Artek III

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Für einen Moment breitete sich Stille im Schankraum aus, nachdem der Schüler seinen äußerst merkwürdigen Satz ausgesprochen hatte – dann begann Leto zu lachen. Der Laut begann mit einem vernehmlichen Schnauben und wandelte sich dann zu etwas, das ein bisschen klang wie ein Vogelkrächzen.

„Was sollte das denn heißen?!“

, fragte Leto belustigt und schlug ein paar Mal lachend mit der flachen Hand auf den Tresen.

„Natürlich hab‘ ich mich selbst geformt! War ja sonst niemand da.“

Mit einem zufriedenen Grinsen dachte er an die alte Kirche zurück, in der er seinen alten Meister erlegt hatte.

„Und was mir widerfahren ist? Glaub nicht, dass du das auch nur im Entferntesten abschätzen kannst.“

Doch genug davon. Ein weiteres Mal waren sie an einem Punkt angekommen, an dem weiteres Training vonnöten war. Der Schüler musste üben und Leto hatte einen Weg gefunden die Übung überwachen zu können. Gedacht, getan. Den Nachmittag über verbrachte Leto damit immer neue Wege aufzutragen den Dorfbewohnern Kraft seiner Gedanken nachzustellen. Dieser machte sich auch gar nicht mal schlecht und würde somit vermutlich auch keine Probleme damit haben den Lektionen der nächsten Tage zu folgen.

Zum Abend hin ließ die Leitung des Schülers natürlich nach, doch das war nur natürlich. Leto verlangte noch ein paar Versuche über dessen natürliche Kapazität hinaus und beendete das Trauerspiel schließlich. Grade wollte er sich zum Gehen wenden, als UX-23 durch die Eingangstür geschwebt kam und etwas vor dem Dieb auf den Tresen fallen ließ. Verwirrt starrte Leto für einen Moment auf das, was er auf den zweiten Blick als Filmsibroschüre identifizierte.


„Was soll denn das schon wieder?“

, fragte er den Droiden, der den Blick seines durchdringen roten Auges nun auf ihn richtete.

„Es handelt sich dabei um eine allgemeine Erklärung existierender Lichtschwertformen, Sikarius. Du solltest gleich auch einen Blick hineinwerfen.“

„Wat?“

Entgeistert starrte Leto die langsam auf der Stelle auf und ab schwebende Maschine an.

„Was soll er denn mit so Glühstäbchen?! Er säbelt sich damit eh nur die Rübe ab. Kann ich ihm nicht beibringen die Scheiße.“

„Genau deswegen habe ich einen Schwertmeister von Bastion angefordert. Er wird euch die Grundlagen beibringen, aber ihr solltet euch schon Stile aussuchen. Welchen Stil soll dein Schüler lernen?“

„Ist mir doch scheiß egal!“

, blaffte Leto.

„Wat ein Blödsinn! So’n dummes Schwert ist doch keine Waffe! Eine echte Klinge braucht ein Sith!“

„Ich habe deine Einwände kommen sehen. Der Schwertmeister wird dich auch den Umgang mit einer Kriegsklinge lehren können. Seinem Schüler wird eine solche jedoch nicht zur Verfügung gestellt werden. Er erhält ein Trainingslichtschwert, wie jeder sonst auch.“

Wütend starrte Leto UX-23 ein an, ließ sich jedoch nicht zu einer weiteren Antwort herab. Wie zuwider es war, tun zu müssen, was die Maschine sagte. Und wenn es nur darum ging, wie er seinen verdammten Schüler auszubilden hatte. Schön, dann sollte der Junge sich eben die Art und Weise aussuchen, wie er mit einem Glühstab in der Luft herumfuchteln würde.

„Leck mich.“

, schloss Leto also und verließ schnellen Schrittes den Pub, um seine brodelnde Wut mit einem Spaziergang wieder abzukühlen.


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Das Lachen schnitt durch den Raum wie eine rostige Klinge. Es war kein heiteres Geräusch, kein Ausdruck von Leichtigkeit, sondern ein raues Aufstoßen aus der Tiefe, das mehr über Wunden erzählte als über Humor. Teneb Dask hörte es sich selbst fremd werden, dieses Schnauben, das in ein krächzendes Bellen überging, und beobachtete, wie die flache Hand seines Meisters mehrmals auf den Tresen schlug, als müsse sie den Moment festnageln. Der Bleiche versuchte keinen Muskel in seinem Gesicht eine Regung verraten zu lassen. Die Worte, die folgten, waren nicht für ihn neu, nur ihre Schärfe war es. In der Macht glomm ein kurzes Auflodern auf, als eine Erinnerung durch Sikarius’ Inneres strich. Teneb konnte nicht greifen, was er da sah oder woran genau er dachte. Es war kein Trauerrest oder Bitterkeit. Eher ein dunkles, zufriedenes Nachglühen. Der Bleiche spürte den Abdruck dieser Tat wie eine eingeritzte Rune, die sich in die Struktur der Aura eingefügt hatte.
Der Umbaraner senkte den Blick nicht. Er widersprach auch nicht. Er wusste, dass diese Grenze real war. Er hatte in die Fäulnis geblickt, hatte die Schichten aus Verwesung und Wille erfasst. Doch das vollständige Gewicht eines Lebens, das sich zehntausendfach in Dunkelheit getaucht hatte, lag jenseits seines jetzigen Vermögens.

Der Nachmittag zog sich wie eine lange, gespannte Saite. Sein Meister setzte ihn an, ließ ihn die Dorfbewohner mit Kraft seiner Gedanken verfolgen.
Teneb dehnte seine Sinne aus, griff nach einzelnen Präsenzmustern, verlor sie wieder, fing sie neu ein. Jeder Versuch war ein Faden, den er in ein unsichtbares Gewebe einwob. Er spürte Widerstand. Müdigkeit. Ein leises Brennen hinter der Stirn, das sich allmählich in seinen Nacken fraß. Die Wesen draußen waren keine abstrakten Punkte. Sie waren kleine, flackernde Lichter im Geflecht der Macht. Manche hell, manche stumpf, manche kaum wahrnehmbar. Er lernte, sie voneinander zu unterscheiden, ihre Bewegungen nachzuvollziehen, ihre Richtungswechsel vorauszuahnen. Die Welt begann eine Tiefe zu bekommen, die sich nur einem Bruchteil der Galaxis zeigte. Man konnte schon fast davon sprechen, dass sie auserwählt waren und Erwachte in der Macht, während die anderen mit ihren Augen zwar sehen konnten aber nicht mit ihren Sinnen.

Als der Abend herabsank, wurde seine Wahrnehmung ungenauer. Die Fäden zitterten, rissen schneller ab. Sein Atem wurde schwerer, seine Konzentration porös. Der Sith trieb ihn dennoch weiter, verlangte noch einen Versuch, noch eine Verfolgung, noch ein Strecken der Sinne über das hinaus, was angenehm war.
Teneb schwieg und tat es, ging über seine Grenzen hinaus. Er fühlte den Rand seiner Kapazität. Ein schmaler Grat, auf dem die Klarheit in Nebel überzugehen drohte. Er hielt sich darauf, nicht aus Stolz, sondern aus Notwendigkeit.
Als
Darth Sikarius sich endlich abwandte, war Teneb innerlich erschöpft, doch sein Körper verriet es kaum. Die Müdigkeit lag tiefer, in einem Bereich, den nur er selbst wahrnahm. Das leise Schweben von UX-23 kündigte die nächste Verschiebung an. Der Droide glitt herein, ließ etwas auf den Tresen fallen. Das Rascheln dünnen Materials, die flache Präsenz eines Datenträgers. Teneb betrachtete die Broschüre, ohne sie sofort zu berühren. Lichtschwertformen. Die Worte hatten Gewicht, auch wenn sein Meister sie mit Verachtung aussprach.

Als der kapriziöse Sith seinem Namen gerecht werdend fluchend den Raum verließ und die Tür mit übertriebener Härte hinter sich ins Schloss fiel, blieb
Teneb im schwächer werdenden Licht der Schänke zurück. Der Droide verharrte auf gleichbleibender Höhe, sein rotes Auge ruhig und unbeeindruckt. Zwischen ihnen lag die Broschüre, unscheinbar, beinahe banal in ihrer Materialität. Teneb nahm sie schließlich in die Hand und spürte das dünne Gewicht zwischen seinen Fingern, als würde er etwas Unfertiges berühren, das erst durch Anwendung Bedeutung erhielt.
Teneb spürte noch die Erschöpfung des Trainings in seinem Inneren. Seine Wahrnehmung war gedehnt worden, mehrfach bis an die Grenze ihrer Belastbarkeit geführt. Ein dumpfer Druck hinter den Augen erinnerte ihn daran, dass selbst neue Sinne einen Preis forderten. Dennoch wich er der Entscheidung nicht aus. Jede Disziplin, jede präzise Bewegung versprach Erweiterung. Nicht als Zierde, nicht als Ritual, sondern als Mittel zur Selbstformung.

Die Broschüre war nüchtern gestaltet, beinahe spröde. Kein Pathos, keine heroischen Illustrationen, nur knappe Erläuterungen und schematische Darstellungen von Haltungen. Teneb blätterte langsam, ließ den Blick nicht nur über die Linien gleiten, sondern über das, was zwischen ihnen lag.

Shii-Cho, die erste Form, wirkte wie roher Ursprung. Weite Schwünge, offene Bögen, Bewegungen, die mehr Raum einnahmen, als sie verbergen konnten. Sie lehrte den Körper, mit einer Waffe aus Licht umzugehen, bevor sie ihn zu mehr zwang. Teneb erkannte darin Fundament und Disziplin, doch auch eine gewisse Unverfeinertheit. Ein Anfang, kein Ziel.
Die folgende Seite trug den Namen
Makashi. Die Figuren standen enger, die Klinge schmal geführt, der Körper ausgerichtet wie eine Linie zwischen zwei Punkten. Duellkunst. Präzision. Jede Bewegung schien auf Minimierung ausgelegt. Kein verschwenderischer Schwung, kein unnötiger Kraftaufwand. Teneb verweilte länger hier. Makashi sprach von Kontrolle durch Analyse, von Überlegenheit durch Timing. Eine Form, die weniger auf Kraft als auf Verständnis setzte.
Soresu folgte. Die Haltung war geschlossen, fast defensiv in ihrer Zurückhaltung. Die Klinge blieb nah am Körper, als würde sie eine unsichtbare Sphäre schützen. Diese Form war Ausdauer, Geduld, das Ertragen von Druck, bis der Gegner an seiner eigenen Offensive zerbrach. Teneb sah darin eine stille Härte. Kein Glanz, kein Spektakel – nur Standhaftigkeit.
Dann kam
Ataru. Bewegung durchzog jede Illustration. Sprünge, Drehungen, ein Körper, der sich der Schwerkraft widersetzte. Ataru war Geschwindigkeit, Aggression, ein Vorwärtsdrängen, das den Raum selbst zu verschlingen schien. Teneb betrachtete es mit Distanz. Die Dynamik war beeindruckend, doch sie ließ wenig Raum für den langen Atem, den er selbst bevorzugte.
Form V, unterteilt in
Shien und Djem So, zeigte eine andere Art von Entschlossenheit. Shien lenkte Blasterfeuer zurück, wandelte Defensive in Angriff. Djem So konzentrierte sich auf das Duell, auf kraftvolle, direkte Gegenstöße. Hier lag keine bloße Reaktion. Hier lag die bewusste Entscheidung, den gegnerischen Impuls aufzunehmen und ihn verstärkt zurückzugeben. Teneb spürte eine leise Resonanz. Geduld, die sich im richtigen Moment entlud.
Die sechste Seite beschrieb
Niman. Eine Synthese, ein Zusammenführen mehrerer Ansätze. Ausgewogen, flexibel, anpassungsfähig. Teneb erkannte den Vorteil in dieser Vielseitigkeit. Doch sie wirkte wie ein Mittelweg, der Extreme vermied. Er fragte sich, ob Ausgleich allein genügen konnte, wenn Entschlossenheit gefordert war.
Am Ende stand
Juyo, die siebte Form. Die Worte wurden knapper, vorsichtiger. Intensität, Emotion, Grenzüberschreitung. Juyo verlangte nicht nur Technik, sondern das Zulassen innerer Spannungen. Eine Klinge, geführt von einem Willen, der sich nicht glättete. Teneb spürte, dass hier ein Feuer loderte, das Kontrolle verlangte, um nicht zu verzehren.

Er schloss die Broschüre nicht sofort. Jede dieser Formen war mehr als eine Abfolge von Bewegungen. Sie waren Haltungen zum Einsatz von Gewalt. Entscheidungen darüber, wann man wartet, wann man zwingt, wann man absorbiert und wann man bricht. Sein Blick kehrte zu Makashi, streifte Soresu, verweilte bei Djem So und verweilte zuletzt auf Juyo. Er dachte an Geduld. An den Moment, in dem ein Gegner glaubt, die Situation zu beherrschen, während die Gewichte sich längst verschoben haben. Die Wahlwürde eine Ausrichtung sein und
Teneb wusste, dass jede Ausrichtung einen Teil von ihm formen würde.

UX-23 verharrte einen Augenblick auf gleicher Höhe, das rote Auge unbeweglich auf Teneb gerichtet, als würde es nicht nur sein Gesicht, sondern die Richtung hinter seinen Worten vermessen.

„Die Auswahl ist erforderlich“, sagte der Droide mit jener sachlichen Gleichförmigkeit, die jede Frage wie eine administrative Notwendigkeit klingen ließ. „Welche Lichtschwertform soll für die Ausbildung priorisiert werden?“

Teneb ließ die Broschüre einen Spalt geschlossen zwischen seinen Fingern ruhen. Sein Blick blieb auf den schematischen Darstellungen, als würde er weniger die Linien betrachten als das, was sie in ihm anrührten. „Juyo“, antwortete er schließlich. Das Wort fiel nüchtern, ohne Pose, ohne Provokation, beinahe so, als hätte er einen technischen Parameter benannt. „Ich will einen Stil, der nicht lügt, der das nutzt, was in mir ist.“

Das rote Auge flackerte kaum merklich, eine minimale Anpassung der Sensorik. „Juyo ist als Hochrisikoform klassifiziert“, entgegnete UX-23. „Die erforderliche emotionale Intensität erhöht statistisch die Wahrscheinlichkeit von Kontrollverlust, ineffizientem Kraftverbrauch und Verletzungen. Für einen Initiaten wird nach dem Erlernen der Grundformen von Shii-Cho die Form Makashi zur Duellpräzision oder Soresu zur Überlebensfähigkeit empfohlen. Alternativ Form V, Djem So, falls eine offensive Umwandlung defensiver Impulse beabsichtigt ist. Juyo wird üblicherweise erst nach stabilisierter Grundausbildung freigegeben.“

Teneb hob den Blick vom Filmsiplast. In seinem Gesicht lag Müdigkeit vom Training, doch keine Weichheit. „Kontrollverlust ist eine Frage der Unkenntnis“, sagte er leise. „Ich will wissen, wo diese Grenze verläuft, bevor sie mich findet. Makashi lehrt ein kontrollierter Wirbelwind zu sein, Soresu lehrt eine Bastion zu sein. Beides ist nützlich. Juyo zeigt, was unter der Oberfläche liegt. Ich brauche das, weil ich mir selbst nicht erlaube, überrascht zu werden.“

UX-23 schwieg einen kurzen Moment, als würde er den Satz nicht abwägen, sondern katalogisieren. „Vermerkt“, sagte er schließlich. „Die finale Priorisierung unterliegt dem Schwertmeister von Bastion. Er wird nach Evaluation deiner physischen Disposition, deiner Machtaffinität und deiner Belastbarkeit ein Verdikt fällen.“

Als der Droide verstummte, blieb Teneb einen Moment stehen, die Broschüre noch immer in der Hand. Ein Schwertmeister von Bastion. Ein weiterer Blick, der ihn messen würde. Ein Richter der Plasmaklingenkunst. Der Gedanke ließ etwas in ihm anspannen, feiner als Zweifel, schärfer als Stolz. Juyo hatte in der Abstraktion wie Klarheit gewirkt, wie ein direkter Zugang zu dem, was unter der Oberfläche brannte. Nun, im Licht einer tatsächlichen Prüfung, erschien die Wahl weniger wie Entschlossenheit und mehr wie ein Griff nach einem Feuer, dessen Hitze er bislang nur aus der Ferne gespürt hatte. Zum ersten Mal seit dem Öffnen der Broschüre fragte er sich, ob er nach dem Gipfel gegriffen hatte, bevor er den Fels darunter geprüft hatte.

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Am nächsten Tag hatte der Schüler bis nach dem Mittagessen Ruhe. UX-23 hatte angekündigt, dass der Schwertmeister schon am Nachmittag ankommen würde, weshalb Leto beschlossen hatte, dass sie ihn alle auch am Morgen mal ganz gewaltig konnten. Nur, dass er gedanklich weniger freundliche Ausdrücke dafür gewählt hatte. Entsprechend fand er sich dann jedoch schlecht gelaunt zusammen mit seinem Schüler und dem Droiden auf Törcsváns Landefeld wieder und verfolgte, wie die käferartige Silhouette eines Svelte-Klasse Shuttles sich verhältnismäßig schnell zu ihnen hinabsenkte.

Das Wetter war heute selbst für Artek III schlecht. Der Himmel war mit schnelltreibenden Wolken bedeckt und ein nicht enden wollender Regenguss ließ Letos dunkle Roben schwer und kalt an seinen hageren Gliedern herabhängen. Immer wieder rollte ein dumpfes Donnergrollen über das Landefeld hinweg und einzelne Blitze zuckten über den Himmel. In der Luft hing der unverkennbare Duft eines kommenden Gewitters, deutlich beweisend, dass dies alles erst der Anfang war. Doch um ehrlich zu sein störte es Leto nicht. Nach Nkllon konnte Törcsván seinetwegen auch komplett weggespült werden. Auch ein langsames Ertrinken war der Hölle dieses Drecksplaneten vorzuziehen.

Als das Svelte-Klasse Shuttle schließlich neben seiner Schwester – der ‚Fury‘ – gelandet war, richtete Leto den starren Blick seiner ungleichen Augen auf die sich herabsenkende Laderampe. Wen der verdammte Sith-Orden wohl geschickt hatte, um ihm in seine Ausbildungsmethoden reinzureden?! Weißer Dampf stieg von der Hydraulik der Laderampe auf und Lichter aus dem Inneren des Schiffes warfen gleißende Strahlen in den strömenden Regen. Für einen Moment tat sich nichts, dann schlang sich etwas, was aussah wie ein langer, grüner Tentakel um einen der hydraulischen Kolben und eine wabernde Gestalt schob sich in ihr Blickfeld.

Einige Herzschläge lang verstand Letos Hirn nicht, was genau da aus dem Schiff wehte. Erst dann verband es die vielen peitschenden Gliedmaßen zu einer kohärenten Gestalt mit erkennbarem Kopf und Gesicht. Beine schien das Ding nicht zu besitzen, stattdessen waberten vier peitschenartige Tentakel durch die Luft und schlangen sich, stetig in Bewegung bleibend, um scheinbar alle verfügbaren Ecken und Kanten. Zusätzlich hielt die Kreatur zwei spindeldürre Arme vor der Brust verschränkt, die spitzen Finger um die Gurte eines schwer aussehenden Rucksacks geschlungen, den sie auf dem Rücken trug. Leto braucht einen Moment, um den pilzförmigen Kopf und die allgemein wahnsinnigen Proportionen als einem
Parwaner zugehörig zu identifizieren.


„Seid gegrüßt, Lord Sikarius.“

, begrüßte ihn das Ding, als es sich wohl zu seiner Zufriedenheit nah genug an die kleine Gruppe herangearbeitet hatte, und schaute aus drei hervorquellenden Augen auf sie herab. Die ganze Konstruktion war derartig lang, dass Leto den Kopf in den Nacken legen musste, um zu dem seltsamen Gesicht aufzuschauen.

„Mein Name ist Pai Lai. Jüngerin in den Diensten Darth Baobhans. Ich werde Euch bei der Ausbildung Eures Schülers zur Hand gehen.“

, fuhr die Parwanerin mit einem seltsam singenden Akzent in der Stimme fort und nickte Leto respektvoll zu.

„Und wo ist dein Meister Baobhan?“

, gab Leto zurück und versuchte an den wabernden Tentakeln vorbeizuschauen und nach dem unbekannten Sith Aussicht zu halten.

„Es war die Rede von einem Schwertmeister und nicht gleich dem ganzen Hausstand.“

Für einen Moment legte Pai Lai den Kopf schief und schwieg. Dann sagte sie jedoch:


„Mir wurde keine Autorisierung erteilt, um über Lord Baobhans Aufenthaltsort Auskunft zu erteilen. Ich selbst werde Eure Unterweisung vornehmen?“

Leto verengte sein organisches Auge und starrte zu dem Ding hoch. Ablehnend verschränkte er seine Arme vor der Brust.

„Du Nudelgericht im Wind willst mich unterweisen?! Komm du erstmal über Jünger hinaus, dann reden wir weiter.“

Erneut schwieg Pai Lai lang genug, dass die Stille unangenehm wurde. Dann erst antwortete sie:


„Meine Machtbegabung ist für eine Ausbildung nicht ausreichend. Aus diesem Grund habe ich signifikante Zeit darauf verwendet den Schwertkampf zu meistern. Ich mag nicht würdig sein in der Macht ausgebildet zu werden, jedoch habe ich genug Erfahrung, um Euch den Umgang mit dem Schwert zu lehren.“

Die Parwanerin warf dem Dieb einen Blick zu.

„Und Euren Schüler den Umgang mit dem Lichtschwert.“

„So?! Welchen Stil kannst du ihm denn dann beibringen?!“

, blaffte Leto.


„Jeden.“

„Jeden?!“

„Ich habe Erfahrung in jedem Stil erworben. Jedoch wurde mir zugetragen, dass Euer Schüler sich auf Form VII spezialisieren möchte. Eine mutige Entscheidung, wenn ich das so sagen darf.“

„Darfst du nicht.“

„Okay.“

Erneut breitete sich Stille über dem Landefeld aus, die lediglich vom Heulen des Sturmes durchbrochen wurde. Misstrauisch starrte Leto zu dem Alien hoch, das sich schließlich doch an den Schüler wandte.

„Was hat Euch dazu bewogen diese Entscheidung zu treffen? Und glaubt ihr die nötigen körperlichen Voraussetzungen zu haben?“

Während der Dieb antwortete, versenkte Pai Lai eine Hand in ihrem Rucksack und zog im nächsten Moment einen charakteristischen, zylinderförmigen Griff hervor.

„Dies ist ein Trainingslichtschwert. Um Verletzungen zu vermeiden, werdet ihr es die nächsten Wochen über führen. Eine Berührung ist schmerzhaft, jedoch wird Euch ein Fehler keine Gliedmaßen kosten. Es ist nicht zu empfehlen die Klinge länger an die selbe Stelle Haut zu halten. Warum zeigt ihr mir nicht einmal Eure Form? Ich möchte Eure Instinkte sehen.“

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Der Morgen hatte sich wie eine gespannte Leere angefühlt. Obwohl sein Meister weder mit Druck, Lektionen oder anderweitige Interaktionen Präsenz zeigte, war dort das dumpfe Wissen, dass etwas kommen würde. Teneb Dask hatte die Ruhe nicht als Gnade empfunden, nicht einmal als Schonfrist seines geschundenen Körpers. Es war vielmehr das Lauern eines Raubtieres, gefangen in seinem Käfig, dass darauf wartete, dass Fütterungszeit war. Teneb war in diesem Szenario Beisitzer, obwohl der Droide davon sprach, dass beide in der Kunst des Lichtschwertkampfs unterrichtet werden. Der Bleiche hatte gesehen, wie Darth Sikarius mit der grobschlächtigen Klinge seines gamorreanischen Freunds umgegangen war, doch war es dem Bleichen nicht in den Sinn gekommen, dass dies nicht die klassische Art und Weise gewesen war, eine Klinge zu führen. Der Sith hatte das scharfkantige Instrument mit einer Blutrünstigkeit geführt, die eine solche Frage gar nicht erlaubte. Mit der bereits gewohnten Übellaunigkeit befahl der Sith ihm zu folgen, sodass sie sich zum Landefeld der kleinen Siedlung aufmachten.
Der Regen fiel ohne Unterlass, schwer und gleichmäßig, und verwandelte das Landefeld in eine glänzende, aufgeweichte Fläche aus Schlamm und spiegelndem Wasser, in der sich das Licht der Shuttletriebwerke brach wie in zerrissenen Glasscherben.
Teneb stand reglos neben Sikarius, das Gesicht dem Sturm ausgesetzt, während der Wind an seiner Kleidung zerrte und kalte Tropfen über seine kahle, gräulich fahle Kopfhaut liefen, sich an Wangen und Kinn sammelten und schließlich in den Kragen sickerten. Er nahm die Unannehmlichkeit kaum bewusst wahr. Seine Aufmerksamkeit war auf die geöffnete Laderampe gerichtet, aus der weißer Dampf quoll, als würde das Schiff selbst mechanisch atmen.

Die Gestalt, die sich schließlich aus dem Inneren schob, wirkte zunächst wie ein Fehler im Bild der Welt. Vier lange, peitschende Tentakel bewegten sich mit eigenständiger Logik, schlangen sich um Streben und Kanten der Rampe, tasteten den Raum ab, während darüber ein schmaler, pilzförmiger Kopf emporragte, dessen Oberfläche im Regen glänzte. Drei Augen, leicht hervorquellend, verteilten ihren Blick in unterschiedlichen Winkeln zugleich, sodass man nie sicher war, von welchem dieser Organe man gerade erfasst wurde. Die beiden dünnen Arme, die sich vor der Brust verschränkten, wirkten beinahe nebensächlich im Vergleich zu den ständig arbeitenden Tentakeln, doch in den langen, spitzen Fingern lag eine feine Präzision. Die gesamte Erscheinung hatte etwas Schwebendes, Waberndes, als sei die Schwerkraft für diese Spezies eher eine Empfehlung als ein Gesetz.
Teneb betrachtete die Parwanerin mit ruhiger Intensität. Ihre Fremdartigkeit war nicht nur physisch, sondern auch rhythmisch. Ihre Bewegungen folgten keinem Muster, das er aus humanoiden Körpern kannte, und selbst ihre Stimme trug eine schwingende Qualität in sich, als würde sie in mehreren Tonlagen zugleich sprechen. Während
Sikarius mit unverhohlener Geringschätzung reagierte, nahm Teneb die Jüngerin anders wahr. In ihrer Aura lag keine brodelnde Dunkelheit, kein Druck wie bei seinem Meister, sondern eine dichte Konzentration, die sich wie ein sauber gezogener Schnitt durch die Umgebung legte. Wie andere Umbaraner auch war Teneb isoliert aufgewachsen, sodass andere Spezies für ihn noch immer auf ihre groteske Art und Weise fesselnd war. Erst als sie durch Exil nach Kimji gerieten, kam der Bleiche mit allerlei Spezies in Berührung. Eine solche Kreatur hatte er noch nie gesehen und betrachtete die Parwanerin daher mit einer beinahe schon morbiden Faszination.

Der Schüler registrierte, wie seines Meisters Stimmung sich verhärtete, wie das organische Auge enger wurde. Die Parwanerin sprach mit einem singenden Unterton, höflich, kontrolliert.
Pai Lai stellte sie sich vor, Jüngerin Darth Baobhans. Teneb ließ die Worte wirken. Eine Jüngerin, die nicht in der Macht ausgebildet wurde, weil ihre Begabung nicht ausreichte und stattdessen das Schwert perfektionierte. Er spürte keinen Spott in ihrer Aura, keine Unsicherheit. Nur Konzentration. Eine Disziplin, die aus keinem Erweckungserlebnis in der Macht bestand. Sie aber hatte, so wie der Bleiche den Kodex interpretierte, durch Leidenschaft Stärke erlangt und durch diese Stärke, den Schwertkampf, schließlich Macht, auf eine andere Art und Weise.

Als das fremdartige Geschöpf sich schließlich ihm zuwandte, traf ihn ihr Blick aus drei unterschiedlichen Winkeln zugleich. Der Regen peitschte gegen ihre Haut, doch ihre Haltung blieb stabil, beinahe anmutig in ihrer Fremdartigkeit.
Pai Lai musterte ihn einen Moment länger, als würde sie Gewicht und Haltung durch ihre Augen erfassen.

„Form VII zwingt den Praktizierenden mit Intensität umzugehen, anstatt sie zu umgehen. Wenn ich lernen soll, Dominanz über mich und andere zu entwickeln und der Macht meinen Willen aufzuzwingen, dann soll sich das auch in meiner Führung der Klinge widerspiegeln.“ sagte er ruhig. Der Wind riss an seinen Worten, doch seine Stimme blieb klar. Die Frage nach seiner Verfassung war berechtigt, doch wenn der Umbaraner in der kurzen Zeit eine Sache von Darth Sikarius gelernt hatte, dann das wahre Macht nur für jene bereit stand, die den Mut hatten, nach ihr zu greifen. Teneb spürte daher die Frage nicht als Angriff. Sie war sachlich. Er ließ seinen Blick über das Landefeld gleiten, über den aufgeweichten Boden, den strömenden Regen. „Ich werde sie entwickeln.“

Pai Lai hörte zu, ihr Kopf leicht geneigt, die drei Augen auf ihn gerichtet und holte den zylindrischen Gegenstand heraus, den er, so wie die Jedi und Sith, nur aus Sagen, Verschwörungstheorien im HoloNet und urbanen Legenden her kannte. Der Umbaraner hatte nie ein Schwert geführt. Seine Hände kannten die schmale, elegante Balance eines Vootkar, jener stilisierten, stilettoartigen Klingen, die im Nahkampf mit Präzision und Überraschung arbeiteten. Ein Vootkar verlangte Nähe, ein schnelles Handgelenk, ein Gespür für Lücken im Atem des Gegners. Es war eine Waffe des Moments, des gezielten Einstichs, der fast unsichtbaren Bewegung. Ein Lichtschwert dagegen war Länge, Reichweite, eine Verlängerung des Körpers, die Raum beanspruchte und Linien durch die Luft zog, die nicht wieder geschlossen werden konnten.

Als
Pai Lai ihm den Trainingsgriff reichte, nahm er ihn mit der Vorsicht eines Mannes entgegen, der weiß, dass er ein fremdes Instrument in der Hand hält. Das Metall fühlte sich kühl und glatt an, die Balance ungewohnt, das Gewicht anders verteilt, als er es von seinen Messern kannte. Als er die Klinge zündete, wirkte der Moment zunächst eindrucksvoll. Ein gedämpftes, charakteristisches Summen schnitt durch das Heulen des Windes, als das Trainingslicht in die Nässe des Regens ragte. Das pulsierende Licht durchschnitt den Regen, ließ Tropfen aufglühen und in feinem Dampf vergehen, und für einen Herzschlag hätte man glauben können, er stünde selbstverständlich in dieser Haltung. Doch sobald er sich in Bewegung setzte, zeigte sich die Wahrheit. Seine Schritte waren zu groß oder zu kurz, nie genau dort, wo sie sein sollten. Die Schultern arbeiteten zu viel, das Handgelenk zu wenig. Er führte die Waffe nicht mit der fließenden Selbstverständlichkeit eines Geübten, der sie wie eine Verlängerung seines Körpers behandelt, sondern mit der Vorsicht eines Mannes, der das Gewicht, eher das Fehlen eines solchen, noch nicht einschätzen kann.
Die Klinge beschrieb keine sauberen Linien, sondern unruhige Bögen. Er stoppte sie abrupt, setzte neu an, als müsse er jede Bewegung im selben Moment korrigieren, in dem er sie begonnen hatte. Es war kein elegantes Duellfechten, keine akrobatische Leichtigkeit, wie sie manchem eigen gewesen war, und auch nicht die konzentrierte, verdichtete Kraft eines erfahrenen Meisters, der mit minimaler Bewegung maximale Wirkung erzielte.
Tenebs Stil erinnerte eher an rohe, ungeschliffene Intensität, an jene ungelenken, übergroßen Schwünge eines Laien, der mit einem Lichtschwert für sich selber eine größere Gefahr darstellte, als für andere und bei denen Kraft eingesetzt wird, um Unsicherheit zu überdecken.
Er versuchte, Präsenz zu erzeugen, ließ die Klinge mit hörbarem Druck durch die Luft fahren, setzte einen Schritt nach vorn, der den Schlamm unter seinen Stiefeln aufspritzte, und drehte sich mit einer Härte, die mehr Anstrengung als Kontrolle verriet. In seinem Inneren tastete er nach dem Impuls, der ihn zu Juyo geführt hatte. Er ließ ihn aufsteigen, jedoch nur bis zu einem Punkt, an dem er ihn noch klar sehen konnte. In seinen Augen lag Konzentration, fast Trotz, doch sein Körper sprach eine andere Sprache: Er hielt das Trainingsschwert wie jemand, der weiß, wie gefährlich es sein könnte, aber noch nicht, wie man es führt. Jede Bewegung war ein Versuch, Entschlossenheit auszustrahlen, während er im Inneren nach Halt suchte, nach einer Balance, die ihm dieses fremde, summende Instrument bislang verweigerte. Schließlich hielt er inne und sah zu der Parwanerin, während der Wind an seiner Kleidung riss und ihm Regen über das Gesicht rann.


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Missmutig dreinblickend, die Hände in den gefluteten Taschen seiner Robe, verfolgte Leto das dargestellte Schauspiel des Diebes. Zwar hatte er selbst nie gelernt ein Lichtschwert zu führen, doch hatte er gesehen, wie Meister (oder öfter kompetente Amateure) sich mit einer der glühenden Klingen geschlagen hatten. Und was auch immer sein Schüler hier grade ablieferte war meilenweit davon entfernt.

“Das war sehr gut, Schüler des Darth Sikarius.”

, sagte Pai Lai und Letos Kopf zuckte zu der Parwanerin zurück.

“Ich sehe keinen Grund, warum ich Euch diese Disziplin nicht lehren könnte. Ich erkenne eine gewisse Intuition für den Grundgedanken.”

“Machst du Witze? Das war absoluter Rotz!”

, brachte Leto seine eigenen Gedanken zum Ausdruck. Die seltsamen Augen der Schwertmeisterin wanderten zu ihm zurück und musterten ihn für einen Augenblick, bevor sie antwortete:

“Seine Bewegungen sind ungeübt, aber nicht ungeschickt. Mit einer echten Klinge hätte er sich selbst keine Gliedmaßen geraubt. Dies ist mehr als so manch andere erste Begegnung mit einem Lichtschwert.”

“Dass er sich die eigene Rübe nicht abgesäbelt hat soll ihn besonders machen?!”

Leto spuckte aus, doch der Tropfen Speichel verging augenblicklich im strömenden Regen. Er verstand, dass Pai Lai aufbauend sein wollte, doch wie zum Henker sollte der Dieb motiviert werden an sich arbeiten, wenn sie ihm vorkaute, dass er bereits der Lichtschwertmessias war?! Es war an der Zeit etwas zu tun, wenn er nicht wollte, dass das abartige Xenoding ihm die harte Ausbildungsarbeit kaputtmachte. Angriffslustig reckte er das Kinn vor und verschränkte die Arme vor der Brust.

“Dat is doch allet Bullshit!”

, blaffte er in die Pause hinein, die sich Pai Lai mal wieder für ihre Antwort genommen hatte.

“Ne Jüngerin will uns wat beibringen, dabei hat ‘se selbst keine Ahnung. Verp*ss dich wieder auf dein Schiff und sag deinem Baubhan er soll selbst hier aufschlagen, wenn er es so viel besser weiß als ich!”

Erneut antwortete die Parwanerin nicht sofort, sondern nahm sich einen Moment Zeit dafür, einfach nur im Wind zu wehen.

“Was denn, musst du’s erst für dich in f*cking xeno übersetzen? Ver-p*ss-dich!”

“Lord Sikarius”

, begann Pai Lai das erste Mal ohne nervige Pause. Oder aber sie hatte die letzten drei über genug Zeit zum Nachdenken gehabt.

“Wenn ich bei einem Schwertduell einen Treffer auf Euch lande, erlaubt Ihr mir die Ausbildung dann?”

Nun war es an Leto zu schweigen, bevor er in heilloses Gelächter ausbrach.

“Eine Jüngerin will MICH treffen?! A*schlecken!”

Seine gelben Zähne spiegelten das Positionslicht des Svelte-Klasse Shuttles wieder.

“Schön, in Ordnung.”

Mit einer flüssigen Bewegung zog er sein Scimitar aus der Scheide und beobachtete, wie Pai Lai einen langen, dünnen Säbel aus ihrem eigenen Rucksack zog. Mit einem Scheppern landete der Rest ihres Gepäcks hinter ihr auf dem nassen Durabeton.

“Ein Duell bis zum ersten Treffer.”

, stellte Pai Lai fest.

“Nur Schwerter als Waffen, aber verwendet gerne Euer Crucitorn und Eure Geschwindigkeit.”

“Dann komm ran, Mädchen.”

Das musste Pai Lai sich nicht zwei Mal sagen lassen. Wie ein Bündel Schlangen schoss sie auf ihn zu und die gekrümmte Klinge zischte durch den Regen. Die Parwanerin war schnell, doch war sie keine ausgebildete Sith-Kriegerin. Die Dunkle Seite floss durch Letos Glieder und ließ ihn parieren, bevor das feindliche Schwert ihm auch nur annähernd gefährlich werden konnte. Sein Streich war kraftvoll geführt und schmetterte den Durastahl funkensprühend beiseite, entwaffnete Pai Lai zu seiner Enttäuschung jedoch nicht. Beide Klingen schwangen beiseite und bevor er sein Scimitar wieder in Position für einen Angriff gebracht hatte, war die Parwanerin bereits zurückgeweht. Hatte sie grade eine Windböe zum Positionswechsel verwendet?!

“Ihr seid nicht schlecht, Lord Sikarius.”

, gab Pai Lai im Plauderton zum Besten.

“Ihr verlasst Euch auf Stärke und Geschwindigkeit. Damit seid Ihr den meisten anderen Schwertkämpfern überlegen.”

“So?!”

, fauchte Leto und ging selbst zum Angriff über. Wie ein Blitz schoss er auf Pai Lai zu und schwang seine grade Klinge wie ein Hackebeil. Die Parwanerin wich zurück, wich aus. Selten parierte sie, wenn ihr Klinge oder der Kortosissporn am Ende des Scimitars zu nahe kamen.

“Ihr habt gute Instinkte, doch wurdet Ihr nie unterwiesen. Das merkt man. Ihr schwingt zu ausladend. So vertut Ihr Chancen und kämpft zu offen.”

Es war vorbei, bevor Leto auch nur verstand, was genau geschehen war. Grade noch waberte Pai Lai vor ihm hin und her, ihre Verteidigung durchbrochen und ihn gradezu zu einem blitzartigen Angriff einladend, doch dann war sie fort. Grade noch sah er ihre Tentakel zu einer Seite vorbeipeitschen und plötzlich stach ihm etwas Hartes, Spitzes in den Rücken. Mit einem Wutschrei stolperte Leto vor, verlor das Gleichgewicht und landete in einer Pfütze. Blitzschnell war er wieder auf den Beinen, wirbelte herum und funkelte die Parwanerin an, die ihren eigenen Säbel jedoch bereits wieder gesenkt hatte.

“Hm, interessant. Wie es im Bericht stand.”

, stellte sie fachfrauisch fest.

“Was für ein Bericht?!”

, spuckte Leto und trat nun ehrlich wütend näher.

“Ihr erinnert Euch an Euer Duell gegen Darth Hybris’ Schüler, Sharoh Gorash? Auch er war Euch in Technik überlegen und zwang Euch in ein Patt.”

“Woher. Weisst. Du. Davon.”

Letos Stimme hatte einen gefährlichen Ton angenommen.

“Das Duell fand in öffentlichen Trainingsräumen statt.”

, Pai Lai zuckte mit den Schultern.

“Ich kann Euch die Technik lehren, die Euch fehlt. Mit Euren Instinkten und korrekter Anleitung könnt Ihr ein sehr gefährlicher Kämpfer werden, Mylord. Darf ich Euch an unsere Vereinbarung erinnern?”

Leto hielt inne. Nicht, weil er einen F*ck auf irgendwelche Deals gegeben hätte, sondern weil die Worte der Parwanerin an sein Ego und eine schmerzhafte Erinnerung gerührt hatten. Bei dem erwähnten Kampf gegen den blauen Trandoshaner war er beinahe gestorben und es war nur Darth Hybris’ Eingreifen zu verdanken gewesen, dass er überlebt hatte. War es wirklich möglich, aus dieser Situation zu lernen?

“F*ck dich. Meinetwegen.”

, sagte er schließlich und senkte sein Schwert. Pai Lai nickte zufrieden.

“Das weiß ich zu schätzen, Lord Sikarius. Zunächst lasst mich jedoch Eurem Schüler eine Aufgabe geben.”

Wie aus dem Nichts glomm eine rote Lichtschwertklinge in Pai Lais Hand auf, während sie sich dem Dieb zuwandte.

“Das Wichtigste wird sein, dass Ihr ein Gefühl für die Bewegungsabläufe bekommt, Schüler. Das ist noch viel wichtiger, als über Eure eigenen Fähigkeiten in Lord Sikarius’ Ausbildung hinauszuwachsen. Es ist viel schwerer, schlechte Eigenschaften abzulegen, als sie nun korrekt zu lernen.”

Mit einer ihrer typisch ätherischen Bewegungen hob Pai Lai die eigene Klinge zu einer Grundpose über den Kopf. Regen zischen, während Tropfen auf das glühende Plasma trafen und binnen Millisekunden verdampften.

“Nehmt diese Pose ein. Ich werde Euch etwas beibringen, das man eine Kata nennt. Eine vorher festgelegte Abfolge von Bewegungen - Angriffe und Verteidigungen - gegen fiktive Gegner.”

“Was’n Blödsinn.”

, konnte Sikarius sich nicht verkneifen, was ihm jedoch nur einen ausdruckslosen Blick der Parwanerin einbrachte.

“Die Abfolge erlaubt es Euch die Grundbewegungen des Juyo, nachzuvollziehen, zu lernen und dabei langsam Eure Geschwindigkeit zu erhöhen. Währenddessen kann ich Euren Fortschritt beurteilen und Euch anleiten, wenn Ihr Fehler macht. Bitte folgt meinen Bewegungen.”

[ Outer Rim / Sith-Welten / Artek-System / Artek III / Törcsván / Landefeld ] Leto und Teneb, sowie (NPCs) Pai Lai und UX-23
 
Outer Rim | Sith-Welten | Artek-System | Artek III | Törcsván | Landefeld | Darth Sikarius, Teneb Dask und Pai Lai & UX-23 [NPCs]

Der kurze Schlagabtausch zwischen Sikarius und der Parwanerin hatte etwas in dem Bleichen verschoben, das er zunächst nicht benennen konnte. Er hatte seinen Meister bisher nur in Zuständen zwischen Kontrolle und Ungezügeltheit erlebt, eine Präsenz, die Räume dominierte, Wesen geistig und physisch brach oder sie mit der kalten Gewissheit eines überlegenen Willens manipulierte. Doch der Moment, in dem Pai Lais Klinge Sikarius’ Rücken berührt hatte, hatte diese Gewissheit für einen Augenblick aufgerissen. Es war kein großer Sturz gewesen, kein entscheidender Sieg, doch Teneb hatte gesehen, wie schnell die Oberfläche eines Tyrannen Risse bekam, sobald jemand es wagte, ihn aus der Balance zu bringen. Solche Männer, das wusste er aus Erfahrung, reagierten auf diesen Verlust selten mit Einsicht. Sie reagierten mit Eskalation, mit Lautstärke, Drohungen, mit der brutalen Wiederherstellung eines Bildes von Dominanz, das mehr Fata Morgana als Realität war. Während der kapriziöse Sith noch im Regen stand und den Spott der Niederlage mit Zorn übertönte, fragte Teneb sich zum ersten Mal, wie oft Macht tatsächlich auf solchen flüchtigen Illusionen beruhte.
Was hinzukam war die beiläufige Selbstverständlichkeit, mit der
Pai Lai den Sith entmystifizierte und von einemalten Duell gegen den Schüler von Darth Hybris, Sharoh Gorash, sprach und dass es Aufzeichnungen davon gab. Dass sie im Tempel archiviert worden waren, zugänglich für jene, die wussten, wo sie suchen mussten. In Tenebs Kopf formte sich daraus ein anderes Bild des Ordens, eines, das weniger aus Geheimnissen bestand, als Sikarius ihn hatte glauben lassen. Der Sith-Orden bewahrte seine Konflikte auf und beobachtete. Ein Orden, der den Sieg durch Macht erlangen wollte, katalogisierte Niederlagen und vergaß diese nicht. Irgendwo in diesen Datensätzen existierte eine Version seines Meisters, die beinahe gestorben wäre, eine Version, die von einem technisch überlegenen Gegner in ein Patt gezwungen worden war, bis ein anderer Sith eingriff. Darth Hybris. Der Name hatte Gewicht, selbst in Sikarius’ Reaktion. Der Bleiche hatte das kurze Zögern, die gefährliche Schärfe in der Stimme seines Meisters vernommen. Es war die Art von Tonfall, der entstand, wenn Erinnerung und Stolz aufeinanderprallten.

Der Regen hatte während des kurzen Gefechts nicht nachgelassen. Er fiel nun dichter, schwerer, als hätte der Himmel beschlossen, das Landefeld endgültig in graue Vorhänge zu hüllen.
Teneb stand ein paar Schritte entfernt und beobachtete, wie Sikarius und die Parwanerin auseinandertraten, während der Wind die langen Tentakel der Fremden wie lebendige Peitschen durch die Luft schlug. Das kurze Duell hatte sich mit einer Geschwindigkeit entfaltet, die seine eigenen Bewegungen wenige Minuten zuvor beinahe lächerlich wirken ließ. Geschwindigkeit und Präzision, die Selbstverständlichkeit, mit der Pai Lai ihren Körper und die Klinge im Raum verankerte, ließen ihn einen Unterschied zwischen Kernwelten und dem Outer Rim in den beiden Darbietungen erkennen. Ihre Bewegungen hatten eine innere Geometrie besessen, die ihm bislang völlig fremd war und er mindestens so faszinierend fand, wie die Andersartigkeit der Parwanerin.
Als die rote Klinge in ihrer Hand aufglomm, war es, als würde ein neuer Mittelpunkt im Sturm entstehen. Das Licht färbte den Regen blutrot, ließ Tropfen wie eine zum Angriff aufgestellte Viper zischen und verschwinden, bevor sie den Boden erreichen konnten.
Pai Lai wandte sich ihm zu, und ihre drei Augen ruhten einen Augenblick auf ihm, als würde sie prüfen, ob er noch derselbe war wie der Amateur, der wenige Minuten zuvor versucht hatte, das Trainingsschwert mit improvisierter Entschlossenheit zu führen.

Teneb trat einen Schritt vor, das Trainingslichtschwert noch in der Hand. Der Griff fühlte sich inzwischen weniger fremd an, doch seine Finger suchten immer noch nach einer Haltung, die gleichzeitig stabil und beweglich war. Er hob die Klinge, versuchte die Linie nachzuahmen, die Pai Lai vorgab, doch sein Körper widersetzte sich der fremden Ordnung. Die Schultern wollten enger stehen, als sie sollten, die Hüfte blieb zu steif, als müsse sie sich erst daran erinnern, dass diese Waffe nicht wie ein Vootkar geführt wurde. Er korrigierte sich langsam. Die Parwanerin hatte die Klinge über den Kopf gehoben, ihre Tentakel hielten ihren Körper in einer schwebenden Balance, die auf eine eigenartige Weise gleichzeitig instabil und perfekt ausgerichtet wirkte. Teneb versuchte, die Haltung zu spiegeln. Seine Arme fühlten sich dabei zu lang oder zu kurz an, als gehörten sie zu einem Körper, den er noch nicht vollständig bewohnte. Das Summen der Trainingsklinge lag nun dichter an seinem Ohr, während Regen und Wind über seine Haut strichen. Eine Kata also. Der Begriff war dem Bleichen fremd, so wie die ganze Übung und doch spürte er, wie er an einem Abgrund stand, deren süßer Klang ihn dazu verführte einen Schritt weiter zu gehen und eine Welt zu betreten, die ihn entweder verschlingen oder transformieren würde. Die Abfolge von Bewegungen gegen Gegner, die nur im Kopf existierten verankerte der Umbaraner mit den Worten des Sith Kodex. Es gibt keinen Frieden, nur Leidenschaft. Selbst im Training brauchte es einen Antagonisten, der diametral zum eigenen Weltbild oder nur zur eigenen Person existierte. Ein Gerüst, das man immer wieder durchlief, bis der Körper es akzeptierte. Die Idee erinnerte ihn an etwas aus seiner früheren Welt, Umbara. Intrigen, Ränkespiele und Attentate bestimmten den Alltag in dem ewig währenden Mahlwerk der Kasten und jener, die innerhalb dieses rigiden Systems bis hinauf in die Rootai aufsteigen wollten. Doch das hier war anders und auch anders als die kurzen Klingen, die auf seiner Heimatwelt für Meuchelmorde so beliebt waren. Ein Vootkar wurde nicht einfach blind geführt. Man lernte Muster, Abstände, den richtigen Moment für einen Stich. Doch das Lichtschwert verlangte größere Linien, größere Räume und vor allem mehr Übung im Umgang.

Pai Lai begann sich in ihrer gewohnt fließenden Art zu bewegen. Langsam zuerst, beinahe bedächtig. Die rote Klinge zog eine klare Bahn durch den Regen, eine diagonale Linie, die dann in einen kontrollierten Richtungswechsel überging. Teneb versuchte zu folgen. Sein erster Schritt kam zu spät, die Klinge beschrieb einen zu weiten Bogen, und der zweite Schnitt verlor an Höhe, weil sein Ellbogen zu früh nachgab. Er bemerkte den Fehler sofort und korrigierte ihn beim nächsten Durchgang, doch sein Körper arbeitete gegen ihn, als würde jede Bewegung neu verhandelt werden müssen. Der Wind zerrte an seiner Kleidung, während er die nächste Abfolge nachahmte. Pai Lai bewegte sich hingegen mit einer unheimlichen Ruhe, ihre Tentakel griffen nach unsichtbaren Punkten im Raum und hielten ihren Körper stets im richtigen Winkel zur Klinge. Teneb allerdings musste jeden Schritt bewusst setzen. Der Boden unter seinen Stiefeln war rutschig vom Regen, seine Schultern arbeiteten zu stark, und das Trainingslichtschwert beschrieb Linien, die manchmal eher wie grobe Schnitte durch die Luft wirkten als wie kontrollierte Angriffe.

Dennoch begann sich in seinem Inneren bereits etwas zu ordnen, wo vorher ein Chaos gegenläufiger Gefühle und Eindrücke existierte. Er spürte, wie die Abfolge der Kata ihm eine Art Entschleunigung in seinen Gedanken brachte. Man hätte nicht den Fehler machen dürfen zu glauben, dass dies gleichzusetzen gewesen wäre mit Entspannung und innerer Ruhe. Die Sith kannten, außer vielleicht im Tod, keine Ruhe. Es war eher eine Entschlossenheit, als würde sich der Nebel, der vor seinem imaginären Auge grassierte, sich lichten. Die Wiederholung zwang seinen Körper, sich anzupassen. Der dritte Durchgang war weniger unruhig als der erste. Die Klinge blieb länger in der richtigen Ebene, sein Schritt nach vorn kam einen Augenblick früher, als hätte sein Körper begriffen, dass er den Raum anders lesen musste.
Hinter ihm schnaubte
Sikarius unzufrieden, doch Teneb ließ sich erneut davon nicht ablenken. Seine Aufmerksamkeit blieb auf Pai Lai gerichtet, auf der Struktur ihrer Bewegungen. Jede Geste der Parwanerin war Teil eines Musters, und obwohl er dieses Muster noch nicht vollständig verstand, konnte er es bereits erahnen. Die Kata setzte sich fort, Schnitt um Schnitt, Schritt um Schritt. Der Regen zischte weiter auf den Klingen, während Teneb versuchte, aus der ungelenken Improvisation seines ersten Versuchs langsam etwas zu formen, das zumindest entfernt an Kontrolle erinnerte.

„Könnt ihr mich weitere Katas lehren, um meinen Vorgehensweise zu schärfen?“ sprach schließlich der Bleiche, nachdem ihn die Parwanerin die Bewegungsabläufe weitere Male hatte durchlaufen lassen.

Worauf er besonders achtete war, die Parwanerin nicht als Meisterin oder dergleichen anzusprechen aber dennoch respektvoll zu bleiben. Er nahm sie als genau das, was UX-23 ihnen gesagt hatte, sie war eine Lehrerin für den Schwertkampf. Trotz aller Risse, die Sikarius hier offenbarte, vergaß der Umbaraner nicht, dass er am Ende des Tages seinen Meister in dem kapriziösen Sith gefunden hatte und diesem gleichermaßen auch ausgeliefert war.


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[ Outer Rim / Sith-Welten / Artek-System / Artek III / Törcsván / Landefeld ] Leto und Teneb, sowie (NPCs) Pai Lai und UX-23

Während Leto dem Dieb zusah, wie er versuchte Pai Lais Übung zu meistern, hing er selbst düsteren Gedanken nach. Er hatte beschlossen die Parwanerin für den Moment zu tolerieren. Sogar er hatte einsehen müssen, dass sie über Fähigkeiten verfügte, die ihm auf seinem zukünftigen Weg nützlich sein würden. Er war nie korrekt ausgebildet worden und das hielt ihn zurück. Konnte er auch nur den Schwertkampf meistern, dann würde er so manchen ihm aktuell durch Technik überlegenen Gegner überflügeln können.

Doch einen Fehler hatte Pai Lai gemacht. Sie hatte ihn nicht nur geschlagen und von ihrer Kenntnis überzeugt, sie hatte dies auch vor den Augen des Diebes getan. Und egal was Leto seinem Schüler auch immer wieder predigen mochte, er hatte es nicht wirklich eilig damit, dass der allzu früh meinte seine Ketten sprengen zu können. Eine Flucht war zu diesem Zeitpunkt vermutlich ausgeschlossen – wobei, diese Annahme war es wohl wert getestet zu werden – doch wollte er auch nicht, dass fehlplatzierte Hybris zu einem jähen und blutigen Ende der Ausbildung führte. Eine mittelfristige Machtdemonstration musste her. Leto durfte nicht zulassen, dass eine verdammte Jüngerin behaupten konnte ihn geschlagen zu haben.


„Ich kann und werde, jedoch erst wenn Ihr diese gemeistert habt. Es ist die Simpelste die ich Euch lehren kann, danach wird es nur komplexer.“

, sagte Pai Lai schließlich auf die Frage des Diebs, ob er denn schon weitere Katas lernen konnte. Leto schnaube verächtlich, hielt sich jedoch davon ab zurück. Nun jedoch wandte die Parwanerin sich an ihn:

„Ich gehe Recht in der Annahme, dass Ihr ihm noch nicht das Crucitorn nahegebracht habt, Lord Sikarius?“

Leto zuckte die Schultern und schüttelte den Kopf.

„Was stand denn als nächstes auf dem Lehrplan? Crucitorn wäre für die weitere Ausbildung am Schwert äußerst nützlich.“

„Eh…“

, brummte Leto. Seine Vorgehensweise einen ‚Lehrplan‘ zu nennen war sicherlich eine deutliche Übertreibung, doch folgte er durchaus Konzepten eines Plans.

„Machtgriff kann er noch nicht. Und vor Curzi…perfektionierter Körperbeherrschung muss er noch den Machtsprung lernen. Ist einfacher zu erklären so.“

„Ich würde Euch in dem Fall bitten den Machtsprung zu priorisieren. Dann wird es ihm leichter fallen die ihm abverlangten Bewegungen zu meistern.“

„Mal schau’n.“

, gab Leto mit einem weiteren Schulterzucken zurück, hatte jedoch gar nicht erst vor der Bitte Folge zu leisten. Dafür hatte das hässliche Xenoding ihm heute zu sehr ans Bein gep*sst.

„Ich werde mich dann nun im Dorf häuslich einrichten.“

, antwortete Pai Lai, ohne eine Miene zu verziehen.

„Schüler, Ihr solltet die Kata vor dem Schlafengehen noch ein paar Mal durchgehen. Weitere Instruktionen werden morgen folgen.“

Mit einem Zischen erlosch ihr Lichtschwert und mit einem letzten Blick auf Leto wandte sie sich zum ‚Gehen‘. Mit einer unwirklich erscheinenden Bewegung griff sie nach ihrem Rucksack und machte sich wie angesagt auf den Weg zurück zum Dorf. UX-23 folgte ihr auf dem Tentakel und begann sofort damit auf sie einzureden. Missmutig verfolgte Letos Blick die beiden ungleichen Gestalten, doch plötzlich legte sich ein dünnes Lächeln auf seine Lippen, als ihm eine wirklich witzige Idee kam. Doch dazu gleich.

Leto warf dem Dieb einen Blick zu und griff mit der Macht nach dem noch immer aktivierten Lichtschwert. Ohne große Mühe schlüpfte der regennasse Griff aus den bleichen Fingern und landete einen Moment später in Letos offener bionischer Hand. Der Krieger grinste.


„Das nennt man einen Machtgriff. Du kannst einen gar nicht schlechten Machtstoß abgeben und du bist in der Lage zu levitieren. Der Machtgriff ist das dreckige B*stardkind der beiden Techniken. Du levitierst und dann ziehst du es zu dir. Sozusagen.“

Auffordernd hielt er den Griff in Richtung des Diebes.

„Versuch‘ es.“

Gesagt, getan. Eine ganze Weile lang standen Meister und Schüler im Regen, während einer von beiden sich abmühte und der andere höhnisch vor sich hingrinste. Ab und an funktionierte es sogar, was Leto jedes Mal mit einem weiteren erfolgreichen Machtgriff seinerseits beantwortete. Schließlich, nachdem der Dieb die Sache einigermaßen zu begreifen schien, winkte Leto ihn zu sich heran.

„Gut. Üb das doch noch alleine weiter.“

Mit einem schraubstockartigen Griff packte er ihn bei der Schulter und lenkte ihre Schritte in Richtung der beiden Svelte-Klasse Shuttles

„In der Zwischenzeit habe ich einen Auftrag für dich.“

Böse grinste er.

„Geh an Bord von Pai Lais Schiff und sag dem Piloten er soll dich nach Zygerria fliegen. Offizieller Auftrag von Darth Sikarius.“

Vor dem Schiff blieb er stehen und winkte der Außenkamera zu, signalisierend, dass die Rampe gesenkt werden sollte.

„Ich will, dass du dort einen Kampfsklaven kaufst. Der böseste den du siehst. Der Pilot soll zahlen und sich sein Geld von UX-23 wiederholen. Will er nicht bedroh ihn ruhig ein bisschen. Will er dann immer noch nicht, verscherbel dein neues Spielzeug. Selbst ein Trainingslichtschwert sollte dir ein hübsches Sümmchen einbringen.“

Letos ungleiche Augen ruhten für einen Moment auf denen den des Diebes.

„Lass dich nicht für weniger als 5.000 Credits abspeisen. Alles darunter ist Betrug. Flieg hin, kauf den Sklaven komm wieder. Sei bis zum Mittag zurück. Dann hast du sogar Zeit für Tourischeiß.“

Fast schon freundschaftlich schlug er seinem Schüler auf die Schulter und wandte sich ebenfalls zum Gehen. Es war ein Wagnis ihn laufen zu lassen, doch selbst wenn der Dieb die Gelegenheit zur Flucht verwendete, dann hätte Leto immerhin dem dummen Droiden und der hässlichen Xeno eins ausgewischt. Doch um ehrlich zu sein glaubte er nicht, dass es dazu kommen würde. Auf Nkllon hatte Leto sehr schnell dafür gesorgt den Dieb mit Ketten aus Gewalt an ihn zu binden, doch auf Artek III waren diese aus Begehren neu geschmiedet worden. Die letzten Wochen über hatte der Dieb gelernt, was er sein konnte, wenn er seine Ausbildung fortsetzte.

Er mochte gesehen haben, dass Pai Lai Leto im Schwertkampf schlagen konnte. Das würde wohl oder übel seine Bereitschaft zur Rebellion erhöht haben. Das beste Mittel dagegen war jedoch die Einsicht, dass er zurückkommen wollte. Wie Rebellion gegen Zwang besser den Boden entziehen, als den Zwang zu entfernen? So oder so war es ein Win-Win für Leto. Entweder der Dieb kehrte loyal und gefestigt zurück…oder er hatte wem auch immer seine eigenen Fäden zog mit Anlauf in die Suppe gew**t. Klang doch super.


[ Outer Rim / Sith-Welten / Artek-System / Artek III / Törcsván / Landefeld ] Leto und Teneb
 
Outer Rim | Sith-Welten | Artek-System | Artek III | Törcsván | Landefeld | Darth Sikariu und Teneb Dask

Der Regen hatte nicht nachgelassen, seit Pai Lai sich mit jener eigentümlichen, beinahe schwerelosen Bewegung vom Landefeld entfernt hatte. Der Himmel über Artek III hing tief und grau, die Wolken jagten einander in schnellen, zerfetzten Schichten über den Horizont, während der Wind den Regen schräg über den Beton trieb. Das monotone Trommeln der Tropfen auf Durabeton, Metall und Stoff verschmolz zu einem einzigen, unruhigen Geräusch, das sich in Tenebs Wahrnehmung festsetzte, während er die eben erlernten Bewegungen der Kata, wie ihm von Pai Lai aufgetragen, wiederholte.
Die Klinge des Trainingslichtschwerts zog glühende Bögen durch den Regen, und jedes Mal, wenn ein Tropfen das gehemmte Plasma berührte, zischte er augenblicklich zu Dampf. Die Bewegung fühlte sich noch immer fremd an. Seine Schultern waren angespannt, seine Hand hielt den Griff fester als nötig, und seine Schritte wirkten schwer, als müsste er jeden einzelnen bewusst setzen. Der Umbaraner wusste, dass er beobachtet wurde. Nicht nur von
Sikarius, dessen ungleichfarbige Augen im Schatten seiner Kapuze ruhten, sondern auch von der unsichtbaren Erwartung, die über diesem Ort lag. Darüber hinaus kam er nicht drum herum zu ahnen, dass UX-23 seine Fortschritte, auf welche Weise auch immer, beobachtete und seine Erfolge wie Misserfolge wie ein Hyperraum Späher vergangener Zeiten kartografierte. Er zwang seinen Körper dennoch, die Abfolge fortzuführen. Wieder und wieder, während er versuchte durch den Schmerz zu atmen.

Als das Trainingslichtschwert plötzlich aus seiner Hand gerissen wurde, ohne dass er eine Bewegung gesehen hätte, spürte er zunächst nur den leichten Widerstand in seinen Fingern, bevor der Griff durch den Regen in die bionische Hand seines Meisters glitt.
Sikarius hatte sich kaum bewegt. Die Macht hatte die Bewegung für ihn vollzogen. Dieser wundersame telekinetische Eingriff wurde ihm von seinem Meister als ein Machtgriff näher erklärt. Die Erklärung des Sith war, wie gewohnt, ebenso knapp wie beiläufig. Erst die Levitation, dann der Zug in die eigene Sphäre. Zwei Aspekte derselben Bewegung. Für Sikarius schien das selbstverständlich zu sein. Für Teneb war es ein Rätsel, dessen Lösung irgendwo jenseits der Worte lag und er, wie auch die anderen Prüfungen des kapriziösen Sith, lösen musste. Die Schwierigkeit hierdrin lag vor allem in seiner Ermüdung und dem Schmerz, der sich durch Muskelregionen zog, von denen er nicht einmal wusste, dass sie von Muskeln getragen wurden.
Der Regen lief ihm über die Stirn und sammelte sich am Kinn, während er die Aufmerksamkeit nach innen richtete, dorthin, wo sich die Macht als vages Ziehen in seinem Bewusstsein bemerkbar machte. Greifen und ziehen. Vor seinem inneren Auge visualisierte er, wie er nach dem Gegenstand griff, wie er diesen mühelos bewegen konnte, doch hakte es an der Übertragung von Geist zu Materie. Mehrmals geschah nichts. Das Trainingsschwert lag reglos im schmutzigen Wasser der Pfütze, als wäre es ein gewöhnlicher Gegenstand, der sich um
Tenebs Bemühungen nicht scherte. Dann bewegte es sich. Nur ein wenig. Ein kaum sichtbares Zucken, als hätte eine unsichtbare Hand daran gezogen. Doch Sikarius hatte es gesehen. Sein Grinsen wurde breiter. Der Bleiche wiederholte den Versuch, spürte wie innerlich der Stolz anschwoll, den er wie ein kostbares Geschenk für sich behielt, bevor sein Meister diesen durch eine entwertende Bemerkung beschmutzen könnte. Einige Male gelang es ihm, das Schwert ein paar Zentimeter über den Beton zu ziehen. In den meisten Fällen blieb es liegen. Sikarius demonstrierte die Technik seinerseits, jedes Mal mühelos, beinahe gelangweilt, als würde er einem Kind zeigen, wie selbstverständlich diese Fähigkeit sein konnte.

Schließlich schien er genug gesehen zu haben. Die bionische Hand packte Tenebs Schulter mit einem Griff, der sich wie der Würgegriff eines Rancors anfühlte und lenkte ihn über das Landefeld in Richtung der beiden wartenden Svelte-Klasse-Shuttles. Der Durabeton war von Wasser überzogen, und ihre Schritte spritzten durch flache Pfützen, während die schwarzen Schiffsrümpfe im Regen glänzten wie schlafende Raubtiere, die nur darauf warteten, Unheil anzurichten.

Teneb hörte sich den Auftrag an, ohne seinen Meister zu unterbrechen. Zygerria, der Schoß, in dem es sich alle Sklaventreiber bequem machten.
Während
Sikarius sprach, suchte Teneb nach einer Logik hinter dem Auftrag, ohne sofort eine klare zu finden. Der Gedanke an eine Prüfung kam ihm nicht zuerst. Viel näher lag eine andere Erklärung: Eine dieser abrupten, beinahe impulsiven Machtdemonstrationen, mit denen Sikarius seine Umgebung gelegentlich, vor allem verbal, überzog, sobald jemand es gewagt hatte, seine Autorität sichtbar zu berühren. Pai Lai hatte ihn getroffen. Nicht schwer oder gar tödlich, doch deutlich schlimmer: Vor Zeugen und vor allem vor seinem eigenen Schüler. Solche Gesten hatten selten einen praktischen Zweck. Sie existierten, um Dominanz zu markieren. Um die Ordnung der Dinge wieder in eine Form zu zwingen, die dem Ego ihres Urhebers besser gefiel. Teneb kannte diese Mechanismen aus den Hierarchien seiner Heimatwelt Umbara und so erschien ihm diese Erklärung im ersten Moment plausibler als jede tiefere Absicht. Er verabscheute den Gedanken erneut zum Spielball von Ränkeschmieden zu werden und ausgeliefert zu sein. Solche rachsüchtigen Männer und Frauen vergaßen solche Momente nicht und sie vergaßen auch nicht, wer als Helfershelfer sich die Hände schmutzig gemacht hatten.

Als die Rampe des Shuttles mit einem metallischen Zischen herabsank und
Sikarius sich bereits wieder abwandte, blieb Teneb einen Augenblick stehen. Der Regen prasselte auf die schräge Fläche der Laderampe und floss in dünnen Rinnsalen nach unten. Für einen kurzen Moment fragte er sich, ob sein Meister tatsächlich erwartete, dass er zurückkehrte. Dann betrat er das Schiff, dessen Inneres warm im Vergleich zur kalten Luft draußen war, doch der Geruch war schwer und mechanisch. Schmieröl und Ozon sowie der bekannte Geruch von Recycelter Luft wechselten sich mit dem schweren Odeur nach Regen und nasser Erde sowie kaltem Beton ab. Die Beleuchtung war gedimmt, nur die Anzeigen der Konsolen warfen grünliche Reflexe auf die metallenen Flächen.
Im Cockpit saß der Pilot, den typischen imperialen Helm leger auf dem Sitz neben ihm gelegen. Ein drahtiger Mensch mit wettergegerbter Haut, dessen Hände routiniert über die Anzeigen glitten, bis sein Blick sich hob und den Umbaraner bemerkten. Das Misstrauen war sofort da, wohl die Grundeinstellung eines jeden Wesens, dass mit den Sith zu tun hatte. Männer, die in solchen Berufen in dieser Umgebung arbeiteten, hatten gelernt, Instinkten zu vertrauen.


„Passagierlisten werden normalerweise vorher übermittelt“, sagte er knapp.

Der Umbaraner blieb im Eingang des Cockpits stehen und ließ seinen Blick über die Instrumente wandern, als würde er prüfen, ob das Schiff überhaupt startbereit war. Dann antwortete er ruhig:


„Wir fliegen nach Zygerria.“

Der Pilot schnaubte leise, als hätte er eine besonders schlechte Ausrede gehört.


„Dieses Schiff gehört nicht dir.“ duzte ihn der Pilot um klar zu machen, was er von dem Schüler hielt.

Teneb erwiderte den Blick ohne Hast.

„Es gehört auch nicht dir.“ erwiderte der Sith in spe die Respektlosigkeit.

Für einen Moment sagte keiner von beiden etwas. Der Regen trommelte weiterhin gegen den Rumpf des Shuttles, ein dumpfes, gleichmäßiges Geräusch, das sich mit dem leisen Summen der Bordelektronik mischte.


„Offizieller Auftrag von Darth Sikarius“, fügte Teneb hinzu.

Der Name veränderte die Atmosphäre im Raum. Der Pilot hielt inne, und seine Finger ruhten einen Moment zu lange auf der Konsole.


„Dann soll Darth Sikarius selbst hier erscheinen. Meine Befehle kommen von Darth Baobhan

Teneb trat einen Schritt näher, die Hand an den zylindrischen Griff an seinem Gürtel gelegt.

„Du kannst ihn gerne danach fragen.“ und gestikulierte mit einer Hand lose in die Richtung, aus der er gekommen war.

Der Pilot sah ihn nun länger an. Vielleicht versuchte er einzuschätzen, ob der junge Umbaraner bluffte. Vielleicht erinnerte er sich daran, dass sie sich auf Artek III befanden, einem Ort, an dem man besser keine unnötigen Fragen stellte. Vielleicht wollte er es sich auch nur ersparen mit dem Sith mit der zweifelhaften Hygiene länger als nötig in einem Raum zu sein. Sith blieb Sith und war keine angenehme Begegnung, auch wenn er riskierte den Befehlen der Jüngerin von Darth Baobhan zuwider zu handeln.


„Zygerria ist kein kurzer Ausflug“, murmelte er schließlich und schien auf die Flugprotokolle der geplanten Routen für das Schiff zu starren.

„Dann solltest du besser starten.“


Der Mann schwieg. Dann wandte er sich langsam wieder den Kontrollen zu, als hätte er die Entscheidung gefällt sein kurzfristiges Überleben über einer langfristigen Konsequenz zu stellen. In diesem Moment spürte Teneb die Genugtuung seiner Autorität, auch wenn diese, ähnlich wie die 5.000 Credits in seiner Tasche, nur von Darth Sikarius geborgen war.

Die Triebwerke erwachten mit einem tiefen, vibrierenden Grollen. Energie floss durch die Systeme, Anzeigen leuchteten auf, und das Shuttle begann zu zittern, während die Repulsoren aktiv wurden. Draußen verwandelte sich der Regen im aufsteigenden Schub in wirbelnde Nebelschleier, die über die Oberfläche des Landefeldes gejagt wurden. Langsam hob sich das Schiff vom Durabeton und der Umbaraner spürte die Veränderung der Schwerkraft, als das Shuttle in den grauen Himmel von Artek III aufstieg.
Der Gedanke kam leise, beinahe beiläufig, während das Shuttle durch die Wolkendecke stieg. Er musste nichts tun. Nicht zurückkehren. Fünftausend Credits würden reichen, um irgendwo in den Randgebieten zu verschwinden, einen neuen Namen anzunehmen, eine neue Spur zu legen, bis selbst
UX-23 ihn verlor. Freiheit lag plötzlich nicht mehr in einer fernen, abstrakten Zukunft, sondern in der einfachen Entscheidung, den Kurs nicht umzukehren. Und je länger Teneb darüber nachdachte, desto mehr begann dieser Gedanke sich in seinem Bewusstsein festzusetzen. Zunächst nur wie eine flüchtige Möglichkeit, dann wie etwas Schwereres, Beharrlicheres. Er wuchs dort, still und unbeachtet, wie ein Tumor, der sich unmerklich ausbreitet, während der Rest des Körpers noch glaubt, alles sei unverändert geblieben.

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Gut gelaunt summend machte Leto sich auf den Weg zum Pub. Er spürte wie seine durchnässten Roben ihr Bestes taten, ihm jegliche Wärme aus dem Leib zu saugen, doch hatte er seinen Körper inzwischen wieder gut genug mit der Macht im Griff, dass er dies nicht zuließ. Im Gegenteil, er genoss das stete Rauschen des niederprasselnden Regens auf seiner Haut und wählte die lange Route zurück ins Dorf. Schlamm schmatzte unter seinen Stiefel und der erdige Geruch durchweichten Bodens erfüllte die Luft. Wenn es nach Leto ging, konnte das Wetter auch gerne die nächsten Tage noch so bleiben.

Irgendwann jedoch war auch der lange Weg gegangen und Leto fand sich widerwillig vor der Tür des Pubs wieder. Mit einem genervten Brummen trat er durch die Tür, stellte jedoch auch sofort fest, dass der Schankraum dann doch auch irgendwie ganz angenehm warm war. Mehrere Gäste schauten auf als er hereinkam, richteten ihre Augen bei seinem Anblick jedoch augenblicklich wieder auf ihre Getränke. Lediglich Pai Lai seltsamer Blick ruhte länger auf ihm, bevor sie sich wieder UX-23 zuwandte, der sich noch immer mit der Parwanerin im Gespräch zu befinden schien.

An der Bar setzte Leto sich noch immer tropfend auf einen Hocker und wies mit einer unwirschen Handbewegung auf einen Topf, den Rousseau grade auf einem Kochfeld hinter der Bar blubbern ließ. Natürlich konnte er nicht sagen, ob der Eintopf schon fertig war, doch füllte der deftige Geruch schon jetzt den ganzen Raum. Auch der Wirt schien wohl das Mindset ‚gut genug‘ zu haben, denn im nächsten Moment schob er Leto eine dampfende Schale und ein dicke Scheibe Brot zu. Auch das Backwerk musste frisch zubereitet sein, denn die Schnitte dampfte genauso wie die Schüssel. Mit Gusto griff Leto zu und stellte fest, dass das Essen nach seinem Auflehnen gegen die Autorität von UX-23 nur umso süßer schmeckte.

Doch bahnten sich dafür natürlich Konsequenzen an, die ihm grade genug Raum ließen, die Mahlzeit zu genießen, bevor sie ihren Blick auf den Krieger richteten. Nachdem Leto die Schale geleert und mit einem zufriedenen Rülpser von sich geschoben hatte, bemerkte er aus dem Augenwinkel wie UX-23 auf ihn zugeschwebt kam. Durch puren Automatismus begrüßte Leto den Droiden mit einem genervten Augenrollen, konnte sich jedoch eines dünnen Lächelns nicht erwehren, das seine Lippen bei dessen Anblick kräuselte.


„Sikarius, wo ist dein Schüler?“

, fragte die Maschine noch ruhig und Leto zuckte die Schultern. Mit einer weiteren Handbewegung befahl er Rousseau ihm ein kleines Glas mit einem Schluck Hochprozentigem abzufüllen.

„Sikarius!“

, schnappte UX-23.

„Wenn ich deinen Schüler wieder aus dem Tempel fischen muss, weil du wieder nicht aufgepasst hast, wird das Konsequenzen haben!“

Seelenruhig nahm Leto das Glas und stürzte die Flüssigkeit in einem Zug herunter. Die Wärme war wirklich angenehm im Vergleich zu seiner nassschweren Robe, die eine kleine Pfütze um seinen Hocker erschaffen hatte.

Sikarius…

„Du musst ihn nicht aus dem Tempel holen. Öl dir mal nicht ins Hemd…“

, unterbrach Leto das nervige Geschnatter und winkte nach einem weiteren Glas.


„Wo. Ist. Dein. Schüler.“

Die Stimme der Maschine hatte einen bedrohlichen Unterton angenommen. Wer auch immer ihr die Kapazität für Wut einprogrammiert hatte, hatte ganze Arbeit geleistet. Auch wenn Leto nicht recht verstand, warum er das genau getan hatte. Er zuckte die Schultern.

„Keine Ahnung. Zygerria?“


„Zyg-“

Die Maschine unterbrach sich und schwebte einen guten Meter Rückwärts. Einen Moment blieb sie still – wenn man die kurze Phase unverständlichen Schnatterns denn so bezeichnen wollte. Leto nahm an, dass der Droide grade mit der Flugkontrolle Rücksprache hielt.

„SIKARIUS.“

, sagte UX-23 schließlich, seine übliche Zimmerlautstärke um gut 200% erhöht.

„Was hast du getan?!“

„Ich hab‘ ihn nach Zygerria geschickt, um einen Sklaven für die Ausbildung zu besorgen.“

, antwortete Leto schließlich doch mit einem weiteren Schulterzucken.

„Was willst du denn von mir?“


„DAFÜR WARST DU NICHT AUTORISIERT! Du riskierst eine wichtige Ressource für den Sith-Orden!“

„Ach, der Junge ist kompetent. Der lässt sich schon nicht in die Sklaverei verkaufen.“

Erneut konnte Leto sich sein hämisches Lächeln nicht verkneifen. Im Hintergrund hatten die anderen Gäste wohl begriffen, dass ein schlimmeres Donnerwetter als draußen grade im Anmarsch war. Fluchtartig begannen die meisten Anwesenden den Raum zu verlassen.


„Dein Schüler wird aktuell nur durch Zwang im Sith-Orden gehalten! Wie konntest du es wagen ihn ohne Aufsicht auf einen neutralen Planeten zu schicken!?“

„Ach was, ohne Aufsicht. Er hat doch den Piloten…“

„GENUG JETZT!“

, bellte die Maschine laut genug, dass Letos organisches Ohr schmerzte.

„DU GEHST JETZT SOFORT ZUR FURY UND FLIEGST HINTERHER!“

„Nö.“

, gab er knapp zurück und stürzte das Schnapsglas hinunter, das der Wirt ihm hingestellt hatte.

„Der kommt schon von alleine wieder.“


„WELCHEN GRUND SOLL ER DENN DAFÜR HABEN?!“

„Die Macht.“

„UND WOHER WEIßT DU DAS?!“

„Weiß ich nicht.“

„STEH JETZT SOFORT AUF!“

„Nö.“

Für einen Moment blieb die Maschine still, wohl, während sie ihr nächstes Vorgehen berechnete. Dann schwebte UX-23 unangenehm nah an Letos rechtes Ohr heran und stieß das unangenehme Geräusch aus, mit dem der Droide ihn immer dann traktierte, wenn es Zeit fürs Training war, aber Leto keine Lust hatte:


„Ȩ̴̧̲̝̬̘̗͈͎̖̣̦̯͔̪̿͋̿̈́́̌͊̓̋̈́̉E̶̢̦͉͎͍̤͍̓̿̀͋͊ͅȨ̵̦͙̹̖̗͔̰̞̟͓́̇̌͐̍͘Ę̸͉̟̗̹̹͖͚̦͓̪̜̤͛̊͗͐͐̃̈́́͒̈́͘͘E̴͍̮͈̤͚̜̹̜͔̐̆́͌̇E̵̫̟̬̐̽̓͗̌̊̈́Ë̶̛̳̰͍͙̲͖͇̩̳̘͖͍̖̫́͑̅̆̕͝E̷͕̦̭̻͛̽̅̓̎̾Ȩ̸̛̩̳̱̗͇̲̗̲̟̭̅̀͆̇̉̀̈́͒̃͐͘͜E̴͔̬̦̟̲͊̈́̌̓̓͝E̷͇̥͍̹͍̩̋̈́̍̈́͛̒̅͂̈̓̕Ë̵̙̰́͒͑̐̎̄͠E̵̙͎͈̙͂̇̾͂̇̒͑͛͆̀̕͠͝Ȇ̴̼̪̟͙̳̖͖͍͒̎̐̅̍̓̽͐͠Ę̸̡̨̢̛͎̫̩̺͇̗̜̟͆̆̓͆̽͒̍É̶̢̛͍̯̘̳̰̰̭̪͈̌͛́̄̍̿̔͑͑̕͠͝͠Ȩ̸͖̭̝͕̠͕̞̈́̄Ę̵͎̽̇̒̊E̶̡̧̡͇̥̬̖̩̙̋̀͛̈́͆͆̈́̈́̌͝͝͝Ę̴̱̫̼̘͑̈̓̐̿͌̓͌̍͋͑Ĕ̷͇͉̫̏̒̌̈̾̾E̸̱͛̈́͋͠Ę̵̛̳̹͚͇̱̳̦̩̱̼̥͙̺̯̈̏̈́̈́̃͆͛̔͒͐͆͆͘Ê̵̢̢̜̙̝͎̳̹͉͙̹͈̺͈̌͋̔̂͐͆̚͜E̶̛̠͈͇̫̺̟̣̭͔̣͇̟͍̮̮͗͂Ę̸̩̭̠̜͈̱̺͇̣̗̇̃̈́̈͒̌Ȩ̸̧̦̳̘̙̘̳̭̬̰͍̏͘͜͝ͅͅḚ̷̛̛̛̳͇̲̒̃̿̿̎̍́͒̉̆͂͘͜E̵͓͉̠̟͔̪̹̫̘̭̒̅̃̓̋͆̈́́͌͌͌̓͒̄͝ͅĘ̵̢̥̭͉̼̪̱̯͔̭̐̏̿̊̊̚É̵̛̝̒̾̿̒̈́̈́̈́́̓̚͝E̶̜̐̐̐͑̒̚E̵͇̠̎̄̇̄̈́̌͛̂̇͊͘͝Ĕ̷͙̼Ȩ̶̢̼̖͙̙͕̘̣̣͉͖̹͇̒͐ͅE̸̢̻͎̳̦͇̾̓̎͒̽̈́̊̀̈́̍͊͂̃̀Ë̵̢̡̡̡̺̗̭͓́̃͌̆̇̓̏̉̓̈́̍͘͜Ȇ̴̢͉̼̲̗̫̮̘̭̩͍̦̎̄Ě̶̛̹̗͕͙̬̜̰͙̖͙̠̙́̊̈́̀̿̅̾̋̏́̕Ẹ̶̡̧̢͇̼̭̻̤͙̣̊͋̆̒̿̎̔̎͋̄̓̃̽̏͠ͅE̸̡̼͇̤̜̼̥̲̞̼͎̱͕̺͐̌̇͑͜͝͝E̸͚̪͚̼̹̜̻̜̿̏̅Ȅ̸̢̳͔̘̣̜̗̪̙̘̱͒̿̓̉͋̀̎̆͘͝͝E̷͙͓͒̀͑͛͘“

Der mechanische Schrei des Droiden war nun auch das Signal für Rousseau und Pai Lai den Raum zu verlassen. Leto jedoch blieb seelenruhig sitzen, hob eine Hand an sein bionisches Ohr und deaktivierte es per Knopfdruck. So unangenehm das Geräusch auch war, er genoss die hilflose Wut des Droiden zutiefst. UX-23 wiederum war noch nicht geschlagen, schwebte um Letos Kopf herum und schrie ihm nun ins linke Ohr:

„Ȩ̴̧̲̝̬̘̗͈͎̖̣̦̯͔̪̿͋̿̈́́̌͊̓̋̈́̉E̶̢̦͉͎͍̤͍̓̿̀͋͊ͅȨ̵̦͙̹̖̗͔̰̞̟͓́̇̌͐̍͘Ę̸͉̟̗̹̹͖͚̦͓̪̜̤͛̊͗͐͐̃̈́́͒̈́͘͘E̴͍̮͈̤͚̜̹̜͔̐̆́͌̇E̵̫̟̬̐̽̓͗̌̊̈́Ë̶̛̳̰͍͙̲͖͇̩̳̘͖͍̖̫́͑̅̆̕͝E̷͕̦̭̻͛̽̅̓̎̾Ȩ̸̛̩̳̱̗͇̲̗̲̟̭̅̀͆̇̉̀̈́͒̃͐͘͜E̴͔̬̦̟̲͊̈́̌̓̓͝E̷͇̥͍̹͍̩̋̈́̍̈́͛̒̅͂̈̓̕Ë̵̙̰́͒͑̐̎̄͠E̵̙͎͈̙͂̇̾͂̇̒͑͛͆̀̕͠͝Ȇ̴̼̪̟͙̳̖͖͍͒̎̐̅̍̓̽͐͠Ę̸̡̨̢̛͎̫̩̺͇̗̜̟͆̆̓͆̽͒̍É̶̢̛͍̯̘̳̰̰̭̪͈̌͛́̄̍̿̔͑͑̕͠͝͠Ȩ̸͖̭̝͕̠͕̞̈́̄Ę̵͎̽̇̒̊E̶̡̧̡͇̥̬̖̩̙̋̀͛̈́͆͆̈́̈́̌͝͝͝Ę̴̱̫̼̘͑̈̓̐̿͌̓͌̍͋͑Ĕ̷͇͉̫̏̒̌̈̾̾E̸̱͛̈́͋͠Ę̵̛̳̹͚͇̱̳̦̩̱̼̥͙̺̯̈̏̈́̈́̃͆͛̔͒͐͆͆͘Ê̵̢̢̜̙̝͎̳̹͉͙̹͈̺͈̌͋̔̂͐͆̚͜E̶̛̠͈͇̫̺̟̣̭͔̣͇̟͍̮̮͗͂Ę̸̩̭̠̜͈̱̺͇̣̗̇̃̈́̈͒̌Ȩ̸̧̦̳̘̙̘̳̭̬̰͍̏͘͜͝ͅͅḚ̷̛̛̛̳͇̲̒̃̿̿̎̍́͒̉̆͂͘͜E̵͓͉̠̟͔̪̹̫̘̭̒̅̃̓̋͆̈́́͌͌͌̓͒̄͝ͅĘ̵̢̥̭͉̼̪̱̯͔̭̐̏̿̊̊̚É̵̛̝̒̾̿̒̈́̈́̈́́̓̚͝E̶̜̐̐̐͑̒̚E̵͇̠̎̄̇̄̈́̌͛̂̇͊͘͝Ĕ̷͙̼Ȩ̶̢̼̖͙̙͕̘̣̣͉͖̹͇̒͐ͅE̸̢̻͎̳̦͇̾̓̎͒̽̈́̊̀̈́̍͊͂̃̀Ë̵̢̡̡̡̺̗̭͓́̃͌̆̇̓̏̉̓̈́̍͘͜Ȇ̴̢͉̼̲̗̫̮̘̭̩͍̦̎̄Ě̶̛̹̗͕͙̬̜̰͙̖͙̠̙́̊̈́̀̿̅̾̋̏́̕Ẹ̶̡̧̢͇̼̭̻̤͙̣̊͋̆̒̿̎̔̎͋̄̓̃̽̏͠ͅE̸̡̼͇̤̜̼̥̲̞̼͎̱͕̺͐̌̇͑͜͝͝E̸͚̪͚̼̹̜̻̜̿̏̅Ȅ̸̢̳͔̘̣̜̗̪̙̘̱͒̿̓̉͋̀̎̆͘͝͝E̷͙͓͒̀͑͛͘“

Der Lärm war schier unerträglich und Leto wusste, dass die Maschine nicht damit aufhören würde, bis er sich fügte. Zerstören konnte er sie nicht und selbst wenn er floh, würde sie folgen. Die einzige Möglichkeit war also sich zu fügen. Oder aber…

Mit der Macht griff er nach der Flasche Hochprozentigem, aus der Rousseau immer wieder kleine Schlucke für ihn abgefüllt hatte. Kurz entschlossen hob er sie an die Lippen und begann zu trinken. Augenblicklich schien seine Kehle Feuer zu fangen und er musste ein weiteres Mal seine Perfektionierte Körperbeherrschung bemühen, um weder zu husten noch zu spucken. Einen Moment später war ein guter Liter Selbstgebranntes in seinem Magen verschwunden und nun brauchte er dieselbe machtverstärkte Selbstbeherrschung, um sich nicht postwendend zu übergeben.


„Ȩ̴̧̲̝̬̘̗͈͎̖̣̦̯͔̪̿͋̿̈́́̌͊̓̋̈́̉E̶̢̦͉͎͍̤͍̓̿̀͋͊ͅȨ̵̦͙̹̖̗͔̰̞̟͓́̇̌͐̍͘Ę̸͉̟̗̹̹͖͚̦͓̪̜̤͛̊͗͐͐̃̈́́͒̈́͘͘E̴͍̮͈̤͚̜̹̜͔̐̆́͌̇E̵̫̟̬̐̽̓͗̌̊̈́Ë̶̛̳̰͍͙̲͖͇̩̳̘͖͍̖̫́͑̅̆̕͝E̷͕̦̭̻͛̽̅̓̎̾Ȩ̸̛̩̳̱̗͇̲̗̲̟̭̅̀͆̇̉̀̈́͒̃͐͘͜E̴͔̬̦̟̲͊̈́̌̓̓͝E̷͇̥͍̹͍̩̋̈́̍̈́͛̒̅͂̈̓̕Ë̵̙̰́͒͑̐̎̄͠E̵̙͎͈̙͂̇̾͂̇̒͑͛͆̀̕͠͝Ȇ̴̼̪̟͙̳̖͖͍͒̎̐̅̍̓̽͐͠Ę̸̡̨̢̛͎̫̩̺͇̗̜̟͆̆̓͆̽͒̍É̶̢̛͍̯̘̳̰̰̭̪͈̌͛́̄̍̿̔͑͑̕͠͝͠Ȩ̸͖̭̝͕̠͕̞̈́̄Ę̵͎̽̇̒̊E̶̡̧̡͇̥̬̖̩̙̋̀͛̈́͆͆̈́̈́̌͝͝͝Ę̴̱̫̼̘͑̈̓̐̿͌̓͌̍͋͑Ĕ̷͇͉̫̏̒̌̈̾̾E̸̱͛̈́͋͠Ę̵̛̳̹͚͇̱̳̦̩̱̼̥͙̺̯̈̏̈́̈́̃͆͛̔͒͐͆͆͘Ê̵̢̢̜̙̝͎̳̹͉͙̹͈̺͈̌͋̔̂͐͆̚͜E̶̛̠͈͇̫̺̟̣̭͔̣͇̟͍̮̮͗͂Ę̸̩̭̠̜͈̱̺͇̣̗̇̃̈́̈͒̌Ȩ̸̧̦̳̘̙̘̳̭̬̰͍̏͘͜͝ͅͅḚ̷̛̛̛̳͇̲̒̃̿̿̎̍́͒̉̆͂͘͜E̵͓͉̠̟͔̪̹̫̘̭̒̅̃̓̋͆̈́́͌͌͌̓͒̄͝ͅĘ̵̢̥̭͉̼̪̱̯͔̭̐̏̿̊̊̚É̵̛̝̒̾̿̒̈́̈́̈́́̓̚͝E̶̜̐̐̐͑̒̚E̵͇̠̎̄̇̄̈́̌͛̂̇͊͘͝Ĕ̷͙̼Ȩ̶̢̼̖͙̙͕̘̣̣͉͖̹͇̒͐ͅE̸̢̻͎̳̦͇̾̓̎͒̽̈́̊̀̈́̍͊͂̃̀Ë̵̢̡̡̡̺̗̭͓́̃͌̆̇̓̏̉̓̈́̍͘͜Ȇ̴̢͉̼̲̗̫̮̘̭̩͍̦̎̄Ě̶̛̹̗͕͙̬̜̰͙̖͙̠̙́̊̈́̀̿̅̾̋̏́̕Ẹ̶̡̧̢͇̼̭̻̤͙̣̊͋̆̒̿̎̔̎͋̄̓̃̽̏͠ͅE̸̡̼͇̤̜̼̥̲̞̼͎̱͕̺͐̌̇͑͜͝͝E̸͚̪͚̼̹̜̻̜̿̏̅Ȅ̸̢̳͔̘̣̜̗̪̙̘̱͒̿̓̉͋̀̎̆͘͝͝E̷͙͓͒̀͑͛͘“

, schrie der Droide noch immer, doch schon spürte Leto die Wirkung des ungewohnten Alkohols, dessen schiere Menge die deftige Mahlzeit mühelos überwand und über Schleimhäute in seinen Kreislauf eindrang. Schon fühlte sich der Schankraum noch viel wärmer und angenehmer an, als zuvor schon und mit einem fröhlichen Summen legte Leto den Kopf auf die Bar. Der Droide schrie, doch über den heißen Alkohol in seinem Magen schien die Sache doch gar nicht mehr so unangenehm zu sein…

[ Outer Rim / Sith-Welten / Artek-System / Artek III / Törcsván / Pub "Bei Rousseaus" ] Leto, sowie (NPCs) UX-23
 
Kommend von Weltraum (Neutral)

Outer Rim | Artek-System | Anflug auf Artek III | Svelte-Class "Velvet Talon" | Teneb Dask, Peska Khalo und Pilot (NPCs)
Der Übergang vom Hyperraum zurück in den Realraum geschah nicht abrupt, es war viel mehr jener eigentümliche, fast körperlich spürbare Verzögerung, die jeden Sprung begleitete, als würde das Schiff für einen flüchtigen Augenblick zwischen zwei Wirklichkeiten schweben, bevor sich die vertraute Struktur des Universums wieder um seine Hülle legte. Die blauen Tunnel des Hyperraums begannen zu zerfasern, ihre langen, strömenden Linien zerbrachen in einzelne Lichtpunkte, bis schließlich die Sterne der wirklichen Galaxis wieder in ihrer kalten, unbeweglichen Klarheit vor dem Cockpitfenster der Velvet Talon standen. Vor ihnen lag Artek III.
Der Planet hing schwer und düster im Raum, seine Oberfläche von dunklen Wolkenbändern überzogen, zwischen denen sich vereinzelte Lücken öffneten, durch die fahle Lichtflecken auf die industrielle Landschaft darunter fielen. Selbst aus dem Orbit wirkte die Welt wie eine Ansammlung gewaltiger Narben aus Metall und Beton, ein Ort, dessen Oberfläche nicht von Natur, sondern von Zweckmäßigkeit geprägt war. Hohe Fördertürme ragten aus den Ebenen wie rostige Nadeln, während lange Transportlinien und Landeplattformen das Gelände durchzogen, als hätte jemand ein gigantisches mechanisches Netz über den Planeten gespannt.

Als
Teneb Dask die Augen öffnete, brauchte er einen Moment, um zu begreifen, wo er sich befand. Der Schlaf war schwer gewesen, tief und beinahe traumlos, doch die Müdigkeit der letzten Tage lag noch immer wie ein dumpfer Schleier über seinem Geist. Für einige Sekunden blieb er reglos auf der schmalen Koje liegen, während das monotone Vibrieren der Schiffshülle langsam wieder in sein Bewusstsein zurückkehrte und die Erinnerung an Zygerria, an die Märkte, an die Entscheidung, die er dort getroffen hatte, in seinen Gedanken Form annahm.
Er war zurückgekehrt. Diesmal war es sogar, so mochte man staunen, aus freien Stücken geschehen. Das lag nicht unbedingt daran, dass die Argumente des kapriziösen Sith Meisters so überzeugend waren, sondern eher daran, dass die Galaxis ein Drecksloch war und Zygerria ein Verstärker der Situation in der Galaxis war. Wenn die Galaxis schon ein Ort des kollektiven Unrats war, so wollte er zumindest so weit and er Spitze stehen, dass der Himmel nicht voll von diesem Unrat war und die Sith stellten für ihn den einzigen Weg dar, dieses Ziel zu erreichen.
Dieser Gedanke begleitete ihn, während er sich schließlich erhob und den schmalen Gang entlangging, dessen kaltes Licht die metallenen Wände in ein steriles Grau tauchte. Als er an der Kabine des Kyuzo vorbeikam, zögerte er kurz, bevor er das Schloss aktivierte. Die Tür glitt mit einem leisen Zischen auf.
Peska Khalo saß auf der schmalen Pritsche, die langen Beine leicht angewinkelt, die Hände noch immer hinter dem Rücken verschränkt. Seine Facettenaugen richteten sich sofort auf Teneb.

„Wir sind da, Herr?“
fragte dieser ruhig.

Teneb trat einen Schritt in die Kabine und lehnte sich leicht gegen den Türrahmen. Er wäre bei der Bezeichnung als der Herr dieser Kreatur beinahe zusammengezuckt, schaffte es aber noch die Haltung zu wahren.


„Bald.“
erwiderte er daher nur kurz und knapp.

Der Kyuzo schwieg einen Moment, musterte ihn mit jener schwer zu deutenden Aufmerksamkeit, die Krieger einander entgegenbrachten, wenn sie versuchten, Stärke, Unsicherheit oder Absicht hinter der Oberfläche eines Gegenübers zu erkennen.


„Du bringst mich zu deinem Meister.“

Es war keine Frage. Der Kyuzo hatte wohl den verbalen Schlagabtausch mit dem Piloten gehört und seine eigenen Schlüsse gezogen. Nun, dann war es eben so, die Farce wäre sowieso nur bis zur Ankunft auf Artek III haltbar gewesen. Teneb ließ den Blick kurz über die metallenen Wände der Kabine wandern, bevor er antwortete.

„Ja.“

Peska nickte langsam.


„Dann sollte ich wissen, welche Rolle ich spielen soll.“

Dieser Satz ließ Teneb für einen kurzen Moment innehalten. Die Einfachheit der Frage berührte einen Punkt, den er selbst noch nicht vollständig durchdacht hatte.

„Die Rolle eines Kriegers“, sagte der Bleiche schließlich.

Peska ließ ein kaum merkliches Geräusch hören, das irgendwo zwischen Zustimmung und Skepsis lag.

„Auf Zygerria waren wir alle Krieger.“

Teneb sah ihn direkt und fassungslos an.

„In erster Linie warst du dort ihr Eigentum.“

Der Kyuzo erwiderte den Blick ohne Zögern.

„Und hier?“


Für einen kurzen Augenblick antwortete Teneb nicht. Dann wandte er sich ab.

„Das hängt davon ab, was du wert bist.“

Mit dieser Bemerkung schloss er die Tür wieder. Als er das Cockpit betrat, hatte der Pilot bereits mit dem Sinkflug begonnen. Die Velvet Talon glitt durch die oberen Atmosphärenschichten von Artek III, während sich unter ihnen langsam die Anlage ausbreitete, zu der Teneb zurückkehrte.
Die Struktur der wohlbekannten Landeplattform lag auf einem ausgedehnten Plateau, das von steilen Felsabbrüchen begrenzt wurde, und bestand aus mehreren miteinander verbundenen Komplexen aus dunklem Metall und duracreteverstärkten Mauern, deren Architektur weniger an eine Basis als an eine Festung erinnerte. Hohe Antennentürme ragten aus den Gebäuden empor, während mehrere Landeplattformen wie schwere Stahlplatten aus der Oberfläche hervorstachen.

Der Pilot warf einen kurzen Blick über die Schulter.


„Willkommen zurück.“ sprach dieser den Schüler lakonisch an.

Teneb antwortete nicht. Sein Blick war auf die Anlage gerichtet, während sich das Schiff langsam der größten Landebucht näherte. Die Rampe öffnete sich erst, als die Triebwerke bereits heruntergefahren waren und das metallische Echo der Landung durch die Struktur der Plattform hallte. Kalte Luft strömte in das Innere des Frachters, getragen von jenem trockenen, metallischen Geruch, der viele industrielle Welten durchzog.
Teneb trat als Erster hinaus. Die Plattform war beinahe leer, doch am Rand der Landebucht standen mehrere Gestalten, von denen er in dem fahlen Licht und dem Ausstoß der Hydraulik nur Schemen erkennen konnte. Nur einen Schemen konnte er klar zuordnen. Der schlanke, mechanische Körper reflektierte das fahle Licht der Anlage in kalten, präzisen Linien, während der photorezeptive Sensoren sich langsam auf
Teneb richteten. UX-23 hatte offenbar bereits auf ihn gewartet. Doch während Teneb, gefolgt vond em Sklaven die Rampe hinabstieg, hatte er plötzlich das deutliche Gefühl, dass seine Rückkehr längst bemerkt worden war und dass jemand anderes ebenfalls wusste, dass er zurückgekehrt war.

Outer Rim | Artek-System | Artek III | Törcsván | Landeplattform | Teneb Dask, Darth Sikarius, UX-23, Peska Khalo und andere
 
[ Outer Rim / Sith-Welten / Artek-System / Artek III / Törcsván / Landefeld ] Leto, sowie (NPCs) UX-23

Am nächsten Morgen – wenn man die beginnende Mittagsstunde denn so nennen wollte – erwachte Leto mit ausgesprochen schlechter Laune. Schon mehrmals in seinem Leben hatte er einen Kater gehabt, doch als jemand der allgemein nicht viel trank, konnte er diese Gelegenheiten an einer Hand abzählen. Die Flasche Schnaps am vergangenen Abend in einem Zug zu leeren hatte definitiv zur bislang schlimmsten Ausprägung eines Katers geführt, den er in seinem Leben bisher erlebt hatte.

Letos Kopf fühlte sich an wie mit Watte ausgestopft, was jedoch tragischerweise nicht gegen den Schmerz half, der sich tief zwischen seinen Schläfen eingenistet hatte. Dazu kam ein fauler Geschmack in seinem Mund und Glieder, die sich steif und taub anfühlten. Immerhin das Wetter erwies ihm Gnade und blockte mit schweren Wolken allzu grelles Sonnenlicht, das die Migräne nur noch schlimmer gemacht hätte. Nicht, dass er das in seiner mürrischen Gemütslage zu schätzen gewusst hätte, während er einfach stumm und missmutig durch den Schlamm des gestrigen Sturmes stapfte.

Pai Lai war heute Morgen nicht wie Leto zum Landefeld zitiert worden. Es waren also mal wieder nur er und der Droide, die das zurückkehrende Schiff des Diebes in Empfang nehmen würden.

Und da war er, der eine Lichtblick an diesem absolut besch*ssenen Tag. Wie UX-23 dann doch implizit hatte zugestehen müssen, hatte Leto richtig gelegen. Wie befohlen war der Dieb nach Zygerria geflogen, hatte einen Sklaven gekauft und hatte sich anschließend wieder auf den Rückweg gemacht. So viel zumindest schien der Pilot des Shuttles bereits an den Droiden durchgegeben zu haben. Leto hatte die Leine des Schülers losgelassen und dieser kroch wie ein getretener Hund zurück zu seinem Meister. Alles in allem also eine äußerst erfolgreiche Idee. Leto hatte sich erfolgreich gegen die Tyrannei des Droiden aufgelehnt UND am Ende auch noch Recht behalten.


„Hab‘ ich’s dir doch gesagt du erbärmlicher Rostbeutel.“

, knurrte Leto in die Richtung der Maschine, als sie sich schließlich auf dem Landefeld eingefunden hatten und nun erwartungsvoll gen Himmel schauten. UX-23 ignorierte die Beleidigung, doch ein angestrengtes Lächeln umspielte die Lippen des Kriegers. Wahrscheinlich würden weitere Sanktionen folgen – oder aber man würde ihm ab jetzt weniger in seine Erziehungsmethoden hereinreden. Vielleicht sogar beides, man konnte ja hoffen.

Wenig später setzte das Schiff endlich auf. Leto erkannte ein paar Kampfspuren, die beim Abflug definitiv noch nicht dagewesen waren und musste ein weiteres Mal schmunzeln. Schien ja doch abenteuerlicher gewesen zu sein, als es geklungen hatte. Zischend senkte sich die Laderampe und tatsächlich, da war der Schüler – eine unbekannte Gestalt auf seinen Fersen. Die Hände in den Taschen vergraben, den Rücken leicht gebeugt und das organische Auge gegen die trotz der Wolken unangenehmen Helligkeit des Tages zusammengekniffen, nahm Leto ihn in Empfang.


„Du bist zurück.“

, stellte er das Offensichtliche noch einmal fest. Er hatte Recht behalten. Auch mit ein paar Tausend Credits und einem Schiff war der Junge nach getaner Arbeit wieder nachhause gekommen.

„Endlich hast du den letzten Schritt getan ein Sith zu werden. Ich kann dich zwingen hier zu sein und zu lernen, aber ich kann dich nicht zwingen zu Sehen. Das scheint soweit passiert.“

Letos ungleicher Blick glitt von seinem Schüler zu seinem Mitbringsel. Ein Kyuzo, wenn er sich nicht täuschte.

„Der Böseste den du gesehen hast, eh?“

Der Krieger lachte heiser, ein Laut der fast wie ein ersticktes Husten klang.

„Wookiees, waren wohl ausverkauft? Trandoshaner, Houks, Feeorin, Mandallianische Riesen… die Galaxis hält so viel bereit und du packst so ne Bohnenstange ein? Schon ein bisschen armselig, meinste nicht?“

Prüfend musterte er den Kyuzo und wies dann auf das Sklavenhalsband und die Fesseln an seinen Händen.

„Nimm ihm den Sch*iß da ab. In die Schiffe kommter eh nich so einfach, aber vielleicht will er ja versuchen in der Steppe zu überleben. Die Zuguruk-Barbaren freuen sich sicher über nen Freiwilligen, den sie über’m Feuer rösten können.“

Er zuckte die Schultern.

„Aber genug von hiesigen Touristenattraktionen. Kommen wir dazu, was der ganze Sch*iß hier eigentlich sollte. Du hast den Kodex einigermaßen verstanden, wie ich sehe. Aber eins fehlt dir. Perspektive. Grade bist du Kacke unter meinem Schuh und dagegen kämpfst du an. Ich bin Kacke unter’m Stiefel von…“

Vage gestikulierte er in Richtung des Droiden.

„…wem auch immer. Ich habe Ketten, die mich von oben fesseln und ich halte deine Ketten in der Hand. Diese kleine Übung wird auch dir dieses Problemchen nahebringen.“

Erneut richtete Leto seinen Blick auf den Kyuzo.

„Sklave, ich will dir dein eigenes Problem erklären. Es gibt ‘ne Möglichkeit wie du Artek III lebendig und frei wieder verlässt, aber ich fürchte deine Chancen stehen eher schlecht. Deine Existenzberechtigung ist der hier.“

Nonchalant patsche Leto dem Dieb mit der flachen Hand auf die Glatze.

„Das ist mein Schüler und ab jetzt dein Meister. Mein Schüler will einmal ein Sith-Krieger werden, dafür braucht er Kampferfahrung. Du bist hier als sein Sparringpartner und sowas wie’n Trainer. Jetzt grade kannst du mit ihm den Boden wischen – klar. Der Punkt ist aber, das wird nicht immer so sein. In dem Moment, in dem er dich besiegt, werde ich ihm befehlen dich zu töten. Kennste sicher, wenn man Schülern einen Welpen zum Aufziehen gibt und die am Ende die Aufgabe kriegen dem den Hals umzudrehen, ne? Ja…du bist der Welpe, was soll ich sagen.“

Leto gluckste in sich hinein.

„Jetzt zu deinem Weg hier raus. Wenn Kollege Schnürschuh seine Ausbildung abschließt, ohne dich geschlagen zu haben, wird dich eines dieser schönen Schiffe zu einem Planeten deiner Wahl transportieren und laufen lassen. Dasselbe wenn er die Ausbildung nicht fortsetzen kann, weil tot oder kaputt. Beschädigst du ihn selbst vor meinen Augen, werde ich dich pfählen. Im Dorf gibt es da noch ein paar extrarostige Spieße, die dir sicher gefallen werden. Klar soweit?“

Aus dem Augenwinkel sah er, wie UX-23 nun ebenfalls herangeschwebt war und ungnädig auf Leto starrte.

„Sofern der Sklave deinen Schüler im Verborgenen tötet und ich beweisen kann, dass er das war, wartet ebenfalls ein Erschießungskommando auf ihn!“

Der Krieger rollte sein organisches Auge.

„Neeein, du dämliche Rostkugel! Das Schlupfloch war doch genau die Idee- Ach machtverdammt bist du blöd!“

„Wenn du glaubst, dass ich tatenlos zusehe, wie du Ressourcen des Ordens verschwendest, Sikarius…“

„Du wirst gefälligst zuschauen und mich ausbilden lassen, wie ich das für richtig halte!“

, schnappte er. Mit einem Seufzen wandte er sich wieder an den Sklaven:

„Mach’s halt nicht zu offensichtlich.“

Und dann in Richtung des Diebes:

„So. Jetzt haste’n Ansporn. Lern schnell, mach das Beste aus deinem neuen Sklaven. Einen besseren Lehrmeister als deine Angst wirst du nicht finden. Du kannst ihn natürlich auch jetzt wie’n räudigen Hund abknallen. Aber Junge, was du dann an Potential verschwenden würdest!“

Mit einem dreckigen Grinsen schaute er von einem zum anderen.

„Noch Fragen?“


[ Outer Rim / Sith-Welten / Artek-System / Artek III / Törcsván / Landefeld ] Leto und Teneb, sowie (NPCs) UX-23 und Peska Khalo
 
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