Artek III

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Für einen Moment breitete sich Stille im Schankraum aus, nachdem der Schüler seinen äußerst merkwürdigen Satz ausgesprochen hatte – dann begann Leto zu lachen. Der Laut begann mit einem vernehmlichen Schnauben und wandelte sich dann zu etwas, das ein bisschen klang wie ein Vogelkrächzen.

„Was sollte das denn heißen?!“

, fragte Leto belustigt und schlug ein paar Mal lachend mit der flachen Hand auf den Tresen.

„Natürlich hab‘ ich mich selbst geformt! War ja sonst niemand da.“

Mit einem zufriedenen Grinsen dachte er an die alte Kirche zurück, in der er seinen alten Meister erlegt hatte.

„Und was mir widerfahren ist? Glaub nicht, dass du das auch nur im Entferntesten abschätzen kannst.“

Doch genug davon. Ein weiteres Mal waren sie an einem Punkt angekommen, an dem weiteres Training vonnöten war. Der Schüler musste üben und Leto hatte einen Weg gefunden die Übung überwachen zu können. Gedacht, getan. Den Nachmittag über verbrachte Leto damit immer neue Wege aufzutragen den Dorfbewohnern Kraft seiner Gedanken nachzustellen. Dieser machte sich auch gar nicht mal schlecht und würde somit vermutlich auch keine Probleme damit haben den Lektionen der nächsten Tage zu folgen.

Zum Abend hin ließ die Leitung des Schülers natürlich nach, doch das war nur natürlich. Leto verlangte noch ein paar Versuche über dessen natürliche Kapazität hinaus und beendete das Trauerspiel schließlich. Grade wollte er sich zum Gehen wenden, als UX-23 durch die Eingangstür geschwebt kam und etwas vor dem Dieb auf den Tresen fallen ließ. Verwirrt starrte Leto für einen Moment auf das, was er auf den zweiten Blick als Filmsibroschüre identifizierte.


„Was soll denn das schon wieder?“

, fragte er den Droiden, der den Blick seines durchdringen roten Auges nun auf ihn richtete.

„Es handelt sich dabei um eine allgemeine Erklärung existierender Lichtschwertformen, Sikarius. Du solltest gleich auch einen Blick hineinwerfen.“

„Wat?“

Entgeistert starrte Leto die langsam auf der Stelle auf und ab schwebende Maschine an.

„Was soll er denn mit so Glühstäbchen?! Er säbelt sich damit eh nur die Rübe ab. Kann ich ihm nicht beibringen die Scheiße.“

„Genau deswegen habe ich einen Schwertmeister von Bastion angefordert. Er wird euch die Grundlagen beibringen, aber ihr solltet euch schon Stile aussuchen. Welchen Stil soll dein Schüler lernen?“

„Ist mir doch scheiß egal!“

, blaffte Leto.

„Wat ein Blödsinn! So’n dummes Schwert ist doch keine Waffe! Eine echte Klinge braucht ein Sith!“

„Ich habe deine Einwände kommen sehen. Der Schwertmeister wird dich auch den Umgang mit einer Kriegsklinge lehren können. Seinem Schüler wird eine solche jedoch nicht zur Verfügung gestellt werden. Er erhält ein Trainingslichtschwert, wie jeder sonst auch.“

Wütend starrte Leto UX-23 ein an, ließ sich jedoch nicht zu einer weiteren Antwort herab. Wie zuwider es war, tun zu müssen, was die Maschine sagte. Und wenn es nur darum ging, wie er seinen verdammten Schüler auszubilden hatte. Schön, dann sollte der Junge sich eben die Art und Weise aussuchen, wie er mit einem Glühstab in der Luft herumfuchteln würde.

„Leck mich.“

, schloss Leto also und verließ schnellen Schrittes den Pub, um seine brodelnde Wut mit einem Spaziergang wieder abzukühlen.


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Das Lachen schnitt durch den Raum wie eine rostige Klinge. Es war kein heiteres Geräusch, kein Ausdruck von Leichtigkeit, sondern ein raues Aufstoßen aus der Tiefe, das mehr über Wunden erzählte als über Humor. Teneb Dask hörte es sich selbst fremd werden, dieses Schnauben, das in ein krächzendes Bellen überging, und beobachtete, wie die flache Hand seines Meisters mehrmals auf den Tresen schlug, als müsse sie den Moment festnageln. Der Bleiche versuchte keinen Muskel in seinem Gesicht eine Regung verraten zu lassen. Die Worte, die folgten, waren nicht für ihn neu, nur ihre Schärfe war es. In der Macht glomm ein kurzes Auflodern auf, als eine Erinnerung durch Sikarius’ Inneres strich. Teneb konnte nicht greifen, was er da sah oder woran genau er dachte. Es war kein Trauerrest oder Bitterkeit. Eher ein dunkles, zufriedenes Nachglühen. Der Bleiche spürte den Abdruck dieser Tat wie eine eingeritzte Rune, die sich in die Struktur der Aura eingefügt hatte.
Der Umbaraner senkte den Blick nicht. Er widersprach auch nicht. Er wusste, dass diese Grenze real war. Er hatte in die Fäulnis geblickt, hatte die Schichten aus Verwesung und Wille erfasst. Doch das vollständige Gewicht eines Lebens, das sich zehntausendfach in Dunkelheit getaucht hatte, lag jenseits seines jetzigen Vermögens.

Der Nachmittag zog sich wie eine lange, gespannte Saite. Sein Meister setzte ihn an, ließ ihn die Dorfbewohner mit Kraft seiner Gedanken verfolgen.
Teneb dehnte seine Sinne aus, griff nach einzelnen Präsenzmustern, verlor sie wieder, fing sie neu ein. Jeder Versuch war ein Faden, den er in ein unsichtbares Gewebe einwob. Er spürte Widerstand. Müdigkeit. Ein leises Brennen hinter der Stirn, das sich allmählich in seinen Nacken fraß. Die Wesen draußen waren keine abstrakten Punkte. Sie waren kleine, flackernde Lichter im Geflecht der Macht. Manche hell, manche stumpf, manche kaum wahrnehmbar. Er lernte, sie voneinander zu unterscheiden, ihre Bewegungen nachzuvollziehen, ihre Richtungswechsel vorauszuahnen. Die Welt begann eine Tiefe zu bekommen, die sich nur einem Bruchteil der Galaxis zeigte. Man konnte schon fast davon sprechen, dass sie auserwählt waren und Erwachte in der Macht, während die anderen mit ihren Augen zwar sehen konnten aber nicht mit ihren Sinnen.

Als der Abend herabsank, wurde seine Wahrnehmung ungenauer. Die Fäden zitterten, rissen schneller ab. Sein Atem wurde schwerer, seine Konzentration porös. Der Sith trieb ihn dennoch weiter, verlangte noch einen Versuch, noch eine Verfolgung, noch ein Strecken der Sinne über das hinaus, was angenehm war.
Teneb schwieg und tat es, ging über seine Grenzen hinaus. Er fühlte den Rand seiner Kapazität. Ein schmaler Grat, auf dem die Klarheit in Nebel überzugehen drohte. Er hielt sich darauf, nicht aus Stolz, sondern aus Notwendigkeit.
Als
Darth Sikarius sich endlich abwandte, war Teneb innerlich erschöpft, doch sein Körper verriet es kaum. Die Müdigkeit lag tiefer, in einem Bereich, den nur er selbst wahrnahm. Das leise Schweben von UX-23 kündigte die nächste Verschiebung an. Der Droide glitt herein, ließ etwas auf den Tresen fallen. Das Rascheln dünnen Materials, die flache Präsenz eines Datenträgers. Teneb betrachtete die Broschüre, ohne sie sofort zu berühren. Lichtschwertformen. Die Worte hatten Gewicht, auch wenn sein Meister sie mit Verachtung aussprach.

Als der kapriziöse Sith seinem Namen gerecht werdend fluchend den Raum verließ und die Tür mit übertriebener Härte hinter sich ins Schloss fiel, blieb
Teneb im schwächer werdenden Licht der Schänke zurück. Der Droide verharrte auf gleichbleibender Höhe, sein rotes Auge ruhig und unbeeindruckt. Zwischen ihnen lag die Broschüre, unscheinbar, beinahe banal in ihrer Materialität. Teneb nahm sie schließlich in die Hand und spürte das dünne Gewicht zwischen seinen Fingern, als würde er etwas Unfertiges berühren, das erst durch Anwendung Bedeutung erhielt.
Teneb spürte noch die Erschöpfung des Trainings in seinem Inneren. Seine Wahrnehmung war gedehnt worden, mehrfach bis an die Grenze ihrer Belastbarkeit geführt. Ein dumpfer Druck hinter den Augen erinnerte ihn daran, dass selbst neue Sinne einen Preis forderten. Dennoch wich er der Entscheidung nicht aus. Jede Disziplin, jede präzise Bewegung versprach Erweiterung. Nicht als Zierde, nicht als Ritual, sondern als Mittel zur Selbstformung.

Die Broschüre war nüchtern gestaltet, beinahe spröde. Kein Pathos, keine heroischen Illustrationen, nur knappe Erläuterungen und schematische Darstellungen von Haltungen. Teneb blätterte langsam, ließ den Blick nicht nur über die Linien gleiten, sondern über das, was zwischen ihnen lag.

Shii-Cho, die erste Form, wirkte wie roher Ursprung. Weite Schwünge, offene Bögen, Bewegungen, die mehr Raum einnahmen, als sie verbergen konnten. Sie lehrte den Körper, mit einer Waffe aus Licht umzugehen, bevor sie ihn zu mehr zwang. Teneb erkannte darin Fundament und Disziplin, doch auch eine gewisse Unverfeinertheit. Ein Anfang, kein Ziel.
Die folgende Seite trug den Namen
Makashi. Die Figuren standen enger, die Klinge schmal geführt, der Körper ausgerichtet wie eine Linie zwischen zwei Punkten. Duellkunst. Präzision. Jede Bewegung schien auf Minimierung ausgelegt. Kein verschwenderischer Schwung, kein unnötiger Kraftaufwand. Teneb verweilte länger hier. Makashi sprach von Kontrolle durch Analyse, von Überlegenheit durch Timing. Eine Form, die weniger auf Kraft als auf Verständnis setzte.
Soresu folgte. Die Haltung war geschlossen, fast defensiv in ihrer Zurückhaltung. Die Klinge blieb nah am Körper, als würde sie eine unsichtbare Sphäre schützen. Diese Form war Ausdauer, Geduld, das Ertragen von Druck, bis der Gegner an seiner eigenen Offensive zerbrach. Teneb sah darin eine stille Härte. Kein Glanz, kein Spektakel – nur Standhaftigkeit.
Dann kam
Ataru. Bewegung durchzog jede Illustration. Sprünge, Drehungen, ein Körper, der sich der Schwerkraft widersetzte. Ataru war Geschwindigkeit, Aggression, ein Vorwärtsdrängen, das den Raum selbst zu verschlingen schien. Teneb betrachtete es mit Distanz. Die Dynamik war beeindruckend, doch sie ließ wenig Raum für den langen Atem, den er selbst bevorzugte.
Form V, unterteilt in
Shien und Djem So, zeigte eine andere Art von Entschlossenheit. Shien lenkte Blasterfeuer zurück, wandelte Defensive in Angriff. Djem So konzentrierte sich auf das Duell, auf kraftvolle, direkte Gegenstöße. Hier lag keine bloße Reaktion. Hier lag die bewusste Entscheidung, den gegnerischen Impuls aufzunehmen und ihn verstärkt zurückzugeben. Teneb spürte eine leise Resonanz. Geduld, die sich im richtigen Moment entlud.
Die sechste Seite beschrieb
Niman. Eine Synthese, ein Zusammenführen mehrerer Ansätze. Ausgewogen, flexibel, anpassungsfähig. Teneb erkannte den Vorteil in dieser Vielseitigkeit. Doch sie wirkte wie ein Mittelweg, der Extreme vermied. Er fragte sich, ob Ausgleich allein genügen konnte, wenn Entschlossenheit gefordert war.
Am Ende stand
Juyo, die siebte Form. Die Worte wurden knapper, vorsichtiger. Intensität, Emotion, Grenzüberschreitung. Juyo verlangte nicht nur Technik, sondern das Zulassen innerer Spannungen. Eine Klinge, geführt von einem Willen, der sich nicht glättete. Teneb spürte, dass hier ein Feuer loderte, das Kontrolle verlangte, um nicht zu verzehren.

Er schloss die Broschüre nicht sofort. Jede dieser Formen war mehr als eine Abfolge von Bewegungen. Sie waren Haltungen zum Einsatz von Gewalt. Entscheidungen darüber, wann man wartet, wann man zwingt, wann man absorbiert und wann man bricht. Sein Blick kehrte zu Makashi, streifte Soresu, verweilte bei Djem So und verweilte zuletzt auf Juyo. Er dachte an Geduld. An den Moment, in dem ein Gegner glaubt, die Situation zu beherrschen, während die Gewichte sich längst verschoben haben. Die Wahlwürde eine Ausrichtung sein und
Teneb wusste, dass jede Ausrichtung einen Teil von ihm formen würde.

UX-23 verharrte einen Augenblick auf gleicher Höhe, das rote Auge unbeweglich auf Teneb gerichtet, als würde es nicht nur sein Gesicht, sondern die Richtung hinter seinen Worten vermessen.

„Die Auswahl ist erforderlich“, sagte der Droide mit jener sachlichen Gleichförmigkeit, die jede Frage wie eine administrative Notwendigkeit klingen ließ. „Welche Lichtschwertform soll für die Ausbildung priorisiert werden?“

Teneb ließ die Broschüre einen Spalt geschlossen zwischen seinen Fingern ruhen. Sein Blick blieb auf den schematischen Darstellungen, als würde er weniger die Linien betrachten als das, was sie in ihm anrührten. „Juyo“, antwortete er schließlich. Das Wort fiel nüchtern, ohne Pose, ohne Provokation, beinahe so, als hätte er einen technischen Parameter benannt. „Ich will einen Stil, der nicht lügt, der das nutzt, was in mir ist.“

Das rote Auge flackerte kaum merklich, eine minimale Anpassung der Sensorik. „Juyo ist als Hochrisikoform klassifiziert“, entgegnete UX-23. „Die erforderliche emotionale Intensität erhöht statistisch die Wahrscheinlichkeit von Kontrollverlust, ineffizientem Kraftverbrauch und Verletzungen. Für einen Initiaten wird nach dem Erlernen der Grundformen von Shii-Cho die Form Makashi zur Duellpräzision oder Soresu zur Überlebensfähigkeit empfohlen. Alternativ Form V, Djem So, falls eine offensive Umwandlung defensiver Impulse beabsichtigt ist. Juyo wird üblicherweise erst nach stabilisierter Grundausbildung freigegeben.“

Teneb hob den Blick vom Filmsiplast. In seinem Gesicht lag Müdigkeit vom Training, doch keine Weichheit. „Kontrollverlust ist eine Frage der Unkenntnis“, sagte er leise. „Ich will wissen, wo diese Grenze verläuft, bevor sie mich findet. Makashi lehrt ein kontrollierter Wirbelwind zu sein, Soresu lehrt eine Bastion zu sein. Beides ist nützlich. Juyo zeigt, was unter der Oberfläche liegt. Ich brauche das, weil ich mir selbst nicht erlaube, überrascht zu werden.“

UX-23 schwieg einen kurzen Moment, als würde er den Satz nicht abwägen, sondern katalogisieren. „Vermerkt“, sagte er schließlich. „Die finale Priorisierung unterliegt dem Schwertmeister von Bastion. Er wird nach Evaluation deiner physischen Disposition, deiner Machtaffinität und deiner Belastbarkeit ein Verdikt fällen.“

Als der Droide verstummte, blieb Teneb einen Moment stehen, die Broschüre noch immer in der Hand. Ein Schwertmeister von Bastion. Ein weiterer Blick, der ihn messen würde. Ein Richter der Plasmaklingenkunst. Der Gedanke ließ etwas in ihm anspannen, feiner als Zweifel, schärfer als Stolz. Juyo hatte in der Abstraktion wie Klarheit gewirkt, wie ein direkter Zugang zu dem, was unter der Oberfläche brannte. Nun, im Licht einer tatsächlichen Prüfung, erschien die Wahl weniger wie Entschlossenheit und mehr wie ein Griff nach einem Feuer, dessen Hitze er bislang nur aus der Ferne gespürt hatte. Zum ersten Mal seit dem Öffnen der Broschüre fragte er sich, ob er nach dem Gipfel gegriffen hatte, bevor er den Fels darunter geprüft hatte.

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Am nächsten Tag hatte der Schüler bis nach dem Mittagessen Ruhe. UX-23 hatte angekündigt, dass der Schwertmeister schon am Nachmittag ankommen würde, weshalb Leto beschlossen hatte, dass sie ihn alle auch am Morgen mal ganz gewaltig konnten. Nur, dass er gedanklich weniger freundliche Ausdrücke dafür gewählt hatte. Entsprechend fand er sich dann jedoch schlecht gelaunt zusammen mit seinem Schüler und dem Droiden auf Törcsváns Landefeld wieder und verfolgte, wie die käferartige Silhouette eines Svelte-Klasse Shuttles sich verhältnismäßig schnell zu ihnen hinabsenkte.

Das Wetter war heute selbst für Artek III schlecht. Der Himmel war mit schnelltreibenden Wolken bedeckt und ein nicht enden wollender Regenguss ließ Letos dunkle Roben schwer und kalt an seinen hageren Gliedern herabhängen. Immer wieder rollte ein dumpfes Donnergrollen über das Landefeld hinweg und einzelne Blitze zuckten über den Himmel. In der Luft hing der unverkennbare Duft eines kommenden Gewitters, deutlich beweisend, dass dies alles erst der Anfang war. Doch um ehrlich zu sein störte es Leto nicht. Nach Nkllon konnte Törcsván seinetwegen auch komplett weggespült werden. Auch ein langsames Ertrinken war der Hölle dieses Drecksplaneten vorzuziehen.

Als das Svelte-Klasse Shuttle schließlich neben seiner Schwester – der ‚Fury‘ – gelandet war, richtete Leto den starren Blick seiner ungleichen Augen auf die sich herabsenkende Laderampe. Wen der verdammte Sith-Orden wohl geschickt hatte, um ihm in seine Ausbildungsmethoden reinzureden?! Weißer Dampf stieg von der Hydraulik der Laderampe auf und Lichter aus dem Inneren des Schiffes warfen gleißende Strahlen in den strömenden Regen. Für einen Moment tat sich nichts, dann schlang sich etwas, was aussah wie ein langer, grüner Tentakel um einen der hydraulischen Kolben und eine wabernde Gestalt schob sich in ihr Blickfeld.

Einige Herzschläge lang verstand Letos Hirn nicht, was genau da aus dem Schiff wehte. Erst dann verband es die vielen peitschenden Gliedmaßen zu einer kohärenten Gestalt mit erkennbarem Kopf und Gesicht. Beine schien das Ding nicht zu besitzen, stattdessen waberten vier peitschenartige Tentakel durch die Luft und schlangen sich, stetig in Bewegung bleibend, um scheinbar alle verfügbaren Ecken und Kanten. Zusätzlich hielt die Kreatur zwei spindeldürre Arme vor der Brust verschränkt, die spitzen Finger um die Gurte eines schwer aussehenden Rucksacks geschlungen, den sie auf dem Rücken trug. Leto braucht einen Moment, um den pilzförmigen Kopf und die allgemein wahnsinnigen Proportionen als einem
Parwaner zugehörig zu identifizieren.


„Seid gegrüßt, Lord Sikarius.“

, begrüßte ihn das Ding, als es sich wohl zu seiner Zufriedenheit nah genug an die kleine Gruppe herangearbeitet hatte, und schaute aus drei hervorquellenden Augen auf sie herab. Die ganze Konstruktion war derartig lang, dass Leto den Kopf in den Nacken legen musste, um zu dem seltsamen Gesicht aufzuschauen.

„Mein Name ist Pai Lai. Jüngerin in den Diensten Darth Baobhans. Ich werde Euch bei der Ausbildung Eures Schülers zur Hand gehen.“

, fuhr die Parwanerin mit einem seltsam singenden Akzent in der Stimme fort und nickte Leto respektvoll zu.

„Und wo ist dein Meister Baobhan?“

, gab Leto zurück und versuchte an den wabernden Tentakeln vorbeizuschauen und nach dem unbekannten Sith Aussicht zu halten.

„Es war die Rede von einem Schwertmeister und nicht gleich dem ganzen Hausstand.“

Für einen Moment legte Pai Lai den Kopf schief und schwieg. Dann sagte sie jedoch:


„Mir wurde keine Autorisierung erteilt, um über Lord Baobhans Aufenthaltsort Auskunft zu erteilen. Ich selbst werde Eure Unterweisung vornehmen?“

Leto verengte sein organisches Auge und starrte zu dem Ding hoch. Ablehnend verschränkte er seine Arme vor der Brust.

„Du Nudelgericht im Wind willst mich unterweisen?! Komm du erstmal über Jünger hinaus, dann reden wir weiter.“

Erneut schwieg Pai Lai lang genug, dass die Stille unangenehm wurde. Dann erst antwortete sie:


„Meine Machtbegabung ist für eine Ausbildung nicht ausreichend. Aus diesem Grund habe ich signifikante Zeit darauf verwendet den Schwertkampf zu meistern. Ich mag nicht würdig sein in der Macht ausgebildet zu werden, jedoch habe ich genug Erfahrung, um Euch den Umgang mit dem Schwert zu lehren.“

Die Parwanerin warf dem Dieb einen Blick zu.

„Und Euren Schüler den Umgang mit dem Lichtschwert.“

„So?! Welchen Stil kannst du ihm denn dann beibringen?!“

, blaffte Leto.


„Jeden.“

„Jeden?!“

„Ich habe Erfahrung in jedem Stil erworben. Jedoch wurde mir zugetragen, dass Euer Schüler sich auf Form VII spezialisieren möchte. Eine mutige Entscheidung, wenn ich das so sagen darf.“

„Darfst du nicht.“

„Okay.“

Erneut breitete sich Stille über dem Landefeld aus, die lediglich vom Heulen des Sturmes durchbrochen wurde. Misstrauisch starrte Leto zu dem Alien hoch, das sich schließlich doch an den Schüler wandte.

„Was hat Euch dazu bewogen diese Entscheidung zu treffen? Und glaubt ihr die nötigen körperlichen Voraussetzungen zu haben?“

Während der Dieb antwortete, versenkte Pai Lai eine Hand in ihrem Rucksack und zog im nächsten Moment einen charakteristischen, zylinderförmigen Griff hervor.

„Dies ist ein Trainingslichtschwert. Um Verletzungen zu vermeiden, werdet ihr es die nächsten Wochen über führen. Eine Berührung ist schmerzhaft, jedoch wird Euch ein Fehler keine Gliedmaßen kosten. Es ist nicht zu empfehlen die Klinge länger an die selbe Stelle Haut zu halten. Warum zeigt ihr mir nicht einmal Eure Form? Ich möchte Eure Instinkte sehen.“

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Der Morgen hatte sich wie eine gespannte Leere angefühlt. Obwohl sein Meister weder mit Druck, Lektionen oder anderweitige Interaktionen Präsenz zeigte, war dort das dumpfe Wissen, dass etwas kommen würde. Teneb Dask hatte die Ruhe nicht als Gnade empfunden, nicht einmal als Schonfrist seines geschundenen Körpers. Es war vielmehr das Lauern eines Raubtieres, gefangen in seinem Käfig, dass darauf wartete, dass Fütterungszeit war. Teneb war in diesem Szenario Beisitzer, obwohl der Droide davon sprach, dass beide in der Kunst des Lichtschwertkampfs unterrichtet werden. Der Bleiche hatte gesehen, wie Darth Sikarius mit der grobschlächtigen Klinge seines gamorreanischen Freunds umgegangen war, doch war es dem Bleichen nicht in den Sinn gekommen, dass dies nicht die klassische Art und Weise gewesen war, eine Klinge zu führen. Der Sith hatte das scharfkantige Instrument mit einer Blutrünstigkeit geführt, die eine solche Frage gar nicht erlaubte. Mit der bereits gewohnten Übellaunigkeit befahl der Sith ihm zu folgen, sodass sie sich zum Landefeld der kleinen Siedlung aufmachten.
Der Regen fiel ohne Unterlass, schwer und gleichmäßig, und verwandelte das Landefeld in eine glänzende, aufgeweichte Fläche aus Schlamm und spiegelndem Wasser, in der sich das Licht der Shuttletriebwerke brach wie in zerrissenen Glasscherben.
Teneb stand reglos neben Sikarius, das Gesicht dem Sturm ausgesetzt, während der Wind an seiner Kleidung zerrte und kalte Tropfen über seine kahle, gräulich fahle Kopfhaut liefen, sich an Wangen und Kinn sammelten und schließlich in den Kragen sickerten. Er nahm die Unannehmlichkeit kaum bewusst wahr. Seine Aufmerksamkeit war auf die geöffnete Laderampe gerichtet, aus der weißer Dampf quoll, als würde das Schiff selbst mechanisch atmen.

Die Gestalt, die sich schließlich aus dem Inneren schob, wirkte zunächst wie ein Fehler im Bild der Welt. Vier lange, peitschende Tentakel bewegten sich mit eigenständiger Logik, schlangen sich um Streben und Kanten der Rampe, tasteten den Raum ab, während darüber ein schmaler, pilzförmiger Kopf emporragte, dessen Oberfläche im Regen glänzte. Drei Augen, leicht hervorquellend, verteilten ihren Blick in unterschiedlichen Winkeln zugleich, sodass man nie sicher war, von welchem dieser Organe man gerade erfasst wurde. Die beiden dünnen Arme, die sich vor der Brust verschränkten, wirkten beinahe nebensächlich im Vergleich zu den ständig arbeitenden Tentakeln, doch in den langen, spitzen Fingern lag eine feine Präzision. Die gesamte Erscheinung hatte etwas Schwebendes, Waberndes, als sei die Schwerkraft für diese Spezies eher eine Empfehlung als ein Gesetz.
Teneb betrachtete die Parwanerin mit ruhiger Intensität. Ihre Fremdartigkeit war nicht nur physisch, sondern auch rhythmisch. Ihre Bewegungen folgten keinem Muster, das er aus humanoiden Körpern kannte, und selbst ihre Stimme trug eine schwingende Qualität in sich, als würde sie in mehreren Tonlagen zugleich sprechen. Während
Sikarius mit unverhohlener Geringschätzung reagierte, nahm Teneb die Jüngerin anders wahr. In ihrer Aura lag keine brodelnde Dunkelheit, kein Druck wie bei seinem Meister, sondern eine dichte Konzentration, die sich wie ein sauber gezogener Schnitt durch die Umgebung legte. Wie andere Umbaraner auch war Teneb isoliert aufgewachsen, sodass andere Spezies für ihn noch immer auf ihre groteske Art und Weise fesselnd war. Erst als sie durch Exil nach Kimji gerieten, kam der Bleiche mit allerlei Spezies in Berührung. Eine solche Kreatur hatte er noch nie gesehen und betrachtete die Parwanerin daher mit einer beinahe schon morbiden Faszination.

Der Schüler registrierte, wie seines Meisters Stimmung sich verhärtete, wie das organische Auge enger wurde. Die Parwanerin sprach mit einem singenden Unterton, höflich, kontrolliert.
Pai Lai stellte sie sich vor, Jüngerin Darth Baobhans. Teneb ließ die Worte wirken. Eine Jüngerin, die nicht in der Macht ausgebildet wurde, weil ihre Begabung nicht ausreichte und stattdessen das Schwert perfektionierte. Er spürte keinen Spott in ihrer Aura, keine Unsicherheit. Nur Konzentration. Eine Disziplin, die aus keinem Erweckungserlebnis in der Macht bestand. Sie aber hatte, so wie der Bleiche den Kodex interpretierte, durch Leidenschaft Stärke erlangt und durch diese Stärke, den Schwertkampf, schließlich Macht, auf eine andere Art und Weise.

Als das fremdartige Geschöpf sich schließlich ihm zuwandte, traf ihn ihr Blick aus drei unterschiedlichen Winkeln zugleich. Der Regen peitschte gegen ihre Haut, doch ihre Haltung blieb stabil, beinahe anmutig in ihrer Fremdartigkeit.
Pai Lai musterte ihn einen Moment länger, als würde sie Gewicht und Haltung durch ihre Augen erfassen.

„Form VII zwingt den Praktizierenden mit Intensität umzugehen, anstatt sie zu umgehen. Wenn ich lernen soll, Dominanz über mich und andere zu entwickeln und der Macht meinen Willen aufzuzwingen, dann soll sich das auch in meiner Führung der Klinge widerspiegeln.“ sagte er ruhig. Der Wind riss an seinen Worten, doch seine Stimme blieb klar. Die Frage nach seiner Verfassung war berechtigt, doch wenn der Umbaraner in der kurzen Zeit eine Sache von Darth Sikarius gelernt hatte, dann das wahre Macht nur für jene bereit stand, die den Mut hatten, nach ihr zu greifen. Teneb spürte daher die Frage nicht als Angriff. Sie war sachlich. Er ließ seinen Blick über das Landefeld gleiten, über den aufgeweichten Boden, den strömenden Regen. „Ich werde sie entwickeln.“

Pai Lai hörte zu, ihr Kopf leicht geneigt, die drei Augen auf ihn gerichtet und holte den zylindrischen Gegenstand heraus, den er, so wie die Jedi und Sith, nur aus Sagen, Verschwörungstheorien im HoloNet und urbanen Legenden her kannte. Der Umbaraner hatte nie ein Schwert geführt. Seine Hände kannten die schmale, elegante Balance eines Vootkar, jener stilisierten, stilettoartigen Klingen, die im Nahkampf mit Präzision und Überraschung arbeiteten. Ein Vootkar verlangte Nähe, ein schnelles Handgelenk, ein Gespür für Lücken im Atem des Gegners. Es war eine Waffe des Moments, des gezielten Einstichs, der fast unsichtbaren Bewegung. Ein Lichtschwert dagegen war Länge, Reichweite, eine Verlängerung des Körpers, die Raum beanspruchte und Linien durch die Luft zog, die nicht wieder geschlossen werden konnten.

Als
Pai Lai ihm den Trainingsgriff reichte, nahm er ihn mit der Vorsicht eines Mannes entgegen, der weiß, dass er ein fremdes Instrument in der Hand hält. Das Metall fühlte sich kühl und glatt an, die Balance ungewohnt, das Gewicht anders verteilt, als er es von seinen Messern kannte. Als er die Klinge zündete, wirkte der Moment zunächst eindrucksvoll. Ein gedämpftes, charakteristisches Summen schnitt durch das Heulen des Windes, als das Trainingslicht in die Nässe des Regens ragte. Das pulsierende Licht durchschnitt den Regen, ließ Tropfen aufglühen und in feinem Dampf vergehen, und für einen Herzschlag hätte man glauben können, er stünde selbstverständlich in dieser Haltung. Doch sobald er sich in Bewegung setzte, zeigte sich die Wahrheit. Seine Schritte waren zu groß oder zu kurz, nie genau dort, wo sie sein sollten. Die Schultern arbeiteten zu viel, das Handgelenk zu wenig. Er führte die Waffe nicht mit der fließenden Selbstverständlichkeit eines Geübten, der sie wie eine Verlängerung seines Körpers behandelt, sondern mit der Vorsicht eines Mannes, der das Gewicht, eher das Fehlen eines solchen, noch nicht einschätzen kann.
Die Klinge beschrieb keine sauberen Linien, sondern unruhige Bögen. Er stoppte sie abrupt, setzte neu an, als müsse er jede Bewegung im selben Moment korrigieren, in dem er sie begonnen hatte. Es war kein elegantes Duellfechten, keine akrobatische Leichtigkeit, wie sie manchem eigen gewesen war, und auch nicht die konzentrierte, verdichtete Kraft eines erfahrenen Meisters, der mit minimaler Bewegung maximale Wirkung erzielte.
Tenebs Stil erinnerte eher an rohe, ungeschliffene Intensität, an jene ungelenken, übergroßen Schwünge eines Laien, der mit einem Lichtschwert für sich selber eine größere Gefahr darstellte, als für andere und bei denen Kraft eingesetzt wird, um Unsicherheit zu überdecken.
Er versuchte, Präsenz zu erzeugen, ließ die Klinge mit hörbarem Druck durch die Luft fahren, setzte einen Schritt nach vorn, der den Schlamm unter seinen Stiefeln aufspritzte, und drehte sich mit einer Härte, die mehr Anstrengung als Kontrolle verriet. In seinem Inneren tastete er nach dem Impuls, der ihn zu Juyo geführt hatte. Er ließ ihn aufsteigen, jedoch nur bis zu einem Punkt, an dem er ihn noch klar sehen konnte. In seinen Augen lag Konzentration, fast Trotz, doch sein Körper sprach eine andere Sprache: Er hielt das Trainingsschwert wie jemand, der weiß, wie gefährlich es sein könnte, aber noch nicht, wie man es führt. Jede Bewegung war ein Versuch, Entschlossenheit auszustrahlen, während er im Inneren nach Halt suchte, nach einer Balance, die ihm dieses fremde, summende Instrument bislang verweigerte. Schließlich hielt er inne und sah zu der Parwanerin, während der Wind an seiner Kleidung riss und ihm Regen über das Gesicht rann.


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Missmutig dreinblickend, die Hände in den gefluteten Taschen seiner Robe, verfolgte Leto das dargestellte Schauspiel des Diebes. Zwar hatte er selbst nie gelernt ein Lichtschwert zu führen, doch hatte er gesehen, wie Meister (oder öfter kompetente Amateure) sich mit einer der glühenden Klingen geschlagen hatten. Und was auch immer sein Schüler hier grade ablieferte war meilenweit davon entfernt.

“Das war sehr gut, Schüler des Darth Sikarius.”

, sagte Pai Lai und Letos Kopf zuckte zu der Parwanerin zurück.

“Ich sehe keinen Grund, warum ich Euch diese Disziplin nicht lehren könnte. Ich erkenne eine gewisse Intuition für den Grundgedanken.”

“Machst du Witze? Das war absoluter Rotz!”

, brachte Leto seine eigenen Gedanken zum Ausdruck. Die seltsamen Augen der Schwertmeisterin wanderten zu ihm zurück und musterten ihn für einen Augenblick, bevor sie antwortete:

“Seine Bewegungen sind ungeübt, aber nicht ungeschickt. Mit einer echten Klinge hätte er sich selbst keine Gliedmaßen geraubt. Dies ist mehr als so manch andere erste Begegnung mit einem Lichtschwert.”

“Dass er sich die eigene Rübe nicht abgesäbelt hat soll ihn besonders machen?!”

Leto spuckte aus, doch der Tropfen Speichel verging augenblicklich im strömenden Regen. Er verstand, dass Pai Lai aufbauend sein wollte, doch wie zum Henker sollte der Dieb motiviert werden an sich arbeiten, wenn sie ihm vorkaute, dass er bereits der Lichtschwertmessias war?! Es war an der Zeit etwas zu tun, wenn er nicht wollte, dass das abartige Xenoding ihm die harte Ausbildungsarbeit kaputtmachte. Angriffslustig reckte er das Kinn vor und verschränkte die Arme vor der Brust.

“Dat is doch allet Bullshit!”

, blaffte er in die Pause hinein, die sich Pai Lai mal wieder für ihre Antwort genommen hatte.

“Ne Jüngerin will uns wat beibringen, dabei hat ‘se selbst keine Ahnung. Verp*ss dich wieder auf dein Schiff und sag deinem Baubhan er soll selbst hier aufschlagen, wenn er es so viel besser weiß als ich!”

Erneut antwortete die Parwanerin nicht sofort, sondern nahm sich einen Moment Zeit dafür, einfach nur im Wind zu wehen.

“Was denn, musst du’s erst für dich in f*cking xeno übersetzen? Ver-p*ss-dich!”

“Lord Sikarius”

, begann Pai Lai das erste Mal ohne nervige Pause. Oder aber sie hatte die letzten drei über genug Zeit zum Nachdenken gehabt.

“Wenn ich bei einem Schwertduell einen Treffer auf Euch lande, erlaubt Ihr mir die Ausbildung dann?”

Nun war es an Leto zu schweigen, bevor er in heilloses Gelächter ausbrach.

“Eine Jüngerin will MICH treffen?! A*schlecken!”

Seine gelben Zähne spiegelten das Positionslicht des Svelte-Klasse Shuttles wieder.

“Schön, in Ordnung.”

Mit einer flüssigen Bewegung zog er sein Scimitar aus der Scheide und beobachtete, wie Pai Lai einen langen, dünnen Säbel aus ihrem eigenen Rucksack zog. Mit einem Scheppern landete der Rest ihres Gepäcks hinter ihr auf dem nassen Durabeton.

“Ein Duell bis zum ersten Treffer.”

, stellte Pai Lai fest.

“Nur Schwerter als Waffen, aber verwendet gerne Euer Crucitorn und Eure Geschwindigkeit.”

“Dann komm ran, Mädchen.”

Das musste Pai Lai sich nicht zwei Mal sagen lassen. Wie ein Bündel Schlangen schoss sie auf ihn zu und die gekrümmte Klinge zischte durch den Regen. Die Parwanerin war schnell, doch war sie keine ausgebildete Sith-Kriegerin. Die Dunkle Seite floss durch Letos Glieder und ließ ihn parieren, bevor das feindliche Schwert ihm auch nur annähernd gefährlich werden konnte. Sein Streich war kraftvoll geführt und schmetterte den Durastahl funkensprühend beiseite, entwaffnete Pai Lai zu seiner Enttäuschung jedoch nicht. Beide Klingen schwangen beiseite und bevor er sein Scimitar wieder in Position für einen Angriff gebracht hatte, war die Parwanerin bereits zurückgeweht. Hatte sie grade eine Windböe zum Positionswechsel verwendet?!

“Ihr seid nicht schlecht, Lord Sikarius.”

, gab Pai Lai im Plauderton zum Besten.

“Ihr verlasst Euch auf Stärke und Geschwindigkeit. Damit seid Ihr den meisten anderen Schwertkämpfern überlegen.”

“So?!”

, fauchte Leto und ging selbst zum Angriff über. Wie ein Blitz schoss er auf Pai Lai zu und schwang seine grade Klinge wie ein Hackebeil. Die Parwanerin wich zurück, wich aus. Selten parierte sie, wenn ihr Klinge oder der Kortosissporn am Ende des Scimitars zu nahe kamen.

“Ihr habt gute Instinkte, doch wurdet Ihr nie unterwiesen. Das merkt man. Ihr schwingt zu ausladend. So vertut Ihr Chancen und kämpft zu offen.”

Es war vorbei, bevor Leto auch nur verstand, was genau geschehen war. Grade noch waberte Pai Lai vor ihm hin und her, ihre Verteidigung durchbrochen und ihn gradezu zu einem blitzartigen Angriff einladend, doch dann war sie fort. Grade noch sah er ihre Tentakel zu einer Seite vorbeipeitschen und plötzlich stach ihm etwas Hartes, Spitzes in den Rücken. Mit einem Wutschrei stolperte Leto vor, verlor das Gleichgewicht und landete in einer Pfütze. Blitzschnell war er wieder auf den Beinen, wirbelte herum und funkelte die Parwanerin an, die ihren eigenen Säbel jedoch bereits wieder gesenkt hatte.

“Hm, interessant. Wie es im Bericht stand.”

, stellte sie fachfrauisch fest.

“Was für ein Bericht?!”

, spuckte Leto und trat nun ehrlich wütend näher.

“Ihr erinnert Euch an Euer Duell gegen Darth Hybris’ Schüler, Sharoh Gorash? Auch er war Euch in Technik überlegen und zwang Euch in ein Patt.”

“Woher. Weisst. Du. Davon.”

Letos Stimme hatte einen gefährlichen Ton angenommen.

“Das Duell fand in öffentlichen Trainingsräumen statt.”

, Pai Lai zuckte mit den Schultern.

“Ich kann Euch die Technik lehren, die Euch fehlt. Mit Euren Instinkten und korrekter Anleitung könnt Ihr ein sehr gefährlicher Kämpfer werden, Mylord. Darf ich Euch an unsere Vereinbarung erinnern?”

Leto hielt inne. Nicht, weil er einen F*ck auf irgendwelche Deals gegeben hätte, sondern weil die Worte der Parwanerin an sein Ego und eine schmerzhafte Erinnerung gerührt hatten. Bei dem erwähnten Kampf gegen den blauen Trandoshaner war er beinahe gestorben und es war nur Darth Hybris’ Eingreifen zu verdanken gewesen, dass er überlebt hatte. War es wirklich möglich, aus dieser Situation zu lernen?

“F*ck dich. Meinetwegen.”

, sagte er schließlich und senkte sein Schwert. Pai Lai nickte zufrieden.

“Das weiß ich zu schätzen, Lord Sikarius. Zunächst lasst mich jedoch Eurem Schüler eine Aufgabe geben.”

Wie aus dem Nichts glomm eine rote Lichtschwertklinge in Pai Lais Hand auf, während sie sich dem Dieb zuwandte.

“Das Wichtigste wird sein, dass Ihr ein Gefühl für die Bewegungsabläufe bekommt, Schüler. Das ist noch viel wichtiger, als über Eure eigenen Fähigkeiten in Lord Sikarius’ Ausbildung hinauszuwachsen. Es ist viel schwerer, schlechte Eigenschaften abzulegen, als sie nun korrekt zu lernen.”

Mit einer ihrer typisch ätherischen Bewegungen hob Pai Lai die eigene Klinge zu einer Grundpose über den Kopf. Regen zischen, während Tropfen auf das glühende Plasma trafen und binnen Millisekunden verdampften.

“Nehmt diese Pose ein. Ich werde Euch etwas beibringen, das man eine Kata nennt. Eine vorher festgelegte Abfolge von Bewegungen - Angriffe und Verteidigungen - gegen fiktive Gegner.”

“Was’n Blödsinn.”

, konnte Sikarius sich nicht verkneifen, was ihm jedoch nur einen ausdruckslosen Blick der Parwanerin einbrachte.

“Die Abfolge erlaubt es Euch die Grundbewegungen des Juyo, nachzuvollziehen, zu lernen und dabei langsam Eure Geschwindigkeit zu erhöhen. Währenddessen kann ich Euren Fortschritt beurteilen und Euch anleiten, wenn Ihr Fehler macht. Bitte folgt meinen Bewegungen.”

[ Outer Rim / Sith-Welten / Artek-System / Artek III / Törcsván / Landefeld ] Leto und Teneb, sowie (NPCs) Pai Lai und UX-23
 
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Der kurze Schlagabtausch zwischen Sikarius und der Parwanerin hatte etwas in dem Bleichen verschoben, das er zunächst nicht benennen konnte. Er hatte seinen Meister bisher nur in Zuständen zwischen Kontrolle und Ungezügeltheit erlebt, eine Präsenz, die Räume dominierte, Wesen geistig und physisch brach oder sie mit der kalten Gewissheit eines überlegenen Willens manipulierte. Doch der Moment, in dem Pai Lais Klinge Sikarius’ Rücken berührt hatte, hatte diese Gewissheit für einen Augenblick aufgerissen. Es war kein großer Sturz gewesen, kein entscheidender Sieg, doch Teneb hatte gesehen, wie schnell die Oberfläche eines Tyrannen Risse bekam, sobald jemand es wagte, ihn aus der Balance zu bringen. Solche Männer, das wusste er aus Erfahrung, reagierten auf diesen Verlust selten mit Einsicht. Sie reagierten mit Eskalation, mit Lautstärke, Drohungen, mit der brutalen Wiederherstellung eines Bildes von Dominanz, das mehr Fata Morgana als Realität war. Während der kapriziöse Sith noch im Regen stand und den Spott der Niederlage mit Zorn übertönte, fragte Teneb sich zum ersten Mal, wie oft Macht tatsächlich auf solchen flüchtigen Illusionen beruhte.
Was hinzukam war die beiläufige Selbstverständlichkeit, mit der
Pai Lai den Sith entmystifizierte und von einemalten Duell gegen den Schüler von Darth Hybris, Sharoh Gorash, sprach und dass es Aufzeichnungen davon gab. Dass sie im Tempel archiviert worden waren, zugänglich für jene, die wussten, wo sie suchen mussten. In Tenebs Kopf formte sich daraus ein anderes Bild des Ordens, eines, das weniger aus Geheimnissen bestand, als Sikarius ihn hatte glauben lassen. Der Sith-Orden bewahrte seine Konflikte auf und beobachtete. Ein Orden, der den Sieg durch Macht erlangen wollte, katalogisierte Niederlagen und vergaß diese nicht. Irgendwo in diesen Datensätzen existierte eine Version seines Meisters, die beinahe gestorben wäre, eine Version, die von einem technisch überlegenen Gegner in ein Patt gezwungen worden war, bis ein anderer Sith eingriff. Darth Hybris. Der Name hatte Gewicht, selbst in Sikarius’ Reaktion. Der Bleiche hatte das kurze Zögern, die gefährliche Schärfe in der Stimme seines Meisters vernommen. Es war die Art von Tonfall, der entstand, wenn Erinnerung und Stolz aufeinanderprallten.

Der Regen hatte während des kurzen Gefechts nicht nachgelassen. Er fiel nun dichter, schwerer, als hätte der Himmel beschlossen, das Landefeld endgültig in graue Vorhänge zu hüllen.
Teneb stand ein paar Schritte entfernt und beobachtete, wie Sikarius und die Parwanerin auseinandertraten, während der Wind die langen Tentakel der Fremden wie lebendige Peitschen durch die Luft schlug. Das kurze Duell hatte sich mit einer Geschwindigkeit entfaltet, die seine eigenen Bewegungen wenige Minuten zuvor beinahe lächerlich wirken ließ. Geschwindigkeit und Präzision, die Selbstverständlichkeit, mit der Pai Lai ihren Körper und die Klinge im Raum verankerte, ließen ihn einen Unterschied zwischen Kernwelten und dem Outer Rim in den beiden Darbietungen erkennen. Ihre Bewegungen hatten eine innere Geometrie besessen, die ihm bislang völlig fremd war und er mindestens so faszinierend fand, wie die Andersartigkeit der Parwanerin.
Als die rote Klinge in ihrer Hand aufglomm, war es, als würde ein neuer Mittelpunkt im Sturm entstehen. Das Licht färbte den Regen blutrot, ließ Tropfen wie eine zum Angriff aufgestellte Viper zischen und verschwinden, bevor sie den Boden erreichen konnten.
Pai Lai wandte sich ihm zu, und ihre drei Augen ruhten einen Augenblick auf ihm, als würde sie prüfen, ob er noch derselbe war wie der Amateur, der wenige Minuten zuvor versucht hatte, das Trainingsschwert mit improvisierter Entschlossenheit zu führen.

Teneb trat einen Schritt vor, das Trainingslichtschwert noch in der Hand. Der Griff fühlte sich inzwischen weniger fremd an, doch seine Finger suchten immer noch nach einer Haltung, die gleichzeitig stabil und beweglich war. Er hob die Klinge, versuchte die Linie nachzuahmen, die Pai Lai vorgab, doch sein Körper widersetzte sich der fremden Ordnung. Die Schultern wollten enger stehen, als sie sollten, die Hüfte blieb zu steif, als müsse sie sich erst daran erinnern, dass diese Waffe nicht wie ein Vootkar geführt wurde. Er korrigierte sich langsam. Die Parwanerin hatte die Klinge über den Kopf gehoben, ihre Tentakel hielten ihren Körper in einer schwebenden Balance, die auf eine eigenartige Weise gleichzeitig instabil und perfekt ausgerichtet wirkte. Teneb versuchte, die Haltung zu spiegeln. Seine Arme fühlten sich dabei zu lang oder zu kurz an, als gehörten sie zu einem Körper, den er noch nicht vollständig bewohnte. Das Summen der Trainingsklinge lag nun dichter an seinem Ohr, während Regen und Wind über seine Haut strichen. Eine Kata also. Der Begriff war dem Bleichen fremd, so wie die ganze Übung und doch spürte er, wie er an einem Abgrund stand, deren süßer Klang ihn dazu verführte einen Schritt weiter zu gehen und eine Welt zu betreten, die ihn entweder verschlingen oder transformieren würde. Die Abfolge von Bewegungen gegen Gegner, die nur im Kopf existierten verankerte der Umbaraner mit den Worten des Sith Kodex. Es gibt keinen Frieden, nur Leidenschaft. Selbst im Training brauchte es einen Antagonisten, der diametral zum eigenen Weltbild oder nur zur eigenen Person existierte. Ein Gerüst, das man immer wieder durchlief, bis der Körper es akzeptierte. Die Idee erinnerte ihn an etwas aus seiner früheren Welt, Umbara. Intrigen, Ränkespiele und Attentate bestimmten den Alltag in dem ewig währenden Mahlwerk der Kasten und jener, die innerhalb dieses rigiden Systems bis hinauf in die Rootai aufsteigen wollten. Doch das hier war anders und auch anders als die kurzen Klingen, die auf seiner Heimatwelt für Meuchelmorde so beliebt waren. Ein Vootkar wurde nicht einfach blind geführt. Man lernte Muster, Abstände, den richtigen Moment für einen Stich. Doch das Lichtschwert verlangte größere Linien, größere Räume und vor allem mehr Übung im Umgang.

Pai Lai begann sich in ihrer gewohnt fließenden Art zu bewegen. Langsam zuerst, beinahe bedächtig. Die rote Klinge zog eine klare Bahn durch den Regen, eine diagonale Linie, die dann in einen kontrollierten Richtungswechsel überging. Teneb versuchte zu folgen. Sein erster Schritt kam zu spät, die Klinge beschrieb einen zu weiten Bogen, und der zweite Schnitt verlor an Höhe, weil sein Ellbogen zu früh nachgab. Er bemerkte den Fehler sofort und korrigierte ihn beim nächsten Durchgang, doch sein Körper arbeitete gegen ihn, als würde jede Bewegung neu verhandelt werden müssen. Der Wind zerrte an seiner Kleidung, während er die nächste Abfolge nachahmte. Pai Lai bewegte sich hingegen mit einer unheimlichen Ruhe, ihre Tentakel griffen nach unsichtbaren Punkten im Raum und hielten ihren Körper stets im richtigen Winkel zur Klinge. Teneb allerdings musste jeden Schritt bewusst setzen. Der Boden unter seinen Stiefeln war rutschig vom Regen, seine Schultern arbeiteten zu stark, und das Trainingslichtschwert beschrieb Linien, die manchmal eher wie grobe Schnitte durch die Luft wirkten als wie kontrollierte Angriffe.

Dennoch begann sich in seinem Inneren bereits etwas zu ordnen, wo vorher ein Chaos gegenläufiger Gefühle und Eindrücke existierte. Er spürte, wie die Abfolge der Kata ihm eine Art Entschleunigung in seinen Gedanken brachte. Man hätte nicht den Fehler machen dürfen zu glauben, dass dies gleichzusetzen gewesen wäre mit Entspannung und innerer Ruhe. Die Sith kannten, außer vielleicht im Tod, keine Ruhe. Es war eher eine Entschlossenheit, als würde sich der Nebel, der vor seinem imaginären Auge grassierte, sich lichten. Die Wiederholung zwang seinen Körper, sich anzupassen. Der dritte Durchgang war weniger unruhig als der erste. Die Klinge blieb länger in der richtigen Ebene, sein Schritt nach vorn kam einen Augenblick früher, als hätte sein Körper begriffen, dass er den Raum anders lesen musste.
Hinter ihm schnaubte
Sikarius unzufrieden, doch Teneb ließ sich erneut davon nicht ablenken. Seine Aufmerksamkeit blieb auf Pai Lai gerichtet, auf der Struktur ihrer Bewegungen. Jede Geste der Parwanerin war Teil eines Musters, und obwohl er dieses Muster noch nicht vollständig verstand, konnte er es bereits erahnen. Die Kata setzte sich fort, Schnitt um Schnitt, Schritt um Schritt. Der Regen zischte weiter auf den Klingen, während Teneb versuchte, aus der ungelenken Improvisation seines ersten Versuchs langsam etwas zu formen, das zumindest entfernt an Kontrolle erinnerte.

„Könnt ihr mich weitere Katas lehren, um meinen Vorgehensweise zu schärfen?“ sprach schließlich der Bleiche, nachdem ihn die Parwanerin die Bewegungsabläufe weitere Male hatte durchlaufen lassen.

Worauf er besonders achtete war, die Parwanerin nicht als Meisterin oder dergleichen anzusprechen aber dennoch respektvoll zu bleiben. Er nahm sie als genau das, was UX-23 ihnen gesagt hatte, sie war eine Lehrerin für den Schwertkampf. Trotz aller Risse, die Sikarius hier offenbarte, vergaß der Umbaraner nicht, dass er am Ende des Tages seinen Meister in dem kapriziösen Sith gefunden hatte und diesem gleichermaßen auch ausgeliefert war.


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[ Outer Rim / Sith-Welten / Artek-System / Artek III / Törcsván / Landefeld ] Leto und Teneb, sowie (NPCs) Pai Lai und UX-23

Während Leto dem Dieb zusah, wie er versuchte Pai Lais Übung zu meistern, hing er selbst düsteren Gedanken nach. Er hatte beschlossen die Parwanerin für den Moment zu tolerieren. Sogar er hatte einsehen müssen, dass sie über Fähigkeiten verfügte, die ihm auf seinem zukünftigen Weg nützlich sein würden. Er war nie korrekt ausgebildet worden und das hielt ihn zurück. Konnte er auch nur den Schwertkampf meistern, dann würde er so manchen ihm aktuell durch Technik überlegenen Gegner überflügeln können.

Doch einen Fehler hatte Pai Lai gemacht. Sie hatte ihn nicht nur geschlagen und von ihrer Kenntnis überzeugt, sie hatte dies auch vor den Augen des Diebes getan. Und egal was Leto seinem Schüler auch immer wieder predigen mochte, er hatte es nicht wirklich eilig damit, dass der allzu früh meinte seine Ketten sprengen zu können. Eine Flucht war zu diesem Zeitpunkt vermutlich ausgeschlossen – wobei, diese Annahme war es wohl wert getestet zu werden – doch wollte er auch nicht, dass fehlplatzierte Hybris zu einem jähen und blutigen Ende der Ausbildung führte. Eine mittelfristige Machtdemonstration musste her. Leto durfte nicht zulassen, dass eine verdammte Jüngerin behaupten konnte ihn geschlagen zu haben.


„Ich kann und werde, jedoch erst wenn Ihr diese gemeistert habt. Es ist die Simpelste die ich Euch lehren kann, danach wird es nur komplexer.“

, sagte Pai Lai schließlich auf die Frage des Diebs, ob er denn schon weitere Katas lernen konnte. Leto schnaube verächtlich, hielt sich jedoch davon ab zurück. Nun jedoch wandte die Parwanerin sich an ihn:

„Ich gehe Recht in der Annahme, dass Ihr ihm noch nicht das Crucitorn nahegebracht habt, Lord Sikarius?“

Leto zuckte die Schultern und schüttelte den Kopf.

„Was stand denn als nächstes auf dem Lehrplan? Crucitorn wäre für die weitere Ausbildung am Schwert äußerst nützlich.“

„Eh…“

, brummte Leto. Seine Vorgehensweise einen ‚Lehrplan‘ zu nennen war sicherlich eine deutliche Übertreibung, doch folgte er durchaus Konzepten eines Plans.

„Machtgriff kann er noch nicht. Und vor Curzi…perfektionierter Körperbeherrschung muss er noch den Machtsprung lernen. Ist einfacher zu erklären so.“

„Ich würde Euch in dem Fall bitten den Machtsprung zu priorisieren. Dann wird es ihm leichter fallen die ihm abverlangten Bewegungen zu meistern.“

„Mal schau’n.“

, gab Leto mit einem weiteren Schulterzucken zurück, hatte jedoch gar nicht erst vor der Bitte Folge zu leisten. Dafür hatte das hässliche Xenoding ihm heute zu sehr ans Bein gep*sst.

„Ich werde mich dann nun im Dorf häuslich einrichten.“

, antwortete Pai Lai, ohne eine Miene zu verziehen.

„Schüler, Ihr solltet die Kata vor dem Schlafengehen noch ein paar Mal durchgehen. Weitere Instruktionen werden morgen folgen.“

Mit einem Zischen erlosch ihr Lichtschwert und mit einem letzten Blick auf Leto wandte sie sich zum ‚Gehen‘. Mit einer unwirklich erscheinenden Bewegung griff sie nach ihrem Rucksack und machte sich wie angesagt auf den Weg zurück zum Dorf. UX-23 folgte ihr auf dem Tentakel und begann sofort damit auf sie einzureden. Missmutig verfolgte Letos Blick die beiden ungleichen Gestalten, doch plötzlich legte sich ein dünnes Lächeln auf seine Lippen, als ihm eine wirklich witzige Idee kam. Doch dazu gleich.

Leto warf dem Dieb einen Blick zu und griff mit der Macht nach dem noch immer aktivierten Lichtschwert. Ohne große Mühe schlüpfte der regennasse Griff aus den bleichen Fingern und landete einen Moment später in Letos offener bionischer Hand. Der Krieger grinste.


„Das nennt man einen Machtgriff. Du kannst einen gar nicht schlechten Machtstoß abgeben und du bist in der Lage zu levitieren. Der Machtgriff ist das dreckige B*stardkind der beiden Techniken. Du levitierst und dann ziehst du es zu dir. Sozusagen.“

Auffordernd hielt er den Griff in Richtung des Diebes.

„Versuch‘ es.“

Gesagt, getan. Eine ganze Weile lang standen Meister und Schüler im Regen, während einer von beiden sich abmühte und der andere höhnisch vor sich hingrinste. Ab und an funktionierte es sogar, was Leto jedes Mal mit einem weiteren erfolgreichen Machtgriff seinerseits beantwortete. Schließlich, nachdem der Dieb die Sache einigermaßen zu begreifen schien, winkte Leto ihn zu sich heran.

„Gut. Üb das doch noch alleine weiter.“

Mit einem schraubstockartigen Griff packte er ihn bei der Schulter und lenkte ihre Schritte in Richtung der beiden Svelte-Klasse Shuttles

„In der Zwischenzeit habe ich einen Auftrag für dich.“

Böse grinste er.

„Geh an Bord von Pai Lais Schiff und sag dem Piloten er soll dich nach Zygerria fliegen. Offizieller Auftrag von Darth Sikarius.“

Vor dem Schiff blieb er stehen und winkte der Außenkamera zu, signalisierend, dass die Rampe gesenkt werden sollte.

„Ich will, dass du dort einen Kampfsklaven kaufst. Der böseste den du siehst. Der Pilot soll zahlen und sich sein Geld von UX-23 wiederholen. Will er nicht bedroh ihn ruhig ein bisschen. Will er dann immer noch nicht, verscherbel dein neues Spielzeug. Selbst ein Trainingslichtschwert sollte dir ein hübsches Sümmchen einbringen.“

Letos ungleiche Augen ruhten für einen Moment auf denen den des Diebes.

„Lass dich nicht für weniger als 5.000 Credits abspeisen. Alles darunter ist Betrug. Flieg hin, kauf den Sklaven komm wieder. Sei bis zum Mittag zurück. Dann hast du sogar Zeit für Tourischeiß.“

Fast schon freundschaftlich schlug er seinem Schüler auf die Schulter und wandte sich ebenfalls zum Gehen. Es war ein Wagnis ihn laufen zu lassen, doch selbst wenn der Dieb die Gelegenheit zur Flucht verwendete, dann hätte Leto immerhin dem dummen Droiden und der hässlichen Xeno eins ausgewischt. Doch um ehrlich zu sein glaubte er nicht, dass es dazu kommen würde. Auf Nkllon hatte Leto sehr schnell dafür gesorgt den Dieb mit Ketten aus Gewalt an ihn zu binden, doch auf Artek III waren diese aus Begehren neu geschmiedet worden. Die letzten Wochen über hatte der Dieb gelernt, was er sein konnte, wenn er seine Ausbildung fortsetzte.

Er mochte gesehen haben, dass Pai Lai Leto im Schwertkampf schlagen konnte. Das würde wohl oder übel seine Bereitschaft zur Rebellion erhöht haben. Das beste Mittel dagegen war jedoch die Einsicht, dass er zurückkommen wollte. Wie Rebellion gegen Zwang besser den Boden entziehen, als den Zwang zu entfernen? So oder so war es ein Win-Win für Leto. Entweder der Dieb kehrte loyal und gefestigt zurück…oder er hatte wem auch immer seine eigenen Fäden zog mit Anlauf in die Suppe gew**t. Klang doch super.


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