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The Social Reckoning​
The Social Reckoning beschäftigt sich damit, wie gezielt Facebook mit seinen Algorithmen das Verhalten von Menschen beeinflusst und welche gesellschaftlichen Folgen das haben kann. Herausgekommen ist ein gut gespieltes, dialogstarkes Drama, das mich trotz einiger Schwächen über weite Strecken gut unterhalten hat.

Im Mittelpunkt steht Frances Haugen (Mikey Madison), die bei Facebook in einer Abteilung arbeitet, die sich unter anderem mit Desinformation und dem Schutz demokratischer Prozesse beschäftigt. Als sie erkennt, dass der Konzern über die schädlichen Auswirkungen seiner Plattform bestens informiert ist, daraus aber keine Konsequenzen zieht, beginnt sie, interne Unterlagen zu sammeln. Gemeinsam mit dem Journalisten Jeff Horwitz (Jeremy Allen White) vom Wall Street Journal versucht sie, die Machenschaften des Unternehmens öffentlich zu machen. Dabei geht es nicht mehr nur um fragwürdige Geschäftspraktiken, sondern auch um politische Radikalisierung, gesellschaftliche Spaltung und die Verantwortung eines Unternehmens, dessen Entscheidungen Milliarden Menschen betreffen.

Der Film beginnt ausgesprochen wirkungsvoll. Eine zunächst beinahe alltäglich anmutende Situation entwickelt sich zu einem erschreckenden Ausbruch von Hass und Aggression. Der Film macht damit deutlich, dass die Auswirkungen sozialer Medien keineswegs auf den Bildschirm beschränkt bleiben. Was im Internet geschürt und verstärkt wird, kann sich irgendwann auch auf der Straße entladen.

Anschließend konzentriert sich der Film überwiegend auf Gespräche in Büros, Redaktionsräumen und Konferenzsälen. Das mag nicht sonderlich aufregend klingen, entwickelt aber mit zunehmender Laufzeit einen erstaunlichen Sog. Je tiefer Haugen und Horwitz in die internen Vorgänge eindringen, desto deutlicher wird, welche Sprengkraft hinter den zunächst ziemlich trockenen Statistiken steckt. Erschreckend ist dabei weniger, dass Facebook problematische Inhalte verbreitet, sondern dass der Konzern genau weiß, wie seine Mechanismen Radikalisierung und gesellschaftliche Spaltung begünstigen. Wenn selbst geringfügige Einbußen bei den Nutzerzahlen oder der Verweildauer schwerer wiegen als die Bekämpfung von Desinformation, bekommt man eine ziemlich gute Vorstellung davon, welche Prioritäten hier gesetzt werden.

Dabei zeichnet der Film ein durchaus differenziertes Bild von Frances Haugen. Sie ist keine grundsätzliche Gegnerin sozialer Medien, sondern glaubt zunächst an die Idee, Menschen miteinander zu verbinden und ihnen neue Möglichkeiten des Austauschs zu eröffnen. Sie hängt an ihrem Beruf, muss aber zunehmend erkennen, dass ihre eigenen Überzeugungen mit den Interessen ihres Arbeitgebers nicht mehr vereinbar sind. Hinzu kommt eine Unternehmenskultur, die nach außen Gemeinschaft und Zusammenhalt beschwört, intern aber zwanghaft darauf bedacht ist, Informationen unter Verschluss zu halten. Dass Mitarbeiter sogar dazu angehalten werden, ihre Partner möglichst innerhalb des Unternehmens zu finden, passt bestens zu dieser eigentümlichen Mischung aus Gemeinschaftsgefühl und Kontrollbedürfnis.

Mikey Madison spielt Haugen als intelligente, eigensinnige und gelegentlich etwas schwierige Frau, die zunehmend unter dem Druck ihrer eigenen Erkenntnisse leidet. Jeremy Allen White bildet dazu einen Gegenpol. Sein Jeff Horwitz ist ein ruhiger, hartnäckiger Journalist, der sich zunächst selbst in die technischen Zusammenhänge einarbeiten muss und dabei eine bemerkenswerte Beharrlichkeit an den Tag legt. Er erinnert durchaus an Robert Redford in Die Unbestechlichen. Die Zusammenarbeit der beiden funktioniert, ohne dass der Film daraus noch irgendeine überflüssige Liebesgeschichte machen müsste.

Jeremy Strong spielt Mark Zuckerberg. Die Körpersprache, die Mimik und die distanzierte Art Zuckerbergs hat er anscheinend sehr genau studiert. Manchmal schießt er dabei allerdings etwas über das Ziel hinaus. Gelegentlich habe zumindest ich den Eindruck, weniger einer eigenständigen Filmfigur als einer Zuckerberg-Imitation zuzusehen. Gleichzeitig vermittelt Strong ausgesprochen wirkungsvoll, wie weit sich Zuckerberg von den Menschen entfernt hat, deren Leben sein Unternehmen beeinflusst. In manchen Szenen sitzt er da wie ein Herrscher, der aus sicherer Entfernung über das Schicksal seiner Untertanen entscheidet. Solange die Zahlen stimmen, scheint für ihn die Welt weitgehend in Ordnung zu sein.

Ein wenig Probleme hatte ich mit der dramaturgischen Gewichtung. Der Film möchte gleichzeitig die Geschichte einer Whistleblowerin erzählen, die journalistische Aufarbeitung eines gewaltigen Skandals schildern und einen Blick hinter die Kulissen eines mächtigen Technologiekonzerns werfen. Für jeden dieser Bereiche gäbe es genügend Stoff für einen eigenen Film. Hinzu kommt, dass Fachbegriffe, Abkürzungen und interne Projekte mitunter in einem Tempo abgehandelt werden, bei dem man schon ziemlich aufmerksam bleiben muss. Gelegentlich hört man den Figuren beim Reden zu, ohne hinterher ganz sicher zu sein, was man gerade eigentlich erfahren hat.

Die Dialoge sind pointiert, unterhaltsam und verleihen selbst trockenen Sachverhalten eine gewisse Spannung. Besonders die Auseinandersetzungen zwischen Zuckerberg und seinem geschäftlichen Umfeld haben ihren Reiz. Auch die journalistische Recherche gewinnt allmählich an Fahrt. Man verfolgt gespannt, wie sich aus einzelnen Hinweisen ein Bild ergibt, das für den Konzern immer unangenehmer wird.

Wir erfahren ausführlich, wie Algorithmen verändert werden, welche Inhalte besonders viel Aufmerksamkeit erzeugen und warum Empörung für das Geschäftsmodell so wertvoll ist. Dass Menschen dadurch immer tiefer in ihre eigenen Echokammern geraten und sich zunehmend radikalisieren können, wird durchaus nachvollziehbar vermittelt.

Besonders unangenehm ist der Gedanke, dass die Enthüllungen inzwischen einige Jahre zurückliegen und sich die Probleme sozialer Medien seitdem nicht in Luft aufgelöst haben. Angesichts der politischen Entwicklungen und der immer stärkeren Verflechtung von Technologieunternehmen und gesellschaftlicher Macht wirkt manches, was damals noch als Skandal galt, heute beinahe erschreckend alltäglich.

Unterm Strich ist The Social Reckoning für mich ein sehenswertes Drama, das trotz seiner mitunter etwas trockenen Erzählweise Spannung entwickelt. Die guten Darsteller und Dialoge tragen den Film auch durch seine schwächeren Passagen. An die Klasse von The Social Network reicht er für mich allerdings nicht heran. Zurück bleibt dennoch ein ziemlich unangenehmer Gedanke: Die geschilderten Ereignisse liegen einige Jahre zurück, aber die Probleme, die damals ans Licht kamen, beschäftigen uns heute mehr denn je.
 
Ich sehe gerade den Film Julius Ceasar von Uli Edel aus dem Jahre 2002.
Handwerklich sicher sehr gut gemacht.
Aber historisch eine absolute Katastrophe.
Caesars Cursus Honorum wird fast gar nicht behandelt. Sehr wichtige Personen in Ceasars Leben und seinem Hintergrund werden nicht einmal erwähnt.
Weder Crassus noch Cicero.
Cato der Jüngere schon bei Sullas Einmarsch in Rom bereits im Senat.
Appolonius nicht Ceasars Lehrer in Rhetorik sondern sein Sklave.
Ich könnte morgen noch hier sitzen.
Gegen diesen Film war ja selbst Nolans Odysee wahres Gold,
 
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