Dubrillion, Destrillion (Dubrillion-System)

Dubrillion - Norden - Zavstra - Ehemaliger Herrschersitz "Festung Enisov" - Lounge - Sector Adjutant Agustin Prada, Legat Khamzat Shartov (Ressortleiter Innere Sicherheit Dubrillion)

Agustin blickte den bulligen Khamzat Shartov mit kalter Miene an, während er an der importierten Zigarre zog, die ihm sein Gegenüber kurz vor der Abreise nach Yaga Minor noch angeboten hatte. Der Legat hatte seine eigene Zigarre schon positioniert, kramte allerdings aus einer seiner legeren Hosentaschen eine Art militärisches Sturmfeuerzeug, das einen kaum sichtbaren Funken entzündete, der jedoch massiver und größer war, als jedes andere Feuer zum Anzünden einer Zigarre oder Zigarette, wie es der Bastioner jemals gesehen hatte. Dazu. bevor sich die beiden großgewachsenen Männer setzten, kramte Shartov noch eine am Lauf verchromte und am Griff vergoldete DL-44 Blasterpistole aus seinem hinteren Hosenbund, den das locker sitzende schwarze Hemd die gesamte Zeit über verdeckt hatte und legte diese auf den flachen Tisch vor den beiden Sesseln, genau neben das Feuerzeug, das kaum kleiner war als die Waffe. Agustin musterte die beiden Dinge, die so einiges über den Charakter aussagten, der neben ihn saß. Vorhin das Spektakel mit der stillen Minute während des Interviews und nun das Zurschaustellen des Inventars des bulligen Ex-Söldners. Shartov ließ sich von der Präsenz seines Vorgesetzten Sector Adjutanten gewiss nicht einschüchtern und zog ein Schauspiel ab, wie es Agustin seit jeher hier und da mal gerne tat.

"Sie haben sich im Interview mit Miss Anar gut verkauft, Shartov. Ich will nicht sehen, dass auch nur ansatzweise der Eindruck entsteht, unsere planetaren Streitkräfte seien nach dem Deal mit Truuine merklich schlechter ausstaffiert. Dem haben sie mit Nachdruck einen Riegel vorgeschoben."

Der angesprochene Legat zog tief an seiner Zigarre und beugte sich dann vor. Es fiel Agustin schwer, seine Miene zu lesen. Normalerweise waren Personen mit der Physis, dem Charakter und der Position eines Khamzat Shartov grimmige, grausame Männer, die immer die selbe Miene machten. Dieser Mann jedoch lächelte fast die ganze Zeit. Dem Bastioner war dies schon während seines Interviews mit Galaxy News aufgefallen, als der Ressortleiter die Interviewerin des Öfteren mal mit einem beinahe hämischen Grinsen angesehen hatte, besonders nach etwas härteren Fragen.

"Ich musste noch nicht einmal lügen, Sector Adjutant. Um unsere Streitkräfte ist es gut bestimmt. Sie sind kampferprobt und mit bewährtem und robustem Kriegsgerät ausgestattet. Am Boden würde ich der Rebellenrepublik keine allzu großen Chancen ausmalen, selbst wenn sie in Großverbänden angreifen würden."

Eine Einschätzung, die Agustin bereits von Walder Fondham bereits das ein oder andere Mal gehört hatte. Die Bodentruppen waren 3 Armeen und 12 Korps stark. Bei einer Offensive, so die militärische Faustregel, würde der Angreifer in etwa eine 3 zu 1 Überzahl benötigen, um auch nur in die Nähe einer Erfolgsaussicht zu gelangen. Das bedeutete, dass die Republik im Falle einer Invasion nahezu eine Million Soldaten landen müssten. Für eine Welt im Outer Rim wie Dubrillion war dies ein eher unwahrscheinliches Szenario. Anders sah es hingegen bei der Kriegsführung im Weltraum aus. Ein Punkt, den Agustin sofort aufgriff:

"Die militärische Führung unseres Feindes würde bestimmt keine Bodenoffensive starten. Sie würden eine Raumblockade um Dubrillion errichten und stattdessen schwächer verteidigte Welten angreifen und durch ihre Blockade verhindern, dass auch nur ein Soldat den Fuß von Dubrillion setzt. Wenn eine Welt nach der anderen fällt und sie immer tiefer in den Supersektor eindringen und wir komplett abgeschottet sind, wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis hier erste Umsturzversuche unternommen werden. Ganz abgesehen davon, dass Dubrillion nur eine Welt des Myto-Sektors ist. Alleine, wenn Destrillion fällt, ist die gesamte Energieversorgung unterbunden."

Shartov schnaubte für einen Moment, ging dann aber kurz in sich und nickte leicht. Zumindest in ein paar Punkten schien er Agustin recht zu geben.

"Die verlogenen Medien und Politiker der Rebellen haben sich schon mehr als einmal abfällig über Dubrillions Verteidigung geäußert. In ihrer Arroganz würden sie einen großangelegten Invasionsversuch unternommen, schätze ich. Aber Sie haben recht. Selbst wenn wir die Teufel am Boden in die Hölle schießen, haben sie eine starke Flotte und die unserer Sektorverteidigung ist zu schwach."

Agustin nickte mit kühler Miene und erhob sich nun. Shartov tat es ihm gleich und gemeinsam verließen sie die Räumlichkeiten der Festung, um sich auf den Aufmarschplatz zu begeben, auf dem die Lambda-Fähre des Bastioners bereits wartete. Die anderen Schiffe mit der Delegation des Myto-Sektors, unter anderem auch Governor Clanton, waren bereits gen Yaga Minor gestartet. Vor der Fähre stand ein Zug MSEK-Spezialeinheiten, die dem Sector Adjutanten salutierten. Für ein paar Augenblicke blieb er stehen und musterte die vermummten Soldaten, ehe er nickte und Shartov die Hand reichte. Dann betrat er die Rampe der Fähre, die nur wenige Augenblicke später schloss, sich erhob und im verschneiten Nachthimmel Dubrillions verschwand.



Dubrillion - Orbit - Lambda-Fähre - Agustin
 
[Dubrillion - Dubrillions Norden - Villa "Casa Negro" - Kaminzimmer - allein]

Der Sturm war gekommen, ohne Einladung, ohne Warnung – wie immer auf diesem verdammten Planeten. Lediglich die Gewissheit, dass Dubrillion unter Agustin Prada endlich zur imperialen Ordnung gefunden hatte beruhigte Lucius ein wenig. Und auch der Captain der Imperialen Armee seiner Majestät hatte einen Anteil daran gehabt. Nicht zuletzt für seinen heldenhaften Einsatz im Kampf gegen die Rebellen auf Dubrillion wurde er mit dem Schild des Imperiums ausgezeichnet.

Lucius Black stand an der verglasten Südwand von Casa Negro, der Familienvilla über der den schneebedeckten Ebenen und Bergen des Nordens. Doch heute war etwas anders. Der Sturm brachte keinen Schnee, kein Eis sondern nur Feuchte. Die Temperaturen waren für diese Jahreszeit ungewöhnlich warm, das Wetter ungewöhnlich nass. Regen prasselte auf das Panzerglas, das dick genug war, um jede Außenwelt draußen zu halten. Nur Erinnerung und Gerüchte kamen hindurch.

Dubrillion war nicht gnädig. Aber es war ehrlich. Kein Planet für Träumer, kein Ort für Zufall. Es überlebte, wer verstand. Wer erkannte, wann sich etwas veränderte – und was dies bedeutete. Lucius hatte keine Berichte gelesen, keine direkten Befehle empfangen. Es war nicht so, dass jemand gesprochen hätte. Es war eher... wie eine Lücke im Klang. Eine plötzliche Stille in jenen Kanälen, die sonst vor irrelevanten Details summten.

Eine Lieferung an die Firma, die ausblieb, obwohl sie längst freigegeben war. Ein geplantes Treffen, das verschoben wurde – ohne Ersatz.
Ein alter Kontakt, der im Gespräch langsamer antwortete, vorsichtiger formulierte.

Und dann diese Stimmen. Nebensätze. Halbe Andeutungen.

„Es bewegt sich etwas.“
„Man munkelt... der Raum wird größer.“
„Die Karten sind noch nicht neu gezeichnet – aber jemand hat den Stift schon in der Hand.“

Alles vage. Belanglos, wenn man es oberflächlich betrachtete. Aber Lucius hatte nie an die Oberfläche geglaubt. Er hatte gelernt, das zu lesen, was nicht geschrieben stand. Was zwischen den Zeilen lesbar, oder eher hörbar, war.

Supersektor 8. Nicht ausgesprochen. Nicht bestätigt. Doch die Leere zwischen den Worten sprach für sich. Es wandelte sich etwas, es würde Veränderung geben. Das Imperium war eine mächtige Maschinerie die Durst nach Treibstoff hatte. Das Imperium war das Schild gegen das Chaos der Rebellion, die sich Neue Republik schimpften. Doch das Imperium musste gefüttert werden, sein unstillbares Verlangen nach Rohstoffen befriedigt werden. Das Imperium hatte den Willen, nein die dringende Pflicht, naive Planeten und Systeme zu schützen. Vor der Rebellion. Vor sich selbst.

Er wandte sich vom Fenster ab. Hinter ihm pulsierte das Licht seines Holoterminals in kaltem Blau. Zahlen. Personalprotokolle. Produktionseinheiten. Schürfquoten. Waffenlieferungen. Nichts Auffälliges – und genau das war das Problem.

Wenn eine Flotte sich still verhält, obwohl sie Bewegung braucht – dann bereitet sie sich auf etwas vor. Wenn mehr und mehr Soldaten in den Kasernen trainierten, dann trainierten sie nicht für Paraden.

Lucius ließ sich in seinen Schreibtischsessel sinken, legte die Fingerspitzen aneinander. Sein Blick war kühl. Wach.
Er wusste, was es bedeutete, wenn sich Struktur verschob. Wenn der Imperiale Apparat „neu ordnete“, war das selten bloß Verwaltung. Es war Machtverlagerung. Einflussverschiebung. Und mit jedem neuen Schnitt auf der Karte öffneten sich auch Risse.


Und durch Risse konnte man eindringen. Ein Klopfen. Corona Summer, persönliche Assistenz von Lucius, trat ein – schweigsam, effizient wie immer.

„Nichts Konkretes, Mr. Black“, sagte sie. „Aber... Stimmen. Gespräche auf den Korridoren. Veränderte Routenplanung in mehreren Sektoren.“

Lucius antwortete nicht sofort. Seine Gedanken bewegten sich wie Nebel über kaltem Wasser.

„Sag den Analysten: Ich will eine Schattenkarte. Keine offiziellen Linien – nur Bewegungen. Wer reist, wer schweigt, wer den Ton wechselt.“

Summer nickte, machte kehrt – doch Lucius hielt sie zurück.

„Setze das Reservekapital auf Standby. Wenn diese Unschärfe sich konkretisiert, will ich bereit sein. Kontaktieren Sie die 309., innerhalb von 4 Stunden sollen mindestens drei Züge einsatzbereit sein, wenn nötig. Ach.. und da wäre noch etwas: Schauen Sie bitte nach welcher meiner Kontakte in der Imperialen Verwaltung aktuell 'Gesprächsbedarf' hat.“

Corona Summer schaute Lucius fragend an. „Für was genau, Sir?“ Lucius’ Lippen zuckten kaum merklich.

„Für das, was sie übersehen.“

Denn darin lag der Keim einer Gelegenheit. Wenn sich etwas neu formierte, war es nie perfekt. Es gab Leerstellen. Vakuen. Niemandszonen.
Und genau dort konnte man anknüpfen. Ein System übernehmen, das keiner verteidigte. Einen Markt sichern, den niemand mehr führen wollte.
Eine Offiziersstelle besetzen, die plötzlich frei wurde.

Die Schatten waren nicht nur Bedrohung. Sie waren Deckung. Lucius erhob sich wieder, trat zu einem Schrein in der Wand. Dort lag ein alter Dolch – obsidianfarbener Griff, kühle Klinge. Ein Erbstück, Symbol der Familie. Kein Prunk, keine Gravur. Nur Klarheit. Er hielt die Waffe in der Hand, sah auf die regennassen Fensterscheiben hinaus.


„Sie glauben, sie verschieben Linien“, sagte er leise. „Aber sie öffnen Türen.“

Der Sturm draußen wuchs. Doch im Inneren von Casa Negro war es still. Und im Kopf von Lucius Black begannen die Zahnräder sich zu drehen.

[Dubrillion - Dubrillions Norden - Villa "Casa Negro" - Kaminzimmer - allein]
 
[Dubrillion - Dubrillions Norden - Villa "Casa Negro" - Kaminzimmer - allein]


Die Nachricht hatte Dubrillion wie ein langsam sickerndes Gift erreicht. Noch bevor die offiziellen Kanäle es gesendet hatten, schlich das Gerücht wie ein stiller Schatten durch die Straßen von Dubrillion. Dann, am Abend, die Bestätigung.

Der Imperator war tot.

Ein Anschlag, hieß es. Feige. Heimtückisch. Die Jedi, jene alte, morsche Sekte, hatten zugeschlagen. Heimlich, verborgen, wie Ratten aus der dunklen Kanalisation. Ein letzter Versuch, die Ordnung zu zerreißen. Aber dieser Versuch wird scheitern, genauso wie ihre absurde Ideologie langfristig nicht überdauern wird.

Lucius hatte das Holobild des Imperators lange betrachtet. Nicht aus Trauer. Sondern aus Analyse. Er war ein Symbol gewesen. Eine Konstante. Jetzt war er ein Platzhalter für Chaos; und für Gelegenheit. Imperatrix Lucienne Vendar war nun die neue Konstante für die imperiale Sicherheit. Jüngste der Mächtigen. Kalt. Zielgerichtet. Ihre erste Öffentlichkeitserklärung war ein Versprechen gewesen: Vergeltung, Rache, Ordnung.

Lucius hatte jedes Wort davon begrüßt. Denn ein Imperium, das zurückschlug, würde kaufen. Würde aufrüsten. Würde führen. Und er würde liefern. Doch mehr noch: Er würde teilnehmen. Er wollte nicht nur Waffen schmieden. Er wollte Befehle geben. Seine eigenen Truppen. Seine eigene Agenda. Und dafür brauchte er Einfluss.

Die alten Gerüchte über Supersektor 8 klangen nun wie eine leise Trommel vor dem Sturm. Es hieß, die Grenzen könnten sich verschieben. Neue Systeme integriert werden. Und zwei Namen waren zuletzt immer wieder gefallen: Cirrus und Uba.

Uba war wenig interessant. Kaum von Bedeutung. Doch Cirrus? Cirrus war kaum geschützt. Ein Herzogtum, traditionsverliebt, ohne starke Armee. Aber mit Rohstoffen. Mit Land. Mit Symbolkraft.

Lucius hatte es analysiert. Ein mäßiger militärischer Vorstoß würde genügen. Vielleicht auch nur eine Blockade mit entsprechender propagandistischer Wirkung auf diesen Zwergen zwischen den Großmächten. Die Zustimmung der neuen Regierung, oder zumindest des Großmoffs, wäre der Schlüssel.

Er aktivierte das Holoterminal erneut. Die Verbindung zum Myto-Sektor stand bereit. Seine alte Bekanntschaft Agustin Prada war als Moff neu im Amt, ehrgeizig, machthungrig und sicherlich an einem guten Deal interessiert.
Ms. Summer, seine Assistentin, hatte angeboten, die Gratulation zu übermitteln. Doch Lucius hatte abgelehnt.

Ein Mann wie Prada verdiente es persönliche Gratulationen von alten Weggefährten zu erhalten. Noch dazu, wenn beide Seiten dies direkt mit geschäftlichen Gesprächen verbinden konnten.


Die Kamera schaltete sich ein. Lucius richtete sich auf. Die Uniform makellos. Die Augen: eiskalt. Die Stimme: ruhig wie Stahl.


-- HOLOGRAM-NACHRICHT AN @Agustin Prada --
-- Verschlüsselt --


„Moff Prada. Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem kürzlichen Aufstieg. Die Black Corporation wünscht Ihnen Klarheit, Durchsetzungskraft und langes Leben. In der Hoffnung, dass wir uns alsbald erneut austauschen können. Es gibt Regionen nahe des Achten Supersektors, die... ungeschützt wirken. Vielleicht braucht es dort Initiative. Und Verantwortung. Sie wissen ja, ich bin stets bereit beides für die imperiale Ordnung zu übernehmen. “


Er lächelte. Kurz. Hart.

Ach.. und Ich möchte Ihnen ganz persönlich meine Hochachtung aussprechen und hoffe Sie finden gefallen an der kleinen Aufmerksamkeit. Ich freue mich bereits jetzt auf unsere nächste Unterhaltung.“



-- ENDE DER HOLOGRAM-NACHRICHT --
Die Verbindung wurde getrennt. Lucius trat zurück ans Fenster. Ohne sich umzudrehen oder seine Assistentin weiter zu beachten deutete Lucius auf seinen Schreibtisch.

„Der Moff soll ihn mit der Nachricht erhalten.“

Auf dem massiven Schreibtisch lag in einer hochwertigen Holzkiste das Geschenk: Ein Schmuckdolch aus Aurodium und Onyx, handgefertigt in den Werkhallen seiner Familie. Wertvoll. Tödlich. Ein Symbol für seine Bereitschaft, für den bevorstehenden Krieg und die Fähigkeit von Black Corp. zu liefern. Insbesondere Waffen.

Draußen tobte der Sturm. Drinnen, in Casa Negro, begann der Krieg bereits. In Gedanken und in Planung. In Klingen, die noch nicht gezogen waren, aber bereits aufblitzten. Lucius Black würde nicht warten, bis er gerufen wurde. Er würde sich selbst das Kommando nehmen.


[Dubrillion - Dubrillions Norden - Villa "Casa Negro" - Kaminzimmer - mit Ms. Summer]
 
Dubrillion – Crystall City – Moff-Residenz – Strategieraum – Agustin, zwei Moffs (Holo), Großmoff Rimora (Holo), Clerks/Sicherheitskräfte

Die "neue alte" Residenz war noch nicht vollkommen "sein". Nicht in dem sentimentalen Sinn, in dem manche Beamte von Besitz sprachen, wenn sie sich selbst beruhigen wollten. Sie war nicht viel mehr als ein Werkzeug – gebaut, um Entscheidungen zu beschleunigen und Widerspruch zu ersticken. Agustin stand am Panoramafenster des Strategieraums und ließ den Blick über Crystall City gleiten. Dubrillion war stets ein Planet gewesen, den man nicht liebte, sondern nutzte – und Agustin nutzte ihn schon seit Jahren besser als jeder vor ihm.

Hinter ihm summten die Projektorsäulen im Leerlauf. Zwei Störfeldgeneratoren hingen wie schwarze Metallspinnen in den Ecken der Decke, ihre Anzeigen in einem ruhigen Takt pulsierend. Ein Clerk – jung, blass, sorgfältig geschniegelt – trat näher, ohne den Abstand zu unterschreiten, der in dieser Residenz zur zweiten Natur geworden war.


"Verschlüsselung aktiv. Die Holo-Verbindung wird in dreißig Sekunden eröffnet, Moff.“

Agustin nickte knapp. Er strich den Ärmel seiner Uniform glatt und trat an den runden Konferenztisch und dessen dunkel polierte Oberfläche. Die Säulen erwachten. Erst flimmernd, dann kristallklar. Drei Projektionen zeichneten sich ab: Großmoff Jory Rimora. Links und rechts davon zwei Moffs – ebenso nicht physisch anwesend, aber dennoch im Raum spürbar. Agustin stieß wohl als letzter in die Konferenz, denn der Grandmoff sprach ihn direkt an. Seine Stimme kam ohne weitere Verzögerung.

"Moff Prada, Moffs. Wir verlieren Zeit.“

Durch exekutive Gewalt ließ sich alles vervielfachen; Geld, Militärmacht, Staatsgewalt. Doch Zeit war das einzige Gut, das selbst das galaktische Imperium nicht drucken konnten. Agustin erwiderte keine Begrüßung. Er nickte nur und es war genug. Rimora ließ keine Einleitung zu. Bilder erschienen in der Luft – Nachrichten, Lagekarten, Flottenrouten, ein Standbild des imperialen Thronsaals, das bereits Geschichte war. Der Tod Imperator Allegious’ war längst kein Gerücht mehr, sondern ein Fakt, der bereits in die ersten Befehle gegossen worden war. Die Ernennung Lucienne Vendars zur Imperatorin – ein Übergang, der in anderen Zeiten Monate an Intrigen gefressen hätte, nun aber wie ein chirurgischer Schnitt vollzogen worden war - genauso, wie von den Verschwörern geplant. Und die Neue Republik: nicht mehr das moralische Gegenstück, das sich in Rhetorik flüchtete, sondern ein Akteur, der die Initiative ergriffen hatte.

"Kashyyyk ist der Auftakt. Die Neue Republik testet unsere Reaktionsfähigkeit, Reichweite und Entschlossenheit. Der Frieden von Umbara ist beendet, egal ob sie es bereits zugeben oder nicht.“

Agustin beobachtete die beiden anderen Moffs, während Rimora sprach. Der eine wirkte wie ein Mann, bei dem das Wort Krieg offensichtlich einen Urinstinkt auslöte. Der andere hielt eine disziplinierte Miene, aber seine Finger zuckten an seinem Datenpad – eine kleine, verräterische Bewegung, die von Nervosität zeugte. Der Bastioner selbst verspürte keine Nervosität. Rimora wechselte die Projektion. Der galaktische Norden. Routen. Sprungpunkte. Und dazwischen – wie Steine in einem Fluss – neutrale Welten.

"Birgis, Bimmiel, Ciutric sind nur einige neutrale Welten, deren strategischer Nutzen unermesslich sein wird: Die Republik wird diese Korridore nicht nutzen, denn ihr Dogma lässt es nicht zu. Ihr Völkerrecht ist eine Leine, an der sie sich selbst führt. Das ist unser entscheidender Vorteil.“

Ein kurzer, stiller Moment entstand – nicht aus Unklarheit, sondern aus Erkenntnis.

"Die imperiale Flotte benötigt raschen Durchlass. Ohne Verzögerungen und ohne öffentliche diplomatische Zwischenfälle.“

Rimora machte eine minimale Pause.

"Und ohne dass die Republik einen Vorwand erhält, die neutralen Welten offen in ihren Block zu zwingen.“

Agustins graublaue Augen ruhten auf den Routenlinien. Dieser Transit war unter Umständen die Differenz zwischen einem schnellen Sieg und einem Krieg, der Jahre andauern und unzählige Ressourcen binden würde. Es war der Schlüssel zu einem Blitzschlag, der dem Imperium die Vorherrschaft über den galaktischen Norden einbringen würde - und Agustin und anderen Interessenten dem Ziel näher bringen würde, das imperiale Machtzentrum sukzessive vom galaktischen Kern in seinen Einflussbereich zu verlagern. Dann erschien eine vierte Projektion – nicht zentral, sondern leicht hinter Rimora versetzt, als wäre sie bewusst in die zweite Reihe gestellt worden. Mehrere Gestalten in dunkler, formeller Kleidung, einige mit dezenten Zeichen ihrer Zugehörigkeit. Durch seine Erfahrung und sein Studium des Ordens wusste Agustin bereits, womit er es zutun hatte: dem Zirkel der Inquisitoren.

Ein Teil der imperialen Verwaltung hätte bei ihrem Anblick instinktiv den Atem angehalten und sich bedroht gefühlt, doch nicht der Moff des Myto-Sektors. Er hatte zu oft erlebt, wie Furcht Entscheidungen vernebelte und wie nützlich eine Klinge war, wenn man sie richtig führte. Sith waren keine Ammenmärchen und nicht seine Feinde. Sie waren Werkzeuge – gefährlich, ja, aber nicht unberechenbar, wenn man verstand, nach welchen Regeln sie spielten

Eine der Gestalten – eine Frau - neigte den Kopf in einer höflichen Geste. Rimoras Stimme blieb ungerührt, als hätte er die Reaktionen im Raum längst einkalkuliert.


"Der Zirkel der Inquisitoren, der diplomatische Arm des Ordens. Sie werden Sie begleiten und unterstützen – diskret, effizient und mit den Mitteln, die ihnen zur Verfügung stehen.“

Er ließ einen Moment vergehen, nicht um Fragen zuzulassen, sondern um den Satz wirken zu lassen. Agustin registrierte, wie sich die Mienen der beiden anderen Moffs minimal verhärteten. Kein offener Protest, keine Worte – nur jene kaum sichtbare Spannung an Kiefer und Schultern, die verriet, dass sie Einwände hatten, sich jedoch nicht trauten, sie in Rimoras Gegenwart auszusprechen.

Agustin ließ den Blick über die Holo-Silhouetten gleiten. Er brauchte die beiden nicht bloßzustellen, ihre Untätigkeit tat dies im Grunde schon.


"Ausgezeichnet“

Sagte er schließlich, und seine kalte Stimme war ruhig und frei von jedem Zögern.

"Dann sind unsere Erfolgsaussichten so gut wie lange nicht mehr.“

Er lehnte sich kaum merklich nach vorn.

"Die Republik wird zögern und debatieren. Sie wird auf Statuten, Komitees und Präzedenzfälle warten, bis ihr eigener Apparat sie gelähmt hat. Wir hingegen werden handeln.“

Seine Augen glitten wieder zu den Routenlinien.

"Mit der Unterstützung des Zirkels werden wir Türen öffnen, die sonst verschlossen bleiben und Widerstände identifizieren, bevor sie zu Hindernissen werden. Ich erwarte nicht nur Durchlass. Ich erwarte, dass wir aus dieser Mission mit mehr zurückkehren als einem Transitkorridor: mit Einfluss, Verpflichtungen – und einer neuen geschaffenen Realität im galaktischen Norden. Die Republik wird die Front dort schon verloren haben, bevor der Krieg offiziell startet."

Er hielt inne, gerade lang genug, um den Satz in den Köpfen der anderen arbeiten zu lassen.

"Großmoff, Sie werden die gewünschten Ergebnisse schon bald erhalten.“

Die Projektionen standen still. Die Inquisitoren blieben stumm, reglos wie Schatten. Der Grandmoff nickte zufrieden, ebenso die beiden anderen Sektor-Herrscher, wenn auch für Kenneraugen mit sichtbarem Widerwillen. Die Würfel waren also gefallen...

Dubrillion – Crystall City – Moff-Residenz – Strategieraum – Agustin, zwei Moffs (Holo), Großmoff Rimora (Holo), Inquisitoren (Holo) Clerks/Sicherheitskräfte
 
Dubrillion – Dubrillion Heart – Provisorische Moff-Residenz – Arbeitszimmer – Agustin, Abella

Die vergangenen Tage und Wochen hatte Agustin fast ausschließlich damit verbracht, seine neu gewonnene Macht im Myto-Sektor zu konsolidieren. Seine Ernennung zum Moff hatte ihm auf dem Papier mit einem einzigen Zug die uneingeschränkte administrative Gewalt über einen essentiellen Sektor des imperialen Nordens übertragen, doch Agustin wusste aus eigener Erfahrung nur zu gut, dass formale Autorität und tatsächliche Macht zwei grundverschiedene Dinge waren. Entsprechend hatte der Bastioner kaum einen Stein auf dem anderen gelassen, seitdem er die Nachfolge seines gestürzten Vorgängers angetreten hatte.

Die alte Sektorverwaltung war gestrafft und in wesentlichen Teilen neu organisiert worden. Ressorts waren zusammengelegt, Zuständigkeiten neu verteilt und einige jener Beamten aus ihren Positionen entfernt worden, deren Loyalität gegenüber der alten Führung der Bastioner für zweifelhaft hielt. Mit Tavik Drayson hatte er einen erfahrenen Mann für die militärischen Angelegenheiten eingesetzt, während Lira Vex die wirtschaftliche Neuordnung und die anstehende Verstaatlichung strategisch bedeutender Teile von Myto-Industries koordinierte. Frank Clanton kontrollierte Innere Sicherheit und Justiz und Veyris Korrhan wachte als Leiter der Staatskanzlei darüber, dass die verschiedenen Teile dieses neu geschaffenen Apparats nicht wieder in jene bürokratische Selbstständigkeit verfielen, die Agustin zutiefst verachtete. Und die Konstruktion nahm mit jeder Stunde mehr Gestalt an. Aber ob sie auch ohne ihren Architekten funktionierte, war eine andere Frage.

Agustin hatte sich in den vergangenen Wochen viel zu häufig selbst dabei ertappt, Entscheidungen an sich zu ziehen, die längst einer der Sector Adjutanten hätte treffen können. Nicht etwa, weil er diesen Männern und Frauen grundsätzlich die notwendige Kompetenz absprach. Im Gegenteil. Er hatte sie gerade deshalb ausgewählt, weil sie in ihren jeweiligen Bereichen zu den Fähigsten gehörten, die ihm zur Verfügung standen. Dennoch fiel es ihm schwer, einen Vorgang aus der Hand zu geben, solange er wusste, dass er ihn selbst kontrollieren konnte. Langfristig war das so nicht tragbar. Der Myto-Sektor war zu groß, seine wirtschaftlichen und militärischen Verflechtungen zu komplex und die kommenden Herausforderungen zu bedeutend, als dass sein gesamter Regierungsapparat davon abhängig sein durfte, dass Agustin persönlich jede relevante Entscheidung überprüfte. Ein effizienter Herrscher hatte keinen Apparat zu erschaffen, der ihm ständig Arbeit abnahm, nur um sie anschließend wieder auf seinen Schreibtisch zu legen.

Er hatte vor, eine fein geölte Maschine zu bauen, die auch ohne seine unmittelbare Anwesenheit funktionierte. Gerade jetzt. Denn während Agustin auf Dubrillion seine Macht konsolidierte, hatte sich die politische Lage innerhalb weniger Wochen dramatischer verändert als in den Jahren seit dem Frieden von Umbara. Die Geschehnisse auf Bastion hatte er mit größter Aufmerksamkeit verfolgt.
Allegious war tot, getötet durch Jedi der Neuen Republik auf imperialem Boden, und mit Lucienne Vendar hatte eine neue Imperatorin den Thron bestiegen. Noch ehe sich die neue Machtkonstellation im Reich vollständig hatte festigen können, war die nächste Nachricht eingetroffen. Die Neue Republik hatte ausgerechnet jene Initiative ergriffen, die zahlreiche Strategen jahrelang beinahe selbstverständlich dem Imperium zugeschrieben hatten, und militärische Operationen gegen das imperial regierte Kashyyyk begonnen. Für Agustin kam diese Entwicklung nur in ihrer Geschwindigkeit überraschend, aber nicht in ihrer Richtung.

Er hatte Aren gegenüber bereits lange zuvor prognostiziert, dass ein erneuter großer Krieg nicht zwangsläufig mit den gewaltigen Flottenkonzentrationen des Inneren Kerns beginnen würde. Die eigentliche Dynamik lag an den äußeren Grenzen, auf jenen Welten, deren Verteidigung schwächer, deren politische Verhältnisse instabiler und deren strategische Möglichkeiten wesentlich weniger festgefahren waren. Kashyyyk mochte noch weit von Myto entfernt liegen, doch der republikanische Angriff hatte eine Grenze überschritten, die sich kaum wiederherstellen ließ.

Der Frieden von Umbara existierte vielleicht noch auf irgendwelchen Dokumenten, aber politisch und faktisch war er genauso tot wie der
Imperator, der vor Wochen noch auf dem Thron gesessen hatte. Ein totaler galaktischer Krieg stand unmittelbar bevor. Und diesmal gedachte Agustin nicht, ihn aus der zweiten Reihe zu beobachten.

Etwas mehr als eine Woche blieb ihm noch, bis auch seine eigene Ernennung öffentlich in jenes Bild gegossen werden würde, das er für angemessen hielt. Dubrillion Heart bereitete sich bereits auf seine offizielle Amtseinführung vor. Große Teile der Hauptstadt würden für diesen Anlass abgeriegelt werden, Einheiten der planetaren Streitkräfte und des imperialen Militärs probten seit Tagen für eine gewaltige Parade und selbst Großmoff Jory Rimora wurde zur eigentlichen Zeremonie erwartet. Es würde der vorläufige Abschluss jener Machtübernahme sein, die auf Yaga Minor begonnen hatte. Bis dahin wollte Agustin allerdings wissen, was seine neue Verwaltung tatsächlich wert war.

Er saß am späten Abend hinter dem breiten Schreibtisch seines Arbeitszimmers und betrachtete die Zusammenfassung der letzten Ressortberichte, während hinter den Panoramafenstern die Lichter Dubrillion Hearts das Gebirgstal erhellten. Seine Uniformjacke hing über der Lehne eines benachbarten Sessels und die obersten Knöpfe seines Hemdes waren geöffnet. Auf dem Tisch stand eine Tasse Tee, deren Inhalt mittlerweile eine Temperatur erreicht hatte, bei der selbst Agustin keine Veranlassung mehr sah, davon zu trinken.

Als Abella den Raum betrat, hob er deshalb zunächst lediglich den Blick. Die Corellianerin hatte sich mittlerweile wohl oder übel daran gewöhnen müssen, dass selbst die privaten Bereiche der neuen Moff-Residenz innerhalb weniger Wochen zu Erweiterungen seines Amtssitzes geworden waren. Datenpads lagen auf Beistelltischen, ein gesichertes Kommunikationsterminal war installiert worden und selbst während gemeinsamer Abende kam es regelmäßig vor, dass irgendein Adjutant mit einer Angelegenheit an ihn herantrat. Abella betrachtete zunächst den Schreibtisch und anschließend Agustin, ehe sie mit einem leichten Lächeln feststellte, dass sie inzwischen beinahe vergessen habe, wie er ohne ein Datenpad in der Hand aussehe. Agustin beendete den Absatz, den er gerade gelesen hatte, bevor er das Gerät deaktivierte.

"Wenn Du mich lediglich von der Arbeit abhalten möchtest, muss ich Dich enttäuschen. Ich hatte mir vorgenommen, heute wenigstens noch die Berichte von Präfekt Nakcohh über Destrillion durchzugehen."

Er deutete auf einen der freien Sessel vor seinem Schreibtisch, während Abella nähertrat. Inzwischen wusste er nur allzu gut, dass die Frau über einen Verstand verfügte, der den vieler fetter und dekadenter Verwalter übertraf, doch darum sollte es hier nicht gehen. Denn dass sie etwas Bestimmtes und ihn nicht beraten wollte, war für ihn nicht besonders schwer zu erkennen. Die Corellianerin erklärte ihm schließlich, dass auf Truuine in einigen Tagen die Gala der Gesellschaft zur Förderung der schönen Künste und imperialer Kultur stattfinden würde. Eine der größeren Veranstaltungen dieser Art, mit zahlreichen Gästen aus der imperialen Oberschicht, der Wirtschaft, Politik und selbstverständlich den Kreisen, in denen Abella selbst seit Jahren verkehrte. Lady Adrianna hatte ihr davon erzählt und dabei auch erwähnt, dass
Aren ebenfalls von der Partie sein würde.

Bei diesem Namen hob Agustin sofort aufmerksam den Blick.

"Aren nimmt daran Teil?"

Abella bestätigte es und fügte mit sichtlichem Amüsement hinzu, dass sie sich bereits gedacht habe, spätestens damit sein Interesse geweckt zu haben. Agustin quittierte die Bemerkung mit einem schmalen Schmunzeln. Seine Begeisterung für Kunstveranstaltungen hielt sich tatsächlich in Grenzen, doch die Gesellschaft, die sich dort versammelte, war eine andere Angelegenheit. Noch interessanter war die Aussicht,
Aren nach den turbulenten vergangenen Wochen persönlich zu sprechen. Seit seiner Aufnahme in den Ritter-Orden hatten sie nur sporadisch Kontakt gehalten und sich nicht mehr persönlich getroffen. Vor allem aber kam Abellas Vorschlag zu einem bemerkenswert passenden Zeitpunkt. Agustin lehnte sich zurück und verschränkte die Hände vor sich.

"Eigentlich hatte ich ohnehin vor, Dubrillion vor der Amtseinführung noch für einige Tage zu verlassen. Im kommenden Monat werde ich dem Sektor für mehrere Wochen den Rücken kehren müssen und bis dahin möchte ich wissen, ob mein Verwaltungsapparat tatsächlich bereits so zuverlässig funktioniert, wie es gegenwärtig den Anschein hat."

Die Aussage brachte Abella offenbar dazu, ihn etwas überraschter anzusehen. Agustin erhob sich daraufhin und trat an eines der großen Fenster. Tief unter ihm bewegten sich die Gleiter durch die Prachtstraßen der Hauptstadt, während sich am Horizont die dunklen Silhouetten der umliegenden Berge abzeichneten.

"Ich habe die letzten Wochen damit verbracht, eine Verwaltung aufzubauen, die nach meinen Vorstellungen funktionieren soll. Als ich mein Ressort auf Sektorebene leitete, konnte ich ja quasi frei walten und schalten, was Klaasen in letzter Konsequenz zum Verhängnis wurde. Jeder Sector Adjutant besitzt nun klare Kompetenzen und weiß, was ich von ihm erwarte."

Für einen Augenblick schwieg er und betrachtete die Stadt.

"Trotzdem lande ich jeden Abend wieder vor einem Berg aus Entscheidungen, von denen die Hälfte niemals bei mir hätte ankommen dürfen. Und bei der anderen Hälfte mische ich mich vermutlich ein, obwohl sie auch ohne mich gelöst worden wäre."

Dass Agustin selbst dies eingestand, war vermutlich bemerkenswerter als die Erkenntnis an sich. Er wusste sehr genau um seine eigene Neigung, Kontrolle nur widerwillig abzugeben. Langsam drehte er sich wieder zu Abella. Nur mit ihr teilte er derartige Gedanken. Dann zeigte sich ein kaltes, zufriedenes Schmunzeln auf seinem Gesicht.

"Also gut. Wir reisen nach Truuine."

Abella schien für einen Moment beinahe enttäuscht darüber zu sein, dass sie wesentlich weniger Überzeugungsarbeit leisten musste als erwartet, und merkte an, dass sie eigentlich mit einer längeren Diskussion gerechnet hatte. Agustin ging zurück zu seinem Schreibtisch und nahm das Datapad mit seinem Terminplan zur Hand. Kurz hielt er inne und sah Abella mit leicht erhobener Braue an. Sie hatte nach und nach eine Freundschaft zur Verlobten Arens aufgebaut und ein paar gemeinsame Tage mit ihr auf dem aquatischen Planeten zu verbringen, würde ihr mit Sicherheit gut tun, um den ganzen Trubel auf Dubrillion zumindest für eine kurze Zeit hinter sich zu lassen. Er aktivierte das Kommunikationsterminal auf seinem Schreibtisch und ließ eine Verbindung zur Staatskanzlei herstellen. Wenige Augenblicke später erschien Veyris Korrhans Stimme aus dem Gerät.

"Euer Exzellenz?"

Agustin nahm wieder hinter seinem Schreibtisch Platz.

"Veyris, bereiten Sie für morgen früh eine Sitzung sämtlicher Sector Adjutanten vor. Ich werde Dubrillion anschließend für einige Tage verlassen und bis zu meiner Rückkehr keine gewöhnlichen Ressortangelegenheiten mehr bearbeiten."

Am anderen Ende entstand eine kurze Pause. Korrhan wusste vermutlich bereits, dass der zweite Teil dieser Anweisung für seinen notorisch kontrollierenden Vorgesetzten wesentlich ungewöhnlicher war als irgendeine kurzfristig angesetzte Reise. Agustin fuhr entsprechend fort.

"Sie werden die Verwaltung während meiner Abwesenheit koordinieren. Sorgen Sie dafür, dass meine Adjutanten meine Abwesenheit nicht zum Anlass nehmen, ihre Grenzen auszutesten, aber lassen Sie ihnen freie Hand, solange sie spuren. Ich möchte ausschließlich dann kontaktiert werden, wenn meine persönliche Autorisierung gesetzlich erforderlich ist, Unsinn veranstaltet wird oder eine Entwicklung von unmittelbarer Bedeutung für die Sicherheit des Sektors eintritt."

Er ließ die Worte einen Moment wirken. Korrhan bestätigte die Anweisung und erkundigte sich anschließend nach dem Ziel seiner Reise. Agustin warf einen kurzen Blick zu Abella.

"Truuine. Die Gesellschaft zur Förderung der schönen Künste und imperialer Kultur veranstaltet dort eine Gala."

Erneut entstand eine merkliche Pause. Abella konnte sich ein leises Lachen nicht verkneifen, das sie nur notdürftig hinter vorgehaltener Hand verbarg

"Gibt es dazu eine Frage?"

"Nein, Euer Exzellenz. Sie können beruhigt verreisen."

"Gut. Informieren Sie die notwendigen Sicherheitsstellen, aber verzichten Sie auf eine öffentliche Ankündigung. Und nehmen Sie keinen Kontakt mit dem Büro der Sektorverwaltung des Prefsbelt-Sektors auf. Wenn Moff Vayliuar ebenfalls dort sein wird, sehe ich keinen Grund, ihm unsere Ankunft vorher mitzuteilen."

Nachdem Korrhan auch diese Anweisung bestätigt hatte, beendete Agustin die Verbindung und wandte sich wieder Abella zu.

"Damit wäre das geklärt."

Die Corellianerin musterte ihn einige Augenblicke und stellte schließlich fest, dass er vermutlich der einzige Mann im Imperium sei, der aus einem gemeinsamen Besuch auf einer Kunstgala einen Test seines Verwaltungsapparates machen konnte. Agustin griff wieder nach seinem Datapad.

"Alles eine Frage der Effizienz, meine Teuerste“

Ein schmales Lächeln zuckte über sein Gesicht, ehe er das Gerät wieder aktivierte. Der Bericht über Destrillion wartete.


Dubrillion – Dubrillion Heart – Provisorische Moff-Residenz – Arbeitszimmer – Agustin, Abella
 
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