Sci-Fi Der Astronaut (Project Hail Mary)

Ich komme gerade frisch aus dem Kino und mir hat der Film auch sehr gut gefallen. Wie schon vielfach erwähnt, eine Achterbahn der Gefühle. Optisch, atmosphärisch, musikalisch alles 1A.

Einzig die wissenschaftliche Genauigkeit lässt mich etwas ratlos zurück, da muss ich mich noch etwas genauer in die Handlung einlesen, denn einige Szenen/Storypunkte ließen mich dann doch nachdenken. Unter anderem:

Die Reisen zwischen den Sonnensystemen sind für mich fragwürdig, denn es liegen ja in etwa 10 Lichtjahre zwischen der Sonne und Tau Ceti. Soll heißen, es muss nahe der Lichtgeschwindigkeit geflogen werden, um die Problemlösung noch vor den 30 Jahren zu finden, die im Film oft als Zeitrahmen für Schadensbegrenzung genannt werden. Wird allerdings nahe der Lichtgeschwindigkeit geflogen, so setzt die Zeitdilatation ein, d.h. auf der Erde vergeht eben noch mehr Zeit, als am Raumschiff geflogen wird. Und zurück zur Erde muss die Problemlösung ja auch noch.

EDIT: Es kann sein, dass ich hier gerade t und t' verwechsle, sprich auf der Erde vergehen die 10 Jahre in eine Richtung, aber auf dem Raumschiff vergeht weniger Zeit. Es würde sich also umgekehrt zu meinem obigen Gedankengang verhalten. Vielleicht kann mich @Dr. Sol als Physiker aufklären :)

EDIT 2: Auch ohne Zeitdilatation würde ja von Projektstart bis Lösungsankunft auf der Erde etwa 20 Jahre vergehen. Ich glaube ich habe jetzt einen Knoten in meinem Gehirn.

Das ist aber bei Weitem nicht als Jammern gemeint. An alle, geht ins Kino und schaut diesen Film!
Kleiner Hot Take: Rocky ist goldiger als Baby Yoda.
Absolut!
 
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Ich habe aus dem Film mitgenommen, dass vier Jahre Raumflug etwa elf Jahren auf der Erde entsprechen, es also zu einer einer Form von Zeitdilatation kommt.

Nach meinem Geschmack kommt Grace für jemanden, der in seinen letzten Momenten auf der Erde noch betont hat, kein Astronaut zu sein, bemerkenswert gut mit der Technik des Raumschiffs zurecht.
 
Nach meinem Geschmack kommt Grace für jemanden, der in seinen letzten Momenten auf der Erde noch betont hat, kein Astronaut zu sein, bemerkenswert gut mit der Technik des Raumschiffs zurecht.
Man sieht im Film aber schön, dass er bei allem eine steile Lernkurve durchmacht (Steuerung Schiff, Nutzung Raumanzug, Bewegen im Schiff, ...)

Bin auch eben aus dem Film raus.
Wie gesagt habe ich das Buch schon zweimal gelesen und da fiel natürlich ganz sehr auf, was alles gefehlt hat - und das war echt viel: angefangen von vielen Experimenten, wissenschaftlichen Erklärungen über mindestens 2, 3 ausgewachsene Katastrophen mehr, die bewältigt werden mussten.

Aber ich will gar nicht meckern: Das gibt die Zeit nicht her. Der Film ist für sich mit seinen Bildern und dem Zusammenspiel der Hauptcharaktere wunderbar geworden. Ein paar wenige Szenen hätte man jedoch gegen Wichtigeres austauschen können (Stichwort Einkaufsszene).
In diesem Falle würde ich empfehlen erst den Film zu schauen und dann das Buch zu lesen.
 
Die Reisen zwischen den Sonnensystemen sind für mich fragwürdig, denn es liegen ja in etwa 10 Lichtjahre zwischen der Sonne und Tau Ceti.

Bewegte Uhren laufen langsamer. Ist auch hier auf der Erde messbar. Mit Reisegeschwindigkeiten eines Flugzeugs (900 km/h) sind das einige Nanosekunden die eine bewegte Uhr langsamer geht als eine synchronisierte stationäre Uhr. Mit 4 Jahren erlebter Zeit auf dem Raumschiff und 10 Jahren vergangener Zeit auf der Erde würde sich das Raumschiff mit 92 % der Lichtgeschwindigkeit bewegen, ober aber 276.000 km/s (einfache Lorentz-Transformation). Das ist aber stark vereinfacht, weil dafür angenommen wird, dass das Raumschiff instantan auf 0,92c beschleunigt und auch instantan am Zielort stoppt. Realistisch ist eine Beschleunigung bis zur Hälfte der Wegstrecke und eine Verzögerung bis zum Zielort (eine sogenannte brachistochrone Trajektorie), und das mit Werten die ein menschlicher Körper über lange Zeit aushält. Bei 1 g Beschleunigung und einer konstanten Beschleunigung über die Hälfte der Strecke (also 5 Lichtjahre), erreicht das Raumschiff in der Spitze nahezu Lichtgeschwindigkeit (0,999...c).
 
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Kleine Anmerkung am Rande, die mich beim Schauen etwas gestört hat:

Wird im Buch eigentlich genauer erklärt, wie Rocky es schafft, Xenon in einen festen bzw. sogar metallischen Zustand zu bringen? Im Film fällt dazu nur ein Halbsatz („metallisches Xenon“), was physikalisch problematisch ist. Xenon ist als Edelgas unter Normalbedingungen extrem stabil und gasförmig; um es zu verfestigen und erst recht in einen metallischen Zustand zu überführen, braucht man sehr hohe Drücke, Größenordnungen, wie man sie eher aus Hochdruckexperimenten oder aus planetaren Innenbereichen kennt.

Mich würde interessieren, ob Andy Weir im Roman hier detaillierter wird oder ob das auch dort eher unter „erzählerische Vereinfachung“ fällt.
 
Kleine Anmerkung am Rande, die mich beim Schauen etwas gestört hat:

Wird im Buch eigentlich genauer erklärt, wie Rocky es schafft, Xenon in einen festen bzw. sogar metallischen Zustand zu bringen? Im Film fällt dazu nur ein Halbsatz („metallisches Xenon“), was physikalisch problematisch ist. Xenon ist als Edelgas unter Normalbedingungen extrem stabil und gasförmig; um es zu verfestigen und erst recht in einen metallischen Zustand zu überführen, braucht man sehr hohe Drücke, Größenordnungen, wie man sie eher aus Hochdruckexperimenten oder aus planetaren Innenbereichen kennt.

Mich würde interessieren, ob Andy Weir im Roman hier detaillierter wird oder ob das auch dort eher unter „erzählerische Vereinfachung“ fällt.
Grace ist sich dieser Tatsache im Buch sehr wohl und vor allem sehr oft bewusst (er "preist" das Xenonit regelmäßig regelrecht an, weil es auch viele ihrer Probleme löst - z. B. die Angelaktion wäre sonst nicht möglich).
Für die Eridianer ist Xenonit quasi der Stoff für "Alles", was man so herstellen kann und vermutlich völlig alltäglich/trivial.
Konkreter und wie das technisch funktionieren soll wird es allerdings nicht im Buch.
 
Was Xenonit angeht hält sich der Autor ziemlich bedeckt. Der Planet auf dem Rocky lebt, wird aber als Planet mit hohem Druck und hohen Temperaturen beschrieben, weit weg von Standardbedingungen. Was im Buch rüberkommt ist aber, dass die Eridianer den Menschen um Jahrhunderte voraus sind was Materialforschung angeht, dafür haben sie aber bspw. keine Ahnung von Quantenphysik und Relativität.
Xenon selbst kann zu Reaktionen bewegt werden, vor allem mit sehr elektronegativen Elementen (Fluor, Chlor, Sauerstoff). Man hat durch Ionenimplantation auch Xenon-Nanopartikel herstellen können. Man hat dazu Xenon-Gas ionisiert und dann mit einem elektrischen Feld auf ein Aluminiumsubstrat beschleunigt, wo die Ionen dann kristalline Strukturen (also einen Feststoff) gebildet haben.

 
Im Buch bleibt die Frage was Xenonit ist ziemlich vage, weil Grace zwar nur Xenon finden kann, er aber nicht weiß ob es auch nur aus Xenon besteht. Die Oberflächen könnten durch Fremdatome passiviert sein. Es könnte auch ein Allotrop des Xenon sein, wie Kohle und Diamant zwei Allotrope des Kohlenstoffs sind, mit ziemlich unterschiedlichen physikalischen Eigenschaften. Es könnte auch eine Kombination von beidem sein. Es funktioniert jedenfalls.
 
Es gibt im Buch als auch ganz besonders im Film einige Plot Devices, welche wissenschaftlich nur laienhaft gut erklärt werden um die Handlung voranzutreiben/zu erklären: Astrophage (als Antrieb und Energiepaket ist total clever) und die gleich mehrfache Problem-Lösung via Tauphöbia, Xenonit, Sprachbarriere, Züchtung und daraus folgende Evolutionsmechanismen mit deren Folgen etc.
Mindestens im Film bleibt davon Vieles sehr vage. Im Buch greifen aber viele dieser wissenschaftlichen Themen ineinander. Das geht im Film leider imo fast völlig verloren.
 
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