Die besten Folgen von The Mandalorian waren deshalb so gut, weil sie etwas geschafft haben, was eine Reihe von Star Wars Filmen nicht mehr konnten. Die Serie hatte Geduld. Sie musste nicht ständig größer, lauter oder bedeutender werden. Oft reichte einfach ein schweigsamer Kopfgeldjäger, der durch staubige Außenposten läuft, ein paar kurze Dialoge und diese Mischung aus Einsamkeit und Abenteuer, die an alte Western erinnert hat. Gerade die erste Staffel lebte davon, dass sie sich Zeit nahm. Zeit für Atmosphäre, für kleine Momente und für Figuren, die nicht sofort alles von sich erklären mussten.
Din Djarin war interessant, weil er eben nicht permanent geredet hat. Grogu funktionierte nicht nur, weil er süß war, sondern weil die Serie sehr schnell verstanden hat, wie emotionale Bindung entsteht. Noch bevor man viel über ihn wusste, wirkte dieses kleine Wesen schutzlos, neugierig und verloren. Man hat sofort verstanden, warum Din ihn beschützen will. Die Serie musste das nicht ständig aussprechen. Es lag einfach in den Szenen selbst.
Dazu kam, dass The Mandalorian nie nur von Din und Grogu allein getragen wurde. Die Serie war immer dann am stärksten, wenn andere Figuren dazukamen, die etwas in Din ausgelöst haben. Kuiil ist dafür wahrscheinlich das beste Beispiel. Dieser alte, ruhige Mann hatte mehr Menschlichkeit als viele komplette Star Wars Filme zusammen. Durch ihn wirkte Din plötzlich weniger wie eine coole Figur mit Helm und mehr wie ein echter Mensch. Auch Charaktere wie Greef Karga, Cara Dune oder später Bo Katan haben dafür gesorgt, dass die Serie emotional geerdet blieb. Sie brachten Konflikte, Humor oder Reibung hinein. Selbst wenn Din meistens still blieb, entstanden dadurch Beziehungen, die man als Zuschauer ernst genommen hat.
Besonders deutlich wurde die Stärke der Serie in einzelnen Episoden, die heute zu den besten Folgen der Serie zählten. Der Marshal funktionierte deshalb so gut, weil die Folge genau verstand, wie man klassische Westernmotive mit Star Wars verbindet. Cobb Vanth war keine bloße Gastfigur, sondern jemand mit Haltung, Charisma und eigener Geschichte. Die Episode nahm sich Zeit für Gespräche, für Spannungen zwischen Figuren und für dieses Gefühl, dass Menschen in dieser Galaxis tatsächlich leben müssen. Der Kampf gegen den Krayt Drachen war spektakulär, aber er funktionierte nur deshalb, weil vorher echte Atmosphäre aufgebaut wurde.
Die Jedi war wiederum stark, weil die Folge fast komplett über Stimmung erzählt wurde. Die düsteren Wälder, Ahsokas Auftreten, die langsame Spannung. Die Episode wirkte nicht wie Fanservice, obwohl mit Ahsoka eine extrem bekannte Figur auftauchte. Stattdessen hatte man das Gefühl, eine Samurai Geschichte innerhalb des Star Wars Universums zu sehen. Selbst die Action wirkte präzise und reduziert.
Und Die Befreiung zeigte schließlich, wie gut die Serie darin sein konnte, emotionale Payoffs aufzubauen. Das Finale lebte nicht nur von Action, sondern davon, dass man zu diesen Figuren bereits eine Bindung aufgebaut hatte. Der Moment mit Luke Skywalker funktionierte damals nicht bloß wegen Nostalgie. Er funktionierte, weil er das Ende einer emotionalen Reise markierte. Din nimmt den Helm ab, Grogu geht. Das hatte Gewicht, weil die Serie zuvor Zeit investiert hatte.
Und genau das fehlt The Mandalorian and Grogu fast komplett.
Der Film wirkt über lange Strecken so, als hätte Lucasfilm die falschen Lehren aus dem Erfolg der Serie gezogen. Offenbar dachte man, die Zuschauer hätten vor allem Grogu, Cameos und nostalgische Star Wars Elemente geliebt. Tatsächlich mochten viele aber gerade die ruhigen Szenen dazwischen. Dieses Gefühl von Weite, Einsamkeit und improvisierter Familie. Der Film ersetzt diese Qualitäten oft durch Tempo und Franchise Spektakel.
Die Handlung hetzt von einer Szene zur nächsten, ständig passiert irgendetwas, aber erstaunlich wenig davon bleibt hängen. Viele Momente wirken wie Pflichtprogramm. Noch eine Actionsequenz, noch ein Verweis auf bekannte Star Wars Lore, noch ein niedlicher Grogu Moment. Der Film sieht teuer aus, aber emotional fühlt er sich seltsam leer an, jedenfalls für mich.
Das liegt auch daran, dass ihm Figuren fehlen, zu denen man wirklich eine Beziehung aufbauen kann. Din und Grogu allein reichen auf Dauer einfach nicht aus. Gerade ein Charakter wie Din funktioniert nur dann richtig gut, wenn andere Figuren ihn herausfordern oder ihm etwas entlocken. In der Serie gab es immer wieder Menschen, die ihn aus seiner stoischen Rolle herausgeholt haben. Im Film fehlt so jemand fast vollständig. Man spürt ständig, dass dem Ganzen eine Figur fehlt, die Wärme, Konflikt oder echte Persönlichkeit hineinbringt. Jemand, der nicht nur für die Handlung wichtig ist, sondern emotional wichtig wird.
Stattdessen versucht der Film viel über Rotta den Hutten laufen zu lassen. Das Problem ist nur, dass Rotta kaum funktioniert, jedenfalls nicht für mich.
Die Figur ist zwar zentral für die Geschichte, entwickelt aber fast keine echte Präsenz. Bei Grogu verstand die Serie damals sofort, wie man Bindung erzeugt. Man sah dieses kleine Wesen und wollte automatisch, dass ihm nichts passiert. Bei Rotta passiert genau das nicht. Andere Figuren reden über ihn, suchen ihn oder wollen ihn retten, aber der Film gibt einem kaum Momente, in denen Rotta selbst wirklich Charakter bekommt. Dadurch bleibt er erstaunlich distanziert.
Dazu kommt, dass Hutten in Star Wars traditionell nie besonders emotionale Figuren waren. Jabba war ikonisch, aber eben als monströse Machtfigur. Rotta trägt viel von diesem Bild automatisch mit sich herum. Für Fans der Lore mag das interessant sein, aber es macht ihn nicht sympathisch oder berührend.
Der Film versucht teilweise offensichtlich, Rotta zu einer ähnlichen Figur zu machen wie früher Grogu. Eine Figur also, die beschützt werden muss und dadurch Emotionen erzeugt. Aber genau dieser Vergleich schadet ihm wahrscheinlich am meisten. Grogu hatte etwas Geheimnisvolles und gleichzeitig unglaublich Menschliches. Rotta wirkt dagegen konstruiert. Eher wie ein Plotgegenstand als wie ein echter Charakter.
Und genau daran scheitert der Film letztlich immer wieder. Die Serie lebte von kleinen Blicken, stillen Momenten und Beziehungen zwischen Figuren. Nicht von permanentem Spektakel. The Mandalorian and Grogu übernimmt zwar die Oberfläche der Serie. Die Ästhetik, die Raumschiffe, den Humor und die Nostalgie. Aber das Menschliche dahinter fehlt oft.
Deshalb fühlt sich der Film trotz seines großen Maßstabs am Ende für mich kleiner an als die besten Folgen der Serie. The Mandalorian war stark, wenn es sich wie eine kleine Geschichte in einer riesigen Galaxis angefühlt hat.