Coruscant

[Coruscant - AA-9 Passagiertransporter Aurek-Dorn-3 - Dockanlage eines abgelegenen Raumhafens] Palakwi Rha

Metallisches Klacken und Zischen kündigte ihr an, dass der Moment der Wahrheit gekommen war. Grell drang zwischen der Verriegelung und der Ausstiegsluke des AA-9 Linientransporters Licht ein und blendete sie für einen Augenblick, bevor sich ihre Augen nach den dumpfen Lichtverhältnissen in dem überfüllten Passagiertransporter wieder an normales Sonnenlicht angepasst hatten. Sie hatte sich bewusst schon vor guten zwei Stunden an die Luke gestellt, begierig wieder Luft zu atmen, aus der man nicht alle paar Stunden die Körpergerüche und den Schweiß von tausenden Passagieren filtern musste, neugierig auf diesen neuen Planeten und seine vielfältigen Eindrücke: ihr neuer ‚Kontakt‘ von Corellia hatte berichtet, der ganze Planet sei von einer einzigen Stadt überzogen. Es war für sie schwer vorstellbar. So viele Lebewesen, Kulturen, Orte! Nicht weniger wichtig war aber die aufgestaute Energie, die sie tief in ihrem Inneren spürte. Während der knapp anderthalbtägigen Reise mit dem ausgesprochen Passagiertransporter war sie in ihrer kleinen Kabine, die sie sich noch dazu mit einer Familie rodianischen Familie hatte teilen müssen, quasi eingesperrt gewesen. Das Schiff war zu klein für ausgiebige Läufe gewesen und der schäbig ausgestattete Fitnessraum hatte lediglich ein paar alternde Tretmühlen und einige Geräte zum Training mit dem Eigengewicht geboten. Auch hier war die Notwendigkeit die Geräte zu teilen ihr im Weg gestanden. Das war auch der Grund, weshalb sie ein Art elektrisches Britzeln in ihren Fingerspitzen und Füßen verspürte, dass sie dringend angehen musste, wenn sie nicht launisch werden wollte.

Vor ihren Augen bot sich ein erstaunlich banales Bild: eine schmutzige, weite Landeplattform, die auf ein halbes Dutzend Schalter der Coruscanter Zollkontrolle ausgerichtet war. Palakwi Rha sog tief die Luft ein, der die leicht metallische und säuerliche Note der gefilterten Atmosphäre im Schiff fehlte und spürte eine Welle an überschüssiger Energie durch ihre Gliedmaßen bis in die Lekku-Spitzen schwappen. Energischen Schrittes trat sie voran, wobei sie ihren alternden Rucksack aus zähem Leder über die Schulter schwang. Fast im Laufschritt ging sie auf einen der Schalter zu, wo sie von einem gelangweilt klingenden Zolldroiden empfangen wurde. „Willkommen auf Coruscant, Juwel der Republik und Zentrum der Galaxis,“ blökte der Blecheimer monoton und wies mit einer abrupten Geste auf den bereitstehenden Scanner für das Gepäck. „Bitte legen Sie ihr Handgepäck in die dafür vorgesehene Scan-Position, reichen Sie mir ihren Identichip und treten Sie dann durch den Personensicherheitssensor.“ Die junge Twi’lek nickte knapp und tat wie ihr geheißen, während die ersten der anderen Passagiere langsam die Schalter neben ihr auffüllten und die damit verbundene Geräuschkulisse aus Unterhaltungen, schleifenden Koffern und surrenden Scannern aufbrandete. Mit Interesse musterte sie die vielfältigen Gestalten, die mit ihr gereist waren und bewunderte ihre teils bunte Kleidung und interessanten Mitbringsel, die die Reisenden mit sich brachten. Während sie selbst in den Scanner trat und die Überprüfung anstandslos hinter sich brachte, beobachtete sie eine Gruppe aus mehreren Togruta, zwei Aqualish und einem Ithorianer, die gemeinsam zu reisen schien. Der Kopfschmuck an den Lekku der Togruta waren ebenso vielfarbig wie ihre Kleidung und der Ithorianer trug einen breiten, rostigen Käfig mit einem eigenartigen, gelegentlich schrill kreischenden vierflügeligen Papageien darin. Was diese Gruppe wohl zusammenführte?

Palakwi warf der ungewöhnlichen Reisegruppe einen letzten Blick zu, bevor sie sich ihren Rucksack auf den Rücken warf und sie ihren Handabdruck zum Scan auf das große Pad des Droiden drückte. „Grund für ihre Einreise,“ ratterte der mechanische Zollbeamte fragend. Die Nachfrage ließ ein kurzes Lächeln über ihr Mundwinkel huschen. Die Antwort klang für sie immer noch ebenso magisch wie verwunderlich. „Persönliche Angelegenheiten im Jedi-Tempel,“ antwortete sie schmunzelnd. Nachdem die Touch-Oberfläche des Pads einmal kurz aufleuchtete, zog der Droide das Pad ruckartig zurück und sie konnte darauf einen Schnappschuss der Überwachungskameras mit den dazugehörigen Daten aus ihrer ID: Palakwi Rha, 23 Jahre alt, geboren auf Ryloth. Sie war ebenso erleichtert wie überrascht unter der Spalte ‚Sonstiges‘ keine polizeilichen Vermerke zu finden. Zwar hatte ihr neuer ‚persönlicher‘ Jedi-Freund – oder doch eher Geschäftspartner? Sie war sich unsicher – versprochen sich darum zu kümmern, dass ihr Vorstrafenregister in der Republik eingefroren wurde. Für den Fall der Fälle hatte sie auch ein offizielles Bestätigungsschreiben, dass sie Erlaubnis hatte, unbehelligt zum Jedi-Tempel zu reisen. So wie es schien, hatte er sein Versprechen gehalten. Nicht, dass sie vermutet hatte, sie würde hier in ihre Verhaftung marschieren, weil Jedi-Ermittler Jakiim Vex seinen Teil ihres Deals nicht eingehalten hatte. Der Iktotchi hatte integer gewirkt und, viel bedeutsamer für sie, auf eine eigenartige Weise vertraut. Es fiel ihr schwer es genau auf den Punkt zu bringen, aber etwas in ihr hatte ihr zu bedeuten gegeben, dass sie das Richtige tat.

Umso wichtiger jetzt ihren Teil zu tun: die Twi‘lek hatte Wiedergutmachung für ihre bisherige ‚Arbeit‘ geleistet – Diebstähle im Auftrag von diversen schmierigen Geldsäcken und anderen zweifelhaften Subjekten. Sie hatte den größten Teil ihres (begrenzten) Besitzes verkauft, vor allem aber die ‚Jolly Nomad‘, ihren alternden YT-1300 Frachter. Letzteres hatte sie mehr geschmerzt als alles andere, da das Schiff die letzten Jahre ihr Heim gewesen war und ihr die Möglichkeit geschenkt hatte, sich frei durch die Galaxis zu bewegen. Aber das war nur eine Hälfte des Deals gewesen, weswegen sie die eigentliche Einreisekontrolle schnellen Schrittes hinter sich ließ und sich zur Gepäckausgabe begab, wo sie einen versiegelten, schwarzen Plasteelkoffer entgegennahm, der den zweiten Teil ihres Deals enthielt. Unterhalb des Griffs war ein republikanisches Siegel angebracht mitsamt einem magnetischen Schloss. Sie hatte ihre Waffen darin verschickt, da sie sie nicht offen an Bord mit sich führen durfte und auch das Objekt der Begierde ihres letzten Arbeitgebers war darin, schlicht weil es sicherer war, als es an Bord zu transportieren. Eiligen Schrittes begab sie sich zur lokalen offiziellen Station des republikanischen Zolls an diesem kleinen Raumhafen, wo das Schloss legal entfernt werden konnte.

Palakwi musste schlucken, als sie das Büro gefunden hatte – aber was hatte sie erwartet? Sie hatte günstig reisen müssen, weswegen sie das ranzige alte Passagierschiff gebucht hatte, das selbstverständlich einen ebenso günstigen Raumhafen anflog, der wenig Landegebühren kostete. Eine Schlange an Reisenden, deren Stimmen sich wütend bis frustriert zu überschlagen schienen, begann gute dreißig Meter außerhalb der Türen des Büros. Die Twi’lek fühlte, wie sich etwas in ihrem Inneren verkrampfte und das Britzeln in ihren Fingerspitzen wurde intensiver, aber es half nichts. Sie wartete ungeduldig in der Schlange, wobei sie begann, nervös auf ihren Fußballen hin und her zu wippen und ihr Multitool von ihrem Gürtel elegant in ihrer Hand kreisen zu lassen, bis sie irgendwann auch das einstellte, weil es ihre innere Unruhe nur noch steigerte. Schließlich, nach einer sich endlos anfühlenden Weile, stand sie vor einem mürrisch aussehenden, unrasierten Menschen in Zolluniform, der ihr ein unangenehmes Lächeln entgegenbrachte. „Morgen, Lady. Was kann die Republik heute für Sie tun, hmm?“

[Coruscant - abgelegener Raumhafen in einem ärmlichen Distrikt - lokales Büro des republikanischen Zolls] Palakwi Rha
 
Coruscant – Jedi-Tempel, Ratssaal – per Holo: Joseline, Satrek (inaktive SCs) – Elonore, Rornan, Murrar (NPCs), Ian, Eowyn und Wes

Sein Leben hätte Wes nicht darauf verwetten wollen, dass Eowyn sich tatsächlich und wirklich befördern lassen würde. Dass sie nicht auf den letzten Drücker nochmal eine Szene oder einen Rückzieher machen würde um vor dem versammelten Rat zu behaupten, dass sie nicht hierhin gehörte, aber nichts dergleichen geschah. Ein Agent Duval, ein Lord Sturn und all die imperialen Folterknechte hatten ganze Arbeit geleistet. Unter einem solchen Druck zerbrachen selbst die besten; die finsteren Mächte der Galaxis hatten ihre Methoden längst perfektioniert. Selbst eine Eowyn, aber diese Eowyn hatte zurückgefunden und als sie mit ihrem Schwebestuhl ihren Platz in der Runde einnahm, fühlte es sich seltsam richtig an. Es war Aura, ja, aber nicht nur. Diese Frau hatte viel mehr erlebt als die Anzahl ihrer Lebensjahre vermuten ließ, Gutes und Schlechtes. War das nicht, worauf es ankam? Nicht die Jedi mit den geradlinigsten Lebensläufen waren die besten, sondern gerade die, die es schwer gehabt hatten. Die Schlachten geschlagen und überstanden hatten. Ahna hatte aufgrund ihrer Langlebigkeit viele gesehen. Eowyn war im Grunde sowas wie ihre Nachfolgerin, eine gute Nachfolgerin, aber so wollte er die Blondhaarige nicht sehen. Es wäre unfair, eine frischgebackene Rätin mit einer Institution zu vergleichen, die dem Rat so lange zugehörig gewesen waren. In zehn Jahren sah es vielleicht anders aus, aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt war das eine unnötige Belastung, die man ihr nicht auch noch aufladen durfte. Wes war seinerzeit zum Glück nicht Gefahr gelaufen, sich mit jemand vergleichen lassen zu müssen und wenn, hätte er wohl eher gebockt und resigniert anstatt zu versuchen, ein möglichst guter Rat zu werden. Auch Eowyn verdiente es, für sich selbst zu stehen anstatt jemand anderes sein zu müssen und nicht sie selbst.

Der zweite in Bunde, Ian, galt als noch unsicherer Kandidat. Nicht von seinem Herzen her, welches er zweifellos am rechten Fleck hatte. Eleonore zählte diverse Gelegenheiten auf, an denen Ian sich jedihaft verhalten hatte, selbst wenn es zu seinem eigenen Nachteil war, und dabei vergaß sie noch mehrere, an die Wes sich erinnerte. Das Angebot das er erhielt, bekamen nicht viele und noch weniger waren davor nie Jedi gewesen. Die Fälle, bei denen Wes persönlich involviert war, also sein Freund Radan und seine Padawan Alisah, waren gefallene Jedi, die zurück in's Licht gefunden hatten. Ian war anders. Er war nie Jedi gewesen und deshalb begegneten ihm viele hier im Tempel ihn mit Misstrauen. Aber, und das war bemerkenswert, es waren stets Jedi, die ihn nicht kannten und meistens welche, die ihm noch nie begegnet waren. Wer ihn erlebt hatte der wusste, dass kein Mensch mit Hang zum Bösen war, kein Opportunist, der sich auf die Seite des Jedi-Ordens schlug, weil es ihm gerade nützlich erschien, kein Verführer von Eowyn, der nur auf das eine aus war, sondern jemand, der mit ihr durch dick und dünn gehen würde und bereits gegangen war. Jemand der die beiden kannte wusste, dass die Macht sie füreinander bestimmt hatte. Aus Eowyn eine Rätin und aus Ian einen Jedi zu machen, am selben Tag, das erschien Wes so passend. Er musste einfach nur ja sagen.

Es wirkte, als seien Ian die ganzen Lobhudeleien eher peinlich. Er schien sich in der Rolle des Helden nicht so richtig wohl zu fühlen. Das erste Angebot von Murrrar hatte er nicht direkt ausgeschlagen, und dieses Mal? Als Ian erklärte, keine Bedenkzeit zu brauchen, konnte das in beide Richtungen gehen. War er inzwischen bereit, darauf einzugehen? Oder fühlte er sich – in unnötiger Bescheidenheit – nicht jedihaft genug? War er vielleicht nicht mehr bereit, sich in die Zwänge eines Ordens zu begeben, nun, wo er Eowyn hatte? Doch er sagte ja. Es wäre ihm eine Ehre, aufgenommen zu werden, erklärte er und verbeugte sich höflich, obwohl das nicht wirklich nötig schien. Eleonore lächelte gütig und vollzog den Akt der Aufnahme, indem sie sagte:


»Dann sei es entschieden. Der Rat heißt Euch hiermit im Orden der Jedi willkommen und ernennt Euch zum Jedi-Ritter. Eine Prüfung erachten wir für unnötig, eure Ritterlichkeit habt Ihr bereits unter Beweis gestellt. Ihr seid nun einer von uns mit allen Rechten und Pflichten, die dazu gehören, insbesondere das Recht, einen Padawan auszubilden und auf alle Quellen in Meister Nackls Bibliothek zuzugreifen.«

»Es heißt jetzt ›Rat Nackl‹, Eleonore,«


Verbesserte sie jemand. Ups, dachte Wes, das wäre ihm auch passiert. Meister Nackl war schon Meister Nackl gewesen, als es noch Padawan Wes geheißen hatte und er war nicht unbedingt enthusiastisch über seine Beförderung gewesen. Im Großen an Ganzen lief es darauf hinaus, dass er seinen neuen Rang schlicht ignorierte. So oder so war er der Hüter des Wissens des Jedi-Ordens, diesen Rang machte ihn niemand streitig. Wes hob die Hand.

»Ich beantrage, die Sitzung für beendet zu erklären,«

Ried er in die Runde und erntete von ihr nach einem allgemeinen kurzen Zögern gemurmelte Zustimmung.

»Das macht es mir nämlich leichter zu tun, was ich gerne tun würde.«

Gesagt, getan. Wes erhob sich von seinem Sitz, lief geradwegs rüber zu Eowyn, beugte sich zu ihr runter und drückte sie herzlich.

»Ich bin so froh dass du es dir anders überlegt hast. Du gehörst wahrhaftig hierher, in den Ratssaal, ich glaube jeder kann es spüren.«

Anschließend gab er sich zu Ian und schüttelte ihm die Hand.

»Gratuliere! Die Jedi können froh sein, dich jetzt in seinen Reihen zu wissen. Mich freut es jedenfalls sehr und ich denke, dass du die richtige Entscheidung getroffen hast, auch für euch beide.«

Coruscant – Jedi-Tempel, Ratssaal – per Holo: Joseline, Satrek (inaktive SCs) – Elonore, Rornan, Murrar (NPCs), Ian, Eowyn und Wes
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Tari Haakos Zimmer, Tari und Nebbra (NPC)

Sie hatte anscheinend voll ins Schwarze getroffen. Die Reaktion Taris war eindeutig. Sein Leben war definitiv nicht einfach gewesen, was er dann auch mit Worten bestätigte. Er ging jedoch nicht sonderlich darauf ein, schien es eher als positiv zu betrachten, und Nebbra beschloss, dass es nicht an ihr war, da weiter nachzuhaken. Vielleicht war er ja auch wirklich fein damit.

Wichtiger war, was sie eigentlich allen Anwärtern mitgab: Zu wissen, dass das hier kein Zuckerschlecken war und eigentlich nicht viel mit den heroischen Geschichten, die über die Jedi allgemein im Umlauf waren, gemein hatte. In den Geschichten ging es meistens gut aus, selten eritt ein Jedi einmal einen wenigstens heroischen und aufopferungsvollen Tod, aber die Realität war anders. Viele kämpften mit inneren Dämonen, zusätzlich zum harten Leben da draußen, da es nicht einfach war, immer für das Gute einzustehen. Man konnte dadurch auch leicht auf der Strecke bleiben, zumindest wenn man an der Front kämpfte. Sie selbst war keine Kämpferin, ihre Stärken lagen im geistigen Bereich, und so hatte sie es ein wenig einfacher. Aber die, die andauernd da raus gingen, um die Leute zu beschützen... es war nicht einfach.
Gleichzeitig aber wollte sie natürlich auch niemanden abschrecken. Nur gab es durchaus Personen, besonders die jüngeren, die herkamen und dachten, sie würden ein wenig Lichtschwerter schwingen und ansonsten ein spannendes Leben voller Reisen und kleinen Abenteuern erleben. Und dem... war nicht so. Manche erkannten das rechtzeitig und gingen bald. Andere blieben zu lange... und zerbrachen manchmal daran. Jedi konnten nur helfen, wenn sie selbst mit sich im Reinen waren.

Es war dann Zeit, auch Tari zu Wort kommen zu lassen. Seine Antwort war klar und eindeutig; er scheute sich nicht vor diesem Leben, und Nebbra nickte. Das war ein gutes Zeichen. Sicher, jemand wie er, dessen Leben nicht einfach gewesen war, würde vermutlich ganz gut zurecht kommen. Sie schmunzelte dann ein wenig ob seiner zweiten Frage, und erwartete die Dritte eigentlich längst, denn dies war die, die sie eigentlich alle stellten. Doch eins nach dem anderen.


"Richtig. Ein Jedi braucht Belastbarkeit in allen Bereichen, physisch und psychisch. Das physische wird dabei eigentlich fast schon vorausgesetzt, aber sobald Ihr einen Meister habt, wird er oder sie mit Euch einen Plan erarbeiten. Auch ich, die eigentlich nicht viel im Außeneinsatz unterwegs bin, achte darauf, stets fit und gesund zu sein, ebenso, wie meine Fähigkeiten in allen Bereichen nicht verkommen zu lassen. Man weiß nie, wofür man sie braucht."

Damals, als der Tempel fiel, hatte jeder zum Schwert greifen müssen. So viele hatten es dennoch nicht geschafft.

"Der Test braucht nicht mehr lang", lächelte sie dann und wandte sich der letzten Frage zu. "Ja, theoretisch kann es gleich losgehen. Ihr wurdet ja bereits ins Tempelsystem aufgenommen, ich würde Euch dann als meistersuchend markieren. Eine Meistersuche kann unterschiedlich lang dauern. Manchmal klappt es noch am nächsten Tag, andere brauchen Monate. Das liegt einfach daran, ob eine passende Person verfügbar ist. Nicht jeder Meister passt zu jedem Anwärter. Es ist eine starke Bindung, die man eingeht, das tut man nicht leichtfertig oder mit jedem. Es kann sich frustrierend anfühlen, wenn man lange wartet, aber das liegt in der Regel nicht am Anwärter selbst. Ihr werdet in dieser Zeit aber nicht herumsitzen und Däumchen drehen. Es gibt durchaus immer wieder Möglichkeiten, zu lernen. Meisterlose geben Unterricht, man kann beim Unterricht von anderen Meister-Padawan-Paaren zuhören oder gar beiwohnen, manchmal tun sich auch Anwärter zusammen und probieren gemeinsam ein wenig. Bloß keinen Lichtschwertkampf, das kann übel enden. In den Trainingsräumen ist eigentlich immer etwas los, und man findet in der Regel jemanden, der einem etwas beibringt oder hilft. Außerdem kann man dort natürlich auch die normale körperliche Fitness trainieren. Ihr werdet bestimmt bald ein paar Personen finden, mit denen Ihr Euch zusammentun könnt. Bis vor kurzem haben die Anwärter auch auf der Krankenstation ausgeholfen, vor allem mit Tätigkeiten, die einfach jeder erledigen kann, aber seit das C-Virus zerstört ist, ist dies nicht mehr notwendig und Ihr könnt Euch voll und ganz auf das Leben hier konzentrieren." Nebbra lächelte. "Abgesehen davon, Ihr bekommt ein Zimmer, ein anderes als das hier, und Ihr dürft selbstverständlich regelmäßig eine unserer Kantinen aufsuchen. Es sind so viele Personen hier und unterschiedliche Spezies, dass wir mehrere haben, Ihr werdet bald herausfinden, welche Euch am ehesten zusagt. Genauso bekommt Ihr Kleidung und Ausrüstung wie Koms oder Gürtel in der Ausrüstungskammer gestellt. Wir haben auch ein paar wenige Aufenthaltsräume, in denen vor allem die Padawane und Anwärter herumsitzen, auch da könnt Ihr Anschluss finden.

Und was die Ausbildungsinhalte angeht... Das ist völlig verschieden."
Ein erneutes Lächeln erschien auf Nebbras Gesicht. "Wir haben hier keinen Lehrplan. Anfangs geht es natürlich darum, überhaupt Zugriff auf die Macht zu bekommen, aber schon ab da lernt jeder hier individuell. Solltet Ihr einmal Hilfe benötigen und noch keinen Meister haben, dann kommt gerne auf jemanden zu, eigentlich sind alle recht hilfsbereit. Auch mich könnt Ihr kontaktieren, im System findet man daher extra meine Komnummer."

Jetzt hatte sie eine Menge gesagt und Tari womöglich etwas überrollt, aber anfangs war es einfach viel. Vermutlich war das allerdings auch alles... oder? Nebbra überlegte kurz, ob sie etwas vergessen hatte, da piepte leise das Gerät neben ihr. Nebbra nahm es in die Hand, sah aufs Display und nickte.

"Ihr habt Recht gehabt", schmunzelte sie und sah dann auf. "Ihr besitzt die Fähigkeit. Herzlichen Glückwunsch dazu – und willkommen im Jedi-Orden."

Coruscant - Jedi-Tempel - Tari Haakos Zimmer, Tari und Nebbra (NPC)
 
Coruscant – Jedi-Tempel – Krankenstation – Brianna

Jetzt musste Brianna nur noch diesen Ritter Retheim finden. Sehr stark in's Detail gegangen war Eowyn während ihrer kurzen Begegnung ja nicht. Sonst kannte sie leider nicht allzu viele Schatten. Sie war zwar schon eine ganze Weile dabei, die meiste Zeit davon hatten sie aber damit zugebracht, sie zu testen. Die Echani hatte nicht mal gewusst, dass die Schatten sie testen und entsprechend wenig wusste sie Bescheid. Tatsächlich kannte sie nur zwei weitere Schatten, Marrev Jemiss und Jeg Harkness. Zumindest einen der beiden musste sie finden. Manchmal konnte die Geheimniskrämerei der Schatten ein echtes Problem sein…

Aber Jeg Harkness ließ sich finden. Scheinbar hatte er auf seiner letzten Mission eine kleine Verletzung erlitten und Meister Mooch hatte ihn wohl wieder zusammengeflickt. Der Togorianer konnte Brianna auch sagen, wo Jegs Quartier war und nur wenig später klopfte sie auch bereits an seine Tür.


„Herein!“

Brianna ließ sich natürlich nicht lange bitten. Als sie das Quartier betrat, blieb sie erst einmal wie angewurzelt stehen. Was für ein Schock! Sein Zimmer war größer als ihres, aber das war nicht der Grund. Jeg hatte ein Doppelbett und die Laken waren pink! Der Rest des Zimmers war in etwa so eingerichtet wie eine Untergrund-Bar auf Nar Shaddaa, in der ortolanische Rockbands ihre Debüts in der galaktischen Musikbranche gaben. Dazu gehörten an die Wand gehängte Instrumente, deren Namen Brianna nicht einmal kannte und bunte blinkende Holoschilder von Alemarken und auch ein paar anderen Ding. Die Silberhaarige hätte sich am liebsten die Augen zugehalten, zum Schutz vor Augenkrebs.

Aber auch das war noch nicht das schlimmste. Da war…

Verdammt


„Mya?“

Fragte Brianna irritiert und verwirrt. Ihre Kinnlade wäre dabei fast auf dem Boden aufgeschlagen. Die Twi'lek und Jeg saßen sich in unverfänglicher Position an einem kleinen Tisch gegenüber, jede ein Getränk vor sich stehend. Soweit die Echani es beurteilen konnte (und das konnte sie) hatten sie diese recht hektisch eingenommen. Sie hatten beide erhöhten Puls. Manche Dinge, die einer als Echani-Jediheilerin so auffielen, wollte frau eigentlich gar nicht so genau wissen. Mya leerte mit einem Schluck, stand auf und stolzierte Richtung Tür, nicht ohne ein Wort des Abschieds natürlich.

„Möge die Macht mit Euch sein, Meister Harkness.“

Wollte die Tw'lek sie für dumm verkaufen? Die beiden waren doch nie und nimmer per ‚ihr‘? Hatte Jeg überhaupt schon mal eine Frau gesiezt? Und wie sie an ihr vorbeistolzierte und zu ihr runtersah. Sie trug Stiefel mit hohen Absätzen und sah aus wie ein Meter neunzig. Brianna war neidisch auf Myas Größe und die wusste das auch. ganz. genau. Mit einem Raubtiergrinsen flötete sie:

„Jetzt gehört er ganz dir.“

Grrr… Brianna warf der anderen Ritterin einen finsteren Blick hinterher, bis sich die Tür hinter ihr schloss. Sie war fast erschrocken, als sie sich wieder umdrehte und Jeg plötzlich vor ihr stand.

„Hallo, Süße. Ein Traum wird wahr. Seit Jahren warte ich auf diesen Moment…“

Begrüßte der Zeltron sie mit seinem üblichen gespielten aufreißerischen Grinsen. Er wollte sie offensichtlich aufziehen und offensichtlich brauchte es dazu nicht mehr viel.

„Nenn' mich nicht ‚Süße‘, wenn du deine strahlend weißen Zähne behalten willst!“

Zischte sie und funkelte ihn verschwörerisch an.

„Weiß Janson eigentlich, was seine Assistentin und du hier treiben?“

Jeg hatte bereits umgeschalten auf den geschäftsmäßigen Modus und antwortete:

„Die Schatten müssen wissen, was die Ermittler wissen und Mya ist eine exzellente Quelle von Informationen.“

„Jaja, ich bin mir ganz sicher, dass der Austausch von Informationen bei ihrem Besuch im Vordergrund stand,“


Erwiderte Brianna sarkastisch. Jeg zuckte ungerührt mit den Achseln.

„Glaub' was du willst, das ist ein Auftrag von Alexander. Aber setz' dich doch. Willst du auch einen Alderaan Twist?“

Bei der Echani fiel der Dezicred. Gab Jeg Aufträge… Natürlich dachte sie nicht im Traum daran, mit einem Zeltron was zu trinken.

Alexander wie ‚Alexander Retheim‘. Wo finde ich ihn?“

„Normal findet er dich, aber um diese Zeit sollte er in Ahnas Büro im Ratsturm sein.“

„Alles klar, danke.“


Das reichte Brianna. Sie machte auf dem Absatz kehrt und verschwand, was den anzüglichen Jeg zurückbrachte.

„Sicher, dass du nicht die Nacht bleiben willst?“

Rief er just als die Tür offen stand und so laut, dass es bestimmt der ganze Gang hörte. Die Silberhaarige schnaubte genervt. Typisch Jeg… aber egal, sie hatte sich lange genug aufhalten lassen und hatte erfahren, was sie wissen wollte. Obwohl sie es mehr als anmaßend fand, dass dieser Knilch, dieser Jedi-Ritter sich einfach Ahnas Büro unter den Nagel gerissen hatte, als würde es ihm gehören. Aber im Moment war sie diejenige, die was von ihm brauchte, also musste sie sich wohl zusammennehmen. Ab zum Turbolift, lautete die Devise.

Nur wenig später klopfte Brianna an die Tür zu Ahnas/Retheims Büro und wurde wieder hereingebeten. Retheim war ein Mensch, gut gekleidet, in Anzug statt einer Jedirobe, eine gehörige Portion Selbstbewusstsein ausstrahlend. Bis auf die Haarfarbe und die Brille erinnerte er sie total an Janus.


„Ritterin Kae! Setzt Euch. Was verschafft mir das Vergnügen? Bitte setzt Euch doch,“

Begrüßte Retheim sie und verwies auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch. Das war kein Ratsbüro, das war wie bei Myas Schreibtisch mit Wes Jansons Büro dahin. Auch hier gab es eine zweite Tür, die nach hinter führte… und der Ritter merkte, dass sie in die Richtung starrte.

„Das ist Ahnas Büro. Normalerweise gehen wir da nicht hinein. Kaf? Tee?“

Fragte der Schatten und Brianna konnte spüren, dass er erwartete, dass sie sich gefälligst setzen sollte. Na schön, dann tat sie ihm den Gefallen. Retheims zweckmäßig eingerichtetes Büro war eine große Verbesserung im Vergleich zu Jegs gefühlter Nar-Shaddaa-Untergrund-Puff-Kaschemme.

„Einen Tee, wenn es keine Umstände macht.“

Der Mensch benachrichtigte einen Droide und sah die Echani erwartungsvoll an. Diese hatte sich mittlerweile einen Plan zurechtgelegt und beschlossen, mit der hoffentlich einfacheren Sache anzufangen.

„Ich brauche die Hilfe der Schatten für die Suche nach einer untergetauchten Person. Ihr Name ist Samin, sie ist eine Chiss und ehemalige imperiale Elitepilotin, so viel habe ich schon herausgefunden. Sie half einer Gruppe machtsensitiver Kinder, von Bastion zu fliehen und ich muss sie finden, bevor das Imperium es tut,“

Erklärte sie ihm. Retheim schüttelte den Kopf, als die Türe sich zischend öffnete und ein Droide eine Tasse Tee brachte und außerdem eine Tasse Kaf für ihn.

„Mehr habt Ihr nicht? Das ist nicht gerade viel an Information, ist Euch das bewusst?“

Brianna nahm die Tasse zwischen ihre Hände, hob sie an und sog mit der Nase den Geruch auf. Das wusste sie doch selber. Wenn es einfach wäre, bräuchte sie ja nicht die Hilfe der Schatten, um Samin zu finden.

„Eine früherer Republikssoldat, Sane von Kath, half ihr und den Kindern, von Bastion zu fliehen. Seiner Familie gehört eine Reederei, vielleicht kann ich das Schiff und das Ziel in Erfahrung bringen.“

„Versprechen kann ich nichts…“


Das war der Echani natürlich zu wenig:

„Ihr müsst es versuchen! Nicht auszudenken, wenn diese Kinder in die Hände des Imperiums fallen. Diejenige von ihnen, die nicht sterben, werden Sith. Wollt ihr das? Jedes bisschen könnte helfen. Berichte von Sith, die nach Kindern Ausschau halten. Diese Frau, Samin, hatte wohl einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht. Sie könnte auf Überwachungsholos auftauchen. Irgendwas!“

Retheim seufzte, während Brianna an ihrem Tee nippte.

„Also gut, die Schatten werden die Augen offen halten. Sonst noch etwas?“

„Ja. Seid Ihr im Bilde darüber, dass Rat Janson veranlasst hat, den gefangenen Sith-Lord Janus Sturn auszutauschen?“

„Lasst mich raten: Ihr möchtet Euren Sith-Lord gerne für Euch behalten?“


Entgegnete der Ritter kühl und trank einen Schluck aus seiner Tasse Kaf. Brianna reagierte hitzig auf diese Unterstellungen.

„Waaas? Das ist doch nicht meinetwegen! Hier geht es darum, dass einer der gefährlichsten Sith, der Sarissia auf dem Gewissen hat sowie Eowyn, Kestrel und Q'Tahem beinahe und sicherlich eine große Anzahl weiterer Jedi und Nicht-Jedi. Er hat die ehemalige Jedi Kate Manice auf die dunkle Seite geführt und vieles andere mehr. Dieser Mann soll einfach so wieder auf freien Fuß gesetzt werden? Die Schatten müssen das verhindern!“

Der Mensch seufzte lauter.

„Da gibt es nichts mehr zu verhindern, der Vertrag ist unterzeichnet und die Bedingungen sind gut. Unsere verbliebenen Kriegsgefangenen des vorangegangenen Krieges kehren im Gegenzug zurück, das kann der Jedi-Orden als positive Publicity gut gebrauchen. Außerdem bekommen wir einen Hebel, den imperialen Griff über eine ganze Reihe zu Welten zu lockern. All das im Austausch gegen einen klinisch toten Sith-Lord…“

„Er ist nicht klinisch tot!“

„Der werte Lord sah nicht sonderlich fidel aus, als ich ihn das letzte Mal gesehen habe. Dem Bericht des behandelnden Heilers zufolge sei nicht klar, was ihn überhaupt noch am Leben hält. So einen Lord können die Sith doch gerne zurückhaben.“


Oh ja, das war sicher sehr bequem für den feinen Herrn.

„Ihr als Schatten solltet doch wissen, wozu die Sith imstande sind. Die bringen ihn zurück, notfalls in einem neuen Körper, und alles beginnt von vorn!“

„Das setzt voraus, dass Lord Sturn noch eine Hausmacht im Sith-Orden hätte. Ich bin mir aber sicher dass, sollte es dazu kommen, Ihr beide Euch eher früher als später wieder über den Weg läuft und dann könnt Ihr ihn ja erneut fangen. Was glaubt Ihr was ich denn in der Angelegenheit tun kann? Diese Thema ist längst durch!“

Ahna hätte es von vornherein nicht zugelassen und würde auch jetzt noch einen Weg finden, es zu verhindern,“


Rief Brianna zornig aus und stand dabei auf.

Ahna ist TOT!“

Retheim erhob sich ebenfalls. Frau sah es dem fein herausgeputzten Jedi an, dass das ein Reizthema für ihn war und die Nerven langsam blank lagen. Brianna hatte gute Lust, ihm gehörig die Meinung zu geigen, aber wegen Samin und den Kindern war sie auf ihn angewiesen. Sie zwang sich, einen Gang runter zu schalten, sich etwas zu beruhigen und eine entspanntere Körperhaltung anzunehmen. Ihr blieb ja nichts anderes übrig. Mit gezwungen ruhiger Stimme erklärte sie:

„Ich will nicht, dass Lord Sturn ohne mich den Tempel verlässt. Ich muss sicher gehen, dass er wirklich nie mehr in der Lage sein wird, Leid und Unglück in der Galaxis zu verursachen und ich muss wissen, ob das Imperium wirklich sein Wort hält.“

Retheim seufzte wieder, dieses Mal wohl vor Erleichterung, und trank einen großen Schluck seines Kafs.

„Das wäre nun tatsächlich endlich einmal eine gute Nachricht…“

Coruscant – Jedi-Tempel – Ratsturm, im Vorzimmer von Ahnas Büro – Alexander Retheim (NPC) und Brianna
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Ratssaal, mit Ian und Wes sowie Murrrar, Eleonore und Rornan; Satrek und Joseline per Holo (NPCs)

Ian sah sich im Saal um und schenkte ihr ein kleines Lächeln. Sie konnte daraus allerdings nichts lesen – würde er dankend ablehnen? Mehr Bedenkzeit erbeten? Zustimmen? Alles war im Rahmen der Möglichkeiten, immerhin hatte er schon Zeit gehabt, um darüber nachzudenken. Allerdings war diese Entscheidung weitreichend, und in den letzten Tagen war enorm viel losgewesen.
Bedenkzeit schloss er dann aber aus, und Eowyn musste zugeben, nun war sie... leicht nervös. Nicht im schlechten Sinne, aber das hier war schließlich ihr Verlobter, der da vorne stand, und der nun eine weitreichende Entscheidung für sein Leben traf, die auch ihres beeinflussen würde. Nicht, dass er diese Entscheidung mit ihr besprechen musste; zwar wäre es schön gewesen und sie hätte es sich gewünscht, aber sie verstand gut, dass dieser Punkt einer war, den er vielleicht mit sich selbst ausmachen musste. Gerade
jetzt, wo sie beide noch mit so viel anderem kämpften.

Es kam ihr wie eine gefühlte Ewigkeit vor, bis Ian fortfuhr – und dann tatsächlich um Aufnahme in den Jedi-Orden bat. Eine Ehre. Er sagte, es wäre ihm eine Ehre... Eowyn atmete zitternd durch die Nase ein. Sie hatte... nicht damit gerechnet, wurde ihr jetzt klar. Darauf gehofft, ja, vielleicht, aber nie damit gerechnet. Tat er es für sie, um in ihrer Nähe zu bleiben? Oder weil er wirklich überzeugt war? All diese Zweifel, die er am Orden, am Rat, am Kodex gehabt hatte... waren sie ausgeräumt, oder wenigstens minimiert? Mussten sie ja. Ian würde niemals etwas tun, das seinen Überzeugungen widersprach, nicht einmal ihr zuliebe. Und das war auch verdammt gut so.
Eleonore bestätigte seine Aufnahme, und Eowyn konnte nicht wirklich glauben, was da eben geschehen war beziehungsweise noch geschah. Ian war ein Jedi. Ein richtiger, echter Jedi. Sie schüttelte verwundert leicht den Kopf, während sie Ian allerdings zulächelte. Träumte sie? Die Erwähnung Meister Nackls bekam sie nur am Rande mit, während sie versuchte zu sortieren, was das nun alles bedeutete. Dabei rückte ja beinahe in den Hintergrund, dass sie ab sofort eine
echte Rätin sein würde, mit allerhand Aufgaben und Pflichten...

Die Sitzung war dann schneller beendet, als sie hatte kommen sehen, und beinahe genauso schnell fand sie sich in einer kurzen Umarmung von Wes wieder. Sie zuckte kurz zusammen, waren derlei Berührungen doch noch recht ungewöhnt und manchmal auch noch sehr erschreckend für sie, doch eine Sekunde später riss sie sich schon zusammen und erwiderte das Drücken mit einem Arm. Wes' Worte rührten sie erneut. Sie hatte ihnen allen Unrecht getan. Sie hätte... mehr nachhaken müssen, damals. Ja, natürlich, sie hatte den Rang nicht gewollt und Wes hatte es gewusst, aber... Sie musste ab sofort besonnener sein und mehr nachfragen.
Ich danke dir, Wes. Wirklich. Sie sah ihm in die Augen. Auch für deine Worte vorhin. Ich werde mich wirklich sehr anstrengen, es zu sehen wie du. Wenn Wes sie für fähig hielt, dann musste sie es doch auch sein...
Der Rat wandte sich dann an Ian, und auch Eowyn folgte ihm und lächelte dem neuen Jedi zu, während er Wes' Glückwünsche entgegennahm. Sie war so, so stolz auf ihn... Er hatte das hier so verdient. Eigentlich sollten sie das ganze heute noch feiern. Aber bei dem, was noch alles anstand... Ein Schatten legte sich kurz auf Eowyns Gesicht, als sie an Ahna dachte, doch sie schob es beiseite. Dieser Moment sollte nur Ian gehören.

Sie wartete, bis Ian Wes geantwortet hatte, dann nahm sie seine Hand.
Ich bin stolz auf dich, sagte sie leise, während sie ihm fest mit einem Lächeln in die Augen sah und drückte die Hand fest. Sehr stolz. Herzlichen Glückwunsch. Du hast es dir so verdient... Sie wusste nicht, was sie sagen sollte, um alles auszudrücken, was sie empfand. Da war so viel mehr als das, und sie wünschte, sie wäre dazu in der Lage, aber es musste eben reichen.

Coruscant - Jedi-Tempel - Ratssaal, mit Ian und Wes sowie Murrrar, Eleonore und Rornan; Satrek und Joseline per Holo (NPCs)
 
[Coruscant, Jedi-Tempel, eines der Gästezimmer] - mit Tari Haako und Nebbra Flugzseg'tani

Die Jedi wies ihn nochmal auf die emotionalen und psychologischen Gefahren des Jedi-Seins hin. Aus Flugzseg'tanis Stimme hörte Tari einen Ernst heraus, der ihn daran hinderte, das Gesagte als für ihn nicht wichtig abzutun. Aber dennoch tat er sich sehr schwer damit, sich wirklich vorstellen zu können, wie er an der Bürde des Jedi-Seins scheitern könnte. Ein Großteil seines bisherigen Lebens war eine Zerreißprobe gewesen, die er jedes Mal bestanden hatte. Ob es der Absturz in die Suburbia war, die güldene Unterdrückung als Diener oder der harte Weg als halblegaler Ringkämpfer.
Was auch immer ihm hier im Jedi-Orden bevorstehen würde: Er würde die Herausforderung annehmen und sie ausknocken oder zur Aufgabe bringen. Und die äußeren Gefahren durch die Tyrannen und das Imperium wirkten auf ihn auch so ungreifbar, dass er sich ihretwegen auch keine wirklichen Sorgen machte.
Im Fall der Fälle würde sein Kämpferinstinkt schon beistehen.

Als seine Gastgeberin und Prüferin schließlich zur geistigen und körperlichen Fitness kam, konnte sich der trainierte Neimoidianer ein Grinsen und das Anspannen seiner Muskeln nicht verkneifen.

"Ich würde sagen, eine grundlegende Fitness und Power bringe ich schon mit. Und ich habe nicht vor, diese in den nächsten Jahren und Jahrzehnten einzubüßen."
Ja, Tari war stolz auf seine Muskulatur und seinen Kämpferkörper - zumal er als Neimoidianer von Natur aus härter und strenger trainieren musste als viele andere Spezies, um seine funktionale Muskeldefinition erhalten zu können. Und sie hatte ihm schon gute Dienste geleistet. Sowohl im Einstecken als auch im Austeilen. Aber er war auch neugierig, Neues zu lernen.
"Aber wahrscheinlich gibt es als Jedi noch ganz andere Übungen, die mich zunächst wie einen Waschlappen aussehen lassen werden. Aber auch da werde ich mich durchbeißen. Und bin gespannt drauf."

Als nächstes erklärte ihm die Jedi dann, was die nächste Zeit für ihn parat halten würde, dass er im Tempelsystem aufgenommen werden und dann auf einen Meister warten würde. Als sie dann aber fortfuhr mit "Manchmal klappt es noch am nächsten Tag, andere brauchen Monate", wurde Taris Euphorie und Neugierde doch stark gedämpft.
Das Lächeln verschwand von seinem Gesicht. Monate lang warten? Er wollte doch jetzt ein Jedi werden - er wollte sich doch jetzt für die Gerechtigkeit und das Gute einsetzen! Seine Stimmung wurde nur wenig davon gehoben, dass
Flugzseg'tani ihm viele Möglichkeiten aufzählte, wie er seinen Weg schon einmal beginnen konnte, auch ohne Meister.
Seine Zweifel sorgten dafür, dass eine unbedachte Frage aus ihm rausrutschte:
"Und was, wenn ich keinen Meister finde?" "Was, wenn ich versage und meinen Vater und Freunde ganz umsonst alleingelassen habe?", diesen zweiten und dringenderen Teil der Frage stellte der junge Mann nicht laut, sondern nur in seinem Herzen.

Die Jedi-Meisterin sprach ihm aber noch etwas Zuversicht und Geduld zu. Dann piepte das Analysegerät.

"Ihr habt Recht gehabt. Ihr besitzt die Fähigkeit. Herzlichen Glückwunsch dazu - und willkommen im Jedi-Orden", verkündete sie das Ergebnis. Aller Sorgen zum Trotz wurde Tari nun von einem warmen Hochgefühl erfasst. Er konnte tatsächlich die Macht nutzen! Er konnte tatsächlich ein Jedi werden!
"Boom! Das ist ja cool! Äh... und danke. Ich weiß, dass es lange dauern kann, einen Meister zu finden - aber ich würde so gerne heute schon anfangen. Mein zukünftiger Meister soll sehen, dass ich mitdenke und nicht faul bin, dass er mit mir rechnen kann.
Also: Wo fange ich am besten an? Soll ich eher einen Unterricht besuchen, oder mich mit anderen Meisterlosen bekannt machen? Oder gibt es irgendwelche Leute, die ich am besten zuerst kennenlernen sollte?"


Und im Laufe des Tages wurde Tari sich zögernd bewusst, dass er wirklich dafür brannte, ein Jedi zu werden - aber dass er auf der anderen Seite auch große Angst davor hatte, zu versagen und dadurch die wichtigsten Entscheidungen seines Lebens als falsch zu erweisen. Er hoffte wirklich, dass die Macht ihn zu einem Meister führen würde. Aber für ihn stand auch fest: er würde nicht aufgeben. Er ging in diesen Kampf, um zu gewinnen.

[Coruscant, Jedi-Tempel, eines der Gästezimmer] - mit Tari Haako und Nebbra Flugzseg'tani
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Trainingsraum, Nikis und Sarina

Sarina lächelte.

"Kennst du Ian Dice denn?", fragte sie simpel, immer noch lächelnd. "Falls nicht... woher weißt du, wie lange er im Fass der Dunkelheit gebadet hat? Ich verstehe dein Misstrauen, und es ist richtig, misstrauisch zu sein. Aber genauso brauchst du als Jedi auch Vertrauen. In den Rat, zum Beispiel. Und darin, dass nie etwas verloren ist, egal wie schlimm es aussieht. Der Rat vertraut Dice, und ich glaube daran, dass die allermeisten Leute dazu in der Lage sind, zu erkennen, wenn sie Mist bauen. Viele Imperiale glauben an das Imperium, weil es Stabilität und Ordnung verspricht. Wenn dafür ein paar Leben drauf gehen scheint das akzeptabel zu sein, so ein bisschen Kollateralschaden, aber vielleicht hat Dice erkannt, dass Millionen Leben dann doch was anderes sind und dieser Plan nicht wirklich Stabilität bedeutet? Keine Ahnung. Ich steck nicht drin in ihm. Und die lange Zeit mit El'mireth scheint ja auch geholfen zu haben, wahrscheinlich hat sie ihm gehörig den Kopf gewaschen. Aber ich glaub schon, dass Leute sich ändern können. Sonst wär das alles hier irgendwie... sinnlos."

Sie zuckte mit den Schultern.

"Und wenn wir bei deinem Bild bleiben... Zellen erneuern sich. Also selbst wenn man die Dunkelheit nicht abgewaschen bekommt, weil sie irgendwie an einem klebt, irgendwann sind die Zellen trotzdem neu und wieder blitzeblank."

Sarina grinste, schlug Nikis dann aber vor, die Konferenz Konferenz bleiben zu lassen. Sie hatte das Gefühl, dass es nicht so ganz seins war, und das wichtigste hatte sie ja nun erfahren. Dann aber antwortete er wieder mit "Meisterin", und Sarina rollte mit den Augen.

"Weißt du, wenn du mich weiter so nennst fühle ich mich alt wie eine von den Rätinnen. Gibt 'n Grund, wieso ich noch keinen Padawan will."

Noch mal betonte er, dass er quasi noch gar nichts gelernt hatte, und Sarina konnte nicht anders und musste leise kichern.

"Du, das hab ich schon vorhin kapiert", grinste sie. "Du musst mir gar nichts 'bieten', ich hab ja vorgeschlagen, mit dir zu trainieren. Alles gut."

Helfen beim Fühlen der Macht... Oi. Hm, wie hatte sie damals angefangen? Sie war ja noch echt jung gewesen, daher konnte sie sich nicht wirklich super daran erinnern. Dann aber wieder ein Augenrollen.

"Nikis, ich hab extra dich gefragt, was du machen willst, und ich bin echt groß genug um zu sagen, wenn ich wo keine Lust drauf habe", schalt sie scherzhaft. "Das passt schon. Lass mich nur kurz... hm. Okay."

Sie stand auf und hielt ihm dann ihre Hand hin, um beim Aufstehen zu unterstützen.

"Wir gehen raus in die Gärten. Das ist viel besser."

Sie begann, den ganzen Technikkram einzusammeln.

Coruscant - Jedi-Tempel - Trainingsraum, Nikis und Sarina
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Tari Haakos Zimmer, Tari und Nebbra (NPC)

Nebbra schenkte Tari ein Lächeln zurück, als dieser seine Muskeln spielen lies.

"Ich sehe in der Tat, das wird nicht das große Problem sein. Und ich vermute, Ihr besitzt dadurch auch schon einiges an Durchhaltevermögen, das Euch sicher helfen wird."

Es war klar, dass ihre ehrliche Aussage zur Meistervergabe Tari ein wenig den Boden unter den Füßen wegzog. Aber lügen wollte Nebbra auf keinen Fall. Es konnte einige Zeit dauern, bis man jemand passenden fand. Und dann, die größte Sorge von ihnen allen. Was sie sehr gut verstehen konnte, aber sie war unbegründet. Was, wenn man keinen Meister fand?

"Ich kann Euch beruhigen. Ich habe noch nie mitbekommen, dass dieser Fall eingetreten ist. Wer lange genug im Orden verbleibt und geduldig abwartet, bekommt auch einen Meister. Ansonsten könnte auch der Rat einschreiten und nach einem passenden Meister suchen, auch dies kommt hin und wieder vor, wenn auch dann nicht aus Zeitgründen. Ich weiß, dass diese Ungewissheit schwer zu ertragen sein kann. Aber seid gewiss, Tari, Ihr werdet Euren Weg gehen."

Nebbra sah ihm ernst, aber lächelnd in die Augen.

Und dann war es schon Zeit für das Ergebnis. Nebbra hatte ein gutes Gefühl gehabt, und es bestätigte sich. Tari war hier richtig und würde ein Jedi werden können. Diese Nachricht erfreute ihn natürlich, und vielleicht ließ sie auch ein bisschen seine Meistersorge in den Hintergrund rücken.
Zumindest ein
kleines bisschen, wie sie sich selbst amüsiert korrigierte. Engagiert war er ja, der junge Neimoidianer.

"Ein Vorschlag: Ich nehme Euch gleich mit und zeige Euch Euer richtiges Quartier, außerhalb des Gästebereiches, und dann gehen wir auf die Suche in einem der Trainingsräume. Ich würde Euch ja auch selbst trainieren, aber ich habe da noch ein bisschen was auf meinem Tisch liegen, was erledigt werden möchte."

Im Notfall, dachte Nebbra sich, würde sie einfach eine Unterrichtseinheit einschieben, aber normalerweise würde das sicher nicht nötig sein.

Sie führte als Tari aus dem Gästebereich in den Jedi-Tempel hinein. Hier war es belebter, immer wieder begegneten ihnen Jedi; häufig in traditioneller Kleidung, aber auch in simplen Trainingssachen oder sogar Alltagskleidung. Sie registrierte bei einem der Terminals, dass Tari nun getestet und offiziell aufgenommen war, dann gingen sie gemeinsam zur Ausrüstungskammer. Dort sorgte sie dafür, dass er vorerst zwei Sätze an Jedi-Kleidung bekam sowie zwei Sätze Trainingssachen und dazu ein paar kleine, hilfreiche Gerätschaften, inklusive eines Tempel-Orientierungsplanes auf einem simplen Datapad. Anschließend zeigte sie ihm sein Zimmer. In diesem Flur waren einige humanoide Padawane untergebracht, er würde hier sicher Anschluss finden können, wenn er wollte. Sie zeigte ihm auch die Möglichkeiten, welche sein Zimmer hatte (verschiedene Luftfeuchtigkeiten, anpassbar an die Spezies, das elektronische Fenster, da sein Raum im Inneren des Tempels lag, die Lüftungsanlage und allerhand andere Spielereien), bevor sie wieder aufbrachen in Richtung Trainingsräume. Ihr selbst würde ja nun längst der Kopf schwirren, aber Tari schien auf eine erste Trainingseinheit zu brennen, also wieso nicht?

Sie öffnete vorsichtig die erstbeste Tür. Dahinter tobte ein furioser Lichtschwertkampf unter Aufsicht eines Meisters, und Nebbra schloss die Tür wieder schnell. Nicht das richtige. Der zweite Raum war leer, der dritte war verschlossen, ein eindeutiges Zeichen, die Trainierenden in Ruhe zu lassen. Zwar hätte Nebbra das Schloss innerhalb einer Sekunde mit der Macht öffnen können, doch es verstand sich im Tempel von selbst, solche Dinge zu respektieren. Anders ging es nicht, wenn man mit so vielen Lebewesen an einem Fleck lebte. Im vierten Trainingsraum zögerte Nebbra kurz. Der große Saal war fast leer, nur zwei Personen saßen sich auf Matten gegenüber und starrten sich an. Sie reagierten nicht, als Nebbra die Tür öffnete, und vielleicht wäre das hier eine gute Möglichkeit für Tari gewesen, aber vielleicht waren die beiden auch mitten in einem geistigen Kampf oder dergleichen, und sie beschloss, sie nicht zu stören und die Tür wieder zu schließen.

Trainingsraum Nummer fünf also. Dieser war kleiner, aber ebenfalls beinahe leer. Nur zwei Personen befanden sich darin und schienen gerade dabei, Dinge einzusammeln um bald aufzubrechen. Und was für ein Glück, eine davon kannte Nebbra, zumindest flüchtig.


"Sarina! Schön dich zu sehen", begrüßte sie die junge Ritterin, welche sich aufrichtete und Nebbra zulächelte.

"Ebenfalls, Nebbra. Willst du trainieren? Wir sind schon weg."

"Nein, eigentlich suche ich jemanden, der mit ihm trainiert, um ehrlich zu sein"
, schmunzelte Nebbra. "Er ist neu hier, seit heute, und kann es gar nicht abwarten, endlich mit der Einführung zu beginnen. Du hast nicht zufällig noch ein bisschen Zeit...?"

So weit Nebbra wusste, hatte Sarina keine feste Aufgabe in dem Sinne, die Möglichkeit bestand also.
Sarina stemmte ihre Faust in ihre Hüfte und sah Nebbra mit einem schiefen Grinsen an.


"Das hast du doch gerochen, oder? Zufällig bin ich gerade mit Nikis hier", sie wies auf den jungen Mann neben sich, "auf den Weg in die Gärten um ein paar leichte Spürübungen auszutesten. Also klar, ich übernehm deinen Schützling, dann lohnt sich das Erklären wenigstens."

Fantastisch. Gut, dass sie nicht getrödelt und Sarina noch erwischt hatten... Nebbra wandte sich freundlich an Tari.

"Dann übergebe ich Euch gerne in die fürsorglichen Hände von Ritterin Thorne. Falls Ihr noch etwas benötigst, findet Ihr meine Komfrequenz in jedem Terminal, oder Ihr fragt gleich Ritterin Thorne. In Ordnung?"

Nebbra verneigte sich leicht.

"Noch einmal herzlich Willkommen bei den Jedi, Tari, und möge die Macht mit Euch sein."

Coruscant - Jedi-Tempel - Trainingsraum, Nikis, Tari, Sarina (NPC) und Nebbra (NPC)
 
Coruscant – Jedi Tempel – Krankenstation – mit Eli und Q'Tahem


Als Q’Tahem wissen wollte, was ihn verraten hatte, wuchs der Groll in Riuen an, wurde so groß, dass er für Sekunden den Mund zu einem schmalen Strich verzog. Was ihn verraten hatte. Diese Formulierung. Als wäre er der schuldige, als hätte er etwas falsch gemacht und nicht diese dreckige Vereinigung an sadistischen Verbrechern. Der Groll wuchs weiter an und es war das erste Mal, seit Riuen hier im Orden war, dass er überdeutlich spürte, dass diese Wut sich entladen wollte und kaum noch zu händeln war. Die Stimme seiner Meisterin war es, die ihn zurück auf den Boden holte. Nein, die Stimme Elises war es. Keine Ermahnung, kein Schock, bloß sein Name in einer Tonlage gesprochen, die sein Herz erreichte. Ein leises Seufzen.

„Ich erkenne die Handschrift von Sith und anderen Imperialen. Was Euch verrät, ist ihre Handschrift.“ Was, weiter zu erklären, alles unnötig in die Länge gezogen hätte. Riuen konnte den Bruch sehen. Es war der gleiche Bruch, den man auch bei Eowyn sah, der gleiche Bruch, der auch bei Ian noch immer sichtbar war. Folter hatte zum Zweck zu brechen und meist brach der Geist und der Körper. Ein bisschen oder ganz. Und das war vor den Augen des Chiss nicht zu verstecken. Wäre er selbst nicht gefoltert worden, damals, auf dem elenden Militärplaneten, vielleicht hätte er keine Ahnung gehabt. Doch er kannte dieses Brandzeichen.
Dann Zählte der Tentakelkopf auf, wer schuld daran war und wieder fiel der Name Sturn. Sturn, den Elise auf das Schiff geholt hatte, anstatt ihm seinem Schicksal zu überlassen. Sturn, Zoey und Kira.
Sie alle waren auf Kast gewesen und da erinnerte sich Riuen auch an die Twi’lek, die so zerfressen von ihrem Hass gewesen war, unzugänglich für Argumente und doch nicht vollends verloren. Jetzt war sie es vermutlich. Riuen schüttelte den Kopf und besann sich dann darauf, zuzuhören, was Q und Elise austauschten. Alles davon klang unbefriedigend.

„Wäre Ian gesund, könnte er vielleicht etwas tun und schwer bedeutet nicht unmöglich“, erklärte Riuen dann beinahe trotzig. „Es kommt jeder auf die Liste, der etwas beitragen könnte.“ Auch wenn er auf Brianna bestens verzichten konnte. Ihr Ego war groß genug für einen ganzen Trupp, aber ob das half? Tja. Besser als nichts, das war das Problem und das Problem an diesem Problem war, dass es nicht half.
Q fiel aus, bisher hatte sich niemand sonst gemeldet, Draen würde er nicht mitnehmen. Ihre Optionen schrumpften also steig weiter, was, in Hinblick auf ein Selbstmordkommando natürlich wunderbar war. Weniger Opfer. Wuhu.

„Wenn es dort ein Serum gab, dass dich wieder zum Menschen machte, klingt das gut und schlecht. Gut, weil es bedeuten könnte, von diesem Serum mehr herzustellen und schlecht, weil es nicht dauerhaft gewirkt hat. Aber zumindest klingt es nach einem vagen Ziel. Mir gefällt nicht, dass der Name Zoey überall auftaucht und welche Idee ich dazu habe, gefällt mir so wenig, dass ich sie gar nicht aussprechen möchte, schließlich sind wir keine Geiselnehmer.“ Leider. In dem Fall einfach nur leider. Ausquetschen und danach entsorgen. Das klang für eine Verräterin nach der richtigen Herangehensweise, allerdings klang es nicht nach Jedi, wusste der Chiss ja selbst.
„Was ist mit Kestrel? Was mich positiv stimmt ist, dass viele auf Thearterra waren aber du“, sein Blick wanderte zu Elise, „die einzige zu seins scheinst, die befallen wurde. Markus, Tenia, Kestrel, Zoey, Q’Tahem – alle gesund. Alle haben überlebt. Das gibt Hoffnung. Vor allem, da ich weiß, dass du und Tenia damals Padawane gewesen seid.“

Coruscant – Jedi Tempel – Krankenstation – mit Riuen und Q'Tahem
 
~ Coruscant ~ Orbit ~ Stern von Cirrus ~ Steven Crant und Besatzung ~


Steven hatte Tenia nicht geschrieben, Tenia hatte Steven nicht geschrieben. Dafür hatte ihm der Jedi-Orden geschrieben. Natürlich. Manchmal hatte die Macht einen ausgesprochen interessanten Sinn für Humor.

Keine fünf Minuten nachdem die Eulysia, oder neuerdings Stern von Cirrus, den Hyperraum verlassen und die Kommunikationsstation ihre Rückkehrmeldung über das nächstgelegene republikanische Relais übermittelt hatte, war die Antwort gekommen. Kurz, höflich und so eindeutig formuliert, dass selbst Steven keinen brauchbaren Grund gefunden hatte, sie anders zu interpretieren. Die Auswertung seiner diplomatischen Mission sollte persönlich auf Coruscant erfolgen. Seine Anwesenheit wurde erwartet. Ein Jedi-Meister würde dort seinen Bericht persönlich entgegennehmen und mit ihm das weitere Vorgehen besprechen. Steven hatte die Nachricht zweimal gelesen. Es war durchaus ungewöhnlich, dass für solch nebensächlichen Missionen der schriftliche Bericht nicht ausreichte und eine persönliche Anwesenheit im Orden verlangt wurde. Wenn jeder Jedi in der Galaxie zwischen den Missionen hin und her reisen musste, gäbe es vermutlich einen gewaltigen Stau im Hyperraum. Jedenfalls wenn dies möglich gewesen wäre.

Nach dem Blick auf die Nachricht des Ordens, hatte er auf
Tenias Namen in seinem Kommunikator geblickt, sie hatten anscheinend genug miteinander zu tun, sodass sein Kommunikator die Nullianerin in der Kontaktliste weit nach oben schob. Nachdem er ihren Namen mehrere Sekunden betrachtet hatte, blickte er erneut auf die Nachricht. Pflicht. Dieses eine Wort konnte erstaunlich viele Dinge ruinieren. Einige Stunden später fiel die Stern von Cirrus, früher einmal Eulysia, aus dem Hyperraum und Coruscant erschien vor den breiten Sichtfenstern des Schiffes.

Steven stand diesmal nicht in seiner Suite. Er befand sich hinter Pilot und Co-Pilot im Cockpit, eine Hand locker auf die Rückenlehne eines Sitzes gelegt, während vor ihm ein Planet langsam die gesamte Sicht einnahm. Aus dieser Entfernung wirkte Coruscant nicht wie eine gewöhnliche Welt. Es gab keine dunkelgrünen Kontinente, keine blauen Ozeane, keine gewaltigen Wüsten oder weißen Polkappen. Stattdessen spannte sich ein endloses Geflecht aus künstlichem Licht über die sichtbare Oberfläche, dicht, golden und stellenweise fast weiß glühend. Verkehrsadern zogen sich wie feine leuchtende Venen durch die planetenumspannende Stadt. Coruscant. Steven war lange nicht mehr hier gewesen, zu lange vielleicht. Dieser Planet hatte eine lange Vergangenheit mit dem Baron von Cirrus.

„Einflugfreigabe bestätigt“, meldete der Co-Pilot ruhig. „Wir werden an die republikanische Verkehrskontrolle übergeben. Anflugkorridor Sieben-Aurek.“

Der Pilot schob einige Regler nach vorne. Das tiefe, gleichmäßige Summen der Triebwerke veränderte sich, während die Yacht ihre Nase leicht senkte und sich der Atmosphäre in einem anmutigen Sinkflug näherte. Hinter Steven piepte einer der R2-Droiden aufgeregt, ehe er sich an einer Konsole mit dem Bordcomputer verband. Auf der gegenüberliegenden Station überprüfte eines der beiden zusätzlichen Besatzungsmitglieder die eingehenden Kommunikationsdaten. Alles lief wie immer routiniert. Steven hingegen bemerkte, wie seine Finger die Rückenlehne etwas fester umschlossen. Der Planet war voller Erinnerungen: Einige davon waren gut, andere weniger. Er kannte Coruscant nicht nur als eines der pochenden Herzen der Neuen Republik und auch nicht nur als ein weiterer Planet auf dem er eine luxuriöse Immobilie besaß. Nicht nur als jene glänzende Metropole, in der Jedi über die Wege der Macht philosophierten und zu fernen Planeten aufbrachen, während einige tausend Ebenen tiefer Wesen vermutlich nicht einmal wussten, welche anderen Völker und Heimaten es da draußen noch gab. Steven kannte diesen Planeten auch noch gut unter imperialer Herrschaft.

Damals war er noch kein Jedi-Ritter gewesen, kein diplomatischer Vermittler, den der Orden zu irgendwelchen bedeutungslosen Monden schickte, damit dort niemand wegen Algen und Wasserleitungen einen Krieg begann. Er war nicht viel mehr als ein unerfahrener Junge gewesen, der in die Rolle eines Anwärters stolperte. Er war jünger gewesen, ungeduldiger und rückblickend betrachtet erschreckend überzeugt davon, bereits ziemlich genau zu wissen, wie die Galaxis funktionierte.

Sein Blick wanderte über die näherkommende Stadt, irgendwo dort vorne lag der Tempel. Der Baron erinnerte sich daran, wie sie sich damals hineingeschlichen hatten. Er erinnerte sich daran wie seine Reise hier, und das war wohl wieder der eigenartige Sinn für Humor der Macht, in einem Bordell begonnen hatte. Er erinnerte sich an
Padme, ChesaraSyonette, Adrian, April, Nekki, Blaine, Meister Agoch und Sinaan.
Die Gedanken an alte Mitstreiter und einen besetzten Jedi-Tempel wirkte heute beinahe absurd. Der Jedi-Tempel war unter imperialer Kontrolle gewesen und jeder vernünftige Mensch hätte einen möglichst großen Bogen um das Gebäude gemacht. Steven und die anderen hatten stattdessen einen Weg hinein gesucht. Vernunft war offenbar eine Fähigkeit, die bei Anwärtern und Padawanen erst später entwickelt wurde oder eben nie.


„Sir?“

Steven blickte zur Seite. Der Protokolldroide war unbemerkt ins Cockpit gekommen.

„Die Verkehrskontrolle bittet um Bestätigung der Schiffsidentifikation.“

„Dann bestätigt sie.“

„Selbstverständlich. Allerdings besteht eine geringfügige Unstimmigkeit.“

Steven schloss kurz die Augen.

„Eulysia?“

„In der Tat, Sir. Die republikanischen Register führen die Transponderkennung bereits unter dem neuen Namen, während einige ältere diplomatische Zugangsberechtigungen noch auf Eulysia ausgestellt sind.“

Natürlich.. Sein Vater hatte keine halben Sachen gemacht.

„Dann übermittel beide Datensätze.“

„Sehr wohl. Ich möchte bei dieser Gelegenheit allerdings anmerken, dass die Bezeichnung Stern von Cirrus bei einer offiziellen Ankunft auf Coruscant einen erheblich repräsentativeren Eindruck..“

„Nein.“

„Sir?“

„Nicht bei dieser Gelegenheit.“

Der Droide schwieg. Steven blickte wieder nach vorne.

„Und wenn es nach mir ginge bei keiner Gelegenheit.“

Hinter ihm ertönte ein leises Geräusch, das verdächtig nach einem unterdrückten Lachen eines Besatzungsmitgliedes klang, Steven ignorierte es. Die Stern von Cirrus sank tiefer und die berühmt sowie berüchtigten Hochhäuser des Planeten wuchsen ihnen entgegen. Erst waren es nur silberne Nadeln gewesen, dann wurden daraus gigantische Türme mit zahllosen Fenstern, Plattformen und Landeflächen. Tausende Gleiter bewegten sich in geordneten Strömen zwischen den Gebäuden. Wer Coruscant zum ersten Mal sah, konnte leicht vergessen, dass sich unter dieser glänzenden Oberfläche noch Tausende weitere Ebenen verbargen. Dann sah Steven ihn: Den Tempel der Jedi.

Für einen kurzen Moment verschwand der trockene Spott aus seinem Gesicht. Er kannte diese Silhouette. Die breiten, massiven Mauern, die emporragenden Türme, die gewaltige Architektur, die nicht prahlen musste, weil sie seit Jahrhunderten wusste, was sie bedeutete. Die imposanten Statuen von längst in die Macht übergegangene Jedi.
Steven hatte den Tempel als Feindesgebiet kennengelernt, jetzt flog er offiziell darauf zu, auf eine alte Heimat. Mit einem Schiff namens Stern von Cirrus. Wie gesagt: Die Macht besaß einen eigenartigen Humor.

Das Fahrwerk der Stern von Cirrus berührte mit einem dumpfen metallischen Geräusch die Plattform. Steven wartete nicht auf einen Empfang, er erwartete keinen, und es gab auch keinen. Das gefiel ihm in Anbetracht der Nachricht die ihn hierherführte durchaus sehr gut.

Als sich die Rampe der Yacht mit einem laut hörbaren Zischen senkte, schlug ihm die warme Stadtluft entgegen. Sie roch anders als die Luft auf Cirrus. Trockener, künstlicher, erfüllt von Abgasen, heißem Metall und dem kaum wahrnehmbaren Geruch unzähliger Wesen, die auf diesem Planeten übereinander lebten. Steven trat mit einem Gefühl von Zuversicht und Stolz hinaus. Seine Kleidung war für seine Verhältnisse relativ schlicht. Eine dunkle, gut geschnittene Jedi-Robe mit goldenen Verzierungen, hochwertige Stiefel und sein elegantes Lichtschwert offen am Gürtel. Keine höfischen Insignien und kein Schmuck. Lediglich ein kleiner Verschluss an seinem Mantel zeigte das Wappen des Hauses Crant. Ganz auf den Baron verzichten konnte sein Vater schließlich nicht.

Hinter ihm kamen zwei Mitglieder der Besatzung die Rampe hinunter. Einer kontrollierte bereits die äußere Schiffshülle, während der andere mit einem Datapad die Übergabe des Liegeplatzes bestätigte. Ein R2-Droide rollte ihnen hinterher und begann augenblicklich damit, irgendeine vollkommen unsichtbare technische Unregelmäßigkeit am hinteren Fahrwerk zu untersuchen. Der Baron ließ sie arbeiten, denn er hatte nicht nur etwas anderes zu tun, sondern von diesen technischen Feinheiten auch gar keine Ahnung. Sein Blick ruhte auf dem Tempel. Etwas war anders, nicht das Gebäude, sondern er selbst. Damals hatte er darauf geachtet, nicht gesehen zu werden. Jeder Korridor bedeutete eine Gefahr, jeder Schatten konnte eine Patrouille verbergen, jeder Schritt musste leise sein und jeder Blick ohne Worte auskommen.

Heute ging er durch den Haupteingang. Niemand hielt ihn auf und selbst wenn, hätten sie es nicht gekonnt. Das hätte befriedigend sein sollen, stattdessen fühlte es sich ungewohnt seltsam an. In der großen Halle angekommen hallten seine Schritte leise über den hellen Stein. Der Tempel war ruhiger, als Baron von Cirrus ihn in Erinnerung hatte. Sonnenlicht fiel durch hohe Bögen und legte breite, warme Streifen auf den Boden. Irgendwo unterhielten sich zwei Padawane gedämpft miteinander. Eine Gruppe jüngerer Anwärter verschwand voller Wissensdurst gemeinsam mit einer älteren Jedi um die nächste Ecke. Steven blieb einen Moment stehen. Vielleicht war hier nun doch mehr Leben als früher, doch eben nicht so offensichtlich, sondern eher routiniert, leise und ganz nebensächlich. Anwärter und Padawane. Jeder Jedi hatte so einmal angefangen, was bei einigen durchaus schwer vorstellbar war. Er betrachtete die jungen Schüler einige Sekunden länger, einer von ihnen redete offenbar viel zu viel, während eine kleine Togruta neben ihm demonstrativ die Augen verdrehte.
Steven musste schmunzeln. Vielleicht doch nicht so schwer vorstellbar.

Er ging weiter und mit jedem Korridor kamen einzelne Erinnerungen zurück. Keine vollständigen Bilder von der Geheimmission damals, sondern eher Bruchstücke. Eine düstere Treppe hier, ein entferntes Stampfen imperiale Stiefel dort und zwischendurch gedämpfte Unterhaltung von außerhalb des Tempels. Damals war dieser Ort im Inneren still gewesen, aber nicht friedlich. Es war die falsche Art von Stille gewesen. Jene Stille, die entstand, wenn ein Ort darauf wartete, dass etwas geschah. Jetzt hörte der Baron Stimmen, Schritte, Lachen und Leben. Er mochte das. Mehr, als er erwartet hatte und jemals zugeben würde.


„Ritter Crant?“

Steven blieb stehen. Eine junge menschliche Tempelangestellte wartete einige Meter vor ihm und neigte respektvoll den Kopf. Ihre blonden Haare fielen dabei in ihr Gesicht.

„Meister Varos erwartet Euch bereits.“

„Natürlich tut er das.“

Sie wirkte für einen Moment unsicher, ob das eine Beschwerde gewesen war und ob noch etwas folgen würde, doch Steven entschärfte die leichte Anspannung mit einem Lächeln.

„Bitte, führt mich zu ihm.“

Gemeinsam wanderten sie durch die gefühlt zahl- und endlosen Gänge. Vorbei an wenig bekannten und gänzlich unbekannten Gesichtern. Stimmen wurden lauter und dann wieder leiser. Die blonde Frau blieb an einer Tür stehen und machte eine einladende Handbewegung, ehe sie einen großen Schritt zur Seite ging, um dem Baron den Eintritt zu gewähren. Dieser lächelte erneut und bedankte sich mit einem kurzen Nicken.

Meister Varos war kein Mensch, sondern ein Iktotchi. Das war das Erste, was Steven auffiel, als sich die Tür zum Besprechungsraum öffnete. Das Zweite waren seine Hörner. Sie zogen sich kräftig und leicht nach hinten gebogen von seinem breiten Schädel weg, während die rötlich-braune, ledrige Haut seines Gesichts von tiefen Linien durchzogen war. Varos musste bereits älter sein. Wie alt genau, konnte Steven bei einem Iktotchi kaum einschätzen. Seine dunklen Augen wirkten dagegen hellwach und ungewöhnlich ruhig. Der junge Ritter konnte sich nicht daran erinnern diesem Jedi-Meister je zuvor persönlich begegnet zu sein. Er trug eine traditionelle sandfarbene Jedi-Robe, deren Stoff an einigen Stellen sichtbar abgenutzt war. Keine aufwendigen Verzierungen, kein Schmuck. Nichts an ihm wirkte repräsentativ. Steven mochte ihn deshalb spontan ein kleines bisschen weniger, nur aus Prinzip.

„Ritter Crant.“

Die Stimme des Jedi-Meisters war tief und etwas rau.

„Meister Varos.“

Steven neigte respektvoll den Kopf.

„Bitte, setzt Euch.“

Der Raum war überraschend klein. Ein runder Tisch, vier Stühle, ein Holoprojektor und zwei hohe Fenster, durch die man auf die endlose Stadt hinausblicken konnte. Keine Statuen, keine großen Symbole des Ordens, wieder, keine Repräsentanz. Steven setzte sich auf einen der viel zu unbequemen Stühle. Varos blieb zunächst stehen.

„Euer Bericht ist äußerst ausführlich.“

„Das klingt fast nach Kritik, Meister.“

„Dreiundsechzig Seiten.“

Steven lehnte sich leicht zurück.

„Es gab viele Algen.“

Varos sah ihn ernst an und Steven erwiderte den Blick ohne eine offensichtliche Regung. Für einige Sekunden passierte nichts und die Anspannung im Raum war deutlich spürbar. Es wäre nicht das erste Mal, das der Baron für seine Art zu Handeln und zu Reden im Orden aneckte. Ein klassischer Jedi war er nicht, würde er nie werden und wollte er auch gar nicht sein. Dann bewegte sich einer der Mundwinkel des Iktotchi. Kein Grinsen, kein Lächeln, sondern nur eine neutrale Regung.

„Und offenbar noch mehr Wasserleitungen?“

„Hundertachtundzwanzig Jahre und zwölf Wochen außer Betrieb.“

„Auch das habt Ihr in Euren Bericht aufgenommen.“

„Ich musste viele Stunden darüber reden. Irgendjemand sollte darüber lesen.“

Diesmal lächelte Varos tatsächlich kurz. Na bitte, vielleicht würde das hier doch erträglich werden. Der Jedi-Meister setzte sich ihm gegenüber und aktivierte den Holoprojektor. Ein dreidimensionales Bild des namenlosen Mondes erschien zwischen ihnen und mehrere kleine Siedlungen leuchteten über der grauen Oberfläche auf.

„Der Präfekt hat die Vereinbarung ratifiziert. Beide Verwaltungsbezirke erhalten Zugriff auf die Reservoirs. Die republikanischen Techniker bleiben für mindestens zehn Rotationen.“

Steven nickte.

„Das war die Bedingung der kleineren Siedlungen. Ohne neutrale Kontrolle hätten sie dem Vertrag nicht zugestimmt.“

„Ihr habt dem zugestimmt, obwohl der Orden ursprünglich lediglich eine Vermittlung vorgesehen hatte. Ihr hattet keine Berechtigung für diese Entscheidung.“

„Ich habe keine republikanischen Techniker befohlen. Ich habe vorgeschlagen, dass beide Seiten darum bitten.“

„Das ist ein Unterschied“, Varos legte beide Hände auf den Tisch und blickte den Ritter ernst an, „Ihr seid geschickt mit Worten, Ritter Crant.“

Steven zog leicht eine Braue hoch und verschränkte die Arme.

„Das ist normalerweise der Grund, warum man mich auf solche Missionen schickt.“

„Vielleicht.“ Das Wort gefiel Steven nicht, es klang nach einem Aber. Und tatsächlich kam eines. „Ihr habt den Attentatsversuch nicht weiterverfolgt.“

Stevens Blick wurde ernster. „Nicht persönlich.“

„Nein.“

„Warum?“

Steven sah kurz auf das Hologramm, die Antwort war einfach.

„Weil ich nicht dafür dort war.“

Varos schwieg und Steven fuhr in einem ruhigen und dennoch bestimmten Ton fort.

„Die örtlichen Sicherheitskräfte hatten einen Sprengsatz und einen Tatort. Ich hatte zwei Parteien, die kurz davor waren, ihre Sicherheitskräfte gegeneinander einzusetzen. Wenn ich angefangen hätte, den Jedi-Ermittler zu spielen, hätte ich meine eigentliche Aufgabe vernachlässigt.“

„Und wenn der Anschlag Teil des Konfliktes war?“

„Dann hätte ich irgendwann davon erfahren.“

„Ihr seid sehr selbstsicher.“

„Nein.“

Steven antwortete sofort.

„Ich bin pragmatisch.“

Das Wort hing nun zwischen ihnen, Steven bemerkte es selbst. Pragmatisch. Früher hätte er es vermutlich mit noch größerem Stolz ausgesprochen. Heute dachte er dabei an Tenia und das was sie an diesen Punkt geführt hatte. Natürlich, ausgerechnet jetzt.

„Es hat sich etwas verändert und auch ihr habt euch verändert, Ritter Crant.“

Steven sah wieder zu Varos.

„Verzeiht, Meister, aber wir kennen uns kaum.“

„Ich kenne Eure Berichte.“

„Das ist bedauerlich.“ erwähnte der Ritter mit einem ironischen Schmunzeln und blickte auf die Skyline von Coruscant.

„Und ich kenne Berichte über Euch.“

Das war tatsächlich noch bedauerlicher. Steven verschränkte nun erneut langsam die Arme.

„Ist das ein Grund zur Sorge?“

„Nein.“

Varos
deaktivierte das Hologramm. Das bläuliche Licht verschwand aus seinem Gesicht.

„Frühere Berichte beschreiben einen Ritter, der Lösungen erzwingen will. Einen Mann, der glaubte, dass ein gutes Ergebnis beinahe jeden Weg dorthin rechtfertigen konnte.“

Steven sagte nichts. Thyferra, andere Missionen, Tenias Blick. Er mochte nicht, wie schnell diese Erinnerungen kamen. Und noch weniger mochte er, dass diese Eigenschaften noch nicht ganz verschwunden waren.

„Auf diesem Mond hättet Ihr die Möglichkeiten dazu gehabt“, fuhr Varos fort. „Ihr hättet Druck ausüben können. Als Jedi, als Baron von Cirrus oder über Eure Kontakte zur Republik. Ihr habt es nicht getan.“

„Vielleicht werde ich alt.“

„Ihr seid nicht alt.“

„Dann mangelt es mir vielleicht langsam an schlechten Ideen.“

„Auch das bezweifle ich.“

Nun musste Steven kurz schmunzeln. Der Iktotchi lehnte sich zurück.

„Eine teure Erkenntnis?“

Steven blickte den Jedi-Meister an, er musste gar nicht weiter sprechen, diesen Satz nicht konkretisieren. Der Meister wusste worum es geht, Steven wusste worum es geht. Tenia war noch nicht einmal auf diesem Planeten und dennoch schaffte es die Nullianerin in eine Berichtsauswertung von einer Mission mit der sie nicht zu tun hatte.

„Die wichtigsten Erkenntnisse, sind meist teuer erkauft.“

Varos nickte langsam, dann schob er das Datapad zur Seite.

„Die Mission ist abgeschlossen.“

Steven blinzelte.

„Das war es?“

„Ihr klingt enttäuscht.“

„Ich hatte mit mindestens einer weiteren Stunde gerechnet.“

„Ich könnte Euch noch nach den Algen fragen.“

„Dann nehme ich alles zurück.“

Varos stand auf und der Baron tat es ihm gleich.

„Diese Auswertung diente nicht dazu euch zurechtzuweisen und auch nicht um eure Fortschritte zu loben. Aber der Orden wird in den kommenden Monaten Ritter mit diplomatischer Erfahrung brauchen.“

Da war es. Steven hatte gewusst, dass noch etwas kam und natürlich kam da noch etwas.

„Die Lage zwischen der Republik und dem Imperium verschlechtert sich.“

Steven trat an eines der Fenster. „Das ist mir bewusst.“ Er hatte es gehört. Erst war es Getuschel, dann waren es Gerüchte und nun war es nahezu Gewissheit was passiert war.

„Da wäre noch etwas: Cirrus befindet sich in einer schwierigen Position.“

Sein Blick wurde härter.

„Ich verstehe nicht ganz, Meister. Cirrus ist neutral. Das Herzogtum ist in diesem Konflikt nicht involviert“

„Neutralität schützt nicht vor einem Krieg.“

Das wusste Steven, sein Vater wusste es ebenfalls. Vielleicht war genau deshalb aus der Eulysia die Stern von Cirrus geworden.

„Ihr seid ein Jedi“, sagte Varos ruhig. „Und gleichzeitig Erbe eines neutralen Herzogtums an einer empfindlichen Grenze. Diese beiden Rollen könnten bald schwieriger miteinander vereinbar werden.“

Steven blickte auf den ausgeschalteten Holoprojektor. Er hatte darüber nachgedacht, natürlich hatte er das. Nur ausgesprochen hatte er es bisher nicht.

„Dann hoffe ich, dass die Macht mir noch etwas Zeit lässt, bevor sie mich zwingt, mich zwischen ihnen zu entscheiden.“

„Die Macht fragt selten nach einem passenden Zeitpunkt.“

Steven schmunzelte schwach.

„Das habe ich durchaus bemerkt.“

Für einen kurzen Moment dachte er wieder an seinen Kommunikator, an diesen einen Namen. Er hatte ihr schreiben wollen, sobald die Mission vorbei war. Die Mission war jetzt vorbei und wieder stand etwas anderes vor ihm. Coruscant, der Orden, Cirrus, das Imperium, Pflicht.

„Ihr habt für heute keine weiteren Verpflichtungen im Tempel“, sagte Varos.

Steven stand auf.


„Das klingt gefährlich nach Freizeit.“

„Betrachtet es als Gelegenheit.“

„Wofür?“

Varos sah ihn während der Antwort nicht an und blickte stur auf das Datapad auf dem Tisch vor sich.

„Das müsst Ihr selbst entscheiden.“

Natürlich.. Eine typische Jedi-Antwort. Steven neigte respektvoll den Kopf und wandte sich zur Tür. Kurz bevor sie sich öffnete, hielt er noch einmal inne.

„Meister?“

„Ja?“

Steven blickte über die Schulter.

„Nur fürs Protokoll: Das Schiff heißt Stern von Cirrus, weil der Herzog darauf bestanden hat.“

Varos' dunkle Augen wanderten für einen Augenblick zur Seite.

„Ich hatte mich bereits gewundert. Der Name ist für meinen Geschmack etwas zu…“

Der Iktotchi suchte offenbar nach einem diplomatischen Wort.

„…repräsentativ.“

Der Jedi-Ritter schmunzelte erneut. Vielleicht war die anfängliche Antipathie doch nicht notwendig. Der Baron von Cirrus öffnete die Tür des Besprechungsraumes und ging mit unbestimmten Ziel auf einen der vielen Gänge.



~ Coruscant ~ Jedi-Tempel ~ Besprechungsraum ~ Steven Crant und Jedi-Meister Varos (NPC) ~
 
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