Sam Rockwell
durch Titel Gebeutelter
Nach meiner Urlaubsreise bin ich erst jetzt dazu gekommen, die sechste Folge nachzuholen. Das Warten hat sich allerdings gelohnt. Nach der etwas zerfahrenen fünften Episode findet die Serie mit „Gesichtslose Männer“ wieder deutlich zu ihrer Stärke zurück. Die Folge wirkt wesentlich stringenter, die Übergänge zwischen den verschiedenen Handlungsorten gelingen flüssiger und die Geschichte entwickelt einen Rhythmus, der die vielen Figuren und Schauplätze endlich wieder zusammenhält. Es passiert viel, aber diesmal hat kaum etwas den Charakter einer lose aneinandergereihten Szenensammlung.
Das zentrale Motiv der Episode gefällt mir besonders gut. Der Krieg verändert sich. Anfangs entschieden Drachen und große Heere über Sieg oder Niederlage. Jetzt verlagert sich der Konflikt zunehmend in den Schatten. Attentäter, Spione, Hinterhalte und verdeckte Operationen gewinnen an Bedeutung. Genau darin liegt für mich auch die eigentliche Bedeutung des Titels. Es geht weniger um die berühmten Gesichtslosen aus Braavos als um einen Krieg, in dem der Feind inzwischen überall lauern kann.
Das zeigt bereits die Eröffnung eindrucksvoll Kriston gerät mit seinen Männern in einen Hinterhalt, nachdem sie ein scheinbar verlassenes Schlachtfeld durchqueren. Die Inszenierung funktioniert hervorragend, weil sie nachvollziehbar macht, weshalb erfahrene Soldaten überhaupt in eine solche Falle tappen. Wer tagelang zwischen Leichen marschiert, prüft irgendwann nicht mehr jeden einzelnen Körper.
Kristons Tod kam überraschend abrupt, wirkte aber gerade deshalb konsequent. Nachdem die Figur über mehrere Folgen hinweg große Reden schwingen durfte, endet ihr Weg ohne heldenhaften Abgang. Sein letzter Kampf zeigt zwar noch einmal, dass er tatsächlich ein herausragender Kämpfer ist, gleichzeitig macht die Serie aber deutlich, dass selbst die größten Krieger irgendwann einfach sterben. Besonders bitter ist dabei, dass Cole bis zuletzt für eine Frau kämpft, die längst ganz andere Sorgen hat.
Rhaenyra steht diesmal ebenfalls im Mittelpunkt, allerdings nicht unbedingt von ihrer sympathischen Seite. Die Serie zeigt überzeugend, wie Macht und Krieg selbst wohlmeinende Herrscher verändern können. Ihre Entscheidung, auf Attentate statt auf offene Schlachten zu setzen, fügt sich schlüssig in diese Entwicklung ein. Dennoch hatte ich stellenweise den Eindruck, dass ihr moralischer Wandel etwas zu abrupt voranschreitet. Vor allem ihre beinahe gleichgültige Reaktion auf das Leid der einfachen Bevölkerung wirkte ungewohnt kühl. Dass sie sich anschließend am Eisernen Thron schneidet, setzt diese Entwicklung in ein starkes Bild. Der Thron wird einmal mehr zum Symbol dafür, welchen Preis Macht fordert.
Weniger gelungen empfand ich dagegen die Auflösung der dramatischen Schlussszene aus der Vorwoche. Die Episode tut beinahe so, als hätte es den Spannungsaufbau gar nicht gegeben. Alicent und Helaena sind einfach wieder gefangen, ohne dass der Zuschauer erfährt, wie genau das eigentlich passiert ist. Für eine Serie, die ihre dramatischen Wendungen normalerweise sehr sorgfältig vorbereitet, wirkte das überraschend unbefriedigend.
Sehr spannend entwickelt sich dagegen Harrenhal weiter. Endlich wird klarer, welche Ziele Alys tatsächlich verfolgt. Die Enthüllung der Dracheneier eröffnet neue Möglichkeiten für die Geschichte und gibt diesem Handlungsstrang endlich eine Richtung. Gleichzeitig zeigt Alys mit ihrem eiskalten Mord an einem neugierigen Zeugen, dass sie weit gefährlicher ist, als ihre rätselhafte Erscheinung zunächst vermuten ließ. Besonders gelungen finde ich dabei, dass dieser Erzählstrang nun endlich ein klar erkennbares Ziel erhält. Die Dracheneier erweitern nicht nur die Mythologie der Serie, sondern eröffnen auch spannende Perspektiven für die kommenden Folgen.
Zu den stärksten Szenen der Folge gehört für mich außerdem alles rund um Gawan, Daeron und Ormund. Gerade Gawan darf endlich beweisen, dass er deutlich kompetenter ist, als viele Figuren glauben. Dass ausgerechnet Ormund die Gefahr zunächst überhaupt nicht erkennt, obwohl er sich ständig für allen anderen überlegen hält, ist eine schöne Ironie. Das anschließende Gespräch zwischen Gawan und Daeron deutet zudem an, wie belastend Ormunds Einfluss tatsächlich geworden ist. Überhaupt entwickelt sich dieser Handlungsstrang derzeit zu einem der interessantesten der gesamten Staffel.
Auch Hugo erhält eine der emotionalsten Szenen der Episode. Sein Wiedersehen mit seiner Frau verläuft völlig anders, als er es sich offenbar vorgestellt hat. Sie macht ihm unmissverständlich klar, dass sein neuer Status als Drachenreiter nichts daran ändert, dass er sie im Stich gelassen hat. Gerade diese Ernüchterung macht die Szene so stark. Hugo erkennt, dass Macht und Ansehen den Preis seiner Entscheidungen nicht ungeschehen machen. Damit zeigt die Serie eindrucksvoll, welchen Tribut der Krieg nicht nur von Herrschern, sondern vor allem von den einfachen Menschen fordert.
Nicht jede Handlung überzeugt allerdings gleichermaßen. Die überraschende Annäherung zwischen Baela und Alyn wirkt etwas unvermittelt und besitzt kaum emotionale Vorbereitung. Auch bei den Reisezeiten drückt die Serie inzwischen gelegentlich beide Augen zu. Noch bewegt sich das im Rahmen, ganz stimmig fühlt es sich aber nicht mehr an.
Insgesamt ist „Gesichtslose Männer“ für mich eine klare Steigerung gegenüber der Vorwoche. Nicht jede Entscheidung überzeugt, insbesondere Rhaenyras sehr schneller Wandel und der etwas verschenkte Spannungsbogen um Alicent hinterlassen Fragezeichen. Gleichzeitig erzählt die Folge deutlich konzentrierter, entwickelt ihre Figuren konsequent weiter und bringt nahezu alle Handlungsstränge in eine äußerst spannende Ausgangsposition für die letzten beiden Episoden der Staffel.
Das zentrale Motiv der Episode gefällt mir besonders gut. Der Krieg verändert sich. Anfangs entschieden Drachen und große Heere über Sieg oder Niederlage. Jetzt verlagert sich der Konflikt zunehmend in den Schatten. Attentäter, Spione, Hinterhalte und verdeckte Operationen gewinnen an Bedeutung. Genau darin liegt für mich auch die eigentliche Bedeutung des Titels. Es geht weniger um die berühmten Gesichtslosen aus Braavos als um einen Krieg, in dem der Feind inzwischen überall lauern kann.
Das zeigt bereits die Eröffnung eindrucksvoll Kriston gerät mit seinen Männern in einen Hinterhalt, nachdem sie ein scheinbar verlassenes Schlachtfeld durchqueren. Die Inszenierung funktioniert hervorragend, weil sie nachvollziehbar macht, weshalb erfahrene Soldaten überhaupt in eine solche Falle tappen. Wer tagelang zwischen Leichen marschiert, prüft irgendwann nicht mehr jeden einzelnen Körper.
Kristons Tod kam überraschend abrupt, wirkte aber gerade deshalb konsequent. Nachdem die Figur über mehrere Folgen hinweg große Reden schwingen durfte, endet ihr Weg ohne heldenhaften Abgang. Sein letzter Kampf zeigt zwar noch einmal, dass er tatsächlich ein herausragender Kämpfer ist, gleichzeitig macht die Serie aber deutlich, dass selbst die größten Krieger irgendwann einfach sterben. Besonders bitter ist dabei, dass Cole bis zuletzt für eine Frau kämpft, die längst ganz andere Sorgen hat.
Rhaenyra steht diesmal ebenfalls im Mittelpunkt, allerdings nicht unbedingt von ihrer sympathischen Seite. Die Serie zeigt überzeugend, wie Macht und Krieg selbst wohlmeinende Herrscher verändern können. Ihre Entscheidung, auf Attentate statt auf offene Schlachten zu setzen, fügt sich schlüssig in diese Entwicklung ein. Dennoch hatte ich stellenweise den Eindruck, dass ihr moralischer Wandel etwas zu abrupt voranschreitet. Vor allem ihre beinahe gleichgültige Reaktion auf das Leid der einfachen Bevölkerung wirkte ungewohnt kühl. Dass sie sich anschließend am Eisernen Thron schneidet, setzt diese Entwicklung in ein starkes Bild. Der Thron wird einmal mehr zum Symbol dafür, welchen Preis Macht fordert.
Weniger gelungen empfand ich dagegen die Auflösung der dramatischen Schlussszene aus der Vorwoche. Die Episode tut beinahe so, als hätte es den Spannungsaufbau gar nicht gegeben. Alicent und Helaena sind einfach wieder gefangen, ohne dass der Zuschauer erfährt, wie genau das eigentlich passiert ist. Für eine Serie, die ihre dramatischen Wendungen normalerweise sehr sorgfältig vorbereitet, wirkte das überraschend unbefriedigend.
Sehr spannend entwickelt sich dagegen Harrenhal weiter. Endlich wird klarer, welche Ziele Alys tatsächlich verfolgt. Die Enthüllung der Dracheneier eröffnet neue Möglichkeiten für die Geschichte und gibt diesem Handlungsstrang endlich eine Richtung. Gleichzeitig zeigt Alys mit ihrem eiskalten Mord an einem neugierigen Zeugen, dass sie weit gefährlicher ist, als ihre rätselhafte Erscheinung zunächst vermuten ließ. Besonders gelungen finde ich dabei, dass dieser Erzählstrang nun endlich ein klar erkennbares Ziel erhält. Die Dracheneier erweitern nicht nur die Mythologie der Serie, sondern eröffnen auch spannende Perspektiven für die kommenden Folgen.
Zu den stärksten Szenen der Folge gehört für mich außerdem alles rund um Gawan, Daeron und Ormund. Gerade Gawan darf endlich beweisen, dass er deutlich kompetenter ist, als viele Figuren glauben. Dass ausgerechnet Ormund die Gefahr zunächst überhaupt nicht erkennt, obwohl er sich ständig für allen anderen überlegen hält, ist eine schöne Ironie. Das anschließende Gespräch zwischen Gawan und Daeron deutet zudem an, wie belastend Ormunds Einfluss tatsächlich geworden ist. Überhaupt entwickelt sich dieser Handlungsstrang derzeit zu einem der interessantesten der gesamten Staffel.
Auch Hugo erhält eine der emotionalsten Szenen der Episode. Sein Wiedersehen mit seiner Frau verläuft völlig anders, als er es sich offenbar vorgestellt hat. Sie macht ihm unmissverständlich klar, dass sein neuer Status als Drachenreiter nichts daran ändert, dass er sie im Stich gelassen hat. Gerade diese Ernüchterung macht die Szene so stark. Hugo erkennt, dass Macht und Ansehen den Preis seiner Entscheidungen nicht ungeschehen machen. Damit zeigt die Serie eindrucksvoll, welchen Tribut der Krieg nicht nur von Herrschern, sondern vor allem von den einfachen Menschen fordert.
Nicht jede Handlung überzeugt allerdings gleichermaßen. Die überraschende Annäherung zwischen Baela und Alyn wirkt etwas unvermittelt und besitzt kaum emotionale Vorbereitung. Auch bei den Reisezeiten drückt die Serie inzwischen gelegentlich beide Augen zu. Noch bewegt sich das im Rahmen, ganz stimmig fühlt es sich aber nicht mehr an.
Insgesamt ist „Gesichtslose Männer“ für mich eine klare Steigerung gegenüber der Vorwoche. Nicht jede Entscheidung überzeugt, insbesondere Rhaenyras sehr schneller Wandel und der etwas verschenkte Spannungsbogen um Alicent hinterlassen Fragezeichen. Gleichzeitig erzählt die Folge deutlich konzentrierter, entwickelt ihre Figuren konsequent weiter und bringt nahezu alle Handlungsstränge in eine äußerst spannende Ausgangsposition für die letzten beiden Episoden der Staffel.





