Coruscant

Coruscant - Jedi-Tempel - großer Pressesaal, u.a. mit Wes, Ian und Rornan (NPC), Malek, Presse

Eowyn wagte es nicht, auszuatmen, als Rornan wieder übernahm. Noch immer war sie im Fokus der Galaxis, und jede einzelne, kleine Bewegung würde unter Umständen analysiert werden, das war ihr bewusst.
Dennoch griff sie nach dem Glas Wasser, das vor ihr neben dem Mikrofon stand, um ein paar Schlucke ihre Kehle hinunterzuzwingen. Ihr Mund war so trocken, Tatooine war nichts im Vergleich dazu, und das Wasser würde kaum etwas nutzen, aber es war... nun ja, besser als eben nichts. Außerdem war ihre Stimme noch immer zerstört, das viele Sprechen ließ sie nur noch kratziger wirken. Sie musste irgendwie dagegen angehen...
Sie hatte aber nicht lange Zeit, bis der erste Journalist aufgerufen wurde und gleich mit Vorwürfen begann. Verflucht, Rornan kannte doch viele der Journalisten. Hätte er nicht jemanden wählen können, der etwas moderater war, so für den Einstieg? Nein, es ging gleich zur Sache - er warf ihr den Krieg vor, etwas, von dem sie selbst gerade dabei war, anzuerkennen, dass dem
nicht so war. Er verdrehte die Tatsachen, ließ relevante Punkte aus, und Eowyn wusste, dass es ein hartes Stück Arbeit werden würde, darauf zu antworten. Sie war nun einmal keine Diplomatin, und es war ein riesiger Fehler, dass sie hier saß... aber sie musste da durch. Und sie würde da auch durchkommen. Weil sie stark war. Und Elise glaubte an sie... Weitere Fragen kamen. An sie, an Wes, an Ian. Ihr schwirrte der Kopf, und sie war dankbar dafür, dass die Fragen alle sortiert vor ihr erschienen. Sie hätte es einfacher gefunden, wäre man Frage für Frage vorgegangen, doch der Vorteil dieser Methode war es, dass man Zeit hatte, sich Antworten zurecht zu legen, und gerade für den ersten Journalisten, den Rodianer, würde sie das tun müssen.

Vielleicht wusste Wes das auch, oder er ahnte es, denn er schenkte ihr Zeit, indem er sofort damit begann, auf die Twi'lek einzugehen. Außerdem umschiffte er dadurch das Problem, sofort die aggressiven Fragen beantworten zu müssen.
Sie hörte ihm zu, während sie gleichzeitig versuchte, irgendwie einen Schlachtplan auszuarbeiten, doch sie spürte, wie die erste Ansprache schon viele ihrer Kraftreserven verbraucht hatte. Stang. Sie brauchte mehr Konzentration... Aber Wes machte seine Sache verdammt gut. Wie eloquent er der Journalisten klarmachte, was selbst ein Miraluka sehen konnte... Verflixt, wieso waren viele so naiv? Natürlich war Transparenz furchtbar wichtig, aber genau deshalb
saßen sie jetzt doch auch hier. War ihr nicht klar, was geschehen wäre, wenn sie alles immer sofort offengelegt hätten?! Wie gut, dass Wes den meisten Teil der Antwort übernahm, obwohl auch sie angesprochen war, denn Eowyn war sich nicht sicher, ob nicht etwas ihrer Ungeduld durchgebrochen wäre. Er hingegen belehrte, ohne belehrend zu wirken, und Eowyn wurde wieder einmal klar, wieso er ein Rat war und sie nicht.

Es wurde allerdings Zeit, dass auch sie etwas dazu sagte - und zwar, was die konkrete Situation anging.
Ich weiß, begann sie möglichst ruhig, dass es von außen nicht so aussehen wird, und ich verstehe, dass Unruhe und Zweifel herrschen, was das Vorgehen des Rates und die Kontrolle angehen. Aber Sie alle können sich sicher sein, dass meine Taten vom Rat sehr wohl sorgfältig beäugt und besprochen worden sind, und diese Untersuchung ist noch zu keinem Abschluss gekommen, sie laufen noch an. Das bedeutet wiederum natürlich nicht, dass ich nicht grundsätzlich das Vertrauen des Rates genieße, von wegen, sondern dass alles seinen üblichen Weg läuft, bis die Untersuchung abgeschlossen ist. Sollte entweder der Rat oder auch der Senatsausschuss zu dem Ergebnis kommen, dass ich fahrlässig, falsch oder den Interessen der Jedi und der Republik zuwider gehandelt habe, dann wird es Konsequenzen geben, die ich selbstverständlich bereit bin zu tragen. Ich kann nicht ohne Konsequenzen frei nach Laune handeln, niemand im Orden kann das.

Und was Rat Janson
, sie blickte kurz zu ihm hinüber, bereits angesprochen hat über die Handhabung solcher sensibler Informationen, traf ganz besonders auch auf Bastion und später auf Kast zu. Wir konnten uns für Bastion keine Erlaubnis des Senates holen, die Mission wäre von vorneherein zum Scheitern verurteilt gewesen. Genauso, wenn wir offenbart hätten, welche so wertvollen Informationen uns Ian Dice zugespielt hatte. Hätten die Sith geahnt, dass wir vom Ursprung des Virus wussten, dann hätte man uns dieses riskante Schauspiel niemals abgenommen und niemand wäre lebend von Bastion zurückgekehrt - und noch viel schlimmer, Ian hätte das Ursprungsvirus nicht bergen können und immer noch würden täglich tausende sterben. Geheimhaltung war zu diesem Zeitpunkt leider absolut notwendig.
Ähnlich war es, was die Folgemission nach Kast anging. Natürlich hätte ich den Rat via Kom kontaktieren können, aber Sie wissen alle, dass auch die besten und sichersten Verbindungen gehackt werden können. Bedenken Sie, ich war wochenlang abgeschottet auf Bastion in einer Zelle - ich konnte nicht mit Sicherheit sagen, welche Verbindungen noch sicher sind und welche nicht.

Unsere Grundlage war der Überraschungseffekt. Hätte man meine Nachricht abgefangen und dekodiert, dann wäre alles verloren und ich hätte mein Team in den sicheren Tod geführt. Absprachen sind notwendig - aber sie sind nicht in hundertprozentig allen Fällen möglich. Und was die Ausnahme angeht, so hoffe ich, dass es in den nächsten Jahren bis Jahrzehnten oder hoffentlich nie wieder zu einer solchen Ausnahme kommen muss. Meines Wissens nach ist dies auch noch nie geschehen.


Sie sprach so furchtbar ungelenkt. Es fiel umso mehr auf, da sie direkt nach Wes geredet hatte, aber sie konnte nichts daran ändern. Würde sie nun noch länger Rätin sein müssen, dann musste sie bei Rornan ein paar Nachhilfestunden erfragen. So ging es nicht, sie war viel zu... unbedarft. Und sie wusste nicht, wie sie so formulieren konnte, dass es logisch, durchdacht und sinnvoll klang... Beinahe hätte sie geseufzt, konnte es aber gerade noch bleiben lassen.

Sie gönnte sich eine dringend notwendige Pause und nickte Wes zu, welcher sogleich übernahm und das ganze Virusthema ins Auge nahm. Sie hatte nicht den blassesten Schimmer von diesen ganzen Dingen, und sie war zwar adressiert worden, aber Wes war der einzige, der dazu etwas sagen konnte. Vor Bastion hatte sie sich voll und ganz auf eben jene Mission gestürzt, und hinterher... verflucht, sie war halbtot im Bett gelegen, woher sollte sie das wissen? Andererseits war den Leuten da unten vermutlich auch nicht bewusst, wie wenig sie mitbekommen hatte in den letzten Tagen.

Sie konzentrierte sich nun wieder darauf, sich gleich dem Rodianer zu stellen und machte unmerklich ein paar kurze Atemübungen. Stark... stark und sicher und selbstbewusst. Und was sie getan hatten... das war richtig gewesen.
Schließlich war sie wieder an der Reihe.


Herr Vos... Wäre es Ihnen wirklich lieber gewesen, ich hätte die Alternative gewählt? Nehmen wir einmal an, ich wäre wie geplant mit meinem Team nach Coruscant geflogen. Unsere Flucht von Bastion wäre aufgeflogen. Wir hätten berichtet, aber der Imperator wäre in Alarmbereitschaft gewesen. Können Sie ausschließen, dass er das Virus, welches bereits fertig und bereit in seinen Händen lag, zu diesem Zeitpunkt nicht freigesetzt hätte, ohne, dass wir dazu gekommen wären, irgendetwas zu unternehmen? Eowyn blickte dem Rodianer in die Augen. So gut es ging. Wären Sie bereit gewesen, dieses Risiko zu tragen - das Risiko, dass Milliarden, Billiarden, Trilliarden Lebewesen sterben? Denn das war das Ziel. Das Ziel war es, so gut wie alles Leben in der Galaxis auszulöschen.

Aber nehmen wir an, es wäre alles gutgegangen. Er hätte es nicht sofort freigesetzt, wir hätten dem Senat unsere Bedenken vorgetragen, der Senat hätte eine diplomatische Anfrage gestellt... meinen Sie, man hätte uns mehr Glauben geschenkt als jetzt? Und hätte man, meinen Sie, der Imperator hätte dann eingewilligt, das neue Virus nicht freizusetzen? Ich kann es nicht sicher beurteilen. Ich besitze nicht die Gabe der Vision, und außerdem ist die Zukunft nicht konkret definierbar. Aber von dem, was Sie von Imperator Allegious wissen... meinen Sie, er hätte zugegeben, dass dieser Schritt zu weit geht, er hätte sich einer Untersuchung gestellt, das Virus zerstört?


Eowyn ließ ihren Blick über die Menge gleiten. Ich kann es nicht sagen, auch wenn ich offensichtlich eine Vermutung habe. Aber ich bitte Sie alle, sich einmal diese Frage zu stellen. Wäre die Alternative wirklich besser gewesen?
Ich verabscheue Krieg. Ich bin Jedi geworden, um zu schützen, um zu hüten, nicht um anzugreifen. Aber der Krieg bestand die ganze Zeit. Er war nie fort. Der Friedensvertrag war eine Lüge, eine groß angelegte Falle, in die auch mein Orden getreten ist.

Ja, ich habe den Imperator ohne Mandat getötet. Ob Sie es mir glauben oder nicht - ich habe an diesem Tag überhaupt das erste Mal bewusst getötet. Und in meinen Augen, ja, da war die Notwendigkeit gegeben. Denn hätte ich mir ein Mandat geholt, dann wäre alles nicht mehr möglich gewesen. Der Überraschungseffekt, Sie erinnern sich.


Wieder ließ Eowyn den Blick schweifen, während ihr Herz wie wild klopfte. Hätte ich nichts getan... wären dann nicht auch Stimmen laut geworden, die mich gefragt hätten, weshalb ich angesichts einer solchen Bedrohung nicht handelte, sondern mich feige zurückzog und die Galaxis ihrem Schicksal überließ? Die mich gefragt hätten, weshalb ich die Republik nicht vor dem sicheren Tod geschützt habe? Die mir gesagt hätten, dass man manchmal auch ein Risiko eingehen muss, um zu schützen, was man liebt? Die mir gesagt hätten, dass ich doch wusste, was kommen würde, dass ich wusste, dass all die Planeten fallen würden, weshalb ich dann meine eigene Integrität über das Wohl der Galaxis gestellt habe?

Ich stehe zu dem, was ich tat. Ich hätte mich gestellt, als Imperatorin Vendar meine Herausgabe forderte, genau wie Brianna Kae dazu bereit war. Ich wurde gebeten, es nicht zu tun, da man davon ausging, dass unser alleiniger Tod nichts ändern würde, eher im Gegenteil.

Herr Vos... Sterbende auf Kashyyyk sind eine Katastrophe. Handelsschiffe in den Häfen, Grenzsysteme in Alarmbereitschaft, all das, was uns vermutlich noch bevorsteht, ist schrecklich sondersgleichen und ich trauere um jede Person, die auf Grund dieses Krieges ihr Leben verliert. Aber... dass wir überhaupt noch kämpfen können, das ist die Folge dessen, was ich tat. Denn wir sind noch am Leben, und wir kämpfen nicht stündlich vergeblich darum, erneut Tausende zu verlieren.


Sie wollte nicht so dick auftragen. Es könnte sein, dass es arrogant rüberkommen würde... und vor allem war es nicht gerechtfertigt, da die Entscheidung ohnehin Ahna getroffen hatte. Eigentlich hatte sie nicht so viel von diesem ganzen Entscheidungsprozess reden wollen, aus genau diesem Grund. Aber was blieb ihr übrig... es war wohl naiv gewesen zu glauben, sie könnte das umschiffen.
Und außerdem hatte sie jetzt genug geredet, fand sie, zumindest was diesen Rodianer anging. Blieb allerdings noch Lira Denova. Welche sich direkt an sie gewandt hatte... logischerweise. Trotz dessen, dass alle abwarteten, nahm Eowyn einen weiteren Schluck Wasser. Sonst würde sie bald ihre Zunge überhaupt nicht mehr lösen können von ihrem Gaumen... und wer bei allen Sonnen hatte diese Roben aus so dickem Stoff hergestellt? Sie musste eigentlich raus aus ihr, es war so
unglaublich heiß, aber... Durchhalten, sie musste durchhalten. Das hier war doch nichts im Vergleich zu Than... Shavit. Atmen. Atmen... Sie schloss kurz ihre Augen, atmete einmal tief ein und aus, und stellte sich Ians Gesicht vor ihrem inneren Auge vor. Sie musste diese Bilder von Bastion und der Folterung irgendwie ersetzen und loswerden, und etwas anderes fiel ihr auf die Schnelle nicht ein.
Ian.
Und jetzt wieder Lira Denova.

Und los.

Sie öffnete die Augen und suchte die Alderaanerin in der Menge. Das hier würde hoffentlich einfacher werden.


Ihre Fragen sind durchaus berechtigt, nickte Eowyn Donova zu. Aber ich denke, ich kann sie recht schnell beruhigen. Die Sache ist die, dass ich in dem Moment, als ich erkannte, dass ich mich eventuell in einem Interessenskonflikt vorfinden könnte, von allen Entscheidungen, die Ian betrafen, zurückgetreten bin. Gut, genaugenommen war es nur die Verantwortung für seine Überwachung gewesen, aber das hier war nicht falsch und klang ein wenig besser. Die Entscheidungen, ihn in operative Abläufe einzubinden oder darüber, wie seine Worte gewichtet wurden, lagen niemals bei mir, zu dem Zeitpunkt war ich noch gar nicht Mitglied des Rates. Demnach musste es auch keine Prüfung über Interessenskonflikte geben. Bei Fragen meinerseits, wie ich mich zu verhalten habe, habe ich das Gespräch mit dem Rat gesucht. Eine nette Formulierung für ihr Versagen bei Duval, aber es kam hin.
Sie haben durchaus Recht, dass Nähe immer ein Risiko birgt. Sie ist auch eine Chance, aber definitiv ein Risiko, weshalb ich bewusst keine Entscheidungen mehr traf, die ihn betrafen. Wortdoppelung... das hätte sie eleganter ausdrücken können!

Was die Chancen angeht, so kann man dies in dem Vertrauen sehen, welches wir ineinander auf Bastion hatten. Und ich denke, die meisten von Ihnen werden mir zustimmen, dass alleine schon die Tatsache, dass ich den Mann, den ich liebe, einer solchen Situation aussetze, zeigt, dass ich das Wohl der Galaxis über das meine gestellt und keinerlei Interessenskonflikt zugelassen habe. Bastion war der letzte Ort, den eine Person wie Ian aufsuchen sollte, aus mehreren Gründen, doch es war sein Vorschlag, der letztendlich alles auslöste. Die Chancen, dass er diesen Einsatz nicht überlebt, waren äußerst hoch. Ein kleiner Fehler, und er wäre aufgeflogen - und mit dem Geständnis heute wird er ganz oben auf der Fahndungsliste landen. Dennoch haben wir entschieden, dass diese Möglichkeit, völlig unabhängig von meinen persönlichen Ansichten und Bindungen, viel zu wichtig ist, um sie nicht dem Rat vorzutragen. Ab da war ich nicht mehr in die Entscheidungsfindung bezüglich der Mission eingebunden.

Ich weiß mit Sicherheit, dass Ian Dice die Wahrheit sagte, so wie er sie kennt - die Macht hat einige nützliche Vorteile, was diese Sache angeht. Außerdem habe ich angesichts der weiteren Ereignisse rund um das Virus keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass irgendetwas, was er sagte nicht korrekt war. Ganz im Gegenteil - nur durch seine frühzeitige Information hatten wir überhaupt erst diese Möglichkeiten. Da ich allerdings keinerlei sicherheitspolitische Entscheidungen getroffen habe, kann ich guten Gewissens sagen, dass diese Nähe keinen Einfluss hatte.


Was für Umschreibungen! Wieder der Griff nach dem Glas. Sie schien die einzige zu sein, die trank, und womöglich würde es unangenehm auffallen, aber sie hatte keine Wahl. Ihr Hals schmerzte mittlerweile richtig, ihre Stimme wurde immer kratziger und rauer, und wieder einmal wünschte sie sich, sie hätte Ians Fähigkeiten zum Heilen. Wobei auch diese einen so zerstörten Hals wie den ihren wohl nicht innerhalb dieser Konferenz herrichten konnten.
Auf jeden Fall hoffte sie, dass sie alle Fragen, die an sie gerichtet waren, beantwortet hatte, und wandte sich das erste Mal seit Beginn der Konferenz Ian zu. Er fehlte noch. Aber sie war sich sicher, er würde es genauso souverän hinter sich bringen wie Wes, der Schwachpunkt in diesem Quartett war ganz definitiv sie.


Coruscant - Jedi-Tempel - großer Pressesaal, u.a. mit Wes, Ian und Rornan (NPC), Malek, Presse
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Meditationsraum, mit Draen

Draen brauchte einen Moment, um ihre Frage nach der politischen Ausrichtung seines Heimatplaneten zu beantworten. Ups. War sie da in irgendein Fettnäpfchen getreten? Schien so... imperial, aber im Herzen blieb es frei? Einerseits schön, wenn Planeten nicht ihre Freiheit aufgaben, andererseits konnte das natürlich übel enden.

"Also... war Tirahnn mal republikanisch? Tut mir Leid das zu hören..."

Es war immer übel, wenn Planeten einfach übernommen wurden, obwohl sie gar nicht unter diese Regierung passten. Wobei das leider auf einige imperialen Planeten zutraf.
Sie berichtete dann von ihrer eigenen Heimat und von Lianna. Draen sah sie an, aber sie war sich nicht sicher, was hinter seiner Stirn vorging. Ob er es seltsam fand, dass sie keine wirkliche Verbindung zu ihrem Heimatplaneten hatte? Naja, Heimat war irgendwie mehr als ein Planet, fand sie. Man konnte sich nicht aussuchen, wo man geboren wurde, man konnte sich nur aussuchen, wo man sich wohlfühlte. Und für Sarina war das da, wo die Jedi waren und da, wo ihre Familie war. Vor allem. Am liebsten hätte sie letztere hier auf Coruscant, vor allem jetzt, wo das Virus nicht mehr existierte, aber ihre Schwester wollte nicht in dieser überfüllten Stadt Kinder großziehen. Naja, konnte sie schon gut verstehen.


"Das klingt irgendwie schön", antwortete sie. "Aber ich denke, die Jedi sind meine Heimat und meine Familie auch, dafür brauche ich persönlich keinen Planeten. Aber vermutlich ist das so, wenn man so aufwächst wie ich. Oder zumindest kann es so sein."

Wie es wohl war, wenn man so viel mit einem Planeten verband?

"Bist du dann nicht sehr betrübt, falls du hier anfängst und Tirahnn erst mal verlassen musst?"

Sarina begann dann, ihm eine kleine Einführung ins Tempelleben zu geben. Draen schien das alles noch nicht ganz glauben zu können, was ja auch echt verständlich war. Heute früh war er noch aufgewacht in dem Glauben, bald wieder nach Tirahnn zu fliegen, und jetzt das. Meine Güte. Sie wollte gar nicht wissen, wie es in ihm aussehen musste.

"Manchmal dauert es auch ein Weilchen mit dem Meister, es kommt immer drauf an, wer hier gerade so rumlungert. Und überhaupt bereit ist, einen Padawanplatz zu vergeben. Ich bin's zum Beispiel noch nicht, ich könnte zwar, aber mal ehrlich, ich sollte lieber noch ein bisschen Erfahrung sammeln, bevor ich die dann weitergebe. Weil aktuell habe ich noch nicht so viel zum weitergeben. Aber ja, es ist ziemlich cool jemanden zu haben, der einem immer weiterhilft. Zumindest meistens. Ganz selten kommt's schon mal vor, dass es nicht so gut passt, aber das macht dann auch nichts, man kann durchaus auch den Meister wechseln."

Sie erzählte auch davon, wie die Getränkelage hier so aussah, und erkannte das Schmunzeln auf Draens Gesicht. Ach ja, stimmte ja, er war Medizinier... die tranken wohl alles, bis hin zu Schraubenöl. Aber... TEE?! Sie hob SEHR überrascht die Augenbrauen.

"Ähm... also Tee ist bisher nicht so meins. Aber vielleicht hatte ich bisher auch noch nicht die richtigen?" Schließlich musste sie ja offen sein, nicht wahr?

Eine kurze, friedliche Stille trat ein, bis Draen sich entschloss, eine Frage zu stellen. Eine, die gar nicht so einfach zu beantworten war, aber ziemlich klug, in Sarinas Augen. Hm. Wo fing sie da nur an?!


"Also... was das körperliche angeht, das ist in der Regel dann kein Problem. Nicht alle Spezies sind sowieso darauf ausgelegt, körperlich total agil zu sein. Grundsätzlich sollte jeder Jedi das halt können, aber wenns mal nicht geht, dann geht's nicht. Deshalb ist man kein schlechterer Jedi, es ist nur ein Aspekt. Nehmt Rätin El'mireth, sie sitzt wohl seit ihrer Rückkehr im Schwebestuhl. Trotzdem wird sie sicher Rätin bleiben, ihre Expertise bleibt ja bestehen. Es wäre zu absurd, sie deshalb herauszuwerfen oder so.

Wenn man etwas nicht versteht, das ist schon komplexer. Oder Schwierigkeiten. Also auch das... nicht jeder Jedi beherrscht jede Technik. Die allermeisten haben ein, zwei oder drei Dinge, die sie richtig gut können, dann beherrschen sie die meisten Basics und so gut wie jeder hat was, was er überhaupt nicht kann. Ist wie im normalen Leben auch... In der Medizin gibt's sicher auch Sachen, in denen manche richtig gut sind und andere nicht, oder? Ich meine, Neurochirurgen haben ganz andere Felder als eine Kinderärztin. Man sollte natürlich versuchen, die blinden Flecken so gut es geht anzugehen, aber was am Ende nicht geht, geht nicht. Ein Blinder wird nicht sehen können, verstehst du? Aber Möglichkeiten, damit umzugehen. Und klar gibt's auch Jedi, die jetzt eben keine Überflieger sind, aber das macht nichts. Es gibt für jeden hier seine Aufgabe. Nehmt mich."


Sie grinste.

"Bis ich meinen Weg gefunden habe, laufe ich rum und führe Anwärter durch den Tempel, ist doch auch was.

Jedenfalls... komplexer wird's, wenn man was moralisch nicht versteht oder so. Also da wird's schon ein bisschen kritisch. Es ist nicht so, dass der Kodex unumstößlich über allem schwebt oder dass man nicht seine Meinung äußern darf, aber die ungefähre Linie des Ordens muss schon beibehalten werden, sonst gibt's im Notfall Gespräche mit dem Rat. Und dann die Sache mit der dunklen Seite, also da muss man schon sehr aufpassen und die Leute achten sehr drauf. Finde ich aber auch richtig so. Das kann nämlich ganz schön ins Auge gehen.

Alles klar so weit?"


Puh, das war jetzt schon wieder ne ganze Menge gewesen.

"Dir muss ja echt schon der Kopf rauchen, tut mir Leid."

Coruscant - Jedi-Tempel - Meditationsraum, mit Draen
 
Coruscant - Jedi-Tempel - großer Pressesaal, u.a. mit Wes, Eowyn und Rornan (NPC), Malek, Presse



Für Ian war es erleichternd, all das sagen zu können, was er schon gestern unbedingt hatte sagen wollen. Dabei hatte er noch immer keine Ahnung, wie die ganzen Zuhörenden reagierten. Er verbat sich, zu genau in die Menge zu sehen und nachzuspüren, denn Ian wusste, was noch folgen würde, würde ihnen alles abverlangen. Noch sprachen sie über die Tatsachen, noch berichteten sie. Dann würden Fragen – und vor diesen, das konnte der Mann unumwunden zugeben, fürchtete er sich wirklich.

Jetzt aber war Eowyn an der Reihe, aus ihrer Perspektive zu berichten, und während sie sprach, musste Ian sich bemühen, seine Gesichtszüge unter Kontrolle zu halten. Die Eowyn, mit der er bisher gesprochen hatte, die, die so zerbrochen schien, die überzeugt davon war, nicht mehr zu existieren, schien entweder sehr gut versteckt oder verschwunden. Selbstbewusst sprach sie davon, vor einer existenziellen Entscheidung gestanden zu haben. Der, sofort zu handeln oder den langen Weg der Verhandlungen zu gehen, der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit weitere Millionen das Leben gekostet hätte. Nichts von dem, was sie sagte, wirkte einstudiert und wenn, dann war Eowyn seit gestern zur besten Schauspielerin des Jedi-Ordens avanciert. Ian hoffte, dass all das, was sie beinahe selbstverständlich von sich gab, nicht nur Worte waren, um die Massen zu beruhigen, sondern Wahrheiten, die sie selbst fühlte. Die nicht nur ihr Verstand formulierte, sondern ihr Herz.

Sie schockierte ihn noch mehr, als die Presse schließlich die Erlaubnis bekam, Fragen zu stellen.

Während Wes klang, als führte er solche Konferenzen tagtäglich, klang Eowyn weiter weder wie die alte Eowyn noch wie die neue. Sie klang … Doch. Sie klang wie die Eowyn, die schon immer da gewesen war, die sich jedoch zu oft versteckte hinter Zweifeln und Ängsten. Sie klang aufrichtig, ehrlich, und all das half Ian immens darüber hinweg, sich nicht über die Fragen zu ärgern, die gestellt worden waren. Etwas in ihm verdrängte nahezu jedes Gefühl, denn er musste aufmerksam sein. Hören, was die Presse wissen wollte, hören, was Eowyn und Wes antworteten, und sie schlugen sich gut. Sekunden versuchte Ian so zu tun, als sei er selbst ein Unbeteiligter, gab diesen Versuch aber schnell wieder auf. Viel zu sehr nahm ihn mit, was Eowyn zu sagen hatte. Nicht zuletzt war es ein einfacher Satz, der für die Menge belanglos sein musste.

Dass ich den Mann, den ich liebe.

Ian musste blinzeln und spürte, wie sein Mundwinkel unwillkürlich zuckte. Beinahe hätte er den Rest ihrer Worte nicht mitbekommen. Den Mann, den sie liebte.

Nach zwei Infarkten, nach dieser Mission, nach zwei beinahe Toden waren diese Worte die ersten, die dafür sorgten, dass sich Ians Herz nicht weiter wund anfühlte. War der Schrittmacher wie ein Fremdkörper, glich dieses Eingeständnis einer Umarmung. Beinahe hätte der Dunkelhaarige verpasst, dass das folgende Schweigen ihm signalisierte, dass er an der Reihe war, die Fragen zu beantworten, die er vor sich noch einmal lesen konnte.

Kreel Vos hatte mehr Vorwürfe als Fragen an ihn gerichtet und dennoch, er war der erste gewesen und würde auch der erste sein, dem Ian Rede und Antwort stand.


„Ich erwarte nicht, dass die Republik mir glaubt“, war das Erste, was Ian an ihn und schließlich an alle gerichtet mit fester Stimme aussprach. „Meine Kleidung“, und er deutete auf seinen Anzug, „mag weiß sein, aber nichts davon täuscht über das hinweg, was ich bereits gesagt habe: Ich bin ein Schuldiger. Wie viele Operationen ich im Namen des Imperiums durchgeführt und wie viel Leid ich verursacht habe?“

Ians Stimme wurde fester, genau wie sein Blick, beinahe unerbittlich.

Zu viele. Ich bin jahrelang ein Sith gewesen und es ist kein rhetorisches Mittel, wenn ich abermals dazu stehe, dass ich schwerwiegende Fehler begangen habe. Was ich Ihnen allen eben gegeben habe, sind Namen und Orte, Fakten, die überprüft werden können. Wäre das, was ich sage, eine Lüge, könnte das Imperium dem einfach widersprechen. Ihre Recherchen werden ergeben, dass ich auf der Reliant und der Valkyre war. Eine Probe meiner Unterschrift wird bestätigen, genau wie mein Namensanagramm, dass Ian Dice und Acini Ed ein und dieselbe Person sind. Da, wo ich meine Worte bestätigen kann, tue ich es. Überprüfen Sie alles, was ich sage. Fragen Sie, was auch immer Sie wollen. Ich habe nichts zu verbergen und ja, Sie haben guten Grund, meine Worte in Frage zu stellen.“

Zumindest die Fakten über die Vorverhandlungen sprachen für ihn und war nicht die Tatsache, dass er damals als falscher Botschafter aufgetreten war, um in Vorverhandlungen für den Frieden zu treten, ein Beweis, dass das Imperium gelogen hatte?

Nicht nur in Ians Logik musste das Sinn ergeben – den Anwesenden konnte das nicht entgehen. Vorverhandlungen mit gefälschten Namen konnten nicht ehrlich sein.

Eigentlich war es nur noch ein Reporter, der Bothan, der eine direkte Frage an Ian formulierte, doch der ehemalige Sith wollte ausholen, musste ausholen.


„Bevor ich auf Ihre Frage zu sprechen komme, Herr Venn, muss ich etwas voranstellen.“ Ian räusperte sich leise, strich sich über den ordentlich getrimmten Bart.

„Drei Fakten waren bekannt, ehe Eowyn ihre Entscheidung getroffen hat. Erstens“, Ian hob den Daumen, „das Virus war bereits ausgebrochen und hatte Milliarden das Leben gekostet. Zweitens“, der Zeigefinger folgte, „es gab zu diesem Zeitpunkt ein zweites, noch gefährlicheres Virus. Und dann, drittens“, womit sich der Mittelfinger zu den beiden anderen gesellte, „erfuhren wir vom aktuellen Aufenthaltsort des Imperators. Ich bitte Sie, diese drei Fakten noch einmal zu bedenken.“

Ian ließ nur Sekunden verstreichen, auch, weil es ihn drängte, weiter zu sprechen und jene Dringlichkeit lag auch in seinen Worten.

„Vier Milliarden Wesen hat das Virus seit Ausbruch bis Vernichtung das Leben gekostet. Vier Milliarden.“ Aber was brachte diese abstrakte Zahl, mochte er sie noch so sehr betonen, wie klang Milliarden für eine Welt wie Coruscant, auf der Billionen lebten?

Ian schloss kurz die Augen, atmete tief durch und hob dann den Blick.


„Alderaan. Alderaan beherbergt 2 Milliarden Leben. Das bedeutet, dass Alderaan zweimal gestorben ist. Nicht einmal, zweimal. Das C-Virus hat dafür gesorgt, dass Leben in einer Größenordnung von zwei Planeten vernichtet worden sind.“

Selbst für ihn war diese Zahl noch immer unfassbar.

„Zwei Planeten.“

Für Ian war diese Zahl weit mehr als das, was sie war. Sie sprachen von Leben. Von Leben, die das Imperium, die Allegious als wertlos betrachtet hatte.

„Wissen Sie, was eine vollständige Offenlegung der Beweise, eine Untersuchung und ein politischer Druckaufbau bedeutet hätten, Herr Vos?“ Sein Blick glitt zu dem Rodianer.

„Das Virus kannte keine Zeit. Ihm waren Rang und Namen und alles andere egal. Es forderte seine Opfer und jeder Tag, der verstrich, jeder Tag mehr, hätte weitere Opfer bedeutet. Nicht zehn, nicht hundert, nicht hunderttausend, sondern Millionen. Jeden Tag. Ich … ich bin kein Virologe und kein Wissenschaftler, aber ein Virus, die Erkrankungen, nichts davon verläuft linear. Die vier Milliarden, die bisher gestorben sind – und ich rede nicht von der Dunkelziffer, die es gibt, sondern von den Fakten, die vorliegen, wären nicht die höchste Zahl gewesen. Es wären mehr dahingerafft worden. Ich meine, noch mehr. Linear allein 11 Millionen am Tag. Aber die Zahl der Toten wäre exponentiell gewachsen. Das heißt nicht konstant gleich viele. Sondern immer mehr, da ein Wesen nicht nur eines ansteckt. Und zwei nicht nur zwei weitere.“

Ian spürte die Verzweiflung in seiner Erklärung und atmete abermals tief durch.

„Die Republik und die Jedi kennen Diplomatie. Aber ein Virus kennt sie nicht und lassen Sie mich eines versichern: Allegious kannte sie auch nicht. Während einer Verhandlung hätte das Virus nicht pausiert und Allegious? Zeit, die er damit gehabt hätte, hätte er genutzt. Um weiter zu vernichten. Vollumfänglich. Ich bin auf Kast nicht dabei gewesen, ich konnte nichts zu Kast sagen, weil ich zwei Herzinfarkt erlitten habe, aber Kast war unumgänglich.“

Noch immer hatte er die Frage des Bothan nicht beantwortet.

„Ich kann Ihre Fragen nicht zur Zufriedenheit beantworten, Herr Venn“, riss er sich von dem anderen Reporter los. „Die erste Variante, die Allegious mir vorstellte, ließ er vor uns auf der Stelle zerbersten. Eine schlafende Version. Es ist unwahrscheinlich, dass andere Ampullen bestehen und selbst wenn: Durch die Zerstörung des Virus sollte jede Ampulle, die noch existieren könnte, ihre Wirkung verloren haben. Es ist … nun … als hätte man den Wirt zerstört.“

Das musste in den Ohren der anderen absurd klingen, aber wie erklärte man ein Virus, das mit der Macht manipuliert worden war? Eigentlich war Ian gut darin, Metaphern zu nutzen, aber hier?

„Allegious ist tot und er war der Wirt, die dunkle Seite zusätzliche Parasiten. Das Virus verschwand mit seinem Tod und das deutet sehr sicher darauf hin, dass das Virus komplett zerstört ist.
Das Virus war kein gewöhnlicher Krankheitserreger. Allegious hatte genetisches Material mit der dunklen Seite der Macht verbunden, eine Symbiose. Der biologische Teil konnte sich verbreiten, aber der Kern, der das Ganze zusammenhielt, war an ihn gebunden. Als er starb, brach diese Verbindung zusammen.“


Was die zweite Frage betraf, Ian schüttelte den Kopf.

„Ich wünschte, ich könnte auch Ihre zweite Frage zufriedenstellend beantworten. Bisher sind keine Langzeitfolgen bekannt, aber seien wir ehrlich: Sie sind nicht auszuschließen. Die meisten Infizierten sind gestorben und diejenigen, die geheilt wurden, sind bis jetzt gesund. Was die Zukunft bringt, kann ich Ihnen nicht sagen.“

Zumal Ian bereits erwähnt hatte, weder Virologe noch Wissenschaftler zu sein.
Ian spürte die alte Müdigkeit anklopfen, aber da war noch etwas und so wandte er sich an die Twi’lek.

„Eine Republik wird nicht nur durch äußere Feinde gefährdet, das stimmt. Aber sie wird auch gefährdet, wenn zu lange gewartet wird und sie wird gefährdet, wenn wir die falschen Verantwortlichen suchen. Nicht der Rat, nicht Eowyn hat das Virus erschaffen. Sondern Wesen wie Allegious. Damit ist er verantwortlich.“ Er sah nun direkt zu ihr, ehe er laut hinzufügte, was er bereits gesagt hatte: „Und verantwortlich sind Menschen wie ich, die diesem System zu lange gedient haben.“

Coruscant - Jedi-Tempel - großer Pressesaal, u.a. mit Wes, Eowyn und Rornan (NPC), Malek, Presse
 
Coruscant – Jedi-Tempel – Krankenstation – mit Elise

Da war ein beinahe weinerlicher Unterton in der Stimme des Chiss, hatte sich eingeschlichen, und es war unmöglich, ihn zu entfernen. Mit zu vielen Muskeln ließ sich eine Pinzette nur schwer bedienen. So war das. Unpassender Vergleich? Vielleicht. Aber nicht für Riuen, der normalerweise nur dann mit belegter Stimme sprach, wenn er krank war. Wobei – krank vor Sorge war er. Oh ja, mehr als das. Denn der Chiss sah, wie Elise noch immer kämpfte, wie sehr der Weg von Bett zu Tür zu Bett sie angestrengt hatte. Zuzusehen, wie jemand litt, für den man etwas empfand, war noch nie seine Stärke gewesen. Allzu oft hatte Riuen sogar kopflos gehandelt, wenn er unbedingt hatte helfen wollen.Hier und jetzt war das, was unbedingt helfen wollte, noch größer als er selbst. Aber hier und jetzt war auch klar, dass er mit absoluter Vorsicht handeln musste.

Sie war wach. Elise stellte es selbst noch einmal fest, und Riuen verzog das Gesicht, denn hätte er sie nicht neben sich gesehen, mit geöffneten Augen, hätte er felsenfest behauptet, dass sie in einem Traum sprach. Aus seinem. Aus ihrem. Aus einer anderen Realität. Sie war wach und er war bei ihr – aber sie war wie eine Traumwandlerin, und ein Teil des Chiss war längst auf dem Weg nach Thearterra.

Ankommen? Elise wollte, dass er hier bei ihr ankam? Riuen schüttelte unmerklich den Kopf, denn Elise wusste nicht, was es bedeutete, wenn er wirklich hier, bei ihr, ankam. Dabei machte sie es ihm beinahe unmöglich, sich gegen das Ankommen zu wehren, vor allem, als sie ihn erneut berührte, ihre Hand auf seinen Unterarm legte. Intensiver aber als diese Berührung war der Klang ihrer Worte. Ihre Frequenz war die seines Herzens – und wie absurd, wie unerträglich war es, in solch übertriebenen, romantisierten Worten zu denken, zu fühlen? Das war es auch, was ihn nicht ankommen lassen wollte. Ankommen, hier bei ihr, bedeutete noch mehr zu fühlen. Mehr Angst. Und so sehr Riuen Angst und Abenteuer liebte – er hasste gerade beides abgrundtief.

Riuen erwiderte nicht, dass auch er sich freute, bei ihr zu sein, denn diese halbe Wahrheit wäre eine Lüge gewesen. Natürlich freute er sich, neben all seiner Furcht. Diese aber war es, die ihn trieb, und mit ihr die Hoffnung, etwas tun zu können, das dafür sorgte, dass sie beide wirklich hier waren. Der Chiss wollte nicht, dass Elise ihre letzten Kraftreserven aufbrauchte, um mit ihm zu sprechen, wollte nicht, dass sie kämpfte, um überhaupt sitzen zu können. Der Albtraum, in dem sie war, war real. Sichtbar. Und ein Traum der Realität war für jeden Verstand eine Überdosis.

Ihr Nein zu seinem Plan, nach Thearterra zu reisen, war nicht schneidend gekommen und doch eindringlich genug. Bloß konnte der Chiss darauf kaum Rücksicht nehmen. Dass es dort mehr als gefährlich war, lag nicht nur auf der Hand. Elise saß als lebender Beweis neben ihm. Sie war von etwas infiziert, das in ihr wohnte; das war in jedem Fall mehr als gefährlich. Eine Präsenz, die die natürliche Ordnung aufgerissen und offen zurückgelassen hatte. Eine Beschreibung, die perfekt zu dem passte, was auch Riuen spürte.

Bis vor wenigen Minuten hatte Elise im Koma gelegen. Sie war einfach umgefallen, als er mit ihr im Garten gesprochen hatte. Sie hatten einfach gesprochen. Da war alles natürlich und in Ordnung gewesen. Und dann? Dann hatte Elise zu zucken begonnen, und niemand, kein Arzt, kein Heiler, kein Dummschwätzer, hatte helfen können.

Ja, der Riss, den diese Präsenz geschaffen hatte, war sichtbar und voller scharfer Kanten. Eine davon schnitt ihm ins Fleisch, tiefer, als es dem Chiss lieb war. Elise musste nicht sagen, dass sie beinahe gestorben war, denn er wusste es auch so, weil er es sehen und spüren konnte. Sie war nicht nur ein Schatten ihrer selbst, sondern auch ein Echo. Was da auf diesem von der Macht verfluchten Planeten geschehen sein musste, hallte bis hierher nach, haftete ihr an.

Wo war Markus, dieser Scheißkerl?

Der Gedanke an ihn hielt Riuens letzte Barriere – doch sie brach, als Elise erklärte, dass er eine Armee benötigte. Eine, die er niemals aufstellen konnte.


„Da draußen tobt ein Krieg, Elise. Ich habe… ich habe keine Armee zur Verfügung“, brach Verzweiflung durch Riuens Stimme. „Ich habe nur einen Anwärter und meinen Größenwahn, mehr ist da nicht. Aber damit werde ich ein Team aufstellen.“

Jetzt waren da ein paar Tränen, die Riuen widerwillig beiseiteschob, so wie er Elises Widerspruch beiseiteschieben wollte.

„Du bist unfair“, sagte er dann, und obwohl er bestimmt klingen wollte, klang er sanft. „Du weißt, dass ich Angst habe, dich zu verlieren. Aber schau – deswegen will ich ein Team. Nicht alleine dahin. Ein Team ist keine Armee, aber es ist eine Chance. Sag mir, wen ich mitnehmen soll. Ich überzeuge ihn. Und wir verlieren niemanden.“

Draen hatte er schon überzeugt, und es würden sich noch weitere finden lassen. Vielleicht nur zwei oder drei, aber das war definitiv besser als nichts, oder? Kein oder.

Dann zeichnete sich ein winziges Lächeln auf Elises Mundwinkeln ab, ein Anflug davon. Ihre Worte schmeichelten ihm nicht.


„Wenn ich offiziell ein Ritter bin, habe ich mehr Chancen, Elise. Was ich zwischen den Zeilen bin, spielt keine Rolle. Mein Größenwahn wirkt ansteckender, wenn ein Titel davorsteht. So funktioniert die Galaxis.“

Ein bisschen aufblasen reichte eben nicht. Damit ließ sich nicht so gut täuschen. Rang und Titel als Zusatz? Viel, viel besser.

Und während der Chiss noch immer versuchte, seine Tränen zurückzuhalten, bahnten sich Elises ihren Weg.


„Ich schäme mich nicht. Ich habe Angst. Das ist etwas anderes“, gab Riuen zu und sah Elise an.

Was ihn davon abhielt, ihre Tränen mit seinem Daumen wegzuwischen, war hingegen etwas anderes. Sie war noch immer seine Meisterin. Da war noch immer dieser Scheißkerl. Und ja, da war noch immer das, was nicht ganz bei Elise sein durfte.

Und dann war da noch die Tatsache, dass Riuen sich an nahezu keine Regeln hielt. Aber eine, die ihm heilig war, war die, niemals eine Situation auszunutzen, in der eine andere Person – aus welchen Gründen auch immer – weniger sie selbst war als sonst.


„Du musst nicht denken“, sagte er dann und lächelte nun seinerseits das erste Mal. „Ich bin hier und ich verspreche dir, nichts Dummes zu tun. Zusammen. Versprochen.“

Er zögerte einen Moment.

„Ich würde dir gerne helfen. Jetzt. Ich sehe, dass du müde bist. Soll… willst du dich legen? Ich kann bleiben, bis du eingeschlafen bist.“
Coruscant – Jedi-Tempel – Krankenstation – mit Elise
 
Coruscant | Jeditempel | Zimmer - Eriu



Eriu war gerade aus der Kantine gekommen, es hatte ein sehr leckeres Gemüseragout gegeben, als es an der Tür klopfte. Er erwartete niemanden, hatte er etwa eine Verabredung oder Termin vergessen? Nein, das war er sich sicher. Aber egal, er hatte auch nichts weiter vor und die Bibliothek konnte warten. Er ging zu Tur und öffnete. Die rote Twi’lek, die dort mit einem Lächeln stand, hatte er noch nie gesehen.

„Suilannad.“

Begrüsste er sie freundlich und nickte bei der Frage nach seinem Namen.

„Sehr gerne Meisterin Donp, bitte, setzte Euch doch. Wie komme ich zu der Ehre Eures Besuches?“

Mya kam direkt zum Punkt und Eriu war etwas verblüfft.

Es ehr mich, dass Sie und Rat Janson zu diesem Schluss gekommen sind. Mir ist bewusst, das meine Meisterin Rätin Horn sich auf unbestimmte Zeit nicht mehr um meine Ausbildung kümmern kann. Mein Volk ist sehr langlebig und daher hatte ich vor zu warten, bis Sie wieder zurückgekehrt ist. Ich hoffe es gibt dahingehend keine schlechten Neuigkeiten?“

fragte er interessiert nach.

„Zudem ist es mir bewusst, welche große Ehre es bereits war, von Rätin Horn ausgewählt zu werden, aber darf ich nachfragen, warum sie die Formulierung - von einem anderen Rat - ausgewählt haben, und nicht ein anderer Meister in Frage kommt. Sicher bin ich nicht so außergewöhnlich.

Rat Janson ist meines Wissens Ermittler, ich habe mich noch nicht wirklich festgelegt, da sich mir meine Begabung noch nicht eröffnet hat. Woraus schließen Sie daher, dass es die Schwerpunkte passen?“


Einiges an den Formulierungen der Twi’lek passte nicht ganz, auch wenn Eriu sich der Ehre der Anfrage überhaupt sehr bewusst war. Er musterte die Lethan neugierig und war gespannt auf die Antworten. Abgeneigt war er nicht wirklich, aber auch nicht gezwungen zuzustimmen.



Coruscant | Jeditempel | Zimmer – Eriu, Mya Donp
 
Coruscant - Jedi Tempel - Großer Pressesaal - Wes, Ian, Eowyn, Rornan, Malek, Wächter, Schatten, Journalisten

Rornan nickte Ian nach dessen ausführlichen Erklärungen zu und wandte sich dann an den letzten der Reporter, H-7. Er hatte Fragen zum Krieg gestellt, und bisher hatte keiner der eigentlichen drei Akteure darauf reagiert - verständlicherweise, denn das meiste zu diesem Thema war für den Orden eine Kiste voller Mysterien. Sie hatten schlicht keine Ahnung, aber er konnte dies so nicht weitergeben. Die Beziehungen zwischen Senat und Jedi-Orden mochten gespannt sein, aber nach außen hin mussten sie halbwegs stabil wirken. Es wäre eine Katastrophe, würde das Imperium Wind davon bekommen, dass der Orden aktuell völlig ahnungslos blieb.

"Nun", sagte Rornan und faltete seine langfingrigen Hände auf dem Tisch, "was den Krieg angeht, so kann ich leider keine Fragen beantworten, so Leid es mir tut. Der Jedi-Orden ist bis zum jetzigen Moment nicht eingebunden in die Pläne des Kanzlers, aus den naheliegenden Gründen der Geheimhaltung, auch der Senat war ja nicht involviert. Selbstverständlich sind wir offen für die Zusammenarbeit und ich bin mir recht sicher, dass die Gespräche dazu bald beginnen werden, doch bisher kann ich dazu keine Auskunft erteilen.
Welche Regeln dann im Falle des Eingreifens des Jedi-Ordens bestehen werden, kann ich ebenfalls zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beurteilen. Darüber wird der Rat im Ganzen noch sprechen, doch wie schon in den vorangegangenen Konflikten werden wir natürlich wieder in Kooperation mit dem Militär und dem Geheimdienst arbeiten und uns auch deren Regeln zum Teil anpassen, so weit es unser Kodex zulässt. Weitere Anfragen zu diesem Thema gerne schriftlich, sobald die Lage sondiert worden ist, oder auch an das Büro des Kanzlers."


Das alles lief doch gar nicht so schlecht. Wes schlug sich wie gedacht äußerst souverän, Ian Dice war alleine schon durch seine Anwesenheit ein enormer Pluspunkt, aber auch er hatte durch seine offene Art sicher ein paar Leute überzeugen können. Und Eowyn... auch von ihr war Rornan, zugegeben, positiv überrascht. Sie war die wackeligste Kandidatin gewesen, durch ihr Trauma noch immer völlig uneinschätzbar, aber bisher hatte sie sich gut gehalten. Vielleicht hatte er sie unterschätzt.
Er war zu Beginn nicht ganz glücklich gewesen, als Murrrar ihm von Dices Plan berichtet hatte, schlicht, weil er den Mann nicht gut genug einschätzen konnte, aber der Wookiee hatte ihn beruhigt, und jetzt verstand er auch, wieso er so optimistisch gewesen war. Eigentlich hatte er vorgehabt, das hier alleine zu bestreiten, aber in dieser Konstellation wirkte alles doch wesentlich authentischer, offener und transparenter. Und außerdem war es einmal eine interessante Erfahrung, nicht selbst im Mittelpunkt zu stehen.


"Weitere Fragen? Folgefragen?"

Vermutlich würde er noch diese eine Runde zulassen und die Konferenz dann schließen, je nachdem, wie diese Runde lief. Es waren noch lange nicht alle Fragen beantwortet und würden es auch später nicht sein, aber sie durften das alles nicht überstrapazieren. Außerdem war Wes vor kurzem erst angekommen und Dice und El'mireth alles andere als gesund und fit. Ganz davon abgesehen, dass die Journalisten schon jetzt eimerweise Material haben dürften, um ellenlange Artikel zu schreiben. Bevor das hier also irgendwie ausartete...

Coruscant - Jedi Tempel - Großer Pressesaal - Wes, Ian, Eowyn, Rornan, Malek, Wächter, Schatten, Journalisten
 
Kernwelten Corusca-Sektor Coruscant Senatsdistrikt Jedi-Tempel Meditationsraum Sarina Thorne und Draen Tel'Set

Draen sah Sarina aufmerksam an, als ihm bewusstwurde, dass sie Heimat auf eine Weise sah, die anders war als seine eigenen Vorstellungen. Er nickte nachdenklich, als er ihre Worte hörte. „Vielleicht hast du recht“, sagte er ruhig. „Familie und Heimat sind nicht immer an einen Ort gebunden. Manchmal ist es das, was man in sich trägt, die Verbindung zu den Individuen, die einem wichtig sind. Und wenn du dich hier Zuhause fühlst, dann ist das das Wichtigste. Jeder hat seine eigene Art, seinen Platz zu finden.“

Der Tirahnner lehnte sich zurück, doch seine Gedanken wanderten unaufhörlich. Tirahnn, sein Heimatplanet, war immer ein Teil von ihm gewesen, tief verwurzelt in seiner Seele. Die Vorstellung, ihn vorerst verlassen zu müssen, schmerzte. Bisher hatte er stets den Kontakt zu seiner Familie gehalten, hatte seine Eltern regelmäßig gesehen und hatte das Gefühl, verbunden zu bleiben. Dabei entspracher sogar der innerfamiliären Anomalie, nicht primär innerhalb des Familienunternehmens beschäftigt zu sein. Doch jetzt, würde sich alles verändern, wenn er hier anfing. Er spürte eine leise Unsicherheit. Würde die Verbindung zu seiner Familie noch genauso stark bleiben, wenn er auf Coruscant bliebe? Würde die Entfernung und die Zeit die Bande zu seiner Familie allmählich lockern? Ein Gefühl von Wehmut und gleichzeitig Akzeptanz breitete sich in ihm aus, während er darüber nachdachte, wie viel von ihm selbst und seiner Identität noch an Tirahnn gebunden war – und wie viel er hier, in der neuen Umgebung, zu finden hoffte. Doch er wusste, dass es notwendig war. So hatte er es beschlossen. Es konnte lange dauern bis er wieder zurückkehren konnte, und ob die Verbindung zu seiner Heimat jemals ganz abreißen würde, stand in den Sternen.

Draen überlegte einen Moment, bevor er antwortete. Er blickte nachdenklich auf den Boden.
„Natürlich ist es nicht einfach, an meinen Heimatplaneten Tirahnn zu denken, besonders wenn ich hierbleiben sollte und vielleicht erst mal länger fernbleibe. Tirahnn ist ein Teil von mir, und ich werde ihn immer in mir tragen. Doch manchmal muss man neue Wege gehen, um Neues zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Vielleicht dauert es eine Weile, bis ich wieder zurückkehre, aber das heißt nicht, dass ich Tirahnn je vergessen werde.“ Er lauschte Sarinas Ausführungen zum Jedi-Tempel mit einer Mischung aus Interesse und Nachdenklichkeit. Die lockere Art, mit der sie das komplexe Leben im Tempel beschrieb, stand im starken Kontrast zu den strengen Vorstellungen, die er bislang im Kopf gehabt hatte. Das Thema des Meisterwechsels schien ihm besonders nachvollziehbar, auch wenn es für ihn eine ungewohnte Perspektive war – die Idee, dass nicht alles perfekt laufen musste und es Raum für Lernprozesse gab, öffnete neue Gedankengänge. Seit Kindheitstagen war er aus Erzählungen mit den grundlegenden Prinzipien vertraut, doch die Realität des Tempellebens schien viel vielschichtiger zu sein, als er bisher angenommen hatte. Dieser Einblick verstärkte seine Neugier, aber auch seine Anerkennung für die Komplexität des Weges, den er möglicherweise vor sich hatte.

„Das macht Sinn. Es klingt, als ob Flexibilität und Geduld hier wirklich wichtig sind. Ich schätze, es ist nicht nur eine Frage des Könnens, sondern auch des richtigen Moments und der passenden Verbindung. Für mich ist es interessant, zu sehen, wie viel mehr hinter dem ganzen System steckt, als ich bisher gedacht habe. Allerdings muss ich zugeben, dass ich mich gegenwärtig etwas überfordert fühle. Die Vielzahl an Anforderungen ist überwältigend. Hinsichtlich meiner Fähigkeit hoffe ich, den Erwartungen gerecht zu werden. Sofern… ich hier wirklich hingehöre.“

Draen senkte nachdenklich den Blick, während er seine Worte sacken ließ. Es war gleichermaßen absurd, sich so tief in die Nuancen und Bedingungen zu vertiefen, als ob er durch diese Überlegungen Kontrolle über das Ergebnis gewinnen könnte. Der Test war noch in Auswertung, eine ungewisse Schwelle zwischen Hoffnung und Enttäuschung. Was wäre, wenn er doch negativ ausfiel? Diese Frage schwebte schwer in seinem Geist, unausgesprochen, doch unausweichlich präsent. Die Unsicherheit wiegte schwer auf ihm, und dennoch wusste er, dass keine noch so tiefgründige Analyse ihm die Antwort liefern konnte. Es war ein paradoxes Gefühl: sich Gedanken über eine Zukunft zu machen, die außerhalb seiner Hand lag, jedoch in wenigen Momenten geebnet würde.

Seine Gedanken brachen ab, fanden erneut Tirahnn, als Sarina auf seine Aussage zu Kaff und Tee antwortete. Draen lächelte kurz. Er hatte die Erkenntnis, dass er Tirahnn nie wirklich verlassen würde. Ein Teil würde immer mit ihm sein. Tirahnn war immer bei ihm.
„Weißt du, Tee ist auf Tirahnn viel mehr als nur ein Getränk. Es ist eine Kunst, eine Zeremonie. In den speziellen Teehäusern dort, nehmen die Gäste sich Zeit, um den Moment zu genießen. Es geht um Ruhe, Achtsamkeit und den Austausch von Gedanken. Die Rituale sind fein abgestimmt, fast meditativ. Für uns ist das Teetrinken eine Verbindung zu unseren alten Bräuchen, zur Seele unseres Planeten. Wenn du möchtest, kann ich dich bei Zeiten damit vertraut machen.“

Im weiteren Verlauf ging Sarina dann auf seine Fragen zum Leben im Tempel ein. Draen lauschte Sarinas Ausführungen geduldig, während sie die komplexen Herausforderungen des Tempellebens und die Vielfalt der zu erlernenden Fähigkeiten innerhalb des Jedi-Ordens darlegte. Nach einer kurzen Pause, in der er die Worte sacken ließ, nickte er langsam.
„Vielen Dank, Sarina, für diese ausführliche Erklärung. Ich wiederhole mich, aber es ist beeindruckend, nun aus nächster Nähe zu erfahren, wie viel Flexibilität und Verständnis in diesem System besteht. Was mich besonders beeindruckt, ist der Aspekt, dass es unterschiedliche Spezialgebiete gibt, ähnlich wie in der Medizin. Das zeigt, dass jeder eine Rolle spielt, egal wie groß die eigenen Schwächen sind. Es ist fast eine Art Balanceakt, bei dem die Akzeptanz der eigenen Grenzen ebenso wichtig ist wie die Weiterentwicklung. Es zeugt von Bereitschaft, mit den eigenen Grenzen zu arbeiten und die Aufgaben anzuerkennen, die man annehmen und bewältigen kann.“

Der Mediziner erinnerte sich daran, wie er selbst in seinem Leben als Mediziner stets mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert war. Es war eine ständige Gratwanderung zwischen den eigenen Fähigkeiten und den Bedürfnissen der Patienten. Manchmal hatte er akzeptieren müssen, dass er bestimmte Eingriffe oder Diagnosen nicht hatte durchführen können, und in solchen Momenten war es wichtig gewesen, die Verantwortung an Spezialisten weiterzugeben, um das Beste für den Patienten zu gewährleisten. Er dachte darüber nach, wie viel Geduld und Demut es erfordert hatte, die eigenen Grenzen anzuerkennen, ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren, Patienten zu helfen. Es hatte immer wieder Situationen gegeben, in denen er sich gefragt hatte, ob er genug wusste oder ob er bereit genug war, in kritischen Momenten die richtigen Entscheidungen zu treffen. Trotzdem war die Bereitschaft geblieben, sich ständig weiterzubilden, und die Akzeptanz, dass man nicht alles perfekt beherrschen konnte, ein zentraler Bestandteil seines Berufs.

Draen nickte nachdenklich, als Sarina im Verlauf die Herausforderungen im Umgang mit moralischen Konflikten schilderte.
„Das, was du beschreibst, klingt wirklich äußerst komplex und muss eine besondere Sensibilität erfordern. Es muss eine große Herausforderung sein, die Balance zwischen den Prinzipien des Kodex und den persönlichen Überzeugungen zu bewahren. Besonders, wenn es um Situationen geht, in denen das Richtige schwer zu definieren ist oder widersprüchliche Verpflichtungen bestehen.“

Er atmete tief durch, seine Miene wurde nachdenklich.
„Und dann ist da noch... die Dunkle Seite der Macht, das stimmt. Das ist eine ganz andere Dimension.“

Der Jedi-Kodex war ihm vertraut und auch hatte er von den Versuchungen gelesen, die die Dunkle Seite der Macht mit sich brachte – die Verlockung, Macht zu missbrauchen, um vermeintlich das Richtige zu tun, nur um dann selbst in den Strudel der Korrumption zu geraten. Die Geschichten der Jedi, die an der Dunklen Seite zerbrochen waren, waren ihm bekannt. Sie handelten von Machtgier, von Verlust der Menschlichkeit, von der Verlockung, alles für das eigene Ziel zu opfern. Diese Gefahr war allgegenwärtig, besonders in Situationen, in denen moralische Überzeugungen auf die Probe gestellt wurden. Die Dunkle Seite war in solchen Momenten oft nicht sofort sichtbar, sondern hatte sich schleichend eingeschlichen, wenn man auch nur einen kleinen Schritt in ihre Richtung machte. Eine beängstigende Vorstellung, wie er fand.

Der Tirahnner sah die Jedi gedankenvoll. Nach einer kurzen Pause formulierte er seine Frage vorsichtig, doch mit ernstem Tonfall. Er wollte wissen, wie sie persönlich mit der ständigen Gefahr umging, der Dunklen Seite zu verfallen, und ob sie jemals Zweifel hatte, stark genug zu bleiben. Seine Stimme war leise, aber eindringlich.

Sarina, hast du jemals das Gefühl gehabt, dass die Dunkle Seite in dir selbst Fuß fassen könnte? Hattest du schon mal solche Gedanken?“

Kernwelten Corusca-Sektor Coruscant Senatsdistrikt Jedi-Tempel Meditationsraum Sarina Thorne und Draen Tel'Set
 
(Mya Donp)

Coruscant – Jedi-Tempel – Erius Padawanquartier – Eriu und Mya

»Ich grüße Euch ebenfalls,«


Erwiderte Mya, die als Kind aus gutem Hause eine hervorragende Bildung genossen hatte und den Gruß des Sephi daher sehr wohl als solchen verstand. Das durfte man ja auch dann und wann zeigen, auch als Jedi. Eriu bat sie herein, bot ihr einen Sitzplatz an und fragte nach dem Anlass. Diesen gab die Twi'lek äußerst effizient preis, was den Padawan erst einmal sichtlich verblüffte. Eindeutig hatte er nicht mit dergleichem gerechnet. Hatte Rätin Horn ihn etwa nicht über die voraussichtliche Dauer ihrer Mission in Kenntnis gesetzt? Sicherlich hatte Eriu doch nicht gedacht, dass der Orden ihn über eine so lange Zeit hinweg im eigenen Saft schmoren lassen würde.

Tatsächlich wusste der junge Mann – okay, Mya war klar, dass dieser trotz seines jugendlichen Aussehens deutlich älter war als sie – über die Mission seiner Noch-Meisterin Bescheid, hätte deren Rückkehr aber einfach abgewartet. Mya runzelte die Stirn. Es gab immer wieder einmal Vorurteile über langlebige Spezies und deren angebliche Neigung, ein wenig pflegmatisch zu sein. Außerdem wusste sie nicht genau, inwiefern Eriu sich aus eigenem Antrieb bei den vielfältigen Aufgaben des Ordens, etwa während der Viruskrise eingebracht hatte, aber einfach Sarids Rückkehr abzuwarten erschien ihr schon etwas… extrem.


»Nein, es gibt keine schlechten Neuigkeiten. Genaugenommen überhaupt keine Neuigkeiten, doch aufgrund der Natur der Mission ist das auch so zu erwarten. Keine Nachrichten sind gute Nachrichten, hier auf jeden Fall,«

Entgegnete Mya und schüttelte den Kopf. Dass Wes noch nichts von seinem Glück wusste, hatte Eriu ja nicht zu interessieren. Er hatte den Schluss von selbst gezogen, also hatte sie ihn auch nicht angelogen – gut. Im weiteren Verlauf sagte der Padawan, dass ihm die Ehre, Padawan eines Rates zu sein, wohl bewusst war – vielleicht bewusster als Voye, die sich das so sehr wünschte und ohne die sie jetzt nicht hier wäre. Mya gab der Schreckschraube die Schuld, dass sie sich ein wenig verplappert hatte. Eriu hatte das genau registriert und wollte wissen, wieso nur ein anderer Rat als Meister in Frage käme. Die Lethan fand, dass er damit die Antwort auf seine Folgefrage bereits vorwegnahm – wenn sich so einer nicht als Jedi-Ermittler eignete, wer dann?

»Mein Boss, wäre er hier, würde Euren Faden jetzt aufnehmen, weit ausholen und Euch ausführlich erklären, warum das genau so sein muss. Ich hingegen bin keine Frau vieler Worte, habe aber den Eindruck, ihr beide wärt wie füreinander gemacht,«

Erklärte Mya, während sie noch überlegte, wie sie sich aus der Nummer wieder rauswand. Ein Meister anstatt Rat Janson kam schließlich genau deshalb nicht in Frage, weil sie wen brauchte, der den Padawanplatz bei ihm anstatt Voye besetzen konnte. Nur sagen konnte sie ihm das natürlich nicht, sonst würde er sich wie ein Lückenbüßer vorkommen und wer wollte das schon. Außerdem passten die beiden Myas Eindruck nach wirklich gut zusammen.

»War Rätin Horn angeht… Eure Loyalität ehrt Euch und angesichts der Tatsache, was für eine legendäre Jedi sie ist, ist das auch verständlich. Ihr seid Sephi, Ihr mögt alle Zeit der Galaxis haben, aber… niemand vermag mit Gewissheit zu sagen, wann die Rätin zurückkehren wird. Oder ob sie nicht sogar bleibt und eine ganz neue Linie von Jedi begründet. Aber der Jedi-Orden kann nicht so lange warten. Natürlich schmeißen wir niemanden raus, aber euch einfach hier sitzen und warten zu lassen, während da draußen ein neuer Krieg ausbricht, ist eine Verschwendung Eures Talents.«

Die Twi'lek hatte die Akten gelesen und wusste über Eriu Bescheid.

»Ich weiß, dass Ihr eine Laufbahn beim Militär abgelehnt habt. Rat Janson ist ein Jedi, der Gewalt nur als letztes Mittel in Erwägung zieht. Er kennt und lehrt viele Wege, Konflikte waffenlos beizulegen. Ihr habt einen höheren Bildungsabschluss, Eure Mutter war Biologin und Ihr seid selbst der Wissenschaft zugewandt? Das würde definitiv zu den Ermittlern passen. Obwohl er keiner ist, ähnelt er der klassischen Schule der corellianischen Jedi, wie Rätin Horn sie vertritt, und wenn ich nicht völlig falsch informiert bin, hat er auch bei ihr angefangen. Es wäre eine gute Kontinuitität in eurer Ausbildung, vielleicht sogar noch ein wenig besser auf euch abgestimmt als Ihr es gewohnt wart,«

Schloss Mya, die eigentlich gute Lust gehabt hätte, Eriu einfach zu zwingen, Wes' Padawan zu werden. Leute überreden zu müssen dauerte so lange. In der Zeit hätte sie bereits wieder einen ganzen Stapel Mails sortiert gehabt.

»Das wären also vier gute Gründe, warum Ihr Rat Jansons Padawan werden sollt. Reicht das?«

Dass sie nicht beantwortet hatte, warum nicht auch ein Nicht-Rat als Meister in Frage käme, hatte er hoffentlich nicht gemerkt.

Coruscant – Jedi-Tempel – Erius Padawanquartier – Eriu und Mya
 
[ Kernwelten / Corusca-Sektor / Coruscant / Jedi-Tempel / Vor den Trainingsräumen ] Arlen und Faith

Nach dem kurzen Gespräch mit Faith machte Arlen sich auf den Weg tiefer hinab in den Tempel, hin zu den Padawanquartieren. Tha’klen hatte auf eine Comnachricht geantwortet, dass hen dort grade meditierte und zugestimmt auf Arlen zu warten. Bei dier Verpine:n angekommen kniete Arlen sich zunächst einfach neben hen und genoss den gemeinsamen Moment. Auf dem Weg erst zu Faith und dann zu Tha’klen, hatte er sich immer wieder durch den Kopf gehen lassen, wie er das Gespräch beginnen konnte. Doch wenn er ehrlich war, fehlten ihm noch immer die richtigen Worte. Er hatte Rat Elliundi darum gebeten hem die Neuigkeiten selbst überbringen zu dürfen, doch was sagte man in einer solchen Situation?

So oder so genoss er den Moment gemeinsamer Ruhe mit seiner noch-Padawan. Für sicher eine Stunde knieten sie einfach nur wortlos in dem kleinen Meditationsraum nebeneinander und spürten die Macht um sich herum. Die Verbindung zwischen ihnen war nach den Monaten auf Kelada unverkennbar und würde sich auch auf Willen des Rates nicht einfach so unterbrechen lassen. Doch würde Arlen wohl oder übel sein Bestes tun müssen.


„Tha‘klen…“

, begann Arlen schließlich, als er die Stille zwischen ihnen nicht mehr ertragen konnte.

„Ich war eben beim Rat…und habe schlechte Neuigkeiten.“

Er zögerte, während alle im Vorhinein zurechtgelegten Satzfragmente in seinem Geist schmolzen wie Schnee im Frühling. Mit einem tiefen Atemzug besann er sich auf Rat Elliundis Worte und den Kodex. Erst dann fuhr er fort:

„Ich habe auf Kelada Fehler gemacht. Fehler, die euch Padawane in Gefahr und den Jedi-Orden in Verruf gebracht haben.“

Er schluckte.

„Auf uns alle wurden hohe Kopfgelder ausgesetzt und zu sagen, dass der Rat mit meiner Leistung unzufrieden ist, wäre untertrieben. Es gibt eine Konsequenz, die auch dich betrifft. Rat Elliundi hat entschieden, dass es am besten wäre, wenn ich mittelfristig keine Padawane ausbilde, damit ich mich wieder auf mich selbst und den Kodex besinnen kann.“

Zum ersten Mal sah er Tha’klen direkt in die großen Facettenaugen.

„Das bedeutet, dass der Rat dich mir als Padawan entzieht. Er hat versprochen dich schnell einem neuen Meister zuzuweisen, jedoch noch keine Details genannt. Wir dürfen unsere Freizeit miteinander verbringen, aber ich kann deine Ausbildung ab diesem Punkt nicht fortsetzen.“

Soweit die schweren Neuigkeiten, die überbracht werden mussten. Doch Arlen war noch nicht fertig:

„Tha’klen, du warst mir eine außergewöhnliche Padawan. Die Macht hat dich zu mir geführt, als mein Weg auf Kelada am dunkelsten war. Du hast mit der Befreiung Faiths geholfen und standest an so vielen Tagen treu an meiner Seite. Ich hatte Angst dich an die Sith zu verlieren, aber die Wahrheit ist, dass es du warst, dien mich am Ende gerettet hat. Ich danke dir für alles und egal wohin dich dein Pfad auch führen wird, du kannst dich immer darauf verlassen einen Freund in mir zu haben.“

Entgegen Arlens Willen, traten ihm bei diesen Worten Tränen in die Augen und nach einem Moment des Zögerns schloss er dier Verpine in die Arme.

„Möge die Macht mit dir sein.“

, sagte er gepresst, während er Tha’klens dünnen Insektenkörper so fest er konnte an sich drückte.


[ Kernwelten / Corusca-Sektor / Coruscant / Jedi-Tempel / Nahe der Padawanquartiere / Meditationsraum ] Arlen und Tha'klen
 
[ Kernwelten / Corusca-Sektor / Coruscant / Jedi-Tempel ] Arlen

Die nächsten Tage vergingen langsamer als Arlen sich dies gewünscht hätte. Wie Rat Elliundi es implizit empfohlen hatte, verbrachte er seine Zeit in erster Linie mit Meditation und Reflexion über seine Taten auf Kelada und darüber, wie er sich mit ihnen fühlte. Es war keine angenehme Aufgabe und doch sah er ihre Notwendigkeit ein. Während der Mission hatte er nie wirklich Zeit gehabt auszuruhen und über seine Situation nachzudenken. Und so war es nun um so wichtiger dies jetzt zu tun.

Was war also seine vorläufige Antwort auf Elliundis Frage? Bedauerte er alle Leben, die er auf Kelada genommen hatte? Vielleicht wenig überraschend richtete sie sich auch jetzt nach seinem ersten Bauchgefühl: Es kam darauf an, wer sie gewesen waren. Was die Verbrecherbosse anging, so bedauerte er lediglich sein gewähltes Mittel. Die imperialen Soldaten wiederum waren eine andere Sache. Nicht jeder Soldat war ideologisch gefestigt und auch wenn jeder Tote einer weniger war, der das Unrechtsregime verteidigte, wurde der Tod eines fühlenden Wesens wirklich durch alleine diesem Zweck aufgewogen? Vor allem wenn Mittel wie der Propagandaartikel ohne weiteres dafür benutzt werden konnten, neues Kanonenfutter in die imperialen Reihen zu spülen?

Nein, Arlens nonchalante Art gegenüber den Leben auch feindlicher Kombattanten war ein Fehler gewesen. Es war nicht so, dass er glaubte, insgesamt falsch gehandelt zu haben, doch nahm er sich vor in Zukunft schonender mit den Leben fühlender Wesen umgehen zu wollen. Sein Fokus musste natürlich in erster Linie auf Missionserfolg liegen, sowie darin feindliche Leistungsfähigkeit zu schwächen. War ein Tod darüber hinaus jedoch Kollateralschaden, so musste er sich auf die Jedidokrin besinnen Leben zu schützen. Auch wenn dieses dafür verwendet wurde die Galaxis zu knechten.

Erst nachdem Arlen zu dieser Erkenntnis gekommen war, begann er wieder zu trainieren. Ein philosophischer Entschluss war eine Sache, doch würde der wahre Test der neu gefassten Erkenntnis erst kommen, wenn er sich im Feld wiederfand. Und sich darauf vorzubereiten musste er so bald wie möglich beginnen. Es war natürlich nicht so, dass er dachte, postwendend wieder auf die nächste Mission geschickt zu werden. Der Rat war vermutlich froh, wenn er sich etwas Zeit nahm und er selbst war ebenfalls reflektiert genug, um sich nicht sofort wieder ins Getümmel stürzen zu wollen. Dennoch wollte er die Gelegenheit für gezieltes Training unabhängig vom Richtungsdruck einer aktiven Mission nicht ungenutzt lassen.

Das erste große Thema, das er nach seinen Reflexionen anging, war die Illusionstechnik, die er in New IndSec von Jedi-Meister Balons Holocron gelernt hatte. Auf Kelada hatte er diese in erster Linie als Blendgranate benutzt, war nun jedoch entschlossen weitere Anwendungsfelder zu erschließen. Leider hatte er auf die Schnelle niemanden gefunden, die oder der ihn darin unterweisen konnte, weshalb er die Sache nun allein anging. Nicht einmal sein Versuch mit Jedi-Meister Marrev Jemiss in Kontakt zu treten, mit dem er für Kelada trainiert hatte, hatte gefruchtet. Marrev schien sich dieser Tage nicht auf Coruscant aufzuhalten, doch wo genau er war, oder wann er zurück sein würde, konnte ihm niemand so recht sagen.

Also begann er das Training nun, wie er jedes andere Projekt auch angegangen wäre. Er nahm was er hatte und versuchte es in eine nützliche Richtung zu entwickeln. Er konnte bereits ein schwebendes Licht in der Luft erschaffen, dessen Unterhalt jedoch recht schnell zu Kopfschmerzen führte. Zunächst probierte er also den Energieverbrauch zu reduzieren, in dem er versuchte es weniger hell leuchten zu lassen. Dies gelang ihm nach einigen Versuchen, also stand als nächstes ein Farbwechsel auf dem Programm. Und dann die Form, von Kugel zu Würfel, zu etwas organischerem.

Nach dem ersten Tag konnte er bereits ein deutlich komplexeres Objekt erscheinen zu lassen, das jedoch noch lange nicht nach besonders viel aussah. Dass es unnatürlichen Ursprungs war, sah man auf den ersten Blick, doch war er auch von der kruden Blendgranate angemessen weit vorangeschritten. Den Trainingserfolg registrierte Arlen mit Zufriedenheit und nahm sich vor morgen an genau dieser Stelle weiterzumachen. Er hatte ja die Zeit dafür.


[ Kernwelten / Corusca-Sektor / Coruscant / Jedi-Tempel / Trainingsraum ] Arlen
 
Coruscant | Jeditempel | Zimmer – Eriu, Mya



Er folgte Ihren Ausführungen interessiert und nickte ab und an. Was Sie ausführte, ergab Sinn und war verständlich, beantwortete aber seine Frage nicht wirklich. Sie lenkte ab, nicht unelegant und versuchte das Thema zu den positiven Gründen zu lenken, warum gerade Rat Janson genau der richtige wäre.
Als sie geendet hatte, sah er Sie für einige wenige Sekunden einfach an.


„Ich gebe Ihnen insofern Recht, dass es gute Gründe gibt, das Angebot anzunehmen. Im Gegensatz zu Rat Janson lehne ich die Gewalt als Mittel gänzlich ab. Es ist noch nicht einmal das letzte Mittel, es ist gar kein Mittel. Gewalt ist immer ein Zeichen davon, dass dem Nutzer dieses Mittels die Ideen, die Weisheit und intellektuelle Möglichkeiten ausgehen und führt zu mehr Gewalt. Aber das ist etwas, dass ich gerne mit ihm persönlich vertiefen würde.

Allerdings seid Ihr meiner Frage, warum es Rat Janson sein muss, gekonnt aus dem Weg gegangen. Ich bin dem Angebot nicht abgeneigt, würde aber gerne alle Gründe erfahren. Intrigen, Täuschungen und Heimlichkeit assoziiert man doch eher mit einem anderen Orden von Machtnutzern.“


Er lächelte Sie offen an. Manche würden seine Haltung zum Leben und den sozialen Gefügen naiv und lebensfern nennen, aber der Sephie wollte sich einfach diesen Maskeraden nicht hingeben. Zudem würden sich andere Gründe oft später von alleine offen zeigen.



„Ich kann Euch insofern zusagen, dass ich das Angebot gerne annehme. Unerheblich, ob Ihr mir alle Gründe nennen werdet, würde aber ein Gespräch mit dem Rat persönlich meiner abschließenden Entscheidung voranstellen. Ich möchte diese Ausbildung auf einer Basis von Vertrauen aufbauen. Zudem könnte auch Rat Janson noch Einwände haben.“


Erwartungsvoll sah er die Twi’lek an. Er war gespannt, ob und was sie sagen würde, auch wenn seine Entscheidung bereits gefallen war. Die Gründe, die Mya aufgeführt hatte waren gut und tatsächlich konnte er sich das ganze gut vorstellen.



Coruscant | Jeditempel | Zimmer – Eriu, Mya
 
[ Kernwelten / Corusca-Sektor / Coruscant / Jedi-Tempel ] Arlen

Während der nächsten Tage trainierte Arlen zwar meistens allein, jedoch nicht immer. Speziell in einer Sache hatte er eingesehen, dass es eine gute Idee war von seinem Selbstbild als Ritter Abstand zu nehmen und noch einmal von der Pike auf Unterweisung in Anspruch zu nehmen. Auf Kelada hatte er immer wieder festgestellt, dass er zwar grundsätzlich in der Lage war Blasterbolzen abzuwehren, jedoch nur wenn er sie kommen sah. Während Faiths Befreiung hatte es so ein Scharfschütze beinahe geschafft seine Reise frühzeitig zu beenden.

Nach ein wenig Recherche in der Bibliothek hatte er über die Fertigkeit ‚Voraussicht‘ gelesen, die Machtnutzern in genau solchen Situationen helfen sollte. Warum Chesara ihm dies nicht schon während seiner Padawanzeit beigebracht hatte, oder warum dieser Mangel nicht während seiner Vorbereitung auf Kelada aufgefallen war, wusste er nicht. Das Einzige, was er sich vorstellen konnte, war, dass Chesara einfach nie dazu gekommen war, er eine entsprechende Erklärung vergessen und dass Marrev eine dahingehende Kenntnis vorausgesetzt hatte. Diese unglückliche Verkettung von Umständen konnte er jedoch nicht erforschen, da Marrev eben auf Mission war und Chesara… Ja Chersara. Es war ein Schock gewesen zu hören, dass seine ehemalige Meisterin als vermisst galt.

So jedoch hatte er sich an eine Gruppe jüngerer Padawane gehängt, die Voraussicht unter den wachsamen Augen einer Meisterin lernten. Aufmerksam lauschte er ihren Erklärungen und nahm schließlich sein Lichtschwert zur Hand, um die Sache in der Praxis auszuprobieren. Wenn Arlen sie richtig verstand, ging es bei dieser Machttechnik in erster Line darum auf die Eingebungen der Macht zu lauschen und ihnen zu vertrauen. Die Herausforderung war einerseits auf das Flüstern der Macht zu hören, andererseits aber auch sich davon nicht ablenken zu lassen. Zweiteres kam mit der Zeit, doch ersteres konnte man Trainieren.

Die Methode, um Voraussicht zu trainieren war brutal simpel. Arlen und die Padawane erhielten modifizierte Pilotenhelme, die ihnen jegliche Sicht raubten. Dann ging es darum Blasterfeuer abzuwehren, abgefeuert von einer Reihe Marksman-H Drohnen. Seinen Trainingskollegen war Arlen natürlich aufgrund seiner Erfahrung in Sachen Mindset überlegen. Die meisten von ihnen zeigten sich zunächst verwirrt über die scheinbare Unmöglichkeit der Aufgabe, während er natürlich schon wusste, dass es möglich war.

Es dauert eine Weile, doch unter den guten Ratschlägen ihrer Meisterin schafften es zum Ende des Nachmittags alle Unterwiesenen die schwachenergetischen Blasterbolzen abzuwehren. Interessanterweise war Arlen aber am Ende doch nicht der erste, der mit der Übung Erfolg hatte. Für ihn war der größte Sprung nicht gewesen auf das Flüstern der Macht zu hören. Das war keine Herausforderung. Der Fehler, den er jedoch zunächst gemacht hatte, war zu versuchen etwas NEUES zu hören, das vorher nicht dagewesen war. Ohne Erfolg natürlich. Der Durchbruch war also gewesen einzusehen, dass die Macht die ganze Zeit schon mit ihm kommuniziert und er sie auch bereits gehört hatte. Nur bewusst AUF sie gehört hatte er eben nicht. Und deswegen hatte ihm diese spezielle Fähigkeit noch gefehlt.

Am Abend schließlich kehrte eine Spur weiser in sein Quartier zurück. Das gemeinsame Training hatte ihm vor Augen geführt, dass er seiner Erfahrung zum Trotz noch viel zu lernen hatte. Nur weil er es leichter gehabt hatte als die Padawane, hatten ihn am Ende seine eigenen Annahmen geblendet. Was eine nützliche Lektion.


[ Kernwelten / Corusca-Sektor / Coruscant / Jedi-Tempel / Trainingsraum ] Arlen, sowie (NPCs) weitere Jedi
 
[ Kernwelten / Corusca-Sektor / Coruscant / Therapiepraxis / Dr. Anteevians Büro ] Arlen, sowie (NPCs) Dr. Anteevian

„Gibt es etwas Spezielles, worüber Ihr heute sprechen möchtet?“


, fragte der rothäutige Twi’lek im Sessel Arlen gegenüber und schlug eine frische Seite seines Notizblocks auf. Das Büro des Therapeuten war geschmackvoll eingerichtet, mit einem Schwerpunkt auf gediegenen Möbeln und einem weichen Teppich am Boden. In der Luft lag ein leicht holziges Aroma und ein eine ganze Wand einnehmender Bildschirm zeigte die Skyline Coruscants in einem ewigen Sonnenuntergang.

„Ja…da wäre etwas, Dr. Anteevian.“

, gab Arlen mit stockender Stimme zurück. Diesen Moment hatte er kommen sehen, doch jetzt wo er hier war, fürchtete er sich davor. Erst Faith und dann Rat Elliundi hatte er viel von seinen Erlebnissen auf Kelada erzählt, doch gab es ein Ereignis, das er gegenüber keinem von beiden erwähnt hatte. Und dass sich dennoch jede Nacht in seinen Träumen wiederfand – wenn er sich denn traute zu schlafen und sich nicht stattdessen auf die Tiefschlaftrance verließ. Es war nicht so, dass er Rat Elliundi bewusst etwas verschwiegen hatte. Er hatte erwähnt, dass er bestimmte Zivilisten nicht hatte retten können. Es war ein Ereignis von vielen ohne größere politische Bedeutung und wäre somit für das Treffen unpassend gewesen.

Halb erwartete Arlen, dass der Twi’lek-Arzt ihn dazu auffordern würde fortzufahren, doch stattdessen nickte der Mann nur geduldig. Es war ein gutes Gefühl sich die Zeit nehmen zu können die er brauchte und jedes Mal eine Bestätigung für die Qualität der Idee hergekommen zu sein. Es war offensichtlich, dass es ihm hier auf Coruscant zwar besser ging, aber auch dass er Hilfe brauchte die Ereignisse auf Kelada zu verarbeiten, wenn er wieder ins Feld wollte. Eine gute Sache, dass auch der Jedi-Orden Gefühle trotz Kodex nicht einfach nur ignorierte und speziell Therapie für die Mitglieder finanzierte, die sie brauchten.


„Ich habe darüber noch nicht wirklich mit jemandem gesprochen…“

, begann Arlen erneut und stockte.

„Wollen wir vielleicht an genau der Stelle beginnen?“

, fragte Dr. Anteevian.

„Über andere schwierige Themen haben Sie ja bereits vor dem Rat berichtet, warum nicht von dieser Sache?“

„Das ist richtig.“

, begann Arlen erneut.

„Ich habe vor dem Rat alles erwähnt, was für den Missionsbericht relevant war. Und gegenüber Faith…nun alles, was Gorah-un offengelegt hatte. Dieser spezielle Moment war nur ein kleines Mosaiksteinchen im Gesamtbild der Mission und davon ab…gab es keine Zeugen.“

„Kein Zeuge, nicht relevant für den Bericht. Es scheint Euch trotzdem zu beschäftigen?“

, stellte Anteevian fest und Arlen nickte.

„Ja. In der Mine habe ich Aufständische in den Tod geführt. Sie waren sich des Risikos bewusst. Dies hier… Aber ich glaube ich sollte es im Detail erzählen. Dann werden Sie verstehen...“

Der Twi’lek reagierte auf Arlens fragenden Blick mit einem Nicken und bedeutete ihm fortzufahren.

„Das war…während ich als Enforcer für den Verbrecherboss Okolo arbeitete. Sie wissen schon, als ich mich darauf vorbereitete der organisierten Kriminalität den Kopf abzuschlagen. Eines Tages wurde ich mit Okolos Leibwächter – ein Droide namens Alphakiller – losgeschickt, um ein Exempel an einer säumigen Zahlerin zu statuieren. Ich hatte versucht mich aus der Sache herauszuwinden, aber Okolo war wohl der Meinung meine Treue prüfen zu müssen. Deswegen war auch Alphakiller dabei, um mich zu überwachen. Mein einziger Ausweg wäre gewesen die Mission insgesamt abzubrechen.“

Erneut stockte Arlen. Hätte er nicht genau das in dem Moment hätte tun sollen? Von ihm war etwas verlangt worden, dass eines Jedi derart unwürdig gewesen war… Und doch hatte diese Entscheidung schließlich zu der Gelegenheit geführt Faith aus ihrer Gefangenschaft zu retten.

„Ich entschied mich dagegen. Aus zwei Gründen. Einerseits wog ich das größere Wohl der Mission ab, andererseits hatte ich die Hoffnung durch meine Anwesenheit etwas Positives bewirken zu können. Gwent – so hieß unser Opfer – wäre so oder so angegriffen worden. Ich hoffte ihr durch meine Anwesenheit helfen zu können.“

Arlen stieß einen erstickten Laut aus und griff nach einem bereitstehenden Wasserglas.

„Also gingen wir los, Alphakiller und ich, sowie ein abgerichteter Barghest. Wir drangen in Gwents Laden ein und ich hetzte das Tier auf sie – aber in der Macht beeinflusste ich es, dass es sie lediglich umwarf und nicht zerfleischte. Das Schicksal ihres Ladens war besiegelt, doch ich hoffte einen Weg zu finden ihr zu helfen, ohne meine Tarnung aufzugeben.“

Die Wiederholung seiner vorherigen Worte war fast wie, um sich selbst davon zu überzeugen.

„Ich band sie an einem Stuhl fest und lockerte ihre Fesseln mit der Macht, nachdem Alphakiller die Knoten überprüft hatte. Ich verteilte Brandbeschleuniger, aber nutzte die Macht, um sie vor der Flüssigkeit zu schützen. Anschließend steckten wir den Laden an.“

Seine Stimme hatte einen flehenden Tonfall angenommen, während er von einem seiner dunkelsten Tage auf Kelada erzählte.

„Wie ich gehofft hatte, riss Gwent sich frei. In Panik rannte sie zum Ausgang – aber nicht zum Hinterausgang, wo sie hätte entkommen können. Alphakiller desintegrierte sie mit einem Ionendisruptor. Es geschah so schnell, ich konnte nicht-“

Der Oberkörper des Sith zuckte, während seine Stimme nun vollends erstarb. Heiße Tränen rollten über seine entstellten Wangen, während die Schuld und der Schmerz jenes Tages sich ein weiteres Mal über seine Seele ergoss.

„Was bedeutet es für Euch, dass Ihr aktiv daran beteiligt wart?“

, meldete sich nun wieder Anteevian zu Wort. Sein Gesicht hatte einen ernsten Ausdruck angenommen. Auch er hatte verstanden was genau passiert war und Arlen fürchtete in seinen Augen dasselbe verdammende Urteil zu lesen, dass er sich selbst jede Nacht attestierte. Er mochte versucht haben zu helfen, doch war er trotzdem Komplize eines Mordes an einer Zivilistin geworden. Doch der Twi’lek sprach es nicht aus, stattdessen nickte er Arlen nur ermutigend zu.

„Am Ende bin ich mit schuldig.“

, gab Arlen nach einem Moment des Schweigens mit hartem Tonfall zurück.

„Ich habe sie nicht retten können. Aber dass ich da war, lässt ihr Blut an meinen Händen kleben… Wie in der Mine. Hätte ich einfach nichts getan wäre…wäre…“

„Hätte Eure Untätigkeit Gwent vor dem Tod bewahrt?“

, fragte Anteevian, doch Arlen schüttelte den Kopf.

„Aber ich wusste, dass es passieren würde. Ich hätte die Mission abbrechen und sie retten können…“

Wieder nickte der Twi’lek sanft. Einige Momente schwieg er, wohl um Arlen die Gelegenheit zu geben sich zu sammeln, dann fuhr er fort:

„Was hätte es in diesem Moment bedeutet die Mission abzubrechen?“

„Ich hätte versagt.“

, antwortete Arlen fast eine Spur zu schnell, fuhr dann jedoch nach einem Moment des Überlegens fort:

„Ich hatte zu diesem Zeitpunkt noch nichts wirklich Wichtiges erreicht. Ich hatte Antares geholfen Nichtmenschen zu internieren, mein Plan den Kommodore und seine Leute zu retten ging in Flammen auf. In diesem Moment aufzugeben hätte bedeutet…meine Seele für nichts und wieder nichts verkauft zu haben.“

Arlen gab einen gequälten Laut von sich, während er spürte, wie weitere Tränen in ihm aufstiegen.

„Und im Nachhinein…ich hatte Recht, nicht? Hätte ich abgebrochen und wäre geflohen, wäre Faith…hätte ich Faith nicht retten können. Hätte ich die Erfolge nicht erzielt, die es am Ende gab. Ich hätte die New Tide nicht entführen und die Gefangenen nicht in die Republik bringen können… Hunderte hätte ich nicht…“

„Ihr wolltet also auf eine Gelegenheit warten Eure vergangene Schuld aufzuwiegen. Und deshalb bracht Ihr nicht ab?“

„Ja…aber ich war mir sicher, dass ich nur mehr Zeit brauchte. Die ganze Sache mit den Kartellbossen war ja um mir Antares‘ Vertrauen zu erschleichen. Diesen Erfolg konnte ich dann auch wirklich verwenden, um Faith zu retten…“

„Ist dies auch, warum die Gleiterbomben am Ende ein akzeptables Mittel waren?“

Arlen sah auf, von der gezogenen Verbindung überrascht. Dann jedoch nickte er.

„Auch da hätte ich abbrechen können. Aber ich hatte bereits Gwent auf dem Gewissen. Abzubrechen hätte bedeutet ihren Tod…“

Er brach ab. Es war ein erschreckendes Muster, das sich abzeichnete. Er hatte Schuld auf sich geladen in der Hoffnung zu helfen, doch hatte diese Schuld ihn immer wieder dazu verleitet tiefer in den Sumpf hinabzusteigen. Erneut ließ Anteevian die Stille wirken, fragte jedoch schließlich als klar wurde, dass Arlen nichts mehr sagen würde:

„Wie fühlt diese Erkenntnis sich für Euch an?“

„Ich…ich weiß es nicht. Erschreckend? Dieses Eskalationsmuster…ich dachte ich wusste bereits, warum ich so gehandelt hab. Aber es scheint, als hätte ich öfter gegen den Kodex verstoßen, als ich dachte. Ich weiß nicht welche Konsequenzen ich daraus ziehen soll, ich…“

In seine Stimme hatte sich eine Spur Panik geschlichen.

„Ihr habt Zeit. Genau deswegen sind wir hier, um Euch tiefere Einblicke in Euer Handeln ermöglichen zu können. Ich denke an dieser Stelle sollten wir nächste Woche weitermachen. Für heute habt Ihr genug geleistet.“

Stumm nickte Arlen und erhob sich. Reflexhaft gab er dem Therapeuten die Hand und taumelte hinaus. Er fühlte sich müde, ausgelaugt. Sein Herz, das während der Erkenntnis wie wild zu schlagen begonnen hatte, hatte sich wieder beruhigt und nun wollte er sich nur noch hinlegen. Er fühlte sich, als hätte er einen wichtigen Schritt getan, doch auch, dass er erst am Anfang dieses Prozesses war. Ihm graute davor, wie viel die Therapie noch zu Tage fördern würde, was er sich vorher nicht hatte eingestehen wollen. Er sah jedoch auch, dass dies ein notwendiger Schritt war, um ein besserer Jedi werden können.


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Die nächsten drei Monate vergingen in geschäftiger Betriebsamkeit. Jede Woche verbrachte Arlen ein bis zwei Stunden in Doktor Anteevians Büro, um in Ruhe und Gesellschaft die Ereignisse von Kelada zu verdauen. Abseits davon bestand sein Tagewerk im Training. Es war ungewohnt wieder einen geregelten Tagesablauf zu haben, mit vierzig Stunden ‚Arbeit‘ in der Woche und signifikanter Freizeit an den Wochenenden, die er in erster Linie mit Faith und ab und an mit Tha’klen verbrachte.

Arlens Training fokussierte sich vor allem darauf die Lücken, die er in seinem eigenen Wissensstand identifiziert hatte, zu schließen, aber auch darin den eigenen Körper und Geist weiter zu stählen. Stunden über Stunden trainierte er seinen favorisierten Lichtschwertstil, Djem So, sowohl in ausgedehnten Trainingskämpfen als auch unter simulierten Blasterbeschuss. Das verlorene Duell gegen Darth Angelus hatte ihm aufgezeigt, dass er zwar einerseits kein Anfänger war, aber andererseits auch noch einen weiten Weg zu gehen hatte. Weitere Routine in Sachen Voraussicht war ein angenehmer Nebeneffekt bei diesen Einheiten und so lernte er rasch einerseits auf die Einflüsterungen der Macht zu hören, aber sich auch andererseits nicht von ihnen aus dem Konzept bringen zu lassen.

Ein weiterer Schwerpunkt im Training war für Arlen die Technik der Illusion, auf die er wie auf den Lichtschwertkampf überaus viel Zeit verwendete. Er wusste zwar noch nicht ganz, was er nach dieser Ruhepause auf Coruscant anfangen wollte, doch erschien ihm weitere Arbeit im Untergrund durchaus im Bereich des Möglichen. Vor Kelada hatte er sein Profil gezielt in diese Richtung entwickelt und Kelada hatte es durch Praxis und Erfahrung geschärft. Es erschien ihm logisch, dass er seine Talente und Fähigkeiten auch in Zukunft nicht ungenutzt lassen würde und Illusion passte perfekt in diese sich abzeichnende Expertise.

Besonders interessiert wurde er während dieser Zeit an der fixen Idee sich ein neues Gesicht erschaffen zu können – jedoch nicht mit einer Schönheitsoperation, oder auch nur mit einer Maske. Er konnte sich gut vorstellen wie viel er mit Illusionen erreichen könnte, wenn er diese Fähigkeit ausreizte. Wie effektiv konnte ein Spion sein, der sich auf Wunsch binnen Sekunden ein neues Gesicht anlegen konnte? Zunächst musste er jedoch einsehen wie viel er noch zu lernen hatte, bevor er an so etwas auch nur denken konnte. Sicher, die groben Formen waren nicht allzu schwer über seiner entstellten Haut zu etablieren, doch Farbe, Textur und Mikrobewegungen? Für den Moment komplett unmöglich, wie er rasch feststellte. Dennoch übte er. Er war lange genug Jedi, um zu wissen, dass noch kein Meister vom Himmel gefallen war.

Und schließlich war da wieder die Therapie und damit einhergehendes Training. Auch wenn er viel, was auf Kelada vorgefallen war, zu akzeptieren lernte, so erkannte er auch, dass sein favorisiertes Feld besondere Herausforderungen für ihn bereithielt. Zusammen mit Dr. Anteevian hatte er erkundet, wie eine moralisch fragwürdige Aktion leicht zur nächsten führen konnte, wenn er sich von seinen Gefühlen leiten ließ. Es war ein schleichender Prozess und deutlich anders als jähe Gefühlsausbrüche wie in der Mine – wenn auch nicht weniger zerstörerisch. So setzte er sich also auch noch als Ziel seine Fähigkeit in Sachen Machtmut zu verbessern. Egal wo es als nächstes hinging, diese Fehler durften kein zweites Mal passieren. Er würde sich ausschließlich von Missionslogik leiten lassen dürfen und nicht von etwaigen emotionalen Verwicklungen.

Alles in allem waren es gute drei Monate. Sein Training zeigte Fortschritte und auch die Therapie half ihm seine gesteckten Ziele zu erreichen. Zwar verbrachte er die meisten Nächte in Tiefschlaftrance statt echtem Schlaf, doch traute er sich schließlich irgendwann doch sich wieder dem Risiko schlimmer Träume auszusetzen. Während seiner Zeit mit Doktor Anteevian hatte er seinen Dämonen lang genug im Licht des Tages die Stirn geboten, dass sie ihm nun in der Dunkelheit der Nacht nur wenig anhaben konnten.

Das Einzige, wozu er sich schließlich aber nicht durchringen konnte, war Faith die volle Wahrheit dessen zu enthüllen, was er auf Kelada getan hatte. Doktor Anteevian hatte dies zwar thematisiert, doch blieb es das einzige Therapieziel, das innerhalb dieser Zeit nicht erreicht werden konnte. Eine akzeptable Bilanz, wie Arlen fand.


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