Mr. Smith geht nach Washington
Frank Capra - James Stewart, Jean Arthur
Der Film
Mr. Smith geht nach Washington ist stellenweise ziemlich pathetisch. Und trotzdem ist er erstaunlich aktuell. Im Kern geht es um einen politischen Neuling, der in ein korruptes System gerät und sich weigert, seine Überzeugungen aufzugeben, ein Thema, das heute auf das Trump-Amerika bezogen noch wesentlich aktueller anmutet als 1939.
Gerade angesichts von Diskussionen über Lobbyismus und politische Einflussnahme trifft der Film noch immer einen Nerv. Der große Unterschied zu vielen modernen Politfilmen liegt im Ton: Während heute oft Resignation dominiert, hält dieser Film daran fest, dass ein Einzelner etwas bewirken kann.
Dass das überhaupt funktioniert, liegt zu einem großen Teil an James Stewart. Er spielt Jefferson Smith nicht als strahlenden Helden, sondern zunächst fast ein bisschen unbeholfen und unsicher. Genau das macht die Figur glaubwürdig. Man nimmt ihm ab, dass er in dieser politischen Welt eigentlich fehl am Platz ist.
Im Laufe des Films verändert sich das spürbar. Stewart zeigt sehr fein, wie aus dieser Unsicherheit langsam Entschlossenheit wird. Besonders in den Senatsszenen trägt er den Film fast allein: Man sieht ihm die Erschöpfung an, hört sie in der Stimme und glaubt trotzdem jede Sekunde an seinen Willen durchzuhalten.
Natürlich merkt man dem Film sein Alter an. Manche Figuren sind ziemlich eindeutig gezeichnet, und der Pathos ist nicht jedermanns Sache. Aber gerade Stewarts Spiel sorgt dafür, dass das nicht kippt. Seine Figur bleibt menschlich, mit Zweifeln und Schwächen, und wirkt dadurch nie wie eine bloße Symbolfigur.
Unterm Strich ist der Film kein realistischer Politthriller, sondern ein Film, der an Haltung und Prinzipien glaubt.