Wenn man Der Tiger mag, dann sicher nicht, weil er eine besonders stimmige oder realistische Kriegsgeschichte erzählt. Dafür ist vieles zu schief, zu überzogen,Der Film will aber auch gar kein klassisches Kriegsdrama sein, das man nach bekannten Regeln beurteilen kann. Er interessiert sich weniger für militärische Logik oder historische Genauigkeit als für den inneren Zustand seiner Figuren und für die Frage, was Krieg mit Wahrnehmung, Denken und moralischem Halt macht.
Die Handlung wirkt deshalb tatsächlich stellenweise unsinnig. Figuren treffen Entscheidungen, die man kaum nachvollziehen kann und manche Abläufe passen zeitlich oder erzählerisch nicht richtig zusammen. Genau das scheint aber beabsichtigt zu sein. Gansel erzählt nicht aus einer äußeren, objektiven Perspektive, sondern aus einer inneren, verunsicherten heraus. Der Panzer ist kein realistischer Schauplatz, sondern ein abgeschlossener Raum, in dem Angst, Schuld, Überforderung ineinanderlaufen.
Man kann Der Tiger deshalb problemlos ablehnen, wenn man eine nachvollziehbare Geschichte oder emotionale Nähe zu den Figuren erwartet. Man kann ihn aber auch gerade deshalb mögen, weil er sperrig ist, weil er Erwartungen bewusst unterläuft und weil er den Krieg nicht erklärt oder ordnet. Er zeigt ihn als Zustand von Verwirrung, innerem Zerfall und moralischer Haltlosigkeit.