Zuletzt gekaufter/gesehener Film - Allgemeiner Filmthread

Mein Problem mit „Der Tiger“ ist hauptsächlich dass es irgendwie absolut hirnrissig ist, eine laute Benzinschleuder auf eine „Geheime Mission“ zu schicken. So wirklich schleichen kann ein Tiger Panzer ja nicht. Oder gab es historische Beispiele für eine derartige Mission?

Die brauch es quasi nicht. Die Mission ist ja eh nicht real. Die hat der Panzerkommandant selbst konstruiert oder fantasiert.
 
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Wenn man Der Tiger mag, dann sicher nicht, weil er eine besonders stimmige oder realistische Kriegsgeschichte erzählt. Dafür ist vieles zu schief, zu überzogen,Der Film will aber auch gar kein klassisches Kriegsdrama sein, das man nach bekannten Regeln beurteilen kann. Er interessiert sich weniger für militärische Logik oder historische Genauigkeit als für den inneren Zustand seiner Figuren und für die Frage, was Krieg mit Wahrnehmung, Denken und moralischem Halt macht.

Die Handlung wirkt deshalb tatsächlich stellenweise unsinnig. Figuren treffen Entscheidungen, die man kaum nachvollziehen kann und manche Abläufe passen zeitlich oder erzählerisch nicht richtig zusammen. Genau das scheint aber beabsichtigt zu sein. Gansel erzählt nicht aus einer äußeren, objektiven Perspektive, sondern aus einer inneren, verunsicherten heraus. Der Panzer ist kein realistischer Schauplatz, sondern ein abgeschlossener Raum, in dem Angst, Schuld, Überforderung ineinanderlaufen.

Man kann Der Tiger deshalb problemlos ablehnen, wenn man eine nachvollziehbare Geschichte oder emotionale Nähe zu den Figuren erwartet. Man kann ihn aber auch gerade deshalb mögen, weil er sperrig ist, weil er Erwartungen bewusst unterläuft und weil er den Krieg nicht erklärt oder ordnet. Er zeigt ihn als Zustand von Verwirrung, innerem Zerfall und moralischer Haltlosigkeit.
 
@Antiriad
Ja, das ist mir schon klar, aber diese Auflösung kommt halt recht spät und als Twist (zumindest, wenn man nicht genau aufgepasst hat).

P.S.: Ich glaube es wäre besser wenn du deinen Post in Spoiler packen willst. Der Film ist ja noch recht neu.

@Sam Rockwell Ja, ich erkenne diese Dinge ja auch durchaus alle an. Der Film hat einige sehr stimmige Szenen. Wobei ich trotzdem finde dass die alte „Das Boot“ Serie insgesamt, auch in den Aspekten, die du bei „Der Tiger“ positiv hervorhebst, einen besseren Job gemacht hat. Und das halt ohne die Glaubwürdigkeit in den ersten 5 Minuten zu verspielen.
 
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Der Tiger ist - wie zB auch "Apocalypse Now!" - im Grunde eine Neuinterpretation von Joseph Conrads "Herz der Finsternis". Die Reise des Erzählers in eine lebensfeindliche Umgebung, um dort einen offenbar dem Wahnsinn verfallenen Antagonisten zu stellen, wird zu einer inneren Reise der Erzählers zu sich selbst, die ihn mit seinen eigenen Verfehlungen und dunklen Seiten konfrontiert.
Realistisch ist eine solche Mission ausgerechnet eines Tiger-Panzers hinter feindlichen Linien natürlich kein Stück, und ich bezweifle, dass es eine solche jemals gegeben hat. Ein Tiger, der ohne Unterstützung von Infanterie oder weiteren, leichteren Kampfwagen hinter feindlichen Linien strandet, wäre mit ziemlicher Sicherheit von seiner Besatzung aufgegeben und unbrauchbar gemacht worden.

C.
 
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Mein Problem mit „Der Tiger“ ist hauptsächlich dass es irgendwie absolut hirnrissig ist, eine laute Benzinschleuder auf eine „Geheime Mission“ zu schicken. So wirklich schleichen kann ein Tiger Panzer ja nicht. Oder gab es historische Beispiele für eine derartige Mission?
Meines Wissens nach nicht.
Einen einzelnen Panzer ins feindverseuchtes Gebiet zu schicken hätte aufgrund seiner geringen Reichweite und seiner Verwendbarkeit wenig Sinn gemacht.
Was übrigens auch Humbug war ist das Klarmachen zum Tauchen.
Zum einen konnten das nur die ersten Tiger und zum anderen dauerte das Klarmachen mehrere Stunden.
 
Meines Wissens nach nicht.
Einen einzelnen Panzer ins feindverseuchtes Gebiet zu schicken hätte aufgrund seiner geringen Reichweite und seiner Verwendbarkeit wenig Sinn gemacht.
Was übrigens auch Humbug war ist das Klarmachen zum Tauchen.
Zum einen konnten das nur die ersten Tiger und zum anderen dauerte das Klarmachen mehrere Stunden.
Das tauchen kam meines Wissens auch nie zum Einsatz, weil es zu riskant war.
Wobei ich gelesen habe dass manche moderne Panzer das auch können.

Ich fand die Szene ja cool. Aber wenn ich ehrlich bin wirkte es für mich eher wie eine Hommage an „Das Boot“. Hat nur noch gefehlt dass die Sowjets ein paar Wasserbomben schmeißen.
Sowieso wirkte es auf mich ein bisschen so, als ob die Macher in Wahrheit eigentlich lieber einen U-Boot Film drehen wollten.
 
Mein Problem mit „Der Tiger“ ist hauptsächlich dass es irgendwie absolut hirnrissig ist, eine laute Benzinschleuder auf eine „Geheime Mission“ zu schicken. So wirklich schleichen kann ein Tiger Panzer ja nicht.
Bis 2008 gab es in der Bundeswehr die Panzeraufklärungstruppe, die auch mit Leopard-Panzern aufgeklärt haben.
Aber spielt eigentlich keine Rolle, der Film spielt während des Rückzugs der Wehrmacht im Osten. Da kann man argumentieren, dass man das Gerät benutzt hat was da war und funktioniert hat.
 
Aber spielt eigentlich keine Rolle, der Film spielt während des Rückzugs der Wehrmacht im Osten. Da kann man argumentieren, dass man das Gerät benutzt hat was da war und funktioniert hat.

Und dann nimmt man ausgerechnet einen relativ teuren Panzer, der schwer zu ersetzen und im Grunde komplett ungeeignet für die Mission ist? Selbst während eines Rückzuges hätte sich sicher eine geeignetere Truppe als eine Panzerbesatzung gefunden, um mit leichteren und schnelleren Fahrzeugen einen potenziell abtrünnigen Offizier in feindlichem Gebiet zu suchen.
Aber das ist aufgrund des Plot-Twists ohnehin ein Streit um des Kaisers Bart. :zuck:

C.
 
Ist es. Wobei es sich der Film meiner Ansicht nach etwas zu einfach damit macht, alle Ungereimtheiten des Films jetzt mit diesem einen Plot Twist zu rechtfertigen.

Ich hoffe allerdings doch mal sehr, dass man das Drehbuch vorher durchdacht hat, und den Twist nicht erst später angefügt hat, um die Story nachträglich zu rechtfertigen. Den Tiger wollte man halt sehr wahrscheinlich im Film haben, da sich um diesen Panzer bis heute unzählige Mythen ranken, und das ein guter Aufhänger für die Vermarktung des Streifens ist. Ich glaube kein anderer Panzer des ZWeiten Weltkrieges, außer dem T-34 vielleicht, hat einen so hohen Bekanntheitsgrad und wurde derart verklärt, wie das Sd-KfZ 181, Panzerkampfwagen VI "Tiger".

C.
 
Ich hoffe allerdings doch mal sehr, dass man das Drehbuch vorher durchdacht hat, und den Twist nicht erst später angefügt hat, um die Story nachträglich zu rechtfertigen. Den Tiger wollte man halt sehr wahrscheinlich im Film haben, da sich um diesen Panzer bis heute unzählige Mythen ranken, und das ein guter Aufhänger für die Vermarktung des Streifens ist. Ich glaube kein anderer Panzer des ZWeiten Weltkrieges, außer dem T-34 vielleicht, hat einen so hohen Bekanntheitsgrad und wurde derart verklärt, wie das Sd-KfZ 181, Panzerkampfwagen VI "Tiger".

C.
Zumindest hat mich der Film auf die Idee gebraucht, dass ein Film über die großen Panzerschlachten im Osten, erzählt aus Sicht einer deutschen Panzer Crew, sicher auch seinen Reiz hätte.
 
Selbst während eines Rückzuges hätte sich sicher eine geeignetere Truppe als eine Panzerbesatzung gefunden, um mit leichteren und schnelleren Fahrzeugen einen potenziell abtrünnigen Offizier in feindlichem Gebiet zu suchen.
Ich orakele mal mit meiner Glaskugel fiktiver Narrative, die jedes Detail offen zur Interpretation lassen. Leichtere und schnellere Fahrzeuge transportierten vor allem Truppen und Material während des Rückzugs und sind eher nicht an Verzögerungsgefechten direkt an der Hauptkampflinie beteiligt. Der Befehl zur Evakuierung der Personen hinter der Frontlinie ließ keine Zeit für den Truppenverband vor Ort, anderes Gerät anzufordern und die vorhandenen leichten Fahrzeuge sollen die Infanterie verlegen. Die Verzögerungsgefechte während eines Rückzugs werden vor allem durch Infanterie und Panzertruppe geführt. Klar, im Angriff sind noch Unterstützungstruppe wie Aufklärung und Pioniere vorhanden, aber im Rückzug räumen Pioniere den Rückzugsweg und die Aufklärung deckt die Flanken um eine Umfassung frühzeitig zu erkennen. Die nicht ideale und ungewöhnliche Entscheidung des Führers vor Ort, angesichts dieser Umstände, ist der Auftragstaktik der Wehrmacht geschuldet.
 

Bin nicht sicher. Der Panther war nach Ausmerzen seiner Kinderkrankheiten vermutlich der besten Panzer auf deutscher Seite, aber so aufgeladen mit Mythen bei Freund und Feind wie der Tiger war/ist er mE nicht. Aus dem Tiger wurde mE aufgrund seiner Größe und seiner starken Bewaffnung seitens der Propaganda etwas gemacht, was er nie war, was aber selbst bei den Gegnern verfing. Egal an welcher Front brüsteten sich die Gegner damit, einem Tiger gegenübergestanden zu haben, oder einen solchen abgeschossen zu haben. Es wurden nur 1.350 Exemplare gebaut, glaubt man aber den ganzen Berichten von angeblich abgeschossenen Tigern, dann hätte vermutlich die zehnfache Menge gebaut werden müssen.

C.
 
Wo wir gerade bei dem Film „Der Tiger“ sind…


Irgendwie freut mich das – besonders für den deutschen Film. Obwohl es z.T. eine tschechische Produktion ist.
 
In der Diskussion um den deutschen Oscar-Beitrag in der Kategorie „Bester internationaler Film“ ist vereinzelt die Frage aufgetaucht, ob Der Tiger nicht eine ebenso naheliegende oder sogar passendere Wahl gewesen wäre als In die die Sonne schauen. Dabei geht es weniger um eine grundsätzliche Ablehnung der getroffenen Entscheidung als um unterschiedliche Einschätzungen dessen, was bei den Oscars erfahrungsgemäß Erfolg haben kann.
 
Extrawurst
Ich bin mit gemischten Erwartungen in Extrawurst gegangen. Das Theaterstück kannte ich dem Ruf nach, und mir war klar, dass dieser Stoff vor allem von Dialogen und Eskalation lebt. Genau das bekommt man auch im Film.

Fast alles spielt im Tennisverein Langenheide, genauer gesagt in einer dieser Vereinssitzungen, wie sie wohl jeder kennt, der schon einmal irgendwo Mitglied war. Der Auslöser ist denkbar banal: Unter „Sonstiges“ geht es um die Anschaffung eines zweiten Grills für ein muslimisches Vereinsmitglied. Ab diesem Moment kippt die Stimmung, und die Diskussion löst sich schnell von der eigentlichen Sache.

Religion, Zugehörigkeit und alte Vorurteile liegen plötzlich offen auf dem Tisch, und das Ganze ist stellenweise erschreckend nah an dem, was man aus der Realität kennt.

Die Figuren sind sehr klar gezeichnet, teilweise vielleicht sogar zu klar. Im Zentrum steht Heribert, der Vereinspräsident, der mit Autorität Ordnung schaffen will, dabei aber vor allem seine eigene Macht und Kontrolle verteidigt. Ihm gegenüber steht Matthias, ein Prinzipienreiter, der sich unbeirrbar auf Gleichbehandlung und Satzung beruft und Empathie konsequent dem Prinzip unterordnet. Melanie ist die engagierte Neuzugezogene, die mit guten Absichten und moralischem Anspruch in festgefahrene Vereinsstrukturen gerät und dort schnell aneckt. Torsten schließlich gibt sich zwar konfliktscheu, fühlt sich den anderen aber deutlich überlegen und kommentiert die Eskalation lieber mit ironischen Spitzen, als selbst klar Haltung zu zeigen. Erol ist weniger eine zugespitzte Rollenfigur als der Auslöser der Debatte: ein Projektionspunkt für die Vorstellungen, Ängste und Prinzipien der anderen, um den gestritten wird, ohne dass es am Ende noch wirklich um ihn selbst geht.

Hape Kerkeling spielt den Vereinspräsidenten nicht nur als Karikatur, sondern lässt immer wieder Unsicherheit und Verletzlichkeit durchscheinen. Man merkt, dass dieser Mann an seinem Verein hängt und Angst hat, die Kontrolle zu verlieren. Diese Tiefe fehlt vielen Nebenfiguren, die eher dazu dienen, bestimmte Positionen oder Pointen zu vertreten.

Inszenatorisch bleibt Extrawurst sehr zurückhaltend. Viel Dialog, kaum Momente, die man wirklich als „kinomäßig“ bezeichnen würde. Für mich hatte das oft eher den Charakter eines soliden Fernsehspiels.

Beim Humor bin ich zwiegespalten. Einige Wortgefechte sitzen perfekt. Es gibt aber auch Szenen, die deutlich ins Klamaukhafte abrutschen. Das ist gar nicht mein Fall, im Kino hat das allerdings durchaus funktioniert, der Kinosaal hat gerade hier hörbar gelacht.

Inhaltlich ist der Film sehr eindeutig. Die Themen werden klar benannt und verständlich verhandelt, bleiben dabei aber eher an der Oberfläche. Der Verlauf ist früh absehbar, was dazu führt, dass auch das Finale wenig überrascht.

Unterm Strich ist Extrawurst eine solide gespielte Komödie. Als Kinofilm nutzt sie ihre Möglichkeiten nur begrenzt, funktioniert aber solide als Dialogstück und als Spiegel deutscher Diskussionskultur.
 
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