[ Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Truuine / Äquatoriale Inselkette / Osicia / Restaurant 'Truuines Fruchtkorb' ] Ridley und Cestus, sowie (NPCs) Personal
Der Rückweg zur vorgeschobenen Feuerbasis führte Cestus und die verbliebenen Männer seines Angriffselements durch jene Abschnitte, die man ihnen wenige Stunden zuvor streitig gemacht hatte. Inzwischen boten dieselben Gräben ein vollkommen anderes Bild. Friedlich waren sie deshalb noch lange nicht, doch an die Stelle des unmittelbaren Gefechts war jene kontrollierte Betriebsamkeit getreten, die gewöhnlich darauf folgte, wenn eine Stellung nicht nur genommen, sondern auch gehalten werden sollte.
An den Kreuzungen standen Legionäre der Blauen Legion und wiesen nachrückenden Kräften ihre Wege, während zwischen den niedrigen Eis- und Durastahlwänden neue Munitionskisten gestapelt wurden. Sanitäter hatten provisorische Sammelpunkte eingerichtet und Pioniere arbeiteten bereits daran, beschädigte Übergänge auszubessern oder die letzten zurückgelassene Sprengfallen zu entschärfen. Dazwischen lagen noch immer ausgebrannte Droiden, zerschossene Barrikaden und vereinzelte Rebellenwaffen im Schnee nur die Leichen der Gefallen waren fast komplett verschwunden. Schwarze Brandspuren zeichneten sich auf dem Eis ab und an manchen Stellen würde niemand etwas wegräumen, bevor die Front weit genug entfernt war.
Cestus verlangsamte seinen Schritt, als vier Sanitäter zwei schwer verwundete Legionäre an ihnen vorbeitrugen. Der eine Mann war bei Bewusstlos, doch der andere war wach, wenn auch gerade noch so und murmelte etwas vor sich hin, die dunkelblaue Markierung auf ihren Schulterpanzern gehörte eindeutig zur Zweiten Kompanie.
Sein Blick folgte der Trage einige Sekunden lang, bevor er weiterging. Später würde er die Verlustmeldungen lesen und dann würden aus Zahlen wieder Namen werden. Für den Augenblick genügte ihm die Gewissheit, dass der Mann noch lebte.
Neben ihm bewegte sich Vorn weiterhin mit jener erstaunlichen Selbstverständlichkeit durch die Stellung, als hätte er nicht während der vergangenen Stunden beinahe jeden Blasterschuss des halben Verteidigungsrings auf sich gezogen. Trotzdem bemerkte Cestus inzwischen die kleinen Unterschiede. Die Bewegungen des Akolythen waren sparsamer geworden, nicht langsam oder unsicher, aber kontrollierter als zu Beginn des Angriffs.
Offenbar besaßen selbst Sith irgendwo eine Grenze.
Cestus war sich noch nicht sicher, ob er diese Erkenntnis beruhigend oder beunruhigend finden sollte.
Sie passierten einen Abschnitt, den Skybridge erst vor wenigen Stunden unter erheblichen Verlusten genommen hatte. Nun standen dort frische Soldaten mit sauberen Helmen, beinahe unbeschädigten Rüstungen und vollständiger Ausrüstung. Einige machten automatisch Platz, als sie die zurückkehrende Gruppe erkannten, andere salutierten knapp und Cestus erwiderte die Gesten ebenso beiläufig.
Der Gegensatz war beinahe absurd. Die nachrückenden Kräfte sahen so aus, wie seine eigenen Männer am Morgen ausgesehen hatten. Seine Leute dagegen trugen den vergangenen Tag auf ihren Rüstungen. Ruß, Kratzer, eingeschmolzene Treffer, getrocknetes Blut und gefrorener Schlamm hatten wenig von dem einheitlichen Erscheinungsbild übriggelassen, mit dem sie aus den Kanonenbooten gestiegen waren.
Cestus betrachtete seine Männer einen Moment lang und musste feststellen, dass ihn der Anblick keineswegs störte. Sie sahen nicht besonders beeindruckend aus, jedenfalls nicht auf jene saubere Art, die sich für Paraden und Propagandaaufnahmen eignete. Dafür sahen sie aus wie Soldaten, die ihren Auftrag erfüllt hatten.
Er warf einen Seitenblick zu Vorn und ließ seinen Blick kurz über dessen mittlerweile beinahe vollständig rußgeschwärzte Rüstung wandern.
Ein müdes Schmunzeln lag für einen Augenblick auf seinem Gesicht, ehe sein Ausdruck wieder etwas ernster wurde.
„Sie haben heute vielen meiner Männer den Arsch gerettet, Herr Meri. Das werde ich nicht vergessen.“
Mehr sagte Cestus dazu nicht. Er hatte Vorn bereits für dessen Leistung gelobt und sah keinen Grund, daraus eine feierliche Angelegenheit zu machen. Es war lediglich eine Feststellung, und Cestus meinte sie genau so.
Wenig später erreichten sie schließlich die ersten äußeren Bereiche der vorgeschobenen Feuerbasis. Generatoren brummten hinter niedrigen Schutzwällen, Transporter standen zwischen aufgeschobenen Schneemassen und Funker liefen mit Datapads zwischen den verschiedenen Unterständen hin und her. Seit Cestus am Morgen von hier aufgebrochen war, hatte sich das Lager erheblich verändert. Aus einigen hastig errichteten Befestigungen und Versorgungspunkten war innerhalb weniger Stunden ein erstaunlich funktionaler Gefechtsstand geworden.
Gerade als Cestus gemeinsam mit Vorn den eigentlichen Lagerbereich erreichte, erhielt der Akolyth offenbar eine Nachricht. Cestus bekam von deren Inhalt nichts mit, bemerkte jedoch wenig später, dass für Vorn bereits ein Speederbike bereitstand und dessen Weg ihn offensichtlich nicht weiter mit Skybridge zum zentralen Bunker führen würde.
Als Cestus einige Minuten später wieder aus dem Gefechtsstand trat, saß der gewaltige Akolyth bereits auf dem Fahrzeug. Der Major blieb vor ihm stehen und musterte erst Vorn und anschließend das im Vergleich zu dessen Statur geradezu lächerlich klein wirkende Speederbike. Für einen kurzen Augenblick musste er sich beherrschen, nicht zu grinsen.
Vorns Abschiedsworte ließen ihn schließlich doch schmunzeln.
„Das Kompliment gebe ich zurück.“, erwiderte Cestus und nickte dem Akolythen zu.
„Sie sind ebenfalls ausgesprochen gut darin, Löcher zu produzieren. Nur meistens etwas größer als wir.“
Sein Blick wanderte für einen Augenblick zum zentralen Bunkerberg hinüber. Selbst von hier aus war zu erkennen, dass sich dort weiterhin etwas tat. Vereinzelte Waffenstellungen eröffneten sporadisch das Feuer auf jene imperialen Verbände, die sich durch die verbliebenen Verteidigungsabschnitte arbeiteten, während Rauchschwaden über dem gesamten Komplex zwischen den Eisformationen hingen.
Bei Vorns Warnung bezüglich eines möglichen Kraftwerks verschwand das Schmunzeln aus Cestus' Gesicht. Nach allem, was sie während der vergangenen Stunden erlebt hatten, wäre es vermutlich sogar fahrlässig gewesen anzunehmen, die Rebellen würden ausgerechnet im Zentrum ihres Verteidigungssystems plötzlich Vernunft entwickeln.
„Ich lasse danach suchen und wenn es eines gibt werden wir uns darum kümmern.“, versicherte Cestus deshalb.
Noch einmal musterte er den Akolythen, bevor er ihm zum Abschied zunickte.
„Passen Sie auf sich auf, Herr Meri.” Vorn setzte das Speederbike in Bewegung und verschwand kurz darauf zwischen Transportern, Zelten und den provisorischen Befestigungen der Feuerbasis. Cestus sah ihm noch einen Augenblick hinterher.
Vor wenigen Stunden hatte er sich gefragt, wie zum Sarlacc man einen Sith-Akolythen überhaupt sinnvoll in eine reguläre Infanterieformation integrieren sollte. Jetzt musste er zu seinem eigenen Erstaunen feststellen, dass er es bedauerte, Vorn beim Angriff auf den zentralen Bunker nicht mehr dabeizuhaben.
„Verdammte Sith.“, murmelte Cestus mit einem leisen, belustigten Schnauben und wandte sich wieder dem Gefechtsstand zu. Zuerst wird einem ein Sith zugeteilt. Dann stellt man sich auf ihn ein und gerade wenn das Rad angefangen hat sich Ideal zu drehen, wurde der Sith wieder abgezogen. Einfach ärgerlich.
Im Inneren des HQ-Gefechtsstandes angekommen, fand Cestus dort jene kontrollierte Betriebsamkeit vor, die er von einem funktionierenden Hauptquartier erwartete. Holografische Darstellungen des Bunkerkomplexes schwebten über mehreren Kartentischen, während neue Frontlinien, erkannte Widerstandsnester und bestätigte Truppenpositionen beinahe im Minutentakt aktualisiert wurden. Funker saßen dicht nebeneinander an ihren Stationen und nahmen Meldungen aus den unterschiedlichen Angriffsabschnitten entgegen.
Captain Aurelian Korff stand einige Meter weiter vor einer großen taktischen Darstellung und besprach sich gerade mit zwei Logistikoffizieren. Als Cestus neben ihn trat, wanderte Korffs Blick kurz über den verschmutzten Kampfanzug seines Vorgesetzten.
„Major.“
Cestus folgte dessen Blick an sich hinunter und hob eine Augenbraue.
„Captain.“
Cestus deutete auf die taktische Darstellung und begann, die wichtigsten Erkenntnisse der vergangenen Stunden mit den bereits eingegangenen Meldungen abzugleichen. Skybridge hielt seinen Durchbruch, Tide befand sich ungefähr auf derselben Tiefe und Hammer hing auf der linken Flanke, holte gerade auf. Die nachrückenden Kräfte würden deshalb zunächst die eroberten Abschnitte stabilisieren und die erschöpften Angriffselemente herauslösen müssen.
„Zuerst Munition und medizinische Versorgung für die Einheiten, die noch vorne stehen. Danach werden die Angriffselemente aufgefüllt und neu bewaffnet. Unsere Leute haben irgendwann angefangen, mit allem zu schießen, was sie auf dem Boden gefunden haben, nur um den Vormarsch nicht abbremsen zu müssen.“
Korff nickte und ergänzte mehrere Markierungen auf der Karte.
Die anschließende Lagebesprechung dauerte länger, als Cestus lieb gewesen wäre. Neue Meldungen kamen herein, Positionen mussten abgeglichen und Verstärkungen verteilt werden, während die drei Angriffsschwerpunkte langsam wieder auf eine gemeinsame Tiefe gebracht wurden. Erst als sich abzeichnete, dass in den nächsten Stunden kein neuer Großangriff erfolgen würde, zog Cestus die Konsequenz aus einer Tatsache, die sein Körper ihm inzwischen ziemlich unmissverständlich mitteilte.
Er war vollkommen erledigt.
Nachdem Korff ausdrücklich angewiesen worden war, ihn bei jeder bedeutenden Veränderung der Lage zu wecken, zog sich Cestus für einige Stunden in einen der kleinen Ruheräume des Gefechtsstandes zurück. Komfortabel war daran wenig. Eine Feldliege, eine Decke und ein kleiner Tisch mussten genügen. Er legte Blaster und Vibroschwert in Reichweite, zog nicht einmal seine Stiefel aus und hatte ursprünglich vorgehabt, noch einige der eingegangenen Berichte zu lesen.
Dazu kam er nicht mehr.
Kaum lag sein Kopf auf der zusammengefalteten Jacke, die er als improvisiertes Kissen verwendete, war Cestus eingeschlafen.
Als er einige Stunden später wieder hochschreckte, lag seine rechte Hand bereits am Blaster, bevor er überhaupt vollständig begriffen hatte, wo er sich befand. Für einige Sekunden starrte er in die Dunkelheit des kleinen Raumes, ehe die Erinnerungen zurückkehrten und er den Griff seiner Waffe langsam wieder losließ.
„Scheiße.“
Ein Blick auf seinen Chronometer verriet ihm, dass er nur einige Stunden geschlafen hatte. Sein Körper vermittelte ihm dagegen ziemlich überzeugend den Eindruck, mehrere Tage unter einem Transporter gelegen zu haben.
Cestus setzte sich auf, rieb sich mit beiden Händen über das Gesicht und lauschte einen Augenblick den Geräuschen außerhalb des Raumes. Funkverkehr, Stimmen und das gleichmäßige Brummen der Generatoren waren zu hören. Offenbar existierte der Gefechtsstand noch, und niemand hatte es für notwendig gehalten, ihn vorzeitig zu wecken.
Schon einmal positiv.
Nachdem er sich halbwegs gesammelt hatte, kehrte Cestus an seinen Arbeitsplatz zurück. Dort wartete inzwischen eine ganze Reihe neuer Meldungen auf ihn. Munitionsstände, Verwundetenlisten, Materialverluste und aktualisierte Lagekarten reihten sich aneinander. Hammer hatte während seiner Ruhezeit Boden gutgemacht, weitere Verteidigungsstellungen waren gefallen und zusätzlicher Nachschub hatte die Feuerbasis erreicht.
Cestus arbeitete sich durch die Berichte, bis ihm eine gesondert markierte Nachricht auffiel.
Der Absender ließ ihn innehalten.
GOUVERNEUR RIDLEY SOLARIS
Cestus öffnete das Memo und las es zunächst einmal, anschließend ein zweites Mal.
Eine Einladung zum Frühstücksbrunch in Truuines Fruchtkorb in Osicia.
Cestus lehnte sich langsam in seinem Stuhl zurück und betrachtete die Nachricht noch einige Sekunden, als würde irgendwo zwischen den Zeilen vielleicht doch noch eine Erklärung auftauchen.
Tat sie nicht.
„Der Fruchtkorb.“, murmelte er schließlich.
Nach den vergangenen Stunden zwischen Eisgräben, explodierenden Droiden, Rebellenstellungen und einem beinahe unverwüstlichen Sith-Akolythen erschien ihm die Vorstellung eines gemütlichen Frühstücksbrunches volkommen surreal. Weshalb der Gouverneur ausgerechnet ihn persönlich sprechen wollte, ging aus der Nachricht ebenfalls nicht hervor.
Cestus dachte kurz darüber nach, fand jedoch keinen Sinn darin, sich den Kopf über etwas zu zerbrechen, das Solaris ihm offenbar selbst erklären wollte. Aber Cestus nahm zumindest an, dass es entweder etwas mit dem Aktuellen oder vielleicht schon der nächsten Offensive zu tun hatte. Wie auch immer, wenn der Gouverneur ihn nach Osicia bestellte, also würde er nach Osicia fliegen, ganz einfach.
Außerdem hatte die Sache wenigstens einen Vorteil.
Die Unterkünfte der Blauen Legion lagen ebenfalls dort.
Cestus betrachtete seine Ärmel seines Kampfanzugs und verzog leicht den Mund. Ruß, Schmutz und die Spuren des vergangenen Tages bedeckten mittlerweile einen beträchtlichen Teil davon. Wenn er schon wieder in diesem Fruchtkorb auftauchen musste, konnte er wenigstens versuchen, vorher nicht auszusehen, als hätte man ihn unmittelbar aus einem Graben gezogen.
Er öffnete eine Verbindung zu Korff.
„Captain Korff, Gouverneur Solaris will mich in Osicia sehen, schätze für einen Lagebericht. Ich bin deshalb für einige Zeit nicht am Gefechtsstand.“
Die Antwort kam beinahe unmittelbar.
„Verstanden, Major.“
„Sie übernehmen bis zu meiner Rückkehr die operative Führung von Skybridge. Keine größeren Änderungen am Angriffsplan ohne Rücksprache, solange die Lage das zulässt. Sobald Hammer aufgeschlossen hat und der Ring vollständig unter Kontrolle ist, will ich eine vollständige Lageübersicht.“
„Selbstverständlich, Major.“
Cestus war sich sicher, dass der Captain in seiner Abwesenheit alles deichseln würde.
„Varro Ende.“
Nachdem die Verbindung geschlossen war, kontaktierte Cestus die Logistik und ließ sich eine Maschine nach Osicia bereitmachen.
Er befestigte den Blaster wieder an seinem Gürtel, nahm das Vibroschwert auf, prüfte noch einmal kurz seinen verschmutzten Kampfanzug und verließ den Gefechtsstand.
Die Kälte traf ihn unmittelbar, als er nach draußen trat. Über dem südpolaren Gefechtsgebiet lag weiterhin der matte Schein vereinzelter Waffenentladungen, während dunkle Rauchschwaden über den weiter entfernten Teilen des Bunkerkomplexes standen. Irgendwo dort vorne arbeiteten sich seine Männer noch immer durch die letzten Verteidigungsstellungen und bereiteten den nächsten Angriff vor.
Cestus blieb für einen Moment stehen und betrachtete den Bunkerberg.
Er wäre lieber dort geblieben.
Nicht weil ihn die Aussicht auf einen weiteren Kampf besonders reizte, sondern weil seine Leute dort waren und der Auftrag noch nicht beendet war. Dennoch hatte er Korff nicht ohne Grund zu seinem Stellvertreter gemacht. Wenn Cestus nicht einmal für einige Stunden verschwinden konnte, ohne dass Skybridge auseinanderfiel, hatte man bei der Auswahl der Offiziere grundsätzlich etwas falsch gemacht.
Also setzte er den Helm des Anzugs auf und setzte sich wieder in Bewegung.
Hinter den Schneewällen und Antennen der Feuerbasis lagen bereits die Positionslichter des Landefeldes. Dort wartete irgendwo eine Maschine, die ihn ausgerechnet jetzt vom südpolaren Schlachtfeld zurück nach Osicia bringen würde.
Und zu einem Frühstücksbrunch mit Gouverneur Solaris. Cestus schüttelte beim Gedanken daran leicht den Kopf und stapfte weiter durch den Schnee.
Manchmal war das Imperium wirklich ein merkwürdiger Arbeitgeber.
-
Der Weg zum Landefeld nahm nur wenige Minuten in Anspruch. Dort wartete bereits einer der Transporter, dessen Besatzung offenbar genauso wenig Interesse daran hatte, einen Major mit persönlicher Einladung des Gouverneurs unnötig warten zu lassen, wie Cestus daran, länger als notwendig von seiner Einheit entfernt zu bleiben.
Der Flug nach Osicia verlief ereignislos.
Zumindest äußerlich.
Cestus nutzte einen großen Teil der Zeit, um die letzten eingegangenen Meldungen zu lesen und sich ein möglichst vollständiges Bild davon zu machen, was während seiner Abwesenheit am Bunkerhügel geschah. Korff hatte den Laden offenbar im Griff. Hammer hatte aufgeschlosen, Tide hielt seine Position und die Nachschubwege funktionierten mittlerweile besser als noch einige Stunden zuvor.
Mehr konnte Cestus im Augenblick ohnehin nicht tun.
Als die Maschine schließlich in Osicia aufsetzte, wirkte die Stadt beinahe wie eine andere Welt.
Wo am Südpol Eis, Rauch und Artilleriefeuer den Horizont bestimmt hatten, empfingen ihn hier breite Verkehrswege, feste Gebäude und die deutlich geordnetere Betriebsamkeit einer größeren Stadt. Ganz unberührt vom Krieg war Osicia dennoch nicht. Bereits beim Verlassen des Landefeldes fielen Cestus die medizinischen Zelte auf, die entlang eines größeren Abschnittes des Raumhafens errichtet worden waren. Angehörige der Planetaren Sicherheitskräfte bewegten sich mit Schutzmasken zwischen Kontrollpunkten und provisorischen Behandlungsbereichen, während zivile Bewegungen sichtbar eingeschränkt worden waren.
Der Kiemenschimmel.
Cestus hatte die Berichte natürlich gelesen, aber etwas auf einem Datapad zu sehen und tatsächlich zwischen den Maßnahmen hindurchzugehen, waren zwei unterschiedliche Dinge.
Sein erster Weg führte ihn ohnehin nicht unmittelbar zum Restaurant, sondern zu den Unterkünften der Blauen Legion. Die Soldaten dort staunten nicht schlecht, so ziemlich keiner hätte angenommen, dass plötzlich Ihr Major mit verrußten und teils mit Erde bedeckten Kampfanzug an Ihnen vorbei marschieren würde. Als ein paar der Legionäre ein Gespräch beginnen wollten, wies er sie darauf hin, dass er einen Termin mit der planetaren Verwaltung hatte und keine Zeit hätte.
Die anschließende Dusche war vermutlich die beste Entscheidung, die er seit vielen Stunden getroffen hatte.
Als Cestus einige Zeit später wieder aus dem Quartier trat, hatte sich zumindest sein äußeres Erscheinungsbild erheblich verbessert. Der Ruß war verschwunden, ebenso der Geruch nach kaltem Rauch, Schweiß und dem Inneren eines Grabensystems. Die frische
Uniform der Legion, die er sich im Depot geholt hatte, saß sauber, die Stiefel waren gewechselt und das Vibroschwert hing wieder ordentlich an seiner Seite.
Nur seine Müdigkeit ließ sich nicht komplett abwaschen.
Cestus betrachtete sich kurz in einem Spiegel, strich eine Falte an seinem Kragen glatt und schnaubte leise.
„Muss reichen.“
Wenig später machte er sich auf den Weg zum vereinbarten Treffpunkt.
Truuines Fruchtkorb hatte sich seit seinem letzten Besuch nicht verändert. Schon beim Eintreten begegnete ihm dieselbe gepflegte Atmosphäre, die in beinahe groteskem Gegensatz zu dem stand, was er noch vor wenigen Stunden gesehen hatte. Nach Eisgräben, improvisierten Sanitätsstellen, toten Kameraden und dem Schlachtenlärm, wirkten gedeckte Tische und sauber polierte Gläser fast schon wie unangemessen luxuriös.
Cestus ließ seinen Blick kurz durch den Raum wandern und entdeckte Solaris bereits an einem der Tische.
Der Gouverneur erhob sich augenblicklich und kam auch wie letztens mit ausgebreiteten Armen auf ihn zu.
Cestus trat auf Ridley zu, salutierte zuerst, wie es sich gehörte und erwiderte den angebotenen Händedruck.
„Gouverneur Solaris.“
Bei der Begrüßung neigte er ein wenig respektvoll den Kopf.
„Sie müssen sich nicht bedanken. Als ich von Prefsbelt IV hierher geschickt wurde, war mein Befehl schlicht und ergreifend, Sie zu unterstützen und Ihren Befehlen Folge zu leisten und gute Soldaten folgen Befehlen.“
Ein kaum wahrnehmbares Schmunzeln begleitete die Worte, ehe Cestus der einladenden Geste folgte und Platz nahm.
Solaris kam ohne größere Umschweife zum eigentlichen Thema.
Cestus hatte nichts anderes erwartet.
Auf die Bitte um einen Bericht hin lehnte er sich leicht zurück und ordnete seine Gedanken für einen Augenblick.
„Im Großen und Ganzen ist der gestrige Angriff besser verlaufen, als es während einzelner Phasen den Eindruck gemacht hat.“, begann er schließlich.
„Der äußere Verteidigungsbereich ist auf unserem Abschnitt gefallen und Skybridge hat sich anschließend bis in den inneren Ring vorgearbeitet. Die rechte Flanke befindet sich inzwischen ungefähr auf derselben Tiefe und die linken Flanke, die deutlich mehr Widerstand hatte, holt aber nach den letzten Meldungen auf und sollte sich jeden Augenblick den anderen Einheiten anschließen.“
Er verschränkte die Hände locker vor sich auf dem Tisch.
„Die Verteidigung war gut vorbereitet. Nicht außergewöhnlich, aber konsequent. Die Rebellen haben versucht, uns in den Gräben zu verlangsamen, während sie gleichzeitig Zeit für den zentralen Komplex gewinnen. Ich gehe davon aus, dass wir dort auf deutlich stärkeren Widerstand treffen werden als bisher.“
Cestus machte eine kurze Pause und beantwortete die Frage bzgl. Meri.
„Sie haben außerdem sehr schnell verstanden, dass Private First Class Meri das größte Problem auf unserem Abschnitt darstellt. Danach haben sie direkte Gefechte mit ihm weitgehend vermieden und stattdessen vereinzelte Droiden, Sprengfallen, automatisierte Stellungen und Scharfschützen eingesetzt. Militärisch betrachtet war das durchaus vernünftig.“
Sein Mundwinkel bewegte sich leicht.
„Geholfen hat es ihnen nur begrenzt.“
Cestus griff nach dem bereitstehenden Wasser und nahm einen kleinen Schluck, bevor er fortfuhr.
„Haben zwar Verluste erlitten, aber nach dem, was wir geleistet haben, vertretbar. Trotzdem ist das Bataillon weiterhin einsatzfähig und kann nach Auffüllung der vorderen Elemente am Angriff auf den Bunkerberg teilnehmen.“
Bei Solaris' nächster Frage dachte Cestus etwas länger nach.
Moral.
Ein einfaches Wort für eine Sache, die sich selten einfach und flächendeckend beantworten ließ.
„Die Moral ist gut.“, sagte er schließlich.
„Erschöpft, aber gut. Die Männer wissen, dass sie vorangekommen sind, und sie sehen, dass die gewonnenen Stellungen gehalten werden. Das hilft mehr als jede Ansprache.“
Er hob leicht die Schultern.
„Natürlich merken sie auch, dass der schwierigste Teil noch vor uns liegt. Die Leute sind nicht dumm. Jeder, der gestern durch diese Gräben gegangen ist, weiß, dass die Rebellen ihre besten Kräfte vermutlich nicht im äußeren Ring verheizt haben.”
Die Frage nach der Unterbringung ließ ihn beinahe lächeln.
„Die Unterkünfte auf Osicia sind sind völlig ausreichend und lassen für Soldaten keine wünsche offen.”
Damit waren sie beim letzten Punkt angekommen.
Cestus lehnte sich etwas zurück und dachte für einen Moment darüber nach, wie er seine Antwort formulieren wollte.
„Was Private 1st Class Meri betrifft, hatte ich anfangs gewisse Zweifel.“
Das war noch höflich ausgedrückt immerhin hatte er keine Ahnung gehabt wie er mit dem Sith arbeiten soll.
„Nicht an seiner Kampfkraft. Die war schwer zu übersehen. Eher daran, ob man jemanden mit seinen Fähigkeiten sinnvoll in eine reguläre Infanterieformation integrieren kann.“
Cestus schüttelte leicht den Kopf.
„Das Problem hat sich schneller erledigt, als ich erwartet hatte. Er hat Befehle verstanden, hat sich an unsere Bewegungen angepasst und vor allem irgendwann begriffen, dass meine Leute nicht nur hinter ihm stehen, um ihm beim Kämpfen zuzusehen.“
Sein Gesicht wurde etwas ernster.
„Er hat während des Angriffs einen erheblichen Teil des gegnerischen Feuers auf sich gezogen und damit vielen unserer Männer das Leben gerettet. Gleichzeitig haben meine Leute seine Flanken gedeckt und sich um alles gekümmert, was er nicht gleichzeitig erreichen konnte. Nach ein wenig Eingewöhnungszeit funktionierte das beinahe ohne Absprache.“
Cestus sah Solaris direkt an.
„Kurz gesagt: Nein. Es gab keine nennenswerten Reibungen.“
Ein kleiner Moment verging.
„Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass ich ihn beim Angriff auf den zentralen Komplex gern weiterhin bei Skybridge gehabt hätte.“
Cestus nahm erneut einen Schluck Wasser und stellte das Glas wieder ab.
„Das ist die Lage aus meiner Sicht, Gouverneur.“
Dann hob er leicht eine Augenbraue.
„Wobei ich zugeben muss, dass ich inzwischen neugierig geworden bin.“
Ein neugieriger Blick erschien auf seinem Gesicht.
„Ich nehme an, Sie haben mich nicht ausschließlich nach Osicia fliegen lassen, um sich meinen Frontbericht anzuhören. Diese stehen ja digital rund um die Uhr zur Verfügung. Also Gouverneur , warum bin ich hier?"
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