Tagespolitik allgemein

Ich bin selber nicht mal Elternteil. :zuck:
Aber dass die Geburtenrate seit Jahren sinkt und es nach wie vor sauschwer ist, Beruf und Kinder miteinander zu vereinbaren, ist nun wirklich kein Geheimnis.

Also belastest du potentielle Elternteile erstmal über Jahre mit einer zusätzliche Abgabe. Entnimmst den Privathaushalten also Geld, welches für den Lebesnunterhalt und Investitionen fehlen, damit sie eventuell (kostenlose Kitas gibt es z.B. ja schon heute) eine Vergünstigung erhalten, wobei sie diese Abgabe bis zur Rente zahlen und netto ggf. gar nichts davon haben? Ich sehe nicht, wie uns das bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie (gerade für Frauen) wirklich helfen soll.
 
Also belastest du potentielle Elternteile erstmal über Jahre mit einer zusätzliche Abgabe. Entnimmst den Privathaushalten also Geld, welches für den Lebesnunterhalt und Investitionen fehlen, damit sie eventuell (kostenlose Kitas gibt es z.B. ja schon heute) eine Vergünstigung erhalten, wobei sie diese Abgabe bis zur Rente zahlen und netto ggf. gar nichts davon haben? Ich sehe nicht, wie uns das bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie (gerade für Frauen) wirklich helfen soll.
Ist ja auch nicht anders als bei der Renten- und Krankenkasse, wo man auch erst mal zahlt ohne es zu nutzen.

Außerdem ging es mir, wie eingangs erwähnt, ja nicht nur um Kitas sondern auch um andere Institutionen die bisher indirekt durch die Kirchensteuer finanziert werden, wie zum Beispiel Krankenhäuser.
 
Die kirchliche Trägerschaft von Krankenhäusern und KiTas bedeutet nicht, dass die Kirche da Unsummen an Geld reinsteckt. Gebäude und Personal werden in der Regel von Gemeinde und Kommunen getragen (90% bei KiTas (hier auch Elternbeiträge) und 95% bei Krankenhäusern). Die Kirche übernimmt da eher die Verwaltung und das lässt man sich halt auch bezahlen.
Es ist ein unheiliger Deal, den man auch so gestalten kann, das andere nicht-religiöse Organisationen das übernehmen können. Ob man dafür eine neue Abgabe erfinden muss glaube ich nicht. Es lässt sich auch über bestehende Abgaben skalieren, wenn es nötig ist.
 
Es ist ein unheiliger Deal, den man auch so gestalten kann, das andere nicht-religiöse Organisationen das übernehmen können.

Für viele Kommunen scheint die einzige Alternative dazu, jedenfalls im Krankenhausbetrieb, aber bloß die Privatisierung. Und wenn ich mich zwischen Diakonie oder Helios entscheiden muss, dann ist die Entscheidung nicht sehr schwer.
 
Hier gab es auch mal einige Krankenhäuser die vom Roten Kreuz geleitet wurden, die sind auch alle im Haifischbecken des freien Marktes verschluckt worden. Die haben aber halt auch keine Kirchensteuer als Zuschüsse erhalten.
 
Für viele Kommunen scheint die einzige Alternative dazu, jedenfalls im Krankenhausbetrieb, aber bloß die Privatisierung. Und wenn ich mich zwischen Diakonie oder Helios entscheiden muss, dann ist die Entscheidung nicht sehr schwer.
Nun ja, ist jetzt nicht so dass die Diakonie nicht auch ihre Probleme hätte. Wie weiter oben erwähnt hat die Diakonie in der Stadt meiner Schwester vor nicht all zu langer zeit ein ganzes KH dicht gemacht, weil man die Jahre davor schlecht gewirtschaftet hat.
 
Ist ja auch nicht anders als bei der Renten- und Krankenkasse, wo man auch erst mal zahlt ohne es zu nutzen.

Außerdem ging es mir, wie eingangs erwähnt, ja nicht nur um Kitas sondern auch um andere Institutionen die bisher indirekt durch die Kirchensteuer finanziert werden, wie zum Beispiel Krankenhäuser.

Ich kenne deine privaten Umstände nicht, aber meine Geburt fand unter Aufsicht ärztlichen Fachpersonals statt* und auch meine zahlreichen späteren Arztbesuche wurden mir nicht vom Taschengeld abgezogen. Pflichtsysteme zur individuellen Existenzsicherung sind in ihrer Tragweite anders zu bewerten als eine zusätzliche Abgabe für Leistungen, welche im Kern bereits über bestehende Steuereinnahmen (re-)finanziert werden. Es gibt schlichtweg keinen sachlichen Grund, dafür ein neues Pflichtelement zu schaffen, außer man will eben faktisch eine Steuererhöhung für alle.
Das halte ich angesichts der derzeit stattfindenden Verteilungskämpfe und Belastungen für vor allem kleine und mittlere, aber auch bessere Einkommen für wenig förderlich.

*wurde mir zumindest so erzählt, ich war da nicht aufnahmefähig
 
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Ich bin selber nicht mal Elternteil. :zuck:
Aber dass die Geburtenrate seit Jahren sinkt und es nach wie vor sauschwer ist, Beruf und Kinder miteinander zu vereinbaren, ist nun wirklich kein Geheimnis.
Ich wollte Kinder und dass ich Kita und Kindergarten komplett selber bezahlen musste, noch kein Elterngeld bekommen habe und dafür einige Jahre auf Teilzeit runtergehen musste, hat mich nicht gehindert.

Klar musste dann auf Urlaubsreisen verzichtet und auch sonst einiges kleiner gehalten werden, sonst wäre das nicht machbar gewesen. Und es war eine sehr stressige Zeit, weil keine Omas und Opas unterstützen konnten.

Ich denke aber nicht, dass diese ganzen finanziellen Anreize dazu führen, dass man Kinder möchte, sondern wer Kinder möchte, nimmt sie halt mit.

Besser wäre eher dafür zu sorgen, dass Eltern nicht ständig unter Dauerstress stehen, damit nach dem ersten Kind nicht Schluss ist, wenn man möchte, dass die Familien wieder etwas größer werden.
 
Ich denke aber nicht, dass diese ganzen finanziellen Anreize dazu führen, dass man Kinder möchte, sondern wer Kinder möchte, nimmt sie halt mit.

Besser wäre eher dafür zu sorgen, dass Eltern nicht ständig unter Dauerstress stehen, damit nach dem ersten Kind nicht Schluss ist, wenn man möchte, dass die Familien wieder etwas größer werden.

Für mich ist es vor allem die finanzielle Situation, die mich aktuell davon abhält, ein zweites Kind zu planen. Im Moment geht es uns gut: Wir arbeiten beide in „Lifestyle“-Teilzeit (;)) und kommen trotzdem gut zurecht. Unser erstes Kind und wir haben im Grunde alles, was wir brauchen. Klar, der Porsche ist nicht mehr drin, aber dafür habe ich Zeit für mein Kind und muss beim Einkaufen dennoch nicht jeden Cent umdrehen oder gezielt dem nächsten Discounter-Angebot hinterherlaufen.

Wir hatten dabei aber auch gewisse Vorteile: eine größere Tauschwohnung mit Bestandsmiete, gebrauchte Kleidung von Freunden und Bekannten und insgesamt ein bisschen Glück.

Mit einem weiteren Kind würde sich die Lage vermutlich deutlich verändern. Die Zeit würde noch knapper, das Geld ebenso. Da mehr Miete, mehr Ausgaben, mehr alles. Der zusätzliche Stress* und die ohnehin nicht besonders kinderfreundlichen Rahmenbedingungen im Land ließen sich vielleicht noch irgendwie auffangen, wobei es da aus meiner Sicht ohnehin ein Umdenken braucht. Und da sehe ich auch Fachkräfte mit in der Verantwortung.


*Noch kommen die großen Töne. Laut Berichten ist von Kind 0 auf Kind 1 deutlich entspannter und einfacher als von Kind 1 auf Kind 2..
 
*Noch kommen die großen Töne. Laut Berichten ist von Kind 0 auf Kind 1 deutlich entspannter und einfacher als von Kind 1 auf Kind 2..
Als jemand, der sich darüber einfach von seiner Lebenssituation her noch nie Gedanken gemacht hat, überrascht mich tatsächlich, dass der Wechsel von Kind 0 auf Kind 1 einfacher ist als der von Kind 1 auf Kind 2. Daher meine interessierte Nachfrage: Warum ist das so? Was sind hier die mitentscheidenden Faktoren?
 
Ein Kind ist erstmal auch ein großer Zeitfaktor. Bei einem Kind und einem Elternpaar passt das, weil
Immer einer Backup ist. Bei zweien kommt man schon an die Grenzen: was Betreuung betrifft, es gibt weniger Erholungszeit, im schlimmsten Fall brauchen beide Kinder gleichzeitig Betreuung/Zuwendung. Das ist imo schon eine Verdopplung des Aufwandes und der Herausforderungen.

Ich war da auch recht blauäugig und hätte nie gedacht, dass das soviel mehr Aufwand bringt. Und das schon, wenn alles halbwegs glatt geht. Finanziell bedeutet das eine längere Auszeit/Teilzeit/Verzicht. Deswegen haben wir auch definitiv kein weiteres Kind wuppen können und wollen.

War schon eine harte Zeit im Rückblick, aber ohne unseren Zweiten wären wir einfach nicht komplett. Unser Großer hätte keinen hoch geschätzten Bruder-allein schon wenn die beiden sich begrüßen und miteinander frotzeln geht mein Herz auf. Die Tischgespräche wären nur halb so interessant. Da könnte ich noch lange weiter auflisten, warum es dennoch die beste Entscheidung gewesen ist.

Aber dieses Schöne weiß man ja nicht, wenn man drüber nachdenkt.
 
Als jemand, der sich darüber einfach von seiner Lebenssituation her noch nie Gedanken gemacht hat, überrascht mich tatsächlich, dass der Wechsel von Kind 0 auf Kind 1 einfacher ist als der von Kind 1 auf Kind 2. Daher meine interessierte Nachfrage: Warum ist das so? Was sind hier die mitentscheidenden Faktoren?

Ich denke mal da ist auch viel Romantisierung dabei. Die harte Wahrheit wird vermutlich sein, dass es von 0 auf 1 eher ein Identitäts-/Lebenswandel ist und von 1 auf 2 eher eine Belastungs- und Organisationsherausforderung.
 
Ich denke, es kommt auch auf die Kinder an. Bei uns war es nicht ganz so hart, da K2 im Vergleich zu K1 ein Traumbaby war. Keine Ahnung wie das gelaufen wäre, hätte er nicht überall geschlafen und fast nie geschrieen. Andersrum wäre es ein wahrer Schock geworden. Die Große hat weder geschlafen noch gegessen, sie musste zb alle 1,5h gestillt werden weil sie die Flasche verweigerte und pünktlich Hunger bekam. Ja, auch nachts. Einschlafbegleitung bis zum 7. Lebensjahr bis zu 1,5h. Hat man so ein baby als zweites, ist der Aufwand natürlich enorm, und gleichzeitig ist da noch das erste, um das sich gekümmert werden will. Und das reißt ja nicht ab.

Je älter sie werden, desto mehr merke ich schon wie chillig es ist, falls mal nur eines da ist. Also ja, ich kann mir schon vorstellen, dass der Kontrast von 1 auf 2 recht groß ist. Lief K2 als Baby noch einfach mit, hat er jetzt natürlich eigene Bedürfnisse, die oft aber konträr zu denen der Schwester stehen. Das führt zu Konflikten oder dem Zerreißen von uns als eltern. Wir haben uns bewusst gegen ein K3 entschieden, obwohl ich mir eines gewünscht hätte, weil wir genau gemerkt haben, wie sehr wir mit zweien schon an unsere Grenzen stoßen. Wir hätten 3 Kindern leider nicht mehr gerecht werden können. Über das finanzielle haben wir da noch gar nicht nachgedacht - aber natürlich wäre es da auch viel enger geworden. Ich könnte es mir dann zb nicht mehr leisten, so vergleichsweise wenig zu arbeiten - was natürlich wiederum absurd ist, weil man mit 3 Kindern eigentlich MEHR daheim sein müsste. Urlaub im Ausland, gar im Hotel wäre wohl auch nicht drin, der ist jetzt schon ziemlich eng und wir fahren "nur" campen im Mobile Home alle 1-2 Jahre. Hobbys der Kinder? Au weia. Die Große ist super aktiv, will tanzen, ein Instrument lernen, Sport machen und in die Kunstschule. Das kostet. Ich fördere sie gerne so lange es zeitlich geht, weil ich auch alles sinnvoll finde und will, dass sie sich austestet, aber das Konto weint. Drei solcher Kinder kann man sich als Normalverdiener eigentlich nicht leisten, und da ist noch kein teures Hobby wie reiten dabei.

Und was noch den Aufwand angeht... ein Kind lässt sich leicht wo unterbringen. Zwei schon weniger. Das heißt, dass die Freizeit für die Eltern einige Zeit massiv eingeschränkt wird.

Ich bin mir nicht sicher, ob der Schritt von 0 auf 1 kleiner ist als von 1 auf 2, aber er ist definitiv für mich nicht krasser. Es gibt diesen Spruch "ein Kind ist kein kind" und ganz ehrlich, hat man ein Kind wie unser k2, dann gebe ich dem recht. Aber immer und überall trifft der sicher auch nicht zu - es kommt da auf viele Faktoren an.
 
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