Zuletzt gekaufter/gesehener Film - Allgemeiner Filmthread

Gestern habe ich OBSESSION angeschaut. Ich wurde blendend unterhalten und geängstigt.
Es wurde hier auch schon Kritik geübt, diese konnte ich einigermaßen nachvollziehen.
Der Film zeigt mehrfach, dass Bear selbst bemerkt, wie verstörend sich Nikki verhält. Die Warnsignale sind offensichtlich. Er nimmt sie wahr. Er wirkt beunruhigt. Er wirkt verunsichert. Und trotzdem bleibt er.
Ich kann den Punkt verstehen. Aber ich glaube dass viele bei Partnern bleiben obwohl sie gewalttätig und kontrollierend sind.
Also dass er alleine den Absprung nicht schafft, finde ich beinahe logisch.

Was mich stört war der Abend mit den Freunden. Spätestens da muss die Polizei her und die Dame kommt in die Zwangsjacke. Dass es nach diesem Abend keine Konsequenz gab, war ein wenig lazy writing.

Trotzdem hat mich der Film gebannt..die Leistung der Hauptdarstellerin war monströs gut. Ein Brett wie man so schön sagt.

Der Anruf bei der Hotline war für mich extrem gruselig....hat mich einfach gepackt der Film.

Hoffentlich bald mehr von Curry Barker.

Nochmal für alle: Auf Youtube Curry Barkers "The Chair" anschauen und gruseln.
 
@Ansiv Reeblac

Bei Bear sehe ich das etwas differenzierter. Dass Menschen in einer toxischen Beziehung bleiben, obwohl längst alle Alarmglocken läuten, passiert leider immer wieder. Deshalb hatte ich mit der Grundidee überhaupt kein Problem. Mir fehlte eher der Weg dorthin. Ich hätte gerne noch stärker gespürt, warum er sich emotional so an Nikki bindet und weshalb er sich immer wieder selbst davon überzeugt, dass alles irgendwie noch gut werden kann. Dann wären seine Entscheidungen für mich noch nachvollziehbarer gewesen.

Bei dem Abend mit den Freunden bin ich dagegen vollkommen bei dir. Da hatte das Gefühl, dass der Film seine eigene Glaubwürdigkeit ein Stück weit verlässt. Nach so einer Eskalation hätte ich ebenfalls erwartet, dass die Situation ganz andere Konsequenzen nach sich zieht. Das wirkte auf mich etwas zu konstruiert.

Trotzdem hat mich der Film in vielen Momenten erwischt.

Und über die Hauptdarstellerin muss man eigentlich nicht viel sagen. Sie spielt Nikki mit einer Intensität, die den Film für mich über weite Strecken trägt. Ohne sie würde manches wahrscheinlich deutlich weniger funktionieren.

Danke auch für den Hinweis auf The Chair. Davon habe ich zwar in den letzten Wochen gelesen, aber bisher nie reingeschaut. Das werde ich jetzt wohl nachholen.
 
Ich hätte gerne noch stärker gespürt, warum er sich emotional so an Nikki bindet und weshalb er sich immer wieder selbst davon überzeugt, dass alles irgendwie noch gut werden kann. Dann wären seine Entscheidungen für mich noch nachvollziehbarer gewesen.

Verstehe. Aber gerade bei einer solchen obsessiven Liebe gibt es doch oft gar keinen wirklich Grund, bis auf fehlende Selbstliebe vielleicht.
Aber prinzipiell ist Bear der Böse in der Geschichte (zumindest nach dem Wunsch).
 
Ich hätte gerne noch stärker gespürt, warum er sich emotional so an Nikki bindet und weshalb er sich immer wieder selbst davon überzeugt, dass alles irgendwie noch gut werden kann. Dann wären seine Entscheidungen für mich noch nachvollziehbarer gewesen.

Der Film zeigt mehrfach, dass Bear selbst bemerkt, wie verstörend sich Nikki verhält. Die Warnsignale sind offensichtlich. Er nimmt sie wahr. Er wirkt beunruhigt. Er wirkt verunsichert. Und trotzdem bleibt er.​
Es ist ja seine Traumfrau, in der er ja schon eine lange Zeit verliebt ist. Sie hat ihm auch körperliche Liebe gegeben, die er sich sehnlichst gewünscht hatte. Außerdem ist er nicht der Frauenheld. Da besteht sicherlich auch die Befürchtung, wieder Single zu bleiben.
 
@Antiriad

Da bin ich grundsätzlich bei dir. Der Film liefert ja durchaus Gründe dafür, warum Bear so lange an Nikki festhält. Sie ist eben nicht irgendeine Frau für ihn, sondern jemand, in den er sich offenbar schon lange verliebt hat. Und dann passiert plötzlich genau das, womit er wahrscheinlich selbst nicht mehr gerechnet hat: Sie erwidert seine Gefühle, sucht seine Nähe, gibt ihm Aufmerksamkeit und lässt ihn glauben, dass er endlich angekommen ist. Für jemanden, der eher zurückhaltend wirkt und sich selbst vermutlich nie als besonders begehrenswert gesehen hat, ist das ein unglaublich starker Halt.

Gerade deshalb hätte ich mir aber gewünscht, dass der Film diesen inneren Konflikt noch deutlicher zeigt.

Am Anfang kann Bear die Warnzeichen ja noch ganz gut wegschieben. Wenn Nikki eifersüchtig reagiert oder sich seltsam verhält, lässt sich das noch erklären. Vielleicht ist sie einfach unsicher, vielleicht hat sie schlechte Erfahrungen gemacht. Solche Gedanken kennt man ja auch aus dem echten Leben, wenn man versucht, sich das Verhalten eines anderen schönzureden.

Später wird es allerdings deutlich schwieriger, das alles zu ignorieren. Nikki überschreitet mehrfach Grenzen, die auch für Bear nicht mehr zu übersehen sind. Man merkt ihm an, dass ihn das verunsichert und teilweise sogar ängstigt. Er wirkt angespannt, zieht sich zurück, schaut sie oft einfach nur fassungslos an. Und trotzdem landet er kurz darauf wieder in Situationen, in denen er sich auf sie einlässt. Genau da hätte ich mir mehr Einblick in seinen Kopf gewünscht.

Eigentlich bringt der Film dafür alles mit. Bear liebt ja nicht nur Nikki selbst, sondern auch das Bild, das er sich von ihr gemacht hat. Er hat sie lange idealisiert. Und als dieser Traum plötzlich greifbar wird, fällt es ihm schwer zu akzeptieren, dass die Realität vielleicht ganz anders aussieht. Dieser Gedanke, dieses Zerbrechen einer Vorstellung, finde ich interessanter als den eigentlichen Horror.

Ich hätte mir deshalb Szenen gewünscht, in denen man sieht, wie Bear sich seine Entscheidungen aktiv zurechtlegt. Dass er sich einredet, es sei alles halb so schlimm. Dass er glaubt, sie meine es im Grunde gut. Vielleicht sogar, dass er Angst hat, sie zu verlieren, weil er denkt, nie wieder jemanden zu finden, der ihn so sieht wie sie. Solche Momente hätten für mich sehr viel glaubwürdiger gewirkt.

Dann wäre Bear für mich wirklich tragisch gewesen. So hatte ich öfter das Gefühl, dass er vor allem deshalb bleibt, weil die Geschichte es so braucht. Das ist kein riesiger Unterschied, aber für mich ein entscheidender.
 
Aber prinzipiell ist Bear der Böse in der Geschichte (zumindest nach dem Wunsch).

Das ist für mich sogar einer der spannendsten Gedanken des Films.

Durch fen Zauber, ist Nikki letztlich nicht die Täterin, sondern das erste Opfer. Ihre Gefühle und ihr Wille werden von außen manipuliert. Sie liebt Bear nicht freiwillig, sondern weil er genau das erzwingen wollte. Damit beraubt er sie ihrer Selbstbestimmung.

In diesem Licht wirkt der Film plötzlich ganz anders. Vieles, was Nikki später tut, entspringt dann nicht ihrer eigenen Persönlichkeit, sondern ist die Konsequenz eines Wunsches, den Bear ausgesprochen hat. Er zwingt ihr eine Liebe auf, die sie sich nie ausgesucht hätte. Dass diese Liebe schließlich ins Obsessive und Zerstörerische kippt, ist letztlich die pervertierte Erfüllung seines eigenen Wunsches.

Nikki richtet zwar den größten sichtbaren Schaden an, handelt aber unter dem Einfluss einer Manipulation, die Bear ausgelöst hat. Er nimmt ihr ihren freien Willen und macht sie damit sowohl psychisch als auch körperlich zum Objekt seiner Wünsche. So gesehen missbraucht er sie, auch wenn ihm die Tragweite seines Handelns anfangs vermutlich gar nicht bewusst ist.

Gerade deshalb finde ich den Film im Nachhinein interessanter, als ich ihn während des Schauens empfunden habe. Die eigentliche Tragödie besteht gar nicht darin, dass Bear von einer besessenen Frau verfolgt wird. Sie besteht darin, dass sein egoistischer Wunsch einen anderen Menschen seiner Freiheit beraubt und dadurch beide ins Unglück stürzt.

Für mich macht genau das Bear zur zentralen Verantwortungsträgerfigur der Geschichte. Nicht, weil Nikki keine gefährlichen Taten begeht, sondern weil er die Ursache dafür setzt.
 
The Furious

Der Film wird ja gerade von Zusehern und Kritikern sehr gelobt. Tatsächlich fand ich die Matrial-Arts-Action im Stil von "The Raid" sehr gut. Die Choreographien sind toll und die Action ist schön Old School. Es gibt einiges an Gore, aber in einem erträglichem Rahmen.

Viele Matrial-Arts-Filme haben das Problem, dass sie nur sehr wenig Story haben, gerade genug um die Kämpfe zu verbinden und, dass die Filme emotional kaum zugänglich sind. Zwar ist die Story rund um den stummen Vater und den Cop im Kampf gegen einen Kinderhändlerring jetzt auch nicht gross tiefgründig, aber emotional greifbarerer, als man es von solchen Filmen gewöhnt ist.

Rainy nervt zwar etwas und warum sie den humpelnden Jungen (der sie in die Falle gelockt hat) als Freund betrachtet, dem sie sogar anbietet, bei ihnen zu wohnen, erschliesst sich mir nicht, aber trotzdem war die Kleine süss.

Insgesamt halte ich den Film jetzt nicht für ein absolutes Meisterwerk (bin auch nicht der grosse Matrial-Arts-Fan), aber er war schon für knapp 2 Stunden sehr unterhaltsam.

7 von 10 Punkten
 
Geht mir ganz genauso!

Der Regisseur hat übrigens gesagt, dass die One Wish Willows nicht grundsätzlich böse sind (wie es z.B. Wishmaster war), sondern der Wunsch einfach schlecht formuliert wurde.

Wobei letztlich jeder Wunsch, dessen Erfüllung vom Verhalten eines anderen Menschen abhängt, zwangsläufig in dessen Freiheit eingreift. Sobald der Wunsch nicht die eigenen Umstände, sondern den Willen eines anderen verändert, wird dieser Mensch manipuliert und seiner Selbstbestimmung beraubt.
 
Minions & Monsters

Ich bin absolut kein Fan der Minions und ihres Humors. Ich halte sie für extrem unlustig und nervig. Trotzdem empfand ich den Trailer für deren 3ten Solo-Film recht lustig.

Tatsächlich ist es meiner Meinung nach deren bester Solo-Film geworden. Das liegt vor allem an den vielen liebevollen Anspielungen auf das alte Hollywood. Das Hollywood-Museum zu Beginn war ebenfalls recht lustig (George Lucas als Ausstellungsstück). Von dem her gefiel mir die erste Hälfte des Films überraschend gut.

Die zweite, wo Hollywood eher in den Hintergrund tritt und es eher um die titelgebenden Monster geht, hat mir aber nicht wirklich gefallen. Viel zu actionlastig, kaum eine Story und die Minions sind nervig wie eh und je.

Dass diesmal die Original-Charaktere erst in der Post-Credit-Szene auftauchen, hat mir auch nur bedingt gefallen. Wobei man von Charakteren bei den Minions sowieso kaum sprechen kann und ob die Hauptfigur nun Kevin oder irgend ein James ist, ist letztlich im Grunde egal.

Insgesamt werde ich mit der Reihe weiterhin nicht warm, auch wenn ich diesmal als Film-Nerd zumindest ein paar mal schmunzeln musste.

2 von 10 Punkten




Vaiana / Moana (2026)

Im Grunde der Animationsfilm noch einmal, nur mit diesmal realen Aufnahmen neben viel CGI. Wenigstens gab es dadurch keine Verschlimmbesserungen, aber die Daseinsberechtigung eines Remakes nur 10 Jahre nach dem Original-Film bleibt zweifelhaft.

Catherine Laga’aia als Moana ist einfach nur süss. Dwayne Johnson sieht mit Haaren zwar gewöhnungsbedürftig aus, aber sein Maui ist gewohnt gut. Die bekannten Songs sind und bleiben Ohrwürmer. Die Effekte pendeln zwischen echt gut und CGI-Overkill.

Eigentlich ist der Film sehr gut, war dies die kopierte Animationsfilm-Fassung ja auch. Punkteabzug gibt es allerdings für mangelnde Kreativität und fehlendes Alleinstellungsmerkmal.

6 von 10 Punkten
 
Mein zuletzt gekaufter Film ist die 4k Box von allen Nightmare on Elm Street Filmen. Die Box kostet teuer Geld und war bei Amazon von 134 auf 99 Euro heruntergesetzt. Also habe ich ausnahmsweise bei Amazon gekauft.

Ich bekomme das Paket, die Box ist eingeschweißt. Ich öffne die Box und sehe dass das die Blurays drin sind, nicht die 4k Discs. Blurays sind in dieser Edition gar nicht dabei. Das muss man sich mal vorstellen...Amazon schickt Gebrauchte Ware anstatt NEUWARE und kontrolliert diese nicht mal? Ich musste wirklich 5 mal in die Box schauen und es kontrollieren...ich war total baff o_O
 
Zum Glück lässt sich das reklamieren, aber der Aufwand und die Enttäuschung bleiben.

Kam die Ware direkt von Amazon oder von einem Händler, der Amazon zum Verkauf nutzt?
 
Eben aus dem Kino und in OBSESSION gewesen. Wirklich ein gruselig unterhaltsamer Streifen mit ganz eigenem Creep und einer tollen Atmosphäre. Vor allem die Hauptdarstellerin hat mich überzeugt und Curry Barkers Linie kommt auch in seinem Kino-Debüt klar raus. Top inszeniert. 8/10
 
Chéri, ich komme! – Die Erfindung der Lust
Eine Komödie über die Erfindung eines Sexspielzeugs klingt erstmal nach vielen schlüpfrigen Witzen. Reem Kherici macht daraus aber etwas anderes. Im Mittelpunkt steht nicht das Produkt, sondern eine Ehe, in der nach zwanzig Jahren endlich ehrlich miteinander gesprochen wird.

Der Auslöser ist simpel und trifft trotzdem ins Schwarze. Fanny sagt ihrem Mann Tom, dass sie in all den Jahren noch nie einen Orgasmus hatte. Daraus hätte leicht ein Streit werden können. Stattdessen geht der Film einen anderen Weg. Die beiden driften nicht auseinander, sondern versuchen, das Problem gemeinsam anzugehen. Aus gekränktem Stolz wird Neugier, aus Schweigen ein echtes Gespräch.

Dass Tom Ingenieur ist, passt gut zur Geschichte. Er versucht erst einmal, das Ganze technisch zu lösen. Seine Erfindung entsteht aber nicht aus Ego oder Geschäftssinn, sondern weil er seiner Frau wirklich helfen will. Gleichzeitig zeigt der Film klar: Die eigentliche Veränderung passiert nicht durch ein Gerät, sondern dadurch, dass Fanny ihre eigenen Bedürfnisse ernst nimmt. Das hält die Geschichte angenehm bodenständig.

Der Ton des Films ist locker und leicht. Klar, manche Gags sieht man kommen, aber sie funktionieren trotzdem, weil sie aus den Figuren heraus entstehen. Vor allem die peinlichen Alltagssituationen sind oft ziemlich treffend und wirken nie überzogen. Der Film macht sich nicht über Sex lustig, sondern über die Unsicherheit, die viele damit haben.

Positiv fällt auch auf, wie entspannt der Film mit seinem Thema umgeht. Obwohl viel über Sex, Masturbation und Spielzeuge gesprochen wird, bleibt alles ziemlich zurückhaltend inszeniert. Es gibt keine aufdringlichen Bilder, stattdessen lebt vieles von Blicken, kleinen Gesten und dem Zusammenspiel der Figuren. Dadurch wirkt das Ganze weder billig noch belehrend.

Alexandra Lamy und François Cluzet tragen den Film fast allein. Sie spielen unaufgeregt und glaubwürdig, Gerade das macht ihre Figuren nahbar. Man nimmt ihnen diese lange Ehe mit all ihren Gewohnheiten und kleinen Problemen sofort ab.

Ganz rund ist der Film aber nicht. Einige Nebenfiguren bleiben blass, und die Sache mit dem Hausverkauf wirkt eher wie ein Nebenbei-Thema. Auch das Ende kommt etwas schnell, weil die Entwicklung der Erfindung und ihr Erfolg ziemlich knapp abgehandelt werden.
 
Ich habe gestern „Obsession“ gesehen und fand ihn sehr gut.

Ein Großteil wurde schon von anderen gesagt, aber hier nur zwei Anmerkungen;

- Dass Bear bis zum Schluss geblieben ist hatte denke ich sehr mit seinen Schuldgefühlen zu tun. Er wusste innerlich von Anfang an dass Nikkis Verhalten mit seinem Wunsch zu tun hatte und fühlte sich ihr gegenüber daher stark verpflichtet. Für mich vollkommen nachvollziehbar. Es gab ja ohnehin auch starke Hinweise im Film dass Bear eigene sehr starke psychische Probleme hatte, was seine Fähigkeit, rationale Entscheidungen zu treffen, sicher noch weiter einschränkte.

- Dass der Party Abend keine Konsequenz mit sich trug: Nun ja, so einfach kommt man halt nunmal nicht in psychiatrische Behandlung, gerade in den USA, wo man für den Großteil der Healthcare selbst zahlen muss, finde ich es nicht unrealistisch dass man selbst nach so einem Ausraster einfach wieder nach Hause geschickt wird. Eine psychiatrische Behandlung hätte im Falle von Nikki ja auch gar nichts gebracht. Wieso Bear keine Konsequenzen daraus zog: Siehe oben.
 
The Invite
Die Grundidee von The Invite macht sofort neugierig. Zwei Nachbarpaare verbringen einen gemeinsamen Abend, der sich Schritt für Schritt von höflichem Kennenlernen zu einem Schlagabtausch über Beziehungen, Frustrationen und sexuelle Offenheit entwickelt. Aus dieser Konstellation hätte eine messerscharfe Beziehungskomödie entstehen können, die ihre Figuren ebenso präzise seziert wie ihre Zuschauer zum Lachen bringt.

Olivia Wilde zeigt dabei erneut, dass sie ihr Handwerk beherrscht. Obwohl sich die Handlung fast vollständig auf einen einzigen Schauplatz beschränkt, wirkt das Geschehen nie statisch. Kamera, Montage und Bildgestaltung verleihen dem Kammerspiel einen angenehmen Rhythmus und sorgen dafür, dass der Film auch dann in Bewegung bleibt, wenn lediglich gesprochen wird.

Auch die Besetzung trägt ihren Teil dazu bei. Edward Norton und Penélope Cruz bringen genau die Mischung aus Selbstbewusstsein, Charme und leichter Provokation mit, die ihre Figuren benötigen. Seth Rogen und Olivia Wilde harmonieren ebenfalls, schaffen es jedoch nicht ganz, ihrer angeschlagenen Beziehung die emotionale Tiefe zu verleihen, die das Drehbuch anstrebt.

Genau dort liegen meiner Meinung nach die größten Probleme.

Die Dialoge wollen scharfzüngig und spontan wirken, klingen aber häufig kalkuliert. Pointen werden nicht gesetzt, sondern überdehnt. Manche Gags verlieren ihre Wirkung, weil der Film ihnen nicht vertraut und sie zu lange auskostet. Was wie authentisches Durcheinander wirken soll, erinnert dadurch eher an sorgfältig konstruierte Schlagabtausche.

Hinzu kommt, dass The Invite nie ganz entscheidet, welcher Film er eigentlich sein möchte. Mal präsentiert er sich als bissige Komödie, kurz darauf schlägt er ernstere Töne an und versucht, eine festgefahrene Ehe differenziert zu beleuchten. Beides funktioniert für sich genommen durchaus, doch der Wechsel zwischen den Tonlagen wirkt oft holprig. Gerade dann, wenn die Figuren an Kontur gewinnen könnten, lenkt der Film wieder in Richtung Humor.

So bleibt auch die Beziehung des Hauptpaares erstaunlich blass. Ihre Krise ist nachvollziehbar, entwickelt aber kaum emotionale Wucht. Man versteht die Ursachen, fühlt ihre Konsequenzen jedoch nur selten.

Das ist umso bedauerlicher, weil die Ausgangslage deutlich mehr hergegeben hätte. Aus den Spannungen zwischen den Figuren entsteht zwar immer wieder kurzzeitig echtes Interesse, doch der Film scheut letztlich die Konsequenz, seine Konflikte wirklich auszureizen. Statt scharf zu beobachten oder nachhaltig zu treffen, begnügt er sich meist mit gefälliger Unterhaltung.
 
Was haben wir gelacht
Im Mittelpunkt stehen Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Gaby Köster, Esther Schweins und Bettina Böttinger. Fünf Frauen, die auf sehr unterschiedliche Weise ihren Platz im deutschen Fernsehen gefunden haben und dabei in einer Welt bestehen mussten, die noch sehr viel stärker von Männern geprägt war als heute. Frauen waren zwar im Fernsehen präsent, häufig aber als Assistentinnen, schmückendes Beiwerk oder als Zielscheibe für anzügliche Pointen. Dass Frauen selbst bestimmten, worüber gelacht wurde, war keineswegs selbstverständlich.

Gerade das Archivmaterial ist teilweise erstaunlich. Vieles hatte ich durchaus noch als typisch für die damalige Zeit in Erinnerung, aber in dieser geballten Form wirkt manches erheblich befremdlicher. Besonders Thomas Gottschalk fällt dabei auf. Wie selbstverständlich er weibliche Gäste anfasst, ihnen ans Knie fasst, sie umarmt oder ihr Aussehen kommentiert, wirkt heute geradezu grotesk. Natürlich wusste man auch damals, dass Gottschalk sehr körperlich mit seinen Gästen umging. Wenn aber Szene auf Szene folgt, bekommt das Ganze eine andere Wirkung.

Wichtig ist mir allerdings ein Punkt, der in der Dokumentation untergeht: Man sollte nicht den Eindruck erwecken, all das sei damals vollkommen widerspruchslos hingenommen worden und werde erst mit den moralischen Maßstäben unserer Gegenwart problematisiert. Schon zu ihrer aktiven Zeit wurde über Thomas Gottschalks Umgang mit Frauen kontrovers diskutiert. Auch Harald Schmidts gezielte Grenzüberschreitungen und Provokationen waren keineswegs unumstritten, ebenso wenig Stefan Raabs teilweise ausgesprochen rücksichtsloser Humor auf Kosten anderer Menschen. Die gesellschaftliche Sensibilität war eine andere und die Kritik hatte längst nicht die Durchschlagskraft, die sie heute vermutlich hätte. Aber es gab sie. Gerade deshalb wäre es zu einfach, sämtliche problematischen Auswüchse des damaligen Fernsehens mit einem pauschalen „Das waren eben andere Zeiten“ abzuhaken.

Besonders unangenehm sind für mich einige Ausschnitte mit Harald Schmidt. Sein Witz über Bettina Böttinger, die angeblich wie bestimmte Gegenstände von keinem Mann angefasst werden wolle, ist nicht nur geschmacklos, sondern schlicht verletzend. Bemerkenswert ist Böttingers Reaktion darauf. Sie geht später in seine Sendung, erklärt ihm vor laufender Kamera, dass sie der Witz verletzt habe, und verlässt anschließend das Studio. Das gehört für mich zu den stärksten Momenten der Dokumentation. Vor allem macht die Szene deutlich, wie bequem es sich derjenige machen kann, der die Lacher auf seiner Seite hat. Der Betroffene steht dagegen vor einem Dilemma: Lacht er mit, legitimiert er die eigene Demütigung ein Stück weit. Wehrt er sich, droht sofort der Vorwurf, keinen Humor zu haben.

Dabei macht es sich Was haben wir gelacht erfreulicherweise nicht ganz so einfach, wie man zunächst denken könnte. Besonders interessant fand ich die Momente, in denen die Frauen selbst auf ihre Vergangenheit schauen und nicht automatisch alles verteidigen, was sie damals gemacht haben. Maren Kroymann etwa betrachtet einige eigene Witze über Verona Feldbusch heute deutlich kritischer. Gerade hier wird der Film für mich besonders spannend. Denn plötzlich geht es nicht mehr nur darum, wie Männer Frauen behandelt haben, sondern auch darum, wie stark alle Beteiligten von bestimmten gesellschaftlichen Vorstellungen geprägt waren.

Überhaupt sind die fünf Frauen das große Plus des Films. Hella von Sinnen kann sich noch heute über Erlebnisse aus ihrer Anfangszeit im Karneval aufregen. Kroymann analysiert vieles ausgesprochen präzise und bringt einige der interessantesten Gedanken des Films auf den Punkt. Esther Schweins wirkt bei manchen alten Aufnahmen geradezu körperlich unwohl. Gaby Köster geht gewohnt direkt mit ihrer Vergangenheit um und Bettina Böttinger lässt erkennen, dass manche Verletzungen eben nicht einfach verschwinden, nur weil inzwischen dreißig Jahre vergangen sind.

Sehr gelungen ist auch die Montage. Die Frauen wurden einzeln interviewt, trotzdem wirken ihre Aussagen immer wieder wie ein gemeinsames Gespräch. Eine erzählt etwas, eine andere reagiert auf einen Ausschnitt oder ergänzt aus ihrer eigenen Erfahrung. Dadurch bleibt der Film trotz seines recht einfachen Aufbaus erstaunlich lebendig.

Ganz unproblematisch finde ich ihn allerdings nicht. Mir fehlt stellenweise etwas die historische Einordnung. Es reicht letztlich nicht, nur festzustellen, dass bestimmte Dinge damals verbreitet waren und heute anders bewertet werden. Mich hätte stärker interessiert, warum dieser Humor damals so gut funktioniert hat. Schließlich saßen nicht nur Männer vor dem Fernseher. Millionen Frauen haben „Wetten, dass..?“, Harald Schmidt oder andere Unterhaltungssendungen ebenfalls gesehen. Welche gesellschaftlichen Vorstellungen standen dahinter? Warum setzte sich Kritik nur langsam durch? Und welchen Anteil hatte wiederum das Fernsehen daran, bestimmte Vorstellungen und Verhaltensweisen immer weiter zu reproduzieren? Gerade weil es bereits damals Widerspruch gab, wäre es interessant gewesen zu untersuchen, weshalb dieser so wenig verändern konnte.

Trotz dieser Einwände finde ich Was haben wir gelacht sehr interessant. Die Dokumentation funktioniert als Zeitreise, als Stück Fernsehgeschichte und als Rückblick auf einen gesellschaftlichen Wandel. Vor allem aber macht sie deutlich, dass Humor niemals völlig harmlos ist. Wer bestimmt, worüber gelacht wird, besitzt auch ein Stück Macht. Und wer ständig selbst die Pointe ist, wird irgendwann zwangsläufig anders über Humor denken als derjenige, der die Pointen setzt.

Dieser Gedanke dürfte übrigens auch vielen Schülerinnen und Schülern sehr vertraut sein, selbst wenn sie ihn vielleicht nie so formulieren würden. Auf nahezu jedem Schulhof und in vielen Klassen gibt es die vermeintlich lustigen Bemerkungen über Aussehen, Kleidung, Herkunft, Stimme, Körper oder irgendwelche persönlichen Eigenheiten. Solange die Klasse lacht, kann sich derjenige, der den Spruch gemacht hat, darauf zurückziehen, es sei doch nur Spaß gewesen. Für den Menschen, über den jeden Tag gelacht wird, ist es irgendwann keiner mehr. Aus einem einzelnen Witz kann eine Gruppendynamik entstehen, in der sich einer auf Kosten eines anderen Anerkennung verschafft. Gerade solche Mechanismen können enormes Leid verursachen. In diesem Punkt erzählt Was haben wir gelacht deshalb keineswegs nur von einer vergangenen Fernsehlandschaft. Die Frage, wer über wen lachen darf, wer die Lacher auf seiner Seite hat und wer sich gegen einen vermeintlichen Spaß kaum wehren kann, ohne anschließend als humorlos dazustehen, ist nach wie vor aktuell.

Nach dem Film sieht man manche Ikonen des damaligen Fernsehens tatsächlich mit anderen Augen. Dabei muss man nicht so tun, als hätten wir erst heute entdeckt, dass bestimmte Formen von Humor verletzend sein können. Vieles wurde schon damals kritisiert. Geändert hat sich vor allem, dass Betroffene heute eher Gehör finden und der Satz War doch nur Spaß nicht mehr automatisch jede Grenzüberschreitung entschuldigt.

Was haben wir gelacht ist für mich deshalb keine bloße Abrechnung mit einer vergangenen Fernsehgeneration, sondern vor allem ein interessanter Blick darauf, wie sich gesellschaftliche Maßstäbe verändern und wie lange es dauern kann, bis vorhandene Kritik tatsächlich etwas bewirkt. Ein paar analytische Schritte weiter hätte der Film ruhig gehen dürfen. Sehenswert ist er trotzdem unbedingt.
 
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