Zuletzt gekaufter/gesehener Film - Allgemeiner Filmthread

Disclosure Day
Wenn Steven Spielberg einen neuen Science-Fiction-Film ins Kino bringt, sind meine Erwartungen automatisch hoch, auch wenn es schon eine Weile her ist (A.I. - Künstliche Intelligenz, Minority Report), dass mich ein Spielberg echt begeistert hat. Das liegt nicht nur an seinem Namen, sondern auch daran, dass einige seiner besten Filme genau aus diesem Genre stammen. E.T., Unheimliche Begegnung der dritten Art oder auch Krieg der Welten haben gezeigt, wie gut Spielberg darin ist, das Fantastische mit dem Menschlichen zu verbinden.

Mit Disclosure Day kehrt er nun zu einem ähnlichen Themenfeld zurück. Es geht um einen Whistleblower, der Informationen veröffentlichen will, die jahrzehntelang geheim gehalten wurden. Gleichzeitig erlebt eine Meteorologin ein Ereignis, das ihr Leben komplett aus der Bahn wirft.

Schon nach wenigen Minuten dachte ich, dass Spielberg als Regisseur nichts von seinem Können verloren hat. Der Film ist hervorragend inszeniert. Die Kameraarbeit wirkt oft mühelos, obwohl hinter vielen Einstellungen ein enormer Aufwand stecken muss. Selbst einfache Gespräche bekommen durch die Bildgestaltung eine Dynamik, die man in den meisten aktuellen Blockbustern vergeblich sucht. Der Auftakt des Filmes war für mich sehr verheißungsvoll.

Handwerklich gibt es an Disclosure Day für mich kaum etwas auszusetzen.

Leider kann man das über das Drehbuch aber nicht sagen.

Der Film hat mehrere interessante Figuren, macht aber erstaunlich wenig aus ihnen. Joshua O'Connor und Emily Blunt spielen ihre Rollen überzeugend, bekommen aber nicht genug Material, um wirklich zu glänzen. Man verbringt viel Zeit mit diesen Menschen, erfährt aber vergleichsweise wenig über sie. Am Ende bleiben sie seltsam blass.

Noch deutlicher fällt das bei den Gegenspielern auf. Die Geheimorganisation, die im Hintergrund die Fäden ziehen soll, wirkt nie wirklich bedrohlich. Immer wieder behauptet der Film, wie mächtig und gefährlich diese Leute seien. Spüren kann man das allerdings kaum. Dadurch fehlt vielen Szenen die Spannung.

Überhaupt hat mich überrascht, wie wenig Thriller in diesem vermeintlichen Science-Fiction-Thriller steckt. Die Trailer lassen einen deutlich actionreicheren Film erwarten. Tatsächlich gibt es nur wenige größere Spannungsmomente. Die sind ordentlich gemacht, aber sie bleiben die Ausnahme.

Das eigentliche Problem liegt woanders.

Disclosure Day möchte ein großes Mysterium erzählen. Dafür hält der Film Informationen lange zurück. Normalerweise kann so etwas Neugier erzeugen. Hier führt es eher dazu, dass die Geschichte über weite Strecken auf der Stelle tritt. Immer wieder hat man das Gefühl, dass gleich etwas Entscheidendes passieren müsste. Oft passiert dann aber erstaunlich wenig.

Dabei geht es gar nicht darum, dass der Film langsam erzählt ist. Hier fehlt eher das Gefühl, dass die Geschichte wirklich vorankommt.

Besonders im letzten Drittel macht sich das bemerkbar. Der Film arbeitet auf eine große Enthüllung hin, die letztlich weniger überraschend ausfällt, als Spielberg offenbar selbst glaubt. Vieles lässt sich schon früh erahnen. Und gerade dann, wenn die wirklich interessanten Fragen beginnen würden, endet der Film.

Was mich dabei am meisten beschäftigt hat, ist sein Grundton. Spielberg glaubt sichtbar an das Gute im Menschen. Das ist sympathisch und ehrlich. Gleichzeitig wirkt diese Haltung in Disclosure Day manchmal erstaunlich naiv. Der Film setzt voraus, dass eine große Wahrheit die Menschheit zusammenbringen würde. Dass Menschen ihre Unterschiede überwinden und gemeinsam reagieren würden.

Vielleicht hätte man das vor fünfzig Jahren leichter geglaubt.

Heute im Jahre 2026 wirkt diese Vorstellung deutlich schwieriger nachzuvollziehen.

Trotzdem i.st es kein schlechter Film. Es gibt viele Momente, die funktionieren. Einzelne Bilder bleiben im Kopf. Die Inszenierung ist stark, die Schauspieler sind gut.

Gerade deshalb ist die Enttäuschung am Ende etwas größer. Denn das Material hätte das Potenzial für einen wirklich großen Spielberg-Film gehabt.

So bleibt ein Film, den ich respektiere, aber nicht wirklich liebe. Einer, der gut aussieht, interessante Ideen anreißt und trotzdem nie die emotionale oder erzählerische Wucht entwickelt, die man sich von einem Regisseur wie Steven Spielberg erhofft.
 
Ich fand „Discosure Day“ ziemlich lahm. Es kommt nie wirklich Spannung auf. Und was mir den Film irgendwie sehr ruiniert hat war wie unglaublich dämlich sich die „Bösen“ den ganzen Film über verhalten haben. Wie man mit so viel Inkompetenz das größte Geheimnis der Menschheit Jahrzehntelang geheim halten konnte erschließt sich mir nicht.
 
Obsession – Du sollst mich lieben
Es kommt nicht oft vor, dass ein Horrorfilm über Wochen hinweg vor allem durch begeisterte Zuschauerempfehlungen wächst. Genau das ist bei Obsession – Du sollst mich lieben passiert. Die Mundpropaganda war so stark, dass der Film sein Einspielergebnis in Nordamerika drei Wochen hintereinander steigern konnte. Ein Kunststück, das seit E.T. nicht mehr vorgekommen ist. Wenn ein Film eine solche Begeisterung auslöst, geht man fast automatisch mit erhöhten Erwartungen ins Kino.

Und zunächst scheint der Film diese Erwartungen durchaus erfüllen zu wollen.

Visuell besitzt Obsession eine klare Handschrift. Die Bilder sind oft unangenehm, manchmal regelrecht verstörend. Die Atmosphäre ist von Anfang an von einer unterschwelligen Beklemmung geprägt. Besonders gelungen fand ich die Art, wie der Film eine romantische Sehnsucht Stück für Stück in etwas Bedrohliches verwandelt. Aus einem Wunsch wird eine Belastung, aus Nähe entsteht Angst.

Dazu kommt eine Besetzung, die den Stoff ernst nimmt. Die Schauspieler spielen überzeugend und geben ihren Figuren mehr Gewicht, als das Genre häufig verlangt. Gerade die Hauptdarsteller schaffen es, die Einsamkeit, die Unsicherheit und die emotionale Bedürftigkeit ihrer Figuren glaubhaft zu vermitteln. Dadurch funktioniert der Film in seinen besten Momenten nicht nur als Horrorfilm, sondern auch als Beziehungsdrama.

Dabei verfolgt Obsession durchaus interessante Absichten. Der Film beschäftigt sich mit Einsamkeit, mit emotionaler Abhängigkeit, mit obsessiver Liebe und mit dem Wunsch, Zuneigung kontrollieren zu können. Dahinter steckt die Frage, ob Liebe überhaupt noch Liebe sein kann, wenn sie nicht freiwillig entsteht. Es geht um persönliche Freiheit, um Grenzen und letztlich auch um Besitzdenken in Beziehungen. Dass ein Horrorfilm solche Themen überhaupt aufgreift, rechne ich ihm hoch an.

Allerdings liegt für mich genau hier auch sein größtes Problem.

Ich hatte während des gesamten Films das Gefühl, dass die Themen nicht entwickelt, sondern vorgeführt werden. Die Botschaften sind klar erkennbar. Der Film vertraut seinem Publikum nur selten genug, um Bedeutungen zwischen den Zeilen entstehen zu lassen. Stattdessen werden die Aussagen immer wieder unterstrichen. Ich hätte mir deutlich mehr Zurückhaltung gewünscht.

Gerade die Figur des Bear ist dafür ein gutes Beispiel.

Der Film zeigt mehrfach, dass Bear selbst bemerkt, wie verstörend sich Nikki verhält. Die Warnsignale sind offensichtlich. Er nimmt sie wahr. Er wirkt beunruhigt. Er wirkt verunsichert. Und trotzdem bleibt er.

Natürlich kann man das als bewusst überzeichnete Metapher verstehen. Viele Menschen verharren schließlich in Beziehungen, die ihnen nicht guttun. Sie ignorieren Warnzeichen, reden sich Situationen schön und halten an Hoffnungen fest, obwohl längst erkennbar ist, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Als Symbol funktioniert Bears Verhalten also durchaus.

Für mich war diese Symbolik jedoch zu grob gezeichnet.

Immer wieder wurde ich aus dem Film herausgerissen, weil ich mich fragte, warum Bear nicht längst Konsequenzen zieht. Statt mit ihm mitzufühlen, begann ich über die Konstruktion der Handlung nachzudenken. Und genau das sollte eigentlich nicht passieren. Je weiter die Geschichte voranschritt, desto häufiger entstand bei mir der Eindruck, dass die Figuren Entscheidungen treffen, weil die Geschichte sie braucht, nicht weil sie sich logisch aus ihrem Charakter ergeben.

Hinzu kommt, dass die Handlung selbst trotz ihrer interessanten Ausgangslage überraschend vertraut bleibt. Die Geschichte setzt sich aus vielen Versatzstücken zusammen, die man aus anderen Filmen über Besessenheit, Wünsche und Stalking bereits kennt. Das ist nicht grundsätzlich problematisch, aber es nimmt dem Film einen Teil seiner Eigenständigkeit. Wirklich überrascht hat mich Obsession nur selten.

Auch die psychologische Tiefe blieb für mein Empfinden hinter den Möglichkeiten zurück. Der Film streift viele spannende Fragen, vertieft sie aber kaum. Was zunächst wie eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Einsamkeit und obsessiver Liebe wirkt, entwickelt sich nach und nach stärker in Richtung einer Folge von Schockmomenten und verstörenden Situationen.

Dazu kommt ein Erzählrhythmus, der nicht immer trägt. Nach einem starken Auftakt verliert die Geschichte zwischendurch spürbar an Schwung. Einige Szenen variieren immer wieder dieselben emotionalen Zustände, ohne neue Facetten hinzuzufügen.

Vielleicht liegt meine Enttäuschung sogar darin begründet, dass ich ständig das Gefühl hatte, hier wäre noch mehr möglich gewesen. Ich habe einen Film gesehen, der viele kluge Fragen stellt, den Antworten darauf aber oft zu wenig vertraut. Einen Film, der über Liebe, Kontrolle und emotionale Abhängigkeit sprechen möchte, diese Themen jedoch häufig mit dem Holzhammer präsentiert, wo ein leiserer Ton die größere Wirkung entfaltet hätte.

Deshalb blieb bei mir am Ende weniger Bewunderung als Respekt zurück. Ich erkenne die Ambitionen des Films an. Ich sehe seine Qualitäten. Aber der große Film, als den ihn viele Zuschauer derzeit feiern, ist Obsession – Du sollst mich lieben für mich leider nicht geworden.
 
Ich habe mir kürzlich Der Patriot mit Mel Gibson bestellt, da es den Film nun als Extended Version in 4K gibt. Heute ist er angekommen, freue mich schon aufs schauen. Ist ein Film den ich echt gerne habe. Toller Soundtrack, finde die Handlung sehr gute Handlung und die Besetzung ist auch toll.

Der Film ist auch einer meiner Lieblingsfilme. Zwar nicht ganz so genial wie "Braveheart" oder "Gladiator", aber IMO Roland Emmerichs bester Film.

Dazu kommt, dass dies einer von insgesamt nur 4 Filmen ist, wo ich im Kino (bei der Papa-bleib-da-Szene) geweint habe
 
Jack Ryan: Ghost War

Ich kenne die Serie nicht, habe aber erst vor kurzem einen Jack-Ryan-Rerun der Filme gemacht.

John Krasinski ist als Titelfigur in Ordnung (hat dank der Serie ja auch schon viel Erfahrung mit Jack Ryan). Er ist zwar jetzt kein Alec Baldwin oder Harrison Ford, aber zumindest besser als Chris Pine.

Mit London und Dubai gibt es auch zwei nette Schauplätze, auch wenn diese nicht so postkartenartig wie bei James Bond oder Mission Impossible präsentiert werden. Die Action ist auch eher 0815 und besteht vorwiegend aus einfachen Schießeren und kleineren Verfolgungsjagten. Für das, dass die Action jetzt nicht der riesige Burner war, gab es für meinen Geschmack etwas zu viel davon.

Die Story ist eigentlich nur ein Vehikel um die Actionszenen miteinander zu verbinden. Wirkliche Thriller-Spannung wie bei früheren Jack-Ryan-Filmen kommt leider nicht auf.

Von dem her eher ein kleiner, schnell vergessener, Film, der eher wie eine überlange Serienfolge wirkt.

5 von 10 Punkten
 
The Death of Robin Hood

Der Film setzt dort an, was Ridley Scotts "Nottingham" hätte werden sollen: Was wäre, wenn Robin Hood einfach ein brutaler Räuber ist.

Die erste halbe Stunde verfolgt der Film diese Prämisse recht konsequent und ist darin auch sehr brutal. Ab dem Zeitpunkt, wo Robin ins Kloster kommt, hat er aber damit eher wenig zu tun und wird er eher ein Schuld-und-Sühne-Drama, wo dank des Decknamens Robin Hood nicht einmal mehr erwähnt wird. Sprich der Film hätte unter jedem anderen Namen auch fuktioniert und ist kein wirklicher Robin-Hood-Film.

Dazu kommt, dass der Film sehr arthousig ist. Ehrlich gesagt, tat ich mir, trotz der eher dünnen Handlung, ziemlich schwer dieser zu folgen. Wer jetzt das Mädchen oder der Junge ist, wird viel der Interpretation des Zusehers überlassen.

Die Beziehung zwischen Randolph alias Robin und der Priorin, deren Familie er als Robin Hood bei lebendem Leib verbrannte, ist recht interessant und führt letztlich zu Robins assistiertem Selbstmord. Die Szene, wo er langsam verblutet und nebenbei der Kleinen die Geschichte von Little John erzählte war sehr emotional.

Optisch waren die Aufnahmen der irischen Highlands im ersten Drittel sehr opulent und gefiel mir auch die Musik dazu. Ab dem Zeitpunkt, wo der Film fast ausschließlich auf der Kloster-Insel spielt, gibt es auch diesen Vorteil nicht mehr.

Mit Ausnahme von Little John zu Beginn gibt es auch kaum Verbindungen zu der Sage bzw wird diese als Lüge abgetan. Sprich Elemente einer Robin-Hood-Geschichte sucht man eher vergebens.

Insgesamt ein eher schwächerer Arthouse Film, der den Namen Robin Hood für mehr Aufmerksamkeit missbraucht. Wer eine Verfimung von Ridley Scotts wirklch spannendem "Nottingham"-Konzept erwartet, wird enttäuscht. Eine echte Robin-Hood-Vetfilmung mit Robin als Schurken lässt weiter auf sich warten.

4 von 10 Punkten!
 
Ich habe ja durchaus ein gewisses Faible für den Mythos um Robin Hood und harre schon lange einer "erdigeren" Interpretation der Figur, die der harschen Lebensrealität des mittlelalterlichen England, vor allem aber der eines gejagten Kriminellen gerechter wird, als die folkloristisch-heroischen Balladen, die einem sonst so begegnen. Insofern sehe ich dem Ansatz des Films, die Figur weniger devot anzufassen, an sich positiv entgegen (obwohl ich der Meinung bin, dass das literarisch eher gelänge). Der Arthouse-Winkel muss ja nichts Schlechtes sein, hilft häufig eher, den Inhalt (für uns) greifbarer, "universeller" zu gestalten. Kann aber verstehen, wenn dir das zu weit vom klassischen Inhalt wegging.

Mal sehen, reizen würde mich der Streifen.
 
Ich habe gestern The Death of Robin Hood und Obsession gesehen.

In The Death of Robin Hood bekommt man einen starken Hugh Jackmann, der eine düstere, mörderische Interpretation des sonst eher als klassischen Filmhelden ausgelegte Figur darstellt.

Anstelle von „Rob from the rich and give to the poor.“ gilt hier "I've killed so many I could not give you a count.“ Gefangen in der von ihm verursachten Gewaltspirale wird er beinahe getötet, aber schwer verletzt gerettet und zu einer abgelegenen Gemeinschaft gebracht, in der sich eine Hoffnung auf Läuterung, Reue und vielleicht Vergebung auftut.

Schauspielerisch wird es von Jackmanns sehr eindringlicher Ausstrahlung getragen, die für mich in jeder Szene gewirkt hat; ob roh und brutal oder nachdenklich wie mitfühlend. Daneben ist nicht so viel Platz für andere, um wirklich zu brillieren, wobei mein Respekt wie immer Kinderdarstellern und damit in diesem Fall Faith Delaney als Little Margaret gilt. Als 12-jährige in so einer Handlung auf diesem Niveau abzuliefern, finde ich immer wieder faszinierend.

Die erste Hälfte (?) des Films geht es wie schon hier beschrieben sehr gewaltvoll zu und hat mich visuell und inszenatorisch an Robert Eggers „The Northman“ erinnert. Danach ändert der Film seine Marschrichtung und hat mich damit überrascht, da ich davon ausgegangen war, dass er nach einem längeren Handlungsabschnitt mit Fokus auf Robin Hoods Vergangenheitsbewältigung spätestens zum Finale nochmal auf diese Gewalt zurückkommt; das wäre wohl die konventionelle Lösung gewesen. Man hat sich anders entschieden und mich, auch wenn es durchgehend schöne Bilder und starkes Spiel gibt, vom Unterhaltungswert bzw. Spannungsgrad nicht mehr ganz erreicht.

Mir ist nebenbei aufgefallen, dass Aufnahmen mittelalterlicher Burgen, vor allem im Zusammenhang mit den Klippen, Wiesen und Gärten irgendwie eine beruhigende Wirkung auf mich haben ^^.

Dagegen hat Obsession sehr viel mehr mit mir gemacht, der Film schwirrt mir seit gestern im Kopf umher und damit dürfte nach Weapons im letzten Jahr schon wieder ein Horrorfilm als einer meiner Top-Filme in die Endauswertung gehen.

Wer kennt es nicht? Es gibt da diese eine Frau oder diesen einen Mann im Freundeskreis, für die oder den man mehr als nur freundschaftliche Gefühle hat. Man rückt nicht mit der Sprache raus, drückt sich, lässt eine Gelegenheit nach der anderen verstreichen und kriegt einfach nicht die Worte und den Mut zusammen. Nachdem Baron „Bear“ es gerade mal wieder versemmelt hat, seiner Freundin Nikki seine Gefühle zu gestehen, wünscht er sich aus Frust und Verzweiflung mit einem „One Wish Willow“, einem Talisman aus einem Esoterik-Shop, dass sie ihn doch einfach nur mehr lieben soll als jeden anderen Menschen. Was kann da schon schiefgehen?

Der Wusch geht tatsächlich in Erfüllung …irgendwie.

Was Curry Barker hier als Erstlingswerk für weniger als 1 Mio. $ Budget abgeliefert hat, reiht sich nahtlos in die mittlerweile immer länger werdende Liste neuerer Klassiker des Horrorgenres ein. Mit einem sehr feinen Gespür und einer durchdachten Figurenzeichnung wird hier hocheffizienter Horror betrieben, der durch die immer wieder eingebauten „Relief“-Momente genießbar bleibt. Das hatte mir schon an Weapons von Zach Cregger gefallen und wird hier ihn ähnlicher Form auf hohem Niveau betrieben. Auch wenn es blutig wird, entfaltet der Grusel seine Wirkung im Wesentlichen durch eine gewisse Bizarrheit der Figuren und ihrer Handlung, einem für mich sehr gut abgestimmten Sounddesign und wie soll ich sagen …mit einer gewissen Schlichtheit in der Inszenierung einzelner Szenen, die aber sehr präzise und wirksam ist. Wenn Nikky im dunklen Auto von Bear den Kopf schräg auf das Armaturenbrett legt und man ihr Gesicht zwischen den Haaren nicht mehr sieht, aber sie langsam weiterspricht, kommt mehr Unbehagen auf als bei jeder Jumpscare-Kaskade. Auch weil eben solche Szenen immer genau die richtige Länge haben, um wirken zu können.

Schauspielerisch hat Newcomer Inde Navarette (Nikky) eine Performance abgelegt, an die jedenfalls ich mich noch lange erinnern werde und die von der Presse nicht selten als prägend für das Horror-Genre genannt wird. Mit solchen Einschätzungen halt ich mich noch zurück, aber wie schon Palpatine zum kleinen Annie sagte: "We will watch your career with great interest."

Ein echtes Brett, hat mich als Kinoerlebnis sehr beglückt und ich freue mich für das Genre, was da gerade so aus dem Boden gestampft wird. Am Dienstag geht es dann in Backrooms.
 
The Furious
The Furious erzählt im Grunde eine Geschichte, die man schon unzählige Male gesehen hat. Ein Vater sucht seine entführte Tochter und gerät dabei immer tiefer in die Machenschaften eines brutalen Verbrechersyndikats. Unterstützung bekommt er von einem Journalisten, der eigene Rechnungen offen hat. Mehr steckt hinter der Handlung nicht, und der Film macht auch gar keinen Versuch, daraus etwas Komplizierteres zu machen.

Das Überraschende ist: Es reicht vollkommen.

Denn die eigentliche Geschichte wird hier nicht mit Dialogen erzählt, sondern mit Fäusten, Tritten, Messern, Hämmern und allem, was sich sonst noch in Griffweite befindet. Wer bei Martial-Arts-Filmen vor allem auf die Handlung achtet, wird vermutlich einige Schwächen entdecken. Wer dagegen sehen möchte, was passiert, wenn absolute Profis vor und hinter der Kamera ihr Handwerk beherrschen, bekommt hier eine regelrechte Demonstration.

Die Kämpfe sind spektakulär. Was The Furious von der Masse abhebt, ist die Art, wie diese Action inszeniert wird. Trotz des hohen Tempos bleibt nahezu jede Bewegung nachvollziehbar. Die Kamera verliert nie die Orientierung. Man weiß stets, wo sich die Figuren befinden und warum ein Kampf gerade so verläuft, wie er verläuft.

Vor allem wirkt nichts beliebig.

Jeder Kämpfer hat seinen eigenen Stil. Joe Taslim bringt eine direkte, kompromisslose Härte mit, während Xie Miao deutlich beweglicher und unberechenbarer agiert. Man erkennt die Figuren allein daran, wie sie kämpfen.

Hinzu kommt eine bemerkenswerte Kreativität bei der Nutzung von Schauplätzen und Gegenständen. Ein Lastwagen wird ebenso selbstverständlich Teil einer Kampfszene wie Gerüste, Tische, Eisblöcke oder Werkzeuge. Immer wieder entstehen Momente, in denen man denkt, dass nun wirklich alles gezeigt worden sein müsste. Und kurz darauf präsentiert der Film die nächste Idee.

Die Gewalt ist hart. Knochen brechen hörbar, Körper werden durch die Gegend geschleudert und einige Treffer tun allein beim Zuschauen weh. Gleichzeitig verfällt der Film nie in sadistische Spielereien. Die Brutalität dient dem Eindruck körperlicher Konsequenz. Wenn jemand getroffen wird, spürt man die Wirkung.

Nicht alles funktioniert perfekt. Die Geschichte verliert im Mittelteil etwas an Spannung. Die weiblichen Figuren bleiben weitgehend Nebendarstellerinnen in einer sehr männlich geprägten Welt. Auch sollte man keine allzu großen Erwartungen an Realismus mitbringen. Die Hauptfiguren überstehen Verletzungen, die normale Menschen problemlos mehrere Monate ins Krankenhaus befördern würden.

Aber ganz ehrlich: Das interessiert in diesem Film kaum.

The Furious weiß genau, was er sein möchte. Er versucht nicht, gleichzeitig Actionfilm, Familiendrama, Gesellschaftskritik und Charakterstudie zu sein. Stattdessen konzentriert er sich auf eine Aufgabe und erfüllt diese mit beeindruckender Konsequenz.

Für Freunde des modernen Martial-Arts-Kinos gehört dieser Film zum Besten, was in den vergangenen Jahren erschienen ist. Wer mit Werken wie The Raid etwas anfangen kann, dürfte hier ebenfalls voll auf seine Kosten kommen. The Furious besitzt dieselbe Leidenschaft, dieselbe körperliche Intensität und denselben kompromisslosen Fokus auf handgemachte Action.
 
Die Brücke von Arnheim (1977)

Ein bombastischer Hollywoodschinken über eine Mission, die sich schnell als zum Scheitern verurteilt herausstellt.

3 Stunden Laufzeit, männliche Hollywoodstars (und Liv Ullmann in einer Nebenrolle) en masse, spektakuläre Gefechte und obendrein die erste Riege deutscher Schauspieler kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Geschehen in weiten Teilen merkwürdig oberflächlich bleibt.

Stark ist der Film immer dann, wenn er nah an die Menschen geht. Die Arnheimer Familie, die auf eigene Faust und unter großer Gefahr spioniert. Die alte Frau, deren Haus beschlagnahmt wird. Die Gutsherrin, die mit ihren Kindern fliehen und alles zurücklassen muss. Schwer verwundete Soldaten und Zivilisten, die keine Hoffnung mehr aufkommen lassen.

Dagegen sind sämtliche Generäle, Lieutenants, Majore und Offiziere schwer greifbar. Einzig Anthony Hopkins stach für mich heraus, ebenso Sean Connery.

Insgesamt gab es mir zu viele Rollen und Schauplätze, zwischen denen oft gewechselt wurde.
 
Backrooms
Je länger ich über Backrooms nachdenke, desto mehr überzeugt mich die psychologische Interpretation des Films. Man kann die Backrooms natürlich als reale Parallelwelt verstehen. Interessanter wird es für mich aber, wenn man sie als Metapher für das Unterbewusstsein liest. Die endlosen Flure, die verlassenen Räume und die ständigen Ortswechsel wirken dann nicht wie Science-Fiction, sondern wie eine Reise durch die eigene Psyche.

Genau an diesem Punkt drängt sich ein Vergleich mit David Lynch auf. Filme wie Mulholland Drive oder Lost Highway arbeiten ebenfalls mit Traumlogik, instabilen Identitäten und dem Gefühl, dass hinter der sichtbaren Realität noch etwas anderes verborgen liegt. Wer Lynchs Filme kennt, wird sich bei Backrooms immer wieder an diese Atmosphäre erinnert fühlen.

Wenn man die Backrooms als Unterbewusstsein versteht, ergeben viele Dinge plötzlich mehr Sinn. Die Räume wirken wie Erinnerungsfragmente. Man erkennt etwas Vertrautes, aber es passt nie ganz zusammen. Jeder kennt dieses Gefühl aus Träumen. Man befindet sich scheinbar in einem bekannten Gebäude, merkt aber nach und nach, dass die Architektur unmöglich ist. Türen führen an seltsame Orte, Räume verändern sich, und trotzdem akzeptiert man das alles im Traum als normal. Genau so funktionieren die Backrooms.

Auch die Kreaturen lassen sich in dieser Lesart anders betrachten. Sie sind dann nicht einfach Monster, die irgendwo in einer fremden Dimension leben. Sie wirken eher wie verdrängte Anteile der eigenen Persönlichkeit, wie Ängste, Schuldgefühle oder Dinge, die man lieber nicht sehen möchte. Die Figuren begegnen letztlich nicht einer fremden Welt, sondern sich selbst.

Das ist auch der Punkt, an dem die Nähe zu David Lynch besonders deutlich wird. In seinen Filmen ist die äußere Welt oft ein Spiegel innerer Zustände. Räume, Personen und Ereignisse folgen nicht immer einer logischen Handlung, sondern eher den Bewegungen des Unterbewusstseins. Trotzdem gibt es einen wichtigen Unterschied zwischen Lynch und Backrooms.

Lynch interessiert sich am Ende immer für Menschen. Seine Filme sind zwar rätselhaft, aber hinter den Rätseln stecken sehr konkrete Gefühle. In Mulholland Drive geht es um Sehnsucht, Enttäuschung, Schuld und Selbsttäuschung. In Lost Highway spielen Angst, Eifersucht und Identitätsverlust eine zentrale Rolle. Die surrealen Elemente entstehen aus diesen Konflikten heraus. Deshalb wirken seine Filme trotz aller Verrücktheit oft erstaunlich emotional.

Bei Backrooms habe ich dagegen häufig den Eindruck, dass der Ausgangspunkt ein anderer ist. Hier steht zuerst die faszinierende Idee der Backrooms im Mittelpunkt. Die Räume sind das eigentliche Ereignis. Die Geschichte versucht dann, diesen Räumen Bedeutung zu geben. Das funktioniert oft gut, aber nicht mit derselben emotionalen Tiefe wie bei Lynch.

Das liegt wahrscheinlich auch daran, woher die Backrooms ursprünglich kommen. Sie sind als Internetmythos entstanden. Ihr Erfolg beruhte auf einem einzigen starken Bild: endlose leere Räume, die gleichzeitig vertraut und unheimlich wirken. Dieses Bild besitzt eine enorme Kraft. Fast jeder spürt sofort dieses Gefühl von Verlorenheit und Orientierungslosigkeit. Aber ein starkes Bild allein macht noch keine große Geschichte.

Genau hier zeigt sich für mich, warum David Lynch letztlich die stärkeren Filme gemacht hat. Seine Filme beginnen nicht mit einer faszinierenden Idee, sondern mit menschlichen Erfahrungen. Die seltsamen Bilder, die Träume und die Rätsel entstehen daraus. Bei Backrooms ist es umgekehrt. Die faszinierende Welt ist zuerst da, die psychologische Bedeutung kommt danach.

Das bedeutet aber nicht, dass Backrooms oberflächlich wäre. Gerade die psychologische Lesart macht den Film deutlich interessanter. Die Backrooms werden zu einem Labyrinth des eigenen Inneren. Jeder Gang führt tiefer in verdrängte Bereiche der Persönlichkeit. Jede neue Ebene konfrontiert die Figuren mit Dingen, denen sie eigentlich ausweichen möchten.

Trotzdem erreicht der Film für mich nicht die Wirkung eines Mulholland Drive. Bei Lynch bleiben am Ende nicht nur die Bilder hängen, sondern vor allem die Menschen. Man versteht vielleicht nicht jede Szene, aber man spürt die Trauer, die Sehnsucht oder die Verzweiflung dahinter. Diese emotionale Wucht ist bei Backrooms deutlich schwächer ausgeprägt.

Deshalb finde ich den Vergleich mit Lynch berechtigt. Er macht aber auch die Grenzen von Backrooms sichtbar. Der Film schafft ein faszinierendes Labyrinth und nutzt es für interessante Gedanken über Identität, Erinnerung und das Unterbewusstsein. Lynch ging noch einen Schritt weiter. Seine Labyrinthe waren nie Selbstzweck. Sie führten immer zu den Menschen zurück, die sich darin verirrt hatten. Genau deshalb wirken seine besten Filme für mich bis heute tiefer und nachhaltiger.
 
Glenkill: Ein Schafskrimi

Eine sehr gute Mischung aus Whodunit Krimi und zuckersüssem Familienfilm. Dazu ist der Film mit der englischen Kleinstadt und der Schafsfarm "very british".

Optisch sehen die Effekte nicht immer gut aus und erkennt man oft, wenn ein Schafe CGI ist, aber hat mich jetzt nicht gross gestört.

Die Krimihandlung erinnert an Agatha Christie bzw die Knives Out Filme und bot skurille Charaktere. Wie man dem Täter letztlich auf die Schliche kommt war vielleicht etwas konstruiert, aber war noch in Ordnung. War auf alle Fälle halbwegs überraschend.

Dazu war der Film ein sehr schöner Familienfilm. Kitschig ja, aber auf eine gute Art und Weise. So hat mich der Film des öfteren emotional berührt. Auch der Humor war gelungen und nicht übertrieben.

Insgesamt ein kurzweilig sympathischer und auch herrlich altmodischer Film. Meiner Meinung nach einer der besten Filme des Jahres bisher.

8 von 10 Punkten
 
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