Extrawurst
Ich bin mit gemischten Erwartungen in
Extrawurst gegangen. Das Theaterstück kannte ich dem Ruf nach, und mir war klar, dass dieser Stoff vor allem von Dialogen und Eskalation lebt. Genau das bekommt man auch im Film.
Fast alles spielt im Tennisverein Langenheide, genauer gesagt in einer dieser Vereinssitzungen, wie sie wohl jeder kennt, der schon einmal irgendwo Mitglied war. Der Auslöser ist denkbar banal: Unter „Sonstiges“ geht es um die Anschaffung eines zweiten Grills für ein muslimisches Vereinsmitglied. Ab diesem Moment kippt die Stimmung, und die Diskussion löst sich schnell von der eigentlichen Sache.
Religion, Zugehörigkeit und alte Vorurteile liegen plötzlich offen auf dem Tisch, und das Ganze ist stellenweise erschreckend nah an dem, was man aus der Realität kennt.
Die Figuren sind sehr klar gezeichnet, teilweise vielleicht sogar zu klar. Im Zentrum steht Heribert, der Vereinspräsident, der mit Autorität Ordnung schaffen will, dabei aber vor allem seine eigene Macht und Kontrolle verteidigt. Ihm gegenüber steht Matthias, ein Prinzipienreiter, der sich unbeirrbar auf Gleichbehandlung und Satzung beruft und Empathie konsequent dem Prinzip unterordnet. Melanie ist die engagierte Neuzugezogene, die mit guten Absichten und moralischem Anspruch in festgefahrene Vereinsstrukturen gerät und dort schnell aneckt. Torsten schließlich gibt sich zwar konfliktscheu, fühlt sich den anderen aber deutlich überlegen und kommentiert die Eskalation lieber mit ironischen Spitzen, als selbst klar Haltung zu zeigen. Erol ist weniger eine zugespitzte Rollenfigur als der Auslöser der Debatte: ein Projektionspunkt für die Vorstellungen, Ängste und Prinzipien der anderen, um den gestritten wird, ohne dass es am Ende noch wirklich um ihn selbst geht.
Hape Kerkeling spielt den Vereinspräsidenten nicht nur als Karikatur, sondern lässt immer wieder Unsicherheit und Verletzlichkeit durchscheinen. Man merkt, dass dieser Mann an seinem Verein hängt und Angst hat, die Kontrolle zu verlieren. Diese Tiefe fehlt vielen Nebenfiguren, die eher dazu dienen, bestimmte Positionen oder Pointen zu vertreten.
Inszenatorisch bleibt
Extrawurst sehr zurückhaltend. Viel Dialog, kaum Momente, die man wirklich als „kinomäßig“ bezeichnen würde. Für mich hatte das oft eher den Charakter eines soliden Fernsehspiels.
Beim Humor bin ich zwiegespalten. Einige Wortgefechte sitzen perfekt. Es gibt aber auch Szenen, die deutlich ins Klamaukhafte abrutschen. Das ist gar nicht mein Fall, im Kino hat das allerdings durchaus funktioniert, der Kinosaal hat gerade hier hörbar gelacht.
Inhaltlich ist der Film sehr eindeutig. Die Themen werden klar benannt und verständlich verhandelt, bleiben dabei aber eher an der Oberfläche. Der Verlauf ist früh absehbar, was dazu führt, dass auch das Finale wenig überrascht.
Unterm Strich ist
Extrawurst eine solide gespielte Komödie. Als Kinofilm nutzt sie ihre Möglichkeiten nur begrenzt, funktioniert aber solide als Dialogstück und als Spiegel deutscher Diskussionskultur.