Klassiker, die ihr empfehlen könnt

So etwas wie Metropolis und Birth of a Nation, aber auch den kürzeren Nosferatu musste ich etappenweise schauen, und hätte ich ohne diese Möglichkeit wohl irgendwann einfach abgebrochen.
Bislang habe ich die genannten Filme noch nicht gesehen. "Nosferatu-Symphonie des Grauens" steht aber bei mir bald an, da ich mir den Film vor ungefäh nen halben Jahr auf Bluray gekauft habe und mein Ungesehenstapel merklich schrumpft, nähert sich der Zeitpunkt zur Erstsichtung.
 
Wenn die Gondeln Trauer tragen

Nicolas Roeg - Donald Sutherland, Julie Christie

Im Mittelpunkt steht ein Ehepaar (Donald Sutherland und Julie Christie), das nach Venedig reist und dort in eine zunehmend seltsame und leicht unheimliche Situation gerät. Viel mehr sollte man vorher wirklich nicht wissen, weil der Film stark davon lebt, wie sich das alles entwickelt.

Was ihn besonders macht, ist weniger die Handlung als die Stimmung. Der Film ist ziemlich ruhig, aber gleichzeitig baut sich die Spannung ganz unterschwellig auf. Man hat die ganze Zeit das Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt.

Auch die Erzählweise ist ungewöhnlich. Es wird nicht alles erklärt, manches wirkt erstmal rätselhaft oder offen. Man muss sich ein bisschen darauf einlassen und selbst mitdenken.

Und Venedig spielt eine große Rolle: Die Stadt wirkt hier überhaupt nicht idyllisch, sondern eher kühl, leer und ein bisschen bedrückend. Das passt perfekt zur Atmosphäre des Films.

Wenn man keinen klassischen Horror mit vielen Schreckmomenten erwartet, sondern eher etwas Ruhiges, Unheimliches mit Nachwirkung, dann lohnt sich der Film. Mir ist er nie aus den Sinn gegangen.
 
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Rendezvous nach Ladenschluss

Ernst Lubitsch - James Stewart, Margaret Sullavan
Zwei Angestellte in einem kleinen Geschäft in Budapest können sich nicht leiden. Gleichzeitig schreiben sie sich Briefe und verlieben sich ineinander, ohne zu wissen, wer der jeweils andere ist. Aus dieser einfachen Idee entsteht etwas sehr Besonderes.

Der Film lebt von seinem Ton. Der Humor ist ruhig. Vieles wird nur angedeutet. Gleichzeitig schwingt immer etwas Melancholie mit. Es geht um Einsamkeit, um Erwartungen und um die kleinen Hoffnungen im Alltag.

James Stewart spielt zurückhaltend und sehr menschlich. Margaret Sullavan bringt genau die richtige Mischung aus Stolz und Verletzlichkeit mit. Zusammen funktionieren die beiden sehr gut, gerade weil es zwischen ihnen auch Reibung gibt.

E-Mail für Dich ist ganz stark von diesem Film geprägt. Die Grundidee ist im Kern dieselbe, nur wurde sie in die Zeit von E-Mails und Buchhandlungen übertragen. Wenn man beide kennt, sieht man die Parallelen sofort.

Bemerkenswert ist, wie zeitlos das alles wirkt. Im Kern ist es eine Geschichte über das Verlieben über Worte hinweg. Heute wären es Nachrichten statt Briefe, aber das Prinzip ist das gleiche.
 
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Taxi Driver

Martin Scorsese - Robert De Niro, Jodie Foster

Travis Bickle ist einer, der aus dem Krieg zurückkommt, keinen Platz mehr findet und langsam innerlich zerbröselt. Und das passiert nicht laut und spektakulär, sondern eher schleichend. Diese Mischung aus Einsamkeit, Ekel und Wut kriecht einem beim Zuschauen ziemlich unangenehm unter die Haut.

Der Film zeigt New York wie eine einzige kaputte Welt. Alles wirkt dreckig, irgendwie moralisch entgleist. Und mittendrin dieser Typ, der meint, er müsste jetzt Ordnung schaffen. Das ist das eigentlich Unheimliche. Seine guten Absichten kippen komplett ins Gewaltfantasieren. Man merkt, dass das Retten nur ein Vorwand ist.

Robert De Niro spielt das unfassbar intensiv. Nicht geschniegelt, nicht cool, sondern einfach roh. Man will den Typen nicht mögen, aber man kann sich ihm auch nicht entziehen.

Ist definitiv kein Film für nebenbei. Aber wenn man sich drauf einlässt, bleibt der hängen. Wirklich hängen.
 
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Es geschah in einer Nacht

Frank Capra - Clark Gable, Claudette Colbert
Reiche, ziemlich verwöhnte Erbin haut ab, landet plötzlich mitten im normalen Leben (und zwar im Amerika der Depression), trifft auf einen abgehalfterten Reporter. Die beiden können sich erst nicht ausstehen, schließen dann aber notgedrungen einen Deal und klar, daraus entwickelt sich mehr.

Was den Film stark macht, ist dieser Mix: Er ist leicht und witzig, hat aber gleichzeitig Bodenhaftung. Man merkt ständig, dass die Figuren eigentlich mit ziemlich realen Problemen zu tun haben – Geld, Jobverlust, soziale Unterschiede. Trotzdem wird der Film nie schwer oder moralisch, sondern bleibt locker und lebendig.

Clark Gable und Claudette Colbert liefern sich einen Schlagabtausch, der Spaß macht. Das wirkt nicht wie „alte Schauspielerei“, sondern erstaunlich direkt und frisch.

Tempo: Kein zäher Klassiker, sondern ein Film, der läuft. Dialoge sitzen, Szenen kommen schnell auf den Punkt, kein unnötiger Ballast.
 
Sein Mädchen für besondere Fälle

Howard Hawks - Cary Grant, Rosalind Russell
Man merkt zwar sofort, dass er aus einer anderen Zeit kommt, aber das Tempo und die Dialoge sind teilweise so schnell, dass viele moderne Komödien dagegen richtig behäbig wirken.

Eine Top-Journalistin will eigentlich aus dem Job raus und heiraten. Dummerweise ist ihr Ex-Mann gleichzeitig ihr Chef und der setzt alles daran, sie im Geschäft (und bei sich) zu halten. Was daraus entsteht, ist ein ziemliches Chaos aus Intrigen, Eifersucht und einer ziemlich zynischen Medienwelt.

Was den Film wirklich trägt, sind die Dialoge. Die Leute reden nicht einfach miteinander, sie fallen sich ständig ins Wort, drehen sich gegenseitig die Sätze um und feuern Pointen raus, dass man manchmal gar nicht hinterherkommt. Das wirkt wie ein perfekt kontrolliertes Durcheinander. Und genau das macht den Reiz aus.

Cary Grant ist dabei in Höchstform. Skrupellos, charmant bis zur Schmerzgrenze. Aber eigentlich ist Rosalind Russell mindestens genauso stark. Ihre Figur ist kein Anhängsel, sondern komplett auf Augenhöhe, vielleicht sogar die eigentliche treibende Kraft. Das fühlt sich für einen Film von 1940 erstaunlich modern an.

Inhaltlich geht es nebenbei auch um Politik, Korruption und eine drohende Hinrichtung, aber das ist fast schon Nebensache. Wichtiger ist dieses permanente Gegeneinander der Figuren, dieses Tempo, dieses Gefühl, dass alle ständig einen Schritt voraus sein wollen.
 
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Mr. Smith geht nach Washington

Frank Capra - James Stewart, Jean Arthur

Der Film Mr. Smith geht nach Washington ist stellenweise ziemlich pathetisch. Und trotzdem ist er erstaunlich aktuell. Im Kern geht es um einen politischen Neuling, der in ein korruptes System gerät und sich weigert, seine Überzeugungen aufzugeben, ein Thema, das heute auf das Trump-Amerika bezogen noch wesentlich aktueller anmutet als 1939.

Gerade angesichts von Diskussionen über Lobbyismus und politische Einflussnahme trifft der Film noch immer einen Nerv. Der große Unterschied zu vielen modernen Politfilmen liegt im Ton: Während heute oft Resignation dominiert, hält dieser Film daran fest, dass ein Einzelner etwas bewirken kann.
Dass das überhaupt funktioniert, liegt zu einem großen Teil an James Stewart. Er spielt Jefferson Smith nicht als strahlenden Helden, sondern zunächst fast ein bisschen unbeholfen und unsicher. Genau das macht die Figur glaubwürdig. Man nimmt ihm ab, dass er in dieser politischen Welt eigentlich fehl am Platz ist.

Im Laufe des Films verändert sich das spürbar. Stewart zeigt sehr fein, wie aus dieser Unsicherheit langsam Entschlossenheit wird. Besonders in den Senatsszenen trägt er den Film fast allein: Man sieht ihm die Erschöpfung an, hört sie in der Stimme und glaubt trotzdem jede Sekunde an seinen Willen durchzuhalten.

Natürlich merkt man dem Film sein Alter an. Manche Figuren sind ziemlich eindeutig gezeichnet, und der Pathos ist nicht jedermanns Sache. Aber gerade Stewarts Spiel sorgt dafür, dass das nicht kippt. Seine Figur bleibt menschlich, mit Zweifeln und Schwächen, und wirkt dadurch nie wie eine bloße Symbolfigur.

Unterm Strich ist der Film kein realistischer Politthriller, sondern ein Film, der an Haltung und Prinzipien glaubt.
 
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