Zuletzt gekaufter/gesehener Film - Allgemeiner Filmthread

Habe End of Oak Street gesehen:

Ein sehr unterhaltsamer Film, der es in 100 Minuten schafft gleichzeitig Horrorfilm, Mystery-Thriller und Familiendrama zu sein.

Die Saurier sind weit bedrohlicher als in den letzten Jurassic-World-Filmen und das Feder-Design war mal etwas anderes. Historisch natürlich völliger Blödsinn, sind Brachiosaurus, Stegosaurus und Tyrannosaurus in der selben Epoche.

Das Ende hat mir auch weniger gefallen, wenn man die Kinder ohne Vater in die Vergangenheit zurückreisen lässt. Aber solche Logik-Buggs ist man von Zeitreisegeschichten gewohnt.

Trotzdem vergingen die 100 Minuten wie im Fluge, der Film fühlte sich herrlich altmodisch
an und war, wenn man nicht zu viel nachdenkt, ungemein unterhaltsam

7 von 10 Punkten
 
Zuletzt bearbeitet:
Vier minus drei
Barbara verliert bei einem Unfall an einem Bahnübergang ihren Mann Heli und ihre beiden Kinder Thimo und Fini. Vier minus drei basiert auf Barbara Pachl-Eberharts autobiografischem Buch und erzählt davon, wie sie danach überhaupt wieder einen Weg ins Leben findet.

Barbara und Heli sind Clowns. Er träumt von großen Auftritten und hält stur an seinen künstlerischen Vorstellungen fest, auch wenn damit nicht gerade viel Geld zu verdienen ist. Barbara arbeitet als Krankenhausclownin und sorgt für ein regelmäßigeres Einkommen. Mit ihren beiden Kindern führen sie ein etwas ungewöhnliches, aber ziemlich normales Familienleben. Es wird gelacht und herumgealbert, aber auch über Geld und Helis berufliche Vorstellungen gestritten. Mir hat gut gefallen, dass der Film daraus im Rückblick keine perfekte Familie macht. Heli wird nach seinem Tod nicht zum makellosen Ehemann und Vater. Gerade dadurch versteht man, was Barbara verloren hat.

Dass eine Clownin im Mittelpunkt einer Geschichte über Trauer steht, könnte schnell bemüht wirken. Der traurige Mensch hinter dem geschminkten Lächeln wäre schließlich eine ziemlich naheliegende Richtung. Zum Glück geht der Film diesen Weg nicht. Humor gehört tatsächlich zu Barbaras Art, mit dem Leben umzugehen, und daran hält sie auch nach dem Tod ihrer Familie fest.

Besonders deutlich wird das bei der Beerdigung. Barbara möchte keinen rein düsteren Abschied, sondern eine Feier, die zu Heli und ihrem gemeinsamen Leben passt. Clowns kommen, es wird Musik gemacht und Seifenblasen steigen auf. Das hätte leicht furchtbar kitschig werden können, funktioniert aber erstaunlich gut. Die Szene ist traurig und gleichzeitig voller Wärme.

Danach versucht Barbara schnell, wieder in ihren Alltag zurückzukehren. Sie möchte sogar wieder als Krankenhausclownin arbeiten. Dort will man sie jedoch vorerst nicht einsetzen. Ihr Schicksal ist inzwischen bekannt und man befürchtet, dass die Kinder in ihr nicht mehr Heidi Appenzeller sehen würden, sondern die Frau, die gerade ihre Familie verloren hat. Damit fällt ausgerechnet die Arbeit weg, die ihr etwas Halt geben könnte.

Gut gefällt mir, dass ihre Trauer nicht so dargestellt wird, wie man es aus vielen Filmen kennt. Barbara funktioniert zunächst erstaunlich gut. Erst nach und nach merkt man, dass sie vieles überhaupt noch nicht an sich herangelassen hat. Sie klammert sich zeitweise an die Vorstellung, möglichst schnell wieder ein Kind bekommen zu müssen, sucht die Nähe zu Männern und trifft Entscheidungen, die von außen kaum vernünftig erscheinen. Der Film erklärt nicht jedes Verhalten und verurteilt sie auch nicht dafür. Trauer muss schließlich nicht vernünftig sein.

Valerie Pachner spielt Barbara hervorragend. Gerade in den ruhigen Szenen merkt man, wie viel unter der Oberfläche passiert. Sie kann lachen und gefasst wirken, trotzdem hat man das Gefühl, dass diese Kontrolle jederzeit zusammenbrechen könnte. Wenn das schließlich geschieht, sind das die stärksten Momente des Films. Pachner übertreibt dabei nie und macht selbst Barbaras schwer nachvollziehbare Entscheidungen glaubwürdig.

Auch Robert Stadlober gefällt mir als Heli sehr gut. Durch die vielen Rückblenden bleibt er über weite Strecken präsent. Er spielt ihn als liebenswerten, etwas verschrobenen Idealisten, der mit seinen Vorstellungen seiner Frau durchaus auf die Nerven gehen kann. Dadurch wirkt ihre Beziehung nicht wie eine große Filmromanze, sondern wie eine echte Ehe, in der zwei Menschen sich lieben und trotzdem aneinandergeraten.

Die Geschichte wird nicht chronologisch erzählt. Der Film springt zwischen der Zeit vor und nach dem Unfall hin und her. Anfangs musste ich mich daran etwas gewöhnen, später fand ich diese Erzählweise sehr passend. Erinnerungen tauchen schließlich auch nicht ordentlich nach Datum sortiert auf. Die früheren Szenen sind meistens wärmer und farbiger, während die Gegenwart deutlich kühler aussieht.

Etwas schwächer fand ich das letzte Drittel. Da verliert der Film ein wenig von seiner Konzentration. Barbara versucht, neue Kontakte zu knüpfen und ihrem Leben eine Richtung zu geben. Dabei kommt auch der Schauspieler Friedrich ins Spiel, mit dem sich langsam eine Beziehung entwickelt. Anfangs konnte ich mit dieser Geschichte nicht allzu viel anfangen, später funktioniert die Figur besser. Trotzdem hätte der Film hier etwas kürzer sein dürfen.

Gut finde ich wiederum, dass es am Ende keinen großen Moment gibt, in dem Barbara ihre Trauer endgültig bewältigt hat und nun ihr neues Leben beginnt. Sie muss vielmehr akzeptieren, dass ihr bisheriges Leben nicht zurückkommen wird. Heli und die Kinder verschwinden deshalb aber nicht aus ihren Erinnerungen.

Bei dieser Geschichte könnte man erwarten, zwei Stunden lang regelrecht niedergeschlagen zu werden. So habe ich Vier minus drei überraschenderweise nicht empfunden. Einige Szenen gehen ziemlich an die Nieren, trotzdem bleibt der Film auch lebensbejahend. Das passt zu Barbara und zur Welt der Clowns, die hier erfreulich ernst genommen wird.

Für mich ist Vier minus drei vor allem deshalb gelungen, weil aus dieser unglaublichen Tragödie kein großes Rührstück wird. Der Film zeigt eine Frau, die nach einem kaum vorstellbaren Verlust weiterleben muss und dabei keineswegs immer nachvollziehbar handelt. Valerie Pachner ist großartig. Ein trauriger, manchmal unangenehmer, am Ende aber erstaunlich warmer Film, der noch eine ganze Weile nachwirkt.
 
Das Drama – Noch einmal auf Anfang
Das Drama – Noch einmal auf Anfang beginnt fast wie eine romantische Komödie. Charlie und Emma lernen sich in einem Coffeeshop kennen, er etwas unbeholfen, sie selbstbewusst und schlagfertig. Zwei Jahre später steht die Hochzeit vor der Tür. In kurzen Rückblicken sieht man, wie aus dem ersten Kennenlernen eine Beziehung geworden ist, mit gemeinsamem Alltag, kleinen Macken und jener Vertrautheit, bei der man irgendwann glaubt, den anderen ziemlich gut zu kennen.

Dann kommt ein Abend mit den Trauzeugen, reichlich Alkohol und die ziemlich dumme Idee, dass jeder erzählen soll, was das Schlimmste war, das er jemals getan hat. Als Emma an der Reihe ist, kippt die Stimmung. Was sie erzählt, sollte man vorher tatsächlich nicht wissen. Es handelt sich auch weniger um einen großen Twist als um den eigentlichen Ausgangspunkt der Geschichte.

Von da an geht es vor allem darum, was diese neue Information mit Charlie macht. Sein bisheriges Bild von Emma bekommt einen gewaltigen Riss und plötzlich betrachtet er vieles anders. Das fand ich ziemlich interessant, weil dahinter eine einfache, aber unangenehme Frage steckt: Wie gut kennt man den Menschen eigentlich, mit dem man sein Leben verbringen möchte? Schließlich kennt man immer nur bestimmte Seiten und macht sich aus ihnen ein Gesamtbild. Was passiert, wenn etwas auftaucht, das überhaupt nicht hineinpassen will?

Robert Pattinson spielt Charlie dabei richtig gut. Anfangs hat seine unbeholfene Art noch etwas Sympathisches, später wird er immer fahriger und nervöser. Man kann ihm regelrecht dabei zusehen, wie ihm die Situation entgleitet.

Zendaya gefällt mir ebenfalls sehr gut, hat aber die schwierigere Rolle. Emma soll offenbar bis zum Schluss nicht vollständig zu durchschauen sein. Das funktioniert, führt aber gleichzeitig zu einem meiner Probleme mit dem Film. Während man Charlies Reaktion ausführlich miterlebt, bleibt Emma vergleichsweise blass. Gerade ihre Sicht auf die eigene Vergangenheit und darauf, was inzwischen aus ihr geworden ist, hätte mich interessiert. Hier hätte der Film ruhig tiefer gehen können.

Sehr gelungen ist dagegen, wie sich das Zusammenspiel zwischen Pattinson und Zendaya verändert. Die anfängliche Lockerheit verschwindet und selbst ganz normale Gespräche bekommen zunehmend etwas Verkrampftes.

Der Film wirft dabei einige spannende moralische Fragen auf. Wie stark darf die Vergangenheit eines Menschen die Gegenwart bestimmen? Wie bewertet man etwas, das vielleicht nie tatsächlich passiert ist? Und gibt es Dinge, nach denen man einen Menschen zwangsläufig anders sieht? Borgli liefert darauf keine fertigen Antworten. Das ist grundsätzlich völlig in Ordnung und macht einen guten Teil des Reizes aus. Trotzdem bleibt die Auseinandersetzung für meinen Geschmack stellenweise etwas oberflächlich, weil sich der Film so sehr auf Charlies Krise konzentriert.

Auch beim schwarzen Humor hätte Borgli ruhig noch eine Schippe drauflegen können. Die Ausgangslage bietet genug Stoff für eine richtig böse Komödie oder sogar einen psychologischen Thriller. Einige Szenen gehen bereits deutlich in diese Richtung und gerade dann macht der Film besonders viel Spaß. Insgesamt bleibt er aber erstaunlich kontrolliert. Ich hätte nichts dagegen gehabt, wenn das Ganze noch unangenehmer und konsequenter eskaliert wäre.
 
Ich habe mir The End of Oak Street heute Abend ein zweites Mal angeschaut. Für eine grundsätzlich andere Lesart fehlen mir allerdings weiterhin die Anhaltspunkte. Die Geschichte scheint tatsächlich so gemeint zu sein, wie sie uns gezeigt wird. Umso markanter bleibt für mich das Ende.

Jeannette schafft es, ihre Familie und damit auch ihr jüngeres Ich zu warnen. Denise hingegen rettet aus ihrer eigenen Familie anscheinend nur den jüngeren Greg durch ihren Telefonanruf. Gleichzeitig warnt sie zahlreiche Menschen aus dem Viertel, wie der Fernsehbericht ausdrücklich deutlich macht. Es handelt sich also keineswegs nur um diejenigen, die dort stellvertretend zu Wort kommen und sich für ihre Rettung bedanken.

Ausgerechnet ihr jüngeres Ich und die jüngeren Ausgaben ihrer Kinder scheint Denise dagegen nicht gewarnt zu haben. Sie werden folglich erneut mit Oak Street in die Kreidezeit versetzt, diesmal allerdings unter völlig anderen Voraussetzungen, da etliche Menschen, die beim ersten Mal dabei waren, nun fehlen.

Für mich passt deshalb die Harmonie am Ende des Films nicht recht zu den Konsequenzen von Denises Entscheidung. Eigentlich müssten ihre Kinder und auch der gerettete jüngere Greg sie fragen, warum sie zwar zahlreiche Menschen aus der Nachbarschaft gewarnt, ihre eigene Familie aber sehenden Auges in die Kreidezeit geschickt hat. Jeannette zeigt schließlich, dass es auch anders geht: Sie warnt ihre Familie und rettet damit zugleich ihr jüngeres Ich.
 
Das Ende der Sterne
Ridley Scott ist inzwischen 88 Jahre alt und dreht immer noch Filme in einem Tempo, bei dem man sich fragt, ob der Mann zwischendurch eigentlich auch mal etwas anderes macht. Nun also die Postapokalypse. Ein Genre, bei dem man angesichts der vergangenen Jahre nicht unbedingt behaupten kann, dass dringender Nachholbedarf bestanden hätte. Trotzdem hat mich Das Ende der Sterne ziemlich schnell bekommen. Vor allem deshalb, weil Scott ausgerechnet das Ende der Welt erstaunlich entspannt angeht.

Die Menschheit ist nach einer Pandemie weitgehend Geschichte. Hig lebt mit seinem Hund Jasper und Bangley auf einem verlassenen Flugplatz. Bangley bewacht das Gelände und hält grundsätzlich jeden Fremden für eine potenzielle Bedrohung. Hig sieht die Sache etwas anders. Er steigt regelmäßig in seine kleine Cessna und fliegt über die menschenleere Landschaft, immer in der Hoffnung, irgendwo noch andere Überlebende zu finden.

Viel mehr passiert am Anfang tatsächlich nicht. Und das meine ich positiv. Hig fliegt ein bisschen herum, kümmert sich um seinen Hund, beschafft Vorräte, erinnert sich an seine verstorbene Frau und versucht irgendwie, mit dem klarzukommen, was von der Welt übrig geblieben ist. Zwischendurch tauchen Menschen auf, bei denen Bangley lieber erst schießt und vermutlich irgendwann später nachfragt. Falls dann noch jemand da ist, den man fragen könnte.

Gerade diese ruhigen Passagen haben mir ausgesprochen gut gefallen. Scott verzichtet weitgehend darauf, uns die Vorgeschichte mit langen Erklärungen um die Ohren zu hauen. Die Welt ist eben kaputt. Wie genau alles abgelaufen ist, muss man nicht bis ins letzte Detail wissen. Auch über Bangley erfährt man erstaunlich wenig. Ein paar Hinweise gibt es, den Rest darf man sich selbst zusammenreimen.

Hig und Bangley sind ohnehin das Herz der Geschichte. Hig hält an seiner Menschlichkeit fest und glaubt weiterhin daran, dass irgendwo noch etwas Gutes zu finden sein könnte. Bangley hat dieses Kapitel offenbar längst abgeschlossen. Für ihn besteht die Restmenschheit vor allem aus Leuten, die möglicherweise vorbeikommen und Ärger machen. Die beiden ergänzen sich trotzdem hervorragend. Hig repariert Dinge, Bangley sorgt dafür, dass anschließend wieder etwas zum Reparieren da ist.

Jacob Elordi gefällt mir dabei vor allem in den stillen Momenten. Hig trägt seine Trauer ständig mit sich herum, ohne dass der Film daraus pausenlos großes Drama machen muss. Elordi kann diesen traurigen, etwas verlorenen Blick jedenfalls ziemlich gut. Josh Brolin hat für mich trotzdem die dankbarere Rolle. Sein Bangley ist grimmig, misstrauisch und mit Sicherheit niemand, den ich nach dem Weltuntergang unbedingt als Nachbarn haben möchte. Andererseits wäre ich vermutlich ganz froh, wenn er auf meiner Seite des Zauns wohnt.

Später trifft Hig auf Pops und dessen Tochter Cima. Auch Pops begrüßt Fremde nicht gerade mit Kaffee und Kuchen, aber bei ihm steckt hinter dem Misstrauen vor allem der Wunsch, seine Tochter und das bisschen Normalität zu beschützen, das ihnen geblieben ist. Guy Pearce fand ich in diesen Szenen richtig stark.

Zwischen Hig und Cima entwickelt sich schließlich auch eine vorsichtige Beziehung. Zum Glück macht Scott daraus keine große Schicksalsromanze. Da sind einfach zwei Menschen, die ihre Partner verloren haben und feststellen, dass Nähe vielleicht doch noch eine ganz nette Sache ist.

Überhaupt funktioniert Das Ende der Sterne für mich immer dann am besten, wenn Scott gar nicht erst versucht, einen großen Endzeitfilm daraus zu machen. Die Flüge mit der Cessna, die Berge, Wälder und menschenleeren Landschaften sehen fantastisch aus. Stellenweise könnte man fast vergessen, dass der größte Teil der Menschheit gerade ausgestorben ist. Ich hätte Hig durchaus noch eine ganze Weile beim Herumfliegen, Vorräte beschaffen und Nachdenken zuschauen können.

Ausgerechnet wenn Action angesagt ist, wird es schwächer. Ein Angriff auf den Flugplatz in der Mitte des Films hat mich erstaunlich kaltgelassen und sieht stellenweise auch nicht besonders überzeugend aus. Noch deutlicher wird das später, als Hig einem Funksignal folgt und glaubt, vielleicht endlich eine größere Gemeinschaft gefunden zu haben.

Dieser ganze Abschnitt ist für mich der größte Schwachpunkt des Films. Hig landet an einem seltsam herausgeputzten Ort, bei dem eigentlich sofort eine innere Stimme schreit: Junge, steig wieder in dein Flugzeug und flieg nach Hause. Natürlich hört Hig nicht auf diese Stimme. Wäre vermutlich auch ein ziemlich kurzer Filmabschnitt geworden.

Was anschließend passiert, ist plötzlich wesentlich schriller und makabrer als alles zuvor. Natürlich stellt sich heraus, dass hinter der hübschen Fassade etwas ziemlich Übles steckt. Und natürlich bekommen wir wieder die alte Endzeitweisheit serviert, dass nicht Viren, Naturkatastrophen oder Zombies das eigentliche Problem sind, sondern der Mensch. Das stimmt vermutlich sogar, nur haben mir Film und Fernsehen diese Erkenntnis inzwischen oft genug mitgeteilt.

Vor allem wirkt die Episode, als hätte sie sich aus einem anderen Film hierher verirrt. Bis dahin erzählt Scott eine ruhige, melancholische Geschichte über Verlust, Einsamkeit und die Frage, ob man sich nach dem Ende der Zivilisation noch ein Stück Menschlichkeit bewahren kann. Plötzlich befinden wir uns beinahe in einem durchgedrehten Horrorthriller. Unterhaltsam ist das durchaus. Gebraucht hätte ich es trotzdem nicht.

Das gilt auch für einige Details rund um Higs verstorbene Frau. Seine Trauer funktioniert hervorragend, solange Scott sie einfach stehen lässt. Später wird noch zusätzlich erklärt, was genau in ihren letzten Stunden passiert ist. Für mich wäre das gar nicht nötig gewesen. Ich hatte auch vorher verstanden, dass Hig seine Frau geliebt hat und ihr Tod ihn bis heute verfolgt. Jacob Elordi bekommt das ganz ohne zusätzliche tragische Fußnote hin.

Was ich dem Film dagegen hoch anrechne, ist seine letztlich erstaunlich optimistische Haltung. Ich hatte zwischendurch durchaus damit gerechnet, dass Scott irgendwann den großen Hammer auspackt und uns demonstriert, dass Hoffnung in dieser Welt grundsätzlich eine ziemlich schlechte Idee ist. Macht er aber nicht. Natürlich gibt es Gewalt, Verlust und reichlich kaputte Menschen. Trotzdem bleibt die Möglichkeit bestehen, wieder Gemeinschaft zu finden und vielleicht sogar etwas Neues aufzubauen.

Damit ist Das Ende der Sterne für mich auch weniger ein Film darüber, wie man nach dem Weltuntergang überlebt. Viel interessanter ist die Frage, warum man überhaupt noch überleben möchte. Nur Nahrung zu beschaffen, das Gelände zu verteidigen und den nächsten Tag zu erreichen, reicht Hig auf Dauer nicht. Irgendwann braucht der Mensch eben doch andere Menschen. Sogar Bangley.

In Scotts Filmografie wird der Film keinen Platz ganz oben bekommen. Dafür ist die Geschichte zu episodisch, einige Motive kennt man inzwischen wirklich zur Genüge und der Ausflug in Richtung Endzeit-Horror passt für mich nur bedingt zum Rest. Wenn irgendwann über Scotts große Filme gesprochen wird, werden Alien, Blade Runner, Gladiator oder Der Marsianer sicherlich früher fallen.

Trotzdem habe ich Das Ende der Sterne gerne gesehen. Der Film sieht toll aus, nimmt sich Zeit für seine Figuren und besitzt eine Ruhe, die ich bei diesem Genre überhaupt nicht erwartet hatte. Vielleicht ist das sogar seine größte Besonderheit. Die Menschheit ist fast ausgestorben, die Zivilisation liegt am Boden und draußen lauern allerlei unangenehme Zeitgenossen. Und trotzdem hatte ich einen erstaunlich entspannten Kinoabend.
 
Wie Ansiv Reeblac habe auch ich mich darüber gewundert, dass nach dem Zeitsprung praktisch keine Interaktion mehr zwischen den Nachbarn stattfindet. Das ist umso erstaunlicher, weil der Film ausgerechnet mit einem Nachbarschaftsfest beginnt und Oak Street ganz bewusst als kleine Gemeinschaft vorstellt. Wir sehen die Bewohner, lernen die Freunde des Jungen kennen und bekommen dadurch den Eindruck, dass diese Menschen und ihre Beziehungen später noch eine Rolle spielen werden. Schließlich wird ja nicht nur das Haus der Hauptfiguren, sondern ein komplettes Stadtviertel in die Vergangenheit versetzt. Eigentlich eine großartige Ausgangslage. Wie reagieren ein paar Dutzend ganz normale Vorstadtbewohner darauf, plötzlich zwischen Dinosauriern festzusitzen? Wer übernimmt Verantwortung, wer dreht durch, wer hilft wem und wie verändert eine solche Situation die Gemeinschaft? Nur interessiert sich der Film nach dem Zeitsprung erstaunlich wenig dafür. Selbst die zuvor eingeführten Freunde des Jungen verschwinden praktisch aus der Geschichte. Oak Street ist plötzlich weniger eine Nachbarschaft als eine Kulisse für das Abenteuer einer einzigen Familie. Da wurde für meinen Geschmack einiges verschenkt.

Ja ...und nein(?).

Ich hatte zu Beginn des Filmes auch den von dir ausgeführten Eindruck, aber diese Geschichte will der Film gar nicht erzählen und ich finde, dass hier schnell der erzählerische Schwerpunkt und die Methodik klar wird.
Die Kinofassung ist auf unter 100 Minuten geschnitten, der Fokus muss daher m.E. auf der Familie liegen. Die Zeit, eine (komplexe) Beziehungskonstellation zwischen den Platts und ihrer Nachbarschaft aufzubauen hätte man in einem Serienformat oder bei einer Lauflänge von z.B. 150 Minuten gehabt, unter den gegebenen Bedingungen ist das kaum möglich. Selbst Jordan, der gleichzeitige Crush von Sohn und Tochter, fühlt sich trotz ihrer an sich sinnvollen Funktion ein wenig konstruiert, weil gar keine Zeit für sie da ist.

Damit teile ich mit einer anderen Bewertung das, was du beobachtest: Die Vorstellung als kleine Gemeinschaft ist weniger das als eine Positionierung der Themen und Konstellationen. Die Freunde des Jungen sind wie der Rest der Nachbarschaft wie schon präzise ausgedrückt Kulisse. Als Zuschauer geht es in der Szene darum, Jordan vorzustellen und dass der Junge in sie verknallt ist. Mel ist der spießige Nachbar und ein Stück Ausdruck von dem, was Denis entfliehen möchte und dem sie schlagfertig trotzt ("[..] then I will burn you house to the ground."), und so weiter.

Ich kann mir vorstellen, dass es auch mal anders gedacht war und/oder einige Szenen der Schere zum Opfer gefallen sind. Der Film, der "End of Oak Street" am Ende geworden ist, "muss" meiner Einschätzung nach schon fast so vorgehen.

Was das Ende angeht, gibt es in meinem Kopf zwei Versionen. Das Filmende und eines, dass imaginär in irgendeiner Drehbuchfassung in der Schublade des Studio liegt. Mit einem bösen Cliffhanger, bei dem sich die Familie ihren Vergangenheits-Ichs gegenübersteht und sich der Film als Teil der ebenfalls von J. J. Abrams und Bad Robots produzierten Cloverfield-Reihe entpuppt.
 
@Aurelian

Beim grundsätzlichen Fokus auf die Familie bin ich bei dir. Aber die fehlende Interaktion der Nachbarn fühlt sich für mich nicht stimmig an. Und dafür hätten ein paar kurze Szenen schon gereicht. Beispielsweise hätte man zeigen können, wie sich die Bewohner von Haus zu Haus mit Schildern verständigen, sich vor den Tieren warnen oder irgendwie versuchen herauszufinden, wer überhaupt noch lebt. Auch ein kurzes Gespräch innerhalb der Familie hätte viel ausgemacht. Was ist mit den Bekannten im Viertel? Was ist mit den Freunden der Kinder? Das hätte vielleicht zwei Minuten Filmzeit gekostet.

Gerade deshalb überzeugt mich das Argument mit der kurzen Laufzeit hier nur bedingt. Der Film führt Oak Street zunächst ausdrücklich als Nachbarschaft ein. Nach der Katastrophe besteht diese Nachbarschaft plötzlich nur noch aus einzelnen Häusern, deren Bewohner offenbar kaum Interesse daran haben, was ein paar Meter weiter passiert. Ausgerechnet in einer solchen Situation würde ich eher das Gegenteil erwarten. Man schaut nach den Nachbarn, sorgt sich um Freunde, versucht Kontakt aufzunehmen oder wenigstens herauszufinden, wer noch da ist. Stattdessen scheint jeder Haushalt auf seiner eigenen kleinen Insel zu leben.

Für mich bleibt da tatsächlich eine Leerstelle. Nicht, weil ich die Lebensgeschichten sämtlicher Bewohner von Oak Street hätte kennenlernen wollen, sondern weil mir ein bisschen menschliche Reaktion auf das Schicksal der anderen fehlt.
 
The Dog Stars

Der neueste Film von Ridley Scott geht gerade an den Kinokassen zu Unrecht ziemlich unter.

Der Film ist weitaus ruhiger, atmosphärischer und charakterorientierter als die Trailer vermuten liessen. Action gab es eher weniger. Trotzdem gefiel mir gerade die kammerspielartige erste Hälfte recht gut und wurde kaum langweilig und die Landschaftsaufnahmen waren wunderschön.

Von der Handlung her eine Mischung aus Western (die Reapers wirken wie American Natives und die kurze Büffel-Szene ist bereits aus dem Trailer bekannt) und The Walking Dead ohne Zombies (so gibt es mit den Reapern und den Kannibalen gleich zwei böse Gruppen und wie bei Rick und seiner Gruppe schafft man es gleich mal eine fuktionierende Gesellschaft zu zerstören).

Der Film zählt sicherlich nicht, wie angekündigt, zu Scotts besten Werken und dürfte schnell vergessen sein. Schlecht fand ich ihn aber trotzdem nicht. Sogar besser als "Disclosure Day" von Altmeister Spielberg heuer.

6 von 10 Punkten
 
Verflucht normal

Das Thema Tourette ist leider in Hollywood massiv unterrepräsentiert. Von dem gefällt mir sehr gut, dass die Krankheit hier endlich ihr filmisches Denkmal erhält.

Trotzdem ist der Film keine Lehrstunde, sondern sehr herzerweichend (ohne kitschig zu sein), durchaus lustig und sehr unterhaltsam.

Auch wenn man sich an John Davidons Leben orierzierte, nahm man sich doch einige dramaturgische Freiheiten. So wird nicht erwähnt, dass Davidson schon als Kind in der Doku "John’s Not Mad" mitwirkte.

Robert Aramayo spielt extrem gut und hätte sich eine Oscar Nominierung verdient gehabt. Nicht nur die Ticks schafft er glaubwürdig zu zeigen, sondern auch den Menschen David dahinter.

Insgesamt ein sehr schöner und durchaus wichtiger Film. Leider ging er an den Kinokassen und bei den Oscars unter, aber seine extrem hohe Imdb Wertung (dadurch bin auch ich auf den Film gestossen) mit aktuell Platz 112 in den Top 250 wird hoffentlich seine Popularität steigern.

8 von 10 Punkten
 
Hab die Woche über geschafft, mir

Hagen - Im Tal der Nibelungen


anzusehen.

Hat mir tatsächlich gefallen.

Tempo und Erzählweise sind sicher ungewohnt, sicher nicht, das man von einem Kinofilm erwartet.

Acer so wie ich das verstehe, ist es ja auch keine ausdrückliche Kinoproduktion.

Die Geschichte ist natürlich nicht neu, aber durch die neue, andere Sichtweise interessant.

Ich würde mal 8 von 10 Punkten geben

Und tatsächlich würde ich hier eine Fortsetzung durchaus reizvoll finden

Aber dieser Teil der Geschichte wird ja schon fast traditionell eher vernachlässigt.
 
In the Grey

Ein Guy Ritchie Film von Fliessband. Sprich 0815 Action Heist Movie mit 0815 Actionszenen und 0815 Humor. Grosse Twists wie bei "The Gentlemen" hat es auch nicht gegeben.

Dazu hatte der Film etwas zu viele Planungsszenen. Diese fand ich mit der Zeit eher ermüdend denn cool und die ständige gelbe Schrift nervte.

Positiv sind die Hauptdarsteller. Vor allem Eiza González als Rachel war nicht nur heiss, sondern auch cool. Dazu Henry Cavill und Jack Gyllenhaal. Auch waren die Locations recht ansprechend.

Trotzdem schaffen auch diese es nicht, dass man den Film wohl so schnell wie man ihn konsumiert (dauert nur knapp über 90 Minuten) auch wieder vergisst.

5 von 10 Punkten!
 
One Night Only
Die Ausgangsidee von One Night Only mutet absurd an: In einem fiktiven New York hat die Regierung Sex außerhalb der Ehe verboten. Nur in einer einzigen Nacht im Jahr wird das Verbot für zwölf Stunden aufgehoben. Wer nicht verheiratet ist, darf sich dann austoben. Mittendrin sind zwei Singles, die mit ziemlich unterschiedlichen Erwartungen in diese Nacht starten und sich dabei immer wieder über den Weg laufen.

Das Problem an der Sache ist nur, dass man über diese Prämisse besser nicht allzu lange nachdenken sollte. Mir kamen jedenfalls ziemlich schnell Fragen in den Sinn. Warum heiraten nicht massenhaft Menschen, nur um das Verbot zu umgehen? Wie kontrolliert ein Staat überhaupt das Sexualleben von Millionen Menschen? Und warum scheint sich die Bevölkerung mit diesem doch ziemlich drastischen Eingriff in ihr Privatleben weitgehend arrangiert zu haben? Der Film versucht zwar, seine Welt mit technischen Kontrollmechanismen, Protestparolen und einigen Erklärungen halbwegs abzusichern, wirklich schlüssig wird sie dadurch aber nicht. Vielleicht hätte es schon geholfen, dieses New York ein wenig fremder, futuristischer oder repressiver aussehen zu lassen. So sieht die Welt weitgehend aus wie unsere, nur dass plötzlich eine vollkommen absurde Regel gilt.

Irgendwann habe ich allerdings beschlossen, das einfach hinzunehmen.

Denn eigentlich interessiert sich One Night Only gar nicht besonders für die gesellschaftlichen Konsequenzen seiner eigenen Idee. Die Prämisse ist hauptsächlich der Aufhänger für eine klassische Romcom. Zwei attraktive Menschen begegnen sich, können sich zunächst nicht besonders gut leiden, verfolgen ihre eigenen Pläne und laufen sich im Laufe der Nacht immer wieder über den Weg. Natürlich weiß man ziemlich früh, worauf das hinauslaufen soll.

Das funktioniert für mich vor allem deshalb ganz ordentlich, weil ich die beiden Hauptfiguren mochte. Monica Barbaro hat ohnehin eine enorme Präsenz, und auch ihr männlicher Gegenpart funktioniert für mich auch. Die Figuren sind nicht wahnsinnig tiefgründig geschrieben, aber sympathisch genug, dass ich ihnen gerne durch diese Nacht gefolgt bin. Dass der Film einige Umwege nimmt und sie nicht sofort im Bett landen lässt, fand ich zunächst sogar ganz charmant.

Mit der Zeit nutzt sich dieses Prinzip allerdings ab. Vor allem die Begegnungen mit anderen möglichen Partnern wirken irgendwann weniger wie natürliche Entwicklungen dieser Nacht als wie Hindernisse, die das Drehbuch zwischen die beiden Hauptfiguren schieben muss. Besonders deutlich wird das, wenn eine eigentlich vielversprechende Begegnung plötzlich auf eine Weise beendet wird, die vor allem einem Zweck dient: Die Bahn für das erwartbare Paar muss wieder frei werden. Da sieht man dem Drehbuch dann doch ziemlich deutlich bei der Arbeit zu.

Auch aus dem Zeitdruck der Geschichte hätte man mehr machen können. Eigentlich müssten diese zwölf Stunden ein enormes Tempo entwickeln. Eine ganze Stadt befindet sich im Ausnahmezustand und gleichzeitig läuft für die Figuren unerbittlich die Uhr herunter. Trotzdem entsteht nie dieser richtige Sog. Der Film hangelt sich eher gemütlich von einer Episode zur nächsten. Langweilig fand ich das nicht, etwas mehr Tempo hätte der Geschichte aber gutgetan.

Am erstaunlichsten fand ich, wie brav One Night Only letztlich ist. Da dreht man einen Film, dessen komplette Ausgangsidee sich um Sex dreht, lässt die Menschen ein ganzes Jahr auf diese zwölf Stunden warten und zeigt dann eine Welt, die erstaunlich gesittet bleibt. Ich brauche keine expliziten Sexszenen, nur weil ein Film von Sex handelt. Hier hätte ich mir aber deutlich mehr Sinnlichkeit gewünscht. Körperlichkeit, Nervosität, Lust, Frust, Erwartung, vielleicht auch etwas Kontrollverlust. Davon ist überraschend wenig zu spüren.

Stattdessen bleibt alles sehr auf Hochglanz poliert. Die Menschen sind überwiegend jung, schön und heterosexuell, andere Formen von Sexualität tauchen höchstens am Rand auf. Gerade bei dieser Prämisse wäre eigentlich die Gelegenheit dagewesen, ein breiteres Bild davon zu zeichnen, wie unterschiedlich Menschen mit Begehren, Beziehungen und einem solchen Verbot umgehen. Der Film entscheidet sich aber ziemlich eindeutig dafür, eine möglichst massenkompatible romantische Komödie zu sein.

Zum Ende hin hat mich diese Vorsicht dann tatsächlich gestört. Sex kann Ausdruck von Liebe und Vertrauen sein, muss es aber nicht. Menschen können auch einfach Lust aufeinander haben, ohne dass daraus die große romantische Verbindung fürs Leben entstehen muss. Ausgerechnet ein Film mit dieser Ausgangsidee hätte damit wunderbar spielen können. Stattdessen landet er bei einer ziemlich traditionellen Vorstellung von Liebe, Sex und Beziehung. Das ist nicht grundsätzlich verkehrt, fühlt sich angesichts der vorher aufgebauten Welt aber fast schon ein wenig feige an.

Vielleicht funktioniert One Night Only besser, wenn man nicht ständig darüber nachdenkt, welcher interessantere Film in dieser Idee noch gesteckt hätte. Man nimmt die absurde Ausgangslage hin, schaut zwei schönen Menschen dabei zu, wie sie umeinander herumschleichen, bekommt ein paar nette Situationen und geht anschließend wieder nach Hause.

Mehr ist es letztlich auch nicht. Für einen entspannten Abend reicht das durchaus, ins Kino muss man dafür aber nicht unbedingt. Ob ich ihn irgendwann noch einmal sehen werde, bezweifle ich ebenfalls. Dafür bleibt dann doch zu wenig hängen.
 
Habe nun Oak Street schauen können.
Der Film erinnert stark an die alten Filme meiner Kindheit und macht richtig Spass.
9/10 gefiederten Dinos

Fand das ausbleiben gemeinschaftlicher Hilfe in der Nachbarschaft nichtmal störend, man sieht am Anfang ja auch recht deutlich dass die ersten Stunden einen brutalen Blutzoll verlangen. Sprich da gab es vermutlich wenige Intakte Familien. Unsere Fam wäre am Anfang ja auch fast gefressen worden. Der Tod des Vaters kam überraschend und Grausam. Habe ich nicht kommen sehen.
Und kann es sein dass das gerettete Mädchen im Abspann 2 mal existiert ? Bzw die verschiedenVersionen davon ?
Auch cool dass man den Dinos feedern spendierte, obwohl ich glaube dass der Brachiosaurus nicht wie ein Wolhaarmammut durch die Gegend gestampft ist haha
 
Und kann es sein dass das gerettete Mädchen im Abspann 2 mal existiert ? Bzw die verschiedenVersionen davon ?

Ja. Genau das ist der Punkt, der das Ende für mich überhaupt erst so interessant und gleichzeitig etwas problematisch macht.

Jeannette existiert am Ende tatsächlich zweimal. Wir sehen sowohl die Jeannette, die mit Oak Street in der Kreidezeit gelandet ist und anschließend zurückkehrt, als auch ihre jüngere Version, die diese Reise nie erlebt hat. Die ältere Jeannette hat ihre Familie rechtzeitig gewarnt und damit eben auch ihr jüngeres Ich davor bewahrt, erneut mit Oak Street zu verschwinden.

Und genau da beginnt für mich das Problem mit Denise. Wenn das bei Jeannette so funktioniert, müssten zum Zeitpunkt der zweiten Versetzung auch Denise, Audrey und Brian jeweils zweimal existiert haben. Die zurückgekehrten Versionen befinden sich außerhalb von Oak Street, ihre jüngeren Ausgaben dagegen weiterhin dort.

Jeannette sorgt dafür, dass ihre jüngere Ausgabe gerettet wird. Denise rettet Greg und, wie wir durch den Fernsehbericht erfahren, offenbar noch eine ganze Reihe anderer Menschen aus der Nachbarschaft. Nur ausgerechnet ihr jüngeres Ich und die jüngeren Ausgaben ihrer Kinder scheint sie nicht gewarnt zu haben.

Wenn der Film hier seinen eigenen Regeln folgt, dürften die drei also tatsächlich wieder mit Oak Street in der Kreidezeit gelandet sein. Und deshalb sehe ich das harmonische Ende mit etwas anderen Augen. Während die eine Familie gemütlich beim Grillfest sitzt, dürfte die andere Ausgabe derselben Familie gerade feststellen, dass sie schon wieder zwischen Dinosauriern gelandet ist. Nur diesmal ohne Greg und unter völlig anderen Voraussetzungen.
 
Vaterland
Wir schreiben das Jahr 1949. Vier Jahre nach Kriegsende liegen viele Städte noch in Trümmern, Lebensmittel sind knapp und die Teilung Deutschlands kündigt sich bereits an. Die Bundesrepublik und die DDR sind noch nicht gegründet, trotzdem haben sich Ost und West schon deutlich voneinander entfernt.

In dieser Lage kehrt Thomas Mann aus seinem amerikanischen Exil zurück, um in Frankfurt und Weimar jeweils einen Goethepreis entgegenzunehmen. Hans Zischler spielt ihn als höflichen, selbstbewussten und unnahbaren Schriftsteller. Während die Bevölkerung mit den Folgen des Krieges kämpft, wohnt er in guten Hotels, besucht festliche Empfänge und hält feierliche Reden. Für mich entstand dabei immer wieder der Eindruck, dass er die Verwüstung zwar sieht, aber kaum an sich heranlässt.

Begleitet wird er von seiner Tochter Erika, die für ihn übersetzt, seine Termine organisiert und ihn zu einer klaren Haltung drängt. Sandra Hüller fand ich gewohnt stark. Ihre Erika ist klug, scharfzüngig und wütend, zugleich aber auch erschöpft und verletzlich. Sie erkennt, wie schnell ehemalige Nutznießer des NS-Regimes wieder in der Gesellschaft Fuß fassen, während ihr Vater unangenehmen Fragen lieber mit vornehmer Zurückhaltung begegnet.

Historisch hat diese gemeinsame Reise allerdings nie stattgefunden. Thomas Mann wurde damals von seiner Frau Katia begleitet. Erika hatte sich vorgenommen, Deutschland nach dem Krieg nicht mehr zu betreten, und hielt sich 1949 daran. Natürlich darf ein Spielfilm tatsächliche Ereignisse verändern. In diesem Fall wird jedoch eine Entscheidung aufgehoben, die viel über Erikas Haltung aussagt. Als kritischer Gegenpol zu ihrem Vater funktioniert sie hervorragend. Trotzdem hätte ich auch Katia Mann für eine interessante Figur gehalten.

Einige Begegnungen waren mir etwas zu offensichtlich auf ihre jeweilige Aussage zugeschnitten. Nebenfiguren stehen häufig für eine politische Haltung oder ein Kapitel deutscher Geschichte. Westdeutsche Verdrängung, ostdeutsche Vereinnahmung und moralische Mitschuld werden in kurzen Szenen abgehandelt. Besonders auffällig ist das Treffen mit Gustav Gründgens, gespielt von Joachim Meyerhoff. Wenn Erika ihrem früheren Ehemann eine Ohrfeige gibt, ist das im ersten Moment durchaus befriedigend, zugleich aber auch recht plump. Opportunismus und Schuld lassen sich nicht mit einem einzigen Schlag erledigen.

Gut gefallen hat mir, wie der Film die Gegensätze dieser Zeit aufgreift. Ost und West, Armut und Wohlstand, öffentliches Auftreten und private Gefühle treffen immer wieder aufeinander. Jede Einstellung ist sorgfältig gestaltet, manchmal sogar etwas zu schön. Das zerstörte Land erscheint stellenweise so kunstvoll, dass das historische Elend für meinen Geschmack beinahe veredelt wird.

Im Westen gibt es bei den Empfängen Champagner und reichlich zu essen. Auf dem Weg nach Weimar wird der Mangel spürbarer. In einem Restaurant ist die Küche geschlossen, Kaffee gibt es ebenfalls nicht. Bei einer Kontrolle nähert sich ein junger sowjetischer Soldat dem Wagen. Für einen Moment wirkt die Situation bedrohlich, doch er möchte lediglich eine Zigarette haben. Thomas Mann schenkt ihm eine Zigarre, die der Soldat beinahe ungläubig betrachtet. Solche kleinen Beobachtungen sagen für mich mehr über die auseinanderdriftenden Lebenswelten als lange politische Erklärungen.

Vaterland greift eine ganze Reihe großer Themen auf, führt aber kaum eines davon wirklich aus. Deutsche Schuld und Verdrängung, Exil und Heimatverlust, die politische Vereinnahmung Thomas Manns durch beide Seiten, der Tod von Klaus Mann sowie das schwierige Verhältnis zwischen Vater und Kindern werden kurz aufgerufen und dann meist wieder fallengelassen. Kaum beginnt eine Begegnung interessant zu werden, zieht der Film bereits weiter.

Diese Zurückhaltung ist offensichtlich gewollt. Sie passt zu Thomas Mann, der selbst angesichts persönlicher Katastrophen lieber über Goethe, Kunst und Humanismus spricht, als seine Gefühle offenzulegen. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass der Film seine Konflikte nicht nur verdichtet, sondern regelrecht ausbremst.

Mit 82 Minuten ist Vaterland konzentriert und frei von Leerlauf. Die Kürze ist für mich dennoch nicht nur eine Stärke. Wer wenig über die Familie Mann und die politische Lage des Jahres 1949 weiß, dürfte manche Zusammenhänge kaum vollständig erfassen.

Am Ende bleibt für mich ein gut gespielter Film, der seine interessanten Themen mit angezogener Handbremse behandelt. Die Bilder haben mich beeindruckt, wirklich nahegekommen sind mir die Figuren aber erst gegen Ende. Etwas weniger formale Strenge und ein wenig mehr Zeit hätten aus diesem historischen Porträt vielleicht auch ein großes Familiendrama gemacht.
 
Vivaldi und ich
Venedig im Jahr 1716. Cecilia lebt seit ihrer Geburt im Ospedale della Pietà, einem Waisenhaus, in dem junge Frauen musikalisch ausgebildet werden. Die Besten spielen in einem Orchester, dessen Auftritte dem Haus Geld und Ansehen einbringen. Zu sehen bekommt das Publikum die Musikerinnen allerdings nicht. Sie spielen hinter Gittern oder tragen Masken. Ihre Musik wird bewundert, sie selbst sollen unsichtbar bleiben.

Auch über Cecilias weiteres Leben haben längst andere entschieden. Sie soll einen wohlhabenden Offizier heiraten, sobald dieser aus dem Krieg zurückkehrt. Das Waisenhaus erhält dafür eine hohe Zahlung, Cecilia darf als verheiratete Frau jedoch nicht mehr Geige spielen. In ihrer Verzweiflung schreibt sie Briefe an die Mutter, die sie als Säugling fortgegeben hat. Abschicken kann sie diese Briefe nicht. Sie hält trotzdem an der Hoffnung fest, dass ihre Mutter eines Tages zurückkehren könnte.

Wie hart das Leben in diesem Haus ist, zeigt bereits eine Szene am Anfang. Die Mädchen entdecken junge Katzen und freuen sich über die Tiere. Dann kommt die Oberin, steckt sie in einen Sack und ertränkt sie. Die schwer erträgliche Szene macht deutlich, wie wenig ein einzelnes Leben in dieser Umgebung zählt. Cecilia erkennt in den ausgesetzten Tieren ihr eigenes Schicksal wieder.

In diese bedrückende Welt kommt Antonio Vivaldi. Michele Riondino spielt ihn nicht als überlebensgroßes Genie, sondern als kränklichen und rastlosen Mann, der selbst nach Anerkennung sucht. Er hustet, zweifelt und wirkt oft ziemlich erschöpft. Seine Musik ist noch kein Klassiker, sondern entsteht gerade erst aus harter Arbeit, Ehrgeiz und neuen Ideen. Dadurch wirkt Vivaldi menschlich, ohne seine besondere Ausstrahlung zu verlieren.

Anders als der Titel vermuten lässt, ist Vivaldi und ich kein Film über das Leben des Komponisten. Im Mittelpunkt steht Cecilia. Vivaldi erkennt ihr Talent und macht sie zur ersten Violine des Orchesters. Nicht etwa, weil sie technisch besser spielt als alle anderen. Er wählt sie, weil sie nicht nach Lob sucht. Cecilia spielt, weil sie nur in der Musik ganz bei sich sein kann.

Tecla Insolia verkörpert sie sehr zurückgenommen. Cecilia spricht nicht viel und zeigt selten offen, was in ihr vorgeht. Ihr Widerstand beginnt leise mit Blicken, kleinen Verweigerungen und Fragen, die sie sich früher nicht zu stellen gewagt hätte. Nach und nach wird aus dem stillen Mädchen eine junge Frau, die selbst über ihr Leben bestimmen will. Insolia macht diese Entwicklung ohne große Reden glaubhaft. Hinter Cecilias ruhiger Art ist stets auch eine unterdrückte Wut zu spüren.

Besonders gelungen ist die Beziehung zwischen Cecilia und Vivaldi. Der Film macht daraus keine verbotene Romanze. Beide kommen sich durch die Musik näher und erkennen ineinander den Außenseiter. Vivaldi fördert Cecilia und zeigt ihr neue Möglichkeiten, ist aber kein selbstloser Retter. Auch er braucht sie. Ihr Spiel gibt seinen Kompositionen Leben, während ihre Bewunderung ihm guttut. Mit der Zeit erkennt Cecilia, dass er ihre Freiheit nur so lange unterstützt, wie sie seinen Vorstellungen entspricht. Schließlich muss sie sich auch gegen den Mann behaupten, der ihr überhaupt erst gezeigt hat, was in ihr steckt.

Der Film erzählt die Geschichte sehr ruhig. Gerade am Anfang braucht der Film einige Zeit, um in Gang zu kommen. Die Handlung entwickelt sich langsam und die kühle Stimmung des Waisenhauses schafft zunächst etwas Abstand. Darauf muss man sich einlassen. Später passt das gemächliche Tempo jedoch immer besser zu Cecilias Entwicklung. Je entschlossener sie wird, desto mehr Kraft bekommt auch der Film. Eine ziemlich brutale Wendung trifft besonders hart, weil der Film bis dahin auf große Gefühlsausbrüche verzichtet.

Vivaldis Musik wird nicht einfach als Abfolge seiner bekanntesten Stücke eingesetzt. Oft sind zunächst nur einzelne Töne und kurze Motive zu hören. Die Kompositionen entstehen während der Proben und wachsen langsam aus dem Zusammenspiel der Instrumente heraus. So wirken sie nicht wie eine nachträglich über die Bilder gelegte Begleitung. Man erlebt vielmehr, wie etwas Neues entsteht.

Venedig wird nicht als prächtige Kulisse mit Markusplatz und Gondelromantik vorgeführt. Stattdessen bestimmen dunkle Flure, einfache Schlafräume, schwaches Kerzenlicht und die schweren Mauern des Waisenhauses das Bild. Einen deutlichen Gegensatz dazu bilden die farbenprächtigen Häuser der reichen Venezianer. Wirklich freier sind die Mädchen dort allerdings nicht. Sie werden betrachtet und beurteilt wie eine Ware, die an den passenden Mann verkauft werden soll.

Umso schöner sind die wenigen Szenen außerhalb des Ospedale. Für einen kurzen Moment scheint ein anderes Leben möglich. Besonders in Erinnerung bleibt eine Szene, in der Cecilia mit einer Maske und einem roten Umhang durch ein Wäldchen geht und Geige spielt.

Das Ospedale wird dennoch nicht nur als Ort des Schreckens gezeigt. Die Mädchen werden dort streng erzogen, für Auftritte benutzt und später gegen Geld verheiratet. Zugleich erhalten einige von ihnen eine musikalische Ausbildung, die Frauen damals sonst kaum offenstand. Genau darin liegt der große Widerspruch dieses Ortes. Das Waisenhaus hält Cecilia gefangen, gibt ihr mit der Musik aber auch das Mittel, sich daraus zu lösen.

Vivaldi und ich erzählt von einer jungen Frau, die über ihr eigenes Leben bestimmen möchte. Cecilia möchte weder berühmt noch reich werden. Sie will weiter Geige spielen und selbst bestimmen, wie sie lebt. Dafür muss sie vieles aufgeben, was ihr bisher wenigstens etwas Sicherheit gegeben hat.

Am Ende gibt es deshalb keinen einfachen Triumph. Cecilias Zukunft bleibt offen und wird wahrscheinlich nicht leicht. Trotzdem wartet sie nicht mehr darauf, dass ihre Mutter, Vivaldi oder jemand anderes sie rettet. Sie nimmt ihr Leben selbst in die Hand, obwohl sie nicht weiß, wohin dieser Weg führen wird.

Mir hat Vivaldi und ich gut gefallen. Damiano Michieletto ist ein ruhiges, schön fotografiertes und überzeugend gespieltes Drama gelungen, das anfangs etwas Geduld verlangt, im weiteren Verlauf aber immer stärker wird. Vor allem Tecla Insolia bleibt in Erinnerung. Sie macht aus Cecilia keine laute Heldin, sondern eine junge Frau, die langsam den Mut findet, sich gegen das für sie vorgesehene Leben zu wehren. Gerade weil das ohne große Reden und einfache Lösungen geschieht, wirkt ihre Geschichte überzeugend.
 
Everytime
Ein Jahr ist vergangen, seit die junge Jessie nach einer durchfeierten Nacht vom Dach eines Berliner Hochhauses gestürzt ist. Für ihre Mutter Ella und ihre jüngere Schwester Melli ist seitdem nichts mehr wie vorher. Jessie ist tot, aber auf Fotos und Videos, in alten Nachrichten und in den Gedanken ihrer Familie weiterhin präsent.

Der Film erzählt zunächst sehr ruhig davon, wie das Leben nach einem solchen Verlust weitergeht. Ella besucht das Grab ihrer Tochter, kümmert sich um Melli und versucht, ihren Alltag zu bewältigen. Birgit Minichmayr spielt sie dabei angenehm zurückhaltend. Man merkt ihr an, wie sehr der Tod ihrer Tochter an ihr nagt, ohne dass der Film diesen Schmerz ständig ausstellen muss.

Dann taucht Jessies damaliger Freund Lux wieder auf. Er war in der Nacht ihres Todes bei ihr und war mit ihr auf dem Dach. Deshalb gibt es den Verdacht, dass er eine Mitschuld trägt. Ella lässt ihn trotzdem in ihr Leben und schließlich auch in ihre Wohnung. Zusammen mit Melli entsteht eine ungewöhnliche kleine Gemeinschaft, in der Misstrauen, Schuldgefühle und Nähe nebeneinander bestehen.

Diesen Teil des Films fand ich besonders stark. Vieles passiert eher nebenbei, große Aussprachen bleiben aus. Gerade zwischen Ella und Lux hätte ich deshalb gerne noch mehr gesehen. Auch Melli hätte mehr Raum verdient. Sie muss nicht nur mit dem Tod ihrer Schwester klarkommen, sondern auch damit, wie sehr dieser Verlust ihre Mutter verändert hat. Hier steckt einiges in den Figuren und ihren Beziehungen, das später leider liegen bleibt.

Stattdessen rückt zunehmend die Frage in den Mittelpunkt, was von einem Menschen in unserer digitalen Welt zurückbleibt. Neben persönlichen Erinnerungen sind da unzählige Fotos, Videos, Sprachnachrichten und Chats. Besonders gut funktioniert das in einer einfachen Szene, in der Melli ihrer verstorbenen Schwester eine Nachricht schreibt. Plötzlich erscheinen die drei Punkte, die anzeigen, dass jemand gerade antwortet. Der Film macht daraus keinen großen Effekt und gerade deshalb ist der Moment so unheimlich.

Auch optisch hat Everytime einiges zu bieten. Schon die Berliner Hochhäuser wirken gleichzeitig vertraut und fremd. Später auf Teneriffa gibt es mit der Vulkanlandschaft, den Ferienanlagen und dem Meer einige wirklich starke Aufnahmen. Die elektronische Musik verstärkt das Gefühl, dass mit dieser Welt irgendetwas nicht stimmt.

Mit der Reise nach Teneriffa beginnt für mich allerdings auch der schwächere Teil. Vergangenheit und Gegenwart vermischen sich, Menschen verschwinden und tauchen wieder auf, Situationen verändern sich und irgendwann steht eine quadratische Sonne am Himmel. Was wirklich geschieht und was vielleicht nur Vorstellung oder Erinnerung ist, lässt sich immer schwerer auseinanderhalten.

Dass ein Film über Trauer nicht alles eindeutig erklärt, finde ich grundsätzlich passend. Erinnerungen sind schließlich ebenfalls nicht ordentlich sortiert und etwas lange Vergangenes kann sich plötzlich wieder unmittelbar anfühlen. Ich kann deshalb nachvollziehen, warum der Film die Geschichte zunehmend von der Wirklichkeit löst. Nur geht sie für meinen Geschmack irgendwann zu weit.

Während ich anfangs unbedingt wissen wollte, wie es mit Ella, Melli und Lux weitergeht, habe ich später vor allem darüber nachgedacht, was einzelne Bilder wohl bedeuten sollen. Genau dadurch ging für mich etwas verloren. Ein altes Handyfoto oder die Nachricht an Jessie haben mich stärker erreicht als die aufwendigeren Einfälle der zweiten Hälfte. Die quadratische Sonne sieht ungewöhnlich aus, bleibt für mich aber letztlich ein Bild, das mehr Aufmerksamkeit auf sich selbst zieht als auf die Geschichte.

Das gilt besonders für das Ende. Ich brauche keine eindeutige Auflösung und hätte ein offenes Ende sogar erwartet. Trotzdem hatte ich hier das Gefühl, dass aus Mehrdeutigkeit irgendwann unnötige Unklarheit wird. Nicht jedes Rätsel macht eine Geschichte interessanter und nicht jedes ungewöhnliche Bild macht sie tiefer. An einigen Stellen scheint der Film seinem eigenen Kunstanspruch etwas zu sehr zu vertrauen.

Trotz dieser Kritik hat mir Everytime insgesamt gefallen. Birgit Minichmayr überzeugt, die Bilder bleiben im Gedächtnis und die Verbindung von Tod und digitalem Weiterleben ist spannend. Vor allem die erste Hälfte zeigt sehr glaubwürdig, wie ein schwerer Verlust Teil des normalen Alltags werden kann, ohne jemals wirklich normal zu sein.
 
Resident Evil (2026)
Bryan arbeitet als Kurierfahrer und bringt medizinische Lieferungen von einem Krankenhaus zum nächsten. Besonders gut bezahlt wird er dafür nicht. Als ihm kurz vor Feierabend ein dringender Auftrag angeboten wird, nimmt er ihn deshalb an. Innerhalb einer Stunde soll er eine wertvolle Fracht nach Raccoon City bringen. Das zusätzliche Geld kann er gut gebrauchen, zumal ihm seine Freundin gerade erzählt hat, dass sie schwanger ist und er darauf alles andere als glücklich reagiert hat. Da kommt ihm die Fahrt gar nicht so ungelegen.

Die Bedingungen könnten allerdings kaum schlechter sein. Es ist Nacht, die Straßen sind verschneit und Bryan fährt mit Sommerreifen los. Dann läuft ihm mitten im Nirgendwo eine Frau vors Auto. Er will ihr helfen und gerät dadurch immer tiefer in eine Geschichte, die mit jedem Schritt schlimmer und verrückter wird.

Bryan ist kein harter Kerl, der plötzlich jede Waffe beherrscht und problemlos mit allen Gefahren fertig wird. Er hat Angst, macht Fehler und handelt manchmal, ohne vorher nachzudenken. Trotzdem wirkt er nie dumm oder unfähig. Er versucht, anderen zu helfen, hat zwischendurch gute Ideen und wächst langsam an der Situation. Austin Abrams spielt ihn sehr sympathisch. Wenn Bryan seine knappe Munition verschwendet, etwas Wichtiges wegwirft oder an einem einfachen Hindernis scheitert, kann man darüber lachen, weil man sich selbst wahrscheinlich auch nicht viel besser anstellen würde.

Am stärksten ist der Film in der ersten Hälfte. Die verschneite Gegend, das wenige Licht und die Dunkelheit rund um Bryan sorgen für eine unheimliche Stimmung. Mit seiner Handytaschenlampe folgt er einer Spur durch den Schnee, betritt verlassene Häuser und sucht in finsteren Räumen nach einem Ausweg. Die Kamera bleibt meistens nah bei ihm, sodass man seine Unsicherheit gut nachvollziehen kann. Manchmal sieht man eine Gefahr schon früh kommen. In anderen Szenen taucht sie völlig überraschend auf. Einige dieser Schreckmomente haben mich tatsächlich erwischt.

Nach einem kurzen Einstieg legt der Film schnell los und kommt danach kaum noch zur Ruhe. Bryan wird von einer gefährlichen Situation in die nächste.

Auch die Monster sind gelungen. Es bleibt nicht bei gewöhnlichen Zombies. Die Wesen werden immer seltsamer, ekliger und stärker verformt. Körper reißen auf, verändern sich oder wachsen auf widerliche Weise zusammen. Der Film spart weder an Blut noch an Schleim und zeigt einige ziemlich heftige Bilder. Nicht jeder digitale Effekt sieht überzeugend aus, insgesamt sind die Kreaturen aber abwechslungsreich gestaltet und gut eingesetzt.

Horror und schwarzer Humor passen lange erstaunlich gut zusammen. Die meisten Lacher entstehen ganz von selbst, weil Bryan mit dem Wahnsinn um ihn herum völlig überfordert ist. Eine spannende Szene kann plötzlich im Chaos enden und dadurch komisch werden. Der Film macht Bryan dabei nicht lächerlich. Seine Reaktionen sind meist genau das, was man von einem normalen Menschen in einer solchen Lage erwarten würde.

Probleme bekommt der Film, sobald Bryan auf weitere Menschen trifft. Vorher musste er selbst herausfinden, was in dieser Gegend passiert ist. Nun werden ihm die Hintergründe innerhalb kurzer Zeit erklärt. Die Dialoge klingen dabei nicht besonders glaubwürdig und einige Figuren sind so übertrieben, dass sie kaum noch in die bisherige Geschichte passen. Gleichzeitig werden die Witze aufdringlicher. Nun machen fast alle Beteiligten lockere Sprüche, wodurch die Gefahr weniger ernst wirkt. Sogar ein ruhiger und emotionaler Moment wird mit einer schnellen Pointe beendet, die es nicht gebraucht hätte.

Im letzten Drittel wird aus dem unheimlichen Überlebenskampf ein lauter Monsterfilm. Das Tempo bleibt hoch und es gibt weiterhin einige gute Ideen, doch die Spannung der ersten Hälfte wird nicht mehr erreicht. Das Finale bietet noch einmal viel Action und reichlich Blut, läuft aber ungefähr so ab, wie man es erwartet. Auch der Pharmakonzern hinter der Katastrophe bleibt ziemlich blass. Seine Mitarbeiter wirken eher wie eine Gruppe überforderter Trottel als wie ein gefährliches Unternehmen.

Trotzdem hat mir Resident Evil viel Spaß gemacht. Der Film ist schnell, blutig, eklig und oft sehr komisch. Vor allem Austin Abrams trägt den Film, weil Bryan selbst im größten Chaos ein glaubwürdiger Mensch bleibt, der eigentlich nur seine Lieferung abgeben und wieder nach Hause fahren möchte. Mit etwas weniger Humor in der zweiten Hälfte wäre der Horror besser zur Geltung gekommen. So ist der Film eine kurzweilige Horrorkomödie mit einem sympathischen Hauptdarsteller, einigen herrlich widerlichen Monstern und einer starken ersten Hälfte.
 
The Uprising

Ein Paul-Greengrass-Film im Mittelalter trifft es ziemlich genau. So bietet der Film sowohl epische und bildgewaltige Mittelalter-Szenen, als auch all die Stärken (sauspannende Szenen) und Schwächen (zu viel Wackelkamera und zu schnelle Schnitte in den Action-Szenen) von Greengrass' "Jason Bourne"-Filmen.

Vor allem die Szene mit dem immer mehr eskalierenden Aufstand während des Unterzeichnens der Freibriefe oder die Falle des Königs gegen Ende waren ziemliche Fingernägelbeisser. Historisch war der Film auch überraschend korrekt (nicht nur beim Abhandeln der Fakten, sondern auch in der Darstellung des Mittelalters - ausser dem asiatischen Schreiber gab es kein Hollywood-Multikulti), einzig Andrew Garfields Charakter und das Gemetzel gegen Schluss (in Wahrheit wurden die Aufständigen verfolgt, wenn möglich inhaftiert und hingerichtet) waren erfunden.

Ausstattung, Kostüme und Massenszenen waren sehr hochwertig, sofern man es bei der Wackelkamera und den schnellen Schnitten erkennen konnte, auch wenn man manchmal die CGI-Herkunft erkennen konnte. Auch die Musik hat mir sehr gut gefallen. Sie hätte zwar emotionaler sein können, aber gerade die Spannungsszenen wurden sehr gut unterstützt.

Der Stil ist etwas dokumentarisch geraten. So gibt es eigentlich keinen Kitsch oder Pathos. Das mag für viele dank der Authentzität ein Pluspunkt sein, ich finde, dass diese Elemente bei solchen Kostümfilmen nicht nur nicht stören, sondern sie mir sogar erwarte. Was wären "Braveheart" oder "Gladiator" ohne ihre überlebsgrossen, vor Pathos und Kitsch geradezu triefenden Szenen, bei denen ich auch beim 10ten mal noch Gänsehaut bekomme?

Die Robin-Hood-Verbindung ist natürlich völliger Blödsinn, laste ich aber dem Film nicht an, sondern war diese ausschließlich vom US-Marketing erfunden. In Europa habe ich davon eigentlich gar nichts mitbekommen.

Trotzdem floppt der Film leider völlig zu Unrecht. Auch hier darf man dem Steifen selbst aber kaum eine Schuld geben, läuft er kaum wo, so dass es für mich ziemlich schwierig war, ihn im Kino sehen zu können. Schade, dass hier anscheinend das Vertrauen gefehlt hat, ist der Film trotz einiger Kritikpunkte meiner Meinung nach wirklich gelungen, sehr unterhaltsam und optisch ansprechend. Sicherlich nicht der beste Mittelalter-Film aber ein sehr guter Vertreter eines heute viel zu selten gewordenen Genres.

8 von 10 Punkten
 
Zuletzt bearbeitet:
Habe nun Oak Street schauen können.
Der Film erinnert stark an die alten Filme meiner Kindheit und macht richtig Spass.
9/10 gefiederten Dinos

Fand das ausbleiben gemeinschaftlicher Hilfe in der Nachbarschaft nichtmal störend, man sieht am Anfang ja auch recht deutlich dass die ersten Stunden einen brutalen Blutzoll verlangen. Sprich da gab es vermutlich wenige Intakte Familien. Unsere Fam wäre am Anfang ja auch fast gefressen worden. Der Tod des Vaters kam überraschend und Grausam. Habe ich nicht kommen sehen.
Und kann es sein dass das gerettete Mädchen im Abspann 2 mal existiert ? Bzw die verschiedenVersionen davon ?
Auch cool dass man den Dinos feedern spendierte, obwohl ich glaube dass der Brachiosaurus nicht wie ein Wolhaarmammut durch die Gegend gestampft ist haha
Sind die Dinos nur per CGI erstellt, oder werden auch Puppen genutzt ?
 
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