The (Creative) State of Star Wars

Ben

Kay Vess Appreciator & Skeleton Crew Enthusiast
Teammitglied
Party People,

ich hab ja so'n bisschen mit mir gerungen, ob ich diese Diskussionen aufmachen will oder überhaupt sollte, aber nach ein bisschen Überlegung, versuche ich's mal und hoffe, dass das hier alles gesittet bleibt und ein paar coole Beiträge rumkommen.

Also.

Wie der Titel schon andeutet: mir geht's irgendwie um den (kreativen) Zustand des Franchise, quasi die Lage der Nation. Allerdings nicht als Klageschrift oder Lobeshymne, sondern wirklich als Diskussion. Ausgangspunkt war dieser Beitrag von @Laderampe:

An der Stelle muss ich aber erstmal einen Schwenk zum aktuellen Star Wars allgemein machen, weil ich das loswerden will:
Disney macht seit Jahren Projekte, die für Star Wars Fans "in Ordnung" sind. Nichts besonderes, aber als Unterhaltung für Zwischendurch für Leute, die Freude an diesem Universum haben, völlig ausreichend.

Kurz danach ist mir dann folgender Tweet untergekommen und dann ist's mir fast ein bisschen wie Schuppen von den Augen gefallen.


Das ist in meinen bisher tatsächlich die beste Erklärung, warum die Film- und Serienwelt, insbesondere innerhalb der großen Franchises, aktuell so aussieht, wie sie halt aussieht.

Star Wars war, nicht erst seit der Übernahme durch Disney, immer dann am besten und interessantesten, wenn man sich was getraut hat: Rogue One, Andor, Solo hätte wahrscheinlich deutlich besser abschneiden können, wär' das ein Heist Movie ohne Han und Chewbacca geworden.

Das Filoniverse hingegen ist vor allem was? Selbstreferenziell, stellenweise ja sogar richtig Fan Fiction-ish. Während die ersten Staffeln von The Mandalorian noch übergreifend gefeiert werden, scheint's fast so, als hätte Favreau dann irgendwann den Widerstand aufgegeben und die Filoni-Formel vollends verinnerlicht. (Wer weiß, mag sein, dass ich mich da auch täusche.)

Star Wars wird inzwischen also vor allem von Leuten gemacht, die schon immer Star Wars gemacht haben. Selbst JJ Abrams hat sich viel mehr darauf konzentriert Filme zu drehen, die zuerst Star Wars sind, statt gute Filme zu machen, die halt auch Star Wars sind. Und irgendwie fällt das noch sehr viel doller auf, wenn man das im Kontext von Abrams' Gesamtwerk sieht – selbst Super 8, dass von vornherein als Tribut an Filme wie The Goonies und ET vermarktet wurde, ist mehr als nur das.

Deshalb: Wie seht ihr das? Und wenn wir schon dabei sind, fassen wir's auch gerne weiter: was fehlt euch in Star Wars? Was würdet ihr anders machen oder was würdet ihr euch wünschen? Welchen kreativen Input habt ihr selber?

Freue mich auf eure Beiträge! (Auch von den kritischen Stimmen.)


Bester Gruß.
 
Star Wars war IMO immer dann am besten, wenn der Abstand zwischen Handlung und Drama gleich null wird. Es ist mir klar, dass man das nicht permanent so durchziehen kann, aber die klinische Sterilität, die insbesondere mit der PT den stilistischen Einzug in die GFFA gehalten hat, stört mich schon massiv. Das hat das Post-Endor-EU einfach wesentlich besser hinbekommen. Selbst ein in weiten Teilen absurder Romantikschinken wie "The Courtship of Princess Leia"* kommunizierte mir sehr viel glaubhafter, dass es echte Funken zwischen Han Solo und Leia Organa gab, als es Episode II und III jemals könnten. Die ST begeht hier in dieser Hinsicht den gleichen Kardinalfehler, wie die PT auch: klinisch sauber, formal korrekt und emotional einfach nur steril.

Die OT ist einfach ne Seifenoper. Und das Drama ist es, was den konzeptionell schwach sein müssenden zweiten Teil, "Das Imperium schlägt zurück" zum besten Teil der Trilogie machte. ANH und ROTJ sind in dieser Hinsicht nicht weit dahinter.

AotC und TLJ sind dagegen als emotionaler Dreh- und Angelpunkt der jeweiligen Trilogie einfach GAR NICHT zu gebrauchen und sind reine Funktionskörper, die einfach nur ein belangloser zweiter Teil sind, der erzählt werden muss, weil dieser nun mal zwischen dem Anfang und dem Ende liegt. Wirkliche Tiefe bringen die aber nicht mit ins Spiel.

AotC hätte viel mehr Gewicht sowie Screentime auf Count Dooku und Obi Wan legen müssen. Der interessanteste Dreh- und Angelpunkt der PT ist nun mal Qui-Gon Jinn. Und zweitens hätte man den Zuschauer natürlich auch wirklich FÜHLEN lassen müssen, was Anakin denn überhaupt von Padmé will, anstatt einfach nur ne notwendige Station für das Befüllen des "Luke&Leia"-Plotholes zu sein. Es ist gar nicht das Problem, WAS man da zu sehen bekommt, sondern das WIE.

Für TLJ gilt ähnliches, denn die Dreiecksformation Luke-Rei-Ben ist einfach ebenso steril und dieses Konstrukt passt dann auch noch nicht mal mehr zu den Filmen davor und danach. Es ist bezeichnend, dass mir die Filme der ST mit weitem Abstand gerade dann am besten gefallen haben, wenn Finn, Rei und Kylo Ren interagierten. Drama!

*Bin ein großer Fan dieser Schnulze und von Dathomir und dem Singing Mountain-Clan und darum hat "The Acolyte" bei mir auch einen echt großen Stein im Brett. Mit dieser Serie ist IMO wirklich nicht viel falsch gemacht worden. Die Lore ist ein integraler Bestandteil des Legends-EU gewesen und eben nicht nur das blasse und ziemlich groteske Sith-Abziehbild, was Filoni dann draus gemacht hat. Da hatte sich ne eigene Kultur mit eigenen Regeln eines machtstarken Matriarchats jenseits von Jedi und Sith gebildet, welches im Hapes-Cluster ironischerweise dann auch noch einen politisch/monarchischen Gegenpart gefunden hat. Das alles war mutig und hatte für spätere EU-Romane folgenschwere Konsequenzen und hat die ganze Lore jenseits von Republik, Imperium, Kopfgeldjägern und Verbrechersyndikaten greifbar erweitert.
 
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Party People,

ich hab ja so'n bisschen mit mir gerungen, ob ich diese Diskussionen aufmachen will oder überhaupt sollte, aber nach ein bisschen Überlegung, versuche ich's mal und hoffe, dass das hier alles gesittet bleibt und ein paar coole Beiträge rumkommen.

Also.

Wie der Titel schon andeutet: mir geht's irgendwie um den (kreativen) Zustand des Franchise, quasi die Lage der Nation. Allerdings nicht als Klageschrift oder Lobeshymne, sondern wirklich als Diskussion. Ausgangspunkt war dieser Beitrag von @Laderampe:



Kurz danach ist mir dann folgender Tweet untergekommen und dann ist's mir fast ein bisschen wie Schuppen von den Augen gefallen.


Das ist in meinen bisher tatsächlich die beste Erklärung, warum die Film- und Serienwelt, insbesondere innerhalb der großen Franchises, aktuell so aussieht, wie sie halt aussieht.

Star Wars war, nicht erst seit der Übernahme durch Disney, immer dann am besten und interessantesten, wenn man sich was getraut hat: Rogue One, Andor, Solo hätte wahrscheinlich deutlich besser abschneiden können, wär' das ein Heist Movie ohne Han und Chewbacca geworden.

Das Filoniverse hingegen ist vor allem was? Selbstreferenziell, stellenweise ja sogar richtig Fan Fiction-ish. Während die ersten Staffeln von The Mandalorian noch übergreifend gefeiert werden, scheint's fast so, als hätte Favreau dann irgendwann den Widerstand aufgegeben und die Filoni-Formel vollends verinnerlicht. (Wer weiß, mag sein, dass ich mich da auch täusche.)

Star Wars wird inzwischen also vor allem von Leuten gemacht, die schon immer Star Wars gemacht haben. Selbst JJ Abrams hat sich viel mehr darauf konzentriert Filme zu drehen, die zuerst Star Wars sind, statt gute Filme zu machen, die halt auch Star Wars sind. Und irgendwie fällt das noch sehr viel doller auf, wenn man das im Kontext von Abrams' Gesamtwerk sieht – selbst Super 8, dass von vornherein als Tribut an Filme wie The Goonies und ET vermarktet wurde, ist mehr als nur das.

Deshalb: Wie seht ihr das? Und wenn wir schon dabei sind, fassen wir's auch gerne weiter: was fehlt euch in Star Wars? Was würdet ihr anders machen oder was würdet ihr euch wünschen? Welchen kreativen Input habt ihr selber?

Freue mich auf eure Beiträge! (Auch von den kritischen Stimmen.)


Bester Gruß.
Interessanter Ansatz und sicher ein Teil des Ganzen.

Generell fehlt es an Kreativität, auch im musikalischen und modischen Mainstream, finde ich.

Klar zitiert man immer wieder bereits bekanntes, aber hier wird nur mit Nostalgie der kaufkräftigen Gruppe 35-65 Kasse gemacht.

Ich habe den Eindruck, den jüngeren Leuten fällt viel deutlicher auf, dass wahnsinnig viel auch abgekupfert wurde und wenden sich lieber für sie authentischen und originalen Inhalten zu. Zb die riesen Begeisterung für Japan, die in meiner Blase grassiert.

Dazu die Angst, etwas falsches zu machen. Wie auch immer das aussehen mag. Das triggert heute viele von 0 auf 200 von jetzt auf gleich.

Habe im Moment leider nur ungeordnete Gedanken dazu, vielleicht finde ich heute Abend mehr Zeit.
 
Der englischsprachige Threadtitel triggert mich zwar ein wenig, aber sei's drum :D

Ich bin ja im Grunde jemand, der dem "Disney-SW" doch schon einiges abgewinnen konnte. Sicherlich hat man seit 2015 auch bei mir schon mal so richtig danebengegriffen - die erste Ahsoka-Staffel habe ich relativ schnell abgebrochen -, doch insgesamt wurden in dieser Zeit einige Sachen produziert, die mir wirklich Spaß gemacht haben, darunter The Mandalorian. Nur: Selbst bei den Sachen, die ich echt mag, fällt mir auf, dass ich sie nun einmal nicht so sehr liebe wie die Episoden I bis VI. Auch an denen ist nicht alles Gold, was glänzt, und rein formal dürften einige Disney-SW-Produkte sogar besser zusammengeschraubt sein als die PT-Filme, aber hier geht es wirklich um eine nicht ganz rational erklärbare Fan-Liebe.

Wenn ich doch den Versuch wage, Erklärungen dafür abzugeben, warum ich das eine liebe und das andere nicht, würde ich vor allem darauf gehen, dass ich SW in der Vergangenheit einfach immer so "anregend" fand, und zwar auch im Sinne von "die Fantasie anregend". Mit meinen Actionfiguren habe ich nicht einfach die OT oder dann Episode I nachgespielt, sondern mir neue Abenteuer und manchmal sogar neue Charaktere ausgedacht. Durch einen Zufall hatte ich beispielsweise zwei Versionen von Han Solo, nämlich einen in der Montur, in der er in Episode IV unterwegs war und einmal in dieser Lederjacke, die er auf Endor trägt - und aus letzterem wurde dann der lang verschollene Zwillingsbruder Jack Solo ("Jack" wegen "Jacke", wenn ihr versteht - ich war damals im Alter von 6 oder 7 echt stolz auf diesen Wortwitz).

Wenn man jetzt böse wäre, wirkt selbst die mittlerweile so beliebte Figur des Din Djarin so, als sei sie genauso entstanden: Irgendwo lag noch eine Jango-Fett-Actionfigur rum, die man ggf. etwas umbemalt hat, um sie als neue Figur zu bespielen. Klar, ganz so einfach ist es nicht, und sicherlich liegt es auch ein wenig an mir selbst, dass ich heute nicht mehr mit einer Mando-Actionfigur spiele, aber was verloren gegangen ist, möchte ich ein wenig als „schöpferische Kraft“ bezeichnen. Dass Grogu vielen vor allem als „Baby-Yoda“ bekannt ist, liegt eben auch daran, dass man sich nicht ganz so viel Mühe gegeben hat, etwas völlig Neues zu erschaffen wie es GL beispielsweise bei der PT getan hat. Denn ja, man kann die PT gern und genüsslich durchkritisieren, aber eben nur schwerlich dafür, dass GL hier einfach wiederholt hätte, was vorher funktioniert hat.

Noch ein Punkt an GLs Schreiberei und vor allem seinen Weltenbau hat mich damals sehr fasziniert: die Leerstellen. In der Grundschule waren wir eine Clique von Jungs, die alle SW-Actionfiguren gesammelt haben, und beliebt waren neben den Helden aber auch Charaktere, die vielleicht nur im Hintergrund mal zu sehen gewesen sind - die waren vor allem deswegen so beliebt, weil es sich bei ihnen um unbeschriebene Blätter handelte, die man ganz neu befüllen konnte. Das EU konnten wir damals noch nicht lesen (im Alter von 8 habe ich ein halbes Jahr für den ersten Harry-Potter-Band gebraucht) und eigentlich bin da sogar froh darum (dass im EU so viele der Leerstellen so unentwegt gefüllt wurden, statt sie der Rezeptionsgemeinschaft zu lassen, hat bei mir selbst später noch zu Berührungsängsten geführt, obwohl ich so manches EU-Buch doch auch gerne gelesen habe).

Zumindest zum Teilen entwickelt sich aber das Bewegtbild-SW nach und nach hin zu dem, wo man mit dem Buch-EU schon einmal war. Jede Figur muss auserzählt, jede Lücke in der Handlung befüllt werden. Das war irgendwann einmal auch unter GL schon so, wenn ich da an The Clone Wars denke, aber damals konnte ich das irgendwie noch mehr ausblenden. Heute betrifft es aber eben nicht nur die Arbeiten eines Dave Filoni: Ich verstehe, warum viele Andor mögen und ich mag es ja im Grunde auch, aber hier wird es ganz deutlich, warum ich die heutigen Produkte einfach nicht liebe. Die einzelnen Andeutungen aus Rogue One durften keine Andeutungen bleiben, sondern mussten nun expliziert werden.

Damit ist für mich ein Stück weit die Magie von SW verloren gegangen – denn die lag für mich eben immer ein wenig darin, dass ich mich nicht in der Fülle an Bewegtbildmaterial verloren habe, sondern in meinen eigenen Träumereien dazu, was im SW-Universum sonst noch so alles passiert sein könnte. Zumindest in den letzten Jahren hingegen ist einfach sehr viel passiert und einiges davon fand ich auch aufregend, aber eben nicht mehr sonderlich anregend.
 
Zuletzt bearbeitet:
Für mich krankt SW derzeit vor allem an zwei Dingen:

1. Mangelnde Konsequenz

Ich vermisse die Zeit, als man Entscheidungen - auch vermeintlich unpopuläre - noch durchgezogen hat und - ganz wichtig - tote Charaktere auch tot blieben. Mittlerweile haben wir schon einen von den Toten zurückgekehrten Darth Maul, einen von den Toten zurückgekehrten Imperator und einen von den Toten zurückgekehrten Boba Fett gehabt. Dazu kommt noch eine Inquisitorin Reva, welche die ihr zugefügte Wunde meines Erachtens auch nicht hätte überleben sollen/können. Selbst einen Droiden wie IG-11 konnte man nicht zerstört lassen, sondern musste ihn pünktlich zum Staffelfinale wieder als repariert präsentieren. (Zugegeben, das mit Boba Fett und dem Imperator hat auch schon das alte Legends-EU verbrochen.)

Das führt inzwischen dazu, dass sämtliche Tode in SW bei mir irgendwie an Bedeutung verloren haben, was den Geschichten deutlich an Fallhöhe nimmt und sie flacher erscheinen lässt. Warum soll ich noch den Tod eines Helden betrauern oder den Tod eines Gegners bejubeln, wenn ich mir nicht sicher sein kann, ob er ein paar Folgen/Filme später nicht doch wieder aus dem Hut gezaubert wird?

Auch Grogu könnte man hier mit aufführen. Am Ende von Staffel Zwei von The Mandalorian war dessen Geschichte im Prinzip zu einem runden Abschluss gebracht worden. Aber nein, statt dass man es dabei belässt, bringt man ihn für Staffel Drei und den Film zurück, obwohl man offenbar keine Idee mehr hat, was man mit der Figur noch anfangen soll, das über die Rolle als Sidekick oder Comic Relief hinausgeht.

2. Die Galaxis ist ein Dorf

Da hat man dem Legends-EU früher schon mit Recht vorgeworfen, dass es die Galaxis recht klein erscheinen lässt und dass "zufälligerweise" immer wieder dieselben Figuren im Zentrum von Handlungen auftauchen, so treiben es der neue Kanon und insbesondere Filoni nochmal deutlich auf die Spitze. Vermutlich bekommen wir über das Jahr 2050 hinaus noch Ahsoka und andere seiner TCW-OCs in Serien und Filmen vorgesetzt. Die Galaxis wirkt mittlerweile weniger wie ein riesiges Universum und mehr wie ein enger Zirkel aus etwa zwanzig Figuren, die sich ständig gegenseitig über den Weg laufen. Ich muss ehrlich sagen: Als ich erfahren habe, dass der - mir zugegebenermaßen zuvor unbekannte - Embo ein weiterer Filoni-Charakter ist, hat das The Mandalorian and Grogu für mich im Nachhinein doch etwas abgewertet, weil ich diese ganzen Selbstreferenzen einfach nur noch leid bin. Ich finde, dass es das hier im Prinzip ganz gut beschreibt:
Das Filoniverse hingegen ist vor allem was? Selbstreferenziell, stellenweise ja sogar richtig Fan Fiction-ish.

Ich weiß nicht, was der Grund für die beiden Punkte ist; ob es mangelnder Mut ist, falsch verstandener Fanservice, oder schlicht mangelnde Kreativität.

Ich habe vor kurzem auf Reddit oder X, ich weiß es nicht mehr, auch einen Zweizeiler gelesen, in dem jemand - meines Erachtens nach zutreffend - meinte, dass SW inzwischen Storys von Boomern für Boomer erzählt und das damit begründet, dass früher bei SW mit Luke die Figur des Sohns die Hauptrolle hatte, während es heute mit dem Mandalorianer die Figur des Vaters ist.

Wie man das ändern könnte? Tony Gilroy meinte einmal, dass Andor im Prinzip so entstanden sei, dass sie zuerst eine Geschichte geschrieben haben und diese anschließend für SW adaptiert haben. Da in meinen Augen - und soweit ich das beurteilen kann bei vielen anderen auch - Andor mit das Beste ist, was LF in den letzten Jahren abgeliefert hat, ist das vielleicht ein Ansatz um frischen Schwung in den Laden zu bringen. Denn die Serie war im Prinzip genau das, was ich mir unter einer guten Serie vorstelle: kaum Fanservice, neue und vielschichtige Figuren (Luthen Rael!), neue Perspektiven, Berücksichtigung politischer Strukturen (insbesondere das ist etwas, das dem Disney-SW ansonsten fast komplett fehlt), keine permanente Nostalgie und Spannung durch Konsequenzen.

Denn wenn ich mir als Kontrast dazu SOLO, The Book of Boba Fett oder die Obi-Wan-Serie anschaue, hatte ich bei denen eher das Gefühl, dass zuerst die Hauptfigur feststand und anschließend eine Handlung darum konstruiert wurde.
 
Zuletzt bearbeitet:
Filme und Serien entstehen ja auch immer aus ihrer Zeit heraus. Und da hatte es Star Wars sicher leichter als ein heutiger Film.
Es war neu, tolle Effekte, Sound, Musik usw. Dann kamen die Filme erst später ins TV und es war noch lange etwas Besonderes, wenn sie liefen.
Das hat Kindheit und Jugend mitgeprägt.

Wer vor 20 Jahren Kind war, hatte schon viel mehr Auswahl, extra Kindersender, Internet, viel mehr Fernsehsender und DVDs. Und heute wird man ja geradezu zugeschüttet mit "Content". Wo soll da das Herz über Jahre hinweg dran hängen?
Zumal viele Inhalte immer mit einem ironischen oder zynischen Unterton daherkommen, der keinen Raum für Magie, Fantasie und Emotionen lässt.

Die OT ist zur rechten Zeit mit viel Engagement entstanden, es gab aber einfach mehr Freiraum bei der Entwicklung. Für die Disney Produktionen wird zwar unverschämt viel Geld veranschlagt, man zieht aber ganze Projekte, einzelne Darsteller, bestimmte Charaktere oder Ideen oft beim kleinsten Gegenwindhauch zurück.
 
Ich denke ein Problem ist, dass viele nur sehen, dass SW sich verändert hat und nicht, dass sie sich auch verändert haben.

Die meisten hier haben sich zu irgendeinem Zeitpunkt ihrer Kindheit in SW verliebt - und das war auch gewünscht, schließlich hat auch GL schon immer gesagt, dass SW für die Zwölfjährigen sein soll – was aber keinen Erwachsenen jetzt daran hindern sollte, es ebenfalls zu mögen.
Nur war es bei manchen halt die OT, bei manchen Episode 1-3, bei vielen TCW und auch die Sequels und die D+ Serien werden Fans gewonnen haben. Aber auch wenn allen gemein ist, dass sie sich als Kind in SW verguckt haben, sind sie alle nun in unterschiedlichen Phasen ihres Lebens und es brauchte zudem 1977 mit Sicherheit etwas anderes, um die 12jährigen abzuholen als 1999 oder eben nun 2026. Dennoch müssen wir uns klar machen: falls diese Filme in den letzten Jahrzehnten auch immer Kinder abgeholt haben, dann waren sie natürlich auch immer so gestrickt, dass sie Kinder (in der entsprechenden Generation) ansprechen können. Und dann sind die meisten Dinge, die nun gemacht werden, eben ebenfalls so gestrickt- auch wenn wir halt mittlerweile oder schon sehr lange erwachsen sind.

Aber diese ursprüngliche Intention, SW soll Kinder ansprechen, wird denke ich oft vergessen, wenn man hört und liest, wie wütend viele Fans sind, wenn Serien/Filme, die offenkundig auch für Kinder gedacht sind, nicht sie selbst ganz speziell "hypen" oder die gleichen Gefühle hervorrufen wie früher. Wie soll das gehen?
Wir sind alle älter geworden und die Idee, dass ein SW-Film die gleichen Emotionen in mir wecken soll wie vor 40 Jahren ist doch nicht realistisch.

Ich denke auch, dass die Ragekultur (nicht nur bei SW) auch ein logisches Beiwerk unserer superindividualisierten Gesellschaft ist, in der für viele alles, was nicht die eigenen, ganz speziellen Bedürfnisse erfüllt, objektiv "schlecht" ist.
Ich finde LF war in den letzten Jahren durchaus "mutig" und hat versucht, der mittlerweile sehr heterogenen Fanstruktur Rechnung zu tragen und gleichzeitig neue junge Fans zu erschließen. Allein die drei letzten Live Action Staffeln (TA, SC, Andor 2) waren komplett unterschiedliche Ansätze und Tonarten. Dazu Animationsserien und Experimente wie die Visions-Staffeln. Selbst Ahsoka war mutig, wenn man bedenkt, dass es in eine neue Galaxis geht, man Hexen und Zombies reinholt und sogar wohl einen Abstecher zur Mortis-Lore wagt. Dazu eben Serien mit alten Charakteren wie OWK oder Boba Fett. Man hat die Köder also in sehr viele Richtungen ausgelegt. Das Problem ist aber, dass für viele die Parameter, die sie als SW akzeptieren, so eng sind, dass dann natürlich bei diesen vielen unterschiedlichen Ansätzen die meisten auch nicht zu 100% passen und dann eben verrissen werden.

Dass sie (LF/Disney) es dabei auch nicht schaffen, dass wir uns wieder wie 10-12jährige fühlen, ist bedauerlich, ich würde es aber unter "erwartbar" abheften und möglicherweise müssen auch wir ein bisschen mehr tun, um uns wieder so zu fühlen und nicht auf den großen Moment warten, den uns andere gefälligst zu liefern haben. Ist das ein Muss? Natürlich nicht, wer SW nur zu seinen ganz persönlichen Bedingungen akzeptieren kann, hat jedes Recht der Welt dazu, aber ich sehe keine Lösung, wie das dann für alle auch nur annähernd erfüllt werden soll, da wir alle halt doch sehr unterschiedlich sind.

Nehmen wir als Bsp. (sorry) @Darth Stassen : du wünschst dir (u.a) Konsequenz, weniger bekannte Figuren und auch ein bisschen mehr Politik. Da würden viele hier sogar mitgehen. Aber TA hatte diese Dinge und wurde gnadenlos niedergemacht.
Oder Andor. Die Serie wurde von vielen als Höhepunkt gesehen, aber trotz aller guten Kritiken haben zu wenige die Staffel gesehen als dass die ursprüngliche Planung finanziell rentabel gewesen wäre und die zweite Staffel gab es nur, weil sie vertraglich schon vereinbart war. Viel Lob, aber vergleichsweise wenig Interesse bei der Laufkundschaft. Jetzt aber jeden neuen Film oder jede neue Serie immer mit Andor zu vergleichen (passiert in den Kommentarspalten oder bei Youtubern dauernd) und sich händeringend zu fragen, warum LF jetzt nicht wieder so etwas macht - oder besser noch – NUR noch so etwas, verkennt mMn eben die Realitäten.

Denn ich würde auch behaupten, wenn man die nächsten 10 Jahre den kompletten Content im superrealistischen und düsteren Andor-Style macht, hätte man die Verbindung zu den Nachwuchsfans komplett durchtrennt. Warum ich das glaube (u.a.): mein Sohn (15) war mit drei Kumpels (15 und 14) gerade im Kino und kam gerade überaus zufrieden nach Hause. Ihm und seinen Freunden hat TMaG super gefallen und er freut sich darauf mit mir nochmal zu gehen und nebenbei gehen sogar ihm schon irgendwelche alten Säcke (er ist 15, da sind alle alt), die ihm auf YT erzählen, dass das, was er und seine Jungs gut finden, scheiße ist, ziemlich auf den Sack.
Andor fand er auch gut, aber müsste er jetzt entscheiden, was er alles in welcher Reihenfolge rewatchen will, käme es mit Sicherheit ziemlich am Ende. Nicht ganz, aber ziemlich. Und wäre Andor das Erste gewesen, was er aus der GFFA gesehen hätte, vermute ich mal, dass es ihn nicht zum totalen Fan dieses Universums gemacht hätte. Sind jetzt die Stimmen dieser vier Jungs weniger Wert als die Stimmen derer, die es nur noch andoresk wollen?

Klar, könnte Disney in allen Projekten Dinge besser machen, keine Frage. Aber der Anspruch, dass LF mit diesem Film oder jener Serie das GANZE Fandom irgendwie befriedigen können sollte, ist für mich einfach nahezu nicht erreichbar. Und gar nicht erreichbar ist es, wenn man mit der Haltung rangeht, dass, wenn mir etwas nicht gefällt, das bedeutet, dass es einfach schlechtes SW ist. Und diese Haltung scheint mir im Fandom nicht ganz selten und unter den Youtubern sogar weit verbreitet.
 
was fehlt euch in Star Wars? Was würdet ihr anders machen oder was würdet ihr euch wünschen? Welchen kreativen Input habt ihr selber?
Mehr kompetente Autoren, die so viel Zeit für Drehbücher kriegen, wie sie wollen.

Und keine Prequels und Midquels mehr, die ständig versuchen die Lore zu rechtfertigen. Oder SW generell wie eine Histographie behandeln, wo jeder Millimeter von jeder Figur verfilmt werden muss. (Mein Hauptproblem mit dem alten & neuen EU. In Letzeres fällt selbst Andor für mich rein.)

Das Franchise braucht Fortsetzungen, die primär an sich glauben und nicht immer ständig Dasselbe machen. Und darüber halt von der Handlung her, wenn was aufeinander aufbaut, dass ausreichend im selben Projekt erklärt … Ansonsten verkommt das Franchise noch mehr zur Nische.

Solo hätte wahrscheinlich deutlich besser abschneiden können, wär' das ein Heist Movie ohne Han und Chewbacca geworden.
Woran machst du das fest?

Wenn wir Eines gelernt haben, dann: Bekannte Titelfigur => Mehr Quoten.

die ersten Staffeln von The Mandalorian noch übergreifend gefeiert werden, scheint's fast so, als hätte Favreau dann irgendwann den Widerstand aufgegeben und die Filoni-Formel vollends verinnerlicht. (Wer weiß, mag sein, dass ich mich da auch täusche.)
Favreau war vor der Zusammenarbeit mit Filoni dahingehend in meiner Wahrnehmung nicht wirklich anders. In Mando-S1 hatte auch schon Filoni die Zügel in der Hand und einfach bewusst seine Figuren rausgelassen für den Moment, um The Mandalorian unter Garantie so erfolgreich wie möglich zu machen … um dann seinen Animationsserien den Weg in live action zu ebnen.

Aber vom Writing her selber würde ich Mando-Staffel 1 als mit das Schlechteste des Filoniverse jemals anschauen.

Das Video-Essay weiter unten von vor ein paar Stunden passt auch gut zum Titel des Threads, finde ich.

Zumindest zum Teilen entwickelt sich aber das Bewegtbild-SW nach und nach hin zu dem, wo man mit dem Buch-EU schon einmal war. Jede Figur muss auserzählt, jede Lücke in der Handlung befüllt werden. Das war irgendwann einmal auch unter GL schon so, wenn ich da an The Clone Wars denke, aber damals konnte ich das irgendwie noch mehr ausblenden. Heute betrifft es aber eben nicht nur die Arbeiten eines Dave Filoni: Ich verstehe, warum viele Andor mögen und ich mag es ja im Grunde auch, aber hier wird es ganz deutlich, warum ich die heutigen Produkte einfach nicht liebe. Die einzelnen Andeutungen aus Rogue One durften keine Andeutungen bleiben, sondern mussten nun expliziert werden.
Da kann ich ziemlich mitgehen.

Wie man das ändern könnte? Tony Gilroy meinte einmal, dass Andor im Prinzip so entstanden sei, dass sie zuerst eine Geschichte geschrieben haben und diese anschließend für SW adaptiert haben. Da in meinen Augen - und soweit ich das beurteilen kann bei vielen anderen auch - Andor mit das Beste ist, was LF in den letzten Jahren abgeliefert hat, ist das vielleicht ein Ansatz um frischen Schwung in den Laden zu bringen. Denn die Serie war im Prinzip genau das, was ich mir unter einer guten Serie vorstelle: kaum Fanservice, neue und vielschichtige Figuren (Luthen Rael!), neue Perspektiven, Berücksichtigung politischer Strukturen (insbesondere das ist etwas, das dem Disney-SW ansonsten fast komplett fehlt), keine permanente Nostalgie und Spannung durch Konsequenzen.
Skeleton Crew und The Acolyte sind ja unter ähnlicher Prämisse entstanden. Auch ein Grund, weshalb sie für mich positiver als das Meiste (Nicht alles) von Filoni rausstechen.
 
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