Truuine

[ Innerer Rand | Manaan-Sektor | Truuine | Moraband | Bar in der Nähe des Praxeums] - Aren Vayliuar, Theranos Zesh, Kael Reed, Lilivienne d'Oridin, Alizée

Die Gouverneurin von Bastion brachte die amüsante Situation recht gut auf den Punkt. Man ahnte nichts böses, wollte eigentlich nur einen kleinen Absacker trinken, bevor die Gala beginnen würde und plötzlich befand man sich im Gespräch mit Gouverneuren und Wirtschaftsmoguln. Es wäre ja auch zu normal gewesen, wenn es sich bei Kael tatsächlich einfach um einen Offizier der Streitkräfte gehandelt hätte. Aren musste lächeln. Zufälle waren doch das, was das Leben erst so interessant gestaltete und solch angenehme Zufälle, wie sich just in diesem Augenblick in einer solchen Gesellschaft wiederzufinden, ließ Aren doch sehr gerne über sich ergehen. Plötzlich wurde Aren sich eines leichten Vibrierens in seiner Hosentasche bewusst. Er zückte sein Comlink und nahm mit einem weiteren Lächeln zur Kenntnis, dass nun auch Adrina sich auf dem Weg zu der Bar befand. Ja, dieser Abend würde wirklich noch eine sehr sehr nette Einstimmung für seinen zweiten Besuch auf Truuine bilden.

Es lag wohl daran, dass er gerade auf sein Comlink geblickt hatte, so war ihm entgangen, dass sich Captain Andrim ihnen genähert hatte. Auch er schien sich für den eher anonymen Weg entschieden zu haben und trug nicht seine Uniform sondern einen Anzug. Der Kuati begrüßte ihn und Theranos freundlich. Aren reichte ihm die Hand.


,,Ich habe gerade eben eine Nachricht von ihr erhalten. Sie war gerade noch mit einer Freundin unterwegs, wird sich jetzt aber zu uns gesellen. Sehr freundlich, dass sie fragen."

Auch den übrigen Anwesenden begegnete Andrim mit ausgesuchter Höflichkeit. Gerade in Richtung der Gouverneurin von Bastion und ihrer Begleitung fiel diese ... besonders aus. Aren hatte beinahe ein wenig die Standesdünkel des Adels vergessen, aber mit Lady d'Oridin und noch mehr durch den Vertreter der Andrim Familie befanden sich hier natürlich zwei äußerst hochrangige Vertreter dieser sozialen Gruppe unter ihnen. Gerade der Begleitung der Gouverneurin schien dabei der Stand des neu hinzugekommenen Captains die Röte ins Gesicht zu treiben, wie Aren leicht grinsend bemerken musste.

Während Theranos die Frage der Gouverneurin beantwortete, wie Andrim so schnell in der Hierarchie der Streitkräfte aufsteigen konnte, lehnte Aren sich ein wenig zurück. Er hatte den Mann zwar befördert, wusste aber außerhalb von dem, was in seiner Akte stand und was die Gespräche auf seiner Yacht ergeben hatten nicht all zu viel über den Captain, hier konnte er also gut das Feld Theranos und dem Captain selbst überlassen. Stattdessen blickte er erneut aus dem Augenwinkel zu Madame Alizée herüber. Er war sehr froh darüber, dass seine Familie alt und wohlhabend war, aber gleichzeitig nicht in diesen starren Strukturen des Adels gefangen war, wo es einem sofort die Schamesröte ins Gesicht trieb, wenn man einen jungen Captain traf, der sich vor allem durch seinen Nachnamen auszeichnete. Er war in diesem Moment fast ein wenig froh darüber, dass der Name seiner Familie einem nicht zwangsläufig bekannt war, wenn man sich nicht mit Bergbau und ähnlichem beschäftigte. Der Umstand, dass sein Großvater wesentlich die Rebellion gegen den Adel Uyters mitgetragen hatte und schließlich so dafür gesorgt hatte, dass auf seiner Heimat die Republik ausgerufen wurde, wäre wohl bei einigen der Anwesenden nicht all zu gut angekommen. Da würde es wohl auch nicht helfen, wenn man hervorhob, dass diese Unterstützung hauptsächlich aus Opportunismus zustande gekommen war und sich ihr Blut seitdem auch immer wieder mit dem von Vertretern des Adels gemischt hatte. Ja, seine eigene Verlobte gehörte ja sogar als Nachfahrin des Lord Figgs, der vor mehreren Jahrhunderten den galaktischen Süden und vor allem den Greater Javin erforscht und erschlossen hatte, einem nicht unbedeutenden Adelshaus im Süden des Imperiums an. Aren hingegen war aber nichtsdestotrotz froh darüber, aus einer Dynastie von Unternehmern zu entstammen, der Nachfahre von Minenbesitzern und Generaldirektoren, nicht von altem Adel, der seit Jahrhunderten nicht mehr hatte wirklich arbeiten müssen. Doch seine Gedankengänge wurden zu politisch. Der Cognac sorgte wohl dafür, dass ihm die Worte seines Lieblingsonkels Ismael zu sehr in den Kopf stiegen, der während der Revolution vielleicht ein wenig zu aktiv gewesen war und sich nicht immer mit seinen Wertvorstellungen zurückgehalten hatte. So wenig ihm das Alter eines Titels automatisch Respekt oder gar Ehrfurcht einflößte, so wenig konnte ein solcher Titel gleichzeitig dafür sorgen, dass der ihm sehr sympathische Captain Andrim oder auch Lady d'Oridin weniger sympathisch werden würden.

Theranos orderte schließlich noch ein Glas für Captain Andrim und nachdem sie nun alle versorgt waren, griff Aren erneut seine Worte von gerade auf.


,,Wo ich gerade schon meinte, dass alle Karte offen auf dem Tisch lägen, kommen doch immer noch neue hinzu, mein werter Captain. Zumindest sind Sie kein so mysteriöses Blatt wie manch anderer. Ein Nachname wie Andrim und die Arbeit mit einem so aufmerksamen Sector Adjutanten wie Zesh zusammen, der ihren Lebenslauf wohl offenkundig besser widergeben kann, als es eine Akte könnte, lässt da nicht viel Raum für Anonymitäten."

Aren wandte sich leicht grinsend in die Runde. Doch er hatte kaum zu Ende gesprochen, da fuhr er kurz zusammen und wandte sich reflexartig nach links. Er konnte kaum seinen Augen und Ohren trauen. Als er das altbekannte Gesicht sah, fiel die Anspannung sofort von ihm ab, die ihn gerade ob der Stimme direkt neben ihm kurz befallen hatte. Freudestrahlend wandte er sich zu einer brüderlichen Umarmung Agustin zu und begrüßte direkt danach Abella ebenso herzlich.

,,Dass du nicht Bescheid gibst, dass du kommst!"

Aren lachte kurz auf.

,,Wir sprachen gerade noch darüber, wie sehr diese Bar heute doch vom Zufall geprägt wird. Es wird dich, und gerade auch dich Abella, sehr freuen, dass Adriana mir gerade erst schrieb, dass sie auch gleich zu uns dazustoßen wird. Ich kann es immer noch nicht ganz glauben, du bist wirklich Unglaublich."

Auch ein weiteres auflachen konnte Aren sich nicht verkneifen. Er hätte davon erfahren, wenn Agustin sich bereits frühzeitig dazu entschieden hätte, die Gala zu besuchen. Das hier war offensichtlich eine recht ausgefeilte Überraschung seines wohl engsten Partners. Und Aren musste unumwunden zugeben, dass diese Überraschung ihm mehr als nur geglückt war. Eilig wandte er sich den restlichen Anwesenden zu, für die diese Situation wohl gerade auf den ersten Blick noch ein wenig komischer wirkte, als sie schon bereits für Aren war.

,,Darf ich Ihnen allen Moff Agustin Prada vorstellen, einen meiner engsten Partner und Freunde. Verzeihen Sie mir meinen kurzen Ausbruch gerade, aber trotz all dieser Überraschungen, die uns diese Bar schon beschert hat, hätte ich eher damit gerechnet, dass tatsächlich die Imperatorin hier erscheint, wie Sie gerade meinten Lady d'Oridin, als dass Agustin Prada plötzlich neben mir stehen würde."

Aren wollte sich gerade wieder den beiden Neuankömmlingen zuwenden, bevor er sich umentschied und sein Angebot an die ganze Gemeinschaft richtete.

,,Wissen Sie was, ich erweitere mein Angebot von gerade. Fühlen Sie sich alle heute bitte herzlichst von mir komplett eingeladen. Ein solches Aufeinanderprallen von Zufällen bedarf einer entsprechenden Würdigung."

Die paar Drinks würde sein Geldbeutel wohl noch verkraften. Zudem wirkten die Koltoraffinerien am Rande von Moraband, die das von der Fourb-Gruppe geförderte Kolto verarbeiteten durchaus überaus produktiv. Mit jedem Schluck den sie taten und jedem Credit der dafür draufging wurde dort am Stadtrand also wahrscheinlich ohnehin eine Vielzahl an neuen Credits auf seine Konten gespült. Da konnte man sich ruhig mal etwas erlauben.

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[Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine / Moraband / Bar am Praxeum] Kael Reed, Lilivienne Évarielle d'Oridin, Alizée Marre, Aren Vayliuar, Theranos Zesh, Kal Andrim, Agustin Prada, Abella Sorovkin, Barkeeper und Barcombo (NSC)

Mit der zunehmenden Zahl an Personen um sie herum entwickelte sich der ruhige Nachmittag, mittlerweile eher frühe Abend, den Kael ursprünglich irgendwo zwischen einem brauchbaren Getränk und möglichst wenig gesellschaftlicher Verpflichtung hatte verbringen wollen, langsam aber ziemlich zuverlässig in jene Richtung, mit die er bereits während des Anfluges auf Truuine absolut keinerlei Vertrag hatte. Dabei konnte er nicht einmal behaupten die bisherige Gesellschaft als unangenehm zu empfinden, Aren kannte er lange genug um seine Anwesenheit eher als angenehme Überraschung zu verbuchen, Lilivienne und Alizée hatten sich als deutlich interessantere Gesprächspartnerinnen herausgestellt als ihr erster Eindruck vermuten ließ und auch Theranos hatte bisher wenig von jener aufgeblasenen Selbstgefälligkeit gezeigt, die Kael bei Menschen mit ausreichend langen Amtsbezeichnungen beinahe automatisch erwartete. Dass sich ausgerechnet der für Wirtschaft und Handel zuständige Sector Adjutant nebenbei mit einer eigenen Weinmarke beschäftigte und ihm eine Verkostung angeboten hatte, machte den Mann eher interessanter als unsympathisch, auch wenn Kael sich bereits vorgenommen hatte die Einladung tatsächlich als Verkostung und nicht als Gefälligkeit unter neuen Bekannten zu behandeln.

Der nächste Neuankömmling machte es ihm erheblich schwerer.

Captain Kal Andrim hatte ihm bislang objektiv nichts getan, was Kael durchaus bewusst war und den beinahe augenblicklichen Widerwillen gegen den Mann eigentlich lächerlich machen sollte. Nur funktionierte Sympathie selten nach jener sauberen Logik, auf die er sich in anderen Bereichen seines Lebens so gerne verließ und während er die Begrüßung des Kuati erwiderte, blieb sein Blick einen Moment länger an dessen Erscheinung hängen als es für eine rein höfliche Einschätzung notwendig gewesen wäre. Maßanzug, selbstverständlich hervorragend gearbeitet, vermutlich entsprechend teuer und an einem Mann aus einer Familie wie den Andrims auch keineswegs überraschend, doch eben keine Galauniform und damit für Kael ausgerechnet jenes fehlende Detail, über das er sich mehr ärgerte als es vernünftig gewesen wäre.

Vor einigen Jahren hätte er sich über die Vorstellung vermutlich selbst lustig gemacht. Stoff, Knöpfe, ein Rangabzeichen und ein Streifen am Ärmel änderten schließlich nichts daran wie gut ein Offizier seine Aufgabe erfüllte, doch irgendwo zwischen Aradia, Fresia, Cal-Seti und Galantos hatte sich seine Wahrnehmung davon verändert. Die Uniform war nicht länger nur etwas das Vorschriften verlangten und schon gar nicht irgendeine Verkleidung, die ihn für Holokameras möglichst imperial aussehen ließ: Sie stand für etwas, für Pflichtbewusstsein und Aufopferungsbereitschaft, persönlich für ihn inzwischen auch für einen Teil seines Lebens, den weder seine Mutter organisiert noch sein Familienname gekauft hatte, für Soldaten die mit ihm gekämpft hatten und teilweise nicht zurückgekommen waren, für Entscheidungen an deren Folgen sich auch dann nichts änderte wenn man nach einem Einsatz die Jacke auszog und letztlich für die nackten eigenen Verdienste. Gut das es sich hier beinahe schon andeutete das die Dekorierung auch aus genau jener Vetternwirtschaft stammen konnte die das Halbblut so zu verabscheuen gelernt hatte, machte es nur eher schlimmer als besser. Er war in Galauniform erschienen obwohl ein maßgeschneiderter Anzug für seine Funktion als Vertreter der Imperial Spirits Group vermutlich sogar naheliegender gewesen wäre und dass ein Captain der imperialen Streitkräfte, dessen Lebenslauf hier beinahe ausgebreitet wurde, bei derselben Veranstaltung offenbar zu einer anderen Einschätzung gekommen war, hinterließ einen Beigeschmack den Kael nur schwerlich aus seinem Hinterkopf verbannen konnte.


Captain Andrim.

Er erwiderte dessen Begrüßung ordentlich, reichte ihm die Hand und ließ dabei nichts von der inneren Bewertung in seinen Tonfall gelangen... gut außer vielleicht dieser Spur zusätzlicher Förmlichkeit die ihm eben anheim war wenn er noch taxierte, ob er jemanden lediglich nicht riechen konnte oder jemandem anhand von handfesten Gründen für einen Pfuscher, Stiefellecker, Armleuchter, Hinterweltler, Intelligenzallergiker, Untermenschen, Vieles Weiteres oder eine Kombination all dieser identifizierte.

Kael Reed.

Mehr brauchte es zunächst nicht, insbesondere weil die anschließenden Ausführungen über Andrim seinem ersten Urteil auch noch die angenehme Einfachheit nahmen. Einsätze, bestätigte Abschüsse, Auszeichnungen und eine Beförderung, also allem Anschein nach kein Sohn eines guten Hauses, dem irgendein Verwandter irgendwann zwischen zwei Empfängen ein Offizierspatent besorgt hatte, sondern jemand der zumindest genügend geleistet hatte um seinen Rang auf eine Art zu rechtfertigen, die sich zumindest halbwegs respektieren ließ, was das Treten mit Füßen dessen wofür ein Offizierspatent und die Verpflichtung dem Imperialen Militär gegenüber stand eigentlich nur noch schlimmer machte. Dass Aren selbst bei der Beförderung eine Rolle gespielt hatte und Theranos die bisherigen Leistungen beinahe mit einer gewissen Zufriedenheit aufzählte, verhinderten leider überhaupt nicht das es hier in Kaels Nase nach klassischer Vetternwirtschaft roch, die er Aren Vayliuar zwar nicht zutraute aber vielleicht war sein Radar in der Hinsicht auch etwas angeknackst. Dem Sector Adjutanten allerdings nahm er ohne zu zögern ab das der auch gerne Mal ein paar Titel und Auszeichnungen mehr verteilte.

An genau an dieser Stelle hätte Vergangenheitskael angefangen sich im Kopf eine Liste zurecht zu legen. Eine Liste von Argumenten und Gründen für eine etwaige moralische Auseinandersetzung. Nicht weil die Situation es verlangte, sondern weil es fast schon zu seinen zuverlässigeren Eigenschaften gehörte und gehört hatte, eine einmal gefasste Abneigung solange mit Beobachtungen zu füttern bis daraus irgendwann eine hinreichend plausible Rechtfertigung entstand, sich dem Betreffenden gegenüber genauso unangenehm zu verhalten wie er es innerlich längst beschlossen hatte. Dass diese Methode weder besonders erwachsen noch besonders nützlich war hatte ihn einige Jahre, mehrere Vorgesetzte und mehr als ein Gespräch gekostet das im Nachhinein betrachtet vollkommen anders hätte verlaufen können selbst wenn diejenigen denen diese Dinge galten allesamt trotzdem weiterhin Armleuchter waren. Mit einer gewissen Genugtuung stellte Kael fest, inzwischen war er zumindest weit genug gekommen um den Moment zu erkennen an dem er begann in genau dieses Muster zurückzufallen und sich selbst durch andere den eigenen Tag zu verderben.

Vielleicht würde Andrim sich als ausgesprochen fähig herausstellen.

Vielleicht würde Kael ihn trotzdem nicht leiden können. Höchstwahrscheinlich sogar.

Beides schloss sich aus seiner Sicht vollkommen problemlos miteinander aus, nur musste er nicht mehr zwangsläufig innerhalb der nächsten zehn Minuten herausfinden welches davon schwerer wog und sich dabei nebenbei einen Abend ruinieren, auf dem er zwar keineswegs aus eigenem Antrieb erschienen war oder große Lust hätte ihn überhaupt zu beginnen, der ihm aber sowohl als Offizier als auch als Vertreter seiner Familie genügend Möglichkeiten bot um nicht ausgerechnet aus kindischem Trotz jede davon mit Anlauf gegen eine Wand zu fahren. Das tat er immerhin auf dem Schlachtfeld auch nicht und in gewisser Weise war das hier ja auch ein Schlachtfeld. Nur die Waffen waren andere.

Noch bevor er sich länger mit dieser Feststellung beschäftigen konnte erweiterte sich die ohnehin bereits bemerkenswerte Runde erneut und bei Agustin Prada brauchte Kael zumindest keinen Augenblick um Namen und Gesicht miteinander zu verbinden. Dafür war der Moff des Myto-Sektors im Imperium zu bekannt, ganz abgesehen davon dass ihre Wege sich bereits auf Fondor zumindest aus der Entfernung gekreuzt hatten und dessen mediale Verbindung zum neuen Moff des Prefsbelt-Sektors kaum als Geheimnis gelten konnte. Die Herzlichkeit mit der die beiden Verwalter einander begrüßten erklärte ohnehin ziemlich schnell, dass hier nicht lediglich zwei Amtskollegen zufällig in derselben Bar gelandet waren. Daher erhob sich der Chiss weit genug aus seiner Haltung am Tresen um Prada und dessen Begleitung die gebotene Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Zuerst selbstverständlich der Dame wie es sich geziemte und dann dem Hauptakteur selbst.


Moff Prada. Kael Reed.

Sein Händedruck fiel fest aus ohne daraus irgendeine Demonstration machen zu wollen. Schlicht und ergreifend respektvoll und neutral.

Freut mich. Ich glaube zwar Aren und Theranos können ihre ursprünglich ruhige Unterhaltung inzwischen endgültig abschreiben, aber dafür scheint die Alternative bislang zumindest nicht die schlechteste zu sein.

Damit war für den Augenblick genug gesagt und nachdem die ersten Begrüßungen erledigt waren überließ Kael die Neuankömmlinge ohne demonstrativen Rückzug den anderen, nahm sein mittlerweile drittes Glas wieder auf und verlagerte sich lediglich einige Plätze weit entlang des Tresens um den Hinzugekommen Platz zu machen. So saß er außerdem nah genug um nicht den Eindruck zu erwecken plötzlich vor der Gesellschaft zu fliehen und ebenso nah genug, dass die Unterhaltung weiterhin an sein Ohr drang, nur eben nicht mehr mit der Notwendigkeit auf jede Wendung unmittelbar reagieren zu müssen. Ein Ohr reichte für den Moment vollkommen aus und bot ihm nebenbei die Gelegenheit den unangenehm vertrauten Impuls wieder etwas abkühlen zu lassen, aus einer anfänglichen Antipathie gegenüber Andrim unbedingt noch vor Beginn der Gala ein Problem machen zu wollen. Nach all den Jahren sollte er wenigstens gelernt haben, dass nicht jeder Gedanke ausgesprochen werden musste nur weil er sich im ersten Moment ausgesprochen klug anhörte. Was zum Glück auf viele seiner Gedanken zutraf.

Das andere Ohr fand ziemlich schnell eine angenehmere Beschäftigung. Die kleine Musikergruppe hatte bereits gespielt als er die Bar betreten hatte, war aber in der ständig größer werdenden Gesprächsrunde zunächst irgendwo zwischen Hintergrundgeräusch und Einrichtung verschwunden. Erst jetzt, da Stimmen, Ämter und gesellschaftliche Zuordnungen nicht mehr seine vollständige Aufmerksamkeit beanspruchten, hörte Kael genauer hin und stellte nach einigen Minuten fest, dass die Combo durchaus wusste was sie tat. Kein künstlerischer Höhepunkt für den irgendwelche Leute quer durch die Galaxis reisen würden, aber ordentlich aufeinander abgestimmt, zurückhaltend genug um Gespräche nicht zu erschlagen und mit einer Sängerin, deren Stimme wesentlich mehr her gab als die Begleitung zunächst vermuten ließ. Das erste Stück verfolgte er nur nebenbei, während sein Blick noch einmal zur Runde zurückwanderte und irgendeinen Teil eines Gespräches zwischen Aren und Prada auffing, beim zweiten ertappte er sich dagegen bereits dabei eine Akkordfolge im Kopf weiterzuführen und darüber nachzudenken, weshalb der Musiker an der Saitenbegleitung deren Auflösung einen Takt später anders setzte als er selbst es wahrscheinlich getan hätte.

Es war ein erheblich angenehmeres Problem. Vor allem eines, bei dem niemand seinen Rang, seine Familie oder irgendeine geschäftliche Erwartung an ihn knüpfte. Sein Blick fiel dabei auf den Flügel.

Das Instrument stand etwas seitlich hinter der Combo, geschlossen und für die gegenwärtige Besetzung offensichtlich ungenutzt, ein dunkles, gepflegtes Stück das wahrscheinlich mehr kostete als die gesamte restliche Einrichtung mancher Bars und deshalb entweder regelmäßig Verwendung fand oder der Besitzer ein ausgesprochen teures Verständnis von Dekoration besaß. Kael nahm noch einen Schluck, hörte den folgenden Teil des Stückes inzwischen beinahe vollständig und stellte dabei fest, dass ihm der Wechsel der Aufmerksamkeit besser tat als erwartet. Vielleicht bestand ein Teil jener Entwicklung, die andere Menschen immer so gerne in komplizierte Begriffe verpackten, am Ende auch nur darin zu wissen wann man sich für einige Minuten aus einer Situation herausnehmen sollte bevor man selbst zum unangenehmsten Teil davon wurde. Er wartete das Ende des Stückes ab, stellte sein Glas anschließend auf dem Tresen etwas weiter nach hinten und winkte den Barkeeper mit einer kleinen Bewegung zu sich.


Der Flügel dort hinten, gehört der zur Combo oder steht der nur hier damit das Lokal teurer aussieht?

Der Mann folgte seinem Blick.

Zur Bar. Die Besetzung wechselt häufiger, heute haben sie keinen Pianisten dabei.

Kael nickte leicht.

Und wenn jemand spielen möchte?

Diesmal wurde er etwas genauer gemustert, wobei Kael nicht entscheiden konnte ob der Blick eher seiner Uniform oder dem Glas galt das er gerade beiseite gestellt hatte.

Wenn die Musiker einverstanden sind und Sie wissen was Sie tun, habe ich nichts dagegen.

Die Formulierung ließ seine Mundwinkel ein wenig nach oben wandern. Nicht weil sie besonders witzig gewesen wäre, sondern weil ihn tatsächlich seit Jahren niemand mehr gefragt hatte ob er wusste was er an einem Instrument tat. Eine nette Abwechslung.

Für einen Abend hier sollte es noch reichen.

Er ließ das Glas stehen, zog mit einer kurzen Bewegung die Vorderseite seiner Galauniform glatt und wartete das Ende des nächsten Stückes ab, bevor er Aufstand und sich der kleinen Gruppe näherte. Die Sängerin bemerkte ihn zuerst, kurz darauf auch die übrigen Musiker, und die Mischung aus fragender Aufmerksamkeit und leichter Vorsicht in ihren Gesichtern war nachvollziehbar genug. Ein Offizier der mitten während ihres Auftrittes auf sie zukam gehörte vermutlich nicht zu den Dingen, auf die man sich bei einer Probe vorbereitete.

Keine Sorge, ich möchte mich nicht über Ihre Musik beschweren."

Kael ließ seinen Blick kurz über die Instrumente wandern und deutete anschließend auf den unbesetzten Flügel.

Im Gegenteil. Ich höre Ihnen jetzt seit einigen Stücken zu und Sie sind gut genug aufeinander eingestellt, dass ich mir vorstellen könnte für eines davon dazuzukommen, sofern Sie nichts dagegen haben. Der Barkeeper hat mir zumindest versichert, dass der Flügel nicht ausschließlich dekorative Aufgaben erfüllt."

Die Sängerin sah erst zum Instrument und dann wieder zu ihm.

Sie spielen?

Seit einiger Zeit nicht mehr regelmäßig.“, Kael ließ sich mit der Antwort einen Moment Zeit, denn alles andere wäre schlicht gelogen gewesen. Das man einem Offizier der wahrscheinlich eher mit Waffen spielte fasste er auch nicht als ernsthafte Beleidigung auf.Aber lange genug, dass ich Ihnen zumindest anbieten kann Ihre qualitative Linie für ein Stück ein wenig nach oben zu korrigieren, anstatt sie vollkommen zu ruinieren.

Einer der Musiker verzog leicht die Mundwinkel, während die Sängerin ihn weiterhin prüfend betrachtete und schließlich mit dem Kopf in Richtung des Flügels deutete.

Ein Stück.

Kael nickte und trat an ihr vorbei.

Nur eins? Ihr Pech.

Er legte eine Hand auf die Rückenlehne des Sitzes und sah noch einmal kurz über die Schulter zurück zur inzwischen absurd hochrangig besetzten Theke, an der aus seinem ursprünglich ruhigen Drink innerhalb überraschend kurzer Zeit eine Ansammlung aus Moffs, Gouverneuren, Verwaltern und Offizieren geworden war. Noch vor einigen Jahren hätte er vermutlich mitten darin gesessen und darauf gewartet, dass irgendjemand ihm einen ausreichenden Anlass gab seine eigene Laune zu rechtfertigen, heute erschien es ihm ausnahmsweise sinnvoller, die Gelegenheit nicht selbst zu zerstören bevor die eigentliche Gala überhaupt begonnen hatte.

Der Flügel war dafür vermutlich die angenehmere Alternative.

Kael zog den Sitz zurück und nahm vor den Tasten Platz, ohne sie bereits zu berühren
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[Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine / Moraband / Praxeum / Gästezimmer für T'rsop] - mit Gouverneur Dr. T'rsop

T'rsop, der sich mittlerweile durch die verschiedensten Liegepositionen gearbeitet hatte, in denen er arbeiten konnte, lag inzwischen seitlich quer auf seinem Bett während er unablässig Nachrichten und Befehle versandte. Seine Sekretärin - Liena, wenn er sich nicht irrte - hatte ihm neue Nachrichten zu den Entwicklungen auf Prefsbelt IV geschickt [https://www.projektstarwars.de/thema/prefsbelt-iv.60871/page-14#post-1906910].
"Individuen", dachte der Gelehrte genervt, als er nicht überrascht davon las, dass die wirtschaftlich und einflusspraktisch so wichtige Investition in die neue Werft schon Triebe erster Unruhe zeigte. Kein Wunder bei so einem Großprojekt - es spülte kräftig Geld, Man-Power und Fördermittel in den Planeten. Wenn dieser dafür aber nicht vorbereitet war, konnte das dieselbe Wirkung haben wie Starkregen auf ausgetrockneten Boden: Ein wenig Dreck wurde weggewaschen, aber das Nass würde nicht in den Boden eindringen noch die Pflanzen, die es so dringend brauchten, nähren.
Und so war es gerade auf Prefsbelt IV, da die Containersiedlung auf Dauer kein angenehmer Wohnort war, die umliegenden Ortschaften keine Massen bespaßen konnten und die Arbeiter sich nicht immer im Griff hatten.

"Das sind alles Probleme, die wir nicht hätten, wenn wir eine Schwarmintelligenz wären", grübelte der Gouverneur mehr scherzhaft nach, "... aber dann könnte ich meine exquisite Persönlichkeit auch nicht zeigen und der Galaxis zugute kommen lassen, sondern wäre auch nur ein willenloser Sklave. Von daher muss man wohl einen Tod sterben."

T'rsop stimmte der Einschätzung seiner Assistentin zu, dass dieses Problem eine umfassend strukturelle Lösung brauchte. So schrieb er ihr, dass sie ein Treffen mit den genannten Verantwortlichen für die nach der Gala organisieren sollte. Bis dato sollten zum Einen die Chefs und Vorsitzenden der Werftarbeit ihren Leuten deutlich machen, dass Übertretungen und Übergriffigkeiten gegen die Ortsbevölkerung ein No-Go sind und hart bestraft werden. Die Eingangssperre für die Werftarbeiter zu dem entsprechenden Ort widerrief der Pau'aner allerdings Kraft seines Amtes. Werftarbeiter, die keinen Spaß haben konnten, würden schlechtere Arbeit leisten und im Schlimmstfall zu Streiks aufrufen oder randalieren.
Stattdessen sollten die Party- und Cateringservices des Planetens in die die Werft umliegenden Ortschaften berufen werden, um die Menschenmassen zu entzerren. Diesen Auftrag würde der Staat anfinanzieren und dann sollten die Gäste aus der Werft das Geschäft dieser Leute zum Laufen bringen. Gleichzeitig gab er den Befehl, die Sicherheitskräfte minimal zu erhöhen - so, dass sie einen besseren Überlblick vor Ort hätten und sich gegebenenfalls organsieren könnten und zeitgleich nicht den Eindruck vermittelten, Prefsbelt IV könnte nur durch Exekutivpräsenz Ordnung erhalten.
Nicht die eleganteste und wirksamste Lösung. Aber das sollte die Lage beruhigen, bis er wieder auf dem Planeten war, um sich persönlich darum zu kümmern.

Für die neuen Erzfunde bei Red One ließ er sein Team aus Wissenschaftlern darauf die Priorität setzen. Neue Einkommensquellen wären mit Blick auf die Gesamtwirtschaftslage sicherlich nützlich bis notwendig. Außerdem machte es bei so einem Großprojekt keinen merkbaren Unterschied, ob es ein-zwei Monate länger bräuchte als erwartet. Vor allem dann nicht, wenn im Idealfall Gewinn für alle dabei heraussprang.
Die Angelegenheiten der Landwirtschaft in Gold One beließ
T'rsop zunächst einmal bei Torven. Auch wenn das eine Angelegenheit höherer Priorität war: Denn des Bauern Hand ernährt das gesamte Land. Und diese Macht wollte der Pau'aner ungerne privatisieren, wenn es sich vermeiden ließ. Auf der anderen Seite war er jetzt schon in der Vorahnung des bürokratischen Aufwands alles andere als begeistert, das in die Wege zu leiten. Aber ihre Nahrungsreserven waren ja so gut gefüllt, dass er die Vorbereitungen zur Lösung dieses Problems dem dafür zuständigen Legaten überlassen konnte und der Planet wohl nicht am Hungertuch würde nagen müssen, bis er selbst als Gouverneur in ein Paar Tagen wieder daheim war.

Der Gelehrte seufzte und drehte sich auf den Rücken. Ein Blick auf die Uhr verriet ihm, dass der Abend schon weiter vorangeschritten war, als gedacht. Aber die Staatsgeschäfte waren auch hier nicht zu vernachlässigen - und die kleine Pause in die Welt der Kunst hatte er ebenfalls zur Regeneration gebraucht.
Er schwang sich aus dem Bett; jetzt würde er dann doch noch auf
Theranos Angebot zurückkommen und ihm in dieser Bar Gesellschaft leisten. Ein kurzer Blick in den Spiegel und er schüttelte den Kopf. Dies war ein Abend, an dem er inkognito unterwegs sein wollte. Also zog er sich sein Gouverneursgewand aus und schleuderte es zu Boden. Stattdessen zog er sich ein gemustertes Gelehrtengewand in Erdtönen an; einen dazu passenden Pau'anischen Schal sowie eine Kapuze. Seine Ehrenauszeichnung ließ er hier, steckte sich nur für alle Fälle seine Gouverneursplakette in eine seiner Taschen.
Etwas später und
T'rsop war fertig. Er zog sich die Kapuze tief über sein Gesicht und verließ sein Zimmer.

So schlurfte er dann los und nahm eine Körperhaltung an, die den meisten Passanten so langweilig-ungefährlich vorkommen würde, dass sie ihn nicht beachten oder zumindest schnell wieder vergessen würden.
Bevor er in die Bar ging, gönnte er sich noch einmal eine kleine Schleife zu laufen, um die verschiedenen Kunstwerke in der Nähe zu betrachten. Viele waren schön, etliche Meisterleistungen - aber manches war auch dabei, dass der Gelehrte als ausdruckslosen Schund betrachtete. Als er sich sattgesehen hatte und es draußen schon zu dämmern begann, machte er sich endgültig auf den Weg zur Bar, deren Koordinaten ihm
Theranos geschickt hatte.

Nach einem angenehmen Spaziergang, der ihm die Schönheit dieses Teil des Planetens vor Augen führte und auch wieder daran erinnerte, wie klimatisch kalt Truuine ist, kam die besagte Bar in Sicht. Etwas weiter entfernt standen ein Paar Sicherheitsleute, die wohl im Großareal falls nötig für Ordnung sorgen sollten. Er ging grußlos an den Wächtern vorüber, die ihn aufmerksam anschauten, aber offenbar keine echte Gefahr vermuteten.
Es dauerte einen kleinen Augenblick, bis sich der Pau'aner an die neue Geräuschkulisse mit den zig verschiedenen Gesprächen in der Bar gewöhnt hatte. Er musste die Filterfunktion seiner Ohrenschützer etwas anpassen. Sein exzellentes Gehör nahm viele Kleinigkeiten wahr, die viele andere Spezies nicht oder nur schwer hören konnten - was im Umkehrschluss auch dazu führte, dass er bei Veranstaltungen mit vielen Hintergrundgeräuschen schnell Kopfschmerzen bekam.


T'rsop ließ seinen Blick durch die Bar gleiten. Nichts Außergewöhnliches. Die Gäste saßen grüppchenweise verteilt, manche waren nahe schon im Zustand des Suffs, die meisten aber angeheitert und zivilisiert. Auch fiel dem detailerfassenden Blick des Gelehrten auf, dass ein Paar Personen zu gezielt unauffällig sein wollten und dabei doch die ganze Bar im Blick behielten. Wahrscheinlich Leibwächter oder Inkognito-Sicherheitsmänner. Und dann verdrehte er die Augen. Er hatte seinen guten Freund, und den Grund für die Anwesenheit dieser Sicherheitskräfte, Theranos, in Gesellschaft des Moffs des Prefsbelt-Sektors gefunden. Zusammen mit einem ganzen Auflauf verschiedenster Personen. Wenn T'rsop raten müsste, würde er darauf setzen, dass sie alle hohe Positionen innehatten und in welchem Gebiet auch immer einflussreich waren.

Dabei hatte er doch ausdrücklich gesagt, dass er keinen Staatsakt wollte. Das nächste Mal würde er zu einem informellen und entspannten Treffen einladen; dann würde es auch ein solches werden.
Aber wenn er schonmal hier war, würde er das Beste daraus machen. Wenigstens schien die Stimmung all dieser Personen locker und ungezwungen zu sein. Die meisten von ihnen kannte der Gouverneur nicht; manche kamen ihm bekannt vor, aber er konnte sie nicht einordnen. Aber wenn sie sich mit
Theranos und Aren unterhielten, würden sie wohl alle Schlüsselpositionen innehaben oder für solche Potential tragen.

Der Gelehrte versuchte, so unauffällig wie möglich zur Theke zu kommen. Dies gelang ihm ganz gut; die Gesellschaft war zu sehr in die eigenen Gespräche vertieft. Angekommen bestellte sich
T'rsop erst einmal ein Tablett mit:
"Dem besten Tee dieses Hauses, einem stillen Wasser, der Cocktail-Empfehlung von heute sowie dem besten Dessert."
Der Wirt sah ihn fragend an, als ob er ihn für blöd verkaufen wolle. "Keine Sorge, ich bin kein Zechpreller, auch wenn ich wie einer aussehe", scherzte der Pau'aner und legte die entsprechenden Credits hin. Wenig später bekam er sein Tablett mit der Bestellung.

Gekonnt balancierte er diese auf der einen Hand, während er sich mit der anderen einen freien Stuhl griff und sich an die Gruppe um
Theranos heranschlich. Schwungvoll drehte er den Stuhl passend und trat in die Gruppe.
"Theranos, warum überrascht es mich nicht, dass die halbe Führungsriege des Imperiums zu deinem 'lockeren Treffen' versammelt ist? Muss sich jemand bereit machen, spontan seine Antrittsrede als Rechte Hand des Großwesirs aus dem Ärmel schütteln zu müssen?", begrüßte er die Runde.
Irritierte bis wütende Blicke trafen ihn - wobei er sich sicher war, dass sich hinter manchen durchaus Amüsement versteckte. Doch die Spannungen lockerten sich sofort, als
Theranos seine unkonventionelle Begrüßung aufnahm.

Dann gesellte sich der Gouverneur von Prefsbelt IV endgültig zu der Gruppe und nahm Platz. Er schob seine Kapuze nach hinten und offenbarte sein graues und von Furchen durchzogenes pau'anisches Gesicht.

"Entschuldigen Sie, wenn ich jemandem mit meinem Humor zu nahe getreten bin. Aber die Situation war zu passend. Genau, ich bin T'rsop. Und seit gefühlt gestern Gouverneur von Prefsbelt IV.
Wie ich sehe haben sich hier viele der Mächtigen, Intelligenten und Schönen versammelt"
, T'rsops Blick suchte kurz den Kontakt zu jedem der Anwesenden zu einem stummen Gruß, "Auch wenn ich selbst nur durch meinen Intellekt legitimiert bin, Teil dieser Runde zu sein. So Ihr es erwünscht."
Danach gönnte er sich einen Schluck des Tees, der wirklich schmackhaft und komplex war, bevor er die Begrüßungen der Anderen entgegennahm und dann in den - hoffentlich - doch noch entspannten Teil des Abends übergehen konnte. Am besten mit guten Gesprächen und dem Genuss des Desserts.

[Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine / Moraband / eine Bar unweit des Praxeums] - mit Gouverneur Dr. T'rsop, Moff Aren Vayliuar, Sektor-Adjutant Theranos Zesh und vielen anderen


 
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[Innerer Rand - Manaan-Sektor - Truuine-System - Truuine - Südpolarkreis - in den Gräben rund um Bunkerhügel T/02] - Akolyth Vorn, Cestus Varro und Soldaten des Skybridge Bataillons und sonstige Planetare Sicherheitskräfte

Der Vormarsch durch den künstlichen Nebel war zunächst beinahe besser verlaufen, als Cestus erwartet hatte. Vorn bildete wie vereinbart die Spitze, während der Major mit einigen der erfahrensten Legionäre wenige Meter hinter dem gewaltigen Akolythen folgte und die übrigen Trupps versetzt über die natürlichen Deckungen nachführte. Der dichte Rauch nahm den Verteidigern einen großen Teil ihrer Sicht, während die imperialen Helmsensoren zumindest ein grobes Bild des Geländes und vereinzelter Wärmesignaturen lieferten. Hinzu kam das schwere Unterstützungsfeuer aus der Feuerbasis, sodass die ersten vereinzelten Blasterbolzen der Rebellen kaum ausreichten, um den Vormarsch ernsthaft aufzuhalten.

Das änderte sich erst unmittelbar vor dem eigentlichen Grabensystem. Einige Verteidiger hatten sich dort mit Sprengmitteln eingerichtet und schienen darauf zu warten, die vordersten Imperialen möglichst nahe herankommen zu lassen, doch Vorn war nicht allein unterwegs. Noch bevor der Akolyth sie erreichen konnte, erkannten mehrere Skybridge-Veteranen die Gefahr und eröffneten gezielt das Feuer. Zwei der Sprengsätze detonierten beinahe gleichzeitig und verwandelten den Zugang für wenige Augenblicke in ein Feuerwerk aus Schnee, Eis und aufgeworfener Erde.

Der Einstieg war damit überraschend schnell gelungen. Cestus hatte allerdings nicht vor, diesen ersten Erfolg mit einem leichten Gegner zu verwechseln.
Im Schutz der Grabenwände verschwand ein Teil des Unterstützungsfeuers, gleichzeitig wurden die Entfernungen kürzer und hinter jeder Biegung konnte eine neue Stellung warten. Vorn schien sich davon zunächst wenig beeindrucken zu lassen und arbeitete sich mit Entschlossenheit weiter vor, bis er um eine der nächsten Ecken bog.

Im selben Augenblick leuchtete der gesamte Graben auf.


Eine derart dichte Folge von Blasterbolzen schlug dem Akolythen entgegen, dass Cestus für einen Moment nur das Flackern der Treffer auf dessen Rüstung erkennen konnte. Brust, Arme und Helm wurden getroffen, mehrere Schüsse prallten gegen Vorns Lichtschwert, während der Rest der imperialen Spitze reflexartig hinter den Grabenwänden Deckung suchte.

Vorn war nach Sekunden bereits wieder hinter der Biegung verschwunden und damit außer Sicht der feindlichen Stellung. Dass der mehr als zwei Meter große Hüne überhaupt so schnell den Rückzug antrat, sagte Cestus ausreichend darüber, was dort vorne auf sie wartete.

Anstatt einen zweiten Versuch zu verschwenden, ließ er sich die ungefähre Position der Stellung übermitteln und ergänzte sie mit den Sensordaten seiner eigenen Leute. Wenig später lag die Markierung auf seinem Unterarmdisplay und wurde an die Feuerleitstelle weitergegeben. Ein kurzer Feuerauftrag genügte, bevor Cestus sämtliche Männer dicht an die Grabenwände beorderte und das dumpfe Pochen der Mörser aus der Ferne erklang.

Die Wirkung fiel heftiger aus als erwartet.
Der erste Einschlag wurde beinahe unmittelbar von einer wesentlich stärkeren Explosion begleitet, die selbst an ihrer Position noch durch den Boden zu spüren war. Eine schwarze Rauchwolke quoll über den Grabenrand, während Trümmerstücke in weitem Umkreis niedergingen. Als Cestus gemeinsam mit Vorn wieder vorsichtig nach vorne blickte, war von der ursprünglichen Feuerstellung kaum mehr etwas übrig.

Offenbar hatten die Mörser nicht nur das Geschütz getroffen, sondern auch dessen Munitionsvorräte. Der Weg war frei und Skybridge rückte weiter vor.
Erst in den folgenden Grabenabschnitten begann sich das Verhalten der Verteidiger merklich zu verändern. Statt weiterer Mannschaften fanden sie immer häufiger verlassene Stellungen, zurückgelassene Ausrüstung und präparierte Gegenstände. Eine der ersten Sprengfallen wurde von einem Legionär erkannt und mit einem gezielten Schuss ausgelöst, worauf Vorn wissen wollte, weshalb seine eigenen Sensoren sie nicht angezeigt hatten.

Cestus erklärte ihm knapp, dass Wärme- und elektromagnetische Sensorik zwar hilfreich war, aber keine Erfahrung ersetzte. Eine gut abgeschirmte oder rein mechanisch ausgelöste Ladung konnte sich für jemanden, der nicht wusste, wonach er suchte, kaum von dem restlichen Durcheinander eines Grabens unterscheiden.

Deshalb stellte er einen seiner erfahrensten Schützen unmittelbar hinter Vorn ab. Der Mann hatte bereits mehrere Einsätze hinter sich und sollte von nun an nicht nur dessen Rücken decken, sondern vor allem den Boden, die Grabenwände und zurückgelassene Ausrüstung beobachten. Die Entscheidung zahlte sich beinahe sofort aus, als er zwei weitere Sprengfallen erkannte und wenig später sogar eine Attrappe identifizierte, die offenbar nur dazu gedacht war, ihren Vormarsch zu verlangsamen.

Vorns Einschätzung dazu fiel erwartungsgemäß weniger diplomatisch aus. Die Rebellen würden sich vor ihnen in die Hose scheißen, und wenn Skybridge jetzt langsamer wurde, gäbe man ihnen lediglich Zeit, sich noch mehr von dieser hinterfotzigen Scheiße auszudenken.
Cestus hätte die Formulierung in keinem Einsatzbericht verwendet. Der Gedanke dahinter war allerdings nicht falsch. „Dann lassen wir ihnen keine Zeit …Vorwärts!.“


Der nächste Angriff kam entsprechend schnell und diesmal in einer Form, mit der selbst Cestus nicht gerechnet hatte. Zwischen den zurückgelassenen Stellungen stand lediglich der Unterkörper eines beschädigten Droiden, dessen fehlender Oberkörper ihn für einen Moment wie belanglosen Schrott wirken ließ. Dann setzte sich das Ding plötzlich in Bewegung, sprang Vorn entgegen und explodierte beinahe unmittelbar vor ihm.

Der Lichtblitz füllte den schmalen Graben aus, bevor die Druckwelle Schnee, Eisstücke und Droidenteile durch den gesamten Abschnitt schleuderte. Mehrere Splitter prallten gegen Cestus’ Brust- und Schulterplatten, ein Legionär hinter ihm wurde gegen die gegenüberliegende Wand gedrückt und Cestus selbst musste einen Schritt zurücksetzen, ehe er sich wieder fing.

Für einige Sekunden rieselten nur Schnee und Eis von den Grabenwänden herab.Dann zeichnete sich Vorns Gestalt wieder im Rauch ab. Der Akolyth stand noch und Cestus konnte sich die Aussage mit ein leicht belustigten Unterton nicht verkneifen „Langsam glaube ich wirklich, dass die Rebellen Sie nicht mögen, Herr Meri.“


Ein kurzes Lachen erklang hinter ihm, doch Cestus war bereits wieder dabei, die Lage zu überprüfen. Die Männer überprüften sich gegenseitig auf Verwundungen, der gegen die Wand geschleuderte Legionär meldete sich weiterhin einsatzfähig und die Spitze ordnete sich neu. Viel interessanter war für Cestus inzwischen das Muster hinter all diesen Vorfällen.

Die Rebellen hatten aufgehört, ihre Soldaten ohne Not unmittelbar gegen Vorn einzusetzen. Stattdessen griffen sie auf Distanz, Sprengfallen, Täuschungen und improvisierte Waffen zurück. Sie verstanden, dass ein Machtnutzer auf kurze Entfernung einen erheblichen Vorteil besaß und versuchten offenbar, ihm genau diesen Kampf zu verweigern.

Sie reagierten auf ihn und das gar nicht so langsam, wie es sich Cestus erhofft hatte.
Wie schnell, zeigte sich bereits wenige Minuten später. Ein einzelner Blasterbolzen zog knapp an Vorn vorbei und schlug unmittelbar neben jenem erfahrenen Legionär ein, den Cestus hinter ihm positioniert hatte. Der zweite Schuss kam aus derselben Richtung und galt erneut nicht dem Akolythen, sondern seinem Begleiter. Cestus ließ die erkannte Scharte sofort unter Feuer nehmen, bis eine Granate die Stellung schließlich zum Schweigen brachte.

Danach änderte er die Formation.

„Die nehmen gezielt unsere vorderen Beobachter unter Feuer“, erklärte er Vorn knapp. „Sie haben verstanden, wer die Sprengfallen aufklärt.“

Ein zweiter erfahrener Legionär wurde nach vorne beordert, beide Männer sollten fortan ihre Positionen regelmäßig wechseln und niemals lange genug an derselben Stelle bleiben, um dem Gegner ein eindeutiges Ziel zu bieten. Danach setzte sich die Angriffsspitze wieder in Bewegung, ohne den Verteidigern mehr Zeit als notwendig zu schenken.

Doch auch die änderten erneut ihre Vorgehensweise.


Vorn hatte gerade eine weitere Biegung passiert, als hinter ihm eine vorbereitete Ladung detonierte und einen Teil der seitlichen Eiswand aus dem Graben sprengte. Große Eisbrocken, Schnee und gefrorene Erde brachen zwischen dem Akolythen und den nachfolgenden Legionären herunter, bis der Durchgang innerhalb weniger Sekunden beinahe vollständig verschüttet war.

Cestus war sofort klar was der Feind wollten. Sie wollten Vorn isolieren.
Noch während die Pioniere nach vorne gerufen wurden, schickte er einen Trupp über einen parallel verlaufenden Graben, um möglichst schnell wieder Verbindung zum Akolythen herzustellen. Gleichzeitig ließ er die Abstände der vorderen Elemente verkürzen und benachbarte Grabenäste konsequenter besetzen. Während Vorn auf der anderen Seite des Grabes einen Kampf ausfochte.
Wenige Minuten später war die Verbindung wiederhergestellt und der Vormarsch konnte weitergehen, doch spätestens jetzt bestand kein Zweifel mehr daran, dass die Verteidiger ihre Taktik bewusst an den Machtnutzer angepasst hatten.

Fast gleichzeitig trafen die ersten Meldungen der übrigen Angriffsachsen ein. Hammer hatte links einen Teil der äußeren Grabenlinie genommen, stieß in Richtung der inneren Verteidigung jedoch auf zunehmenden schweren Widerstand, während Tide auf der rechten Seite ebenfalls Gelände gewann und mehrere geordnet aufgegebene Rebellenstellungen meldete. Die Verteidiger schienen nicht gewillt, jeden Meter um jeden Preis zu halten.

Kurz darauf brachte das entfernte Dröhnen mehrerer Triebwerke die nächste Meldung. Die zweite Landungswelle hatte den Einsatzraum erreicht und setzte bereits hinter den gesicherten Eisrücken auf. Cestus ließ Anchor die eintreffenden Kräfte aufnehmen und die frischen Kompanien über die gewonnenen Grabenabschnitte nach vorne führen. Dadurch konnten die nachrückenden Soldaten Sicherungsaufgaben übernehmen, während die bereits kämpfenden Elemente ihren Druck aufrechterhielten.

Der nächste Abschnitt wurde ihnen allerdings noch schwerer fallen.


Kaum hatte Vorn eine weitere Biegung erreicht, eröffneten mehrere Verteidiger gleichzeitig das Feuer. Zwei hielten den Akolythen frontal unter Beschuss, während beinahe zeitgleich aus mehreren seitlichen Scharte Blasterbolzen auf die nachfolgenden Legionäre einschlugen. Man hatte auf Sie gewartet.

„Achtung Kreuzfeuer!“

Cestus warf sich gegen die Grabenwand und eröffnete gemeinsam mit seinen Männern das Feuer auf die seitlichen Stellungen. Während Vorn die Aufmerksamkeit der Verteidiger vor ihnen band, konzentrierte Skybridge seine Feuerkraft auf dessen Flanken und verhinderte, dass die Rebellen ihre Angriffsspitze von mehreren Seiten gleichzeitig unter Beschuss nehmen konnten.

Mittlerweile musste Cestus seinen Leuten kaum noch erklären, wie sie sich um den Akolythen herum bewegen sollten. Niemand kreuzte unnötig dessen Weg, die Soldaten hielten Abstand zu seiner Lichtschwertklinge und rückten sofort in jene Abschnitte nach, die Vorn vor ihnen aufbrach. Was zu Beginn noch improvisiert gewesen war, begann zunehmend wie eine eingespielte Methode zu funktionieren.

Die Rebellen passten ihre Verteidigung an den Sith an. Das Skybridge Bataillon passte sich wiederum den Rebellen an.

Meter um Meter arbeiteten sie sich weiter vor, während sie immer wieder unter feuer gerieten und die Gegner auch immer wieder mit Detonatoren oder Sprengsätzen nach Vorn warfen. der diese einfach mit der Macht zurück schleuderte wenn die Detonatoren nicht schon vorher im Flug zerstört wurden.
Dann veränderte sich langsam das Gelände, stieg an und gleichzeitig veränderte sich auch die Bauweise der Stellungen.
Einfache Schnee- und Eiswälle wurden zunehmend von Durastahlplatten und vorgefertigten Barrikadenelementen verstärkt, Energie- und Kommunikationsleitungen verliefen entlang der Grabenwände und immer häufiger tauchten befestigte Scharten zwischen den Verteidigungsanlagen auf. Auch das feindliche Feuer wurde dichter, während sich mehrere Grabenäste auf einen größeren Verteidigungsknoten vor ihnen konzentrierten.

Cestus ließ die nachfolgenden Züge aufschließen und setzte den Vormarsch gemeinsam mit Vorn fort, bis sich der Graben nach einer weiteren Biegung verbreiterte und unmittelbar vor einem jener größeren Außenbunker endete, welche die Aufklärungsbilder als Knotenpunkte der gesamten Stellung ausgewiesen hatten. Der massive Bau war tief in Eis und gefrorenen Boden eingelassen, verfügte über mehrere geschützte Feuerstellungen und war durch weitere Gräben mit den benachbarten Verteidigungsabschnitten verbunden.

Doch der Außenbunker war nicht das, was Cestus innehalten ließ. Dahinter endete das dichte Grabennetz weitgehend und das gefiel dem Major gar nicht.
Zwischen den ungefähr ringförmig um das Zentrum angeordneten Außenbunkern und der eigentlichen Zentralstellung erstreckte sich eine sehr breite, offene Schneefläche, auf der kaum mehr als vereinzelte Eisformationen Deckung boten. Und dahinter erhob sich jene Anhöhe, die Cestus bislang beinahe ausschließlich von taktischen Karten und Luftaufnahmen gekannt hatte.

Aus der Nähe wirkte der Hügel um einiges gigantischer als noch von weiter weg.

Cestus ging hinter einer Deckung in die Hocke und hob sein Makrofernglas. Erst jetzt begriff er, wie sehr die Aufklärungsbilder die tatsächlichen Dimensionen verfälscht hatten. Die vereiste Erhebung ragte mächtig über das umliegende Gelände auf, während große Teile des eigentlichen Bunkerkomplexes unmittelbar in ihre Flanke hineingebaut worden waren. Massive Panzerfronten durchbrachen das Eis, Geschützscharten lagen auf mehreren Ebenen übereinander und Sensor- sowie Kommunikationsanlagen ragten aus dem Hang. Vor dem eigentlichen Komplex lagen weitere befestigte Verteidigungsstellungen, die gemeinsam mit den äußeren Bunkern beinahe jede vernünftige Annäherungsroute über die freie Fläche kontrollierten.

Und dort sammelten sich die Rebellen. Dorthin waren jene Kräfte verschwunden, die ihnen zuvor immer wieder Gelände überlassen hatten.

Fast zeitgleich meldete Hammer, dass auch seine Männer einen der äußeren Knotenpunkte bald erreichen, während Tide von rechts bestätigte, dass sich die feindlichen Kräfte zunehmend auf den inneren Verteidigungsring zurückzogen aber er nocht etwas brauchen würde. Anchor meldete schließlich die zweite Landungswelle vollständig am Boden und die ersten frischen Einheiten bereits auf dem Weg durch die gesicherten Gräben.

Cestus ließ das Makrofernglas langsam sinken.
Bis hierher hatten die Rebellen versucht, Vorn mit Sprengfallen aufzuhalten, seine Unterstützung auszuschalten, ihn von Skybridge zu isolieren und ihn schließlich durch koordiniertes Kreuzfeuer von den übrigen Soldaten zu trennen oder zu verletzen. Vor ihnen lag nun eine Stellung, an der sie genügend Raum, Deckung und vorbereitete Feuerpositionen besaßen, um all diese Erfahrungen miteinander zu verbinden.

Und diesmal würden sie offenbar nicht mehr zurückweichen. Cestus betrachtete den gewaltigen Berg noch einige Sekunden.

„Verdammte Scheiße.“ zischte er leise. Die Aufklärungsbilder hatten diesem Ding wirklich nicht gerecht werden können.
Dann wanderte sein Blick wieder zu dem größeren Außenbunker unmittelbar vor ihnen. Dessen Verteidiger waren noch immer dort, die Feuerstellungen besetzt und der Knotenpunkt keineswegs genommen. Bevor sie sich Gedanken darüber machen konnten, wie sie die offene Fläche überwinden und den eigentlichen Bunkerkomplex angreifen sollten, mussten sie zunächst den äußeren Ring vollständig aufbrechen.

Cestus überprüfte sein Magazin, gab erneut eine verlängerte Feuerbefehl für die Mörser durch damit er sich sicher war das soviel Rauch wie möglich sie vor dem Bunker schützte. Anschließend blickte er zu Vorn und deutete mit seinem Blaster auf den befestigten Bau vor ihnen.
„Das wird die letzte Hürde, bevor wir den Hauptbunker erreichen, Vorwärts!.“

Um den Berg dahinter würden sie sich danach kümmern.


[Innerer Rand - Manaan-Sektor - Truuine-System - Truuine - Südpolarkreis - in den Gräben rund um Bunkerhügel T/02] - Akolyth Vorn, Cestus Varro und Soldaten des Skybridge Bataillons und sonstige Planetare Sicherheitskräfte
 
[Innerer Rand | Manaan-Sektor | Truuine-System | Moraband | Gletscherhöhlen der Gala ] Caelis Marron (NPC und Mitbegründer von Imperialis Senus)


Es war geschafft.

Caelis Marron stand mit den Händen in den Hosentaschen vor dem großzügigen Ausstellungsbereich von Imperialis Sensus und ließ seinen Blick ein letztes Mal über das Ergebnis der vergangenen Tage schweifen. Die letzten Gläser standen poliert an ihrem Platz, sämtliche Kühlungen waren befüllt und auf die vorgesehenen Temperaturen eingestellt, die Flaschen sauber ausgerichtet und selbst die Beleuchtung tat endlich genau das, was sie sollte. Einer der Techniker hatte vor wenigen Minuten noch eine der Leuchten über dem zentralen Präsentationsbereich neu ausrichten müssen, nachdem Caelis darauf bestanden hatte, dass deren Licht den goldenen Schriftzug nicht richtig traf. Nun jedoch gab es selbst für ihn nichts mehr zu beanstanden.

Auch die Lounge im hinteren Teil des Standes war vorbereitet. Die Sitzgruppen standen ordentlich beieinander, auf den niedrigen Tischen warteten bereits die passenden Gläser und zwischen den verschiedenen Präsentationsflächen war genügend Raum geblieben, um morgen auch größeren Besuchergruppen Platz zu bieten. Wein und Spumantia bildeten weiterhin das Herzstück von Imperialis Sensus, doch längst präsentierten sie nicht mehr ausschließlich Flaschen. Gläser, kleinere Accessoires und verschiedene Ideen dessen, was irgendwann einmal aus der Marke werden sollte, hatten ebenfalls ihren Platz gefunden.

Caelis betrachtete das Ganze noch einige Augenblicke zufrieden, verabschiedete sich schließlich von den letzten Helfern und machte sich auf den Weg durch die inzwischen deutlich ruhiger gewordene Ausstellungshalle. Morgen würde es hier anders aussehen. Dann würden Gäste, Unternehmer, Politiker und Offiziere durch die breiten Gänge ziehen, während jeder Aussteller versuchen würde, wenigstens für einige Augenblicke ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen. Heute dagegen gehörte die Halle noch den Menschen, die letzte Waren einsortierten, Holoanzeigen überprüften oder mit zunehmend müden Gesichtern dafür sorgten, dass am nächsten Tag alles so aussah, als wäre es schon immer perfekt gewesen.


Caelis hatte gerade die nächste Reihe erreicht, als sein Blick an einigen Schaufensterfiguren hängen blieb.


Der dazugehörige Stand war im Vergleich zu Imperialis Sensus ausgesprochen überschaubar. Vielleicht fünf oder sechs Meter maß die Fläche in jede Richtung, sauber und durchaus geschmackvoll eingerichtet, jedoch ohne den Platz für große Sitzgruppen oder aufwendige Präsentationen. Einige dunkle Wandelemente bildeten den Hintergrund, davor standen mehrere Figuren in eleganten Anzügen und hochgeschlossenen Hemden. Erst auf den zweiten Blick erkannte Caelis, dass es offensichtlich weniger um deren Kleidung als um das ging, was sie am Hals trugen.


Über dem Stand schwebte eine Holoanzeige in zurückhaltenden Lettern der Name des Unternehmens.

Imperial Cravat’s.

Caelis verlangsamte seine Schritte und blieb schließlich stehen.


Einige der ausgestellten Stücke erinnerten noch deutlich an klassische Krawatten, andere lediglich entfernt und manche überhaupt nicht mehr. Neben schmalen Stoffbahnen mit geraden oder leicht zugespitzten Enden fanden sich breite, mehrlagige Formen, gefaltete Halsbinden und drapierte Tücher. Bei einem Modell verliefen zwei schmale Bahnen entlang einer breiteren Mitte, bei einem anderen lagen mehrere verschieden strukturierte Stoffschichten übereinander. Fischgrätmuster wechselten sich mit feinen Punkten, eingewebten Linien und beinahe unsichtbaren geometrischen Strukturen ab, während Schwarz, Anthrazit und dunkles Blau von einzelnen kräftigeren Farben durchbrochen wurden.

Fast noch auffälliger waren die dazugehörigen Verschlüsse und Schmuckelemente. Runde und ovale Metallstücke lagen neben kantigen Platten, schmalen Stegen, Ringen und kleinen Kettenkonstruktionen. Einige waren vollkommen glatt gehalten, andere besaßen feine Gravuren oder Einlagen aus andersfarbigen Legierungen. Daneben fanden sich Manschettenstücke, Nadeln und kleinere Schmuckelemente, mit denen sich aus einem schlichten Anzug ohne großen Aufwand etwas deutlich Persönlicheres machen ließ.

Caelis hatte sich gerade etwas näher über eine der Vitrinen gebeugt, als ihn einer der Männer hinter dem Stand bemerkte und freundlich begrüßte.
Der Fremde stellte sich als Joren Valis vor und hielt Caelis ohne übertriebene Förmlichkeit die Hand entgegen. Er war selbst elegant gekleidet und trug eine schwarze Halsbinde, durch deren Mitte sich ein schmaler metallischer Einsatz zog.


„Caelis Marron“, erwiderte dieser und nahm die angebotene Hand. Sein Blick wanderte noch einmal über die Auslage. „Schöne Krawatten und äußerst interessante Accessoires.“


Dass er damit bei Joren den richtigen Ton getroffen hatte, zeigte dessen Lächeln beinahe augenblicklich.

Aus der ursprünglich beiläufigen Bemerkung entwickelte sich ein Gespräch, das Caelis deutlich länger am Stand hielt, als er eigentlich beabsichtigt hatte. Imperial Cravat’s stammte von Alderaan und war erst vor wenigen Jahren aus einer gemeinsamen Leidenschaft dreier Freunde entstanden. Joren selbst hatte ursprünglich als Schneider und Textilhandwerker gearbeitet und kannte sich entsprechend mit Stoffen, Webarten und deren Verarbeitung aus. Seine Geschäftspartnerin Mira Aven kam aus dem Schmuck- und Metallhandwerk, während Lio Serrat den größten Teil der Entwürfe entwickelte und offenbar eine gewisse Freude daran hatte, seinen beiden Freunden Formen vorzulegen, bei denen diese zunächst herausfinden mussten, wie sie überhaupt herzustellen waren.

Mira und Lio kamen im Verlauf des Gesprächs ebenfalls hinzu, stellten sich vor und ergänzten die Erzählungen ihres Partners hier und da mit kleinen Einwürfen. Schnell wurde deutlich, dass keiner der drei ursprünglich mit dem Gedanken begonnen hatte, eine große Modemarke aufzubauen. Sie trugen schlicht selbst gerne Anzüge und hatten irgendwann festgestellt, dass ihnen die üblichen Möglichkeiten für Halsbekleidung zu langweilig geworden waren.

Aus ersten eigenen Krawatten waren Halsbinden entstanden, daraus Tücher, mehrlagige Stoffelemente und schließlich jene teilweise ungewöhnlichen Konstruktionen, die Caelis nun vor sich sah. Irgendwann hatten sie aufgehört, sich Gedanken darüber zu machen, ob ein neues Stück überhaupt noch als Krawatte, Halstuch oder Schmuckstück gelten konnte. Für Imperial Cravat’s gehörte inzwischen alles zusammen, was einen schlichten Anzug rund um Hals und Kragen verändern konnte.


Gerade diese Einfachheit der Idee gefiel Caelis.

Ein guter Anzug musste nicht mit Farben und Ornamenten überladen werden, wenn ein einziges gut gewähltes Element ausreichte, um ihm einen eigenen Charakter zu verleihen.

Auch geschäftlich befanden sich die drei an einem interessanten Punkt. Auf Alderaan betrieben sie bereits einen kleinen Verkaufsraum und hatten mit ihren bisherigen Modellen durchaus Kunden gefunden. Der Auftritt auf Truuine war jedoch ihre bislang mit Abstand größte Investition. Viele der hier gezeigten Entwürfe waren Einzelstücke oder existierten lediglich in wenigen Exemplaren. Anstatt sämtliche Varianten auf Verdacht in größeren Stückzahlen fertigen zu lassen, wollten sie die Gala nutzen, um herauszufinden, welche Formen, Stoffe und Verschlüsse bei einer größeren und vor allem zahlungskräftigeren Kundschaft tatsächlich ankamen. Was sich bewährte, sollte anschließend in kleinen Serien gefertigt werden; ausgefallenere Stücke konnten weiterhin auf Bestellung entstehen.


Für ein Unternehmen ihrer Größe war dieser Versuch allerdings teuer gewesen. Standgebühr, Transport, Unterbringung, Material und die eigens für Truuine angefertigten Musterstücke hatten einen beträchtlichen Teil ihrer verfügbaren Mittel verschlungen. Joren machte daraus kein Geheimnis, wenngleich sein Humor erkennen ließ, dass er sich davon zumindest heute Abend noch nicht verrückt machen lassen wollte.

Erst irgendwann fiel den dreien auf, woher Caelis eigentlich kam.
Ihr Stand lag nur wenige Plätze von Imperialis Sensus entfernt, dessen deutlich größere Präsentationsfläche ihnen natürlich längst aufgefallen war. Als Caelis erklärte, einer der Gründer zu sein, wurde aus der bisherigen Unterhaltung für einen Moment neugieriges Interesse. Er musste allerdings schmunzeln, als ihn Lio beinahe selbstverständlich für den Eigentümer hielt.


„Nein, nein“,
wehrte Caelis ab. „Mir gehören gerade einmal Fünfundzwanzig Prozent.“

Den größeren Anteil hielt sein alter Freund Theranos Zesh, mit dem er die ersten Ideen für Imperialis Sensus einst auf Corulag entwickelt hatte. Dass Theranos inzwischen nicht mehr Gouverneur von Prefsbelt IV, sondern Sektoradjutant für Wirtschaft, Industrie und Handel im Prefsbelt-Sektor war, sorgte bei seinen drei Gesprächspartnern für merklich größere Aufmerksamkeit.

Caelis machte keinen Hehl daraus, dass er sich davon auch für Imperialis Sensus einiges versprach. Nicht weil Theranos seine neue Stellung benutzen würde, um ihrer privaten Unternehmung irgendwelche unlauteren Vorteile zu verschaffen, sondern weil jemand, der beruflich täglich mit Unternehmen, Handel und wirtschaftlicher Entwicklung zu tun hatte, zwangsläufig Menschen kennenlernte und Möglichkeiten erkannte, an denen andere vorbeigingen. Ohnehin dachte Theranos bei Imperialis Sensus längst größer als noch zu Beginn, und Caelis selbst konnte dieser Entwicklung einiges abgewinnen. Wein sollte das Herz der Marke bleiben, doch Gläser, Interieur, Schmuck und Accessoires waren längst keine völlig abwegigen Gedanken mehr.

Dieser Teil des Gesprächs schien wiederum Mira und Lio besonders zu interessieren. Ohne daraus bereits konkrete Pläne zu machen, wurden einige Möglichkeiten hin und her geworfen, ehe Caelis schließlich bemerkte, wie spät es inzwischen geworden war.

Morgen würde die Gala beginnen und obwohl am eigenen Stand eigentlich alles vorbereitet war, wollte er vor dem Schlafengehen zumindest noch einmal kontrollieren, ob wirklich alles dort stand, wo es hingehörte.


„Wenn Sie morgen irgendwann Zeit finden, kommen Sie rüber“, sagte er deshalb und deutete einige Stände weiter. „Dann trinken wir ein Glas zusammen. Theranos stelle ich Ihnen bei Gelegenheit ebenfalls vor.“

Die Einladung wurde von allen dreien gerne angenommen.

Caelis verabschiedete sich, war bereits einige Schritte gegangen und warf dann doch noch einmal einen Blick zurück auf jene schwarze Cravat mit dem schmalen metallischen Inlay, die ihm bereits zu Beginn aufgefallen war.

Vielleicht, dachte er, hatte sich sein kleiner Umweg durch die Ausstellungshalle doch gelohnt.


[Innerer Rand | Manaan-Sektor | Truuine-System | Moraband | Gletscherhöhlen der Gala ] Caelis Marron (NPC und Mitbegründer von Imperialis Senus)
 
[ Innerer Rand | Manaan-Sektor | Truuine | Moraband | Bar in der Nähe des Praxeums] - Kal Andrim, Aren Vayliuar, Theranos Zesh, Kael Reed, Lilivienne Évarielle d’Oridin und (NSC´s - Majordomus Alizée sowie weitere Gäste und zwei Leibwächter in Zivil )

Theranos tat bereits sein bestes, um der Verwunderung von Lilivienne zu begegnen, was Kal mit einem Nicken quittierte. Der Kuati selbst steuerte dann noch einige Details bei, die bisher fehlten. “Nach meinem Abschluss an der Anaxes Militärakademie unter den Top 3 % meines Jahrgangs wurde ich wie alle Piloten unter den besten 5 % direkt zum Flight-Lieutenant befördert und durfte mir meinen ersten Posten aussuchen. Das ist kaum ein Jahr her und war damit natürlich noch zu Friedenszeiten. Jedenfalls war mein erstes Geschwader an der Bekämpfung organisierter Piraterie beteiligt und im Zuge der Kampagne habe ich innerhalb weniger Monate mehr Kampfeinsätze erlebt und Abschüsse erzielt, als die meisten Piloten in Jahren sehen.” Ein weiteres Nicken gen Theranos folgte. “Anschließend sollten wir uns zum Koornachtsternenhaufen begeben, um die Befriedung dort zu unterstützen. Dabei wurden wir auf Prefsbelt IV aufgehalten. Theranos’ Amtsvorgänger war nicht so recht zufrieden mit dem Wechsel in der Administration auf planetarer und Sektorebene und mit ihrer Majestät.”

Kals Ton verriet, dass er wenig Mitgefühl mit Piraten oder Aufständigen hatte und vermutlich keine Träne darüber vergossen hatte, für den Tod nicht weniger Personen persönlich verantwortlich zu sein. Eine Information, die sicher nicht wenige Personen abschreckte, anderen wiederum imponierte. “Ich habe dann meinen Teil dazu beigetragen, Prefsbelt IV zu befrieden und Ordnung wiederherzustellen und das scheint den richtigen Leuten aufgefallen zu sein, weswegen der Moff gebeten wurde, mich im Rahmen der Siegesfeierlichtkeiten zusammen mit einer ganzen Reihe anderer verdienter Offiziere zu befördern.” Ein anerkennendes wie dankbares Nicken erfolgte in Richtung Aren, bevor der Kuati Lilivienne ein durchaus selbstgefälliges Lächeln schenkte. “Nachdem einige Angelegenheiten im Prefsbeltsektor geklärt sind, werde ich mich einer Fronteinheit anschließen, um meinen Teil dazu beizutragen, die so genannte Republik in ihre Schranken zu verweisen.” Tatsächliche hatte Kal nicht vor, mehr Zeit als nötig in einer Stabsposition im Prefsbeltsektor zu verbringen. So gerne er Theranos und damit auch Aren bei der Stabilisierung und Stärkung des Sektors auch unterstützte, so sah er sich doch vor allem als Kampfpilot und bevorzugte damit einfach den Frontdienst.

Das Thema konnten sie dann nicht weiter vertiefen, da sich keine geringere Persönlichkeit als
Moff Agustin Prada samt Partnerin zu ihnen gesellte und vor allem seinen persönlichen Freund Aren herzlich begrüßte. Entsprechend bekam der Kuati auch nichts von dem inneren Konflikt mit, der im Kopf von Lieutenant Reed tobte und als dieser sich zu den Musikern zurückzog, hatte Kal seine Anwesenheit schon beinahe vergessen. Moff Prada, dessen Begleitung und auch den wenig später hinzutretenden und hier so gar nicht in die Runde zu passen scheinenden T’rsop begrüßte Kal alle mit einer freundlichen, angedeuteten Verbeugung nach kuatischer Sitte, die grundlegenden Respekt bekundete aber nicht allzu viel Aufmerksamkeit von den Begrüßten verlangte. Gerade Moff Prada schien vor allem Augen für seinen Freund Aren zu haben und da wollte der Kuati sich nicht unnötig einmischen. Die Einladung Arens und Bestellung von Theranos nahm Kal dann dankend an und nahm einen testenden Schluck des Weins, der hier verkostet wurde. Die Marke, die Lieutenant Reed hier anpries, sagte dem Kuati zwar nichts, aber das wunderte Kal auch nicht. Er zog Whisky einem Wein vor. Dieser Wein war jedenfalls trinkbar, was seinen am Thema Wein uninteressierten Gaumen betraf.

[ Innerer Rand | Manaan-Sektor | Truuine | Moraband | Bar in der Nähe des Praxeums] - Kal Andrim, Aren Vayliuar, Theranos Zesh, Kael Reed, Lilivienne Évarielle d’Oridin, Agustin Prada und (NSC´s - Majordomus Alizée, Abella Sorovkin, sowie weitere Gäste und diverse Leibwächter in Zivil )
 
| Innerer Rand | Truuine | Moraband | Unweit des Praxeum | Bar |
Lilivienne Évarielle d'Oridin, Majordomus Alizée, Kael Reed, Aren Vayliuar, Agustin Prada, Kal Andrim und Theranos Zesh, sowie weitere Gäste und Leibwächter in Zivil


Theranos hörte Kal aufmerksam zu, als dieser seine bisherige Laufbahn um jene Einzelheiten ergänzte, die er selbst bei seiner kurzen Zusammenfassung ausgelassen hatte. Dass der Kuati seine Ausbildung unter den besten Absolventen der Akademie von Anaxes beendet hatte, überraschte ihn dabei ebenso wenig wie dessen Schilderung der ersten Einsätze gegen organisierte Piraterie. Vieles davon kannte Theranos bereits aus dessen Akte, manches aus ihren bisherigen Gesprächen, doch gerade die Geschwindigkeit, mit der Kal innerhalb kaum eines Jahres vom frisch ausgebildeten Piloten zu einem kampferprobten Captain geworden war, wirkte ausgesprochen bemerkenswert, wenn man die einzelnen Stationen unmittelbar hintereinander hörte.

Bei der Erwähnung seines Amtsvorgängers verzog Theranos für einen Augenblick amüsiert einen Mundwinkel. Die Formulierung, jener sei mit dem Wechsel innerhalb der planetaren und sektoralen Administration sowie mit ihrer Majestät nicht so recht zufrieden gewesen, war eine ausgesprochen sehr höfliche Zusammenfassung der damaligen Ereignisse.

„Das kann man wohl so ausdrücken“, kommentierte er trocken und nahm einen kleinen Schluck seines Weines.

Dass Kal anschließend erklärte, sich nach Abschluss seiner Verpflichtungen im Prefsbelt-Sektor möglichst bald einer Fronteinheit anschließen zu wollen, ließ Theranos dagegen für einen Moment nachdenklicher werden. Es überraschte ihn nicht. Kal Andrim war Kampfpilot und hatte bereits während ihrer bisherigen Gespräche keinen Zweifel daran gelassen, dass er seine Zukunft nicht dauerhaft in irgendeinem Stab oder einer administrativen Funktion sah. Theranos konnte diese Haltung sogar ausgesprochen gut nachvollziehen.

Bedauerlich fand er sie trotzdem.

Für die nächsten Wochen hatte er durchaus noch einige Vorstellungen, bei denen ein Pilot mit Kals Fähigkeiten ausgesprochen nützlich werden konnte. Die Vorbereitungen für KP-1 liefen bereits, und sollte sich dort tatsächlich etwas finden, das flog, jagte oder sich auf andere Weise nicht bereitwillig untersuchen ließ, wäre ein erfahrener Pilot vermutlich alles andere als überflüssig. Auch darüber hinaus hatte Theranos bereits begonnen, über eine Zusammenarbeit nachzudenken. Immerhin hatte er Kal nicht ohne Grund zu diesem ursprünglich geplanten Treffen eingeladen.

Vielleicht musste der Captain also ja nicht ganz so schnell an die Front verschwinden, wie er es gerade ankündigte.
Theranos würde darüber während oder spätestens am Rückflug von der Gala mit ihm sprechen. Ein wenig Zeit blieb ihnen schließlich noch.
Seine Aufmerksamkeit wurde kurz darauf ohnehin von etwas vollkommen anderem beansprucht.

Die fremde Stimme, die plötzlich unmittelbar neben Aren erklang, ließ Theranos den Kopf wenden. Ein hochgewachsener Mann war gemeinsam mit einer elegant gekleideten Frau an die Gruppe herangetreten, und für einen kurzen Augenblick blieb Theranos' Blick prüfend auf dessen Gesicht liegen. Zivil gekleidet, keine Rangabzeichen, keine Insignien und dennoch kam ihm der Mann ausgesprochen bekannt vor.

Woher kannte er dieses Gesicht?
Die Antwort lieferte zunächst nicht seine Erinnerung, sondern Aren.

Die geradezu überschwängliche Freude, mit welcher der Moff den Neuankömmling begrüßte und unmittelbar in eine brüderliche Umarmung zog, schränkte die Möglichkeiten erheblich ein. Theranos kannte Aren inzwischen gut genug, um zu wissen, dass eine derartige Reaktion kaum irgendeinem flüchtigen Bekannten galt. Wer auch immer dort gerade aufgetaucht war, begegnete dem Moff zumindest persönlich auf einer Ebene, auf der Titel und Ämter offensichtlich kaum noch eine Rolle spielten.

Und von den Personen, die Theranos aus den umliegenden Sektoren kannte und auf die diese Beschreibung zutreffen konnte, gab es nicht sonderlich viele.

Dann fiel es ihm ein.

Prada.

Natürlich.

Es konnte sich nur um Agustin Prada, Moff des Myto-Sektors.

Theranos hatte sich spätestens vor Übernahme seines Gouverneursamtes ausführlich genug mit den politischen Verhältnissen der angrenzenden imperialen Gebiete beschäftigt, um den Namen sofort einordnen zu können. Spätestens mit seiner Ernennung zum Sector Adjutanten hatte er seine Kenntnisse über die umliegenden Sektorverwaltungen noch einmal aufgefrischt. Der Myto-Sektor war wirtschaftlich und strategisch viel zu bedeutend, als dass Theranos den Moff nicht zumindest aus dessen öffentlich zugänglicher Vita und den entsprechenden Verwaltungsunterlagen gekannt hätte. Prada wiederum gehörte mit seiner langen Laufbahn auf Dubrillion, seinem wirtschaftlichen Hintergrund und seinem ausgesprochen machtbewussten Regierungsstil ohnehin zu jenen imperialen Verwaltern, deren Karriere Theranos interessant genug fand, um sie nicht lediglich mit einem Namen abzuspeichern.

Dass dieser Mann nun unangekündigt und ohne jedes sichtbare Amtszeichen neben ihnen in einer Bar stand, hatte Theranos trotzdem nicht erwartet.

Als Aren die Vorstellung schließlich übernahm und damit seine Vermutung bestätigte, trat ein freundliches Lächeln auf Theranos' Gesicht.

„Moff Prada.“ Theranos neigte respektvoll den Kopf. „Es ist mir eine Freude, Sie persönlich kennenzulernen, mein Name ist Theranos Zesh und ich habe seit kurzem das Amt des Sector Adjutanten im Prefsbelt Sektor inne.“

Sein Blick wanderte kurz zu Abella, die Aren ebenso herzlich begrüßt hatte, bevor Theranos auch ihr mit einer höflichen Kopfbewegung begegnete. “Sehr erfreut die Dame”. Anschließend sah er zu Lilivienne hinüber und konnte sich ein deutlich amüsiertes Schmunzeln nicht verkneifen.

„Nun, Lili. Bis zur Imperatorin haben wir es noch nicht geschafft.“
Er deutete mit seinem Glas leicht in Richtung des Neuankömmlings.

„Aber mit Moff Prada nähern wir uns Ihrem Szenario zumindest mit bemerkenswerter Geschwindigkeit.“
Spätestens jetzt hatte Theranos endgültig aufgegeben, irgendeine Vorhersage darüber treffen zu wollen, wer an diesem Abend noch durch die Tür kommen würde.

Eigentlich hatte er Aren zu einem Gespräch über seine zukünftigen Aufgaben, KP-1 und den Aufbau seines Stabes treffen wollen. Kal hatte dazukommen sollen, weil Theranos mit Aren unter anderem über dessen mögliche Einbindung in einige dieser Vorhaben sprechen wollte. Daraus war innerhalb erstaunlich kurzer Zeit eine Gesellschaft geworden, deren Zusammensetzung vermutlich selbst dann bemerkenswert gewesen wäre, wenn jemand sie Wochen im Voraus geplant hätte.

Theranos störte sich daran inzwischen allerdings kaum noch.

Das Gespräch mit Aren würde nicht davonlaufen, ebenso wenig die offenen Fragen bezüglich Kal. Dafür bot ihm dieser Abend gerade etwas, das sich wesentlich schlechter planen ließ. Viele neue und spannende Kontakte.

Als Aren seine bisherige Einladung kurzerhand auf die gesamte Gesellschaft ausweitete, bemerkte Theranos aus dem Augenwinkel bereits den Barkeeper, der sich mit den nächsten Getränken näherte. Sein eigenes Glas enthielt ohnehin kaum noch mehr als einen letzten Schluck, weshalb er diesen austrank und es auf dem Tresen abstellte. Mit einer Hand nahm er das frisch bereitgestellte Glas entgegen, während er mit der anderen auch jenes Getränk aufnahm, das für Kal bestimmt war.

„Captain Andrim.“
Mit einem kleinen Lächeln reichte er Kal dessen Drink, bevor er selbst sein neues Glas anhob.



Weiter kam er allerdings nicht.
Denn nur wenige Minuten nachdem Theranos zu dem Schluss gekommen war, dass diese Runde nun wirklich kaum noch unerwarteter werden konnte, erschien die nächste Gestalt neben ihnen.

Diesmal dauerte das Erkennen keine Sekunde.
Schon die Stimme genügte.

Theranos drehte sich zu dem vermummten Pau’aner um, der mit einem Tablett voller Tee, Wasser, Cocktail und Dessert sowie der Selbstverständlichkeit eines Mannes in ihre Runde trat, der offenbar keinerlei Anlass sah, seinen Auftritt weniger ungewöhnlich zu gestalten. Bei dessen Frage, weshalb es ihn nicht überraschte, bei Theranos' lockerem Treffen die halbe Führungsriege des Imperiums vorzufinden, musste Theranos bereits ehrlich lachen.

Der anschließende Kommentar über eine mögliche Antrittsrede als rechte Hand des Großwesirs machte es nicht besser.
T’rsop.“

Theranos schüttelte amüsiert den Kopf.
„Zu meiner Verteidigung, als ich dich eingeladen habe, bestand dieses lockere Treffen aus einem Moff, möglicherweise Captain Andrim und mir.“

Er ließ seinen Blick demonstrativ über die mittlerweile beträchtliche Runde wandern.
„Über jeden weiteren Gast freue ich mich selbstverständlich außerordentlich, aber für diese bemerkenswerte Fügung der Dinge übernehme ich keinerlei Verantwortung.“

Dass T’rsop anschließend seine Kapuze zurückschob und sich mit jener unverwechselbaren Mischung aus Selbstironie und vollkommen trockener Direktheit selbst vorstellte, brachte Theranos erneut zum Schmunzeln. Er kannte den Pau’aner inzwischen lange genug, um zu wissen, dass hinter dessen bisweilen etwas undiplomatischer Ausdrucksweise nur selten irgendeine böse Absicht steckte. T’rsop war eben T’rsop. Ein Gelehrter, der irgendwann in der Politik gelandet war und bis heute gelegentlich den Eindruck vermittelte, gesellschaftliche Konventionen eher als interessantes Forschungsgebiet denn als verbindliche Handlungsanweisung zu betrachten.

Vielleicht war genau das einer der Gründe, weshalb Theranos ihn mochte.
Bei dessen Bemerkung, lediglich sein Intellekt legitimiere ihn für diese Gesellschaft, hob Theranos allerdings leicht die Augenbrauen und wandte sich etwas zur übrigen Runde.
„Der gute Gouverneur T’rsop war bis vor Kurzem Mitglied meines Beraterstabes auf Prefsbelt IV und ursprünglich hatte ich vorgesehen, ihn zu meinem Vizegouverneur zu ernennen.“

Theranos' Blick glitt kurz zu Aren.
„Dann hatte Moff Vayliuar allerdings die Freundlichkeit, mir vollkommen unerwartet die Position des Sector Adjutanten anzubieten, die ich selbstverständlich mit großer Freude angenommen habe.“

Ein kleines Schmunzeln kehrte auf seine Lippen zurück, als er wieder zu T’rsop sah und sich daran erinnerte wie dieser aus allen Wolken gefallen war als er damals plötzlich zum Gouverneur und nicht nur zum Vize Gouverneur ernannt wurde.
„Damit wurde aus meinem vorgesehenen Vizegouverneur in bemerkenswert kurzer Zeit mein Nachfolger. Dass ich ihm diese Entwicklung damals nicht unbedingt mit einer Vorwarnung angekündigt habe, wird er mir vielleicht irgendwann noch verzeihen.“

Theranos hob sein Glas leicht in Richtung des Pau’aners.
„Aber ich hätte Prefsbelt IV kaum jemandem lieber überlassen.“

Das war keineswegs nur eine freundschaftliche Höflichkeit. Theranos hatte lange genug mit T’rsop zusammengearbeitet, um dessen Fähigkeiten einschätzen zu können, und gerade deshalb hatte er dessen Ernennung unterstützt. Der Gedanke besaß für ihn darüber hinaus einen Reiz, den er schon damals bemerkenswert gefunden hatte. Pau’aner lebten erheblich länger als Menschen. Wenn sein Freund seine Arbeit gut machte und irgendwann nicht selbst nach höheren Aufgaben strebte, konnte er Prefsbelt IV über Zeiträume prägen, in denen mehrere Generationen menschlicher Amtsträger gekommen und gegangen wären.

Für Theranos, der politische und wirtschaftliche Entwicklung ohnehin lieber in Jahrzehnten als in Legislaturperioden dachte, hatte diese Vorstellung etwas ausgesprochen Beruhigendes. Vor allem da er wusste dass der Pauner mehr nach Erkenntnis denn nach Macht strebte

Vielleicht würde T’rsop noch Gouverneur sein, wenn Theranos selbst schon lange nicht mehr durch diese Galaxis wandelte.
Ein seltsam angenehmer Gedanke. Theranos nahm einen Schluck aus seinem neuen Glas und wollte sich gerade wieder der inzwischen noch größeren Runde widmen, als ihm auffiel, dass dafür eine Person fehlte.


Sein Blick wanderte kurz über die Anwesenden und kurz darauf entstanden ein paar Falten auf seiner Stirn.
Wo war eigentlich Kael hingekommen?

Theranos sah sich kurz um, da entdeckte er den Chiss einige Meter entfernt bei der kleinen Musikergruppe. Offenbar hatte dieser die Gelegenheit genutzt, sich während der neuerlichen Begrüßungen ein wenig aus der stetig anwachsenden Gesellschaft zurückzuziehen. Theranos beobachtete kurz, wie Kael mit den Musikern sprach, anschließend an den unbesetzten Flügel trat, den Sitz zurückzog und schließlich vor den Tasten Platz nahm.

Ein breites Schmunzeln erschien auf seinem Gesicht.
Nun wurde es interessant, Theranos war gespannt, welche Leistung der Chiss abrufen würde. Immerhin liebte Theranos die Musik sowie Kunst und vieles mehr, was damit zu tun hatte.

Theranos hob sein Glas leicht und deutete damit in Richtung des Flügels.
„Meine Herrschaften, wie es aussieht, erhalten wir in Kürze sogar noch musikalische Unterhaltung.“

Damit hatte er vermutlich erfolgreich dafür gesorgt, dass ein erheblicher Teil der versammelten imperialen Prominenz seine Aufmerksamkeit ausgerechnet auf jenen Lieutenant richtete, der sich gerade einige Meter von ihnen entfernt hatte.

Theranos konnte sich ein ausgesprochen zufriedenes Grinsen nicht verkneifen. Immerhin hatte der Chiss auf seine Frage, welches Getränk er ihm als Professionist empfehlen würde, nicht beantwortet. Somit war das eine kleine Retourkutsche.


| Innerer Rand | Truuine | Moraband | Unweit des Praxeum | Bar |
Lilivienne Évarielle d'Oridin, Majordomus Alizée, Kael Reed, Aren Vayliuar, Agustin Prada, Kal Andrim, T´rsop und Theranos Zesh, sowie weitere Gäste und Leibwächter in Zivil
 
| Truuine | Moraband | Unweit des Praxeum | Bar |
Lilivienne Évarielle d'Oridin, Majordomus Alizée, Kael Reed, Aren Vayliuar, Theranos Zesh, Kal Andrim, Agustin Prada, Abella, T'rsop sowie weitere Gäste und Leibwächter in Zivil


Nein, jetzt wurde es wirklich absurd. Lilivienne hatte den Abend in der zurückhaltenden Absicht begonnen, gemeinsam mit Alizée den imperialen Bürgern von Truuine auf den Zahn zu fühlen. Stattdessen waren sie auf Kael gestoßen, anschließend Aren, Theranos und Captain Andrim. Inzwischen schien jeder ranghohe Imperiale im Umkreis entschlossen zu sein, diese kleine Bar aufzusuchen. Denn als Aren plötzlich von seinem Platz hochfuhr und den Neuankömmling herzhafter als einen Bruder begrüßte, hob Lily überrascht die Augenbrauen. Agustin Prada mochte ein Mann sein, dessen neues Amt allein genügte, um ihn bekannt zu machen. Sein Name war Lily aber dank regelmäßiger Berichte an die KOMENOR-Führung schon davor bekannt gewesen. In ihrer Funktion als Sekretärin des Propagandaministers hatte sie Dinge gehört, die anderen vermutlich die Ohren schlackern ließen. Aren blieb somit nicht als einziger Moff in der Runde. Natürlich nicht.

Bei seiner Bemerkung über den zuvor scherzhaft angekündigten Eintritt der Imperatorin musste sie lachen und schüttelte leicht ungläubig den Kopf. Vielleicht hätte sie mit solcherlei Aussage vorsichtiger sein müssen.

Moff Prada, Madame“, begrüßte sie die Neuankömmlinge und erhob sich, um die Vorstellung mit der angemessenen Höflichkeit zu untermalen. Ihr Lächeln blieb offen und freundlich, aber anders als bei Aren lag darin eine natürliche Zurückhaltung gegenüber dem Mann, dessen Ruf ihm vorauseilte.

„Lilivienne Évarielle d’Oridin. Gouverneurin von Bastion. Es freut mich, Sie persönlich kennenzulernen.“

Auch seine Liierte, die offenbar Abella hieß und nicht an Schönheit sparte, bedachte sie mit einem höflichen Kopfnicken, ehe sie wieder platznahm. Dass Aren anschließend offenbar so über diese Neuerscheinung erquickt war, dass er gleich die gesamte Runde auf seine Rechnung setzte, quittierte Lily mit einem amüsierten Blick. Steckte dahinter tatsächlich freundschaftliche Freude, oder versuchte hier einer, dem anderen zu imponieren?

„Dagegen werden wir uns wahrlich nicht wehren“, gab sie zurück und hob ihr Glas anerkennend in Arens Richtung. „Auch wenn ich inzwischen den Eindruck gewinne, dass mit jeder weiteren Runde ein neuer Amtsträger durch diese Tür kommt.“

Kaum hatte sie die Worte ausgesprochen, bemerkte sie einen hochgewachsenen Pau’aner, der sich dem Tresen genähert hatte. Auch er schien einigen Mitgliedern ihrer Spontangesellschaft nicht unbekannt. Warum, stellte sich wenige Augenblicke später heraus. Der Gouverneur von Prefsbelt IV war natürlich in enger Zusammenarbeit mit Aren und Theranos verstrickt, letzterem schien er gar in seinem Amt nachgefolgt zu sein. In diesem Moment begann Lilivienne tatsächlich zu glauben, dass man sich den morgigen Empfang sparen, und stattdessen diese Bar restlos reservieren sollte. Immerhin passte der Pau’aner mit Ausnahme des Offensichtlichen hervorragend in diese Runde, die längst aufgehört hatte, auch nur annähernd zufällig zusammengesetzt zu wirken.

„Willkommen in unserer bescheidenen Runde, Gouverneur.“

Selbst den Nichtmenschen begrüßte sie staatsmännisch mit demselben höflichen Nicken.

Zwei Moffs, ein Sektor Adjutant, mehrere Gouverneure sowie Offiziere, die gleichzeitig auch entweder Wirtschaftsmogul oder Hochadel waren und mittendrin Alizée, die ihre Augen inzwischen gar nicht mehr von Captain Andrim lassen konnte, nachdem hauptsächlich Theranos, aber auch er selbst mit einer Prise Selbstbeweihräucherung seine bisherige Laufbahn kommentiert hatten. Beeindruckend. Und dazu war er offenbar noch bereit, endgültig zu imperialem Heldentum aufzusteigen, indem er sich an die Front versetzen ließ. Bei der Überlebensquote eines durchschnittlichen TIE-Piloten hoffte sie für ihn an dieser Stelle tatsächlich inständig, dass er überdurchschnittlich war. Unauffällig verpasste sie ihrer Majordomus mit der Fußspitze einen kleinen Stoß gegen das Schienbein. Dieses Starren war für sich genommen unhöflich, rotbäckiges Anschmachten aber sogar ihrer Position unangemessen.

Kael hatte sich inzwischen unauffälllig aus der Runde entfernt. Liliviennes Blick verfolgte ihn zunächst nur beiläufig, in der Annahme, dass er sich nur kurz frisch machen würde. Erst als Theranos die Aufmerksamkeit der gesamten Runde ausgesprochen hilfsbereit auf den Chiss und den Flügel lenkte, wurde klar, dass der Lieutenant andere Absichten hatte.

Bevor sie darauf reagieren konnte, blieb sie allerdings gedanklich an etwas ganz anderem hängen. Ihr Blick wanderte von Kael langsam zurück zu Theranos.

Lily?

Zuerst war sie sich tatsächlich nicht sicher gewesen, ob sie sich verhört hatte, oder ob es auch nur ein Versehen gewesen war. Aber nein. Hatte sie nicht. War es nicht. Sie hatte der Runde vorhin ausdrücklich und großzügig angeboten, auf Lady d’Oridin, Gouverneurin oder sonstige förmliche Titel zu verzichten. Lilivienne. Nicht Lily. Natürlich gab es Menschen, die sie so nennen durften oder es einfach taten, weil sie ihr Gesicht und Namen aus ihren früheren Rollen kannten. Das machte ihn aber noch lange nicht zu einer Einladung. Selten traute sich ein Mann, den sie vielleicht seit weniger als einer Stunde kannte, diesen Spitznamen in ihrem Angesicht zu verwenden. Noch dazu ohne ausdrückliche Erlaubnis. Der Name schaffte eine Nähe und Vertrautheit, die in dieser Runde – bei aller aufgesetzter Freundschaft – noch längst nicht angemessen war. Dass Theranos es offenbar vollkommen selbstverständlich getan hatte, war übergriffig, oder im mindesten dreist.

Die Gouverneurin drehte ihr Glas langsam zwischen den Fingern und sah den Sektor Adjutanten mit einem dediziert freundlichen Lächeln an.

„Lilivienne“, korrigierte sie ihn mit ruhiger Stimme. „Sie sind bemerkenswert schnell, Theranos. Aber ich denke, Lilivienne ist kurz genug.“

Alizée bewegte neben ihr kaum merklich den Kopf. Lily kannte diese Bewegung gut genug, dass ihre Majordomus entweder ein Lächeln unterdrückte oder weil sie sich bereits eine Notiz dazu machte. Vermutbar war beides. Bei dieser Belehrung beließ sie es dann jedoch und folgte stattdessen seinem Hinweis zum Flügel, an dem Kael inzwischen Platz genommen hatte. Damit hatte es der Lieutenant tatsächlich geschafft, innerhalb eines Abends vom zufälligen Gesprächspartner, zum Spirituosenunternehmen und schließlich zum Pianisten einer Band zu werden. Wenn er nur halb so gefühlsstark Musik machte, wie er über Brände sprach, dann würde sie langsam anfangen müssen, sich zu fragen, was der Chiss eigentlich nicht konnte.

„Wenn Sie verzeihen, das müssen wir uns aus der Nähe ansehen.“

Damit zog sie Alizée, die ihren Blick langsam wieder in Richtung Andrim gelenkt hatte, sachte am Arm hin zu der kleinen Bereich, an dem die Instrumente aufgestellt waren und die Band sich auf das nächste Stück vorbereitete.

| Truuine | Moraband | Unweit des Praxeum | Bar |
Lilivienne Évarielle d'Oridin, Majordomus Alizée, Kael Reed, Aren Vayliuar, Theranos Zesh, Kal Andrim, Agustin Prada, Abella, T'rsop sowie weitere Gäste und Leibwächter in Zivil

 
Statt üblichen geschlechtsspezifischen Pronomen, werden in diesem Post experimentell geschlechtsneutrale Neopronomen verwendet. „Hen“ ist zu lesen wie „er/sie“ (Nominativ & Akkusativ). „Hens“ ist zu lesen wie „ihr/sein“ (Genitiv). „Hem“ ist Dativ. Beispiel: „Dies ist Ridley Solaris. Hen ist imperialer Gouverneur und hens Planet heißt Truuine. Legat Talzin ist hem zu Diensten.“ Von Außen spielt Ridley eine Person mit er/sein Pronomen vor, um im chauvinistischen Imperium nicht benachteiligt zu werden.
[ Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Truuine / Norpolarkreis / Moraband / Regierungspalast ] Ridley

Die nächsten beiden Wochen war Ridley ausgesprochen beschäftigt.

Wobei sowohl ‚ausgesprochen‘ als auch ‚beschäftigt‘ bestenfalls als gut gemeinte Beschönigungen zu verstehen waren und schlimmstenfalls als glatte Lüge durchgingen. Eine Lüge, die Ridley sich in erster Linie selbst erzählte, denn innerhalb von hens Regierungsstab war man es ja durchaus gewohnt, dass der werte Herr Gouverneur annähernd 24/7 für dringende Regierungsgeschäfte erreichbar war. Da fiel es nicht wirklich auf, wenn hen nur dreieinhalb statt vier Stunden pro Nacht meditierte, um der Lage Herrin zu werden.

Das bedeutete jedoch auch, dass Ridley in Wahrheit noch nie so beschäftigt gewesen war. Vor hens Ausbildung zum Sith hatte hen nicht einmal mit dem Missbrauch von Wachmachern so wenig Schlaf benötigt und selbst innerhalb der Ausbildung – hens eigener und der der Akolythen – war eine saubere Trennung zwischen Politiker bei Tag und Sith bei Nacht (oder umgekehrt) möglich gewesen.

Nun jedoch sah das anders aus. Der Krieg im Süden war nie darauf ausgelegt worden wenige Mannstunden zu fressen. Zwar leistete Legat Di Ghutas Ressort der Inneren Sicherheit ganze Arbeit, Ridley nicht zu kleinteilige Entscheidungen aufzubürden, manches jedoch brauchte einfach die ordnende Hand des Gouverneurs. Wäre es das einzige Reizthema gewesen: sicherlich absolut schaffbar.

Dann war da jedoch auch noch die Gala der Gesellschaft zur Förderung der schönen Künste und imperialer Kultur. Was als ‚klingt gut, machen wir mal‘ begonnen hatte, hatte sich spätestens dann zu einem enormen Zeitfresser aufgebläht, als die halbe Sektorverwaltung des Imperiums ihr Kommen angemeldet hatte. Der Gouverneur von Prefsbelt IV, mindestens ein Sector Adjutant des Prefsbelt-Sektors und dann auch gleich der Moff noch dazu waren erst der Anfang! Die Gouverneurin von Bastion, Moff Prada des Myto-Sektors, der Gouverneur von Quarzite... So ziemlich alle wichtigen Geschäftspartner Ridleys – mit Ausnahme von Gouverneur Antares von Kelada – waren anwesend und das waren auch nur jene Gesichter, die hen persönlich kannte! Plötzlich war die Organisation der Gala von einem gesunden Workload des Ressorts für Bildung und Kultur zur Chefsache mutiert.

Ach, und dann war da ja auch noch die vom Timing her äußerst ungünstige Angelegenheit des Kiemenschimmels. Was konnte man als Ausrichter einer politisch äußerst wichtigen Gala nicht gebrauchen, wenn grade allerlei hochrangige Politiker in der Hauptstadt verweilten? Und man noch bisher versäumt hatte, mangels geeigneter Kandidaten einen Legaten für Gesundheit zu benennen? Richtig. Eine Epidemie aquatischer Aliens in zwei der drei wichtigsten Städte des Planeten!

Und dann war da noch der Kriegsbeginn, Ridleys kleines Nebenprojekt, um sich als Bekämpfer lokaler Piraterie zu profilieren, die im Hintergrund anlaufende Erschließung des Mondes Naar, anlaufende wirtschaftliche Beziehungen zu Cona, das Hyperloop-Bauprojekt, um Moraband, Osicia und Abyston über öffentliche Transportmittel zu verbinden…und dann waren da ja auch noch alle regulären Gouverneursgeschäfte!

Kurz: Alles stand auf einmal ins Haus und prüfte Ridleys über die letzten fünf Jahre aufgebauten Verwaltungsstrukturen auf Qualität, Durchhaltevermögen und Kapazität.

Es schlug sich auch jedes individuelle Rädchen ziemlich gut. Der gesamte Verwaltungsapparat Truuines lief auf Hochtouren, jeder kannte seinen oder ihren Verwaltungsbereich, aber das Problem war: Selbst mit an Missbrauch grenzenden Überstunden gab es einfach schlicht und ergreifend zu wenig Hände.

Und das bedeutete, dass Ridley plötzlich nicht mehr wie gewohnt delegieren konnte. Plötzlich hatte hen keine Zeit mehr, alles persönlich zu erledigen, was hen normalerweise nicht aus der Hand gegeben hätte. Beginnend mit Commander Tovi, dem hen eigentlich hens persönliche Aufwartung hatte machen wollen und der stattdessen auch nur eine aufgezeichnete
Holonachricht zukommen ließ:

„Hallo Commander Tovi, ich freue mich Sie auf Truuine begrüßen zu dürfen. Leider halten mich dringende Geschäfte davon ab Sie persönlich in Empfang zu nehmen, jedoch danke ich Ihnen einerseits herzlich für Ihre freundlichen Worte zu meiner Keynote und andererseits für ihren vorbildlichen Einsatz für imperiale Recht und Ordnung. Ich hoffe, dass wir uns in nicht allzu ferner Zukunft persönlich treffen werden, bis dahin zögern Sie jedoch bitte nicht meine Verwaltung anzufragen, sollte es Ihnen an irgendetwas mangeln. Beste Grüße, Gouverneur Solaris.“

Genauso verhielt es sich zu Ridleys absolutem Unwillen mit dem Empfang der Galagäste. Manchmal konnte hen die Zeit erübrigen, in Person zum Landefeld zu kommen…und manchmal übernahm das Mata Timone, hens persönliche Assistentin. Die Karkarodon mochte eine der kompetentesten Personen in hens gesamtem Team sein, doch unter normalen Umständen hätte Ridley sie niemals dem Risiko ausgesetzt, beim Empfang wichtiger Gäste speziistische Ressentiments auf sich zu ziehen. Aber. Es. Ging. Einfach. Nicht. Anders!

Fast das Schlimmste war eigentlich, dass Ridley jetzt grade schon nicht einmal mehr wusste, wen hen persönlich getroffen hatte und wen nicht. Nach zwei Wochen intensiven Chaos, 20% unter Mindestschlafmenge und sogar dem notwendigen Ungemach, hens Schwager gleich zwei Mal an einem Tag durch verfrühten Abschied zu brüskieren, wusste hen zwar grundlegend, wo hem der Kopf stand, war sich jedoch eher unsicher, in welchem Aggregatzustand der sich befand und wie viele davon hen hatte.

Bei. Der. Imperatorin. Was ein Stress.

Aber immerhin schien die Jongliereinlage mit Messern, Moffs und brennenden Mülleimern so weit funktioniert zu haben, dass nun die Gala erfolgreich anlief und niemand etwas gemerkt haben sollte. Bis auf den Umstand, nicht persönlich begrüßt worden zu sein, zumindest.

Abyston und Osicia standen vorerst unter Quarantäne und immerhin schien der Kiemenschimmel sich im tropischen Süden deutlich heimischer zu fühlen als im klimatisierten Moraband. Eventuell fröstelte der ein oder andere Galagast etwas, weil hen die Temperaturregulierung genau aus diesem Grund noch um ein paar weitere Grad hatte absenken lassen…aber das war ja egal. Solange der Eindruck erweckt wurde, Truuines Verwaltung händelte ein Event von der Größenordnung der Gala, ohne ins Schwitzen zu kommen.

Auch wenn alleine Ridleys Bäche von Schweiß den Meeresspiegel hätten anheben können.


[ Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Truuine / Norpolarkreis / Moraband / Regierungspalast ] Ridley
 
[Truuine - Moraband - Unweit des Praxeums - Bar]
Agustin, Abella, Aren, Theranos, Lilivienne, Alizée, Kael, Kal, T'rsop und weitere Anwesende


Zum ersten Mal seit langer Zeit hatte Agustin das Gefühl, dass ein beträchtlicher Teil jener Last von seinen Schultern gefallen war, die er über Jahre hinweg beinahe als selbstverständlich getragen hatte. Die letzten Etappen seiner Karriere waren weniger ein geordneter Aufstieg gewesen als ein permanenter Ritt auf Messers Schneide. Jede Beförderung, jeder Zugewinn an Einfluss und jede politische Entscheidung hatte ebenso gut in einem Verhörraum, einer Zelle oder zuletzt genauso gut vor einem Erschießungskommando enden können. Zu viele Männer, die noch wenige Wochen zuvor über ganze Welten entschieden hatten, waren inzwischen tot, verschwunden oder ihrer Ämter enthoben und Agustin wusste nur zu gut, wie wenig es manchmal brauchte, um von einem gefürchteten Machthaber selbst zu einer Randnotiz zu werden. Seit dem Thronwechsel hatte sich jedoch etwas verändert. Seine Stellung war gefestigt, seine Gegner weitgehend beseitigt, die neue Führung kannte seinen Wert und zum ersten Mal seit Jahren verspürte er nicht bei jeder politischen Bewegung das Bedürfnis, bereits drei mögliche Fluchtwege und vier Gegenmaßnahmen im Hinterkopf zu behalten. Es war ein Gefühl von Sicherheit, beinahe schon von Ruhe. Und ausgerechnet damit wusste Agustin noch nicht recht umzugehen. Jedoch versuchte er, sich ein Stück weit darauf einzulassen. In seinem Alter musste er schließlich allmählich beginnen, auf seine Gesundheit zu achten.

Die Reaktion seines
alten Freundes fiel jedenfalls noch besser aus, als Agustin es sich während der letzten Minuten im Gleiter ausgemalt hatte.
Für einen kurzen Augenblick hatte
Aren ihn angestarrt, als sei der Bastioner tatsächlich aus dem Nichts neben ihm erschienen, ehe die Überraschung einer beinahe jugendlichen Freude gewichen war. Agustin erwiderte die brüderliche Umarmung ohne Zögern und klopfte seinem Freund einmal kräftig gegen den Rücken. Dass Aren seine sonst durchaus vorhandene Beherrschung für einige Augenblicke vollkommen fallen ließ, bereitete ihm dabei ein seltenes Vergnügen.

"Wenn ich Bescheid gegeben hätte, wäre der gesamte Sinn dieser Übung verloren gegangen."

Er löste sich wieder von ihm und betrachtete Aren mit einem schmalen, zufriedenen Lächeln.

"Außerdem wollte ich herausfinden, ob du mich nach deiner Beförderung überhaupt noch persönlich begrüßt oder inzwischen einen Adjutanten dafür beschäftigst."

Abella hatte Arens herzliche Begrüßung unterdessen mit jener natürlichen Eleganz erwidert, die Agustin an ihr inzwischen beinahe als selbstverständlich wahrnahm. Eine kurze Berührung seines Arms, ein offenes Lächeln in Richtung Aren und wenige freundliche Worte genügten der Corellianerin vollkommen, um sich in die bereits bestehende Gesellschaft einzufügen, ohne auch nur für einen Augenblick den Eindruck zu erwecken, sich dafür besonders anstrengen zu müssen. Er wusste, dass sie für den charmanten Aren so einiges übrig hatte. Die Nachricht von Adrianas bevorstehender Ankunft ließ Abellas Gesicht jedoch erst richtig aufhellen. Agustin hingegen hob lediglich leicht eine Augenbraue.

Damit war zumindest geklärt, weshalb seine Partnerin während der letzten Stunde so ausgesprochen zuversichtlich gewesen war, dass ihr gemeinsamer kleiner Auftritt gelingen würde. Als Aren ihn anschließend vor der gesamten Runde als einen seiner engsten Partner und Freunde vorstellte, ließ Agustin seinen kühlen Blick ruhig über die Anwesenden wandern. Nicht hastig und auch nicht neugierig. Eher mit jener selbstverständlichen Aufmerksamkeit eines Mannes, der es gewohnt war, einen Raum zu erfassen, bevor er entschied, wem darin seine Zeit zustand.

Aren musste ihn nicht mit Titeln aufwerten. Ebenso wenig benötigte Agustin eine Uniform oder Rangplakette, um zu wissen, welche Stellung er innehatte. Dass sein
Freund kurzerhand sämtliche Anwesenden auf seine Rechnung setzte, entlockte ihm allerdings erneut ein schmales Schmunzeln. Agustin ließ einige Sekunden verstreichen.

"Du solltest mit solchen Angeboten vorsichtig sein“

Kaum hatte er ausgesprochen, trat einer der Männer am Tresen auf ihn zu und stellte sich als Kael Reed vor. Agustin erkannte den Namen. Nicht aus persönlicher Bekanntschaft, wohl aber aus jenem allgemeinen Geflecht aus Wirtschaft, Militär und einflussreichen Familien, mit dem sich jemand in seiner Position zwangsläufig auseinanderzusetzen hatte. Zudem waren sie sich auf Fondor bereits begegnet. Damals hatte der Chiss vor allem dadurch Agustins Aufmerksamkeit geweckt, dass er offenbar keinerlei Problem darin gesehen hatte, sich anderen Offizieren anzulegen. Der Bastioner erwiderte Kaels festen Händedruck ebenso bestimmt, ohne daraus irgendeine unnötige Demonstration werden zu lassen.

Sein Blick folgte dem Chiss noch einen Moment, als dieser der Gruppe anschließend wieder etwas Raum ließ. Der nächste Mann stellte sich bereits als Theranos Zesh vor. Sector Adjutant im Prefsbelt-Sektor, zuvor Governor von Prefsbelt IV, wie der Bastioner nur allzu gut wusste.
Nun wurde Agustins Aufmerksamkeit auch merklich konkreter. Er musterte
Theranos für einen kurzen Augenblick, ehe er dessen Begrüßung mit einem höflichen Händedruck erwiderte.

"Sector Adjutant Zesh. Die Freude ist ganz meinerseits."

Ein kurzer Seitenblick zu Aren folgte.

"Moff Vayliuar hat offenbar keine Zeit verloren, seine neue Verwaltung mit interessanten Persönlichkeiten zu füllen."

Der Satz klang freundlich. Trotzdem lag darin jene typische Spur von Prüfung, die Agustin kaum vollständig ablegen konnte. Er kannte die Verantwortung eines Sector Adjutanten schließlich besser als die meisten Menschen in dieser Bar. Noch vor wenigen Monaten hatte er selbst genau auf jener Ebene gearbeitet, ehe sich die gesamte politische Landschaft des Imperiums innerhalb kürzester Zeit verschoben hatte. Theranos würde sich also vermutlich noch als interessanter Gesprächspartner erweisen.

Dann erhob sich die
Frau, deren Anwesenheit Agustins Sicherheitsmann bereits vor dem Lokal als bemerkenswert hervorgehoben hatte. Lilivienne Évarielle d'Oridin, die Gouverneurin von Bastion. Agustin begegnete ihrer Vorstellung mit deutlich förmlicherer Aufmerksamkeit.
Dass
Lilivienne seinen Namen bereits kannte, überraschte ihn daher kaum. Umgekehrt hatte auch er die jüngsten personellen Veränderungen auf Bastion aufmerksam verfolgt. Vor ihrer Ernennung war ihm die junge Frau allerdings kaum ein Begriff gewesen. Ihr ausgesprochen ausschweifender cygnischer Name ließ zumindest vermuten, dass Herkunft und gesellschaftliche Stellung bei der Auswahl der neuen Führungspersönlichkeiten unter Imperatorin Lucienne noch immer nicht bedeutungslos geworden waren. Lilivienne deshalb vorschnell zu unterschätzen, wäre jedenfalls genau jene Art von Fehler gewesen, die Agustin gewöhnlich lieber anderen überließ.


"Gouverneurin d'Oridin."

Er nahm die angebotene Begrüßung mit einem höflichen Lächeln entgegen.

"Das Vergnügen ist ganz meinerseits. Ich muss gestehen, dass ich nicht damit gerechnet hatte, meine erste persönliche Bekanntschaft mit der neuen Gouverneurin meiner Heimatwelt ausgerechnet unter diesen Umständen zu machen."

Sein Blick wanderte kurz durch die Bar. Abella erwiderte Liliviennes Begrüßung ihrerseits, untermalt mit einem freundlichen Lächeln und einem ebenso höflichen Nicken, bevor sie sich wieder etwas näher an Agustins Seite stellte. Er ließ sich schließlich ein Glas reichen und nahm mit sichtlicher Gelassenheit einen ersten Schluck. Was ursprünglich lediglich als Überraschungsbesuch bei Aren gedacht gewesen war, hatte sich innerhalb weniger Minuten in eine Ansammlung verwandelt, die vermutlich selbst auf Bastion einige Aufmerksamkeit auf sich gezogen hätte.

Zwei Moffs, mehrere Gouverneure, ein Sector Adjutant und dazu Offiziere des Militärs.

Und das alles wenige Stunden vor einer gesellschaftlichen Veranstaltung, zu der ohnehin einige Angehörige der imperialen Elite erwartet wurden. Agustin konnte sich eines gewissen Amüsements nicht erwehren. Der Abend hatte kaum begonnen und bereits mehr interessante Begegnungen hervorgebracht als manche offiziell angesetzte Konferenz. Als schließlich noch ein hochgewachsener
Pau'aner mit einem ganzen Tablett an Getränken und Dessert in die Runde trat und Theranos kurzerhand vorwarf, für sein vermeintlich lockeres Treffen die halbe Führungsriege des Imperiums versammelt zu haben, hob Agustin langsam sein Glas an die Lippen.

Sein Blick glitt für einen Moment wieder zu Aren. Dann zu Theranos. Schließlich wieder zu dem Neuankömmling. Die Vorstellung des Pau'aners als
Dr. T'rsop, frisch ernannter Gouverneur von Prefsbelt IV, beantwortete Agustin anschließend mit einem höflichen Nicken.

"Agustin Prada, Myto-Sektor. Und meine Partnerin Abella Sorovkin."

Eine ausführlichere Vorstellung erschien angesichts der vergangenen Minuten kaum noch notwendig. T'rsops Bemerkung darüber, lediglich durch seinen Intellekt für diese Gesellschaft qualifiziert zu sein, entlockte ihm allerdings ein schmales Lächeln. Für einige Augenblicke ließ Agustin die Gespräche um sich herum auf sich wirken. Sein Blick wanderte erneut über die Anwesenden, blieb kurz an dem jungen Mann hängen, den er weiterhin nicht einordnen konnte, und folgte schließlich Kael Reed, der sich inzwischen tatsächlich von der eigentlichen Runde entfernt hatte.

Der Chiss saß am Flügel. Agustin zog leicht die Augenbrauen zusammen. Von allen Dingen, mit denen er an diesem Abend gerechnet hatte, gehörte der musizierende Chiss, der sich bei ihrem letzten Aufeinandertreffen auf Fondor noch mit einem der führenden Offiziere der Allegiance-Jungernfahrt einen verbalen Schlagabtausch geliefert hatte, definitiv nicht dazu.


Theranos schien einen ähnlichen Gedanken aufzugreifen und machte die Gesellschaft mit kaum verborgenem Vergnügen darauf aufmerksam, dass ihnen offenbar in Kürze musikalische Unterhaltung bevorstand. Agustin betrachtete Kael noch einen Augenblick und seine Mundwinkel verzogen sich dabei leicht. Abella unterdrückte neben ihm ein Lachen und legte kurz eine Hand an seinen Unterarm.

Agustin nahm es zufrieden zur Kenntnis. Das Glas in seiner Hand war gefüllt, sein wichtigster politischer Verbündeter stand neben ihm und praktisch mit jeder Minute schien irgendeine weitere interessante Persönlichkeit durch die Tür zu treten. Vielleicht war es tatsächlich keine schlechte Idee gewesen, sich für einige Tage aus seinem eigenen Machtzentrum zu entfernen. Dann bemerkte Abella plötzlich etwas hinter ihm. Ihr Blick wanderte zur Eingangstür und ihr Gesicht hellte sich beinahe augenblicklich auf.

Agustin folgte ihm. Eine
elegant gekleidete Frau war soeben in die Bar getreten und ließ ihren Blick suchend durch die Gesellschaft schweifen. Es dauerte kaum einen Augenblick, bis sie die inzwischen kaum noch zu übersehende Ansammlung am Tresen entdeckt hatte.

Lady Adriana Figg.

Agustin warf Aren einen kurzen Seitenblick zu.

"Nun"

Das schmale Lächeln kehrte zurück.

"Die beiden haben das gerissen eingefädelt. Das müssen wir ihnen lassen.“

Abella hatte sich bereits von seinem Arm gelöst und ging Adriana einige Schritte entgegen, während diese schließlich zu ihnen stieß. Agustin hob sein Glas schon einmal leicht zur Begrüßung.


[Truuine - Moraband - Unweit des Praxeums - Bar]
Agustin, Abella, Aren, Theranos, Lilivienne, Alizée, Kael, Kal, T'rsop, Lady Adriana Figg und weitere Anwesende
 
Zuletzt bearbeitet:
[ Innerer Rand | Manaan-Sektor | Truuine | Moraband | Bar in der Nähe des Praxeums] - Aren Vayliuar, Theranos Zesh, Kael Reed, Lilivienne d'Oridin, Alizée, Kal Andrim, Agustin Prada, Abella Sorovkin

Die Gesellschaft, die anfangs aus fünf Leuten bestanden hatte und eigentlich nur als kleines Gespräch zwischen ihm und dem frisch beförderten Sector Adjutanten geplant gewesen war, hatte sich in beachtlicher Geschwindigkeit zu einem richtigen Pulk an nicht gänzlich unwichtigen Personen entwickelt. Dies war wohl auch der einzige Grund, weshalb der Barkeeper diese Schar an Menschen noch nicht dazu aufgefordert hatte, sich ein anderes Lokal zu suchen, versperrten sie doch mittlerweile einen wesentlichen Teil der Theke. Aber der Mann verdiente mit ihnen gutes Geld ... und er wusste wohl auch, dass man es sich nicht mit einem Haufen Moffs, Gouverneuren und Unternehmern verscherzen sollte. Ein wenig grinsend hatte Aren die Besorgnis seiner beiden Sicherheitsleute zur Kenntnis genommen, denen gar nicht recht war, dass sich ihr Arbeitgeber jetzt in der Mitte einer großen Blase aus Menschen befand, ohne, dass sie direkten Zugriff auf ihn hätten. Doch Aren machte sich bei diesen Menschen hier wirklich keinerlei Sorge.

Und auch, wenn die Gruppe mittlerweile so unübersichtlich wurde, dass gefühlt zig Dinge gleichzeitig geschahen, waren mit Agustin und Abella doch zwei Personen hinzugekommen, auf die Aren nur all zu gerne seine Aufmerksamkeit kanalisieren konnte. Es wurde zwar auch um ihn herum weiter geredet und ab und an hörte er auch seinen Namen, was er mit einem Lächeln und freundlichen Nicken in die entsprechende Richtung quittierte, doch kurz konnte er sich ganz auf lediglich zwei Gesichter fokussieren. Gänzlich hatte er sich immer noch nicht von der Überraschung erholt und seine Freude die beiden, ganz besondere Agustin, wiederzusehen stand ihm ins Gesicht geschrieben. Damals nach der Machtübernahme war alles so ... plötzlich verlaufen. Er war nach Bastion beordert worden und danach waren sie beide zu beschäftigt damit gewesen, ihre Machtbereiche zu ordnen und zu organisieren, als dass sie wieder erneut gemeinsame Projekte hätten anstoßen können.


,,Die Begrüßungen übernehme ich tatsächlich noch selbst. Ich übernehme ohnehin viel zu viel selbst, so fühlt es sich zumindest an. Es ist noch nicht hochoffiziell, aber der Gradilis-Sektor mitsamt den Kolonien im Unbekannten Raum wird auch meinem Sektor angegliedert werden. Ein wesentlicher Schritt, aber auch ein Haufen mehr Arbeit."

Aren nahm einen Schluck von seinem Cognac und bemerkte, dass sein Lächeln einem etwas ernsterem Blick gewichen war, was er schnell zu revidieren versuchte.

,,Aber wem sage ich das, dir wird es wohl nicht anders ergehen. Lass uns später darüber sprechen und den Abend in seiner Gemütlichkeit genießen."

Er prostete Agustin und Abella zu. Das Angebot, sie alle einzuladen, was wohl eher spontaner Euphorie als überlegter Sinnhaftigkeit geschuldet war, quittierte Agustin mit einem kurzen Kommentar, bevor er von der Begrüßungsrunde vollkommen in Anspruch genommen wurde. Und es schien sehr so, als sollte er nicht Unrecht behalten, erspähte Aren doch bereits eine weitere Person, die auf die Theke zusteuerte. Er konnte nicht ganz sagen, was der zukünftige Gouverneur dort vorhatte, doch leicht amüsiert verfolgte Aren das Spektakel, wie er sich ein Tablett mit verschiedenen Getränken und Desserts reichen ließ. Vorsichtig steuerte er nun auf die Gemeinschaft zu und reihte sich wie selbstverständlich in das Gespräch an. Aren konnte sich des leicht amüsierten Lächelns nicht erwehren.

,,Gouverneur, wie schön, dass sie auch noch zu uns gefunden haben. Wobei wer hat das heute Abend noch nicht."

, paraphrasierte Aren die heute schon so oft getätigte Aussage darüber, wie viel zufälligen Zuwachs sie heute noch erhielten. Sein leicht amüsierter Blick ließ nicht nach, als Theranos erneut zu Werke schritt und den Lebenslauf des Gouverneurs den Versammelten ausbreitete. Er ging wohl wirklich auf in der Rolle, sich um seine Reisebegleitschaft zu kümmern und diese mit entsprechenden Worten in die Gruppe einzuführen. Nur bei einer der Anwesenden schien er sich ein wenig die Finger verbrannt zu haben. Während Aren sich eher aus dem Gespräch zurückhielt und als Zuhörer fungierte, nahm er die doch recht kühle Reaktion der Gouverneurin von Bastion auf die plötzlich sehr ... für die Gouverneurin zu vertraut wirkende Anrede Lily zur Kenntnis. Entweder zeigte bei Theranos der Alkohol bereits seine Wirkung, dass er nun schon zu Spitznamen griff oder er war doch noch ein klein wenig ungelenk in solchen Situationen. Aber sei es wie es sei, das würde sich alles schon richten.

Dieser kurze, leicht brisante Zwischenfall erhitzte hier ohnehin keinerlei Gemüter, trat nun doch Kael ins Scheinwerferlicht. Nicht nur sprichwörtlich, sondern buchstäblich. Aren hatte kaum bemerkt, dass er sich von der Gruppe entfernt hatte und verdankte es nun erst Theranos, dass er den Chiss am Flügel bemerkte. Aren prostete ihm anerkennend zu. Dies hatte durchaus Stil und auch Courage und es schien zumindest auf die Gouverneurin Einfluss zu nehmen. Ob sie ein wenig Abstand zu dem schnell sehr persönlich werdenden Theranos gewinnen wollte oder eher doch an dem Auftritt dieses schicken und wohlhabenden jungen Offiziers interessiert war, war Aren dabei recht egal. Auch, wenn er zweiteres durchaus interessanter und amüsanter gefunden hätte. Doch noch bevor das Stück begann, machte Agustin auf Adriana aufmerksam, die die Bar betrat. Sie trug ein Bernsteinfarbenes Kleid und eine schwere Kette aus Bernsteinen. Man sah ihr an, dass sie von einem anderen Termin kam, der vielleicht ein wenig mehr glamouröse Kleidung benötigt hatte, doch wirkte sie keineswegs fehl am Platz oder überkandidelt. Abella trat ihr entgegen, während Agustin sich an ihn wandte.


,,Den beiden ist diese kleine Überraschung zu verdanken? Nun, wir hätten es wohl beide schlechter treffen können. Ach und ... sag Adriana doch vielleicht nicht sofort, dass unsere kleine Gesellschaft hier auf meine Rechnung trinkt."

Kurz lächelte Aren und zuckte mit den Schultern. Seine Verlobte musste ja nicht alles wissen, wofür sein, beziehungsweise zukünftig ihr Geld ausgegeben wurde. Dann ging auch Aren ihr entgegen, umarmte sie und gab ihr einen Kuss auf die Wange.

,,Es ist doch recht voll geworden. Aber du wirst dich Bestens mit allen verstehen."

Dann führte er Adriana zu den restlichen Anwesenden.

,,Darf ich Ihnen meine Verlobte vorstellen? Lady Adriana Figg."

Er war nicht all zu tief in diese ganzen Adelsgeschichten vertieft und wie eng und stark die Bindungen zwischen all diesen Familien aussahen. Er wusste keineswegs, ob die hier Anwesenden von ähnlichem sozialen Stand bereits von der im Süden der Galaxis so etablierten Dynastie der Figgs gehört hatten und ob die Begleitung der Gouverneurin erneut schwach werden würde, oder ob Adriana für alle hier ein unbeschriebenes Blatt war. Es interessierte Aren aber auch herzlich wenig. Während Adriana die Anwesenden begrüßte wandte er sich erneut der Bühne zu. Ohne Agustin direkt anzuschauen, mit Blick auf Kael der augenscheinlich kurz davor war, dem Instrument die ersten Töne zu entlocken, wandte er sich beiläufig an seinen Vertrauten.

,,Hoffentlich kann Kael so gut das Ding bedienen, wie er über Wein Bescheid weiß. Ein wenig Lockerheit kann niemals schaden, bevor es bei so vielen Amts und Würdenträgern in fünf Minuten nur noch um Politik geht."

[ Innerer Rand | Manaan-Sektor | Truuine | Moraband | Bar in der Nähe des Praxeums] - Aren Vayliuar, Theranos Zesh, Kael Reed, Lilivienne d'Oridin, Alizée, Kal Andrim, Agustin Prada, Abella Sorovkin, Dr. T'rsop, Adriana Figg
 
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