Coruscant

Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation, Iowyns Zimmer, mit Ian

Ja, da hatte Ian wohl recht. Zweifel waren vermutlich etwas völlig normales. Vielleicht fragte man sich häufig, wie das Leben verlaufen wäre, wenn man diese oder jene Entscheidung anders getroffen hätte... und das gehörte wohl auch mit dazu. Wichtig war nur, dass Ian klar war, dass diese Entscheidung ganz von ihm abgehangen und sie selbst da hoffentlich keine Rolle gespielt hatte. Schon unter normalen Umständen nicht – und unter diesen gleich drei Mal.
Allerdings war der Jedi-Orden ja keine Verpflichtung auf Lebenszeit. Sollte Ian sich irgendwann absolut unwohl fühlen, würde er den Schritt ja wieder rückgängig machen können.

Ihre Bemerkung über Padawane schien bei Ian anders anzukommen, als sie geplant hatte. Sie war sich allerdings nicht sicher, wie sie seine Worte verstehen sollte. Wollte er das nicht? Oder was meinte er?
Wenn du gar nicht möchtest, dann sicher nicht, erwiderte sie vorsichtig. Jetzt sowieso noch nicht. Er hatte Zeit, niemand würde ihn erst recht nach dieser Mission hetzen. In Eowyns Augen wäre es schade, sein Lehrtalent so ins Leere laufen zu lassen, aber sie verstand auch, wenn er es nicht wollte. Sie selbst tat sich ja unheimlich schwer mit diesem Thema. Was sie geritten hatte, dass sie Malek so bald nach ihrer Rückkehr unter ihre Fittiche genommen hatte... sie wusste es selber nicht genau. In dem Moment hatte es sich irgendwie richtig angefühlt, vielleicht, weil er so offen mit ihr gewesen war. Mittlerweile war sie sich nicht sicher, ob sie dem Padawan wirklich gerecht werden konnte, so sehr war sie mit sich selbst, Ian und der Galaxis beschäftigt.

Er brachte das Thema dann auf sie selbst, und es war faszinierend, wie sie anscheinend gegenseitig stolz auf sich waren. Wie er es sagte... dass sie ein Ratsmitglied sein
wollte. War es das? Wollte sie das? Es war eher so, dass sie... endlich akzeptiert hatte, was anscheinend schon längst für alle um sie ein Fakt gewesen war. Sie hatte angenommen, hatte aufgehört, sich zu wehren, und ja, da oben im Ratssaal, da hatte es sich richtig angefühlt. Aber hieß das auch, dass sie es wollte? Eigentlich... ja, eigentlich hatte sie sich darüber überhaupt keine großen Gedanken gemacht, ob sie es wirklich wollte. Denn diese Entscheidung war ihr doch eigentlich abgenommen worden. Und sie würde diesem Weg folgen, einfach, weil sie gar nicht anders konnte. Erst recht nicht mit einer Ahna vor ihrem inneren Auge, die ihr mit ihren letzten Worten die Schatten übergeben hatte. Und wenn sie das so bedachte... nein, sie wollte diesen Job eigentlich auf keinen Fall. Aber war sie es der verstorbenen Rätin nicht verflucht schuldig, um dieses Amt doch zu kämpfen?
Sie kam vom Thema ab.
Und konnte Ian definitiv nicht sagen, dass sie sich, was das "wollen" anging, nicht ganz sicher war. Für ihn war es so wichtig, wie konnte sie es ihm kaputtmachen? Eowyn schenkte ihm ein leichtes Lächeln. Er setzte so viel Hoffnung in diese Sache. Und vielleicht, vielleicht hatte er ja auch recht? Vielleicht machte es den Weg wirklich leichter. Vielleicht gab es ihr einen Rahmen, den sie gebraucht hatte. Vor allem die Aussprache mit Wes war bedeutsam, das war Eowyn definitiv klar, aber auch die sonstigen Themen... ja, vielleicht lag Ian richtig. Das tat er schließlich ziemlich oft.
Vielleicht, erwiderte sie nickend und schob sich die letzte Gabel in den Mund. Das sollte hoffentlich reichen bis heute Abend. Dieser würde lang werden... aber sie lief ja nicht einmal, also wie viel Energie verbrauchte sie schon?

Auch Ians Gedanken schienen zu den späteren Veranstaltungen geglitten zu sein. War sie aufgeregt? Eowyn überlegte einen Moment. Eigentlich... nicht wirklich. Sie hatte beinahe Angst vor Ahnas Abschiedszeremonie, aber die Verleihung? Ja, okay, sie würden, wie Riuen prophezeit hatte, eine Ehrung erhalten und einen hübschen Titel erhalten, aber... als ob das irgendetwas
verändern würde. Wenn die Verleihung nicht in so privatem Rahmen stattfinden würde, sie hätte darauf wetten können, dass der Rat auch das nur wegen irgendwelcher Außenwirkungen durchziehen wollte. Eowyn hatte sich früher nie Gedanken um die diversen Orden und Behängungen gemacht, die an hochrangigen Militärs nur so zu kleben schienen, aber jetzt verstand sie das Brimborium darum noch weniger. Oder lag es an ausgerechnet dieser Mission? An einer Mission, die zwar erfolgreich gewesen war, aber die sie so viel gekostet hatte, und... bei der sie selbst sich außerdem nicht gerade mit Ruhm bekleckert hatte.
Jedenfalls... sie schüttelte den Kopf.
Du?, fragte sie Ian zurück und antwortete dann auf seine Frage zwecks des Umziehens. Nein, ich habe mich vorher fertig gemacht, das muss für heute reichen. Schließlich wird das hier keine galaxisweite Pressekonferenz, versuchte sie sich an einem Scherz, der vermutlich ziemlich misslang. Es ging darum, Ahna die letzte Ehre zu erweisen – und der Pau'anerin war die Kleidung ihrer Untergebenen so ziemlich egal gewesen, außer natürlich, sie gehörte zur Mission. Dann hatte sie Wert auf jedes noch so kleine Detail gelegt. Und die Ehrung? Dafür würde ihre Robe erst recht ausreichen. Aber was Ian anging... Wieder schüttelte sie den Kopf. Zieh an, was auch immer du für richtig hältst. Ahna... wäre es egal gewesen. Und das hinterher? Du musst dich wohlfühlen. Das ist alles. Für Ian wiederum hielt sie diese Ehrung allerdings seltsamerweise für gar nicht so falsch. Er hatte sich diesen Orden wirklich verdient, hatte jeden Tag alles gegeben, um im Sith-Orden zu überleben und nicht aufzufallen, während er gleichzeitig Nachforschungen anstellte und auf dem Drahtseil der dunklen Seite seinen Tanz aufführte. Auf jeden Fall würde sie ihm diesen Abend nicht kaputtmachen.

Sie stellte die Teller zusammen und bewegte sich noch einmal ins Bad, um sich zumindest etwas frischzumachen und das Gesicht zu waschen. Etwas Zeit später dann waren sie beide bereit. Noch einmal diesen Raum verlassen... und diesmal hinein in die Masse. Allerdings würden die anderen Jedi hoffentlich pietätvoll genug sein und sie bei einer solchen Veranstaltung in Ruhe lassen. Sie atmete einmal tief durch und bemühte sich, ihre Nerven zu beruhigen, was allerdings nicht sonderlich erfolgreich war.
Wollen wir?, fragte sie dann Ian leise und machte sich gemeinsam mit ihm auf den Weg.

Vielleicht bildete sie es sich nur ein, aber sie hatte das Gefühl, die Stimmung war etwas gedrückter und leiser als normalerweise. Ja, ganz
sicher bildete sie es sich ein, denn die meisten hatten Ahna daoch kaum gekannt. Verflucht, selbst sie hatte Ahna kaum gekannt, und dabei hatte sie teilweise wirklich viel Zeit mit ihr verbracht. Ob es Alexander besser ging, ob er einer der wenigen war, der Ahna irgendwie... persönlich gekannt hatte? Oder vielleicht Marrev, oder Jeg? Sie würde sie bei Gelegenheit fragen.
Es dauerte nicht lange und sie erreichten die Große Halle. Diese war definitiv nicht mehr leer, und Eowyn erkannte so einige Gesichter, wenigstens vom sehen. Sie zog ihren Kurs, mit niemandem zu reden, allerdings stoisch durch und verteilte allenfalls mal ein kleines Lächeln hier und da. Ganz sicher würde sie sich nicht auf ein Gespräch einlassen, mit niemandem. Gut, mit
fast niemandem. Ein paar wenige Ausnahmen gäbe es da schon. Marrev zum Beispiel, aber er stand da hinten und war selbst in ein Gespräch vertieft. Brianna vielleicht, um zu erfahren, ob sie etwas erreicht hatte, aber die stampfte gerade einen anderen Jedi in den Steinboden, und das ohne einen Finger zu krümmen. Was der wohl angestellt hatte? Elise... aber von ihr wusste Eowyn nicht einmal, ob sie kommen würde, immerhin war sie wesentlich übler dran als sie selbst und der Abend noch lang. Und falls Elise nicht kam, würde auch Riuen nicht aufkreuzen, wobei sich Eowyn beinahe wünschte, dass er sich bei Ian blicken ließ. Ihr... Verlobter hatte garantiert Redebedarf, aber mit wem sollte er sich austauschen außer mit ihr? Und sie war ganz sicher nicht für alles die richtige Person.

Klar war, dass sie selbst als Rätin ihren Platz ganz vorne einnehmen würde, und sie würde unter keinen Umständen zulassen, dass Ian ihre Seite verließ. Sie nickte Wes zu, genau wie den anderen schon anwesenden Rätinnen und Räten und erkannte, dass irgendjemand mitgedacht und einen Platz für ihren Schwebestuhl freigelassen hatte. Innerlich seufzte sie frustriert auf, dass es
notwendig war, aber sie musste... akzeptieren. Alles akzeptieren...
Sie saßen schließlich, Ian an ihrer Seite, und Eowyn würde es nicht aushalten, hier nun schweigend darauf zu warten, dass sie sich noch einmal von Ahna verabschieden sollte. Um nichts in der Galaxis wollte sie das hier heute verpassen, aber gleichzeitig... wollte sie einfach nur weg...
Hast du in den letzten Tagen Kontakt zu Riuen gehabt?, fragte sie Ian leise und sah ihn fragend an.

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Kommend von Weltraum (Neutral)

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Die Macht war wirklich ein wunderbares Werkzeug, doch wie jedes Werkzeug schien es auch als Waffe missbraucht werden zu können. Brasso hörte ihr zu, ohne sie ein einziges Mal zu unterbrechen, und je länger Ritterin Lumiran sprach, desto deutlicher veränderte sich etwas in seinem Gesicht, wobei es weniger Zustimmung als vielmehr jene konzentrierte Aufmerksamkeit war, mit der er gewöhnlich vor einem geöffneten Maschinengehäuse saß, dessen Funktionsweise er noch nicht verstand und deshalb zunächst jede Leitung, jede Verzweigung und jeden scheinbar überflüssigen Kontakt betrachtete, bevor er auch nur daran dachte, die Hand hineinzustecken. Freiheit zu bleiben oder zu gehen. Eine lehrende Person, die mehr zeigte als befahl. Ein Kodex, dessen Bedeutung nicht in Stein gemeißelt schien. Schutz statt Herrschaft. Frieden, soweit man ihn bewahren aber nicht erzwingen musste. Nichts davon klang nach jener Art von Institution, die Brasso kennengelernt hatte, und vielleicht war genau das der Grund, weshalb er zunächst misstrauischer wurde statt weniger. Systeme, die behaupteten, dem Einzelnen Freiheit zu lassen, hatten auf Bracca oft nur besonders lange Verträge gebraucht, um das Gegenteil zu beweisen.

Bei dem Wort Meister glitt sein Blick für einen Moment zur Seite, hinüber zu einer blanken Wandplatte der Krankenstation, in der sich die gedämpften Lichter des Schiffes als milchige Streifen spiegelten. Meister hatte es auch in den Zerlegehöfen gegeben, Vorarbeiter, Schichtführer und Gildenaufseher, Männer und Frauen, die erklärten, Erfahrung müsse automatisch Gehorsam erzeugen und deren wichtigste Qualifikation darin bestanden hatte, nicht selbst dort arbeiten zu müssen, wo die Luftfilter versagten. Doch das Bild, das Tenia zeichnete, erinnerte ihn weniger an diese Leute als an die wenigen alten Schrotter, die einem Jungen irgendwann wortlos den besseren Hydrospanner hingelegt hatten, nachdem sie sicher gewesen waren, dass er damit niemandem die Hand zerquetschen würde. Menschen, die wussten, dass Wissen nichts wert war, wenn man es so festhielt, dass niemand nach einem selbst noch etwas damit anfangen konnte.


„Das klingt weniger nach einem Orden, als ich erwartet hätte“, sagte er schließlich und ließ den Satz einen Augenblick wirken, ehe sich ein schmaler Zug von trockenem Humor um seinen Mund legte. „Was vermutlich entweder für Euch spricht oder dafür, dass ich sehr schlechte Erfahrungen mit Institutionen gemacht habe Wo ist also der Haken?.“

Kurz lachte er ein kehliges, warmes Lachen, tatsächlich ein ehrliches Lachen. Er spürte, dass er sich in der Anwesenheit der Ritterin eigenartig ruhig und gelassen fühlte. Die Anspannung, die seine Muskeln auf Ketaris durchzogen hatte, wich einem Gefühl von vorsichtigem Vertrauen. Doch das Lächeln verging, als er über den Rest nachdachte. Sich nicht von Wut, Angst oder Hass führen zu lassen, klang in einer sauberen Krankenstation auf einem Jedi-Schiff zunächst wie einer jener Sätze, die sich leicht aussprechen ließen, solange niemand einem gerade das Wenige nahm, das man noch besaß; Brasso hatte in den letzten Tagen selbst gespürt, wie rasch Zorn aus einem Werkzeug eine Waffe machen konnte, und vielleicht war es gerade deshalb kein Satz, den er vorschnell als naive Moral beiseiteschieben konnte. Das Prinzip des Hydrospanners verlangte Entschlossenheit, aber niemals blinde Kraft. Das Prinzip des Scanners verlangte, eine Gefahr zu erkennen, bevor sie über einen entschied. Vielleicht waren seine eigenen Regeln und die der Jedi gar nicht so weit voneinander entfernt, wie ihre Namen vermuten ließen.

Bei der Erwähnung der Lichtwaffen hob der Abednedo allerdings merklich den Kopf. Sein Blick wanderte beinahe automatisch zu seiner improvisierten Stromlanze, die man unweit der Behandlungsliege abgestellt hatte, ein unförmiges Gebilde aus zusammengeschweißtem Metall, neu gewickelten Griffen und Komponenten, deren ursprüngliche Hersteller vermutlich Einspruch dagegen erhoben hätten, was Brasso daraus gemacht hatte. Neben allem, was er bislang von Jedi gesehen hatte, wirkte sie wie das Werkzeug eines Schrottplatzarbeiters, der versehentlich auf einem Schlachtfeld gelandet war.
Schließlich ließ Brasso sich vorsichtiger zurücksinken, bis sein Rücken vollständig von der Liege getragen wurde, und erst jetzt, da keine Entscheidung mehr unmittelbar getroffen werden musste, schien die Erschöpfung wieder Raum in ihm zu finden. Das gleichmäßige Summen der Lebenserhaltung, die gefilterte Luft und das ferne Vibrieren der Schiffssysteme legten sich um ihn wie ein fremder Rhythmus, und irgendwo dahinter wartete Coruscant, eine Welt, die ihm noch immer größer erschien als jede vernünftige Entscheidung.

„Ich weiß nicht, ob ich ein Jedi werden will“, sagte er nach einer Weile, ohne darin Ablehnung zu legen. „Ich weiß nicht einmal, ob ich weiß, was ein Jedi wirklich ist.“

Seine graublauen Augen fanden Tenia wieder.

„Aber ich möchte verstehen, was da in mir ist. Und wenn Ihr recht habt, dann wäre es ziemlich dumm, ein Werkzeug sein ganzes Leben mit sich herumzutragen und sich zu weigern zu lernen, wie man es benutzt. Vor allem, wenn dieses Werkzeug auch Schaden anrichten kann“

Brasso atmete langsam aus, wobei ein kaum merkliches Ziehen durch seine Miene lief, und schloss für einen Moment die Augen.

„Was ist diese dunkle Seite der Macht?“, sprach er deutlich nachdenklich seine Gedanken gegenüber der Ritterin aus. „Wut und Angst können einen übermannen, fürchte ich. Was löst das in der Macht aus?“

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„Das ist gut. Ein Padawan wäre irgendwie … unpassend.“
Auch wenn Ian nicht auf ewig ausschließen konnte, jemanden auszubilden, so fühlte sich allein der Gedanke schon jetzt vollkommen falsch an. Er hatte keine Ausbildung als Jedi genossen und seine Vergangenheit machte ihn eher zu einer Abschreckung, als zu einem Vorbild, auch wenn es gewiss Dinge gab, die er anderen näherbringen konnte. Doch ein ehemaliger Sith, wie er, als Lehrer? Nein. Nein, fühlte sich grotesk an und es gab sicher andere Dinge, auf die er sich konzentrieren konnte.

Auch Ian schüttelte dann den Kopf. Weder fühlte er sich bereit, auf einer Trauerfeier zu sein, noch einer Ordensverleihung aktiv beizuwohnen. Zwar hatte er kein Verhältnis, kaum einen Bezug zu Ahna, aber sie war gestorben, um andere zu retten und sie hatte ihr Leben auf einer Mission gegeben, die so niemals hätte stattfinden sollen. Ian konnte nicht verdrängen, dass diese Mission auch auf seinen Wunsch hin stattgefunden hatte. Auf gewisse Art fühlte er sich schuldig, nicht, weil Ahna mitgekommen war, sondern weil sie an seiner statt gestorben war. Alle hatten überlebt, außer sie. Zwei Herzinfarkten war es nicht gelungen, ihm das Leben zu nehmen, aber eine einzige Attacke hatte ausgereicht, ein Akt der Verteidigung, um das Leben der Rätin auszuhauchen und das … Er wollte nicht daran denken, nein, jetzt wollte der Mann nicht daran denken und er schob jedes aufkommende Gefühl dazu bei Seite.

Egal was er anziehen würde, Ian würde sich in nichts wohlfühlen, was weniger am Stoff, als an den Umständen lag. Dennoch zog er sich um, trug nicht die Robe, sondern klassisch schwarz, weil es die Farbe war, in der er sich schon immer am wohlsten gefühlt hatte. Noch immer sah er müde aus und Ian rieb sich über die Augen, schöpfte sich kaltes Wasser ins Gesicht. Ein Gesicht, das so viel älter wirkte als vor der Mission. Er war schmaler geworden und die Ärzte hatten ihn vorgewarnt, dass er noch dünner werden würde. Ein leises Seufzen kam – denn das war nichts, über was er sich den Kopf zerbrechen sollte und doch tat er es. Nicht wegen etwaiger Eitelkeit. Da waren … Verbindungen. Da waren noch immer alte Schatten, alte Wunden, die wieder aufreißen wollten, die nie verheilen würde. Da wo eine Narbe zurückgeblieben war, da war für immer eine Erinnerung.
Telos. Tahiri. Die Unfähigkeit sie zu retten. Damals war Ian auch körperlich schwach gewesen. Groß und beinahe dürr. Kein Zustand, den er je wieder haben wollte. Bastion, Eowyn. Auch das würde ihn nicht loslassen. Nicht die Zelle, nicht die Katakomben. Nichts davon. All das hatte weitere Linien in sein Gesicht gezeichnet. Sich auf sein Herz gelegt. Und vielleicht war all das mit ein Grund gewesen, warum es beinahe aufgehört hätte zu schlagen …

„Ich würde gerne ja sagen, aber ich schätze, es spielt keine Rolle“, lächelte Ian schief, als er zurück aus dem Bad kam und Eowyns Frage ehrlich beantwortete. Trotzdem setzen sie sich beide in Bewegung und in der großen Halle starrte Ian auf den Boden, damit ihn niemand ansprach und damit ihn nicht erneut irgendeine Panik einholte.
„Ich habe ein einziges Mal mit ihm gesprochen, als er mich darum bat, mir Elise anzusehen. Seitdem nicht.“ Wahrscheinlich war der Chiss bei ihr und versuchte fieberhaft nach einer Möglichkeit der Heilung zu suchen.



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Als Tenia zu den Jedi gegangen war, hatte sie sich überhaupt keine Gedanken gemacht und keine Fragen gestellt. Regeln, Philosophien, sie an all das keinen Gedanken verschwendet. Weg von Null, jemand anderes werden, jemand, vor dem man Respekt hatte und zu dem man aufblickte, das waren ihre Beweggründe gewesen. Regeln, Philosophien, jemandem folgen, der einem Anweisungen gab? Unwichtig! Tja. Lange hatte es dadurch nicht gedauert, das erste Mal in Schwierigkeiten zu geraten und die Nullianerin hatte sich ziemlich lange Zeit gelassen, mit dem Lerneffekt.

Brasso zumindest schien sich nicht nur Gedanken zu machen, sondern ernsthaft über das, was er hörte, nachzudenken. Sie konnte sein Gesicht nicht lesen, nur bemerken, wie er ihrem Blick einen Moment auswich und in die Ferne sah. Es klang weniger nach dem, was er erwartet hatte? Nun, das konnte sich die Nullianerin lebhaft vorstellen. Wo der Haken war? Auch sie lachte, wohl wissend es das es da tatsächlich Haken gab, mehrere sogar.
Auf Null war sie es gewohnt gewesen, zu tun und zu lassen, was auch immer sie wollte. Das hatte oft genug Ärger mit ihren Eltern gebracht, aber gestört hatte sie das nicht immer. Dinge, die auf Null funktioniert hatten, hatte sie auf Lianna oder Coruscant gar nicht erst getestet und eine Rebellion gegen Regeln und gegen Padme hatte in einer Ausnüchterungszelle geendet.
Brassos und ihre Situation waren zwar nicht vergleichbar, er kein rebellierender Heranwachsender mehr. Aber trotzdem gab es Haken. Sie hatte den Abednedo zwar nur ein bisschen kennen lernen können, aber sein Drang das Richtige tun zu wollen und anderen zu helfen, ohne groß z überlegen, konnte sicher auch problematisch werden. Ob das aber einer der Haken war, von denen er sprach? Ganz bestimmt nicht.

„Ihr müsst das jetzt auch noch nicht wissen. Ich war auch nicht sicher, was ich werden wollte.“ Jedi? Das war ein loser Begriff gewesen, der viel weniger mit dem zu tun gehabt hatte, was Tenia eigentlich hatte werden wollen. Jemand, zu dem man aufsah, jemand, vor dem mans ich im besten Fall fürchtete. Die Erinnerung an Arica war ihr gut im Gedächtnis geblieben und hätte sie in diesem Moment jemand gefragt, was sie werden wollte, sie hätte mindestens in ihren Gedanken gesagt: Arica. Die Ausstrahlung der Sith hatte sie mehr fasziniert, als verängstigt und auch wenn sich die Nullianerin heute dafür schämte: Ihr Weg hätte sie mit ein bisschen mehr Mühe der Sith in deren Arme laufen lassen. Hätte Arica damals Anstalten gemacht, sie zu beeinflussen, sie hätte ein völlig anderes Gespräch mit Brasso geführt.

„Was ein Jedi ist, werdet Ihr vielleicht nie gleichsehen. Wenn Ihr mich fragt, habe ich auch keine eindeutige Antwort darauf. Weder damals noch heute.“
Das Gegenteil von einem Sith. Jemand, der die Macht für das Gute nutzt. Jemand, der ehrvoll ist. All das hatte sie schon gehört und in den Geschichten, in denen sie gelesen hatte, waren Jedi edelmütige Wesen, die über ihren Gefühlen standen und sich niemals aus der Fassung bringen ließen.
Was war ein Jedi wirklich? Irgendwie war das eine Frage, die auch gerne mit Steven besprechen würde. Er war ein völlig anderer Jedi als sie und das nicht, weil sie unterschiedliche Personen waren. Steven war eloquent und wortgewandt, er überlegte nicht lange, bevor er tat, was er für richtig hielt. Damals hatte er versucht zu erklären, dass es keine dunklen Machtfähigkeiten gab, sondern das es immer eine Rolle spielte, mit welcher Intention man eine Attacke anwandte. Etwas, das Tenia bis heute anders sah, ganz anders. War man ein Jedi, wenn man Blitze nutzte? Oder brauchte es, wie so oft ein Adjektiv davor. Guter Jedi. Schlechter Jedi. Annehmbarer Jedi.
Auch Brasso näherte sich dieser Frage an, als er wissen wollte, was die dunkle Seite der Macht war und diesmal war es die Nullianerin die einen Moment schwieg und in der Ferne nach einer Antwort suchte.
„Die dunkle Seite ist der Haken. Sie ist die Verführung, die in der Macht lauert. Das destruktive. Nehmt den Schacht auf Ketaris. Ich konnte den Lift anhalten, aber ich hätte ihn zerquetschen können. Als wir von der Bande bedroht wurden, wäre es in einfaches gewesen, nicht zu sprechen, sondern alle zu vernichten. Das“, sie levitierte einen beliebigen Gegenstand zu sich, „ist etwas das ich mit oder ohne Gefühl tun kann. Für sich gesehen ist das weder dunkel noch hell. Es ist nur eine Anwendung.“ Womit sie beinahe wie Steven klang. Sie levitierte den Gegenstand etwas ruppiger zurück. „Aber es gibt Anwendungen, die von Anfang an destruktiv sind. Die dunkle Seite ist die leise Stimme, die will, dass alles schneller und einfacher geht. Die Stimme, die Euch verräterisch zuflüstert, all Eure Emotionen zu nutzen, vor allem Eure Wut. Das, was unkontrolliert sein will. Das, was sich über alles andere stellen will. Was andere schmerzt und andere beherrscht. Ich denke, ein heller Machtanwender nutzt die Macht. Ein dunkler lässt sich benutzen.“ War das zu einfach, oder zu kompliziert?

„Was Ihr tut, hinterlässt etwas, und jedes Mal, wenn Ihr etwas Dunkles anwendet, würden die Spuren deutlicher. Sich absichtlich hinzugeben ist etwas anderes. Zu straucheln und zu fallen gehört dazu, aber es gibt Grenzen. Die dunkle Seite zerstört. Weil sie nur darauf aus ist, das eigene Ego zu stärken und die eigene Macht auszubauen. Besser als jeder zu werden. Stärker. Und das hat schon immer zu Leid geführt.“
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Mit Faszination verfolgte der Abednedo den schwebenden Gegenstand mit den Augen, solange er sich durch den sterilen Raum bewegte, und obwohl er Tenia inzwischen oft genug dabei beobachtet hatte, Dinge ohne sichtbare Hilfe aus Metall, Draht oder Repulsorfeldern zu bewegen, weigerte sich ein Teil seines Verstandes noch immer hartnäckig, diese Erscheinung einfach hinzunehmen. Kein Magnetfeld summte in den Wänden, keine Führungsschiene verbarg sich unter der Decke, kein Projektor erzeugte jenen leichten Druck in der Luft, der einen funktionierenden Traktorstrahl verriet. Der Gegenstand gehorchte einer Kraft, für die Brasso weder Werkzeug noch Messgerät besaß, er nahm Tenias Erklärung mit einer Aufmerksamkeit auf, die beinahe angespannter wirkte als zuvor. Denn solange die Macht nur etwas Geheimnisvolles gewesen war, etwas Unsichtbares, das Türen verschloss und Servolifte anhielt, hatte man sie in jene große Schublade legen können, in der sich all die Dinge befanden, deren Funktionsweise ihm noch unbekannt war. Nun aber sprach die Ritterin von den Eigenschaften der Macht, sprach von Verlockung, Gewohnheit und davon, dass jede Anwendung Spuren hinterließ, und plötzlich klang das Ganze viel weniger fremd, als Brasso lieb gewesen wäre.
Sein Blick blieb an dem Gegenstand hängen, den sie etwas ruppiger zurückgeschickt hatte, ehe er langsam auf seine eigenen Hände sank. Die Finger waren voller alter Narben, an mehreren Stellen verfärbt von Verbrennungen, deren Ursprung er längst nicht mehr benennen konnte, und zwischen den rauen Hautfalten saßen noch immer dunkle Rückstände von Ketaris, die selbst das antiseptische Tuch des Droiden nicht vollständig entfernt hatte. Hände waren Werkzeuge, hatte er als Junge geglaubt, und wie jedes Werkzeug wurden sie nur durch das gut oder schlecht, was man mit ihnen tat. Später hatte er gelernt, dass auch das zu einfach war. Manche Werkzeuge wurden dafür gebaut, bestimmte Dinge leichter zu machen, und wenn etwas leicht wurde, tat man es häufiger. Ein Hydrospanner machte eine Verbindung lösbar. Eine Schneidladung machte eine Wand überflüssig. Ein Blaster machte aus einem Streit irgendwann nur noch die Frage, wer zuerst den Abzug betätigte. Vielleicht war die Macht ähnlich, nur ohne Griffstück, ohne Sicherungshebel und ohne jenes kleine Gewicht in der Hand, das einen wenigstens daran erinnerte, dass man gerade etwas Gefährliches hielt. Die dunkle Seite der Macht erschien ihm gefährlich und doch konnte er sich nicht freisprechen, dass er sich in den Worten wiedererkannte. Es fiel ihm aber sichtlich schwer das, was er auf Ketaris erlebt hatte, in Worte zu fassen. Kurz schwieg er, versuchte seine Gedanken zu ordnen und beschloss, dass er es mit einem Gleichnis probieren würde.


„Das klingt wie eine Überbrückung“, sagte Brasso schließlich, und der Satz kam langsam, weil der Gedanke während des Sprechens erst seine endgültige Form annahm. „Man nimmt einen Widerstand aus dem Kreislauf, weil er stört. Eine Sicherung, weil sie immer wieder auslöst. Einen Regler, weil er einem sagt, dass etwas nicht geht, obwohl man unbedingt will, dass es geht.“

Sein Daumen strich unbewusst über die verhärtete Narbe an der Innenseite seiner Hand, und mit dieser Bewegung kam eine Erinnerung zurück, die so alt und vertraut war, dass sie keinen vollständigen Gedanken mehr brauchte: das beißende Ozon eines offenen Schaltkastens, die Hitze in einem viel zu engen Wracksegment, ein Bauteil, das mehr wert gewesen war als die Vorsicht eines jungen Schrottsammlers, und der Moment danach, in dem Metall noch nachglühte, während ein anderer Mensch aufgehört hatte, sich zu bewegen. Seine Miene veränderte sich kaum, doch die Müdigkeit darin bekam für einen Augenblick etwas Schwereres.


„Ich habe einmal einen Sicherheitskreis überbrückt, weil ich überzeugt war, den Strom für ein paar Sekunden kontrollieren zu können“, fuhr er leiser fort. „Ich brauchte ein Bauteil dahinter, und die Abschaltung hätte zu lange gedauert.“ Er ließ die Luft langsam durch die Nase entweichen und schmeckte für einen Moment wieder verbrannte Isolierung, obwohl die Krankenstation nur nach Desinfektionsmittel und sauber gefilterter Schiffsluft roch. „Es hat funktioniert.“

Brasso schwieg. Gerade dieses Wort war es, das die Erinnerung seit Jahren so hässlich machte. „Nur nicht lange genug.“

Er ließ die Hände sinken und sah wieder zu
Tenia. Das Prinzip des Hydrospanners verlangte Entschlossenheit, doch Brasso hatte nie behauptet, dass Entschlossenheit bedeutete, jede Begrenzung mit Gewalt zu überwinden. Das Prinzip des Stroms sprach vom Widerstand, weil Widerstand Bedeutung hatte. Etwas, das sich wehrte, stellte eine Frage. Wer diese Frage jedes Mal einfach überbrückte, weil ihm die Antwort nicht gefiel, lernte irgendwann nur noch, wie man Sicherungen entfernte. Vielleicht war das, was Tenia als dunkle Seite bezeichnete, genau deshalb gefährlicher als irgendeine geheimnisvolle Finsternis, die aus einem alten Tempel kroch und Menschen mit fremder Bosheit erfüllte. Brasso hätte einer solchen Sache misstraut. Jeder vernünftige Mensch hätte das getan. Eine Stimme jedoch, die ihm sagte, dass er recht hatte, dass seine Wut gerechtfertigt war, dass es schneller ging, wenn er den Widerstand aus dem Weg räumte, war eine andere Angelegenheit. Solche Stimmen klangen selten wie Versuchung. Meist klangen sie wie Vernunft. Sein Blick wanderte kurz zu der Stromlanze an der Wand und von dort zu dem kleinen medizinischen Scanner, der neben seiner Liege regelmäßig Lebenszeichen in kalten blauen Ziffern ausgab.

„Auf Ketaris hätte ich den Kubaz verletzen wollen“, sagte er nach einer Weile, ohne sich Mühe zu geben, das Eingeständnis schöner zu machen. „Als ich ihn nach dem Einsturz gesehen habe, wollte ich für einen Moment nicht mehr wissen, weshalb er tat, was er tat oder wer über ihm stand. Ich wollte, dass er aufhört. Ich wollte, dass es ihm wehtut.“

Das Geständnis kostete ihn weniger, als er erwartet hatte. Vielleicht weil es ohnehin wahr gewesen war, vielleicht weil
Tenia in jenem Augenblick neben ihm gestanden und den Zorn vermutlich längst gespürt hatte.

„Wenn ich Euch richtig verstehe, wäre die Gefahr also gar nicht erst, dass ich wütend werde.“ Seine Stirn legte sich leicht in Falten. „Die Gefahr beginnt dort, wo ich entscheide, dass meine Wut mir das Recht gibt, alles andere zu übergehen.“

Dieser Gedanke gefiel ihm. Nicht, weil er angenehm war, sondern weil er sich prüfen ließ. Brasso hatte nie viel von Regeln gehalten, die verlangten, ein Gefühl einfach nicht zu besitzen. Gefühle waren wie Hitze in einem Reaktor. Sie entstanden. Man konnte sie ableiten, beobachten, nutzen, manchmal sogar brauchen, doch wer behauptete, Hitze existiere nicht, nur weil sie unerwünscht war, verbrannte irgendwann die ganze Anlage. Tenias Erklärung klang anders. Sie verlangte offenbar nicht, nichts zu fühlen. Sie verlangte, das Gefühl nicht zum einzigen Regler zu machen.

Die dunkle Seite ist vielleicht weniger ein anderes Werkzeug...“, murmelte er schließlich, „...als die Entscheidung, alle Sicherungen auszubauen und sich danach einzureden, das System sei endlich effizient.“

Ein schwaches Lächeln erschien in seinem erschöpften Gesicht, doch seine Augen blieben ernst.


„Das wäre zumindest eine Erklärung, die ich verstehe.“

Für einige Atemzüge schwieg er wieder, lauschte dem konstanten Brummen des Schiffes und dem feinen Ticken des medizinischen Geräts, das seinen Körper mit einer Beharrlichkeit überwachte, die er selbst ihm jahrelang verweigert hatte. Schließlich hob er den Kopf noch einmal.

„Ihr habt gesagt, Straucheln gehört dazu.“ Seine Stimme war ruhig, doch in der Frage darunter lag deutlich mehr als akademische Neugier. „Woher weiß man dann, wann man nur gestrauchelt ist und wann man angefangen hat, sich einzureden, dass Fallen eigentlich der bessere Weg ist?“

Während er auf Tenias Antwort wartete, ließ Brasso den Kopf ein wenig gegen die Rückenlehne sinken, begleitet vom gleichmäßigen Summen der Schiffssysteme und dem leisen Puls des medizinischen Scanners, der ihm ungerührt bescheinigte, dass sein Körper vorerst noch funktionierte.


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Genau dieses Streben, war es auch, dass Rache überhaupt erst möglich machte. Eine Ungerechtigkeit heimzahlen. Wollen, dass der andere genau das Leid erfuhr, dass er selbst ausgelöst hatte. Tenia hatte sich oft gerecht, im Kleinen und bei Zulia im Großen. Auch wenn das heute kaum nennenswerte Taten gewesen waren, wusste sie sicher, dass sie das auf sehr falsche Pfade hätte führen können. Oder vielleicht sogar geführt hätte. Vielleicht war es damals auch Darth Zion gewesen, der ihr eine Lehre erteilt hatte. Die deutlich sichtbare Narbe, die er ihr zugefügt hatte, hatte mit dazu geführt, sich grundlegend zu hinterfragen. Was eigentlich ein tiefer Einschnitt in ihre Eitelkeit gewesen war, hatte sie wachgerüttelt. Bei den Wäldern Nulls, sie war so oft, so arrogant gewesen. Natürlich, ja natürlich hatte all das seine Gründe gehabt. Eine winzige Nullianerin die bei nichts hatte mithalten können, hatte sich doppelt auf ihr Aussehen etwas eingebildet. Weil es das einzige gewesen war, mit dem sie hatte punkten können. Zum Glück hatte sie damals schon immer auch ein schlechtes Gewissen empfunden, wenn sie Dummes getan hatte. Zulia hatte ihr leid getan. Manchmal hatte es ihr sogar hinterher leidgetan, wenn sie manipulativ auf die Tränendrüse gedrückt hatte. Und manchmal kam es ihr wie ein Wunder vor, dass sie Ritterin Lumiran geworden war und keine Kriegerin. Deswegen fürchtete sie sich so sehr vor einer innigen Beziehung mit Steven. Nicht, weil er schlecht war, sondern weil er genau die Züge besaß, gegen die sie bitter gekämpft hatte. Steven war eitel und er wollte er nach vorne kommen, er schreckte nicht davor zurück, zu manipulieren. Er würde sicher behaupten, alles im Griff zu haben, aber Tenia hatte mehr als wahnsinnige Angst davor, dass ihm genau dieser Griff entgleiten konnte. Eben weil sie selbst nicht frei davon war.

Brasso verglich das, was sie erklärt hatte mit einer Überbrückung. Einen Widerstand aus dem Kreislauf nehmen, weil er störte. Eine Sicherung, die immer wieder auslöste. Ein bisschen wie das, was er auf Ketaris getan hatte und die Nullianerin nickte. Er erklärte weiter, dass er tatsächlich schon einmal einen Kreis überbrückt hatte, in der Vollen Überzeugung, die Kontrolle zu behalten. Um nur wenig später eines Besseren belehrt zu werden. Was auch immer sich damals zugetragen hatte, es schien etwas in dem Abednedo verändert zu haben. Da flackerte kurz etwas in seinen Augen auf. Ein alter Schmerz oder Schuld. Etwas, das er schon zu oft aus seinen Gedanken gegraben, aber nie wirklich begraben hatte.

Dass er den Kubaz hatte verletzen wollen, war ein Eingeständnis, das ihn ehrte und vor allem war es etwas, das Tenia sehr gut verstand. Das Wesen hatte für eine menge Leid gesorgt, sicher nicht zum ersten Mal und natürlich fühlte sich Rache in solchen Momenten besonders süß, besonders richtig an. „Das zugegeben zu können ist Stärke und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich mir nie etwas ähnliches gewünscht hätte.“ Sie hatte sich an Zulia gerecht, damals, in sehr jungen Jahren. Später waren ihre Gefühle viel subtiler gewesen.

„Genau das meinte ich. Gefühle machen uns aus, aber wann und wie wir ihnen nachgeben ist entscheidend. Und diese Entscheidungen lösen immer etwas aus. Macht ist … verführerisch. Wenn wir spüren, dass wir besser sind. Wenn wir besser sein wollen. Sie kann einen sehr selbst gerecht machen.“ Tenia glaubte, dass man sehr genau spürte, wann ein gewisser Punkt überschritten war. Wann ein Straucheln mehr war, als ein einfaches Stolpern. Dennoch war Brassos Frage schwer zu beantworten. Wann spürte man, dass man nicht mehr strauchelte, sondern den einfachen Weg ging?

„Ich glaube, man spürt ich. Die meisten von uns haben ein Bewusstsein für das, was falsch und richtig ist und ich meine damit nicht diese überdeutliche Moral.“ Was eine schlechte Erklärung war. Die Nullianerin seufzte. „Als ich eine Padawan war, faszinierte mich eine Sith. Ihre Aura war dunkel, angsteinflößend. Sie war abschreckend und faszinierend zu gleich. Ich wollte sein wie sie, nicht wie mein Meister. Wollte, dass mich jemand sah und mich nicht nur direkt respektierte, sondern angstvoll zu mir hinaufblickt. Ich hatte damals Glück. Die Sith hat keinen Versuch gemacht, mich zu bekehren. Das sind diese kleinen Momente. Und manchmal sind die Übergänge fließend. Ihr wolltet dem Kubaz Schmerzen zufügen, aber ihr habt gewusst, dass es falsch wäre. Ihr habt Euren Zorn unter Kontrolle gehalten. Ihr hättet anders agieren können und ihr könntet Euch jetzt wünschen, dem Wunsch nachgekommen zu sein. Die dunkle Seite ist manchmal sehr direkt, manchmal sehr subtil. Aber ich glaube, wir wissen immer, wann es das eine oder das andere ist. Spätestens hinterher.“

Was klang, als müsste man die Erfahrung erst machen um sie beurteilen zu können.

„Ich finde kein gutes Gleichnis, nicht für die subtilen Augenblicke. Ich kann es nur mit den Wäldern Nulls vergleichen. Ein Gewitter ist offensichtlich, ich weiß, es ist gefährlich und ich halte mich fern. Das wäre die dunkelste Seite. Aber dann ist da der Nebel, der zwischen den Bäumen ist. Auf einer verlockenden Abkürzung. Vielleicht sorgt er dafür, dass ich einen Ast nicht sehe, der mir ins Gesicht peitscht. Das ist ein Fehltritt oder ein Straucheln. Aber wenn ich mir einzureden beginne, dass ich doch noch genug sehe und einfach weiterlaufe, weil der Weg viel kürzer und bequemer ist, dann ist das kein Straucheln, sondern eine bewusste Entscheidung. Dinge Ignorieren. Warnungen ignorieren. Sich Sachen schönreden. Ich glaube es beginnt im Kleinen. “

:: Raumhafen Coruscant :: Schiff des Jedi-Ordens :: Brasso Nunkai und Tenia Lumiran :::
 
[ Kernwelten / Corusca-Sektor / Coruscant / Senatsdistrikt / In der Nähe des Jeditempels ] Jorti und Faith, sowie (NPCs) Passanten

Jorti konnte sein Glück kaum fassen, als diese Faith ihn doch tatsächlich einfach so gehen ließ. Er winkte mit einem verlegenen Grinsen…und dann macht er, dass er davonkam. Erst zwei Ebenen tiefer wagte er es durchzuatmen und über seine nächsten Schritte nachzudenken. Naja, seine nächsten zwei Schritte. Zuerst brauchte er etwas Gold und dann Credits um noch mehr Gold kaufen zu können.

Das war überschaubar, würde aber doch etwas Fußweg von ihm verlangen. Immerhin gab es eine effiziente Route, um beides mitzunehmen. Und er konnte sich auf etwas freuen.

Die Fischfrau hatte Jorti ganz schön weit weg von zuhause abgesetzt. Gut, mit dem Gleiter war es ein Flug von keinen zwei Minuten gewesen, zu Fuß brauchte er aber doch etwas länger. Schritt für Schritt, Ebene für Ebene aus dem Tempeldistrikt hinaus und zurück in die Teile Coruscants wo die Leute etwas weniger piekfein gekleidet und dafür deutlich zugänglich waren.

Hier unten wollte ihm im niemand irgendeine komische Kur im Jedi-Tempel andrehen. Ganz im Gegenteil.

Jorti fand seinen Dealer an der gewohnten Stelle. Die Nautolanerin nickte ihm zu und musste gar nicht erst fragen, was er wollte. Sie war lediglich einen abschätzigen Blick auf Faiths Credits und drückte ihm dann unauffällig eine traurig-kleinen Plastoiddispenser in die roten Finger.

Der Zeltron roch den Gestank des Müllcontainers nicht, hinter dem er sich wie immer verkroch, um ein paar Minuten für sich zu sein. Insekten summten um ihn herum, während er den Dispenser in sein eigenes Atemgerät setzte. Er rastete mit einem Klicken ein, Jorti hob ihn an die Nase und drückte den Abzug.

Von einem Moment zum anderen war frisches Muon Gold in seinem System. Fast war ihm, als spüre er wie seine Pupillen sich weiteten, als hörte er, wie der Nebel über seinem Geist sich zurückzog. Mit einem leisen Klappern landete der Dispenser im Müllcontainer und dessen Gestank traf ihn wie ein Gleiter im Flug.

Hastig quetschte Jorti sich hinter dem Ding hervor und machte sich erneut auf den Weg. Die Credits hatten nicht lang gehalten, aber er wusste ja, wo er mehr herbekommen konnte. Er hatte den Auftrag erfolgreich ausgeführt, also schuldete die Fischfrau ihm etwas!

Der verabredete Treffpunkt war nicht weit weg. Oder sonderlich kompliziert.

Einfach der Gleiterschacht wo Jorti sonst so seine meisten Tage verbrachte und wo sie ihn mit ihrem Arbeitsangebot aufgegabelt hatte. Es war ein Verkehrsrondell von vielleicht fünfhundert Metern Durchmessern, das zu den unteren Ebenen hin schmaler wurde. Den Himmel sah man von hier nicht, aber doch einen guten Durchschnitt durch die Ebenen Coruscants. Reihen um Reihen von Gleitern schraubten sich hinauf oder hinab und reihten sich in die Verkehrsbahnen in der Umgebung ein.

Von hier war es noch ein kleiner Fußweg zu Jortis üblichem Platz. Aber das störte ihn nicht. Fröhlich pfiff er vor sich hin, denn für wenigstens ein paar Minuten war die Welt in Ordnung. Er hatte Gold, mehr Gold wartete auf ihn. Was brauchte er mehr?

Auf den letzten Metern wurde Jorti plötzlich langsamer. Sein üblicher Platz war besetzt – und das von Leuten, mit denen er sich nicht unbedingt deswegen anlegen wollte. Ein paar Gestalten lehnten lässig an der Brüstung zum Rondell, ihre Swoop-Bikes nicht weit entfernt. Abzeichen an ihren Jacken wiesen sie als lokale Gangmitglieder aus. Ein Gamorreaner, ein Wookiee, zwei Weequays und eine Barabel. Kein ungewöhnlicher Anblick hier unten.

Von der Fischfrau war noch nichts zu sehen, da war das auch kein Problem. In sicherer Entfernung blieb Jorti stehen, hockte sich auf einen eingerissen Plastofilmkarton und lehnte sich mit dem Rücken gegen die Brüstung. Er musste nur ein bisschen abwarten und dann würde sie sicher schon auftau-


„He du!“, durchbrach eine raue Stimme das dumpfe Dröhnen des Verkehrslärms und das Stimmengewirr, das von den Wänden des Schachtes widerhallte.

Jorti sah sich suchend um, wer gemeint sein könnte, und sah dann, dass die Augen eines der Weequay direkt auf ihn gerichtet waren. Hastig rappelte er sich auf, rutschte jedoch auf irgendetwas öligem aus und zerquetschte im Fallen den Karton unter sich. Unterdessen kam plötzlich irgendwie die ganze Gruppe auf ihn zu!


„Wer ich?“, fragte Jorti schwach, doch da packten ihn bereits haarige Hände am Kragen und zogen ihn in die Höhe. Instinktiv aktivierte er seine Pheromone und hoffte, dass das klären konnte, was die Swooper von ihm wollten.

Heute schien er irgendwie kein Glück damit zu haben.


„Ja du“, brummte der grünere der beiden Weequays, der nun dicht an ihn herantrat. Der Wookiee hielt Jorti auf perfekter Höhe, dass der Sprecher der Gruppe ihm Zigrauch ins Gesicht pusten konnte. „Du bist Jorti, nicht?“

„Ähhhhhh-“, machte Jorti. Woher kannten die seinen Namen?!

„Du hast doch vorhin mit so nem netten Mädchen geredet. Wo is sie jetzt?!“

„Äh, weiter oben glaub ich. Tempeldistrikt! Äh, woher weißt’n das?“

„Ich stelle hier die Fragen. Halt’s Maul“ Die Faust des Weequays traf ihn unvorbereitet. Der Harte Schlag in die Magengegend entlockte Jorti ein ersticktes Würgen und trieb ihm sämtliche Luft aus den Lungen. „Jetzt erzähl mal, wo ist das Mädchen?!“

[ Kernwelten / Corusca-Sektor / Coruscant / Tiefe Ebenen nahe des Tempeldistrikts ] Jorti, sowie (NPCs) Swoop-Gang
 
[Coruscant - Obere Ebenen - Jedi-Tempel - Große Halle] Ganner, Brianna, viele Jedi

Der Tonfall traf einen Reflex, den Ganner in den Jahren seit seinem Ausscheiden offenbar nur tiefer vergraben hatte. Seine Schultern zogen sich zurück, die Hacken fanden beinahe von selbst zueinander und seine rechte Hand war bereits auf halbem Weg zur Schläfe, während sich die alte Meldung in seinem Kopf zusammensetzte.

Stabsfeldwebel Ganner Fel, Marineinfanterie der Flotte der Neuen Republik.

Die Hand kam auf Höhe seiner Brust zum Stehen. Er trug die dunklen Roben eines Jedi-Padawans, keine Uniform und wusste nicht einmal, wer vor ihm stand. Seine Finger schlossen sich für einen Moment, dann ließ er den Arm wieder sinken und sah die Echani nun so aufmerksam an, wie er es besser getan hätte, bevor er in sie hineingelaufen war.

Sie war fast einen Kopf kleiner als er, doch der Unterschied verlor sich in der Selbstverständlichkeit, mit der sie vor ihm stand. Ihre Hände ruhten in den Hüften, ihre Schultern waren gerade und nichts an ihrer Haltung ließ vermuten, dass der Zusammenprall sie überhaupt aus dem Gleichgewicht gebracht hatte. Das silberne Haar hob sich deutlich von ihrem beinahe weißen Teint ab, während die klaren Züge und der verärgerte Blick ebenso wenig Unsicherheit erkennen ließen wie die Selbstverständlichkeit, mit der sie ihn als Padawan eingeordnet hatte. Sein Blick streifte noch einmal ihren Oberarm, dessen Festigkeit er bei seinem wenig rühmlichen Versuch gespürt hatte, sich an ihr abzufangen, und kehrte anschließend in ihr Gesicht zurück.

Etwas an diesen Zügen kam ihm bekannt vor. Nicht so, als kenne er sie, eher wie ein Bild, das ihm schon einmal am Rand seines Blickfelds aufgefallen war. Viel gab es dabei nicht zu durchsuchen. Aus eigenem Antrieb öffnete Ganner meist nur dienstliche Mitteilungen der Reserve, Meldungen aus dem internen Tempelnetz und gelegentlich einen Bericht der Coruscant Times, wenn es dafür einen konkreten Anlass gab. Der Artikel über Ahna Rigby war das jüngste Beispiel. Vielleicht war ihr Gesicht als kleines Bild neben einer anderen Meldung aufgetaucht, vielleicht in einer jener Nachrichtenfolgen, die über einen Schirm liefen, ohne dass er stehen blieb. Er ging die wenigen Möglichkeiten durch, fand aber weder einen Ort noch einen Namen dazu. Schließlich blieb nur das Gefühl, sie schon einmal gesehen zu haben, und selbst das wurde undeutlicher, je länger er danach griff.

Ein hübsches Gesicht, wie bei den meisten Echani, denen er bisher begegnet war, und die Manieren erkalteter Lava.


„Ganner Fel“, antwortete er, wobei der Name noch immer deutlicher und militärischer ausfiel, als er es beabsichtigt hatte.

Er hielt ihrem Blick stand, ohne daraus eine Herausforderung zu machen. Seine ersten Worte waren in der Hast des Zusammenpralls gekommen, noch während ihm bewusst geworden war, wo seine Hände gelandet waren. Nun neigte er knapp den Kopf.


„Und es tut mir wirklich leid wie ich schon sagte. Ich hätte auf mein Umfeld achten müssen.“

Die Jünglinge hinter ihm hatten ihn abgelenkt, aber sie waren nicht in die Echani hineingelaufen. Ganner ließ die Erklärung unausgesprochen, trat vollständig aus ihrer Bahn und überließ ihr den Vortritt.

Der seitliche Bereich, den Ganner bereits beim Betreten der Halle ausgewählt hatte, lag genau in der Richtung, in die auch die Echani unterwegs war.

Er wartete, bis sie einige Schritte zurückgelegt hatte, bevor er sich ebenfalls in Bewegung setzte, und bemerkte trotzdem beinahe augenblicklich, welchen Eindruck das erwecken musste. Derselbe Mann, der sie gerade angerempelt und an Oberarm und Seite festgehalten hatte, folgte ihr nun durch die Große Halle. Er nahm das Tempo heraus, doch seine längeren Schritte und der dichter werdende Strom der Eintreffenden ließen den Abstand schneller wieder schrumpfen, als ihm lieb war.

Nach rechts hätte er zu den vorderen Reihen ausweichen müssen, wo sich die Räte und jene versammelten, die der Verstorbenen tatsächlich nahegestanden hatten. Links blieb nur der Weg zurück, der ihn ein weiteres Mal vor der Echani entlanggeführt hätte. Ganner verschränkte die Hände hinter dem Rücken und blieb daher in höflichem Abstand hinter ihr, den Blick mit einiger Disziplin auf die seitlichen Plätze gerichtet, während die silberne Gestalt unmittelbar davor kaum zu übersehen war.

Als sie sich dem freien Platz näherte, den auch er sich ausgesucht hatte, gab Ganner den Versuch auf, noch mehr Abstand zwischen sie zu bringen.


„Bevor sie mich erneut stramm stehen lassen, wie es der Zufall so will hatten wir irgendwie dasselbe Ziel. Wenn wir jetzt also Runde Zwei beginnen, möchte ich mich höflichst erkundigen mit wem ich das Vergnügen habe?“

Er neigte das Haupt in leichter Demut und überließ der Echani den Sitzplatz.

[Coruscant - Obere Ebenen - Jedi-Tempel - Große Halle] Ganner, Brianna, viele Jedi
 
[Coruscant - einige Kilometer vom Raumhafen entfernt - kleine Übersichtsplattform nahe des Fa'lesi Plaza] Palakwi Rha (P-Wee)

Mit einem letzten, tiefen Atemzug erlaubte Palakwi Rha ihren Füßen sie einige Meter weiter zu tragen, bevor ihre Schritte kleiner und langsamer wurden und sie schließlich anhielt. Ihr Brustkorb hob sich noch einige Mal schnell hintereinander, bevor sie mit einem lauten Schnaufen ihre Atemfrequenz unter Kontrolle brachte. Nicht übel. Gar nicht übel. Sie schaute mit bereits erheblich ruhigeren Atemzügen auf ihr Handchrono, um sich die Distanz anzeigen zu lassen, die sie gejoggt war: 7,6 Klicks. Das elektrisierende Ziehen in ihren Füßen und Händen war für den Moment verschwunden und eine dünne Schicht Schweiß kühlte sie herunter. Im Laufen hatte sie sich über den Datalink ihres Chrono ins lokale Holonet eingeloggt: sie hatte sich spontan vorbei an einem halben Dutzend Blocks dieser Ebene zu einem großen, offenen Markt auf dem ‚Fa’lesi Plaza‘ geleiten lassen. Sage und schreibe viereinhalb von fünf Banthas auf TripTusken, ihrer bevorzugten App zum Erkunden neuer Planeten. Sie hatte gelernt den zahlreichen Attributen der Bewertungen etwas zu misstrauen. ‚Authentisch und Bunt‘ war oft genug stellvertretend für heruntergekommen und voll mit Trickbetrügern. Manchmal lag die App damit aber auch schlicht richtig und, so wie schien, war heute einer dieser Tage.

Vor sich sah sie eine steile Treppe, die zu einer breiten, von Wolkenkratzern eingerahmten Plaza-Ebene herunterführte. Auf dem enormen Platz standen vielfarbige Marktstände, die mit ebenso vielfältigen Stoffplanen bedeckt waren, und kein einziger schien in irgendeiner Art und Weise am nächsten ausgerichtet zu sein: es wirkte wie ein völlig wilder Wald aus windschiefen Pilzen. Aus der Ferne drangen Rufe von Marktschreiern in den unterschiedlichsten Sprachen an ihr Ohr und ein leichter Wind trieb ihr würzige Gerüche der Essensstände in die Nase. Mit einem zufriedenen Grinsen stieg sie zum Markt hinunter und tauchte in die Schar aus Besuchern ein. P-Wee folgte ihrem Bauchgefühl und ließ sich bewusst von der Menge treiben, wobei sie interessiert die Stände zu ihrer linken und rechten beäugte. Obwohl die einzelnen Buden und Kioske in keiner erkennbaren Ordnung zu stehen schienen, gab es doch zumindest eingeteilte Sektionen. Der Eingangsbereich bot unterschiedlichste Droiden und Haushaltsgegenstände preis, doch nach guten 150 Metern wechselte sie in eine Sektion, in der Kleidung und Stoffe angeboten wurden. Interessiert blieb sie an einigen Stellen stehen und inspizierte die Waren genauer, betastete die Oberfläche von Stoffbahnen und versuchte abzuschätzen, ob einzelne Kleidungsstücke ihr wohl passen würden, ließ sich dabei jedoch nicht auf Gespräche ein. Sie hatte nicht vor etwas zu kaufen. Ihr Geldbeutel war geradezu lächerlich leicht und die paar Credits, die ihr geblieben waren, würde sie nicht leichtfertig verschwenden.

Neugierig geworden von zahlreichen Einwohnern, die mit Körben und Taschen unterwegs waren, ließ sie sich näher an eines der in der Sonne glänzenden Hochhäuser im Westteil des Marktes treiben, wo ihr alsbald zahlreiche widerstrebende, aber nicht unangenehme Gerüche entgegenkamen: es roch nach Gewürzen, gebratenen Fleisch und reifen Früchten und vielem mehr. Ein eindringliches Knurren aus ihrer Magengrube erinnerte P-Wee daran, dass sie zuletzt am Vorabend in der Kantine ihres Linientransports gegessen hatte und die Luft war so reich an angenehmen Düften, dass der Appetit ihr fast die Tränen in die Augen trieb. Sie ging vorbei an mehreren Ständen, die unterschiedliche Arten von Charcuterie und frischem Fleisch verkauften: von der ganzen Banthakeule zu marinierten Ronto-Steaks. Dann fiel ihr Blick auf eine fein gekleidete Dame mit blauer Hautfarbe, die ein eng gebundenes Seidenkleid trug und wohl einen Wocheneinkauf tätigte. Immer wieder blieb sie an einzelnen Ständen stehen, wies auf unterschiedliche Waren und schnippte dann ihrem silbern glänzenden 3PO-Protokolldroiden zu, der dann den Einkauf händelte und in den voll beladenen Körben mit Lebensmitteln an seinen steifen Armen verstauen ließ. P-Wees Blick blieb insbesondere an einigen wunderschönen, perfekt reifen Meilooruns hängen, die ihr das Wasser im Mund zusammenlaufen ließen. Ein sanftes Schmunzeln umspielte ihre Lippen. Die gute Frau schien auf jeden Fall genug der Früchte für eine Großfamilie zu haben.

Sie folgte dem ungleichen Paar für einige weitere Stände, bis sie eine gute Gelegenheit gekommen sah. Die blauhäutige Frau führte ein erhitztes Gespräch in gebrochenen Huttese um eine Bestellung an teuren Gewürzen mit einem Aqualish-Händler, während ihr Protokolldroide in ein knapp zwei Metern Entfernung leise mit sich selbst redete. „... jedes Mal muss ich die Körbe schleppen. Jedes Mal muss ich mir die Beleidigungen dieses verschlagenen Emporkömmlings von Corellia anhören ...“ P-Wee näherte sich an seiner rechten Seite und tippte ihm forsch auf die Schulter. Der Droide verstummte sofort und legte den Kopf schief, doch bevor er etwas sagen konnte, zeigte sie locker mit dem Daumen über ihre Schulter und legte ihren besten Lassa-City-Akzent an den Tag: „Da hat sich gerade ein Kerl an deinem Shaak-Steak bedient,“ berichtete sie der 3PO-Einheit in Ryl. Es konnte nicht schaden als Auswärtiger wahrgenommen zu werden. „WAS?“ Empört drehte sich der Droide um und P-Wee mit ihm. Sie lehnte sich näher zu ihm heran: während sie mit ihrem linken Arm auf einen Rodianer zeigte, der kniend an seinem Gemüsestand Kohlköpfe zu sortierte, griff sie sorgsam mit der anderen Hand um den Silberjungen herum und schnappte sich die kleinste der reifen Melonen. „Der da,“ zischte sie verschwörerisch. Sie ließ ihre Hand mit der rot-orangenen Frucht hinter ihrem Rücken verschwinden und lächelte. „Das ist ja wohl die Höhe,“ empörte der Droide sich in akzentfreien Ryl und drehte seinen chromierten Schädel zu ihr um. „Besten Dank, Ma’am. Ich werde diesen Rowdy sofort zur Rede stellen.“

Während der Protokolldroide surrend von dannen stapfte, macht sie ebenfalls auf der Stelle kehrt und verschwand mit ihrer Beute zwischen mehreren Gruppen Einkaufender. Sie spürte die halbfeste Haut der Frucht unter ihren Fingerkuppen. Ausgesprochen reif, vermutlich saftig und ziemlich sicher angenehm süß. Ihr Magen knurrte ein weiteres Mal, wie um ihren Gedankengang zu bestätigen. Palakwi beschleunigte ihren Schritt und suchte sich eine schöne, einsame Ecke am Rande des Marktes: eine weitere Treppe führte zu einer kleinen Empore und einem Gehweg, von dem man wunderbar das Marktgeschehen überschauen konnte. Am Ausgang eine kleine Gasse, die tiefer zwischen zwei unterschiedliche Sektionen des Wolkenkratzers führte, ließ sie sich mit einem zufriedenen Seufzen auf einigen Plasteelkisten nieder und biss herzhaft in die Meiloorun. Das Fruchtfleisch war mürbe, süß und sättigend. Wenig später leckte sie sich wenig elegant die letzten Reste an Saft von den Fingern und warf den oberen, holzigen Stiel achtlos beiseite. Trotz der Tatsache, dass sie lediglich die kleinste der Melonen gestohlen hatte, drückte ihr Magen ein wenig angesichts der angenehmen Überfülle. Sicherlich würden die Jedi nicht allzu wütend sein, wenn sie eine wohlhabende, unfreundliche Dame einer Meiloorun Melone beraubte. Die Pantoranerin – oder Wroonierin? Sie hatte Schwierigkeiten die beiden auseinanderzuhalten – sie nagte jedenfalls nicht am Hungertuch. Dann spürte sie plötzlich ein dumpfes Drücken in ihrem Rücken. „Kein Ton. Keine Bewegung,“ zischte eine ihr unbekannte Stimme in Basic hinter ihr und presste den Blasterlauf fester in ihre Lende.

„Das ist eine ausgesprochen schöne Gürteltasche ... nach dem kleinen Stunt unten im Markt hast du sicher nichts dagegen, das Ding an jemand Bedürftigen abzugeben? Mich zum Beispiel.“ P-Wee wurde schlecht und ein unmerkliches Zittern ging durch ihren Körper. Selbst wenn sie es geschafft hätte, sich blitzschnell umzudrehen und sich dem Räuber zu entgegenzustellen: weder ihr Schockstab noch ihr Blaster waren geladen. Bestenfalls könnte sie beides dem Mann – zumindest das konnte sie aus der Stimme heraushören – an den Kopf werfen. So rührte sie sich nicht, während sie spürte wie ruppige Finger die Tasche von ihrem Gürtel lösten. Sie dachte an das Holocron darin und an ihr Datapad, auf dem sie seit Jahren ihre technischen Skizzen, ihre Gedanken und Beobachtungen speicherte. „So ist es fein,“ brummte der Kerl mit amüsiertem Ton. „Immer schön still bleiben und nicht bewegen, dann sind wir hier schnell fertig.“ Das Gewicht an ihrem Gürtel schwand und mit einem letzten Rupfen löste sich die Tasche. Palakwi verzog wütend das Gesicht zu einer Grimasse, aber wagte nicht sich zu rühren. „Das war es schon, Süße.“ Der Lauf löste sich aus ihrem Rücken, doch die Stimme war immer noch direkt hinter ihr. Die Spitzen ihrer Lekku zuckten nervös. Er musste es wissen. Er musste von dem Jedi-Kubus wissen. Wieso sonst nahm er ihr sonst nichts ab? „Schön sitzenbleiben und freundlich lächeln. Zähle bis 300, bevor du dich umdrehst.“ Leise, sanfte Schritte begannen sich von ihr zu entfernen und wurden stückchenweise schneller. Sie hatte knapp bis hundert gezählt, bevor sie sich traute, sich umzudrehen.

Die Gasse hinter ihr war leer.

[Coruscant - Fa'lesi-Plaza - am Rande des Marktgeschehens] Palakwi Rha (P-Wee)​
 
Coruscant – Jedi Tempel – Krankenstation – mit Riuen und Q'Tahem

Elise hörte zu, während Q'Tahem den Blick immer wieder verlor und zurückholte. Das meiste von dem, was er sagte, lag zwischen seinen Worten. Ziost. Der Käfig. Der Folterstuhl. Die Arena. Sturn, Kira, Zoey. Er brachte die Namen heraus, aber sie kamen nicht sauber. Sie hakten an seiner Stimme, an seiner Hand, die unbewusst zur Prothese wanderte, an der Art, wie er sich zwang, weiterzusprechen.

Bei Zoey hob Elise den Blick.

Freundin hatte er gesagt.

Das Wort passte schlecht zu dem Bild, das später geblieben war. Kast. Die Sith. Das, was aus der Archäologin geworden war, die auf Thearterra noch mit ihnen durch Eis, Tempel und alte Mechanismen gelaufen war. Elise strich mit dem Daumen über den Rand der Decke, bis sie merkte, dass sie es tat, und ließ die Hand liegen.

"Dass du sie Freundin nennst, ist nicht dumm", sagte sie leise. "Genau deshalb tut es so weh."

Sie sah ihn an, ohne ihn festzuhalten. Es gab Blicke, die mehr verlangten, als jemand gerade geben konnte. Diesen wollte sie ihm ersparen.

"Es tut mir so leid, was dir passiert ist. Ihr seid ihnen einfach direkt in die Arme gelaufen."

Die Vorstellung macht die Ritterin wütend. Gerufen von Freunden und den Feinden auf dem Silbertablett präsentiert. Wie konnte Zoey nur zu den Sith überlaufen? Es war ein ausgewachsener Fiebertraum. Als er mit seiner Erzählung von Ziost endete, nahm sie seine Hand. "Es ist gut, dass du hier bist. Und einigermaßen wohlauf. Wenn du jemals bereit dafür bist, bei einem Kaf etwas loszuwerden, lass es mich wissen, okay?"

Sie bemerkte Riuen neben dem Bett. Er war still geworden, aber nicht ruhiger. Seine Arme waren verschränkt, sein Blick schmaler. Als Q'Tahem von Brianna sprach, richtete sich Elise ein Stück auf. Ihr Rücken meldete sich sofort, und sie hielt kurz inne, bis das Ziehen wieder in den Körper zurücksank.

"Brianna hat nach Formwandlung gefragt?"

Das war mehr als Höflichkeit. Mehr als eine Heilerin, die eine schlimme Möglichkeit abklopfte. Brianna kannte Viren, Machtkrankheiten, Bastion, Kast. Sie würde nicht einfach irgendein Wort in den Raum legen, ohne etwas dahinter zu vermuten.

Ihr Blick ging zu Riuen.

"Sie gehört vielleicht auch in unsere Überlegungen. Was meinst du?"

Dann kam der Eistempel.

Der Wampa. Die Kuppel. Das Labor. Janus. Arica. Die Spritzen. Zoey, die das Mittel geholt hatte, das damals alles entschieden hatte.

Elise schloss kurz die Augen. Nicht lange. Lange genug, dass das Weiß der Krankenstation durch ein anderes Weiß ersetzt wurde. Eis, Glas, die schneidende Kälte in der Lunge, Metall irgendwo unter der Kuppel, Stimmen, die schnell durcheinanderliefen. Sie sah keinen vollständigen Ablauf, eher Ausschnitte, die wieder an ihre Plätze rutschten.

"Das Labor hinter der Kuppel." Sie öffnete die Augen wieder. "Ja. Da war es."

Ihre Stimme war rauer geworden. Sie sah an Q'Tahem vorbei, als könne sie durch die Wand zurück in diesen Raum sehen.

"Das Mittel gegen die Abtrennung von der Macht. Und das Mittel gegen die Mutation. Wenn wir auf Thearterra überhaupt noch eine Spur finden, dann sollten wir dort anfangen."

Sie drehte den Kopf zu Riuen.

"Die Karte. Na klar." sie überlegte. "Irgendwo auf meinem Zimmer muss mein altes Comm liegen. Ich wette ich habe die Daten noch."

Sie hielt kurz inne.

"Morgen."

Der Zusatz war an ihn gerichtet und genauso an sie selbst. Sie spürte, wie ihr Körper gegen die Länge des Gesprächs arbeitete. Die Finger wurden kälter, die Schultern schwerer, und ihre Gedanken mussten sich mehr Mühe geben, nicht auseinanderzulaufen.

Q'Tahem saß noch immer auf dem Stuhl. Seine Robe war zu weit, seine Haltung zu angestrengt, und jeder Atemzug wirkte, als hätte er irgendwo einen kleinen Widerstand zu überwinden. Elise sah ihn nicht mitleidig an. Das hätte sie an seiner Stelle wütend gemacht. Aber sie sah genau hin.

"Du hast uns geholfen", sagte sie. "Mehr, als du vermutlich gerade glaubst."

Sie nickte in Richtung Tür, ohne ihn damit fortzuschicken.

"Geh zurück, wenn dein Körper es verlangt. Bleib noch sitzen, wenn er gleich umfällt, sobald du aufstehst. Wenn du Begleitung brauchst, organisieren wir sie."

Ein müdes Zucken an ihrem Mundwinkel.

"Und ja, ich weiß, ausgerechnet ich klinge gerade sehr überzeugend."

Der Satz war mehr Atem als Witz. Dann wurde ihr Gesicht wieder ernster.

"Pass auf dich auf, Q'Tahem. Uns wurde schon genug genommen."

Sie ließ ihm Zeit. Als er sich verabschiedete, erwiderte sie den Gruß und blieb mit dem Blick bei ihm, bis die Tür hinter ihm schloss.

Danach war das Zimmer zu leise.

Riuen stand noch da. Elise sah zu ihm auf, und erst da merkte sie, wie müde er selbst wirkte. Nicht auf die offensichtliche Art. Bei ihm lag es eher in der Spannung, die nicht mehr wusste, wohin mit sich. In dem Blick, der noch bei Q'Tahem war, bei Zoey, bei Sith, bei Thearterra. Bei ihr vielleicht auch.

Sie zog die Decke etwas höher. "Du hast heute viel gehalten."

Er würde widersprechen wollen. Oder es abtun. Vielleicht beides in einem Satz, wenn er gut in Form war. Elise kam ihm zuvor.

"Danke." Sie sah ihn direkt an. "Ich werde dir das niemals vergessen." Diesmal blieb kein kleiner Spruch dahinter. Auch kein Versuch, es sofort wieder leichter zu machen.

"Dass du geblieben bist und dass du mitdenkst."

Ihre Hand lag auf der Decke. Sie hätte sie heben können, tat es aber nicht. Die Bewegung hätte zu viel Bedeutung bekommen, und Bedeutung gab es in diesem Raum bereits genug.

"Das zählt für mich. Mehr, als ich gerade sauber sagen kann."

Danach sprachen sie noch leiser. Über Kestrel, über die Karte, über Brianna, über Eowyn. Ein paar Punkte wurden festgehalten, andere nur halb ausgesprochen und trotzdem verstanden. Irgendwann fielen die Pausen länger aus als die Sätze. Elise merkte, dass sie beim Zuhören die Augen schloss. Als Riuen schließlich ging, folgte sie ihm mit dem Blick bis zur Tür.

Die Nacht brachte den Eistempel zurück.

Er kam nicht als klare Erinnerung. Er setzte sich aus einzelnen Dingen zusammen, die im Schlaf zu nah an sie heranrückten. Glas unter Eis. Eine Kuppel. Licht, das von unten kam. Zoey mit Spritzen in der Hand. Eine Tür ohne Griff. Riuen hinter einer Scheibe, zu weit entfernt, obwohl er direkt vor ihr stand. Einmal hörte sie den Wampa, lange bevor sie ihn sah. Ein anderes Mal war sie selbst im Labor und konnte nicht sagen, ob sie auf dem Tisch lag oder davor stand.

Später war der Tempel fort und etwas anderes blieb.

Die Präsenz schob sich an die Ränder ihres Bewusstseins. Langsam. Geduldig. Sie brachte Bilder mit, die keinen sauberen Anfang hatten. Zähne im Schnee. Metall auf der Zunge. Ihre eigenen Hände an einer Wand, die nachgab und zugleich härter wurde. Elise erwachte mit verkrampften Fingern und brauchte jedes Mal einen Moment, bis die Krankenstation wieder Krankenstation war. Das Summen der Geräte half. Die Decke unter ihrer Hand half. Der Schmerz in ihren Muskeln half sogar, weil er zu ihr gehörte.


Am Morgen sagte sie Riuen nichts davon.

Sie hatte schlecht geschlafen. Das war wahr und klein genug, um es benutzen zu können. Die Albträume würde sie sortieren müssen, wenn sie genug Kraft für ihre eigene Innenwelt übrig hatte. Für den Moment zählte etwas anderes. Die Präsenz hatte gedrückt, gewühlt, Bilder hervorgeholt und alte Stellen gesucht. Sie hatte die Kontrolle nicht bekommen.

Elise blieb eine Weile auf der Bettkante sitzen, bevor sie sich anzog. Schwarze Hose. Dunkles Oberteil. Eine dünne Robe darüber, leicht genug, um sie nicht zu beschweren. Ihre Finger waren nicht besonders geschickt, und ein Verschluss an der Seite kostete sie fast die Geduld. Beim zweiten Versuch fluchte sie sehr leise, beim dritten bekam sie ihn zu. Die Haare band sie zurück, so gut es ging. Ein paar Strähnen wollten nicht. Sie ließ sie. Der Stock stand neben der Tür. Sie hatte ihn am Abend noch abgelehnt. Am Morgen sah er weniger wie eine Beleidigung aus und mehr wie ein Werkzeug. Das war ein Fortschritt, wenn auch kein besonders würdevoller. Elise nahm ihn, prüfte das Gewicht und ging ein paar Schritte im Zimmer, bis sie den Takt fand. Stock, Bein, Atem. Stock, Bein, Atem. Nicht schön, aber brauchbar.

Draußen im Flur wartete Riuen.

Elise zog die Robe an der Schulter glatt und blieb vor ihm stehen. Sie wirkte alles in allem etwas fitter. Hatte noch etwas meditiert und Kraft getankt.

"Es hat etwas länger gedauert." Sie sah auf den Stock, dann wieder zu ihm. "Er ist nützlich. Ich mag ihn trotzdem nicht."

Der erste Weg durch den Flur war langsam. Sie achtete mehr auf den Boden, als sie wollte. Der Tempel war gefühlt stiller als sonst. Stimmen wurden gedämpft, Schritte setzten vorsichtiger auf, Türen schlossen weicher. Die Nachricht von der Trauerfeier hatte sich offenbar überall ausgebreitet und jeden daran erinnert, dass es Tage gab, an denen selbst der Jedi Tempel weniger nach Unterricht, Ordnung und Routine klang. Sie gingen eine Weile nebeneinander her, ohne dass Elise sofort sprach. Der Stock machte ein leises Geräusch auf dem Boden, erst störte es sie. Danach gewöhnte sie sich daran.

"Ich habe die Pressekonferenz gesehen", sagte sie schließlich. Sie hielt den Blick nach vorn gerichtet. "In den Holo News. Irgendwann heute früh. Nach einer Heilerkontrolle und vor dem Kampf mit diesem Verschluss."

Jetzt sah sie kurz zu ihm. "Hast du sie verfolgt?"

Einige Schritte später wurde ihre Stimme etwas weicher. "Eowyn war gut. Ruhig. Klar. Man hat gesehen, dass es sie Kraft gekostet hat, aber sie ist stehen geblieben." Elise setzte den Stock sorgfältig vor sich auf. "Und Ian neben ihr zu sehen, war gut."

Ein schmaler Ausdruck von Belustigung kam in ihr Gesicht, verschwand aber schnell wieder.

"Ich konnte ihn am Anfang nicht leiden. Er hatte diese Art, bei der ich sehr schnell sehr deutliche Antworten im Kopf hatte."

Sie ging weiter, langsamer an einer kleinen Steigung im Gang. "Inzwischen glaube ich, dass ich nur einen Teil von ihm gesehen habe. Einen anstrengenden Teil. Aber immerhin."

Das immerhin blieb zwischen ihnen und durfte dort bleiben. Ian hatte seinen Platz an Eowyns Seite gefunden. Gestern in den Holo News hatte Elise zum ersten Mal gedacht, dass dieser Platz vielleicht genau der richtige war.

Als sie die Große Halle erreichten, wurde der Raum vor ihnen schwerer. Roben, gesenkte Stimmen, Gruppen, die sich lösten und wieder schlossen. Elise erkannte Wes bei den Räten, Eowyn und Ian in der Nähe, Brianna weiter vorn, auffällig wie immer und trotzdem heute anders.

Einige Blicke fanden sie. Natürlich fanden sie sie. Elise wusste, wie sie aussehen musste. Schwarz gekleidet, blass, mit Stock, Riuen an ihrer Seite. Sie hielt den Rücken gerade, soweit ihr Körper mitspielte, und ging weiter. Bei Eowyn blieb sie stehen. Ian war bei ihr.

"Eowyn." Elise neigte den Kopf. "Es tut mir leid."

Sie fügte nichts Größeres hinzu. Der Satz war schmal, aber er trug, was er tragen konnte. Dann sah sie zu Ian und nickte ihm ebenfalls zu. "Es war gut, euch gestern zu sehen. Beide. Ihr wart großartig."

Bei Wes blieb sie einen Moment länger. Mit ihm war sie per du, und gerade deshalb wirkte jeder Titel falsch. Sie umarmte ihn sanft zur Begrüßung. "Wes."

Sie sah zu den Versammelten, dann zurück zu ihm. "Schön dich zu sehen. Ein schwerer Tag."

Alle anderen Anwesenden bekamen ein wohlwollendes Hallo oder ein genau so ernst gemeintes Nicken. Sie war aber nicht scharf drauf, sich mit jedem in ein Gespräch zu verwickeln. Der Weg führte sie noch an Brianna und einem Menschlichen vorbei. Ihr Schüler? Seit wann das? "Brianna, gut, dass du da bist. Es tut gut dich zu sehen." sie stellte sich dann knapp bei dem ihr Unbekannten vor. "Ich bin Elise, freut mich dich kennenzulernen."

Dann nahm sie mit ihrem Padawan Plätze ein, die irgendwo in der zweiten Reihe zwischen den Räten und Brianna waren.

Coruscant - Jedi-Tempel - Große Halle - mit Eowyn, Ian, Wes, Brianna, Ganner uvm.
 
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