Tagespolitik allgemein

Zur Hymnenpflicht an bayerischen Schulen:

Die wohlfeilste Art des Stolzes hingegen ist der Nationalstolz. Denn er verrät in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen würde, was er mit so vielen Millionen teilt. Wer bedeutende persönliche Vorzüge besitzt, wird vielmehr die Fehler seiner eigenen Nation, da er sie beständig vor Augen hat, am deutlichsten erkennen. Aber jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu sein. Hieran erholt er sich und ist nun dankbarlich bereit, alle Fehler und Torheiten, die ihr eigen sind, mit Händen und Füßen zu verteidigen.

Arthur Schopenhauer

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Siehe auch:

Bayerns Staatsregierung betont regelmäßig, wie gut der Freistaat – also das Schulsystem – in Bildungsstudien und Ranglisten abschneidet. Tatsächlich landet Bayern oft auf den vorderen Plätzen.
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Ungeachtet dessen nennt der Bildungsforscher Marcel Helbig, der am Bamberger Leibniz-Institut für Bildungsverläufe auf Strukturen und Systeme spezialisiert ist, das Schulsystem im Freistaat „doppelt ungerecht“. Es benachteilige gute Schülerinnen und Schüler aus sozial schwächeren, nicht akademischen Milieus – und es widerspricht aus seiner Sicht dem Gebot der gleichwertigen Lebensverhältnisse, das sogar in der Bayerischen Verfassung verankert ist.
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Es gibt aktuelle Studien, die zeigen, dass die Kinder in Ländern, die gebunden an Noten die Empfehlung fürs Gymnasium regeln, zwar am Ende der vierten Klasse höhere Kompetenzen haben, aber psychisch viel stärker gelitten haben als in den anderen Bundesländern. Und, ganz ehrlich, wenn 55 Prozent der Viertklässler die gymnasiale Eignung bekommen, glaube ich nicht, dass das mit freiem Elternwillen noch viel mehr wären.
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Es kommen nur etwa 40 Prozent am Gymnasium an. Mehr als ein Viertel der Kinder, die von ihren Lehrern eine Empfehlung fürs Gymnasium bekommen, gehen dort gar nicht hin. Das dürfte im Bundesvergleich eine ziemlich hohe Zahl sein und hängt wahrscheinlich mit drei Dingen zusammen.
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Eine Lösung wäre, punktuell mit Gesamtschulen zu arbeiten, die wenigstens die gymnasiale Oberstufe anbieten. Denn die Schulinfrastruktur stammt aus den Achtzigerjahren, als noch viel mehr Jugendliche auf Hauptschulen gingen und viel weniger ans Gymnasium. Das hat sich komplett verschoben – und die Gymnasien würden wohl zusammenbrechen, wenn wirklich alle Schüler und Schülerinnen mit Eignung dorthin wollten.

Quelle: https://www.sueddeutsche.de/bayern/...n-ungerecht-realschule-schulsystem-li.3322340
 
Ich weiß halt nicht was es bringen soll, strukturschwache Länder wie MV mit z.B. Brandenburg zu fusionieren. Denke gerade ländliche Regionen würden dann nur noch mehr ins Hintertreffen geraten.

Außerdem hat vermutlich niemand Lust, nach einer Fusionierung auch noch für die Schulden von Berlin oder Bremen verantwortlich zu sein. :kaw:
 
Ich weiß halt nicht was es bringen soll, strukturschwache Länder wie MV mit z.B. Brandenburg zu fusionieren. Denke gerade ländliche Regionen würden dann nur noch mehr ins Hintertreffen geraten.

Außerdem hat vermutlich niemand Lust, nach einer Fusionierung auch noch für die Schulden von Berlin oder Bremen verantwortlich zu sein. :kaw:
Ich würde mir von so einer Reform erhoffen, dass es zb im Bereich Bildung/Ausbildung einheitliche Standards und schnellere Reformen gibt.

Während der Corona Pandemie hat man doch deutlich gemerkt, dass sich einige Bundesländer entweder als Hardliner (Bayern) oder Softies (NRW) ihren Wählern präsentieren wollten. Mit der jeweiligen Lage vor Ort hatten die Entscheidungen reichlich wenig zu tun.

Ich will auch gar nicht dieses Thema vertiefen. Aber ich finde, wir blockieren uns hierzulande oft selbst und die Flexibilität und Unabhängigkeit, die Föderalismus hervorbringen kann, entwickelt sich in vielen Bereichen als Hemmschuh.

Ich weiß auch, dass zentralistisch geführte Länder nicht automatisch besser funktionieren. Aber Überlegungen hinsichtlich einer Reform des föderalen Systems finde ich nicht verkehrt.
 
Aber Überlegungen hinsichtlich einer Reform des föderalen Systems finde ich nicht verkehrt.

Ich bin fundamental dagegen. Gerade in Zeiten einer immer stärker werdenden AfD ist es wichtig, jeder Bestrebung nach Gleichschaltung so viele Steine, Hindernisse und Unmöglichkeiten wie nur irgend möglich in den Weg zu werfen.
 
Föderalismus ist in erster Linie eben kein Selbstzweck, sondern ein Schutzmechanismus. Einheitliche Standards klingen effizient, bergen aber auch das Risiko von Einheitsfehlern. Wenn auf Bundesebene falsche Entscheidungen getroffen werden, betreffen sie sofort alle. Im föderalen System können Fehlentwicklungen regional begrenzt bleiben, andere Länder können gegensteuern oder bessere Lösungen entwickeln. Das ist kein theoretisches Argument, sondern historisch einer der Gründe, warum Deutschland bewusst föderal organisiert ist.

Das es da z.B. beim Thema Schulbildung zu Diskrepanzen kommt, und das Abitur aus Bayern für manche wertiger ist als das aus Berlin, ist kein Problem des Föderalismus, sondern von der Ausführung. Bildung und Ausbildung leiden nicht primär am Föderalismus, sondern an fehlender Kooperationsbereitschaft. Einheitliche Mindeststandards gibt es auch im Föderalismus, man muss sie nur wollen und umsetzen.

Während der Corona Pandemie hat man doch deutlich gemerkt, dass sich einige Bundesländer entweder als Hardliner (Bayern) oder Softies (NRW) ihren Wählern präsentieren wollten. Mit der jeweiligen Lage vor Ort hatten die Entscheidungen reichlich wenig zu tun.

Das Beispiel spricht nicht gegen Föderalismus, sondern gegen politische Inszenierung.
Das Problem war weniger die föderale Struktur als vielmehr politisches Kalkül und mangelhafte wissenschaftliche Kommunikation. Ein zentralistisches System schützt nicht automatisch davor, dass Entscheidungen nicht nur symbolisch oder wählerorientiert getroffen werden. Großbritannien ist zentral gesteuert und trotzdem nicht konsequent besser oder stringenter. Ein Markus Söder als Kaiser-Kanzler eines zentral regierten Deutschlands würde weiterhin Foodbloggen und sein Fähnchen in den Wind halten.

Dazu kommt: Demografie, soziale Struktur, Fachkräftesituation, Urbanität vs. Ländlichkeit: Das alles unterscheidet sich massiv zwischen Bundesländern, ja manchmal sogar im Bundesland selbst. Ein stärker zentralisiertes System müsste diese Unterschiede trotzdem berücksichtigen, würde es aber vermutlich schlechter können als Länder, die näher an den konkreten Bedingungen sind. Im Zweifel ist Zentralismus eben nicht schneller und effizienter, sondern das Problem wird nur an eine Stelle ausgelagert, die vielleicht eigentlich noch weniger damit zu tun hat.

Ich habe in MV nach der Kreisreform gesehen, was es macht, wenn Landkreise übergroß werden. Das muss ich nicht auf Bundeslandebene haben.
 
Zusammenlegung von Bundesländern ist auch wieder so'ne Södersche Nebelkerze, lol. Die Hürden für eine rechtsfeste Fusion sind unfassbar hoch und das hat ja 1996 schon mal in Berlin/Brandenburg nicht funktioniert. :konfus:
 
Die OSINT-Kanäle glühen: Iran schließt seinen Luftraum, mehrere US Kampfjets und 6(!) Stratotanker sind vor ein paar Minuten von Qatar losgeflogen und die (ziviles) Personal soll die US Basis in Qatar evakuieren. Entweder in den nächsten Tagen/Stunden passiert etwas oder das ist ne gewaltige Show of force. Der Pentagon Pizza Index ist jetzt jedenfalls noch ruhig. Hehe
 
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