Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Intensivstation - Elises Zimmer, mit Elise
Elise war... idealistisch. So, wie sie es auch einmal gewesen war. Der Glaube daran, dass sie gewinnen würden, einfach, weil es gar keine andere Möglichkeit geben durfte. Eowyn hoffte nur sehr, dass Elise nicht irgendwann genauso tief fallen würde, wie sie es getan hatte, aber danach sah es eigentlich erst einmal nicht aus. Die Frau hatte schon einiges durchgemacht und schien immer noch so zu ticken, gute Chancen, dass es dabei bleiben würde.
Auf jeden Fall war sie sich sicher, dass sie gegen Vendar bestehen und sie besiegen konnten. Etwas, woran Eowyn im Prinzip nicht wirklich glaubte – trotzdem musste sie weitermachen. So lange es noch irgendwie ging.
Elise sah immerhin ein, dass es kein Weg war, den Rat aufzugeben, schon rein aus taktischen Gründen. Dann aber wurde sie dummerweise deutlicher. Sie wollte keinen Einsatzbericht, sondern... eine Zustandsbeschreibung. Erfahrungswerte. Das, was Eowyn ja schon beinahe befürchtet hatte, aber versucht hatte, sich drumherum zu winden. Als ob sie, so sympathisch sie Elise fand und so dankbar sie ihr für die Rettung war, ihr einfach so alles ausplaudern würde, was sie noch immer in Angst und Schrecken versetzte.
Und Elise nahm kein Blatt vor den Mund. Ein... Fußnotenverzeichnis? Im ersten Moment war Eowyn irritiert, dann aber musste sie ihr irgendwie zustimmen. So falsch war das nicht, auch, wenn die Ritterin eine interessante Art hatte, sich auszudrücken. Ziemlich direkt – erinnerte sie an einen gewissen Chiss. Auf jeden Fall war da sicher Luft nach oben, was Persönliches anging, aber Elise konnte nicht wissen, woran das alles lag. Sie konnte nicht wissen, dass Eowyn tot war, dass sie gerade mit einer Rolle sprach und Eowyn nicht im Ansatz wusste, wer sie eigentlich wirklich war.
Dann musste sie den Blick senken. Und Elise wusste auch nicht, welch katastrophale Jedi sie vor Bastion gewesen war. Worauf ihre Beförderung zurückzuführen war. Und dass der Tod von Allegious, so wichtig er vermutlich gewesen war, am Ende trotzdem Mord gewesen war.
Sie verstand, dass man dem Konzept des Rates kritisch gegenüberstehen konnte. Bis vor Bastion hatte sie selbst fest daran geglaubt, dass alles richtig seinen Weg ging. Die Entscheidung, sie zu befördern, hatte sie zweifeln lassen. Aber andererseits wusste sie auch nicht, wie man es besser machen konnte. Wahlen? Ein Rat auf Zeit? Unmöglich in manchen Bereichen, zum Beispiel bei den Schatten. Wie sollte man den Anführer einer Fraktion wählen, von der niemand wissen durfte, dass sie existierte? Ich verstehe dich... Es ist kein gutes Konzept, aber leider das beste für die Ausgangssituation. Diplomatisch genug. Hoffentlich.
Und dann traf Elise nun einmal genau ins Schwarze. Sie tat nicht nur so, als hätte sie den Posten weil alle anderen nicht da oder tot waren – sie wusste es. Wes konnte so viel erzählen wie er wollte. Er konnte sie nicht an einem Abend absolut zu recht zumindest etwas rügen und am nächsten Morgen in den höchsten Rang erheben, den der Orden zu bieten hatte. Ja, auf Bastion hatte sie ihm verziehen, und es tat ihr Leid, wie sie auseinandergegangen waren, das änderte aber nichts am Kern der Sache. Und natürlich hätte man Brianna gewählt, wäre sie hier. Und selbstverständlich würde Ahna die Schatten führen, würde sie noch leben. Tatsachen. Alles Tatsachen. Wobei Eowyn die Verantwortung für die Schatten noch gar nicht übertragen bekommen hatte, einerseits absolut zu recht, andererseits bezeichnend.
Und "Plan B" hatte nichts damit zu tun, dass es weniger weh tun würde, weil ohnehin ja kaum etwas wirklich wehtat. Sie spürte doch beinahe nichts, was machte es da für einen Unterschied? Nein. Sie war Plan B. Und das war... Nun, vielleicht nicht in Ordnung. Aber es war, wie es war. Plan B – und Verbrauchsgegenstand. Elise hatte irgendwie... vielleicht schon wieder ins Schwarze getroffen, oder es zumindest gestreift. War sie nicht manchmal genau das? Eine Dejarikfigur, die man früher oder später opfern würde, um den Houjix zu behalten? Ihr war bis zu diesem Moment nicht bewusst gewesen, dass es so sein könnte, aber... es war nicht komplett falsch. Und es war eigentlich auch nur naheliegend.
Sie sah Elise nur weiter schweigend an, als diese redete und sprach. Was sollte sie auch groß sagen? Ja, nein, vielleicht? Besser war es, dass das Thema auf Riuen kam, und Elises Geischtsausdruck veränderte sich. Plötzlich sah sie... entspannter aus. Und wie sie von ihrem Padawan sprach, klang es sehr wertschätzend und wohlwollend. Da hatte sich wohl wirklich ein Team zusammengerauft, das gut zusammenpasste und sich gegenseitig ergänzte.
Elise griff nun proaktiv nach ihrer Hand, und Eowyn bemühte sich, nicht zusammenzuzucken. Ihre Sorgen waren berechtigt. Und wer war Eowyn, dass ausgerechnet sie ihr diese Sorgen nehmen wollte? Eigentlich nicht sonderlich ehrlich.
Ich verstehe dich sehr gut, sagte sie monoton und sah auf die Bettdecke. Meine zweite Padawan liegt noch immer im Koma. Das ist jetzt... Ich weiß nicht. Über zehn Jahre her. Ich glaube nicht, dass sie jemals wieder aufwachen wird. Ich hätte sie nicht unvorbereitet auf eine solche Mission mitnehmen dürfen. Aber ich habe es unterschätzt, und sie wurde stark verwundet. Sie war jung und noch sehr unerfahren – und ich hätte sie beschützen müssen. Sie zwang sich, Elise wieder anzusehen. Aber Riuen ist anders. Er ist... wirklich erwachsen. Er hat viel durchgemacht, er weiß, was er will. Du kannst ihn ohnehin nicht halten und auch nicht mehr lange beschützen, früher oder später wird er zum Ritter werden. Deine Angst ist verständlich und berechtigt – aber ich fürchte, du musst lernen, deinen Weg damit zu finden. Und dabei schien das so unmöglich zu sein. Und fit werden wirst du im Nu. Wenn jemand das schafft, dann du. Elise besaß diesen eisernen Willen, etwas durchzuboxen, wenn man es sich in den Kopf gesetzt hatte. Sie würde sich da durchkämpfen.
Sie war sich sicher, dass die alte Eowyn mit ihren Augen gerollt hätte. Es war schön und gut, dass Elise irgendeine Art Respekt vor ihr zu haben schien, und vielleicht hatte sie auch gar nicht Unrecht. Gut möglich sogar. Trotzdem entfuhr ihr ein kleines, staccatoartiges Schnauben, als sie erwähnte, dass sie nicht komplett gebrochen war und erschrak im nächsten Moment vor sich selbst. Eine instinktive Reaktion – so etwas war lange nicht mehr vorgekommen.
Aber abgesehen davon, darum ging es nicht. Ruhig fuhr sie fort, obwohl ihr Inneres sich dagegen sträubte, der Frau zu widersprechen. Da draußen in der Galaxis sieht das aber niemand, Elise. Da draußen sehen sie nur, dass ich eine Mörderin bin, die mutwillig einen Krieg ausgelöst hat und jetzt nicht einmal den Schneid hat, sich dem zu stellen; und morgen wird hinzukommen, dass ich mit einem ehemaligen Sith verlobt bin und damit die Republik verrate. Die Option, welche sie Murrrar vorgeschlagen hatte, nämlich, sie aus dem Orden zu werfen, schien eigentlich plötzlich wieder ganz logisch für sie, aber das lag nicht in ihrer Hand.
Eowyn hoffte, dass Elise recht hatte – dass Ian morgen in der Lage sein würde, die ganz große Katatstrophe abzuwenden und sie außerdem davor zu bewahren, völligen Blödsinn anzustellen. Aber auch Rornan und Murrrar würden ja anwesend sein. Der Quermianer war Kommunikationsprofi und würde hoffentlich darauf acht geben, dass sie nicht alles schlimmer machte.
Aber wir kam es, dass Elise nach nicht einmal einer halben Stunde Gespräch in die gleiche Kerbe schlug wie andere? Sich mehr zutrauen. Was genau denn? Verdammt viel überlebt, das stimmte. Geradeaus reden? Sie wusste nicht genau, was die Frau vor ihr damit meinte. Aber im Prinzip war das gelogen, so wie alles hier gelogen war. Ihr ganzes Selbst war aktuell gelogen. Sie war gelogen. Sie war eine einzige Lüge, und das, wo es ihr immer so wichtig gewesen war, nicht zu lügen. Sie hasste lügen. Aber seit heute Morgen tat sie nichts anderes, so lange sie nicht alleine war. Und es wurde mühsamer und sie immer müder. Auf Bastion hatte es wunderbar funktioniert, zu sein, wer sie zu sein hatte, aber dort war es nicht um Stunden gegangen, und nicht darum, in schnellem Wechsel vor verschiedenen Personen zu bestehen. Bei Thanatos am Ende, ja, vielleicht, aber dort war das Ziel 'durchhalten' gewesen, und das war jetzt nicht der Fall. Loslassen... sie musste loslassen, aber sie konnte sich das nicht leisten.
Glücklicherweise musste sie nichts antworten. Die Tür öffnete sich, und Krina betrat wieder den Raum. Elise fand es furchtbar amüsant, was ihre Freundin da veranstaltete, Eowyn legte allerdings den Kopf schief. Sie verstand den Witz nicht, aber das musste sie auch nicht. Der Kaff jedenfalls war eine willkommene Aussicht. Ihr Konsum war seit gestern sprunghaft angestiegen, aber das scherte sie erst einmal nicht, so lange es ihr niemand verbat.
Krina sprach sie direkt an, fragte, ob es ihr gut ging, und Eowyn konnte nicht anders, als sie erst einmal nur anzusehen. Gut... gut. Natürlich ging es ihr gut. Ihr ging es immer gut... Sie nickte schließlich. Danke. Dann folgte die Warnung, Elise nicht zu unterschätzen. Thearterra. Das war keine Überraschung, zumindest nicht, was Riuen anging, und es war nur logisch, dass Elise den gleichen Gedanken hegte. Außerdem lag auf der Hand, dass gerade die Ritterin diesen Drang hatte. Wenn es um ihr eigenes Leben ginge, Eowyn würde wohl ähnlich handeln, auch bei dem ihres Schülers.
Der Droide hatte das Tablett auf dem kleinen Tisch neben Elises Bett abgestellt, und halb abwesend schenkte sich Eowyn per Levitation eine Tasse Kaff ein, welche sie dann zu ihr herüberschweben ließ. Sie nippte daran und kühlte ihn dann automatisch per Materiemanipulation ein paar Grad ab. Es war mieser Kaff, aber es war Kaff, also was sollte es.
Sie war geistig müde. Und beinahe hätte sie dem Drang, einfach zu gehen, nachegegeben, aber Elise hatte sie gebeten zu bleiben, und das würde sie auch tun. Genauso hatte Elise sie aber gebeten, von Bastion zu erzählen, und davon, wie es ihr ging. Letzteres wusste sie nur nicht einmal. Aber Elise hatte gefragt, und es strengte sie an, dagegen anzukämpfen.
Ich weiß nicht, wie es mir geht, sagte sie also schließlich beinahe gleichgültig nach ein, zwei Minuten Stille. Wobei ich weiß, dass es mir nicht gut geht.
Ich habe Allegious ermordet. Ich habe einen galaxisweiten Krieg begonnen. Ich habe vielleicht die Liebe meines Lebens verloren. Ich wurde auf Bastion gefoltert, bedrängt, psychisch gequält und mehr, aber wem erzähle ich das... Elise hatte das doch, laut ihrer Akte, alles selber durch, auch, wenn Eowyn nichts genaues wusste. Keebo hat mich gebrochen, ohne es zu wollen oder zu wissen. Eowyn ist tot. Ich bin ein Nichts. Mein Körper ist zerstört und gezeichnet. Der Rat vertraut mir nicht, zu recht, denn ich habe vor Bastion den Orden hintergangen und hinterher alleine Entscheidungen getroffen. Ich bin keine Jedi mehr, schon lange nicht mehr. Und was du bis eben gesehen hast, Elise...
Sie ließ los.
Es war anstrengend. Sie hatte vor sich behauptet, sie könnte das, sie würde das problemlos machen können, so lange sie wollte, aber sie hatte unterschätzt, wie viel Kraft es kostete, und wie wenig sie davon überhaupt noch besaß.
Sie sackte im Stuhl zusammen und atmete aus, bis beinahe keine Luft mehr in ihren Lungen war, dann zog sie sie mühsam wieder ein. Sie hob ihren Blick nicht mehr und ließ ihre Kafftasse nur nicht fallen, weil sie aus Reflex mit der Macht danach gegriffen hatte, als sie ihr aus der linken Hand rutschte.
...war eine Lüge. Selbst ihre Stimme klang wieder rauher, kratziger. Aber obwohl sie gedacht hatte, es würde sich vielleicht besser anfühlen, die Rolle der Rätin abgelegt zu haben, war da keine Erleichterung und keine Befreiung, nein. Sie fühlte wie allermeistens einfach... nichts.
Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Intensivstation - Elises Zimmer, mit Elise
Elise war... idealistisch. So, wie sie es auch einmal gewesen war. Der Glaube daran, dass sie gewinnen würden, einfach, weil es gar keine andere Möglichkeit geben durfte. Eowyn hoffte nur sehr, dass Elise nicht irgendwann genauso tief fallen würde, wie sie es getan hatte, aber danach sah es eigentlich erst einmal nicht aus. Die Frau hatte schon einiges durchgemacht und schien immer noch so zu ticken, gute Chancen, dass es dabei bleiben würde.
Auf jeden Fall war sie sich sicher, dass sie gegen Vendar bestehen und sie besiegen konnten. Etwas, woran Eowyn im Prinzip nicht wirklich glaubte – trotzdem musste sie weitermachen. So lange es noch irgendwie ging.
Elise sah immerhin ein, dass es kein Weg war, den Rat aufzugeben, schon rein aus taktischen Gründen. Dann aber wurde sie dummerweise deutlicher. Sie wollte keinen Einsatzbericht, sondern... eine Zustandsbeschreibung. Erfahrungswerte. Das, was Eowyn ja schon beinahe befürchtet hatte, aber versucht hatte, sich drumherum zu winden. Als ob sie, so sympathisch sie Elise fand und so dankbar sie ihr für die Rettung war, ihr einfach so alles ausplaudern würde, was sie noch immer in Angst und Schrecken versetzte.
Und Elise nahm kein Blatt vor den Mund. Ein... Fußnotenverzeichnis? Im ersten Moment war Eowyn irritiert, dann aber musste sie ihr irgendwie zustimmen. So falsch war das nicht, auch, wenn die Ritterin eine interessante Art hatte, sich auszudrücken. Ziemlich direkt – erinnerte sie an einen gewissen Chiss. Auf jeden Fall war da sicher Luft nach oben, was Persönliches anging, aber Elise konnte nicht wissen, woran das alles lag. Sie konnte nicht wissen, dass Eowyn tot war, dass sie gerade mit einer Rolle sprach und Eowyn nicht im Ansatz wusste, wer sie eigentlich wirklich war.
Dann musste sie den Blick senken. Und Elise wusste auch nicht, welch katastrophale Jedi sie vor Bastion gewesen war. Worauf ihre Beförderung zurückzuführen war. Und dass der Tod von Allegious, so wichtig er vermutlich gewesen war, am Ende trotzdem Mord gewesen war.
Sie verstand, dass man dem Konzept des Rates kritisch gegenüberstehen konnte. Bis vor Bastion hatte sie selbst fest daran geglaubt, dass alles richtig seinen Weg ging. Die Entscheidung, sie zu befördern, hatte sie zweifeln lassen. Aber andererseits wusste sie auch nicht, wie man es besser machen konnte. Wahlen? Ein Rat auf Zeit? Unmöglich in manchen Bereichen, zum Beispiel bei den Schatten. Wie sollte man den Anführer einer Fraktion wählen, von der niemand wissen durfte, dass sie existierte? Ich verstehe dich... Es ist kein gutes Konzept, aber leider das beste für die Ausgangssituation. Diplomatisch genug. Hoffentlich.
Und dann traf Elise nun einmal genau ins Schwarze. Sie tat nicht nur so, als hätte sie den Posten weil alle anderen nicht da oder tot waren – sie wusste es. Wes konnte so viel erzählen wie er wollte. Er konnte sie nicht an einem Abend absolut zu recht zumindest etwas rügen und am nächsten Morgen in den höchsten Rang erheben, den der Orden zu bieten hatte. Ja, auf Bastion hatte sie ihm verziehen, und es tat ihr Leid, wie sie auseinandergegangen waren, das änderte aber nichts am Kern der Sache. Und natürlich hätte man Brianna gewählt, wäre sie hier. Und selbstverständlich würde Ahna die Schatten führen, würde sie noch leben. Tatsachen. Alles Tatsachen. Wobei Eowyn die Verantwortung für die Schatten noch gar nicht übertragen bekommen hatte, einerseits absolut zu recht, andererseits bezeichnend.
Und "Plan B" hatte nichts damit zu tun, dass es weniger weh tun würde, weil ohnehin ja kaum etwas wirklich wehtat. Sie spürte doch beinahe nichts, was machte es da für einen Unterschied? Nein. Sie war Plan B. Und das war... Nun, vielleicht nicht in Ordnung. Aber es war, wie es war. Plan B – und Verbrauchsgegenstand. Elise hatte irgendwie... vielleicht schon wieder ins Schwarze getroffen, oder es zumindest gestreift. War sie nicht manchmal genau das? Eine Dejarikfigur, die man früher oder später opfern würde, um den Houjix zu behalten? Ihr war bis zu diesem Moment nicht bewusst gewesen, dass es so sein könnte, aber... es war nicht komplett falsch. Und es war eigentlich auch nur naheliegend.
Sie sah Elise nur weiter schweigend an, als diese redete und sprach. Was sollte sie auch groß sagen? Ja, nein, vielleicht? Besser war es, dass das Thema auf Riuen kam, und Elises Geischtsausdruck veränderte sich. Plötzlich sah sie... entspannter aus. Und wie sie von ihrem Padawan sprach, klang es sehr wertschätzend und wohlwollend. Da hatte sich wohl wirklich ein Team zusammengerauft, das gut zusammenpasste und sich gegenseitig ergänzte.
Elise griff nun proaktiv nach ihrer Hand, und Eowyn bemühte sich, nicht zusammenzuzucken. Ihre Sorgen waren berechtigt. Und wer war Eowyn, dass ausgerechnet sie ihr diese Sorgen nehmen wollte? Eigentlich nicht sonderlich ehrlich.
Ich verstehe dich sehr gut, sagte sie monoton und sah auf die Bettdecke. Meine zweite Padawan liegt noch immer im Koma. Das ist jetzt... Ich weiß nicht. Über zehn Jahre her. Ich glaube nicht, dass sie jemals wieder aufwachen wird. Ich hätte sie nicht unvorbereitet auf eine solche Mission mitnehmen dürfen. Aber ich habe es unterschätzt, und sie wurde stark verwundet. Sie war jung und noch sehr unerfahren – und ich hätte sie beschützen müssen. Sie zwang sich, Elise wieder anzusehen. Aber Riuen ist anders. Er ist... wirklich erwachsen. Er hat viel durchgemacht, er weiß, was er will. Du kannst ihn ohnehin nicht halten und auch nicht mehr lange beschützen, früher oder später wird er zum Ritter werden. Deine Angst ist verständlich und berechtigt – aber ich fürchte, du musst lernen, deinen Weg damit zu finden. Und dabei schien das so unmöglich zu sein. Und fit werden wirst du im Nu. Wenn jemand das schafft, dann du. Elise besaß diesen eisernen Willen, etwas durchzuboxen, wenn man es sich in den Kopf gesetzt hatte. Sie würde sich da durchkämpfen.
Sie war sich sicher, dass die alte Eowyn mit ihren Augen gerollt hätte. Es war schön und gut, dass Elise irgendeine Art Respekt vor ihr zu haben schien, und vielleicht hatte sie auch gar nicht Unrecht. Gut möglich sogar. Trotzdem entfuhr ihr ein kleines, staccatoartiges Schnauben, als sie erwähnte, dass sie nicht komplett gebrochen war und erschrak im nächsten Moment vor sich selbst. Eine instinktive Reaktion – so etwas war lange nicht mehr vorgekommen.
Aber abgesehen davon, darum ging es nicht. Ruhig fuhr sie fort, obwohl ihr Inneres sich dagegen sträubte, der Frau zu widersprechen. Da draußen in der Galaxis sieht das aber niemand, Elise. Da draußen sehen sie nur, dass ich eine Mörderin bin, die mutwillig einen Krieg ausgelöst hat und jetzt nicht einmal den Schneid hat, sich dem zu stellen; und morgen wird hinzukommen, dass ich mit einem ehemaligen Sith verlobt bin und damit die Republik verrate. Die Option, welche sie Murrrar vorgeschlagen hatte, nämlich, sie aus dem Orden zu werfen, schien eigentlich plötzlich wieder ganz logisch für sie, aber das lag nicht in ihrer Hand.
Eowyn hoffte, dass Elise recht hatte – dass Ian morgen in der Lage sein würde, die ganz große Katatstrophe abzuwenden und sie außerdem davor zu bewahren, völligen Blödsinn anzustellen. Aber auch Rornan und Murrrar würden ja anwesend sein. Der Quermianer war Kommunikationsprofi und würde hoffentlich darauf acht geben, dass sie nicht alles schlimmer machte.
Aber wir kam es, dass Elise nach nicht einmal einer halben Stunde Gespräch in die gleiche Kerbe schlug wie andere? Sich mehr zutrauen. Was genau denn? Verdammt viel überlebt, das stimmte. Geradeaus reden? Sie wusste nicht genau, was die Frau vor ihr damit meinte. Aber im Prinzip war das gelogen, so wie alles hier gelogen war. Ihr ganzes Selbst war aktuell gelogen. Sie war gelogen. Sie war eine einzige Lüge, und das, wo es ihr immer so wichtig gewesen war, nicht zu lügen. Sie hasste lügen. Aber seit heute Morgen tat sie nichts anderes, so lange sie nicht alleine war. Und es wurde mühsamer und sie immer müder. Auf Bastion hatte es wunderbar funktioniert, zu sein, wer sie zu sein hatte, aber dort war es nicht um Stunden gegangen, und nicht darum, in schnellem Wechsel vor verschiedenen Personen zu bestehen. Bei Thanatos am Ende, ja, vielleicht, aber dort war das Ziel 'durchhalten' gewesen, und das war jetzt nicht der Fall. Loslassen... sie musste loslassen, aber sie konnte sich das nicht leisten.
Glücklicherweise musste sie nichts antworten. Die Tür öffnete sich, und Krina betrat wieder den Raum. Elise fand es furchtbar amüsant, was ihre Freundin da veranstaltete, Eowyn legte allerdings den Kopf schief. Sie verstand den Witz nicht, aber das musste sie auch nicht. Der Kaff jedenfalls war eine willkommene Aussicht. Ihr Konsum war seit gestern sprunghaft angestiegen, aber das scherte sie erst einmal nicht, so lange es ihr niemand verbat.
Krina sprach sie direkt an, fragte, ob es ihr gut ging, und Eowyn konnte nicht anders, als sie erst einmal nur anzusehen. Gut... gut. Natürlich ging es ihr gut. Ihr ging es immer gut... Sie nickte schließlich. Danke. Dann folgte die Warnung, Elise nicht zu unterschätzen. Thearterra. Das war keine Überraschung, zumindest nicht, was Riuen anging, und es war nur logisch, dass Elise den gleichen Gedanken hegte. Außerdem lag auf der Hand, dass gerade die Ritterin diesen Drang hatte. Wenn es um ihr eigenes Leben ginge, Eowyn würde wohl ähnlich handeln, auch bei dem ihres Schülers.
Der Droide hatte das Tablett auf dem kleinen Tisch neben Elises Bett abgestellt, und halb abwesend schenkte sich Eowyn per Levitation eine Tasse Kaff ein, welche sie dann zu ihr herüberschweben ließ. Sie nippte daran und kühlte ihn dann automatisch per Materiemanipulation ein paar Grad ab. Es war mieser Kaff, aber es war Kaff, also was sollte es.
Sie war geistig müde. Und beinahe hätte sie dem Drang, einfach zu gehen, nachegegeben, aber Elise hatte sie gebeten zu bleiben, und das würde sie auch tun. Genauso hatte Elise sie aber gebeten, von Bastion zu erzählen, und davon, wie es ihr ging. Letzteres wusste sie nur nicht einmal. Aber Elise hatte gefragt, und es strengte sie an, dagegen anzukämpfen.
Ich weiß nicht, wie es mir geht, sagte sie also schließlich beinahe gleichgültig nach ein, zwei Minuten Stille. Wobei ich weiß, dass es mir nicht gut geht.
Ich habe Allegious ermordet. Ich habe einen galaxisweiten Krieg begonnen. Ich habe vielleicht die Liebe meines Lebens verloren. Ich wurde auf Bastion gefoltert, bedrängt, psychisch gequält und mehr, aber wem erzähle ich das... Elise hatte das doch, laut ihrer Akte, alles selber durch, auch, wenn Eowyn nichts genaues wusste. Keebo hat mich gebrochen, ohne es zu wollen oder zu wissen. Eowyn ist tot. Ich bin ein Nichts. Mein Körper ist zerstört und gezeichnet. Der Rat vertraut mir nicht, zu recht, denn ich habe vor Bastion den Orden hintergangen und hinterher alleine Entscheidungen getroffen. Ich bin keine Jedi mehr, schon lange nicht mehr. Und was du bis eben gesehen hast, Elise...
Sie ließ los.
Es war anstrengend. Sie hatte vor sich behauptet, sie könnte das, sie würde das problemlos machen können, so lange sie wollte, aber sie hatte unterschätzt, wie viel Kraft es kostete, und wie wenig sie davon überhaupt noch besaß.
Sie sackte im Stuhl zusammen und atmete aus, bis beinahe keine Luft mehr in ihren Lungen war, dann zog sie sie mühsam wieder ein. Sie hob ihren Blick nicht mehr und ließ ihre Kafftasse nur nicht fallen, weil sie aus Reflex mit der Macht danach gegriffen hatte, als sie ihr aus der linken Hand rutschte.
...war eine Lüge. Selbst ihre Stimme klang wieder rauher, kratziger. Aber obwohl sie gedacht hatte, es würde sich vielleicht besser anfühlen, die Rolle der Rätin abgelegt zu haben, war da keine Erleichterung und keine Befreiung, nein. Sie fühlte wie allermeistens einfach... nichts.
Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Intensivstation - Elises Zimmer, mit Elise



