ein weiterer Gast war eingetroffen. Gedanklich verschob hen die Wehwehchen des Wookiees auf später, erhob sich und trat mit offenen Armen auf Cestus Varro zu, der hens Einladung ebenfalls gefolgt war.

Gekleidet war der prefsbelter Offizier in eine
blaue Paradeuniform mit goldenen Epauletten und schönen Akzenten in derselben Farbe. Einen interessanten Kontrast boten weiße Handschuhe und ein weißer Schirm seiner Offiziersmütze. Die Abzeichen auf seiner Brust wiesen ihn als Major Planetarer Sicherheitskräfte eines fremden Planeten aus. Bis jetzt hatte Ridley noch keine Gelegenheit gehabt ihn persönlich zu begrüßen und hatte ihn daher kurzfristig zu hens Gespräch mit den Akolythen eingeladen. Vor dem Angriff wäre es sowieso noch wichtig gewesen, die drei einander vorzustellen, also konnte hen die Gelegenheit auch nutzen.

„Willkommen auf Truuine, Major Varro!“

, sagte Ridley mit einem breiten Lächeln.

„Ich bitte um Entschuldigung, dass wir uns noch nicht persönlich getroffen haben. Die Woche nach meiner Rückkehr war äußerst hektisch. Danke, dass Sie meiner Einladung gefolgt sind. Setzen Sie sich doch zu uns.“

Freundlich legte Ridley dem Mann eine Hand auf die Schulter und führte ihn zu den Akolythen, wo hen der Cafébesitzerin signalisiertem ihm einen weiteren Tee zu bringen.

„1st Private Meri, 1st Private Qowrow, dies ist Major Cestus Varro vom Skybridge Battalion von Prefsbelt IV. Major Varro und seine Leute werden freundlich genug sein, uns bei unserem Angriff zu unterstützen und werden besonders mit uns eng zusammenarbeiten.“

Während die patrolianische Cafébesitzerin vor jedem von ihnen einen Tee auf den Tisch stellte, wandte Ridley sich wieder an Varro.

„Dies sind meine beiden Machtakolythen, Privates 1st Class, Vorn Aphadon Meri und Qowrow.“

Ridley lächelte breit.

„Was ihnen an Charme fehlt, werden Sie ohne Zweifel durch Effektivität im Feld wettmachen.“

, konnte hen sich dann doch nicht verkneifen, warf dem hünenhaften Menschen und dem Wookiee jedoch einen warnenden Blick zu, sich zu benehmen.

„Major Varro, haben Sie bereits eine Einschätzung bezüglich unserer Ausgangssituation und dem kommenden Frontalangriff auf südpolare Stellungen?“


[ Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Truuine / Äquatoriale Inselkette / Osicia / Café 'Patroliaans Drogisterij' ] Ridley und Vorn, sowie (NPCs) Cestus Varro, Qowrow, Besitzerin und Ridley Garde
 
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