Weltraum (Imperium)

>>> kommend von Cona

[ Weltraum - auf der Route von Cona nach Truuine - Velcrest Odyssee ] Lucien Velcrest

Die Velcrest Odyssee befand sich bereits seit mehreren Stunden im Hyperraum, als Lucien es sich in einem der kleineren Aufenthaltsbereiche des Schiffes bequem gemacht hatte. Vor ihm stand eine halb geleerte Tasse Caf, neben ihm lag sein Datenpad und durch die breiten Sichtfenster zogen jene bläulich weißen Lichtbahnen, die inzwischen beinahe das Einzige waren, das ihn noch daran erinnerte, dass zwischen ihm und Truuine mehrere Lichtjahre lagen.

Die Reise verlief erfreulich ereignislos.
Nach Cona empfand Lucien das beinahe als willkommene Abwechslung.

Er hatte ursprünglich vorgehabt, die verbleibende Flugzeit damit zu verbringen, sich noch einmal genauer mit den Unterlagen zur bevorstehenden Gala zu beschäftigen, war allerdings bereits nach wenigen Minuten bei seinen privaten Nachrichten hängen geblieben. Offenbar hatte sich seine inzwischen doch etwas längere Abwesenheit von Arkania herumgesprochen, denn neben den üblichen Nachrichten seiner Familie und einiger geschäftlicher Kontakte fanden sich darunter auch mehrere Mitteilungen von Personen, deren Interesse an seinem gegenwärtigen Aufenthaltsort deutlich persönlicher formuliert war.

Ein alter Bekannter aus Aurentis erkundigte sich danach, wann Lucien endlich wieder einmal für einen vernünftigen Abend zur Verfügung stünde, während zwei junge Damen aus seinem erweiterten gesellschaftlichen Umfeld unabhängig voneinander bemerkenswert ähnliche Sorge darüber äußerten, dass man ihn inzwischen viel zu lange nicht mehr gesehen habe.

Lucien las die zweite Nachricht ein weiteres Mal und musste schmunzeln.
Wie rührend.

Natürlich bildete er sich nicht ein, dass sämtliche dieser Personen ausschließlich wegen seines außergewöhnlichen Charakters, seines Humors oder der tiefen emotionalen Bereicherung seiner Gesellschaft nach ihm verlangten. Zumindest eine der beiden Damen hatte während ihres letzten gemeinsamen Abends ausgesprochen viel Gefallen daran gefunden, dass Lucien sie zunächst in eines der besseren Restaurants Aurentis' und anschließend für mehrere Tage in die Villa der Familie eingeladen hatte. Die andere besaß eine auffallende Vorliebe für Veranstaltungen, bei denen der Name Velcrest am Eingang gewöhnlich mehr Türen öffnete als eine Einladung.

Lucien störte das allerdings herzlich wenig.

Das gesellschaftliche Leben funktionierte schließlich selten ausschließlich aus selbstloser Zuneigung. Er bot angenehme Gesellschaft, interessante Abende, gute Getränke, schöne Orte und gelegentlich die Möglichkeit, Dinge zu erleben, die sich andere in seinem Alter schlicht nicht leisten konnten.
Und dafür bekam er seinerseits Gesellschaft, Aufmerksamkeit und gelegentlich andere ausgesprochen angenehme Dinge zurück.
Geben und Nehmen.
Solange beide Seiten wussten, worauf sie sich einließen, sah Lucien darin kein Problem.

Er beantwortete einige der Nachrichten, wobei er eine Rückkehr nach Arkania vorerst bewusst offenließ, und wechselte anschließend zu den dienstlichen Dateien auf seinem Datenpad. Dort wartete noch immer jener Bericht, den er nach seinem Gespräch mit der conischen Verwaltung nach Truuine übermittelt hatte.

Lucien öffnete ihn mehr aus Langeweile als aus tatsächlicher Notwendigkeit.
Nach einigen Minuten bemerkte er allerdings, dass er die Stirn gerunzelt hatte.

Nicht weil ihm ein Fehler aufgefallen wäre. Im Gegenteil. Der Bericht war gut.

Die beiden möglichen Modelle für eine zukünftige Versorgung Conas waren sauber voneinander getrennt, die benötigten Daten waren angefordert worden und selbst die ersten Fragen bezüglich Transportkapazitäten, Aufbereitung, Mineralisierung und möglicher langfristiger Liefermengen hatte er festgehalten. Natürlich mussten andere Personen daraus nun tatsächliche Berechnungen und Angebote erstellen, doch genau dafür gab es schließlich Fachleute.

Lucien lehnte sich etwas zurück und betrachtete das Dokument.

„Siehst du, Vater.“, murmelte er mit einem kleinen selbstzufriedenen Lächeln. „Ich kann sogar vernünftig sein....wenn ich will.“

Für einen Moment fragte er sich tatsächlich, was sein Vater zu seiner ersten Mission gesagt hätte.
Die Vorstellung gefiel ihm weniger, als er erwartet hatte.
Wahrscheinlich hätte er zunächst gefragt, weshalb Lucien überhaupt Glücksspiel betrieben hatte, danach weshalb er sich hatte betrinken lassen, anschließend weshalb er einen einflussreichen Mann betrogen und beleidigt hatte und spätestens bei der Entführung wäre vermutlich endgültig Schluss mit jeglicher Anerkennung gewesen.

Dass am Ende trotzdem ein erfolgreicher Termin, ein möglicher Handelsvertrag und zusätzlich ein neuer Kontakt herausgekommen waren, wäre vermutlich irgendwo zwischen all den Vorwürfen untergegangen.

Lucien verzog leicht den Mund.
Dabei war ihm die Meinung seines Vaters vollkommen egal.
Zumindest meistens. Vielleicht nicht vollkommen.

Er liebte seinen Vater schließlich trotz allem auf seine eigene Art, was die Angelegenheit gelegentlich erheblich lästiger machte. Ein kleiner Teil von ihm hätte durchaus gerne erlebt, dass dieser den Bericht las und wenigstens einmal zugab, dass sein Sohn vielleicht doch zu mehr fähig war, als Geld auszugeben und gesellschaftliche Veranstaltungen heimzusuchen und er vielleicht für doch ein wenig Stolz empfand.
Lucien schnaubte leise.

„Ach, soll er doch bleiben, wo die Mynocks nisten.“, murmelte er schließlich und schloss den Bericht. „Er hat mich schließlich weggeschickt.“
Das Datenpad meldete beinahe im selben Moment eine neue private Nachricht.
Lucien öffnete sie und musste bereits beim Absender lächeln.


Nalia.

Die Nachricht war kurz, enthielt allerdings genau jene Mischung aus Dankbarkeit und spielerischem Tadel, die er inzwischen mit ihr verband. Das kleine Schmuckstück, das Lucien ihr vor seiner Abreise hatte zukommen lassen, war offenbar angekommen.

Während seines letzten Tages mit Torzh hatte er bei einem Händler eine feingliedrige Halskette entdeckt, deren warmer Goldton seiner Meinung nach ausgesprochen gut zu Nalias aquamarinblauer Haut und jenem dunkelroten Kleid passen würde, in dem er sie kennengelernt hatte. Da er keine Gelegenheit mehr gehabt hatte, sie ihr persönlich zu geben, hatte er das Stück mit einer kurzen Nachricht im Obsidian Veil hinterlegen lassen.

Offenbar war die Überraschung gelungen.

Nalia bedankte sich überschwänglich, erklärte ihm allerdings zugleich, dass ein teures Geschenk keineswegs bedeute, dass er sich beim nächsten Besuch wieder sämtliche Regeln ihres Salons zurechtbiegen dürfe. Darunter folgte eine wesentlich persönlichere Ergänzung.
Sollte er irgendwann wieder nach Cona kommen und es wagen, den Planeten zu verlassen, ohne sich bei ihr zu melden, würde sie das ausgesprochen persönlich nehmen.

Und diesmal müsse er sie auch nicht erst aus dem Obsidian Veil mitnehmen.
Ihre Wohnung sei schließlich in der nähe des Lokales.

Lucien las den letzten Satz zweimal.
Dann erschien langsam ein breites Grinsen auf seinem Gesicht.
„Ich wusste doch, dass sie mir nicht wiederstehen kann.“, stellte er zufrieden fest und begann unmittelbar eine Antwort zu verfassen.
Nachdem auch das erledigt war, erinnerte er sich endlich daran, womit er seine Zeit ursprünglich hatte verbringen wollen.

Die Gala.

Lucien wechselte zu den Veranstaltungsunterlagen und ließ sich das Programm der bevorstehenden Gala der Kristallenen Klänge anzeigen. Bereits auf seinem ursprünglichen Weg von Arkania nach Truuine hatte er von der Veranstaltung gelesen und beschlossen, sie unter keinen Umständen zu verpassen. Dass seine Rückkehr nun ausgerechnet auf den Tag der Eröffnung fiel, war daher beinahe perfektes Timing.
Genau genommen war das sogar einer der Gründe gewesen, weshalb ihn die ursprüngliche Aussicht auf zwei Wochen Wartezeit bei der conischen Verwaltung derart aufgeregt hatte.

Zwei Wochen. Er hätte die gesamte Gala verpasst.


Nun sollte die Velcrest Odyssee dagegen am Vormittag Truuine erreichen, womit ihm ausreichend Zeit blieb, sich umzuziehen und anschließend zum Veranstaltungsort aufzubrechen. Und diesmal würde er sich nicht mit Verwaltungsbeamten, Wasserpreisen oder Transportkapazitäten beschäftigen müssen.
Stattdessen erwarteten ihn Kunst, Musik, Architektur, ausgezeichnete Getränke und mit ziemlicher Sicherheit eine bemerkenswerte Anzahl ausgesprochen interessanter Gäste.
Darunter hoffentlich einige ebenso interessante Damen.
Lucien grinste und scrollte weiter.

„Das klingt schon wesentlich mehr nach einer Gelegenenheit, die meinen Fähigkeiten entspricht.“, bemerkte er amüsiert.

Tatsächlich dauerte es allerdings nicht lange, bis ihn einige der Aussteller auch jenseits ihrer möglichen weiblichen Begleitung interessierten.

Eine kleine Manufaktur von Corellia präsentierte beispielsweise handgefertigte Swoop-Bikes unter dem Namen Veyronis Motive, wobei jedes Fahrzeug ausschließlich auf Bestellung gefertigt und individuell an seinen Besitzer angepasst wurde. Die abgebildeten Modelle verbanden lange, elegante Linien mit ungewöhnlich tief liegenden Antriebseinheiten und wirkten eher wie Kunstobjekte als gewöhnliche Fortbewegungsmittel.

Lucien blieb mehrere Sekunden an einem der Bilder hängen. Er brauchte kein neues Swoop-Bike.
Das war vollkommen klar. Leider sah das abgebildete Modell ausgesprochen gut aus.
„Das ist gefährlich.“, stellte er leise grinsend fest und setzte die Manufaktur dennoch auf seine persönliche Merkliste.

Nur wenige Einträge später entdeckte er einen Namen aus Arkania, den er tatsächlich kannte. Maison Orvellan, ein traditionsreicher Herrenausstatter aus Adascopolis, unterhielt auf der Gala einen eigenen kleinen Präsentationsbereich für Maßkleidung, Stoffe und zeremonielle Herrenmode.

Lucien hob überrascht die Augenbrauen.
Von Orvellan besaß er selbst einen Anzug. Genau genommen einen seiner Lieblinge in einem hellen Salbeigrün.
Damit war auch dieser Stand vorgemerkt.

Daneben fanden sich Instrumentenbauer, Juweliere, Kristallkünstler, Innenarchitekten, Bildhauer und mehrere Architekturbüros, deren Arbeiten Lucien länger betrachtete, als er ursprünglich erwartet hatte. Besonders neugierig war er allerdings auf jene Klangkunst, der die Gala ihren Namen verdankte. Mehrere Künstler arbeiteten mit Kristallen, Resonanzkörpern und kontrollierten Schwingungen, um ganze Räume mit Klängen zu füllen, die sich abhängig von Position und Bewegung der Besucher veränderten.

Das wollte er unbedingt sehen.
Je länger Lucien durch die Unterlagen ging, desto mehr begann allerdings auch sein finanziell weniger vernünftiger Teil mitzulesen.
Sein Geld war schließlich noch lange nicht versiegt und immerhin hatte er ja auf Cona dem guten Trozh einiges auch an Credits abgenommen.

Vielleicht fand sich auch etwas für seine gegenwärtigen Räume im Praxeum. Einige der präsentierten Möbel und Kunstobjekte würden dort zweifellos besser aussehen als Teile jener langweiligenEinrichtung, die man ihm bislang zur Verfügung gestellt hatte.


Wobei...
Lucien hielt beim Scrollen inne.
Warum eigentlich dauerhaft im Praxeum wohnen?

Für den Anfang war seine Unterkunft vollkommen ausreichend, doch wenn Ridley tatsächlich vorhatte, ihn länger auf Truuine zu beschäftigen, konnte man irgendwann durchaus über etwas Eigenes sprechen. Eine Wohnung in Moraband wäre das Mindeste. Noch besser wäre eine kleinere Villa außerhalb der dicht bebauten Bereiche oder im besten Viertel der Stadt, vorzugsweise mit ausreichend Garten, einer vernünftigen Aussicht. Oder vielleicht irgendwo dort, wo das Klima ein wenig Wärmer war.

Immerhin war er Vicomte von Aurentis.
Man konnte von einem Mann seines Standes schließlich kaum erwarten, auf unbestimmte Zeit wie irgendein gewöhnlicher Verwaltungsangestellter in bereitgestellten Räumen zu wohnen.

Lucien hielt kurz inne.
Vielleicht war genau diese Denkweise einer der Gründe, weshalb sein Vater ihn fortgeschickt hatte.

Er dachte einige Sekunden darüber nach. Dann zuckte er mit den Schultern.
Das machte den Gedanken an eine Villa nicht schlechter.

Er würde Ridley bei Gelegenheit darauf ansprechen. Vielleicht allerdings nicht unmittelbar nach seiner Rückkehr.
Zuerst würde er seinem Schwager den erfolgreichen Abschluss seiner ersten Mission präsentieren, anschließend möglichst beiläufig erwähnen, wie schnell er trotz anfänglicher Schwierigkeiten einen Zugang zur conischen Verwaltung gefunden hatte, und sich erst danach wieder den angenehmeren Dingen widmen.

Mit etwas Glück würde Ridley angesichts des Ergebnisses sogar bereit sein, über die weniger offiziellen Einzelheiten seines Aufenthaltes hinwegzusehen.

Immerhin hatte Lucien seinen Auftrag erledigt.
Dass er zwischendurch einen Spielsalon besucht, eine attraktive Twi'lek kennengelernt, einen örtlichen Geschäftsmann beim Sabacc betrogen und sich von dessen Leuten hatte entführen lassen, waren streng genommen lediglich Begleitumstände und musste sein Schwager ja nicht erfahren.
Vollkommen nebensächliche Begleitumstände.

Lucien nahm sein Glas, stellte jedoch erst beim Ansetzen fest, dass es bereits leer war.
„Ja....die Mission lief ausgezeichnet.“, erklärte er überzeugt.

Niemand war im Raum, um ihm zu widersprechen. Das gefiel ihm ausgesprochen gut.
Er legte das Datenpad schließlich neben sich, verschränkte die Hände hinter dem Kopf und sah hinaus auf die langen Lichtbahnen des Hyperraums.

Cona lag hinter ihm.
Truuine wartete auf ihn.

Sein erster diplomatischer Auftrag war erledigt, seine erste Gala stand unmittelbar bevor und irgendwo zwischen Kunst, Musik, Adel, imperialen Würdenträgern, Geschäftsleuten und vermutlich einer vollkommen unverantwortlichen Menge Alkohol würde sich mit Sicherheit etwas finden, das seine Aufmerksamkeit verdiente.

Lucien lächelte zufrieden.
Vielleicht war dieses unfreiwillige Exil auf Truuine am Ende doch nicht ganz so furchtbar, wie er seinem Vater gegenüber jemals zugeben würde.


[ Weltraum - auf der Route von Cona nach Truuine - Velcrest Odyssee ] Lucien Velcrest

>>> weiter auf Truuine
 
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| Mittlerer Rand – Fedje-System – an Bord der Quiet Wager | Craton Minara |​

Die Sterne wurden wieder zu Punkten. Fedje erschien vor der Cockpitscheibe und mit ihm das vertraute kurze Durcheinander aus Navigationsdaten, Positionsbestimmung und dem leisen Arbeiten des Navcomputers, der bereits begann, den nächsten Sprung nach Garqi vorzubereiten. Craton saß zurückgelehnt im Pilotensitz. Ketaris lag hinter ihm, ebenso die Grenze. Die Borrowed Luck existierte vorerst nicht mehr. Seit dem letzten Zwischenstopp antwortete der Explorer wieder auf eine andere Kennung. Quiet Wager. Die dritte Identität, dritter Name für dasselbe Schiff. Der ehemalige Schmuggler betrachtete die Anzeigen, keine ungewöhnlichen Kontakte, keine Anfragen, keine Warnungen. Seine Finger glitten bereits über die Navigation, als hinter ihm etwas klickte, leise, mechanisch. Craton erstarrte, as Geräusch kam ihm bekannt vor, nur hatte er nichts eingeschaltet. Langsam drehte er den Kopf, der Holoprojektor im Aufenthaltsbereich erwachte. Blasses Licht flackerte über den Boden. Der Mirialaner stand auf. Eine Hand wanderte beinahe beiläufig in Richtung eines Blasters.

Zwischen Cockpit und Kabine entstand eine Gestalt, unkenntlich. Keine klaren Gesichtszüge, keine erkennbare Kleidung. Nur eine dunkle humanoide Silhouette, deren Konturen im blassen Flimmern des Hologramms immer wieder zerfielen. Dann sprach sie.

„Eure Schritte wurden gezählt.“
Craton blieb im Durchgang stehen.
„Eure Entscheidungen wurden gewogen.“
Eine kurze Pause.
„Ihr wurdet für ausreichend befunden.“
Der Mirialaner blinzelte. Langsam wanderte eine Augenbraue nach oben.
„Ausreichend?“
Die Gestalt schwieg. Craton breitete eine Hand aus.
„Achtzehn Sturmtruppen, ein Jedi, den es nie gegeben hat, eine Scheune und eine halbe verdammte Theateraufführung—“
„Nicht, weil Ihr achtzehn Soldaten getötet habt.“

Craton verstummte, sein Mund blieb noch einen Moment geöffnet. Die Projektion hatte weder auf seinen Einwand reagiert noch den Rhythmus verändert. Der Mirialaner sah sie an, dann langsam zum Projektor, wieder zur Gestalt.
„Oh.“
Eine kurze Pause.
„Ihr seid gar nicht da.“
Das schien ihm augenblicklich noch weniger zu gefallen.
„Töten können viele. Ein Extinktor hätte dasselbe Feld mit genügend Gewalt geleert. Das war nicht die Prüfung.“
Cratons Augen wurden schmaler. Prüfung? Da war es, das Wort, das bisher niemand benutzt hatte.
„Ihr habt beobachtet. Ihr habt improvisiert. Ihr habt verstanden, was notwendig war, ohne dass man es Euch erklären musste. Ihr habt Eure Gewohnheiten abgelegt, als sie der Aufgabe im Wege standen. Ihr habt eine Identität angenommen, die nicht die Eure war. Und als sie ihren Zweck erfüllt hatte, habt Ihr sie sterben lassen.“
Der Mirialaner sagte diesmal nichts. Sein Blick wanderte für einen Moment ins Leere. Roben, die blaue Klinge, die Scheune, der tote Jedi, Darth Angelus, Assassinen. Langsam verschränkte Craton die Arme vor der Brust.
„Ihr kennt inzwischen die Bezeichnung.“
Ein kaum sichtbares Zucken ging durch Cratons Mundwinkel.
„Das dachte ich mir.“
„Wenn Ihr verstehen wollt, was dahinterliegt, wird Euch eine Gelegenheit gegeben werden. Nehmt sie an, und Ihr werdet ernaut geprüft. Lehnt sie ab, und diese Verbindung endet.“

Craton neigte leicht den Kopf.
„Sehr großzügig.“
Keine Reaktion, natürlich nicht, die Aufnahme lief weiter.
„Bis dahin reist Ihr weiter, beobachtet, passt Euch an. Und vergesst nicht, dass auch Ihr beobachtet werdet.“

Die Gestalt flackerte, dann verschwand sie, der Projektor erlosch. Stille breitete sich in dem kleinen Explorer aus. Craton blieb noch einige Sekunden im Durchgang stehen.
„Nein.“
Er löste die Arme voneinander.
„Nein, nein, nein.“
Der Mirialaner ging zum Projektor, kniete sich davor und öffnete die Wartungsabdeckung. Nichts, serienmäßig. Er schloss sie wieder, sein Blick wanderte durch das Schiff. Dann Richtung Cockpit, die Kommunikationsanlage. Die Nachricht musste irgendwoher gekommen sein. Und ganz sicher hatte niemand eben zufällig einen verschlüsselten Holoruf durchgestellt, ohne dass die Quiet Wager auch nur eine eingehende Verbindung angezeigt hatte. Craton stand wieder auf.
„Dobra.“
Das Grinsen kehrte zurück, nicht fröhlich, interessiert. Er zog Werkzeug aus einem Fach. Die nächsten Minuten verbrachte der ehemalige Schmuggler halb unter der Kommunikationskonsole. Eine Verkleidung kam ab, ann eine zweite, Kabel, Relais, Signalverstärker, nichts. Er prüfte die Diagnose, keine zusätzliche Einheit, keine fremde Adresse, kein dauerhaft aktiver Sender. Craton runzelte die Stirn. Dann fiel ihm eine Leitungsführung auf, die etwas zu ordentlich aussah. Er löste zwei Kontakte und zog ein schmales Modul aus dem Schatten zwischen dem regulären HoloNet-Transceiver und dessen Energieversorgung. Klein, schwarz, keine Kennzeichnung, keine Seriennummer. Eine eigene winzige Puffereinheit. Craton hielt es zwischen zwei Fingern hoch. Sein Gesicht wurde langsam ausdruckslos.
„Da bist du ja.“

Er drehte das Modul, professionell eingebaut, kaum eigener Energieverbrauch. In die vorhandene Kommunikation eingeschleift. Nicht dafür gedacht, ständig zu senden. Nur darauf zu warten, dass jemand wusste, wann und wie man es wecken musste. Der Mirialaner sah einige Sekunden darauf.
Dann zur Kommunikationsanlage, er hätte es herausreißen können, zerbrechen, aus der Luftschleuse werfen. Stattdessen schob Craton das Modul langsam wieder an seinen Platz. Die Abdeckung blieb zunächst offen, as Grinsen kehrte zurück.

„Dobra.“
Er klopfte mit einem Finger gegen das kleine schwarze Gehäuse.
„Ihr wollt zusehen?“
Die Abdeckung schloss sich.
„Dann sehen wir mal, wer zuerst herausfindet, wie der andere das macht.“

Der Mirialaner setzte sich wieder in den Pilotensitz, Garqi wartete. Der Navcomputer meldete den nächsten Sprungvektor als bereit. Craton legte die Hand auf den Hyperraumhebel. Sein Blick blieb noch einen Moment auf der Kommunikationskonsole liegen.
„Ausreichend.“
Er schnaubte.
„Sleemos.“
Dann sprang die Quiet Wager weiter.
| Mittlerer Rand – Hyperraum – an Bord der Quiet Wager | Craton Minara |​
 
[ Outer Rim – Eskortträger Absolution – Mannschaftsdeck – Nasszelle ]
Auren Hardlight

Auren zog die letzte Spur und richtete sich langsam über dem Waschbecken auf. Für einen Moment blieb er mit gesenktem Kopf stehen, die Hände auf dem fleckigen Rand abgestützt. Aus dem Wasserhahn tropfte es. Hinter der Wand schlug irgendetwas in unregelmäßigen Abständen gegen eine Leitung, und die Luft roch nach abgestandenem Wasser, Desinfektionsmittel und dem Abfluss, um den sich offenbar seit seiner Ankunft niemand gekümmert hatte. Er schluckte, strich sich unter der Nase entlang und sah in den Spiegel. Ein brauner Fleck auf dem Glas lag genau über seiner Stirn. Auren verschob den Kopf ein Stück. Besser wurde der Anblick dadurch aber auch nicht.


Seit ein paar Wochen war er jetzt hier. Lange genug, um zu wissen, welche Nasszelle sich von innen verriegeln ließ und bei welcher man besser darauf verzichtete, irgendetwas auf dem Boden abzustellen. Vor allem aber wusste er inzwischen, bei wem er Stoff bekam und welche seiner mitgebrachten Wertsachen dafür den Besitzer wechseln mussten. Anfangs hatte er noch geglaubt, mit Credits auszukommen. Dann hatte jemand sein Chronometer bemerkt. Das lag inzwischen vermutlich in irgendeinem fremden Spind, während Auren noch immer darüber nachdachte, wie wenig er dafür bekommen hatte. Allein das Armband war mehr wert gewesen als der ganze beschissene Vorrat. Beim nächsten Mal würde er sich nicht so über den Tisch ziehen lassen.

Das Spice begann die Müdigkeit zurückzudrängen. Er atmete tiefer ein, rollte die Schultern und zog den Reißverschluss seines schwarzen Overalls bis zum Kragen hoch. Das Zittern in seinen Fingern war noch da. Er schloss die Hand darum, bis es weniger auffiel. In einer halben Stunde sollte er im Bereitschaftsraum sitzen. Anschließend würde ihm vermutlich wieder jemand erklären, weshalb ausgerechnet zwölf schrottreife TIEs für irgendeine Aufgabe am Arsch der Galaxis vollkommen ausreichend waren.

Seine Maschine hatte beim letzten Prüflauf wieder eine Störung in der Schubregelung angezeigt. Bei der anschließenden Kontrolle war sie verschwunden gewesen. Das leichte Ziehen nach Backbord offenbar nicht, aber das konnte er laut Wartung ausgleichen. Dazu kamen die Kühlung, die das Cockpit schon nach kurzer Zeit unangenehm aufheizte, und ein Funkgerät, das ausgerechnet beim Abfeuern der Laser gelegentlich aussetzte. Auren hatte den Wartungsbericht zweimal gelesen. Unter diesen ganzen beschissenen Mängeln stand tatsächlich einsatzfähig. Er musste also nur gegensteuern, schwitzen und hoffen, dass ihm niemand etwas Wichtiges mitzuteilen hatte, während er schoss.

Er presste die Zunge gegen die Innenseite seiner Wange und sah sich weiter an. Im Simulator hätte er über so etwas gelacht. Eine Störung war dort eine Aufgabe gewesen, die jemand für ihn vorbereitet hatte. Man reagierte, brachte die Maschine zurück und bekam hinterher gesagt, wie gut man gewesen war. Hier unterschrieb jemand einen Wartungsbericht, und anschließend musste er selbst hinein.

Aus einer der Kabinen knarrte ein Scharnier.

Auren drehte sofort den Kopf. Er hatte bei seinem Eintreten nachgesehen, aber das bedeutete auf diesem Schiff offenbar gar nichts. Einige Sekunden lang hörte er nur das Tropfen des Wasserhahns. Dann schwang die unbesetzte Kabinentür ein Stück weiter auf. Er stieß die Luft durch die Nase aus und steckte das kleine Behältnis ein.

Am Waschbecken neben ihm lag ein aufgeweichtes Stück Reinigungstuch. Er betrachtete es kurz, nahm stattdessen sein eigenes aus der Tasche und beseitigte die Rückstände auf der schmalen Ablage. Danach brachte er seine Haare mit feuchten Fingern in Ordnung. Zumindest das würde er sich nicht auch noch abgewöhnen. Es liefen hier bereits genug Leute herum, die aussahen, als hätte man sie aus irgendeinem Gefängnisfrachter geschüttelt.

Sein Comlink vibrierte. Auren zog es hervor, schneller als er gewollt hatte.

Nur eine Erinnerung an die Einsatzbesprechung.

Er starrte auf die Nachricht, bis das Display dunkler wurde. Von zu Hause kam weiterhin nichts. Warum auch? Sein Vater hatte ihm schriftlich mitgeteilt, dass die Familie keinerlei Unterstützung mehr leisten und jeden weiteren Versuch unterbinden würde, sich auf ihren Namen oder ihre Beziehungen zu berufen. Nicht einmal angerufen hatte das Arschloch. Für den Rauswurf aus der eigenen Familie hatte eine Nachricht offenbar ausgereicht. Wahrscheinlich lief der Betrieb hervorragend. Die Gäste spielten, die Getränke wurden serviert und beim gemeinsamen Abendessen konnte man inzwischen so tun, als hätte es ihn nie gegeben.

Auren steckte das Gerät weg und entriegelte die Tür. Vor ihm erstreckte sich der schmale Gang mit seinen abgewetzten Deckplatten. Er blieb noch einen Moment im Eingang stehen, bis das leichte Schwindelgefühl nachließ, dann machte er sich auf den Weg zum Bereitschaftsraum.

Zu spät kommen würde er nicht. Die Genugtuung konnten sie sich heute woanders holen.

[ Outer Rim – Eskortträger Absolution – Mannschaftsdeck – auf dem Weg zum Bereitschaftsraum ]
Auren Hardlight
 
[ Outer Rim – Eskortträger Absolution – Hangar ] Zarev Korrik


Zarev zog das Reinigungstuch über die Seitenverkleidung seines TIE und betrachtete den grauen Streifen, der darauf zurückblieb. Viel besser sah der Jäger dadurch nicht aus. Unter einer neueren Lackschicht zeichneten sich ältere Kennungen ab, und eine ausgebesserte Stelle am Rumpf hatte einen etwas anderen Farbton als der Rest. Immerhin saß die Verkleidung fest. Das hatte er geprüft, bevor er überhaupt daran gedacht hatte, sie sauber zu machen.

Er steckte das Tuch in die Tasche seines Overalls und ging langsam um die Maschine herum. An einer Wartungsklappe blieb er stehen, fuhr mit den Fingern an ihrem Rand entlang und warf einen Blick auf die Verschlüsse. Seit seiner Ankunft hatte sich hier jemand zu schaffen gemacht. Zarev hoffte, dass der Betreffende wenigstens wusste, an welchem Ende man einen Hydrospanner hielt.

„Mal sehen, ob die Scheißmechaniker beim Reparieren noch mehr kaputt gemacht haben.“

Er öffnete die Klappe und prüfte, was er von außen erreichen konnte. Die Leitungen saßen an ihrem Platz. Eine Schelle war frisch ersetzt worden, daneben klebte noch ein Rest alter Markierungsfarbe. Zarev folgte mit dem Finger dem Verlauf einer Leitung, beugte sich tiefer hinein und bemerkte erst nach einer Weile, dass er lächelte. Für ein paar Minuten vergaß er den Grund, aus dem er auf diesem Träger gelandet war. Eine Maschine, die man verstehen konnte, war ihm ohnehin lieber als die meisten Leute an Bord.

Schließlich schloss er die Klappe und trat zurück. Sein Blick wanderte über die Gebrauchsspuren, die verschiedenen Lackschichten und die Flügel, die jemand offenbar mit beträchtlicher Geduld zusammengehalten hatte.

„Ach, was für ein wunderschön hässlicher Haufen Durastahl du bist.“ Er schnaubte leise. „Bei einem Jawa hieße das Teil hier Ersatzteillager."

Zarev wischte sich mit dem Handrücken über die Stirn. Der Schweiß verschwand, dafür blieb vermutlich ein dunkler Schmierstreifen zurück. Als er die Hand senkte, fiel sein Blick auf die Uhr. Die Einsatzbesprechung.


„Oh, verdammt.“


Er verstaute das Tuch, warf seinem TIE noch einen letzten Blick zu und machte sich auf den Weg zum Quartier. Dort zog er den ölverschmierten Overall aus, wusch sich Gesicht und Hände und schlüpfte in einen sauberen schwarzen Fliegeroverall. Ganz sauber wurden seine Finger in der kurzen Zeit nicht. Er hielt sie prüfend ins Licht, entschied, dass niemand bei einer Einsatzbesprechung seine Fingernägel kontrollieren würde, und eilte wieder auf den Gang.

Auf dem Weg zum Bereitschaftsraum wurde er etwas langsamer. Zu spät würde er nicht kommen. Keuchend zur ersten Besprechung seiner neuen Rotte zu erscheinen, wollte er Auren Hardlight trotzdem nicht als erste Gesprächsgrundlage anbieten. Zarev strich sich die weißen Haare aus der Stirn, ertastete dabei einen verbliebenen Schmierfleck am Haaransatz und ließ die Hand sinken.

Den würde er jetzt eben als Andenken an eine gewissenhafte Vorflugkontrolle tragen. Egal dachte er bei sich legte seine so Haare das es eigentlich niemand bemerken sollte und legte die letzten Meter zum Besprechungsraum zurück.



[ Outer Rim – Eskortträger Absolution – Mannschaftsdeck – vor dem Besprechungssraum ] Zarev Korrik
 
[ Outer Rim // Eskortträger Absolution // Mannschaftsdeck // auf dem Weg zum Bereitschaftsraum ]
Tyla Le’el

Tyla hatte den Refrain gerade zum dritten Mal zurückgesetzt, als sie um die Ecke bog. Der Poodoo ging hart. X’tina Agul’ra hatte mal verstanden, wie man verhinderte, dass die Leute ihren Kram einfach nebenbei hörten. Tyla war jedenfalls bereit, ihr dafür die entsprechende Aufmerksamkeit zu schenken. Der kleine, abgerockte
Musikspieler verschwand wieder in der Tasche ihres schwarzen Overalls, während sie sich auf die Unterlippe biss, die Fäuste mit angewinkelten Armen vor die Brust nahm und mit den Schultern im Takt wippte. Die Ohrhörer saßen fest und die taktisch kluge Entscheidung, ihre Haare in Cornrows legen zu lassen, hielten sie ihr aus dem Gesicht. Bis zur anstehenden Einsatzbesprechung blieb noch genug Zeit für noch einen Refrain. Vielleicht auch für ein viertes Mal, wenn sie sich nicht unnötig beeilte. Die Kiffar befand sich definitiv in ihrer Stoopa-Girl-Era, und X.A., wie sie echte Kenner nannten, lieferte. Endlich jemand auf diesem Schrotthaufen von Schiff, von dem man das behaupten konnte. Dass die Frau gar nicht hier war, machte ihren Vorsprung etwas unfair, aber Tyla würde ihr das nicht übelnehmen.

Für die Musik hatte sie sich dabei durch mehr Gefälligkeiten arbeiten müssen, als für die paar verdammten Songs angemessen gewesen wäre. Klar gab es Holo-Net-Zugriff auf der Absolution. Nur eben nicht für jedermann. Und erst gar nicht für sie. Zumindest nicht einfach so. Nein, dafür musste man jemanden kennen. Oder jemanden kennen, der jemanden kannte. Und dann musste derjenige auch noch einen Gefallen offen haben. Am Ende hatte dann plötzlich ein Dritter etwas für einen getan und wusste gar nichts davon. Nach einem Monat auf dem Träger wusste die Zwangspilotin wenigstens, bei wem sich welche Nachfrage lohnte. Das sparte Zeit, unnötiges Lächeln und Bezirzen von Leuten, die ihre unbeschränkten Zugänge für eine Persönlichkeit hielten. Aber endlich hatte sie X.A. in der Tasche und konnte hören, was sie wollte. Auf Kessel war sowas noch gar nicht drin gewesen. Allein einen Musikspieler im Besitz zu haben war schon ziemlich luxuriös. Und dann hatte sie sogar einen der Modelle, wo sie vor- und zurückspulen konnte. Krass.

Mit einem kurzen Blick auf das Bordchrono nahm sie die nächste Abzweigung und strich ihren verknitterten Overall am Oberschenkel glatt. Sie war sauber. Überhaupt war sie angezogen. Und unterwegs. Mehr Diensttauglichkeit konnte man von ihr nun wirklich nicht erwarten. Niemand erwartete von ihr, dass sie auch noch mit Begeisterung auf dem Gesicht zur Besprechung marschierte, nur weil irgendwo ihr Captain saß und sich für ihren Tagesablauf zuständig fühlte. Sie würde pünktlich auftauchen, ja. Ja! Beim letzten Mal gab es drei Tage Latrinendienst. Und … ne, man! Der Gestank war es wirklich nicht wert.

Ihre Schritte folgten weiter dem Beat
von Princess in a Battle, während ihr Blick durch den Gang wanderte. Die Absolution hatte es innerhalb eines Monats geschafft, dass sie manche Rostflecken gar nicht mehr so bemerkte. Dafür andere aus gehörigem Abstand. Dort an die Wand zu fassen war in etwa so gesund, wie die Lippen eines Hutten zu küssen. Und das letzte Mal, als sie das versucht hatte, musste sie Nar Shaddaa verlassen. Was sie letztendlich in die Hände irgendeiner Kowakianischen ISB-Echsenaffe getrieben hatte.

Gute alte Zeit. Die vor einem Monat.

Tyla zog ihre Hand zurück in die Tasche und sah nach vorn, wo sie in diesem Moment Auren Hardlight entdeckte. Noch immer mit Kopfhörern auf den Lauschern warf sie ihm ein begrüßendes Heben der Augenbrauen zu. Es war erstaunlich, dass die stylische Frisur dieses Kerls die Strafversetzung und Degradierung überlebt hatte. Die Erscheinung war kurz vor Tyla auf die Absolution gekommen. Das musste man erstmal schaffen, wenn man aus gutem Hause war. Als sie neben ihm war, zog sie einen der Ohrhörer heraus und verlangsamte ihre Schritte.


„Na, Hardlight. Hast du schon gehört, wo es hingeht, oder sehen wir heute nur auf Verdacht so gut aus?“

Sich selbst hatte sie selbstverständlich mitgemeint. Nach einem Monat an Bord konnte sie ihn ansprechen, ohne erst einen dienstlichen Grund vorzugeben. Rottenführer hin oder her, sie saßen alle in denselben alten, schildlosen TIEs. Seiner hatte auch keinen bequemeren Sitz.

Vor dem Bereitschaftsraum stand Zarev. Tyla verzog bei einem Blick auf die Ölspur an seiner weißen Stirn das Gesicht.


„Jo, das letzte mal als ich so viel Öl auf einem Körper gesehen habe, war’s auf einer Twi’lek im TIE-TIE-Twister auf Malastare, Zarev. Ehrlich man, was ist das mit dir und Öl?“

Wenn er da schon bei war, hätte er wenigstens auch mal an ihrer Maschine Hand anlegen können.

An der Tür zum Briefing angekommen, verstaute sie ihren Musikspieler in den Taschen und lehnte sich mit einer Schulter and die danebenliegende Wand. Tyla verschränkte die Arme locker und wartete, ob einer der beiden noch einen schlauen Gedanken loswerden wollte, bevor sie durch diese Tür traten. Der Cap bekam ihre Aufmerksamkeit schon noch früh genug.


[ Outer Rim // Eskortträger Absolution // Mannschaftsdeck // vor dem Bereitschaftsraum ]
Tyla Le’el, Auren Hardlight und Zarev Korrik
 
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[ Outer Rim – Eskortträger Absolution – Mannschaftsdeck – auf dem Weg zum Bereitschaftsraum ]
Auren Hardlight und Tyla Le’el


Auren strich sich noch einmal unter der Nase entlang, als Tyla Le’el neben ihm auftauchte. Ihre Begrüßung quittierte er mit einem knappen Nicken. Aus dem herausgenommenen Ohrhörer drang der blecherne Klang ihrer Musik. Offenbar war ihre Laune ausgezeichnet. Er betrachtete die Kiffar von der Seite und fragte sich, ob sie überhaupt noch begriff, wo sie hier waren. Hatte die Frau gar kein Ehrgefühl? Sie wippte durch die Gänge, hörte Musik und machte Witze, als wäre das hier irgendeine lustige Vergnügungsreise. Man hätte fast meinen können, sie wollte bleiben. Aber nur fast.

Schließlich war sie eine Desserteurin. Als solche hatte man sie ihnen vorgestellt. Mehrfach abgehauen, wieder eingefangen und schließlich auf Kessel gelandet. Dass man ihr im selben Atemzug beträchtliches fliegerisches Talent attestiert hatte, machte die Sache für Auren nur ärgerlicher. Offenbar konnte sie etwas. Sie schien bloß keinen besonderen Anlass zu sehen, damit ihren Namen reinzuwaschen. In der Interceptorstaffel hätte die sexy junge Tochter einer tapanischen Adelsfamilie mit ihm anfangen sollen. Sie hatten sich bereits kennengelernt und Auren sich durchaus auf die gemeinsamen Einsätze gefreut. Jetzt flog sie vermutlich längst einen Interceptor, während er mit einer ehemaligen
Kesselinsassin durch diesen versifften Gang lief.

"Hoffentlich auf einen Einsatz. Ich habe keine Lust mehr, auf diesem versifften Schiff festzusitzen."

Er ging neben der etwas größeren Frau weiter und schob die Hände in die Taschen seines Overalls. Ein Einsatz würde wenigstens Gelegenheit bieten, etwas vorzuweisen. Ein paar Abschüsse, ein brauchbarer Bericht, irgendetwas, das auf dem Schreibtisch eines Vorgesetzten landete, der noch wusste, was man mit einem außergewöhnlich talentierten Piloten anfangen konnte. In seiner Vorstellung blieb die Absolution ein Zwischenstopp. Ein paar Wochen hier, bis sich die Aufregung gelegt hatte. Dann würde man ihn wieder dorthin versetzen, wo er hingehörte. Seine Ausbildung war schließlich teuer gewesen. Die war nicht plötzlich wertlos, weil ein gekränkter Moff seine junge Tochter nicht unter Kontrolle hatte.

Vor dem Bereitschaftsraum wartete
Zarev Korrik. Auf den ersten Blick ging der Arkanier beinahe als Mensch durch, bis man die weißen Augen und seine Hände bemerkte. Noch so eine Promenadenmischung, mit der Auren sich nun eine Rotte teilen durfte. Immerhin war der Kerl findig. Er hatte längst vorgehabt, ihn wegen der Schubregelung und des ständigen Dralls nach Backbord anzusprechen. Vielleicht bekam Korrik wenigstens heraus, weshalb die Maschine das tat, statt ihm bloß zu erklären, dass er dagegenlenken sollte, wie es die Mechaniker taten.

Vorerst blieb sein Blick jedoch an dem Schmierfleck hängen.
Tylas Bemerkung über die eingeölten Twi’lek ließ er unkommentiert. Er blieb vor Zarev stehen und deutete mit zwei Fingern auf die eigene Stirn.

"Dein Ernst? Der Captain wird bei der Besprechung dabei sein. Der Commander wahrscheinlich auch. Wisch dir den Scheiß aus dem Gesicht."

Sein Blick wanderte zu Tyla, die ihren Musikspieler gerade verstaute.

"Und du verstau das Teil gut, bevor sie es dir schneller wieder abnehmen, als du es aufgetrieben hast"

Er hatte wenig Lust, wegen seiner beiden Rottenpiloten aufzufallen, bevor die Besprechung überhaupt begonnen hatte. Wenn Korrik ölverschmiert an seiner Maschine herumkriechen und Le’el sich den Rest ihres Verstandes aus den Ohren spielen wollte, konnten sie das später tun. Jetzt musste er mit ihnen da hinein. Auch wenn sie alle gleichrangig waren, musste jemand das Kommando übernehmen. Und das konnte nur er sein. Auren zog den Kragen seines Overalls zurecht und sah zur Tür. Mehr und mehr Gesindel der Staffel gesellte sich zu ihnen, ehe schließlich schwere Schritte aus der anderen Richtung des Ganges ertönten.

Dann tauchte
Commander Hunter am Ende des Ganges auf. Der großgewachsene, breitgepumpte Kommandant der Absolution nahm schon für sich genug Platz ein; Captain Thorne und die Soldaten der Schiffssicherheit machten den Durchgang endgültig eng. Auch deren Kommandant, Captain Juncker, war dabei. Auren erkannte seine fiese Fresse zwischen den schwarzen Uniformen und nahm die Hände aus den Taschen.

Außer
Thorne würdigte keiner von ihnen die wartenden Piloten eines Blickes. Der Captain hingegen ließ seinen Blick langsam über die Gesichter wandern. Um Auren herum verstummten die Gespräche. Die meisten sahen auf den Boden, einer beschäftigte sich plötzlich mit dem Verschluss seines Ärmels.

Auren hielt den Kopf oben. Sein Herz schlug unangenehm schnell, und er hätte nicht sagen können, wie viel davon noch am Spice lag und wieviel an der Tatsache, dass
Thorne seinen Vorgänger angeblich dienstunreif geprügelt hatte ein paar Tage bevor Auren auf die Absolution kam. Trotzdem würde er jetzt nicht anfangen, wie ein verängstigter Kath-Hund auf seine Stiefel zu gucken. Aus dem Augenwinkel bemerkte er, dass auch die anderen beiden den Blick nicht senkten. Wenigstens das.

Sie traten in den Raum ein. Die drei Piloten nahmen vorne am Rand Platz. Nach und nach strömten die anderen Staffeln mitsamt Piloten dazu.


[ Outer Rim – Eskortträger Absolution – Mannschaftsdeck – Bereitschaftsraum ]
Auren Hardlight, Tyla Le’el und Zarev Korrik, Commander Hunter, Captain Thorne und viele andere
 
[ Outer Rim – Eskortträger Absolution – Mannschaftsdeck – vor dem Bereitschaftsraum ] Zarev Korrik,


Zarev wartete vor dem Bereitschaftsraum, als Auren Hardlight und Tyla Le’el um die Ecke kamen. Tyla wippte noch immer leicht im Takt ihrer Musik. Er sah ihr einen Moment zu und musste grinsen. Das gelbe Mal in ihrem Gesicht und diese beinahe ansteckende Unbeschwertheit erinnerten ihn an jemanden aus seiner alten Siedlung. Nur hatte Tyla offenbar beschlossen, für zwei Leute lebhaft zu sein.

Na Toll,...Gelblippchen ist am Grooven und Mister Grummel sieht aus, als hätte ihm ein Ewok das Frühstück geklaut.

Als sie näher kamen, legte er zwei Finger an die Schläfe und deutete damit einen lockeren Gruß zu ihnen leicht lächlelnd hinüber. Dann zog Tyla einen Ohrhörer heraus, sah ihn an und erzählte von einer eingeölten Twi’lek auf Malastare.


„Glaub mir, die Twi’lek wäre mir auch lieber gewesen als dieses Öl des TIE´s.“ Zarevs Lächeln verrutschte.

So schlimm konnte der Fleck unmöglich sein. Er hatte sich vor dem Quartierspiegel doch noch angesehen. Allerdings hatte er dort auch eilig die Haare aus der Stirn gestrichen. Bevor er etwas erwidern konnte, blieb Auren vor ihm stehen, deutete mit zwei Fingern auf die eigene Stirn und wies ihn ziemlich unverblümt an, sich den Dreck aus dem Gesicht zu wischen. Der Captain werde bei der Besprechung sein, womöglich auch der Commander.

Zarev sah ihn einen Augenblick lang an. Dass Hardlight recht hatte, machte den Tonfall nicht angenehmer. Er zog eine Augenbraue leicht hoch und blickte ihm trotzig in die Augen.


“Das kannst du auch ohne diesen großkotzigen Ton sagen, Hardlight. Ein einfacher Hinweis wie von Le’el hätte es auch getan”.

Dann zog er ein sauberes Tuch aus der Tasche seines Overalls und tupfte sich damit über den Haaransatz. Nebenbei bekam auch Tyla eine Warnung wegen ihres Musikspielers ab.

Mit der anderen Hand strich er vorsichtig über die Stelle an seiner Stirn. Diesmal blieb nichts auf der Stirn oder an seinen Fingern zurück. Zarev steckte das Tuch wieder ein und nickte knapp, als hätte er damit eine besonders lästige Beanstandung behoben.


„Siehst du, Hardlight. Ist weg.“ Er hob eine helle Augenbraue.
„Ein Fleck Öl, und du tust so, als hätte ich dem Commander einen Jawa ins Quartier gesetzt.“

Dann blickte er zu Tyla „Ich hab meinen TIE übrigens nicht nur geputzt. Ich hab ihn mir genau angesehen.“

Zarev verschränkte die Arme vor der Brust.
„An ein paar Stellen saß so viel Dreck und Rost, dass man darunter nicht mal erkennen konnte, ob die Verkleidung schon wieder Ärger macht. Das hab ich weggemacht. Die ganze Kiste schrubben würde ich mir im Leben nicht antun.“

Sein Blick ging von Tyla zu Auren.
„Ihr solltet eure Maschinen auch mal selbst prüfen. Den Vollidioten von der Wartung trau ich keinen Meter über den Weg.“

Der Gedanke gefiel ihm schon länger nicht, und hier im Gang klang er ausgesprochen plausibel.
„Mich würd’s nicht mal wundern, wenn die unsere TIEs absichtlich schlampig warten. Stürzt einer von uns ab, haben sie ein Problem weniger an der Backe.“

Er verzog den Mund.
„Bei Maschinen ohne Schilde, in solchen Zuständen nach soviel Dienstzeit, ist das schließlich eine ziemlich einfache und endgültige Art, Arbeitszeit zu sparen.“

Zarev ließ die Arme sinken und nickte erst in Richtung von Tyla, dann auf Auren.
„Wenn ihr euch eure TIEs mal genauer ansehen wollt, helf ich euch. Fragt mich einfach, ich renn euch aber deswegen nicht hinterher.“


Er sah zur Tür des Bereitschaftsraums. Noch konnten sie sich einen Augenblick Zeit lassen. Zarev lehnte sich an die Wand, prüfte vorsichtshalber deren Oberfläche mit einem Blick und fügte trocken hinzu.
„Meinen eigenen Schrotthaufen hab ich schließlich schon.“


Weitere Piloten fanden sich langsam vor dem Raum ein. Zarev bemerkte, wie die Gespräche um ihn herum nach und nach lauter wurden, bis schwere Schritte aus der anderen Richtung des Ganges sie unterbrachen. Er stieß sich von der Wand ab und stellte sich stramm hin.

Commander Hunter kam auf sie zu, begleitet von Captain Thorne und mehreren Männern der Schiffssicherheit. Ein weiterer Offizier in schwarzer Uniform ging bei ihnen.

Die Gespräche verstummten. Einige senkten den Blick. Zarev hielt den Kopf oben und blickte einfach gerade aus. Jetzt war er doch froh, den Schmierfleck entfernt zu haben. Das würde er den anderen allerdings nicht sagen, zumindest nicht sofort.

Als die Gruppe den Bereitschaftsraum betrat, folgte Zarev Auren und Tyla hinein. Die drei nahmen vorne am Rand Platz. Zarev ließ den Blick einmal durch den Raum gehen und wartete, während die Piloten der übrigen Staffeln dazu kamen.



[ Outer Rim – Eskortträger Absolution – Mannschaftsdeck – Bereitschaftsraum ]
Auren Hardlight, Tyla Le’el und Zarev Korrik, Commander Hunter, Captain Thorne und viele andere
 
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[ Outer Rim // Eskortträger Absolution // Mannschaftsdeck // Bereitschaftsraum ]
Tyla Le’el, Auren Hardlight, Zarev Korrik und NPCS (Commander Hunter, Captain Thorne, Captain Juncker uvm)

Tyla folgte den anderen beiden, die sich wie die größten Streber irgendwo vorne am Rand auf die Stühle setzten. Als sie sich niederließ, stellte sie sofort fest, dass ihrer bei jeder Bewegung unter ihrem Hintern knackte. Großartig. Selbst die Möbel waren aus der Zeit der Alten Republik. Sie rückte ihren Körper darauf trotzdem und unter gehöriger Lautstärke etwas bequemer. Der Musikspieler war verstaut, die Ohrhörer ebenfalls. Hardlight konnte entspannen. Wobei seine Warnung gar nicht so bescheuert war. Sie hatte sich das Teil gerade erst organisiert und gar keinen Bock, demnächst irgendeinem Penner dabei zuzusehen, wie er mit ihrem Gerät durch die Gänge spazierte. Beschlagnahmt für die Sicherheit. Wäre nicht das erste Mal gewesen. Sie war Deserteurin. Wie zum haarigen Noghriarsch sollte ihr ein Musikspieler dabei helfen? Die Sicherheit musste auf der Absolution erstaunlich oft mit Dingen versorgt werden, die eigentlich anderen Leuten gehörten.

Tyla nahm die Hand von der Tasche, bevor das noch die Aufmerksamkeit von jemandem erhaschte. Stattdessen beugte sie sich ein Stück zu Zarev.


„Auf dein Angebot komm‘ ich zurück. Hilf mir mal, ein Blick drauf zu werfen.“

Lieber so, als dass sie im All merkte, dass irgendwas fehlte. Damit war das aber auch geklärt. Der Öljunge hatte seine Hilfe angeboten. Warum sollte sie sowas ausschlagen?

Vor ihnen beschäftigte sich Captain Thorne inzwischen mit einer Projektionsanlage, die aufgrund seines antiken Status wahrscheinlich wieder verdammt wertvoll war, während Commander Hunter neben dem Pult stehen blieb und bedrohlich auf die Anwesenden runterblickte. Er sah von Pilot zu Pilot. Tyla hatte gerade ein verschmitztes Lächeln aufgesetzt, weil ihr aufgefallen war, dass der Mann erstaunlich viel Luft verbrauchte, als sie der Blick traf. Schnell wandelte sie das Lächeln in eine neutralere Mimik, hielt dem Blick aber stand. Juncker stellte sich unterdessen seitlich an die Wand, seine Jungs verteilten sich bei den Zugängen. Für eine Einsatzbesprechung gab es damit eine bemerkenswerte Menge Leute, deren Aufgabe gar nicht darin bestand, am Einsatz teilzunehmen. Zumindest nicht unmittelbar. Natürlich war am Ende irgendwie jeder auf diesem Kahn beteiligt. Aber diejenigen, die auf der Absolution blieben, hatten immerhin einen Schild.

Die Kiffar überkreuzte die Beine und wartete, bis das Gemurmel im Raum erstarb. Das geschah nicht etwa von selbst, sondern weil Thorn plötzlich mit der Faust auf das Pult schlug.


„Die Gespräche sind beendet. Aufmerksamkeit nach vorn.“

Tyla hatte beidem schon voreilige Gehorsam geleistet. Jemand sollte ihr einen Orden anhängen.
Über dem Projektor erschien eine Raumkarte mit mehreren Systemmarkierungen, Verbindungslinien und einem hervorgehobenen Zielgebiet. Die Strafpilotin folgte der markantesten Linie mit den Augen, bis Hunter das Wort ergriff.


„Die Eingreifgruppe befindet sich auf dem Weg zum Black-Widow-Nebula. In den vergangenen Wochen wurden wiederholt Transporte und Einrichtungen in den imperialen Systemen rund um Kessel angegriffen. Die Angreifer ziehen sich nach den Überfällen zurück. Die vorliegenden Meldungen weisen auf Aktivitäten im Bereich dieses Nebels hin. Wir vermuten dort einen Rückzugs- und Sammelpunkt für diese Piraten. Unser Auftrag wird sein, die Aktivitäten aufzuklären, die Verantwortlichen der imperialen Gerechtigkeit zuzuführen und weitere Überfälle zu unterbinden.“

Bei Kessel blieb Tylas Blick für einen längeren Moment an der Karte hängen. Ach, schön mal wieder zuhause zu sein. Da konnte man ja fast im Strahl kotzen. Transporte und Einrichtungen gehörten also geschützt. Bei dem, was das Imperium auf diesem Drecksbrocken für schützenswert hielt, hätte sie so einige Ergänzungen gehabt, nur gehörten die nicht in diesen Raum. Und ganz bestimmt nicht vor Juncker. Sie wollte ihren Musikspieler wirklich, wirklich behalten.

Hunter erläuterte weiter, dass die Gruppe zunächst einen vorgesehenen Bereitschaftsraum außerhalb des Nebels anlaufen und von dort aus die gemeldeten Anflugvektoren aufklären würde. Eine bestätigte Piratenbasis gab es ebenso wenig wie eine verlässliche Angabe über die Zahl und Art der Schiffe.


„Yey. Großartig“, flüsterte Tyla und lehnte sich zurück, nur um sich mehrere böse Blicke der Führungsriege einzufangen. Verdammt, die konnten aber auch alle böse gucken. Thorne war der erste, der den Blick löste, vor die Projektion trat und die Darstellung wechselte.

„Für die Mynocks ist zunächst bewaffnete Aufklärung vorgesehen. Rotte zwei, drei und vier überprüfen die zugewiesenen Suchabschnitte. Die erste Rotte sichert den Nahbereich der Absolution und die Rückwege.“

Es folgte eine Auflistung der Suchabschnitte der übrigen Staffeln sowie der Bereitschaft.

„Die endgültigen Startfolgen erhalten Sie nach dem Austritt aus dem Hyperraum. Bis dahin bleiben Sie abrufbereit.“

Tyla sah auf die beiden markierten Suchbereiche für die Mynocks und prägte sie sich ein. Zum Abschluss übernahm Juncker noch die Belehrung über aufgezeichnete Funkgespräche, unerlaubte Kontakte und die Folgen einer Befehlsverweigerung. Spaßverderber. Natürlich bekam auch der Mann seinen Auftritt. Sonst wäre er ja umsonst hier. Sie hörte sich sein Geschwafel darüber an, dass dies ein militärischer Einsatz und keine Gelegenheit zur Regelung persönlicher Angelegenheiten sei, ohne eine Miene zu verziehen. Mit der letzten Regelung Staffelinterner Konflikte hatte sie kaum etwas zu tun gehabt. Was konnte sie dafür, wenn zwei Idioten ihre Solarflügel nicht bei sich halten konnten? Dafür saßen sie ja auch nun in der Brigg. Als Thorne schließlich die Vorflugkontrollen anordnete und die Besprechung beendete, stand sie auf und richtete sich an Zarev.

„Dann nehme ich deine Hilfe lieber vor dem Start.“

Sie verzog das Gesicht.

„Wenn ich schon nach Piraten suchen soll, dann muss ich nicht auch noch nach lockeren Teilen im Cockpit Ausschau halten.“

Danach sah sie zu Auren.

„Und du bekommst deinen Einsatz. Ein toller Tag für Jedermann.“

Ihre gute Laune war noch nicht vollständig weg. Nur brauchte sie vor dem nächsten Refrain erst einmal einen Jäger, der etwas stabiler war als dieser Stuhl.


[ Outer Rim // Eskortträger Absolution // Mannschaftsdeck // vor dem Bereitschaftsraum ]
Tyla Le’el, Auren Hardlight, Zarev Korrik und NPCS (Commander Hunter, Captain Thorne, Captain Juncker uvm)
 
| Mittlerer Rand – Hyperraum – Fedje → Garqi – an Bord der Quiet Wager | Craton Minara |​


Das blaue Flimmern des Hyperraums zog lautlos an den Cockpitscheiben vorbei. Fedje lag hinter ihm, Garqi vor ihm. Und irgendwo hinter einer geschlossenen Abdeckung der Kommunikationsanlage saß ein kleines schwarzes Stück Technik, das dort definitiv nicht hingehörte. Cratons Blick wanderte zum wiederholten Mal dorthin. Die Abdeckung blieb geschlossen. Das Modul hatte sich seit der Nachricht nicht wieder gerührt. Seine improvisierte Überwachung meldete weder einen weiteren Datenburst noch irgendeine erkennbare Aktivität. Nichts, schweigen. Was den Mirialaner inzwischen beinahe mehr störte als die Nachricht selbst.
„Gezählt.“
Seine Finger trommelten gegen die Armlehne.
„Gewogen.“
Eine kleine Pause.
„Ausreichend.“
Sein Mund verzog sich.
„Sleemos.“

Achtzehn Sturmtruppen, eine erfundene Identität, ein nicht existierender Jedi, eine brennende Scheune. Und irgendwo hatte jemand zugesehen und anschließend entschieden, dass das alles gerade eben ausreichend gewesen war. Craton konnte noch immer nicht entscheiden, ob ihn das mehr beleidigte oder interessierte. Vermutlich beides, das war das eigentliche Problem. Er hätte das Modul entfernen können, hatte er nicht. Stattdessen saß es wieder an seinem Platz und durfte tun, wofür auch immer seine Erbauer es vorgesehen hatten. Nur dass der ehemalige Schmuggler jetzt wusste, wo es war, das veränderte die Sache. Beobachtung funktionierte schließlich in beide Richtungen, wenn man geduldig genug war. Craton lehnte den Kopf gegen die Kopfstütze und betrachtete das blaue Licht vor sich.
„Na schön.“
Sein Blick glitt noch einmal zur Kommunikationskonsole.
„Ihr wollt sehen, was ich mache.“
Das Grinsen kehrte langsam zurück.
„Dann schaut gut hin.“

Die nächsten Sprünge verliefen erfreulich ereignislos. Garqi, Borosk, Orinda. Sterne wurden zu Linien, Linien wieder zu Sternen. Der Navcomputer berechnete neue Vektoren, die Quiet Wager hinterließ ihre Kennung an genau den Stellen, an denen sie sie hinterlassen sollte, und der Weg, den das kleine Scoutschiff nahm, begann zunehmend wie das auszusehen, was später einmal jemand in einem Protokoll lesen sollte. Eine Reise aus imperialem Raum, in Richtung Front. Langweilig genug, dass niemand genauer hinsah. Craton nutzte die Stunden dazwischen. Schlafen hatte er längst getan, eduscht ebenfalls. Also blieb irgendwann nur noch die Frage, wie man aussah, wenn man offiziell dort auftauchte, wo man inoffiziell bereits gewesen war. Vor dem letzten längeren Sprung legte der Mirialaner seine Ausrüstung auf der schmalen Koje aus. Die leichte Rüstung zuerst, schwarzes und anthrazitfarbenes Gewebe, Armoreweave, der segmentierte Brustschutz aus Plastoid darüber. Armschienen, leichte Panzerung an den Beinen. Nichts davon machte ihn zum laufenden Bunker, das war auch nicht der Sinn. Wenn er einen Treffer vermeiden konnte, war das immer noch besser als herauszufinden, wie gut die Panzerung ihn vertrug. Der asymmetrische Mantel kam zuletzt über eine Schulter. Dunkler Stoff außen, dunkelrotes Futter darunter. Gerade genug, um nicht mehr nach Schmuggler auszusehen. Nicht genug, um zu vergessen, dass darunter immer noch einer steckte. Dann die Waffen, der A-180 glitt in sein Holster. Craton zog ihn einmal wieder heraus, sauberer Weg. Nichts blieb am Mantel hängen, wieder zurück ins Holster. Skorpion, kam auf die andere Seite, der Griff des alten Lichtschwertes saß vertraut am Gürtel. Nicht elegant, nicht neu. Nicht seines, weil jemand es für ihn angefertigt hatte, seines, weil jemand anderes es nicht mehr brauchte. Das hatte einen gewissen Charme. Dann die Messer, zwei sichtbar, der Rest nicht. Eine Klinge an der Innenseite des Unterarms, eine weiter hinten am Gürtel. Eine dort, wo seine linke Hand sie erreichen konnte, ohne den Blaster loslassen zu müssen. Und inzwischen dachte der Mirialaner nicht mehr nur daran, ob seine Hände sie erreichen konnten. Eine Klinge musste nicht in seiner Hand liegen, um nützlich zu sein. Craton trat einen Schritt zurück und betrachtete sich im Spiegel. Blaster, Lichtschwert, Messer. Mehrere Antworten auf mehrere verschiedene Probleme. Dann fiel sein Blick auf den Helm, der lag noch immer auf der Koje. Der Mirialaner betrachtete ihn, lange, sehr lange.

„Nein.“
Er wandte sich ab, zwei Schritte, dann blieb er stehen. Aktives Kriegsgebiet, Sternenzerstörer, Jäger, Dekompression, explodierende Dinge. Der Mirialaner schloss für einen Augenblick die Augen.
„Fierfek.“
Er nahm den Helm wieder auf, hakte ihn versuchsweise an den Gürtel. Zu weit links störte er den Blaster, u weit rechts Skorpion. Hinten schlug er ihm beim Gehen gegen den Oberschenkel. Craton sah sein Spiegelbild an.
„Natürlich.“
Er versetzte die Halterung noch einmal, besser, nicht gut, aber besser. Zur Not würde er das verdammte Ding eben unter den Arm nehmen. Der Helm war schließlich keine Reliquie, nur etwas, das verhindern sollte, dass einem im falschen Moment die Luft ausging.

Ord Mantell erschien und verschwand wieder. Dann blieb nur noch ein letzter Sprung, Agriworld-2079. Craton saß wieder im Pilotensitz, vollständig ausgerüstet. Der Helm hing noch immer hinten am Gürtel und nervte ihn bereits, obwohl er sich kaum bewegt hatte. Sein Blick ging kurz zur Kommunikationsanlage, das schwarze Modul blieb still. Keine Glückwünsche, keine weitere Bewertung, kein verdammtes ausreichend. Der Navcomputer meldete Bereitschaft. Craton legte die Hand auf den Hyperraumhebel.

„Na dann.“
Er zog, die Sterne wurden zu Linien.


| Mittlerer Rand – M'shinni-Sektor – Agriworld-2079 – Rand des imperialen Flottenverbandes | Dopa Maskey |​
 
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