Mon Calamari (Calamari-System)

| Outer Rim | Calamari-Sektor | Calamari-System | Dac | Coral City | The Deep Current |
Ylsara Adinara und Senator Hendrey


Aus dem Streit am Nebentisch war eine handfeste Auseinandersetzung geworden. Stühle wurden zurückgeschoben, Stimmen überschlugen sich und zumindest einer der Streithähne schien der Meinung zu sein, dass sich die politische Ansicht besser mit Fäusten vertreten ließ. Ylsara wandte den Kopf gerade, um das alles verfolgen zu können, als Hendrey bereits aufstand und sich vor sie schob. Diese unerwartet heldenhafte Geste überraschte sie dann doch. Tatsächlich war er also ein Mann, der gerne große Worte benutzte und ihnen dann auch noch Taten folgen ließ. Beinahe selbstverständlich hatte er sich nun zwischen sie und das Handgemenge begeben. Viel Zeit, dieses Gebaren zu würdigen, blieb ihr allerdings nicht. Noch bevor Sicherheitskräfte des Lokals und der Senatoren herbeieilten, flog bereits ein Teller. Erstaunlich zielstrebig bahnte er sich eine Flugbahn durch das Deep Current, direkt auf den mannesstarken Beschützer zu, der sich vor Ylsaras Tisch aufgebaut hatte. Aber die Gefahr eines schmutzigen, fliegenden Tellers war dann doch zu viel und brachte den Beschützerinstinkt des Senators an seine Grenzen. Hendrey duckte sich weg. Ylsara blieb viel zu wenig Zeit, dasselbe zu tun.

Der Teller traf sie stumpf an der Stirn, prallte dort ab und zerschellte mit einem hellen Klirren auf dem Boden. Die Togruta taumelte mit geschlossenen Augen und zur Stirn erhobenen Händen ein paar Schritte zurück. Sie benötigte einige Augenblicke, um überhaupt zu begreifen, was gerade geschehen war. Das würde eine große Beule hinterlassen. Zudem schien sich irgendeine Fischpaste, die sich auf dem Teller befunden hatte, nun auf ihrer Nase zu befinden. Ihr fassungsloser Blick fiel dann zunächst auf die Scherben zu ihren Füßen und schließlich zu Hendrey, der bereits auf dem Weg zum Hinterausgang war. Er sah sich nicht einmal um, um zu überprüfen, ob ihr Ausweichmanöver ähnlich erfolgreich wie seiner gewesen war. Es war ein Sicherheitsmann, der sie packte und zackig zwischen den anderen Sicherheitskräften hinter Hendrey an der Wand entlang in Richtung Ausgang beförderte. Irgendwer fummelte ihr mit einem Tuch im Gesicht herum, offenbar um die Reste des Essens zu entfernen, die würdelos auf ihrem Gesicht zurückgeblieben waren.

Als sie das unmittelbare Konfrontationsgebiet hinter sich gelassen hatten, wandte Hendrey sich letztendlich an sie. Darum.

Sie musste zugeben, selbst in dieser Situation hatte er einen Punkt gefunden. Es war schon fast zu passend. Noch vor wenigen Minuten hatten die beiden darüber gesprochen, dass politische Niederlagen wieder akzeptiert werden mussten und Gewalt keine Option sein durfte. Und schon prügelten sich wenige Meter neben ihnen Bürger der Republik wegen eines Krieges, der kaum einen Tag alt war. Auf Druckenwell war dieselbe Entwicklung längst erheblich weiter fortgeschritten und hatte elementarere Gründe. Was aber auch bedeutete, dass dort längst keine Teller mehr flogen, sondern Blasterbolzen.


„Die Galaxis hätte Ihnen kaum eine passendere Antwort liefern können“, stellte Ylsara fest, während sie noch immer ein Auge unter Schmerzen zupresste. Trotz der Situation lag hörbar eine gewisse Belustigung in ihrer Stimme. „Ich hätte aber bevorzug, wenn Sie in diesem Fall tatsächlich standhaft vor mir, statt an meiner Seite gewesen wären. Falls es Sie im Nachhinein interessiert: Der Teller hat mich getroffen.“

Eigentlich hätte sie sich ärgern müssen. Sie tat es aber nicht.

„Ich fand es trotzdem ehrenhaft, wie Sie sich schützend vor mich gestellt haben.“

Nachdem sich die Tür hinter ihnen geschlossen hatte, blieb vom Tumult nur noch gedämpftes Stimmengewirr übrig. Der rückseitige Zugang des Deep Current war schmucklos, kaum repräsentativ. Aber auch das war passend. Gedämpftes blaugrünes Licht fiel hier auf den schmalen Verbindungskorridor, während Ylsara die Gelegenheit nutzte, ihre Kleidung genauer zu betrachten und einen kleinen Fleck mit ihren Fingern zu entfernen. Es hätte schlimmer kommen können.

„Wenn Sie mir helfen wollen, zu verhindern, dass auf Druckenwell weiterhin genau dasselbe passiert, nur mit Blastern statt Tellern, werde ich Sie beim Wort nehmen. Den Rest finden wir vermutlich noch heraus. Wir sollten das wiederholen. Also das Gespräch. Nächstes Mal in einer weniger tumultgefährdeten Umgebung vielleicht. Dann suchen Sie aber den Ort aus. Wenn ich beim nächsten Mal wieder mit Geschirr beworfen werde, wissen wir zumindest, dass es nicht an meiner Restaurantwahl lag.“

Ein breiteres Lächeln trat auf ihre Züge. Trotz diesem Ende war das Treffen besser verlaufen, als sie erwartet hatte.

| Outer Rim | Calamari-Sektor | Calamari-System | Dac | Coral City | außerhalb des The Deep Current |
Ylsara Adinara und Senator Hendrey
 
Dac / Coral City / außerhalb des The Deep Current / Senator Jon Hendrey, Senatorin Ylsara Adinara

Jon brauchte einen kurzen Moment, um zu begreifen, dass der Teller tatsächlich nicht ihn, sondern Ylsara getroffen hatte. Natürlich. Warum war ihm das nicht aufgefallen? Innerlich verzog er das Gesicht, doch äußerlich hielt er die Fassung, wie er es immer tat.

"Für das Protokoll, Senatorin: Ich war Quarterback. Ich warf Bälle und fing sie nicht"

Ein flüchtiges, entschuldigendes Lächeln huschte über sein Gesicht, ehe es wieder ernster wurde.

"Trotzdem hätte der Teller Sie nicht treffen dürfen. Das tut mir leid."

Sein Blick wanderte zu der Beule an ihrer Stirn.

"Brauchen Sie einen Med-Droiden? Ein Kühlpad? Meine Security hat sicher etwas dabei. Ich würde ungern zulassen, dass unser erstes Treffen Ihnen ausgerechnet deshalb in Erinnerung bleibt."

Einer seiner Sicherheitsleute öffnete bereits ein kleines Notfallset, hielt sich aber dezent im Hintergrund. Jon wartete einen Moment, bis er sicher war, dass sie sich zumindest wieder gefangen hatte. Als die
Senatorin schließlich auf ihre gemeinsame Zusammenarbeit zurückkam, fiel es ihm deutlich leichter, den Faden wiederzufinden. Das war wieder Politik und die verstand er. Zumindest oberflächlich, was meistens genügte.

"Dann nehmen Sie mich beim Wort"

Seine Stimme gewann wieder an Festigkeit.

"Über den Antrag, den Fonds und alles Weitere werden wir sprechen. Ich werde meinen Teil dazu beitragen."

Er nickte überzeugt.

"Verbündete findet man in der Politik selten. Meistens findet man nur gemeinsame Interessen. Ich habe heute den Eindruck gewonnen, dass wir vielleicht beides gefunden haben. Umso besser, denn Demokratie und Freiheit verteidigt man nicht durch höflichen Smalltalk in den Fluren des Senats. Man verteidigt sie durch Bündnisse mit Rückgrat."

Das gefiel ihm. Es klang gut, schon wieder sehr staatsmännisch.

"Und natürlich wiederholen wir dieses Treffen"

Nun kehrte sein charmantes Politiker-Lächeln zurück.

"Allerdings suche das nächste Mal besser ich das Restaurant aus"

Er hielt ihr mit einer höflichen Geste den Weg zum wartenden Gleiter frei.

"Ich würde ungern riskieren, dass unsere strategische Partnerschaft noch an einem zweiten Handgemenge in aller Öffentlichkeit scheitert."

Dac / Coral City / außerhalb des The Deep Current / Senator Jon Hendrey, Senatorin Ylsara Adinara
 
// Outer Rim /\ Calamari-Sektor /\ Calamari-System /\ Orbit um Dac /\ Werftanlagen /\ Captain Reyess Korrill, Werftmitarbeiter und weitere Personen \\​


Reyess Korrill betrachtete die Trident of Ruisto schon eine ganze Weile, bevor jemand neben ihm den Mut fand, die Stille zu unterbrechen. Der Sternenkreuzer lag zwischen den gewaltigen Armen der orbitalen Werft über Dac. Zwölfhundert Meter Mon-Calamari-Schiffbau, alt genug, dass Teile seiner Hülle bereits mehrfach ersetzt worden waren. Die jüngste Überholung hatte neue Sensorfelder, erneuerte Schildsysteme und zahlreiche Eingriffe tief im Inneren des Schiffes mit sich gebracht. Trotzdem war sie unverkennbar eine MC80a, kein neues Schiff, ein überholtes. Reyess' goldene Augen wanderten langsam über die Außenhaut. Unterschiedliche Farbtöne verrieten ersetzte Panzerplatten und jüngere Reparaturen zwischen deutlich älteren Sektionen. Neben ihm hielt ein Lieutenant der Werftverwaltung ein Datapad vor der Brust. Er wartete und wartete, schließlich räusperte er sich.
"Captain Korrill?"
Reyess reagierte zunächst nicht. Sein Blick blieb an einer Sektion der Außenhülle hängen.
"Sektion sieben."
"Sir?"
"Die Verkleidung."
Der Lieutenant folgte seinem Blick.
"Was ist damit?"
"Sie ist neu."
"Ja, Sir. Während der Modernisierung wurde—"
"Warum?"
Der Lieutenant verstummte und begann auf seinem Datapad zu suchen. Reyess wartete. Nach einigen Sekunden fand der Mann die entsprechende Meldung.
"Korrosion an drei strukturellen Verbindungspunkten. Die gesamte Platte wurde ausgetauscht."
Reyess betrachtete die betreffende Sektion noch einen Augenblick. Dann nickte er und setzte sich in Bewegung.

Die offizielle Übergabe dauerte sieben Minuten. Davon waren fünf überflüssig. Ein Rear Admiral, zwei Vertreter der Werft und ein ziviler Beamter des Beschaffungsamtes erklärten ihm, dass die Trident of Ruisto nach ihrer Modernisierung wieder vollständig einsatzbereit sei. Reyess unterschrieb die Übergabepapiere. Der zivile Beamte sprach von einem bedeutenden Schritt zur Sicherung republikanischer Interessen. Der Mon Calamari unterschrieb auch das. Als jemand vorschlug, zur Übergabe noch ein offizielles Holo anzufertigen, war der neue Captain der Trident bereits auf dem Weg zum Maschinenraum.

Der Hauptreaktor einer MC80a hatte einen anderen Klang als der einer MC40. Tiefer, schwerer. Die Vibration war selbst durch das Deck zu spüren. Reyess blieb auf einem der Laufstege stehen und legte für einen Augenblick die Hand an das Geländer. Unter ihm bewegten sich Techniker zwischen geöffneten Wartungssektionen. Servicedroiden verschwanden zwischen Leitungen und Aggregaten. Irgendwo schlug Metall gegen Metall. Das war ihm erheblich lieber als der Empfangsraum. Ein junger Techniker lag bis zu den Schultern in einer geöffneten Wartungsöffnung.

"Nein... nein... Hydrospanner."
Eine Hand erschien neben der Öffnung und tastete blind über den Boden. Reyess sah auf die dort verteilten Werkzeuge, nahm den passenden Hydrospanner und legte ihn in die ausgestreckte Hand.
"Danke."
Einige Sekunden später schob sich der Techniker rückwärts aus der Öffnung. Sein Blick wanderte zuerst zum Werkzeug. Dann zu Reyess, weiter zu dessen Rangabzeichen.
"Captain."
Reyess deutete auf die geöffnete Sektion.
"Kühlmittelverteiler?"
"Ja, Sir."
"Primär oder Sekundär?"
"Sekundär."
"Dann zuerst den Bypass schließen."
Der Techniker blickte zurück in die Öffnung.
"Der Wartungsplan setzt den erst danach."
"Der Wartungsplan setzt ein trockenes System voraus."
Reyess deutete mit einer seiner breiten, vernarbten Hände auf die Leitung.
"Das hier ist nicht trocken."
Der Techniker beugte sich wieder hinein, eine kurze Pause, dann leises Fluchen. Reyess ging bereits weiter.
"Bypass zuerst!"
Zumindest einer lernte schnell.

Auf der Brücke war es ruhiger. Die letzten Diagnosen liefen über die Stationen. Navigation, Sensorik und Feuerleitung meldeten nacheinander Bereitschaft. Reyess nahm nicht sofort Platz. Er ging einmal um den Kommandositz herum, legte eine Hand auf dessen Lehne und sah über die Brücke hinweg auf Dac, das blau unter ihnen lag. Dann erst setzte er sich.
Vor ihm erwachte das zentrale Statusdisplay. Die Trident of Ruisto erschien als einzelnes Symbol zwischen den Werftanlagen. Ein Brückenoffizier trat an den Kommandobereich.

"Captain. Die Werft meldet sämtliche Systeme innerhalb der vorgeschriebenen Parameter."
Reyess’ Blick blieb auf den Anzeigen.
"Vorgeschrieben."
"Sir?"
"Das ist nicht dasselbe wie einsatzbereit."
Er öffnete einen Kanal zum Maschinenraum.
"Maschinenraum.“
"Maschinenraum hört."
“Reaktorleistung."
"Dreiundsechzig Prozent. Stabil."
"Schildgeneratoren?"
"Alle sechs online. Reserveschilde getestet und verfügbar."
"Antrieb?"
"Bereit."
Reyess schwieg, noch fehlte etwas. Auf der Brücke war nur das gedämpfte Summen der Konsolen zu hören. Dann meldete sich die Kommunikation.
"Captain, Werftkontrolle bestätigt Freigabe. Sämtliche Halteklammern gelöst. Auslaufkorridor ist frei."
Etwas änderte sich, nicht seine Stimme, nicht seine Haltung. Doch aus der bisherigen Ruhe wurde Bewegung.
"Navigation, Auslaufkurs übernehmen."
"Aye, Captain."
"Maschinenraum, Manövrierleistung."
"Manövrierleistung bestätigt."
"Kommunikation, Werftkontrolle danken. Danach Verbindung schließen."
"Verstanden."

Reyess ließ den Blick über seine neue Brücke wandern. Von diesem Moment an war die Trident of Ruisto seine Verantwortung. Das Schiff, die Besatzung, die sechs Staffeln in ihren Hangars und alles, was mit ihnen hinausfliegen würde. Sein Blick blieb beim Steuermann hängen.
"Steuermann."
Der junge Lieutenant drehte sich zu ihm.
"Sir?"
Reyess blickte durch die Transparistahlscheibe auf Dac und die gewaltigen Strukturen der Werft, dann zurück auf seine Anzeigen.
"Bringen Sie uns raus."
Langsam löste sich die Trident of Ruisto aus den Armen der Werft. Kein neues Schiff, kein modernes Schiff. Ein Arbeitspferd, das für einen weiteren Krieg überholt worden war. Reyess Korrill konnte damit arbeiten.


// Werftanlagen Dac /\ MC80a „Trident of Ruisto“ /\ Auslaufen aus der Werft /\ Captain Reyess Korrill und Brückenbesatzung \\​
 
// Outer Rim /\ Calamari-Sektor /\ Calamari-System /\ Orbit um Dac /\ Sammelpunkt der Eingreifgruppe /\ MC80a „Trident of Ruisto“ /\ Captain Reyess Korrill, Commander Selya Vorr, Brückenbesatzung \\​


Die Werftanlagen lagen bereits weit hinter ihnen, als die beiden Kontakte auf dem taktischen Display erschienen. Reyess Korrill hatte die erste Stunde außerhalb des Docks damit verbracht, sich Berichte geben zu lassen, die niemand für notwendig gehalten hatte, solange die Trident of Ruisto noch fest in den Haltearmen der Werft gelegen hatte. Antriebsleistung unter realer Last. Temperaturentwicklung der Schildgeneratoren. Reaktionszeiten der Steuerdüsen. Verbrauchswerte des Hauptreaktors. Nichts davon war ungewöhnlich gewesen, das war beruhigend. Commander Selya Vorr stand neben dem Kommandositz und betrachtete das taktische Display. Zwei Markierungen bewegten sich aus unterschiedlichen Richtungen auf den vereinbarten Sammelpunkt zu.
"Wavecrest auf Steuerbord voraus. Javelin kommt achtern auf."
Reyess hob den Blick. Die erste Silhouette war deutlich größer. Dreihundertfünfzig Meter Mon-Calamari-Schiffbau, schlank und organisch geformt, wie es sich für eine MC30 gehörte. Die Wavecrest glitt in einigen Kilometern Entfernung langsam in Position. Das zweite Schiff war kaum mehr als ein Bruchteil ihrer Größe, die Javelin. Hundertzwanzig Meter Corellianischer Pragmatismus, auf denen irgendjemand beschlossen hatte, für Panzerung weniger und für Waffen mehr Platz einzuplanen. Reyess betrachtete die beiden Kontakte einen Moment.
"Kommunikation. Verbindung zu beiden Kommandanten."
"Aye, Captain."
Zwei Holofelder erwachten vor dem Kommandobereich. Links erschien ein junger Mon Calamari in republikanischer Uniform. Lieutenant Commander Kel Marr, dreißig Standardjahre alt und seit kurzem Kommandant der Wavecrest.
Rechts baute sich das bläuliche Abbild eines Twi'lek auf. Lieutenant Vesh Taro, neunundzwanzig, Kommandant der Javelin. Keinen von beiden kannte Reyess persönlich, das würde sich ändern müssen.

"Lieutenant Commander Marr meldet die Wavecrest einsatzbereit. Willkommen im Verband, Captain."
"Javelin bereit und auf Position."
Taro brauchte für dieselbe Aussage erheblich weniger Worte. Reyess nickte beiden knapp zu.
"Meine Herren. Ab diesem Zeitpunkt operieren wir als Eingreifgruppe. Standardformation für den Marsch. Wavecrest übernimmt Backbord, Javelin Steuerbord achtern."
Marr reagierte sofort.
"Verstanden."
"Aye, Captain."
Reyess ließ den Blick zwischen den beiden Hologrammen wandern.
"Unsere Befehle sollten inzwischen auch bei Ihnen eingegangen sein."
"Lantillies."
"Beitrittsfeierlichkeiten absichern."
Taro klang, als hätte er gehofft, hinter diesem Satz würde noch etwas interessanteres folgen. Reyess bemerkte es, er kommentierte es nicht.

"Lantillies und Contruum treten der Republik bei. Ein republikanischer Verband sichert das System bereits. Wir verstärken ihn und werden anschließend in die laufenden Operationen Richtung Taanab eingebunden. Bis dahin gilt: Präsenz zeigen, den Orbitalraum sichern und dafür sorgen, dass der politische Teil des Tages ohne militärische Überraschungen auskommt."
Eine kurze Pause.
"Und wenn jemand eine Überraschung versucht?"
Reyess’ goldene Augen lagen einen Moment auf dem Hologramm des Twi'lek.
"Dann wird es unser Teil des Tages."
Ein kaum sichtbares Grinsen huschte über Taros Gesicht. Kel Marr zeigte keines. Reyess konnte mit beiden Reaktionen arbeiten.
"Weitere Einzelheiten nach dem Sprung. Halten Sie Ihre Schiffe innerhalb des Verbandes. Korrill Ende."

Die Hologramme verschwanden. Selya schwieg einige Sekunden.
"Der Lieutenant auf der Javelin wird Ihnen Freude bereiten."
Reyess sah noch immer auf das taktische Display.
"Woran machen Sie das fest?"
"Er sah enttäuscht aus, als Sie sagten, wir sollen den Frieden sichern."
Reyess’ Barteln bewegten sich kaum merklich.
"Dann bekommt er Gelegenheit, Disziplin zu lernen."
"Natürlich."
Sie kannte diesen Ton lange genug, um nicht hinzuzufügen, dass vermutlich beide Seiten etwas lernen würden.

Wenig später lagen alle drei Schiffe in sauberer Formation. Die Trident of Ruisto im Zentrum. Die Wavecrest versetzt an Backbord. Die wesentlich kleinere Javelin auf Steuerbord achtern. Auf der Navigationsdarstellung zog sich die Route wie eine dünne Linie über mehrere Sektoren: von Mon Calamari über Munto Codru und Pakuuni, weiter über Florn und Toola bis nach Quermia. Dort stieß der Kurs auf die große Hyperraumroute und führte über Lianna, Columex, Centares und Orleon weiter nach Lantillies. Knapp drei Standardtage Reisezeit. Genug Zeit, um die neuen Systeme der Trident weiter zu beobachten.
"Navigation. Sprungvektor bestätigen."
"Vektor bestätigt. Erste Etappe programmiert."
"Wavecrest und Javelin?"
"Beide melden Synchronisierung."
Reyess lehnte sich leicht zurück. Das taktische Bild war vollständig, drei Schiffe, drei Kommandanten, ein Auftrag. Mehr brauchte er im Augenblick nicht.
"Sprung auf mein Kommando."
Die letzten Werte liefen über die Anzeigen. Reyess wartete, dann nickte er.
"Jetzt."
Vor den Sichtfenstern verlängerten sich die Sterne. Die Wavecrest verschwand einen Augenblick vor ihnen im Hyperraum, die Javelin unmittelbar danach. Dann wurde auch die Trident of Ruisto vom blauen Wirbel erfasst. Hinter ihnen blieb Dac zurück, vor ihnen lag Lantillies. Und, wenn die strategischen Planer der Republik recht behielten, erheblich mehr als nur eine Beitrittsfeier.


// Hyperraum /\ Kurs Lantillies /\ MC80a „Trident of Ruisto“ mit MC30 „Wavecrest“ und DP20 „Javelin“ /\ Captain Reyess Korrill, Commander Selya Vorr und Besatzungen \\​
 
| Outer Rim | Calamari-Sektor | Calamari-System | Dac | Coral City | Senatsgebäude | Kleiner Sitzungssaal |
Ylsara Adinara


Ylsara seufzte. Eigentlich hatte sie die Tage nutzen wollen, um die kommende Sitzung des Verteidigungsausschusses vorzubereiten. Verteidigungsminister Nunb hatte sich angekündigt und sollte die Regierung in der angesetzten Befragung vertreten. Es war die perfekte Gelegenheit, um den Druckenwell-Antrag unter noch viel größeren Schlagzeilen zu verbergen. In ihrer sorgsam vorbereiteten Strategie hatte sich nun aber ein Problem eingeschlichen. Ein ziemlich bedeutsames Problem. Senator Gui von Mon Gazza wurde aufgrund von Unzulänglichkeiten in den Bewegungen seines Privatkontos kurzerhand abberufen. Damit einhergehend hatte man seine Immunität als Senator aufgehoben. Statt, wie geplant und verabredet, nun Ylsaras Antrag im Ausschuss einzubringen, musste der alte Twi’lek hoffen, nicht wegen Veruntreuung der Gelder seiner Heimatwelt ins Gefängnis zu wandern. Am Ende war es falsch, ihre Erwartungen in jemand so indiskret korrumpierbares wie ihn zu setzen. Eine lehrreiche Erfahrung mehr. Kurzerhand hatte ihr Team also einen neuen Termin mit Senator Darvani arrangiert. Der Senator von Nubia wäre damals ohnehin ihre erste Wahl gewesen. Ihr Treffen hatte aber anfänglich bereits aus termingründen nicht stattfinden können. Ähnlich verhielt es sich nun. Die Absprachen mit Darvani würden erst kurz vor der anberaumten Ausschusssitzung stattfinden können, da Ylsara ihrerseits mit anderen Aufgaben abgelenkt wurde. Das Ganze barg ein gewisses Risiko. Aber was war Politik, wenn nicht das ein oder andere Risiko?

Im Moment musste die Senatorin von Druckenwell sich auf die vor ihre liegende Aufgabe konzentrieren. Der Senat hatte schon vor einer ganzen Weile Beitrittsverhandlungen mit Pantora, einem System aus dem Sujimis-Sektor, weit im galaktischen Süden, aufgenommen. Als damals der Beitrittsausschuss gebildet wurde, war Ylsara noch relativ frisch im Amt. Mit dem Übereifer einer jungen, unerfahrenen Senatorin hatte sie sich als freiwilliges Mitglied gemeldet und wurde – damals für sie überraschend – prompt vom Senat bestätigt. Erst viel später, als die tatsächliche Arbeit losging, hatte sie erkannt, was für einen unnötigen Nebenschauplatz sie sich dort aufgemacht hatte. Der Beitritt Pantoras mochte ein potentiell hochwertiger Zugewinn für die Neue Republik sein, der Mehrwert für Druckenwell hielt sich dabei allerdings sehr in Grenzen. In der Zwischenzeit hatte ein vom Ausschuss einbestelltes Unterhändlerteam des NRDC (New Republic Diplomatic Corps) die Details mit den Pantorianern geklärt. So ziemlich alle Dokumente - es handelte sich hauptsächlich um Sachverständigenberichte, rechtlichen Gutachten und im Vorfeld abgestimmten Verträge - lagen nun vor. Über einem eben solchen brütete die Togruta nun. Als gleichzeitiges Mitglied des Verteidigungsausschusses war es schließlich besonders interessant, welche lokalen Streitkräfte Pantora in Zukunft in die Neue Republik eingliedern würde. Sich mit den vorbereiteten Verträgen zu beschäftigen, war jedoch durchaus eine dröge, trockene Arbeit. Natürlich hätte sie das Ganze auch an ihr Team abtreten und sich hinterher mit Hilfe der wichtigsten Pullet Points informieren lassen können, doch sie hatte gern einen umfassenderen Überblick.
Keinen Zweifel ließ sie derweil daran, dass Senator Hendrey eine solche Arbeitsmethode wählen würde. Originär war er kein gewähltes Mitglied des Ausschusses gewesen. Da der Senator von Mon Gazza aber allem Unglück auf einmal folgend auch noch diesen Platz freigemacht hatte, gab es eine kurzfristige Vakanz. Ylsara hatte auf Bitten des Ausschussvorsitzenden,
Chetlak, Senator des illustren Müllplaneten Raxus Prime, ihre neugewonnenen Kontakte zu Hendrey spielen lassen, um ihn von der Teilnahme am Beitrittsausschuss zu überzeugen. Besonders die Aussicht auf ein paar medienstarke Holo-Fotografien mit einer, wenn man den Berichten glauben konnte, unfassbar attraktiven pantorianischen Botschafterin, schienen ihn am Ende überzeugt zu haben. Die Vermutung lag jedenfalls nahe. Den Platz im Gremium zu besetzen war relativ wichtig gewesen. Darüber hinaus waren nämlich noch zwei weitere Senatoren kurzfristig ausgefallen, für die sich nur in einem Fall Ersatz fand. Teilnehmen würde nun offensichtlich auch Senatorin Delentes von Barancar. Ylsara kannte die andere Togruta flüchtig von den Fluren des Senats und war gespannt darauf, sie aus der Nähe zu erleben.

Botschafterin Vey, die abgesandte Vertreterin Pantoras, würde also auf ein denkbar frisch zusammengewürfeltes, ergo unvorbereitetes Ausschussteam treffen, das sich im Wesentlichen auf die Ergebnisse des diplomatischen Korps verlassen musste. Die Krux war, dass dieser Ausschuss am Ende des Tages einen mehr oder weniger bindenden Vorschlag an den Senat zur Aufnahme Pantoras in die Neue Republik aussprechen sollte. Gründliche Vorbereitung und eine abgewogene Entscheidung waren dafür eigentlich die Grundlage. Naja, in einer perfekten Welt.

Als Ylsara draußen vor dem kleinen, aber repräsentativ eingerichteten Besprechungssaal innerhalb des Senatsgebäudes, Stimmen hörte, sah sie nun endlich von ihrem Datenpad auf. Die Togruta war die erste, die sich eingefunden hatte. Sie konnte nur hoffen, dass die anderen Ausschussmitglieder vor der Botschafterin eintrafen. Immerhin vertraten sie die Neue Republik in dieser Beitrittssache. Der Eindruck musste schon stimmen. Es ärgerte sie schon, dass Chetlak, als Ausschussvorsitzender so spät dran war. In ihrem Verständnis hätte er, neben den Sitzungsdienern, die frische Getränke und Snacks vorbereiteten, der erste in diesem Räumlichkeiten sein müssen. Während sich die Tür öffnete, um wem auch immer Einlass zu bieten, hatte sich die Senatorin bereits erhoben und strich gerade noch Teile ihrer cremefarbenen Robe glatt.



| Outer Rim | Calamari-Sektor | Calamari-System | Dac | Coral City | Senatsgebäude | Kleiner Besprechungssaal |
Ylsara Adinara und ?
 
Zuletzt bearbeitet:
[Hyperraum :: Kurs auf Mon Calamari :: Condor-Yacht Auresse :: Salon] Nashana

Der Bericht über Kashyyyk lag noch geöffnet auf dem Tisch, als sich am oberen Rand des Displays eine neue Nachricht über die anderen Fenster schob. Prioritätsmarkierung des Senats, Beitrittsausschuss Pantora und darunter einige Zeilen, die ziemlich schnell erklärten, weshalb man sich ausgerechnet an sie wandte.

Mehrere Mitglieder waren kurzfristig ausgefallen, für das anstehende Treffen mit der pantorianischen Botschafterin wurde Ersatz benötigt und Nashana befand sich bereits auf dem Weg nach Dac. Sie prüfte die angesetzte Uhrzeit, bestätigte ihre Teilnahme und ließ sich die dazugehörigen Unterlagen übertragen.

Sechs Stunden waren nicht viel, reichten für ein erstes Gespräch aber zumindest aus, um nicht vollkommen unvorbereitet in einem Besprechungssaal zu sitzen. Heute sollte ohnehin noch keine Entscheidung über den Beitritt fallen. Zunächst standen Botschafterin Vey, offene Punkte aus den bisherigen Verhandlungen und die Vorbereitung einer späteren Begutachtung Pantoras auf dem Plan.

Nashana schob die Unterlagen zum Krieg auf ein zweites Fenster und begann mit der Zusammenfassung des bisherigen Verfahrens.

Nach vielleicht zwanzig Minuten fand sie eine Passage zur steuerlichen Zuständigkeit wieder, die sie selbst markiert hatte, und konnte beim besten Willen nicht mehr sagen weshalb. Sie las die beiden Absätze davor noch einmal, ohne dass die Markierung dadurch sinnvoller wurde.

Trissur war wahrscheinlich noch immer wütend auf sie.

Nashana legte das Pad auf den Tisch und stand auf. Inzwischen reichten offenbar schon Begriffe wie Beteiligung, öffentliches Eigentum oder Subventionen, damit ihre Gedanken wieder zu MDS wanderten, und wenn sie pantoranische Finanzfragen danach zu lesen begann, wie sehr sie ihrer eigenen Heimatpolitik ähnelten, brachte sie das auch nicht weiter.

Sie holte sich etwas zu essen, blieb danach eine Weile im hinteren Teil der Auresse und setzte sich erst wieder an die Unterlagen, als ihr Kopf tatsächlich bei Pantora blieb.

Beim zweiten Versuch ging sie nicht noch einmal vorne los. Die Zusammenfassung des diplomatischen Korps hatte sie gelesen und für die verbleibende Zeit interessierten sie vor allem jene Stellen, an denen sich mit dem Beitritt tatsächlich Zuständigkeiten veränderten.

Bei den pantoranischen Streitkräften suchte sie zuerst nach der Grenze zwischen dem, was künftig in republikanische Strukturen überging, und dem, was Pantora für den unmittelbaren Schutz des eigenen Systems behielt. Ebenso wichtig war, ab welchem Punkt ein republikanischer Kommandoweg griff. Die entsprechenden Regelungen verteilten sich über mehrere Anlagen und Nashana musste weder jede Personalstärke noch jede Übergangsfrist kennen, um die Passagen herauszuziehen, bei denen sie später genauer zuhören wollte.

Dass Pantora der Republik beitreten wollte, begrüßte sie grundsätzlich und die Anzahl vorhandener Schiffe änderte daran wenig. Der inzwischen ausgebrochene Krieg gab einigen der vorgesehenen Vereinbarungen allerdings eine andere Unmittelbarkeit als noch zu Beginn der Verhandlungen. Bei den Bestimmungen über gegenseitige Verteidigung und der Unterstellung einzelner Verbände setzte sie einige Markierungen.

Ähnlich sah es bei den Sicherheitsbehörden aus. Nashana interessierte weniger, wie Pantora seine Polizei intern organisiert hatte, als die Stellen, an denen künftig republikanische Zuständigkeit begann. Wo ein Verfahren an die New Republic Security Forces überging, welche Informationen dort verfügbar sein mussten und wie eindeutig dieser Wechsel geregelt war, konnte später wesentlich mehr Ärger produzieren als die meisten organisatorischen Schaubilder in den Anlagen.

Barancar hatte an solchen Übergängen lange genug gearbeitet.

Zwei Stellen wanderten in ihre Notizen für die Begutachtung vor Ort.

Bei den wirtschaftlichen Unterlagen hielt Nashana sich vor allem an die vorgesehenen Hilfen für jene staatlichen Einrichtungen, die erst an republikanische Vorgaben angepasst werden mussten. Dass Mitgliedsabgaben, Steuererhebung und planetare Haushalte irgendwann miteinander in Einklang gebracht werden mussten, überraschte sie wenig. Wenn dafür später allerdings Geld aus einem gemeinsamen Haushalt floss, wollte sie auf Pantora selbst sehen, was damit aufgebaut oder verändert werden sollte.

Bei den Rechtsgutachten begann sie irgendwann nur noch jene Stellen zu öffnen, an denen die Sachverständigen voneinander abwichen. Wo drei Fachleute denselben Absatz für unproblematisch hielten, musste Nashana in den wenigen Stunden bis zum Termin nicht noch einmal beweisen, dass auch sie denselben Text lesen konnte.

Nach etwas mehr als drei Stunden legte sie das Pad weg, duschte, aß noch etwas und schlief eine knappe Stunde.

Als sie wieder in den Salon kam, nahm sie sich die außenpolitischen Anlagen vor.

Bei Orto Plutonia las sie genauer.

Die alte Auseinandersetzung um den pantoranischen Anspruch auf die Eiswelt und die dort lebenden Talz kannte Nashana in groben Zügen. Interessanter war, dass das Verhältnis auch in den aktuellen Unterlagen genügend Raum bekam, um offenbar noch nicht völlig belanglos zu sein. Wenn zwischen Pantora und Orto Plutonia noch etwas offen war, wollte sie wissen was und ob daraus mit einem Beitritt auch für die Republik eine aktuelle außenpolitische Frage wurde.

Die Anlage würde sie bei Vey wieder öffnen.

Kurz vor Ende der Reise wechselte Nashana noch einmal aus den Verträgen in das Hintergrundmaterial zu Pantora. Vor allem an den Bildern der goldenen Gesichtszeichnungen blieb ihr Blick hängen. Familie und Herkunft konnten sich darin noch immer sichtbar ausdrücken, obwohl Pantora längst durch seine gewählten Institutionen und die Pantoran Assembly regiert wurde.

Nashana sah sich einige der Bilder länger an als die zugehörigen Texte.

Als die Auresse schließlich aus dem Hyperraum fiel, hatte sie jedenfalls nichts gelesen, das sie an Pantoras Beitritt grundsätzlich zweifeln ließ.

Dac füllte kurz darauf die Sichtfenster und Nashana ging während des Anflugs ihre Notizen noch einmal durch. Zwei Fragen strich sie, nachdem sie die Antworten in einer Anlage schließlich doch gefunden hatte, andere verschob sie ausdrücklich auf die spätere Begutachtung Pantoras. Danach schloss sie das Pad noch bevor die Auresse auf dem ihr zugewiesenen Terminal des Senatskomplexes aufsetzte.

Bis zum Termin blieb nicht besonders viel Zeit.

Nashana nahm ihre Tasche, verabschiedete sich kurz von ihrem Piloten und war vom Terminal aus innerhalb weniger Minuten mitten im Betrieb des Senatsgebäudes. Mitarbeiter, Delegationen und Sicherheitskräfte bewegten sich durch die breiten Verbindungsgänge, über ihnen wechselten Weganzeigen zwischen Sitzungssälen, Büros und Ausschussbereichen und ihre Akkreditierung lag bereits im System.

Nach einer Kontrolle, einem Aufzug und mehreren Korridoren blieben noch wenige Minuten auf ihrem Chrono. Sie strich im Gehen einmal über den Sitz ihrer Kleidung, überprüfte kurz ihre Tasche und ließ die Tür zum kleinen Besprechungssaal öffnen.

Senatorin Adinara war bereits dort.

Sitzungsdiener richteten noch Getränke und kleinere Speisen her, während die übrigen Plätze leer blieben. Vom Ausschussvorsitzenden war noch nichts zu sehen.

Nashana kannte Ylsara Adinara hauptsächlich aus den Fluren und Sitzungen des Senats. Name, Gesicht und ihre Arbeit für Druckenwell waren ihr geläufig, ohne dass sie sich an ein Gespräch erinnern konnte, das über die üblichen Höflichkeiten zwischen zwei Terminen hinausgegangen wäre.


"Und ich dachte schon ich wäre die letzte..."

Sie trat zu der anderen Togruta hinüber und lächelte, während sie ihr die Hand entgegenstreckte.

„Senatorin Adinara. Wir sind uns bisher, glaube ich, immer nur im Vorbeigehen begegnet. Nashana Delentes, es freut mich Sie auch offiziell kennen zu lernen.“

[Mon Calamari :: Dac :: Coral City :: Senatsgebäude :: Kleiner Besprechungssaal] Nashana und Senatorin Adinara
 
| Outer Rim | Calamari-Sektor | Calamari-System | Mon Calamari | Orbit | Diplomatische Fähre aus Pantora | Talarias Kabine Talaria Vey


Der goldene Verschluss wollte sich ihren Fingern heute offenbar besonders gründlich widersetzen. Talaria hielt das silberweiße Haar mit einer Hand zurück, während sie vor dem Spiegel nach dem kleinen Haken ihres Ohrrings tastete. Beim dritten Versuch fand er endlich seinen Platz. Sie ließ die Hand sinken und betrachtete ihr Spiegelbild mit einem zufriedenen Lächeln.

Durch das Sichtfenster ihrer Kabine fiel bläuliches Licht auf den schmalen Frisiertisch. Dahinter erstreckte sich Mon Calamari, dessen gewaltige Meere unter weißen Wolkenbändern verschwanden und wieder hervortraten. Seit die Fähre den Orbit erreicht hatte, war Talarias Blick immer wieder dorthin gewandert. Auf dem Datenpad neben ihren Haarspangen wartete währenddessen noch dieselbe Seite wie vor einigen Minuten.

Eigentlich hatte sie den letzten Abgleich ihrer Unterlagen abschließen wollen. Nun stand sie bereits wieder am Fenster, die Fingerspitzen auf dessen kühler Einfassung, und betrachtete die gekrümmte Welt unter sich. Irgendwo dort unten lag Coral City. Dort würden die Mitglieder des Beitrittsausschusses zusammenkommen, um über Pantoras Aufnahme in die Neue Republik zu beraten.


Und sie durfte ihre Heimat dabei vertreten.
Bei diesem Gedanken breitete sich ein warmes Glücksgefühl in ihr aus. Über Wochen hatte diese Reise aus Vorbereitungen, Terminbestätigungen und Besprechungen bestanden. Nun konnte sie ihr Ziel durch ein Sichtfenster betrachten. Talaria lächelte unwillkürlich und blieb noch einen Augenblick stehen, ehe sie sich von der Aussicht löste.

Ihr elfenbeinfarbenes Kleid hatte sie bereits angelegt. Der weiche Stoff schmiegte sich an ihren Oberkörper und fiel unterhalb der Taille in weiten Falten bis zum Boden. Sie strich vorsichtig über den Rock, bevor sie den petrolblauen Überwurf von der Rückenlehne ihres Sessels nahm. Vor dem Spiegel legte sie ihn um die Schultern und richtete die goldgesäumten Stoffbahnen aus.

Die Verbindung aus klarer Form und aufwendigen Verzierungen hatte ihr schon bei der Anprobe gefallen. Vergleichbare Muster kannte sie von festlichen Gewändern ihrer Familie und älteren Porträts, die zu Hause hingen. Hier, so weit von Pantora entfernt, empfand sie diese Vertrautheit als beruhigend. Sie musste sich in der Robe kaum anders bewegen als bei den gesellschaftlichen Anlässen, die sie seit ihrer Jugend begleitet hatten.
Den breiten Gürtel schloss sie mit etwas mehr Geduld, als sie zuvor für den Ohrring aufgebracht hatte. Anschließend rückte sie die rautenförmige Schließe in die Mitte und betrachtete prüfend den Sitz des Stoffes. Die Schneiderin hatte gute Arbeit geleistet. Als Talaria einen Schritt zurücktrat, bewegte sich der Rock leicht um ihre Beine, während sein Saum gerade den Boden berührte.

Auf dem Frisiertisch lag ein schmaler Kamm. Sie nahm ihn auf und führte ihn behutsam durch die hellen Strähnen, die ihr über die Schultern gefallen waren. Den größten Teil ihres Haares ließ sie offen. Lediglich die seitlichen Partien fasste sie zurück, um sie mit einer goldenen Spange zu befestigen.
Bevor sie diese anlegte, hielt sie einen Moment inne.

Ihre Mutter hatte ihr das Schmuckstück anlässlich ihrer Ernennung geschenkt. Talaria erinnerte sich noch an das kleine Etui zwischen den Gesprächsunterlagen und daran, wie ihre Mutter es ihr über den Tisch zugeschoben hatte. Zuvor hatten sie beinahe eine Stunde über ihren Auftrag gesprochen. Bei all den offenen Fragen hatte Talaria zunächst angenommen, nun auch noch einen Datenträger mit ergänzenden Dokumenten zu erhalten.
Stattdessen war zwischen ihren Fingern der Schmuck zum Vorschein gekommen.

Die Erinnerung ließ sie schmunzeln.

Vorsichtig befestigte sie die Spange und prüfte ihren Halt. Eine einzelne Locke fiel ihr weiterhin an der Schläfe entlang. Nach einem kurzen Versuch, sie zurückzustreichen, entschied sie, dass sie dort durchaus bleiben durfte.


Ihr Blick glitt über die goldenen Markierungen auf ihren Wangen und ihrer Stirn. Die vertrauten Linien gehörten so selbstverständlich zu ihrem Gesicht wie ihre Augenfarbe. Heute nahm sie sie bewusster wahr. Der Name Vey würde ihr möglicherweise vorausgehen, sobald man sie vorstellte. Für die Mitglieder des Ausschusses mochte er zunächst lediglich der Name einer jungen Botschafterin sein. Auf Pantora verbanden sich damit Generationen öffentlicher Ämter, politische Erfolge und gewiss ebenso viele Entscheidungen, über die man noch immer streiten konnte.

Talaria war mit diesen Geschichten aufgewachsen. Bei Familienessen hatten sich Erinnerungen an verstorbene Verwandte gelegentlich beinahe unmerklich in politische Debatten verwandelt. Schon früh hatte sie gelernt, dass selbst vertraute Personen dieselben Ereignisse sehr unterschiedlich beurteilen konnten. Später hatte ihre Mutter sie zu Terminen mitgenommen, ihr Unterlagen zum Lesen gegeben und sie anschließend nach ihrer Meinung gefragt.

Nun würde sie ihre Antworten ohne den vertrauten Blick vom anderen Ende des Tisches geben müssen.

Beim Abschied hatte ihre Mutter sich zunächst nach den bestätigten Terminen erkundigt und danach, ob Talaria während der Reise auch schlafen würde. Erst als die organisatorischen Fragen erledigt gewesen waren, hatte sie ihre Tochter einen Moment länger festgehalten.

„Du hast dich vorbereitet, Talaria. Hör ihnen zu und nimm dir Zeit für deine Antworten.“

Diesen Rat hatte sie bereits vor ihrer ersten eigenen Präsentation gehört. Damals hatte sie noch geglaubt, jede kurze Pause müsse ihren Zuhörern wie ein Zeichen mangelnder Vorbereitung erscheinen. Inzwischen wusste sie es besser. Ob sie sich heute auch daran halten würde, musste sich allerdings erst zeigen.

Talaria legte den Kamm beiseite und nahm das Datenpad zur Hand.


Die Zusammenstellung war vollständig. Sie hatte die Unterlagen während des Fluges überprüft und die letzten Ergänzungen ihres Teams übernommen. Dennoch beruhigte es sie, noch einmal durch das gegliederte Verzeichnis zu gehen. Hinter den kurzen Zusammenfassungen lagen ausführliche Berichte, Tabellen und Gutachten aus der bisherigen Verhandlungsphase. Viele davon hatte sie mehrfach gelesen, einzelne Abschnitte mit Anmerkungen versehen und offene Fragen mit den zuständigen Stellen auf Pantora besprochen.

Sie öffnete die wirtschaftliche Übersicht. Ihr Blick glitt über die Beschäftigungszahlen, die wichtigsten Handelsbeziehungen und die Angaben zu heimischer Industrie und Rohstoffversorgung. Pantora hatte etwas anzubieten. Zugleich gab es gute Gründe, die Beziehungen zur Neuen Republik zu vertiefen. Talaria kannte die Erwartungen an neue Absatzmärkte, verlässlichere Handelsverbindungen und einen leichteren Zugang zu Technologie und Bildung. Hinter diesen Formulierungen standen Betriebe, öffentliche Einrichtungen und Menschen, deren Möglichkeiten sich tatsächlich verändern konnten.

Mit einer Fingerbewegung wechselte sie zum nächsten Bereich. Dort fanden sich die Unterlagen zu Regierung und Verwaltung, rechtsstaatlichen Garantien und bestehenden Kontrollmechanismen. Berichte über öffentliche Sicherheit, Infrastruktur und medizinische Versorgung folgten. Die militärischen Dokumente hatte sie gesondert abgelegt, gemeinsam mit den vorbereiteten Vereinbarungen zur Eingliederung der pantoranischen Streitkräfte.

Bei Orto Plutonia hielt sie etwas länger inne.

Die Zusammenstellung enthielt Angaben über die dortigen pantoranischen Siedlungen, ihre Versorgung und die wirtschaftliche Bedeutung der erschlossenen Vorkommen. Daneben lagen die Berichte zum gegenwärtigen Verhältnis mit den Talz und den bestehenden Einflussgebieten. Auf den beigefügten Karten wirkten die Grenzen sauberer, als die politische Lage tatsächlich war. Talaria wusste, wie unterschiedlich bereits auf Pantora über die weitere Entwicklung gesprochen wurde.

Für manche waren die Siedlungen vor allem mühsam aufgebaute Lebensorte und notwendige Versorgungsstützpunkte. Andere blickten auf Rohstoffvorkommen, die bislang außerhalb der erschlossenen Gebiete lagen. Die Talz wiederum besaßen eigene Interessen, die sich durch pantoranische Erwartungen kaum erledigen würden.
Sie setzte eine Markierung bei der aktuellen Übersicht. Falls der Ausschuss dieses Thema ansprach, wollte sie die bestehenden Verhältnisse präzise erläutern können. Gerade hier wäre eine zu großzügige Formulierung wenig hilfreich.


Der folgende Abschnitt galt Kunst und Kultur. Bei dessen Vorbereitung hatte sie sich gelegentlich daran erinnern müssen, welchen Umfang eine sachliche Übersicht haben sollte. Es war ihr leichtgefallen, weitere Einrichtungen, Beispiele und mögliche Austauschprojekte aufzunehmen. Das spätere Kürzen hatte erheblich mehr Überwindung gekostet.

Vielleicht ergab sich nach den offiziellen Beratungen eine Gelegenheit, darüber zu sprechen. Talaria würde gern erfahren, welche kulturellen Verbindungen sich jenseits der Verträge entwickeln konnten. Der Gedanke an Ausstellungen, gemeinsame Bildungsprogramme und Begegnungen mit Künstlern anderer Welten gefiel ihr.

Sie wechselte zum Dossier über den Ausschuss.


Die übermittelte Teilnehmerübersicht die Sie vor kurzem erhalten hatte, hatte sie mit kurzen eigene Notizen ergänzt.
Namen, Funktionen und öffentlich zugängliche Informationen standen neben den jeweiligen Porträts.
Ausschussvorsitzenden Chetlak, sowie Senatorin Adinara, Senatorin Delentes, Senator Hendrey, Senator Serris sowie stellvertretender Senator Trembor.

Talaria ging die Namen lautlos durch und betrachtete die Gesichter aufmerksam. Auch den Eintrag zum Vorsitzenden Chetlak rief sie noch einmal auf. Bei den Heimatwelten hatte sie sich auf einige grundlegende Angaben beschränkt, die ihr helfen sollten, beiläufige Erwähnungen einzuordnen.

Bald würde sie diesen Personen gegenübersitzen. Sie fragte sich, wie ihre Stimmen klangen und wer das Gespräch eröffnen würde. Vielleicht war jemand dabei, mit dem sie rasch einen gemeinsamen Anknüpfungspunkt fand. Jedenfalls hoffte sie, dass neben all den notwendigen Fragen auch Raum für ein erstes persönliches Kennenlernen blieb.

Bei der Vorstellung, selbst vorgestellt zu werden, zog sich ihr Magen zusammen.
Talaria senkte das Datenpad und atmete langsam aus. Die Aufgabe war ihr vertraut genug, um sich darauf vorzubereiten. Die Bedeutung dieses Termins ließ sich damit offenbar nur begrenzt beruhigen. Sie spürte ihren Herzschlag deutlicher, als ihr lieb war, und sah zu ihrem Spiegelbild hinüber.

„Vielleicht lässt du sie zur Begrüßung erst einmal zu Wort kommen“, murmelte sie.

Ein belustigtes Lächeln folgte den Worten. Während des Fluges hatte sie sich bereits mehrere mögliche Gesprächsverläufe ausgemalt. Die tatsächlichen Mitglieder des Ausschusses würden gewiss eigene Vorstellungen davon haben, welche Fragen sie zuerst stellen wollten.

Ein dezenter Signalton unterbrach ihre Gedanken. Talaria berührte das Bedienfeld des Kabinenkoms.

„Botschafterin Vey, wir haben die Freigabe zum Anflug auf Coral City erhalten. Bitte nehmen Sie in Kürze Ihren Platz ein.“

„Vielen Dank. Ich bin gleich so weit“
, antwortete sie.

Sie schloss die geöffneten Ansichten und verstaute das Datenpad in ihrer schmalen Dokumententasche. Ihre Legitimation lag im dafür vorgesehenen Fach. Neben den Unterlagen steckte auch ihr kleiner Zeichenblock, den sie während längerer Reisen fast immer mitnahm. Heute würde er vermutlich warten müssen.

An der Tür wandte sie sich noch einmal zum Sichtfenster. Bald würde aus der fernen Welt eine Stadt werden, durch die sie selbst gehen konnte. Talaria nahm die Tasche auf und verließ ihre Kabine mit einem Lächeln.

Wenig später saß sie angeschnallt im Passagierbereich der Fähre. Während des Sinkflugs versuchte sie zunächst, ihre Aufmerksamkeit noch einmal auf den Ablauf des Empfangs zu richten. Der Blick durch das seitliche Sichtfenster machte diesen Vorsatz bald zunichte. Sonnenlicht lag auf einer scheinbar endlosen Wasserfläche, bis sich darunter die ersten Konturen Coral Citys abzeichneten.


Talaria beugte sich unwillkürlich ein wenig vor.

Mit zunehmender Nähe wurden Verkehrswege, Plattformen und die geschwungenen Formen einzelner Gebäude erkennbar. Ihr Blick folgte einer Reihe heller Kuppeln und den Schatten, die sich zwischen ihren Rundungen sammelten. In den Wasserflächen daneben zerfielen ihre Spiegelbilder zu bewegten Linien. Sie stellte sich vor, wie sich diese Formen mit wenigen lockeren Strichen einfangen ließen.

Auf Pantora war ihr Blick daran gewöhnt, zwischen übereinanderliegenden Terrassen und hohen Gebäuden nach freien Sichtachsen zu suchen. Hier verband das Wasser die Ansichten auf eine Weise, die sie am liebsten sofort festgehalten hätte. Ihre Finger ruhten bereits auf der Dokumententasche, bevor sie über den eigenen Impuls lächeln musste.

Später würde sie sich dafür Zeit nehmen. Vielleicht fand sich ein Platz mit Blick auf die Kuppeln, an dem sie eine Weile zeichnen und ein paar Skizzen anfertigen konnte.

Als die Fähre ihren Kurs leicht änderte, glaubte Talaria schließlich jene Anlage auszumachen, die sie von den Aufnahmen ihrer Vorbereitung kannte. Sie betrachtete die näher kommenden Gebäude und dachte an die Personen, die dort auf ihre Ankunft warteten. Das Herzklopfen kehrte zurück, begleitet von derselben erwartungsvollen Freude, die sie schon am Sichtfenster ihrer Kabine empfunden hatte.

Talaria legte die Hände locker in den Schoß und ließ die Schultern sinken. Sie atmete ruhig aus, während die Fähre weiter auf Coral City zusank. Ihre Unterlagen lagen griffbereit neben ihr, und für den Augenblick erlaubte sie sich, einfach auf die Stadt hinabzulächeln.



| Outer Rim | Calamari-Sektor | Calamari-System | Mon Calamari | Coral City | Diplomatische Fähre aus Pantora | Im Landeanflug | Talaria Vey
 
Zuletzt bearbeitet:
I|I Mon Calamari I|I Coral City I|I Speeder-Limousine I|I Richtung Senatsgebäude I|I Vold Trembor und Senatoren I|I
​
Einige Tage hatten genügt, um aus einer Senatssitzung eine Krise und aus einer Krise eine neue politische Ordnung zu machen. Unterhalb der gepanzerten Scheiben der Gleiterlimousine zog Dac City in schimmernden Ebenen vorbei, eine Stadt aus geschwungenen Türmen, gläsernen Kuppeln und organisch wirkenden Hochbauten, deren Architektur selbst dort noch etwas vom Ozean bewahrt hatte, wo kein Tropfen Wasser die Fassaden berührte. Verkehrsströme glitten zwischen den Gebäuden hindurch wie leuchtende Schwärme in einer künstlichen Tiefsee, verschwanden zwischen Verwaltungsbauten und diplomatischen Enklaven und tauchten Sekunden später auf einer anderen Ebene wieder auf. In der Ferne erhob sich der Komplex des republikanischen Senats über die Stadt, monumental und zugleich beinahe schwerelos wirkend, ein steingewordener Anspruch darauf, dass die Geschicke einer halben Galaxis durch Verfahren, Mehrheiten und vernünftige Argumente gelenkt werden konnten.

Vold Trembor
wusste es besser.


Die Republik befand sich seit Tagen in einem Zustand permanenter Erregung. Meldungen von der Front konkurrierten mit Analysen über die Rechtmäßigkeit des Kriegseintritts, Berichte über Flottenbewegungen mit Kommentaren über die Jedi, Wirtschaftsdaten mit patriotischen Appellen, und zwischen all dem kämpften Senatoren, Ministerien, Lobbyverbände und Nachrichtensender darum, ihre jeweilige Interpretation der vergangenen Tage zur allgemein akzeptierten Wirklichkeit zu machen. Der Krieg hatte kaum begonnen, doch die Schlacht um seine Bedeutung tobte bereits mit einer Heftigkeit, die
Vold beinahe faszinierender fand als jede militärische Auseinandersetzung.
Im gedämpften Inneren des Gleiters war davon wenig zu hören. Das tiefe Summen der Repulsoren drang durch den Boden, darüber lag das gleichmäßige mechanische Atmen seiner Maske, während zwischen
Vold und seinem Cousin mehrere holografische Fenster schwebten. Nachrichtenkanäle liefen lautlos nebeneinander her. Schlagzeilen erschienen, vor allem dominiert von Senator Hendrey, wurden verdrängt und durch neue ersetzt. Umfragewerte wanderten über Diagramme. Kurze Ausschnitte aus den vergangenen Senatsdebatten wurden wieder und wieder abgespielt. Katal Ambors Gesicht erschien auffallend häufig darin. Varad Trembor saß Vold gegenüber und betrachtete gerade eine grafische Auswertung, deren Linien seit der verhängnisvollen Senatssitzung eine bemerkenswert eindeutige Richtung eingeschlagen hatten.

„Kazo nennt es eine Konsolidierung des negativen Eindrucks“, sagte Varad schließlich, seine Stimme durch die verzierte Dekompressionsmaske stark verzerrt.

Vold wandte den Kopf nur geringfügig von dem Panorama außerhalb der Gleiterkuppel ab.

„Das klingt höflich.“

„Kazo wird dafür bezahlt, Katastrophen höflich zu formulieren.“

Mit einer Bewegung seiner Finger vergrößerte
Varad eine der Projektionen. Ambor erschien darin während seiner Rede, eingefroren in einem ungünstigen Augenblick, die Augen halb geöffnet, während unter seinem Bild mehrere Kommentare vorbeiliefen. Daneben standen Vergleichswerte aus Metalorn, die sich aus verschiedenen Faktoren wie Zustimmung, Vertrauen, und wahrgenommene Führungsstärke zusammensetzten. Diese Daten waren in Blitzumfragen auf Metalorn zusammengetragen worden, empirisch leicht frisiert. Alle drei waren gefallen. Vold betrachtete die Zahlen einige Sekunden lang.

„Wie schlimm?“

„Schlimm genug, dass die Techno Union ihn persönlich sehen möchte.“


Ein kaum wahrnehmbares Geräusch entwich
Trembors Atemfilter. Tatsächlich formte sich unter der Maske seiner eigenen Dekompressionsmaske der Anflug eines Lächelns.

„Dann haben sie aufgehört, ihm Berichte zu schicken.“

Varads Blick glitt von dem blau schimmernden holografischen Darstellungen zu seinem Cousin.

„Sie haben vor allem angefangen, Berichte über ihn zu verlangen.“

Für einige Sekunden sagte keiner von ihnen etwas. Es war einer jener Sätze, die im politischen Betrieb keiner weiteren Erklärung bedurften.
Der Vorstand der Techno Union hatte
Ambor kurzfristig nach Metalorn zurückbeordert. Offiziell erwartete man einen persönlichen Bericht über den Kriegsausbruch, die Stimmung im republikanischen Senat und die möglichen wirtschaftlichen Folgen einer länger andauernden militärischen Auseinandersetzung sowie geänderte Auftragsbücher im Spiegel der neuen Krise, die auch als Chance dynamischer politischer Lagen gesehen werden konnte. Inoffiziell interessierte man sich mindestens ebenso sehr für Ambors eigene Rolle in den vergangenen Tagen. Seine Rede, seine anschließend hastig veröffentlichten Kurzmitteilungen und die darauf folgenden Banthadung Zyklone im HoloNet hatten Fragen aufgeworfen, die sich nur schwer durch vorbereitete Stellungnahmen beantworten ließen. Vold hatte ihm zu beinahe jedem dieser Fehler geraten und nun übernahm der Skakoaner seine Ausschusstermine.

„Wir sollten ihm helfen“, sagte Vold schließlich, während militärische Gleiter an ihnen vorbeirasten.

Varads Gesicht blieb vollkommen ruhig. Er kannte seinen Cousin lange genug.

„Natürlich.“

„Ich meine es ernst.“

„Das macht mir Sorgen.“


Vold lehnte sich geringfügig zurück, während draußen ein Schwarm kleinerer Gleiter unter ihnen hinwegzog.

„Ambor braucht Verbündete. Also geben wir ihm Verbündete. Wir vermitteln Gespräche mit den Senatoren, die seine verfassungsrechtlichen Bedenken teilen. Wir lassen ihn glauben, dass aus der Kritik am Kanzler eine belastbare parlamentarische Strömung entstehen kann. Je stärker er sich daran bindet, desto eindeutiger wird seine Position.“

Varad verstand sofort.

„Und desto schwieriger wird es für ihn, sie später zu verlassen.“

„Exakt.“

„Während du...?“

Vold sah hinaus zum näher rückenden Senatskomplex.

„Meine Arbeit erledige.“

Varad schnaubte, was zu einer kurzzeitigen Übersteuerung des Vocoders führte, den er manuell mit einem der zahlreichen Dreh- und Stellschrauben an seinem Anzug regulierte.

In diesem Moment öffnete sich über dem Tisch ein weiteres Hologramm. Das längliche Gesicht eines Selkath erschien darin, eingerahmt vom bläulichen Licht der Übertragung. Kazo befand sich offenbar in einem der Kommunikationsräume ihres senatorischen Büros; hinter ihm liefen mehrere Feeds gleichzeitig über die Wände.


„Senator Trembor“, begann der Leitende Kurator für Sendungsbewusstsein mit seiner gewohnt ruhigen Stimme. „Die Auswertung der letzten zwölf Stunden ist abgeschlossen. Ambors persönliche Reichweite bleibt erhöht, allerdings fast ausschließlich durch negative Interaktion. Die Debatte über seine letzten Kurzmitteilungen verliert langsam an Geschwindigkeit.“

„Lassen Sie sie sterben“, antwortete Vold.

„Das war meine Empfehlung.“

„Keine Verteidigung?“, fragte Varad.

Kazos große Augen bewegten sich kurz zu ihm.

„Jede Verteidigung würde die ursprünglichen Beiträge erneut in die Feeds bringen.“


Vold nickte zufrieden. Genau deshalb beschäftigte er den Selkath. Kazo verstand, dass politische Kommunikation häufig weniger damit zu tun hatte, Wesen von etwas zu überzeugen, als zu entscheiden, worüber sie morgen überhaupt noch sprechen würden, wenn ihre gesamte Aufmerksamkeit wie ein Fischschwarm gelenkt wurde.

„Und mein Name?“

„Weitgehend entkoppelt. Ihre Vertretung Ambors im Pantora Ausschuss wird bislang als routinemäßige Folge seiner Rückreise nach Metalorn behandelt.“

„Sorgen Sie dafür, dass es dabei bleibt.“
Eine kurze Pause. „Vorerst.“

Kazo verstand, nickte und das Hologramm erlosch. Vold wandte sich wieder dem Dossier zu, das auf der Tischfläche vor ihm geöffnet lag. Der heutige Termin besaß auf den ersten Blick wenig von der Dramatik der vergangenen Senatssitzung. Es ging um Pantora, den stark besiedelten Mond des Eisplaneten Orto Plutonias. Nach einer längeren Phase diplomatischer Annäherung stand die Welt kurz vor einem möglichen Beitritt zur Neuen Republik. Botschafterin Talaria Vey sollte als Repräsentantin Pantoras die Interessen ihrer Heimat vertreten, während der Ausschuss die Bedingungen einer Aufnahme prüfte und zugleich jene Kontakte schuf, aus denen später politische Mehrheiten entstehen konnten.
Sein Finger glitt durch die holografischen Seiten des Dossiers, während Namen, Welten und politische Zugehörigkeiten vor ihm erschienen. Hinter jedem Namen standen Interessen, hinter jedem Interesse Unternehmen, regionale Abhängigkeiten, persönliche Überzeugungen und jene kleinen politischen Rechnungen, die selten in offiziellen Biografien auftauchten und doch häufiger über Abstimmungen entschieden als jede große Rede. Beim Namen von Senator
Hendrey hielt er kurz inne. Soviel zur Ausschussarbeit fernab der HoloNet Kameradroiden. Es war jedoch eine Gelegenheit mit dem meinungsstarken Politiker ins Gespräch zu kommen und in Erinnerung zu bleiben. Wenn er Ambors Position einnehmen wollte, musste er die Techno Union davon überzeugen, dass er über genügend Gravitas verfügte, um nicht einen neuen Vorgesetzten zu bekommen sondern vom stellvertretenden zum vollwertigen Senator aufzusteigen.

Als der Gleiter schließlich an einer der senatorischen Zufahrten aufsetzte, war der Skakoaner bereits mehrere Schritte weiter. Das Innere des Senatsgebäudes empfing ihn mit einer ganz anderen Atmosphäre als die tobende Kuppel der vergangenen Tage. Die breiten Korridore wirkten gedämpfter, beinahe kühl, obwohl selbst hier die Krise in kleinen Gruppen sichtbar blieb. Mitarbeiter eilten mit Datapads zwischen Büros hindurch, Delegationsmitglieder standen in Nischen zusammen, Gesprächsfetzen über Kashyyyk, Mobilisierung und Haushaltsvollmachten mischten sich mit dem dezenten Summen der Gebäudetechnik. Ein RA 7 Protokolldroide erwartete ihn am Zugang.


„Stellvertretender Senator Trembor. Der Beitrittsausschuss tagt in Konferenzraum Aurek Sieben. Wenn Sie mir bitte folgen möchten.“

Vold folgte dem Droiden durch die geschwungenen Korridore, seine schwere dunkelblaue Robe bewegte sich mit jedem Schritt kaum merklich über den Boden, während die geometrischen Goldstickereien im Licht der Wandpaneele aufschimmerten. Mehrfach begegneten ihnen Mitarbeiter anderer Delegationen. Einige grüßten. Andere blickten einen Moment länger hin, als es reine Höflichkeit verlangt hätte. Er registrierte jeden davon.
Ambor war, wie man auch der Berichterstattung im HoloNet entnehmen konnte, auf Metalorn. Trembor ging zu seinem Ausschuss. Solche Bilder benötigten keinen Kommentar, wenn man sie oft genug sah. Vor dem Konferenzraum blieb der Protokolldroide stehen, öffnete die Tür und trat zur Seite.

„Der Ausschussraum, Senator.“

„Danke.“ entgegnete der Skakoaner der binären Lebensform knapp, bevor er eintrat.

Die Geräuschkulisse des Korridors fiel hinter ihm ab, und für einen Augenblick hörte er lediglich das gedämpfte Zischen der sich schließenden Tür und seinen eigenen, durch die Maske geführten Atem. Der Besprechungsraum war deutlich kleiner als die Senatskuppel und gerade deshalb politisch intimer. Ein länglicher Tisch dominierte das Zentrum, über dessen eingelassener Projektionsfläche bereits das Emblem Pantoras und mehrere vorbereitete Dokumente schwebten. Wasserkaraffen, Datapads und Übersetzungsmodule warteten an den einzelnen Plätzen.

Zwei Togruta waren bereits anwesend und miteinander ins Gespräch vertieft.
Vold blieb einige Schritte vom Tisch entfernt stehen und unterbrach sie aus Höflichkeit nicht. Während er wartete, ordnete er die beiden Frauen den Einträgen seines Dossiers zu, wobei hinter den dunklen Linsen seiner Maske Namen, politische Positionen und wirtschaftliche Verbindungen beinahe automatisch zusammenfanden.
Senatorin
Nashana Delentes musste eine von ihnen sein. Ihre Herkunftswelt verfügte über Schiffswerften, deren Bedeutung über Jahre vernachlässigt worden war, ein Umstand, der ihre politische Haltung zur regionalen Eigenständigkeit für Trembor erheblich interessanter machte als die bloße industrielle Leistungsfähigkeit ihres Systems. In einer Republik, deren Zentrum mit jedem neuen Mitglied weiter anwuchs, würde die Frage, wie viel Entscheidungsmacht bei einzelnen Welten und Sektoren verblieb, zwangsläufig an Bedeutung gewinnen. Delentes vertrat in diesem Punkt eine Haltung, mit der sich arbeiten ließ. Regionale Eigenständigkeit bedeutete weniger zentrale Regulierung, weniger zentrale Regulierung bedeutete größere wirtschaftliche Handlungsspielräume, und größere Handlungsspielräume waren eine Sprache, die Vold seit seiner Kindheit fließend sprach.

Sein Blick wanderte zur anderen Togruta. Das musste
Ylsara Adinara, Senatorin von Druckenwell. Hier wurde die Sache interessanter. Der erste Nichtmensch, der diesen Planeten im republikanischen Senat repräsentierte, war bereits aus politischer Perspektive bemerkenswert und daher im politischen Alltag des Senats keine Eintagsfliege. Für den Skakoaner lag der eigentliche Wert jedoch tiefer in den industriellen Verflechtungen ihrer Heimat. Auf Druckenwell unterhielt BlasTech bedeutende Niederlassungen, und BlasTech gehörte zu jenem wirtschaftlichen Kosmos, in dem die Techno Union ihre eigenen Interessen stets aufmerksam verfolgte. Gleichzeitig verfügte auch die Handelsföderation dort über wichtige Strukturen. Ein Konkurrent auf dem Markt der Droidenherstellung, belastet durch eine Vergangenheit politischer Verstrickungen und dennoch viel zu groß, um ignoriert zu werden. Konkurrenz bedeutete Reibung aber Reibung bedeutete auch Verhandlungsspielraum und das war die eigentliche Währung jedes Ausschusses. Vold blieb höflich auf Distanz und ließ den beiden Senatorinnen Zeit, ihr Gespräch zu beenden, während seine schwarze behandschuhte Hand ruhig auf dem Griff seines Datapads lag. Nach außen wartete dort lediglich der stellvertretende Senator Metalorns darauf, seinen kurzfristig verhinderten Vorgesetzten pflichtbewusst zu vertreten.

Als das Gespräch der beiden Togruta eine natürliche Pause fand, setzte
Trembor sich in Bewegung und trat mit gemessenen Ruhe näher. Die verspiegelten Sicherheitsgläser seiner Atemmaske erwiesen sich dabei als ebenso nützlich wie bei jeder Verhandlung: Sie verbargen vollkommen, welcher der beiden Frauen seine Aufmerksamkeit tatsächlich galt. Vold stellte sich mittig zu ihnen, neigte den Kopf in einer respektvollen, dem höheren senatorischen Rang angemessenen Geste und ließ seinen Blick scheinbar zwischen beiden ruhen.

„Senatorinnen Adinara und Delentes. Vold Trembor, stellvertretender Senator für Metalorn. Es ist mir eine Freude, Ihre Bekanntschaft endlich persönlich machen zu dürfen.“

Die tiefe Modulation seiner Maske verlieh den Worten ihren gewohnt sonoren Nachhall. Erst als beide Frauen auf seine Vorstellung reagiert hatten und damit jede verbleibende Unsicherheit über ihre Identität beseitigt war, würde er sich ihnen einzeln zuwenden. Bis dahin blieb seine Haltung vollkommen offen, die Schultern so ausgerichtet, dass keine der beiden sich lediglich mitangesprochen fühlen musste.

„Senator Ambor bedauert sehr, heute verhindert zu sein. Die Umstände der vergangenen Tage verlangen leider seine Anwesenheit auf Metalorn, weshalb mir die Ehre zufällt, ihn in diesem Ausschuss zu vertreten.“ Eine behandschuhte Hand legte sich vor die goldene Brustplatte, begleitet von einer zweiten, kaum merklichen Verbeugung. „Ich hoffe, Sie werden mir nachsehen, dass Sie heute mit seinem Stellvertreter vorliebnehmen müssen.“

Dann richtete Trembor sich wieder zu seiner vollen Größe auf und ließ den beiden Senatorinnen mit einer offenen Bewegung seiner behandschuhten Hand den Vortritt, ohne seine Position zwischen ihnen vorschnell aufzugeben. Hinter den verspiegelten Gläsern seiner Maske wartete er aufmerksam auf ihre Erwiderung.

I|I Mon Calamari I|I Coral City I|I Senatsgebäude I|I Kleiner Besprechungssaal I|I Vold Trembor, Senatorin Nashana und Senatorin Adinara I|I​
 
Dac / Coral City / Senatsgebäude / Kleiner Besprechungssaal / Senator Jon Hendrey, Ylsara Adinara, Nashana Delentes, Vold Trembor

Jon Hendrey hatte sich auf diesen Termin vorbereitet. Zumindest in jenem großzügigen Verständnis von Vorbereitung, das darin bestand, auf dem Weg vom War Room - seinem Büro - zum Sitzungssaal drei zusammenfassende Absätze auf einem Datapad zu überfliegen, zweimal nachzufragen, ob Pantora nun der Planet oder der Mond war und sich von Maren mit einer Geduld, die bereits gefährlich nah an Gewaltlosigkeit grenzte, erklären zu lassen, dass Orto Plutonia nicht Orto Plutonium hieß. Pantora. Beitritt. Sujimis-Sektor. Diplomatische Annäherung. Botschafterin Vey: attraktiv, sie aber professionell behandeln. Keine Freiheitsrede vor der ersten Wortmeldung.

Der Termin war zu kurzfristig gekommen, um ihn mit jener Sorgfalt vorzubereiten, die sein Team gern als unverzichtbar bezeichnete und Jon gern als nervöses Herumgeflatter betrachtete. Ein Platz im Beitrittsausschuss war frei geworden,
Senatorin Adinara hatte den Kontakt hergestellt und wenn die Neue Republik in Zeiten des Krieges über die Aufnahme einer weiteren freien Welt beriet, dann war es selbstverständlich nur angemessen, dass Jon Hendrey an diesem Tisch saß. Dass dabei auch einige medienwirksame Bilder mit einer pantorianischen Botschafterin möglich waren, war kein Beweggrund. Höchstens ein angenehmer Nebeneffekt republikanischer Verantwortung.

Als sich die Tür zum kleinen Besprechungssaal öffnete, betrat Jon den Raum mit der ruhigen, breitschultrigen Selbstverständlichkeit eines Mannes, der selbst in einem Ausschussraum wirkte, als sei das Licht auf ihn ausgerichtet. Dunkelblauer moderner Anzug, heller Kragen, makellos sitzendes Haar, ein Lächeln, das öffentlich zugänglich und privat ein wenig zu überzeugt war. Sein Blick erfasste den Raum in schneller Folge: länglicher Tisch, vorbereitete Datapads, Wasser, Übersetzungsmodule, zwei
Togruta, ein Skakoaner mit Maske.

Zwei Togruta...das war ungünstig.
Ylsara Adinara kannte er. Selbstverständlich kannte er sie. Sehr gut sogar, jedenfalls gut genug, um gemeinsam aus einem Restaurant evakuiert worden zu sein. Er trat auf die nächststehende Togruta zu und hob bereits die Hand.

"Senatorin A-"

Sein Blick glitt eine Spur weiter. Dort stand die andere Togruta.
Ylsara. Die tatsächliche Ylsara. Die Frau, die ihn sehr wahrscheinlich noch immer an jenen Teller erinnern würde, den er nicht gefangen hatte. Jon Hendrey vollbrachte in diesem Moment eine der anspruchsvollsten politischen Bewegungen seiner bisherigen Laufbahn: Er bog mitten im Wort ab und rettete sich elegant.

-"ah. Senatorin Delentes, nehme ich an."

Er sagte es mit der vollkommenen Sicherheit eines Mannes, der selbstverständlich genau diese Wendung beabsichtigt hatt und ergriff ihre Hand mit höflicher, kontrollierter Festigkeit.

"Jon Hendrey, Senator von Eriadu. Es freut mich. Barancar hat, wie ich höre, ein bemerkenswertes Gespür für Übergänge zwischen lokaler Verantwortung und republikanischer Struktur."

Das war einer der Sätze aus dem Datapad gewesen. Er wandte sich anschließend mit einem etwas wärmeren, vertrauteren Lächeln der anderen Togruta zu.

"Senatorin Adinara"

Diesmal stimmte der Name.

"Ich sehe, Sie waren wieder einmal vorbildlich früh. Ich hoffe, dieses Treffen entwickelt sich in jeder Hinsicht friedlicher als unser letztes."

Das Lächeln blieb charmant genug, um den Hinweis als harmlosen Scherz zu tragen. Dann fiel sein Blick auf den
Skakoaner. Die Maske, die dunklen Gläser, die ruhige Haltung und die schwere Robe machten aus Vold Trembor eine Erscheinung, die Jon spontan als Skurrilität einordnete. Er wusste allerdings genug, um Metalorn und die Techno Union nicht wie irgendeine Fußnote zu behandeln. Außerdem war Ambors Name in den vergangenen Tagen oft genug durch die Feeds gejagt worden, dass selbst Jon sich daran erinnerte, hier nicht ins Fettnäpfchen zu treten. Dass Senator Ambor ihm zu seinem großen Auftritt nach der Rede des Kanzlers verholfen hatte, ließ er auf Anraten seines Teams zunächst bewusst außen vor.

"Stellvertretender Senator Trembor"

Jon neigte den Kopf mit staatsmännischer Höflichkeit.

"Ich bedauere, dass Senator Ambor verhindert ist, aber ich begrüße, dass Metalorn in dieser Frage vertreten bleibt. Gerade bei einem Beitritt wie diesem braucht die Republik Stimmen, die industrielle Stärke, regionale Verantwortung und galaktische Sicherheit zusammen denken."

Jon trat nun vollständig an den Tisch heran und legte sein Datapad auf den für ihn vorgesehenen Platz. Das Gerät zeigte noch immer die Zusammenfassung, an deren Rand Maren ziemlich simple Anweisungen in Großbuchstaben vermerkt hatte. Er drehte es beiläufig mit der Bildschirmseite nach unten.

"Meine Damen. Stellvertretender Senator."

Er ließ den Blick kurz über die Anwesenden wandern und stellte fest, dass die
Botschafterin offenbar noch nicht eingetroffen war. Gut, denn das gewann etwas Zeit.

"Ich danke Ihnen für die Aufnahme in diese Runde, auch wenn sie kurzfristig erfolgt ist. Pantoras möglicher Weg in die Neue Republik ist mehr als ein Verwaltungsverfahren. Er ist ein Signal."

Da war sie wieder. Die sichere Sprache. Signal. Freiheit. Zukunft. Tragweite. Jon spürte, wie sich der Boden unter seinen Füßen stabilisierte.

„Eine freie Welt, die sich der Republik annähert, entscheidet sich nicht nur für Verträge, Zuständigkeiten und Gesetze. Sie entscheidet sich für eine demokratische Zukunft in Freiheit, Sicherheit und gemeinsamer Verantwortung.“

Dac / Coral City / Senatsgebäude / Kleiner Besprechungssaal / Senator Jon Hendrey, Ylsara Adinara, Nashana Delentes, Vold Trembor
 
| Outer Rim | Calamari-Sektor | Calamari-System | Mon Calamari | Coral City | Senatskomplex – Landeterminal | Diplomatische Fähre aus Pantora | Talaria Vey


Als die Fähre aufsetzte, spürte Talaria lediglich ein leichtes Nachgeben unter ihren Füßen. Das gleichmäßige Summen der Triebwerke sank zu einem tiefen Hintergrundgeräusch ab und für einen Augenblick blieb sie noch sitzen, die Hände locker auf ihrer Dokumenten & Datapad Tasche. Durch das Sichtfenster waren bereits die ersten Bewegungen des Bodenpersonals zu erkennen. Ihr Blick folgte einem vorbeifahrenden Versorgungsdroiden, ehe sie lächelnd vom Sitz erhob.

Nun würde sie all jene Personen kennenlernen, deren Namen sie während der Reise so gewissenhaft durchgegangen war.

Talaria stand auf und ließ den Rock ihrer Robe über ihre Beine gleiten. Während des Anflugs hatte sich eine der petrolblauen Stoffbahnen umgeschlagen. Sie richtete sie mit einer beiläufigen Bewegung und nahm ihre Tasche auf. Im dunklen Sichtfenster zeichnete sich schwach ihre Silhouette ab. Ihr Blick blieb kurz daran hängen, bevor sie mit einem kleinen Schmunzeln den Kopf schüttelte. Für weitere Korrekturen hätte ihre Mutter vermutlich nur eine amüsiert gehobene Augenbraue übrig gehabt.

Am Ausgang bedankte sie sich bei der Besatzung und wandte sich anschließend der geöffneten Rampe zu. Die Luft des Terminals war merklich kühler als im Inneren der Fähre. Zwischen den Geräuschen der Versorgungstechnik hörte sie entfernte Durchsagen und das leise Surren kleiner Transportfahrzeuge. Schon nach wenigen Schritten entdeckte sie die Gruppe, die abseits des Betriebs auf ihre Ankunft wartete.

Eine Mitarbeiterin mit einem Datenpad trat ihr entgegen, begleitet von einem Protokolldroiden und einem weiteren Angehörigen der Senatsverwaltung.

„Botschafterin Vey, willkommen auf Mon Calamari. Wir begleiten Sie zu Ihrem Termin.“

Talaria erwiderte das Lächeln und neigte leicht den Kopf.

„Vielen Dank für den Empfang. Ich freue mich sehr, hier sein zu dürfen."


Die Worte kamen ihr mühelos über die Lippen. Bei aller Aufregung entsprachen sie genau dem, was sie empfand. Während die Mitarbeiterin ihre Ankunft mit den hinterlegten Angaben abglich, hielt Talaria ihre Legitimation bereit. Wenig später folgte sie der kleinen Gruppe in das Gebäude.

Die Wege durch den Senatskomplex waren belebter, als sie es von den Aufnahmen ihrer Vorbereitung erwartet hatte. Mitarbeiter eilten mit Datenpads an ihnen vorbei, während sich andere zu kurzen Gesprächen am Rand der breiten Korridore zusammenfanden. Über den Zugängen wechselten beleuchtete Anzeigen zwischen Raumnummern und Funktionsbereichen. Talaria beobachtete, wie selbstverständlich ihre Begleiterin zwischen Delegationen, Droiden und einzelnen Sicherheitskräften hindurchfand.

Bei der Zugangskontrolle reichte sie ihre Dokumente weiter und legte die Tasche für die Überprüfung ab. Ihre Finger lösten sich einen Augenblick zögernd vom Griff. Darin befanden sich schließlich jene Unterlagen, die sie während der vergangenen Tage beinahe ständig begleitet hatten. Als sie die Tasche wieder entgegennehmen durfte, bedankte sie sich freundlich und schloss zu ihrer Begleitung auf.

Mit jedem weiteren Korridor kam Ihr der Gedanke, dass sie künftig einen Teil ihres Alltags hier verbringen könnte. Ihre Familie und auch der große Rat, hatte mit großer Zuversicht davon gesprochen, dass sie nach einem erfolgreichen Beitritt zur Republik auch Pantoras Sitz im Senat übernehmen würde. Zu Hause war ihr diese Aussicht wie der nächste Schritt eines langen, sorgfältig vorbereiteten Weges erschienen. Hier bekam sie auf einmal eine sehr konkrete Gestalt.

Vielleicht würde sie bald selbst wissen, welcher Aufzug zu welchem Büro führte und wo man zwischen zwei Terminen ungestört einen Tee oder Kaf trinken konnte. Noch musste sie aufpassen, ihre Aufmerksamkeit zwischen dem Weg und den vielen neuen Eindrücken aufzuteilen.

An einer hellen Wandnische fiel ihr ein geschwungenes Relief auf. Die ineinandergreifenden Formen erinnerten sie an Wasserbewegungen, ohne eine einzelne Welle abzubilden. Ihr Blick folgte den Linien, bis sie bemerkte, dass ihre Begleiterin bereits einige Schritte weitergegangen war. Talaria holte auf und lächelte entschuldigend.
„Ich werde für meine ersten Wege hier wohl ein wenig zusätzliche Zeit einplanen müssen. Es gibt zu viel anzusehen.“

„Dafür ergibt sich bestimmt noch Gelegenheit, Botschafterin.“

„Das hoffe ich sehr“, erwiderte Talaria.

Die, wenn auch nur sehr kurze Unterhaltung, tat ihr gut. Als sie in den nächsten Verbindungsgang einbogen, hatte sich die Anspannung in ihren Schultern etwas gelöst. Sie erinnerte sich an ihren Zeichenblock und nahm sich vor, den Rückweg aufmerksamer zu betrachten, sofern der weitere Tagesablauf es zuließ.

An einem Aufzug nutzte sie die Wartezeit, um den Griff ihrer Tasche in die andere Hand zu nehmen. Ihr Blick wanderte über eine Anzeige mit aktuellen Mitteilungen. Zwischen organisatorischen Hinweisen erschienen Meldungen, die an den Krieg und die veränderte Lage der Republik erinnerten. Talarias Lächeln wurde nachdenklicher.


Auf Pantora hatte man diese Entwicklung aufmerksam verfolgt. Auch während ihrer Reise waren die Nachrichten Teil der Gespräche gewesen. Einige der Vereinbarungen, mit denen sie sich seit Wochen beschäftigte, hatten dadurch eine bedrückende Nähe erhalten. Gegenseitiger Schutz bedeutete Verpflichtungen, auf deren Umsetzung ihre Heimat vorbereitet sein musste. Zugleich dachte sie an die Möglichkeiten, die sich aus einer verlässlichen Zusammenarbeit ergeben konnten: sicherere Handelsverbindungen, wissenschaftlicher Austausch und eine gemeinsame Stimme gegenüber Bedrohungen, denen einzelne Welten schwerer begegnen konnten.

Heute würde sie mit einigen der Personen sprechen, die diesen Weg mitgestalteten. Sie hoffte, ihre Fragen ebenso offen stellen zu können, wie sie die Fragen des Ausschusses beantworten wollte.

Vor dem Konferenzraum Aurek Sieben verlangsamte ihre Begleiterin den Schritt.

„Hier findet das Gespräch mit den Senatoren statt, Botschafterin.“

Talaria sah zur Kennzeichnung neben der Tür und nickte. Während die Mitarbeiterin ihre Ankunft meldete, glitt ihre Hand einmal über den gesäumten Ärmel. Sie bemerkte die Bewegung und legte die Finger wieder um den Taschengriff. Ihre Robe saß längst ordentlich, und auch ihre Unterlagen würden durch eine weitere Kontrolle kaum vollständiger werden.

Trotzdem schlug ihr Herz schneller. Sie atmete ruhig aus und dachte an die Worte ihrer Mutter. Zuhören und sich Zeit für die Antworten nehmen. Sie hatte es oft genug getan, auch wenn die Türen damals zu kleineren Gesprächsrunden geführt hatten. Als sich der Zugang öffnete, strich Sie noch ein letztes mal über ihr bodenlanges sowie elfenbeinfarbenes Kleid, und hob dann den Blick.

„Botschafterin Talaria Vey, die Vertreterin Pantoras ist eingetroffen“, kündigte die Mitarbeiterin sie an.


Im Raum war gerade eine Gesprächspause eingetreten. Talaria wartete einen Wimpernschlag, trat dann ein und nahm zunächst den länglichen Tisch wahr, die vorbereiteten Getränke und die darüber schwebenden Projektionen. Das Emblem ihrer Heimat erkannte sie sofort. Für einen kurzen Moment blieb ihr Blick daran hängen. Die Vertrautheit dieses einzelnen Zeichens in der fremden Umgebung freute sie mehr, als sie erwartet hätte und ließ ein kleines und ehrliches Schmunzeln auf ihrem Gesicht entstehen.

Dann wandte sie sich den Anwesenden zu.

Die beiden Togruta,Senatorin Adinara & Delentes, der Skakoaner Stv. Senator Tembor und Senator Hendrey ließen sich den Porträts ihrer Vorbereitung zuordnen. Nach dem angekündigten Vorsitzenden suchte sie vergeblich. Senator Chetlak war offenbar noch nicht eingetroffen. Vielleicht würde er in Kürze dazukommen oder es hatte einen wichtigen Grund gegeben, der seine Verspätung rechtfertigte. Sie nahm sich auf jeden fall vor, auf seine Ankunft zu achten.

Zunächst schenkte sie der versammelten Runde ein offenes Lächeln.

„Guten Tag. Ich danke Ihnen allen vielmals, dass Sie sich Zeit für dieses Gespräch nehmen.“


Sie trat näher und wandte sich zuerst Ylsara Adinara zu und reichte ihr höflich die Hand.
„Senatorin Adinara, es freut mich, Sie kennenzulernen.“

Die schöne cremefarbene Robe der Togruta fiel ihr auf. Talaria erinnerte sich an einen Bericht über deren Ernennung zur ersten nichtmenschlichen Senatsvertreterin Druckenwells. Besonders im Gedächtnis geblieben war ihr jedoch der vorherige politische Weg der Senatorin. Aus einer Unternehmerfamilie stammend, hatte Adinara zwischen den mächtigen Konzerngilden ihrer Heimat und reformorientierten Bürgervertretern vermittelt. Beide Seiten für die eigene Arbeit zu gewinnen, stellte Talaria sich anspruchsvoll vor.

Druckenwell war ihr während der Vorbereitung als eine Welt großer Industriegebiete und bedeutender Werften begegnet. Die Bilder seiner Hauptstadt Il Avali hatten diesen Eindruck verstärkt. Dass dessen Senatorin sowohl im Verteidigungs- als auch im Haushaltsausschuss arbeitete, erschien ihr vor diesem Hintergrund nachvollziehbar. Talaria war gespannt, welche Erwartungen Adinara an Pantoras wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Beitrag knüpfte.


Anschließend wandte sie sich Nashana Delentes zu und begrüßte sie mit derselben aufmerksamen Höflichkeit streckte auch ihr die Hand hin.

„Senatorin Delentes, ebenso freut es mich Sie kennenzulernen.“

Barancar und dessen historische Werften waren ihr besonders in Erinnerung geblieben. Dort wurden Teile alter orbitaler Anlagen wiederhergestellt und für modernen Schiffbau nutzbar gemacht. Talaria hatte die Verbindung aus kulturellem Erbe und gegenwärtiger Arbeit angesprochen. Auf den Aufnahmen war zu erkennen gewesen, wie viel Geduld ein solches Vorhaben verlangen musste. Sie hätte gern gewusst, wie es sich anfühlte, durch diese Anlagen zu gehen und zwischen den Spuren ihrer Geschichte wieder den Betrieb einer Werft zu erleben.

Auch Delentes’ öffentlich vertretene Vorstellung von regionaler Eigenständigkeit innerhalb der Republik hatte ihr Interesse geweckt. Pantoras Beitritt sollte ihrer Heimat neue Möglichkeiten eröffnen und zugleich Raum für deren gewachsene Kultur lassen. Talaria hoffte, von den Erfahrungen einer Senatorin lernen zu können, die sich mit ähnlichen Fragen bereits eingehend beschäftigte.

Bei ihrer Vorbereitung war ihr aufgefallen, dass beide Senatorinnen nur wenige Jahre älter waren als sie selbst. Angesichts ihrer bisherigen Laufbahnen hatte sie das beeindruckt. Ihnen nun gegenüberzustehen, nahm dem bevorstehenden Gespräch ein wenig von seiner einschüchternden Größe. Vielleicht ergab sich irgendwann sogar die Gelegenheit, sie nach ihren ersten Wochen im Senat zu fragen.


Dem Skakoaner gegenüber hob Talaria den Blick ein wenig. Die metallene Maske und die schweren, goldverzierten Stoffe verliehen seiner Erscheinung eine eindrucksvolle Geschlossenheit. Seine Augen konnte sie hinter den dunklen Linsen nicht erkennen. Sie achtete deshalb darauf, ihm mit ihrem Blick ebenso eindeutig ihre Aufmerksamkeit zu schenken wie den beiden Senatorinnen als Sie Ihm die Hand reichte.
„Stellvertretender Senator Trembor. Es freut mich, auch die Vertretung Metalorns heute kennenlernen zu dürfen.“

Sein beruflicher Hintergrund in der Techno-Union war ihr aus den Unterlagen bekannt. Metalorns Fabriken, Bergwerke und Droidenproduktion ließen wirtschaftliche Fragen als naheliegenden Anknüpfungspunkt erscheinen. Trembor hatte sich öffentlich besonders für unternehmerische Freiheit und weniger staatliche Regulierung ausgesprochen. Talaria konnte sich vorstellen, dass sich daraus interessante Gespräche über Handel und technische Zusammenarbeit ergeben würden.

Welche Vorstellungen er im Einzelnen damit verband, wollte sie von ihm selbst erfahren. Pantora besaß eigene industrielle Fähigkeiten und zugleich Bedarf an Austausch, Investitionen und verlässlichen Partnern. Sie war neugierig darauf, welche Möglichkeiten ein erfahrener Vertreter einer anderen Industriewelt darin erkennen würde.


Zuletzt wandte sie sich nun auch Senator Jon Hendrey zu, um ihn mit einem ehrlichen und freundlichen Lächeln sowie mit einer dargebotenen Hand zu begrüßen.
„Sehr erfeut, Sie kennenzulernen Senator Hendrey.“

Sein Gesicht war ihr aus den Berichten besonders vertraut. In Person wirkte er mindestens ebenso präsent wie auf den Aufnahmen. Kaum eine der Darstellungen, die sie gelesen hatte, schien sich allerdings auf denselben Mann zu beziehen. Begeisterte Unterstützung stand neben ausgesprochen scharfer Kritik. Talaria hatte sich bei der Vorbereitung gefragt, welchen Eindruck sie selbst gewinnen würde. Nun begegnete sie ihm mit einem freundlichen Lächeln und freute sich auf die Gelegenheit, ihn im Gespräch kennenzulernen.

Seine Heimatwelt Eriadu war durch ihre Lage an bedeutenden Hyperraumrouten zu einem wichtigen Handels- und Industriestandort geworden. Ihr politisches Gewicht innerhalb der Republik war in den Unterlagen deutlich hervorgehoben worden. Hendreys Einsatz für militärische Stärke und seine Mitgliedschaft im Verteidigungsausschuss ließen Talaria vermuten, dass gemeinsame Sicherheit auch für ihn zu den wesentlichen Fragen dieses Treffens gehören würde.

Sie war froh, die entsprechenden Unterlagen sorgfältig vorbereitet zu haben. Dennoch wollte sie erst hören, welche Punkte die Anwesenden tatsächlich beschäftigten. Ihre Dossiers hatten ihr geholfen, Namen und Positionen einzuordnen. Das persönliche Gespräch konnte nun zeigen, welche Verbindungen daraus entstehen mochten.


Nachdem sie alle begrüßt hatte, blieb sie einen Moment am Tisch stehen.

„Ich überbringe Ihnen die Grüße der pantoranischen Regierung. Die bisherigen Gespräche haben auf unserer Heimatwelt große Aufmerksamkeit gefunden und die Bevölkerung beobachtete mit Freuden die Annäherung an die Neue Republik. Ich freue mich sehr, die Arbeit daran nun persönlich mit Ihnen fortsetzen zu dürfen.“

Beim letzten Satz kehrte etwas von jener Freude in ihre Stimme zurück, die sie bereits während des Anflugs begleitet hatte. Talaria bemerkte es und ließ es zu. Dieser Auftrag bedeutete ihr viel. Hinter den Berichten und vorbereiteten Vereinbarungen stand eine Zukunft, zu der sie etwas beitragen durfte.

Ein Sitzungsdiener deutete ihr den vorgesehenen Platz. Sie bedankte sich leise, stellte ihre Tasche ab, wartete höflich, bis sich die anderen Personen gesetzt hatten und nahm Platz, wobei sie die Stoffbahnen ihrer Robe mit einer geübten Bewegung ordnete. Anschließend legte sie ihr Datenpad vor sich auf den Tisch. Auf dem Display erschien die schlichte Übersicht ihrer Unterlagen.

Sie widerstand dem Impuls, sofort einen der Berichte zu öffnen. Für den Beginn des Gesprächs wollte sie ihre Aufmerksamkeit bei den Anwesenden behalten und verband das Datapad mit dem Holoprojektor und dem Speicher des Tisches, damit alle darauf zugreifen konnten.


„Die aktuellen Unterlagen und ergänzenden Übersichten habe ich mitgebracht. Ich bin gespannt, welche Punkte Sie heute besonders mit mir besprechen möchten und hoffe, dass ich alle Fragen zu Ihrer Zufriedenheit beantworten kann.“

Talaria legte die Hände locker neben das Datenpad und sah aufmerksam in die Runde. Ihr Herz schlug noch immer etwas schneller als gewöhnlich. Inzwischen überwog jedoch die Neugier auf die ersten Gespräche.



| Outer Rim | Calamari-Sektor | Calamari-System | Mon Calamari | Coral City | Senatsgebäude | Konferenzraum Aurek Sieben | Talaria Vey, Ylsara Adinara, Nashana Delentes, Vold Trembor und Jon Hendrey |
 
Zuletzt bearbeitet:
| Outer Rim | Calamari-Sektor | Calamari-System | Dac | Coral City | Senatsgebäude | Kleiner Besprechungssaal |
Ylsara Adinara und Nashana Delentes


Senatorin Delentes trat durch die Tür. Ylsara kannte sie gut genug vom Sehen, um sie bereits erkannt zu haben, bevor sie sich mit ihrem Namen vorstellte. Persönlich miteinander gesprochen hatten sie bisher kaum, wenn überhaupt. Barancar war in der vergangenen Zeit jedoch häufiger auf ihrem Datenpad aufgetaucht. Nicht zuletzt wegen seiner Werften und der Bemühungen, die dortige Industrie wieder stärker aufzustellen. Für die Senatorin von Druckenwell waren solche Entwicklungen natürlich interessant. Noch interessanter fand Ylsara dagegen, dass die andere Togruta trotz ihrer recht kurzfristigen Berufung besser vorbereitet erschien, als so manch langgedientes Ausschussmitglied. Zumindest hatte sie ein Datenpad und eine Tasche voller Unterlagen dabei und wirkte insgesamt nicht so, als hätte sie erst vor der Tür erfahren, worum es heute überhaupt ging.

„Das Vergnügen ist meines, Senatorin Delentes“, erwiderte Ylsara und nahm die angebotene Hand mit einem freundlichen Lächeln entgegen. „Nein, Sie sind sehr pünktlich.“

Ein kurzer Blick auf den weiterhin leeren Platz des Ausschussvorsitzenden genügte, um deutlich zu machen, auf wen diese Bemerkung eigentlich zielte.

„Ich wollte Sie ohnehin schon länger persönlich kennenlernen. Wir haben überraschend viele Gemeinsamkeiten im Lebenslauf, wenn ich meinem Team Glauben schenken darf.“

Ihr Lächeln wurde etwas breiter.

„Zwei Togruta, die auf menschlich dominierten Industriewelten in und zwischen Werften aufgewachsen sind und aus dem ein oder anderen Grund beschlossen haben, sich auch noch freiwillig mit der Politik herumzuschlagen.“

Da war noch mehr, zu dem Ylsara so offensiv so kurz nach dem ersten Handschlag noch keine Stellung beziehen wollte. Wie etwa, politische Unruhen, die in gewaltvolle Akte umschlugen. Auch dort gab es erstaunliche Parallelen, um nur einmal den Tod beider planetaren Regierungschefs zu erwähnen. Tatsächlich hatte Ylsara sich nach der kurzfristigen Zusage ihrer Kollegin etwas genauer mit ihr beschäftigt. Oder besser gesagt ihr Team beschäftigen lassen. Die Murrow-Delentes Shipyards waren ihr auch davor ein grober Begriff gewesen. Barancar lag in einem anderen Teil der Galaxis, aber die Wege waren dann doch kürzer als man dachte.

„Ich habe vor einiger Zeit gelesen, dass Barancar einen größeren Teil seiner Werftanlagen wieder in Betrieb nehmen will. Wie weit sind die Arbeiten vorangeschritten?“

Ylsara hielt ihre freundliche, offene Mimik aufrecht und wartete die Antwort geduldig ab.

„Vielleicht könnten wir uns irgendwann bilateral zusammensetzen, wenn dieser Ausschuss uns nicht gerade mit mehreren hundert Seiten Beitrittsunterlagen beschäftigt. Ich würde mich freuen, wenn ich Sie irgendwann zu meinen besseren Bekanntschaften im Senat zählen dürfte.“

Die Senatorin von Druckenwell lachte leicht.

Sie blieben nicht lange unter sich. Als sich die Tür erneut öffnete, trat diesmal eine Erscheinung in den Raum, die sich kaum mit jemand anderem verwechseln ließ. Vold Trembor kannte Ylsara ebenfalls flüchtig aus dem Senat. Auch, wenn er in Anführungsstrichen nur der stellvertretende Senator von Metalorn war, so waren Skakoaner keine alltägliche Augenweide. Gerade er fiel durch seine goldene Maske und schwere Roben zwischen hunderten Repräsentanten auf. Dass er heute Ambor vertrat, überraschte sie durchaus etwas, aber auch nicht völlig. Wenn Metalorn die Anwesenheit des Senators beanspruchte, dann war es nur natürlich, dass sein Stellvertreter banale Dinge wie die Ausschussarbeit übernahm.


„Die Freude ist auf meiner Seite“, begrüßte Ylsara ihn mit einem höflichen Nicken. „Es war vermutlich nur eine Frage der Zeit, bis sich unsere Wege mal kreuzen. Und, es gibt nichts, was wir nachsehen könnten. Ich selbst verfüge über einen hervorragenden Stellvertreter, dem ich jede meiner Tätigkeiten anvertrauen würde. Ich bin mir sicher, da ergeht es Senator Ambor keinen Deut anders.“

Während sie sprach, hielt Ylsara ihr nahbares Lächeln weiter aufrecht. Und es war ernst gemeint. Heute war ein guter Tag. Es ging nicht nur um Zuwachs für die Neue Republik in Form von Pantora, sondern auch um die Gelegenheit, das Netzwerk im Senat weiter zu verflechten. Jede neue Bekanntschaft war ein Zugewinn für die Arbeit einer Politikerin. Mit der Techno Union und Metalorn saß jedenfalls eine weitere gewichtige Industriewelt am Tisch. Und das war weder für den Ausschuss, noch für Druckenwell etwas Negatives.

Die nächste Person, die den Raum betrat, kannte Ylsara dafür inzwischen erheblich besser. Sie beobachtete erheitert, wie Hendrey zunächst zielstrebig auf Nashana Delentes zuging und bereits zur Begrüßung ansetzte. Beim ersten Laut ihres Nachnamens hob sich Ylsaras Augenbraue langsam. Dann rettete er sich aber noch erstaunlich geschickt aus der Situation. So leicht sollten die beiden Togruta am Ende des Tages gar nicht zu verwechseln sein. Blau-Weiß ließ sich eigentlich sehr gut von Gold-Weiß auseinanderhalten, zumindest für Togruta-Augen. Vielleicht hielt es sich mit Menschen anders. Den geretteten Beinahe-Fauxpas beantwortete Ylsara nur mit einer sichtbaren Belustigung in ihren goldenen Augen.


„Keine Sorge, Mr. Hendrey, ich habe mich inzwischen vollständig von unserem letzten Treffen erholt“, antwortete sie und strich sich mit den Fingern beiläufig über die Stelle ihrer Stirn, an der sie der Teller getroffen hatte. „Ich bin mir außerdem sicher, dass die Senatsverwaltung für heute bruchsicheres Geschirr bereitgestellt hat“, fügte sie unter gewitztem Lachen hinzu.

Der Senator von Eriadu hatte sich ohne langes Zögern auf ihre Bitte hin für den frei gewordenen Platz zur Verfügung gestellt. Sicher hatte auch Senator Chetlak seine Anwesenheit nicht erwünscht, weil er erwartete, Jon Hendrey würde erschöpfende Abhandlungen über pantoranisches Verfassungsrecht erorieren, sondern weil er für ein solches Verfahren etwas bot, das regelmäßig unterschätzt wurde: Aufmerksamkeit und politische Begeisterung. Der Mann könnte aus dem Beitritt öffentlich weit mehr herausholen als alle anderen in diesem Raum. Sicher erhoffte Chetlak sich davon, genau wie Ylsara, eine Welle, die durch die Galaxis fuhr und weitere Welten vom Beitrittsverfahren überzeugte. Für die Detailfragen gab es andere Leute am Tisch.

Als sich die Tür abermals öffnete und Talaria Vey angekündigt wurde, änderte sich die Atmosphäre merklich. Gemeinsam mit den anderen Senatorinnen und Senatorin beobachtete sie die junge Pantoranerin, als sie eintrat. Ihre Erscheinung fiel sofort auf. Die Kleidung, die Zeichnungen im Gesicht. Vor allem aber bemerkte Ylsara die offen zur Schau gestellte Freude, mit der die Botschafterin in den Raum trat. Es wirkte nicht wie die routinierte Freundlichkeit einer Diplomatin, die ihren hundertsten Ausschusstermin absolvierte und hatte dementsprechend etwas sehr Erfrischendes. Talaria Vey wirkte, als wäre sie gern hier. Die Ernüchterung würde sicher folgen, aber Ylsara wollte nicht diejenige sein, die junges, frisches Blut für die Politk versaute.

Den angebotenen Handschlag erwiderte sie entsprechend herzlich.


„Botschafterin Vey, willkommen auf Dac! Ich hoffe, Sie hatten eine angenehme Anreise. Welche Route sind sie geflogen?“

Nachdem die Begrüßungen abgeschlossen waren, nahm Ylsara Platz und beobachtete, wie die Botschafterin ihre Unterlagen mit dem System des Konferenztisches verband. Chetlaks Platz war immer noch leer. Inzwischen war seine Verspätung nicht mehr nur unhöflich, sondern begann den Ablauf des Termins zu behindern. Ylsara warf einen kurzen, wenig unauffälligen Blick auf ihr Chrono und anschließend in die Runde.

„Ich denke, wir müssen Senator Chetlak nicht die Freude nehmen, die Sitzung bei seinem Eintreffen offiziell zu eröffnen“, sagte sie mit einem höflich gebliebenen Lächeln. Ylsara lehnte sich etwas zurück und richtete ihre Aufmerksamkeit auf die Botschafterin. Sobald der Vorsitzende da war, hatten sie noch genügend Gelegenheit, über Paragraphen, Übergangsfristen und Verwaltungszuständigkeiten zu sprechen. Sie erinnerte sich noch gut an ihre eigenen ersten Monate auf Dac und daran, wie fremd ihr die galaktische Hauptstadt damals vorgekommen war. Coral City war etwas Besonderes und für jemanden, der auf einer dicht besiedelten Industriewelt unter smokbedecktem Himmel aufgewachsen war, gewöhnungsbedürftig. Allein die Vorstellung, dass hinter den Außenwänden vieler Gebäude nicht die nächste Straße, sondern der Ozean wartete, hatte etwas Unwirkliches.

„Hatten Sie schon Gelegenheit, sich Coral City anzusehen, Botschafterin?“

Ihr Blick wanderte kurz in die Runde.

„Vielleicht sollten wir bereits mit den Heißgetränken und Gebäck beginnen?“


| Outer Rim | Calamari-Sektor | Calamari-System | Dac | Coral City | Senatsgebäude | Kleiner Besprechungssaal |
Ylsara Adinara, Nashana Delentes, Vold Trembor, Jon Hendrey und Talaria Vey
 
Mon Calamari | Dac | Coral City | Senatsgebäude | Kleiner Besprechungssaal
Lucan Serris
Als sich die Tür zum Besprechungssaal öffnete, war das Gespräch im Raum bereits im Gange. Lucan Serris blieb einen Augenblick im Eingang stehen und verschaffte sich einen Überblick. Die beiden Togruta, der maskierte Skakoaner, Senator Hendrey und die pantoranische Botschafterin. Der Platz des Vorsitzenden war noch leer.
Er trat ein, das Datapad mit den Unterlagen des NRDC in der Hand, und nickte in die Runde.
„Botschafterin Vey. Senatorinnen, Senatoren. Ich hoffe, ich habe nichts Wesentliches verpasst.“
Er nahm an dem für ihn vorgesehenen Platz Platz und legte das Datapad vor sich ab. Einige Abschnitte trugen bereits kurze Markierungen, andere hatte er bislang nur überflogen. Die bisherigen Verhandlungen mit Pantora zeichneten ein recht klares Bild, und doch gab es Punkte, bei denen ihm die praktische Umsetzung wichtiger erschien als die bloße Formulierung der Vereinbarungen.
„Ich möchte dem Vorsitzenden nicht vorgreifen“, sagte er mit einem Blick zu Vey. „Aber wo Sie ohnehin schon alle Unterlagen bereitgestellt haben: Die wirtschaftlichen Anpassungen erscheinen mir grundsätzlich nachvollziehbar. Bei einigen Punkten würde ich allerdings gern genauer verstehen, wie die Übergangsphase praktisch gestaltet werden soll. Gerade dort, wo pantoranische und republikanische Zuständigkeiten ineinandergreifen.“
Er machte eine kurze Notiz und wechselte zum nächsten Abschnitt. Bei den sicherheitspolitischen Vereinbarungen wollte er zwischen den bereits verbindlich ausgehandelten Regelungen und jenen Punkten unterscheiden, die offenbar erst nach einem Beitritt konkretisiert werden sollten. Danach blieb sein Blick am Abschnitt über Orto Plutonia hängen.
„Und bei Orto Plutonia fehlt mir an einigen Stellen noch der Zusammenhang“, fügte er hinzu. „Insbesondere die dort beschriebenen Zuständigkeiten und das Verhältnis zu den Talz würde ich gern nachvollziehen, bevor ich daraus eine Bewertung ableite. Aber das hat Zeit, bis Senator Chetlak die Sitzung eröffnet hat.“
Serris legte den Stylus beiseite und wandte sich zu den Heißgetränken hinüber, die ein Sitzungsdiener bereitgestellt hatte.
„Bis dahin nehme ich gern von dem Tee, wenn noch welcher da ist.“
Mon Calamari | Dac | Coral City | Senatsgebäude | Kleiner Besprechungssaal
Lucan Serris, Talaria Vey, Ylsara Adinara, Nashana Delentes, Vold Trembor und Jon Hendrey
 
[Mon Calamari :: Dac :: Coral City :: Senatsgebäude :: Kleiner Besprechungssaal] Nashana Delentes und Ylsara Adinara

Ylsaras Aufzählung ihrer Gemeinsamkeiten brachte Nashana zum Lächeln.

„Wenn man es so darstellt, wundert es mich fast, dass wir nie richtig ins Gespräch gekommen sind.“

Bei der Frage nach den alten Werften war Trissurs Stimme für einen Moment wieder da.

„Langsamer, als uns lieb ist. Im Moment sind ungefähr sieben Prozent des alten Werftrings wiederhergestellt.“

Nashana rückte ihre Tasche etwas näher an den freien Platz neben sich.

„Der H-95-Auftrag der Streitkräfte für die Z-95AF4-Serie hat uns zuletzt erlaubt, noch einmal einen größeren Abschnitt zu öffnen. Arcturus ist inzwischen fertig, zumindest in der Form, in der wir die Station heute brauchen. Keine wiederauferstandene Kampfstation, hauptsächlich Werftbetrieb und zivile Nutzung.“

Selbst sieben Prozent wirkten zwischen den alten Ringen bisweilen verschwindend klein. Nashana hatte genug Zeit dort verbracht, um sich an die aktiven Bereiche zu gewöhnen, bis ihr Blick wieder einmal in einen der Abschnitte fiel, in denen beleuchtete Docks, Produktionshallen und neue Verbindungstrakte zwischen kilometerlangen stillgelegten Strukturen lagen.

„Man könnte eher sagen es bleiben noch über neunzig Prozent zur vollwertigen Inbetriebnahme. Ich glaube nicht, dass wir die Anlage zu unseren Lebzeiten vollständig restauriert sehen.

Und ja, das sollten wir wirklich einmal ins Auge fassen. Gerade bei Rohstoffen und Schiffbau gäbe es wahrscheinlich genug, worüber wir uns produktiv austauschen könnten. Unsere Erzexporte wachsen im Moment ziemlich schnell, schneller als es Abnehmer innerhalb des Clusters gibt. Wir hinken leider noch immer dem Vorurteil der Schwarzverkäufe hinterher der meine Heimat Jahrzehnte belastet hat.
"

Die Tür öffnete sich erneut und Nashana erkannte Vold Trembor noch bevor er sich vorgestellt hatte. Ambors Stellvertreter war ihr aus den Wirtschaftsdebatten des Senats ein Begriff und nach den vergangenen Tagen überraschte es sie kaum, Metalorn heute durch ihn vertreten zu sehen.

Sie erwiderte seine Begrüßung mit einem freundlichen Nicken.


„Da müssen Sie sich ausgerechnet bei mir nicht entschuldigen, Senator Trembor. Ich bin heute selbst nur eingesprungen.“

Kurz darauf kam der nächste Teilnehmer herein. Jon Hendrey war Nashana aus dem Senat bekannt genug, dass es keiner besonderen Vorstellung bedurfte, und umso deutlicher bemerkte sie den kurzen Moment, in dem aus der begonnenen Begrüßung einer Senatorin A nach einem Blick zu Ylsara doch noch ihr eigener Name wurde.

Nashana presste die Lippen kurz aufeinander. Sein Nachsatz zu Barancar machte es ihr nicht leichter, das Lächeln ganz zu unterdrücken.


„Schon gut, Senator. Beim nächsten Mal schauen Sie einfach eine Sekunde länger hin, wir Togruta machen es Ihnen heute offenbar auch nicht besonders leicht.“

Noch immer amüsiert ließ sie seine Hand wieder los. Während Hendrey sich anschließend an die Runde wandte, nahm Nashana ihre Tasche vom freien Stuhl und setzte sich. Kurz darauf wurde Botschafterin Talaria Vey angekündigt.

Der Blick der Togruta blieb zunächst an den goldenen Zeichnungen hängen, die sie wenige Stunden zuvor noch auf Bildern in ihren Unterlagen betrachtet hatte. An Talarias Gesicht wirkten die Linien wesentlich selbstverständlicher als zwischen Erläuterungen und Bildunterschriften. Die Botschafterin wirkte sichtbar erfreut, tatsächlich auf Dac zu sein und als Vey nach Ylsara auch ihr die Hand entgegenstreckte, erhob Nashana sich wieder und erwiderte den Gruß ebenso offen.


„Botschafterin Vey, willkommen auf Dac. Es freut mich sehr, Sie kennenzulernen.“

Nashana setzte sich wieder, während Talaria die übrigen Anwesenden begrüßte und anschließend ihre Unterlagen mit dem Konferenztisch verband.

Ylsara erkundigte sich nach Talarias Reise und ihren ersten Eindrücken von Coral City und brachte dabei auch die bereitstehenden Getränke und kleineren Speisen ins Gespräch. Nashana wandte sich an einen der Sitzungsdiener.


„Für mich einen Tee, bitte.“

Bevor Talaria antworten konnte, öffnete sich die Tür ein weiteres Mal. Lucan Serris war Nashana bislang nur dem Namen nach bekannt, seine frühere Tätigkeit bei Santhe Technologies hatte allerdings dafür gesorgt, dass dieser hängen geblieben war. Sie begrüßte ihn mit einem freundlichen Nicken, als er zu der inzwischen größeren Runde stieß.

Bei Serris' ersten sachlichen Punkten glitt Nashanas Blick kurz zu dem Datapad neben ihrer Hand.

Der Sitzungsdiener stellte ihren Tee vor ihr ab. Nashana bedankte sich leise, nahm die Tasse mit beiden Händen auf und wandte ihre Aufmerksamkeit wieder Talaria zu.


[Mon Calamari :: Dac :: Coral City :: Senatsgebäude :: Kleiner Besprechungssaal] Nashana Delentes, Ylsara Adinara, Vold Trembor, Jon Hendrey, Talaria Vey und Lucan Serris
 
Mon Calamari | Dac | Coral City | Senatsgebäude | Kleiner Besprechungssaal
Lucan Serris, Talaria Vey, Ylsara Adinara, Nashana Delentes, Vold Trembor und Jon Hendrey


Lucan wandte sich den bereitgestellten Getränken zu und nahm sich eine Tasse Tee, ehe er mit einem kleinen Teller Gebäck an seinen Platz zurückkehrte. Nachdem er sich niedergelassen hatte, ließ er den Blick über die Runde schweifen.
„Verzeihen Sie meinen etwas übereifrigen Einstieg. Ich fürchte, ich war gedanklich bereits bei den Tagesordnungspunkten, bevor ich überhaupt richtig angekommen war.“
Ein sanftes Lächeln begleitete seine Worte.
„Für diejenigen, die mich noch nicht kennen: Mein Name ist Lucan Serris, Senator von Lianna. Ich freue mich, heute mit Ihnen zusammenzukommen, und hoffe, dass wir in konstruktiver Atmosphäre gemeinsame Lösungen finden und unterschiedliche Interessen unter einen Hut bringen können. Am Ende sitzen wir schließlich alle hier, weil wir etwas bewegen wollen.“
Er neigte den Kopf leicht in Richtung der übrigen Anwesenden und hob seine Tasse zu einem ersten Schluck.
„Nicht schlecht“, bemerkte er und stellte die Tasse wieder ab. „Etwas kräftiger, als ich es gewohnt bin.“
Mit einem leisen Schmunzeln probierte er ein Stück Gebäck und ließ den Blick noch einmal freundlich durch die Runde wandern, während er sich den anderen Gesprächen widmete.

Mon Calamari | Dac | Coral City | Senatsgebäude | Kleiner Besprechungssaal
Lucan Serris, Talaria Vey, Ylsara Adinara, Nashana Delentes, Vold Trembor und Jon Hendrey
 
Zuletzt bearbeitet:
I|I Mon Calamari I|I Coral City I|I Senatsgebäude I|I Kleiner Besprechungssaal I|I Vold Trembor, Senatorin Nashana und Senatorin Adinara I|I
​
Vold Trembor hatte im Laufe seiner politischen Karriere gelernt, dass die Minuten vor einer Sitzung mitunter aufschlussreicher waren als jene Stunden, die später in Protokollen, Beschlüssen und Abstimmungslisten konserviert wurden, denn solange kein Vorsitzender das Wort erteilt, keine Tagesordnung die Reihenfolge des Denkbaren festgelegt und kein Protokolldroide aus beiläufigen Bemerkungen zitierfähige Positionen gemacht hatte, gestatteten sich selbst erfahrene Politiker jene kleinen Nachlässigkeiten, aus denen sich mit einiger Übung mehr herauslesen ließ als aus mancher sorgfältig vorbereiteten Rede. So betrachtete er auch die allmähliche Vervollständigung des Beitrittsausschusses.
Senatorin
Ylsara Adinara ergriff das Wort, ihre Erwiderung auf seine Vorstellung war freundlich ausgefallen, beinahe kollegial, und als sie von ihrem eigenen Stellvertreter gesprochen und mit scheinbarer Selbstverständlichkeit hinzugefügt hatte, Senator Ambor werde es mit dem seinen gewiss ebenso halten, war Volds Blick für einen Augenblick auf ihr liegen geblieben.

„Das Vertrauen eines Senators in seine Stellvertretung ist schließlich die Voraussetzung dafür, dass ein solches Amt überhaupt funktionieren kann“, hatte er lediglich geantwortet.

Die Worte waren vollkommen harmlos gewesen. Vertrauen war eine bemerkenswerte politische Ressource. Man benötigte Jahre, um es aufzubauen, und bisweilen nur wenige Wochen, um festzustellen, dass man einem anderen Wesen damit vor allem die Werkzeuge gereicht hatte, mit denen es die eigene Stellung demontieren konnte.
Ambor vertraute ihm. Genug, um ihn Ausschüsse übernehmen, Gespräche führen, Netzwerke pflegen und Metalorns Interessen vertreten zu lassen, während er selbst inzwischen auf seiner Heimatwelt erklären musste, weshalb seine jüngsten Auftritte im Senat ausgerechnet dort Unruhe ausgelöst hatten, wo man jahrzehntelang auf seine politische Berechenbarkeit gebaut hatte.

Hinter den verspiegelten Sicherheitsgläsern seiner Maske war keine Regung zu erkennen gewesen, als Senator
Hendrey den Raum betreten und beinahe augenblicklich demonstriert hatte, weshalb die vergangenen Tage seinen Namen so weit durch die politischen Feeds der Republik getragen hatten. Der Mensch besaß Präsenz, jene eigentümliche Form körperlicher Selbstverständlichkeit, mit der manche Wesen einen Raum nicht einfach betraten, sondern für einige Augenblicke den Eindruck erweckten, er sei eigens für ihr Eintreffen vorbereitet worden. Hendrey war mitten im begonnenen Namen abgebogen, hatte den Fehler in eine Begrüßung verwandelt und anschließend weitergesprochen, als habe es niemals einen Zweifel daran gegeben, wen er vor sich hatte. Unter der goldenen Atemmaske hatte der Skakoaner beinahe gelächelt. So rettete man sich aus einer Situation, die in anderen Momenten vielleicht einen diplomatischen Eklat bedeutet hätten. Senator Ambor hätte sich davon zahlreiche Scheiben abschneiden können aber er war nicht hier. Vold war hier und konnte von den politischen Firaxans im Ozean von Dac lernen. Fehler waren unvermeidlich. Interessanter war stets, was ein Wesen in jenem winzigen Zeitraum tat, in dem es begriff, einen begangen zu haben.
Als
Hendrey schließlich vor ihm stand und Metalorns fortgesetzte Vertretung begrüßte, wandte Vold ihm seine volle Aufmerksamkeit zu. Die verspiegelten Gläser seiner Maske warfen dem Menschen sein eigenes undeutliches Abbild entgegen, während das Atemgerät mit seinem tiefen, gleichmäßigen Rhythmus die kurze Pause zwischen Hendreys Worten und seiner Antwort füllte.

„Senator Hendrey.“ Vold neigte respektvoll den Kopf. „Nach den vergangenen Tagen dürfte es nur wenige Mitglieder des Senats geben, denen Ihre Position noch unbekannt ist.“

Es war Lob, Feststellung und eine gerade ausreichende Andeutung auf jenen Auftritt, mit dem Hendrey unmittelbar nach Senator Ambor einen erheblichen Teil der Aufmerksamkeit an sich gerissen hatte. Kein Wort darüber, was Vold von dessen Rede hielt. Kein Wort darüber, dass er die Aufzeichnungen mehrfach hatte auswerten lassen. Erst recht kein Wort darüber, dass der Senator von Eriadu bereits einen Platz in jenen Diagrammen besaß, mit denen Varad inzwischen Ambors Unterstützer, Gegner und mögliche Nachfolger kartografierte.

„Und in einem Punkt stimmen wir bereits überein“, fuhr Vold mit der sonoren Ruhe seiner modulierten Stimme fort. „Industrielle Stärke und galaktische Sicherheit lassen sich nur sehr kurz getrennt voneinander betrachten. Ich bin sicher, wir werden Gelegenheit finden, diesen Gedanken zu vertiefen.“

Eine weitere knappe Neigung des Kopfes, dann ließ er Hendrey seinen Platz einnehmen. Mehr war vorerst nicht notwendig. Vold hatte kein Interesse daran, den Mann beim ersten persönlichen Zusammentreffen mit Vertraulichkeit zu überfallen. Hendrey war interessant, gerade weil er noch nicht zu Volds Netzwerk gehörte. Hungrig nach Aufmerksamkeit, gewiss. Ehrgeizig, ohne Zweifel. Er verstand die Mechanismen öffentlicher Wirkung und hatte bewiesen, dass er eine Stimmung im richtigen Augenblick aufnehmen und verstärken konnte. Doch zwischen Berechenbarkeit und Beherrschbarkeit lag eine Distanz, die schon manchen Politiker seine Finger gekostet hatte, weil er beides miteinander verwechselt hatte, also würde der Skakoaner zunächst beobachten.

Als
Talaria Vey eintraf, verlagerte sich die Aufmerksamkeit des Raumes beinahe von selbst. Trembor beobachtete die Pantoranerin während ihrer Begrüßung mit stiller Konzentration. Tatsächlich registrierte er, seiner Meinung nach, fast jedes Detail. Die goldenen Zeichnungen in ihrem Gesicht, die Sorgfalt, mit der sie jeden Anwesenden persönlich ansprach, den Blickkontakt, den sie selbst bei ihm bewusst hielt, obwohl seine Augen hinter den dunklen Gläsern vollkommen verborgen blieben, und vor allem jene unverstellte Freude, die sich immer wieder durch die eingeübte diplomatische Höflichkeit hindurch zeigte. Sie wollte hier sein. Eine Eigenschaft, die in republikanischen Ausschüssen vermutlich seltener war, als die Republik öffentlich eingestehen würde. Doch Vold beging nicht den Fehler, Begeisterung mit Ahnungslosigkeit gleichzusetzen. Botschafterin Vey hatte ihre Unterlagen gelesen. Mehr noch: Sie hatte offenbar verstanden, dass hinter den Namen der Anwesenden Welten, Unternehmen, Ausschüsse und wirtschaftliche Interessen standen. Als sie ihn als Vertreter Metalorns begrüßte, bemerkte er an der Sicherheit ihrer Ansprache, dass ihr weder seine Verbindung zur Techno Union noch seine wirtschaftspolitischen Positionen unbekannt waren.

„Botschafterin Vey.“ Er nahm ihre dargebotene Hand mit seiner schwarz behandschuhten Rechten, wobei sein Griff wegen des Materials zwischen ihnen beinahe zwangsläufig etwas Förmliches behielt. „Die Freude ist meinerseits. Wenn die Sorgfalt Ihrer Vorbereitung ein Maßstab für die kommenden Gespräche ist, dürfte Pantora seine Interessen hier ausgezeichnet vertreten wissen.“

Er ließ ihre Hand wieder los. Ein Kompliment, das er durchaus ernst meinte. Später, nachdem Vey ihre Unterlagen mit dem Konferenztisch verbunden hatte und die ersten Projektionen über der eingelassenen Holofläche erschienen waren, betrachtete Vold für einige Augenblicke die Daten. Handelsvolumen. Zuständigkeiten. Übergangsregelungen. Vereinbarungen, deren sterile Formulierungen wenig davon verrieten, wie viele Unternehmen, Verwaltungen und politische Karrieren später davon abhängen würden, welches Verb an welcher Stelle eines Vertrages stand. Eine neue Welt trat der Republik schließlich niemals allein mit ihrer Fahne, ihrer Hymne und einigen feierlichen Worten bei.
Mit ihr kamen Märkte und Investitionsräume. Das wiederum bedeutete für die Techno Union mitunter Aufträge und Interessen, die in einer weiteren ökonomischen Expansion münden konnten. Der Skakoaner betrachtete Pantoras mögliche Aufnahme grundsätzlich mit Wohlwollen. Jede Erweiterung der Republik vergrößerte jenen wirtschaftlichen Raum, innerhalb dessen Waren, Kapital und Technologie zirkulieren konnten, sofern der Senat der Versuchung widerstand, jeden neuen Austausch zunächst unter Bergen gut gemeinter Vorschriften zu begraben. Pantora besaß eigene industrielle Kapazitäten, eine entwickelte Gesellschaft und zugleich Bedarf an Austausch und Investitionen. Für Metalorn und die Techno Union musste daraus kein unmittelbarer Gewinn entstehen, um langfristig interessant zu sein.

Dann traf Senator
Lucan Serris ein und begann beinahe noch vor seiner eigentlichen Vorstellung mit den Sachfragen. Vold kannte den Namen.
Lianna allein hätte genügt, um seine Aufmerksamkeit zu gewinnen.
Serris’ frühere Verbindung zu Santhe Technologies machte ihn darüber hinaus zu einem Mann, bei dem Trembor zumindest davon ausgehen konnte, dass Begriffe wie Übergangsfrist, industrielle Harmonisierung und regulatorische Zuständigkeit keine abstrakten Verwaltungskategorien blieben. Der Senator stellte die richtigen Fragen, vielleicht etwas früher als gesellschaftlich vorgesehen, doch gerade das war Vold erheblich sympathischer als jene Ausschussmitglieder, die zwanzig Minuten über gemeinsame Werte sprachen, ihren zivilisatorischen Mehrwert performativ hervorhoben, bevor sie irgendwann bemerkten, dass niemand die Finanzierung der gemeinsamen Werte geklärt hatte. Als Serris seinen Übereifer schließlich mit einem Lächeln entschuldigte, hob Trembor leicht eine Hand.

„Dafür müssen Sie sich kaum entschuldigen, Senator Serris. Ich empfinde es als ausgesprochen beruhigend, dass zumindest einer von uns die Tagesordnung interessanter findet als das Gebäck.“

Die Modulation seiner Maske machte es schwer zu bestimmen, wie viel Humor darin lag, doch die leichte Neigung seines Kopfes nahm der Bemerkung jede Schärfe. Sein Blick glitt anschließend über den Tisch. Senatorin Delentes hatte Tee bestellt, Senator Serris ebenfalls. Senatorin Adinara hatte Heißgetränke und Gebäck ohnehin bereits diplomatisch zur vorläufigen Tagesordnung erhoben. Senator Hendrey hingegen saß mit seinem umgedrehten Datapad am Tisch, und die pantoranische Botschafterin wartete offenbar tatsächlich gespannt darauf, welche Fragen man ihr stellen würde. Nur Chetlaks Platz blieb leer.
Vold verzichtete auf das Angebot eines Getränks mit einer höflichen Bewegung seiner Hand. Die hermetische Konstruktion seiner Atemmaske machte solche gesellschaftlichen Rituale für ihn zu einer umständlichen Angelegenheit, und er hatte vor langer Zeit gelernt, dass es bisweilen durchaus von Vorteil war, der einzige Anwesende an einem Verhandlungstisch zu sein, der weder trank noch aß. Während andere Hände Tassen suchten, Gebäck teilten oder Servietten zurechtrückten, blieben seine eigenen ruhig vor ihm auf dem Tisch liegen.

Dann vibrierte sein Datapad einmal.
Lediglich eine kurze haptische Meldung gegen den Handschuh. Vold senkte den Blick.

**KAZO // PRIORITÄT INTERN**
**Metalorn bestätigt Ambors Ankunft. Vorstandssitzung vorgezogen. Geschlossene Sitzung. Pressezugang abgelehnt.**
**Bisher keine offizielle Stellungnahme. Empfehlung: keine Reaktion unsererseits.**

Vold betrachtete die Nachricht einen Atemzug lang. Das tiefe Zischen seiner Maske blieb unverändert. Dann schob er die Meldung mit einer Fingerbewegung aus seinem Sichtfeld. Interessant. Dass die Techno Union Ambor hören wollte, war erwartet worden. Dass sie den Termin vorzog und gleichzeitig jeden Pressezugang ausschloss, bedeutete noch keine Vorentscheidung. Vold war klug genug, Unruhe nicht mit einem Todesurteil zu verwechseln. Ambor hatte Jahrzehnte gebraucht, um seine Stellung aufzubauen. Solche Männer verschwanden selten wegen einiger schlechter Tage.
Jedoch
musste Senator Katal Ambor sich zum ersten Mal erklären.

Doch er durftte sich nicht zu sehr dran laben, seine Aufmerksamkeit musste im hier und jetzt sein. Während der Senator von Metalorn vielleicht gerade um sein politisches Überleben kämpfte, musste er dafür sorgen, dass er überhaupt eine Zukunft hatte weiterhin mit diesen Personen hier an einem Tisch sitzen zu dürfen. Seine Stimme lenkte die Aufmerksamkeit daher wieder auf die Pantoranerin.


„Ihre Vorbereitung ehrt Sie, Botschafterin Vey. Allerdings hoffe ich, dass Sie unsere Fragen heute nicht ausschließlich als Prüfung Pantoras verstehen.“ Er richtete den Oberkörper geringfügig auf sie aus, hielt seine Haltung jedoch offen genug, um Serris und die übrigen Mitglieder in den Gedanken einzubeziehen. „Ein Beitrittsverfahren sollte ebenso beantworten, ob die Republik den Erwartungen des Beitrittskandidaten gerecht werden kann. Sie schließen sich keinem Verwaltungsapparat an. Zumindest hoffe ich, dass wir diesen Anspruch noch nicht aufgegeben haben.“ Eine kaum merkliche Pause folgte. „Senator Serris hat deshalb einen Punkt angesprochen, den auch ich für entscheidend halte: die Übergangsphase. Verträge können Zuständigkeiten innerhalb weniger Zeilen übertragen. Verwaltungen, Unternehmen und Bürger benötigen dafür gewöhnlich etwas länger.“

Vold legte zwei behandschuhte Finger auf die Tischfläche und ließ einen Teil der von Vey bereitgestellten Unterlagen vergrößern.

„Mich würde weniger interessieren, wie viele republikanische Standards Pantora zu übernehmen bereit ist. Diese Zahlen können wir alle lesen. Mich interessiert, wo Ihre Regierung selbst die Grenze zieht.“ Nun wandte sich die spiegelnde Fläche seiner Gläser wieder eindeutig Vey zu. „Welche wirtschaftlichen und administrativen Strukturen betrachtet Pantora als so wesentlich für die eigene Handlungsfähigkeit, dass ihre Bewahrung auch nach einem Beitritt gewährleistet bleiben sollte?“

Die Frage war bewusst offen gestellt. Sie berührte Serris’ praktische Zuständigkeiten, ohne ihm seine Frage zu nehmen. Sie streifte jene regionale Eigenständigkeit, für die Delentes eintrat. Sie gab Vey Gelegenheit, über Pantoras eigene Vorstellungen zu sprechen, statt lediglich republikanische Forderungskataloge abzuarbeiten. Und sie führte das Gespräch zugleich auf jenes Terrain, auf dem Vold selbst seit Jahren operierte: die Grenze zwischen gemeinsamer Ordnung und zentraler Einmischung. Orto Plutonia erwähnte er nicht.
Serris hatte die Frage aufgeworfen, und Trembor sah keinen Grund, jedes Thema augenblicklich an sich zu ziehen. Er wusste genug über Politik, um zu wissen, dass Kompetenz gelegentlich gerade darin bestand, zu erkennen, wann ein anderer die bessere Frage gestellt hatte. Er lehnte sich wieder geringfügig zurück.
Sein Blick wanderte über die Anwesenden, blieb für einen Moment an Senatorin
Delentes hängen und glitt schließlich zu Senator Hendrey. Derselbe Mann, dessen Stimme vor wenigen Tagen durch die Senatskuppel gedrungen war, nachdem Ambor gesprochen hatte. Damals hatten Meter, Kameradrohnen und die gesamte aufgewühlte Republik zwischen ihnen gelegen. Nun saß er nur wenige Plätze entfernt und sprach von Freiheit, Sicherheit und gemeinsamer Verantwortung, während irgendwo auf Metalorn Katal Ambor vor den Entscheidungsträgern der Techno Union saß. Über dem Tisch schwebten die Daten einer Welt, die darüber nachdachte, Teil der Neuen Republik zu werden und er saß mit am Tisch.

I|I Mon Calamari I|I Coral City I|I Senatsgebäude I|I Kleiner Besprechungssaal I|I Vold Trembor, Botschafterin Vey, Senator Hendrey, Senator Serris, Senatorin Nashana und Senatorin Adinara I|I​
 
Dac / Coral City / Senatsgebäude / Kleiner Besprechungssaal / Senator Jon Hendrey, Ylsara Adinara, Nashana Delentes, Vold Trembor, Talaria Vey, Lucan Serris

Es gab Momente, in denen ein Politiker nur zwei Dinge tun musste: Lächeln und Nicken. Und keinesfalls zugeben, dass er innerlich gerade die Sitzordnung in einem überschaubaren Besprechungssaal lernen musste.

Senatorin Delentes nahm seinen gerade noch geretteten Einstieg jedenfalls mit erstaunlicher Milde auf. Beim nächsten Mal, sagte sie, solle er einfach eine Sekunde länger hinsehen. Jon erwiderte ihr Lächeln mit jener breiten, warmen Gelassenheit, die vor einer Kamera wie Charme wirkte und hinter den Augen damit beschäftigt war, den Vorfall endgültig in eine kleine, menschliche Anekdote umzudeuten.


"Ein berechtigter Hinweis, Senatorin Delentes"

Er neigte den Kopf ein wenig, als nähme er eine fachliche Empfehlung entgegen. Das war ordentlich gerettet, vielleicht sogar mehr als ordentlich. Er ließ den Blick zu Ylsara wandern, gerade rechtzeitig, um ihren Kommentar über bruchsicheres Geschirr zu hören. Für den Bruchteil eines Augenblicks sah Jon wieder den Teller vor sich. Die Flugbahn. Sein eigenes Ausweichen. Und das Porzellan, das Ylsaras Stirn traf. Sein Lächeln wurde einen Deut kleiner. Warum hatte er den scheiß Teller nicht fangen können? Er war Quarterback im College-Grav-Ball gewesen!

"Die Wunde ist fantastisch verheilt. Großartig!"

Fügte er lobend an, als sei das Ylsaras persönlicher Verdienst gewesen.

Dann wurde Botschafterin Vey angekündigt und der Raum veränderte sich. Nicht dramatisch, aber wirklich spürbar. Eben noch hatte die Abwesenheit des Vorsitzenden wie ein peinlicher leerer Stuhl im Raum gestanden, um den alle höflich herumsprachen. Nun trat Talaria Vey ein, und plötzlich hatte der Termin ein Zentrum und Pantora ein Gesicht. Goldene Linien, helle Haare, eine sorgfältig gesetzte Robe und eine grundlegende Optik, die Ylsara und der anderen Togruta-Senatorin, Delentes, Konkurrenz machte.

Als Talaria ihm die Hand reichte, erhob er sich mit jener geschmeidigen Selbstverständlichkeit, die er für diplomatische Begrüßungen perfektioniert hatte. Sein Händedruck war fest, aber nicht besitzergreifend, sein Lächeln offen, aber nicht privat.


"Botschafterin Vey. Die Freude ist ganz meinerseits."

Er hielt ihren Blick einen Moment lang, nicht zu lang, nicht zu kurz.

"Pantoras Weg zur Neuen Republik ist ein starkes Zeichen in einer Zeit, in der starke Zeichen gebraucht werden. Eine freie Welt, die sich für Demokratie, Sicherheit und gemeinsame Verantwortung entscheidet, stärkt nicht nur sich selbst, sondern die Idee einer freien Galaxie. Ich freue mich darauf, mehr darüber zu hören, welchen Platz Ihre Heimat in dieser gemeinsamen Zukunft einnehmen möchte."

Er setzte sich wieder und schob sein umgedrehtes Datapad ein wenig weiter von sich weg, als könne dadurch auch die Tatsache verschwinden, dass am Rand der Zusammenfassung noch immer mehrere Anweisungen in Großbuchstaben standen. Dann geschah, was in Ausschüssen zwangsläufig geschehen musste.

Jemand wurde sachlich: zuerst Senator Serris von Lianna. Jon hörte ihm aufmerksam zu. Serris wirkte nicht unangenehm dabei, sondern vielmehr gut vorbereitet. Ein Mann, der Unterlagen nicht nur besaß, sondern offenbar auch gelesen hatte.

Dann kam Trembor.

Der Skakoaner sprach langsamer, tiefer, mit einer maskierten Ruhe. Ein Beitrittsverfahren sei nicht nur eine Prüfung Pantoras. Es war auch eine Prüfung der Republik. Welche Strukturen wollte Pantora bewahren? Wo lag die Grenze zwischen gemeinsamer Ordnung und zentraler Einmischung? Jon nahm sein Wasserglas, ohne daraus zu trinken. Das war einer dieser Augenblicke, in denen man viel gewinnen konnte, wenn man nicht zu viel sagte. Er war nicht vorbereitet genug, um eine bessere Detailfrage zu stellen als Serris. Er war auch nicht Trembor, der aus drei Zuständigkeiten und zwei Handelsinteressen eine ganze politische Philosophie basteln konnte. Aber er war Jon Hendrey. Und Jon Hendrey wusste, wie man aus Details eine Linie machte.

Als sich eine natürliche Lücke im Gespräch auftat, stellte er das Glas wieder ab.


"Ich glaube, der stellvertretende Senator Trembor berührt hier einen wichtigen Punkt"

Seine Stimme war ruhig, tragfähig und gerade laut genug, um nicht nach Zwischenruf zu klingen.

"Ein Beitritt darf keine Verkleinerung einer Welt sein"

Er ließ den Satz kurz stehen.

"Pantora sollte nicht in die Republik eintreten, um weniger Pantora zu werden. Sondern um als Pantora Teil von etwas Größerem zu sein."

Das war sicher. Das war sauber. Das war ein Satz, den man später problemlos zitieren konnte, wenn irgendjemand aus diesem Ausschuss doch noch etwas Brauchbares für die Öffentlichkeit benötigte. Jon sah zu Talaria Vey hinüber.

"Die Republik gewinnt nichts, wenn sie einer freien Welt zuerst erklärt, welche Teile ihrer eigenen Identität sie an der Tür abzugeben hat. Sie gewinnt, wenn sie Welten stärker macht. Sicherer. Handlungsfähiger. Verbundener mit anderen freien Welten, ohne sie in einem Apparat zu verlieren, der am Ende niemandem mehr gehört."

Er bewegte sich dort, wo er sich am besten auskannte: auf dem Boden der großen, substanzlosen Begriffe.

"Die Details werden wir prüfen müssen. Zuständigkeiten, Sicherheitsfragen, wirtschaftliche Anpassungen, all das."

Er hob die Hand leicht, als lägen diese Einzelheiten sauber geordnet vor ihm und nicht zu großen Teilen in jenem Teil der Unterlagen, den er noch nicht erreicht hatte.

"Aber der Grundsatz sollte klar sein: Gemeinsame Sicherheit darf nicht bedeuten, dass eine Welt ihre Eigenständigkeit verliert. Und Eigenständigkeit darf nicht bedeuten, dass sie in schwierigen Momenten allein steht."

Nun war das Lächeln wieder da, wärmer, staatsmännischer, mit genau jener Mischung aus Unterstützung und Erwartung, die Jon gern als Führungsqualität betrachtete.

"In diesem Sinne interessiert mich dieselbe Frage wie meine Kollegen, Botschafterin. Nicht nur, welche Standards Pantora zu erfüllen bereit ist. Sondern welche Teile Pantoras die Republik schützen muss, wenn dieser Beitritt mehr sein soll als nur ein bindender Vertrag."

Er lehnte sich zurück. Das war genug fürs Erste.

Dac / Coral City / Senatsgebäude / Kleiner Besprechungssaal / Senator Jon Hendrey, Ylsara Adinara, Nashana Delentes, Vold Trembor, Talaria Vey, Lucan Serris
 
Mon Calamari | Dac | Coral City | Senatsgebäude | Kleiner Besprechungssaal
Lucan Serris, Talaria Vey, Ylsara Adinara, Nashana Delentes, Vold Trembor und Jon Hendrey
Drei Fragen in Folge, und noch keine einzige Antwort. Lucan fand das nicht unhöflich — eher bemerkenswert diszipliniert für ein Gremium, das sich erst vor wenigen Minuten überhaupt kennengelernt hatte. Trembor hatte die Frage sauber zugespitzt, Hendrey hatte sie mit einem Satz versehen, der sich zweifellos gut in einer Pressemitteilung machen würde. Botschafterin Vey saß nun mit der Aufmerksamkeit einer Frau da, die versuchte, drei verschiedene Fragen gleichzeitig zu beantworten, ohne eine davon zu kurz kommen zu lassen.
Lucan nahm einen weiteren Schluck Tee und wartete einen Moment länger als nötig, bevor er den Satz begann, den er sich zurechtgelegt hatte. Für einen Atemzug fand er das Wort nicht, das er suchte — eine kleine Lücke, die er der frühen Stunde zuschrieb, bevor er den Blick wieder auf die Unterlagen vor sich richtete.
„Wenn ich kurz anschließen darf“, sagte er schließlich, „ich glaube, dabei lohnt sich eine Unterscheidung.“
Er ließ das Datapad, auf dem seine eigenen Markierungen lagen, für einen Moment unbeachtet.
„Die Frage, welche republikanischen Standards Pantora zu übernehmen bereit ist, lässt sich vermutlich recht zügig beantworten. Die meisten Beitrittskandidaten sagen an dieser Stelle Ja, solange niemand nach dem genauen Zeitplan fragt.“
Ein kurzes, trockenes Lächeln, mehr Feststellung als Scherz.
„Interessanter wäre für mich die andere Seite der Gleichung: welche Zuständigkeiten ausdrücklich bei Pantora verbleiben sollen, auch während der Übergangsphase, und welche an republikanische Stellen übergehen. Das sind zwei getrennte Fragen, die in den Unterlagen gern miteinander verschwimmen.“
Er neigte den Kopf leicht in Richtung Vey, ohne ihr damit die Antwort vorwegzunehmen.
„Gerade bei geteilten Zuständigkeiten dürfte eine klare Trennung beiden Seiten später mehr Ärger ersparen als jede noch so sorgfältig formulierte Klausel.“
Damit lehnte er sich zurück und griff erneut nach der Tasse. Mehr musste er dazu nicht sagen. Die Botschafterin hatte nun drei Fragen und eine Unterscheidung, mit denen sie arbeiten konnte — und ihm blieb, zumindest vorerst, der Tee.
Mon Calamari | Dac | Coral City | Senatsgebäude | Kleiner Besprechungssaal
Lucan Serris, Talaria Vey, Ylsara Adinara, Nashana Delentes, Vold Trembor und Jon Hendrey
 
| Outer Rim | Calamari-Sektor | Calamari-System | Mon Calamari | Coral City | Senatsgebäude | Konferenzraum Aurek Sieben | Talaria Vey, Ylsara Adinara, Nashana Delentes, Vold Trembor, Jon Hendrey und Lucan Serris |


Die Herzlichkeit, mit der man sie empfangen hatte, nahm Talaria einen Teil ihrer anfänglichen Anspannung. Senatorin Adinaras freundlicher Handschlag und Delentes’ ebenso offene Begrüßung hatten ihr das Gefühl gegeben, an diesem Tisch willkommen zu sein. Auch Trembors Anerkennung ihrer Vorbereitung war ihr angenehm in Erinnerung geblieben. Sie hatte sich mit einem warmen

„Vielen Dank, das hoffe ich sehr“ dafür bedankt und dabei etwas breiter gelächelt, als sie beabsichtigt hatte.

Hendreys Begrüßung hatte sie ebenfalls aufmerksam aufgenommen. Sein fester Händedruck und der unmittelbare Blickkontakt vermittelten eine Sicherheit, die sie in diesem Augenblick beruhigend fand. Über Pantoras Platz in einer gemeinsamen Zukunft hatte sie während der Vorbereitung oft nachgedacht. Nun hörte sie einen Senator darüber sprechen, dessen Heimatwelt bereits erheblichen Einfluss innerhalb der Republik besaß.

„Ich freue mich darauf, Ihnen unsere Vorstellungen näherzubringen, Senator“, erwiderte sie. „Auf Pantora verbinden viele große Hoffnungen mit diesem Schritt.“

Inzwischen saß sie vor ihren bereitgestellten Unterlagen und bemerkte, dass ihre Finger den Rand des Datenpads losgelassen hatten. Der vorgeschlagene Tee klang ausgesprochen verlockend.

Bevor sie auf Adinaras Fragen eingehen konnte, öffnete sich jedoch erneut die Tür. Talaria wandte den Kopf zum Eingang und begrüßte den Hinzukommenden mit einem höflichen Nicken. Als er unmittelbar auf die wirtschaftlichen Übergangsregelungen zu sprechen kam, richtete sie sich etwas auf. Bei der Erwähnung Orto Plutonias legte sie einen Finger neben die entsprechende Rubrik ihres Datenpads.

Sie ließ ihn aussprechen. Seine Fragen betrafen Themen, die auch während der vorbereitenden Gespräche besondere Aufmerksamkeit verlangt hatten. Dass er sich vor einer Bewertung zunächst die Zusammenhänge erläutern lassen wollte, empfand sie als erfreulich. Seine anschließende Entschuldigung ließ sie wieder lächeln.

„Senator Serris, es freut mich, Sie kennenzulernen. Die Fragen nehme ich gern auf. Gerade bei den Übergangsregelungen ist es hilfreich zu erfahren, an welchen Stellen Sie weiteren Erläuterungsbedarf sehen.“

Lianna. Talaria ordnete den Namen der Welt ein, ohne vorzugeben, sich auf ihren Vertreter ebenso gründlich vorbereitet zu haben wie auf die angekündigten Teilnehmer. Vorerst erschien ihr sein Wunsch nach einer verständlichen Erklärung als guter Ausgangspunkt.

Bei Trembors Bemerkung über Tagesordnung und Gebäck huschte ein amüsiertes Lächeln über ihr Gesicht. Sie sah kurz zu dem bereitgestellten Teller und anschließend wieder in die Runde.

„Ich hoffe, beides lässt sich miteinander vereinbaren. Für mich bitte ebenfalls einen Tee“, ergänzte sie an den Sitzungsdiener gewandt. „Vielen Dank.“

Dann wandte sie sich wieder Adinara zu, deren Fragen sie über Serris’ Ankunft keineswegs vergessen hatte.

„Meine Anreise war angenehm, danke der Nachfrage. Wir sind in mehreren Etappen über die für unseren Flug freigegebenen zivilen Korridore gekommen. Die genaue Folge der Systeme müsste ich allerdings im Flugplan nachsehen. Ich fürchte, während eines guten Teils der Reise haben die Berichte auf meinem Datenpad mehr Aufmerksamkeit bekommen als unsere Navigation.“

Ihr Lächeln nahm einen leicht selbstironischen Zug an.

„Von Coral City kenne ich bislang vor allem den Blick aus der Fähre und den Weg hierher. Beides hat bereits genügt, um einige Pläne für die Zeit nach diesem Termin zu wecken.“

Sie dachte an die hellen Kuppeln während des Anflugs und das Relief, vor dem sie beinahe stehen geblieben wäre.

„Ich zeichne gern. Die Spiegelungen auf dem Wasser und die geschwungenen Gebäude haben es mir schon jetzt angetan. Falls Sie einen schönen Platz dafür empfehlen können, würde ich mich sehr freuen.“

Talaria ließ ihren Blick auch zu Delentes wandern.

„Sie haben auf Dac studiert, wenn meine Informationen richtig sind, Senatorin Delentes. Vielleicht kennen Sie sogar einen Ort, den man als Neuankömmling leicht übersieht.“

Als der Sitzungsdiener ihren Tee abstellte, bedankte sie sich leise und rückte die Tasse etwas näher. Ihre Finger ruhten kurz an deren warmer Oberfläche, bevor Trembor das Gespräch wieder auf Pantoras Beitritt lenkte.

Talaria hörte aufmerksam zu. Hinter den spiegelnden Gläsern seiner Maske blieb sein Blick verborgen, doch die Ausrichtung seines Oberkörpers und seine Wortwahl machten deutlich, dass er mehr als eine Zusammenfassung der vorliegenden Dokumente erwartete. Bei seinem Hinweis auf Pantoras eigene Erwartungen nickte sie leicht.

Seine Frage danach, wo ihre Regierung selbst die Grenze ziehe, verlangte etwas Überlegung. Dahinter konnte die Sorge um politische Selbstbestimmung stehen, ebenso die nach wirtschaftlichem Handlungsspielraum. Beides hing zusammen, ließ sich aber kaum mit derselben Antwort vollständig behandeln.

Noch während sie ihre Gedanken ordnete, stellte Hendrey sein Wasserglas ab und ergriff das Wort. Talaria wandte ihm ihre Aufmerksamkeit zu. Seine Aussage, Pantora solle durch den Beitritt als Pantora Teil einer größeren Gemeinschaft werden, sprach etwas an, das ihr persönlich viel bedeutete. Unwillkürlich wurde ihr Ausdruck weicher.

Zu Hause hatte man wirtschaftliche Möglichkeiten ebenso besprochen wie gemeinsame Verteidigung und die künftigen Verpflichtungen. Dazwischen war immer wieder die Frage aufgetaucht, welchen Platz die eigene Heimat in einem derart großen Staatenbund einnehmen konnte. Hendrey fasste diese Sorge in Worte, die auch außerhalb eines Ausschusses verständlich gewesen wären.

Sein Lächeln wirkte ermutigend. Talaria nahm es als Einladung, ihre Vorstellungen offen auszusprechen. Zugleich hatte er bislang einen Grundsatz formuliert. Was dieser für einzelne Vereinbarungen bedeutete, würde sich erst im weiteren Gespräch zeigen.

Als Serris noch einmal ansetzte, wandte sie sich ihm zu. Seine kurze Suche nach dem passenden Wort überbrückte sie mit einem aufmerksamen Blick. Bei seiner Unterscheidung zwischen dauerhaft verbleibenden Zuständigkeiten und einer vorübergehenden Aufgabenverteilung nickte sie schließlich und hielt eine knappe Notiz auf ihrem Datenpad fest.

Das gab ihrer Antwort eine hilfreiche Ordnung. Sie wollte weder die Frage nach Pantoras Identität mit Verwaltungsabläufen beantworten noch konkrete Zuständigkeiten hinter wohlklingenden Absichtserklärungen verschwinden lassen.

„Der Gedanke, den Sie gerade formuliert haben, trifft eine wichtige Hoffnung unserer Heimat, Senator Hendrey. Die Bevölkerung Pantoras soll sich auch nach einem Beitritt in ihren Institutionen, ihrer Kultur und ihrem öffentlichen Leben wiedererkennen können.“

Ihr Blick bezog Trembor und die übrigen Anwesenden ein.

„Und ich bin Ihnen dankbar, dass Sie ausdrücklich nach unseren Erwartungen fragen. Wir verbinden mit der Mitgliedschaft verlässliche Handelsbeziehungen, wissenschaftlichen und technischen Austausch sowie gemeinsamen Schutz. Dabei möchten wir unsere eigenen Fähigkeiten einbringen. Pantora besitzt Industrie, ausgebildete Fachkräfte und Erfahrung in der Verwaltung und Sicherung seines Systems. Wir kommen mit dem Wunsch, Verantwortung innerhalb dieser Gemeinschaft übernehmen zu dürfen.“



Die Vertrautheit der Themen half ihr. Sie hatte zu Hause bereits darüber gesprochen und an den entsprechenden Vorbereitungen mitgearbeitet. Nun musste sie ihre Überlegungen Personen vermitteln, die Pantora aus einem anderen Blickwinkel betrachteten.

„Senator Serris’ Unterscheidung ist dafür wichtig. Wir müssen festhalten, welche Aufgaben dauerhaft bei Pantora bleiben, welche mit der Mitgliedschaft an die Republik übergehen und wer während einer vereinbarten Umstellung die praktische Arbeit übernimmt. Aus einer vorläufigen Übergangslösung darf später keine Unklarheit über die eigentliche Zuständigkeit entstehen.“

Sie legte eine Hand locker neben ihr Datenpad.

„Zu den Bereichen, die wir weiterhin vor Ort gestalten möchten, gehören unsere örtliche Verwaltung, die Gesellschaftliche und kulturelle Förderung sowie die Ausgestaltung unseres Bildungswesens innerhalb der gemeinsamen Grundrechte und verbindlichen Vorgaben. Die Pantoranische Versammlung und die Regierung müssen dort wirksam entscheiden und gegenüber der Bevölkerung Rechenschaft ablegen können. Bürger sollten wissen, wer für ihre Anliegen verantwortlich ist.“

Bei der Erwähnung ihrer Heimat wurde ihr Ton etwas persönlicher.

„Unsere Familientraditionen, regionalen Eigenheiten und künstlerischen Ausdrucksformen besitzen einen hohen Stellenwert. Dazu gehört auch, unsere Geschichte weiterzugeben und historische Orte zu erhalten. Diese Dinge prägen, wie wir uns selbst verstehen. Ihre Pflege lässt sich mit einer demokratischen, republikanischen Ordnung verbinden.“


Sie dachte kurz an ihre Mutter und die langen politischen Diskussionen zu Hause. Für Talaria gehörten Herkunft und öffentliche Verantwortung eng zusammen. Gerade deshalb wusste sie, dass ein bekannter Name eine Entscheidung noch nicht rechtfertigte.

„Historische Bedeutung allein begründet dabei keinen Anspruch auf ein öffentliches Amt oder eine Ausnahme von gemeinsamen Regeln. Entscheidend bleibt, dass unsere Institutionen demokratisch legitimiert sind und kontrolliert werden können.“


Talaria wandte sich wieder Trembor zu.

„Wirtschaftlich liegt uns besonders daran, dass die Möglichkeiten des Beitritts auch unsere kleineren Betriebe erreichen. Eine neue Zertifizierung oder ein verändertes technisches Verfahren lässt sich für ein großes Unternehmen häufig leichter bewältigen als für einen spezialisierten Familienbetrieb. Wenn wir Zugang zu einem größeren Markt eröffnen, sollten die Übergangsbedingungen diesen Zugang praktisch ermöglichen.“


Sie ließ sich einen Moment Zeit, um den Gedanken genauer zu fassen.

„Dafür benötigen wir verständliche Anforderungen, verlässliche Ansprechpartner und vor allem angemessene Fristen dort, wo Übergangsfristen zulässig sind. Unsere regionalen Verwaltungsstellen kennen die Betriebe und ihre Voraussetzungen. Dieses Wissen möchten wir für die Umstellung nutzen. Welche Strukturen dafür unverändert bestehen bleiben können und welche angepasst werden müssen, sollten wir anhand ihrer Aufgaben prüfen.“


Ihr Blick ging zu Serris.

„Für die Übergangsphase heißt das konkret: Bei jedem noch offenen Aufgabenwechsel müssen die beteiligten Stellen, der Zeitpunkt der Übergabe und die bis dahin geltende Verantwortung benannt werden. Ein laufender Antrag darf während einer Umstellung nicht zwischen zwei Einrichtungen liegen bleiben. Ebenso muss nachvollziehbar sein, wer eine Entscheidung trifft und an wen sich Betroffene wenden können.“

Sie öffnete die entsprechende Übersicht auf ihrem eigenen Display.

„Für Bereiche, in denen beide Ebenen mitwirken, brauchen wir außerdem eine klare Federführung. Zusammenarbeit wird es geben müssen. Sie sollte aber nicht dazu führen, dass jede Seite bei einer schwierigen Entscheidung auf die andere verweist.“

Ihr Blick wanderte zu Delentes, deren öffentlich bekannte Arbeit an der Zusammenarbeit planetarer und republikanischer Sicherheitsbehörden ihr wieder einfiel.

„Bei den Sicherheitsbehörden betrifft das beispielsweise den Übergang eines örtlichen Verfahrens in republikanische Zuständigkeit. Dann müssen Führung, Informationszugang und die weitere Mitarbeit der örtlichen Ermittler geregelt sein. Barancars Erfahrungen mit solchen Schnittstellen dürften für uns sehr aufschlussreich sein, Senatorin.“


An Adinara und Hendrey gewandt, ergänzte sie.

„Bei der Eingliederung unserer Streitkräfte brauchen wir dieselbe Klarheit über Kommandowege und laufende Schutzaufgaben. Eine organisatorische Umstellung muss so vorbereitet werden, dass die verantwortlichen Stellen ihre Aufgaben durchgehend erfüllen können.“


Talaria nahm einen kleinen Schluck Tee und stellte die Tasse behutsam ab. Es tat gut, ihre Gedanken aussprechen zu können. Dennoch wollte sie den Eindruck vermeiden, für jede denkbare Schwierigkeit bereits eine fertige Lösung mitgebracht zu haben.

„Das sind die Maßstäbe, mit denen wir die offenen Punkte betrachten. Welche Übergaben und Fristen die bisherigen Entwürfe bereits eindeutig regeln und wo Ergänzungen erforderlich sind, würde ich gern anhand der jeweiligen Abschnitte mit Ihnen durchgehen. Eine reibungslose Umstellung kann ich Ihnen kaum versprechen. Ich möchte aber dazu beitragen, dass wir absehbare Schwierigkeiten früh benennen und die Verantwortlichen zusammenbringen.“

Anschließend wandte sie sich wieder Serris zu.

„Orto Plutonia würde ich ebenfalls gern kurz einordnen, bevor wir später die einzelnen Unterlagen prüfen. Pantora unterhält dort mehrere kleinere Siedlungen und Außenposten, die aus früheren Expeditionen und der Erschließung von Rohstoffvorkommen hervorgegangen sind. Ihre Versorgung und Verwaltung liegen in pantoranischer Hand. Zugleich leben auf Orto Plutonia die Talz mit eigenen Gemeinschaften und territorialen Interessen.“


Bei diesem Thema wurde ihre Stimme bedachter.

„Der gegenwärtige Frieden beruht auf der praktischen Achtung der bestehenden Einflussgebiete. Damit sind jedoch nicht sämtliche historischen Ansprüche und künftigen Nutzungsfragen abschließend geklärt. Die gesamte Welt als eindeutig geregelten pantoranischen Zuständigkeitsbereich darzustellen, würde den tatsächlichen Verhältnissen nicht gerecht werden.“

Talaria erinnerte sich an die Karten in ihren Unterlagen. Ihre Linien vermittelten bisweilen eine Eindeutigkeit, die sich aus den begleitenden Berichten längst nicht überall ergab.

„Für das Beitrittsverfahren sollten wir daher genau unterscheiden, welche Einrichtungen Pantora verwaltet, welche weitergehenden Ansprüche bestehen und welche Fragen einer Verständigung mit den Talz bedürfen. Auch der räumliche Geltungsbereich der Vereinbarungen muss entsprechend eindeutig sein. Mein Mandat erlaubt mir, Pantoras Position zu vertreten. Für die Talz kann ich keine Zustimmung erklären.“


Sie ließ den Blick einen Moment auf Serris ruhen und bezog anschließend die Runde wieder ein.

„Mir persönlich ist daran gelegen, den bestehenden Frieden zu bewahren. Für weitere wirtschaftliche Vorhaben halte ich vertragliche Lösungen und gemeinsam vereinbarte Nutzungsrechte für den tragfähigsten Weg. Die bestehenden Siedlungen und ihre Bewohner haben berechtigte Interessen. Ebenso müssen die Interessen der Talz in einer solchen Verständigung ihren Platz finden.“


Ihre Hand ruhte wieder neben der Tasse. Zum ersten Mal seit ihrer Ankunft bemerkte sie, wie weit die anfängliche Nervosität bereits zurückgetreten war. Die Fragen waren anspruchsvoll, doch sie gaben ihr Gelegenheit, ihre Heimat verständlich zu vertreten. Sie hoffte, dabei ebenso offen gewirkt zu haben, wie sie den Anwesenden begegnen wollte.

Ein kurzer Blick auf den weiterhin freien Platz des Vorsitzenden erinnerte sie daran, dass die Sitzung noch gar nicht offiziell eröffnet worden war. Talaria sah zu Adinara, und ein kleines, etwas verlegenes Lächeln kehrte auf ihr Gesicht zurück.

„Nun bin ich doch schon recht ausführlich geworden. Dabei wollten wir zunächst mit dem Tee beginnen.“

Sie ließ die Bemerkung einen Moment wirken, bevor sie sich wieder der gesamten Runde zuwandte.

„Ihre Erfahrungen würden mich jedenfalls sehr interessieren. Wo haben sich bei vergleichbaren Übergängen Schwierigkeiten gezeigt, die in den vorbereiteten Vereinbarungen zunächst kaum zu erkennen waren?“


| Outer Rim | Calamari-Sektor | Calamari-System | Mon Calamari | Coral City | Senatsgebäude | Konferenzraum Aurek Sieben | Talaria Vey, Ylsara Adinara, Nashana Delentes, Vold Trembor, Jon Hendrey und Lucan Serris |
 
Zurück
Oben