Coruscant

Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Intensivstation - Elises Zimmer, mit Elise

Elise war... idealistisch. So, wie sie es auch einmal gewesen war. Der Glaube daran, dass sie gewinnen würden, einfach, weil es gar keine andere Möglichkeit geben durfte. Eowyn hoffte nur sehr, dass Elise nicht irgendwann genauso tief fallen würde, wie sie es getan hatte, aber danach sah es eigentlich erst einmal nicht aus. Die Frau hatte schon einiges durchgemacht und schien immer noch so zu ticken, gute Chancen, dass es dabei bleiben würde.
Auf jeden Fall war sie sich sicher, dass sie gegen Vendar bestehen und sie besiegen konnten. Etwas, woran Eowyn im Prinzip nicht wirklich glaubte – trotzdem musste sie weitermachen. So lange es noch irgendwie ging.

Elise sah immerhin ein, dass es kein Weg war, den Rat aufzugeben, schon rein aus taktischen Gründen. Dann aber wurde sie dummerweise deutlicher. Sie wollte keinen Einsatzbericht, sondern... eine Zustandsbeschreibung. Erfahrungswerte. Das, was Eowyn ja schon beinahe befürchtet hatte, aber versucht hatte, sich drumherum zu winden. Als ob sie, so sympathisch sie Elise fand und so dankbar sie ihr für die Rettung war, ihr einfach so alles ausplaudern würde, was sie noch immer in Angst und Schrecken versetzte.
Und Elise nahm kein Blatt vor den Mund. Ein... Fußnotenverzeichnis? Im ersten Moment war Eowyn irritiert, dann aber musste sie ihr irgendwie zustimmen. So falsch war das nicht, auch, wenn die Ritterin eine interessante Art hatte, sich auszudrücken. Ziemlich direkt – erinnerte sie an einen gewissen Chiss. Auf jeden Fall war da sicher Luft nach oben, was Persönliches anging, aber Elise konnte nicht wissen, woran das alles lag. Sie konnte nicht wissen, dass Eowyn tot war, dass sie gerade mit einer Rolle sprach und Eowyn nicht im Ansatz wusste, wer sie eigentlich wirklich war.

Dann musste sie den Blick senken. Und Elise wusste auch nicht, welch katastrophale Jedi sie vor Bastion gewesen war. Worauf ihre Beförderung zurückzuführen war. Und dass der Tod von Allegious, so wichtig er vermutlich gewesen war, am Ende trotzdem Mord gewesen war.
Sie verstand, dass man dem Konzept des Rates kritisch gegenüberstehen konnte. Bis vor Bastion hatte sie selbst fest daran geglaubt, dass alles richtig seinen Weg ging. Die Entscheidung, sie zu befördern, hatte sie zweifeln lassen. Aber andererseits wusste sie auch nicht, wie man es besser machen konnte. Wahlen? Ein Rat auf Zeit? Unmöglich in manchen Bereichen, zum Beispiel bei den Schatten. Wie sollte man den Anführer einer Fraktion wählen, von der niemand wissen durfte, dass sie existierte?
Ich verstehe dich... Es ist kein gutes Konzept, aber leider das beste für die Ausgangssituation. Diplomatisch genug. Hoffentlich.

Und dann traf Elise nun einmal genau ins Schwarze. Sie tat nicht nur so, als hätte sie den Posten weil alle anderen nicht da oder tot waren – sie wusste es. Wes konnte so viel erzählen wie er wollte. Er konnte sie nicht an einem Abend absolut zu recht zumindest etwas rügen und am nächsten Morgen in den höchsten Rang erheben, den der Orden zu bieten hatte. Ja, auf Bastion hatte sie ihm verziehen, und es tat ihr Leid, wie sie auseinandergegangen waren, das änderte aber nichts am Kern der Sache. Und natürlich hätte man Brianna gewählt, wäre sie hier. Und selbstverständlich würde Ahna die Schatten führen, würde sie noch leben. Tatsachen. Alles Tatsachen. Wobei Eowyn die Verantwortung für die Schatten noch gar nicht übertragen bekommen hatte, einerseits absolut zu recht, andererseits bezeichnend.
Und "Plan B" hatte nichts damit zu tun, dass es weniger weh tun würde, weil ohnehin ja kaum etwas wirklich wehtat. Sie spürte doch beinahe nichts, was machte es da für einen Unterschied? Nein. Sie
war Plan B. Und das war... Nun, vielleicht nicht in Ordnung. Aber es war, wie es war. Plan B – und Verbrauchsgegenstand. Elise hatte irgendwie... vielleicht schon wieder ins Schwarze getroffen, oder es zumindest gestreift. War sie nicht manchmal genau das? Eine Dejarikfigur, die man früher oder später opfern würde, um den Houjix zu behalten? Ihr war bis zu diesem Moment nicht bewusst gewesen, dass es so sein könnte, aber... es war nicht komplett falsch. Und es war eigentlich auch nur naheliegend.

Sie sah Elise nur weiter schweigend an, als diese redete und sprach. Was sollte sie auch groß sagen? Ja, nein, vielleicht? Besser war es, dass das Thema auf Riuen kam, und Elises Geischtsausdruck veränderte sich. Plötzlich sah sie... entspannter aus. Und wie sie von ihrem Padawan sprach, klang es sehr wertschätzend und wohlwollend. Da hatte sich wohl wirklich ein Team zusammengerauft, das gut zusammenpasste und sich gegenseitig ergänzte.
Elise griff nun proaktiv nach ihrer Hand, und Eowyn bemühte sich, nicht zusammenzuzucken. Ihre Sorgen waren berechtigt. Und wer war Eowyn, dass ausgerechnet sie ihr diese Sorgen nehmen wollte? Eigentlich nicht sonderlich ehrlich.

Ich verstehe dich sehr gut, sagte sie monoton und sah auf die Bettdecke. Meine zweite Padawan liegt noch immer im Koma. Das ist jetzt... Ich weiß nicht. Über zehn Jahre her. Ich glaube nicht, dass sie jemals wieder aufwachen wird. Ich hätte sie nicht unvorbereitet auf eine solche Mission mitnehmen dürfen. Aber ich habe es unterschätzt, und sie wurde stark verwundet. Sie war jung und noch sehr unerfahren – und ich hätte sie beschützen müssen. Sie zwang sich, Elise wieder anzusehen. Aber Riuen ist anders. Er ist... wirklich erwachsen. Er hat viel durchgemacht, er weiß, was er will. Du kannst ihn ohnehin nicht halten und auch nicht mehr lange beschützen, früher oder später wird er zum Ritter werden. Deine Angst ist verständlich und berechtigt – aber ich fürchte, du musst lernen, deinen Weg damit zu finden. Und dabei schien das so unmöglich zu sein. Und fit werden wirst du im Nu. Wenn jemand das schafft, dann du. Elise besaß diesen eisernen Willen, etwas durchzuboxen, wenn man es sich in den Kopf gesetzt hatte. Sie würde sich da durchkämpfen.

Sie war sich sicher, dass die alte Eowyn mit ihren Augen gerollt hätte. Es war schön und gut, dass Elise irgendeine Art Respekt vor ihr zu haben schien, und vielleicht hatte sie auch gar nicht Unrecht. Gut möglich sogar. Trotzdem entfuhr ihr ein kleines, staccatoartiges Schnauben, als sie erwähnte, dass sie nicht komplett gebrochen war und erschrak im nächsten Moment vor sich selbst. Eine instinktive Reaktion – so etwas war lange nicht mehr vorgekommen.
Aber abgesehen davon, darum ging es nicht. Ruhig fuhr sie fort, obwohl ihr Inneres sich dagegen sträubte, der Frau zu widersprechen.
Da draußen in der Galaxis sieht das aber niemand, Elise. Da draußen sehen sie nur, dass ich eine Mörderin bin, die mutwillig einen Krieg ausgelöst hat und jetzt nicht einmal den Schneid hat, sich dem zu stellen; und morgen wird hinzukommen, dass ich mit einem ehemaligen Sith verlobt bin und damit die Republik verrate. Die Option, welche sie Murrrar vorgeschlagen hatte, nämlich, sie aus dem Orden zu werfen, schien eigentlich plötzlich wieder ganz logisch für sie, aber das lag nicht in ihrer Hand.

Eowyn hoffte, dass Elise recht hatte – dass Ian morgen in der Lage sein würde, die ganz große Katatstrophe abzuwenden und sie außerdem davor zu bewahren, völligen Blödsinn anzustellen. Aber auch Rornan und Murrrar würden ja anwesend sein. Der Quermianer war Kommunikationsprofi und würde hoffentlich darauf acht geben, dass sie nicht alles schlimmer machte.
Aber wir kam es, dass Elise nach nicht einmal einer halben Stunde Gespräch in die gleiche Kerbe schlug wie andere? Sich mehr zutrauen. Was
genau denn? Verdammt viel überlebt, das stimmte. Geradeaus reden? Sie wusste nicht genau, was die Frau vor ihr damit meinte. Aber im Prinzip war das gelogen, so wie alles hier gelogen war. Ihr ganzes Selbst war aktuell gelogen. Sie war gelogen. Sie war eine einzige Lüge, und das, wo es ihr immer so wichtig gewesen war, nicht zu lügen. Sie hasste lügen. Aber seit heute Morgen tat sie nichts anderes, so lange sie nicht alleine war. Und es wurde mühsamer und sie immer müder. Auf Bastion hatte es wunderbar funktioniert, zu sein, wer sie zu sein hatte, aber dort war es nicht um Stunden gegangen, und nicht darum, in schnellem Wechsel vor verschiedenen Personen zu bestehen. Bei Thanatos am Ende, ja, vielleicht, aber dort war das Ziel 'durchhalten' gewesen, und das war jetzt nicht der Fall. Loslassen... sie musste loslassen, aber sie konnte sich das nicht leisten.

Glücklicherweise musste sie nichts antworten. Die Tür öffnete sich, und Krina betrat wieder den Raum. Elise fand es furchtbar amüsant, was ihre Freundin da veranstaltete, Eowyn legte allerdings den Kopf schief. Sie verstand den Witz nicht, aber das musste sie auch nicht. Der Kaff jedenfalls war eine willkommene Aussicht. Ihr Konsum war seit gestern sprunghaft angestiegen, aber das scherte sie erst einmal nicht, so lange es ihr niemand verbat.
Krina sprach sie direkt an, fragte, ob es ihr gut ging, und Eowyn konnte nicht anders, als sie erst einmal nur anzusehen. Gut... gut. Natürlich ging es ihr gut. Ihr ging es immer gut... Sie nickte schließlich.
Danke. Dann folgte die Warnung, Elise nicht zu unterschätzen. Thearterra. Das war keine Überraschung, zumindest nicht, was Riuen anging, und es war nur logisch, dass Elise den gleichen Gedanken hegte. Außerdem lag auf der Hand, dass gerade die Ritterin diesen Drang hatte. Wenn es um ihr eigenes Leben ginge, Eowyn würde wohl ähnlich handeln, auch bei dem ihres Schülers.

Der Droide hatte das Tablett auf dem kleinen Tisch neben Elises Bett abgestellt, und halb abwesend schenkte sich Eowyn per Levitation eine Tasse Kaff ein, welche sie dann zu ihr herüberschweben ließ. Sie nippte daran und kühlte ihn dann automatisch per Materiemanipulation ein paar Grad ab. Es war mieser Kaff, aber es war Kaff, also was sollte es.
Sie war geistig müde. Und beinahe hätte sie dem Drang, einfach zu gehen, nachegegeben, aber Elise hatte sie gebeten zu bleiben, und das würde sie auch tun. Genauso hatte Elise sie aber gebeten, von Bastion zu erzählen, und davon, wie es ihr ging. Letzteres wusste sie nur nicht einmal. Aber Elise hatte gefragt, und es strengte sie an, dagegen anzukämpfen.


Ich weiß nicht, wie es mir geht, sagte sie also schließlich beinahe gleichgültig nach ein, zwei Minuten Stille. Wobei ich weiß, dass es mir nicht gut geht.
Ich habe Allegious ermordet. Ich habe einen galaxisweiten Krieg begonnen. Ich habe vielleicht die Liebe meines Lebens verloren. Ich wurde auf Bastion gefoltert, bedrängt, psychisch gequält und mehr, aber wem erzähle ich das...
Elise hatte das doch, laut ihrer Akte, alles selber durch, auch, wenn Eowyn nichts genaues wusste. Keebo hat mich gebrochen, ohne es zu wollen oder zu wissen. Eowyn ist tot. Ich bin ein Nichts. Mein Körper ist zerstört und gezeichnet. Der Rat vertraut mir nicht, zu recht, denn ich habe vor Bastion den Orden hintergangen und hinterher alleine Entscheidungen getroffen. Ich bin keine Jedi mehr, schon lange nicht mehr. Und was du bis eben gesehen hast, Elise...
Sie ließ los.
Es war anstrengend. Sie hatte vor sich behauptet, sie könnte das, sie würde das problemlos machen können, so lange sie wollte, aber sie hatte unterschätzt, wie viel Kraft es kostete, und wie wenig sie davon überhaupt noch besaß.
Sie sackte im Stuhl zusammen und atmete aus, bis beinahe keine Luft mehr in ihren Lungen war, dann zog sie sie mühsam wieder ein. Sie hob ihren Blick nicht mehr und ließ ihre Kafftasse nur nicht fallen, weil sie aus Reflex mit der Macht danach gegriffen hatte, als sie ihr aus der linken Hand rutschte.


...war eine Lüge. Selbst ihre Stimme klang wieder rauher, kratziger. Aber obwohl sie gedacht hatte, es würde sich vielleicht besser anfühlen, die Rolle der Rätin abgelegt zu haben, war da keine Erleichterung und keine Befreiung, nein. Sie fühlte wie allermeistens einfach... nichts.

Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Intensivstation - Elises Zimmer, mit Elise
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Ratssaal, Fabienne, Aleron, Murrrarchesch und Z5

Murrrar wollte zwei Dinge mit einer Aktion testen - Alerons Reflexe und natürlich seine Fähigkeiten im Absorbieren. Der Telemat war nicht sonderlich hoch eingestellt, Absorbieren war eine Fähigkeit, die viel Zeit und Erfahrung benötigte, und so wollte Murrrar lieber sehen, ob Aleron diese Sache grundsätzlich beherrschte, als ihn mit zu starken Schüssen zu überfordern.

Die Prüfung der Reaktionsschnelligkeit jedenfalls bestand der Padawan in Murrrars Augen. Zwar wäre er zu Boden gegangen, wäre das hier eine reale Situation, aber/ im Ratssaal unvermittelt angegriffen zu werden war nun einmal eine Sache, die nicht zwingend oben auf der Liste des Erwartbaren stand. Außerdem war die gesamte Prüfung schon weit fortgeschritten, und es durfte nicht unterschätzt werden, dass diese auch dann anstrengte, wenn man "nur" sprach.
Auch relativ unvorbereitet war er also in der Lage, die Schüsse aufzunehmen und zu neutralisieren. Dass er dabei nicht perfekt agierte war absolut verständlich und wäre eigentlich sogar eine Überraschung gewesen. Das Prinzip aber hatte der Morellianer verstanden, und das war es ja, worauf es Murrrar angekommen war. Außerdem war er in der Lage, die hohe Konzentration längere Zeit zu halten, was ebenfalls kein Kinderspiel war.

Kurz bevor Murrrar den Telematen deaktiveren wollte, griff Aleron selbst hinaus und schritt zur Tat. Er kannte seine Grenzen - eine positive Eigenschaft. Der Rat ließ ihm Zeit, seinen Atem wieder zu beruhigen und ließ derweil den Telematen zurück in den Schrank schweben. Dann beäugte er die Handflächen des Mannes und nickte.


[Ihr seid auf einem guten Weg. Versucht, die Energie so schnell wie möglich in Euren kompletten Körper zu leiten...]

Murrrar grollte genervt den Droiden an.

[Verzeihung. Versucht, die Energie so schnell wie möglich aktiv in Euren kompletten Körper zu leiten. Anscheinend ist das relevant. Das könnte besser funktionieren. Aber Ihr habt Euch gut geschlagen.]

Der Wookiee nickte Aleron zu, dann nahm er sich zwei, drei Sekunden, um in sich hineinzufühlen. Anschließend richtete er erneut das Wort an ihn.

[Ihr habt gezeigt, dass Ihr über die nötigen Fähigkeiten verfügt und außerdem in der Lage sein werdet, Euch die weiteren Kenntnisse eigenständig zu erarbeiten. Auch Eure Beweggründe sind nachvollziehbar. Daher ist es mir eine Freude, Euch offiziell in den Rang eines Jedi-Ritters zu erheben, Aleron Blackthorne.]

Murrrar verbeugte sich leicht, um dem frischgebackenen Jedi-Ritter die Ehre zu erweisen.

[Ihr seid fortan mit allen Rechten und Privilegien sowie den Pflichten eines Ritters ausgestattet und ich beende hiermit diese Prüfung.]

Er grinste, wobei seine Zähne zum Vorschein kamen, und wies mit der Hand auf Fabienne, die noch immer ruhig im Hintergrund stand.

[Selbstverständlich könnt Ihr nun mit Euren Freunden und Bekannten feiern. Ich wünsche Euch dabei viel Spaß.]

Es wäre nicht das erste Mal, dass nach einer Erhebung in diesen Rang ein kleines Fest stattfand, sei es in der Kantine oder auf einem Zimmer. Nur die Meditationsräume waren dafür natürlich tabu. Murrrar war nicht der Typ für derlei Dinge, aber er gönnte einem jedem diese Freude.

Coruscant - Jedi-Tempel - Ratssaal, Fabienne, Aleron, Murrrarchesch und Z5
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation- mit Eowyn und Krina

Sie nickte zustimmend. Lange hatte sie Riuen als ihre höchsteigene Prüfung gesehen. Von der Macht entsandt, damit sie selbst endlich erwachsen wurde. Und nun ... wahrscheinlich war das auch so. Er konnte ein Mistkerl sein, ja. Aber wenn man durch die harte Schale hindurchsah, war da ein wirklich sensibler Kerl. "Auf Bastion waren wir in meiner Wohnung und haben viel geredet. Das war der Moment an dem ich erkannt habe, dass wir eigentlich auf Augenhöhe sprechen. Da habe ich verstanden, dass wir nicht Meister und Schüler im klassischen Sinne sind, eine die beschützt, einer der lernt, sondern dass wir voneinander lernen. Und miteinander wachsen." sie sinnierte herum, was für ein scheiß sentimentaler Nachmittag. Aber sie nickte und warf Eowyn ein warmes Lächeln zu, als sie sie bestärkte. "Ich denke schon. Es wird wieder bessere Zeiten geben. Für uns alle."

Elise sagte dann erst mal nichts. Das war ungewohnt. Normalerweise hatte sie immer etwas, das man zwischen sich und einen Moment werfen konnte wie eine Decke. Einen Spruch, eine scharfe Bemerkung, irgendein kleiner Stolz, der sich notfalls als Humor verkleidete. Aber Eowyn hatte gerade zu viele Dinge auf einmal gesagt. Dinge, die man nicht mit einem Satz glatt ziehen konnte, ohne dass es billig wurde. Sie beobachtete, wie Eowyn die Tasse hielt, als wäre sie ein Anker. Wie die Macht in einem Reflex zugriff, als die Finger nachgaben. Wie die Schultern nach vorne sanken, nicht dramatisch, eher wie ein Körper, der aufhört, sich selbst zu tragen, weil es für diesen Moment egal ist, ob jemand es sieht. Elise spürte, wie ihre eigene Kehle eng wurde. Nicht vom Virus. Von Bastion. Von dem Bild, das sie im Kopf hatte, seit sie Eowyn damals aus dem Labyrinth gezogen hatte. Damals hatte der Imperiale Dreck alles aus ihr rauskratzen wollen, was sie zu Eowyn machte. Jetzt saß die gleiche Person im Schwebestuhl und kratzte es sich selbst raus, ganz ohne Folterhaken.

Sie legte ihre Hand auf die Bettkante und machte eine lange Denkpause.

"Okay", sagte sie schließlich, rau, aber kontrolliert. "Danke."

Das war kein Trost. Es war Anerkennung. Fürs Sagen. Fürs Zulassen. Fürs Kurz-Aufhören-zu-Funktionieren. Sie atmete einmal vorsichtig ein, dann wieder aus. Ihr Körper wollte wieder in das alte Muster rutschen, in dem man sich in solchen Momenten einfach aufrichtet und tut, als wäre das hier ein Gespräch unter Profis, kurz vor einem Einsatz. Aber das war es nicht. Das war eine Krankenstation. Und Eowyn war gerade nicht Rätin. Nur eine Frau, die seit Stunden, vielleicht seit Jahren, eine Rolle so fest gehalten hatte, bis die Finger schmerzten.

Elise ließ die Worte nicht stehen, wie sie da lagen. Sie hob sie auf, drehte sie, bis sie die Kanten fand.

"Nein", sagte sie ruhig. "Du hast Allegious beendet." Sie hob die Augenbrauen leicht, als würde sie sich selbst korrigieren.

"Und bevor du mich jetzt wegen Wortklauberei aus dem Zimmer werfen willst, hör kurz zu." Sie hielt den Blick an Eowyn fest, auch wenn sie nicht hochsah. Das war egal. Worte fanden auch ohne Blick ihren Weg.

"Allegious war kein Mann, der zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort stand. Er war die Quelle. Er war die Ursache einer galaxisweiten Pandemie. Er hat geforscht, weitergeforscht, während Leute … irgendwo da draußen … schon längst gestorben sind, ohne zu wissen warum."

Elise merkte, wie Wut in ihr hochkam, heiß und klar. Nicht gegen Eowyn. Gegen den Namen. Gegen das System, das so etwas verursachte und das andere, das es nicht lösen konnte.

"Wenn du ihn nicht gestoppt hättest, wenn wir ihn nicht gestoppt hätten, dann wäre das Virus, oder vielleicht ein anderes, einfach weitergezogen. Von Welt zu Welt."

Sie ließ kurz Luft durch die Zähne aus. "Es gibt immer tausend Gründe für das Imperium einen Krieg zu entfachen, das hier war der einfachste, andere hätten diesen problemlos ersetzen können. Und dann hätten wir einen Virus und einen Krieg." Sie machte eine kleine Pause, gab dem Raum die Chance, nicht zu kippen. Elise spürte, wie sich ihr eigener Puls wieder hochschob, aber sie blieb. Sie musste bleiben. Wenn sie jetzt zurückwich, würde Eowyn wieder in diese Leere rutschen, in der alles gleichgültig klang.

"Hör auf, dir Vendar auf die Stirn zu kleben." Sie schob sich ein Stück höher an der Bettkante, ignorierte das Brennen in den Beinen. "Vendar wollte Krieg. Sie hat nur den Vorwand gebraucht. Du hast ihr keinen Krieg geschenkt. Du hast ihr ein Puzzleteil gegeben, das sie ohnehin irgendwo gefunden hätte. Wenn nicht bei uns, dann bei irgendwem anderen."

Elise senkte die Stimme. "Und falls du mir das nicht glaubst, dann glaub dir selbst. Du hast es vorhin praktisch so gesagt. Dass sie schon im Startblock stand. Dass sie nur gewinnen kann. Das ist nicht deine Schuld. Das ist ihre Natur."

Dann kam der Satz, der Elise fast mehr traf als alles andere. Elise blinzelte langsam. Ein Moment, in dem sie merkte, wie ihr instinktiv eine Antwort hochschoss, die zu groß gewesen wäre. Also machte sie es kleiner. Präziser.

"Du bist nicht tot. Du bist müde." Ihre Stimme wurde einen Tick weicher, ohne schmalzig zu werden, doch in einem ihrer Augen löste sich so langsam eine kleine Träne.

"Und du bist verletzt. Nicht nur am Rücken. Du bist … von innen erschöpft. So, dass du Dinge nicht mehr fühlst, weil dein Körper entschieden hat, dass Fühlen gerade Luxus ist." Elise atmete flach.

"Das ist ein Überlebensmechanismus. Keine Beerdigung." Sie ließ den Satz da stehen, als könnte er sie etwas entlasten. Eowyn hatte weitergeredet, von Keebo, von gebrochen sein, von Lüge, von nicht mehr Jedi sein, von dem Rat, der ihr nicht vertraue. Von Liebe, vielleicht verloren. Elise spürte, wie sich bei dem Wort Liebe etwas in ihr zusammenzog. Nicht, weil sie neugierig war. Sondern weil das der Teil war, den man am ehesten versteckte. Den man am ehesten als Schwäche deklarierte, damit er einen nicht umbrachte.

"Du sagst, du bist keine Jedi mehr", sagte Elise. "Und du sagst das, als wäre Jedi sein ein Abzeichen, das man verliert, wenn man Mist baut."

Sie zog die Augenbraue hoch.

"Sieh mich an. Ich habe schon immer ein Problem mit Autoritäten gehabt, also glaub mir, ich bin nicht diejenige, die hier sitzt und dir eine Ordensdefinition um die Ohren haut."

"Ich glaube, du verwechselst zwei Dinge"
, fuhr sie fort. "Eine Lüge ist, wenn du weißt, was wahr ist, und trotzdem bewusst das Gegenteil sagst, weil du damit etwas manipulierst. Weil du jemandem schaden willst. Oder dich bequem rausmogeln."
Sie zuckte mit den Schultern "Das ist nicht schön. Aber es ist auch nicht automatisch falsch."

Sie merkte, wie ein Teil von ihr es satirisch kommentieren wollte. Wie sie fast sagte, willkommen in der Galaxis, hier tragen wir alle Masken. Aber das wäre zu billig gewesen. Eowyn hatte nicht aus Spaß von Lüge gesprochen. "Und jetzt kommt der unangenehme Teil", sagte Elise leiser. "Du tust so, als gäbe es nur zwei Zustände. Entweder du bist die echte Eowyn oder du bist eine Lüge. Entweder alles oder nichts. Schwarz oder tot. Da drinnen hat man dich genau dahin gedrückt. Dass du dich selbst nur noch in Extremen definierst."

"Wie sieht es wirklich aus, Eowyn? Was fühlst du, wenn Keebo in deinem Kopf vorkommt?"
sie bohrte weiter. Auch auf die Gefahr hin, dass Eo nun hinwarf und sich aus dem Staub machte.

"Was ich wahrnehme ist: Du bist da. Du bist handlungsfähig genug, um morgen einen Senat auszuhalten. Du bist wach genug, um dich schuldig zu fühlen. Du bist klar genug, um zu wissen, dass du gerade eine Rolle spielst und das bedeutet, du hast etwas, das dir Keebo und auch sonst niemand genommen hat. Die Fähigkeit eine Entscheidung zu treffen."

Für sie war das ein Anker und sie hoffte für Eowyn auch "Du kannst wählen, wie du weitermachst", sagte Elise. "Nicht alles. Nicht den Senat. Nicht Vendar. Nicht, was die Holokanäle draus machen."

Sie hob die Hand minimal, als würde sie Grenzen abstecken.

"Aber du kannst wählen, wem du was gibst. Und wie viel. Und wann."

"Wenn du morgen die Rätin spielst, dann spiel sie gut. Du kannst das! Für die Leute, die sonst sterben. Für die Republik. Für Ian, der das überhaupt erst angestoßen hat, weil er wahrscheinlich genau wusste, dass er dich nicht schützen kann, aber dir eine Struktur geben kann. Und danach"
sagte sie, "danach musst du nicht weiter spielen, wenn du nicht willst. Danach kannst du entscheiden, gegenüber wem du die Maske abnimmst. Vielleicht Murrrar. Vielleicht Rornan. Vielleicht Ches. Vielleicht niemandem. Vielleicht nur mir, wenn du das erträgst."

Sie schaute aus ihren tiefen, von Schmerz gezeichneten Augen zu ihrer Gegenüber. Es war so eine absurde Situation. Doch so war sie nun mal. Wichtig war zu wissen, warum man so geworden war, aber wichtiger wie man wieder vor diese Welle kam.

Corurscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - mit Eowyn
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Intensivstation - Elises Zimmer, mit Elise

Elises Reaktion war... wenig. Ein Okay. Ein Danke. Danke wofür? Unwichtig. Aber es war nicht überraschend. Sie hatte die Ritterin überrumpelt und ihr Dinge vor den Latz geknallt, die man erst einmal verstehen musste. Vielleicht wäre es sogar besser, Elise würde überhaupt nichts dazu sagen. Denn was würde am Ende bleiben? Ein "so ein Unsinn" oder "bist du dir sicher?". Vielleicht noch ein "es tut mir so Leid für dich".
Eowyn blieb ein wenig erleichtert in ihrer Position und konzentrierte sich rein darauf, zu atmen, während die Stille herrschte – nicht unangenehm, einfach nur da. Dann aber sprach Elise doch weiter.

Allegious. "Beendet". Wie ein Computerprogramm, das sie einfach abgeschaltet hatte, nicht, wie ein lebendes, fühltendes Wesen, dessen Herz aufgehört hatte zu schlagen, als sie es mit dem Lichtschwert durchbohrt hatte.
SIe hörte zu, wie Elise argumentierte. Ähnlich wie Riuen, Malek, Ian. Und sie hatten recht. Sie alle hatten recht. Sie musste das akzeptieren und annehmen, das war ihre Pflicht und ihre Aufgabe. Etwas anderes kam nicht in Frage.
Ihr habt recht, flüsterte sie, bevor sie Elise weiter zuhörte. Sie ging sogar noch weiter. Es hätte auf jeden Fall Krieg gegeben? Vielleicht. Möglich wäre es. Coruscant war schließlich nur ein Geschenk gewesen, um die Republik zu schwächen.

Elise redete sich halb in Rage und führte ihr vor Augen, dass Vendar so oder so in Aktion getreten wäre. Sicher? Sie hatten ihr praktischerweise Allegious aus dem Weg geräumt. Hatte sie nur darauf gewartet, hatte sie darauf hingearbeitet, hatte sie schlicht die Gelegenheit ergriffen? Sie würden es wohl nie erfahren. Aber widersprechen durfte sie Elise auch nicht. Vielleicht hatte sie recht. Und selbst, wenn nicht... sie gab keine Widerworte.

Elise jedoch schon. Sie war nicht tot, sondern müde? Oh wie schön wäre es, Elise würde recht haben. Aber sie hatte nicht gespürt, wie etwas in Eowyn gebrochen war, dort in der Zelle bei den Extinktoren. Sie war Stück für Stück auseinandergenommen worden, Tag für Tag, und am Ende war sie dort zusammengebrochen. Von innen erschöpft... ein schönes Bild. Eines, das bedeuten würde, sie müsste nur ein wenig metaphorisch innerlich schlafen, und schon wäre sie wieder die alte Eowyn. War es so einfach? Eowyn war fort. Sie hatte... sie war weg. Es war nicht nur, dass sie nichts mehr fühlte. Sie war... sie
war nicht. Es fühlt sich nicht so an, raunte sie nur. Kein Widerspruch, keine Zustimmung. Sie bewegte leicht ihre rechte, verletzte Hand und blickte darauf. Sie spürte sie... ganz normal. Ihr Körper war vorhanden, er heilte, abgesehen von ihrem Rücken. Aber der Rest?

Ian hatte die ganze Zeit recht gehabt. Die ganzen Monate und Jahre vor Bastion. Er war sich so sicher gewesen, dass sie das "Jedisein" als Definition für sich selbst nahm, dass sie nichts war ohne diesen Titel. Sie hatte ihm widersprochen, immer und immer wieder, hatte ihm versichert, dass sie mehr war als das. Aber Elise blies ins gleiche Horn. Anscheinend war ihr diese Berufung tatsächlich zu wichtig, ohne, dass sie sich dessen bewusst gewesen war. Vielleicht etwas gutes daran, dass Eowyn fort war. Vielleicht konnte sie jetzt jemand sein, der es nicht wichtig war, ob sie nun eine Jedi war oder nicht.
Ich war immer der Meinung, Jedi müssten gewisse... Werte vertreten, sagte sie leise. Aber ich habe den Orden für Ian verraten. Weshalb damit hinter dem Berg halten? Elise sollte ein echtes Bild bekommen, wenn sie nun schon eines erhielt. Vielleicht wurde es dann realistischer. Und ich hätte es wieder getan. Außerdem habe ich meine Gefühle nicht unter Kontrolle. Hatte, korrigierte sie sich. Aber du hast recht. Vermutlich spielt es keine Rolle, was ich bin.

Doch nun kam der wirklich wichtige Teil... was sie nach außen hin vorgab zu sein, war eine Lüge. Selbst Ian log sie seit heute in Teilen etwas vor. Er sah noch am meisten, was wahr war, doch auch für ihn hatte sie ein wenig eine Rolle gespielt. Sie... konnte nicht anders. Ihn zu sehen, wie er sie so gebrochen sah... Sie wusste nicht mehr, was sie fühlte, aber sie wusste eines ganz genau – Ian musste es besser gehen und sie durfte ihm nicht noch mehr wehtun. Und daran würde und musste sie alles setzen.
Elise aber sah das... differenzierter. Für sie war eine Lüge nur, wenn sie jemandem schaden wollte, doch Eowyn Sicht war eigentlich anders. Die besten Intentionen konnten am Ende auch nur eine Lüge sein? Sie würde darüber nachdenken müssen. Vielleicht sogar meditieren.

Aber sie war noch nicht fertig. Es gab
nicht nur zwei Zustände? Hätte Eowyn noch Kraft gehabt, sie hätte verwirrt die Stirn gerunzelt. Was war da sonst? Und was meinte sie damit, wie es wirklich aussah? Da war nichts sonst. Und wenn sie an Keebo dachte, wenn sie Keebo in sich hineinließ... Keebo in ihrem Kopf. Wie auf Bastion. Keebo, der ihr in ihrem Kopf Mellah zeigte. Tot. Während er sie im Griff hatte, unbeweglich, unmöglich, sich zu wehren. Der von ihr verlangte, klein beizugeben. Sich nicht mehr zu wehren. Loszulassen. Ihren Stolz aufzugeben. Das letzte. Den letzten, dünnen Faden. Sie selbst, die große Lüge. Die falsche Rätin.

Sie bemerkte nur am Rande, wie sie immer weniger Luft bekam, wie ihre Kafftasse nun endgültig aus der Hand rutschte und Richtung Boden fiel, wie ihre rechte Hand in der Schiene den Schwebestuhl umklammerte. Der Imperator ist unfehlbar. Unfehlbar. Mellah. Rhovan. Sterben. Keebo. Stolz... Und Lüge. Alles, alles Lügen. Atmen. Sie musste atmen. Sie musste... Keebo war fort. Keebo hatte nie wirklich existiert. Sie musste ihn... vergessen. Sie musste... atmen. Atmen. Sie war auf Coruscant. Es war... vorbei. Atmen. Vorbei... Elise. Sie musste... Elise.
Eowyn hob langsam den Kopf, suchte einen Anker in Elise. Ein. Und aus. Ein. Und aus... Immer weiter. Und ihr Sichtfeld, von dem sie nicht einmal bemerkt hatte, dass es klein geworden war, vergrößerte sich langsam wieder.

Das.
Das fühlte sie.
Sie wusste nicht,
was das war. Aber... das.

Aber Elise sah mehr. Entscheidungen treffen. Und dabei... traf sie damit nicht wieder etwas? Entscheidungen treffen.
Ich treffe Entscheidungen, wenn ich muss, Elise, sagte sie rau. Aber meistens, und das war ihr vollkommen bewusst, ließ sie es bleiben. Ließ andere entscheiden. Warum auch nicht? Aber nur im Notfall. Wenn ich es nicht verhindern kann. Denn, Elise... Sie sind falsch. Ich... ich bin... ich bleibe doch ein kluges Mädchen... ich... Atmen. Kluges Mädchen. Keebo. Thanatos. Atmen. Aaatmen. Sie wollte die Augen schließen und aufwachen. Das hier war nur ein katastrophaler Alptraum. Das hier... das hier, das war... Wählen. Wem, wie viel, wann... aber was? Elise hatte auf jeden Fall recht, sie musste sich zusammenreißen. Sie musste... wieder zur falschen Rätin werden. Für die Republik, aber ja, vor allem, ganz besonders, für Ian.
Sie wollte nicht. Sie wollte... nicht lügen. Nicht jemand anderes sein. Sie wollte... sie selbst sein, irgendwie, wer auch immer sie war.
Aber sie musste erst einmal weiterlügen.
Und vielleicht... Vielleicht würde diese Lüge irgendwann zu ihr selbst werden können?

Da war keine Kraft mehr. Kein bisschen. Eigentlich. Und trotzdem, auch wenn es das Gegenteil von dem war, was sie wollte oder konnte, suchte Eowyn in sich, kratzte alles zusammen, was sie noch irgendwie finden konnte, um sich langsam wieder aufzurichten. Rätin Eowyn El'mireth. Und niemand sonst.
Ja. Ich kann das morgen.
Sagte die Rätin.
Denn wen interessierte schon, was die leere Eowyn wollte?


Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Intensivstation - Elises Zimmer, mit Elise
 
Corurscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - mit Eowyn

Man hätte den dramatischsten Flimsi der Galaxie aus dem Fallen der Tasse produzieren können, der wie etwas wirkte, das Elise seit Ewigkeiten nicht gesehen hatte. Das musste der Moment sein, in dem es 'klick' machte. In dem sie akzeptierte, dass sie mehr war. Mehr als ... das. Doch es war anders. Ein Bröckeln. Ein Straucheln. Ein Funken schlug. Aber ein Feuer? Weit gefehlt.

Doch Elise wollte jetzt die Brandstifterin sein. Und sie würde Eowyn nicht mehr rauslassen aus dieser Nummer.

Ohne dass sie es wollte schlug sie verstärkt mit der Macht auf das Bettgestell, das dadurch eine fast unmerkliche Delle bekam.

"Du musst ständig", sagte sie laut und bestimmt. Fast zu laut. Möglicherweise anmaßend. Doch das war jetzt egal. "Du musst, wenn du atmest, obwohl du am liebsten aufwachen würdest. Du musst, wenn du den Kaffee nicht fallen lässt, obwohl du ihn nicht mal schmeckst. Du musst, wenn du den Satz 'ich kann das morgen' sagst, obwohl alles in dir schreit, dass du nicht kannst."

Elise ließ die Stimme einen Tick tiefer werden.

"Und weißt du, was ich daran nicht ertrage?"

Sie hielt den Blick auf Eowyn und eine Träne mischte sich ein.

"Du tust verdammt noch mal so, als wäre das moralisch irrelevant. Als wäre das nur Mechanik. Als würde es niemanden interessieren, was du willst."

Sie atmete aus.
Langsam.
Kontrolliert.

"Doch. Es interessiert." Sie tippte sich mit zwei Fingern gegen die Brust. "Mich."

Dann überkam es sie.

"Und ich bin nicht die einzige die sich für dich interessiert." da war sie sich sicher. "Und doch versteckst du dich feige hinter einer Fassade, die du längst durchbrochen hast. WARUM?" Schrie sie förmlich. "Weil du Angst hast, was andere dann über dich denken? Weil du oooooooh bööööse" sie machte überspitzte Gesten mit ihren Fingern "die dunkle Seite in dir spürst? Weil du Angst davor hast das Falsche zu tun? Weil alles was du je getan hast womöglich die reinste Katastrophe war?" Sie durchbohrte die Rätin mit ihren Blicken.

"Ich spüre so viel Zweifel in mir, dass ich es meistens nicht mal aushalte. Weil mir alles zu viel wird. Ich mich dermaßen überfordert fühle. Mit dem scheiß Riuen, der glaubt er wäre die personifizierte Weisheit. ER IST EINE PRÜFUNG! Und mir so nahe und so wichtig wie kein anderer ... und ich hab ihm verdammt noch mal immer noch nicht Bescheid gesagt, dass ich wach bin" sie schluckte "Und dann dieser ständige gut gegen böse Schwachsinn, der das Gleichgewicht hält. Bla bla bla." ihr Herz schlug rasend schnell, sie war total in Rage. "Diese ganze verkackte Ideologie kostet mich den Verstand!!!!" sie atmete zwei mal schwer und hustete. "Doch ich bin hier.

Ich.
Bin.
Hier.

Weil ich immer noch daran glaube, dass es einen Sinn hat, was wir hier tun. Schneid die Hälfte vom Hokus-Pokus ab und ich bin immer noch viel näher dran am verdammten Kodex als die meisten im Orden. Doch ich bin nicht nur das. Ich entscheide durch meine Taten. Jeden verdammten Tag. Und das ist nicht, weil ich eine Jedi bin. Sondern weil ich Elise bin. Die Summe vieler Eigenschaften. Jedi-Sein ist eine davon."


Sie hustete erneut und holte gleich noch mal aus. "Und warum zur Hölle glaubst du, dass Ian eine falsche Entscheidung war? Er ist der Schlüssel gewesen für den Virus, oder nicht? ODER NICHT?" sie richtete sich schmerzgeplagt auf. "Entscheidungen für ein höheres Wohl zum eigenen Leidwesen zu treffen, ist wohl das Bitterste überhaupt. Aber du weißt es. Du weißt es ganz genau. Es hat den Orden und die Republik nicht geschwächt, im Gegenteil. Das war eine weitsichtige, kluge Entscheidung. Egal worauf sie basiert hat."

Sie ließ sich schlussendlich zurückfallen und hielt den Moment in Stille aus.

Elise fühlte sich, als würde sie gleichzeitig stehen und fallen. Ihr Körper war noch immer ein Fremdkörper, zu schwach für die einfachen Dinge und doch ständig bereit, sie dafür zu bestrafen, dass sie überhaupt existierte. Aber das war nur die Oberfläche. Darunter lag dieser merkwürdige, schneidende Mix aus Zuneigung und Alarm, weil Eowyn vor ihr nicht nur eine Rätin war, sondern ein Mensch. Es machte sie wütend, wie leicht Eowyn sich selbst zu einem Verbrauchsgegenstand erklärte, und es machte sie gleichzeitig still, weil sie begriff, dass das nicht Arroganz war, sondern eine Art innerer Notfallmodus. Elise spürte den Drang, sie zu schütteln und zu halten zugleich, und diese Gleichzeitigkeit war es, die sie so resolut werden ließ, fast gegen ihren eigenen Erschöpfungszustand.

Und dann war da ihre eigene Vergangenheit, die sich wie ein Schatten über jede ihrer Reaktionen legte. Bastion war nicht nur ein Ort gewesen, sondern ein Geruch, ein Gefühl von Metall im Mund, die Erinnerung an Ketten, an Gänge, an Hände, die zu lange gezittert hatten, das wusste sie. In Eowyns Atemnot und diesem kurzen Wegkippen der Realität erkannte Elise zu viel von sich selbst wieder, diese Momente, in denen man sich entscheidet zu funktionieren, weil die Alternative Schreien wäre und Schreien sich anfühlt wie Sterben. Sie kämpfte dagegen an, nicht in dieselbe Mechanik zu rutschen, nicht wieder diejenige zu werden, die alles mit Härte überdeckt, weil es sonst zu nah kommt. Aber genau deshalb blieb sie, genau deshalb wurde sie hartnäckig: weil sie wusste, wie es endet, wenn man die eigenen Gefühle immer nur verpackt, bis man irgendwann nicht mehr weiß, was überhaupt noch drin ist.

Aus einem Impuls heraus griff die Ritterin dann nach ihrer Hand, nur um völlig überraschend ihre Empfindungen an die Rätin weiterzuleiten.

Der Schmerz des Besuchers. Die bereits verschwommene Zuneigung für Markus. Die Verzweiflung, ob der Gesundheit ihres Schülers. Das erste Training (mit ihr!). Die Gefangenschaften. Das Massaker auf Haruun Kal. Die Freundschaft zu JK. Ein gutes Essen. Ein Büro voller widerlicher Imperialer. Eine Party. Ein Abend. Ein Stück Heimat auf Alderaan. Kindheit. Bindungen. Vergessenheit.

Liebe.
Kälte.
Stärke.
Schwäche.
Chaos.


Ruckartig flackerten alle Szenen wie in Lichtgeschwindigkeit an ihnen vorbei, der Moment in dem sie die Kontrolle zurückerlangte und den Übergriff beendete. Normalerweise hätte sie sich dafür tausendfach entschuldigt. Doch es tat ihr nicht leid. Sie hatte ihrem Innersten ein Fenster verpasst. Eowyn sah nun mehr als jede/r vor ihr. Eine weitere Träne mischte sich ein. Dann fixierte sie die Rätin sehr entschlossen.

"Du erzählst mir jetzt, was mit dir los ist, was geschehen ist Eowyn. Erkunde dich. Nicht weil du es mir schuldest dass ich das höre, sondern weil du es dir selber schuldest! Egal was, teile deine Gefühle. Vorher wirst du diesen Raum nicht verlassen." Egal wie. Sie würde das zu verhindern wissen. Es war noch nicht klar mit welcher Armee, aber das war das Problem von Zukunftselise. "Wer sitzt hier wirklich vor mir?"
Corurscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - mit Eowyn
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Intensivstation - Elises Zimmer, mit Elise

Eowyn wusste nicht, welche Reaktion sie von Elise erwartet hatte. Woher auch? Aber sie hatte irgendwie gehofft, dass es das war. Sie hatte vor Elise zugegeben, dass sie eine Lüge darstellte, und sie hatte ihr auch gesagt, dass sie das hinbekommen würde. Es ihr gezeigt. Trotz der Tatsache, dass Entscheidungen treffen so ungefähr das letzte war, wonach sie strebte. Aber Elise ließ nicht locker. Bestand laut und vehement darauf, dass sie andauernd Entscheidungen treffen musste. Was... ihre ganze Zukunft noch viel schwieriger machte, falls sie recht hatte.
Eowyn gab sich größte Mühe, ihre Haltung beizubehalten. Die Haltung, die sie mit letzter Kraft wieder aufgenommen hatte, und die Rolle, die dem Blick Elises nicht auswich. Nicht ausweichen durfte. Und die alles sah – inklusive der Träne, die so gar nicht zu dem passte, was Elise sagte, was eher wie ein Vorwurf klang. Einer, der zu recht kam. Das... war nicht das, was sie vermitteln wollte. Natürlich interessierte es manche, was sie wollte. Manche mehr, manche weniger. Sie starrte zurück zur Ritterin, unfähig, ihr zu antworten. Ian interessierte es. Das ganz sicher. Malek vermutlich auch. Wen es vor allem nicht interessierte... war wohl sie selbst; weshalb auch, da war ja niemand in ihr, dessen Meinung zählte.

Elise durchbrach die kleine Denkpause. Es mochte tatsächlich sein, dass sie sich dafür interessierte, auch, wenn Eowyn irgendwie nicht begriff, weshalb eigentlich. Elise war ihr überhaupt nichts schuldig, im Gegenteil. Sie beide verband keine wirkliche Freundschaft, und bisher war ihr so etwas nie vorgekommen. Missionen kamen und gingen, und mit ihnen die Teilnehmer. Normalerweise. Ja, Elise war
ihr ans Herz gewachsen, auch, weil die Frau ihr in den Katakomben mehr als nur ihre Hand geliehen hatte, aber andersherum?
Da war aber nicht viel Zeit, das innerlich zu hinterfragen, und Eowyn traute sich auch nicht, es laut auszusprechen. Elise wurde lauter, immer lauter, und Eowyn hatte Mühe, ihre Haltung zu wahren; wäre sie doch am liebsten zusammengesackt und geflohen.

Doch sie war Rätin.
Rätinnen flohen nicht.
Rätinnen wahrten Haltung.
Rätinnen hielten stand.

Auch, wenn sie feige genannt wurden. Und ängstlich. Und dabei hatte es Eowyn noch nie, noch wirklich nie interessiert, was andere über sie dachten. Und die dunkle Seite war ihr in der Regel fremd, Elise hatte ihren Kodexbruch falsch verstanden. Ihr eigener Fehler. Sie hatte es ja nur angerissen. Mit einem aber traf sie ins Schwarze, mal wieder. 'Weil alles was du je getan hast womöglich die reinste Katastrophe war.' Ja. Ja... Zumindest was die alte Eowyn anging. Und sie brach beinahe, wand sich innerlich, als Elise ihr Blicke zuwarf, die sie regelrecht aufspießten. Sie wollte weg hier. Weg... Weil Elise zum Teil die Wahrheit sagte, und weil Eowyn es nicht ertrug, was man in ihr sah. Von wegen, es interessierte sie nicht. Zum ersten mal interessierte es sie vielleicht doch.

Vielleicht merkte Elise, wie kurz sie war, zu brechen, denn sie erklärte ihr nun ihr eigenes Seelenleben, was Eowyn völlig verwirrt zu Kenntnis nahm. Zweifel. Überforderung. Riuen... was sie zu ihm sagte, klang so wahr und Eowyn verstand genau, was Elise meinte. Sie hatte gedacht, es ging nur ihr so mit ihm. Die Ideologie, mit der sie nicht klarkam... nicht als einzige, das wusste Eowyn. Und trotzdem... war sie hier. So wie auch Eowyn. Ihr war... ihr war nicht klargewesen, dass es auch anderen so gehen könnte wie ihr selbst. Dass noch andere an diesem Weg zweifelten. Ihre wenigen Bekannten... sie alle waren so... klar. Wes. Sarid. Marrev. Ahna. Nicht der Hauch eines Zweifels drang bei ihnen nach außen. Im Gegenteil... ganz im Gegenteil.

Und Elise war dennoch der wahre Inbegriff einer Jedi. Sie hielt den Kopf oben, egal, was geschah, sie hielt fest an ihrem Ziel und ihren Idealen.
Es gefiel Eowyn nicht, wie Elise immer wieder husten musste. Sie regte sich zu sehr auf... und das lag daran, dass
sie hier war. Sie hatten einfach nur Kaff trinken wollen. Wie war diese Situation aufgeploppt? Sie musste sie irgendwie zur Ruhe bekommen; nicht, dass noch etwas schlimmeres geschah. Schon bei Ian hatte sie letztens danebengestanden, als er einen zweiten Herzinfarkt bekommen hatte – vielleicht, weil sie ihn aufgeregt hatte. Riuen würde sie, zu recht, eigenhändig skalpieren, wenn Elise erneut ins Koma fiel, nur, weil sie mit ihr gesprochen hatte.

Und dann hatte Elise wirklich etwas falsch verstanden, erkannte Eowyn bitter. Auch hier... sie hatte es nur angerissen. Elise war nicht klar, WAS sie getan hatte, um den Orden für Ian zu verraten. Wie auch. Eigentlich war das alles streng geheim... gewesen. War es das immer noch? Eowyn hatte keinen blassen Schimmer. Sie hatte nämlich genau das Gegenteil getan, was Elise betonte. Sie hatte sich erpressen lassen. Und... genaugenommen, bestand diese Sache immer noch. Falls Duval einfiel, diesen Gefallen einzufordern... Eowyn wusste auch nicht, wie der Rat letztendlich entschieden hatte. Hatten sie den Geheimdienstler ersetzen lassen, offiziell Beschwerde eingelegt? Oder, wie Eowyn Wes geraten hatte, alles stillschweigend hingenommen, um den NRGD besser beobachten zu können?

Elise fiel in ihre Kissen zurück, und Eowyn saß weiterhin schweigend da. Sie... wusste nicht, was erwartet wurde. Und was sollte sie schon sagen? Sagen, dass Elise recht hatte, sagen, dass sie eine feige Verräterin war, fragen, weshalb Elise das alles überhaupt interessierte? Es war gut, dass sie nun wieder ein wenig zur Ruhe kam, und Eowyn warf kurz sorgenvoll einen Blick auf die Geräte. Nicht, dass sie damit sonderlich viel anfangen könnte, aber es war kein rotes Blinken oder dergleichen zu sehen, also hoffte sie, dass alles so weit erst einmal im Lot war.

Sie sah wieder zurück zu Elise und bemerkte, wie diese ihre Hand packte; plötzlich, resolut, ohne, dass Eowyn etwas dagegen tun konnte. Im nächsten Moment... war da so viel. So viel, dass Eowyn erst einmal gar nicht begriff, was hier eigentlich geschah. Empfindungen, vor allem... und Fetzen von ganz kurzen Bildern. Ohne es zu merken keuchte Eowyn auf und verlor ihre Haltung, während sie versuchte, dem allen Herrin zu werden. Das... Elise. Das alles war Elise. So viel... intimes. Privates. Bewusst, unbewusst? Unklar, aber überwältigend. Sie... sie wollte, konnte nicht... So viel Freude, so viel Leid. So viel
intensives Leid...
Dann war es vorbei, und Eowyn blieb erst einmal zusammengesackt sitzen, um alles zu sortieren. Doch das war aussichtslos... sie begriff nicht. Sie begriff so vieles nicht. Weshalb hatte Elise das getan? Und wie schaffte Elise es überhaupt, noch
hier zu sein? Wie schaffte sie es, all das durchzustehen? Sicher, da war auch so viel Gutes gewesen. Aber... aber.

Aber.

Sie sprach wieder, ihr Tonfall deutlich und keinen Widerspruch duldend. Eowyn schaffte es nicht, ihr Gesicht zu heben, das von Tränen nass war, deren sie sich überhaupt nicht bewusst gewesen war. Erzählen? Was geschehen war? Und natürlich schuldete sie es Elise. Weshalb sonst hatte sie ihr all das gezeigt, weshalb sonst hatte sie sich so geöffnet? Welche Gefühle... Da war nichts. Da war rein gar nichts... Und im Vergleich zu Elises Vergangenheit und ihrem aktuellen Zustand, ohnehin, da war ihr Aufenthalt auf Bastion das reinste Ferienparadies gewesen. Wie lächerlich, wie albern das hier war. Wie seltsam und kindisch sie sich verhielt. Sie... war am Leben. Sie wusste nicht, wer sie war, das mochte sein, aber sie war am Leben, und alles andere... musste und würde sich wieder einrenken. Vielleicht, wenn sie einfach vergaß. Vielleicht, wenn sie es einfach hinter sich ließ. Es würde allen helfen, allen voran Ian. Sie würde weitermachen. Sie würde anknüpfen an davor. Und dann, irgendwann, wäre sie wieder jemand. Was sollte sie auch sonst tun?


Danke, Elise, waren die ersten Worte, die sie herausbrachte, dann räusperte sie sich. Ich verstehe nicht, wieso du dich so reinhängst... aber danke, dass du dich so geöffnet hast. Ich... sehe jetzt. Sie nickte langsam, zwang sich dann, den Kopf nach oben zu richten und zu lächeln. Schließlich musste sie anknüpfen. Weitermachen. Du bist eine großartige Frau und eine tolle Jedi. Riuen kann froh und stolz sein, dich seine Meisterin zu nennen. Wer vor dir sitzt, das weiß ich nicht, aber ich werde es herausfinden. Sie begann, zumindest die großen Teile der zerbrochenen Kafftasse auf den Tisch zu levitieren. Und du... du solltest dich dringend erholen. Die Aufregung ist nicht gut, das wissen wir beide. Riuen bringt mich eigenhändig um, wenn dir etwas zustößt. Du solltest ihm Bescheid geben... Sie nickte ihr erneut zu und löste die Bremse ihres Schwebestuhls.

Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Intensivstation - Elises Zimmer, mit Elise
 
Corurscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - mit Eowyn

Elise sah das Lächeln, bevor sie es verstand. Dieses höfliche, sauber gefaltete Ding, das man aufsetzt, wenn der Körper längst entschieden hat, dass er ab jetzt nur noch funktionieren darf. Und trotzdem, oder gerade deshalb, war da ein Riss. Er war klein, aber Elise spürte ihn wie eine vibrierende Saite in der Macht. Etwas in Eowyn arbeitete. Nicht laut, nicht dramatisch. Eher wie ein Tier, das zu lange stillgehalten hat und jetzt merkt, dass die Tür einen Spalt offen steht. Die Tränen auf ihrem Gesicht waren der Beweis dafür, dass die Fassade nicht mehr ganz dicht war. Eowyn schien sie nicht einmal bemerkt zu haben, so automatisch lief das Programm weiter: bedanken, loben, ordnen, reparieren. Die Scherben der Tasse schwebten hoch, als müsste sie nur den Raum wieder korrekt zusammensetzen, dann wäre auch sie selbst wieder korrekt.

Elise wusste, wie das aussah, weil sie es roch, wenn Menschen sich selbst aus dem Weg gingen. Man weint nicht aus Höflichkeit. Man weint, wenn etwas in einem sich gegen die Kompression wehrt. Wenn zu viel zu lange zusammengepresst wurde: Schuld, die keinen Namen bekommt. Angst, die man sich nicht erlaubt. Eine Art innerer Hunger nach Wahrheit, der so schmerzhaft ist, dass man lieber die Zähne zusammenbeißt und 'ich krieg das hin' sagt, bis die Worte wie Kreide schmecken. Vielleicht war es Scham, weil Eowyn sich selbst nur noch als Rolle kannte . Als Instanz, als jemand, der standhält und jede Regung von Bedürfnis sich anfühlte wie ein Verrat. Vielleicht war es ein alter Reflex. Wenn du nicht weißt, wer du bist, dann sei wenigstens nützlich. Vielleicht war es auch etwas ganz anderes, etwas, das Elise nicht greifen konnte, weil Eowyn es nicht aussprach. Aber das war der Punkt, es war da. Und es drängte nach außen, während Eowyn gleichzeitig versuchte, es wieder zurück in die Kiste zu stopfen.

Als Eowyn dann die letzten Scherben ordnete und die Bremse ihres Schwebestuhls löste, fühlte Elise einen kalten Stich der Erkenntnis. Das war Flucht. Elegant verpackt, mit guten Gründen und sanften Worten. Elise hob die Hand nicht aggressiv, eher … wie man eine Tür hält, die sonst ins Schloss fällt. Die Macht legte sich wie eine ruhige, schwere Decke über den Stuhl, gerade genug, um ihn am Wegrollen zu hindern. Elise’ Brust brannte vom Husten, ihr Körper wollte längst kapitulieren, aber ihr Blick blieb fest, weil sie wusste, was jetzt auf dem Spiel stand: nicht Eowyns Image. Eowyn.

"Stopp."

Elise' Stimme war heiser, aber klar. "Nicht so. Nicht mit dem Lächeln und dem Aufräumen und dem 'ich finde meinen Weg'."

Sie ließ den Satz sinken, ließ ihn wirken, und als Eowyn nicht hochsah, ging Elise in die Hocke, damit sie nicht über ihr stand wie ein Urteil.

"Deine Angst ist verständlich und berechtigt - aber ich fürchte, du musst lernen, deinen Weg damit zu finden." sie wiederholte es langsam, jedes Wort wie eine Münze, die auf Holz fällt. Elise ließ den Satz zwischen ihnen hängen, nicht als Waffe, sondern als Spiegel. "Weißt du, wer das gesagt hat? Du. Gerade eben. Zu mir. Als es um Riuen ging." Elise rückte einen Müh näher, so nah, wie es ihr Zustand zuließ. Das gilt auch für dich, sagte alles an ihr, auch wenn sie es nicht weichzeichnete.

"Und du hast recht gehabt." Elise schluckte, atmete flach durch die Nase. "Aber dann gilt das nicht nur für mich. Dann gilt das auch für dich, Eowyn. Und zwar nicht morgen. Nicht, wenn du wieder 'jemand' bist. Hier. Jetzt." War das unfair? Möglicherweise. Aber es ging nicht mehr um Netiquette in diesem Treffen.

Eowyns Tränen glänzten. Elise zeigte nicht mit dem Finger darauf, aber sie ließ den Blick bewusst dort landen, als würde sie das Offensichtliche nicht mehr höflich übersehen. "Du weinst." Ihre Stimme wurde leiser. "Und du tust so, als wärst du dabei nur versehentlich nass geworden." Sie hielt kurz inne, als müsste sie den Impuls zügeln, wieder lauter zu werden, was ihr nicht ganz gelang, aber kein Vergleich zur vorherigen Anspannung. "Ich spüre, dass da etwas in dir ist, das raus will." ihre Worte waren schlicht. "Und ich habe keine Ahnung, was du mir nicht sagst. Ich kann nur raten. Aber es fühlt sich an, als würdest du dich selbst nicht mehr als Person behandeln. Als wärst du nur noch eine Aufgabe, die erledigt werden muss."

Die Macht hielt den Stuhl weiterhin, ruhig, unaufdringlich, wie ein Gurt.

"Das hier ist eine Sandbox." Elise nickte in Richtung des Zimmers, des Bettes, der Geräte. "Kein Rat. Keine Zeugen. Kein Protokoll. Keine Bühne. Nur Wahrheit. Und ja, Wahrheit ist unbequem. Aber du hast sie gerade schon durchgelassen." Sie atmete aus. "Dein Körper hat es getan, bevor du es konntest."

Dann kam der Teil, der Elise selbst am meisten wehtat. Der Teil, bei dem man sich nicht hinter Pragmatik verstecken konnte.

"Und hör auf, mich wegzuloben." Elise' Mundwinkel zuckten humorlos. "Großartige Frau. Tolle Jedi. Lass den Scheiß. Du benutzt das gerade wie einen Pflasterstreifen, um mich ruhigzustellen, damit du gehen kannst."

Sie hob endlich den Blick voll zu Eowyns Gesicht, hartnäckig und warm zugleich. Weiter offenbaren.

"Du willst wissen, warum ich mich so reinhänge." Elise' Stimme zitterte nur minimal. "Nicht, weil du eine Bereicherung für den Orden bist. Das bist du, ja. Aber das ist nicht der Grund, weshalb ich dir hier die Tür vor der Nase zuhalte."

Sie tippte sich mit zwei Fingern gegen die Brust, genau wie vorhin.

"Als ich in diesen Tempel zurückgekommen bin, hatte ich Angst. Nicht so 'oh, ein bisschen nervös' Angst. Ich meine Angst. Ich hatte das Gefühl, jeder Blick würde mich wieder in Ketten legen. Du wusstest, dass ich schon mal als Jüngling im Orden war, aber nicht was zwischenzeitlich geschehen war. Jetzt weißt du es -" Elise schluckte wieder, und diesmal war es sichtbar, wie viel das kostete. Sie war als Kind von einem Training auf Lianna verschwunden und nie zurückgekehrt. "Und dann kamst du. Für dich war das vielleicht nur yet another Training. Freundlich. Professionell. Ein paar Fragen stellen. Weitergehen."

Elise schüttelte den Kopf.

"Für mich war es der erste menschliche Kontakt im Orden" Ihre Stimme wurde rau. "Du hast meine Angst fast sofort aus der Luft genommen. Einfach, indem du da warst. Indem du nicht geschoben hast. Nicht gezogen. Es hat sich echt angefühlt. Das hat mir viel Kraft gegeben." Die darauffolgenden Missionen waren hervorragende Ablenkungen von ihrer Vergangenheit. Thearterra, Coruscant, Markus, Felucia, Dromund Kaas, Riuen, Bastion.

"Und Bastion war ein Schock für mich. Ich hatte quasi den Direktvergleich. Jahre später. Es hat mich getroffen. Und trifft mich noch." sie fixierte sie weiter.

"Also ja, du darfst gehen." Elise nickte langsam. "Aber nicht mit der Lüge, dass alles okay ist. Nicht mit dem Reflex, dich wieder in die Rolle zu stopfen und zu tun, als wäre das hier ein kleiner Ausrutscher. Und erst recht nicht, weil ich Ruhe brauche." Und sie würde Elise Macht durchbrechen müssen, was ihr ein Leichtes gewesen wäre. Doch Eowyn musste es tun. Sie würde sich gewaltsam aus dieser Fessel befreien müssen, egal wie wenig Gewalt schlussendlich dafür notwendig war.

Corurscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - mit Eowyn
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Intensivstation - Elises Zimmer, mit Elise

Sie wollte sich umdrehen, hatte die Bremse schon gelöst, aber der Stuhl bewegte sich nur ein wenig und hielt dann wieder an. Gleichzeitig tönte Elises Stimme durch den Raum, nicht herrisch, aber entschieden und deutlich.
Stopp.
Eine Sekunde später begriff Eowyn, dass sie es war, die den Schwebestuhl im Griff hatte. Sie konnte ihn sicher lösen... aber wollte sie Gewalt anwenden gegen Elise? Eine Frau, die ohnehin schon gebeutelt war von dem, was sie plagte? "Nicht so"... dabei... war sie eigentlich recht offen gewesen? Und ehrlich. Hatte Elise gesagt, dass sie es erst herausfinden musste. Denn sie wusste doch wirklich nicht, wer da vor ihr saß.

Dennoch ließ sie davon ab, den Stuhl weiterzubewegen. Elise hielt das Gespräch noch nicht für beendet, und Eowyn wusste, dass Ian ihr auch immer vorgeworfen hatte, eine Diskussion zu früh zu verlassen. Das war hier gar nicht ihre Intention gewesen, aber das spielte keine Rolle, wenn es so ankam. Wenn Elise noch reden wollte, dann sollte sie reden.
Ihr Gegenüber ging in die Hocke, was es schwieriger machte, ihr nicht in die Augen zu sehen, und wiederholte dann ihre eigenen Worte. Sie erkannte sie sofort – und verstand auch, was sie ihr damit sagen wollte.
Ich weiß, wisperte sie kaum hörbar. Ja, sie hatte das gesagt. Und ja, es stimmte. Deshalb hatte sie ja auch zugestimmt, mit einer Therapeutin zu sprechen, und deshalb versuchte sie, mit Ian einen Weg zu finden, wie sie miteinander klarkamen... und deshalb stellte sie sich morgen der gesamten Republik. Trotzdem begriff Eowyn, dass es nicht das war, was Elise meinte. Es ging ihr nicht um das draußen, sondern um das innen. Das Gespräch mit einer Fachperson kam dem noch am nächsten, doch es würde Zeit brauchen, und es war nur ein Bruchteil dessen, was Eowyn an Arbeit würde leisten müssen. Arbeit. Mühe... damit, ihren Weg zu finden, mit allem umzugehen. Die Angst war da. Sie würde nicht so bald verschwinden...

Eowyn kämpfte gegen die Panik an, die bei diesem Gedanken aufstieg. Die Angst würde sie begleiten, genau wie Ian. Die ersten Monate waren furchtbar gewesen. Kaum eine Nacht, in der er nicht von Alpträumen gequält worden war, und Eowyn ahnte, dass es bei ihr nicht viel anders laufen würde. Ian war stark gewesen. War sie es auch? Woher sollte sie das wissen?
Hier, jetzt, ermahnte Elise. Einen Weg finden, so schnell? Unwahrscheinlich. Aber... einen Anfang. Das meinte sie wohl.

Weiter kam Eowyn nicht, Elise sprach ihre Tränen an. Die Tränen, die sie vergossen hatte, als Elise ihr ihre Seele geöffnet hatte. Wie hätte sie sie auch nicht vergießen sollen? Unmöglich angesichts dessen, was sie gesehen und in Anbetracht der Tatsache, welches Geschenk Elise ihr gemacht hatte. Aber auch hier ließ Elise ihr kaum Zeit, zu begreifen, was sie sagte, zog weiter. Nun ja, sie
war ja keine Person mehr. Keine echte. Nicht so, wie sie es sein sollte. Sie... wünschte es sich mittlerweile. Das Wort "Aufgabe" jedoch passte in der Tat einfach so viel besser. Sie hatte vorher gedacht, falls sie je wieder auf Coruscant sein würde, dann würde sich alles fügen. Falls sie nur überlebte, sie würden alles wieder hinbekommen. Aber die alte Eowyn war schon immer unglaublich naiv gewesen. Dieser feste Glaube... er hatte ihr geholfen, hatte sie getragen, durch all die Zeit bei den Jedi, selbst durch die Zeit außerhalb, irgendwie, auch, wenn er gebrochen gewesen war. Ian hatte ihr wieder einen Sinn gegeben, diesen Glauben neu aufzubauen, wenigstens ein bisschen. Und jetzt? Jetzt war da nichts mehr, was naiv sein konnte.

Elise sprach ihr weiter gut zu. Sie hatte ja recht. Dieses Zimmer hatte nur eine einzige Schwachstelle, und diese war Elise selbst. Aber Eowyn konnte sich absolut nicht vorstellen, dass diese irgendetwas weitererzählen würde, was hier geschah, so lange sie ihr nicht die Erlaubnis dafür gab. Ansonsten... war niemand hier. Nebenan, ja, aber die Wände waren nicht so dünn, dass man alles mitlauschen konnte, außer, man schrie. Kein Rat... Ja. Kein Rat. Kein Ian... Niemand. Außer Elise. Elise, die viel schlimmeres durchgemacht hatte, und vermutlich gut verstand, was in Eowyn vorging. Sie verstand nicht, inwiefern ihre Tränen Wahrheit bedeuteten, aber Elise wusste sicher, was sie sagte. Sie verstand so vieles, was Eowyn überhaupt noch nicht begreifen konnte. Nicht alles, ganz sicher nicht, wer konnte das schon? Aber vielleicht... genug.
Weshalb sie zusammenzuckte, als die Frau von "wegloben" sprach. Sie hatte diese Worte eigentlich absolut ernst gemeint. Elise war in etwa genauso alt wie sie, aber sie schien so viel mehr vom Leben begriffen zu haben und kam wirklich gut klar, trotz ihrer Vergangenheit. Und dann lag sie hier im Krankenflügel und baute sie, eine fast fremde Jedi, auf, obwohl sie selbst eigentlich noch viel zu schwach dafür war. Also ja – Eowyn hatte vollkommen gemeint, was sie gesagt hatte. Aber sie wagte es nicht, dies noch einmal zu betonen, machte sich, im Gegenteil, nur unbewusst noch etwas kleiner. Falsche Entscheidungen. Immer wieder falsche Entscheidungen. Sie hatte Elise nicht verletzen wollen. Wenn, dann andersherum.

Nun aber sprach Elise einen Punkt an, den sie sich wirklich fragte. Natürlich hatten sie beide Bastion hinter sich gebracht, aber es war das eine, jemanden auf einer tödlichen Mission zu unterstützen, und etwas ganz anderes, das hier, im geschützten Rahmen, weiterhin zu tun. Eowyn war es absolut nicht gewöhnt, dass irgendwer sich so für sie interessierte, von Ian einmal abgesehen. Also, ja. Sie verstand es nicht. Was hatte Elise davon?
Diese Frage rückte in den Hintergrund, als Elise zu erzählen begann, und langsam hob Eowyn den Kopf. Es erschien ihr... falsch, die Frau nicht anzusehen, wenn sie doch erneut so persönlich berichtete, und sie sah, wie auch sie kämpfte. Das hier fiel Elise alles andere als leicht, nicht nur, weil sie körperlich am Ende war und längst ins Bett gehörte, mit Ruhe und Erholung. Das mindeste, was Eowyn tun konnte, war, ihr genau zuzuhören und alles in sich aufzunehmen – und das tat sie.

Es stimmte. Eowyn hatte damals keine Ahnung gehabt. Elise hatte Andeutungen gemacht, aber nichts konkretes darüber, weshalb sie als Jüngling nicht mehr im Orden gewesen war. Erst durch ihre Akte hatte Eowyn mehr erfahren, und nun natürlich durch Elises Öffnung. Wie musste es ihr gegangen sein – welche Überwindung musste es sie gekostet haben, wieder in den Orden zurückzukehren, der ihr einst Heimat gewesen war, aber der offensichtlich versagt hatte, als es darum gegangen war, sie zu beschützen? Diesen zweiten Anlauf zu nehmen? In der Retrospektive hatte Eowyn nie darüber nachgedacht, über diese ihre erste Begegnung. Elise hatte recht. Es war in der Tat ein "einfaches" Training gewesen für sie, wobei sich Eowyn noch deutlich daran erinnerte, wie gut es ihr getan hatte, Elise bei ihren ersten Bewegungen mit dem Schwert zu beobachten. Sie war die einzige gewesen, die diese Einheit positiv aufgenommen hatte, im Gegensatz zu Shen und Aketos. Außerdem hatte Eowyn ein gutes Gefühl gehabt bei ihr, sich aber gleich wieder gebremst, denn zu viele Anwärter verließen den Orden schon wieder im ersten Jahr, wenn sie herausfanden, was das Leben als Jedi für sie bereithielt.

Aber nun, da sie mehr über Elise wusste... Erneut lösten sich unbemerkt zwei Tränen, weil sie selbst das Echo von damals
spüren konnte, alleine dadurch, wie Elise sprach. Wie schwer musste es ihr gefallen sein? Und sich dann auch noch so... normal zu verhalten? Und dann... Zufall. Reiner Zufall, dass Elise sich ausgerechnet an sie gewandt hatte; dass ausgerechnet sie im Trainingsraum gesessen und auf ihre Padawane gewartet hatte.
Zufall. Oder die Macht? Ein Wink, der Elise zu jemandem geführt hatte, der sie positiv aufnahm? Eowyn konnte sich kaum vorstellen, dass andere Jedi
anders gehandelt hätten, auch, wenn es sicher ein oder zwei gab, die vielleicht etwas harscher unterwegs waren. Aber Elise war nun einmal an sie geraten. Und sie hatte sie an Markus Finn verwiesen, und der Rest... war Geschichte.

Elise weckte sie wieder auf aus ihren Gedanken aus der Vergangenheit. Bastion. Für einen kurzen Moment hatte Eowyn vergessen, weshalb sie eigentlich hier war. Bastion, ein Schock... weil sie Eowyn gesehen und sich erinnert hatte? Oder aber, weil sie begriffen hatte, welche Richtung Eowyn gerade empfand? Elise war unglaublich empathisch gewesen in den Katakomben. Sie hatte sie gehalten, sie hatte sie nicht losgelassen, hatte sie beschützt, sie irgendwie da durchgebracht. Eowyn wusste nicht, ob sie es ohne Elise geschafft hätte. Weil die andere Frau verstanden hatte, wie es ihr ungefähr ging?

Weitere Tränen, und jetzt bemerkte Eowyn sie, hob langsam die linke Hand und wischte sie ungeschickt weg. Irgendjemand hatte ihr diese Frau geschickt; diese Frau, die bereit war, sie zu stützen und hindurchzuführen, durch was auch immer. Die alte Eowyn hatte so etwas nicht verdient, die neue erst recht nicht, da sie noch nicht einmal wirklich existierte, aber... dennoch war Elise hier.

Sie war hier, und sie verstand.

Und ließ sie trotz allem gehen.

Eowyn starrte sie an, einige Momente, ungewiss, wie lange. Lügen, Rollen... ja, sie brauchte sie. Um da draußen zu überleben. Um irgendwie weiterzumachen. Um herauszufinden, wer sie war. Aber jetzt?
Elise
brauchte Ruhe. Aber sie würde sie ohnehin nicht bekommen.

Du... kannst loslassen, brachte sie schließlich hervor. Elise sollte nicht unnötig Kraft verbrauchen. Bitte... setz dich wenigstens... Diese hockende Position musste unglaublich anstrengend sein, und Eowyn konnte den Anblick kaum ertragen, den Elise diese für sie in Kauf nahm. Du... wir... Sie fand keine Worte für das, was in ihr vorging. Wie hatte Elise das nur gemacht? Wie fanden all die Personen um sie immer wieder Worte für das, was sie fühlten oder ausdrücken wollten? Dort... Lianna. Ich... sie... hats nicht gewusst. Nie darüber nachgedacht. Dabei hätte sie doch. Irgendwann einmal. Du... bist niemandem was schuldig. Elise, das weißt du. Oder? Vielleicht war es falsch, der Ritterin so etwas zu unterstellen, aber Eowyn wusste nicht, was falsch oder richtig war. Aber das hier... war die Sandbox.

Und Elise verstand.


Sie* hat vor Bastion so viel verloren, begann Eowyn schließlich, wandte ihren Kopf ab und blickte ins Leere. Erst die Ehre... indem sie sich hat erpressen lassen. Vom NRGD, ein Gefallen für Ians Freispruch. Ich... Sie sah Elise kurz an. Ich wollte ihn nie einlösen, sondern... die Jedi verlassen. Meinen Tod vortäuschen. Aber es kam anders. Trotzdem... ich war keine echte Jedi mehr. Nicht... da drin. Sie hob kurz ihre linke Faust und ließ sie einmal gegen ihre Brust fallen. Und dann nahm der Rat die Integrität. Hat sie befördert. Weil eine Rätin mehr wert ist als eine Großmeisterin. Um die Mission zu unterstützen. Sie taten so, als wäre das nicht der einzige Grund, aber... ich weiß es besser, flüsterte sie den Schluss. Eine Rätin, die keine ist. Eine Jedi, die keine ist. Alles nur noch Lügen. Täglich diese falsche Robe. Und dabei war das Jedisein alles, was sie ausgemacht hat... Fast alles. Außer Ian.

Sie schluckte. Niemand außer Ian wusste das alles. Und ob er sich über all das so im Klaren war? Sie hatten kaum darüber geredet. Oder doch? Sie erinnerte sich nicht mehr. Da waren vor Bastion so viele Gespräche gewesen, so, so viele...

Bastion war... nicht so schlimm. Das stimmte. Es war so viel weniger schlimm gewesen, als Ian und sie erwartet hatten. Sturns Quartier, nicht die Katakomben. Essen. Trinken. Sogar eine Dusche. Überwacht natürlich, aber egal. Ein paar Demütigungen, leichte Verletzungen. Psychospielchen. Und sie... kamen so viel leichter auf den Grund, als sie gedacht hätte. So viel leichter. Es brauchte nicht einmal die Katakomben dafür, der Tempel reichte. Nein, Muraenus, Angelus, hatte als letzter mit kleiner Hilfe der Tempelatmosphäre ganz alleine geschafft, dass sie aufgegeben hatte, der festen Überzeugung gewesen war, nur noch durchhalten zu müssen, bis Ian Erfolg hatte.
Und dann... Und dann.


Und dann die Verlegung. Der Gardist... brachte den IT-O. Und Ian war auch da. Ihr Kiefer verkrampfte sich. Ian hätte niemals gleichzeitig in diesem Raum sein dürfen. Zwar wusste Eowyn nicht, was sie alles verraten hätte... aber wenigstens... vielleicht... vielleicht würde sie noch existieren. Aber vor allem, er hätte nicht so gelitten. Er wollte nicht, dass er ihn nutzte, flüsterte Eowyn und riss die Augen auf, damit sich die Bilder nicht erneut vor ihrem inneren Auge abspielten – aber es war nutzlos. Ich sollte etwas widerrufen. Ich sollte sagen, dass der Imperator... dass er... Sie bekam keine Luft. Unfehlbar. Der Imperator ist UNFEHLBAR, hämmerte es in ihren Ohren. ...er... Kluges Mädchen. Unfehlbar...
Fahrig löste sie den Gurt, der sie um den Oberkörper im Stuhl hielt. Sie bekam keine Luft... Das Lösen half kaum, aber Eowyn rutschte halb, fiel halb aus dem Schwebestuhl. Sie konnte und wollte sich nicht mehr in dieser sitzenden Position halten, dafür fehlte ihr die Kraft. Also lag sie nun auf dem Boden auf dem Rücken, die Beine noch halb verdreht, und gab sich Mühe, zu atmen. Sie musste atmen... Ihre Hände verkrampften, sie biss in ihre linke Faust, entließ einen leisen Schrei. Atmen. Immer weiter...
Die Luft kam und ging immer ruhiger, und Eowyn überlegte nicht lange, sprach weiter, während sie an die Zimmerdecke starrte.
Ich wollte nicht. Ich hatte doch nur noch das. Meinen Stolz. Meinen Widerstand. Meine Aufsässigkeit... Aber Ian... Er... wollte nicht, dass sie litt... Also... hat sie für ihn losgelassen. Widerrufen. Und ist gegangen. Kluges Mädchen. Kluges Mädchen... Ja, sie war klug. Sie traf keine Entscheidungen mehr. Sie waren nie richtig. Sie waren einfach nie richtig, und... alle anderen wussten es ohnehin besser. Befehle befolgen. Rollen spielen. Tun, was andere sagten. Das war... richtig. Alles andere brachte nur Leid...

Danach war nicht mehr so viel. Oder... ich weiß es nicht, flüsterte Eowyn. Brianna war da. Hat mich gehalten. Guldur. Thanatos... hat mich befragt. Und ich habe manchmal... versagt... und geredet. Die Blitze, die Verletzungen... der ganze Rest war dann er. Ich wollte auf die Kapsel beißen. Er hat... Nein. Neinneinnein. Nein... NEIN. Eowyn rollte ihren Oberkörper zur Seite, machte sich kleiner, so gut es ging. NEIN. Aber Elise verstand. Oder? Nein. Aber... NEIN... nein... Mich... berührt. Ihre Stimme zitterte, war kurz davor, zu brechen. Brach. Bis... irgendwann... Jetzt lachte Eowyn verzweifelt und hart einmal auf. Ich wusste, Ian würde mich bald holen. Ich habe... mich selbst geschockt. Die Handschellen... Die Handschellen, die ihr jedes Mal, wenn sie nach der Macht gegriffen hatte, einen Stromschlag verpasst hatten. Ohnmacht für mich. Stromschlag für ihn.

Und dann... war alles... vorbei. Und ging doch weiter...
Ians Herzinfarkt. Kast. Wieder die Handschellen. Wieder diese Hilflosigkeit. Der Kampf gegen den Imperator. Ihr finaler Schlag. Ahna... Ahna. Ich hätte sterben sollen. Nicht Ahna!, schrie sie beinahe, verzweifelt, hinaus, kniff die Augen zusammen. Wollte nichts sehen. ICH! Sie hatte abgeschlossen gehabt mit dem Leben. Sie hatte gewusst, dass die Energiewelle des Imperators sie jede Sekunde treffen würde. Doch sie war nicht gekommen... War einfach nicht gekommen, weil die Pau'anerin wieder einmal so viel klüger gewesen war als sie.

Ich hätte sterben sollen... wisperte sie noch einmal, ihre Augen nur noch müde geschlossen. Sie war leer.

Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Intensivstation - Elises Zimmer, mit Elise


Eowyn spricht ab und an von sich selbst in der dritten Person, wenn sie von vor Bastion spricht.
 
Coruscant - Jeditempel | Ratssaal | Aleron Blackthorne, Fabienne Bertheau und Jedirat Murrrarchesch

Die folgenden Worte des Jedi-Rats waren einen langen Moment lang etwas unwirtlich für Aleron. Der Morellianer war mental einigermaßen erschöpft nach dem für ihn nicht leichten Test und während er noch innerlich bangte, ob sein Ergebnis Murrar zufriedenstellen würde, hatte der Wookiee kurz darauf nicht nur die Prüfung für beendet erklärt sondern auch entschieden Aleron bestehen zu lassen und zum Jedi-Ritter ernannt. Der frisch gebackene Jedi-Ritter brauchte tatsächlich eine ganze Weile, um die gesprochenen Worte zu verarbeiten. Als die Erkenntnis aber schließlich einsetzte, war die Erschöpfung plötzlich aus seinen Gliedern verschwunden und wich einem frohen Lächeln.

„Vielen Dank, Rat Murrar. Ich danke Euch und dem gesamten Jedi-Rat für das in mich gesetzte Vertrauen und gelobe mich weiter den Studien der Macht zu widmen, wie bisher. Ich möchte auch Meisterin Tara Li für ihre Anleitung meiner Ausbildung danken, auch wenn sie leider heute nicht hier sein kann.“

Abschließend verbeugte sich Aleron ehrfürchtig vor dem Jedi-Rat. Und nachdem die nötigen Formalitäten für die Beförderung erledigt waren, fanden sich Aleron und Fabienne im Vorzimmer wieder, wo die Rangerin den frisch gebackenen Jedi-Ritter stürmisch umarmte und den überrumpelten Morellianer beglückwünschte, der etwas ungelenk die Umarmung erwiderte.

„Danke, danke. Die Arbeit der letzten Monate hat sich heute bezahlt gemacht und ich hätte es ohne dich und die Hilfe anderer ganz sicher nicht so schnell so weit gebracht, Fabienne. Mein Erfolg heute ist auch dein Verdienst.“

Die plötzliche Nähe von Fabienne war ihm auf eine eigenartige Art plötzlich irgendwie unangenehm gewesen, Aleron konnte nur nicht so recht den Finger darauf legen, wie oder warum. Peinlich berührt räusperte er sich also, als sie sich wieder von ihm gelöst hatte, um seine Gedanken zu ordnen.

„Wie wäre es mit einer kleinen Feier in der Kantine? Mir fallen da ein paar Padawane, Ranger und Anwärter an, die wir einladen könnten.“

Schnell machten die beiden aus, wen sie jeweils anschreiben und einladen würden und dann trennten sie sich, um sich frisch zu machen und in bequemere Kleidung zu wechseln, nur um dann kurze Zeit später zu einem geselligen Abend zusammen zu kommen und Alerons Beförderung zu feiern.

Coruscant - Jeditempel | Tempelantine | Aleron Blackthorne, Fabienne Bertheau und einige befreundete Padawane und Ranger (NSCs)
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - mit Eowyn

Elise hatte wohlwollend zur Kenntnis genommen, dass Eowyn nicht vorhatte, den Saal zu verlassen. Doch auch weil nur das Risiko bestand, dass sie den Rückzug antreten würde, intervenierte sie gleich von vornherein. "Großartige Frau, tolle Jedi" verstand sie dann etwas besser. Auch das zählte sie zur Strategie des eleganten Rückzugs. "Ich arbeite dran." Sie hustete.

Schuld? "Niemandem. Aber ich trage diese Bürde, die man mir auferlegt hat. Und viele andere, die ich mir selbst auferlegt habe. Und ich hatte viel Zeit meinen Umgang damit zu finden." sie wischte sich mit ihrer Hand ihre Tränen beiseite, die aus geröteten Augen flossen. Ein Schniefen unterdrückte sie so gut es ging. Schuld? Davon bürdete sie sich allgemein genau so viel auf. Aber es gab Grenzen. "Ich war ein gebrochenes Kind, aber ein Mädchen, das dort mit mir gefangen war, hat mir den Mut gegeben, weiterzumachen und schließlich ... auszubrechen. Leben lohnt sich am Ende doch, weil ich nur so etwas erreichen kann und dadurch manchmal Stück für Stück ... heilen kann." Selbsttherapiestunde. Nein, das hatte die verletzte Ritterin weiß Gott nicht kommen sehen, bei der Macht. Entschlossen führte sie dann aus: "Es geht am Ende nicht darum, was passiert ist. Wenn ich keine Fehler mehr machen darf, wie soll ich dann wachsen? Was soll geschehen, wenn ich nicht mehr scheitern darf?"

Sie stöhnte. "Nach dem Massaker habe ich Wes getroffen und ihm alles erzählt. Das waren ungefähr seine Worte. Es gibt immer einen Weg zurück."

Dann war sie schneller unten, als ihr Körper es eigentlich erlaubte. Es war kein eleganter Satz nach vorn, kein kontrolliertes Abrollen, sondern ein Reflex, der sich durch Müdigkeit und Krankheit schnitt, als hätte ihr Nervensystem für einen Augenblick wieder den alten Einsatzmodus gefunden. Die Knie protestierten sofort, ein kurzer, stechender Schmerz, der ihr signalisierte, dass sie dafür später bezahlen würde. Aber sie blieb trotzdem unten, auf der Höhe, auf der Eowyn jetzt war. Nicht über ihr, nicht auf Abstand, einfach dort, wo man nicht so leicht wegsehen konnte.

Und sie zwang sich, ruhig zu bleiben. Nicht, weil sie keine Angst hatte, sondern weil sie genau wusste, was passiert, wenn man in solchen Momenten hektisch wird. Eowyn lag auf dem Boden und rang nach Luft, und Elise spürte, wie ihr eigener Körper kurz die Erinnerung an Metall und Kälte auf der Zunge schmeckte, wie die Zeit sich einen Moment lang dehnte, als wäre das Piepen der Geräte plötzlich wieder ein Alarm. Sie tat nichts Großes. Kein dramatisches Aufheben, kein theatralisches 'alles wird gut'. Nur dieses entschlossene Dableiben, als wäre ihr Körper selbst ein Türkeil, der verhindern sollte, dass der Raum in der Vergangenheit zurück rutschte.

Eowyns Worte kamen stoßweise, unregelmäßig, manchmal abgebrochen, manchmal zu schnell, als würden sie durch einen zu engen Kanal gepresst. Wie Luft, die sich erst wieder erinnern musste, wie man durch die Lunge geht. Elise hörte keine saubere Erzählung, sondern Splitter davon. Der Gefallen, den sie leisten musste, dieses NRGD-Ding, das wie eine Klammer um Ian lag. Sein Freispruch als Preis, der nicht auf Papier stand, sondern in der Art, wie Eowyn das Wort aussprach. Der Plan, den Orden zu verlassen, den Tod vorzutäuschen, als wäre es die einzige saubere Tür gewesen, bevor sie zugeschlagen wurde.

Dann der Sprung zur Beförderung, die nicht wie Anerkennung klang, sondern wie ein Stempel, der auf etwas gedrückt wurde, das noch gar nicht trocken war. Nicht Vertrauen, eher Verwertung.

Sie ließ es nicht zu, dass Eowyn sich das alles wieder als bloße Lüge kleinredete. Nicht, weil sie alles verstand, sondern weil sie den Mechanismus erkannte. Wer so sprach, versuchte nicht zu täuschen. Wer so sprach, versucht zu überleben.

"Du bist so weit weg davon leer zu sein, wie Coruscant von Bastion", sagte Elise, ruhig und fest, nicht ohne die Prise trockenen Humor, der nun mal wie ein natürlicher Makel an fast allem haftete, was aus ihr heraussprudelte. Angebracht oder nicht. "Leer würde keine Jedi besuchen, die sie nur durch ihren Job" sie setzte das Wort Job überspitzt in wörtliche Rede "Leer würde nicht so reagieren, wenn ein Bild dich trifft. Dich um Atem ringen lassen. Das ist nicht Nichts, Eowyn. Das ist zu viel."

Sie atmete selbst einmal langsam ein und aus, als würde sie damit den Takt in den Raum setzen.

"Du bist traumatisiert und denkst, dass du leer bist, weil du gar nicht weißt, was du als erstes für Schmerz empfinden sollst. Die Summe deiner Emotionen steht weit über deinem Höchstwasserstand, glaube ich. Und ich glaube dir, dass es sich anfühlt, als wäre alles nur noch Rolle. Aber was du gerade beschrieben hast, ist nicht nur Rolle. Das sind viele, grausame, unfaire Entscheidungen."

Elise schluckte kurz, aber ließ ihren Satz wirken. Dann wurde sie präziser, weil das Eowyn offenbar am ehesten erreichte.

"Du hast den Orden für Ian verraten, sagst du. Wegen eines Gefallens. Eine Rechnung, die jemand anderes aufgemacht hat und die du dann bezahlen solltest." Sie schüttelte langsam den Kopf. "Das ist der Punkt, an dem du dich selbst verurteilst, und ich will da genauer hinsehen, bevor du es wieder wegpackst."

Sie hielt einen Moment inne, damit Eowyn nicht vom nächsten Satz überfahren wurde.

"Was genau war dieser Gefallen und wer erpresst dich? Nur, was du kannst."

Sie hob die Hand beschwichtigend, aber sagen wollte sie: sprich es aus.

Und dann Bastion, nicht als Ort, sondern als Kette. Der IT-O, Ian im Raum, das Widerrufen. Stolz und Widerstand, die plötzlich nicht mehr wie Tugenden wirkten, sondern wie etwas, das man ihr weggenommen hatte, weil es jemand anderem weh tat, sie so leiden zu sehen. Thanatos, Handschellen, der Körper als Gefängnis, die Berührung als Grenze, die überschritten worden war, ohne dass die Welt danach angehalten hätte. Ihr lief ein eiskalter Schauer über den Rücken und wieder Tränen. Bastion. Was sie erzählte war kaum auszuhalten. Es fiel aus Eowyn nicht wie eine Erinnerung, sondern wie eine Tragödie. Elise hörte es an der Reihenfolge, an den Kanten. Nicht chronologisch, sondern so, wie das Nervensystem Dinge speichert, wenn es keinen Platz mehr hat für saubere Kapitel. Erst die 'leichteren' Teile, die man noch erzählen kann, ohne dabei den Boden zu verlieren. Sturns Quartier. Essen. Trinken. Eine Dusche. Überwacht, ja, aber immerhin nicht dunkel. Das klang wie der Versuch, den Horror einzurahmen, ihn auf etwas Handhabbares zu reduzieren. Als müsste man sich selbst beweisen, dass es nicht so schlimm gewesen sei, weil man sonst zerbricht, sobald man den Deckel wirklich hebt. Elise schwieg.

Doch dann kam die Verlegung, und Elise spürte, wie sich alles in Eowyn verschob, als wäre dort eine unsichtbare Naht aufgerissen. Der IT-O war in ihrer Erzählung kein Detail, sondern ein Trigger, ein Schlüsselwort, nach dem die Luft wegblieb. Dass Ian auch da war, machte es noch schlimmer, nicht weil Ian Schuld trug, sondern weil er plötzlich Teil des Raumes wurde, in dem sie ihre letzte Kontrolle verlor. Elise interpretierte das als doppelte Verletzung. Einmal das Imperium, das sie benutzen wollte. Und dann das Wissen, dass Ian es sehen musste. Dass er da war. Dass sie in dem Moment nicht nur sich selbst verlor, sondern auch das Bild, das sie vor ihm von sich halten wollte. Nicht nur Stolz als Prinzip, sondern Stolz als letzte Identität. Elise schwieg.

Das Widerrufen war deshalb nicht einfach ein erzwungener Satz. Für Eowyn klang es wie ein innerer Bruch, wie eine Entscheidung, die sich nach Verrat anfühlte, obwohl sie aus Schutz kam. Sie hatte losgelassen, weil sie Ian nicht noch mehr Leid zumuten wollte. Elise konnte das in den Worten hören. Nicht 'sie haben mich gebrochen', sondern 'ich habe für ihn losgelassen'. Das war härter, weil die Hand am Hebel plötzlich die eigene war. Und genau da setzte sich das Lügenmotiv fest. Wenn sie selbst den Moment markiert, in dem sie nachgegeben hat, dann kann sie ihn nicht mehr als Folterereignis ablegen. Dann wird er zu einer Aussage über sie. Wer sie ist. Wer sie nicht mehr ist. Elise schwieg.

Und dann der Rest, der in Fetzen kam. Handschellen als Konditionierung, nicht nur Schmerz, sondern Kontrolle über jede Regung zur Macht. Berührung als Grenzverletzung, die sie kaum aussprechen konnte, weil das Aussprechen das Geschehene endgültig in die Realität zieht. Elise interpretierte das als den Punkt, an dem Eowyns System beschlossen hatte, sich zu schließen. Nicht weil sie 'leer' ist, sondern weil jedes echte Fühlen sofort das Ganze nach oben spült. Dazu passt auch dieses verzweifelte Auflachen, als sie von Selbstschocks und Ohnmacht sprach. Das war nicht Humor. Das war ein Ventil, damit der Kopf nicht platzt. Und Ahna, dieser Name, war der Schlussstein. Nicht nur Trauer, sondern ein Schuldtausch. Eowyn versucht, den Tod an sich zu nehmen, weil das eine Ordnung herstellt. Eine Logik. Wenn sie statt Ahna gestorben wäre, wäre es 'richtig' gewesen. Dann müsste sie sich nicht mehr fragen, wofür sie noch lebte. Elise schwieg.

Für Elise zeichnete sich Bastion damit nicht nur als ein Ort ab, an dem Eowyn 'Schlimmes erlebt' hat. Sondern als der Moment, in dem Eowyns Identität, die so sehr am Jedisein und an Kontrolle hing, an mehreren Fronten gleichzeitig getroffen wurde. Die Folter hat nicht nur Schmerzen verursacht, sie hat Entscheidungen verschoben. Sie hat Liebe, Pflicht, Schutz und Scham in einen einzigen Knoten gezwungen. Und genau deshalb ist Bastion in Eowyns Kopf kein abgeschlossenes Kapitel. Es ist ein laufender Mechanismus, der immer dann anspringt, wenn sie versucht, wieder zur Rätin zu werden, weil diese Rolle auf dem gleichen Material gebaut ist wie der Widerstand, der damals gebrochen wurde.

"Diese ... verdammten ... Schweine."

Die Worte der Rätin waren schwer zu ertragen. Psychische und physische Folter. Ständig. Sie wurde gebrochen. Genau wie sie einst. Doch ...

"Aber ... sie ist trotzdem hier. Und sie leistet jetzt gerade enormen Widerstand. Denn sie spricht darüber. Genau wie du. Ihr beide seid hier und tut das einzige, das momentan die Macht hat diesem Leid etwas entgegenzubringen. Es aussprechen. Und oh Girl, das war der schwerste Teil." Sie legte eine Hand auf den Arm der völlig zusammengekauerten Jedi vor sich. "Sie spürt unglaublichen Schmerz, den sie verarbeitet, weil sie kämpft. Und sie muss es jetzt nicht mehr allein tun." sie lächelte verkrampft aber warmherzig, auch wenn Eowyn es nicht sehen konnte.

All ihre Glieder schmerzten, doch das war egal. Sie konnte sich später noch immer ausruhen. Sie sahen beide aus wie Wracks. Doch das war nicht das Ende. Es war ein Anfang. Ein aller erster Schritt. Und dann Ahna, dieser Name, der alles aufriss, weil er nicht nur Verlust war, sondern eine Rechnung, die Eowyn unbedingt selbst bezahlen wollte. Der Schrei, der aus ihr herausbrach, stand im Zimmer wie eine offene Wunde, roh und unverschämt lebendig, und Elise merkte, dass genau das der Beweis war, dass hier nichts leer war. Nur überfüllt.

"Du bist aber nicht gestorben. Und du hast jetzt die ultimative Möglichkeit ihr Andenken auf die einzig richtige Art zu ehren. Weiterzumachen. Nur so kannst du dieser unglaublichen Frau gerecht werden. In dem du die unglaubliche Frau bist, die in dir steckt." und dann sagte sie es trotzdem. Wollte sie nicht. Wollte sie wirklich nicht. Aber es gab nun mal nur die Flucht nach vorn für sie, um es besser zu machen. "Dich für deine Schuld zur Rechenschaft ziehen, die du glaubst, dass sie dir anhaftet, wird besser nicht funktionieren. Doch bedenke, dass niemand anders außer du selbst, dir diese Bürde auferlegst." Riuen. Genau das war es, was sie auch getan hatte. Sie hatte gehandelt. Sie war zurückgekehrt. War nachgereist nach Bastion. Hatte ihren zurückgelassenen Schüler wiedergefunden. Und er verzieh ihr. Sie wurden ein besseres Teams als noch zu vor. Dort musste Eowyn hin. "Eine tolle Frau voller Makel, die eine großartige Jedi ist, so empfindsam und so klug. Du gehörst hier her. Zu uns. Nicht als Figur. Sondern als Eowyn El'mireth. Mit der ganzen Summe der Taten, Erinnerungen und Erfahrungen, die dich am Ende stärker machen können, wenn du dir erlaubst, sie zu akzeptieren.“

Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - mit Eowyn
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Intensivstation - Elises Zimmer, mit Elise

Elise hatte viel Zeit gehabt... ja, das stimmte schon. Eowyn hatte sie nicht gekannt, direkt nach dieser Entführung. Vermutlich hatte auch sie ein wenig zu kämpfen gehabt? Das war ein Punkt, den Eowyn bisher gar nicht so sehr im Auge gehabt hatte. Ein wenig war Elises Hülle auch durchbrochen... Sie heilte noch immer? So wirkte es gar nicht. Du wirkst immer so stark und sicher, flüsterte Eowyn. So, als wäre das alles überhaupt kein Thema. Als hätte sie nicht Trauma nach Trauma hinter sich gebracht. Vielleicht aber nicht, weil sie es so gut hatte wegstecken können... sondern weil sie es besser versteckte als sie, oder weil sie schon ein wenig geheilt war? Vielleicht alles ein bisschen?

Und dann... öffnete Eowyn sich.

Und begann am Anfang, denn das, so dachte sie, würde vielleicht besser verständlich machen, wieso sie so wenig davon hielt, wer oder was sie gewesen war. Diese Zeit war irgendwie fast genauso wichtig wie die auf Bastion selbst. Aber Elise las aus ihren Worten irgendwie ganz andere Dinge, als sie erwartet hätte. Sie war "nicht leer"? Sondern "zu viel"? Das passte nicht zu dem, was sie gefühlt hatte. Das passte nicht zu dem, wie sie auf Bastion einfach...
nichts gewesen war. Konnte beides stimmen? Vielleicht. Vielleicht, aber jetzt... da war es wirklich zu viel, das alles einzuordnen. Definitiv zu viel, viel zu viel... Duval war da ein Thema, das viel einfacher war, viel verständlicher und viel klarer.

Das wurde nicht definiert, flüsterte sie. Ein Agent des NRGD. Wes weiß Bescheid... Und das war erst einmal alles, was zählte. Ob dem NRGD klar war, dass sie geredet hatte? Angesichts der Tatsache, dass die halbe Galaxis ihren Kopf forderete, war das aber vielleicht aktuell gar nicht so relevant?

Sie öffnete dann einen Spalt nach Bastion. Erst ein kleines bisschen, und dann wurde die Tür immer weiter, so, dass zumindest etwas Licht hindurchscheinen konnte. Sie redete, hielt nicht an, weil sie nicht wusste, ob sie dann noch würde weitersprechen können. Es war das erste Mal, dass sie so viel über Bastion sprach, was... persönlich war. Ja, sie hatte dem Rat ihren Bericht gegeben, aber da war es um andere Dinge gegangen. Um das, was sie herausgefunden hatte. Das, was sie verraten hatte. Das, was auf Kast geschehen war – all diese Dinge. Nicht, was mit ihr direkt, ihr persönlich passiert war. Sie hatte die Fragen danach sofort abgeblockt, und niemand hatte weiter gedrängt. Jetzt aber... war sie Elise etwas schuldig. Außerdem... sie verstand.

Und Eowyn sprach. Sie atmete. Sie sah, sie erinnerte. Sie litt. Sie schrie.

Elise schwieg. Und ließ sie.

Bis sie schließlich nicht mehr konnte.

Da lag sie, auf dem Boden, eingerollt, so gut es mit ihrem kaputten Rücken und ihren tauben Beinen möglich war, die Augen geschlossen, der Kopf leer. Beinahe... angenehm leer. Ja, sie hätte sterben sollen auf Kast, nicht Ahna. Und mit dieser letzten Wahrheit hatte sie Elise vieles offenbart. Nicht alles – aber doch einiges.

Sie wusste nicht, wie lange sie so lag. Sekunden, Stunden, es spielte keine Rolle. Irgendwann durchbrach Elise das Schweigen. Und irgendwie schien sie ein bisschen verstanden zu haben, dass Eowyn nicht wusste, wer sie war. Wer sie gewesen war... und wer sie
jetzt war. Wer jetzt hier war. Sie akzeptierte es einfach, hinterfragte es nicht, was Eowyn erleichtert zur Kenntnis nahm. Sie versuchte, ihr auch inhaltlich irgendwie zu folgen, einfach, weil Elise das recht hatte, jetzt auch etwas zu sagen, aber es fiel ihr unglaublich schwer. Widerstand durch Sprechen? Das Schwerste? Eowyn konnte das nicht glauben, aber Elise musste es ja wissen. Und ja, es schmerzte. Dabei... war doch eigentlich nichts geschehen. Ihre Wunden verheilten, abgesehen von ihrem Rücken und den Narben. Und der Rest? Vergangenheit. Es musste doch gar nicht schmerzen...
Irgendwann spürte sie ein Gewicht auf ihrem Arm, konnte nicht einmal sagen, wie lange es schon da war. Elise? Ihre Hand, vielleicht. Sie hatte sich doch einfach hinsetzen sollen. Einfach nur sitzen...

Das tat die Frau aber natürlich nicht. Vermutlich war sie ähnlich stur wie sie selbst gewesen war.

Ja. Sie war nicht gestorben. Und das war wieder ein Fehler gewesen, sogar von der neuen Eowyn, die doch versuchte, alles richtig zu machen, keine eigenen Entscheidungen zu treffen und darauf zu hören, was die anderen sagten. Bloß ging das nicht immer. Dort, im Thronsaal... es waren Bruchteile von Sekunden gewesen. Und sie hatte diesen Einfall nicht gehabt, war nicht schlau genug gewesen. Im Gegensatz zu Ahna, die sie alle gerettet hatte... Weitermachen. Ja, musste sie wohl. Wollte sie auch. Eigentlich. Sie wollte nicht sterben... Nein. Aber sie hätte sterben sollen.
Schuld, Rechenschaft... Worte, die jetzt so viel bedeuteten, so viel, dass Eowyn es nicht aufnehmen konnte, dass sie den Sinn dahinter nicht erfassen konnte. Eine großartige Jedi. Jedi. Sie war doch keine Jedi. Oder war
sie eine Jedi? Obwohl die alte Eowyn es nicht gewesen war? Ihr Kopf wurde langsam wieder voller, die ganzen Gedanken, die langen Fäden, die sich durch ihr Bewusstsein zogen. Keine Figur, sondern Person. Aber sie war doch keine Person. Sie war ein Nichts. Eine Hülle, die gefüllt wurde. Und weil da aktuell nichts mehr war, das in diese Hülle gefüllt werden musste, war es auch so schwer, überhaupt etwas zu denken oder zu sagen, denn da war keine Rolle, kein Etwas, das da etwas zu sagen hatte.

Ob Elise das klar war?


Aber da ist doch niemand mehr, murmelte sie schließlich müde. Eowyn ist tot, Elise. Weg. Puff. Sie zuckte zusammen; und für ein paar Sekunden war sie wieder auf Bastion, in dieser Zelle, mit Guldur und ihrem Schüler. Puff. Und weg. Ganz einfach... Guldur, die an ihren Haaren spielte, Kayn, der sie an so vielen Stellen berührt hatte... Sie kniff ihre Augen zusammen, um zurückzukommen. Coruscant. Sie war auf Coruscant... Bei Elise. Sie war... sicher... Wirklich sicher? Hätte Eowyn noch Kraft gehabt, sie hätte hysterisch angefangen zu lachen. Sicher. Sie war nicht sicher. Sie lebte vermutlich ab sofort jeden Tag unter einem hängenden Messer... Ich glaube... ich glaube, ich würde selbst sie wieder herwünschen. Auch wenn es manchmal gut ist, dass sie weg ist. Sie... war so falsch. Hat so viele Fehler gemacht. Einen nach dem anderen... So viele verletzt, war so egoistisch. Aber... Eowyn wurde immer leiser. ...sie war jemand...

Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Intensivstation - Elises Zimmer, mit Elise
 
[Coruscant – Jedi-Tempel – Krankenstation - Elise Zimmer] mit Daruq und Elise

Calens Finger schlossen sich zögerlich um Elises Hand, mehr aus Reflex als aus Entscheidung. In dem Moment, in dem der Kontakt wirklich da war, verschob sich etwas. Die Krankenstation blieb sichtbar – das Bett, die gedämpften Lichter, Daruqs ruhige Präsenz irgendwo am Rand seines Blickfeldes und gleichzeitig legte sich ein anderes Empfinden darüber, wie eine zweite Ebene, die nicht ganz zur Seite zu schieben war. Er spürte zuerst die Nervosität, nicht als fremdes Gefühl, sondern als Echo in seiner eigenen Brust. Orientierungslosigkeit, dieses leise Drängen, irgendwo hinzugehören und gleichzeitig nicht zu wissen, wo. Dann kamen Bilder, aber nicht scharf, eher wie Erinnerungen, die man selbst nie gehabt hatte: endlose Gänge im Tempel, heller Stein, Schritte, die zu laut klangen, obwohl niemand etwas sagte. Ordnung überall, eine Struktur, die Halt geben sollte, während in ihrem Inneren alles zu schnell lief. Seine Schultern zogen sich unbewusst zusammen. Er kannte dieses Gefühl. Nicht den Tempel, nicht diese Hallen, aber dieses Stehen in etwas Großem, während man selbst noch nicht wusste, wie man darin Platz finden sollte. Für einen Moment vergaß er, dass es ihre Erinnerung war. Sein Atem passte sich dem Rhythmus an, den er dort wahrnahm, ruhiger, gleichmäßiger, als würde diese fremde Ruhe versuchen, auch ihn zu ordnen. Dann kam der Bruch. Nicht hart, eher wie ein sanftes Zurückziehen einer Hand aus Wasser. Die Bilder verblassten, die Gänge wurden wieder zu dem schlichten Raum der Krankenstation, das Summen der Geräte kehrte zurück, und plötzlich war ihm bewusst, wie nah er an ihrem Bett stand und wie sehr sein Herz schlug. Er ließ ihre Hand los, fast erschrocken über die Intensität des Kontakts, und brauchte einen Moment, um sich zu sammeln. „Das… war euer erster Tag“, sagte er leise, mehr Feststellung als Frage. Seine Stimme klang unsicher, aber nicht ablehnend, eher überrascht darüber, dass sie ihm so etwas gezeigt hatte. „Ihr habt euch genauso verloren gefühlt.“ Er suchte nach Worten und fand nur die, die ihm selbst am nächsten lagen. „Ähm...“ Er machte eine kleine, unbeholfene Bewegung mit der Hand, als könnte er die Struktur der Erinnerung in der Luft nachzeichnen. „Ich habe das gespürt. Nicht nur gesehen.“ Sein Blick hob sich zu ihr, vorsichtig, respektvoll. „Danke“, fügte er hinzu, und diesmal meinte er es ohne Unsicherheit, auch wenn seine Schultern noch angespannt waren. „Ich glaube, ich verstehe jetzt besser, ihr meintet.“ Daruqs Worte drangen erst danach wirklich zu ihm durch, als der Ritter sagte, dass es für heute genug sei. Calen nickte automatisch, erleichtert und gleichzeitig noch überfordert von dem, was in ihm nachklang. In der Macht fühlte er, wie sich etwas dämpfte, als würde jemand einen zu hellen Ton leiser drehen. Der Druck hinter seinen Schläfen ließ nach, die Eindrücke wurden wieder zu Erinnerungen statt zu unmittelbaren Empfindungen. Trotzdem blieb ein Rest. Während er sich vom Bett zurückzog, nahm er den Raum bewusster wahr als zuvor. Die Luft war kühl und roch nach sterilen Filtern, aber darunter lag ein feiner, kaum greifbarer Nachhall von Emotionen... Elises Erschöpfung, die nicht schwer war, sondern müde und still, Daruqs ruhige Wachsamkeit, die wie ein fester Rahmen wirkte, und sein eigenes Durcheinander, das langsam begann, sich zu setzen. Die Geräte gaben einen gleichmäßigen Rhythmus vor, fast wie ein Metronom, an dem sich sein Atem orientieren konnte. Das Licht war weich genug, um nicht zu blenden, und irgendwo bewegte sich ein Droide mit einem leisen Surren, das jetzt nicht mehr störte, sondern einfach Teil des Ganzen war. In der Macht fühlte sich der Raum nicht mehr überwältigend an, sondern gedämpft, wie durch einen Schleier, den Daruq gezogen hatte. Die starken Eindrücke waren weiter weg, aber nicht verschwunden. Stattdessen blieb dieses eine Gefühl zurück, das nicht von ihm und nicht ganz von Elise war: die Erkenntnis, dass Überforderung und Ruhe gleichzeitig existieren konnten, dass man verloren sein durfte und trotzdem gehalten wurde. Und genau das irritierte ihn am meisten, weil es bedeutete, dass er nicht erst „fertig“ sein musste, um hier zu sein.

Noch immer etwas erschlagen von dem eben erlebten, verabschiedete sich der Anwärter von der Ritterin und folge Daruq aus dem Raum. Calen ging einige Schritte schweigend neben Daruq her, während die Tür hinter ihnen gedämpft ins Schloss fiel. Die Geräusche des Flurs wirkten seltsam weit weg, als wäre ein Teil von ihm noch immer in dem Raum geblieben, in dem sterile Luft und fremde Erinnerungen ineinandergeflossen waren. Das Bild, das Elise ihm gezeigt hatte, lag nicht nur in seinem Kopf. Es saß tiefer, wie ein leiser Abdruck, der sich nicht wegdenken ließ, auch wenn die Eindrücke inzwischen gedämpft waren. Sein Atem fand von selbst in einen gleichmäßigen Rhythmus zurück. Einatmen. Ausatmen. Schritte zählen. Gewicht verlagern. Standhalten. Es war das Muster aus dem Training, das sein Körper abrief, ohne dass er es bewusst entschied, und es half, die Hitze und das Drängen, das von ihr ausgegangen war, auf Abstand zu halten. Nicht ganz weg – nur weit genug, dass er wieder klar denken konnte. „Sie wirkt stärker, als sie aussieht“, sagte er schließlich leise. Seine Stimme war ruhig, aber nicht distanziert, eher noch vorsichtig, als müsste er jedes Wort erst prüfen, bevor er es aussprach. „Nicht körperlich. Eher… innen.“ Er suchte nach einem besseren Begriff, verzog kurz den Mund, gab den Versuch dann auf und redete weiter. „Es ist, als würde sie etwas festhalten, das sie jederzeit loslassen könnte. Aber sie tut es nicht. Nicht, weil sie Angst hat.“ Er schüttelte leicht den Kopf. „Sondern weil sie weiß, dass es sonst schlimmer wird.“ Der Gedanke ließ seine Stirn sich kurz zusammenziehen. „Die Wut ist da. Aber die gehört ihr wirklich. Das andere… ist nur lauter.“ Seine Hand wanderte kurz an die Schläfe, mehr aus Gewohnheit als aus tatsächlichem Schmerz. Der Druck war fast verschwunden, nur ein schwacher Nachhall erinnerte noch daran, wie intensiv es gewesen war. „Als sie mir das Bild gezeigt hat, war alles anders“, fuhr er leiser fort. „Ruhiger. Klarer. So, wie sie wahrscheinlich ist, wenn dieses… Ding nicht dazwischensteht.“ Er zögerte einen Moment, unsicher, ob er das richtige Wort gewählt hatte, ließ es dann aber stehen. Sein Blick sank kurz zu Boden, bevor er wieder nach vorn ging. „Sie hat mir nicht gezeigt, wie sie kämpft. Sondern wie sie angefangen hat. Verloren, aber mit Struktur um sich herum.“ Ein kleines, fast erstauntes Ausatmen folgte. „Ich glaube, das sollte mir zeigen, dass dieser Teil bleibt. Egal, was gerade mit ihr passiert.“ Ein paar Schritte lang schwieg er wieder. Seine Haltung war aufrechter als zuvor, nicht angespannt, sondern gesammelt, als hätte sich etwas in ihm sortiert, auch wenn er sich dessen selbst noch nicht ganz sicher war. „Ich glaube nicht, dass sie Mitleid will“, sagte er dann. „Sie wollte, dass ich es sehe und trotzdem stehen bleibe.“ Er atmete einmal tiefer durch, ließ die Luft langsam wieder entweichen und fügte leiser hinzu: „Das war schwierig. Zu viel auf einmal. Aber… gut. Weil ich jetzt weiß, wie sich beides gleichzeitig anfühlen kann. Nicht nur Licht oder nur Dunkel. Sondern jemand, der dazwischensteht und nicht weicht.“ Calen hob kurz den Blick zu Daruq, noch immer etwas überfordert, aber mit einem festen Kern unter der Unsicherheit. „Ich werde versuchen, mir das zu merken. Aber ich möchte euch etwas fragen. Wie wird man die Dunkelheit in sich los?“ Er hatte garnicht so recht gemerkt wie er vor sich hingeplappert hatte, was ein deutliches anzeichen dafür war, das sein Kopf noch immer dabei war das alles irgendwie sortieren zu wollen. Er strahlte widersprüchliche Signale ab. Zum einen verstand er einiges besser zum anderen aber auch überhauptnichts.

[Coruscant – Jedi-Tempel – Flur der Krankenstation] – mit Daruq
 
(von Umbara kommend)​

Coruscant – Jedi-Tempel – Landeplattform, vor der ›Little Fortress‹ – Aulona und Wes

Hier waren sie also wieder, offiziell zurück im Dienst, mit gemischten Gefühlen. Nicht wie Aulona, die den Anflug auf den Jedi-Tempel staunend und mit zunehmend größeren Augen verfolgt hatte. Wes war hier zuhause, eigentlich war das hier er einzige Ort, der wirklich wie ein Zuhause für ihn war. Doch gleichzeitig war der Urlaub nun wirklich vorbei und was schlimmer war, Firi war nicht hier. Auf Umbara war es noch nicht so schlimm gewesen, er hatte einen neuen Planeten und andere Leute kennengelernt, er hatte eine Aufgabe gehabt, die sich im Großen und Ganzen noch nicht so sehr Un-Urlaublich angefühlt hatte, so hart die Verhandlungen stellenweise auch gewesen waren. Aber nun waren sie zurück, und unter welchen Bedingungen. Der Zeit des Friedens war vorbei! Bis zuletzt hatte Wes gehofft, dass sich der Krieg noch vermeiden ließe, ja, er hatte sich sogar in der Position gewähnt, eine Speerspitze für den Erhalt des Friedens zu sein. Dass er in seiner ungewohnten Diplomatenrolle zeigte, dass Dialog zwischen Imperium und Republik der bessere Weg war. Doch die Hoffnung hatte sich ausgerechnet dann zerschlagen, als er, und soweit er es sagen konnte, auch Ridley Solaris sich an einem hart erarbeiteten, aber für alle Seiten einigermaßen zufriedenstellenden Verhandlungsergebnis erfreuen konnte.

Der Krieg hatte die Verhandlungen nicht kaputtgemacht. Die Jedi würden Sturn freilassen, ohne ihn offiziell zu verhören (ob sich die Schatten davon abhalten lassen würde, bezweifelte Wes), und im Gegenzug retteten sie die Leben von zahlreichen imperialen Dissidenten und erhielten den Funken der Freiheit auf einigen imperialen Welten am Leben. Wes hatte die Nachrichtenlage sondiert und sich vor dem Hyperraumsprung entsprechenden Lesestoff organisiert, doch es war zu dem Zeitpunkt noch sehr wenig bekannt gewesen, was Kashyyyk betraf. Die Ansprache von Kanzler Quún hatte er mehrfach gesehen und auch die offizielle Reaktion des Imperiums. Alles Neuere wusste er nicht und die Zeit fehlte ihm auch. Er würde die Abkürzung nehmen und sich von Mya briefen lassen.

Die aktuellen Entwicklungen bedeuteten auch, dass er zunächst nicht viel Zeit haben würde, sich um Aulonas Ausbildung zu kommen. Stattdessen gab er sie nach dem obligatorischen Besuch in der ortolanischen Cantina in die Hände von Ly'fe, der ihr eine persönliche Führung durch den Tempel geben würde. Der Bith, der sich sehr für dessen Geschichte interessierte, konnte dies sehr gut, obwohl er seine Vorträge darüber gerne mit bisweilen nervtötenden Reimen auszustatten pflegte. Wes hingegen kehrte auf direktem Weg in sein Büro zurück und traf dort auch gleich Mya, seine fleißige Assistentin, die ihre persönliche Auszeit im Kriegseinsatz auf Galantos verbracht hatte und dabei auch verletzt worden war.

Groß und schön war die Twi'lek immer noch, aber von der imposanten Souveränität, welche sie sonst ausstrahlte, war nicht viel zu spüren. Sie wirkte reichlich mitgenommen und lädiert und das nicht noch, weil sie einen Verband um einen ihrer Lekku trug. Wes wusste, dass diese sehr empfindlich waren und eine Verletzung dort große Schmerzen und im Extremfall sogar den Tod einer Twi'lek verursachen konnte, aber es schien nicht nur das zu sein. Wes bemühte sich, gleich nach der Begrüßung ein wenig Licht in die Sache zu bringen.


»Die Verletzung ist ziemlich schmerzhaft, nicht wahr?«

Fragte Wes – er fand, das Mya einen Eindruck machte wie ein Mensch mit einer leichten Migräneattacke.

»Es geht. War schon schlimmer,«

Entgegnete seine Assistentin ungewohnt einsilbig.

»Du warst nicht bei den Heilern deswegen, wie ich dir gesagt habe?«

»Ich will ihnen nicht noch mehr Arbeit machen. Diejenigen, die nicht auf Erholungsurlaub sind, haben noch genug zu tun mit den Spätfolgen des C-Viruses. Die Gewaltausbrüche nach dem Ableben des Imperators, diese Dinge. Außerdem bin ich eine Jedi-Ritterin, ich kann Schmerzen aushalten.«


Mya machte nicht gerade den Eindruck, im Vollbesitz ihrer Kräfte zu sein. Nach Wes' Ansicht brauchte sie unbedingt eine Behandlung durch einen kompetenten Heiler.

»Du musst dich doch nicht quälen, um dich zu beweisen. Wenn du schon nicht um deiner Selbst Willen zu den Heilern gehst, dann vielleicht, weil ich dich fit und gesund brauche?«

Versuchte Wes sie zu überreden.

»Hmm, vielleicht.«

»Bereust du es, nach Galantos gegangen zu sein?«


Die Twi'lek schüttelte den Kopf und Wes bemerkte, wie sie kurz ein schmerzverzerrtes Gesicht machte, als ihre Lekkuspitze an ihrem Rücken anschlug. Die Ärmste brauchte wirklich medizinische Hilfe. Am besten ließ er ihr einfach einen Heiler kommen.

»Nein! Ich hatte einen Heidenspaß mit Leela zusammen. Nach ihrer Abreise… war es nicht mehr so gut, aber ich brauchte die Abwechslung von der Schreibtischarbeit.«

»Kann ich verstehen. Guck' mal, den hab ich auf Umbara für Eowyn besorgt, was meinst du? Ich befürchte, sie ist immer noch sauer auf mich,«


Befürchtete Wes und packte einen großen Plüsch-Gizka aus. Auf der Brust hatte dieser ›Grüße von Umbara‹ eingestickt und um den Hals hatte er eine große rote Schleife mit der Aufschrift ›Gute Besserung‹.

»Naja, sie wird dir vermutlich nicht den Kopf abreißen.«

»…weil ihre körperliche Verfassung immer noch ziemlich dürftig ist?«


Mutmaßte der Mensch und erntete von seiner Assistentin ein vielsagendes Schweigen. Schließlich zuckte er mit den Achseln.

»Ich finde wen anders, der krank ist und Aufmunterung braucht.«

»Elise

»Sie ist auch verletzt?«

»Nicht direkt. Wie sage ich das…«


In dem Moment klopfte es an der Tür und eine sehr große, dunkelhaarige, menschlich aussehende Frau brachte zwei große Tassen Kaf.

»Das heißt also, T'nadah schmort immer noch im Jugendarrest?«

Mya nickte.

»Ich will dir ja nicht zu sehr dreinreden. Eine Padawan auszubilden ist eine der wichtigsten Erfahrungen, die eine Jedi sammeln kann und ich kann die Entscheidungen nicht für dich treffen. Aber machst du dir nicht sorgen, das sie im Knast die falschen Leute kennenlernt und erst recht auf die schiefe Bahn gerät? Ich meine, die junge Dame hier ist nicht…?«

Deutete Wes an und sah die junge Frau an – war sie eine Epicanthix? – als sie die Kaftassen auf dem Besprechungstisch absetzte, an dem die beiden zusammensaßen.

»Nein. Ihr Name ist Voye D'amiche, sie ist eine meisterlose Padawan und hat gerade nicht wirklich viel zu tun, deshalb hab ich sie als Aushilfe engagiert. Ich hoffe, sie gefällt dir?«

Wes stutzte. Wow, das war direkt, und ein bisschen unhöflich, also dieser Voye gegenüber. Legte nahe, sie war nur der Optik wegen die Abwesenheitsvertretung der Assistentin der Assistentin. Gab es da eine Vorgeschichte, die er nicht kannte? Mya klang so, als würde sie über Brianna reden. Oder Brianna über Mya. Aber Mya benahm sich normalerweise wesentlich diplomatischer. Auch, weil er sich plötzlich allzu leicht zu durchschauen fühlte. Ja, einen kurzen Moment lang hatte er den Gedanken gehabt, diese hochgewachsene, brünette, attraktive Nahmenschin zur Padawan zu nehmen – aber Firi würde ihn lynchen, wenn er sich nach Aulona noch eine von der Sorte genehmigte. Er beschloss, das Thema zu wechseln. Wenn es so weiterging, gab es bald eine Warteschlange an schönen Damen, die ihn alle einen Kopf kürzer machen wollten.

»Ist eigentlich schon eine Sondersitzung des Rates wegen dem Kriegsbeginn angesetzt?«

»Nein, aber der Rat gibt nachher eine Pressekonferenz und es wurde verlautet, ob du nicht daran teilnehmen könntest. Du weißt schon, Flagge zeigen und so.«

»Okay, dann brauch ich aber die Schnellversion von allem, was ich verpasst habe.«


Eine ganze Weile später war Wes' Hirn vollgestopft mit Informationen, samt dem Rest von ihm im Raum der Pressekonferenz und sah dort Eowyn. Die Ärmste war an den Schwebestuhl gefesselt und hatte auch sonst ganz eindeutig schon mal besser ausgesehen. Also, wenn jemand einen Plüsch-Gizka mit einem Schleifchen drum, das ›Gute Besserung‹ sagte nötig hatte, dann sie. Nur hatte er den nach Myas Reaktion im Büro stehen gelassen.

»Hallo Eowyn

Begrüßte er sie und fühlte sich super-seltsam dabei. Ja, er hatte sich bei der letzten Sondersitzung bereit erklärt, ein Vier-Augen-Gespräch mit der Rätin zu führen und andersetze sagte Mya ihm, dass die blonde Menschenfrau ihm nur deshalb nicht den Kopf abreißen würde, weil sie dazu rein körperlich noch nicht wieder in der Lage wäre dazu. Außerdem kannte er die Nachricht von Murrrar. Da fiel ihm nichts besseres ein als ein – nach Augenschein eher überflüssiges:

»Wie geht es dir?«

Coruscant – Jedi-Tempel – Raum der Pressekonferenz – u.a. mit Eowyn
 
Coruscant - Jeditempel | Tempelantine | Aleron Blackthorne, Fabienne Bertheau und einige befreundete Padawane und Ranger (NSCs)

Die Feier hatte einen überraschend bittersüßen Geschmack gehabt. Ja, sie alle hatten sich über Alerons Aufstieg zum Jedi-Ritter gefreut und doch stellte dieses Beisammensein gewissermaßen einen Abschied dar. Der Morellianer war nun nicht mehr länger einer von ihnen. Sie gingen keineswegs im Bösen auseinander, doch da war nun ein unüberwindbarer Abgrund in Stellung und Rolle im Orden zwischen ihm und den ehemaligen Mitpadawanen und Anwärtern, den sie alle spürten und gleichzeitig nicht in Worte fassen konnten. Sie würden sich sicher auf den Gängen des Tempels immer mal wieder über den Weg laufen. Doch so lange sie nicht selbst zum Ritter befördert wurden, lebten sie fortan in anderen Welten.

Der Wecker klingelte wie immer um 4 Uhr morgens. Aleron betätigte den Stummknopf beim ersten Ton, da seine innere Uhr ihn schon ein paar Minuten früher hatte aufwachen lassen. Ohne weitere Umschweife verließ der Jedi-Ritter sein Quartier und ging zum Sportbereich. Erste Aufwärmübung 4:15 Uhr, erst dehnen, dann 20 Kniebeugen und 10 Liegestützsprünge, anschließend 10 km Dauerlauf. Heutige Zeit: 43:27 Minuten. Nicht schlecht, aber auch keine Bestzeit. Es folgen 5 Sets zu je 20 Liegestützsprüngen, diesmal erfolgt jeder Sprung aus der Hocke über einen Turnkasten. Anschließend 5 Sets zu je 10 Klimmzügen. Heutige Zeit je Set im Schnitt 86 Sekunden. Nicht schlecht, aber auch keine Bestzeit. Abschließend zum Runterkommen geht es in die Schwimmhalle, 1000 m in 24:23 Minuten. Nicht schlecht, aber auch keine Bestzeit. Hier war Aleron in seinem Element und die Routine half ihm, den Kopf freizubekommen.

Es war nun 6 Uhr, Zeit zu duschen und zum Frühstück in der Kantine zu erscheinen. Anschließend morgendliche Meditationsübung, bevor sich Aleron dem Lichtschwertkampf widmete. Form I hatte er nunmehr mehr als verinnerlicht, doch jetzt als Jedi-Ritter war das einfach nicht genug. Der Schrecken des Krieges war wieder in die Galaxie eingekehrt und auch wenn er den Morellianer persönlich noch nicht erreicht hatte, hieß das nicht, dass das so bleiben würde. Früher oder später würde er gegen die Sith ins Feld ziehen müssen und Aleron war sich mehr als bewusst, dass die Sith sehr wahrscheinlich erfahrener im Schwertkampf und mächtiger im Umgang mit der Macht sein würden. Darum war es für ihn auch so wichtig, die eigenen Fähigkeiten so schnell wie möglich zu verbessern.

Aleron hatte sich über alle Schwertkampfformen des Jedi-Ordens belesen und letztendlich für Form V entschieden. Sie bot sowohl defensive als auch offensive Techniken und Djem So ermöglichte es dem Ex-Marine außerdem seine erstklassigen physischen Fähigkeiten zu nutzen, um einen Gegner zu bezwingen, während Shien seine Defensive im Vergleich zu seinen Fähigkeiten in Form I verbesserte, insbesondere wenn er es mit mehreren Widersachern zu tun hatte, etwa einer Abteilung Sturmtruppen oder schlimmstenfalls mehreren Sith. Natürlich hoffte der Morellianer inständig darauf, dass er so bald nicht mehreren Sith oder auch nur einem einzigen gegenüber stehen würde. Allerdings war er ein unverbesserlicher Realist und rechnete lieber mit dem schlimmsten, um sich dann im Zweifel positiv überraschen zu lassen.

Nachdem er sich körperlich verausgabt hatte, widmete sich Aleron nach einem späten Mittagessen dem Machtstudium. Es gab noch viel an seinen Grundtechniken zu verbessern und für Missionen musste er auch endlich lernen, seine Präsenz in der Macht zu verschleiern. Im Zweifel würde er sich einfach verstecken und auf Verstärkung hoffen müssen, doch was nützte das beste Versteckt, wenn er für einen Sith in der Macht einem Leuchtfeuer gleich strahlte? An sich war sich Aleron auch bewusst, dass er endlich den Gedankentrick lernen sollte. Zu nützlich war diese Technik, wenn man sich kampflos irgendwo hinein oder auch hinaus schleichen wollte. Doch bisher hatte er sich dazu nicht überwinden können. Er fühlte sich einfach nicht wohl bei dem Gedanken, auf den Geist anderer so einzuwirken.

Den Abend dann verbrachte er meist mit Fabienne. Sie beide schätzten die Freundschaft, die sie zueinander entwickelt hatten und in Taras Abwesenheit war sie ihm auch als sein Ranger zugewiesen worden. Aleron freute sich darüber sehr. Sicher, er hätte sich auch an einen anderen Ranger gewöhnen können, allerdings verband ihn mit der jungen Frau mittlerweile schon so einiges und sie hatten auch schon gemeinsam eine Mission erfolgreich gemeistert. Er kannte sie und wusste, dass er ihr vertrauen konnte. Das war unglaublich viel wert. Und so gingen erst Tage und schließlich Wochen vorüber, bis Aleron schließlich ein Jedi-Meister aufsuchte und ihm seine erste Mission übertrug.

Es war nichts großes oder kompliziertes. Der Jedi-Orden wollte wohl etwas Nachschub zu einem Außenposten auf einer Aleron unbekannten Welt bringen. Ilum war ihr Name. Ein riesiger Brocken Eis draußen im Nirgendwo der unbekannten Regionen und abgesehen von einer Kristallhöhle voller Khyberkristalle eine vollkommen unscheinbare und unbedeutende Welt. Schwierigkeiten wurden wohl keine erwartet, doch da die Existenz dieser Welt ein wohl gehütetes Geheimnis des Ordens war, musste diese Aufgabe eben ein Jedi übernehmen. Aleron selbst hatte gegen die Aufgabe nichts auszusetzen. Es war gut, einmal wieder aus dem Jedi-Tempel herauszukommen und wenn er bei der Gelegenheit dem Jedi-Orden auch noch einen Gefallen tun konnte, dann war das umso besser. Auf dem Weg nach Ilum und zurück würde er außerdem weiter seine Fähigkeiten verbessern können. Es ging ihm also keine Zeit verloren.

Coruscant - Jeditempel | Büro eines Jedi-Meisters | Aleron Blackthorne, Fabienne Bertheau und besagter Jedi-Meister
 
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