Tagespolitik allgemein

Ich frag mich ja immer, wie man nur so verdammt viel Zeit dafür übrig haben kann, um an diesem Quark teilzunehmen und obendrein auch noch durch halb Deutschland zu reisen.

Zeit haben viele von denen wirklich im Überfluss und dann sehen die sich ja mittlerweile wirklich im Kampf gegen eine Diktatur. Man darf sich ruhig darauf einstellen, dass sich das, was letzte Woche in Berlin los war, noch wiederholen wird. Die Beobachtung durch den Bundesverfassungsschutz ist da nur konsequent, kommt aber vielleicht ein paar Monate zu spät.
 
Zeit haben viele von denen wirklich im Überfluss und dann sehen die sich ja mittlerweile wirklich im Kampf gegen eine Diktatur.

Das ist ziemlich erschreckend, wie abgedriftet manche da sind. Da sind haufenweise verkrachte Existenzen unterwegs, deren einzige "Hoffnung" es inzwischen wirklich ist, dass das System gestürzt wird, und damit auch ihre private und/oder berufliche Insolvenz hinfällig wird. Ich habe so einen Fall im erweiterten Bekanntenkreis. Freiberufler, de facto seit Monaten pleite, Staatsanwaltschaft am Hals, weil er auf seinem Grundstück 40 bis 50 Gesinnungsgenossen bewirtet hat, und der Nachbar die Bullen gerufen hat, weil dessen Einfahrt zugeparkt war. :crazy Pro Woche ist der Kollege auf mehreren Demos und Kundgebungen unterwegs, und setzt ansonsten seine Hoffnung auf den Schwurbelanwalt Füllmich, dem er natürlich sofort 800 Euro überwiesen hat, in Erwartung dass das nach dessen Klagewelle mindestens zehnfach zurückkommt. :facep:
Solche Leute sind halt nicht nur komplett bescheuert, sondern haben die nunmal auch die Tendenz irgendwann militant und gewalttätig zu werden, je mehr sie sich in die Enge getrieben fühlen. Die Wildwestmethoden des ein oder anderen Reichsbürgers in der Vergangenheit sollten eigentlich Warnung genug sein, was da herangezüchtet wird, insofern ist die Beobachtung durch den VVS nur konsequent.

C.
 
Ich frag mich ja immer, wie man nur so verdammt viel Zeit dafür übrig haben kann, um an diesem Quark teilzunehmen und obendrein auch noch durch halb Deutschland zu reisen.

Man muss halt Prioritäten setzen im Leben. ;)

Ähnlich wie Crimson schätze ich die meisten dieser Menschen so ein, dass sie durch die Pandemie entweder viel verloren haben (und dadurch viel Zeit gewonnen), oder von vornherein chronisch unterbeschäftigt waren und in der Querdenker-Szene endlichen ihren „Sinn des Lebens“ fanden. Deshalb findet man dort auch dieselben Mechanismen wie in jeder anderen (extremen) Ideologie auch, die sich durch selektive Wahrnehmung selbst zu erhalten versucht und daber immer aggressiver gegen „Andersgläubige“ vorgeht.
 
Ich hab irgendwie ein Problem mit zehntausend verschiedenen Tyler Durdens, die alle für sich jeweils ihre eigene mannigfaltige Individualität entdeckt haben und daher meinen, dass von der Meinungsäußerung bis zum Landfriedensbruch sowieso alles einerlei sei...

Querdenken ist IMO einfach nur das neue PEGIDA. Anderes Thema, inhaltlich aber dieselbe Grütze. Diese Leute wollen nicht verstanden werden, sondern einfach nur mehr Moment erlangen...
 
Als hätte jemand "Spinner aller Länder, vereinigt euch!" gerufen - und das Ergebnis war dann die Querdenker-Szene ^^
 
Nur sind das keine Spinner mehr. Ein Spinner sitzt an der Theke und faselt wirres Zeug. Anders sieht es aus, wenn man Leute angreift und/oder umbringt oder gar das Parlament direkt angreift. Ich wünschte, dass ich hier übertreiben würde, aber das ist, was dabei herauskommt, wenn sich nur noch Wut auf der Straße versammelt.
 
Querdenken ist IMO einfach nur das neue PEGIDA. Anderes Thema, inhaltlich aber dieselbe Grütze. Diese Leute wollen nicht verstanden werden, sondern einfach nur mehr Moment erlangen...

Meiner Meinung nach besteht da in Deutschland seit 2014 (seit den Hooligans gegen Salafisten und den Friedensmahnwachen) eine stetige Entwicklung (mit PEGIDA und Querdenken als weiteren "Meilensteinen"). Mit jedem neuen Zusammenschluss scheint dabei die Grundaggressivität der (in Teilen zunehmend radikalisierten) Teilnehmer zu steigen, weil man bei den vorherigen Versuchen mit "friedlichem" Protest nicht die gewünschten Ergebnisse erzielt hat.

Es dürfte also eher noch schlimmer als allmählich besser werden. Und die Politik scheint darauf jedes Mal bloß mit Populismus antworten zu wollen.

Grüße,
Aiden
 
Die Überschneidungen zwischen Pegida, den Mahnwachen und HoGeSa mit den Querdenkern sind in der Tat sehr groß. Diese ganzen Bewegungen sehen in Corona - völlig zurecht - die bisher beste Möglichkeit, ihre antiaufklärerische Ideologie in die Mitte der Gesellschaft zu tragen, da Corona nunmal jeden auf die ein oder andere Art betrifft. Bleibt zu hoffen, dass dieses teilweise doch sehr seltsame Bündnis auch wieder verschwindet, wenn die Pandemie endlich abebbt, da dann einerseits schlicht der Grund für die Proteste fehlt, und andererseits die Unterschiede zwischen den einzelnen Gruppierungen wieder stärker aufbrechen. Schon jetzt gibt es wohl Spannungen, z.B. zwischen der "Singen, Klatschen und Tanzen- Fraktion" aus Althippies, Esoterikschwurblern und Ökos, und den Pegida-HoGeSa-Leuten, die zunehmend auf Militanz und Gewaltbereitschaft setzen.
Was diese Proteste auf jeden Fall gezeigt haben ist, dass es da draußen haufenweise Leute gibt, die eine offene, demokratische und pluralistische Gesellschaft zutiefst verachten und ablehnen, und das eben nicht nur an den Rändern links und rechts, sondern auch in der sogenannten "Mitte". Diese Menschen wieder einzufangen, wird sehr schwierig, und in vielen Fällen leider unmöglich sein. Sehr viele haben sich da zu tief in ein Netz aus Fake-News, Verschwörungsideologien, Esoterik und schlichtem Wahn verstrickt, und werden sich auch nach Corona in einer Welt von Feinden wähnen, und das einfach an anderen Themen festmachen, gegen die sie "Widerstand" leisten müssen.

C.
 
Mit jedem neuen Zusammenschluss scheint dabei die Grundaggressivität der (in Teilen zunehmend radikalisierten) Teilnehmer zu steigen, weil man bei den vorherigen Versuchen mit "friedlichem" Protest nicht die gewünschten Ergebnisse erzielt hat.

Ich glaube aber gar nicht, dass das eine kontinuierliche Entwicklung ist und sich Aggressionen aufaddieren. (Im Sinne von: die Leute wandern einfach zur nächsten aufkeimenden Bewegung ab, wenn die eine an Zugkraft verliert.) Wenn ich mal 'ne halbwegs professionelle Vermutung aufstellen müsste, würde ich sagen, dass es vor allem die rechte Szene bzw. deren militanter Teil ist, der solche Bewegungen unterwandert und gezielt radikalisiert. Bisher konnte man auf jeder Demonstration, die von Querdenken [PLZ] angemeldet wurde, ein bis mehrere bekannte Gesichter aus der Neonazi-Szene ausmachen. Ich glaube also schon, dass auch diese Bewegung wieder in sich zusammenfallen wird, sobald sich die gesundheitliche Lage normalisiert - allein deshalb, weil viel Fußvolk danach wieder in Lohn und Brot stehen und darum keine Zeit mehr haben wird.
 
Ich glaube aber gar nicht, dass das eine kontinuierliche Entwicklung ist und sich Aggressionen aufaddieren. Wenn ich mal 'ne halbwegs professionelle Vermutung aufstellen müsste, würde ich sagen, dass es vor allem die rechte Szene bzw. deren militanter Teil ist, der solche Bewegungen unterwandert. Bisher konnte man auf jeder Demonstration, die von Querdenkern angemeldet wurde, ein bis mehrere bekannte Gesichter aus der Neonazi-Szene ausmachen. Ich glaube also schon, dass auch diese Bewegung wieder in sich zusammenfallen wird, sobald sich die gesundheitliche Lage normalisiert - allein schon, weil viel Fußvolk danach wieder in Lohn und Brot stehen und darum keine Zeit mehr haben wird.

Ich wollte mit meinem Beitrag nicht ausdrücken, dass die jeweiligen Bewegungen mit einem immer höheren Gewaltgrundpotential beginnen. Da war ich vielleicht etwas zu ungenau beim Schreiben. Bei HoGESa und PEGIDA sehe ich zwar schon einen braunen Gründungsgrundstock, aber zumindest die Friedensmahnwachen und auch Querdenker dürften wohl erst "mit der Zeit" von Rechten stark unterlaufen worden sein. Und genau bei diesem Klientel (und auch deren Ideologie nahestehenden Person) würde ich schon eine im Laufe der Jahre gesunkene Hemmschwelle attestieren.

Interessant wäre in diesem Fall wie groß die personelle Schnittmenge zwischen diesen vier Protestbewegungen ist. Ken Jebsen oder Jürgen Elsässer haben sich beispielsweise in der Vergangenheit ja bei den Mahnwachen und PEGIDA gerne (und oft) präsentiert.

Grüße,
Aiden
 
Bei HoGESa und PEGIDA sehe ich zwar schon einen braunen Gründungsgrundstock, aber zumindest die Friedensmahnwachen und auch Querdenker dürften wohl erst "mit der Zeit" von Rechten stark unterlaufen worden sein.

Wobei die Zeit ziemlich kurz gewesen ist. Sowohl bei den Wahnmachen und auch bei Querdenken waren quasi von Anfang an die entsprechenden Köpfe und Gruppen auf den Demos auszumachen, und die wurden nicht etwa kritisch beäugt, oder gar unerwünscht, sondern man schloss diese sogleich in die Arme, und verschaffte den Protagonisten großzügig Redezeit.
Rückwärtsgewandte Ansichten sowie antimoderne und antiaufklärerische Tendenzen gibt ja nicht nur im Rechtsextremen Millieu, sondern eben auch in der Umweltbewegung, der Friedensbewegung, in Esoterikzirkeln, bei Libertären, evangelikalen Freikirchen, Anthroposophen usw. Allen ist gemein, dass dort staatliche Strukturen, Autoritäten, moderne Medizin und Wissenschaften sehr kritisch gesehen werden. Es ist übrigens kein Zufall, dass Querdenken ausgerechnet in Stuttgart seinen Anfang nahm. Baden-Württemberg ist quasi das Stammland der kruden anthroposophischen Lehren Rudolf Steiners, und im Hinterland tummeln sich einige, von einem strengen Pieätismus geprägte, religiöse Eiferer.

Ich lese gerade dieses Buch, in dem sehr genau auf die Zusammensetzung und Motivation der Querdenken-Bewegung eingegangen wird, sowohl in Deutschland, als auch in unseren Nachbarländern:

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C.
 
@Ben
Ich gebe jetzt kein Werturteil ab, sondern ich stelle eine Frage.
Warum kann die FDP als Partei gegen die Neufassung des Bundesinfektionsgesetz Verfassungsklage einreichen,aber andere Parteien konnten das wegen der "Ehe für alle" nicht tun.
Ich möchte es einfach nur wissen.
 
Warum kann die FDP als Partei gegen die Neufassung des Bundesinfektionsgesetz Verfassungsklage einreichen,aber andere Parteien konnten das wegen der "Ehe für alle" nicht tun.

Weil die FDP-Bundestagsfraktion eine Verfassungsbeschwerde erhoben hat, gegen die "Ehe für alle" hätte nur im Rahmen einer abstrakten Normenkontrolle geklagt werden können. Eine Verfassungsbeschwerde kann jedermann erheben, darum ist es zwar symbolisch sicher nett, dass die gesamte FDP-Bundestagsfraktion unterschrieben hat, aber es hätte auch schon ein Abgeordneter ausgereicht. Für eine abstrakte Normenkontrolle wäre hingegen ein Viertel aller Bundestagsabgeordneten erforderlich.
 
Ich persönlich finde eigentlich jegliche Demo lächerlich, in den meisten Fällen setzt da simples Herdendenken ein und am meisten haben die Anwohner drunter zu leiden.
Die Querdenker sind da nicht anders, das interessante an denen ist, das dort Menschen jeder Politischen Richtung vertreten zu sein scheinen.
Es ist für mich auch nachvollziehbar das diese Menschen protestieren, da die Maßnahmen der Regierung größtenteils willkürlich und verzweifelt sind.
Das ist natürlich kein Freibrief die Maskenpflicht zu umgehen, aber es erklärt den Zulauf den die Gruppe findet.
Der Unmut wird wohl noch weiterwachsen, besonders wenn mehr Leute ihre Geschäfte oder ihr vielleicht sogar Zuhause deshalb verlieren, weil die Regierung willkürlich irgendwelche "halbherzigen Lockdowns mit besonderen Ausnahmen" beschließt die eh nichts bringen.
Für ein richtigen Erfolg bringenden Lockdown wird es jetzt aber wohl zu spät sein, also kann man nur hoffen das es mit den Impfungen endlich vorangeht, selbst die garantieren keinen normalen Alltag wie früher.
Und dann muss man noch hoffen das nicht wieder eine Mutation auftaucht die alle derzeitigen Impfungen nutzlos macht.
Ich denke es werden noch einige dunkle Jahre auf uns zukommen.
 
Das ist natürlich kein Freibrief die Maskenpflicht zu umgehen, aber es erklärt den Zulauf den die Gruppe findet.

Der tatsächliche Zulauf zu diesen Demos ist kleiner als angenommen, da sehr viele der Teilnehmer einen regelrechten Demotourismus betreiben, und sich dort die immer gleichen Gesichter tummeln. Wenn z.B. in Kassel 20.000 Leute auf der Straße sind, dann ist der Großteil aus dem gesamten Bundesgebiet mit Bussen dorthin gekarrt worden. Würde der Zulauf zu dieser Bewegung tatsächlich so stark sein, dann hätte man dort schon längst mal mehrere Großdemos in verschiedenen Städten am selben Tag organisiert, aber das passiert nie, bzw. wenn man es versucht, hat man vielleicht eine etwas größere und viele kleine bis kaum existente Demos.

C.
 
Das ist ziemlich erschreckend, wie abgedriftet manche da sind. Da sind haufenweise verkrachte Existenzen unterwegs, deren einzige "Hoffnung" es inzwischen wirklich ist, dass das System gestürzt wird, und damit auch ihre private und/oder berufliche Insolvenz hinfällig wird.
C.
Diesen Gedanken von Dir finde ich sehr wichtig. Er umfasst auch, weshalb rationale Argumente und Aufklärung hier nicht weiterhelfen. Diese Verzweiflung, die viele empfinden, die sich in einer ausweglosen Lage befinden (Diese muss nicht direkt durch Corona verursacht worden sein), lässt die Aussicht auf verbrannte Erde und einen danach möglichen persönlichen und gesellschaftlichen Neustart attraktiv erscheinen.
Ob der Lockdown nun hart oder weich ist, ob ich durch die Maske Pickel bekomme oder mir einfach (zurecht) die Korruption im Windschatten der Corona-Maßnahmen auf den Sack geht, spielt da gar nicht die große Rolle, solange ich nur vor mir und anderen vordergründig rechtfertigen kann, mit der Fackel loszuziehen und "böse" Strukturen niederzubrennen.
Die Querdenker-Szene setzt sich sicherlich sehr heterogen zusammen, da sind auch milde und kluge Leute dabei. Aber die Verzweifelten sind am radikalisierbarsten und werden bei der Bundestagswahl entsprechend radikal wählen, auch solche, die nie bei den Demos auftauchen.
Die gemäßigten Parteien werden diesen Frustrierten im Wahlkampf eine gute Perspektive anbieten müssen, wenn sie dass verhindern wollen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Die Querdenker-Szene setzt sich sicherlich sehr heterogen zusammen, da sind auch milde und kluge Leute dabei.

Mild ist von denen niemand mehr, das sind alles außerordentlich hysterische Menschen, die heulend von Polizisten wissen wollen, warum sie ihren Amtseid verletzen und das Grundgesetz verraten, während diese gerade Ordnungswidrigkeitsanzeigen (!) wegen Verstößen gegen die Maskenpflicht aufnehmen. Und klug? Höchstens diejenigen, die einen Reibach aus der ganzen Sache machen. Wir haben so langsam den Punkt erreicht, wo man die Bewegung nicht mehr mit 'nem floskelhaften 'Die sind ja nicht alle so!' verharmlosen sollte. Wie und vor allem das Protest gegen die Maßnahmen der Bundes- und Landesregierungen tatsächlich funktionieren kann, zeigt bspw. die Eventbranche in Berlin regelmäßig.
 
Der tatsächliche Zulauf zu diesen Demos ist kleiner als angenommen, da sehr viele der Teilnehmer einen regelrechten Demotourismus betreiben...

Das mit Demotourismus stimmt wohl, aber das passiert ja bei allen Demos besonders politischen, lässt sich wohl nicht verhindern.
Und auch nicht jeder der mit den Coronamaßnahmen unzufrieden ist, nimmt unbedingt an Demos teil oder schließt sich den Querdenkern an.

Dennoch hat die Regierung schon viel guten Willen verspielt.
Es könnte also sein das sich denen noch mehr anschließen oder zumindest neue Protestgruppen entstehen die nicht ganz so voll von merkwürdigen Leuten sind, vielleicht aber auch nicht.
Kommt halt auch darauf wie sich die allgemeine Coronalage nun entwickelt, ob das Impfen was bringt, ob man dann wieder zu einem etwas normaleren Alltag zurückkehrt und ob die Regierung noch mehr unsinnige Regeln festlegt, die eher nerven als was bringen.

Das einzige positive an all dem, die Bundestagswahl dürfte dieses Jahr, wenn sie denn ohne Komplikationen stattfindet, ziemlich spannend werden.
 
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