Weltraum (Neutral)

[Hyperraum in Richtung Mando-Raum / SY-Condor-Yacht „Seastar“ / Sitzecke beim Cockpit] Dr. Ralena Anne Moore, C-06 „Mira“, Samin, Dany, Jake Relis und Sana; Naeva und die anderen Kinder im Aufenthaltsraum

Moore ließ Samins Einwand stehen.

Sie kannte das Imperium gut genug, um zu wissen, wie zuverlässig sich Staatsverbrechen hinter Zuständigkeiten, Befehlen, Notwendigkeiten und genügend bürokratischer Entfernung auflösen ließen, bis diejenigen innerhalb des Systems etwas vollkommen anderes darin sahen als jene, die von außen darauf blickten oder deren Sicherheitsfreigabe hoch genug war und deren Loyalität gefestigt genug das sie die Wahrheit kannte und ihnen diese schlicht und ergreifend egal war. Samin war darin aufgewachsen und hatte darin gedient. So etwas aufzubrechen dauerte und es war nicht an der Sephi die ehemalige Elitesoldatin zu belehren oder zu überzeugen.

Erst Sanas Frage ließ ihren Blick von den Karten auf die Dreizehnjährige wandern. Sana hatte einen vermeintlichen Widerspruch erkannt und danach gefragt, eine Frage die auch verlangte mit derselben Ernsthaftigkeit beantwortet zu werden mit der die Minderjährige sie gestellt hatte.


„Weil sie mir Möglichkeiten gibt. Ressourcen, Einfluss und vor allem den Freiraum, Dinge zu tun, bei denen andere sehr gern für mich entscheiden würden, welche Grenzen ich zu akzeptieren habe.“

Moore zog eine neue Karte.

„Das bedeutet nicht, dass ich deshalb alles gutheißen muss, was jemand unter derselben Flagge tut wie ich bereits sagte. Teil von etwas Größerem zu sein bedeutet auch, Verantwortung für das zu übernehmen, was ich selbst daraus mache und ebenso für die Menschen, auf die meine Entscheidungen Auswirkungen haben.“

Ihre Finger ordneten die Karte zwischen die übrigen.

„Niemand ist perfekt und kaum jemand ist nur gut oder böse. Die meisten versuchen einfach mit dem begrenzten Wissen, das sie haben, das aus ihrer Sicht Richtige zu tun. So ist nun einmal die Galaxis und in gewisser Weise bedeutet Erwachsensein auch, sich dessen bewusst zu sein und manchmal über den eigenen Tellerrand zu schauen.“

Dany nahm die Partie inzwischen mit einer Verbissenheit, die Moore durchaus amüsierte. Je weniger das Spiel der Mandalorianerin entgegenkam, desto persönlicher schien sie dessen Entscheidungen zu nehmen, während Mira auf der gegenüberliegenden Seite mit ungebrochener Ernsthaftigkeit an ihrer eigenen Vorstellung davon arbeitete, wie Corellian Spike gefälligst zu funktionieren hatte.

Als Dany schließlich alles in die Mitte schob, hob Moore kurz den Blick. Mira ging mit. Die Karten wechselten, wurden neu geordnet und schließlich offengelegt, bis Dany ihr Squadron vor sich liegen hatte und damit ziemlich gründlich alles zerlegte, was Mira bis dahin für den Verlauf dieser Partie berechnet hatte.

Dann traf Sie die Wut. Diese kam ohne Vorwarnung durch die Verbindung, roh genug, dass sich die Finger der Sephi unwillkürlich etwas fester um das eigene Blatt schlossen. Frustration, verletzter Ehrgeiz und blanke Empörung darüber, dass die Realität sich trotz aller Vorbereitung schlicht nicht an Miras Berechnungen gehalten hatte.

C-06 war bereits auf den Beinen. Der Stuhl schob sich hart hinter ihr zurück und beide gepanzerten Hände griffen an den Rand des Tisches. Vermutlich wollte Mira ihn lediglich umwerfen, nur dachte sie in diesem Augenblick nicht daran, wie viel Kraft ihre volle Kampfmontur aus einem wütenden Manöver herauszuholen vermochte. Ihre Inhibitoren wurden durch die Rüstung immerhin noch weiter vermindert. Der Tisch war leider im Boden verankert. Das Metall kreischte. Die ersten Schrauben rissen aus der Bodenplatte, eine der Befestigungen gab mit einem trockenen Knacken nach und im nächsten Augenblick kam der gesamte Tisch schräg nach oben. Karten, Würfel und Chips lösten sich von seiner Oberfläche und verteilten sich zwischen den Sitzen, noch bevor Mira ihn vollständig herumriss.


„FUCK! Was ein Scheißspiel!“

Die Platte schlug mit der Oberseite auf dem Boden auf. Ein Bolzen sprang über die Deckplatten und verschwand unter einem der Sitze. Ihre Tochter stand zwischen den verstreuten Karten, beide Hände zu Fäusten geschlossen und der ganze gepanzerte Körper noch von derselben Wut gespannt, die eben durch ihre Verbindung geschlagen war.

Dann drehte sie sich um. Der vertraute Datenstrom zwischen ihnen zog sich fast ebenso abrupt zurück wie Miras Beherrschung. Ihre Tochter zog die Verbindung so weit zu, wie sie konnte, und marschierte in voller Rüstung aus der Sitzecke, den Gang hinunter und in eines der Quartiere.

Das Schott schloss sich hinter ihr.

Dass Mira Dinge wusste und verstand, für die ihr die emotionale Erfahrung noch fehlte, war längst nichts Neues. Neu war, wie viel Schaden ein so banaler Wutanfall anrichten konnte, wenn Mira ihm in voller Montur folgte, ohne sich Gedanken um ihre eigene Integration in eine gewisse Tarnidentität zu machen. Ihr Blick wanderte über den umgedrehten Tisch, die verstreuten Karten und die die herausgerissenen Befestigungen und anschließend durch die Runde. Sie atmete langsam durch die Nase aus.


„Nun... ich denke, es gibt Erklärungsbedarf.“

[Hyperraum in Richtung Mando-Raum / SY-Condor-Yacht „Seastar“ / Sitzecke beim Cockpit] Dr. Ralena Anne Moore, Samin, Dany, Jake Relis und Sana; C-06 „Mira“ in einem der Quartiere, Naeva und die anderen Kinder im Aufenthaltsraum
 
[Hyperraum in Richtung Mando-Raum / SY-Condor-Yacht „Seastar“ / Sitzecke beim Cockpit] Sana, Samin, Dany, Moore, Mira und Jake; Naeva und die anderen Kinder im Aufenthaltsraum

Dass Samin ihre Frage mit einem Ja beantwortete, überraschte Sana nicht mehr wirklich. Seit ihr klar geworden war, was es bedeutete, wenn ihre Mutter im Raumkampf besser gewesen war als der Pilot im anderen Jäger, hatte sie die Antwort ohnehin geahnt, nur klang sie aus Samins Mund anders, während die Chiss weitersprach und Sanas Karten beinahe unbewegt zwischen ihren Fingern blieben. Samin bezeichnete sich nicht als Killerin, sondern als Soldatin. Sie hatte andere Soldaten bekämpft, Menschen, die ihr dasselbe angetan hätten, wenn sie die Gelegenheit dazu bekommen hätten, und niemand sei gestorben, weil Samin Spaß daran gehabt oder es einfach gewollt habe. Irgendwann kam sie dabei auf den Sith-Bürgerkrieg, die Verräter und Bastion.

Ob sie hätte zulassen sollen, dass Bastion zerstört wurde. Sana zog die Stirn zusammen.


„Natürlich nicht.“

Bastion war ihr Zuhause gewesen. Dort waren das Heim, Naeva und die anderen gewesen.

„Aber ...“

Weiter kam sie nicht. Samin erwähnte noch den Eisernen Bund, doch Sana kannte davon kaum mehr als den Namen und ließ ihn an sich vorbeiziehen. Viel mehr blieb an dem hängen, was ihre Mutter über die Menschen sagte, die durch ihren Jäger gestorben waren. Sie hätten gewusst, worauf sie sich einließen, und Samin genauso getötet, wenn sie gekonnt hätten. Tot waren sie trotzdem.

Sana sah sie einen Moment lang an.


„Also ist es okay, andere zu töten, wenn alle wissen, worauf sie sich einlassen?“

Auch die Frage nach Bakura war damit noch nicht beantwortet. Samin erinnerte sie an ihr Versprechen zurückzukommen. Sie verschwieg nicht, dass der Einsatz gefährlich war, sagte aber mit einer Sicherheit, die Sana gerade nicht aufbringen konnte, dass sie wiederkommen würde. Sana senkte den Blick auf ihre Karten. Ein Versprechen machte Bakura nicht ungefährlicher, und trotzdem wollte sie Samin glauben.

Ihre Mutter erklärte weiter, dass sie gerade deshalb ging, damit Sana und die anderen endlich irgendwo sicher leben konnten. Danach, sagte Samin, könne sie bei Sana bleiben und Sana bei ihr. Sana hob den Blick und hielt ihren einen Moment lang fest. Eine Antwort fand sie nicht.

Dass Dany auf Samin aufpassen würde, war leichter zu glauben. Die Mandalorianerin saß direkt am Tisch, groß, erhaben und inzwischen vertraut genug, dass Sana wenigstens wusste, wie wenig ratsam es war, sich mit ihr anzulegen. Samin schloss deshalb mit dem Hinweis, Dany würde sie schließlich beschützen und was dabei schon schiefgehen sollte. Bevor Dany darauf reagieren konnte, wandte Moore sich Sana zu.

Ihre Frage war offenbar nicht vergessen worden. Warum jemand freiwillig bei einer Organisation blieb, von der er selbst sagte, dass dort Dinge geschahen, die er widerwärtig fand. Moores Antwort fiel ruhiger aus, als Sana nach Samins Reaktion auf den Namen Black Sun erwartet hatte. Die Organisation gab ihr Möglichkeiten, erklärte sie, Ressourcen, Einfluss und vor allem Freiraum. Dinge, mit denen Moore selbst entscheiden konnte, was sie tat und welche Grenzen sie akzeptierte, statt diese Entscheidungen anderen zu überlassen. Dass sie deshalb alles gutheißen musste, was andere unter derselben Flagge taten, verneinte sie.

Geld verstand sie. Einfluss ungefähr auch, und dass Moore nicht besonders gern andere Leute darüber entscheiden ließ, was sie tun durfte, klang total vernünftig, sowas wollte ja niemand. Bei der Black Sun bekam sie offenbar all das und Möglichkeiten dazu, Dinge zu tun, die ihr anderswo vielleicht verwehrt geblieben wären. Weshalb ausgerechnet diese Organisation dafür nötig war, verstand Sana trotzdem nicht ganz.

Als Moore anschließend davon sprach, dass Menschen kaum je nur gut oder böse waren und mit dem Wissen, das sie besaßen, meistens das taten, was ihnen selbst richtig erschien, verlor Sana irgendwann den Faden. Die einzelnen Sätze ergaben Sinn, nur wurde daraus keine Antwort die sich in ihrem Kopf zu etwas sinnvollem sortierte. Sie schob zwei Karten gegeneinander und bemerkte erst danach, dass sie damit eine verdeckt hatte, deren Wert sie noch hatte ansehen wollen.

Dany war inzwischen offenbar an einem ganz anderen Punkt angelangt. Als Samin ihre Beschützerrolle erwähnt hatte, hob die Mandalorianerin den Blick von ihrem kümmerlichen Chipstapel.


„Wenn das so weitergeht, muss euch bald jemand vor mir beschützen.“

Einer von Sanas Mundwinkeln hob sich kurz. Dann schob Dany alles in die Mitte.

Wenig später lagen die Karten offen und erst nach einem zweiten Blick begriff Sana, dass Dany ausgerechnet jetzt ein Squadron erwischt hatte. Ein ansehnlicher Stapel Chips wanderte zurück auf ihre Seite und Sana sah erst auf den Gewinn, dann zu der Mandalorianerin und lächelte offen. Nach all dem Fluchen über ihre Karten gönnte sie ihr den Sieg tatsächlich.

Dany schob die Chips zusammen und stellte mit sichtlicher Zufriedenheit fest, dass die natürliche Ordnung wiederhergestellt sei. Jake sah über den Tisch.


„Schauen wir mal wie lange.“

Sana wollte gerade ihre eigenen Karten wieder aufnehmen, als sich unmittelbar neben ihr ein Stuhl hart nach hinten schob. Sie zuckte zusammen und drehte den Kopf. Mira war aufgestanden und hatte beide gepanzerten Hände an den Tischrand gelegt.

Dann zog sie.

Der Tisch bewegte sich.

Sana starrte auf die Beine, die nicht einfach auf dem Boden standen, sondern darin verschwanden. Während der ganzen Partie hatte sie keinen Gedanken daran verschwendet, ob man dieses Ding überhaupt verrücken konnte.

Metall begann zu kreischen.

Sana riss den Oberkörper zurück, als eine Befestigung aus der Bodenplatte brach und gleich darauf eine zweite nachgab. Die Tischplatte kam schräg hoch, Karten rutschten davon, Chips sprangen in alle Richtungen und einer der Würfel flog zwischen zwei Sitzen hindurch, während Sana reflexartig einen Arm vor das Gesicht zog und mit der anderen Hand nach der Lehne griff. Mira riss den Tisch vollständig aus seiner Verankerung.


„FUCK! Was ein Scheißspiel!“

Die Platte krachte mit der Oberseite auf den Boden und Sana zuckte so heftig zusammen, dass ihr Rücken gegen den Sitz stieß. Ein Bolzen sprang über die Deckplatten und verschwand irgendwo unter ihnen, Karten lagen zwischen Stühlen und Beinen verstreut und Mira stand mitten darin, beide Hände zu Fäusten geschlossen. Langsam nahm Sana den Arm vom Gesicht.

Ihr Blick blieb an Miras Händen hängen.

Dieselben Hände hatten Naevas Fuß gehalten, während sie die Schiene angelegt hatte. Sana zog die eigenen Hände näher an den Körper. Mira drehte sich um, ging ohne ein weiteres Wort den Gang hinunter und verschwand hinter einem der Quartiersschotts, während Sana sitzen blieb und ihr nachsah, bis sich die Tür geschlossen hatte.

Vor ihr lagen Karten und Chips über den Boden verteilt. Dort, wo eben noch der Tisch gestanden hatte, ragten herausgerissene Befestigungen aus der Bodenplatte und irgendwo unter einem der Sitze lag noch der Bolzen, den niemand eingesammelt hatte. Moore sah dem geschlossenen Schott nach und anschließend über das Chaos.


„Nun ... ich denke, es gibt Erklärungsbedarf.“

Sanas Blick blieb zunächst an einem der leeren Schraublöcher hängen und wanderte schließlich zu dem geschlossenen Quartiersschott, hinter dem Mira verschwunden war.

[Hyperraum in Richtung Mando-Raum / SY-Condor-Yacht „Seastar“ / Sitzecke beim Cockpit] Sana, Samin, Dany, Moore und Jake; C-06 „Mira“ in einem der Quartiere, Naeva und die anderen Kinder im Aufenthaltsraum
 
// Hyperraum Richtung Mando-Raum // SY-Condor-Yacht „Seastar“ // Sitzecke beim Cockpit // Dany, Samin, Sana, Jake, Moore und Mira //

Jake hatte schon heftigere Wutausbrüche erlebt, immerhin gab es keine rauchenden Blasterlöcher, Leichen oder ausgerissene Arme. Trotzdem war er mehr als überrascht, hatte sich instinktiv vor Sana breiter gemacht, um sie zu beschützen, und dabei ungläubig zugesehen, wie Mira einem wütenden Wookie gleich den Tisch demontierte und das Spiel zu einem unrühmlichen Ende führte, um dann wortlos abzudampfen. Jake schaute ihr nach, dann zu den anderen. Moore bot an, irgendwas zu erklären. Nur um Miras Gemütslage schien sich niemand direkt kümmern zu wollen.

„Ich gehe mal nach ihr schauen“, verkündete der Blondschopf nachdenklich, erhob sich und verließ das Cockpit, schloss das Schott hinter sich und folgte dem Gang zu dem Quartier, in dem noch immer seine Sachen lagerten. Das Schott war zu, zu seiner Überraschung aber nicht verschlossen und glitt auf. Mira stand mit dem Rücken zu ihm, ihr Blick war auf das Panoramafenster gerichtet. Sie wirkte wie eine Statue, regungslos, anteilnahmslos. So ganz anders als noch vor einer Minute.

„Hey.“ Jake klopfte sachte an den Rahmen. „Ich würde ja fragen, ob bei dir alles in Ordnung ist, aber das sah nicht so aus.“ Seine Stimme war gutmütig und besorgt, nicht wegen des Kraftakts, sondern wegen der jungen Frau dahinter. So ein Ausraster konnte nicht gut für ihre Gemütslage sein.

„Wenn du darüber reden willst, was das ausgelöst hat, bin ich hier. Mit zwei Ohren. Nur für dich.“

Ein ehrliches Angebot, Jake sah niemanden gerne leiden. Er trat ein, machte dann einen Schritt zur Seite, lehnte sich lässig an die Bordwand und schloss das Schott wieder.

„Wenn du nicht reden willst, ist das auch okay, dann rede ich einfach so lange. Ich denke nur, dass es vielleicht nicht gut wäre, mit der Wut allein zu sein. Mir hilft es oft, über meine Gefühle zu reden, dann bekommen sie irgendwie eine greifbare Wirklichkeit, statt dass sie mich von innen heraus auffressen. Ist vielleicht der Grund, warum ich anscheinend ununterbrochen rede oder meine Hände immer was zu tun brauchen.“

Aber er war wegen Mira hier und versuchte ihr auf seine Art lediglich zu vermitteln, dass Gefühle schwierig sein konnten.

„Ich wollte mich sowieso entschuldigen. Du weißt schon, dafür, dass ich mich gewundert habe, warum ihr euch äußerlich so sehr gleicht. Die Klon-Sache. Ich wollte dich ganz bestimmt nicht beleidigen oder irgendwie geringschätzen. Ich konnte es mir im ersten Moment einfach nicht anders erklären und habe eine Vermutung geäußert. Die war offensichtlich falsch, aber eigentlich ist es unwichtig: Du bist deine eigene Person mit ganz eigenen Fertigkeiten, Zielen, Wünschen, Emotionen und Problemen.“

Seine Augen wanderten über den Boden hin zur Werkzeugkiste, danach zu seiner Blasterpistole, die noch immer auf dem Bett lag. Vielleicht hätte er die lieber einsammeln sollen, immerhin waren Kinder an Bord des Schiffes, die frei herumlaufen und damit Dinge anstellen konnten. Dann glitt sein Blick wieder zu Mira.

„Gab mal ’ne Zeit, da habe ich alles in mich reingefressen. Da war ich oft wütend, ging alles rein ins Wutfass, und irgendwann ist es übergelaufen und ich habe Hals über Kopf ein paar Dinge getan, die ich vielleicht lieber nicht getan hätte.“ Aber das sollte jetzt hier kein Best of Jake Relis Fehltritten werden.

„Und auch so Kleinigkeiten, die mich sonst nie gestört hätten, haben mich zu dem Zeitpunkt übermäßig gereizt und aus der Bahn geworfen. Manchmal hätte man einfach gerne mehr Kontrolle über sein Leben, und dann kommt wieder was Unvorhergesehenes und zerstört einem alle Pläne. Wie wenn jemand auf einmal mit ’nem Squadron das eigene Spiel ruiniert. Wenn du weißt, was ich meine?“

Es war nicht gerade subtil, aber seine Anteilnahme kam von Herzen.

„Je fester man manche Dinge hält oder will, desto mehr scheinen sie einem wie feinster Sand durch die Finger zu rinnen.“, sinnierte er ruhig aus seiner Lebenserfahrung heraus.

„Ich hab Option drei ganz vergessen gehabt. Wenn du nicht reden willst und ich nicht reden soll, können wir das auch machen. Dann schweigen wir, aber du musst dabei nicht allein sein.“ Dass sie ihn ganz einfach rausbugsieren könnte, war ihm durchaus klar. Kraft hatte sie. Ob es ihre eigene war oder ob sie ihr durch den Kampfanzug verliehen wurde, konnte er nicht sagen, und es würde an der Konsequenz nichts ändern. „Vielleicht habe ich auch gar keine Ahnung, was du durchmachst, aber wenn du was erzählen willst, kann ich’s vielleicht nachempfinden. Man glaubt es vielleicht nicht auf Anhieb, aber ich bin mehr der sensible, empathische Typ.“

Wut hatte durchaus ihren Platz in der Emotionspalette, aber beim Kartenspiel fand sie eher selten ihren Platz.

„Und falls du generell nicht mit mir hier sein willst, Gonk ist auch ein toller Zuhörer. Hat aber nicht ganz so viel Lebenserfahrung wie ich. Seine Persönlichkeit entwickelt sich immer mehr, Sarkasmus und Ironie hatte er früh raus, so langsam wagt er sich an Humor ran. Er hat da diesen Witz: Ein Mandalorianer, ein Jedi und ein Sith kommen in eine Bar …“


// Hyperraum Richtung Mando-Raum // SY-Condor-Yacht „Seastar“ //Master Suit// Mira & Jake //
 
cf: Weltraum (Imperium)

[ Outer Rim // Koordinatenraster T09 // Eskortträger Absolution // Hangar // Cockpit von Mynock 8 ]
Tyla Le’el; Auren Hardlight und Zarev Korrik in ihren TIEs, übrige Mynocks und NSCs


Mit Hardlights Freigabe löste Tyla die Halterung, wählte die Repulsoren an, schwebte über den Hangarboden und legte den Schubhebel nach vorn. Mit dem unverkennbaren Stottergeräusch der Zwillingsionentriebwerke schoss sie hinter ihrem Rottenführer durch das Hangarfeld. Sie führte ihren Jäger in Position seitlich hinter ihm, nahm dann etwas Leistung zurück und hielt den Abstand. Ihr TIE reagierte so wie er sollte.

„Danke, Öljunge“, raunte sie gedrungen in das Atemgerät ihres Helmes. Vielleicht gönnten sie ihm dann irgendwann doch noch einen richtigen Rufnamen.

Vor ihnen breiteten sich die beeindruckenden Ausläufer des Black-Widow-Nebulas aus. Zwischen unregelmäßigen, magentafarbenen Gasfeldern verschluckten riesige dunkle Bereiche aus Staub das Licht der dahinterliegenden Sterne. Das Monstrum, das durch seine riesigen Nebelarme wie eine Spinne anmutete, war wirklich hübsch anzusehen. Wenn man nicht hineinmusste.

Tyla glich die Darstellung auf ihrem Nav-Display mit dem Suchvektor ab, den ihre Rotte zugewiesen bekommen hatte. Anflugrichtung, Ausgangskoordinate und Suchabschnitt. Das hatte im Bereitschaftsraum alles super übersichtlich ausgesehen. Sie rief die gespeicherten Daten noch einmal auf und kontrollierte ihren Kurs, bevor sie den Blick wieder nach draußen führte. Die Piraten finden, Kontakte Melden und zurückkommen. Besonders den letzten Teil fand sie toll. Annehmbare Missionsparameter.

Während sie sich dem äußeren Dunst des Nebulas annäherten, begannen die Sensoranzeigen schon, ihr auf den Sack zu gehen. Radarkontakte tauchten auf, wurden undeutlich und verschwanden wieder, während ständig die Warnung der gestörten Erfassung ausgeworfen wurde. Tyla verkürzte den Abdeckungsbereich und wartete einen weiteren Durchlauf. Derselbe Mist, nur auf weniger Raum verteilt.


„Ich hab‘ Probleme mit meinen Sensoren. Wird auch nicht besser. Wie siehts bei euch aus?“, fragte sie, nachdem sie das Com auf den Rottenkanal durchschaltete.

Sie beugte ihren behelmten Kopf etwas zur Seite, um den Abstand zu Mynock Sieben visuell abgleichen zu können. Das schien zu passen. Wenigstens konnte sie mit den Augen noch was erkennen. Ihre Finger gaben der Leistungsregelung einen kleinen Impuls, um noch etwas aufzuschließen und nahm den Schub dann erneut zurück. Keine abrupten Lastwechsel. Für den Hinweis war sie ja jedenfalls dankbar.

Mit dem Einflug in die dichteren Schichten des Nebels verblassten die Sterne hinter ihnen. Vorne gab es dafür noch mehr Gas, Staub und deutlich weniger Marks, an denen sie visuell eine Richtung festmachen konnte. Vorne war vorne. Hinten war hinten. Das war es dann aber auch. Tyla wechselte die Nav-Darstellung durch. Der Sollvektor lag parallel zu ihrer errechneten Flugbahn, allerdings änderte sich die angezeigte Abweichung bei der nächsten Aktualisierung deutlich. Sie überprüfte die Werte und runzelte die Stirn. Nicht, dass es jemand sehen konnte. Sie hatten den Kurs gehalten. Ganz bestimmt hatten sie weder eine Kurve geflogen, noch waren sie irgendwie anders zum galaktischen Horizont ausgerichtet. Über den entsprechenden Schalter rief sie die letzte verlässliche Positionsbestimmung auf und verglich sie sowohl mit der aktuellen als auch mit der zu diesem Zeitpunkt berechneten Flugbahn. Damit ließ sich wenigstens nachvollziehen, wo sie ungefähr sein sollten. ‚Ungefähr‘ war allerdings leicht scheiße, wenn es um exakte Navigation ging. Insbesondere, wenn sie einen vorgegebenen Suchvektor hatten, während andere Rotten den ihren einhalten sollten.

Sie schaltete auf den Staffelkanal.


„Mynock Acht an Mynock Eins. Geben Sie uns mal einen Positionsabgleich. Unser Nav liefert widersprüchliche Abweichungen zum vorgegebenen Suchvektor.“

Im Helm knackte es. Ein abgerissener Laut folgte, dann Rauschen. Tyla wartete kurz und wiederholte anschließend die Meldung, versuchte es aber mit der Flugkontrolle der Absolution. Wieder nichts. Na toll. Sie konnte hören, dass irgendwas sendete. Nur eben nicht, was. Sie wechselte zurück in den Rottenkanal.

„Bekommt ihr was rein? Hardlight, mein Sollvektor liegt viel weiter links. Da stimmt was nicht, man.“

Ihr Blick wanderte durch das Sichtfenster. Sich jetzt blind auf das Display verlassen und die Rotte verlieren, wäre eine selten dumme Idee gewesen. Also hielt sie weiter visuellen Kontakt. Der Nachteil war, dass sie Aurens TIE quasi am Arsch klebte. Links neben sich erkannte sie einen Solarflügel vom Öljungen. Sie hatten sich also noch nicht verloren.

Während sie ihre Position hielt, kontrollierte sie abwechselnd den Abstand zur Maschine vor ihr und die Instrumente. Der Temperaturwert ihrer Triebwerke blieb im erträglichen Bereich. Immerhin etwas. Sie hätte zwar gerne gewusst, ob sie sich wenigstens noch in der Nähe ihres vorgesehenen Suchabschnitts befanden, aber vielleicht war das auch ein luxuriöser Wunschgedanke. Sie wusste es nicht. Mit etwas Glück waren sie aber inzwischen im Kreis geflogen und befanden sich auf dem Weg zurück zur Absolution. Das wäre doch mal was!

In diesem Moment flackerte eine neue Sensorrückmeldung auf. Diesmal blieb sie jedoch länger bestehen. Also richtete die Kiffar ihre Aufmerksamkeit darauf, reduzierte den Messbereich erneug und suchte die angezeigte Richtung draußen ab. Erst war da nur ein dunkler Staubstreifen zwischen zwei Gasfeldern. Dann löste sich etwas daraus. Eine Kontur. Knapp dahinter eine zweite.

Ihre Fester schlossen sich fester um die Steuergriffe.


„Kontakte voraus! Zwei Uhr. Sie kreuzen unseren Anflug. Scheiße man, könnt ihr was erkennen?!“

Tyla aktivierte vorsorglich die Waffenbereitschaft, legte einen Finger auf den Abzug und versuchte, einen der Kontakte irgendwie in ihre Zielerfassung zu bekommen. Die Markierung sprang aber nur wild durch den Raum.

„Poodoo!“

Sie nahm etwas Schub zurück, um mehr Zeit zu gewinnen und verfolgte die vorderste Kontur durch eine dünnere Stelle im Dunst.

„Feuerbefehl, Mynock Acht? Abknallen?“

Wie viel Zeit ließ Hardlight sich bitte? Sollten sie warten, bis die Piraten sie rammten oder was? Gerade wollte Tyla auf den Befehl ihres Rottenführers scheißen – sie hatte den Abzug schon leicht eingedrückt -, da erkannte sie zwei senkrechte, parallele Flächen. Dazwischen eine Kugel. Ach, komm schon!

„TIEs! Das sind TIEs!“

Sie nahm sofort den Daumen vom Auslöser, ließ die Waffen aber bereit. Höchswahrscheinlich hatte sich irgendeine andere Rotte genauso beschissen verflogen wie sie selbst. Nur wusste sie nicht, ob die anderen das auch schon begriffen hatten.

[ Outer Rim // Koordinatenraster T09 // Black-Widow-Nebula // abseits des zugewiesenen Suchvektors // Cockpit von Mynock 8 ]
 
| Hyperraum in Richtung Mando-Raum | Seastar | Sitzecke beim Cockpit |
Samin, Dany, Moore, Mira, Sana, Jake, Gonk und die anderen Kinder


Dass Sana auf ihre Frage so selbstverständlich mit Nein antwortete, erleichterte Samin. Natürlich hätte sie Bastion nicht diesem Schicksal überlassen können. Allerdings folgte darauf eine weitere Frage, mit der die Chiss nicht gerechnet hatte. Stellten Kinder immer so schwierige Fragen? War es in Ordnung, andere zu töten, solange andere wussten, worauf sie sich einließen?

Samin zog die Augenbrauen zusammen. So hatte sie das nicht gemeint. Oder doch? War es nicht genau das, was es war? Sie dachte einen Moment darüber nach, während sie ihre Karten wieder aufhob und in ihrer Hand neu sortierte. Es war erstaunlich schwierig eine Antwort auf diese Frage zu finden, die das Weltbild einer Dreizehnjährigen nicht zerstörte. Wenn sie sich schon nicht mit der Erklärung zufriedengab, dass Soldaten eben andere Soldaten töteten, was sollte sie ihr dann erwidern?


„Nein, so einfach ist das nicht“, sagte sie schließlich, als sie sich für einen Erklärungsversuch entschieden hatte. „Es kommt darauf an, warum man tötet. Wenn du angegriffen wirst, darfst du dich verteidigen. Und du darfst andere beschützen.“

Sie sah Sana an und überlegte, ob sie das nicht unnötig kompliziert machte, sich selbst sogar in Widersprüche verwickelte. Ein Ja wäre einfacher gewesen. Für sie selbst war die Unterscheidung irgendwie immer natürlich gewesen. Aber sie entsprang auch der Kriegerkaste. Nuruodo, der Chiss’Aria’Prime – Zweig insbesondere, das bedeutete ein Leben für den Krieg. Man hatte sie in einen Klauenjäger gesetzt, kaum dass einen eigenen Gedanken fassen konnte. Bildlich gesprochen. Man hatte ihr nie beigebracht, über jeden einzelnen Gegner ein moralisches Urteil zu fällen. Es hatte Befehle gegeben und eine politische Führung, die entschied, welche Bedrohung bekämpft werden musste. Es war die Aufgabe dieser Führung, über die moralische Frage zu entscheiden. Samin hatte das immer für das richtige gehalten, sich auf der Seite des Rechts gesehen. Sie war ja nicht auf die Imperiale Akademie von Anaxes gewechselt, um Unschuldige zu ermorden. Allerdings war sie zu einer anderen Ansicht gelangt, sobald sie den Namen eines bestimmten Kindes auf einer Rekrutierungsliste des Sith-Ordens entdeckt hatte. Wenn Fyrestone persönlich ihr befohlen hätte, Sana und die anderen Kinder auszuliefern, hätte sie den alten Mann vermutlich eigenhändig erwürgt.

„Ich habe jedenfalls immer geglaubt, für die richtige Sache zu kämpfen“, ergänzte sie, wobei ihre Lippen jedoch leicht zitterten. Warum zitterten sie?

Sie wusste nicht, ob Sana damit mehr anfangen konnte. Sie gestand ihrer Tochter jedoch mehr eigenes Denken und eine eigene Beantwortung der Moralfrage zu, als sie selbst jemals erfahren hatte. Vielleicht würde ihre Tochter irgendwann verstehen, dass es auf manche Fragen einfach keine besonders befriedigenden Antworten gab.

Immerhin lockerte die Stimmung anschließend wieder etwas auf. Dany schien von Samins Versicherung, dass die Mandalorianierin auf sie aufpassen würde, nicht sonderlich überzeugt zu sein. Die Chiss grinste und betrachtete den kümmerlichen Stapel Chis vor ihrer Sitznachbarin.


„Du hast ja weniger Chips als ich“, stellte sie fest. Kaum hatte sie die Bemerkung ausgesprochen, setzte Dany einfach alles. Samin sah erst auf den kleinen Haufen Chips, dann auf die Mandalorianerin und schließlich auf ihre eigenen Karten. Das war aber ein weiter Wurf. Mutig, aber nicht klug. Allein aus dem Spaß an der Freude ging Samin mit und ließ sich Karten zeigen, nur um mit anzusehen, wie Dany tatsächlich mit einem Squadron gewann.

„Gut, jetzt hast du wieder mehr.“

Die natürliche Ordnung schien wiederhergestellt. Es war besser, die Person bei Laune zu halten, die man als Leibwache einplante. Und Dany schien auch direkt besser gelaunt. Anders als jemand anderes, die sich lautstark erhob. Samin blickte auf, zunächst in der Erwartung, dass Mira einfach genug vom Spielen hatte. Doch dann legte sie beide Hände an den Tischrand.

Was hatte sie denn vor? Der Tisch war festgenietet. Dass das wohl nicht viel bedeutete, durfte Samin einen Wimpernschlag später mit eigenen, aufgerissenen Augen sehen. Noch bevor sie realisierte, was eigentlich vor sich ging, gab die erste Befestigung nach. Irgendetwas knackte, Metall wurde verbogen und der gesamte Tisch kippte. Samin sprang mit den Reflexen einer Elite-Pilotin auf, stieß dabei mit dem Oberschenkel gegen die Armlehne und streckte einen Arm in Richtung Sana aus, während Jake das gleiche von der anderen Seite tat. Karten, Chips und Würfel verteilten sich. Dann schlug die Tischplatte mit einem gewaltigen Krachen auf den Boden der Seastar.


„Bist du bescheuert?!“, entfuhr es der Chiss, deren Blick ungläubig zwischen dem zerstörten Tisch und Mira hin und her wanderte. Die junge Frau fluchte, drehte sich um und verschwand im Gang. Samin schaute zunächst, dass mit Sana alles in Ordnung war, dann sah sie der verschwundenen Sephi mit offenem Mund hinterher. Sie war völlig sprachlos. Das war keine gewöhnliche Trotzreaktion gewesen. Mira hatte den schweren Tisch aus dem Boden gerissen, als wäre er aus billigstem Plastoid.

„Hast du was abbekommen?“

Sie betrachtete ihre Tochter von oben bis unten, und griff ihr in die Haare, um sich zu vergewissern, dass sie nicht irgendwo unerkannt verletzt wurde. Sie schien jedoch okay. Dann fiel ihr Blick wieder auf die herausgerissenen Befestigungen. Was, wenn der Tisch in die andere Richtung gekippt wäre? Was, wenn Sana ihre Hände noch auf der Kante gehabt hätte? Oder wenn Mira in ihrem offensichtlich völlig unkontrollierten Wutausbruch nicht den Tisch, sondern einen der Anwesenden gepackt hätte? Die Vorstellung gefiel ihr überhaupt nicht. Und noch weniger gefiel ihr, dass Mira vorher vollkommen normal gewirkt hatte … naja, normal in Relation zu den Umständen, unter denen Samin sie kennengelernt hatte. Jedenfalls nicht gefährlich. Die Chiss wusste nicht viel über Sephi, außer, dass sie lange lebten. Aber, dass sie so stark waren? Davon hätte sie doch gewiss mal gehört!

„Bist du okay, Dany?“, vergewisserte sie sich auch noch.

Während Samin sich aufrichtete, erklärte Jake, dass er mal nach Mira sehen würde. Sie ließ ihn gehen. Wenn irgendjemand mit einem schlecht gelaunten Wesen fertigwerden konnte, indem er es einfach so lange volltextete, bis es freiwillig aufgab, dann war es Jake. Moore selbst schien zumindest erkannt zu haben, dass ihre Tochter gerade etwas getan hatte, das einer Erklärung bedurfte. Samin verschränkte die Arme vor der Brust und betrachtete die andere Sephi. Was war hier los? Seit sie diese Frau kennengelernt hatte, war praktisch jede neue Information eine Überraschung, die dazu geeignet war, die vorherige zu übertreffen.


„Davon können Sie ausgehen!“, blaffte Samin, während sie auf die beschädigte Bodenplatte deutete.

„Ich bin vielleicht nicht diejenige, die Ihnen Erziehungstipps geben sollte. Aber Sabacc scheint nicht das richtige Spiel für Ihre Tochter zu sein, Dr. Moore.“

Samin holte tief Luft, lachte dann aber leicht. War ja nochmal alles gut gegangen. Was für eine absurde Situation.

| Hyperraum in Richtung Mando-Raum | Seastar | Sitzecke beim Cockpit |
Samin, Dany, Moore, Mira, Sana, Jake, Gonk und die anderen Kinder
 
// Hyperraum Richtung Mando-Raum // SY-Condor-Yacht „Seastar“ // Sitzecke beim Cockpit // Dany, Samin, Sana, Jake, Moore und Mira //

Dany war zufrieden, mehr als nur zufrieden sogar. Vor wenigen Augenblicken hatte sie noch mit rot angelaufenen Wangen und einer zunehmend miserablen Laune auf ihre letzten Chips gestarrt und jetzt hatte sie ausgerechnet Mira einen ordentlichen Batzen ihres Vermögens abgenommen. Das musste man erst einmal schaffen. Die natürliche Ordnung war in der Tat wiederhergestellt und Dany genoss diesen Umstand ausgesprochen gründlich. Jakes Bemerkung konnte ihrer Laune natürlich nichts anhaben. Stattdessen zwinkerte sie ihm herausfordernd zu. Vielleicht hatte sich der Wind endlich gedreht und sie nun das Momentum.

Dann schob Mira ihren Stuhl zurück.

Dany sah kurz auf. Zunächst nahm sie an, dass die Silberhaarige einfach genug hatte. Eine etwas dünnhäutige, aber nicht vollkommen unangenehme unverständliche Entscheidung nach einer so peinlichen Niederlage. Als ihre gepanzerten Hände jedoch den Tischrand umfassten und sie plötzlich daran zu reißen begann, brauchte die Mandalorianerin einen Augenblick, um zu begreifen, was zum Shab da gerade passierte.

Sich biegendes Metall kreischte.


“Was zum …?!”

Dany reagierte instinktiv und mit ihren mandalorianischen Reflexen. Mit einem kräftigen Stoß ihrer Beine schob sie sich nach hinten und brachte den Oberkörper aus der unmittelbaren Gefahrenzone, während vor ihr die ersten Befestigungen aus dem Boden brachen. Im nächsten Augenblick flog ihr praktisch der gesamte verdammte Tisch entgegen. Karten, Würfel und Chips verteilten sich in alle Richtungen, ehe die Tischplatte mit einem ohrenbetäubenden Krachen auf den Boden schlug.

Für einen Moment starrte Dany einfach nur auf das Chaos. Das waren ihre verdammten Chips gewesen. Sie hatte doch gerade erst gewonnen!

Während
Samin sich schützend ihrer Tochter zuwandte, stand Dany ebenfalls auf. Mira hatte inzwischen lautstark ihre Meinung über das Kartenspiel kundgetan und stapfte davon. Dany sah ihr ungläubig hinterher. Das durfte doch wohl nicht wahr sein! Erst dieser bescheuerte Flirtversuch auf dem Wheel und jetzt benahm sich die Frau wie ein wild gewordener Rancor, bloß weil sie beim Sabacc verloren hatte.

Jake erklärte unterdessen, nach ihr sehen zu wollen, und verließ die Sitzecke. Oh, natürlich tat er das. Vermutlich würde er die Irre jetzt mit einem seiner endlosen Vorträge wieder beruhigen. Viel Erfolg dabei.

Dann fragte Samin, ob sie in Ordnung sei. Dany sah zu der Chiss hinüber. Für einen kurzen Moment verschwand ihr Ärger. Sie nickte.


“Ja, alles dran"

Ihr Blick wanderte zu Sana.

“Und bei euch beiden?”

Sie trat einen Schritt näher und strich dem Mädchen kurz prüfend durch die Haare, ehe ihre Aufmerksamkeit wieder zu dem umgestürzten Tisch wanderte. Als sie ihren Stuhl aus dem Weg schieben wollte, blieb dessen Gestell an einer der herausgerissenen Bodenbefestigungen hängen. Dany zog etwas kräftiger daran, beugte sich dann hinunter und betrachtete die verbogenen Metallteile.

Das war kein gewöhnlicher Tisch gewesen, den man bei einem Wutanfall mal eben umwarf. Das verdammte Ding war fest im Boden verankert gewesen. Und die verbauten Materialen an Bord der Seastar waren alles andere als minderwertig.

Dany richtete sich langsam wieder auf.


“Hat die das gerade mit den bloßen Händen aus dem Boden gerissen?!”

Sie sah ungläubig zu dem geschlossenen Schott, hinter dem Mira verschwunden war. Selbst mit einer entsprechenden Rüstung war das eine vollkommen absurde Kraftleistung gewesen. Was zum Shab war mit dieser Frau eigentlich los?

Als
Moore schließlich erklärte, dass es wohl Erklärungsbedarf gebe, drehte Dany sich entschieden zu ihr um.

“Und ob es den gibt!”

Sie deutete auf die verstreuten Karten und Chips.

“Ich habe die ganze Zeit verloren und bin ruhig geblieben!”

Dany stemmte die Hände in die Hüften.

“Shab, ihr dummes Geflirte kann ich ja noch wegstecken. Aber mit der in eine imperiale Forschungseinrichtung einbrechen?”

Ihr Blick wanderte noch einmal über den zerstörten Tisch. Vor wenigen Minuten hatte sie sich noch eingeredet, dass sie mit diesem Auftrag endlich ihre Karriere als Kopfgeldjägerin richtig in Schwung bringen konnte. Und jetzt sollte sie mit jemandem zusammenarbeiten, der offenbar nicht einmal ein verdammtes Kartenspiel verlieren konnte, ohne vollkommen die Beherrschung zu verlieren. Und dazu kam... das diese Frau oft bei den Kindern war. Den Gedanken sprach sie gar nicht laut aus.

Dany sah
Moore wieder direkt an. Die Chiss hatte jedenfalls vollkommen recht. Dass sie tatsächlich zu lachen begann.

“Da müssen die Argumente schon gut sein. Verdammt gut!"

Dann fing Samin tatsächlich an zu lachen. Die Mandalorianerin sah zu ihr und legte den Kopf schief. Doch irgendwie war es ansteckend. Ihre Haltung lockerte sich etwas und sie erwischte sich dabei, selbst kurz zu schmunzeln.


“Shab... also für eine halbe Million Credits nehm' ich das in Kauf, schätze ich. Aber Klärungsbedarf besteht trotzdem."

// Hyperraum Richtung Mando-Raum // SY-Condor-Yacht „Seastar“ // Sitzecke beim Cockpit // Dany, Samin, Sana und Moore; Jake und Mira im Quartier //
 
[ Outer Rim – Koordinatenraster T09 – Black-Widow-Nebula – Cockpit von Mynock 7 ]
Auren Hardlight; Tyla Le’el und Zarev Korrik in ihren TIEs


Die Maschine hielt den Kurs. Auren lockerte seinen Griff etwas und nahm eine kleine Korrektur vor, auf die der TIE unmittelbar reagierte. Kein zusätzliches Ziehen, kein Nachregeln. Vor ihnen lagen die Ausläufer des Black-Widow-Nebulas. Magentafarbene Gasfelder zogen sich zwischen dunklen Staubmassen hindurch, deren Umrisse mit zunehmender Nähe immer weniger mit der übersichtlichen Darstellung aus der Besprechung gemeinsam hatten. Auren rief ihren zugewiesenen Suchvektor auf und überprüfte den Anflug. Die zweite und vierte Rotte hatten ihre eigenen Abschnitte. Thorne sollte mit der Führungsrotte den Bereich beim Träger und die Rückwege sichern. Kontakte aufklären, melden und sich dabei nicht unnötig auseinanderziehen lassen. So weit war der Auftrag verständlich gewesen.

Dann begann sein Sensorbild zu flackern. Ein Kontakt erschien seitlich voraus, verschwand und tauchte bei der nächsten Abtastung an einer anderen Stelle wieder auf. Auren verengte den Erfassungsbereich. Keine Verbesserung. Als
Tyla ihre Probleme meldete, war er bereits dabei, die Rückmeldungen mit der letzten brauchbaren Positionsbestimmung zu vergleichen.

"Gleiche Störungen hier. Haltet Sichtkontakt“

...falls möglich. Er reduzierte den Schub etwas. Die Gasfelder schoben sich dichter vor die Sterne, bis ihm draußen zunehmend die Bezugspunkte fehlten. Auf dem Nav-Display wanderte die errechnete Flugbahn seitlich vom Sollvektor weg. Er hatte die Steuerung nicht bewegt.

Was für ein beschissener Ort, um irgendwas oder irgendwen zu suchen.


Le’els Ruf an Thorne blieb ohne verständliche Antwort. Auren wechselte ebenfalls kurz auf den Staffelkanal, hörte Rauschen und einen verstümmelten Wortfetzen. Anschließend versuchte er es bei der Flugkontrolle. Dasselbe. Er sah auf die Betriebsanzeige seines Funkgeräts. Keine Störung. Korriks Reparatur hielt, doch diesmal lag der Scheiß außerhalb seiner Maschine.

"Mynock Sieben an Absolution - Navigation und Fernverbindung gestört. Setzen Aufklärung auf Grundlage des letzten verlässlichen Abgleichs fort."

Er wartete vergeblich auf eine Bestätigung und schaltete zurück zu seinen beiden Piloten.

"Ich bekomme auch nichts Brauchbares rein. Wir behalten vorerst den letzten bestätigten Kurs. Keine Korrektur nur nach der springenden Anzeige"

Tylas
Maschine war seitlich hinter ihm noch zu erkennen. Gut. Solange sie sich wenigstens gegenseitig sehen konnten, würde er verhindern, dass sie hier einzeln herumirrten. Er hatte keine Lust, seinen ersten Einsatzbericht mit der Erklärung zu beginnen, weshalb er seine Rotte bereits auf dem Anflug verloren hatte. Dann meldete Le’el die Kontakte.

Auren wandte den Kopf nach rechts. Zwischen den dunklen Staubstreifen bewegte sich etwas. Eine zweite Kontur folgte. Er schaltete die Waffen bereit und legte den Daumen an den Auslöser, während seine Augen versuchten, aus den wechselnden Umrissen eine brauchbare Silhouette zu machen.

Endlich.

Die Zielmarkierung sprang neben die vordere Maschine, fing sie kurz ein und verlor sie wieder. Sein erster Impuls war, näher heranzugehen. Weniger Entfernung, ein sauberer Blick, dann brauchte er diese verdammte Erfassung auch nicht. Gleichzeitig hörte er Tylas Frage nach dem Feuerbefehl.

Noch einen Moment.

Zwei senkrechte Flächen wurden sichtbar. Die Kugel dazwischen erkannte er fast zeitgleich mit ihrem Ausruf.


"Feuer halten! Beide!"

Er nahm den Daumen vom Auslöser und leitete eine flache Kursänderung ein, die ihn von der kreuzenden Flugbahn wegführte.

"Dritte Rotte, meinem Kurs folgen. Abstand zu den Kontakten vergrößern."

Eben war sie bei Heldenscheiße noch raus gewesen. Jetzt wollte sie auf das Erste schießen, das aus dem Nebel kam. Auren presste die Lippen zusammen. Dass er selbst schon nach einer Schussposition gesucht hatte, war etwas anderes. Er hatte schließlich noch nicht gefeuert.

Auf dem Staffelkanal rief er die fremden Maschinen an.


"Unbekannte TIEs auf unserem Steuerbordbug, hier Mynock Sieben, dritte Rotte. Kennung durchgeben. Wir halten das Feuer."

Ein Knacken antwortete. Dann eine Stimme, von der kaum mehr als die letzte Silbe übrig blieb. Auren wiederholte den Ruf und beobachtete die beiden Jäger. Ihre Bauform konnte er inzwischen erkennen. Ihre Zugehörigkeit noch immer nicht. Wenn das eigene Maschinen waren, hatten sie hoffentlich ebenso wenig Lust auf einen Abschuss durch die Kameraden wie er.

"Acht, Kontakte im Auge behalten. Neun, versuch ihre Kennungen reinzubekommen. Wir bleiben dicht zusammen."

Er hielt die Kursänderung klein und ließ die fremden TIEs seitlich vor sich passieren, ohne ihnen nachzusetzen. Irgendjemand musste hier inzwischen deutlich neben seinem Suchvektor liegen. Vielleicht auch alle. Sich jetzt an zwei unbekannte Maschinen zu hängen, würde daran wenig verbessern.

Wieder knackte es im Funk.


"… vier … halten …"

Auren sah auf die Kanalanzeige. Vierte Rotte? Mynock Vier? Was von beidem? Er würde bestimmt nicht auf Grundlage von zwei halben Wörtern entscheiden, dass alles in Ordnung war. Er markierte den Begegnungspunkt mit einem Hinweis auf die unzuverlässige Position und versuchte erneut, die Absolution zu erreichen.

"Sieben an Flugkontrolle. Zwei TIE-Kontakte im Suchabschnitt, Zugehörigkeit bislang unbestätigt. Fordere Positionsabgleich aller Rotten."

Die Antwort ging im Rauschen unter. Er atmete langsam aus. Unter seinem Overall lief ihm Schweiß den Rücken hinunter. Der Gurt drückte noch immer gegen seinen Bauch, und jetzt durfte er zusätzlich überlegen, ob sie gleich von der eigenen Staffel beschossen wurden. Bewaffnete Aufklärung; im Bereitschaftsraum hatte das erheblich geordneter geklungen.

Vor ihnen zeichnete sich zwischen zwei dichteren Staubfeldern ein schmaler Bereich ab, in dem einige Sterne wieder durchschimmerten. Er verglich die Richtung mit ihrer gespeicherten Anflugstrecke. Dafür mussten sie ihren bisherigen Kurs nur geringfügig ändern.


"Wir gehen an den Rand dieses Staubfelds. Dort versuchen wir einen neuen Abgleich und die Verbindung zum Träger. Bis dahin keine Verfolgung."

Die Worte schmeckten ihm nicht besonders. Er wollte etwas finden, das einen Abschuss wert war. Aber wenn er hier im Kreis flog und anschließend nicht einmal sagen konnte, wo er gewesen war, würde auch Thorne wenig Anlass für einen guten Bericht sehen.

Auren richtete seinen TIE auf die dünnere Stelle aus. Dann erschien am unteren Rand seines Sensorbildes eine weitere Rückmeldung.

Diesmal war es kein kleiner, springender Punkt. Für einen Augenblick zeichnete sich ein deutlich größerer Kontakt ab, weiter voraus und teilweise hinter der Staubfront verborgen. Die Entfernungsangabe wechselte, bevor sie ganz verschwand. Beim nächsten Durchlauf blieb wenigstens die Richtung bestehen.

Auren beugte sich unwillkürlich vor.


"Neuer Kontakt voraus. Möglicherweise etwas Größeres. Könnt ihr die Peilung bestätigen?"

Er übermittelte die dürftigen Sensordaten an seine beiden Rottenpiloten und hielt den Schub zunächst unverändert. Seine Augen suchten den Dunst vor der Cockpitscheibe ab.

Vielleicht hatten sie doch noch etwas gefunden, für das sie hier waren.


[ Outer Rim – Koordinatenraster T09 – Black-Widow-Nebula – Position unbestätigt – Cockpit von Mynock 7 ]
Auren Hardlight; Tyla Le’el und Zarev Korrik in ihren TIEs, unbekannte Kontakte
 
[Hyperraum in Richtung Mando-Raum / SY-Condor-Yacht „Seastar“ / Quartier] C-06 „Mira“ und Jake Relis; Dr. Ralena Anne Moore, Samin, Dany und Sana in der Sitzecke beim Cockpit, Naeva und die anderen Kinder im Aufenthaltsraum

Das Licht des Hyperraums zog in blassen Streifen über die Scheibe, Miras weißes Haar und die dunklen Platten ihres Kampfanzuges. Ihre Hände waren noch immer fester geschlossen als notwendig und die Verbindung zu Moore hatte sie so weit zurückgedrängt, dass kaum mehr als Puls, Systemzustand und einige grundlegende Routinen hindurchliefen.

Das Schott hinter ihr öffnete sich.

Mira wusste, dass Jake hereinkam, bevor er etwas sagte, reagierte aber nicht darauf. Er hielt Abstand und begann zu reden, erst vorsichtig und anschließend mit jener bemerkenswerten Konsequenz, mit der er selbst aus dem Angebot gemeinsamen Schweigens noch mehrere Minuten Gespräch machen konnte.

Während des Sabacc hatte sie sich zwischen Karten, Berechnungen und immer neuen Wahrscheinlichkeiten vergraben können, während am Tisch darüber gesprochen worden war, Menschen zu töten, Menschen zu verlieren, vielleicht nicht von Bakura zurückzukommen und trotzdem irgendwie kein Mörder zu sein. Solange ihre Hände Karten sortiert und ihr HNAI Zahlen gegeneinander gerechnet hatte, waren diese Gespräche weit genug an den Rand gerückt.

Jake kam irgendwann auf seine Frage nach den Klonen zurück und entschuldigte sich dafür. Das interessierte Mira deutlich weniger als das, was danach folgte.

Eine eigene Person. Eigene Fähigkeiten, Ziele, Wünsche, Emotionen und Probleme. Ihre Finger lockerten sich ein wenig. Die Sache mit dem Klon war noch immer Unsinn, doch an den anderen Worten blieb etwas hängen. Daten ließen sich prüfen. Sie hatten Zustände, Abhängigkeiten und Fehlergrenzen und wenn ausreichend Informationen vorhanden waren, konnte Mira meistens ziemlich genau sagen, was als Nächstes geschehen würde.

Jake redete inzwischen über Wut und Dinge, die man lange genug irgendwo hineinpresste, bis irgendwann etwas völlig Lächerliches genügte, um den ganzen Mist zum Überlaufen zu bringen. Als er schließlich bei Kontrolle, Danys Squadron und der Möglichkeit landete, dass nicht alles nach Plan lief, verzog Mira den Mund.

Natürlich musste ausgerechnet er damit einigermaßen richtigliegen. Sie ließ ihn noch ein paar Sätze weiterreden, bevor ihre Stimme erstmals die Stille zwischen ihnen durchschnitt.


„Du kannst echt nie dein Maul halten, oder?“

Es lag kaum Schärfe darin. Mira sah weiterhin hinaus in den Hyperraum.

„Es ging nicht um das Spiel.“

Ihre Hände öffneten sich langsam und nach einigen Herzschlägen verzog sie den Mund erneut.

„Also... nicht nur.“

Sie drehte den Kopf gerade weit genug, dass Jake ihr Profil sehen konnte.

„Ich hatte alles. Die Karten, die Kameras, die Grundlagen der Wahrscheinlichkeitstheorie auf meiner Seite. Ich wusste, was schon raus war, was noch kommen konnte und was die Mandalorianerin wahrscheinlich auf der Hand hatte.“

Sie zögerte kurz.

„Ich hatte sogar Mom's Karten mit denen ich spielen konnte. Meine Rechnung war nicht falsch. Es ist nur irgendwas passiert, womit ich nicht gerechnet habe und plötzlich war alles für'n Arsch. Irgendeine winzige unbedeutende 0,01% die statistisch insignifikant war...“

Mira wandte sich wieder vollständig der Scheibe zu. Ohne die Karten zwischen ihren Fingern waren die Gespräche vom Tisch wieder da. Töten, nicht zurückkommen, Leute verlieren und irgendwo dazwischen Bakura. Sie löste sich schließlich vom Fenster und drehte sich zu Jake um. Die Rüstung machte sie größer und breiter als sonst, ließ jede ihrer Bewegungen schwerer wirken und passte dabei mit einer Selbstverständlichkeit zu ihr, die Mira gerade ausgesprochen wenig gefiel. Sie ging zum Bett und setzte sich auf die Kante, die gepanzerten Unterarme auf den Oberschenkeln.

„Wenn wir auf Bakura auffliegen, versucht ihr rauszukommen und ich ziehe alles von euch weg, was ich irgendwie kriegen kann. Ich bin eure Lebensversicherung.“

Ihr Blick fiel auf ihre Hände.

„Alles, was in solch einem Fall auf euch schießt, soll dazu gebracht werden auf mich schießen.“

Ihre Finger bewegten sich ineinander und die Gelenke des Kampfanzuges folgten lautlos. Manchmal waren da Bilder, Licht und Lärm, etwas, das unter ihren Händen nachgab und Bewegungen, die sich richtig anfühlten, obwohl ihr jede vernünftige Erinnerung an das Davor und Danach fehlte. Räume, die anschließend anders aussahen. Körper, die sich nicht mehr bewegten.

„Es gibt Dinge, in denen ich verdammt gut bin.“

Sie hob den Blick.

„Ich habe mir nur nie ausgesucht, gut darin zu sein.“

Moore hatte ihr seitdem eine erstaunliche Menge vollkommen unnötigen Unsinn beigebracht. Essen, obwohl sie Nährstoffe auf erheblich effizienterem Weg aufnehmen konnte. Kleidung nach etwas anderem auszuwählen als Bewegungsfreiheit und taktischer Zweckmäßigkeit. Türen mit der Hand zu öffnen, obwohl ihr HNAI das schneller konnte. Ihre Sachen wegzuräumen. Kindern nicht alles abzunehmen, nur weil sie es selbst besser konnte. Menschen nicht bereits nach den ersten Sekunden in Bedrohung, Nutzen und Wahrscheinlichkeit zu zerlegen. Bei manchen dieser Regeln war Mira bis heute nicht sicher, ob Moore wirklich an ihren pädagogischen Wert glaubte oder einfach Gefallen daran gefunden hatte, sich über deren Missachtung aufzuregen.

„ Mom... Moore bringt mir die ganze Zeit irgendeinen Scheiß bei, den ich eigentlich gar nicht brauche.“

Der Daumen strich über das Gelenk eines Handschuhs.

„Und das Beschissene ist, dass sie mit dem ganzen Plan recht hat. Meine Verwendung ist taktisch logisch und sinnvoll, ich weiß das, sie weiß das...“

Sie hätte ihn selbst nicht anders geplant. Eine Weile sagte sie nichts.

„Ich will nicht sterben.“

Die Stille danach dauerte länger. Miras Stirn zog sich zusammen.

„Das ist doch komplett bescheuert.“

Sie sah auf ihre Hände.

„Eigentlich ist Sterben bei mir nicht mal dasselbe wie bei dir oder euch anderen allgemein. Wenn genug von mir übrig bleibt...“

Der Satz blieb unvollständig und als Mira weitersprach, kamen die Worte merklich langsamer.

„Moore könnte mich zurückholen. Immer wieder.“

Sie schwieg erneut.

Mira mochte inzwischen Caf, obwohl er ihr überhaupt nichts brachte. Sie mochte die Kinder, auch wenn sie laut waren und ständig Dinge anfassten, die sie besser nicht anfassen sollten. Sie wollte herausfinden, weshalb Dany ohne Helm interessanter aussah als mit und warum Moore morgens noch unausstehlicher wurde, sobald jemand ihre erste Tasse an sich nahm. Sie wollte weitere Welten sehen, mehr Dinge ausprobieren und vermutlich noch eine ganze Menge vollkommen überflüssigen Unsinn lernen, nur damit Moore anschließend behaupten konnte, genau das sei selbstverständlich notwendig gewesen. Es waren lächerliche Kleinigkeiten und Mira wollte trotzdem mehr davon. Sie hob den Kopf und sah Jake diesmal direkt an.


„Sag mal, Jake...“

Ihre Stirn legte sich leicht in Falten.

„Wofür lebt man eigentlich, wenn man nicht mal selbst aussuchen konnte, wofür man gemacht wurde?“

[Hyperraum in Richtung Mando-Raum / SY-Condor-Yacht „Seastar“ / Quartier] C-06 „Mira“ und Jake Relis; Dr. Ralena Anne Moore, Samin, Dany und Sana in der Sitzecke beim Cockpit, Naeva und die anderen Kinder im Aufenthaltsraum
 
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[Hyperraum in Richtung Mando-Raum / SY-Condor-Yacht „Seastar“ / Sitzecke beim Cockpit] Dr. Ralena Anne Moore, Samin, Dany und Sana; C-06 „Mira“ und Jake Relis in einem der Quartiere, Naeva und die anderen Kinder im Aufenthaltsraum

Jake war kaum im Gang verschwunden, als Moore für einen Moment bei dem schmalen Rest der Verbindung blieb, den Mira ihr gelassen hatte. Viel mehr als Vitalwerte und einige grundlegende Systeminformationen drangen nicht mehr hindurch. Dass ausgerechnet Jake ihr ohne großes Zögern gefolgt war, besaß dabei etwas unerwartet Charmantes.

Unmittelbar fiel ihr Blick fiel auf Sana. Bis eben hatte die Dreizehnjährige Antworten bekommen, wenn sie vernünftige Fragen stellte und Moore sah keinen Grund, daran grundsätzlich etwas zu ändern. Was jetzt zur Sprache kommen würde, ging allerdings über komplizierte Moral und die zweifelhaften Vorzüge krimineller Organisationen hinaus. Es betraf Dinge, die Sana über Mira und insbesondere über Bakura gerade nicht zusätzlich mit sich herumtragen musste. Über Ethiken die sie selbst einstmals in den Wind geschlagen und die ihre Tochter für sie verändert hatte. Es gab Dinge, mit denen musste man auch mit 13 noch nicht konfrontiert werden. Die Sephi trat zu ihr, ging ein wenig in die Knie und hielt ihren Blick.


„Sana, geh bitte für ein paar Minuten zu Naeva und den anderen. Wenn du danach noch etwas wissen möchtest, kannst du mich fragen.“

Moore wartete, bis das Gespräch wieder Samin und Dany gehörte.

„Mira ist meine Tochter, nur eben nicht... Biologisch wenn man so will. Technisch ist sie eine Androidin. Ein künstlich geschaffenes Lebewesen mit biologischen und synthetischen Bestandteilen. Sie ist weder einfach eine Sephi noch das, was Sie normalerweise unter einem Droiden verstehen würden.“

Einen Augenblick schwieg sie.

„Ursprünglich wurde sie als Kampfmaschine entworfen. Als reine Waffenplattform zum verbreiten von Chaos für Schlachtfeldsituationen oder Häuser- und Stationskampf."

Das Wort hatte einmal vollkommen genügt. Leistungswerte, Reaktionszeiten, Belastungsgrenzen und technische Anforderungen ließen sich darunter sauber einordnen, nur beschrieb davon inzwischen ausgesprochen wenig das Wesen hinter dem geschlossenen Schott. Das Projekt war eine technische Meisterleistung aber ethisch mehr als nur fragwürdig. Es war eigentlich von Beginn an zum scheitern verurteilt gewesen... Mira war all das und doch war Sie eben auch ein Lebewesen.

„Als ich sie aufgenommen habe, habe ich mich dagegen entschieden, sie wie eine Maschine zu behandeln. Sie bekam ein Zuhause, ich habe angefangen, sie zu erziehen und ihr die Möglichkeit gegeben, selbst herauszufinden, was sie mit ihrem Leben anfangen möchte.“

Die schwache Verbindung zu Mira blieb unverändert.

„Das Schwierige daran ist, dass sie Wissen, Erinnerungen und Fähigkeiten besitzt, die viel älter sind als das, was sie tatsächlich selbst erlebt hat. Manche Dinge versteht sie besser als fast jeder andere und manche Gefühle erlebt sie im Grunde zum ersten Mal.“

Bei aller Sorge lag gerade darin etwas, das Moore auf eine merkwürdige Weise erleichterte. Mira konnte wütend werden, überfordert sein und mit etwas, das sie fühlte, ausgesprochen schlecht umgehen. Nichts davon war ein technischer Defekt, es war eher die Größte Errungenschaft von allen.

„In ihrem zweiten, ihrem richtigen Leben hat sie noch nie jemandem wehgetan, weil sie es wollte und ja, ich werde mit ihr in eine imperiale Forschungseinrichtung einbrechen. Mit ihr und mit allen anderen hier. Wenn alles glatt läuft, braucht niemand von uns das, wofür Mira ursprünglich gebaut wurde. Ihre eigentliche Aufgabe beginnt erst, wenn wir auffliegen und der verdeckte Teil des Heists gescheitert ist. Wenn alles in dem Chaos eines Feuergefechte ausartet ist sie eure Lebensversicherung. Mira zieht so viel Personal, Feuerkraft und Aufmerksamkeit auf sich wie möglich. Dany, Sie bringen die anderen heraus und Mira verschafft Ihnen den nötigen Raum, das auch zu tun.“

Arkania blitzte kurz hinter ihren Augen auf, weniger als Ort denn als Bewegung, Geschwindigkeit und jener beinahe groteske taktische Effekt, den Arianna entfaltet hatte, sobald sämtliche Hemmungen bedeutungslos geworden waren. Moore und Mira hatten dasselbe Material gesehen und daraus dieselbe Schlussfolgerung gezogen. Nur hatte Moore irgendwann aufgehört, Mira dieselbe Frage ein zweites Mal zu stellen. Nicht ob sie es konnte, daran hatte sie nie gezweifelt, sondern ob sie diese Rolle abseits aller Logik und ihrer eigenen Versicherung dieser wirklich ausfüllen wollte.

Beim ersten Mal hatte ihre Zustimmung genügt. Moore hatte sie in den Plan eingebaut und sich den nächsten Problemen zugewandt, eben weil sie wusste das sie Mira bergen und in ihr faktisches Leben zurückholen könnte.


„Es kann passieren, dass sie dabei nicht wieder herauskommt. Mira weiß das. Sie hat diesen Teil des Plans mit mir ausgearbeitet.“

Ob Mira heute noch genauso darüber dachte, wusste Moore schlicht nicht. Dass an diesem Abend zuvor über Bakura, Töten und die Möglichkeit gesprochen worden war, nicht wieder zurückzukommen, entging ihr dabei ebenfalls nicht.

„Sie wusste gerade offensichtlich nicht, wohin mit dem, was sie fühlt. In einem Gefecht weiß sie sehr genau, was sie tut. Sie arbeitet nach Plan, taktischer Logik und klaren Prioritäten. Genau dafür wurde sie einmal geschaffen und sie ist darin ausgesprochen gut.

Sie braucht jetzt erst einmal Ruhe. Bevor wir Bakura erreichen, werde ich noch einmal in Ruhe mit ihr reden. An ihrer Fähigkeit, ihre Aufgabe zu erfüllen, zweifle ich nicht. Ich maße mir auch an zu behaupten, meine Tochter tut das auch nicht."

[Hyperraum in Richtung Mando-Raum / SY-Condor-Yacht „Seastar“ / Sitzecke beim Cockpit] Dr. Ralena Anne Moore, Samin und Dany; C-06 „Mira“ und Jake Relis in einem der Quartiere, Sana, Naeva und die anderen Kinder im Aufenthaltsraum
 
// Hyperraum Richtung Mando-Raum // SY-Condor-Yacht „Seastar“ //Master Suit// Mira & Jake //

„Ich dachte, das hätten wir schon etabliert. Teil meines Charmes“, antwortete der Blondschopf ruhig. Die Belustigung, die sich um seine Mundwinkel kräuselte, fand auch ihren Weg in seine Stimme, bevor er ernster wurde.

„Jedes Spiel kann auch ein Sinnbild fürs Leben sein.“ Er zuckte mit den Schultern. Auch wenn er nicht alles nachvollziehen konnte, was sie schilderte, kannte er sich mit einem aus. „Karten zählen, betrügen oder andere Hilfsmittel können nur die Chancen maximieren. Eine Garantie zu siegen gibt es nie. Es kann immer was schiefgehen. Man kann alles richtig machen, keine Fehler begehen und trotzdem verlieren.“ Er könnte seinen eigenen Worten mit einem Verweis auf altersschwache Glücksspielautomaten widersprechen, aber er verließ sich darauf, dass Mira wusste, was er meinte.

„Das ist keine Charakterschwäche, sondern einfach das Leben. Nenn es Zufall, Glück oder Pech – das kann man nicht berechnen. Wenn du eine Münze oft genug hochwirfst, wird sie irgendwann zehnmal hintereinander auf der gleichen Seite landen, und du weißt nie, wann dieser Moment eintritt. Oder ob dieser Moment gut für dich ist.“ Er stieß sich mit der Schulter von der Wand ab und trat näher an die junge Frau heran, die – aus seiner Sicht – wie ein Haufen Elend auf der Bettkante saß. Er ging vor ihr in die Hocke, ließ sie ihre Bedenken äußern, lauschte und suchte ihren Blick. Der Plan war, so wie Mira ihn formulierte, scheiße. „Du sollst auch nicht sterben, das wäre total bescheuert“, meinte Jake ernst. „Meinst du nicht, dass es ein bisschen unfair ist, dass du so eine Last tragen sollst?“

Mit einem Knacken in den Knien und dem leisen, protestierenden Stöhnen eines Übervierzigjährigen erhob er sich. Nun war es an ihm, zum Panoramafenster zu schreiten.

„Ich bin mir nicht sicher, was genau du mit einigen deiner Aussagen meinst. Aber ich will es mal probieren.“

Einige Herzschläge verstrichen, in denen sein Blick nur dem blauen Strudel galt.

„Bei manchen Dingen sind wir einfach begabt. Das heißt nicht, dass wir unsere Talente mögen müssen. Und wenn du gut in etwas bist, das du nicht tun willst, kann dich keiner dazu zwingen es anzuwenden. Man sollte immer die Wahl haben, was man sich auflasten möchte.“ Er blickte zu Mira zurück. „Zugegeben, oft genug ist das leider Wunschdenken. Aber die Situationen, in die wir uns begeben, verraten oft im Vorfeld, was auf uns zukommen könnte. Und wir sollten uns freiwillig in solche Situationen begeben, am besten auch aus den richtigen Gründen.“
Seine Stimme nahm einen besorgten, ernsten Klang an.
„Du hörst dich so an, als würdest du fest damit rechnen, auf Bakura zu sterben. Und ich weiß zwar nicht, was das Jenseits für uns bereithält, aber ich weiß, dass die Leute, denen wir viel bedeuten, uns furchtbar vermissen würden, wenn wir mal nicht mehr sind. Deshalb geh nie in einen Kampf mit der Annahme, dass du sterben wirst oder, noch schlimmer, schon tot bist. Wenn der Tod dich finden will, soll er schon suchen müssen. Und auch dann wehrst du dich so heftig, dass er dich schreiend, fluchend und bis zum letzten Atemzug kämpfend in sein Reich zerren muss. Selbst wenn du unglaublich zäh bist, ist der Weg dahin keiner, den man leichtfertig antreten sollte.“

Seine Worte waren energisch, seine Züge waren ernst geworden, während seine himmelsblauen Augen ihre eisblauen fanden. Da war nicht mehr der lustige Jake, für den das Leben nur ein großes Abenteuer war, sondern der Mann, der im Laufe der Jahre Familie, Freunde und Wahlfamilie verloren hatte und sich nach jedem Schicksalsschlag wieder hochgekämpft hatte – mal mehr, mal weniger mühsam. Und trotzdem hatte er weitergemacht.

„Und auch wenn du in ’ner beschissenen Situation steckst, zählt, dass kein Kampf vorbei ist, bis er vorbei ist! Solange du lebst, gibt es Hoffnung. Das Department of Dirty Tricks ist unheimlich groß und freut sich, wenn wir uns daran bedienen. Direkte Konfrontationen sind was für Sturmtruppler, aber wir, wir haben Köpfchen.“

Träge wandte er sich wieder dem Strudel des Hyperraums zu. Die Frage nach dem Sinn des Lebens schien dem Anblick angemessen. Auf diesem Schiff hatte wirklich niemand einfache Fragen.

„Ich glaube, da muss jeder seine eigene Antwort finden. Für mich sind es die kleinen Dinge, denen man selbst einen Wert gibt. Ich genieße es, wenn die Sonne sich über den Horizont erhebt und die Landmasse eines Planeten erleuchtet. Ich liebe es, in der Schwerelosigkeit zu tanzen, ganz grässlich unter der Dusche zur Musik mitzusingen, mit einer bestimmten Halbchiss stundenlang darüber zu streiten, wer der bessere Pilot ist …“ Seine Worte klangen mit einem wehmütigen Lächeln aus.

„Ich schätze Freunde, Wahlfamilie, Liebe – oder etwas, für das es sich lohnt, bis ans Ende der Galaxie zu reisen. Freiheit ist so etwas für mich.“

Er winkte sie mit einer Handgeste zu sich, sodass sie sich – wenn Mira es denn wollte - neben ihm am Panoramafenster wiederfand.

„Von diesem Anblick kann ich nie genug bekommen. Wir reisen zwischen den Sternen, legen Distanzen zurück, die so unvorstellbar sind, dass mir irgendwann die Zahlwörter ausgehen, um sie in Kilometern auszudrücken. Für mich ist der Anblick des Hyperraums immer gleichbedeutend mit Freiheit. Vielleicht ist das auch die Frage, die du dir eigentlich stellen solltest.“

Jake schaute zu Mira. Trotz des „Killerlooks“ wirkte sie auf ihn kleiner, verletzlicher, als ihre Rüstung, ihre Taten und Worte vermuten ließen.

„Willst du das auf Bakura überhaupt?“ Für den Moment war es egal, was Moore wollte, was er wollte, was die anderen wollten. Was wollte Mira? Zur Not musste man einen anderen Weg finden. Jake wollte nicht glauben, dass Moore ihrer Tochter so eine Entscheidung aufzwingen würde.

„Es gibt nur eine Person, der du was beweisen musst, und das bist du selbst. Du musst entscheiden, was du willst. Wer du sein willst.“

Selbst das schelmische Grinsen, dass sich auf seine Lippen stahl, konnte seinen Worten nicht das Gewicht nehmen. „Ich bin Jake Relis, der verdammt beste Pilot im Sektor. Mit wem habe ich die Ehre?“


// Hyperraum Richtung Mando-Raum // SY-Condor-Yacht „Seastar“ //Master Suit// Mira & Jake //
 
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[Hyperraum in Richtung Mando-Raum / SY-Condor-Yacht „Seastar“ / Sitzecke beim Cockpit] Sana, Samin, Dany und Moore; Jake bei Mira in einem der Quartiere, Naeva und die anderen Kinder im Aufenthaltsraum

Samin brauchte für ihre Antwort länger als zuvor. Während Sana ihr zuhörte, blieb von der Sicherheit, mit der ihre Mutter eben noch zwischen Soldaten und Killern unterschieden hatte, nicht besonders viel übrig. Töten wurde auch jetzt nicht plötzlich richtig. Samin sprach davon, sich zu verteidigen, andere zu schützen und manchmal Entscheidungen treffen zu müssen, von denen man später nicht einfach behaupten konnte, sie seien deshalb gut gewesen. Aber verteidigte man sich denn wenn man in einem Pilotensitze einen Angriff flog? Am Ende sagte sie, sie habe jedenfalls immer geglaubt, für die richtige Sache zu kämpfen, und genau dieses Wort blieb Sana länger im Kopf als der Rest. Bei ihrem Gespräch über damals hatte Samin ebenfalls geglaubt, dass eine andere Familie besser für Sana wäre. Sana sah ihre Mutter an, bis ihr Blick wieder zu den verbogenen Befestigungen im Boden wanderte, zu einer einzelnen Karte, die halb unter der umgedrehten Tischplatte lag und schließlich zu dem Gang, in dem Mira verschwunden war.

Jake war ihr bereits nachgegangen, nachdem er sich unmittelbar nach dem Ausbruch noch kurz zwischen Mira und Sana gestellt hatte. Jetzt blieb das Quartiersschott hinter beiden geschlossen. Samin kam zu ihr.


„Hast du was abbekommen?“

Sana schüttelte den Kopf.

„Nein.“

Ihre Mutter beugte sich bereits näher und ließ den Blick über ihr Gesicht, ihre Schultern und Arme wandern. Als Samins Hände ihre Schultern berührten und anschließend prüfend über ihre Arme gingen, spannte Sana sich kurz an, blieb aber sitzen. Ihr Rücken drückte dort ein wenig, wo sie beim Krachen gegen die Lehne gestoßen war, mehr schien nicht passiert zu sein. Samin sah ihr noch einmal ins Gesicht und nahm schließlich die Hände zurück.

Dany war kurz darauf ebenfalls bei ihr. Eine große Hand strich durch Sanas Haare und tastete über ihren Kopf, ehe die Mandalorianerin sie wieder zurückzog und ihre Aufmerksamkeit auf die Stelle richtete, an der der Tisch vorher gestanden hatte.

Ihr Blick blieb bei den herausgerissenen Befestigungen hängen, wanderte zum Tischfuß und zurück zu den leeren Löchern in der Verkleidung. Auch Samin sah wieder hin und Sana folgte ihren Blicken. Mit den verbogenen Halterungen kam das Kreischen des Metalls zurück und der Anblick von Miras Händen am Tischrand. Dieselben Hände hatten Naevas Fuß gehalten, während sie die Schiene angelegt hatte.

Samin und Dany redeten miteinander, erst über Mira, den Tisch und das, was gerade passiert war, während Sanas Aufmerksamkeit immer wieder zum geschlossenen Quartiersschott wanderte. Irgendwann änderte sich etwas in ihrer Unterhaltung, Dany begann zu lachen und kurz darauf Samin ebenfalls. Sana hob den Kopf, sah von der einen zur anderen und anschließend auf den zerstörten Tisch.

Sie verstand nicht, was daran lustig war. Moore hatte währenddessen wiederholt in Richtung der Quartiere gesehen, bis sie schließlich zu Sana kam und etwas in die Knie ging. Dadurch lag ihr Gesicht beinahe auf derselben Höhe und als sie sprach, hielt sie Sanas Blick.


„Sana, geh bitte für ein paar Minuten zu Naeva und den anderen. Wenn du danach noch etwas wissen möchtest, kannst du mich fragen.“

Sana nickte schon, bevor Moore ganz fertig war, stand auf und sah noch einmal kurz zu Samin und Dany, ehe sie sich zwischen den verstreuten Karten und Chips hindurch in Richtung Gang bewegte.

Hinter ihr begann das Gespräch erneut. Während Sana weiterging, verstand sie zunächst noch einzelne Worte, bis sie mit jedem Schritt undeutlicher wurden und stattdessen die Stimmen der anderen Kinder aus dem Aufenthaltsraum hervortraten. Mehrere redeten gleichzeitig, irgendwo lachte eines der Kleineren und dazwischen hörte Sana Naeva.

Sie fand sie sofort.

Naeva saß mit ausgestrecktem, geschientem Bein bei den anderen und blickte auf, als Sana direkt zu ihr ging und sich dicht neben sie setzte. Einen Augenblick blieben Sanas Hände auf ihren eigenen Knien liegen.

Dann beugte sie sich vor und legte beide Arme um Naeva. Nach einem kurzen Moment legten sich Naevas Arme ebenfalls um sie.

Sana zog sie fester an sich und ließ die Stirn an ihrer Schulter liegen.


[Hyperraum in Richtung Mando-Raum / SY-Condor-Yacht „Seastar“ / Aufenthaltsraum] Sana, Naeva und die anderen Kinder; Samin, Dany und Moore im Bereich beim Cockpit, Jake und Mira in einem der Quartiere
 
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