Für Peters persönliche Verarbeitung wäre es vermutlich tatsächlich gesünder, wenn er MJ und Ned nicht regelmäßig über Neds Social-Media-Beiträge verfolgen würde. So würde er den nötigen Abstand gewinnen, um nach vorne zu blicken. Aus einer rein psychologischen Perspektive könnte man also durchaus argumentieren, dass er sich selbst keinen Gefallen damit tut.
Für den Film funktioniert dieser Ansatz allerdings anders. Dass Peter ihr Leben weiterhin aus der Distanz verfolgt, macht den Verlust für den Zuschauer überhaupt erst greifbar. Würde er MJ und Ned konsequent ausblenden, bliebe zwar die Information bestehen, dass er sie verloren hat, aber das emotionale Gewicht dieser Entscheidung wäre deutlich abstrakter. Die gelegentlichen Einblicke erinnern nicht nur Peter, sondern auch uns Zuschauer daran, welchen Preis sein Opfer tatsächlich hatte.
Gerade deshalb haben MJ und Ned für mich durchaus noch eine Funktion. Sie sind nicht einfach als Fanservice dabei, sondern verkörpern das Leben, auf das Peter bewusst verzichtet hat. Wären sie vollständig aus der Geschichte verschwunden, hätte die Entscheidung am Ende von No Way Home im Nachhinein sogar an Gewicht verloren. Dass Peter sie sieht, aber nicht mehr wirklich Teil ihres Lebens ist, macht den Preis seines Opfers erst greifbar.
Hinzu kommt, dass MJ in Brand New Day eben nicht nur als Symbol für Peters Verlust fungiert. Sie übernimmt innerhalb der eigentlichen Handlung eine zentrale Funktion. Ohne zu viel vorwegzunehmen: Ihre Rolle erschöpft sich nicht darin, Peter an seinen Verlust zu erinnern, sondern sie ist unmittelbar mit den Themen verknüpft, die der Film erzählen möchte. Dadurch ist ihre Präsenz erzählerisch begründet und nicht ein Anhang.
Der Vergleich mit Tony Stark passt für mich nur bedingt. Tony ist gestorben. Peter kann ihn nicht mehr treffen. MJ und Ned leben dagegen weiter, nur eben ohne Erinnerung an ihn. Das erzeugt eine völlig andere Form von Verlust. Es geht nicht um Trauer um einen Verstorbenen, sondern um die schmerzhafte Erfahrung, dass Menschen, die einem alles bedeutet haben, zwar noch da sind, aber unerreichbar geworden sind.