Serie House of the Dragon

Nach meiner Urlaubsreise bin ich erst jetzt dazu gekommen, die sechste Folge nachzuholen. Das Warten hat sich allerdings gelohnt. Nach der etwas zerfahrenen fünften Episode findet die Serie mit „Gesichtslose Männer“ wieder deutlich zu ihrer Stärke zurück. Die Folge wirkt wesentlich stringenter, die Übergänge zwischen den verschiedenen Handlungsorten gelingen flüssiger und die Geschichte entwickelt einen Rhythmus, der die vielen Figuren und Schauplätze endlich wieder zusammenhält. Es passiert viel, aber diesmal hat kaum etwas den Charakter einer lose aneinandergereihten Szenensammlung.

Das zentrale Motiv der Episode gefällt mir besonders gut. Der Krieg verändert sich. Anfangs entschieden Drachen und große Heere über Sieg oder Niederlage. Jetzt verlagert sich der Konflikt zunehmend in den Schatten. Attentäter, Spione, Hinterhalte und verdeckte Operationen gewinnen an Bedeutung. Genau darin liegt für mich auch die eigentliche Bedeutung des Titels. Es geht weniger um die berühmten Gesichtslosen aus Braavos als um einen Krieg, in dem der Feind inzwischen überall lauern kann.

Das zeigt bereits die Eröffnung eindrucksvoll Kriston gerät mit seinen Männern in einen Hinterhalt, nachdem sie ein scheinbar verlassenes Schlachtfeld durchqueren. Die Inszenierung funktioniert hervorragend, weil sie nachvollziehbar macht, weshalb erfahrene Soldaten überhaupt in eine solche Falle tappen. Wer tagelang zwischen Leichen marschiert, prüft irgendwann nicht mehr jeden einzelnen Körper.

Kristons Tod kam überraschend abrupt, wirkte aber gerade deshalb konsequent. Nachdem die Figur über mehrere Folgen hinweg große Reden schwingen durfte, endet ihr Weg ohne heldenhaften Abgang. Sein letzter Kampf zeigt zwar noch einmal, dass er tatsächlich ein herausragender Kämpfer ist, gleichzeitig macht die Serie aber deutlich, dass selbst die größten Krieger irgendwann einfach sterben. Besonders bitter ist dabei, dass Cole bis zuletzt für eine Frau kämpft, die längst ganz andere Sorgen hat.

Rhaenyra steht diesmal ebenfalls im Mittelpunkt, allerdings nicht unbedingt von ihrer sympathischen Seite. Die Serie zeigt überzeugend, wie Macht und Krieg selbst wohlmeinende Herrscher verändern können. Ihre Entscheidung, auf Attentate statt auf offene Schlachten zu setzen, fügt sich schlüssig in diese Entwicklung ein. Dennoch hatte ich stellenweise den Eindruck, dass ihr moralischer Wandel etwas zu abrupt voranschreitet. Vor allem ihre beinahe gleichgültige Reaktion auf das Leid der einfachen Bevölkerung wirkte ungewohnt kühl. Dass sie sich anschließend am Eisernen Thron schneidet, setzt diese Entwicklung in ein starkes Bild. Der Thron wird einmal mehr zum Symbol dafür, welchen Preis Macht fordert.

Weniger gelungen empfand ich dagegen die Auflösung der dramatischen Schlussszene aus der Vorwoche. Die Episode tut beinahe so, als hätte es den Spannungsaufbau gar nicht gegeben. Alicent und Helaena sind einfach wieder gefangen, ohne dass der Zuschauer erfährt, wie genau das eigentlich passiert ist. Für eine Serie, die ihre dramatischen Wendungen normalerweise sehr sorgfältig vorbereitet, wirkte das überraschend unbefriedigend.

Sehr spannend entwickelt sich dagegen Harrenhal weiter. Endlich wird klarer, welche Ziele Alys tatsächlich verfolgt. Die Enthüllung der Dracheneier eröffnet neue Möglichkeiten für die Geschichte und gibt diesem Handlungsstrang endlich eine Richtung. Gleichzeitig zeigt Alys mit ihrem eiskalten Mord an einem neugierigen Zeugen, dass sie weit gefährlicher ist, als ihre rätselhafte Erscheinung zunächst vermuten ließ. Besonders gelungen finde ich dabei, dass dieser Erzählstrang nun endlich ein klar erkennbares Ziel erhält. Die Dracheneier erweitern nicht nur die Mythologie der Serie, sondern eröffnen auch spannende Perspektiven für die kommenden Folgen.

Zu den stärksten Szenen der Folge gehört für mich außerdem alles rund um Gawan, Daeron und Ormund. Gerade Gawan darf endlich beweisen, dass er deutlich kompetenter ist, als viele Figuren glauben. Dass ausgerechnet Ormund die Gefahr zunächst überhaupt nicht erkennt, obwohl er sich ständig für allen anderen überlegen hält, ist eine schöne Ironie. Das anschließende Gespräch zwischen Gawan und Daeron deutet zudem an, wie belastend Ormunds Einfluss tatsächlich geworden ist. Überhaupt entwickelt sich dieser Handlungsstrang derzeit zu einem der interessantesten der gesamten Staffel.

Auch Hugo erhält eine der emotionalsten Szenen der Episode. Sein Wiedersehen mit seiner Frau verläuft völlig anders, als er es sich offenbar vorgestellt hat. Sie macht ihm unmissverständlich klar, dass sein neuer Status als Drachenreiter nichts daran ändert, dass er sie im Stich gelassen hat. Gerade diese Ernüchterung macht die Szene so stark. Hugo erkennt, dass Macht und Ansehen den Preis seiner Entscheidungen nicht ungeschehen machen. Damit zeigt die Serie eindrucksvoll, welchen Tribut der Krieg nicht nur von Herrschern, sondern vor allem von den einfachen Menschen fordert.

Nicht jede Handlung überzeugt allerdings gleichermaßen. Die überraschende Annäherung zwischen Baela und Alyn wirkt etwas unvermittelt und besitzt kaum emotionale Vorbereitung. Auch bei den Reisezeiten drückt die Serie inzwischen gelegentlich beide Augen zu. Noch bewegt sich das im Rahmen, ganz stimmig fühlt es sich aber nicht mehr an.

Insgesamt ist „Gesichtslose Männer“ für mich eine klare Steigerung gegenüber der Vorwoche. Nicht jede Entscheidung überzeugt, insbesondere Rhaenyras sehr schneller Wandel und der etwas verschenkte Spannungsbogen um Alicent hinterlassen Fragezeichen. Gleichzeitig erzählt die Folge deutlich konzentrierter, entwickelt ihre Figuren konsequent weiter und bringt nahezu alle Handlungsstränge in eine äußerst spannende Ausgangsposition für die letzten beiden Episoden der Staffel.
 
Tatsächlich ist diesmal einiges passiert und die Serie nimmt endlich wieder etwas Fahrt auf.

Wow, die Drachen sahen allesamt richtig gut aus. Ich glaube, heute haben wir gesehen, wo ein großer Teil des enormen Budgets hingeflossen ist. Und ich denke, kommenden Montag werden wir den Rest davon sehen. Ich gehe stark davon aus, dass uns dann endlich die Schlacht um Stolperstadt erwartet.

Der Kampf der vier Drachen war wirklich gut umgesetzt. Außerdem fand ich es schön, dass Rhaenyra endlich einmal Königsmund verlässt.

Dass Baela ihrer Schwester vergibt, war für mich wenig überraschend. Schließlich hat Rhaena indirekt dafür gesorgt, dass Baela ihre große Liebe finden konnte, indem sie ihren Verlobten aus dem Weg geräumt hat. Addam dürfte darüber allerdings deutlich weniger erfreut gewesen sein, dass sie sich stattdessen in Alyn verliebt hat.

Daemon hat ebenfalls wieder eine starke Performance abgeliefert.

Oh, was für eine Überraschung: Sonnfeuer lebt doch noch und rettet Aegon, ausgerechnet in dem Moment, als dieser endlich einmal einen Funken Anstand zeigt. Das war für mich leider so vorhersehbar wie plump und hat mich eher genervt. Immerhin sah Sonnfeuer mit seinem fast schon zombieartigen Gesicht richtig beeindruckend und herrlich gruselig aus.

Und Ulf der Säufer... der lässt sich natürlich wieder mit Bier überzeugen. Was für ein Wunder. Der Schauspieler ist wirklich hervorragend besetzt. Ich fand den Charakter von Anfang an schon herrlich unsympathisch, und jetzt bekommt man seine unehrenhafte Art endlich in voller Konsequenz zu sehen.


Ich muss allerdings sagen, dass mich die Folge trotz allem nicht komplett vom Hocker gerissen hat. Aber immerhin passiert endlich wieder etwas. Allein deshalb muss ich der Folge zugestehen, dass sie insgesamt gut war.

Wenn man allerdings das Buch kennt und liebt, läuft einem bei manchen Szenen schon ein wenig kalt den Rücken herunter. Für mich wirkt es teilweise so, als hätte der Showrunner den Job vor allem deshalb angenommen, um dem Werk eines anderen seinen ganz persönlichen Stempel aufzudrücken.

Das erinnert mich ehrlich gesagt stark an Die Ringe der Macht. Dort sind die Showrunner fest davon überzeugt, Tolkien hätte die Geschichte des Zweiten Zeitalters heute genauso erzählt, wie sie sie umgesetzt haben.

Ganz ehrlich: Wenn ihr schon die Chance bekommt, die Werke anderer Autoren zu adaptieren, dann habt wenigstens den nötigen Respekt vor der Vorlage. Natürlich muss man für eine Serienadaption Änderungen vornehmen. Aber wenn dabei große Teile der Buchfans vor den Kopf gestoßen werden, finde ich das einfach schade. Vor allem wenn teilweise total unglaubwürdige oder langweilige Storys dabei rum kommen, wie die um Harrenhal.

Eines muss man House of the Dragon allerdings ganz klar zugutehalten: Im Gegensatz zu Die Ringe der Macht sieht die Serie durchweg hochwertig aus und weiß auch unabhängig von der Buchvorlage zu unterhalten.

Das klingt jetzt vielleicht härter, als ich es eigentlich meine. Denn House of the Dragon ist für sich genommen eine spannende und gut produzierte Serie – ganz im Gegensatz zu Die Ringe der Macht, mit der ich persönlich deutlich weniger anfangen konnte. Ich sage nur: Galadriel die ins Meer springt. :konfus:

Als Fan von Feuer und Blut bleibt bei mir trotzdem eine gewisse Enttäuschung zurück. Es wurde einfach so vieles weggelassen, verändert oder völlig neu interpretiert. Und genau das finde ich nach wie vor sehr schade.
 
Eine für mich doch ganz gute Folge, Geschichte nimmt fahrt auf und Actions hats auch.


Und was habe ich gesagt der liebe Drache lebt noch ;)

Ich finde die Harrenhall Episoden immer noch komisch, diese Hexe ist auch einfach etwas, mit diesem Handlungsstrang werde ich nicht warm. Dafür gab mal wieder Drachenfight szenen , cool. Armer Schafsdieb hoffe er überlebt es.
So langsam muss in Königsmund aber auch mal was passieren, kommt mir so vor als würde mann sich oft im Kreis drehen, denkt Ihr die Staffel endet mit dem Sturm des Pöbels auf die Drachenfeste in Kingslanding?
Das erinnert mich ehrlich gesagt stark an Die Ringe der Macht. Dort sind die Showrunner fest davon überzeugt, Tolkien hätte die Geschichte des Zweiten Zeitalters heute genauso erzählt, wie sie sie umgesetzt haben.

Ganz ehrlich: Wenn ihr schon die Chance bekommt, die Werke anderer Autoren zu adaptieren, dann habt wenigstens den nötigen Respekt vor der Vorlage. Natürlich muss man für eine Serienadaption Änderungen vornehmen. Aber wenn dabei große Teile der Buchfans vor den Kopf gestoßen werden, finde ich das einfach schade. Vor allem wenn teilweise total unglaubwürdige oder langweilige Storys dabei rum kommen, wie die um Harrenhal.
Jop das nervt mich auch immer, erste vor ein paar Tagen wieder mal in Ringe der Macht reingeschaut und man war das ein Cringefest...Was die da aus Sauron und Galadriel gemacht haben....

 
Zuletzt bearbeitet:
Niemals, die Staffel endet mit Stolperstein und ALLES andere wird dann in die letzte Staffel gepresst. Da muss man dann die Story wieder rushen weil man ja nicht genug Zeit hat. Bla Bla

Phu das wäre ja ne ziemliche presserei dies alles in eine Staffel zu quetschen. Die nächste Staffel ist ja die letzte oder ?
 
Niemals, die Staffel endet mit Stolperstein und ALLES andere wird dann in die letzte Staffel gepresst. Da muss man dann die Story wieder rushen weil man ja nicht genug Zeit hat. Bla Bla Bla

Könnte mir vorstellen, dass beides im Finale kommt. Ansonsten habe ich keine Ahnung, wie man all die Stränge in 8 Folgen abschliessen möchte (und da rede ich nicht mal von der Stunde des Wolfes als Epilog).
 
Also ich befürchte inzwischen, dass die Erstürmung der Drachengrube erst in der nächsten Staffel stattfinden wird. Dafür wurde in dieser Staffel einfach noch viel zu wenig vorbereitet.

Ich denke, im Finale wird der Fokus hauptsächlich auf der Schlacht um Stolperstadt liegen. Genau deshalb habe ich die Sorge, dass man in der letzten Staffel sehr viele Ereignisse in viel zu wenig Zeit unterbringen wird und dann von Folge zu Folge ein großes Ereignis nach dem nächsten durchhetzt.

Ich befürchte außerdem, dass Drachenstein als Schauplatz möglicherweise sogar komplett wegfällt und man die Handlung stattdessen nach Königsmund verlegt, um Zeit zu sparen.

Ich bin mir inzwischen nicht einmal mehr sicher, ob wir die Stunde des Wolfs überhaupt noch zu sehen bekommen. Dafür fehlt uns momentan einfach der notwendige Aufbau – allen voran Aegon der dritte, dessen Rolle für die späteren Ereignisse eigentlich unverzichtbar ist.
 
Ich bin mir inzwischen nicht einmal mehr sicher, ob wir die Stunde des Wolfs überhaupt noch zu sehen bekommen. Dafür fehlt uns momentan einfach der notwendige Aufbau – allen voran Aegon der dritte, dessen Rolle für die späteren Ereignisse eigentlich unverzichtbar ist
Aber he dafür haben wir gefühlt 20 Harrenhall Episoden XD
Wenn man die Stunde des Wolfes wirklich auslässt wäre dies sehr schade...
War die Vision von Helena nicht vielleicht eine Vision vom Angriff auf die Drachengrube?
 
War die Vision von Helena nicht vielleicht eine Vision vom Angriff auf die Drachengrube?

Ja die Vision war auf jeden Fall die Erstürmung der Drachengrube.

Das mit der Hexe bei Harrenhall macht die Serie um so vieles schlechter, ich kanns gar nicht fassen. Man hatte einfach keinen Plan was man mit Daemon und Aemond in der Serie anstellen soll. Deshalb wurden sie zu der hexe geschickt für die gesamte staffel....was für ein lazy Drehbuch.
 
Man stelle sich die Besprechung am Set einmal bildlich vor.

„Wir brauchen zwanzig brennende Stuntleute.“

„Klingt gut.“

Kurze Pause.

„Moment mal. Der Rekord liegt doch nur knapp darüber. Wenn wir ohnehin schon zwanzig Menschen gleichzeitig anzünden, können wir auch noch drei dazustellen und Geschichte schreiben.“

„Was kostet das?“

„Ein bisschen mehr.“

„Na gut. Drei brennende Menschen mehr machen den Braten jetzt auch nicht mehr heiß.“

So oder so ähnlich dürfte wohl einer der ungewöhnlichsten Weltrekorde der Seriengeschichte entstanden sein. Während andere Produktionen mit Emmy-Auszeichnungen oder Einschaltquoten werben, kann House of the Dragon mit Der Drache im Winter nun von sich behaupten, mehr Menschen gleichzeitig in Brand gesetzt zu haben als jede andere Serie zuvor.
 
So oder so ähnlich dürfte wohl einer der ungewöhnlichsten Weltrekorde der Seriengeschichte entstanden sein. Während andere Produktionen mit Emmy-Auszeichnungen oder Einschaltquoten werben, kann House of the Dragon mit Der Drache im Winter nun von sich behaupten, mehr Menschen gleichzeitig in Brand gesetzt zu haben als jede andere Serie zuvor.
Cool, wo kann man dies nachlesen?
 
House of the Dragon gewinnt mit „Der Drache im Winter“ zumindest zeitweise wieder jene Wucht zurück, die der dritten Staffel streckenweise gefehlt hat. Die Folge bleibt zwar stark vom Aufbau für das Finale geprägt und springt erneut zwischen zahlreichen Schauplätzen hin und her. Anders als zuvor entstehen daraus diesmal jedoch mehrere Szenen, die Figuren tatsächlich verändern. Vor allem in Harrenhal, Königsmund und bei der Begegnung der Drachen findet die Serie zu einer Intensität zurück, die über bloße Kriegsvorbereitung hinausgeht.

Besonders gelungen finde ich Rhaenyras Gespräch mit Helaena. Zunächst spricht sie sie als Schwester an und versucht, über die Familie eine Verbindung herzustellen. Schnell zeigt sich jedoch, dass diese Nähe nur einem Zweck dient. Rhaenyra betrachtet Helaenas Träume wie eine militärische Ressource, die sich ebenso nutzen lassen müsste wie ein Drache oder ein Heer.

Gerade darin zeigt sich für mich, wie sehr sie sich verändert hat. Helaena hält ihr vor, der Besitz so vieler Drachen habe sie verändert. Rhaenyra weist dies zunächst belustigt zurück, wird dann aber immer bestimmender. Als Helaena statt klarer Prophezeiungen lediglich von einer weißen Stute erzählt, verliert Rhaenyra die Geduld. Sie entreißt ihr den Stickrahmen, zwingt sie zum Blickkontakt und erinnert sie daran, dass sie sich ihr vielleicht als Schwester, nicht aber als Königin verweigern könne.

Die Szene funktioniert für mich, weil sie Rhaenyras Selbstbild ihrem tatsächlichen Verhalten gegenüberstellt. Sie glaubt weiterhin, nur den rechtmäßigen Zustand wiederherstellen zu wollen, behandelt Helaena jedoch kaum anders als ein Werkzeug. Emma D’Arcy verkörpert diese Mischung aus Überforderung, Kontrollbedürfnis und wachsendem Sendungsbewusstsein hervorragend. Ebenso stark ist Phia Saban, die Helaenas Rückzug nicht als bloße Passivität spielt. Je lauter Rhaenyra wird, desto mehr verschließt sich Helaena.

Auch Harrenhal liefert für mich eine der stärksten Passagen. Zunächst scheint Alicent in einer sehr unangenehmen Szene Aemond zu verführen. Erst als ihre Stimme kippt und sie ihm einen Sohn verspricht, wird klar, dass Alys vor ihm sitzt. Die Auflösung funktioniert nicht nur als weitere Vision, sondern legt Aemonds tiefste Sehnsüchte offen. Hinter seiner Härte steckt weiterhin der vernachlässigte Sohn, der nach Anerkennung und Nähe seiner Mutter verlangt.

Als die echte Alicent kurz darauf erscheint, wirkt Aemonds Misstrauen auf mich vollkommen verständlich. Eine kleine Berührung ihrer Haare genügt, um zu zeigen, dass er Wirklichkeit und Trugbild kaum noch unterscheiden kann. Umso brutaler erscheint der anschließende Mord an Ser Adrian. Dass Aemond danach beiläufig die Klinge an der Leiche abwischt, sagt für mich mehr über seinen Zustand aus als jede Erklärung.

Das anschließende Essen zwischen Aemond, Alicent und Alys besitzt eine beinahe absurde Spannung. Aemond sitzt buchstäblich zwischen zwei Frauen, die ihn auf unterschiedliche Weise kontrollieren wollen. Während Alicent ihren Sohn zurückgewinnen möchte, betrachtet Alys sie als Eindringling. Aemond erklärt derweil, eine neue Linie unbefleckter Könige begründen zu wollen. Für mich sieht er sich längst nicht mehr als gescheiterten Thronanwärter, sondern als Erneuerer einer verdorbenen Dynastie. Gleichzeitig macht die Folge deutlich, wie abhängig er inzwischen von Alys geworden ist, die ihn heilt, kommandiert und ihre eigenen Pläne verfolgt.

Alicents Vergiftung ihres Sohnes gehört für mich ebenfalls zu den überzeugendsten Entwicklungen der Episode. Sie nutzt eine Kindheitserinnerung und serviert ihm den Gewürzwein, den er früher zum Einschlafen getrunken haben soll. Gerade weil sie nicht mit Gewalt, sondern mit mütterlicher Vertrautheit vorgeht, wirkt die Szene so bitter. Aemond vertraut ihr wegen seiner alten Sehnsucht nach ihrer Zuneigung. Dass er später vor Alys zusammenbricht, zeigt, wie sehr er beide Frauen unterschätzt hat.

Sehr interessant finde ich den Verlauf von Aegons Handlungsstrang. Sein Entschluss, lieber als König zu sterben als weiter zu fliehen, besitzt für mich durchaus Gewicht. Die Rückkehr Sonnfeuers gefällt mir ausgesprochen gut. Ich mag die Inszenierung, in der sich Aegon trotzig einer Übermacht entgegenstellt, bis der Drache hinter ihm auftaucht und Lord Mutons Männer verbrennt. Sein manisches Lachen bringt noch einmal genau jene unberechenbare Seite der Figur zum Vorschein.

Interessant auch die Eskalation um Rhaena und Schafsdieb. Daemon erkennt, dass seine Tochter Vhagar töten will, um ihre Schuld gegenüber Rhaenyra zu begleichen. Sein Geständnis, selbst als Kind ohne Drachen und nach dem frühen Tod seiner Mutter weitgehend allein gewesen zu sein, gehört zu seinen verletzlichsten Momenten, wirkt zwischen zwei fauchenden Drachen aber etwas zu ausführlich.

Der anschließende Drachenkampf entschädigt dafür eindrucksvoll. Syrax, Seerauch und Caraxes greifen Schafsdieb an, während ihre Reiter beinahe zwischen den Tieren untergehen. Besonders gelungen finde ich, dass Syrax den Kampf eröffnet und Rhaenyras Zorn unmittelbar widerspiegelt. Die Drachen wirken auf mich nicht wie austauschbare Kriegsmaschinen, sondern als Verlängerungen ihrer Reiter. Schafsdieb hebt sich mit seinem verwilderten Äußeren und unkontrollierten Zorn deutlich von den gepflegten Targaryen-Drachen ab. Die Kämpfe bleiben trotz ihrer Wucht jederzeit übersichtlich und vermitteln echte Gefahr. Dass Schafsdieb letztlich entkommt, obwohl Caraxes ihn töten sollte, wirkt zwar etwas bequem, lässt sich für mich aber mit dessen Erschöpfung erklären.

Auch Mysaria gewinnt für mich deutlich an Profil. Ihre Begegnung mit Sylvie macht ihr bewusst, wie weit sie sich von ihrer Herkunft entfernt hat. Sylvie wirft ihr vor, die Hilfsbedürftigen nicht mehr zu vertreten, sondern für den eigenen Machtgewinn zu nutzen.

Dadurch erhält auch Mysarias späterer Kuss mit Rhaenyra eine neue Bedeutung. Sie spendet nicht nur Trost, sondern erkennt Rhaenyras Unsicherheit, schmeichelt ihr und liefert genau jene Bestätigung, die sie zuvor vergeblich bei Helaena gesucht hat. Die intime Begegnung wirkt auf mich emotional glaubwürdig, besitzt aber zugleich einen manipulativen Unterton. Mysaria versteht Nähe als Machtmittel, während Rhaenyra inzwischen so isoliert ist, dass sie diese Bestätigung bereitwillig annimmt.

Mit Ulfs Verrat endet die Episode für mich etwas schwächer. Seine Enttäuschung über Rhaenyra und Daemon wurde vorbereitet, weshalb Ormunds Versprechen von Driftmark und dem Titel des Lords der Gezeiten bei ihm verfängt. Tom Bennett spielt das mit einem unangenehm zufriedenen Grinsen, das den Verrat bereits ankündigt.

Als Schlussbild hätte ich Aegons Wiedervereinigung mit Sonnfeuer dennoch wirkungsvoller gefunden. Sein manisches Lachen über den brennenden Soldaten hätte für mich einen stärkeren Endpunkt gesetzt als das heimliche Gespräch am Lagerfeuer. Darin zeigt sich für mich das größte Problem der Folge: Viele Szenen sind stark, ihre Anordnung erzeugt jedoch nicht immer den bestmöglichen Rhythmus.

„Der Drache im Winter“ ist für mich deshalb eine gute, aber keine herausragende Episode. Sie zahlt endlich mehrere Entwicklungen der vergangenen Wochen aus und bietet mit dem Kampf um Schafsdieb einen der eindrucksvollsten Drachenmomente der Serie. Vor allem Rhaenyra, Mysaria, Aemond, Alicent und Alys werden überzeugend weiterentwickelt. Gleichzeitig bleibt das Erzähltempo angesichts des nahenden Finales erstaunlich gemächlich. Die Serie erzählt noch immer so, als hätte sie deutlich mehr Zeit.
 
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