Truuine

[ Truuine | Nahe Moraband | Gletscherhöhlen der Gala | Ausstellungsflächen | Stand von Imperialis Sensus ] Kanto Garison, Theranos Zesh, Lilivienne Évarielle d'Oridin, Kael Reed


Die gutaussehende Gouverneurin von Bastion hakte sich kurzerhand bei Kanto unter, was dieser mit einem charmanten Lächeln begrüßte. Er war nicht nur froh, der Fachsimpelei über Wein zu enkommen, sondern natürlich auch erfreut, dass Lady Évarielle d’Oridin offenbar seine Gesellschaft der des Sektoradjutanten vorzog.

„Selbstverständlich führe ich Sie durch den Stand von Quarzite. Und da ich bereits für meine Bescheidenheit gerügt wurde, werde ich mich darin üben, es auch möglichst objektiv zu halten, ohne Sie zu langweilen, werte Lady.“

Schon während sie sich entfernten, hörte Kanto, dass sich Theranos und Leutnant Reed schon wieder dem Wein widmeten. Subtil neigte er den Kopf in deren Richtung und bemerkte: „Und diese beiden scheinen ohnehin sehr gut ohne uns auszukommen.“

Sie beantwortete seine Frage nach ihrer Empfehlung zu den Sehenswürdigkeiten der Gala mit dem Beitrag ihrer eigenen Verwaltung, was zwar wenig überraschend war, aber das musste ja nicht bedeuten, dass es nicht tatsächlich empfehlenswert war. Bei der Art, wie sie es sagte, war sich Kanto allerdings nicht sicher, ob sie den Beitrag überhaupt selbst gesehen hatte. Er zuckte gedanklich die Schultern. Ganz im Gegensatz zu ihm hatte die Gouverneurin von Bastion mit Sicherheit gutes Personal für solche Entscheidungen und musste sich um derartige Nichtigkeiten nicht selbst kümmern.

„Nun, dann werde ich mir die Zeit auf jeden Fall nehmen. Was ist denn der Beitrag genau? Oder ist das ein Geheimnis?“, fragte er mit einem schelmischen Grinsen.

Mit den Weingläsern in Händen näherten sie sich dem kleinen Ambiente von Quarzites Ausstellung. Ein angedeutetes Kopfschütteln zu den beiden Bediensteten an der Bar sagte diesen, dass er hier keine Unterstützung brauchte. Stattdessen führte er die Gouverneurin direkt zu der schmalen, dunklen Gletscherspalte, die in der Wand der Höhle klaffte.


„Bitte nach mir, Lady Évarielle.“

Langsam folgte er ihr in den gewundenen, schmalen Gang und kam nicht umhin, die durchaus verführerischen Kurven zu bewundern, die sich unter ihrem seidenen Umhang andeuteten. Aber das Licht wurde immer weniger und sie zu einem bloßen Schemen vor ihm, bis sie schließlich einen Hohlraum im Eis mit vielleicht 15 Metern Durchmesser betraten.
Vor ihnen, in der Mitte der Höhle, erhob sich eine vier Meter hohe Skulptur aus rosa-violett leuchtendem Kristall. Er war die einzige Lichtquelle im Raum und tauchte alles in das fahle Licht, das Kanto mittlerweile so vertraut war, war es doch die einzige natürliche Quelle von Helligkeit auf Quarzite.

Kanto sagte bewusst nichts und ließ die Skulptur auf die Gouverneurin wirken. Sie waren die einzigen Personen in der Höhle und die Geräusche der Gala drangen durch den dicken Gletscher nicht mehr bis hier hier. Nur das leise, atmosphärische Klimpern von Glas oder Kristallen drang aus verborgenen Lautsprechern und schuf ein mystisches Ambiente.

Einzelne Kristallsplitter in Gelb und Blau waren in die Skulptur eingearbeitet. Zwei davon, in einem intensiven Aquamarin starrten wie Augen auf sie herab. Der Kopf einer femininen Gestalt schien sich würdevoll und gnädig auf sie herabzusenken und mehrere Armpaare streckten sich ihnen einladend entgegen, mit dem Versprechen seliger Geborgenheit.

Kanto sah das Kunstwerk nicht zum ersten Mal und trotzdem überraschte ihn wieder die Anziehung, die diese Gestalt ausübte, obwohl ihre vielen Arme so grotesk fremdartig waren.

Er hielt sich im Hintergrund und ließ Lilivienne Zeit zur Betrachtung. Dann sagte er leise:
„Die Allmutter… Die oberste Gottheit der Kage. Eine rückständige Alienspezies von Quarzite.“

Bedächtig wanderte er um die Skulptur herum, die von jeder Seite eine andere Figur offenbarte. Einmal den grausigen Schädel eines Milodon, des insektoiden Reittieres der Kage. Dann entdeckte er in der Rückseite eingeschnitzt einen Schwarm kleiner Flederdrachen, die kopfüber dort zu hängen schienen, so wie sie an den Höhlendecken auf Quarzite zu schlafen pflegten. Von jedem Blickwinkel schien die Kristallschnitzerei etwas anderes zu zeigen. Das war die eigentliche Kunst, musste Kanto anerkennen.

Und trotzdem interessierte ihn Lilivienne Évarielle d’Oridin mehr als die Skulptur. Verstohlen beobachtete er sie im Dämmerlicht, während sie den Kristall betrachtete. Er hätte sich kurz entschuldigen können und sich von einem der Bediensteten draußen alle Infos über die Gouverneurin geben lassen können, aber das würde ja den Spaß verderben. Wozu trockene Daten lesen, wenn man ein persönliches Gespräch führen konnte. Er schätzte die Frau auf sein Alter, vielleicht sogar etwas älter, wobei das bei der Aufmachung schwer zu sagen war. Sie bewegte sich sehr routiniert auf der Gala, was bei ihrem Hintergrund nicht verwunderlich war. Aber Kanto hatte in ihren Nachfragen zu politischen und wirtschaftlichen Situation Quarzites auch eine gewisse strategische Klarheit herausgehört. Wahrscheinlich war sie nicht nur eine geübte Gesellschafterin, sondern eine berechnende Strategin. Aber das war nur geraten.

Außerdem wusste sie ihre weiblichen Reize offenbar durchaus einzusetzen, was bei der männerdominierten Verwaltungsriege des Imperiums vielleicht von Vorteil sein konnte, wenn man es nicht übertrieb. Kanto jedenfalls hätte nichts dagegen, sie später beim Ball zum Tanz aufzufordern, wenn man es so ausdrücken wollte. Aber da waren noch ein paar Stunden hin…



[ Truuine | Nahe Moraband | Gletscherhöhlen der Gala | Ausstellungsflächen | Kunstinstallation von Quarzite ] Kanto Garison, Lilivienne Évarielle d'Oridin
 
[Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Truuine / Nordpolarkreis / Nahe Moraband / Galagelände / VIP-Bereich] - mit Gouverneur Dr. T'rsop, Gouverneur Enric Kreeger, Valeria Kreeger und vielen weiteren

"Meine Bemerkung galt der Zeit, die Ihnen dafür zur Verfügung steht. Darüber verfügen im Krieg auch andere", entgegnete Enric auf die Rechtfertigung seines Amtskollegen zu dem Hinweis, des nötigen Handelns in einem Krieg.
T'rsop nahm positiv zur Kenntnis, dass sein Gegenüber doch wieder neutralere Töne anschlug. Auch wenn er durchaus verstand, dass es weiterhin eine Mahnung blieb. Wie sehr nervte ihn nur dieses politische Verklausulieren.

Es würde ihm so viele Zeit und Nerven sparen, wenn alle direkt wären. Klar, dann würde es einige heftige Streitereien geben - oft vermutlich mit ihm selbst im Zentrum - aber nach einem aufrichtigen und guten Streitgespräch wusste man recht zeitdirekt, wer wirklich loyal und interessiert ist und wer eh nur halbgar mit drinnen hing. Oder eben nur aus politischen Abwägungen.
Und dann hätte man in zwei-drei Stunden das Ergebnis, was teilweise wochen- oder monatelange Sondierungen hervorbrächten. Aber gut, so war es nun leider nicht bestellt und die allermeisten Verwalter und Politiker des Imperiums (und wie er wusste, auch der Republik) bestanden auf diese politischen Spielchen und Korsetts. Also musste auch
T'rsop da mitziehen.
Da er seinen Standpunkt deutlich gemacht hatte und
Enric durchaus schlau und fähig befand, nahm er dessen Konkretion mit einem leichten Nicken zur Kenntnis. Das teils Zustimmung signalisierte, aber vor allem neutral zeigte, dass er die Thesen des Gouverneurs von Byss zur Kenntnis genommen hatte.

T'rsops Gedanken drifteten einen Moment ab, als er über die möglichen Folgen des Krieges nachdachte. Er schaute leicht und ohne bewusste Wahrnehmung die spiegelnden Eiswände in der Ferne an.
Ja, der Krieg könnte ihn zu ungewohntem und schnellem Handeln drängen. Er würde einiges arg komplizieren und ihn in seinen Forschungen und Visionen stark zurückwerfen. Dies war der wichtigste Grund, wie dem Pau'aner aufging während er sich kurz nachdenklich eine Kinnfurche rieb, weshalb er einerseits schnell gute und verlässliche Verbündete im interplanetarem Bereich finden und festigen müsste, sowie die planetare Verteidigung mit Prefsbelt IV in Absprache mit Moff
Aren stärken sollte.
Und vor allem müsste die Werft bald fertig werden, damit die Handlungsposition und Bedeutung Prefsbelt IV im Imperium steigen würden.

Dann wurde seine Aufmerksamkeit wieder von
Valeria beansprucht, die seine Ausführungen über die Bedeutung und Macht von Kultur durch das Beispiel einer besänftigenden Komödie aufgriff.
Er hörte ihr deutlich ihre Zweifel an diesem Beispiel und dem daraus resultierenden Prinzip an. Er konnte sie ein Stück weit nachvollziehen.
Die Strategie, die Bevölkerung (oder die Arbeiterschaft, oder eine sonstige Gruppe) mit Brot und Spielen ruhig zu stellen und zu besänftigen, durfte nicht plump angewandt werden. Und nur der Zeitüberbrückung dienen und nicht der Bequemlichkeit.
Aber richtig angestellt und subtil vermittelt, konnte man dadurch eine zerstrittene Gesellschaft einen und den Brand von Unzufriedenheit in Nutzfeuer umwandeln.

Dass die Menschenfrau das Bild des Theaters aufgriff und als Metapher verwendete, schenkte ihr ein weiteres ehrliches Lächeln des Gelehrten. Es ist doch schöner, wenn man sich bildreich und kreativ ausdrückte, als monoton-sachlich. Und auch dass sie ihm gutes Gelingen für seine immer konkretere werdende Planung zu einem identitätsstiftenden und -stärkenden kulturellen Programm für Prefsbelt IV, nahm er erfreut zur Kenntnis.
Nach einigen weiteren Details verwies ihn
Enric auf eine konkrete Kontaktperson - eine Frau Tessan.
T'rsop vermerkte sich den Namen mental und würde ihr eine Anfrage schicken, die in ihrer Ausarbeitung konkret und weitsichtig genug sein würde.

Und als sie schließlich im Gespräch auf die Art und Weise des Miteinanders zwischen ihnen kamen, stellte der Pau'aner an dem leicht mitschwingenden Unter- und Nachton des Menschen fest, dass dieser wohl etwas pikiert über die Direktheit und Klarstellung seines Kollegen war.
"Naja, es kann leider nicht jeder mit meiner ehrlichen Art umgehen", dachte
T'rsop bei sich. Hörte aber weiter aufmerksam und offen zu.

"Den gleichen Maßstab werden wir an Ihre Empfehlungen anlegen", schloss Enric schließlich.
Und
T'rsop nickte ernst. Er wusste und hörte, dass dies auch eine kleine Rüge und angehauchte Zurechtweisung oder Mahnung war. Aber das verletzte ihn diesmal nicht. Das war ein ehrliches Wort - und auch er konnte nur besser werden, wenn er etwas gefordert wurde.
Daher antwortete er:
"So soll es sein. Alles andere wäre ja unsinnig. Und somit haben wir durch diese Gegenseitigkeit auch gutes Futter für eine etwaige entstehende Zusammenarbeit, damit diese auch kräftig und groß werden kann."

Und so besiegelten sie eine erste Anbahnung von möglicher Zusammenarbeit beider Planeten. Und der Gelehrte hoffte inständig, dass dabei auch etwas Gutes rumkommen würde.
Vor allem seiner Vision und seiner Zeit wegen.

Leicht frustriert und doch irgendwie geehrt stellte der Pau'aner fest, dass das Ehepaar
Kreeger ihm tatsächlich Gesellschaft leisten wollte.
Genervt war
T'rsop, da dies hieß, er müsse noch weitere Zeit auf den guten Ton und die erdrückende Etikette achten. Und geehrt, da er nicht oft die Gelegenheit hatte, mit wirklich schlauen Personen über Kultur und Kunst ins Gespräch zu kommen und zu philosophieren.
Auch wenn
Enric dabei doch etwas trocken und sehr funktional blieb.

Und so ging das Trio los. Vorbei an Ständen, Ausstellungen und Sicherheitsstationen.
T'rsop nutzte ein gemächliches Tempo, ohne zu schlendern. Er wollte nicht zu locker wirken vor den beiden Menschen, die so viel Wert darauf zu legen schienen, dass man sich 'passend' präsentierte. Und er wollte ihnen auch nicht weglaufen.
Irgendwo auf dem Weg fiel sein Blick dann auf einen Essensstand, der Eintöpfe und Suppen anpries.


"Entschuldigen Sie, ich würde kurz mal ausschwenken...", dann drehte er sich im Gehen noch einmal kurz um, "Darf ich Sie zu einer Suppe oder einem Eintopf zum Mitnehmen einladen?"
Der Gouverneur von Prefsbelt IV sog genießerisch den Duft der verschiedenen Speisen ein und warf einen Blick auf die Karte. Er entschied sich für einen würzigen Gemüseeintopf und Speckstücken eines Tieres, das er nicht kannte und daher gerne probieren wollte.

Frisch ausgerüstet mit seinem heutigen Mittagessen gingen sie dann weiter, während
T'rsop immer mal wieder von seinem Teller löffelte.
Es schmeckte sehr gut - würzig - und lag leicht im Magen.
Ridley hatte auch bei der leiblichen Versorgung ein gutes Händchen gehabt. Zum Glück!
Ansonsten würde doch etwas fehlen. Ein leichtes Schmunzeln umzuckte den Mund des Pau'aners, der dann unhörbar murmelte:
"Brot und Spiele..."

Nach einer Weile des gesellig-schweigenden Flanierens blieb die kleine Gruppe an einer Vitrine stehen. Dort ausgestellt war eine filigran gearbeitete mechanische Uhr.
Der Pau'aner bewunderte kurz, wie exakt man wohl arbeiten musste, um so eine winzige Mechanik zum Laufen zu bringen. Ein wahres Kunststück intelligenten Lebens. Und nicht rein funktional wie die Uhren und Chronos, die nun fast jeder im Imperium und vor allem jede offizielle Stelle nutzte, die er kannte.

Ein Blick auf seine beiden Begleiter zeigte ihm, dass diese die Köpfe etwas näher zusammensteckten und wie von dem Uhrwerk angezogen dorthin schauten. Und ihm entging auch nicht, dass sich ihre Körperhaltung gut kontrolliert, aber doch nicht ganz verborgen, einen Hauch änderte.
Dies wurde gerade ein Moment der Zweisamkeit für die
Kreegers.
Und diesen gönnte
T'rsop beiden und wandte sich um. So konnte er selbst einmal kurz entspannen und sein Essen zuende bringen. Dabei überlegte er, wie schwer es sein musste, als Ehepaar in so hohen Verwaltungskreisen zu leben.
Immer der Öffentlichkeit ausgesetzt. Fast immer der Etikette unterworfen.
Da blieb wohl wenig Zeit für Zweisamkeit und Zärtlichkeit. Gut, dass er selbst sich nicht auch darum kümmern musste.
Und doch ahnte er, wie wertvoll dann gerade solch kleine Momente für die beiden sein mussten.

Er entfernte sich noch einen halben Schritt und ließ seinen Blick durch die Menge und den Weg gleiten. Auch hier waren viele schöne - und auch ein Paar mäßige - Kunstwerke zu sehen. Von Skulpturen über Schmuck hin zu Straßenmusikern.
Ja, die Stimmung war locker und die Leute genossen es, hierdurchzuschlendern. Blieben hier oder dort mal stehen. Unterhielten sich. Lachten. Besprachen Dinge.
Ein oder zwei bemerkten ihn und sahen skeptisch zu diesem nicht-menschlichen Gouverneur. Und
T'rsop hob grüßend und dadurch spottend die Hand und nahm sich dann den letzten Löffel seines Mahls.

Als er schließlich die Schüssel einem Servicedroiden überreichte, kamen auch
Valeria und Enric zurück zu ihm und sie konnten den Weg in die Galerie fortsetzen.
In der Ausstellungshalle selbst wusste der Gelehrte nicht, wo er zuerst hinschauen sollte. Es gab Gemälde mit detailreichen Darstellungen von Festen oder Tieren - und auch abstrakte in einer Mannigfaltigkeit von Farben und mit mysteriösem Schattenspiel. Dazu auch wieder Skulpturen und Bildnisse, die sich in ihrer Feingliedrigkeit wohl übertrumpfen mochten.
Und - für Truuine wohl mit-typisch - Gebilde aus Eis, die das Licht einfingen und in bunten Farben des gesamten Spektrums zurückwarfen. Jedenfalls, wenn man ein Wesen war, das verschieden Farben wahrnehmen konnte.


"Welchem Werk würden Sie zuerst Ihre Zeit widmen, Gouverneur", fragte ihn nun Enric ehrlich interessiert. Wo er, T'rsop, selbst stehenbleiben würde.
Bevor er direkt auf die Frage seines Amtskollegen einging, konnte sich der Gouverneur von Prefsbelt IV nicht verkneifen, etwas seinem Schalk nachzugeben - und damit durchschimmern zu lassen, dass ihm sehr wohl bewusst war, dass der Geschmack einer Person ein direkter Weg in deren Wesen war.


"Wissen Sie, Gouverneur. Es gibt doch diese Legende von einem höchst erfolgreichen Flottenadmiral. Der hat doch die Kunst, Musik und Kultur seiner Gegner studiert - oder besser: regelrecht in sich aufgenommen - und konnte sie danach spielerisch und in höchster Effizienz besiegen.
Es freut mich, dass Sie mich also auf der tiefsten Ebene meiner Person kennenlernen wollen."

Um zu verdeutlichen, dass er das nicht böse meinte, zwinkerte er dem Menschenpaar kurz zu und konnte es vor kindlicher Freude über seinen rhetorischen Stubser nicht verhindern, dass er kurz seine Zähne in einem offenen Lächeln zeigte.

Danach räusperte er sich - und hoffte, dass die beiden Menschen seinen Humor verstehen oder zumindest tolerieren würden und er sich nicht nochmals erklären müsste. Und wurde wieder ernst.

"Aber dann wollen wir doch mal sehen, wohin mich der Strom der Ausstellungsstücke zieht."
So schritt T'rsop los. Und verschwunden war jeglicher Schelm in ihm. Und auch jegliche Darstellung.
Er brauchte nur wenige Momente, bevor er die Wesen um sich herum - selbst die
Kreegers - ausblendete und sich vollends auf die Werke konzentrierte.
Es waren allesamt Meisterwerke. Wenn natürlich auch die wenigsten perfekt waren. Und es gab bei dieser Vielzahl an verschiedensten Stilen und Kunstwerken auch welche, die er in ihrer Klasse anerkennen konnte, die allerdings überhaupt nicht seinem Ästhetikempfinden entsprachen. So ging er mit überfliegendem Blick recht schnell an Skulpturen von Humanoiden vorbei. Diese sah er ja in Persona oft genug. Außerdem waren diese für seinen Geschmack zu plumpe und offensichtliche Selbstverherrlichungen.
Das ging mit mehr Substanz und Stil - je unterschwelliger, desto besser. Oder zumindest sollte diese dann abstrakt oder verstörend sein.

Auch Spiegel und Mobiliar ließ er schnell hinter sich - auch wenn diese durchaus etwas Faszinierendes an sich haben konnten.
Bei ein Paar Stoffen und Gewebekunstwerken blieb er etwas länger stehen. Mode war zwar nicht so seins - sie sollte funktional und bequem sein - aber er erfreute sich doch an gewagten Farben und mochte wärmespendende Oberflächen.

Auch hier schritt er kommentarlos weiter.
Bei einigen Bildern und abstrakten Skulpturen blieb er länger stehen. Das war schon eher Seins. Aber welches war würdig genug, um wirklich in ein intensives Gespräch zu kommen und ein intensives Erlebnis zu haben?
Er liebte Lichtspielereien und -brechereien. Und auch konnte er sehr gut an die Verknüpfung von Natürlichem und Zivilisatorischen anschließen - je brutaler, desto besser.
Auch glitt sein Blick wandernd immer mal wieder hoch oder zur Seite, um die große und deutliche Architektur des Raumes wahrzunehmen. Natürlich, elegant, hoch und weiträumig. Und doch ohne, dass der Schall sich unangenehm verbreitete und die Unterhaltungen störte. Es mussten sehr gut versteckte Schallauffänger installiert worden sein - oder gar integriert. Das Licht in verschiedenen Farbtönen oder Intensivitäten zurückwerfend aufgrund der Eisoberflächen. Welch eine Verbindung von Können, Kunst und Funktionalität.

Der Gelehrte hatte nicht nur die Leute um sich herum vergessen, sondern auch die Zeit. Er hätte nicht mehr mit Sicherheit sagen können, ob eine, zwei oder drei Stunden vergangen waren.
Schließlich fand er etwas, das ihn tatsächlich fast magisch anzog:

Er stand vor einem Gebilde, dass wohl eine implodierende Sonne darstellte. Er war sich ziemlich sicher, dass hier mit Transpariglas und auch natürlichem Eis gearbeitet wurde.
Und man hatte unterschiedliche Nuancen von Gelb-, Orange-, und Rot-Tönen eingearbeitet. Die aber selbst nur zur Geltung kamen, wenn das Licht im entsprechenden Winkel einfiel. Und so hatte man, je nach Licht und Kopfhaltung, einen vor allem roten, gelben, orangen und sogar dezent lilanen Stern vor sich abgebildet.
Und das Werk war so bearbeitet, dass man sogar kleine Details und Spiegelungen hatte, die ausbrechende Heliumexplosionen darstellten.
Alles überaus meisterlich und wunderschön. Und das, was für
T'rsop die Krone aufsetzte, war eine winzige Stelle im Inneren des Kunstwerks, die fast schwarz blieb - egal, aus welchem Winkel.
Ja, das war es!

Er richtete sich wieder zu seiner vollen Größe auf - und hatte gar nicht gemerkt, dass er teils gebückt um das Ausstellungsstück herumgegangen war - und schüttelte sachte den Kopf, um wieder ganz im Hier und Jetzt anzukommen.
Er drehte sich um. Und
Enric und Valeria waren noch da, dicht beieinander und nun doch dezent neugierig wartend.
T'rsop nutzte eine ausholende Handbewegung aus dem Bereich des Theater-Spiels und deutete dann auf das Kunstwerk.
"Das ist zum Beispiel etwas, das mich zutiefst berührt."

Er freute sich schon darauf, dies näher ausführen zu dürfen. Wartete aber zunächst einmal auf die Reaktion der anderen beiden.
Was und wie würden sie wohl zu dem Kunstwerk sagen?


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- mit Gouverneur Dr. T'rsop, Gouverneur Enric Kreeger, Valeria Kreeger und vielen weiteren
 
| Truuine | Nahe Moraband | Gletscherhöhlen der Gala | Ausstellungsflächen
Lilivienne Évarielle d'Oridin, Alizée Marre, Theranos Zesh, Kanto Garison und Kael Reed; weiter entfernt Ridley Solaris, Kal Andrim, Lucien Velcrest, Agustin Prada, Aren Vayliuar, T'rsop, Enric Kreeger, Valéria Kreeger, Nira Merash, Matthew Severide und allerhand weiterer Gäste

Lily vernahm noch die Zusicherung von Theranos, die versprochenen Flaschen weiterhin als Geschenk zu betrachten und darüber hinaus eine passende Auswahl für Bastion zusammenzustellen, während sie sich mit Kanto vom Stand entfernte. Sie wandte den Kopf ein letztes Mal zurück und betrachtete den Sektoradjutanten mit einem dankbaren Lächeln.

„Dann werde ich Ihr Versprechen nicht aus falscher Bescheidenheit ablehnen und damit riskieren, Sie zu beleidigen. Alizée wird alles Weitere mit Ihrem Personal klären.“

Sie nickte ihrer Majordomus zu, die natürlich nicht erst jetzt verstand, was sie zu tun hatte. Ihr Tross würde zurückbleiben und die entsprechenden Angelegenheiten regeln.

Die Bemerkung des Gouverneurs von Quarzite über die beiden zurückbleibenden Weinexperten quittierte sie mit einem vielsagenden Blick. Beim Gehen hörte sie, wie die beiden tatsächlich bereits wieder vollständig in ihrer eigenen Welt aufgingen.


„Offenbar. Solch Eintracht störe ich ungern.“

Auf die Nachfrage nach Professor Nemdars Kreation konnte sie dagegen keine besonders erleuchtende Antwort geben. Natürlich wusste sie, was der gewünschte Effekt war, aber der Wissenschaftler hatte sich bereits bei der Beantragung seiner Forschungsgelder als bemerkenswert geschickt darin erwiesen, gerade genug preiszugeben, um ihre Neugierde zu wecken, ohne sich ausschweifend zu erklären.

„Es handelt sich um eine unscheinbare Kiste ...“, begann sie genauso unspektakulär wie eben jenes Objekt, „ ...die eines von Professor Nemdars Forschungsprojekten beinhaltet. Er leitet das Institut für neurokognitive Studien von Bastion“, fügte sie erklärend hinzu.

„Der relevante Effekt setzt bei Berührung der Kiste ein. Erinnern Sie sich an den Wortlaut der Einladung zur Gala, Gouverneur? Die Gelegenheit, Kunst zu erleben, die nicht transportiert werden kann – ein Erlebnis, das an diesen Ort gebunden bleibt.“

Lilivienne legte eine dramatisierende Pause ein, während sie ihren Blick dem Adeligen zuwandte.

„Der Beitrag von Bastion verschafft dieser Beschreibung eine wörtliche Bedeutung. Sofern Sie die Kiste berühren, werden Sie sich an die letzten neunzig Minuten nicht mehr erinnern können. Einundneunzig Minuten und vier Sekunden, um genau zu sein.“

Sie hob belustigt die Augenbrauen.

„Der Gedanke ist natürlich, dass Sie die Kiste nach einer besonders beeindruckenden oder bemerkenswerten Performance aufsuchen, um dieses Erlebnis an den Augenblick und den Ort zu binden. Erst so wird sich daraus etwas wirklich Einzigartiges, nicht zu Wiederholendes ergeben.“

Die Gouverneurin lachte leicht.

„Natürlich könnte man sich die Darbietung danach auch ein zweites Mal ansehen und dasselbe Wunder wie beim ersten Mal verspüren. Aber das war nicht der Kerngedanke.“

Das amüsierte Lächeln blieb auf Lilys Lippen, während sie sich von Kanto in den schmalen Gletscherspalt führen ließ, der Teil des Quarziter Ensembles war. Mit jedem Schritt verlor sich das Licht der Ausstellung hinter ihnen etwas, bis der Gang schließlich in eine abgeschlossene Eiskammer mündete. Hier blieb die Gouverneurin abrupt stehen. Ein Ausdruck der wahrhaftigen Bewunderung zeichnete sich in ihrem Gesicht ab. Rosa-violettes Licht zeichnete die zahlreichen Arme einer femininen Figur gegen die Wände, während die Einschlüsse in ihrem Gesicht beinahe wie Augen auf sie wirkten. Erst als Lilivienne weiterschritt, bemerkte sie, dass sich aus einem anderen Winkel weitere Formen aus dem Kristall ergaben.

Kantos Erklärung über die Gottheit der Kage nahm sie mit einem langsamen Nicken hin. Die vielen Arme entsprachen nicht unbedingt ihrem menschlichen Verständnis von mütterlicher Geborgenheit, doch die Verbindung aus einladender Haltung und fremdartiger Anatomie hatte eine völlig eigene Wirkung, die von der Gestalt ausging. Sie trat etwas näher an die Skulptur heran, ohne sie zu berühren, und ließ ihren Blick erneut über die wechselnden Figuren wandern, während sie den leuchtenden Kristall umrundete. An einer Stelle beugte sie sich etwas vor, um die farbigen Einschlüsse genauer zu betrachten.


„Ist das Leuchten eine natürliche Eigenschaft des Kristalls? Und stammt die Skulptur tatsächlich von einem Künstler dieser Spezies? Oder nur ihre Inspiration?“

Lilivienne ließ ihren Blick noch einmal an den vielen Armen entlangwandern.

„Die Darstellung ist fremdartig, aber keineswegs primitiv. Der Künstler scheint sehr genau zu wissen, welche Wirkung sie entfaltet.“

Nun blieb die Gouverneurin in geringem Abstand zu Kanto stehen. Das geschäftliche Stimmengewirr der Ausstellung war hier vollständig verstummt.

„Warum stellen Sie die oberste Gottheit einer rückständigen Spezies aus?“

Ihr Tonfall enthielt keinen Vorwurf. Es war die reine, aufrichtige Neugier, die nun mit einem leichten Lächeln auf ihren Lippen hervorkam. „Warum genau dieses Werk?“

Hatte er sich bewusst dafür entschieden? Was war der Hintergedanke? Die Frage besaß durchaus das Potenzial, von einer planetaren Verwalterin zu stammen, die sich für die Entwicklung einer anderen imperialen Welt interessierte. Die nächste wurde da ungleich persönlicher.

„Wie genau sind Sie auf Quarzite gelandet, Gouverneur? Sie sprechen von dem Planeten, als wäre er nichts Weiteres als eine Aufgabe für Sie. Mir kam es nach Ihren ersten Worten vor, als wäre er nichts weiter als ein grauer Felsklumpen. Nun führen Sie mich ausgerechnet an einen Ort wie diesen. Entweder verkaufen Sie Ihre Welt absichtlich unter Wert, oder Sie genießen es, Erwartungen zu korrigieren.“

Lilys Lächeln wurde ein wenig wärmer. Sie würde gerne mehr darüber erfahren, wie ein Kanto Garison zu genau dieser Position gelangt war. Und dieser Ort schien ihr geradezu perfekt dazu, das Gespräch auf eine persönlichere Ebene zu schieben, während der Rest der Gala für einige Minuten ausgeschlossen war. Ihr Blick blieb mit sichtlicher Belustigung auf ihm ruhen.

„Oder wollten Sie mich nur mit der Überraschung beeindrucken?“

Sie lachte kokett und warf ihm einen charmanten, aber unschuldigen Blick zu.

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Theranos Zesh, Kael Reed, Ridley Quinn Solaris, Alizée Marre, Sarina (NPC), Ramo Carroon (NPC), Personal von Imperialis Sensus und weitere Galagäste



Theranos nahm Kaels abschließende Bemerkungen zu den einzelnen Weinen mit einem zufriedenen Nicken entgegen. Es freute ihn, dass der Lieutenant ihre unterschiedlichen Vorstellungen inzwischen ebenso einordnete wie er selbst. Nicht jeder Wein musste denselben Charakter besitzen, und die persönlichen Vorlieben eines erfahrenen Fachmanns waren schließlich noch kein allgemeingültiger Maßstab. Dass Reed dies ausdrücklich anerkannte, machte seine übrigen Hinweise für Theranos keineswegs weniger interessant. Besonders die Beobachtungen zur Frizzante-Ausführung des Rubor Nobilis wollte er bei nächster Gelegenheit mit Caelis Marron besprechen.

„Dann sind wir uns beim Rubor Nobilis zumindest darüber einig, dass wir uns nicht einig sein müssen“, erwiderte Theranos mit einem amüsierten Lächeln. „Ihre Anmerkungen zur Frizzante-Ausführung werde ich allerdings ausdrücklich mit Caelis besprechen. Gerade dort könnte eine etwas andere Abstimmung tatsächlich interessant werden.“


Auch Reeds Klarstellung bezüglich Rosa Aurea nahm er aufmerksam auf. Ein angenehmer, zugänglicher Wein konnte zweifellos erfolgreich sein, doch Kael hatte recht mit seiner Unterscheidung zwischen einem gelungenen ersten Eindruck und einer langfristigen Kundenbindung. Theranos beschäftigte sich beruflich häufig genug mit Marktpositionierungen, um zu wissen, dass eine anfängliche Begeisterung noch kein dauerhaftes Kaufverhalten begründete.

„Ich verstehe jetzt besser, worauf Sie hinauswollen. Eine Flasche zu verkaufen, ist schließlich etwas anderes, als jemanden dazu zu bewegen, Jahre später wieder genau danach zu fragen. Ob Rosa Aurea diesen Anspruch erfüllen kann, werden wir erst sehen, wenn wir ihn über einen längeren Zeitraum außerhalb unseres bisherigen Kundenkreises anbieten.“

Die beiden vorgeschlagenen Signaturreben blieben für ihn ebenfalls interessant. Dass Kael Arvessa und Valeruce ausdrücklich als mögliche langfristige Entwicklungen und nicht als notwendige Korrekturen verstand, entsprach ohnehin Theranos' eigener Auffassung. Er hatte wenig Interesse daran, bereits gelungene Produkte ausschließlich deshalb grundlegend zu verändern, weil sich eine technisch anspruchsvollere Möglichkeit bot. Andererseits gefiel ihm die Vorstellung, eines Tages eine Rebe zu besitzen, deren Eigenschaften über Generationen hinweg mit dem Namen Imperialis Sensus verbunden sein könnten.

Wesentlich stärker beschäftigte ihn jedoch Kaels anschließende Einschätzung des Unternehmens selbst.

Der Lieutenant hatte einige durchaus treffende Fragen gestellt. Besonders die Unterscheidung zwischen bewusst begrenzten Produktionsmengen und Kapazitätsgrenzen, die sich aus fehlenden wirtschaftlichen Möglichkeiten ergaben, fand Theranos interessant. Beides konnte nach außen denselben Eindruck von Exklusivität vermitteln, beruhte jedoch auf vollkommen unterschiedlichen Voraussetzungen. Ein Unternehmer, der seine eigene geringe Produktionsmenge zur besonderen Tugend erklärte, weil er sich derzeit keine größere leisten konnte, machte es sich möglicherweise etwas zu einfach.
Theranos hatte keineswegs vor, Imperialis Sensus auf Dauer kleinzuhalten. Seine Vorstellungen reichten mittlerweile erheblich weiter als in jenen Tagen auf Corulag, als er und Caelis aus gemeinsamer Begeisterung begonnen hatten, sich mit der Herstellung eines eigenen Schaumweines zu beschäftigen. Dass daraus inzwischen ein Unternehmen mit eigener Produktion, verschiedenen Geschäftspartnern und mehreren Produktbereichen geworden war, erfüllte ihn mit einem gewissen Stolz. Trotzdem wusste er, dass die eigentliche Entwicklung womöglich erst begonnen hatte.

„Ich denke, ich sollte Ihnen zunächst erklären, was ich langfristig überhaupt mit Imperialis Sensus erreichen möchte, Lieutenant.“

Theranos stellte sein Glas ab und ließ den Blick über die Präsentation wandern.

„Mein Ziel ist keineswegs, den größten Getränkeproduzenten des Imperiums aufzubauen. Wenn unsere Flaschen irgendwann in jeder beliebigen Cantina für wenige Credits erhältlich wären, hätten wir vielleicht ein ausgesprochen erfolgreiches Geschäft geschaffen. Meinem eigentlichen Anspruch wären wir damit allerdings nicht unbedingt nähergekommen.“

Er lächelte leicht, bevor er fortfuhr.

„Ich wünsche mir vielmehr, dass Imperialis Sensus eines Tages zu jenen Namen gehört, die man innerhalb der imperialen Gesellschaft ganz selbstverständlich mit Qualität, Handwerkskunst und gehobener Lebensart verbindet. Wenn jemand einen besonderen Wein sucht, ein außergewöhnliches Schmuckstück oder eine hochwertige Einrichtung, möchte ich, dass unsere Marke zu den ersten Adressen gehört, die ihm einfallen. Im Idealfall kommt jemand, der Wert auf Qualität und Exklusivität legt, irgendwann kaum noch an uns vorbei.“

Theranos wusste selbst, wie ehrgeizig diese Vorstellung klang. Er empfand das allerdings keineswegs als etwas, das er verbergen müsste. Große Manufakturen, traditionsreiche Handelshäuser und bedeutende Marken waren schließlich auch nicht dadurch entstanden, dass ihre Gründer von Anfang an ausschließlich bescheidene Ziele verfolgt hatten. Ein gewisser Ehrgeiz gehörte für ihn zum Unternehmertum, solange man darüber nicht die wirtschaftliche Wirklichkeit aus den Augen verlor.

„Dafür muss allerdings auch die Qualität stimmen. Ich habe kein Interesse daran, ausschließlich teure Produkte herzustellen. Ich möchte Produkte anbieten, deren Qualität ihren Preis tatsächlich rechtfertigt. Wer für einen Wein, ein Möbelstück oder ein Schmuckstück einen entsprechenden Betrag bezahlt, soll einen Gegenwert erhalten, den er auch Jahre später noch zu schätzen weiß.“

Bei dieser Aussage lag eine persönliche Überzeugung in seiner Stimme. Theranos schätzte sorgfältige handwerkliche Arbeit, durchdachte Gestaltung und Gegenstände, deren Wert sich nicht ausschließlich aus einem bekannten Namen ableitete. Eine kostspielige Flasche konnte aufgrund ihrer Seltenheit begehrt sein; wenn ihr Inhalt jedoch enttäuschte, blieb von der Begeisterung meist wenig übrig. Und ein prachtvolles Möbelstück, dessen Verarbeitung nach wenigen Jahren Mängel zeigte, wäre für ihn kaum mehr als eine teure Fehlentscheidung.

„Selbstverständlich müssen wir dafür auch wachsen. Ein Teil unserer gegenwärtigen Produktionsbegrenzungen ergibt sich aus der noch jungen Struktur des Unternehmens. Andere Begrenzungen sind durchaus beabsichtigt. Ich möchte vermeiden, dass wir irgendwann höhere Mengen versprechen, die sich anschließend nur noch durch Abstriche bei unseren eigenen Qualitätsstandards erreichen lassen.“

Theranos deutete auf die verschiedenen Bereiche seines Standes.

„Unser gegenwärtiger Schwerpunkt liegt eindeutig auf Vitis, also den Weinen und verwandten Getränken. Hier liegen unsere Wurzeln, und hier wollen wir unsere Stellung zunächst weiter festigen. Der Vertrieb erfolgt bislang wesentlich über Vinotheken, Restaurants, Bars, ausgewählte Kundenkontakte und Veranstaltungen wie diese. Gerade in der gehobenen Gastronomie und Hotellerie sehe ich allerdings noch beträchtliche Möglichkeiten, sofern wir Partner finden, die unsere Produkte präsentieren.“

Er ließ seinen Blick kurz zu den ausgestellten Glasarbeiten wandern.

„Bei Schmuck, Accessoires und Einrichtungen verfolgen wir dagegen teilweise einen anderen Ansatz. „Mich interessieren dort besonders ausgewählte Kollektionen und individuelle Maßanfertigungen, die dennoch unsere eigene gestalterische Handschrift bewahren. Ich möchte nicht wahllos Möbel oder Schmuck in großen Stückzahlen herstellen lassen, nur damit wir möglichst viele Produktgruppen anbieten können. Viel reizvoller finde ich die Möglichkeit, persönliche Wünsche aufzugreifen und gemeinsam mit erfahrenen Kunsthandwerkern etwas Eigenständiges zu entwickeln.“

Theranos nahm eines der ausgestellten Gläser vorsichtig zur Hand und betrachtete dessen Verarbeitung.

„Unsere Zusammenarbeit mit Quarzite ist dafür ein gutes Beispiel. Imperialis Sensus muss nicht zwangsläufig jede Werkstatt selbst besitzen, solange wir mit Partnern zusammenarbeiten, deren Fähigkeiten und Qualitätsansprüche unseren Vorstellungen entsprechen. Gerade bei besonderen Materialien oder aufwendigen Sonderanfertigungen ist es häufig wesentlich sinnvoller, auf vorhandenes Fachwissen zurückzugreifen.“

Er stellte das Glas wieder zurück.

„Ihre Warnung vor einer zu raschen Ausweitung des Sortiments nehme ich deshalb durchaus ernst. Ich habe vermutlich eine etwas größere Begeisterung für neue Projekte, als meinem Geschäftspartner gelegentlich lieb sein dürfte. Glücklicherweise verfügt Caelis über genügend Erfahrung, um mich daran zu erinnern, dass zwischen einer schönen Idee und einem tatsächlich marktreifen Produkt noch eine beträchtliche Menge Arbeit liegen kann.“

Ein leises Lachen begleitete die Bemerkung. Theranos wusste durchaus, dass er sich gelegentlich schneller von einer gestalterischen oder geschäftlichen Vorstellung begeistern ließ, als deren praktische Umsetzung bereits rechtfertigte. In seinem politischen Beruf hatte er gelernt, solche Entwicklungen nüchtern zu beurteilen. Bei Imperialis Sensus fiel ihm das nicht immer ganz so leicht, gerade weil er hier persönliche Leidenschaft und wirtschaftliche Überlegungen miteinander verband.

„Was die konkreten Jahresmengen, Produktionskapazitäten und wirtschaftlichen Kennzahlen betrifft, würde ich Ihnen bei einem späteren Termin gerne entsprechend aufbereitete Unterlagen zeigen. Ich halte es allerdings für sinnvoll, das gemeinsam mit Caelis vorzubereiten. Dann erhalten Sie ein vollständiges Bild und wir müssen nicht ausgerechnet hier zwischen zwei Weinflaschen beginnen, Zahlen aus unterschiedlichen Berichtsständen miteinander zu vergleichen.“

Während Kael anschließend die Unternehmensstruktur von Imperial Spirits erläuterte, hörte Theranos aufmerksam zu. Besonders die Trennung zwischen dem produzierenden Stammhaus und den spezialisierten Gesellschaften für Handel, Logistik, Veranstaltungen und Forschung fand er interessant. Eine solche Organisation konnte erhebliche Vorteile bieten, sofern die verschiedenen Bereiche tatsächlich miteinander arbeiteten und ihre jeweiligen Aufgaben vernünftig voneinander abgegrenzt waren. Theranos kannte aus seiner Verwaltungstätigkeit genügend Beispiele dafür, wie schnell eine unklare Verteilung von Zuständigkeiten selbst gut gemeinte Vorhaben unnötig erschwerte.

Die Erwähnung von Safetrade und dessen Zusammenarbeit mit kleineren Produzenten weckte dabei sein besonderes Interesse. Gerade im interstellaren Vertrieb konnten bestehende Netzwerke einen erheblichen Unterschied machen. Es war keineswegs notwendig, für jede zusätzliche Geschäftsbeziehung eigene Transportkapazitäten, Vertriebsbüros und Verwaltungsstrukturen aufzubauen.

Als Kael schließlich die Möglichkeit einer Zusammenarbeit mit einer größeren Unternehmensgruppe ansprach, wurde seine Aufmerksamkeit noch einmal merklich konzentrierter. Dass der Lieutenant ausdrücklich betonte, noch kein konkretes Angebot unterbreiten zu können, fand Theranos vernünftig. Eine ernsthafte wirtschaftliche Beziehung begann schließlich nicht damit, dass man ohne Kenntnis der tatsächlichen Zahlen umfangreiche Versprechungen machte.

„Ihre Überlegungen finde ich ausgesprochen interessant. Und ich stimme Ihnen grundsätzlich zu, dass es wenig sinnvoll wäre, sämtliche Strukturen selbst aufzubauen, wenn bereits erfahrene Unternehmen existieren, die bestimmte Aufgaben wirtschaftlicher und womöglich sogar besser erfüllen können.“

Theranos ließ den Gedanken einen Augenblick stehen.

„Allerdings gibt es für mich eine wesentliche Voraussetzung. Imperialis Sensus soll seine Eigenständigkeit und seinen Charakter bewahren. Ich möchte nicht irgendwann feststellen müssen, dass wir aus wirtschaftlichen Gründen unsere Qualitätsansprüche verändern oder neue Produkte ausschließlich deshalb entwickeln, weil sich eine bestimmte Absatzmenge damit leichter erreichen lässt.“

Sein Tonfall blieb freundlich, doch die Überzeugung dahinter war deutlich. Das Unternehmen gehörte nicht allein ihm, und selbst wenn dies anders wäre, hätte er kaum Interesse daran gehabt, die eigene Gestaltungsfreiheit leichtfertig aufzugeben. Für Theranos war Imperialis Sensus in gewisser Weise auch ein Gegenstück zu seinem politischen Beruf geworden. Dort verwaltete er Ressourcen, traf Entscheidungen und musste häufig zwischen Interessen abwägen, die sich nicht vollständig miteinander vereinbaren ließen. Hier wollte er zumindest die Möglichkeit behalten, etwas nach seinen eigenen Vorstellungen zu gestalten.

„Wenn uns eine Zusammenarbeit allerdings zusätzliche Möglichkeiten in Forschung, Vertrieb oder Logistik eröffnet, ohne diesen Anspruch zu gefährden, sehe ich durchaus Potenzial. Gerade Ihr Modell, bei dem kleinere Produzenten ihre Eigenständigkeit behalten und dennoch auf größere Strukturen zurückgreifen können, klingt interessant.“

Die Bitte des Lieutenants, den Produktionsstandort persönlich besichtigen und sich anschließend ausführlicher mit Caelis austauschen zu dürfen, nahm Theranos mit einem zustimmenden Nicken entgegen.

„Dazu lade ich Sie sehr gerne ein. Wenn es Ihre dienstlichen Verpflichtungen nach Ihrer Schulung und Versetzung zulassen, können wir einen entsprechenden Besuch auf Prefsbelt IV vereinbaren. Ich würde mich freuen, Ihnen unseren Standort bei Gold One persönlich zu zeigen.“

Er blickte kurz zu jener Mitarbeiterin, die sich am Stand um die geschäftlichen Kontakte kümmerte, während Kaels Begleiterin bereits die notwendigen Notizen auf ihrem Datapad festhielt.

„Für die Besichtigung stimmen wir uns dann gemeinsam mit Caelis ab, damit auch die zuständigen Fachleute vor Ort sind. Ich denke, das wäre für beide Seiten wesentlich aufschlussreicher als eine weitere theoretische Diskussion über Verfahren, deren praktische Umsetzung Sie noch gar nicht gesehen haben.“

Das Schmunzeln, das seine Worte begleitete, war aufrichtig. Theranos hatte durchaus Freude an theoretischen Gesprächen, wusste aber ebenso gut, dass manche Fragen erst vor einer tatsächlichen Anlage sinnvoll beantwortet werden konnten.

„Wenn Sie Imperialis Sensus innerhalb Ihrer Unternehmensgruppe erwähnen möchten, habe ich jedenfalls nichts dagegen. Ich würde Sie lediglich darum bitten, neben unseren gegenwärtigen Möglichkeiten auch zu berücksichtigen, wohin wir uns entwickeln möchten. Wir sind noch ein kleines Haus, wie Sie durchaus zutreffend festgestellt haben.“


Sein Lächeln wurde einen Hauch breiter.

„Aber ich habe nicht vor, dass das für immer so bleibt.“




Er sagte es mit einer Selbstverständlichkeit, die beinahe beiläufig wirkte. Für Theranos war es weder eine Prahlerei noch ein Versprechen, dessen Erfüllung bereits feststand. Es war schlicht sein Ziel. Vielleicht gefiel ihm gerade deshalb die Vorstellung, irgendwann einen Namen geschaffen zu haben, der auch ohne seine persönliche Anwesenheit für etwas stand. Einen Namen, den man nicht allein mit dem Amt Theranos Zeshs verband, sondern mit Produkten, deren Qualität und Gestaltung auch viele Jahre später noch überzeugten.

Kaum hatte er diesen Gedanken zu Ende geführt, bemerkte Theranos aus dem Augenwinkel eine Gestalt, die sich ihrem Stand näherte. Zunächst schenkte er der Bewegung wenig Aufmerksamkeit. Während der vergangenen Minuten hatten mehrere Gäste den offenen Bereich passiert, sich einzelne Ausstellungsstücke angesehen oder vom Personal beraten lassen. Als er jedoch den Kopf etwas weiter drehte, erkannte er ein Gesicht, das ihm aus zahlreichen Holoprojektionen ausgesprochen vertraut war.

Ridley Quinn Solaris.

Für einen kurzen Augenblick trat eine ehrliche Überraschung auf Theranos' Gesicht, gefolgt von einem Lächeln, das deutlich wärmer ausfiel als seine gewöhnlich kontrollierte Begrüßung gegenüber politischen Bekanntschaften. Es war tatsächlich bemerkenswert, wie lange sie mittlerweile miteinander zu tun hatten, ohne sich auch nur ein einziges Mal persönlich begegnet zu sein.

Theranos erinnerte sich noch gut an jene ersten Tage auf Prefsbelt IV, als die Freude über seine Ernennung zum Gouverneur ziemlich rasch von der Erkenntnis eingeholt worden war, wie viele Probleme sein neuer Planet tatsächlich besaß. Unter den ersten Nachrichten, die ihn damals erreicht hatten, hatte sich auch die persönliche Gratulation eines ihm bis dahin unbekannten Gouverneurs von Truuine befunden.
Ridley Solaris hatte ihm nicht nur zu seiner Ernennung gratuliert, sondern mit einer besonderen Kolto-Rarität sogar ein ungewöhnliches Geschenk übersandt und die Hoffnung auf eine zukünftige Zusammenarbeit ausgesprochen.
Theranos hatte diese Geste nie vergessen.

Inzwischen waren aus den anfänglichen Höflichkeiten gemeinsame wirtschaftliche Vorhaben entstanden. Das Projekt NEREUS, dessen schwimmende Stadt auf dem gleichnamigen Meer von der wasserbaulichen Erfahrung Truuines profitierte, war nur eines davon. Hinzu kamen die wirtschaftlichen Verbindungen rund um die ehemalige Schiffswerft von Alani Inc., deren weitere Entwicklung für beide Seiten von Interesse war, sowie die Zusammenarbeit ihrer Verwaltungen bei verschiedenen anderen Vorhaben. Auch die militärische Unterstützung durch die Blaue Legion hatte eine Verbindung geschaffen, die weit über den gewöhnlichen Austausch zweier Gouverneursbüros hinausging.

Und nun stand Ridley tatsächlich vor ihm.
Theranos wandte sich dem Neuankömmling vollständig zu.

„Gouverneur Solaris! Welche Freude, Sie nun endlich persönlich begrüßen zu dürfen.“

Er trat dem Gastgeber ein Stück entgegen und bot ihm mit einem aufrichtigen Lächeln die Hand.

„Ich danke Ihnen für die Einladung. Und erlauben Sie mir zunächst, Ihnen zu dieser wirklich beeindruckenden Veranstaltung zu gratulieren. Ihre Gala als bescheiden zu bezeichnen, halte ich angesichts dessen, was ich heute bereits gesehen habe, für eine ausgesprochen großzügige Auslegung dieses Wortes.“

Sein Blick wanderte für einen Augenblick über die umliegenden Ausstellungsflächen und die dahinterliegenden Eisformationen. Das Licht, die Architektur und die gewaltigen natürlichen Strukturen des Gletschers boten eine Kulisse, wie er sie bislang nur selten erlebt hatte. Besonders gefiel ihm, dass die Veranstalter vielerorts darauf verzichtet hatten, die natürlichen Formen vollständig hinter künstlicher Gestaltung verschwinden zu lassen.

„Die Gestaltung, die Einbindung des Gletschers und insbesondere die Eröffnungszeremonie haben mich wirklich beeindruckt. Auch Ihre Rede fand ich ausgesprochen gelungen. Über einzelne Gedanken zu Ihrem Kunstverständnis ließe sich gewiss vortrefflich diskutieren, aber vielleicht sollten wir das auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. Sonst stehen wir morgen noch hier.“

Ein leises Lachen begleitete die letzten Worte. Theranos hätte durchaus Freude daran gehabt, sich mit Ridley irgendwann eingehender über das Verhältnis von Kunst, Ordnung und persönlicher Freiheit auszutauschen. Gerade die Vorstellung, dass künstlerisches Schaffen beinahe zwangsläufig einer imperialen Ordnungsidee entspringen müsse, erschien ihm etwas zu umfassend. Die Rede war wirkungsvoll gewesen, doch das bedeutete für Theranos nicht, dass er sämtliche darin vertretenen Gedanken vorbehaltlos teilte.

„Wissen Sie, ich erinnere mich noch sehr gut an Ihre erste Nachricht nach meiner Ernennung zum Gouverneur von Prefsbelt IV. Sie gehörten damals zu den Ersten, die mir persönlich gratuliert haben. Und Ihr Geschenk war etwas, das sich zwischen den üblichen Glückwünschen durchaus hervorhob und ich bis heute unangetastet in meinem Büro aufbewahrt habe.“

Sein Lächeln wurde etwas nachdenklicher.

„Damals haben Sie geschrieben, dass Sie hofften, unsere beiden Planeten könnten eines Tages enger zusammenarbeiten. Wenn ich heute an NEREUS und unsere weiteren gemeinsamen Vorhaben denke, haben wir diesen Wunsch wohl bereits recht ordentlich umgesetzt.“

Theranos empfand darüber eine echte Zufriedenheit. Es gab in der Politik genügend Bekanntschaften, die ausschließlich aus höflichen Absichtserklärungen bestanden und nach einigen Monaten wieder in Vergessenheit gerieten. Bei Ridley war aus einer einfachen Gratulation eine Zusammenarbeit entstanden, deren Ergebnisse inzwischen durchaus sichtbar wurden. Dass sie sich ausgerechnet auf einer Gala der schönen Künste erstmals persönlich gegenüberstanden, gefiel ihm zusätzlich. Schließlich gehörten Kunst und Kultur zu jenen Interessen, die Theranos auch abseits seiner politischen Verpflichtungen besonders am Herzen lagen.

Als Ridley sich anschließend Kael zuwandte und ihm zur Begrüßung die Hand entgegenstreckte, ließ Theranos den beiden selbstverständlich Raum. Er nutzte die kurze Gelegenheit, um sich seinerseits der Majordoma der Gouverneurin von Bastion zuzuwenden.



Alizée Marre hatte den Auftrag erhalten, die Einzelheiten der angekündigten Weinlieferung zu klären. Theranos wollte die Gelegenheit nutzen, zumindest die grundlegenden Vorgaben persönlich festzulegen, ehe seine Mitarbeiter die weitere Abwicklung übernahmen. Er erkundigte sich bei ihr nach den geschmacklichen Vorlieben Liliviennes, nach bevorzugten Speisen und nach jenen Gerichten, die im Haushalt der Gouverneurin bei privaten Abendessen oder gesellschaftlichen Empfängen regelmäßig auf den Tisch kamen. Dabei hielt er sich an die Informationen, die ihm bereits bekannt waren, und bat darum, weitere Einzelheiten mit seinem zuständigen Verkaufsberater abzustimmen.

Anschließend ließ Theranos den Mitarbeiter hinzutreten und legte eine erste Auswahl fest. Als persönliche Gabe sollten mehrere großzügig zusammengestellte Mischkisten vorbereitet werden, wobei Luxa Solis, der Lilivienne bereits zugesagt hatte, besonders berücksichtigt werden sollte. Ergänzend nahm er Classic, Rosa Aurea, Argentum und einige Flaschen Rubor Nobilis auf. Sowohl Stillweine als auch Frizzante-Ausführungen sollten enthalten sein. Die endgültige Zusammenstellung konnte anhand jener Vorlieben angepasst werden, die Alizée im weiteren Gespräch mit dem Verkaufsberater noch mitteilen würde.

„Bitte stellen Sie Miss Marre außerdem unsere vollständigen Produktübersichten und die öffentlichen technischen Datenblätter zur Verfügung. Ergänzen Sie Empfehlungen für geeignete Speisen und gesellschaftliche Anlässe. Ich möchte, dass man bei späteren Bestellungen jederzeit nachvollziehen kann, welche Sorten sich für die jeweiligen Wünsche der Gouverneurin anbieten.“

Theranos ließ darüber hinaus den Haushalt der Gouverneurin für jene bevorzugten Kundenkonditionen vormerken, die Imperialis Sensus für regelmäßige Bestellungen aus entsprechenden gesellschaftlichen Kreisen vorgesehen hatte.

Bereits früh hatte er sich gemeinsam mit einem erfahrenen Vertriebsexperten ein umfangreicheres System verschiedener Kunden- und Rabattschlüssel ausarbeiten lassen. Privatkunden, Stammkunden, Gastronomiebetriebe, größere gewerbliche Abnehmer und ausgewählte repräsentative Haushalte wurden darin nach unterschiedlichen Kriterien behandelt. Während manche Kundengruppen hauptsächlich von höheren Bestellmengen profitierten, waren andere bereits ab der ersten Bestellung mit besonderen Konditionen versehen. Selbst die großzügigsten regulären Nachlässe waren jedoch so kalkuliert, dass eine kleine Gewinnmarge verblieb. Theranos unterschied hier sehr bewusst zwischen einem Verkauf und einer persönlichen Gabe. Die für Lilivienne bestimmten Geschenkflaschen würden entsprechend als Repräsentationsaufwand des Unternehmens erfasst; für weitere Bestellungen galten die vorgesehenen günstigen, aber dennoch geschäftlichen Konditionen.

„Die mehreren Mischkisten gehen selbstverständlich auf meine persönliche Zusage zurück. Für künftige Bestellungen verwenden Sie bitte die vorgesehenen Vorzugskonditionen des Haushalts. Stimmen Sie die endgültige Auswahl mit Frau Marre ab und veranlassen Sie den Transport nach Bastion so zeitnah wie möglich. Sollte Miss Marre selbst einige unserer Weine kennenlernen wollen, stellen Sie ihr bitte ebenfalls eine kleine Probierkiste zur Verfügung.“

Theranos lächelte freundlich, seiner Meinung nach machte man auch immer ein gutes Bild bei der rechten und linken Hand einer wichtigen Person.

Nachdem er die wesentlichen Anweisungen erteilt hatte, überließ Theranos die weitere Abstimmung seinem Mitarbeiter und der Majordoma. Er war überzeugt, dass Alizée die Auswahl noch wesentlich besser auf den Haushalt ihrer Dienstherrin zuschneiden konnte, als es ihm nach einer einzigen gemeinsamen Verkostung möglich gewesen wäre. Zufrieden mit dieser Lösung wandte er sich wieder seinen Gästen zu.


Kael hatte die Begrüßung inzwischen mit der Bemerkung erwidert, er sei gewissermaßen familiär vorbelastet, was Theranos ein amüsiertes Schmunzeln entlockte. Eine treffende Zusammenfassung, wenngleich der Lieutenant seine familiären Voraussetzungen während der vergangenen Minuten bereits recht eindrucksvoll unter Beweis gestellt hatte.

Auf Ridleys anschließende Frage nach dem Interesse an seinem Stand antwortete Theranos mit sichtlicher Zufriedenheit.

„Durchaus, Gouverneur. Wir haben inzwischen einige ausgesprochen interessante Besucher begrüßen dürfen, und die bisherigen Rückmeldungen sind erfreulich. Lieutenant Reed vertritt Imperial Spirits Incorporated und hat sich gerade die Zeit genommen, unsere Produkte einer bemerkenswert gründlichen fachlichen Prüfung zu unterziehen.“

Er warf Kael einen kurzen, amüsierten Blick zu.

„Nicht in allen Punkten waren wir einer Meinung, aber gerade deshalb war unser Gespräch für mich ausgesprochen aufschlussreich und lehrreich.“

Dass Ridley sich für die zuvor übersandten Kostproben bedankte, freute ihn ebenfalls. Theranos hatte gehofft, dass die Sendung einen guten Eindruck hinterlassen würde, und empfand es als angenehm, nun persönlich darüber sprechen zu können.

„Das freut mich sehr. Ich hatte gehofft, Ihnen damit eine kleine Freude machen zu können. Und nachdem Sie mir seinerzeit mit Ihrer Kolto-Spezialität zuvorgekommen waren, wollte ich bei meinem Gegengeschenk selbstverständlich nicht vollkommen einfallslos erscheinen.“

Mit einer einladenden Geste deutete er auf die Präsentation hinter sich.

„Wir stellen hier insgesamt fünf Produktlinien vor, jeweils als Premiumwein und als Frizzante. Luxa Solis und Classic dürften Ihnen aus unseren bisherigen Sendungen bereits bekannt sein. Dazu kommen drei neue Kreationen, die wir auf Truuine erstmals präsentieren.“

Er ließ den Blick über die ausgestellten Flaschen wandern, ohne gleich wieder zu einer ausführlichen Beschreibung sämtlicher Weine anzusetzen.

„Rosa Aurea ist unser neuer heller Rosé, fruchtbetont, elegant und mit einem angenehm trockenen Ausklang. Rubor Nobilis geht in eine kräftigere Richtung, ein samtiger Rotwein mit weichen Gerbstoffen und einer ausgeprägteren dunklen Frucht. Und schließlich hätten wir Argentum, einen zurückhaltenderen Vin Gris mit feiner Struktur und einer etwas ungewöhnlichen, silbrig schimmernden Farbgebung.“

Theranos betrachtete Ridley einen Augenblick.

„Nachdem Sie Luxa Solis und Classic bereits kennengelernt haben, würde ich Ihnen tatsächlich eine unserer Neuheiten empfehlen. Persönlich könnte ich mir vorstellen, dass Ihnen Argentum gefällt. Er ist etwas zurückhaltender und verlangt vielleicht einen zweiten Schluck, um seinen Charakter vollständig zu entfalten. Gerade das schätze ich persönlich sehr an ihm.“

Ein leichtes Schmunzeln folgte.

„Falls Ihnen dagegen mehr nach einem kräftigeren Rotwein ist, würde ich Rubor Nobilis vorschlagen. Wobei ich Sie ausdrücklich warnen muss: Lieutenant Reed und ich vertreten hinsichtlich seines Charakters durchaus unterschiedliche Auffassungen. Vielleicht gewinnen wir mit Ihnen ja einen dritten Standpunkt.“

Er deutete einladend auf die bereitstehenden Verkostungsgläser.

„Aber selbstverständlich müssen Sie sich nicht auf meine Empfehlung verlassen. Sie sind herzlich eingeladen, sich selbst einen Eindruck zu verschaffen. Wir haben genügend Auswahl vorbereitet, und ich würde mich freuen, wenn Sie mir anschließend Ihre persönliche Meinung dazu sagen.“

Bevor sich Theranos jedoch weiter seinem neuen Gast widmen konnte, nutzte Kael eine passende Gesprächspause, um seine bevorstehende Abreise anzusprechen. Der Lieutenant musste sich offenbar bereits in wenigen Stunden zu seinem nächsten Dienstort aufmachen und hatte zuvor noch einige Angelegenheiten zu erledigen.
Theranos bedauerte das durchaus, auch wenn es ihn kaum überraschte. Er hatte selbst lange genug innerhalb imperialer Strukturen gedient, um zu wissen, dass militärische Dienstpläne ausgesprochen wenig Rücksicht auf interessante Gespräche nahmen.

„Natürlich, Lieutenant. Die Pflicht lässt sich bekanntlich nur selten von einem guten Glas Wein oder einem angenehmen Gespräch beeindrucken.“


Ein freundliches Lächeln begleitete seine Worte, während er die angebotene Hand ergriff und Kaels Händedruck erwiderte.

„Ich habe Ihnen zu danken. Sie haben sich heute ausgesprochen viel Zeit für unsere Produkte genommen, und ich weiß Ihre ausführlichen Einschätzungen wirklich zu schätzen. Auch wenn wir bei manchen Fragen unterschiedlicher Auffassung geblieben sind, nehme ich aus unserem Gespräch einiges mit.“

Er ließ Kaels Hand wieder los und ergänzte mit einem kleinen Schmunzeln.

„Sehr gerne, Lieutenant. Ich werde Caelis über unser Gespräch informieren. Sobald Ihr Dienstplan es zulässt, freuen wir uns darauf, Sie auf Prefsbelt IV begrüßen zu dürfen.“

Dabei dachte Theranos keineswegs ausschließlich an die vorgeschlagenen Signaturreben oder die Anmerkungen zur Entwicklung einzelner Weine. Vor allem Kaels wirtschaftliche Betrachtung hatte ihm einige interessante Fragen eröffnet, denen er gemeinsam mit Caelis nachgehen wollte. Eine mögliche Zusammenarbeit mit Imperial Spirits war durchaus reizvoll, doch Theranos würde auch ohne ein solches Ergebnis bereits von dieser Begegnung profitieren.

„Und vielleicht gelingt es uns bis dahin sogar, ein paar Ihrer Anmerkungen zum Rubor Nobilis so weit aufzuarbeiten, dass wir anschließend mit neuer Begeisterung darüber diskutieren können.“

Theranos meinte es freundlich. Gerade weil Reed seine Ansichten sachlich vertreten hatte, war ihm diese kleine Meinungsverschiedenheit keineswegs unangenehm geblieben. Er konnte mit Menschen, die ihm begründet widersprachen, wesentlich mehr anfangen als mit jenen, die aus Höflichkeit grundsätzlich alles für hervorragend erklärten.

„Ich wünsche Ihnen eine angenehme Weiterreise, Lieutenant, und viel Erfolg. Wir bleiben in Verbindung.“

Er wartete, während Kael sich noch von Ridley verabschiedete, und nahm dessen abschließende Bemerkung, der Gouverneur befinde sich bei Imperialis Sensus in guten Händen, mit einem zufriedenen Lächeln zur Kenntnis.

„Ich werde mich bemühen, Ihr Vertrauen nicht zu enttäuschen, Lieutenant.“

Nachdem Reed den Stand verlassen hatte, sah Theranos ihm noch kurz nach. Ein interessanter junger Mann, zweifellos fachlich versiert und offenbar bereits mit einer recht klaren Vorstellung davon ausgestattet, wie gute Produkte und erfolgreiche Unternehmen beschaffen sein sollten. Theranos fragte sich, wie sich dessen weitere Laufbahn entwickeln würde. Zwischen militärischem Dienst, familiären Verpflichtungen und wirtschaftlichen Interessen schien es jedenfalls genügend Möglichkeiten dafür zu geben.
Für den Augenblick war er vor allem gespannt, ob aus dem angekündigten Besuch tatsächlich ein engerer Kontakt entstehen würde. Ein Geschäft musste daraus nicht zwangsläufig werden. Allein die Gelegenheit, Caelis und Kael miteinander bekannt zu machen, versprach bereits ein interessantes Gespräch.

Mit dieser Überlegung wandte Theranos seine Aufmerksamkeit wieder seinem verbliebenen Gast zu.

„Verzeihen Sie, Gouverneur Solaris. Es wäre ausgesprochen unhöflich von mir, Sie nun ebenfalls mit einer ausführlichen Abhandlung über die Zukunft unserer Weinproduktion aufzuhalten. Lieutenant Reed und ich haben uns darin heute bereits recht ausgiebig geübt.“

Ein leises Lachen folgte. Theranos war die besondere Gelegenheit dieser Begegnung durchaus bewusst. Vor ihm stand schließlich nicht irgendein Besucher, der zufällig Interesse an seinen Weinen gefunden hatte, sondern ein Mann, mit dem ihn inzwischen mehrere bedeutende wirtschaftliche Projekte und eine längere Geschichte gegenseitiger Unterstützung verbanden.

Dabei kam ihm noch einmal jener frühe Glückwunsch zu seiner Ernennung auf Prefsbelt IV in den Sinn. Damals hätte Theranos kaum vermutet, dass aus diesem ersten freundlichen Kontakt gemeinsame Großprojekte entstehen würden. Dass Ridley nun als Gastgeber einer derart aufwendig gestalteten Gala vor ihm stand, empfand er durchaus als erfreuliche Entwicklung.

„Und selbstverständlich würde ich mich freuen, wenn wir bei Gelegenheit auch über NEREUS, die ehemalige Alani-Inc.-Schiffswerft und unsere weiteren Vorhaben sprechen könnten. Inzwischen dürfte sich auf beiden Seiten einiges getan haben, das einen ausführlichen Austausch verdient, auch hoffe ich, dass Sie mich irgendwann mal auf Prefsbelt IV besuchen.“

Theranos hielt kurz inne, ehe ein amüsiertes Lächeln seine Züge erreichte.

„Allerdings verspreche ich Ihnen, daraus heute keine unangekündigte Wirtschaftskonferenz zu machen. Sie haben diese Gala schließlich mit einem etwas erfreulicheren Ziel veranstaltet.“

Er deutete noch einmal einladend auf die bereitstehenden Gläser, ohne Ridley mit weiteren Empfehlungen zu überhäufen. Die Auswahl lag nun bei der Gouverneursperson, und Theranos würde sich freuen, wenn sie gemeinsam eine der neuen Kreationen probieren könnten.

Während er auf deren Entscheidung wartete, ließ Theranos den Blick einen Augenblick über den Stand schweifen. Zwei Gouverneure waren inzwischen zur Ausstellung Quarzites weitergezogen, ein Lieutenant hatte ihm eine umfassende fachliche und wirtschaftliche Einschätzung seiner jungen Marke gegeben, und nun stand endlich jene Person vor ihm, die ihm einst als eine der Ersten zu seiner Ernennung auf Prefsbelt IV gratuliert hatte.

Aber auch die kürzliche Nachricht über Major Varros möglichen Wechsel in Ridleys Garde hatte er keineswegs vergessen. Sie beschäftigte ihn weiterhin ein wenig, wenngleich er sich vorgenommen hatte, diesen Punkt zu gegebener Zeit und unter vier Augen anzusprechen. Eine solche Angelegenheit musste nicht ausgerechnet die ersten Minuten ihres persönlichen Kennenlernens bestimmen.

Vorerst war Theranos schlicht froh über die Begegnung.

„Auf jeden Fall, Gouverneur Solaris, hoffe ich, dass Sie zwischen Ihren zahlreichen Verpflichtungen heute auch selbst noch ein wenig Zeit finden, Ihre Gala zu genießen. Nach allem, was Sie und Ihre Mitarbeiter hier auf die Beine gestellt haben, hätten Sie es sich wohl verdient.“

Theranos lächelte aufrichtig, griff wieder nach seinem Glas und überließ Ridley die Entscheidung, welchen Wein er als Erstes probieren wollte.


[Innerer Rand | Manaan-Sektor | Truuine-System | Truuine | Nordpolarkreis | Nahe Moraband | Gletscherhöhlen der Gala | Ausstellungsflächen | Stand von Imperialis Sensus]
Theranos Zesh, Ridley Quinn Solaris, Personal von Imperialis Sensus und weitere Galagäste
 
[ Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Truuine / Südpolarkreis / Imperiales Basislager / Containerhangar ] Major Cestus Varro, Agent Xie Yazhu, Command Sergeant Rayk Sperber, Vorn Meri sowie weitere Soldaten


Cestus hörte den Ausführungen des ISB-Agenten aufmerksam zu. Die Antwort auf Meris Einwände war durchaus nachvollziehbar, wenngleich sie einige der Risiken bestätigte, die er selbst bereits erkannt hatte. Besonders die Aussicht, sich im Falle eines Scheiterns entweder zurückziehen, ergeben oder gar die Regierung von Port Ryloth gefangen nehmen zu müssen, ließ ihn innerlich die möglichen Szenarien durchgehen.

Eine kleine Eingreifgruppe, tief im feindlichen Gebiet, ohne garantierten Rückzugsweg und mit einem Gegner, der angesichts der drohenden Niederlage möglicherweise zu allem bereit war. Es gab sicherlich angenehmere Ausgangslagen für eine militärische Operation.
Andererseits war es kaum die Aufgabe einer Spezialeinheit, ausschließlich Einsätze unter günstigen Bedingungen durchzuführen. Der Erfolg hing nun vor allem davon ab, wie schnell sie ihr Ziel erreichten und wie lange sie es anschließend gegen mögliche Gegenangriffe halten konnten.

Als Yazhu schließlich erneut nach Fragen verlangte, blieb es im Raum weitgehend still. Auch Cestus sah keinen Anlass, die Besprechung weiter aufzuhalten. Die wesentlichen Punkte waren erläutert worden, und alles Weitere würde sich spätestens im Einsatz zeigen.
Nachdem der Agent den Aufbruch zu den bereitstehenden LAAT/i angekündigt hatte, begannen die Soldaten, sich für den Abmarsch bereitzumachen.


Cestus nutzte die Gelegenheit, um sich zunächst dem Mann zuzuwenden, der laut Einsatzunterlagen die Aquatrooper führen sollte.

Command Sergeant Rayk Sperber.

Er hatte ihn während der Besprechung bereits ausgemacht und trat nun zu ihm, um sich persönlich vorzustellen. Im anschließenden Gespräch verständigten sich beide darauf, ihre jeweiligen Züge eigenverantwortlich zu führen und sämtliche gemeinsamen Bewegungen und taktischen Entscheidungen eng miteinander abzustimmen. Cestus hielt diese Lösung für ausgesprochen vernünftig. Sperber kannte seine Aquatrooper, während er selbst die Stärken und Schwächen seiner Legionäre am besten einschätzen konnte. Solange beide ihre Kräfte koordiniert einsetzten, bestand kein Anlass, an dieser bewährten Aufgabenteilung etwas zu ändern. Dann bat Cestus Command Sergeant Rayk Sperber
noch darum Meri mit der Blauen Legion kämpfen zu lassen da diese schon mit ihm Erfahrung hatte.
Die Unterhaltung blieb kurz und sachlich. Für ausführliche Absprachen war angesichts des bevorstehenden Aufbruchs ohnehin kaum Zeit, doch zumindest hatten sich die beiden verantwortlichen Soldaten nun persönlich kennengelernt.

Anschließend wandte sich Cestus dem hünenhaften Rothäutigen zu, der sich ebenfalls unter den Teilnehmern der Operation befand.

„Meri. Schön, Sie wiederzusehen.“

Sein Blick fiel kurz auf das verletzte Auge des Machtnutzers, ehe er dessen Gesicht betrachtete.

„Wie ich sehe, waren Ihre letzten Tage nicht gerade ereignislos. Ich hoffe, Sie sind trotzdem einigermaßen einsatzfähig.“

Cestus kannte den Akolythen inzwischen gut genug, um sich keine allzu ausführliche Schilderung seiner Verletzungen zu erwarten. Außerdem interessierte ihn im Augenblick vor allem eine andere Frage.

„Sie haben sich am Bunkerhügel jedenfalls als ausgesprochen nützliche Unterstützung erwiesen. Kann ich auch diesmal wieder auf Ihre Fähigkeiten zählen?“

Ein leichtes Schmunzeln zeichnete sich unter seinem Helm ab.

„Ein paar zusätzliche Fähigkeiten im Umgang mit widerspenstigen Rebellen können wir bei diesem Einsatz durchaus gebrauchen.“

Nach dem kurzen Austausch mit Meri wandte sich Cestus schließlich seinen eigenen Männern zu. Die Legionäre hatten sich inzwischen für den Abmarsch bereitgemacht und erwarteten weitere Anweisungen. Einige der Gesichter waren ihm schon langer vertraut, andere erst seit dem Feldzug auf Truuine, doch er wusste, dass er sich auf ihre Ausbildung und Erfahrung verlassen konnte.

„Also gut, Männer. Sie haben den Auftrag gehört. Wir unterstützen die Aquatrooper beim Vorstoß nach Port Ryloth, sichern gemeinsam das Kraftwerk und vernichten die Rebellen. Achten Sie auf die Abstände, halten Sie die Verbindung zu den übrigen Kräften und verlieren Sie Ihre Kameraden nicht aus den Augen.“

Er ließ seinen Blick noch einmal durch die Reihen wandern.

„Wir haben am Bunkerhügel bereits bewiesen, dass wir auch unter schwierigen Bedingungen unsere Arbeit erledigen können. Ich erwarte, dass wir das hier genauso handhaben.“

Dann nickte Cestus zufrieden.

„Gut. Dann aufsitzen.“

Wenig später verließen die Soldaten den Containerhangar und begaben sich zu den bereitstehenden Transportern. Über dem Landefeld hing weiterhin der dunkle Schleier vulkanischer Asche, während der eisige Wind zwischen den Fahrzeugen und provisorischen Gebäuden hindurchpfiff.
Cestus begleitete seine Männer zu ihrem zugewiesenen LAAT/i und überzeugte sich davon, dass der Zug vollständig an Bord ging. Anschließend betrat auch er und Meri den Laderaum und nahm ihre Plätze ein.

Kurz darauf erwachten die Triebwerke der vier Transporter zu voller Leistung. Einer nach dem anderen hob vom Landefeld ab, bis sich die kleine Formation über dem Basislager gesammelt hatte und Kurs auf Port Ryloth nahm.
Cestus hielt sich an einer der Haltestangen fest, während der LAAT/i beschleunigte. In seinem Helm überprüfte er noch einmal die taktische Anzeige und die ihm zugewiesenen Kommunikationskanäle.

Vor ihnen lag eine feindliche Stadt, deren Verteidiger noch nichts von dem geplanten Vorstoß ahnten.
Wenn alles nach Plan verlief, würden sie diesen Vorteil nutzen können, um den Widerstand der Rebellen entscheidend zu brechen.
Falls nicht, würden sie improvisieren müssen.

Cestus hatte in seiner Laufbahn schon oft genug erlebt, wie schnell aus einem ausgefeilten Einsatzplan eine Ansammlung neuer Probleme werden konnte. Er hoffte lediglich, dass man ihnen diesmal etwas mehr Zeit ließ, bevor das geschah.
Die Transporter verschwanden schließlich zwischen den dunklen Wolken über dem Südpol, auf dem Weg zu jenem Riss im Eis, der ihnen den Zugang nach Port Ryloth ermöglichen sollte.


[ Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Truuine / Südpolarkreis / Im Anflug auf Port Ryloth ] Major Cestus Varro, Command Sergeant Rayk Sperber, Vorn Meri sowie weitere Soldaten
 
Innerer Rand | Manaan-Sektor | Truuine System | Hangar der Fides | Captain Thade Skywalker, Lieutenant Commander Baran Gargatosh, Hangarbesatzung (NSCs)

Als sich die Rampe des TIE Reaper senkte, erwartete Thade ein Spalier an Unteroffizieren der Fides. Bei seinem letzten Besuch des Gladiator-Klasse Sternenzerstörers waren es noch Sturmtruppler gewesen. Die standen hier und heute aber natürlich nicht zur Verfügung, da sie noch die Piratenbasis bewachten oder an Bord des erbeuteten Carrack-Klasse Kreuzers dafür sorgten, dass die dort gefangen gesetzten Piraten auf keine falschen Gedanken kamen. Den Salut von Commander Tovi und von Lieutenant Commander Gargatosh nahm Thade zackig ab. Der Chiss wirkte ganz so als hätten ihn die beiden zurückliegenden Schlachten nicht im geringsten belastet. “Das Lob kann ich nur zurückgeben, Lieutenant Commander Gargatosh. Sie alle haben sich selbst unter größtem Druck vorbildlich verhalten.” Tatsächlich hatte Thade einen durch und durch positiven Rückblick auf die gemeinsame Operation. “Lassen Sie uns direkt beginnen, es gibt viel zu besprechen.”

Sie mussten tatsächlich ein gutes Stück laufen, da einige der Turbolifte an Bord der Fides aktuell außer funktion waren. Eine kurze Turboliftfahrt nach ihrem Spaziergang aber betraten Thade, Dur und Baran den Besprechungsraum. Nachdem die drei Platz genommen und sich nach dem gegenseitigen Befinden erkundigt hatten, erhob Thade noch einmal das Wort, bevor sie in die Details gingen. “Ich möchte Ihnen beiden noch einmal mein Lob für Ihr entschlossenes und furchtloses Betragen während der Operation aussprechen. Das gilt insbesondere für unser zweites Gefecht, das sich streng genommen außerhalb der genehmigten Missionsparameter befunden hat. Ich werde Sie beide für eine Belobigung vorschlagen.”

Als nächstes gingen die drei eine nicht enden wollende Reihe von Berichten durch, Schadensmeldungen, Leistungsbewertungen, Verschleißprognosen, Verwundeten- und Verlustlisten sowie die Reparaturpläne aller Schiffe verlangten nach Aufmerksamkeit und genauer Bewertung. “Da wäre noch die Angelegenheit des aufgebrachten Piratenschiffs. Ein leichter Kreuzer der Carrack-Klasse. Das Schiff hat mittelschwere Schäden erlitten, insbesondere in der Antriebssektion. Ersten Schätzungen zufolge wird das Schiff zwei, wenn nicht drei Monate im Trockendock benötigen, bis es wieder einsatzfähig ist. Anschließend kann es aber in die Systemverteidigungskräfte integriert werden, sofern das Sektorkommando zustimmt.” Das waren tatsächlich gute Nachrichten. Das Imperium befand sich im Krieg und jetzt mehr noch als in Friedenszeiten benötigte die Flotte jeden kampftauglichen Schiffsrumpf, den sie bekommen konnte. Nicht zuletzt würden die für die Aufbringung verantwortlichen Soldaten und Offiziere, damit also auch alle im Raum anwesenden Schiffskommandanten, eine ansehnliche Prisenauszahlung erhalten.

Aber das war nicht der einzige bemerkenswerte Erfolg.
“Wir haben an Bord des Carrack-Klasse Kreuzers 698 Piraten gefangen nehmen können, hinzu kommen weitere 752 auf der Piratenbasis oder kleineren aufgebrachten Schiffen. Ein Großteil der Mannschaft des Kreuzers und auf der Piratenbasis schien unter Zwangsarbeiterbedingungen gearbeitet zu haben. Die Details werden wir aber den Gerichten überlassen.” Die lokalen Verhörexperten und Datenanalysten würden die Wahrheit schon herausfinden. Thade zweifelte nicht daran, dass ein guter Teil der Gefangenen einfach in der Hoffnung, eine mildere Strafe zu erhalten, Geschichten erfand. “Darüber hinaus konnten wir 387 gefangene Militärangehörige und Frachterbesatzungsmitglieder befreien.” Der Chiss trug die Zahlen nüchtern vor. Er hatte den Rettungseinsatz nicht durchgeführt, um Ruhm zu ernten. Gleichzeitig war er sich aber auch sehr bewusst, dass die Geschichte in der Flotte die Runde machen würde. Thade hoffte, damit seinen Teil dazu beigetragen zu haben, die Moral der Flotte zu steigern. Nach dem Verlust von und über Kashyyyk konnte sie das gut gebrauchen.

Nur weil sich die Kampfhandlungen etwa wie erwartet und zum Vorteil für das Imperium entwickelt hatten, hieß das noch lange nicht, dass es kein Verbesserungspotential für die beteiligten Flottenelemente gab. Entsprechend gründlich ging der Chiss mit seinen Gesprächspartnern jede einzelne gefällte Entscheidung durch. Dabei ging es
Thade nicht darum, jemanden vorzuführen, es ging ihm um den Lerneffekt und er nahm seine eigenen Entscheidungen nicht aus. Wo wurde zu spät agiert, wo zu hastig reagiert? Wo wurde ausgeharrt und warum? Hatte eine Entscheidung zu später unerwünschten Konsequenzen geführt und wie wahrscheinlich hätte ein anderes Vorgehen zu einem besseren Ergebnis geführt? In den kommenden Stunden lernte jeder der drei etwas über seine eigenen Entscheidungen und die Entscheidungen der anderen Schiffskommandanten und nahm etwas mit, mit dem er im nächsten Gefecht besser agieren konnte. Und am Ende der Besprechung war jeder der drei reif für ein paar Tage Ruhe, vielleicht sogar etwas Landgang. Ziemlich wahrscheinlich würde es aber genau das für niemanden von ihnen geben.

Innerer Rand | Manaan-Sektor | Truuine System | Besprechungsraum an Bord der Fides | Captain Thade Skywalker, Commander Dur Tovi, Lieutenant Commander Baran Gargatosh

Huntress, Arquitens 546: Hülle: 83 % Schilde: 100 % Geschütze: voll einsatzbereit Raketenmagazine: 25/30 je Werfer, Jägereskorte: 8/12 TIE/in ; 7/9 Xg-1 Sternenflügler ; 3/3 Scimitar Jagdbomber
Hawke, Arquitens 546: Hülle: 100 % Schilde: 100 % Geschütze: voll einsatzbereit Raketenmagazine: 30/30 je Werfer, Jägereskorte: 12/12 TIE/in ; 9/9 Xg-1 Sternenflügler ; 3/3 Scimitar Jagdbomber
Pursuer, Arquitens 546: Hülle: 100 % Schilde: 100 % Geschütze: voll einsatzbereit Raketenmagazine: 30/30 je Werfer, Jägereskorte: 12/12 TIE/in ; 9/9 Xg-1 Sternenflügler ; 3/3 Scimitar Jagdbomber
 
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[ Innerer Rand | Manaan-Sektor | Truuine | Nahe Moraband | Gletscherhöhlen der Gala ] - Kal Andrim, Lucien Velcrest, Telbun Gideon und 2 KDY Leibwächter in der Nähe auf der Suche nach Kal, diverse andere Galabesucher (NSCs)

Lucien holte weit aus und Kal hörte geduldig zu. Der Arkanianer beklagte sich über seinen Vater und Sprach davon, wie er dem Familiendruck mit riskanten Hobbies wie Swoop-Rennen und Glücksspiel, jetzt aber eben auch mit seiner Arbeit für Gouverneur Solaris, der ihn wohl auf eine kleine Reise nach Cona geschickt hatte, damit er soweit wie möglich vom Familiendrama fortgeschickt werden konnte, ohne dass es gesellschaftlich und familienpolitisch übermäßigen Anstoß finden konnte. Der Kuati hörte diesem tiefen Einblick in Luciens Seelenleben aufmerksam zu, ohne zu bewerten oder zu belehren. Wer war er auch, hier jetzt irgendetwas in der Richtung zu sagen, nachdem er aus praktisch denselben Gründen, sich für das Sternenjägerkorps des Imperiums verpflichtet hatte? Der Gedanke brachte ihn tatsächlich zum Schmunzeln. “Nun, Lucien. Wenn es Sie tröstet, melde ich mich freiwillig dafür, Sie zu erschießen, sollte dieser Eindruck eines innerlich toten Bürokraten jemals an meine Ohren kommen.” Natürlich war das so nur im Scherz dahin gesagt.

Insgesamt genoss
Kal die spürbare Ablenkung, die ihm der Arkanier bot. Es waren seltene, beinahe bittersüße Moment der Leichtigkeit für den Kuati, der im streng durchgetakteten Militäraltag nur selten bis gar nicht die Gelegenheit bekam, sich zu entspannen und so dem Müßiggang hinzugeben, wie hier und jetzt gerade an Luciens Seite. Die Schaukämpfe selbst erweckten nur mäßiges Interesse in Kal. Sie waren immerhin eine reine Publikumsspektakel und bei aller Bescheidenheit musste der Kuati feststellen, selbst schon erheblich besser und auch gegen bessere Kontrahenten gefochten zu haben. Die beiden Fechter hier vor ihnen machten sich aber insgesamt sehr gut und Kal glaubte zu erkennen, dass sie sich bewusst zurückhielten und mit voller Absicht vor allem Züge führten, die schön anzusehen waren, um ihr Publikum zu unterhalten. Entsprechend verhalten war dann auch Kals Applaus. “Die beiden Fechter verstehen ihr Handwerk, es ist eine dem heutigen Anlass und dem erwartbaren Publikum wahrlich angemessene Vorführung der verschiedenen Produkte des Herstellers.”

Unterdessen hatten Telbun Gideon samt Begleitung die beiden ausgebüchsten jungen Adeligen wiedergefunden. Der ältere Mann wirkte einigermaßen verärgert und wenn der Kuati ehrlich zu sich war, empfand er doch ein gutes Stück Schadenfreude dabei. Natürlich war es nicht unbedingt fair, seinen Frust der Mutter gegenüber an ihrem Telbun auszulassen, aber zumindest heute Abend empfand er wenig Skrupel dabei. Entsprechend wollte der Kuati dem Telbun auch gar keine Gelegenheit geben, sich zu setzen und wandte sich seinem Begleiter zu. “Lucien, mein Appetit regt sich. Was halten Sie davon, wenn wir uns an einigen der kulinarischen Angebote gütlich tun, bevor wir mit dem Programm weitermachen?” Eine kleine Stärkung, bevor die Velvet Horizon losging, wäre tatsächlich gar nicht schlecht.

[ Innerer Rand | Manaan-Sektor | Truuine | Nahe Moraband | Gletscherhöhlen der Gala ] - Kal Andrim, Lucien Velcrest, Telbun Gideon und 2 KDY Leibwächter in der Nähe auf der Suche nach Kal, diverse andere Galabesucher (NSCs)
 
[ Innerer Rand | Manaan-Sektor | Truuine | Nahe Moraband | Gletscherhöhlen der Gala | VIP-Galerie der Fechtvorführung ] – Kal Andrim, Lucien Velcrest, Telbun Gideon und 2 KDY-Leibwächter im unteren Veranstaltungsbereich, diverse andere Galabesucher (NSCs)


Kals ausgesprochen großzügiges Angebot, ihn im Falle einer allzu bedenklichen Entwicklung zum pflichtbewussten Bürokraten kurzerhand zu erschießen, ließ Lucien zunächst überrascht die Augenbrauen heben. Einen Augenblick betrachtete er den Captain, ehe sich ein breites Grinsen auf seinem Gesicht ausbreitete. Dann legte er mit demonstrativer Ergriffenheit beide Hände übereinander auf sein Herz und nahm die Haltung eines Mannes an, der soeben Zeuge einer außergewöhnlich bewegenden Freundschaftsbekundung geworden war.

„Captain, ich bin zutiefst gerührt! Eine derart selbstlose Bereitschaft, mich vor einem Schicksal als gewissenhafter Bürokrat zu bewahren, begegnet einem wahrlich nicht alle Tage.“

Er ließ seine Worte einen Augenblick wirken, bevor sein Gesichtsausdruck in gespielte Bestürzung umschlug.

„Allerdings hatte ich dabei eher an eine Entführung aus meinem Büro gedacht als an meine eigene Hinrichtung!“, erklärte er mit einem beinahe vorwurfsvollen Blick, den sein amüsiertes Lächeln allerdings ziemlich unglaubwürdig erscheinen ließ. „Andererseits muss ich zugeben, dass Ihre Lösung zumindest eine bemerkenswerte Entschlossenheit erkennen lässt. Ich werde mir Ihr großzügiges Angebot für den äußersten Notfall merken. Nur würde ich Sie bitten, mir vorher wenigstens Gelegenheit zu geben, meinen Schneider und meinen Anwalt zu verständigen. In dieser Reihenfolge, versteht sich.“

Lucien lachte herzlich über die Vorstellung und ließ die Hände wieder sinken. Er genoss diese Art von Humor ausgesprochen, insbesondere wenn sein Gegenüber über genügend Schlagfertigkeit verfügte, um darauf einzugehen. Kal hatte ihm inzwischen mehr als einmal bewiesen, dass er damit keinerlei Schwierigkeiten hatte. Überhaupt entwickelte sich ihre zufällige Bekanntschaft zunehmend zu einer der erfreulichsten Überraschungen dieses Galaabends, was Lucien angesichts seiner ursprünglich eher bescheidenen Erwartungen an das gesellschaftliche Unterhaltungsprogramm nur recht sein konnte.


Auch Kals Einschätzung der Fechtvorführung nahm er mit einem anerkennenden Nicken entgegen. Der Captain hatte zweifellos recht damit, dass die Veranstaltung in erster Linie dazu diente, die ausgestellten Waffen einem zahlungskräftigen Publikum möglichst eindrucksvoll zu präsentieren. Die beiden Fechter verstanden ihr Handwerk, verzichteten dabei allerdings offenbar bewusst auf jene weniger eleganten Bewegungsabläufe, die in einem ernsthaften Wettkampf durchaus über Sieg und Niederlage entscheiden konnten.

„Ich fürchte, die Herren hätten es bei einer persönlichen Leistungsprüfung durch Sie vermutlich etwas schwerer, Captain.“, bemerkte Lucien schmunzelnd. „Allerdings muss man ihnen zugutehalten, dass sie ihre Aufgabe ganz ausgezeichnet erfüllen. Die Hälfte des Publikums wird die Veranstaltung vermutlich mit dem festen Vorsatz verlassen, sich einen dieser Degen zuzulegen. Ob die Käufer anschließend auch damit umgehen können, steht selbstverständlich auf einem anderen Blatt.“

Während sich unter ihnen die Vorführung allmählich ihrem Ende näherte, entdeckte Lucien schließlich auch eine inzwischen vertraute Gestalt im unteren Zuschauerbereich. Der Herr in der traditionellen Robe hatte die beiden offenbar endlich ausfindig gemacht und blickte zu ihrer Galerie hinauf. Selbst aus dieser Entfernung wirkte seine Miene nicht gerade begeistert. Die beiden Leibwächter mit ihren KDY-Abzeichen hielten sich weiterhin in seiner Nähe, während Gideon nach einem erneuten Blick zu ihnen hinauf seine Aufmerksamkeit den Sitzgelegenheiten des Saales zuzuwenden schien.

Lucien konnte sich ein kleines, zufriedenes Grinsen nicht verkneifen. Immerhin dürfte die Erkenntnis, dass sich Kal wohlbehalten auf der oberen Galerie befand, den guten Mann zumindest etwas beruhigt haben. Und falls er tatsächlich beabsichtigte, sich für die verbleibende Dauer der Vorführung einen Platz zu suchen, wollte Lucien ihm diese wohlverdiente Gelegenheit keineswegs missgönnen.

Dass Kal ausgerechnet in diesem Augenblick vorschlug, sich den kulinarischen Angeboten der Gala zu widmen, erschien dem Vicomte daher beinahe wie eine besonders glückliche Fügung.

„Eine ausgezeichnete Idee, Captain!“, erwiderte er mit unverhohlener Begeisterung und richtete sich von der Brüstung auf. „Ich finde ohnehin, dass man die Qualität einer gesellschaftlichen Veranstaltung keineswegs ausschließlich an ihrem Unterhaltungsprogramm messen sollte. Eine Gala, die ihren Gästen nichts Vernünftiges zu essen anbietet, hat meiner Ansicht nach bereits einen beträchtlichen Teil ihrer Daseinsberechtigung verspielt.“

Sein Blick wanderte noch einmal beiläufig in Richtung des unteren Zuschauerbereiches, bevor er sich mit einem ausgesprochen unschuldigen Lächeln wieder Kal zuwandte.

„Und wie überaus erfreulich, dass Ihr geschätzter Begleiter uns inzwischen wiedergefunden hat. Ich würde beinahe behaupten, wir könnten ihn nun beruhigt einige Augenblicke verschnaufen lassen.“

Mit diesen Worten entfernte sich Lucien von der Brüstung und deutete seinem Begleiter mit einer einladenden Handbewegung in Richtung des rückwärtigen Zugangs. Bereits beim Betreten der Galerie war ihm eine diskrete Beschilderung aufgefallen, die auf weitere Räumlichkeiten des exklusiven Gästebereiches hinwies. Neben privaten Gesellschaftssalons und kleineren Aufenthaltsräumen befand sich darunter auch ein gastronomischer Bereich, dessen Beschreibung ausgesprochen vielversprechend klang.

„Wie überaus praktisch. Offenbar hat man bei der Planung dieser Galerie sogar daran gedacht, dass ein Gast irgendwann hungrig werden könnte. Ich beginne, die Organisatoren dieser Veranstaltung zunehmend zu bewundern.“, erklärte er mit gespieltem Staunen.

Der Weg führte sie durch einen breiten, angenehm beleuchteten Verbindungsgang, dessen Wände teilweise unmittelbar aus dem natürlichen Gletschereis herausgearbeitet worden waren. Dezente goldfarbene Metalleinfassungen betonten die architektonischen Linien, während hinter transparenten Wandflächen kleine Lichtinstallationen die kristallinen Strukturen des Eises hervorhoben.
Die Geräusche der Fechtvorführung wurden mit jedem Schritt leiser, bis schließlich nur noch gedämpfte Musik und das entfernte Stimmengewirr der übrigen Galagäste zu hören waren.

Dass die beiden jungen Adeligen damit gleichzeitig aus dem Blickfeld des unteren Zuschauerbereiches verschwanden, war selbstverständlich ein vollkommen unbeabsichtigter Nebeneffekt ihrer Suche nach einer angemessenen Mahlzeit.
Zumindest hätte Lucien dies jederzeit mit größter Überzeugung behauptet.


Wenig später erreichten sie den eigentlichen gastronomischen Salon, der sich hinter einer Reihe hoher, elegant gestalteter Türen eröffnete.
Der Raum war großzügig angelegt und verband die natürliche Pracht der Gletscherhöhlen mit jener zurückhaltenden Extravaganz, die Lucien an der Gestaltung der Gala inzwischen besonders zu schätzen gelernt hatte.
Hohe Eisgewölbe spannten sich über den weitläufigen Saal, dessen warme Beleuchtung einen angenehmen Kontrast zum kühlen Blau der umliegenden Gletscherwände bildete.
Zwischen geschmackvoll arrangierten Sitzgruppen und kleineren privaten Nischen erstreckten sich mehrere gastronomische Stationen, an denen die Gäste eine Auswahl außergewöhnlicher Speisen und Getränke genießen konnten.

Anders als bei einem gewöhnlichen Buffet wurden die angebotenen Gerichte unmittelbar vor den Augen der Besucher zubereitet oder von geschultem Personal in kleinen, kunstvoll angerichteten Portionen präsentiert.
Einige der Stationen widmeten sich traditionellen Spezialitäten verschiedener imperialer Welten, während andere deutlich experimentellere Kreationen anboten, deren Zutaten, Zubereitungsarten und Präsentation beinahe ebenso viel Aufmerksamkeit auf sich zogen wie die eigentlichen Speisen. Zwischen den einzelnen Bereichen bewegten sich Kellner mit kleinen Tabletts, auf denen bereits vorbereitete Kostproben und passende Getränke angeboten wurden.

Auch das Publikum entsprach dem exklusiven Charakter des Salons. Neben elegant gekleideten Angehörigen wohlhabender Familien waren vereinzelt imperiale Offiziere in Ausgehuniformen sowie Persönlichkeiten zu erkennen, deren Auftreten auf eine gehobene Stellung innerhalb von Verwaltung und Wirtschaft schließen ließ.
Die Gespräche blieben angenehm gedämpft, und die dezente musikalische Untermalung verlieh dem gesamten Raum eine beinahe private Atmosphäre, obwohl sich hier durchaus eine beträchtliche Anzahl von Gästen aufhielt.

Lucien ließ seinen Blick interessiert über die verschiedenen Stationen schweifen. Der verführerische Duft frisch zubereiteter Speisen erreichte ihn bereits, bevor er die angebotenen Gerichte genauer erkennen konnte, und er musste feststellen, dass Kals Vorschlag tatsächlich ausgesprochen gut gewesen war. Zwar hatte er während seines bisherigen Aufenthalts auf der Gala bereits die eine oder andere Kleinigkeit genossen, doch eine vernünftige Mahlzeit war bei all den Ablenkungen bislang entschieden zu kurz gekommen.

„Oh, ich muss gestehen, Captain, das sieht ausgesprochen vielversprechend aus.“, bemerkte er mit sichtlicher Zufriedenheit.
„Wenn die Küche hält, was diese Präsentation verspricht, könnte dies tatsächlich einer der erfreulichsten Teile des heutigen Abends werden. Und das will nach unserem Besuch bei Orvellan immerhin etwas heißen.“

Er trat an eine der näher gelegenen Stationen, an der gerade verschiedene kleine Gerichte auf kunstvoll gearbeiteten Servierplatten angerichtet wurden. Zarte Fleischstücke mit aromatischen Kräutern, fein geschnittenes Gemüse und mehrere aufwendig zubereitete Meeresfrüchtespezialitäten wurden dort in unterschiedlichsten Kombinationen angeboten.
Etwas weiter entfernt präsentierte ein anderer Küchenchef eine Auswahl warmer Teigspezialitäten, deren Füllungen offenbar aus mehreren Welten stammten, während an einer dritten Station kleine Desserts unter einer hauchdünnen, beinahe kristallartig schimmernden Glasur angerichtet wurden.

Für Lucien war das beinahe ebenso verlockend wie eine gut sortierte Ausstellung außergewöhnlicher Maßanfertigungen.

„Wissen Sie, Kal, ich habe schon immer die Ansicht vertreten, dass eine wirklich gute Küche und hervorragende Schneiderkunst erstaunlich viel gemeinsam haben.“, erklärte er mit einem amüsierten Lächeln, während er die sorgfältig angerichteten Speisen betrachtete. „Die Zutaten müssen stimmen, das Handwerk sollte beherrscht werden, und ein wenig Kreativität schadet gewiss nicht. Vor allem aber erkennt man das Können des Verantwortlichen daran, dass das Ergebnis mühelos wirkt, obwohl vermutlich eine ganz beträchtliche Menge Arbeit dahintersteckt.“

Er betrachtete noch einen Augenblick die Auswahl, ehe er sich mit einem beinahe verschwörerischen Grinsen seinem Begleiter zuwandte.

„Allerdings schlage ich vor, dass wir uns heute nicht auf ein einzelnes Gericht beschränken. Es wäre doch beinahe unhöflich, sich von derart vielen ausgezeichneten Köchen bekochen zu lassen und anschließend nur einen davon zu würdigen.“

Lucien griff nach einer der angebotenen kleinen Kostproben und betrachtete sie mit jener neugierigen Aufmerksamkeit, die er normalerweise besonders interessanten Stoffmustern oder einem ungewöhnlichen Schmuckstück widmete. Anschließend hob er seinen Blick wieder zu Kal.

„Also Captain, ich würde sagen, wir dinieren hier in Ruhe und stoßen dann wieder zu ihrer Entourage bevor der Herr in der Robe noch in Panik verfällt. Danach würde ich mir gerne eine der großen Ausstellungshallen zu gemühte führen, soweit ich gehört habe soll es dort so einiges interessantes zu sehen geben, was halten Sie von der Idee?"


[ Innerer Rand | Manaan-Sektor | Truuine | Nahe Moraband | Gletscherhöhlen der Gala | Exklusiver gastronomischer Salon ] – Kal Andrim, Lucien Velcrest, Telbun Gideon und 2 KDY-Leibwächter im Bereich der Fechtvorführung, diverse andere Galabesucher (NSCs)
 
[ Innerer Rand | Manaan-Sektor | Truuine | Moraband | Gletscherhöhle der Gala ] - Aren Vayliuar, Agustin Prada, zahlreiche weitere Galagäste

Es war durchaus schön gewesen, dass sich erneut die Wege der beiden Moffs mit dem Gouverneur gekreuzt hatten. Auch wenn es ... anders verlaufen war, als Aren gedacht hatte. Dieser Sector Adjutant van Begrretz war nun wirklich keine Person, die Aren gerne in seine Verwaltung übernommen hätte. Doch unterhaltsam war es auf eine gewisse Art und Weise nichtsdestoweniger gewesen. Dieser klägliche Versuch Solaris einen Dolch in den Rücken zu stoßen und die Gelegenheit zu nutzen, ihn vor zwei hochrangigen Gästen wie Agustin und Aren zu diskreditieren, hatte durchaus dafür gesorgt, dass Aren für einen kurzen Moment ein Schmunzeln nicht verhindern konnte. Um dieses zu verbergen nahm er sogar einen Schluck dieses fürchterlichen Chandrilianischen Squigs, welchen er sich von Solaris hatte aufschwatzen lassen. Die Situation wurde nur noch befriedigender, weil er genau wusste, was im Kopf von Agustin vorging, als er den Sektor Adjutanten nüchtern abblitzen ließ und aus den Worten des Mannes Solaris gegenüber gleich Profit schlug.

Agustin und ihn verband mittlerweile eine solch enge Partnerschaft, ja, eine solch enge Freundschaft, er wusste wie der Mann neben ihm tickte, was er dachte und warum er tat, was er tat. Und im Großteil der Fälle stimmte Aren ihm auch vorbehaltlos zu, so auch hier. Aren war sogar recht glücklich darüber, sich hier so gänzlich auf seinen Partner verlassen zu können und eher durch ein zustimmendes Nicken und einen kleinen Einwurf sich ins Gespräch einzubringen. Dies lag nicht daran, dass ihm das Thema nicht lag. Die wirtschaftliche Vernetzung ihrer Sektoren mit Truuine war sehr in seinem Interesse. Nicht nur als Politiker, auch als Privatmann war er ja mit einigem Kapital vor Ort involviert und diese gewinnbringende - persönlich wie finanziell - Beziehung zu Solaris lag somit sehr in seinem Interesse. Nein, hätte er gemusst und wäre Agustin nicht mit von der Partie gewesen, hätte er sich hier deutlich aktiver eingebracht und wahrscheinlich genau die gleichen Schritte eingeschlagen wie der Moff des Mytho Sektors. Doch für Aren trafen an diesem Tag zwei ungute Dinge aufeinander. Die letzte Nacht war nicht einfach so an ihm vorbeigegangen. Er hatte bereits einige andere Gäste aus der Bar von gestern aus dem Augenwinkel wieder gesehen, die deutlich fideler als er wirkten. Nun, sie hatten die Kneipe ja auch nicht dicht gemacht und halb leer getrunken, wie Agustin und Aren es getan hatten, wenn man auf die Abbuchung von Arens Privatkonto blickte, wie er selbst es heute morgen getan hatte. Und hinzu kam, dass er Agustin ja auch bereits einige Cognac voraus gewesen war, als dieser angekommen war. Der Alkohol alleine hätte ihm wohl aber nicht so zugesetzt. Viel mehr schien es, dass auch die Kühle der Umgebung etwas gegen ihn hatte. Heute morgen war er nicht nur mit brummendem Kopf aufgewacht, sondern auch mit laufender Nase und leicht erhöhter Temperatur. All dies hielt ihn natürlich nicht auf, doch er war froh, sich in Gesprächen wie diesen auf Agustin völlig verlassen zu können. Und die Medizin, die er heute morgen genommen hatte, zeigte auch zunehmend ihre Wirkung. Hatte er sich während der Eröffnung der Feierlichkeiten doch wirklich recht elend gefühlt, ging es ihm nun besser und besser.


,,Ist dir der Moff des Manaan-Sektor persönlich bekannt? Meine Kenntnisse ziehen sich alle aus ein paar Akten und Berichten, die ich bereits im Rahmen unserer letzten Reise nach Truuine konsultiert hatte. Ranagenthan oder sowas in der Art ... ich komme bei dem Namen immer durcheinander, obwohl ich ihn nun doch schon einige Male gelesen habe. Aber wenn er solche Leute wie diesen Sektor Adjutant beschäftigt, spricht das ja nicht dafür, dass wir etwas verpasst haben, wenn wir unseren werten Kollegen bisher noch nicht eingehender kennengelernt haben."

Aren beugte sich zu Agustin herüber, sodass niemand der anderen Anwesenden etwas von diesem kurzen Meinungsaustausch mitbekam. Er ließ seinen Blick über die versammelten VIPs der Gala schweifen. Abella und Adriana waren etwas abseits in ein intensives Gespräch vertieft, mit zwei Pantoranern, wahrscheinlich Künstler, und einer weiteren Dame, die Aren als Adrianas Freundin Lady Estalle Hejaran identifizieren konnte. Er sah seiner Verlobten die Begeisterung wahrlich an. Für sie war das hier ihr Gebiet, hier blühte sie völlig auf. Es würde Aren nicht wundern, wenn die Summe, die er gestern in der Bar gelassen hatte, heute von Adriana für irgendwelche Kunstgegenstände ausgegeben würde. Kurz blickte seine Verlobte zu ihm herüber und er lächelte zu ihr herüber, bevor er sich wieder Agustin zuwandte.

,,Ich lasse dir ein paar relevante Unterlagen der Fourb-Gruppe weiterleiten, die relevant sein könnten für unsere weiteren wirtschaftlichen Planungen mit Solaris und Truuine. Ich kann aber wirklich nur sagen, dass meine bisherigen Erfahrungen und Ergebnisse, wenn auch vor allem aus der Sicht eines Unternehmers, völlig überzeugend sind. Unsere beiden besseren Hälften scheinen sich aber auch ohne die Teilhabe an solch politischen Winkelzügen gut zu amüsieren."

[ Innerer Rand | Manaan-Sektor | Truuine | Moraband | Gletscherhöhle der Gala ] - Aren Vayliuar, Agustin Prada, zahlreiche weitere Galagäste
 
[Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine / Schiffswerft im Orbit des Planeten / GSD 'Fides' / Hangar] - mit Commander Dur Tovi, Captain Thade Skywalker und Lieutenant Commander Baran Gargatosh

Commander Dur Tovi stand mit hinter dem - schmerzenden - Rücken verschränkten Armen in dem Hangar und sah stolz auf das Spalier seiner Unteroffiziere.
Nicht so beeindruckend wie eines aus Sturmtrupplern, aber dennoch eine Respekts- und Ehrbekundung. Und in Anbetracht der Leistungen seiner Brückenkrew in den vergangenen Kämpfen irgendwie auch ein passendes Symbol.

Zuerst landete die Kappa-Klasse Fähre von
Lieutenant Commander Gargatosh. Sobald sich die Einstiegsluke senkte, nahmen die Unteroffiziere Haltung an, während Tovi noch ein Paar Schritte auf die Fähre zuging.
Als das Shuttle gelandet war und sein Offizierskamerad die Rampe hinunterstieg, salutierte der Kuati kurz, bevor er auf den hochgewachsenen Nicht-Mensch, der sich nun wirklich sein Vertrauen und seinen Respekt erarbeitet hatte, zuging. Zufrieden lächelnd streckte er seine Hand aus und wollte
Gargatosh persönlich begrüßen.

Doch da fiel ihm auf, dass es dem anderen Schiffskommandanten wohl noch härter erwischt hatte, als ihn selbst: Jener trug nämlich seinen Arm in einer medizinischen Schiene.
Das Lächeln der Zufriedenheit verschwand kurz von
Tovis Gesicht. Ernst schaute er nochmal auf den Arm und dann die Augen seines Gegenübers, als dieser schließlich seine Hand schüttelte.

"Lieutenant Commander Gargatosh. Schön, Sie zu sehen. Wenn auch leider nicht unversehrt. Ich hoffe, Sie haben nicht zu große Schmerzen und dass Sie bald wieder gesund werden", begann er leicht stockend, bevor er seine Ruhe wiederfand und dann mit Zwinkern hinzufügte, "Aber wenn Sie schon so mitgenommen sind, mag ich mir das Chaos und den Schmerz der vermaledeiten Piraten gar nicht vorstellen. Mögen sie vor Schrecken zittern und bei jedem Marauder an Sie und Ihre Schlagkraft denken."

Und schon kam der zweite Ehrengast: Captain Thade Skywalker mit seinem TIE-Reaper landete in dem Hangar; der nun so voll war, wie er werden konnte, ohne dass man hätte Schiffe Rumpf an Rumpf stellen müssen.
Das Begrüßungsspalier richtete sich erneut aus und
Tovi nahm mit Gargatosh nahmen ihre Plätze mittig-zentral am Ende des Spaliers ein. Als der Chiss heraustrat, salutierten sie alle.

Tovi hielt den Salut einen kleinen Augenblick länger aufrecht, als die anderen. Zu hoch rechnete er dem Captain zu, dass dieser es tatsächlich geschafft hatte, so viel Kameraden aus der Gefangenschaft der Piraten zu befreien.
Als sie sich auf den Weg zum Besprechungssaal der 'Fides' machten, und nachdem der Commander kurz den Umweg wegen der Turboliftschäden erklärt hatte, sprach
Gargatosh sein Lob an die beiden anderen Offiziere aus.
Und auch der Mensch schloss sich daran an:
"Captain Skywalker, Lieutenant Commander Gargatosh. Auch mir war es eine Ehre unter und mit Ihnen zu dienen. So ein Zusammenspiel fähiger Offiziere zeigt doch, dass weder Piraten noch Rebellen das Imperium schlagen können."

Tovi verkniff sich erst einmal, Skywalker nochmal für die Rettung der Geiseln zu danken. Er wollte nicht wie ein Schleimer wirken - selbst wenn sein Dank aufrichtig gemeint war.
Vielleicht würde sich ja noch eine andere Gelegenheit ergeben.
Und so gingen die drei schweigend weiter und nach der Turboliftfahrt hatten sie dann doch recht schnell - wenn auch nicht so direkt - den Besprechungssaal erreicht. Diesen hatte der Commander schon mit Tassen, Kaf und einigen Rationsriegeln herrichten lassen.
Außerdem hatte er sich diesmal vor Beginn der Besprechung überzeugt, dass die Technik funktionierte und er direkt alles finden würde. Noch einmal wollte er nicht in solch ein Fettnäppchen treten.

Als der Chiss die Besprechung mit einem erneuten Lob der beiden Offiziere begann, genoss
Tovi das in sich aufsteigende Gefühl von Stolz und Kameradschaft. Ja, heute hatte er zwar nicht musterhaft, aber dennoch im Großen und Ganzen seine Verantwortung als befehlshabender Offizier eines Schlachtschiffes erfüllt. Und würde somit vielleicht auch in der Admiralität wieder etwas mehr Beachtung finden.

Aber bevor er sich in Tagträumereien verlieren konnte, begann der analytisch-reflektierende Teil der Nachbesprechung.
Holoaufnahmen und Analysen wurden gezeigt, ausgewertet und besprochen. Zum Einstieg nahm sich der Commander einen großen Schluck Kaf und fokussierte sich dann auf die Statistiken, Bilder und Hinweise.
Und sah dabei in der Analyse, wie
Gargatosh mit der 'Reconquista' einen wirklich heftigen Zweitkampf mit seinem feindlichen Schwesterschiff führte und wie Skywalker seine Jäger managte und viele weitere Aspekte der Schlacht.
Von der Befehlsführung auf der Brücke, über die Abläufe in den jeweiligen Maschinenräumen bis hin zu strategischen Alternativen und Fehlern.

Natürlich wurde die Schlacht auch aus
Tovis Perspektive heraus betrachtet und Revue passieren lassen.
Er war wieder im Großen und Ganzen stolz auf sich; wenige wirklich strategische Fehler, gutes Reagieren und auch ein Geringhalten der Schäden und Verluste.
Nur bei zwei Momenten kam er ins Grübeln. Zum Einen, als er gefragt wurde, ob sie nicht noch mehr Gefangene und Informationen hätten machen können, wenn er die Nebulon-B-Fregatte der Feinde nicht komplett zerstört hätte. Ja, diese Logik war bestechend und er nickte knapp - war sich persönlich aber sicher, dass er wieder so handeln würde.
Wer die Sicherheit der Galaxis in solch einer systematischen Weise gefährdete, hatte sowieso nur eine Strafe verdient. Und ob diese in einer Schlacht oder durch ein Gericht kam, war dem Kuati zweitrangig.
Und zum Anderen musste er sich eingestehen, dass trotz guter und berechtigter Absichten es nicht die beste Entscheidung gewesen war, seine Jäger zur Unterstützung
Gargatoshs gegen eine feindliche MAR zu senden. Das hätte wesentlich schlimmer enden können - und so entscheidend war in dieser Phase der Schlacht die Jägerhoheit nicht.

Ansonsten war er besonders stolz auf sein Manöver gegen die Frachter und Unterstützungsschiffe der Piraten, die zugunsten der Piraten in die Schlacht eingreifen wollten. Hätte er sie mit der 'Fides' nicht dezimiert und zur Flucht getrieben, hätten sie das Zünglein der Waage zuungunsten der Imperialen wenden können.
Dies bestätigten sowohl die Analysedaten als auch die Einschätzungen der anderen beiden Offiziere.

"Aber nächstes Mal werde ich besser darauf achten, dass wir zum Lohn nicht mit einer Diamant-Bor-Rakete gefüttert werden", witzelte der Commander dieses Szenario abschließend ernst.

Aber auch die anderen beiden Imperialen Offiziere hatten gute und herausragende Leistungen gebracht. Hatten schnell reagiert und improvisiert. Waren diszipliniert und weitsichtig gewesen.
Nach einer oder zwei Stunden musste
Tovi aufstehen. Sein Rücken und seine Beine schmerzten zu sehr. Sitzen wäre in nächster Zeit für ihn wohl nicht mehr das Angenehmste.
Und so verbrachte er mit Erlaubnis den Rest der Besprechung im Stehen und massierte sich ab und an seinen unteren Rücken.

Als sie schließlich zu
Skywalkers Rettung und Eroberung des Carack-Kreuzers kamen, konnte Tovi nun endlich sein Lob und seinen Dank anbringen, ohne übereifrig oder schleimend zu wirken.
"Captain. Vielen Dank nochmal, dass Sie unsere Kameraden mit so schnellem und entschiedenem Handeln gerettet haben. Ich... hätte das in der Hitze des Gefechts vielleicht nicht so schnell parat gehabt. Nun habe ich wieder eine gute Taktik mehr in meinem Reportoire. Wobei das Wichtigste natürlich ist und bleibt, dass unsere Kameraden wieder wohlbehalten zurückgekommen sind."

Damit ging es zu den nächsten Zahlen, Daten und Fakten über. Und während jeder relevante Aspekt der Schlacht analysiert wurde, nahm parallel die Kaf-Menge und die Anzahl der Riegel auf dem Tisch ab. Sie waren wohl alle etwas ausgezehrt und mussten sich geistig fit halten.
Schließlich hatten sie es geschafft: Die Kaf-Kannen waren leer, die Snacks aufgebraucht und sie hatten sich gegenseitig beraten, kritisiert und gestärkt.
Dies war genauso wichtig wie das theoretische und praktische Training. Denn im kameradschaftlichen Austausch unter Schiffskommandanten hatte man den Vorteil: Man war metaphorisch auf demselben Kreuzer, wusste um die Verantwortung über Schiff und Truppe und auch darum, wie schnell Entscheidungen getroffen werden mussten - mit all ihren Konsequenzen.
Und diesem Druck standhalten zu können und gleichzeitig so gut wie möglich (re)agieren zu können, lag vor allem an guten und auch katastrophalen Ideen und Manövern realer Einsätze, die man besprach und sich vor Augen führte.


Tovi nickte nach der Besprechung, als alle drei wieder standen, den andern beiden Männern zu.
"Meine Herren. Danke für diese Nachbesprechung - mir ist einiges klarer geworden." Nach einer kurzen Pause fügte er hinzu: "Wie es aussieht, werde ich wohl noch einige Zeit hier bleiben müssen, bevor meine 'Fides' wieder einigermaßen schlachtbereit weiter kann. Meiner Mannschaft werde ich etwas Planetengang erlauben. Und morgen werde ich unser restliches Sturmtruppen-Kontingent wieder einsammeln - und muss dafür noch den Antrag stellen, dass ich ein größeres Transportschiff nutzen oder bei den planetaren Kräften mit kann.
Aber bis dahin: Darf ich Sie einladen, dass wir heute Abend in einer unserer Offiziersmessen gemeinsam etwas feiern und auf unseren Sieg in lockerer Runde anstoßen?"


[Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine / Schiffswerft im Orbit des Planeten / GSD 'Fides' / Besprechungssaal] - mit Commander Dur Tovi, Captain Thade Skywalker und Lieutenant Commander Baran Gargatosh
 
[ Innerer Rand | Manaan-Sektor | Truuine | Nahe Moraband | Gletscherhöhlen der Gala ] - Kal Andrim, Lucien Velcrest, Telbun Gideon und 2 KDY Leibwächter in der Nähe auf der Suche nach Kal, diverse andere Galabesucher (NSCs)

Kal hörte Luciens Bedenken bezüglich des Rettungsplans mit aller Seelenruhe zu und nickt verständig, als der Arkanier seine Sorgen um seinen Schneider und Anwalt äußerte. Das war wahrlich ein berechtigter Einwand, der nicht unbeachtet bleiben durfte, also bot der Kuati nur zu gerne eine allzu poetische Lösung an, wie man sie in unzähligen mehr oder weniger mittelmäßigen Holovidfilmen fand. “Das Beste wäre ja, wenn Sie Nachrichten für die beiden vorbereiten. Wenn wir uns später die weiteren Aussteller anschauen, finden wir sicher auch jemanden mit Aufzeichnungsgeräten. Gegen ein kleines Entgelt können Sie da sicher zwei Aufnahmen aufzeichnen lassen.”

Er legte Lucien eine Hand auf die Schulter, während er mit der anderen nach vorne deutete, als würde er ihnen beiden ein Bild der Aufzeichnung malen wollen. “Ich sehe es schon vor mir, ‘Lieber Freund, wenn du diese Nachricht erhältst, habe ich dieses Leben bereits hinter mich gelassen und befinde mich an einem besseren Ort. Ich hinterlasse dir meine private Schwertsammlung und bitte dich, meine Gemälde zu versteigern und an ein Waisenhaus zu spenden. Oh und sorge bitte dafür, dass die Bild- und Videodaten auf den Datenchips unter meinem Kopfkissen unwiederbringlich zerstört werden, bevor meine Eltern an sie herankommen. Erledige das bitte zuerst!’” Der Gedanke allein brachte Kal zum Lachen, dann ließ er es aber auch gut sein, um den Bogen nicht zu überspannen.

Luciens Essensplan war ohnehin viel interessanter. “Eine wirklich hervorragende Idee, wir sollten eine Kleinigkeit von jedem der ausgewählten Essensangebote testen.” Das hatte auch den schönen Nebeneffekt, dass Telbun Gideon weiterhin nicht so wirklich zur Ruhe würde kommen können und der Kuati hatte noch nicht den Gedanken aufgegeben, den Mann ein wenig leiden zu lassen. Der Plan kam dann aber doch recht schnell an seine natürlichen Grenzen. “Ich sehe, Ihr Schwager hat weder Kosten noch Mühen gescheut, um eine möglichst breite Angebotspalette zu präsentieren.” Kal blickte durchaus beeindruckt über die unzähligen Essensstände. “Hier scheinen sich Köche aus 30 oder mehr Sektoren des Imperiums eingefunden zu haben.” Etwas hilflos blickte der Kuati also zu seinem Begleiter herüber. “Können Sie etwas empfehlen? Oder probieren wir einfach etwas von jedem dritten Stand?” Kal ließ Lucien gerne den Vortritt.

Die gleiche Herangehensweise wählte der Kuati dann auch für den Moment, als beide Männer ihren Appetit gestillt hatten.
“Einiges interessante also. Nun, dann bin ich gespannt, was Lucien Velcrest interessant findet und was ihn eher langweilt. Gehen Sie vor, ich werde Ihnen folgen und mir ein stilles Urteil über Ihren Geschmack erlauben.” Kal hob und senkte bei diesen Worten mehrmals verheißungsvoll die Augenbrauen und schenkte Lucien anschließend einen Halblächeln, das gleichzeitig ein schonungsloses und vielleicht auch grausames Urteil ankündigte. Dabei entging dem Arkanier vielleicht auch der Schalk in den Augen des Kuati, der heute tatsächlich so gar keine Ansprüche erhob, die irgendwie enttäuscht werden konnten. Natürlich stand Kal auch nicht darüber, sich von Lucien überraschen zu lassen.

[ Innerer Rand | Manaan-Sektor | Truuine | Nahe Moraband | Gletscherhöhlen der Gala | Exklusiver Gastronomischer Salon ] - Kal Andrim, Lucien Velcrest, Telbun Gideon und 2 KDY Leibwächter in der Nähe auf der Suche nach Kal, diverse andere Galabesucher (NSCs)
 
[ Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Truuine / Nordpolarkreis / Nahe Moraband / Galagelände / Ausstellerbereich ] Ridley, Theranos und Kael, sowie (NPCs) Galagäste

Die Überraschung war offensichtlich gelungen.

Ridley lächelte, als Sektoradjutant Zesh sich fast schon überschwänglich freute hen persönlich zu begrüßen und hem dann zur Ausführung der Gala gratulierte. Das Wörtchen ‚bescheiden‘ passte für ihn ganz und gar nicht darauf, was man den Gästen bot. Eröffnung, Austragungsort und Ridleys Rede hatten ihn äußerst beeindruckt.

Sein Gesprächspartner stellte sich auf Ridleys Begrüßung hin als Second Lieutenant Reed vor und stimmte zu, dass Truuine hier wirklich etwas auf die Beine gestellt hatte. Der Gouverneursperson kam der Name Reed für einen Moment vage bekannt vor…bis hen sich daran erinnerte, ihn gestern im Zusammenhang mit der spontanen Versammlung in der Bar gehört zu haben.

Also eine Person, die wichtig genug gewesen war, um in diesem Kontext erwähnt zu werden.


„Ich danke Ihnen beiden für die Blumen. Ich werde Ihr Lob an mein Team weitergeben, dem zweifelsohne der Löwenanteil der Lorbeeren gebührt…“, hen lächelte verschmitzt und schaute sich demonstrativ um. An Theranos gewandt fügte hen hinzu: „Ich bin mir sicher wir finden noch Gelegenheit unser Kunstverständnis über ein Glas Wein zu diskutieren. Das stelle ich mir wie einen angenehmen Nachmittag vor.“

Für einen Moment lenkte Zesh ebenfalls das Thema auf ihre erste – virtuelle – Begegnung. Ridley hatte ihm zur Ernennung zum Gouverneur gratuliert und die Hoffnung ausgesprochen näher zusammenzuarbeiten. Dieser Tage hatte sich aus diesem Wunsch schon einiges entwickelt. Ridley nickte mit einem Lachen.

„In dem Fall werde ich mein Büro anweisen Ihnen unverzüglich zwei weitere Flaschen zukommen zu lassen“
, antwortete hen, sich auf den Kommentar zu hens Geschenk beziehend. „Ich verstehe den Reflex es für einen besonderen Moment aufzubewahren, jedoch ist es mir natürlich ebenfalls wichtig, dass Sie auf Truuines Geschmack kommen. Und ein weiterer Anlass scheint sich ja auch ergeben zu haben! Meine herzlichen Glückwünsche zu Ihrer Beförderung zum Sektoradjutanten. Sie scheinen wirklich ein aufsteigender Stern am imperialen Verwalterhimmel zu sein.“

Auf Ridleys Fragen nach dem Stand war Reed es, der als erstes antwortete. Zesh schien für einen Moment abgelenkt zu sein und führte ein kurzes Zwiegespräch mit seinen Mitarbeitern. Höflich wandte hen sich also dem Chiss zu, der angab in Sachen Wein familiär vorbelastet zu sein. Interessiert schaute Ridley von einem zum anderen.

„Ich verstehe. Dann hoffe ich doch besonders, dass das Gespräch für Sie besonders fruchtbar war.“

Die Antwort, wer dieser Lieutenant Reed genau war, lieferte dann Theranos einen Moment später. Auf hens allgemein gehaltene Frage nach den bisherigen Standbesuchern, stellte er Reed als Vertreter von Imperial Spirits Incorporated vor, der sich die Zeit genommen hatte die angebotenen Produkte seiner Fachkritik zu unterziehen. Ridley nickte nachdenklich. Der Firmenname sagte hem schon umso mehr und erhärtete das Bild, dass Reed kein gewöhnlicher Soldat war, sondern vielmehr ein Spross aus exzellentem Hause.

Die Abzeichen an seiner Brust stellten jedoch auch klar, dass seine Verdienste nicht nur auf seinen Familiennamen zurückgehen konnten.

Auf Ridleys Frage nach dem Sortiment, holte Zesh nun etwas umfangreicher aus. Höflich nickend und an den richtigen Stellen Zustimmung oder Verwunderung signalisierend, lauschte Ridley der Erläuterung des Sortiments. Hen mochte gerne das ein oder andere Weinchen trinken, wenn es hens Terminplan zuließ, konnte jedoch bei weitem kein Expertenwissen aufweisen. Dennoch schätzte die Gouverneursperson, dass hen gut zwei Drittel des Gesagten verstand.

Nachdem Zesh schließlich geendet hatte, sagte hen:
„Ich glaube, für den Moment lacht mich Ihr Rosa Aurea am ehesten an. Ich würde mich aber natürlich sehr freuen, auch den Rest Ihres Sortiments zu kosten.“ Kurz überlegte Ridley, dann fügte hen hinzu: „Wissen Sie, wenn wir schon über Wein fachsimpeln, sollte ich sicherlich die Gelegenheit nutzen Ihnen auch noch ein bisschen mehr von Truuines Kultur näherzubringen.“ Mit einer Handbewegung winkte Ridley ein nicht so wichtig aussehendes Mitglied von Zeshs Stand zu sich heran. „Hallo, mein Herr. Bitte seien Sie doch so gut und laufen zum Stand ‚Truuines Fruchtkorb‘ dort drüben und holen Sie zwei Gläser Blauwein. Sagen Sie Mister Sasori gerne, dass ich Sie schicke. Er wird schon das richtige auswählen.“

Die kurze Lücke im Gespräch zwischen den Politikern nutzte Reed nun, um sich zu verabschieden. Er dankte Zesh für die Verkostung und das Gespräch, und kündigte an, sich dessen Anlagen auch gerne persönlich ansehen zu wollen. Auch Ridley gegenüber verabschiedete er sich mit warmen Worten.

„Es war sehr schön Sie kennenzulernen, 2nd Lieutenant Reed, wenn unser Gespräch auch bedauernswert kurz war. Ich bin mir sicher, dass wir nicht zum letzten Mal die Gelegenheit hatten einander zu treffen“, gab Ridley höflich zurück. Zesh formulierte seine eigenen Abschiedsworte und einen Moment später waren sie nur noch zu zweit.

Mit einem Lachen versprach der Sektoradjutant Ridley nicht mit einer zu ausführlichen weiteren Abhandlung über das Weingeschäft langweilen zu wollen. Ridley antwortete mit einem eigenen Lachen. Nach der Erfahrung während des Gesprächs mit den Moffs, war es hem eigentlich ganz recht für einen Moment nicht zu sehr an Politik zu denken. Dies schien auch die Intention des Sektoradjutanten zu sein, denn einerseits sprach er zwar Synergien wie Projekt NEREUS und die Alani Inc. Schiffsfabrik an, versprach jedoch daraus keinen allzu detaillierten wirtschaftlichen Diskurs machen zu wollen.


„Vielleicht sollten wir uns zu diesem Thema heute Nachmittag im privateren Rahmen noch einmal austauschen“, antwortete Ridley, die schmerzhafte Lektion von vorhin im Hinterkopf. „Vielleicht ist es besser die Gelegenheit jetzt mit etwas Praktischem zu nutzen. Sie boten an, dass ich mich ein bisschen durch Ihr Sortiment probieren könnte?“, fragte hen und verbrachte so die nächsten Minuten mit der äußerst kurzweiligen Beschäftigung einen Schluck zu kosten, wieder auszuspucken und Zesh ein laienhaftes Urteil auszusprechen. Wie erwartet schmeckte hem der Rosé am besten, von dem hen sich schließlich ein ganzes Glas füllen ließ, das hen auch wirklich zu trinken beabsichtigte.

Wie aufs Stichwort kam in diesem Moment der Bedienstete wieder, den Ridley zum Stand von Truuines Fruchtkorb geschickt hatte, in der Hand eine durchdringend blaues Weinfläschchen und zwei aufwändig gearbeitete Weingläser, die in Form und Tönung an Meerestiere erinnerten.


„Ah, jetzt bin ich dran Ihnen etwas anzupreisen“, sagte Ridley mit einem fast schon jungenhaften Grinsen. Hen warf einen Blick auf das Etikett. Mister Sasori hatte den Auftrag genau verstanden und eine exzellente Flasche herübergeschickt. „Dies ist Blauwein von Manaan. Wir stellen ihn inzwischen auch auf Truuine her, aber Manaan hat einfach die älteren Reben und wird uns daher noch auf absehbare Zeit einiges voraushaben. Verarbeitet werden die Reben einer lokalen Seetangart, die dem Wein sowohl seine Färbung als auch einen leichten salzigen Geschmack verleihen. Der Inhalt dieser Flasche wurde anschließend etwa zweihundertfünfzig Jahre am Manaaner Meeresboden unter höchstem Druck reifen lassen. Ein wirkliches Traditionsprodukt, wenn Sie so wollen.“

Mit geschickten Bewegungen öffnete Ridley den kleinen Behälter und verteilte den Inhalt auf die beiden Gläser, sie sich zu kaum einem Viertel füllten.

Währenddessen hatte sich das Gespräch ein weiteres Mal der Gala zugewandt. Zesh äußerte die Hoffnung, dass Ridley trotz allem auch noch die Gelegenheit haben würde die Gala selbst zu genießen.


„Davon gehe ich aus…auch wenn dies vermutlich im Rahmen meiner Gesprächsrunden passieren wird. Es sind einfach zu viele wichtige Persönlichkeiten hier, um viel Zeit für mich selbst aufwenden zu können. Jedoch lassen sich gewisse Interaktionen sicherlich parallel zum Genießen der Show organisieren“, gab Ridley zurück. Hätte hen die Wahl, würde hen jedoch auf jeden Fall eine weitere Runde Meditation priorisieren. Bereits jetzt spürte hen den Tag in den Knochen und es war grade einmal die Mittagszeit vorbei. Es wurde wirklich Zeit, dass endlich wieder ein bisschen Ruhe auf Truuine einkehrte.

„Aber, Sektoradjutant, erzählen Sie mir doch von Ihrem neuen Amt. Wenn ich richtig gelesen habe, sind Sie für das Ressort Wirtschaft zuständig? Haben Sie dafür Ihren Hauptsitz noch immer auf Prefsbelt IV, oder mussten Sie umziehen? Wenn ich kann, will ich heute auf jeden Fall auch noch mit Ihrem Nachfolger sprechen. Ein äußerst interessanter Zeitgenosse, alleine schon seiner Akte nach…“


[ Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Truuine / Nordpolarkreis / Nahe Moraband / Galagelände / Ausstellerbereich ] Ridley und Theranos, sowie (NPCs) Galagäste
 
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