28 Years Later: The Bone Temple
28 Years Later: The Bone Temple wirkt noch stärker, wenn man ihn als Teil eines größeren Ganzen betrachtet. Für mich gehört bereits der Vorgänger
28 Years Later zu den stärksten Filmen des Jahres 2025. Nicht nur im Horror- oder Endzeitkino, sondern insgesamt. Boyle und Garland hatten damals den Mut, das Franchise nicht fortzuführen, sondern neu zu denken. Der Film war rau, poetisch, unbequem und überraschend emotional.
The Bone Temple setzt genau hier an, ohne sich zu wiederholen. Er ist konzentrierter und in vieler Hinsicht radikaler, weil er den Blick weiter verengt und tiefer in seine Figuren hineinzoomt.
Im Mittelpunkt steht klar die Beziehung zwischen Dr. Ian Kelson und dem Alpha-Infizierten Samson. Dieser Handlungsstrang ist nicht nur der stärkste des Films, er ist sein Herz. Ralph Fiennes trägt diese Beziehung mit einer schauspielerischen Präsenz, die den Film regelrecht erdet. Kelson ist bei ihm kein exzentrischer Sonderling und kein weltfremder Idealist, sondern ein müder, intelligenter Mann, der sich weigert, den letzten Rest von Sinn aufzugeben. Fiennes spielt das mit großer Ruhe. Jede Bewegung, jeder Blick wirkt überlegt, nie ausgestellt. Man hat das Gefühl, einem Menschen zuzusehen, der sich selbst ständig überprüft, weil er weiß, wie dünn der Grat ist, auf dem er geht.
Samson ist dabei mehr als ein Gegenüber. Er ist Projektionsfläche, Spiegel und Mahnung zugleich. Der Film zeigt ihn als Wesen in permanenter Überforderung, gefangen zwischen Körper und bruchstückhaften Erinnerungen. Töten ist kein Wille, sondern Zustand. Kelsons Annäherung ist deshalb keine sentimentale Geste, sondern ein riskanter Versuch, Kontakt herzustellen, wo eigentlich keiner mehr vorgesehen ist. Die gemeinsamen Szenen der beiden gehören zum Eindringlichsten, was diese Reihe bisher hervorgebracht hat. Wenn Kelson spricht, Musik hört, tanzt oder einfach nur bleibt, entsteht eine fragile Nähe, die jederzeit zusammenbrechen kann. Gerade diese Unsicherheit macht die Beziehung so glaubwürdig. Fiennes gelingt es, dabei zugleich Hoffnung und Selbsttäuschung sichtbar zu machen, ohne je plakativ zu werden.
Dem gegenüber steht Jimmy Crystal und sein Kult, gespielt von Jack O’Connell mit beängstigender Präsenz. Jimmy ist kein Karikaturbösewicht, sondern ein psychopathischer Machtmensch ohne jegliche Empathie, der Sprache, Rituale und Angst perfekt zu nutzen weiß. Gewalt wird bei ihm nicht entfesselt, sondern organisiert. Dass Spike in diesem Film stärker in den Hintergrund rückt, ist spürbar, aber folgerichtig.
The Bone Temple verlagert sein emotionales Zentrum bewusst weg vom Coming-of-Age hin zu einem grundsätzlicheren Konflikt zwischen Heilung und Vernichtung.
Inszenatorisch ist der Film konventioneller als sein Vorgänger. Weniger formale Brüche, dafür eine sehr dichte Atmosphäre. Nia DaCosta lässt den Film fließen und vertraut auf Bilder, Geräusche und Musik. Der Einsatz von Heavy Metal im Kontrast zu religiöser Bildsprache ist dabei kein Gimmick, sondern Teil der Aussage. Es geht um Weltbilder, die sich in Ritualen ausdrücken.
Und dann ist da dieses Finale. Schon jetzt lässt sich sagen, dass das furiose Schlussstück rund um Ralph Fiennes zu den stärksten und einprägsamsten Szenen des Filmjahres 2026 zählen wird. Diese Mischung aus Theater, Exzess, Musik und emotionaler Zuspitzung brennt sich ein. Allein dieses Finale, ist Grund genug für einen weiteren Kinobesuch. Es ist eine dieser Sequenzen, die man nicht vergisst und über die man noch lange spricht.
Man spürt natürlich, dass „The Bone Temple“ ein Mittelteil ist. Der Film lässt Leerstellen, verweigert klare Abschlüsse und blickt deutlich nach vorn. Aber genau hier zeigt sich das größere Potenzial dieser Reihe. Sollte der dritte Teil in zwei Jahren einen ebenso konsequenten und stimmigen Abschluss finden, dann wird die „28 Years Later“-Trilogie zu den gelungenen und starken Trilogien des modernen Genrekinos zählen. Die ersten beiden Filme haben dafür eine bemerkenswert stabile Grundlage gelegt. Jetzt liegt es am Finale, diesen Bogen zu schließen. Wenn das gelingt, wird man auf diese drei Filme als etwas zurückblicken, das weit über ein weiteres Zombie-Franchise hinausgeht. Empfehlung.