Harry und Sally
Rob Reiner - Billy Crystal, Meg Ryan
Alles beginnt mit einer Autofahrt von Chicago nach New York. Sally ist organisiert, optimistisch und in manchen Dingen fast schon pedantisch. Harry ist eher das Gegenteil. Ein bisschen zynisch, ein bisschen desillusioniert, aber auch witzig und ehrlich auf eine Art, die manchmal weh tut. Schon auf dieser Fahrt wird klar, dass die beiden völlig unterschiedlich ticken. Besonders bei der Frage, ob Männer und Frauen befreundet sein können. Harry sagt nein, Sally widerspricht. Und genau an dieser Frage arbeitet sich der Film dann über Jahre hinweg ab.
Das Besondere ist, dass der Film sich Zeit lässt. Er springt durch verschiedene Phasen im Leben der beiden, zeigt sie in Beziehungen mit anderen Menschen, zeigt Enttäuschungen, Trennungen und diese seltsamen Momente, in denen man sich selbst nicht ganz versteht. Dadurch wirkt die Entwicklung zwischen Harry und Sally nie konstruiert. Man hat eher das Gefühl, zwei echten Menschen beim Älterwerden zuzusehen.
Was den Film wirklich trägt, sind die Dialoge. Die Gespräche sind witzig, manchmal ziemlich direkt, manchmal auch überraschend verletzlich. Es geht ständig um Beziehungen, aber nie auf eine nervige oder belehrende Weise. Eher so, wie man selbst mit Freunden darüber spricht, wenn es gerade kompliziert ist.
Natürlich gibt es auch diese eine Szene, die jeder kennt. Die im Restaurant. Sie ist laut, sie ist ein bisschen drüber, aber sie passt perfekt in den Film, weil sie genau das zeigt, worum es immer wieder geht. Missverständnisse zwischen Männern und Frauen, Selbstbilder, Erwartungen. Und nebenbei ist sie einfach verdammt lustig.
Was auch auffällt, ist, wie gut die beiden Hauptdarsteller miteinander funktionieren. Meg Ryan hat etwas unglaublich Sympathisches. Und Billy Crystal schafft es, diesen leicht nervigen Zyniker so zu spielen, dass man ihn trotzdem mag. Zusammen ergeben sie ein Paar, das man gerne beobachtet, gerade weil sie nicht perfekt sind.
Auch die Nebenfiguren fühlen sich nicht wie Beiwerk an. Freunde, die zuhören, kommentieren, manchmal selbst ihre eigenen Geschichten mitbringen. Dazu kommen diese kleinen Einschübe, in denen ältere Paare erzählen, wie sie sich kennengelernt haben. Das klingt erst mal wie ein Gimmick, gibt dem Film aber eine zusätzliche Ebene. Plötzlich geht es nicht nur um diese eine Beziehung, sondern um Liebe ganz allgemein.