Disney+ Serien

Ich war dem EU wirklich sehr verbunden und habe damals alles gesammelt, was auf deutsch erschienen ist. Dennoch würde ich das EU keinesfalls als gelungenes Beispiel für die konsistente Erweiterung des SW-Kosmos ansehen. Dafür war die Qualität einfach zu durchwachsen. Neben viel Licht gab es auch sehr viel Schatten.

Meine Einschätzung des alten EU: zu 99% literarisches Fast Food, ganz ehrlich. Bei einem derart umfassenden Projekt mit so vielen Beteiligten ist es ein Ding der Unmöglichkeit, einheitl. Standards zu wahren. Natürlich war genug Blödsinn dabei.

Was aber gut beherrscht wurde: das Worldbuilding. Und bei manchen Figuren (bzw. den wichtigsten), etwa Luke, gelang doch eine recht konsequente Entwicklung/Beibehaltung des Charakters. Sie wurden nicht bis zur Unkenntlichkeit verzerrt, sondern mit weiteren Facetten versehen, die sie für Leser zugänglicher machten. Ich weiß nicht mehr, wo, aber zB eine Stelle, in der Luke über die Verluste des Imperiums sinniert und die damit verbundenen Menschenleben, hat mir schon sehr gefallen.

andererseits neigten die EU-Autoren dazu, sich zu verzetteln und waren - das ist mein größter Kritikpunkt - zu sehr in ihre eigenen (Alter-Ego-)Charaktere verliebt.

Kann ich mir leider gut vorstellen. Mir hat da schon die alte Kopfgeldjäger-Trilogie mit dem allwissenden, alles durchschauenden Boba Fett gereicht..

Dieses EU bei der Konzeption neuer Filme zu berücksichtigen, wäre kaum möglich gewesen.

Hätte man gar nicht müssen. Wurde ja schon unter Lucas nicht so gehandhabt. Filme = Kern der Saga und im Zweifelsfall Kanon-Vorrecht.

Sequels ohne die "Großen Drei" wären nicht denkbar gewesen. Diese waren damals ca. 30 Jahre älter, als in Episode VI. Im EU waren für sie zwar auch "nur" ca. 40 Jahre vergangen, aber mit ihnen persönlich und mit der Galaxis ist so viel passiert, dass man keinen vernünftigen "Abholpunkt" für die Zuschauer gehabt hätte (Charakterentwicklung, Kinder, neue Charaktere, die Verheerungen der Vong-Invasion, ...). Man konnte schließlich selbst bei den meisten SW-Fans keine EU-Kenntnis voraussetzen. Vom "Casual-Zuschauer" aber erst recht nicht.

Valider Punkt.
 
Wenn man mich fragt, gehören die Macher von Skeleton Crew ja durchaus zu den Verlierern der "Disney-Serien-Ära". Die haben eigentlich ein grundsympathisches, vielleicht nicht spektakuläres, aber doch rundes Produkt abgeliefert, das aufgrund der Enttäuschungen oder einfach auch nur der Masse an Serien im Vorfeld völlig untergegangen ist und nicht einmal von denjenigen geschaut wurde, die ansonsten alles geschaut haben.
Also bei mir lag das Desinteresse jetzt weniger daran, dass die Serie in der Masse untergegangen wäre, sondern schlicht daran, dass mich der Trailer kein Stück abgeholt hat.
Wenn Dir Staffel 1 gefallen hat, kann ich Dir Staffel 2 nur wärmstens ans Herz legen. Deren Auftakt ist - ebenso wie die gesamte Staffel 1 - schon stark, aber ab Folge 4 ist sie meiner Meinung nach ein echtes Meisterwerk. Star Wars war es lange nicht mehr gelungen, mich emotional richtig mitzunehmen. Andor hat es geschafft!
Es liegt nicht an der Serie selbst, dass ich Staffel 2 noch nicht gesehen habe. Es ist vielmehr so, dass ich mir damals Staffel 1 auf Bluray geholt habe und - weil ich bei Staffel 2 keine Lust auf eine wöchentliche Ausstrahlung hatte - ich dann für mich beschlossen habe, dass ich hier bis zum Blurayrelease warte und dann die zweite Staffel zusammen mit der ersten Staffel als Serienmarathon in einem Rutsch nachhole. Nur kam die Staffel bislang eben noch nicht auf einer Scheibe raus. Da stehe ich mir gewissermaßen selbst im Weg.
 
Es liegt nicht an der Serie selbst, dass ich Staffel 2 noch nicht gesehen habe. Es ist vielmehr so, dass ich mir damals Staffel 1 auf Bluray geholt habe und - weil ich bei Staffel 2 keine Lust auf eine wöchentliche Ausstrahlung hatte - ich dann für mich beschlossen habe, dass ich hier bis zum Blurayrelease warte und dann die zweite Staffel zusammen mit der ersten Staffel als Serienmarathon in einem Rutsch nachhole. Nur kam die Staffel bislang eben noch nicht auf einer Scheibe raus. Da stehe ich mir gewissermaßen selbst im Weg.
Wäre auch Free TV eine Option?

Mit dem Relaunch des Disney Channels als Disney TV Anfang Dezember werden auch Disney + Originals mit der Zeit früher oder später hinter keiner Pay Wall mehr sein.

Also bei mir lag das Desinteresse jetzt weniger daran, dass die Serie in der Masse untergegangen wäre, sondern schlicht daran, dass mich der Trailer kein Stück abgeholt hat.
Bsp. wegen der Major Tom-Musik? Dasselbe wie beim ersten Trailer zu Andor 2 mit Revolution starts now … War nur Promo. Kam null in der Serie vor.

SC könnte wahrscheinlich aus dem Mandoverse noch am ehesten für dich sein. Bis auf ein Pirat im Hintergrund aus Mando-S3 gibt es nur neue Figuren ohne Filoniverse-Vorgeschichte.
 
Für mich hängt deshalb viel davon ab, ob Star Wars wieder Figuren hervorbringt, die auch Menschen außerhalb des festen Fankreises etwas bedeuten.
Den TMAG-Film erkläre ich mir eigentlich mitunter auch damit, dass die Verantwortlichen glaubten, mit Din Djarin und Grogu genau solche Figuren geschaffen zu haben.

Also bei mir lag das Desinteresse jetzt weniger daran, dass die Serie in der Masse untergegangen wäre, sondern schlicht daran, dass mich der Trailer kein Stück abgeholt hat.
Klar, so etwas kann dann immer noch dazukommen.

Bsp. wegen der Major Tom-Musik? Dasselbe wie beim ersten Trailer zu Andor 2 mit Revolution starts now … War nur Promo. Kam null in der Serie vor.
Ich war im übrigen sogar enttäuscht, dass der nicht vorkam ;)
 
Meine Meinung zur Disney-Ära ist insofern vielleicht weniger vorbelastet als bei anderen, weil es bei mir keinen nahtlosen Übergang zwischen EU-Ära und Disney gegeben hat, da ich das EU spätestens um die Jahrtausendwende aus Zeitgründen aus den Augen verloren hatte. Und als ich mich dann wieder eher SW zuwenden wollte, war das alles so unübersichtlich, dass ich den Faden nicht wieder aufgenommen habe.
Insofern war das Tabula Rasa unter Disney für mich die Gelegenheit, wieder einzusteigen und ich glaube tatsächlich, dass ich, wäre ich im EU bis zum Ende „drin“ gewesen, auch kritischer auf Disney gucken würde.

Der Vorwurf, dass Disney zu viel (in anderen Versionen) aus dem EU übernommen habe, kann ich aus dieser Warte nachvollziehen. Ich denke in diesem Zusammenhang zudem, dass man bei Disney unterschätzt hat, wieviel man eigentlich schon wieder festgelegt hat, alleine dadurch, dass man TCW in den Kanon genommen hat. Planeten, Völker unzählige Figuren, die immer noch da waren und die Leitplanken deutlich enger ziehen, als man das im ersten Moment glauben würde. Ebenso unterschätzt haben dürfte man die Beharrungskräfte eines Teils des Fandoms, der davon ausgeht (und fordert), dass, wenn eine Figur aufgrund von z.B. TCW oder PT noch im Kanon ist, auch der Hintergrund der Figur, der lediglich in Legends definiert (oder angedeutet) wurde, zwingend mit übernommen wurde (siehe Ki Adi Mundi).

Das vorausgeschickt dürfte auch zumindest zum Teil klar werden, warum ich der Disney-Ära deutlich weniger kritisch gegenüberstehe als viele andere.
Hilfreich mag auch sein, dass ich mit 50 nicht mehr erwarte, dass SW in mir die gleichen Emotionen wecken würde, wie damals, als ich ein Kind war. Und schon gar nicht im Rahmen einer Fernsehserie. Dieses „Wow, das ist jetzt Film-Geschichte und wird bleiben und prägen“ hatte ich seit den HDR-Filmen in diesem Jahrtausend genau 2 Mal: bei Infinity War und Endgame. Witzigerweise zwei Filme, die am Ende eines 11-Jahre-Runs standen, in dem uns Marvel/Disney 2 Filme pro Jahr um die Ohren gehauen hat. Eigentlich die totale Übersättigung und dennoch hat es gezündet wie sonstwas.

Insofern verstehe ich das „es ist zu viel“ bis zu einem gewissen Punkt, aber ich fühle es einfach nicht. Ich freue mich über neuen Stoff aus „meiner Lieblingsgalaxie“ und darüber, dass ich regelmäßig etwas habe, dass ich mit meinem Junior gemeinsam neu entdecken kann. Das ist dann MEIN Event.
Daher möchte ich bei allen verbesserungswürdigen Dingen die Disney-Ära nicht missen. Ohne Disney wäre vermutlich gar nichts mehr gekommen und SW mehr Nische als jemals zuvor (was nichts Schlechtes sein müsste, aber ich mag es so, wie es jetzt ist, mehr).

Auch bei Disney gibt es Dinge, die ich nicht mag. Die Art, wie man Han Solo rausgeschrieben hat. Die fehlenden Erklärungen in E9. Resistance hatte eine tolle Ausgangssituation und man hat es mMn vermasselt, weil man die Hauptfigur im Ton überhaupt nicht getroffen hat und wohl nicht wusste, in welche Richtung man mit der Ausgangslage eigentlich gehen wollte.
Die Mando-Folgen aus TBOBF hätten zwingend in die dritte Staffel von TM gemusst. Dir Rückeroberung Mandalores ist zwar ein logischer Plotpunkt in einer Serie über einen Mandalorianer, bedürfte aber mehr Budget, um es angemessen darzustellen.
Bei TA hätte ich mir gewünscht, dass man von Disneys Seite mehr Arsch in der Hose hat und das Ding durchzieht. Die Serie ist mMn maßlos overhated und wurde von Kulturkriegern vernichtet.
Andor ist großartig, allerdings sind die ersten drei Episoden aus Staffel zwei eigentlich nahezu überflüssig. Zudem ist es eine tolle Serie über Diktatur und Widerstand in einem SF-Setting, ist aber auch im Ton wenig Star Wars für mich.
Visions holt mich nicht ab (auch aufgrund des What IF-Settings), so dass The ninth Jedi die einzige Serie ist, die ich nicht gesehen habe (irgendwann sicherlich, aber momentan zieht es mich nicht vor den TV).
Die Figurenkonstellation in Ahsoka ist für „Nicht-Rebels-Gucker“ leider wohl etwas sperrig.
Bei OWK hatte ich bezüglich des Rematches Bedenken, finde aber im Nachhinein, dass es die Lücke schlüssig füllt und es durchaus seine Berechtigung hat, auch in Live-Action zu zeigen, wie Kenobi von Anakins Schicksla erfahren hat, und wo der Umkehrpunkt zwischen dem verzweifelten Obi-Wan aus E3 und dem entspannten Ben aus E4 war. Dass aber eine weitere Figur um Luke weiß, finde ich nicht gut gelöst.
MSL ist für mich rundum gelungen. Und TBB war für mich überraschend gut (auch wenn es mMn ungeschickt war, Kanans Origin im Vergleich zu den Comics umzuschreiben).
Und die letzten vier Folgen von TCW haben für mich nur einen Fehler: dass es kein Star-Wars-Story Live-Action-Kinofilm war.

Aber all diese Fehler können mir mein Interesse nicht verleiden, weil ich viel mehr habe, was mir gefällt. Vielleicht schlägt bei mir im Bereich SW einfach die Altersmilde durch (die Altersgereiztheit spare ich mir für andere Dinge auf).

Und ich finde, dass LF/Disney in diesen Jahren durchaus gezeigt haben, dass sie ihren Machern aller Unkenrufen zum Trotz viel Spielraum lassen: Skeleton Crew (Igitt: Kinder!), Andor (Igitt: Politik!), The Mandalorian (Igitt: Pulp!), The Acolyte (Igitt: Andere Machtnutzer außer Sith/Jedi!), Ahsoka (Igitt: Hexen! Zombies! Andere Galaxie!) sind in ihrer Ausrichtung so grundverschieden, dass man mMn anerkennen muss, dass man da schon Risiko gegangen ist. Dazu dann noch die Serien über bekannte Charaktere wie Boba Fett und Obi Wan.

In der Summe sehe ich diese Ära also positiv.
 
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