Zuletzt gekaufter/gesehener Film - Allgemeiner Filmthread

Macht Culkin überhaupt noch Filme ? Er scheint ja echt die Kurve gekrazt zu haben, von Drogen weg sieht wieder sehr gesund aus + Wunderschöne Frau. Ich würde ihm die Ruhe gönnen. Besser weit weg von Hoolywood bleiben.
 
Macht Culkin überhaupt noch Filme ? Er scheint ja echt die Kurve gekrazt zu haben, von Drogen weg sieht wieder sehr gesund aus + Wunderschöne Frau. Ich würde ihm die Ruhe gönnen. Besser weit weg von Hoolywood bleiben.
Jo, im Prinzip hast du recht. Aber er liebäugelt ja immer noch ab und zu mit dieser Rolle, von daher wäre das vielleicht eine schöne Möglichkeit, mit dieser Rolle abzuschließen. Aber da spricht halt der Fan der ersten zwei Teile aus mir.
 
Heute habe ich „Wieder allein zu Hause“ gesehen („Home Alone 3“). Ein Film zum vergessen. Im Grunde Teil 1 und 2 mit brutaleren Fallen und einem unnötigem Side Plot. Die Formel hat sich halt 1997 schon abgenutzt.

Ehrlich gesagt war mir bis eben gar nicht (mehr) bewusst, dass die Home Alone Reihe tatsächlich fünf Filme umfasst. Entweder habe ich diese Tatsache all die Jahre erfolgreich verdrängt oder mein inneres Archiv hat nach Teil zwei schlicht den Rollladen heruntergelassen.

Ich habe tatsächlich erst vor ein paar Wochen erfahren, dass es überhaupt einen 3ten Film gibt.


Das man es inzwischen geschafft hat, das doch recht simple Konzept auf ganze 5 Filme zu strecken, ist irgendwie auch ne Leistung
 
Jo, im Prinzip hast du recht. Aber er liebäugelt ja immer noch ab und zu mit dieser Rolle, von daher wäre das vielleicht eine schöne Möglichkeit, mit dieser Rolle abzuschließen. Aber da spricht halt der Fan der ersten zwei Teile aus mir.
Da wir gerade davon sprachen, rate mal wer in Fallout auftaucht XD
 

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Die Formel hat sich halt 1997 schon abgenutzt.

Im Grunde war die Formel bereits 1990 auserzählt. :klugs

Das einzige, was ich heutzutage vielleicht noch halbwegs cool fände, wäre ein Revival, in dem dann Macaulay Culkin den Vater oder einen Gauner spielt.

Die zweite Option wäre wirklich mutig, wird aber im amerikanischen Mainstream-Kino wohl so niemals vorkommen. Dafür tut Kevin in Teil eins einfach zu viel um das US-amerikanische Leben der gehobenen (weißen) Mittelschicht in den Suburbs zu verteidigen, als dass er 35 Jahre später selbst zum Gauner werden könnte. Wobei allein die Vorstellung natürlich reizvoll wäre. Man könnte zB einen Twist einbauen, bei dem verschreibungspflichtige Opiate eine Rolle spielen, um Kevins Abrutschen in die Kriminalität zu schildern, aber dann wäre as wohl keine Komödie mehr. :konfus:

C.
 
Selbst ein „Starship Troopers“ hat es auf mittlerweile 5 Filme geschafft.:kaw:

Da gibt es einige Filmreihen, das war die Zeit der günstigen Heimkino-Fortsetzungen. Wenigstens lief es nicht wie bei den Fortsetzungen von Lake Placid, wo man das fehlende Geld für Effekte durch (weibliche) Nacktheit und Sex-Szenen kompensiert hat :roll: . Denen ist ja nix heilig.

Der neuste Home Sweet Home Alone (2021) hat dafür eine seltsame Prämisse. Die "Räuber" sind in dem Fall ein Ehepaar mit großen Existenzängsten, da der Ehemann seinen Job verloren hat und sie aus finanzieller Not heraus ihr Haus verkaufen müssen. Ganz unverhofft stellt sich bei einer Hausbesichtung heraus, dass eine Puppe in ihrem Besitz sehr wervoll sei und sich damit ihre Probleme lösen könnten. Diese Puppe verschwindet dann und Max (der neue Kevin) gerät in Verdacht, weshalb sie hinter ihm her sind und im etablierten Einbruch-Szenario landen. Also im Grunde sind die Eltern die "Guten", welche nur ihr Leben (+ das ihrer Kinder) absichern wollen und der kleine Scheißer versucht sie zu töten.

Keine Ahnung, was man sich dabei gedacht hat. Vermutlich nicht viel.

Die zweite Option wäre wirklich mutig, wird aber im amerikanischen Mainstream-Kino wohl so niemals vorkommen. Dafür tut Kevin in Teil eins einfach zu viel um das US-amerikanische Leben der gehobenen (weißen) Mittelschicht in den Suburbs zu verteidigen, als dass er 35 Jahre später selbst zum Gauner werden könnte. Wobei allein die Vorstellung natürlich reizvoll wäre. Man könnte zB einen Twist einbauen, bei dem verschreibungspflichtige Opiate eine Rolle spielen, um Kevins Abrutschen in die Kriminalität zu schildern, aber dann wäre as wohl keine Komödie mehr.

Heutzutage ist doch fast alles möglich, und sei es bei einem Streamer. Klingt aber ehrlicherweise mehr nach einer South Park-Folge.
 
Im Grunde war die Formel bereits 1990 auserzählt. :klugs



Die zweite Option wäre wirklich mutig, wird aber im amerikanischen Mainstream-Kino wohl so niemals vorkommen. Dafür tut Kevin in Teil eins einfach zu viel um das US-amerikanische Leben der gehobenen (weißen) Mittelschicht in den Suburbs zu verteidigen, als dass er 35 Jahre später selbst zum Gauner werden könnte. Wobei allein die Vorstellung natürlich reizvoll wäre. Man könnte zB einen Twist einbauen, bei dem verschreibungspflichtige Opiate eine Rolle spielen, um Kevins Abrutschen in die Kriminalität zu schildern, aber dann wäre as wohl keine Komödie mehr. :konfus:

C.
Naja. Ich bin ja zugegeben Fan der viralen Fan Theorie, demnach Kevin der Jigsaw Killer aus „Saw“ ist. ;)
 
Sentimental Value
Sentimental Value erzählt von einer Familie, die sich nach langer Zeit wieder begegnet und dabei merkt, wie viel ungelöst geblieben ist. Im Mittelpunkt steht Nora, eine Theaterschauspielerin, die nach außen kontrolliert wirkt, innerlich aber von starken Ängsten bestimmt wird. Gleich zu Beginn zeigt der Film sie kurz vor einem Bühnenauftritt in einem Zustand völliger Überforderung. Diese Szene ist intensiv gespielt und bleibt im Gedächtnis.

Sie setzt allerdings einen Maßstab, den der Film später nur noch selten erreicht.

Der zentrale Konflikt liegt in Noras Verhältnis zu ihrem Vater Gustav. Er war früher ein angesehener Regisseur, privat jedoch kaum präsent. Nach dem Tod der Mutter taucht er wieder auf und bittet Nora, die Hauptrolle in seinem neuen Film zu übernehmen. Das Drehbuch ist autobiografisch gefärbt und wirkt wie ein Versuch, Nähe herzustellen. Für Gustav ist es Kunst und Wiedergutmachung zugleich. Für Nora fühlt es sich eher nach Vereinnahmung an. Ihre Ablehnung ist nachvollziehbar und konsequent.

Der Film zeigt diese Spannungen meist ohne offene Auseinandersetzungen. Stattdessen dominieren Schweigen, Ausweichen und angespannte Höflichkeit. Gespräche verlaufen im Sande, Blicke sagen mehr als Worte. Das ist oft realistisch, aber auf Dauer auch ermüdend. Man hat das Gefühl, dass der Film bewusst um klare Zuspitzungen herumarbeitet.

Dabei verfügt Sentimental Value durchaus über eine Reihe starker, intensiv gespielter Szenen. Immer wieder gibt es Momente, in denen Schmerz, Wut oder Sehnsucht kurz offen zutage treten. Das Spiel ist durchweg überzeugend, stellenweise sogar herausragend. Gerade darin liegt eine der großen Stärken des Films.

Als Ersatz für Nora engagiert Gustav die amerikanische Schauspielerin Rachel. Diese Figur bringt eine andere Offenheit mit. Sie ist unsicher, emotional zugänglich und spürbar bemüht, den Erwartungen zu entsprechen. In ihrer Beziehung zu Gustav wird deutlich, wie sehr er Bestätigung sucht und wie schnell sich künstlerische Zusammenarbeit und persönliche Abhängigkeit vermischen. Diese Szenen wirken lebendiger und direkter als viele der familiären Begegnungen.

Die Inszenierung bleibt insgesamt zurückhaltend. Auch erzählerisch wird viel angedeutet, aber wenig vertieft. Rückblicke auf frühere Generationen und familiäre Traumata werden angerissen, ohne wirklich Konsequenzen für die Gegenwart zu entwickeln.

Neben Nora fällt ihre Schwester Agnes besonders auf. Hinter ihrer scheinbar stabilen Lebensführung liegt eine stille Traurigkeit, die der Film nur beiläufig streift. Auch das alte Familienhaus spielt eine wichtige Rolle. Es steht für das, was sich über Jahre angestaut hat und nie ausgesprochen wurde.

So bleibt Sentimental Value am Ende für mich ein Film mit vielen guten Einzelmomenten, starken Darstellern und einer ernsten, tragfähigen Thematik. Als Ganzes hat er mich jedoch nicht so gefangen genommen, wie es dieses Thema eigentlich hergeben müsste. Zu oft verharrt er im Andeuten und im vorsichtigen Umkreisen seiner Figuren. Ich spüre das Potenzial, aber es wird nicht für mich nicht vollständig eingelöst.
 
Der Gott des Gemetzels (2011)

Ein kurzes Kammerspiel, das zeigt wie eine kurze Auseinandersetzung zwischen zwei Kindern bei deren Eltern innerhalb kürzester Zeit zur Eskalation führt.

Die Dialoge sind herrlich, allen voran Jodi Foster und Christoph Waltz brillieren in ihren Rollen als abgeklärter Zyniker und "Gutmensch".

Die Adaption von Yasmina Rezas berühmten Bühnenstück geht dabei weit über "Elternfragen" hinaus und hält uns immer wieder mit sprachlicher Präzision und Situationskomik den Spiegel vor.

10 von 10 ausgesetzten Hamstern
 
„Der Tiger (2025)“

„Eine Panzerbesatzung muss auf eine gefährliche Mission hinter den feindlichen Linien.“

In diesem Film begleitet der Zuschauer eine fünfköpfige Besatzung eines Tigerpanzers auf ihrem Weg ins feindliche Hinterland. Aber im Gegensatz zu dem Film „Lebanon (2009)“, um mal einen ähnlichen Film zu nennen, der ja fast ausschließlich im Innern des Panzers spielt und beinahe einem Kammerspiel gleichkommt, wird hier auch viel vom Feindesland gezeigt. Ein wenig mehr Ähnlichkeiten weist da schon der US-Film „Bestie Krieg (1988)“ auf.

Das nur mal so am Rande erwähnt.

Der Tiger bietet starke Bilder, eine beklemmende Atmosphäre und ein überzeugendes und authentisches Zusammenspiel der fünf Hauptdarsteller.

Mir persönlich hat das Ende gar nicht mal so gestört. Hier scheint es Raum für Interpretationen zu geben.

9/10
 
Ich habe Der Tiger inzwischen dreimal gesehen, zweimal im Kino und einmal im Stream.

Was mich von Anfang an überzeugt hat, ist die dichte und glaubwürdige Darstellung des Krieges aus einer extrem begrenzten Perspektive. Der Film spielt fast vollständig im Inneren eines Tiger-Panzers. Diese räumliche Enge erzeugt eine Beklemmung, die sich nicht abschütteln lässt. Hitze, Lärm, Dreck und permanente Bedrohung sind ständig präsent. Ich hatte nie das Gefühl, einer konstruierten Filmsituation zuzusehen. Der Panzer wirkt wie ein realer Arbeits- und Überlebensraum, der die Figuren formt und gleichzeitig zermürbt.

Besonders stark finde ich, wie der Film seine Soldaten zeigt. Es gibt keine Helden, keine großen Gesten und keine pathetischen Reden. Stattdessen sehe ich Menschen, die Angst haben, erschöpft sind und innerlich unter Druck stehen. Die Figuren unterscheiden sich klar voneinander, ohne künstlich überzeichnet zu wirken. Das Ensemble spielt zurückhaltend und genau deshalb glaubwürdig. Emotionen werden nicht ausgestellt, sondern entstehen aus Situationen und Blicken.

Der Film funktioniert auch beim wiederholten Sehen. Filme mit einem Twist laufen oft Gefahr, beim zweiten oder dritten Mal an Spannung zu verlieren, weil man weiß, worauf alles hinausläuft. Genau das passiert hier nicht. Der Tiger lebt nicht von einer Überraschung, sondern von Atmosphäre, Figuren und innerer Spannung. Diese Elemente tragen den Film auch dann, wenn man jede Szene kennt.

Inhaltlich nehme ich den Film klar als Antikriegsfilm wahr, allerdings ohne erhobenen Zeigefinger. Krieg erscheint hier nicht als Bühne für Mut oder Opferbereitschaft, sondern als Zustand permanenter Überforderung. Schuld, Gewissen und Abstumpfung stehen im Raum, ohne aufgelöst zu werden. Dass der Film diese Fragen offenlässt, empfinde ich als Stärke. Für mich ist Der Tiger ein konzentrierter, ernster Anti-Kriegsfilm, der nicht beeindrucken will, sondern nachvollziehbar macht, und der gerade dadurch auch beim dritten Sehen nichts von seiner Wirkung verliert.
 
Zuletzt bearbeitet:
„Alle Teufel sind hier (2025)“

„Nach einem erfolgreichen Raubüberfall warten vier Verbrecher in einem entlegenen Landhaus auf weitere Anweisungen ihres Bosses. Doch je länger sie dort ausharren müssen, desto paranoider werden alle.“

Ein düsteres Landhaus als Handlungsort, bis auf wenige Ausnahmen, vier unterschiedliche Kriminelle, ein Haufen Geld – mehr braucht es nicht für einen kleinen, packenden Film.

Es war schon witzig zu sehen, wie die vier Typen sich die Zeit vertreiben müssen, jeder auf seine eigene Art, während ihnen langsam die Decke auf den Kopf fällt. Dazu die Abgeschiedenheit und die düstere Atmosphäre dieses alten Gebäudes. Sehr stimmungsvoll und spannend.

So im Nachhinein betrachtet, erinnert der Film auch ein klein wenig an „The Hateful Eight“. Aber das soll den Film in keiner Weise schmälern.

Ein kleines, spannendes Kammerspiel.

9/10

„Fear Below (2025)“

„In den 1940er-Jahren in Australien… Ein paar skrupellose Gangster beauftragen ein kleines Taucherteam, um die Ladung eines im Fluss versunkenen Autos zu bergen…“

Eigentlich halte ich ja nicht viel von Hai-Horrorfilmen, aber dieser war mal ganz anders, als die man so kennt. Kein weißer Hai, kein Meer, kein Schiff in Not oder Ähnliches.

Dieser hier spielt in Australien selber, viele Kilometer landeinwärts, ein ganzes Stück von der Küste entfernt. Das Monster ist ein sogenannter Bullenhai, der ja die Fähigkeiten besitzt, im Süßwasser zu überleben und Flüsse weit hinauf zu wandern.

Natürlich war auch hier nicht alles realistisch, wie das bei Tier-Horror nun mal ist, dafür gefällt das Setting und die einzelnen Charaktere umso mehr.

Ich hätte nicht gedacht, dass man aus Hai-Horror noch etwas „rausholen“ könnte.

Eine kleine, feine Produktion.

8/10
 
Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße (2025)

2019 jährt sich der Bau der Berliner Mauer zum 30. Mal. Das Gedenken an das Ereignis ist dabei längst in Routine erstarrt. Dem Chefredaktuer eines Nachrichtenmagazins kommt daher die angebliche große Entdeckung eines seiner Mitarbeiter gerade Recht: Am frühen Morgen des 23. Juni 1984 fuhr ein Ostberliner S-Bahn Zug mit 127 Passagieren unerwartet am Bahnhof Friedrichsstraße in den Westteil der Stadt. Der zuständige Redakteur hat über eine alte Stasi-Akte den damals zuständigen Stellwerksmeister Michael Hartung ausfindig gemacht, dem er der Story wegen unterstellt, die Aktion geplant zu haben. Hartung, der im Jahr 2019 noch immer eine Videothek im Prenzlauer Berg betreibt, die kurz vor der Pleite steht, spielt - angelockt vom Geldsegen, den ihm der Reporter verspricht - das Spiel mit, obwohl der Vorfall damals eine Mischung aus Zufall und Hartings Ungeschicklichkeit war. In der Folge zieht die Geschichte jedoch immer weitere Kreise, und der eigentlich grundsympathische Hartung verstrickt sich in eine ausufernde Lügengeschichte, was wiederrum Neider und Zweifler auf den Plan ruft.
Regiesseur Wolfgang Becker, der die Fertigstellung seines Werkes leider nicht mehr erleben durfte (er verstarb im Dezember 2024 nach Abschluss der Dreharbeiten), knüpft mit dem Film noch einmal einen seinen größten Erfolg "Good-Bye Lenin" an. Ihm gelingt ein ebenso witziger wie warmherziger und melancholischer Streifen, getragen von seinem Hauptdarsteller Charly Hübner, dem die Figur des liebenswerten Losers Hartung wie auf den Leib geschrieben ist. Eine wirklich gelungene deutsche Komödie, wie sie in der hiesigen Kinolandschaft eher selten vorkommt.

C.
 
Song Sung Blue
Die Geschichte von Song Sung Blue ist denkbar schlicht. Zwei Menschen, beide musikverrückt und weit entfernt vom Star-Dasein, finden zueinander und bauen sich mit einer Neil-Diamond-Tribute-Show ein gemeinsames Leben auf. Keine großen Karrieren, keine spektakulären Wendungen. Der Film vertraut darauf, dass diese Einfachheit trägt. Und erstaunlicherweise tut sie das.

In der ersten Hälfte fühlt sich der Film fast wie ein klassischer Wohlfühlfilm an.

Proben in der Garage. Erste kleine Auftritte. Vorsichtige Erfolge. Dieses langsame, behutsame Zusammenwachsen als Paar. Man lächelt viel, wippt innerlich mit und lässt sich von der Musik tragen. Der Gesang nimmt dabei einen großen Raum ein, was ausdrücklich positiv gemeint ist. Die Songs sind kein Beiwerk, sondern ein zentrales Ausdrucksmittel. Sie entstehen oft direkt aus der Handlung heraus, ersetzen Dialoge, vertiefen Gefühle und geben den Figuren eine Stimme, wo Worte nicht mehr ausreichen.

Getragen wird der Film fast vollständig von seinem Hauptdarsteller-Duo.

Hugh Jackman spielt Mike nicht als heimlichen Star, sondern als jemanden, der sehr genau weiß, wo sein Platz ist. Jackman singt hervorragend, nutzt seine Stimme aber nie, um sich selbst in den Vordergrund zu drängen. Gerade diese Selbstbegrenzung macht seine Figur glaubwürdig.

Kate Hudson ist das emotionale Zentrum des Films. Sie bringt Wärme, Verletzlichkeit und einen leisen Humor ein, der nie aufgesetzt wirkt. Auf der Bühne hat sie Präsenz, aber keinen Glamour im klassischen Sinn. In den schwierigen Momenten spielt sie das Leid nicht aus. Statt großer Gesten gibt es kleine Brüche. Blicke. Pausen. Ein Zögern vor dem nächsten Schritt. Die Chemie zwischen ihr und Jackman wirkt natürlich und nicht künstlich romantisiert. Man hat das Gefühl, zwei Menschen zuzusehen, die sich wirklich zuhören.

Dann kippt die Geschichte.

Ohne Vorwarnung reißt ein Unfall Claire aus dem Leben, das sie sich gerade erst aufgebaut hat. Die Leichtigkeit verschwindet, Depressionen brechen auf, und Mikes Hilflosigkeit wird plötzlich schmerzhaft greifbar. Der Film wechselt den Ton. Das ist riskant, denn diese Wendung könnte leicht ins Melodramatische abrutschen. Tut sie aber nicht. Vielleicht, weil man spürt, wie nah diese Geschichte an der Realität bleibt. Nichts wirkt kalkuliert oder zugespitzt. Es fühlt sich weniger wie eine dramaturgische Entscheidung an als wie etwas, das einfach passiert.

Die Songs von Neil Diamond werden dabei klug eingesetzt. Sie fungieren nicht als große Musical-Nummern, sondern als emotionales Echo der Figuren. Gerade der Titelsong wird zum Leitmotiv für Gemeinschaft und Hoffnung.

Positiv fällt auch auf, was der Film bewusst nicht sein will.

Kein klassisches Aufstiegsdrama.
Keine ironische Brechung.
Kein Zynismus.

Stattdessen erzählt er von Amateurmusikern, von Träumen im mittleren Lebensalter und von Beziehungen, die nicht perfekt sind, aber tragfähig. Dieser Fokus auf normale Menschen verleiht dem Film eine leise Würde.

Ganz frei von Schwächen ist der Film allerdings nicht.

Vor allem im Mittelteil hätte ihm eine leichte Straffung gutgetan. Einige Proben- und Auftrittsszenen wiederholen sich in ihrer Aussage, ohne neue Facetten hinzuzufügen. Man versteht früh, wie wichtig die Musik für beide ist, und dennoch verweilt der Film hier etwas länger als nötig. Das ist kein großes Problem, sorgt aber dafür, dass sich Song Sung Blue stellenweise etwas zu lang anfühlt.

Als der Abspann lief, saß ich trotzdem einen Moment länger auf meinem Platz. Nicht, weil der Film ein perfektes Ende hätte. Sondern weil er etwas sehr Menschliches zeigt. Dass es sich lohnen kann, weiterzumachen, auch wenn man weiß, dass man nie ganz ankommt. Song Sung Blue ist kein Film, der die Welt verändern will. Aber er macht sie für zwei Stunden ein bisschen erträglicher. Und manchmal reicht genau das.
 
Rental Family
Im Mittelpunkt steht Phillip. Brendan Fraser spielt ihn als amerikanischen Schauspieler, der seit Jahren in Tokio lebt und dort beruflich nie richtig Fuß gefasst hat. Keine große Karriere, keine festen Rollen, stattdessen Werbespots und gelegentliche Jobs, die mehr über Wasser halten als erfüllen. Was mich an dieser Figur sofort angesprochen hat, ist ihre Bodenständigkeit. Phillip ist weder ein gescheiterter Star noch ein klassischer Außenseiter. Er ist einfach jemand, der sich mit einem Leben arrangiert hat, das kleiner ausgefallen ist, als er es sich früher erträumt hat.
Gerade deshalb funktioniert Brendan Frasers Spiel so gut. Er ist zurückhaltend, fast unauffällig. Kein großes Drama, keine betonten Gefühle. Er drängt sich nicht in den Vordergrund und versucht nicht, Mitleid zu erzeugen. Oft reicht ein Blick oder eine kleine Pause, und man versteht, wie es dieser Figur geht. Für mich fühlte sich das sehr echt an, so als würde man einem Menschen zuschauen und nicht einer bewusst geschriebenen Filmfigur.

Die Idee der Rental Family wirkt zunächst befremdlich. Menschen werden gemietet, um Familie, Freunde oder Begleitung zu spielen. Für Hochzeiten, Beerdigungen, Arztbesuche oder einfach, damit jemand da ist. Anfangs hatte das für mich etwas Skurriles, manchmal sogar Komisches. Der Film nutzt diesen Effekt auch, aber ohne Spott. Er bleibt ruhig und beobachtend. Mit der Zeit wird klar, dass es hier nicht um schräge Einfälle geht, sondern um Einsamkeit und um das Bedürfnis, irgendwie dazuzugehören.

Besonders berührt hat mich die Geschichte mit dem Mädchen Mia. Phillip soll ihren Vater spielen, damit sie bessere Chancen hat, an einer guten Schule aufgenommen zu werden. Schon der Gedanke daran ist unangenehm, vor allem weil Mia glaubt, er sei ihr echter Vater. Der Film nimmt das ernst. Er versucht nicht, diese Lüge kleinzureden oder als notwendiges Übel darzustellen. Man sieht, wie schnell echte Nähe entsteht und wie gefährlich sie in diesem Fall ist. Gerade weil alles so leise erzählt wird, hat mich diese Beziehung stärker getroffen, als ich erwartet hätte. Keine lauten Konflikte, sondern kleine Momente, in denen man spürt, dass etwas unweigerlich kippen wird.

Parallel dazu begleitet Phillip einen alten Schauspieler, der zunehmend sein Gedächtnis verliert. Er gibt sich als Journalist aus, um dessen Lebensgeschichte festzuhalten. Diese Szenen sind ruhig und unspektakulär, aber emotional sehr dicht. Es geht um die Angst, vergessen zu werden, und um den Wunsch, noch einmal ernst genommen zu werden. Für mich sind das die stärksten Momente des Films, gerade weil sie nichts erklären und nichts beweisen wollen.

Auch die Bilder haben mich überzeugt. Tokio wird nicht als grelle, überzeichnete Metropole gezeigt, sondern als ganz normaler Lebensraum. Wohnungen, Büros, Straßen bei Tageslicht. Viele Menschen auf engem Raum und trotzdem viel Abstand. Eine Szene, in der Phillip aus dem Fenster schaut und anderen beim Leben zusieht, ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Sie ist unspektakulär, aber genau darin liegt ihre Wirkung.

Natürlich ist „Rental Family“ kein harter oder besonders bissiger Film. Er ist freundlich. Manche Entwicklungen lassen sich vorhersehen, und man merkt, dass der Film sein Publikum nicht vor den Kopf stoßen will. Das habe ich ihm aber nicht negativ angerechnet. Ich hatte eher den Eindruck, dass diese Milde Teil seiner Haltung ist. Der Film will verstehen, nicht verurteilen.

Als der Abspann lief, hatte ich nicht das Gefühl, gerade ein großes Kinoereignis erlebt zu haben. Stattdessen blieb etwas Ruhiges zurück. Ein Nachdenken darüber, wie oft wir selbst Rollen spielen, um Erwartungen zu erfüllen, und wie dünn die Grenze zwischen gespielt und echt sein kann. Für mich ist Rental Family ein warmer Film, der nicht viel Aufhebens um sich macht und genau deshalb nachwirkt.
 
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