Good Luck, Have Fun, Don't Die
Mit
Good Luck, Have Fun, Don’t Die meldet sich Gore Verbinski nach langer Pause mit einem Film zurück, der sich erfreulich wenig dafür interessiert, geschniegelt, glatt oder berechenbar zu sein. Das ist schon deshalb schön, weil man solche Regiearbeiten im Mainstreamkino inzwischen viel zu selten sieht. Filme, die nicht nur funktionieren wollen, sondern einen eigenen Puls haben. Filme, bei denen man das Gefühl bekommt, dass da wirklich jemand mit einer konkreten Vorstellung hinter der Kamera stand und diese Vorstellung auch durchgezogen hat.
Genau das ist hier der Fall.
Die Ausgangslage ist herrlich schräg. Sam Rockwell platzt als verwahrlost wirkender Mann in ein Diner, behauptet, aus der Zukunft zu kommen, und warnt vor einer kommenden Katastrophe. Die Welt, aus der er stammt, ist von KI, digitaler Betäubung und einer allgemeinen Verwüstung des Menschlichen geprägt. Um das alles zu verhindern, trommelt er eine zufällige Gruppe zusammen und zieht mit ihr durch das nächtliche Los Angeles. So beginnt ein Film, der sich zunächst wie eine überdrehte Science-Fiction-Komödie gibt, dann aber sehr schnell zeigt, dass er mehr im Sinn hat als bloße Gags und Tempo.
Was sofort auffällt, ist der Ton. Verbinski verbindet hier Komik, Abenteuer, Science Fiction, Satire und stellenweise sogar etwas Groteskes zu einem wilden, sehr lebendigen Ganzen. Das klingt auf dem Papier leicht nach Überforderung, im Film selbst entwickelt es aber einen erstaunlichen Sog. Gerade weil
Good Luck, Have Fun, Don’t Die sich nicht brav in ein Genre einsortieren lässt, bleibt er die ganze Zeit in Bewegung. Man weiß nie ganz, welche Abzweigung er als Nächstes nimmt. Das macht ihn unberechenbar, manchmal chaotisch, aber fast immer interessant.
Und vor allem: erstaunlich unterhaltsam.
Sam Rockwell ist für so eine Rolle natürlich ein Geschenk. Schon sein Eröffnungsmonolog scheint den Film mit einem Schlag auf Betriebstemperatur zu bringen. Er redet, warnt, gestikuliert, überfordert alle Anwesenden und zieht einen dabei sofort mit hinein. Rockwell kann dieses nervöse, leicht kaputte Charisma wie kaum ein anderer. Bei ihm ist die Figur zugleich Witzfigur, Prophet, Loser und tragischer Held. Man lacht über ihn, aber nie nur über ihn. Dafür liegt unter der ganzen exzentrischen Energie zu viel Müdigkeit, Verzweiflung und Hoffnung.
Überhaupt ist das eine der Stärken des Films: Er bleibt nicht an der Oberfläche seiner eigenen Verrücktheit hängen.
Die Figuren bekommen Rückblenden, kleine Seitenpfade, eigene Verletzungen. Das ist nicht immer filigran ausgearbeitet oder besonders elegant konstruiert, geht aber dennoch auf. Aus einem bloßen Ensemble aus Spleens und Marotten werden nach und nach Menschen mit Vergangenheit. Besonders Haley Lu Richardson bleibt dabei hängen. Sie bringt etwas sehr Bewegliches in den Film, eine Mischung aus Trockenheit, Verletzlichkeit und Trotz, die wunderbar neben Rockwells manischer Präsenz besteht. Auch Juno Temple und Michael Peña setzen starke Akzente. Gerade in den Rückblenden entstehen einige der besten Momente des Films, weil sich hier Witz und Bitterkeit fast unmerklich ineinanderschieben.
Das Drehbuch formuliert seine Kritik an Gegenwart, Medienkonsum, sozialer Abstumpfung und KI nicht gerade flüsternd. Der Film ist deutlich, manchmal plakativ, manchmal fast provokant direkt. Aber genau darin liegt auch ein Teil seines Reizes. Er will gar nicht geschniegelt klug wirken. Er trägt seine Thesen offen vor sich her und rettet sie durch Witz, Timing und inszenatorische Lust vor der bleiernen Bedeutsamkeit. Viele Beobachtungen sind außerdem treffend genug, dass sie sitzen. Wenn Erwachsene und Jugendliche in einer Welt aus Bildschirmreizen, Kurzfassungskultur und dauernder Ablenkung nebeneinander herleben, dann formuliert der Film das nicht mit akademischer Eleganz, aber mit einem Blick für Absurdität, der oft ziemlich genau ins Schwarze trifft.
Beeindruckend ist auch, wie hochwertig das alles aussieht.
Gemessen am vergleichsweise überschaubaren Budget wirkt
Good Luck, Have Fun, Don’t Die erstaunlich groß. Der Film hat Wucht, Bewegung, eine klare visuelle Handschrift und später auch Effekte, bei denen man sich wirklich fragt, wie Verbinski das zu diesem Preis gestemmt hat. Er besitzt nicht die sterile Perfektion eines glattpolierten Studiofilms, eher etwas Raues, Schmuddeliges, leicht Verschobenes. Gerade das passt aber hervorragend zu dieser Geschichte. Das nächtliche Los Angeles hat hier keine Hochglanzoberfläche, sondern etwas leicht Verfaultes, etwas Künstliches, etwas latent Unheimliches.
Das Finale dreht dann endgültig frei und zwar im besten Sinn. Da häufen sich bizarre Einfälle, groteske Bilder und absurde Zuspitzungen. Man merkt, wie sehr Verbinski daran interessiert ist, seine Ideen wirklich bis zum Anschlag auszureizen. Das Ergebnis ist kein sauber austarierter Film, aber ein mutiger. Einer, der lieber zu viel wagt als sich in ironischer Mittelmäßigkeit einzurichten.
Ganz rund ist das nicht.
Verbinski hat nach wie vor einen Hang zur Überfülle. Manche Ideen wären auch ohne Verlust kürzer oder pointierter zu erzählen gewesen. Der Film ist spürbar vollgestopft mit Einfällen, Anspielungen, Motiven und Tonlagen. Nicht alles fügt sich perfekt. Manche Übergänge wirken ein wenig abrupt, manches hätte noch stärker gebündelt werden können. Auch das Schlussdrittel verliert sich einen Tick in seiner eigenen Lust am Exzess. Aber selbst diese Schwächen wirken hier eher wie Auswüchse eines echten künstlerischen Temperaments als wie bloße Nachlässigkeit. Lieber ein Film, der überzieht, als einer, der gar nichts riskiert.
Was ihn am Ende aber wirklich trägt, ist seine Haltung.
Unter der ganzen schrägen Oberfläche steckt eine ziemlich düstere, teilweise fast nihilistische Sicht auf Technik, Trost und die bequemen Illusionen, mit denen sich Menschen durch eine kaputte Welt retten. Der Film macht es sich dabei nicht ganz so einfach, wie man zunächst denken könnte. Er wettert nicht bloß gegen Geräte oder moderne Oberflächen. Ihn interessiert vielmehr, wie Systeme funktionieren, die Menschen ruhigstellen, ihnen Hoffnung vorspielen und sie gerade dadurch in Abhängigkeit halten. Das gibt dem Film eine überraschend nachhaltige Schwere. Man geht nicht mit dem Gefühl heraus, einfach nur eine durchgeknallte Science-Fiction-Komödie gesehen zu haben. Eher mit dem Eindruck, dass da deutlich mehr drinsteckt, als die erste halbe Stunde zunächst verspricht.
Good Luck, Have Fun, Don’t Die ist kein perfekter Film. Er ist zu lang, zu voll, zu wild und stellenweise auch zu direkt.
Aber er ist lebendig. Er ist komisch, finster, ein bisschen traurig, sehr eigen und immer wieder verblüffend. Vor allem ist er das Werk eines Regisseurs, der sichtbar Lust hat, etwas Persönliches, Verrücktes und gleichzeitig Nachdenkliches auf die Leinwand zu werfen.