Coruscant

[ Kernwelten / Corusca-Sektor / Coruscant / Jedi-Tempel / Rornans Büro ] Arlen, sowie (NPCs) Rornan

Langsam nickte Arlen auf die Erlaubnis des Rats hin, Tha’klen die schlechten Neuigkeiten selbst überbringen zu dürfen. Und auch auf die Klarstellung, dass sie auch weiterhin ihre Freizeit gemeinsam verbringen durften. Das ergab Sinn, auch wenn Arlen unsicher war, wie viel dieser Option er am Ende des Tages wirklich wahrnehmen würde. Elliundi hatte nachvollziehbare Gründe dafür, ihm Tha’klen als Padawan zu entziehen und vermutlich war es besser für alle Beteiligten an dieser Stelle Nägel mit Köpfen zu machen.

Auch Arlens Enthüllung seiner Emotionen im Bezug auf Faith nahm der Rat gefasst auf, stellte jedoch sofort klar, dass nur seine Empfehlung nicht ausreichend war. Der Rat würde die Padawan einer fairen und unabhängigen Beurteilung unterziehen. Abermals nickte der Sith.


„Nichts anderes wollte ich empfehlen.“

, warf er ein.

„Ich hätte dies nicht angebracht, wenn ich nicht glauben würde, dass sie eine solche bestehen würde.“

Was die Beziehung selbst anbelangte, so erhob Rat Elliundi keine substantiellen Einwände. Er stellte klar, dass dies bei einem direkten Machtverhältnis anders gewesen wäre, der Rat in diesem Fall jedoch kein Verbot aussprechen würde. Was Elliundi dann jedoch nicht davon abhielt, ihm noch einmal ins Gewissen zu reden, einerseits was Beziehungen generell anging, andererseits wie er sich mit seinen Gefühlen auseinandersetzen sollte. Es waren gute Ratschläge. Arlen nahm sich vor ihnen Folge zu leisten und über die gestellten Fragen in Ruhe nachzudenken. Dankbar nickte er ein weiteres Mal.

Schließlich hatte jedoch auch Elliundi noch ein eigenes Thema, das er ansprechen wollte. In knappen Worten umriss er eine Kontaktaufnahme des truuiner Gouverneurs, Ridley Solaris, der einen Gefangenenaustausch vorgeschlagen hatte. Es ging konkret um die Besatzung der New Tide, die Faith, Tha’klen und Arlen über Denon an die republikanischen Behörden übergeben hatten und die der Gouverneur nun zurückwollte.

Unwillkürlich runzelte Arlen die Stirn. Solaris war Antares‘ Gegenstück und genau so für die Deportationen verantwortlich wie der keladanische Gouverneur. Noch schlimmer, die New Tide war Solaris‘ Schiff und die unmenschlichen Verhältnisse, in denen sie transportiert worden waren, gingen auf seine Kappe. Die Besatzung der New Tide gehörte vor Gericht und nicht einfach wieder auf freien Fuß gesetzt! Doch natürlich hatte der Gouverneur ein Druckmittel. Einerseits auf Truuine festgenommene republikanische Staatsbürger und andererseits die Kopfgelder auf Arlen und die Padawane. Elliundi wünschte sich Arlens Meinung zu hören, stellte jedoch klar, dass er keine direkte Antwort brauchte. Zuvor hatte Arlen dies akzeptiert, nun jedoch schüttelte er den Kopf.


„Ich denke nicht, dass ich Bedenkzeit brauche, Rat Elliundi.“

, gab er zurück.

„Zunächst: Es sind leider nur noch 31 lebende Crewmitglieder. Die Befehlshaberin wurde bei der Stürmung der Brücke unglücklich von einem Machtstoß erwischt und brach sich das Genick.“

Es war ein Detail, das die Neue Republik schon wusste, das verständlicherweise wohl jedoch nicht zu Elliundi oder gar Solaris durchgedrungen war.

„Was die Verhandlungen angeht, möchte ich empfehlen zu prüfen, ob eine Kombination aus beidem möglich ist. Ich persönlich lehne eine Verringerung meines Kopfgeldes zu Ungunsten von republikanischen Bürgern ab. Einerseits ideologisch, andererseits können wir dies nicht durchsetzen. Solaris hindert außer seiner zweifelhaften Ehre nichts daran, das Kopfgeld nach dem Austausch wieder hochzuschrauben. Es würde diplomatisches Kapital verbrennen, nehme ich an. Was die Padawane angeht bin ich daher zwiegespalten. Sie sind es eventuell nicht wert, einen diplomatischen Kontakt im Jedi-Orden vor den Kopf zu stoßen und eine Senkung des Kopfgeldes würde sie wenigstens kurzfristig schützen.“

Nachdenklich rieb Arlen sich das Kinn.

„Ich denke, dass Faiths Position sich mit meiner Meinung decken würde. Ich halte sie auch für reif genug diese Entscheidung im Zweifelsfall selbst treffen zu können. Was Tha’klen angeht, sehe ich hier den größten Mehrwert. Soweit ich weiß, kennt das Imperium hens Identität nicht. Ich habe hen aus Trainingsgründen stets eine Sithmaske tragen lassen und habe auch während der Folter nichts über hen gesagt. Dennoch hatte hen am Ende von uns allen am wenigsten Wahl auf diese Mission zu gehen. Es wäre fair das Imperium zumindest von hem abzulenken. Und da es keine konkreten Informationen zu hem hat, sollte uns dies auch in den Verhandlungen nicht teuer zu stehen zu kommen. Meine Empfehlung ist also folgende: Ich denke wir sollten versuchen das Kopfgeld von Tha’klen zu senken und Faith fragen, wie sie dazu steht. Das restliche Verhandlungskapital sollte meiner Meinung nach dazu verwendet werden, unsere Bürger heimzuholen.“

Nun jedoch wandte sich das Meeting dem Ende zu. Weder Rat Elliundi noch Arlen hatten ein weiteres Thema und der Quermianer machte klar, dass Arlen nun entlassen war. Dieser nickte ein letztes Mal.

„Erneut, ich danke für Euren Rat und hoffe, dass ich Eurem Vertrauen in Zukunft gerechter werden kann.“

, sagte er zur Verabschiedung, nahm sein Lichtschwert wieder an sich und wandte sich zum Gehen. Einen Moment später schwang die Bürotür endlich hinter ihm zu und erleichtert atmete er auf. Der Termin war so unangenehm geworden, wie er befürchtet hatte – und in manchen Aspekten sogar noch schlimmer. Dennoch hatte es ihm eine neue Perspektive aufgezeigt und Arlen war entschlossen, in den nächsten Wochen das Beste daraus zu machen. Bevor er entschied, wie es weitergehen würde.


[ Kernwelten / Corusca-Sektor / Coruscant / Jedi-Tempel / Vor Rornans Büro ] Arlen
 
Coruscant – Jedi-Tempel – Nebenraum der Pressekonferenz – u.a. mit Eowyn

Vielleicht, vielleicht veränderte dieses erste Wiedersehen zwischen Eowyn und Wes ein bisschen etwas zum Positiven. Nach der Mission und den damit verbundenen Zumutungen für die Rätin war das auch bitter nötig. Angefangen damit, dass der Rat – in ihrer Abwesenheit – erst darüber zu befinden hatte, ob die Beförderung gültig war. Andererseits hatte er selbst seinerzeit per Kom davon erfahren dass man die Rolle eines Ratsmitglieds ohne Entscheidungsbefugnis, eines Advisors, nicht länger für nötig hielt und er infolgedessen ab sofort vollwertiges Ratsmitglied sei. Ganz alleine war Eowyn also nicht, aber im Grunde tat es nichts zur Sache.

Wichtiger war, dass sie das Angebot, mit ihm über alles zu reden, annahm.. Was zwischen ihnen lag, ließ sich sicherlich bereinigen, zumindest auf einer professionellen Ebene. Keine unbehaglichen Situationen wie diese hier mehr, sondern die Möglichkeit, wieder normal miteinander umzugehen. Sobald es nämlich um ein unverbranntes, sachliches Thema ging, wie die bevorstehende Pressekonferenz, so heikel diese auch war, redete es sich bereits wieder viel einfacher. Eowyn hatte nicht erwartet, dass sowohl Rornan als auch er teilnehmen würden, okay. Der Quermianer kam auch prompt in den Raum, als hätte er es geahnt, womit die Unklarheiten wohl beseitigt waren.


»Ich war auf Umbara in Verhandlungen mit dem Imperium. Es war lange nicht klar, ob wir so bald einen Durchbruch in der Sache Sturn erzielen würden, aber es ist uns gelungen, gerade noch rechtzeitig. Ich hätte dir auch eine kleine Aufmunterung mitgebracht, dachte, du wärst immer noch an dein Krankenbett gefesselt, falls du es noch willst… Oh hallo, Rornan

Begrüßte Wes seinen Ratskollegen, der wie gewohnt keine Zeit verlor, sondern ohne Umschweife zur Sache kam. Ob sie die Rede des Kanzlers gesehen hatten – oooh ja, hätte sie doch die Verhandlungen um ein Haar noch zum Scheitern gebracht. Wie die Idioten standen sie jetzt sowieso da. Aber sie mussten davon ausgehen, dass es für viele der Anwesenden dort draußen DAS Thema schlechthin sein würde – Quúns Timing war wirklich bemerkenswert. Dass sie sich keine Gedanken um eine Auslieferung Eowyns und Briannas, geschweige denn aller Räte mehr machen mussten, war wohl das einzig wirklich positive, was man der Sache abgewinnen konnte. Dass der Kanzler sich bedingungslos hinter den Orden stellte, glaubte er erst, wenn er es aus seinem eigenen Mund oder dem Takos hörte. Das eigentlich geplante Thema war soweit klar, Rornan bestätigte gewissermaßen, dass Mya ihn gut gebrieft hatte.

»Ja, alles klar, jeder von uns erzählt seinen Teil der Mission in chronologischer Reihenfolge und wir nennen keine Namen, die der Öffentlichkeit nicht bereits bekannt sind, am allerwenigsten Ahnas – was freilich bedeutet, dass nach außen hin noch mehr der Verantwortung auf dir lastet, Eowyn

Bedauerte Wes. Es war mit zwei Rätinnen im Konsens bereits eine einsame Entscheidung gewesen, Kast zu infiltrieren. Wenn man Ahna aus der Gleichung herausließ, wurde diese nur noch einseitiger. Aber es half nichts und überhaupt musste sich Wes jetzt auf seinen Teil konzentrieren. Sie begaben sich in den Saal, wobei Eowyn durch Ians Anwesenheit abgelenkt wirkte. Er warf den beiden einen besorgten Blick zu, aber es war zu spät. Sie saßen jetzt auf den Präsentierteller und durften jetzt nicht wie ein unkoordinierter Hühnerhaufen wirken, also weiter nach Drehbuch. Wes war in der Mitte platziert, Rornan zu seiner linken, Ian zu seiner rechten. Der ehemaligen Sith war elegant ganz in weiß gekleidet, mit einem weißen Blazer über einer gleichfarbigen Tunika, die der eines Jedi ähnelte. Angesichts der zu erwartenden Fragen in Bezug auf seine Vergangenheit eine geschickte Wahl. Weiß, die Farbe der Unschuld. Optisch weitmöglichst weg vom Schwarz der Sith. Die Fragen würden kommen, so viel stand fest, dachte Wes, als er seine Aufmerksamkeit auf seinen Ratskollegen richtete, der die Pressekonferenz eröffnete.

»Ich bitte um Ruhe im Saal«, ertönte Rornans Stimme ruhig und klar durch die Lautsprecher. Bei ihrem Eintreten hatte sich die Lautstärke kurzfristig um ein starkes Raunen erhöht, als die Presse erkannt hatte, wer da das Podium betrat, doch dann war es, vermutlich in gespannter Erwartung eines baldigen Beginns, schnell leiser geworden. Nun trat in Sekundenschnelle Stille ein. »Ich begrüße Sie alle zu dieser heutigen Pressekonferenz des Jedi-Ordens. Mir ist bewusst, dass Sie alle Unmengen an Fragen haben, insbesondere nach den Ereignissen der letzten Stunden, doch ich bitte Sie, diese zunächst bei sich zu halten und später darauf zurückzukommen, sofern sie nicht in unseren Ansprachen geklärt wurden. Die meisten von Ihnen kennen mich, ich bin Jedi-Rat Rornan Elliuni, Pressesprecher des Ordens und werde heute durch diese Konferenz führen. Das Thema ist hauptsächlich das C-Virus, die Herkunft dessen, unsere Erkenntnisse sowie die Folgen daraus. Bitte halten Sie sich an dieses Thema. Unser Ziel ist es, so viele Fragen wie möglich zu klären, doch auch Ihnen wird bewusst sein, dass bei der Masse an Gästen heute schwierig werden wird, wirklich alle zu besprechen. Bitte senden Sie die Fragen, die heute nicht beantwortet werden konnten, im Anschluss an unsere Pressestelle und wir werden sie, so weit möglich, zügig beantworten.
Sie alle kennen die Regeln, dennoch weise ich noch mal auf das wichtigste hin. Bitte bleiben Sie sachlich und rufen nicht hinein, sondern nutzen den Meldeknopf an Ihrem Pad, ich werde das Wort möglichst fair an möglichst viele Anwesende erteilen.

Ich begrüße heute neben mir Rat Wes Janson, Ian Dice und Rätin Eowyn El'mireth. Alle drei waren Augenzeugen und Beteiligte bestimmter Phasen unseres Kampfes gegen das C-Virus in den letzten Monaten, welcher unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt werden musste, um den Erfolg nicht zu gefährden. Sie werden nach unseren Erklärungen erkennen, weshalb und welch tragende Rolle alle drei gespielt haben. Ich erteile nun, um in der Chronologie halbwegs einheitlich zu bleiben, als erstes Rat Janson das Wort. Bitte.« Rornan machte eine zuweisende Geste mit der Hand und blickte zu Wes.
»Guten Tag, geschätzte Anwesende,«

Begann der Taanaber seine Rede.

»Zuallererst möchte ich ein Eingeständnis machen. Wir haben der Öffentlichkeit für eine lange Zeit die Wahrheit über die Urheberschaft des Coruscant-Virus vorenthalten. Dass es sich bei dem Virus um eine Biowaffe handelte, von einem Team unter der Leitung des verschiedenen Imperators Allegious höchstpersönlich entwickelt, war uns seit geraumer Zeit bekannt – wobei das ›uns‹ in diesem Fall für die Führungen von Jedi-Orden, Militär, Geheimdienst und Regierung steht. Die Geheimniskrämerei war notwendig, um die Mission zur Beschaffung des Heilmittels nicht zu gefährden, und um den Ausbruch von noch größerem Chaos und Gewalt zu verhindern,«

Erklärte Wes. Ein wesentlicher Aspekt war seinerzeit auch gewesen, dass man zu vermeiden suchte, dass Teile der Politik den Friedensvertrag aufkündigen wollen würden. Das Thema Krieg würde er nicht erwähnen, solange nicht absolut nötig. Es würde ja ohnehin bald genug dazu kommen.

»Doch die Geheimhaltung endet jetzt. Der Jedi-Orden legt seine Karten nunmehr auf den Tisch. Ich war dabei, als die Republik die Beweise für die imperiale Urheberschaft des C-Viruses erlangte. Hinweise darauf hatten wir bereits, doch wir brauchten mehr als das. Es war auf dem Höhepunkt der Pandemie und wie so viele Male in dieser Krise arbeiteten Militär, NRGD und Jedi-Orden Hand in Hand zu deren Bewältigung zusammen. Die ursprüngliche Information kam von den Marines, die hier auf Coruscant einen imperialen Kollaborateur aufgriffen, der dabei gewesen war, die Bevölkerung gegen Republik und Jedi aufzuhetzen. Dessen Befragung ergab, dass in einer vorgeblichen ›Tierarztpraxis‹ im Vergnügungsviertel Freiwillige durch Zahlung einer großen Summe Credits für das Testen eines angeblichen Aufputschmittels in Form eines Energy Drinks gewonnen wurden. Als ob die Konstellation für sich nicht schon verdächtig genug gewesen wäre, waren zwischenzeitlich sämtliche Freiwillige an Allegious' Virus erkrankt.

In Windeseile wurde daher ein Team aus allen verfügbaren Kräften, Marines, reguläre Armee, Geheimdienst, Jedi-Wächtern und -Ermittlern zusammengestellt, um eine Razzia der angeblichen ›Tierarztpraxis‹ durchzuführen. Es wurden zwei Teams gebildet, um das Objekt in die Zange zu nehmen und die Flucht von Verdächtigen auszuschließen. Diese wurden in einem Blitzschlagsmanövern von Angriffstransportern in's Ziel gebracht und stießen sofort auf heftigen Widerstand durch gefährliche Wildtiere, Sprengfallen und IGD-Agenten. Auch chemische oder möglicherweise biologische Waffen wurden gegen uns zum Einsatz gebracht, mit dem Zweck, uns aufzuhalten, bis die Beweise der imperialen Täterschaft beseitigt werden konnten. Dieses Vorhaben scheiterte jedoch. Es wurden Gefangene gemacht, denen die Information zu entlocken war, dass die Beweise der Imperialen in einer Müllpresse entsorgt worden waren, woraus sie unter höchster Lebensgefahr geborgen werden konnten. Desweiteren wurden Flüchtende aufgehalten, die sich im Besitz von Ampullen mit zu dem Zeitpunkt bereits ausgestorbenen früheren Varianten von Allegious' Virus befanden.«


Wes machte eine rhetorische Pause, als er die Information sacken ließ, bevor er weitersprach.

»Die Beweise wurden aufgeteilt. Der NRGD erhielt die Daten zur Erforschung, die Jedi untersuchten die Virusproben. Die Untersuchungen ergaben, dass es damit allein nicht getan sein würde, dass es nicht möglich wäre, allein daraus ein Heilmittel zu entwickeln. Der Plan entstand, die dafür nötigen Proben und Informationen direkt an der vermeintlichen Quelle zu beschaffen, auf der Thronwelt Bastion selbst. Dieser wurde vom Rat beschlossen und dem Kanzler aufgrund der Brisanz zur Entscheidung vorgelegt. Nach dessen Einverständnis startete die Mission und damit übergebe ich das Wort an Ian Dice, der Ihnen mehr dazu sagen kann,«

Schloss der Rat seine Ansprache. Puh… er studierte die Gesichter der dutzenden anwesenden Journalisten und versuchte, die Stimmung aufzufassen. Außerdem brauchte er Wasser, um seine Kehle nach der langen Rederei zu befeuchten. Ale wäre ihm allerdings jetzt gerade wesentlich lieber. Starkes Ale, am besten gemischt mit noch stärkerem Kaf.

Coruscant – Jedi-Tempel – Nebenraum der Pressekonferenz – Journalisten, Wächter, getarnte Schatten – auf dem Podest Ian, Eowyn, Rornan (NPC) und Wes
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - mit Elise



Keine Erwiderung, keine Reaktion auf das Klopfen, das zu einem Hämmern anschwoll und das Riuen panisch denken ließ, dass jemand anders diese Nachricht hatte verfassen lassen. Dass das keinen Sinn ergab? Nun, das hätte der Chiss sich denken können, wäre er gerade dazu in der Lage, die Sache rational anzugehen. Er hatte Angst. Nein, er hatte panische Angst und Angst und Verstand waren nun einmal kein Pärchen.
Dann, plötzlich, wobei plötzlich nicht stimmte, denn wenn man minutenlang hämmerte, dann war etwas nicht plötzlich, glitt die Türe surrend zur Seite und obwohl der blaue Hüne eben noch gerannt war, waren seine Beine nun bleischwer. Was, wenn er zu spät gekommen war? Was, wenn die Nachricht wirklich von jemand anderem verfasst worden war, um ihm schonender beizubringen, dass er nichts mehr tun konnte? Dann sah er sie. Sah, wie sie lag und sie sah so schwach aus, so schlimm, so sehr nach einem Menschen, der kaum noch lebte, dass sich alles in dem Chiss zusammenzog. In Zeitlupe stand Elise auf und Riuen stand da, stand da wie eine Karbonitstatue, unfähig irgendetwas anders zu bewegen, als seine Augen. Die ihr folgten. Die jeden Schritt, jedes Zittern, jede winzig kleine Bewegung wahrnahmen. Langsam, unendlich langsam kam Elise auf ihn zu und ihr Tempo stand in so krassem Widerspruch zu allem, was Riuen in diesem Moment fühlte. Seine Angst konnte nicht weichen, obwohl Erleichterung, Hoffnung und Freude mit den Hufen scharrten. Er sah ihre Träne und spürte, dass da aberdutzende hinter seinen eigenen Augen warteten. Bis sie schließlich vor ihm stand und als sie es war, die die Arme hob, als es ausgerechnet Elise war, die Riuen umarmte, erschauderte der Chiss und spürte, wie dieses Erschaudern durch seinen ganzen Körper ging. Er traute sich kaum, seine Arme um seine Meisterin zu legen, aus Angst, er könnte sie zerbrechen, denn sie wirkte so zerbrechlich, so zerbrechlich, als würde der Hauch eines Atems ausreichen, um sie für immer umzustoßen. Trotzdem. Trotzdem legte er seine Arme um sie, so vorsichtig er konnte, obwohl er sie am liebsten an sich gepresst und überhaupt nicht mehr losgelassen hätte. Dann, endlich, erfüllte ihn Erleichterung und Dankbarkeit. Sie war wirklich aufgewacht. Sie war wirklich, wirklich aufgewacht, stand hier, und obwohl sie wie ein Schatten ihrer selbst aussah, mit dunklen Ringen und so blass, als hätte sie seit Monaten keine Sonne gesehen: Sie lebte. Sie lebte!
Beinahe wäre es aus hm herausgebrochen, beinahe wäre er direkt in Tränen ausgebrochen, doch Riuen schluckte schwer und räusperte hörbar, einmal mehr, als Elise sich löste, eine Hand aber noch an seinem Arm beließ.


„Du bist wirklich wach“, kam dann, leise und er klang nicht wie jemand, der Witze machte, sein Selbstbewusstsein war Gefühl gewichen. Einem sanften Klang, über den er sich sonst sicher lustig gemacht hatte. „Ich habe jemand, der uns vielleicht helfen kann und eine Idee, Elise.“ Aber sie sollte nicht so lange stehen. Sie sah nicht aus, als würde sie das noch lange durchhalten. Sie… „Lass uns setzen, ich will nicht übergriffig sein, aber bitte, lass uns setzen.“ Ja, Riuen mochte oft genug ein Arsch sein, aber nie war er einer dieser Ärsche gewesen, die über Frauen bestimmten. Vorsichtig, sie stützend, führte Riuen Elise zurück zu dem Bett.
„Ich werde zu Eowyn gehen und sie bitten, mich zum Ritter zu schlagen und dann stelle ich ein Team auf, das mit mir nach Thearterra reist. Einen Verrückten habe ich schon gefunden. Aber …“ Riuen hielt inne. Scheiße, dachte er und schluckte erneut. „Wie geht es dir? Wie bist du aufgewacht? Ich bin so froh, ich bin so verflucht froh, dass du überhaupt wach bist, ich dachte, ich dachte…“ Riuen spürte, wie seine Stimme brechen wollte. „Scheiße, du willst mich noch weniger heulen sehen, als ich mich selbst“, hätte Riuen gerne als Posse gerissen, hörte aber selbst, dass dies nicht gelungen war.



Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - mit Elise
 
Coruscant - Jedi-Tempel - vor der Eingangshalle, mit Draen und anderen

"Schön, dann haben wir ja was gemeinsam."


Wieder grinste Sarina Draen an, der Riuen wohl auch gerade erst kennengelernt hatte. Und der Mensch gab zu, dass er mit seinen Gedanken ganz wo anders war. Vermutlich bei dem, weswegen er hier war? Dann war es wohl gut, sie kamen zum Punkt. Nicht nur, weil Sarina noch andere Sachen vorhatte.
Und als Draen schließlich mit dem Grund seiner Answesenheit rausrückte, war klar, dass diese "anderen Sachen" keine Chance mehr hatten. Byebye, Kaff und Pressekonferenz... Die würde sie wohl nachträglich gucken müssen. Aber das hier war jetzt wichtiger.


"Oh."

Tja, es war wohl verständlich, dass Draen durch den Wind war. Es war nie einfach, so was krasses über einen selbst zu erfahren; und obwohl Sarina diese Erfahrung so nie gemacht hatte, weil sie schon als Kind im Orden gewesen war, verstand sie gut, dass so eine Nachricht einen doch ziemlich aus der Bahn hauen musste. Da plante man sein Leben und dann, peng, erfuhr man, dass man jemand ganz anderes war, zumindest potentiell.
Draen war sehr freundlich und gab ihr die Gelegenheit, sich aus der Aufgabe zurückzuziehen, aber das war ja Quatsch. Ja, klar, sie hatte vor einer Minute noch ganz andere Pläne gehabt, aber jemanden wie ihn jetzt einfach hier draußen rumstehen lassen? Pf. War sie ein Arschloch oder was?


"Vergiss es", antwortete sie kopfschüttelnd. "Ich lass dich doch jetzt nicht hier rumstehen, was denkst du denn? Ich kann mir vorstellen, dass das ziemlich verwirrend ist, was du gerade durchmachst. Und ich hatte gerade ohnehin nichts besonderes vor."

Zumindest nichts so besonderes, dass sie es nicht abblasen konnte.

"Vorschlag. Wir gehen da jetzt rein, und wir checken nach, ob dieser Riuen recht hatte. Ich nehme an, er hat keinen Test gemacht?"

Unwahrscheinlich, man trug das Equipment dafür ja nicht einfach mit sich herum in der Regel. Manche wenige konnten das irgendwie spüren, aber Sarina konnte das nicht wirklich, und bevor sie hier jemanden in die Geheimnisse des Ordens einweihte, der womöglich sogar ein Spion war (auch wenn sie das bezweifelte), ging sie lieber auf Nummer sicher.

"Also keine Sorge, bestimmt hatte er das, kein Jedi sagt das einfach so spontan, ohne sich sicher zu sein, aber ich würde mich besser fühlen und du vielleicht auch?"

Schließlich war er überrumpelt, manchen half es dann, irgendwelche Testergebnisse lesen zu können, damit sie wirklich glaubten, was da passierte.

"Und wenn wir das erledigt haben, kann ich dich ein bisschen rumführen. Es ist gerade einiges los hier, wegen der Pressekonferenz, dem Virusblabla und dem wahrscheinlichen Krieg, aber wir gehen dem einfach aus dem Weg.
Käme es denn für dich überhaupt in Frage, dich ausbilden zu lassen?"


Fragend sah Sarina Draen an. Klar, machtsensitiv gut und schön, aber wenn er es ziemlich ausschloss, eine Ausbildung anzustreben - was sie gut verstand, "Jedi" war nun nicht wirklich ein normaler Beruf - dann konnten sie den Test machen und erst mal abwarten, weil eine Führung oder so dann nicht wirklich notwendig war.

Coruscant - Jedi-Tempel - vor der Eingangshalle, mit Draen und anderen
 
Coruscant – Jedi-Tempel – Nebenraum der Pressekonferenz – Journalisten, Wächter, getarnte Schatten – auf dem Podest Ian, Eowyn, Rornan (NPC) und Wes

Gleich würde er umfallen. Entweder, weil seine Beine nachgaben, oder weil sein Herz explodieren würde. Gemeinsam mit dem Herzschrittmacher, der bestimmt vollkommen überfordert mit der weiteren Arbeit war. Und die Enge des Raums. Diese verfluchte Enge. Der Konferenzraum zog sich zusammen, wurde kleiner, winziger und da waren so, so viele Wesen. Niemals konnten so viele Wesen in einen Raum passen. Niemals würde genug Luft in einem engen Raum sein, um so viele mit Sauerstoff zu versorgen. Herz, Beine, Enge, Wesen – die Situation wurde immer bedrohlicher. Bis, ja bis er etwas wahrnahm. Nicht etwas, jemanden. Da war laut und deutlich Eowyns Stimme, die sich in sein Bewusstsein drängte. Alles gut, erklang ihre Stimme direkt in seinem Kopf. Über Wochen hinweg hatte er sie gespürt, ihre Angst, ihre Panik, ihre Pein, hatte versucht, ihr mentale Nachrichten zu senden, ohne je zu wissen, ob auch nur eine bei ihm ankam. Und jetzt, jetzt war es das erste Mal, dass er spürte, wie sie Kontakt aufnahm, mit ihm sprach. Sie war bei ihm. Sie war bei ihm – und tatsächlich, es fühlte sich so an. Sie war da, das erste Mal war sie irgendwie da, seit Bastion. Atmen. Ja, ja, das klang gut und Ian fokussierte sich darauf, genau das zu tun. Einatmen. Ausatmen. Mit dem Atem kam die Beruhigung. Der Raum war noch immer zu eng, aber er verlor seine Bedrohlichkeit und es gelang dem Menschen, sich den Weg durch die Menge zum Platz neben Eowyn zu bahnen, die, als er sich setzte, unter dem Tisch nach seiner Hand griff. Warm schloss sie sich um seine kalte, schweißnasse Hand, ließ diese nicht los und zum ersten Mal, seit sie sich wieder gesehen hatten, zum ersten Mal nach Bastion, schien das Fremde, das sich zwischen sie gedrängt hatte, verschwunden zu sein.

Ian grinste bloß, als sie erklärte, wie wunderbar er aussah. Das war nichts, was jetzt von Belang war, auch wenn ihn ihre Worte zu einem anderen Zeitpunkt vielleicht gefreut hätten. Viel bedeutender war, dass die alte Eowyn aufblitzte, nein, für Sekunden zurückgekehrt schien. Schokolade und Bäuchlein. Das brachte ihn tatsächlich zu einem warmen, zu einem echten Lächeln, das mit der nächsten Botschaft sofort wieder verschwand, um einem tiefen Seufzen Raum zu geben. Ein Angriff auf Kashyyyk. Ein kriegerischer Akt. Ausbruch des Krieges. Das – das war nicht gut. Aber es würde kaum etwas ändern, denn der Krieg hatte nicht erst damit begonnen.


Ich wusste es nicht. Aber ich vermute, dass nicht das der Tropfen sein wird, der das Fass zum Überlaufen bringen wird.“

Dann war es Rat Rornan, der die Konferenz eröffnete, als er sich an die Anwesenden im Saal wandte, um Ruhe bat und die Redner:innen vorstellte. Wes war schließlich der Erste, dem das Wort erteilt wurde. Schon in seiner Einleitung offenbarte er allen, dass die Wahrheit über den Ursprung des Virus bisher der Allgemeinheit vorenthalten worden war. Dann legte er offen, dass in einer angeblichen Tierarztpraxis Freiwillige gegen Credits mit dem Virus infiziert worden waren. Eine Information, die auch für den Dunkelhaarigen neu war, doch er verzog keine Miene. Er sprach weiter von einer Razzia, die auf Hinweise eines Marines durchgeführt worden war. Dabei waren ältere Virusproben sichergestellt worden. Die kleine Pause, die folgte, nutzte auch Ian, um sich und seine Gedanken zu sortieren, und dann gab Wes das Wort an ihn weiter und Ian straffte sich.
„Guten Tag“, wandte auch er sich an die Anwesenden.Zuerst möchte ich dem Rat danken, dass ich auf dieser Konferenz sprechen darf und ich danke allen Anwesenden für ihr Erscheinen. Ich möchte vorwarnen, dass das, was ich zu sagen habe, nicht einfach zu hören sein wird. Ich habe keine Rede geübt und alles, was ich zu sagen habe, ist, was ich über das Virus, über seine Vorgeschichte und über das Verschwinden davon sagen kann.“ Ian blendete die Anwesenden aus, denn sah er sie nicht, war es einfacher zu sprechen.

„Mein Name ist Ian Dice und bis vor wenigen Monaten bin ich Mitglied des Sith-Ordens gewesen. Ich hatte den Rang eines Vollstreckers. Darth Keebo war mein selbst gewählter Name. Ich“, Ian stockte kurz, denn er wusste nicht, ob die Anwesenden mit den Rängen vertraut waren, daher beschloss er weiter auszuführen, „war damit kein frischer Sith mehr, nicht mehr ganz unten. Über Jahre bin ich ein Sith gewesen und vermutlich hätte nicht mehr viel Zeit gefehlt, um ein Lord zu werden. Die letzte Stufe bis ganz oben.Er würde nicht erklären, was das bedeutete, denn vermutlich würde allen klar sein, dass er damit alles andere als ein Anwärter gewesen war, aber … vermutlich war es sinnvoll, mehr zu sagen. „Das bedeutet, dass ich in vielen Punkten ein Schuldiger bin.“ Die Pause, die jetzt folgte, war, um zu atmen. Sekunden schloss Ian die Augen, sammelte sich und sprach dann weiter.

„Ich war mit meiner Schülerin Cyna, einer Twi’lek, gerade am Raumhafen von Bastion angelangt, als uns eine Fremde eine Depesche mit dem Siegel Allegious überreichte. Er würde mich im Thronsaal erwarten.“ Ihn fröstelte es erneut, genau wie damals, als er diese Nachricht überbracht bekommen hatte und während Ian sprach, bemühte er sich nicht, seine Gefühle zu verbergen. Der sonst tunlichst auf jede Geste, jedes Mienenspiel achtende Mann zwang sich, so natürlich aufzutreten, wie es ihm möglich war.

„Ich werde Namen nennen, viele, die vielleicht bedeutungslos erscheinen, aber sie beweisen, dass ich nicht lüge. Zeigen Details, die nur jemand kennt, der das erlebt, der dabei war. Was ich sage, gilt, um allen die Wahrheit über das Virus zu berichten und ich weiß, dass Wahrheit durch die aktuellen Umstände ein … wie ein hohler Begriff klingen mag. Vor allem, wenn jemand 'die' Wahrheit sagt. Aber Wahrheit ist nicht hohl und mnchmal gibt es nur eine Tatsache die wahr ist. Vor dem Thronsaal erschienen und waren weitere Sith. Darth Sting, ein Lamproid, der ebenfalls Krieger war, Kossekos, ein Trandoshaner, im Rang eines Schülers. Am Ende, im Thronsaal selbst, nur noch Allegious, Darth Nergal, ebenfalls Exekutor und ich.“

Ian spürte, wie sich ein Kloß in seinem Hals bildete, doch er schluckte, räusperte sich und sprach weiter.

„Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich keine Ahnung, warum ich persönlich bei Allegious erscheinen sollte. In der Depesche stand nichts. Er begann zu uns zu sprechen.“ Und wie gerne hätte auch damals Darth Keebo nichts davon gehört. Vor Monaten schon habe er sich in seine Labore zurückgezogen und ein Virus entwickelt. Ein Virus, das durch einen … Impuls der dunklen Seite von ihm ausgelöst werden könnte. Ein Virus aus Symbiose der dunklen Seite und genetischen Strängen, mit absoluter Wirkung. Ein Virus, das er durch einen Träger auf Coruscant aktivieren wollte. Aber davor, davor sollte ich gemeinsam mit anderen Abgesandten in den republikanischen Raum reisen, um Möglichkeiten für Friedensverhandlungen auszuloten. Das Lockmittel war Coruscant. Ein Beweis: Allegious überlässt, schenkt quasi der Republik Coruscant.“

Er erinnerte sich, wie er Eowyn davon unterrichtet hatte, wie sie ihn ungläubig angestarrt hatte, dass er sie nach Coruscant gebracht hatte. Wie ihm dieses alles andere als kleine Detail beinahe entfallen war. „Er war überzeugt, dass sich das Imperium die Hände in Unschuld waschen würde, weil, wie formulierte er es? Unwichtige, nein ... belanglose imperiale Planeten rundherum ebenfalls betroffen sein würden. Die Republik würde untergehen, damit Frieden für das Imperium, nur das Imperium, möglich wäre.“

Allegious hatte eine kleine Kunstpause folgen lassen und genossen, dass ihn beide angestarrt hatten. Nergal und er. Der Noghri hatte gewusst, dass sein Plan etwas auslösen würde. Nur nicht was. Nicht wie. Denn während Nergal treu ergeben war, war Keebo immer ein Zweifler gewesen. Bekannt und kritisiert für die Seite, die fühlen konnte.

„Er zog eine kleine Phiole aus seinem Gewand“, und Ian deutete die Geste und Größe des Behältnisses mit Daumen und Zeigefinger an, drehte seine Hand so, dass sein Sith-Tattoo gut sichtbar war.In ihr eine schlafende Version des Virus. ‚Wenn vom Feind,“ und Ian gab sich alle Mühe, wie Allegious zu klingen, „nur noch Staub und Knochen übrig sind, werden wir die Reichtümer ihrer Planeten uns einverleiben und die Mär von Demokratie und Gleichheit beenden.‘“

Ian bemerkte den kleinen Fehler nicht, bemerkte nicht einmal, ob er etwas mit seinen Worten auslöste oder nicht. Er wollte niemanden in seinen Bann ziehen, nur alle überzeugen. Und das konnte er nur, wenn er offen war. Offen mit allem, an das er sich erinnerte. Offen mit seiner Authentizität.

„Im leeren Raum zwischen Rendili und Corellia fanden die Vorverhandlungen statt. Ich gab vor, ein Botschafter zu sein, nutzte ein Anagramm meines Namens. Wie dumm und unüberlegt. Acini Ed. Ich war auf dem Schiff Valkyre von Commander Avalosh’ari’nuruodo, kurz Sharin, ein Chiss. Wir, Sharin und Offizierin Lieutenant Zora Oriana, setzten über an Bord der Reliant, wo uns Commander Jhassa, ein Kel’Dor, und Commander No, ein Kaminoaner, außerdem Shame Lynch, ein Humanoid und Angestellter des Außenministeriums des Senats erwartetn. Wir ließen uns kontrollieren, zeigten unsere zum Teil gefälschten Dokumente und behaupteten, dass unsere Majestät Allegious um einen Waffenstillstand bäte. Ein Beweis unserer Ernsthaftigkeit sei, dass alle damals bestehenden Offensivmaßnahmen, wie die gegen das Hapan-Cluster, eingestellt worden waren. Wir würden sofort Frieden wollen. Nicht irgendwann. Jetzt. Bei einem Friedensschluss soll der Corellian Run bis Coruscant der Republik gehören. Das haben wir gesagt. Unser Lockmittel.“

Ein widerliches Lockmittel. Ein vergiftetes Geschenk. „Bedingungen wurden ausgehandelt und wie allen Anwesenden bekannt sein wird, waren die Vorverhandlungen ebenso positiv wie das, was kurzfristig folgte. All unsere Unterschriften befanden sich auf dem Dokument. Nach meiner Unterschrift wollte ich nur noch eins. Vergessen. Vergessen, dass ich eine Lüge unterzeichnet hatte. Vergessen, dass ich damit Mitschuld am Tod von Millionen Unschuldigen haben würde. Ich wollte nur vergessen.“
Noch immer schämte sich Ian für diesen Wunsch und für den Schritt, der darauf gefolgt war. Der Umweg nach Nar Shaddaa.
Ich reiste nach Nar Shaddaa, dort traf ich erstmals auf Eowyn. Wir kamen ins Gespräch, diskutierten heftig, wir flogen schließlich gemeinsam nach Coruscant. Dort offenbarte ich mich ihr und wir wollten nach Lianna, damit ich vor den Rat treten kann, um auch ihm die Wahrheit über den Ursprung des Virus zu sagen. Aber wir stürzten ab auf Va’art, einem Mond, und waren über Wochen dort gefangen.“

All das war einfach verkürzt, aber alles, was dort geschehen war, war irrelevant. Bis auf eine Sache. Ian hatte versprochen, dass er ihre Beziehung nicht an die große Glocke hängen würde und doch würde er sie erwähnen müssen. Alles andere wäre nicht gut gewesen. Die Presse würde Fragen stellen und Ian wollte sie vermeiden.


„Auf Va’art verliebte ich mich in sie und es war mein Glück, dass das nicht einseitig blieb. Nach einem Hilferuf wurden wir gerettet, auf Lianna trat ich vor den Rat und wurde vorläufig im Orden festgenommen. Ich wurde gut behandelt, weder gefoltert noch irgendwie gequält – obwohl der Rat wusste, wer ich war und was ich getan hatte.“
Das war ein so entscheidender Unterschied zum Imperium, zu den Gesinnungen. So verdammt entscheidend.

„Auf Coruscant versuchte ich, so viele Wesen wie möglich zu heilen. Es mag absurd klingen, aber Heilen war schon bei den Sith meine Stärke. Aber es gelang nicht, genug zu heilen. Es war absolut unmöglich, allen zu helfen, und so schlug ich dem Rat vor, dass ich nach Bastion reisen wollte. Um dort den Ursprung zu finden. Damit wir endlich, endlich ein Gegenmittel entwickeln können, damit das Sterben aufhört.“ Die Stimme Ians wurde vehement und dennoch zitterte er bei den letzten Worten.


„Um keinen Verdacht bei den Sith zu erwecken, schlug ich vor, Eowyn als Geisel nach Bastion mitzunehmen. Eowyn, die ich um den Finger gewickelt habe, um ein kostbares Geschenk an den Imperator zu übergeben und mir den Rang des Lords zu ermöglichen. Wir reisten nach Bastion. Ich gab meine Trophäe dort ab. Ich erlaube mir nicht, über die Folter zu sprechen, die Eowyn widerfuhr. Meine Aufgabe war die: Finde das Labor von Allegious in den Katakomben. Finde den Ursprung des Virus. Über Wochen suchte ich, erstellte Karten und gemeinsam mit Brianna Kae, Ritterin, vermeintliche Überläuferin und Schülerin Janus Sturns, eine Echani, genau wie Brianna selbst, fanden wir das Labor. Und im Labor die Proben.“

Hatte er damit nicht das Wesentliche gesagt? Alles, was die Anwesenden wissen mussten?
Nein. Nein, das war die Zusammenfassung der Ereignisse gewesen, nicht aber das, was Ian noch sagen musste.


„Friede ist Lüge, es gibt nur Leidenschaft.
Durch Leidenschaft erlange ich Stärke.
Durch Stärke erlange ich Macht.
Durch Macht werde ich zum Sieg geführt.
Durch den Sieg zerbrechen meine Ketten.
Die Macht wird mich befreien.“


Er zitierte den Kodex der Sith mit bitterer Stimme und wie absurd war es, dass es der erste Satz verriet, was von Allegious und seinem Frieden zu halten war. Oder von einer neuen Imperatorin, die dem gleichem Kodex folgte.
Diese Worte waren keine Lüge. Allegious und dem Imperium lag nie etwas am Frieden. Der Krieg war von langer Hand vorbereitet. Ich bin kein Jedi und auch kein Mitglied der Neuen Republik." Was hatte er also davon, sich selbst um Kopf und Kragen zu reden? Hoffentlich begriffen das die Anwesenden. "Ich war ein Sith, ein Imperialer, aufgewachsen auf Telos und ein Mörder und vielleicht haben meine Worte kein Gewicht. Aber dieser Krieg ging niemals, zu keiner Sekunde von der Neuen Republik aus. Das Imperium hat ihn begonnen. Allegious hat ihn begonnen und schon immer im Sinn gehabt. Briannas und Eowyns Auslieferung zu fordern ist eine zutiefst berechnende und zu verachtende Taktik, um abzulenken. Bauernopfer," ein kurzer, entschuldigender Blick zu Eowyn, "um der Galaxis weiszumachen, sie hätten den Krieg angezettelt.“

Als er weitersprach, war eine andere Vehemenz in der Stimme des Dunkelhaarigen.

„Ich kann und werde niemanden zwingen, das zu glauben. Wahrheiten lassen sich nicht erzwingen. Aber ich bitte alle Anwesenden und alle, die das hier hören, für einen Moment in sich zu gehen und zu prüfen. Die Republik und die Jedi haben verzweifelt versucht zu heilen. Ich habe Jedi gesehen, die alles gegeben, die sich verausgabt haben. Die Sith und das Imperium, ich, wir haben von Anfang an gelogen. Nicht geholfen. Kein Sith hat sich gekümmert und im angeblichen Frieden Zusammenarbeit angeboten. Es ging Allegious um Reichtum und Macht. Den Rest scherte es nicht. Denn wie ich es zitierte, wie es der Kodex vorgibt: Frieden ist eine Lüge. Und für das Imperium gäbe es maximal Frieden für Angehörige. So lange es dem eigenen Status hilft. Die Macht nicht schmälert.“

Er sah Tahiri vor sich, hörte, wie sie verzweifelt versucht hatte, ihn immer und immer zu überzeugen, wie schlecht das Imperium war.

„Ich wünschte, ich hätte vorher erkannt, was das Imperium ist. Was der Orden der Sith ist. Ich wünschte, ich hätte als junger Mann auf meine erste Liebe gehört. Tahiri Nolaee, die mich immer wieder warnte. Aber ich habe Jahrzehnte die Augen verschlossen und dieses System unterstützt, ihm geglaubt, vor allem, als die Jedi mir eine Ausbildung bei ihnen verboten, weil mein Hass übermächtig war. Wenn es Schuldige gibt, und die gibt es, dann Personen wie ich. Dann alle Sith und alle, die das Imperium unterstützen. Allegious als Initiator.“

Es war das erste Mal, dass er bewusst in den Saal sah, versuchte, Blickkontakt herzustellen. Als ihm heiß und kalt und wieder heiß wurde. Der Mann hoffte flehentlich, dass man ihm glauben würde.

„Die Augen zu verschließen ist das Gleiche, wie aktiv beteiligt zu sein. Es ist genau das Gleiche. Nicht zu helfen macht ebenso schuldig. Allegious hat das Virus erschaffen. Ein paar eingeweiht. Den Krieg herbeigeführt und im Stillen begonnen“, schloss er ernst und absolut überzeugt.

Sollten sie ihn hassen. Das wäre gerecht. Ihn und das Imperium. Aber nicht die, die beinahe ihr Leben und ihre mentale Gesundheit gegeben hatten. Nicht die, die für Recht und Gerechtigkeit eingetreten waren.


Coruscant – Jedi-Tempel – Nebenraum der Pressekonferenz – Journalisten, Wächter, getarnte Schatten – auf dem Podest Ian, Eowyn, Rornan (NPC) und Wes
 
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Kernwelten Corusca-Sektor Coruscant Senatsdistrikt vor dem Jedi-Tempel Sarina Thorne und Draen Tel'Set

Draen beobachtete Sarina aufmerksam, während sie sprach: ehrlich, klar und ohne viel Schnickschnack. Trotz ihrer Direktheit spürte er, dass sie eine gewisse Fürsorge in sich trug. Er sah die kleinen Regungen in ihrem Gesicht – die Art, wie sie den Kopf leicht schüttelte, die Wärme in ihren Augen, die zeigte, dass sie verstand, wie aufgewühlt er war. Er war überwältigt von den Neuigkeiten, die er gerade erhalten hatte, doch ihre Worte brachten ihm das Gefühl, nicht allein zu sein in diesem Chaos. Es war, als ob sie ihm eine unsichtbare Hand reichte, die ihn auffing, auch wenn alles um ihn herum noch so unübersichtlich war.

Dankbarkeit aber auch Erleichterung erfüllten den Tirahnner.
„Danke“, sagte er leise, fast flüsternd, während er den Blick senkte. „Dass du das sagst, bedeutet mir wirklich viel.“ Sein Blick hob sich wieder, fest und entschlossen. „Ich schätze deine Offenheit sehr. Es ist schwer, mit dieser neuen Information umzugehen, und ich bin sicher, es wird eine Weile dauern, bis ich das alles verarbeite. Aber ich will versuchen, das Beste daraus zu machen, egal wie verwirrend es ist.“

Sarina sprach daraufhin weiter und fragte, ob Riuen einen Test durchgeführt hätte. Hatte er das? Wie hatte so ein Test auszusehen? Da kamen dem Wissenschaftler wieder die
Midi-Chlorianer in den Sinn. Sie waren diese wissenschaftlich nachhaltbare Brücke zur mystischen Welt der Macht. Ihre Ausprägung und Aktivität waren laborchemisch bestimmbar. Wenn der Test positiv ausfiel, gab es keinen Zweifel, dass diese Verbindung tatsächlich bestand. Das musste der Test sein, den Sarina meinte.

Letztlich hatte Riuen jedoch Draen bloß damit konfrontiert, dass er in ihm Machtsensitivität wahrnehme. Es hatte keine konkrete Testung gegeben, definitiv keine Laboranalyse. Es war schon merkwürdig. Gerade er als Mann der Wissenschaft war der bloßen Aussage seines Gegenübers gefolgt, so als hätte eine unsichtbare Energie ihn gelenkt; ihm die bedingungslose Wahrheit offenbart. Es hatte keinen Beweis gebraucht. Er hatte keinen Beweis gebraucht. Wenig später waren sie bereits hier vor dem Jedi-Tempel angekommen. Sonst hatte jede seiner wissenschaftlichen Hypothesen experimentelle Analysen bestehen müssen, aber diese Information war ungefiltert und direkt als bare Wahrheit zu ihm durchgedrungen. Und es gab kein Gefühl, dass ihm sagen wollte, dass er sich irrte.

Irritiert über sich selbst und den Automatismus seiner Handlungen stimmte Draen Sarina zu.
„Ja“, erwiderte der Mediziner. „Gerne können wir einen Test machen. Dass Riuen einen Test gemacht hatte, kann ich nicht bestätigen.“

Die Jedi führte weiter aus und erklärte, dass sie ihn – sofern er wollte – herumführen könne. Erneut erwähnte sie eine Pressekonferenz, sprach dann weiter von einem Virus, mutmaßlich dem C-Virus auf Coruscant, und schließlich dem aufkeimenden Krieg. Draen spürte die Schwere, die in Sarinas Worten mitschwang, als sie die aktuellen Entwicklungen der Galaxis erwähnte. Die Unruhe, die sich in der Galaxis ausbreitete, war förmlich greifbar. Die Folgen der Krise um das C-Virus, die Spannungen mit einem neu aufkeimenden Krieg – all das lastete auf der Galaxis wie eine dunkle Wolke. Der Frieden war zerbrechlich und schnell konnte alles in Chaos umschlagen. Doch was bedeutete das für sein bisheriges Leben? Er wusste, dass die meisten als Kinder hierherkamen, getrennt von ihrer Familie, und ihre Ausbildung begannen. Sie hatten noch keinen anderen Lebensweg kennengelernt und für sie war das hier der einzige Weg, den sie kannten. Bedeutete das nun, dass er sein vorheriges Dasein aufgeben würde? Was war mit seiner Tätigkeit als Mediziner? Was war mit seinem Forschungsprojekt? Was mit seiner Familie und dem Familienunternehmen? Würde er Tirahnn nun den Rücken kehren?

Zugegebenermaßen, im Unternehmen war er kein personeller Bestandteil, doch was würde seine Familie dazu sagen? Er hatte immer gewusst, dass er irgendwann eine Entscheidung treffen musste, doch jetzt schien alles auf einmal so endgültig. Er hatte nur einen Kongress auf Coruscant geplant, nur eine kurze Abwesenheit. Und jetzt? Würde er einfach von Tirahnn fernbleiben? Wie sollte er das erklären? Es war schwer, die richtigen Worte zu finden, um seine innere Zerrissenheit zu beschreiben. Alles schien auf der Kippe zu stehen, und er wusste nicht, ob er den Mut aufbringen würde, um den richtigen Weg zu wählen. Alles war in Bewegung, und er stand mitten drin, unsicher, doch gleichzeitig von einer unbestimmbaren Neugier getrieben. Es war, als ob sich vor ihm eine Tür öffnen würde, deren Inhalt er noch nicht erahnte, doch die verlockend und vielversprechend wirkte. Ein Gefühl der Verantwortung, unbestimmbar und doch präsent, breitete sich in ihm aus, als ob eine unsichtbare Kraft ihn drängte, einen Schritt nach dem anderen zu wagen. Er spürte, dass hinter den kommenden Entscheidungen etwas Großes lag, etwas, das sein Leben für immer verändern könnte. Und während Zweifel und Fragen ihn begleiteten, fühlte er doch auch eine leise Zuversicht, dass das, was kommen würde, vielleicht die Antwort auf all seine inneren Fragen sein könnte. Er sah Sarina ernst an, mit einem leichten Nicken.

„Angesichts all dieser letzten Entwicklungen ...“, begann er ruhig. „... komme ich zu dem Schluss, dass ich meinen Beitrag in dieser Galaxis leisten möchte. Ich spüre eine Bürde, die auf dieser Galaxis lastet. Spannungen, die uns alle betreffen. Es ist vieles im Wandel und die Zukunft ist ungewiss.“ Er atmete tief durch, seine Stimme wurde nachdenklich. „Wenn die Möglichkeit besteht, mehr zu lernen, mehr zu verstehen, dann ist das für mich eine Chance, mich besser zu orientieren – in einer Zeit, in der alles so zerbrechlich ist. Ich will lernen, wie ich in dieser chaotischen Zeit helfen kann, wie ich meine Fähigkeiten einsetzen kann, um Individuen zu unterstützen, die von dieser Krise betroffen sind. Ich will verstehen, was in dieser Galaxis vor sich geht, und ich will einen Beitrag leisten, um Frieden zu erreichen und zu bewahren, so schwer das auch ist.“

Er machte eine kurze Pause, um seine Gedanken zu sammeln, erinnerte sich an das
Gespräch mit Dr. Amroth im Wald bei Rhovan, die aufkeimende Verantwortung, die er dabei empfand, und augenblicklich spürte er förmlich den sanften Windhauch, der sie auf der Lichtung am Wald umfing. „Ich weiß, dass das bedeuten muss, mein bisheriges Leben hinter mir zu lassen“, fuhr er fort, „Meine Arbeit als Mediziner, meine Forschung, meine Familie. Es ist eine schwere Entscheidung, doch ich spüre, dass es der richtige Weg ist. Ich kann nicht einfach nur zusehen, während alles um uns herum droht zu zerfallen. Es ist Zeit, Verantwortung zu übernehmen.“

Sein Blick wurde entschlossener.
„Ich würde es in Betracht ziehen, mich ausbilden zu lassen, wenn das bedeutet, dass ich helfen kann, das Richtige zu tun.“

Kernwelten Corusca-Sektor Coruscant Senatsdistrikt vor dem Jedi-Tempel Sarina Thorne und Draen Tel'Set
 
Coruscant - Jedi-Tempel - großer Pressesaal, u.a. mit Wes, Ian und Rornan (NPC), Malek, Presse

Wes war also auf Umbara gewesen - um wegen Sturn zu verhandeln? Um ehrlich zu sein, hatte Eowyn keinen blassen Schimmer gehabt, was der Orden mit dem komatösen Lord der Sith anfangen wollte. Offensichtlich... verhandeln. Etwas rausschlagen. Und es schien gelungen zu sein. Aber dann überraschte Wes sie - er hatte ihr etwas mitgebracht?! Sie konnte nicht anders, als überrascht eine Augenbraue zu heben. Leider oder zum Glück, sie wusste es nicht genau, unterbrach Rornan ihr Gespräch, und Eowyn kam drumherum, sich zu überlegen, was sie antworten sollte, oder sich überhaupt darüber klarzuwerden, was Wes damit ausdrücken wollte. Eine Art Entschuldigung? Vielleicht... Sie würden sehen.

Relevanter war jetzt die Pressekonferenz. Und bisher war Eowyn überhaupt nicht bewusst gewesen, was es bedeutete, dass Ahnas Person aus den Akten gestrichen wurde. Natürlich... das hieß, dass am Ende sie alleine verantwortlich war.
Oh. Ja... Aber was soll's. Das stimmte ja irgendwie auch. Was sollte es schon. Sie war doch ohnehin schon Sündenperson Nummer eins neben Brianna, dann machte das auch keinen großen Unterschied mehr, oder?

Sie betraten den Saal, und Eowyn fragte sich, wo Ian steckte, bis sie ihn spürte und ihr bestes gab, um ihm zur Hilfe zu kommen. Ian beruhigte sich, bekam sich in den Griff - gut gemacht. Sie öffnete ihre Augen, als er sich dem Tisch näherte, und erstarrte. Er... er war...
weiß. Er trug ausschließlich weiß. Noch nie hatte Eowyn ihn komplett so gesehen, bevorzugte er in der Regel doch dunkle bis schwarze Kleidung, und erst recht nicht in den letzten Wochen und Monaten auf Bastion. Außerdem trug er nicht nur weiße Kleidung, sondern auch noch äußerst gut sitzende Kleidung. Er sah... anders aus. Attraktiv wie immer, aber zusätzlich noch strahlend, hier zugehörig und selbstbewusst und...
Ian. Was für ein Statement. Oh Ian. Und sie... Sie
empfand. Sie fühlte. Zuneigung, Sehnsucht. Schmerz - aber es waren Gefühle. Für ihn. Sie fühlte... Und zum ersten Mal seit Bastion hatte sie den Wunsch, ihn...
Aber sie durfte das alles nicht, nicht jetzt. Später. Dann würde sie fühlen und alles analysieren können, aber
nicht jetzt.

Ihre Augen verfolgten seinen Weg bis hin zu dem Platz neben ihr, und sie schluckte. Sanft griff Eowyn dann unter dem Tisch nach Ians eiskalter Hand und drückte sie, wärmte sie, hielt sie dann fest; nicht zu stark, aber auch nicht so, dass er sie nur kaum spüren konnte. Sie würde ihn nicht loslassen, außer, er entzog sie ihr. Kurz checkte sie, ob die Mikrofone auch
wirklich aus waren, bevor sie sich ihm zuwandte und leise zuflüsterte. Du siehst so unglaublich fantastisch aus. Und du machst das großartig. Wirklich. Wir stehen das gemeinsam durch, und irgendwann werden wir zurückschauen und darüber lachen, wie viele Sorgen wir heute hatten, okay? Schokolade und Bäuchlein, Ian. Denk dran. Bewusst sah sie ihm in die Augen, suchte seinen Blick und bemühte sich, so viel Zuversicht und Entschlossenheit hineinzulegen, wie sie nur irgendwie konnte, ebenso wie alles, was sie gerade empfand. Und es schien zu funktionieren - sein Lächeln wirkte echt, wirkte so, als wären sie alleine, oder als wäre das hier nur die Bekanntgabe einer unwichtigen Ordensangelegenheit. Sie zögerte auch deshalb kurz, aber es war wichtig, und auch, wenn Ian Gefahr lief, völlig den Kopf zu verlieren, musste sie dann fragen. Hast du die Senatssitzung gesehen? Auf Ians Verneinung hin schloss Eowyn kurz die Augen. Stang... auch das noch. Musste ausgerechnet sie ihm das jetzt beibringen? Hör zu... bleib ganz ruhig. Der Kanzler hat... ohne das Wissen des Senats... Kashyyyk angegriffen. Heute. Frag mich nicht nach den Details, aber... das heißt... wir befinden uns seit kurzem im Krieg.
Fest drückte sie wieder Ians Hand, nur für den Fall, dass er erneut die Fassung verlor, aber es war unnötig. Ein Seufzen, und eine fast schon stoische Akzeptanz. Er reagierte wesentlich gelassener als sie selbst vorhin.

Sie hatten keine Zeit mehr, sich weiter darüber auszutauschen, denn jetzt, wo Ian hier war, ergriff Rornan das Wort. Eowyn hörte nur mit einem Ohr zu, denn diese Ansprache betraf sie nicht. Viel eher gab sie sich Mühe, sich zu sammeln und ruhig zu bleiben. Keine Schwäche zeigen. Keine Unsicherheit. Egal, wie sie
wirklich empfand - sie war stark, sie war stolz, sie war im Recht, sie war selbstbewusst. Sie war eine echte Rätin. Sie atmete. Sie war ruhig. Sie war sicher... und sie würde das hier bravourös über die Bühne bringen.

Dann begann Wes.

Keine Überraschungen an dieser Stelle, natürlich nicht, Wes war Profi. Er begründete das Stillschweigen, trug die Fakten klar und sicher vor, lieferte Beweise. Und wenn es nach Eowyn gegangen wäre, hätte er auch noch genauso souverän ein paar Sätze zu Bastion und Kast gesagt und die Sache wäre vorbei. Aber so würde es leider nicht laufen...

Eowyns Herz begann, heftig zu klopfen. Sie würde heute zu kämpfen haben, ja. Sie würde auf dem Prüfstand stehen, sie würde sich verantworten müssen. Aber das war nichts gegen das, was Ian erwarten konnte. Und vermutlich würde. Vieles hing davon ab, was und wie er nun sprechen würde. Das hier, das waren die letzten Sekunden. Die letzten Sekunden, in denen sie beide vielleicht noch Frieden haben würden...

Vorbei.

Eowyn schluckte und konzentrierte sich auf das Hier und Jetzt, anstatt auf das Wäre möglich, auch wenn sie am liebsten geflüchtet wäre, denn Ian machte wahr, was er angekündigt hatte. Er hielt mit nichts zurück. Das erste Eingeständnis - ein Schuldiger. Der detaillierte Bericht über die Begegnung mit dem Imperator. Das bewusste Zeigen seines Taith. Die Vorverhandlungen, die aber so oder so stattgefunden hätten. Und dann Va'art. Stoisch blickte Eowyn geradeaus, ließ sich nichts anmerken, reagierte nicht, als Ian in einem Satz ihre Beziehung offenlegte. Er hielt sein Versprechen, trat es nicht weiter aus, sondern fuhr gleich weiter fort, während ihr Herz noch immer schlug, als würde es aus der Brust springen wollen. Sachte drückte sie Ians Hand, als seine Stimme zu zittern begann und konzentrierte sich weiter darauf, einfach nur blind über die Köpfe der Anwesenden hinwegzuschauen.

Und nun - ihr Masterplan. Das galaxisweite Geständnis dafür, dass sie den Sith-Orden hintergangen hatten. Zuvor hatte Ian nur das Imperium verraten und den verstorbenen Imperator - nun hatte er ganz persönlich die Sith hinters Licht geführt, und diese würden das wohl kaum auf sich sitzen lassen.

Aber damit war nicht genug. Sie glaubte, ihre Brust müsste wirklich zerspringen, als er es sagte.
Mörder. Sicher... vermutlich würde irgendjemand es ohnehin herausfinden. Aber hier, heute? Diszipliniert blickte sie weiterhin geradeaus. Es war klar gewesen. Sie hatte es gewusst. Und trotzdem... trotzdem... Eowyn hoffte einfach nur, dass all seine vielen Worte nicht von diesem einen, kleinen Wort zunichte gemacht werden würden. Es hing so viel davon ab... und sie saß hier. Es hing einfach alles davon ab, und sie saß wirklich hier und würde gleich selbst das Wort ergreifen müssen. Dabei war es wirklich das allerallerletzte, was sie nun wollte... Atmen. Immer weiter atmen. Sie war stark. Sie war sicher. Sie war im Recht... und dieser Saal, alle, würde Ian auseinanderreißen. Die Journalisten würden ihn in der Luft zerfetzen. Sie würden ihn zerstören, seinen Kopf fordern, sie würden nicht begreifen, wie viel sie Ian zu verdanken hatten, und dass auch ohne ihn all das geschehen wäre. Allegious war der Schuldige, nicht Ian. Er hatte das Virus nicht erschaffen, nicht verbreitet, ganz im Gegenteil. Sie wusste genau, er würde es nicht wollen, aber irgendwie... musste sie dafür sorgen, dass es klar war. Dass klar war, wie die Sache wirklich war. Und das, ohne, dass sie als seine verblendete Geliebte abgestempelt wurde... Was sie nicht schaffen würde.

Ian sprach nicht mehr weiter. Er war fertig - und das bemerkten auch die Journalisten, deren Gemurmel nun anschwoll. Sie musste reden. Sie musste starten, denn sonst würden die Rufe lauter werden... Sie war noch nicht so weit. Sie wollte weg von hier. Sie...


Mein Name ist Eowyn El'mireth... auch, wenn wohl mittlerweile die meisten wissen, wer ich bin, begann Eowyn irgendwie, einfach, damit sie irgendetwas sagte. Wes war souverän gewesen, Ian eloquent, während sie selbst nun wohl alles den Berg hinunterwerfen würde.
Trotzdem. Sie war stark. Sie war selbstbewusst. Sie... war Rätin.
Eowyn richtete sich unmerklich auf.


Wie Sie gehört haben, traf ich auf Nar Shaddaa auf Ian Dice. Recht bald berichtete er mir von den furchtbaren Plänen Allegious', und es war ein Glück, dass wir davon erfuhren. Ohne diese Information hätten wir noch lange an den falschen Orten nach einem Heilmittel gesucht. Die Pandemie wäre noch im Gange, täglich würden weitere tausende sterben.

Aber wir bekamen diesen Wissensvorsprung. Wir gingen den Hinweisen nach. Wir entdeckten die Tierarztpraxis
, Eowyn nickte Wes zu, wir forschten und heilten, bis wir nicht mehr konnten und darüber hinaus, aber nur unsere fähigsten Heiler, wie Ian Dice oder Brianna Kae, waren in der Lage, gegen das C-Virus anzukommen. Wir hatten keine Chance. Und wir hätten beinahe alles, inklusive Coruscant, verloren.

Eowyn pausierte kurz, wünschte sich, zu wissen, was sie hier eigentlich tat. Sie ließ ihren Blick zum ersten Mal wirklich über die Menge schweifen, sah in die Gesichter. Sie mussten verstehen. Sie mussten verstehen, weshalb sie alle getan hatten, was sie getan hatten... aber was, wenn sie es nicht taten?
Daran durfte sie nicht denken.
Sie war stolz. Sie war im Recht.


Aus diesem Grund wählten wir den ungewöhnlichen und gefährlichen Weg, das Virus im Sith-Tempel zu suchen. Und weil wir ahnten, dass wir nur dort fündig werden würden. Die Sith interessierte es nicht, dass angeblich Frieden herrschte, sie behielten mich trotzdem bei sich. Nach unserer gelungenen Flucht von Bastion machten wir Halt im leeren Raum, und ich erfuhr, was in der Zwischenzeit alles geschehen war, während man begann, mich notdürftig zusammenzuflicken. Nicht nur hatte Ian Dice mit Brianna Kaes Hilfe das Virus gefunden, sondern Brianna hatte glaubhafte Hinweise von internen Stellen der Sith erhalten, dass das C-Virus nicht das Ende gewesen war. Es war nur die Vorstufe für ein weiteres, noch tödlicheres Virus. Eowyn ignorierte das Raunen. Mir wurde klar, dass das alles nie ein Ende nehmen würde. Jedes Virus, das wir vernichteten, würde ein weiteres zur Folge haben. Millionen würden sterben, weil eine einzige machthungrige Person nie aufhören würde - und es würde ihm auch egal sein, ob es republikanische oder imperiale Welten treffen würde.

Also...
Eowyn blickte erneut direkt in den Saal, suchte einen Blickkontakt. ...traf ich eine Entscheidung.

Brianna hatte den Aufenthaltsort Allegious' erfahren. Wir ahnten, dass unsere Flucht noch nicht bekannt sein würde.
Wir hatten die Wahl, zurück nach Coruscant zu fliegen, den offiziellen Weg zu gehen, abzuwarten, wie der Rat entscheiden würde oder der Senat. Wir würden alles dem Kanzler vorlegen können - und bis dahin würde das neue Virus womöglich, wahrscheinlich schon freigesetzt sein. Wir würden noch schwächer werden. Wir würden dem Virus nichts entgegensetzen können. Doch das wäre der richtige Weg. Wir würden uns nicht schuldig machen.
Die andere Möglichkeit war, sofort zu handeln. Den Vorteil zu nutzen, den wir hatten, und den wir verlieren würden, selbst, wenn wir nur für eine Stunde auf Coruscant Halt machen würden. Wir würden ohne den Segen des Rates handeln, ohne den des Senats. Aber wir hätten die Chance, das Virus zu vernichten. Die Chance, Millionen Leben zu retten.

Seit ich ein Kind war,
sprang Eowyn plötzlich im Thema, war mir klar, dass ich einmal eine Jedi werden würde. Ich wusste, auch, wenn meine Eltern es ausschlossen, dass ich der Republik dienen würde. Ich wusste, wo mein Leben mich hinführen würde, ich wusste, dass mein Ziel sein würde, so viele Leben zu verteidigen, wie ich konnte.
Ich wusste damals nicht, wie diese Verteidigung aussehen würde, und wie viel sie mich kosten würde.
Ich entschied mich aber schlussfolgernd für den zweiten Weg.

Ian flog mit den Virusproben nach Coruscant, um so schnell wie möglich ein Heilmittel herzustellen. Wie Forscher später herausfanden, war kein Heilmittel notwendig - sondern die absolute Vernichtung des ursprünglichen Virus' wodurch alle Mutationen, alle mit diesem Virus verbundenen Partikel ebenfalls zerstört wurden. Heilung innerhalb von wenigen Augenblicken - etwas, für das ich unendlich dankbar bin, denn ich weiß nicht, wie viele Opfer es noch gefordert hätte, hätten wir erst einen Impfstoff entwickeln müssen.

Das restliche Team, Brianna und ich flogen nach Kast. Mein Team folgte meinen Befehlen, weshalb weder sie, noch Brianna irgendwelche Schuld tragen. Auch im Jedi-Orden haben wir feste Rangstrukturen, und sie werden genauso hoch gehalten wie beim Militär.
Brianna und ich nahmen den Weg, der schon im Sith-Tempel erfolgreich gewesen war. Sie führte mich als ihre Geisel vor, um mich endlich dem Imperator zu übergeben, was die Sith auf Bastion die ganzen Wochen lang nicht geschafft hatten. Das restliche Team schlich sich in die Festung ein, untersuchte die Labore, konnte Beweise und viele Daten sichern und setzte Sprengladungen, um zu verhindern, dass ein solches Virus erneut erschaffen wird.

Allegious führte derweil Brianna und mir im Thronsaal seine neueste Kreation vor. Briannas Informationen waren absolut korrekt gewesen. Dieses... Ding...
Zum ersten Mal stockte Eowyn wirklich beim Sprechen, fand keine Worte. Wenn sie zurückdachte an die Situation auf Kast... Sie holte tief Luft und zwang sich, weiterzusprechen. Es war dunkel. Eine Phiole voller absoluter Dunkelheit. Ich weiß... Sie ließ den Blick über die Reporter schweifen, dass kaum jemand etwas damit anfangen wird können, aber ein paar von ihnen werden vielleicht wissen, wie Machtnutzer die Galaxis wahrnehmen. Wir können vieles erspüren. Wir können durch die Macht Dinge sehen, die ohne sie verwehrt bleiben. Und diese Phiole war das dunkelste, schrecklichste Ding, was ich je gespürt habe.

Und Allegious... lachte.

Er lachte.

Und redete von einer Galaxis ohne Licht, von einem Reich der dunklen Seite auf einem Berg aus Leichen. Er...
Zitternd holte Eowyn Luft, mahnte sich, sich zusammenzureißen. Stärke. Stolz. Sicherheit. RÄTIN. ...wollte die Galaxis töten. Alles. Er sprach davon, einer gebrochenen Galaxis Frieden zu bringen, den Frieden des Grabes, die Stille des Todes. Damit etwas Neues entstehen könnte - durch und mit ihm. Ein neues Reich - mit wenigen Personen. Denn das bedeutete ihm wahre Macht, nicht, über Milliarden zu herrschen, die er ohnehin nie zu Gesicht bekam. Meiner absolut persönlichen Ansicht und meinem dortigen Empfinden nach war er schlicht wahnsinnig.

Ich weiß, dass Sie alle nur mein Wort haben für das, was dort im Thronsaal geschehen ist. Alle, die sich dort aufgehalten haben, sind heute tot - alle, außer Brianna und mir. Ich weiß, dass viele von Ihnen mir nicht glauben werden. Ich weiß, dass ich keine Beweise habe für das, was dort geschehen ist. Aber es gibt Indizien. Es gibt die Daten, die das Team im Labor sichern konnte. Es gibt Berichte darüber, wie Allegious sich immer mehr zurückgezogen hat, wie er kaum noch Besuch empfing. Und es gibt das C-Virus, dessen Herkunft lückenlos bewiesen ist. Es ist an Ihnen zu entscheiden, ob Sie mir Glauben schenken.


Sie musste fortfahren. Das Ende berichten... Schließlich explodierten die Sprengsätze, und der Imperator begann zu ahnen, dass etwas nicht stimmte. Er griff uns als erstes an. Brianna und mir und Ahna... oh Ahna! war es möglich, die Garde auszuschalten, da das Team draußen uns den Rücken freihielt. An seinem Ende entfesselte Allegious eine Machtwelle der dunklen Seite, welche den Thronsaal halb zerstörte. Und nur wenige Sekunden später betraten Janus Sturn, Kira Guldur, Adria Guldur, Zoey Liviana und ihre Schülerinnen und Schüler das Geschehen. Ich weiß bis heute nicht, was sie dort machten und was ihr Plan war, doch sie stellten sich uns natürlich in den Weg. Sturn forderte mich zum Duell auf, welches ich am Ende für mich entscheiden konnte, doch im Moment seines vermeintlichen Endes entfesselte auch er eine Welle der dunklen Seite, der ich mich nicht mehr entgegensetzen konnte und welche den Thronsaal komplett in Schutt und Asche legte und die Kämpfe beendete. Wir konnten kurz darauf ohne tödliche Verluste auf unserer Seite fliehen, bevor die Festung endgültig aus den Fugen gebracht zusammenstürzte.

Ihr Mund war völlig trocken. Ihr war heiß. Diese Roben waren so unglaublich schwer. Aber sie musste stark wirken. Sicher. Die Augen der Galaxis waren auf sie gerichtet. Kein Druck... bloß kein Druck. Die Daten von Kast werden aktuell noch gesichtet und sind noch nicht komplett sortiert, und ich muss dazu sagen, dass wir diese Daten nicht komplett veröffentlichen können. Sie werden verstehen, weshalb - sie enthalten unter anderem die Anweisungen zum Erstellen einer Biowaffe. Aber wir werden herausgeben, was auch immer sicher ist, um die Wahrheit zu untermauern.

Eine erneute kurze Pause, und Eowyn sah sich im Saal um. Ich ahne, was sicher ein paar von Ihnen denken. Niemals hätte ich diese Mission autorisieren dürfen. Der Zweck heiligt nicht die Mittel. Und wenn wir einmal eine solche Ausnahme machen, wer hält uns davon ab, es erneut zu tun? Die Antwort ist leider niemand. In unserer Demokratie beruht vieles auf Vertrauen. Wir vertrauen darauf, dass die Jedi die Republik beschützen. Wir vertrauen darauf, dass das Militär hinter uns steht und unsere Planeten sichert. Wir vertrauen darauf, dass der Senat die richtigen Entscheidungen zum Wohle aller trifft. Wir verlassen uns darauf, dass all diese Personen ihre Macht nicht missbrauchen. Ich habe dieses Vertrauen nun auf eine harte Probe gestellt. Das ist mir bewusst. Und deshalb werde ich mich dieser Verantwortung stellen, mit allem, was dazu gehört, damit dieses Vertrauen wieder hergestellt werden kann. Der Kanzler sprach von einer Anhörung, und selbstverständlich werde ich mich dem zur Verfügung stellen. Und ich bitte Sie - Sie alle hier, Sie alle da draußen. Lasten Sie meine Entscheidung nicht der Republik an. Nicht dem Kanzler, nicht dem Senat, nicht dem Rat, nicht dem Orden. Ich war es, die diese Mission autorisiert hat. Mein Schwert war es, das am Ende Allegious durchbohrte.

Aber trotz allem - es war nicht ich, die den Krieg begann. Es war nicht Kanzler Qúun, der den Krieg begann, nicht der Senat und nicht die Neue Republik. Es war Allegious in seinem Wahn, die halbe Galaxis auszulöschen und so viel Leben zu beenden, wie er nur konnte.


Eowyn schloss kurz die Augen. War das alles? Sie würde wohl nie wieder die Chance bekommen, so frei und nahezu ununterbrochen sprechen zu können. Bestimmt hatte sie alles mögliche wichtige vergessen. Sie würde sich später verfluchen. Aber aktuell... war ihr Geist leer.

Sie öffnete ihre Augen wieder, sah sich zum zigsten Mal im Saal um. Sie versuchte, die Gesichter zu lesen, versuchte zu erkennen, wie die Stimmung aussah, doch sie war zu erschöpft. Trotzdem... sie musste durchhalten.

Stark.
Stolz.
Sicher.
Selbstbewusst.

Sie nickte Rornan zu, wappnete sich dem Schwall des Lärms, der sicher aufbranden würde.
Die Fragen.

Coruscant - Jedi-Tempel - großer Pressesaal, u.a. mit Wes, Ian und Rornan (NPC), Malek, Presse
 
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Coruscant - Jedi-Tempel - vor der Eingangshalle, mit Draen und anderen

Armer Draen. Es musste wirklich verwirrend sein, plötzlich in diese Welt zu platzen... Sarina hatte in letzter Zeit so einige Anwärter aufgegabelt, die über ihre Begabung erst im Erwachsenenalter erfahren hatten, und für jeden war es unterschiedlich gewesen. Besonders schade, dass Owen und sie sich aus den Augen verloren hatten...
Egal.


"Du bekommst das schon hin. Es gibt einige, die erst spät von ihren Fähigkeiten erfahren... das ist eine Herausforderung, weil man sich ja meistens schon ein Leben aufgebaut hat, aber viele schaffen das gut. Sicher werden sie dir helfen können."

Falls ein Beitritt in den Orden überhaupt was für Draen war. Erst recht jetzt, wo nach dieser kurzen Friedensperiode wieder Krieg herrschen würde. Es war an sich schon nicht einfach, ein Leben als Jedi zu führen, aber zu Kriegszeiten war es umso schwieriger und gefährlicher. Erst recht, wenn die Jedi irgendwie schuld waren an allem... Sarina hätte wirklich gerne erfahren, wie das alles zustande gekommen war, und ob Rätin El'mireth und Brianna Kae wirklich schuld waren am Tod des Imperators und wieso... Nicht, dass Allegious es nicht verdient gehabt hatte. Aber normalerweise begingen Jedi keine Attentate. Oder war es vielleicht doch Notwehr gewesen? Wer wusste schon, wie das Imperium Tatsachen immer verdrehte? Sie konnte sich vorstellen, dass...
Ah, Draen schien nach kurzer Überlegung zu einer Antwort gekommen zu sein. Sarina hatte gar nicht erwartet, dass er sich schon so festlegte, ihr hätte es gereicht, wenn er es in Betracht zog, aber es war doch super, dass es für ihn klarer war als gedacht. Sie sah ihn mit leicht schiefgelegtem Kopf an. Seine Ausführung war beinahe schon philosophisch... wesentlich poetischer, als sie das alles ausgedrückt hätte. Hm. Vielleicht merkte man ihr das Aufwachsen unter vielen Pragmatikern doch irgendwie an... oder aber er stammte von einem Planeten, wo alle so sprachen? Auf jeden Fall klang es irgendwie bedacht, aber auch schön.
Mediziner war er also... und hatte Familie. Klar, das war dann wieder schwerer... Hoffentlich aber nicht auch Kinder?
Das wäre wirklich hart.

Sie lächelte ihm zu.


"Ich freue mich sehr, das zu hören - gerade in diesen Zeiten. Der Krieg wird alles nicht einfacher machen... Wir werden jede Person brauchen. Komm, wir quatschen unterwegs weiter."

Sarina drehte sich um und führte Draen in den Tempel. Sie durchquerte die große Eingangshalle, wobei sie ihm Zeit ließ, alles gebührend zu betrachten, und betrat dann an den Wächtern vorbei einen der Flure. Er würde sie zur Ausgabestelle führen, wo sie auch eines der Testgeräte abholen konnte. Sie hatte das noch nie gemacht, aber angeblich war es super einfach. Ein bisschen Blut, rein ins Gerät, warten, fertig. Würde sie schon schaffen - ha, wahrscheinlich würde Draen das alleine schaffen, so als Mediziner. Mit links im Schlaf.
In den Fluren war es ruhig, vermutlich waren die meisten dabei, die Konferenz zu schauen - immerhin wussten auch die Jedi selbst nicht, was die da oben angestellt hatten. Umso besser, so konnte sie sich angenehm mit Draen unterhalten.


"Zugegeben, hier ist jetzt nicht mehr so viel zu sehen wie unten in der Eingangshalle. Wir sind im verwaltenden Bereich und holen uns das Testgerät ab, dann schauen wir weiter. Du sagst, du bist Mediziner? Dann kannst du den Test vermutlich besser durchführen als ich, wir brauchen ein bisschen Blut, stecken es in das Teil, warten eine Viertelstunde oder so und voilà. Es ist nicht super genau oder so, aber es reicht um abzulesen, ob du machtsensitiv bist. Rot gelb grün, du weißt schon.
Was deine Familie angeht... hast du Kinder? Oder jemanden, der dein Leben teilt?"


Fragend sah Sarina Draen an.

"Also, klar, vor allem jetzt am Anfang mit dem ganzen Ausbildungskram wirst du sie eher nicht sehen können, aber es ist jetzt nicht so, dass du sie nie wieder siehst. Ich habe verflixt viel von meinem Leben im Orden verbracht, war schon als Kind hier, aber trotzdem kenne ich meine Eltern und meine Schwester. Es war ein bisschen wie im Internat. Wir hatten immer Kontakt, und ab und an besuche ich sie, aber seitdem ich Padawan und dann Ritterin wurde, habe ich natürlich viel weniger Zeit.
Wo leben sie, wo kommst du her?"


Bei der Ausrüstungskammer angekommen, wandte Sarina sich an den Droiden und ließ sich ein Testgerät inklusive Material aushändigen.

"Suchen wir uns ein Plätzchen und legen los?"

Coruscant - Jedi-Tempel - vor einer Ausrüstungskammer, mit Draen
 
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Nur langsam, beinahe widerwillig, löste sich Kriffs Bewusstsein aus dem dichten, klebrigen Nebel der Chemikalien. Es war kein sanftes Erwachen. Es war eher ein Herausgerissenwerden, als hätte jemand ihn am Kragen gepackt und grob zurück in die Wirklichkeit gezerrt. Gedanken formten sich zunächst nur bruchstückhaft, lose Fetzen ohne Zusammenhang. Ein Geräusch hier. Ein Schmerz dort. Dazwischen Leere.
Sein Geist arbeitete sich mühsam durch Schichten aus Glitterstim-Resten, verdünnten Straßenmischungen und billigem Nervengift, das irgendjemand als Rauschmittel verkauft hatte. Sein Kopf fühlte sich an, als läge er unter Wasser. Jeder Gedanke musste gegen einen unsichtbaren Widerstand ankämpfen. Kriffer kannte dieses Gefühl zu gut. Es war der Preis. Nicht der Preis für Genuss, nicht einmal der Preis für Vergessen. Es war schlicht der Preis dafür, noch da zu sein.

Irgendwo in ihm regte sich ein schwacher Impuls. Der uralte Instinkt, weiterzumachen. Weiterzuatmen. Weiterzuleben, selbst wenn das Leben kaum noch mehr war als eine Aneinanderreihung aus Abstürzen und Entzügen. Er hielt sich nicht für stark. Dieser Gedanke kam ihm jedes Mal, wenn er in solchen Momenten halbwegs klar wurde. Stark waren andere, etwa Gangmitglieder mit vibrierenden Messern, Sicherheitsleute mit glänzenden Rüstungen, Piloten, die über den Himmel der oberen Ebenen jagten. Nicht jemand wie er.
Er jedoch besaß Zähigkeit. Eine stumpfe, störrische Art von Ausdauer, die sich weigerte zu verschwinden. Immer wieder hatte ihn das Leben niedergedrückt. Und jedes Mal war er irgendwie wieder aufgetaucht. Nicht erhoben, nicht siegreich. Aber noch atmend. Das musste reichen. Langsam, zögernd, versuchte er die Augen zu öffnen.

Seine Augenlider fühlten sich schwer an, als wären sie mit Metall beschwert. Als sie sich schließlich ein Stück hoben, klebten sie für einen Moment zusammen. Getrocknete Rückstände, Schmutz, Schlaf, alles hatte sich über Nacht zu einer unangenehmen Kruste verbunden.
Ein Zischen entwich ihm, halb Atemzug, halb Fluch. Die Welt war zunächst nichts als Dunkelheit.
Nicht die tiefe Schwärze eines abgeschalteten Raums, sondern die schmutzige Dunkelheit der unteren Ebenen von Coruscant. Selbst hier unten gab es Licht – nur selten dort, wo man es brauchte. Die Schwärze begann sich zu verändern. Erst tauchten einzelne Lichtpunkte auf. Verschwommen, pulsierend, als würden sie sich bewegen. Dann folgten undeutliche Formen, Schatten, die keinen klaren Rand besaßen. Kriffer blinzelte. Der Versuch, sich zu fokussieren, löste eine Explosion aus.

Neonlichter flammten auf wie kleine Supernovae direkt hinter seiner Stirn. Farben stachen in seine Augen – grelles Blau, krankhaftes Violett, ein giftiges Gelb, das von irgendeinem halb defekten Werbeschild stammen musste. Die Helligkeit schien sich in seinem Schädel auszudehnen, als hätte jemand ein Glührohr in seinen Kopf geschoben. Er presste die Zähne zusammen. Der Schmerz war nicht neu. Aber das machte ihn nicht angenehmer. Dann kam der Lärm. Zuerst ein fernes Dröhnen. Tief, gleichmäßig. Repulsortriebwerke. Irgendwo über ihm jagten Speeders durch die Verkehrsschichten. Das Geräusch wanderte durch die gewaltigen Strukturen der Stadt und vibrierte bis in die unteren Ebenen hinab.
Darüber legten sich andere Klänge. Gesprächsfetzen. Stimmen in mindestens drei Sprachen. Gelächter. Streit. Das metallische Kreischen eines Lastkrans. Das rhythmische Hämmern einer entfernten Werkstatt. Und immer wieder das Fauchen von Ventilen, wenn Druckleitungen überschüssigen Dampf ausspuckten. Die Geräusche überlagerten sich zu einer chaotischen Kakophonie. Kein einzelner Ton dominierte lange genug, um greifbar zu werden.

Kriff stöhnte leise. Als Nächstes kamen die Gerüche. Sie trafen ihn wie eine Wand. Gebratenes Fleisch von einem Straßenstand. Billiges Fett. Verdorbene Abfälle aus überfüllten Containern. Die scharfe Note verbrannten Treibstoffs. Dazu der allgegenwärtige metallische Geschmack von recycelter Luft. Und darunter – schwach, aber unverkennbar – der Geruch von zu vielen Lebewesen auf zu engem Raum. Sein Magen zog sich zusammen. Langsam registrierte er, dass er nicht lag. Er kniete.

Der Boden unter ihm vibrierte leicht, als würde irgendwo tief in der Struktur ein riesiges Herz schlagen. Seine Finger krallten sich in aufgebrochenen Permabeton. Die Oberfläche war rau, stellenweise gesplittert. Zwischen den Rissen hatten sich Staub, Öl und jahrzehntealter Schmutz gesammelt. Seine Nägel – dreckverkrustet, teilweise eingerissen – kratzten über den Boden. Kriffer spürte den Schmerz erst Sekunden später. Er atmete flach ein. Unter seinen Füßen steckten seine Stiefel – wenn man sie noch so nennen wollte. Zwei verschiedene Modelle, beide mehrfach geflickt, beide längst jenseits ihrer ursprünglichen Lebensdauer. Langsam hob er den Kopf. Die Welt schwankte.
Ein schmaler Durchgang öffnete sich vor ihm. Ein Stück der endlosen Struktur der Unteren Ebenen von Coruscant, jener gigantischen Schattenstadt, die sich unter den glitzernden Ebenen Coruscants verbarg. Hier unten interessierte sich niemand für das Imperium. Oder für Republik. Oder für Ideale. Hier unten zählte nur, wer heute noch atmete. Kriff schluckte trocken. Sein Kopf pochte. Mit jeder Sekunde kehrte ein wenig mehr Klarheit zurück – und mit ihr das vertraute Gewicht seiner Gedanken. Die Erinnerungen warteten schon. Fehlentscheidungen, Rückfälle. Gescheiterte Versuche, es irgendwie besser zu machen. Sein Leben war kein einzelner Absturz gewesen. Es war eine lange Serie kleiner Niederlagen, die sich zu etwas Größerem zusammengeschoben hatten. Eine Masse aus Enttäuschungen, die irgendwann so schwer geworden war, dass er aufgehört hatte, sie zu zählen. Man gewöhnte sich daran. Oder man betäubte sich.

Sein Blick wanderte über den Boden vor ihm. Eine leere Stim-Ampulle lag nur wenige Zentimeter entfernt. Billiger Kunststoff, bereits mehrfach benutzt. Er wusste nicht mehr, wann er sie genommen hatte. Sein Körper wusste es. Der Entzug begann bereits. Ein leichtes Zittern kroch durch seine Finger. Seine Muskeln fühlten sich hohl an, als hätte jemand die Kraft daraus abgesaugt. In seinem Kopf flackerte der vertraute Gedanke auf, so schnell und selbstverständlich wie ein Reflex. Stim. Nur ein wenig. Genug, um den Druck zu glätten. Um die Geräusche leiser zu machen. Um die Welt wieder auf eine erträgliche Entfernung zu schieben. Er schloss kurz die Augen. Der Gedanke blieb fest verankert. Dann folgte die Erkenntnis. Er hatte kein Geld. Keinen Credit, nicht einmal einen halben. Ein trockenes Lachen entwich ihm. Es klang rau, fast fremd in seiner eigenen Kehle. Kriffer, so nannten sie ihn. Ein Fluchwort, ursprünglich. Eine Beleidigung. Irgendjemand hatte es ihm einmal entgegengeschleudert, halb im Scherz, halb im Zorn. Der Name war geblieben. Sein richtiger Name… nun, er erinnerte sich nicht mehr daran. Langsam stemmte er sich ein Stück höher. Sein Rücken protestierte sofort, als hätte er die Nacht in einer Müllpresse verbracht. Vielleicht hatte er das. Seine Hand tastete automatisch nach der Innenseite seines Mantels. Zerfledderter Stoff, mehrere Lagen Flicken. Dort war es: Ein dünnes, zerknittertes Heft. Die Kanten waren eingerissen, die Farben längst verblasst. Auf dem Titelbild erkannte man gerade noch die Silhouette eines Helden, ein Pilot vielleicht, oder ein Söldner, der mit erhobenem Blaster gegen eine Übermacht stand. Kriff strich kurz mit dem Daumen darüber. Ein Satz daraus tauchte in seinem Kopf auf, halb Erinnerung, halb Zitat. „Ein Mann kann fallen. Aber solange er atmet, gehört ihm noch ein Stück der Galaxis.“

Er schnaubte leise. Dann ließ er das Heft wieder in den Mantel gleiten. Die Galaxis gehörte ihm nicht. Im Moment gehörte ihm nicht einmal der Fleck Boden, auf dem er kniete. Langsam hob er den Blick. Die Unterstadt lebte bereits. Händler bauten ihre Stände auf. Gestalten bewegten sich durch die schmalen Gassen. Irgendwo lachte jemand. Der Tag begann. Und Kriff war noch da.

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[ Kernwelten / Corusca-Sektor / Coruscant / Jedi-Tempel / Vor Rornans Büro ] Arlen

Von Rat Elliundis Büro führten Arlens Schritte ihn zunächst noch nicht zu seinem Quartier zurück. Der Termin hatte ihm einerseits zu denken gegeben, andererseits hatte er auch Neuigkeiten geliefert, die er lieber persönlich überbringen wollte. Noch immer spürte er die sachte Berührung Faiths auf seinem Geist und hatte beschlossen, das angenehmere Gespräch zuerst zu suchen. Also hatte er seine Sinne ausgestreckt und folgte ihnen nun durch den Tempel, hin zu der Stelle, wo er die helle Flamme spürte, die Faiths Aura war.

Wenig überraschend fand er sie bei den Trainingsräumen. Arlen selbst war seit ihrer Rückkehr von Kelada noch nicht hier gewesen, doch erinnerte er sich von seinem letzten Besuch auf Coruscant vor mehreren Jahren noch gut an sie. Zusammen mit der Aura
Faiths spürte er noch eine weitere Person (Malek) durch die Tür, fand jedoch das eigene Anliegen wichtig genug, um zu stören. Drei Mal klopfte er mit dem Fingerknöchel gegen die Tür und öffnete sie dann weit genug, um seinen Kopf hindurchstecken zu können. Tatsächlich befand Faith sich grade im Training mit einem hellhäutigen Menschen, den Arlen ein wenig älter als ihn selbst schätzte.

“Hey
Faith, hast du kurz? Dauert auch nur einen Moment.”

, fragte Arlen und verzog seine geschundenen Lippen zu einem Lächeln. Trotz allem war es gut, die Padawan zu sehen. Nachdem
Faith zu ihm auf den Gang getreten war, schloss er die Tür und umarmte sie innig. Dann lehnte er sich jedoch gegen den Rahmen, statt sich nach einem privaten Raum umzusehen. Zwar wollte er das Gespräch nicht direkt vor dem fremden Menschen (Malek) breittreten, aber SO privat würde es jetzt auch nicht werden.

“Ich war grade beim Rat…Kelada-Debriefing mit Rat Elliundi. Dabei sind ein paar Sachen aufgekommen, die ich dir nicht vorenthalten wollte.”

, begann er und hielt einen Moment inne, um zu überlegen, welches der Themen er am Besten zuerst ansprechen wollte.

“Eine schlechte Nachricht ist, dass imperiale Kopfgelder auf uns ausgesetzt worden sind. Also auf dich, Tha’klen und mich. Wie hoch eures ist, habe ich noch nicht in Erfahrung gebracht, aber auf meinen Kopf stehen zehn Millionen Credits. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ihr mit nur ein paar Zehntausend davongekommen seid.”

Für einen Moment zögerte er.

“Dazu hat das Imperium ein Propagandastück übelster Sorte verbreiten lassen. Nur ich werde aktuell namentlich genannt, aber die kennen ja auch deinen Namen. Vermutlich ist es nur eine Frage der Zeit, bevor du ins Kreuzfeuer gerätst.”

Arlens Gesicht nahm einen gequälten Ausdruck an. Rat Elliundi hatte ihm deutlich vor Augen geführt, wie viel von dieser Situation auf seine Fehler zurückging. Ein PR-GAU für den Jedi-Orden war das eine, doch tangierte grade dieser Artikel natürlich auch ganz konkret
Faith. Wer konnte schon sagen, wie und in welcher Form das Imperium ihren Namen nich durch den Dreck ziehen würde.

“Darüber hinaus habe ich aber auch gute Nachrichten.”

, sagte er, das Thema wechselnd. Natürlich ließ er in dieser Zusammenfassung der Ereignisse Gouverneur Solaris und das Angebot aus, doch er fand, dass dies etwas für den Rat war. Am Ende des Tages war es die Entscheidung des Rates, sie miteinzubeziehen und ihre, ob sie ihr eigenes Kopfgeld oder die Freiheit republikanischer Bürger vorziehen wollte. Arlen wollte sie da nicht durch verfrühte Erwähnung in die eine oder andere Richtung beeinflussen.

“Ich habe Rat Elliundi unsere äh geplante Beziehung vorgelegt. Der Rat hat nichts dagegen, sofern wir sichergehen, dass wir den Kodex achten. Und sofern du mich auch mit einem Hackfleischgesicht noch magst.”

Arlen lachte, aber lächelte ehrlich.

“Gut, das letzte ist eher meine Frage, als ein Thema das besprochen wurde.”

Sie waren nun schon einige Tage von Kelada zurück und bisher hatte
Faith nicht den Anschein gemacht, besonders viele Gedanken an sein geändertes Aussehen zu verschwenden.

“Dann…eine Sache noch. Als…Konsequenz für meine Fehler auf Kelada hat der Rat entschieden, mir Tha’klen als Padawan zu entziehen und mir bis auf Weiteres die Ausbildung eines weiteren Padawan untersagt. Ich gehe jetzt als nächstes Tha’klen die schlechten Neuigkeiten überbringen aber…könntest du später bei hem vorbeischauen und sehen wie es hem geht? Ich will den Geist der Vorgaben achten und danach erstmal ein bisschen Abstand halten…”

Ja, Elliundi hatte klargestellt, dass Tha’klen und er natürlich noch ihre Freizeit miteinander verbringen durften, doch glaubte Arlen, dass etwas Abstand ihnen beiden guttun würde. Doch die Verpine ganz ohne Freunde auf einem fremden Planeten zurücklassen wollte er auch nicht.

“Okay.”

, sagte er schließlich.

“Ich wollte deinen Kollegen und dich auch gar nicht zu lange vom Training abhalten. Sehen wir uns zum Abendessen?”

Sanft berührte er
Faiths Wange mit der Hand und gab ihr einen Kuss auf die andere. Dann wandte er sich zum Gehen.

[ Kernwelten / Corusca-Sektor / Coruscant / Jedi-Tempel / Vor den Trainingsräumen ] Arlen und Faith
 
Kernwelten Corusca-Sektor Coruscant Senatsdistrikt Jedi-Tempel Eingangshalle Sarina Thorne und Draen Tel'Set

Draen hörte Sarinas Worte aufmerksam, doch während sie sprach, begannen sich in seinem Kopf neue Gedanken zu formen. Er sah ihre Zuversicht, ihre Überzeugung, dass es möglich sei, auch spät im Leben die eigenen Fähigkeiten zu entdecken und zu entfalten. Doch gleichzeitig spürte er die Schwere, die dieses Erwachen mit sich bringen konnte. Viele Individuen erlebten dieses Erwachen erst spät, erklärte sie. Individuen, die längst ein Leben, eine Identität, eine Richtung aufgebaut hatten. Und dann kam plötzlich diese Erkenntnis, dass in ihnen etwas schlummert, das sie nie für möglich gehalten hätten. Es war eine Herausforderung sich selbst neu zu entdecken, sich den eigenen Kräften zu stellen, wenn man schon so viel Zeit damit verbracht hat, eine Rolle und Identität im Leben erarbeitet zu haben. Es fühlte sich beängstigend an, zugleich faszinierend. Es war eine seltsame Mischung.

Noch dazu kam, dass die aktuellen Zeiten schwierig waren, erinnerte Sarina als nächstes und das wusste er nur zu gut. Der Krieg würde alles nur noch komplizierter machen, das stand außer Frage. Doch gleichzeitig fühlte er eine gewisse Zuversicht, wenn er daran dachte, dass jede einzelne Person gebraucht wurde. Der Krieg forderte alles von den Menschen ihre Ressourcen, ihre Hoffnung, ihre Sicherheit. Die konkreten Konflikte und Unsicherheiten waren ihm nicht bekannt, das Gefühl der Gefahr lag wie eine schwere Dunkelheit über allem. Doch gerade in solchen Zeiten war es wichtig, nicht den Mut zu verlieren, sondern gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Irgendwo tief in seinem Inneren spürte er eine leise Flamme der Hoffnung. Eine Flamme an die ihn seine Mutter immer erinnert hatte, sie nie erlischen zu lassen.

„Ja, der Krieg“, sagte Draen. „Ich vergas beinahe.“ So sehr er sich sonst alles merken konnte, die Ereignisse überschlugen sich in seinem Kopf aktuell in nie da gewesener Weise. „Hoffnung ist manchmal nur ein kleiner Funke, aber genau der kann das Dunkel vertreiben. Solange wir daran festhalten, gibt es immer einen Weg. Wir dürfen nicht aufgeben, egal wie schwer alles scheint.“

Draens Blick wanderte langsam durch die ehrfürchtigen Hallen des Jedi-Tempels, und er spürte, wie die Atmosphäre ihn tief berührte. Die hohen Wände aus poliertem Stein reckten sich in den Himmel empor, ihre Oberfläche von unzähligen Jahren des Gebrauchs und der Weisheit gezeichnet. Das Licht, das durch die großen Fenster fiel, war sanft und golden, warf lange Schatten und schuf ein Gefühl von Ruhe und Erhabenheit. Der Mediziner nahm ein Gefühl von Tradition und Verantwortung auf, das hier verankert war. Hier war mehr als nur ein Tempel; es war ein Ort des Lernens, der Ruhe, der Hingabe. Ein Ort, an dem die Vergangenheit mit der Gegenwart verschmolz, und in dem Draen die tiefe Bedeutung von stiller Stärke, Weisheit und Demut spürte.

Auf ihrem Weg kam Sarina auf den Test zu sprechen, verknüpfte den Gedanken mit der Tatsache, dass er ausgebildetet Mediziner war.
„Ja, das bin ich. Der Ausbildung nach Neurochirurg und Neurowissenschaftler um genau zu sein, also alles, was im weitesten Sinne mit dem Gehirn zusammenhängt. Aber unabhängig davon, ja, sollte ich mit dem Analysegerät umgehen können, es klingt wie bekannte Technologie im Klinikalltag.“

Der einzige Unterschied war, dass er auf Midi-Chlorianer testen würde – sich selbst. Sie waren der stille Beweis für das Potential, das in einem schlummerte. Er fühlte eine gewisse Ehrfurcht und auch Unsicherheit. Was würde dieser Test über ihn verraten? War seine Verbindung stark genug? Eine Einteilung in rot, gelb und grün? Präzise waren die Ausführungen von Sarina nicht, er traute sich jedoch nicht, weiter zu fragen. Er würde es ohnehin bald erfahren, nicht wahr?

So ging der Tirahnner auf die nachfolgenden Fragen ein.
„Ich bin von Tirahnn im Inneren Rand. Meine gesamte Familie stammt von dort, lebt dort seit Generationen. Meine Familie ist nicht klein, aber nein, ich selbst habe keine Kinder… oder Partnerin.“ Er sprach ruhig, doch innerlich war er bei seinen Gedanken abdriftend. Er dachte an seine letzte Beziehung, an die Momente, die sie miteinander geteilt hatten, an das Lachen, das damals noch echt war. Doch nun, in diesem Moment, war die Situation alles andere als einfach. Die Frage nach einer Partnerin, nach Familie – sie war mehr als nur eine Formalität. Es war eine Erinnerung daran, wie sehr sich sein Leben verändern konnte. Draen fühlte, wie sich eine leichte Anspannung in seinem Brustkorb ausbreitete. Die Schlussfolgerung kam schnell: Wenn er jetzt den Test machte, wenn die Jedi ihn auf seine Midi-Chlorianer untersuchten, würde das auch bedeuten, dass alles, was er vielleicht an Bindungen hatte, auf die Probe gestellt werden würde.

Er atmete tief durch und sammelte seine Gedanken, da führte Sarina bereits seine Gedanken ausgesprochen fort. Sie war offenbar lange mit dem Jedi-Orden verbunden und sprach aus Erfahrung, als sie von ihrer persönlichen Geschichte und der Verbindung zu ihrer Familie erzählte. Es war also keine vollständige Isolation, wie er es sich in der Vergangenheit bereits immer vorgestellt hatte. Der Lebensschwerpunkt würde sich verlagern, doch er musste nicht vollständig auf bestimmte Aspekte verzichten, verstand er. Doch würde er das wollen? Wieder stieg ihm zu Kopf, dass er aus gänzlich anderen Gründen, Coruscant aufgesucht hatte. Sein Weg war bislang anders verlaufen. Er war in diesem Moment allein mit seinen Erinnerungen, den Wegen, die er gegangen war, und den Entscheidungen, die ihn bis hierhergeführt hatten. Seine Vergangenheit war geprägt von Prüfungen, Verlusten und kleinen Siegen, die ihn immer wieder an seine Grenzen gebracht hatten. Er fragte sich, ob er den Weg, den er bisher beschritten hatte, wirklich weitergehen wollte – oder ob es an der Zeit war, ihn zu ändern. War er mit seinem Leben zufrieden? Oder gab es Dinge, die er hätte anders machen sollen? Die Beziehung, die er hinter sich gelassen hatte, war nur ein Beispiel. Vielleicht war es Zeit, alte Muster zu hinterfragen, neue Wege zu wagen, um das zu finden, was ihm noch fehlte. Sein Blick wanderte in die Ferne, während er überlegte, ob die Macht ihm den Weg weisen würde, oder ob er selbst die Verantwortung trug, seinen Kurs zu korrigieren. Vielleicht war die Prüfung auf Midi-Chlorianer nur ein Symbol für einen inneren Wandel, den er längst spürte, aber noch nicht zugelassen hatte.

Es war an der Zeit, ehrlich zu sich selbst zu sein. Denn nur wer bereit war, seinen eigenen Weg zu überdenken, konnte wirklich wachsen – als Mensch oder zukünftig als Jedi. Die Wahrheit war also, dass er sich der Herausforderung stellen musste – egal wie kompliziert die Umstände auch waren.

Sie erhielten von einem Droiden ein Analysegerät und schritten den Korridor weiter hinunter. Zwei Türen weiter führte Sarina Draen in einen hellen Raum, den sie als Meditationsraum ankündigte. Er war nahezu leer, das Licht war gedämpft, sanft und gleichmäßig und Boden war mit weichen handgewebten Teppichen bedeckt. Nur eine ruhige Präsenz erfüllte den Raum. In einer Ecke stand eine einfache Sitzgelegenheit, gepolstert mit Kissen in erdigen Tönen, auf die Sarina zulief.

Die Jedi übergab Draen das Analysegerät. Der Aufbau kam dem Mediziner vertraut vor. Es war ein einfaches Messgerät, wie es allzu häufig für Blutanalysen verwendet wurde. Er blickte Sarina für einen Moment an, dann setzte er das Gerät an seinem Arm an. Ein kurzer Stich durchfuhr diesen, dann war es schon geschafft. In 15 Standardminuten würde er mehr über die nächsten Entwicklungen seines Lebens erfahren.

Es war das Beste die Zeit bis dahin, abgelenkt zu verbringen und nicht an sich selbst zu denken. Draen überreichte Sarina das Analysegerät.
„Und was ist mit dir? Von welchem Planeten stammst du und würdest du ihn noch als deine Heimat bezeichnen nach all den Jahren bei den Jedi?“

Kernwelten Corusca-Sektor Coruscant Senatsdistrikt Jedi-Tempel Meditationsraum Sarina Thorne und Draen Tel'Set
 
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Der Boden unter Kriffs Knien vibrierte gleichmäßig, ein tiefes, kaum wahrnehmbares Brummen, das sich durch den Permabeton fraß und in seine Knochen kroch. Für einen Moment blieb er einfach so stehen. Die Hände noch auf dem Boden, der Kopf gesenkt, die Finger im rauen Schmutz verkrallt. Der Nebel in seinem Kopf lichtete sich langsam, aber diesmal blieb er fort. Keine neue Welle aus dumpfer Benommenheit schob sich nach. Keine wohltuende Taubheit.

Nur Klarheit. Unangenehm klare, nüchterne Realität.

Sein Atem ging flach. Er merkte erst jetzt, wie trocken sein Hals war. Jeder Schluck Luft fühlte sich kratzig an, als hätte er Staub eingeatmet.

Kriff schob sich ein Stück nach hinten, bis er auf den Fersen saß. Die Bewegung war ungelenk. Seine Muskeln protestierten sofort. Ein stechender Schmerz zog durch den unteren Rücken, während seine Schultern sich anfühlten, als hätten sie die Nacht über eine Last getragen, die niemand sehen konnte. Langsam hob er den Kopf. Die Gasse, in der er gelandet war, war schmal. Zwei alte Wartungsgebäude flankierten den Durchgang. Die Oberflächen ihrer Außenwände waren von Jahrzehnten aus Ölfilm, Rostflecken und übereinander geklebten Werbeplakaten überzogen. Die meisten davon waren halb abgerissen. Zwischen den Papierfetzen glommen Neonstreifen, einige funktionierten noch, andere flackerten unregelmäßig und tauchten den Korridor in unstetes Licht.

Ein paar Meter weiter hatten sich bereits die ersten Händler des Tages eingerichtet. Ein alter Bothaner stellte eine Kiste mit dampfenden Behältern auf einen klapprigen Tisch. Der Geruch von gewürztem Fleisch und gebratenem Teig schob sich durch die abgestandene Luft und ließ Kriffs Magen schmerzhaft zusammenziehen. Er presste die Lippen aufeinander. Hunger war nichts Neues. Der Körper gewöhnte sich an vieles. An Kälte. An Schlafmangel. An den ständigen Lärm der Unterstadt. Aber Hunger blieb ein hartnäckiger Begleiter. Er kam immer wieder zurück, egal wie lange man ihn ignorierte. Kriffer richtete sich langsam auf.

Seine Knie knackten hörbar, als er das Gewicht verlagerte. Für einen Moment schwankte die Welt leicht. Er blieb stehen, bis sich der Schwindel legte.

Der Mantel hing schwer an seinem Körper. Mehrere Lagen Stoff, zusammengeflickt aus allem, was er irgendwann irgendwo aufgesammelt hatte. Einige Flicken waren mit Draht befestigt. Andere mit groben Stichen, die jemand mit einer stumpfen Nadel gesetzt hatte.

Seine Hand fuhr automatisch über die Brusttasche. Das dünne Heft war noch da. Gut. Er ließ die Hand wieder sinken.
Ein Speeder raste irgendwo über den oberen Verkehrsschichten vorbei. Das Dröhnen hallte durch die Struktur der Stadt und ließ die Metallstreben über der Gasse leise vibrieren. Jemand fluchte in einer Sprache, die Kriff nicht kannte. Ein Containerdeckel schlug zu. Schritte näherten sich, entfernten sich wieder.

Die Unterstadt war wach.

Kriffer stieß sich schließlich von der Wand ab und machte einen ersten Schritt. Der Boden fühlte sich seltsam fest an. Nicht im wörtlichen Sinn. Eher in seinem Kopf. Die verschwommene Trägheit der letzten Stunden war verschwunden. Zurück blieb die übliche Mischung aus Müdigkeit, Reizbarkeit und diesem unterschwelligen Zittern, das langsam in seine Finger kroch.

Entzug.

Noch nicht schlimm. Aber er wusste, wie schnell es schlimmer werden konnte. Seine Finger zuckten kurz. Instinktiv tastete er nach einer Ampulle, nach irgendeinem Rest. Seine Taschen waren leer. Nur Stofffetzen, ein Stück Draht und ein verbogener Metallring, der einmal Teil von irgendetwas gewesen sein musste.

Nichts, was ihm helfen würde. Er schnaubte leise.

Der Bothaner am Stand hatte ihn inzwischen bemerkt. Ein kurzer Blick, nicht besonders freundlich. Dann wandte sich der Händler wieder seiner Arbeit zu. Kriff kannte diesen Blick. Die meisten Händler hatten kein Problem mit Bettlern, solange sie nicht direkt vor der Kundschaft herumlagen.

Er trat ein Stück weiter in die Gasse hinein.

Seine Stiefel scharrten über den Boden. Der linke war an der Sohle aufgerissen und machte bei jedem Schritt ein leises Schmatzen, als würde er sich über den Beton beschweren.

Ein paar Gestalten bewegten sich durch den Korridor. Zwei Arbeiter mit ölverschmierten Overalls. Eine kleine Gruppe Jugendlicher, die sich lautstark über irgendetwas stritten. Niemand schenkte ihm mehr als einen flüchtigen Blick.

Gut so. Kriffer blieb schließlich neben einer halb eingestürzten Stütze stehen. Von hier aus konnte er den Durchgang überblicken, ohne direkt im Weg zu stehen. Ein guter Platz. Nicht perfekt, aber brauchbar.

Er ließ sich langsam an der Metallstrebe herunterrutschen, bis er wieder hockte. Die Bewegung war inzwischen Routine. Rücken an der Stütze, ein Bein leicht ausgestreckt, das andere angewinkelt. Die Haltung eines Mannes, der nicht vorhatte, schnell aufzustehen.

Sein Blick wanderte über die vorbeiziehenden Leute.Manche liefen schnell, den Kopf gesenkt. Andere schoben kleine Transportkarren vor sich her. Ein paar sahen müde aus. Die meisten sahen einfach beschäftigt aus.
Niemand sah ihn wirklich an. Kriff legte den Kopf leicht gegen das kalte Metall hinter sich. Für einen Moment schloss er die Augen, nicht um wieder wegzudriften, sondern um den letzten Rest des dumpfen Drucks aus seinem Schädel zu vertreiben.

Der Rausch war vorbei. Diesmal wirklich.

Keine flackernden Farben mehr. Keine verzerrten Geräusche. Nur der gleichmäßige Lärm der Unterstadt und das trockene Kratzen seines eigenen Atems. Er öffnete die Augen wieder. Der Bothaner verteilte inzwischen dampfende Portionen an zwei Kunden. Der Geruch wurde stärker. Kriffs Magen knurrte leise. Er betrachtete seine Hände.

Dreck unter den Nägeln. Kleine Schnitte. Die Haut rissig. Nichts daran sah aus, als würde es heute etwas Besonderes tun. Er rieb die Finger kurz aneinander, als wollte er das Zittern abschütteln. Dann ließ er die Hand locker auf dem Knie liegen und hob den Blick zu den Passanten. Der Tag hatte begonnen.

Und wenn er heute etwas essen wollte, musste er damit anfangen.

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Coruscant | Jeditempel | Zimmer - Eriu



Die Pressekonferenz der Jedi zum Virus und dem Krieg war im Tempel seit Tagen Gesprächsthema Nr.1. Niemand hatte etwas genaueres gewusst, zumindest was Erius Bekannte betraf. Aber diese waren auch nicht besonders hochgestellt. Seine Meisterin hätte als Rätin mehr gewusst, aber sicher nichts weitergegeben. Das kannte er bereits aus seiner Heimat Truuine, von seinen Freunden und seinem Vater. Politik war kompliziert und die Wahrheit verbarg sich oft zwischen den Zeilen. Es war ein stetiges Wettrennen darum, die andere Seite dazu zu bringen den falschen Zug zu machen.
Dem Gerede und den Vermutungen unter den anderen Padawanen hatte er weder zugestimmt noch sie entkräftet.
Wie hätte er auch sollen…
Das politische Machtgerangel zwischen Imperium und Republik hatte er erst auf Coruscant kennengelernt.

Mit Interesse verfolgte er auf dem kleinen Holoprojektor die Übertragung der Stellungnahme von Jedirat Wes Janson. Die Präsenz des Rates war selbst über die Fernübertragung eindrucksvoll. Trotz des brisanten Themas und der in seinen Worten enthaltenen Fakten, und er lies keinen Zweifel aufkommen, dass es Fakten waren, blieb er ruhig, sachlich und fokussiert.

Schließlich übergab der rat das Wort an Ian Dice. Eriu war etwas verwundert. Schließlich hatte der Mann ihm bei dem Treffen im Trainingsraum erzählt, dass er kein Jedi sei.
Was Ian erzählte konnte der Sephie zuerst nicht glauben. Ein Sith?
Aber je mehr der Mensch erzählte und von sich preisgab, desto mehr ergab alles einen Sinn, auch das Gespräch damals. Es war schön zu erfahren, dass jemand, der so tief in der dunklen Seite verhaftet gewesen war einen Weg hinausgefunden hatte. Vielleicht sollte er noch einmal das Gespräch mit dem Menschen suchen, vielleicht hatte er einen Anhaltspunkt , wie der junge Sephie mit seinem Problem umgehen konnte. Denn nach all den Studien in der Bibliothek über die Macht wusste Eriu, dass Seine Vergangenheit ihn immer einholen würde.

Dann endete die Stellungnahme des ehemaligen Sith und die Rätin Eowyn El‘mireth trat ans Mikrofon. Was Sie erklärt und erzählte lies den Padawan zittern. Und Ihre Schlussfolgerung am Ende was zutreffend. Er könnte Ihre Entscheidung nicht gutheißen. Wie auch, Sie hatte den Weg der Konfliktlösung durch Waffengewalt gewählt und was folgte daraus: mehr Waffengewalt in Form eines Krieges. Aber war es eine falsche Entscheidung gewesen? Hatte Sie wirklich eine Wahl gehabt unter diesen Umständen? War es am Ende wirklich wegen Ihr eskaliert?
Es war eine komplexe Situation und er konnte Ihr keinen Vorwurf machen.
Er schaltete die Holoübertragung ab und lehnte sich zurück.
Es war wirklich nicht einfach. Es gab einfach zu viele Individuen, die mit Ihren Entscheidungen als Einzelperson andere beeinflussen oder zwingen konnten, Entscheidungen zu treffen. Trotz des Todes des Imperators hatte sich nicht wirklich etwas verbessert. Opfer des Virus wurden getauscht durch Opfer des Krieges und ja, auch da würde es viele geben.
Würde es irgendwann in der Galaxie wahren Frieden geben? Wären die Lebewesen zu so etwas im Stande?
Selbst auf Thustra gab es Spannungen, aber es eskalierte nicht wie in der restlichen Galaxie.

Er vermisste Thustra, die Ruhe, die Natur, seine Mutter und Rayleen….






Coruscant | Jeditempel | Zimmer - Eriu
 
Zuletzt bearbeitet:
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Kriff verharrte noch einen Moment in seiner Hocke, den Rücken gegen die kalte Metallstütze gelehnt, während der Verkehr der Unterstadt an ihm vorbeizog wie ein zäher Strom. Die ersten Minuten eines Tages waren hier unten selten freundlich, aber sie hatten etwas Berechenbares. Die Händler bauten ihre Stände auf, Arbeiter schoben sich mit müden Gesichtern durch die Gassen, und irgendwo stritten immer zwei Leute lautstark über etwas, das keinen von beiden reicher machen würde. Kriff kannte diese Abläufe. Sie gehörten zu den wenigen Konstanten in einem Leben, das ansonsten wenig Halt bot.

Er fuhr sich mit der Hand über das Gesicht, rieb sich mit zwei Fingern den Schmutz aus dem Augenwinkel und stieß schließlich einen langen Atemzug aus. Die Luft schmeckte nach heißem Metall und Fett, ein Geruch, den er schon so lange kannte, dass er ihn kaum noch wahrnahm.

Na los“, murmelte er schließlich leise vor sich hin, die Stimme noch rau vom Schlaf und von allem, was davor gewesen war. „Steh nicht rum wie ein defekter Wartungsdroide.“

Der Satz galt niemandem außer ihm selbst, aber er hatte sich angewöhnt, ab und zu laut zu sprechen. Die Worte halfen dabei, den Kopf zu sortieren. Außerdem erinnerte ihn das Geräusch seiner eigenen Stimme daran, dass er noch da war.

Langsam stemmte er sich wieder auf die Füße. Diesmal ging es etwas leichter. Der erste stechende Schmerz in den Muskeln war abgeklungen und hatte dem vertrauten Ziehen Platz gemacht, das ihn jeden Morgen begleitete. Sein Mantel raschelte leise, als er sich streckte. Der Stoff hing schwer an ihm, eine Ansammlung aus Flicken, alten Nähten und improvisierten Reparaturen. In einer der Taschen steckte noch immer das dünne Heft, das er vorhin kurz überprüft hatte. Der Gedanke daran war seltsam beruhigend. Es war nichts Wertvolles, nichts, wofür jemand auf Coruscant auch nur einen halben Credit bezahlt hätte, aber es gehörte ihm.

Kriff schob die Hände tief in die Manteltaschen und trat einen Schritt näher an den Durchgang der Gasse heran. Von hier aus konnte er den kleinen Platz überblicken, der sich zwischen mehreren Wartungsschächten und Versorgungsgängen aufspannte. Es war kein offizieller Markt, aber jeden Morgen wurde er einer. Händler stellten improvisierte Tische auf, Arbeiter holten sich etwas Warmes zu essen, und wer nichts zu verkaufen hatte, versuchte auf andere Weise ein paar Credits zu ergattern.

Kriffer beobachtete das Treiben mit halb gesenktem Blick, so wie man es tat, wenn man auffallen wollte, ohne wirklich Aufmerksamkeit zu erregen. Ein alter Trick aus vielen Jahren in den unteren Ebenen. Wer zu offensiv starrte, wurde schnell als Problem wahrgenommen. Wer dagegen wirkte, als würde er nur zufällig herumstehen, konnte eine ganze Weile unbehelligt bleiben.

Der Bothaner vom Essensstand arbeitete inzwischen schneller. Der Dampf aus seinen Behältern stieg in dicken Schwaden auf und vermischte sich mit dem grauen Licht der Neonstreifen. Kriff spürte wieder dieses Ziehen im Bauch. Es war kein dramatischer Schmerz, eher ein ständiges Erinnern daran, dass sein Körper seit geraumer Zeit mit zu wenig auskommen musste.

Er trat näher an den Rand des Platzes heran und blieb neben einer verrosteten Leitung stehen, die aus der Wand ragte. Ein paar Leute warfen ihm kurze Blicke zu, mehr aus Gewohnheit als aus wirklichem Interesse. Ein Twi’lek mit zerschlissenem Mantel war hier unten nichts Besonderes. Auf Coruscant lebten Milliarden. Irgendwo musste der Abfall der Gesellschaft schließlich landen.

Kriff ließ sich wieder in die Hocke sinken, diesmal mit dem Gesicht zum Strom der Passanten. Die Position war bewusst gewählt. Nicht direkt im Weg, aber sichtbar genug, dass jemand ihn wahrnehmen konnte, wenn er wollte. Seine Finger verschränkten sich locker ineinander, während er den Kopf leicht neigte und die ersten Worte des Tages nach außen richtete.

Einen freundlichen Morgen euch allen“, sagte er mit ruhiger Stimme, die einen Hauch mehr Förmlichkeit trug, als man in dieser Ecke der Unterstadt erwarten würde. „Wenn jemand einen Credit übrig hat, verspreche ich, ihn nicht zu verschwenden.

Der Satz war halb Scherz, halb Bitte. Ein paar der Vorbeigehenden reagierten gar nicht. Ein Arbeiter mit ölverschmierten Händen schnaubte nur und ging weiter. Eine ältere Frau blieb kurz stehen, musterte Kriffer von oben bis unten und ließ schließlich eine kleine Münze in seine Richtung fallen. Das Metallstück klimperte über den Boden und blieb wenige Zentimeter vor seinem Stiefel liegen.

Kriff nickte ihr leicht zu, als hätte sie ihm gerade eine höfliche Geste erwiesen und nicht einfach nur einen Bettler abgespeist.

Meinen Dank, Madam“, sagte er ruhig. „Möge die Macht mit Euch sein!

Die Frau zog eine Augenbraue hoch, offenbar nicht ganz sicher, ob sie sich über ihn lustig gemacht fühlte oder ob der Mann einfach seltsam war. Dann zuckte sie mit den Schultern und ging weiter.

Kriff griff nach der Münze und ließ sie kurz durch die Finger rollen. Ein einzelner Credit war kein Vermögen, aber es war ein Anfang. Genug vielleicht für etwas zu essen, wenn der Händler gut gelaunt war. Nicht genug für Stim, und das war vermutlich auch besser so.

Er lehnte sich wieder ein Stück zurück gegen die Leitung und ließ den Blick über den Platz wandern. Die Geräusche der Unterstadt waren inzwischen zu einem gleichmäßigen Hintergrundrauschen geworden. Das Dröhnen der Verkehrsschichten, das Zischen von Ventilen, das Murmeln von Gesprächen. Alles verschmolz zu diesem eigenartigen Klangteppich, der hier unten niemals wirklich verstummte.

Kriffer atmete langsam aus und strich mit dem Daumen über die Kante der Münze. Der Tag hatte begonnen, und für den Moment war das genug.

.Kernwelten . Corusca-Sektor . Coruscant . Untere Ebenen . Distrikt G17 . Kriffer .​
 
Coruscant - Jedi-Tempel - vor einer Ausrüstungskammer, mit Draen

Sarina sah Draen mit einem Seitenblick an.

"Du klingst beinahe schon wie ein Jedi."

Mehr auf jeden Fall als sie vielleicht. Diese Worte von wegen Hoffnung, Funke und Dunkel... naja, poetisch eben, aber auch der Inhalt passte eigentlich ziemlich gut hierher. Er würde eher keine Probleme mit der Jedi-Philosophie haben, schätzte sie jetzt einfach mal.
Neurochirurg war er also, das war ziemlich beeindruckend. Man musste enorme Fähigkeiten haben, um einerseits all dieses Zeug in der Theorie zu lernen, und andererseits auch in der Praxis mitzuhalten. Sonderlich viel Ahnung hatte Sarina davon nicht, aber vor ein paar Jahren war mal eine Holoserie recht populär gewesen, in der auch ein Neurochirurg eine Hauptrolle gespielt hatte, und es war ihr so erschienen, als ob man ziemlich was drauf haben musste, um dort mitzuhalten. Also, falls diese Serie auch nur ansatzweise irgendwas mit der Realität zu tun hatte, natürlich.


"Dann ist das vermutlich wirklich ein Kinderspiel für dich und du machst das lieber",

grinste sie, denn nicht, dass sie da jetzt Mist baute. Obwohl das angeblich idioten- und padawansicher sein sollte.

Er stammte also von Tirahnn - sie hatte das Gefühl, den Namen dieses Planeten schon mal gehört zu haben, konnte aber nicht wirklich einordnen, in welchem Zusammenhang und das war am Ende auch egal. Es war gut, dass Draen nicht direkt gebunden war. Eine Partnerin wäre schon doof genug gewesen. Aber Kinder? Er schien ihr nicht so alt, als dass diese schon älter sein konnten, also war es wirklich gut, dass er da keine Verpflichtungen hatte. Das war doch schon mal echt positiv.


"Ist Tirahnn imperial, neutral oder republikanisch?"

Das spielte ja nun auch eine Rolle, was den Kontakt zu seiner Familie anging. Das war immerhin leichter, wenn sie auf einem republikanischen Planeten lebten. Aber auch anderes bekam man hin.

Sie sammelten das Gerät ein und zogen sich in einen leeren Raum zurück. Sarina mochte diese kleinen, behaglichen Räume sehr - es war ganz anders als in der Basis auf Lianna. Dort war alles funktional gewesen, platzsparend und so, dass alles eben
funktionierte, weil für mehr kaum Platz gewesen war, aber hier im Tempel ging es nicht nur um Praktikabilität, sondern auch um Ästhetik und Wohlbefinden. Hatte sie auf Lianna eigentlich immer das Gefühl gehabt, von Personen umgeben zu sein, war das hier anders - es war viel mehr Ruhe im Gebäude, viel mehr Gelassenheit, man konnte sich wirklich vorstellen, alleine zu sein.

Ganz davon abgesehen, dass das mit dem Einzelzimmer halt echt famos war.

Draen setzte sich und machte sich dann daran, das die Analyse zu starten, und auch Sarina nahm Platz und machte es sich gemütlich. Anschließend stellte er selbst Fragen, wobei Sarina sich nicht sicher war, ob das vielleicht Verlegenheitsfragen waren. Egal.


"Ich stamme von Thanium. Das ist ein Planet direkt neben Lianna, was natürlich ziemlich praktisch war. Natürlich konnte ich meine Familie nicht jedes Wochenende sehen, aber alle paar Monate war schon drin. Als Heimat..."

Sarina überlegte kurz.

"Hm, ich weiß ehrlich gesagt nicht. Ich hab' zugegeben darüber irgendwie noch nie nachgedacht. Aber... es zieht mich nichts dorthin, außer meiner Familie natürlich. Also vielleicht eher nicht. Aber das stört mich nicht, ich bin zufrieden so, wie es gelaufen ist und läuft.
Tirahnn ist dir vermutlich wichtig?"


Schließlich musste es irgendwie einen Grund geben, wieso er so was fragte, oder? Naja. Außer eben es waren Verlegenheitsfragen.

"Hast du denn sonst irgendwelche Fragen? Ansonsten leg ich mal einfach los... also du weißt vermutlich, dass Jedi in einem Meister-Schüler-System ausgebildet werden. Bis du einen eigenen Meister hast, wärest du ein Anwärter, aber das heißt nicht, dass du nichts lernst. Grundlagentraining gibts immer, in der Regel in Gruppen, und irgendwann kommt jeder unter. Du würdest ein Zimmer hier im Tempel kriegen und mit allem versorgt werden, Kleidung, Essen, Trinken, so ein Kram. Ansonsten gibt's allerdings so fast kein Geld, dafür sind wir zu pleite. Auch, wenn man nach außen hin oft anderes hört. Aber falls du was brauchst oder dir was kaufen möchtest, gibt es immer Möglichkeiten, und ein bisschen was bekommt man schon, weil ganz ehrlich, also ich muss schon auch ab und zu mal raus und zum Beispiel einen Trinken, und von irgendwas muss ich das ja auch bezahlen...

Wie auch immer..."


Was waren sonst noch so die gängigen Fragen?

"Also ein Lichtschwert bekommst du noch nicht sofort, höchstens ein Trainingsschwert. Außerdem muss man körperlich schon ein bisschen ran, ein Jedi muss sehr fit sein, auch wenn vieles im Kopf passiert."

Sie wies auf eben jenen.

"Das Essen ist echt nicht schlecht, auf Lianna war es viel übler. Hier hast du die Wahl zwischen mehreren Kantinen, das ist schon ziemlich cool. Nur falls du gerne Kaff trinkst, also da empfehle ich dir dann lieber was extern. Den hier kann man trinken, klar, aber es gibt besseren."

Sie grinste Draen an.

"Okay, mir fällt nichts mehr ein. Hau raus, wenn du noch was wissen willst."

Coruscant - Jedi-Tempel - vor einer Ausrüstungskammer, mit Draen
 
Kernwelten Corusca-Sektor Coruscant Senatsdistrikt Jedi-Tempel Meditationsraum Sarina Thorne und Draen Tel'Set

Draen zog die Stirn in Falten, als die Worte in seinem Kopf widerhallten: Du klingst beinahe schon wie ein Jedi, so hatte es Sarina gerade gesagt. Er hielt inne, ließ die Bedeutung auf sich wirken. Es war eine Aussage, die ihn gleichzeitig ehrte und verunsicherte.

Er war kein Jedi – nicht jetzt, nicht in diesem Moment. Er wusste kaum, was auf ihn zukam, sollte der Test positiv ausfallen, und von der Macht, den Prinzipien oder den alten Traditionen fühlte er sich noch weit entfernt. Doch diese Worte ließen ihn zweifeln: War er schon auf dem Weg, ungeplant und unbewusst? Konnte er, ohne es zu wissen, schon jetzt die Haltung eines Jedi annehmen? Ein Teil von ihm wollte stolz sein, doch ein anderer wusste, dass er noch viel zu lernen hatte. Er fühlte den Druck, sich nicht zu überschätzen, sich nicht selbst zu belügen. Die Herausforderung lag darin, den Weg wirklich zu gehen – mit Demut, Geduld und der Bereitschaft, alles zu hinterfragen.

Draen verharrte einen Moment, als Sarina ihn nach seiner Heimat fragte. Der Mediziner hatte sich nie wirklich mit der imperialen Macht anfreunden können. Die Herrschaft, die Kontrolle, die Unterdrückung – all das lag ihm fern. Tirahnn war für ihn mehr als nur ein Ort auf einer Karte; es war ein Gefühl, eine Verbindung zu etwas, das er nicht mit der Dunkelheit des Imperiums vereinen konnte. Es war seine Heimat. Sein Herz schlug für das, was Tirahnn für ihn bedeutete – für den Wunsch nach Unabhängigkeit, Gerechtigkeit und einem Ort, an dem die Menschen frei sein konnten.

„Tirahnn ist imperial“, sagte er schließlich leise. „Aber nur äußerlich. Im Herzen bleibt es eine Welt, die nach Freiheit strebt. Und ich werde dafür kämpfen, dass das so bleibt. Auch wenn es nicht einfach wird.“

Draen hörte Sarina aufmerksam zu, während diese von ihrer Herkunft sprach. Der Planet lag also in der Nähe von Lianna. Er wusste, dass Lianna eine wichtige Basis für die Jedi war, auch wenn er nur vage darüber informiert war.
„Lianna…“, sagte Draen nachdenklich. „Ich habe davon gehört, dass dort eine Jedi-Basis sei. Mehr weiß ich aber auch nicht.“

Der Tirahnner war überrascht, dass Sarina so entspannt darüber sprach, keinen klaren Bezug zu ihrem Heimatplaneten zu haben. Für ihn war das ungewöhnlich, fast fremd. Er sah die Jedi neugierig an, fragte sich, warum sie so anders darüber dachte. Vielleicht lag es daran, dass sie als junges Kind ihre Heimat verlassen musste oder nie wirklich die Chance hatte, sich dort zu verwurzeln. Oder vielleicht war sie einfach jemand, der leichter loslassen konnte. Er wusste jedoch, dass Heimat für ihn immer etwas Wichtiges war. Tirahnn war mehr als nur ein Ort – es war seine Wurzel, sein Anker in der Welt. Für ihn war die Heimat etwas, das tief im Herzen verankert blieb, egal was passierte.

„Es ist interessant, wie unterschiedlich wir das sehen“, sagte Draen. „Ja, Tirahnn ist mir sehr wichtig. Es ist mein Zuhause, egal wo ich bin. Es gibt Dinge dort, die mich prägen, die mich ausmachen. Allem voran meine Familie. Für mich ist Heimat etwas, das im Herzen bleibt, auch wenn man weg ist.“

Wenn sein Weg nun tatsächlich in den Reihen der Jedi fortgesetzt werden würde, würde er niemals seine Heimat, seine Familie, vergessen. Das versprach er sich. Sarina gab ihm eine kleine Einführung in das Wesen im Jedi-Orden. Er wusste, dass das Leben eines Jedi in vielen Dingen anders war als das, was er bisher kannte. Was die materiellen Dinge anging, war er eigentlich nicht besorgt. Er hatte zuvor einige Credits verdient, noch dazu war da noch sein marginaler Anteil im Familienunternehmen. Er fragte sich eher, wie viel er noch nicht wusste, was das Leben im Jedi-Tempel wirklich bedeutete. Es klang nach einer Kombination aus Disziplin, Gemeinschaft und einer gewissen Einfachheit. Sein Herz schlug etwas schneller bei dem Gedanken, Teil eines so besonderen Systems zu werden. Er spürte eine Mischung aus Aufregung und Ehrfurcht, seine Gedanken wirbelten um das Meister-Schüler-System. Es war für ihn kaum zu fassen, dass er vielleicht bald einen Meister haben könnte, jemand, der ihn anleiten, fordern und unterstützen würde. Für einen Moment fragte er sich, ob er diesem hohen Anspruch gerecht werden könnte. Aber gleichzeitig fühlte er auch eine große Motivation, das Beste daraus zu machen und zu beweisen, dass er es wert war.

Er schüttelte aus Unglauben den Kopf.
„Wenn ich daran denke, vielleicht schon bald eine Meisterin oder einen Meister zu haben… Das ist einfach unglaublich.“

Die Art und Weise, wie sie das alles erklärte, wirkte auf ihn sehr pragmatisch und direkt. Draen lächelte jedoch leicht, als er Sarinas weitere Worte hörte. Es gefiel ihm, dass sie ehrlich war und auch ihre Bedürfnisse nicht verschweigen wollte. Das zeigte, dass sie sich nicht verstellte, sondern offen damit umging, was sie brauchte.
„Das klingt vernünftig“, sagte er nickend. „An mancher Stelle braucht es einen Ausgleich – in jeglicher Art und sei es durch einen guten Kaff.“

Mit dem Verweis auf den Kaff im Tempel gelang es der Jedi dem Mediziner erneut ein Schmunzeln auf die Lippen zu legen.
„Im Krankenhaus habe ich mich schon mit allem zufriedengegeben – Hauptsache, warm und stimulierend. Aber eben auch nur Mittel zum Zweck. Ich muss zugeben, mehr Freund von Tee zu sein. Eine große Vielfalt an Aroma. Falls ich dich von einer überaus guten Alternative zu Kaff begeistern soll, sage mir Bescheid.“

Sein Blick schweifte kurz ab, während er sich vorstellte, wie es wäre, in diesem Tempel zu leben und zu lernen.
„Und… was passiert, wenn man etwas nicht versteht oder Schwierigkeiten hat?“ Als sie es ansprach, dachte er dabei auch an seine körperliche Leistungsfähigkeit. Grundsätzlich hatte er sich der langen Operationen wegen regelmäßiger körperlicher Ertüchtigung unterzogen, doch es klang nach etwas, das mehr forderte, als er bisher gewohnt war. „Was passiert, wenn man körperlich wirklich an seine Grenzen stößt?“

Kernwelten Corusca-Sektor Coruscant Senatsdistrikt Jedi-Tempel Meditationsraum Sarina Thorne und Draen Tel'Set
 
Coruscant - Jedi Tempel - Großer Pressesaal - Fragerunde - Sprecher: Wes, Ian, Eowyn - Journalisten und voller Raum

Nach den Reden lag eine andere Schwere im Raum als zu Beginn. Die Erklärungen waren umfangreich gewesen. Sie hatten Details geliefert, Verantwortung benannt, Schuld eingeräumt. Doch sie hatten zugleich offengelegt, wie viel im Verborgenen entschieden worden war.

Rat Wes Janson hatte bestätigt, dass die Führung von Jedi Orden, Militär, Geheimdienst und Regierung frühzeitig von der imperialen Urheberschaft des C Virus wusste. Diese Information wurde aus strategischen Gründen zurückgehalten. Er hatte die Sicherung der Beweise geschildert, die Razzia, die geborgenen Proben, die anschließende Entscheidung, direkt an der Quelle auf Bastion anzusetzen.

Ian Dice hatte seine Vergangenheit als Sith Exekutor offen dargelegt. Er hatte Allegious’ Plan beschrieben, die Täuschung der Friedensverhandlungen, die Existenz eines zweiten, noch verheerenderen Virus. Er hatte sich selbst als Mitverantwortlichen bezeichnet und zugleich klargestellt, dass der Krieg aus seiner Sicht vom Imperium vorbereitet worden sei.

Eowyn El’mireth hatte schließlich erklärt, dass sie bewusst ohne Mandat handelte, um die Freisetzung eines weiteren Virus zu verhindern. Sie übernahm die politische Verantwortung. Sie bestätigte, dass sie Allegious persönlich tötete. Sie akzeptierte die angekündigte Anhörung. Gleichzeitig bat sie darum, ihre Entscheidung nicht der Republik als Ganzes anzulasten.

Was blieb, war ein klares Narrativ. Das Imperium entwickelte eine Biowaffe. Der Orden wusste davon. Der Orden schwieg. Eine Rätin handelte eigenmächtig. Ein ehemaliger Sith wurde zur zentralen Quelle. Der Imperator starb ohne Gerichtsverfahren.

Das waren keine reinen Informationen, das waren Offenbarungseide.
Mehrere Meldefelder blinkten auf.

Rornan Elliundi ließ den Blick über die Reihen gleiten. “Kreel Vos

Der Rodianer erhob sich sofort. Seine Antennen spannten sich, seine dunklen Augen fixierten das Podium. Seine Stimme war deutlich lauter als zuvor, getragen von spürbarer Erregung.

“Sie sprechen von moralischer Notwendigkeit. Von Rettung und Alternativlosigkeit.”

Er machte eine scharfe Handbewegung in Richtung Eowyn.

“Das Ergebnis ist Krieg.”

Ein hörbares Raunen ging durch den Saal.

“Offene Offensive auf Kashyyyk. Flotten in Bewegung. Handelsschiffe bleiben in den Häfen. Grenzsysteme geraten in Alarmbereitschaft.”

Er beugte sich vor.

“Und Sie erwarten ernsthaft, dass die Randwelten glauben, dieser Krieg sei unvermeidlich gewesen?”

Seine Stimme wurde polemischer.

Vielleicht wäre es ohne Ihre eigenmächtige Entscheidung nicht zu dieser Eskalation gekommen. Vielleicht hätte eine vollständige Offenlegung der Beweise, eine Untersuchung, ein politischer Druckaufbau das Imperium isoliert, statt ihm einen gefallenen Imperator zu liefern, den es nun propagandistisch ausschlachten kann.”

Einige Reporter nickten. Andere murmelten ablehnend.

“Sie töten den Imperator ohne Verfahren, umgehen Ihr Mandat und nun sagen Sie, das alles sei notwendig gewesen.”

Er drehte sich abrupt zu Ian.

“Und Sie. Ein ehemaliger Exekutor. Wie viele Operationen haben Sie im Namen dieses Systems durchgeführt? Wie viele Welten litten unter Ihrer Loyalität? Wie soll die Republik IHNEN glauben?”

Seine Stimme schnitt durch die Luft und er zeigte mit dem Finger auf den Jedi-Kollaborateur.

Kreel Voss setzte sich mit einem abrupten Ruck. Das Gemurmel schwoll an.

Ein Paukenschlag direkt zu Beginn. Der Raum war laut geworden. Rornan disziplinierte mühevoll die Menge.

Dann nickte er leicht. “ Sha’nel Aris.

Die Twi’lek erhob sich ruhig. Ihre Stimme war etwas moderater. Gerade deshalb wirkte sie scharf.

Sie sprechen von Verantwortung und von Vertrauen”, sagte sie und blickte direkt zu Eowyn und Wes. “Aber Vertrauen entsteht durch überprüfbare Strukturen, nicht durch Beteuerungen.”

Sie hob ihr Datapad leicht an.

Der Jedi Orden entschied, Informationen zurückzuhalten. Der Jedi Orden tolerierte eine nicht mandatierte Mission. Der Jedi Orden präsentiert heute Daten, die noch nicht vollständig ausgewertet sind und deren Veröffentlichung Sie selbst begrenzen.”

Sie ließ den Satz stehen.

Gibt es innerhalb des Ordens eine unabhängige Kontrollinstanz, die Entscheidungen einzelner Räte prüfen kann? Oder ist der Jedi Rat faktisch Richter über sein eigenes Handeln?”

Sie bekräftigte damit noch einmal die Frage ihres Vorredners und brachte einen weiteren Aspekt hinzu. Ihre Lekku blieben ruhig.

Sie sagen, es sei eine Ausnahme gewesen. Nach welchen klar definierten Kriterien wird künftig entschieden, wann eine solche Ausnahme zulässig ist? Wer legt diese Kriterien fest? Der Rat selbst?”

Ein weiterer Schritt.

Und wenn der Orden in der Lage ist, demokratische Verfahren auszusetzen, Informationen zurückzuhalten und militärische Operationen faktisch mitzuprägen, warum sollte die Öffentlichkeit ihn nicht als politische Macht begreifen, die sich selbst legitimiert?”

Der Saal war nun vollkommen still.

“Eine Republik wird nicht nur durch äußere Feinde gefährdet”, schloss sie ruhig. “Sie wird auch gefährdet, wenn ihre Verteidiger keiner externen Kontrolle unterliegen.”

Naera setzte sich. Sie war scharfsinnig und bereit ihren Finger tief in die Wunde zu legen.

Alle Blicke richteten sich erneut auf das Podium. Holokameras surrten leise. Datapads zeichneten jedes Wort auf.

Rornan faltete die langen Finger ineinander.

Nach den scharf formulierten Fragen des Rodianers und der Twi‘lek lag die Spannung greifbar in der Luft. Einige Reporter hatten zustimmend genickt, andere schrieben hastig mit. Das Thema Integrität des Ordens und der handelnden Personen stand nun offen im Raum. Man konnte spüren, dass die Journalisten aufgeladen vom Statement des Kanzlers in diese Pressekonferenz gekommen waren.

Rornan ließ den Blick weiterwandern. Mehrere Meldefelder blinkten noch immer.

Taris Venn.

Der Bothan erhob sich ruhig. Seine fellbedeckten Hände lagen offen auf seinem Datapad. Seine Stimme war sachlich, mit einem klaren Fokus.

Rat Janson. Rätin El’mireth.”

Ein kurzes Nicken.

Ich möchte auf das C Virus selbst zurückkommen. Sie sagten, dass das ursprüngliche Virus vernichtet wurde und dadurch sämtliche Mutationen kollabierten. War dieser Effekt im Vorfeld vollständig wissenschaftlich abgesichert oder handelte es sich um eine theoretische Annahme, die unter Zeitdruck umgesetzt wurde?”

Er ließ die Frage stehen.

Wie viele Welten waren nachweislich betroffen? Und können Sie bestätigen, dass sämtliche bekannten Infektionsketten vollständig beendet sind?”

Sein Blick glitt kurz zu Ian.

Sie erwähnten ältere Virusvarianten in Ampullen. Gibt es eine gesicherte Übersicht darüber, ob alle Proben sichergestellt wurden? Oder besteht die Möglichkeit, dass isolierte Restbestände weiterhin existieren, sei es in imperialen oder kriminellen Netzwerken?”

Ein leises Raunen.

Und abschließend. Welche langfristigen medizinischen oder genetischen Folgen sind für Überlebende des Virus dokumentiert? Gibt es Spätfolgen, die der Öffentlichkeit bislang nicht bekannt sind?”

Taris setzte sich wieder.

Lira Denova.

Die Alderaanerin erhob sich ruhig. Ihr Ton blieb diplomatisch, doch die Richtung war eindeutig. Sie überschlug die langen Beine. Die Jouranlisten um sie herum wussten, was kommen würde. Sie hatte ihr Pad weggelegt und ihre Hände vielsagend gefaltet, während sie sich wie eine Talkshow-Moderatorin leicht zur Seite drehte.

“Meine Frage richtet sich an Rätin El’mireth.”

Sie sah Eowyn direkt an.

Sie haben offen bestätigt, dass Sie und Ian Dice eine persönliche Beziehung führen. Ian Dice war nicht nur ein Zeuge, sondern ein ehemaliger Exekutor des Imperiums und eine zentrale Quelle für strategische Informationen.”

Sie ließ einen Moment verstreichen während sie vielsagend zwischen dem Liebespaar hin und her schaute.

“Können Sie ausschließen, dass Ihre persönliche Bindung Ihre Entscheidungsfindung beeinflusst hat? Insbesondere bei der Entscheidung, ihn in operative Abläufe einzubinden oder seine Einschätzungen höher zu gewichten als andere?”

Ein leises Murmeln ging durch die Reihen.

Gab es innerhalb des Rates eine formale Prüfung möglicher Interessenkonflikte? Oder lag die Einschätzung Ihrer Unabhängigkeit allein in Ihrer eigenen Verantwortung?”

Ihre Stimme blieb ruhig.

Und noch eine Frage. Sollte sich künftig herausstellen, dass Ian Dice in einem Punkt geirrt oder unvollständig informiert war. Würden Sie rückblickend einräumen, dass persönliche Nähe in sicherheitspolitischen Entscheidungen ein Risiko darstellt?”

Sie setzte sich langsam, erwartungsvoll. Sie war eine Ikone auf ihrem Gebiet, groß, attraktiv, gerissen und charismatisch. Ihre Fragen waren eine Provokation angesichts der Erkenntnisse, die die Jedi zu Tage förderten. Doch geschickt umgewandelt konnte das Liebespaar diesen Frontalschuss möglicherweise in etwas nutzbares umwandeln. Die Galaxis liebte Helden und ihre Geschichten.

Die moralische Dimension war ausgeleuchtet worden. Die Integrität des Ordens stand im Fokus. Nun verlagerte sich der Blick erneut.

Ein weiteres Meldefeld blinkte konstant. Alle der Meldesignale waren angesprungen, doch wie immer bei einer PK konnten nur bedingt Fragen beantwortet werden.

Rornan ließ den Blick darauf ruhen.

“H-7.”

Der silberne Droide erhob sich mit präziser, geräuschloser Bewegung. Seine Photorezeptoren justierten sich auf das Podium. Seine Stimme war ruhig, frei von Emotion, aber klar strukturiert.

Er aktivierte ein Datenfenster auf seinem Pad.

Die republikanischen Streitkräfte haben eine Offensive auf Kashyyyk begonnen. Können Sie den aktuellen operativen Status bestätigen? Handelt es sich um eine begrenzte Sicherungsoperation, um eine vollständige Rückeroberung oder um eine Demonstration strategischer Präsenz?

Ein kurzes Surren.

“Welche Rolle spielt der Jedi-Orden im aktuellen Geschehen und welche im gesamten Krieg?“

Er machte eine minimale Pause.

“Existieren klare Einsatzregeln für Jedi in diesem nun aktiven Krieg. Insbesondere im Hinblick auf Zielauswahl, Gefangennahme und den Schutz ziviler Infrastruktur?”

Ein weiteres Datenfenster flackerte auf.

„Wurden wirtschaftspolitische Konsequenzen dieser Offensive im Vorfeld modelliert? Beispielsweise Auswirkungen auf den Corellian Run, Rohstoffflüsse aus Randsektoren oder Produktionskapazitäten in Kernwelten?”

Er ließ den Blick durch den Saal schweifen.

“Ist ein langfristiger Stabilitätsplan vorhanden, um mögliche Handelsblockaden, Versorgungskrisen oder Kapitalflucht abzufedern?”

Die Rezeptoren des Droiden blinkten mehrfach und man konnte nur an der längeren Pause erkennen, dass damit die Fragestellung beendet war.

Ausnahmslos alle Augen und Kameras waren auf die Redner gerichtet. Der moderierende Jedi-Rat beschloss niemanden aufzurufen sondern die Fragen als zusammengefasste Bündelung auf den Monitoren anzeigen zu lassen. Jeder konnte sich den Fragen widmen, bis alle beantwortet waren.

Coruscant - Jedi Tempel - Großer Pressesaal - Fragerunde - Sprecher: Wes, Ian, Eowyn - Journalisten und voller Raum
 
Coruscant – Jedi-Tempel – Nebenraum der Pressekonferenz – Journalisten, Wächter, getarnte Schatten – auf dem Podest Ian, Eowyn, Rornan (NPC) und Wes
Ian war der nächste Redner nach Wes. Detailliert erläuterte er seinen Part an der Geschichte, wie er zum Mitwisser und Beteiligten geworden war, berichtete von der Mission auf Bastion. Er war ihr Kronzeuge wenn es darum ging, das Imperium Lügen zu strafen, und er machte seine Sache gut. Wes kannte die Geschichte ja, aber an jedes Detail hatte er sich nicht mehr erinnert und so hörte er zu, wie Ian akribisch Namen der Beteiligten auflistete und die Chronologie schilderte. Er stand zu seiner Mitschuld, die er in Wes' Augen mehr als wettgemacht hatte, ebenso wie seine Vorgeschichte als Sith. Für den Jedi zählte das nicht mehr, Ian hatte die Republik gerettet und als ihr Kronzeuge rettete er vielleicht auch das Ansehen des Jedi-Ordens, doch das würde auch von den Medienleuten im Publikum abhängen und wer von denen das Bild bestimmen würde. Die reißerischen, die nur auf Sensation und Skandal aus waren? Der seriösen, die das Für und Wider auf ähnliche Weise abwägten wie sie es getan hatten? Jene, die dem Orden wohlgesonnen gegenüberstanden oder die, die dessen Rolle innerhalb des Gefüges der Republik kritisch sahen. Das alles würde sich zeigen.

Als Eowyn sprach, wurde es wieder ruhig im Saal. Sie knüpfte an Ians Geschichte an und führte sie weiter, über Bastion nach Kast. Sie machte dabei eine gute Figur. Auch Wes wurde es ganz anders, so eindrücklich wie sie ihre Erlebnisse von dort schilderte. Ahnas Existenz verschwieg sie, wie sie es musste. Sie würde die Hauptlast der Vorwürfe zu tragen haben, mehr als Ian oder Brianna, und das hatte sie nicht verdient. Aber vielleicht bekam sie die Meute auf ihre Seite, aussichtslos war es nicht. Viel hing davon ab, wie überzeugt die Öffentlichkeit von der Dringlichkeit zu Handeln war, auch im Rat hatte es hier ja sehr unterschiedliche Meinungen gegeben und er musste annehmen, dass diese ihr nicht unbedingt wohlgesonnener sein würde als der Rat. Aber sie machte großen Eindruck und alles in allem fand Wes, dass die Sache so ziemlich optimal verlaufen war. Sie hatten ihr Möglichstes getan.

Nun kam der Teil, wo Rornan die Fragen zuließ, und das war wahrscheinlich der Schwierigere. Allerdings hatten sie gut vorgelegt und durften sich jetzt nur keinen groben Fauxpas leisten, dann war alles gut.

Der erste Reporter der sprach war ein Rodianer. Er sprach so laut, dass er wohl kein Mikrofon gebraucht hätte, und trat vorwurfvoll auf gegenüber Eowyn und Ian. Nach Wes' Empfinden schoss er aber über's Ziel hinaus und er vermutete, dass die beiden keine Schwierigkeiten haben würden, ihn zu widerlegen. Sie mussten ja nicht den Rodianer überzeugen, es reichte, wenn sie die Mehrheit für sich gewonnen.

Die nächste Rednerin war schöner anzusehen, aber nicht viel freundlicher. Sie schlug in eine alte Kerbe, die dem Jedi-Orden mangelnde Transparenz vorwarf und mehr oder weniger eine externe Kontrolle wünschte, die es ja schon gab. Die aber auch ihre Grenzen hatte, aus – wie Wes fand – logisch zwingenden Gründen. Aber sahen das andere auch so? Er konnte es nur versuchen und fragte sich dabei, ob sich Militär und Geheimdienst sich dasselbe anhören mussten, steckten sie doch oft genug in derselben Situation.


»Frau Aris

Begann Wes seine Replik.

»Was Sie ansprechen ist ein altes Dilemma der Demokratie. Eines, das nicht nur die Jedi, sondern alle Sicherheitsbehörden, Geheimdienste und Miitär gleichermaßen betrifft. Transparenz gehört zum Wesen der Demokratie, aber sie kann auch der Tod der Sicherheit sein. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: sicherlich waren Sie schon einmal in einem Limmie-Match. Beeindruckend, nicht wahr? Alleine die riesigen Stadien, die zehn- und in den Kernwelten teilweise hunderttausende von Zuschauern fassen. Unglaublich. Aber leider ist die Galaxis kein friedlicher Ort. Jemand platziert eine Baradiumladung in den Katakomben des Stadions und Sie sind verantwortliche Sicherheitsoffizierin, die von der Bedrohung erfährt. Was tun Sie? Maximale Transparenz? Die Medien informieren, Durchsagen laufen lassen, dass das Stadion wegen der tödlichen Bombe unverzüglich geräumt werden muss? Die Folgen können Sie sich ausmalen. Eine Massenpanik, unzählige Tode und Verletzte, auch ohne dass die Baradiumladung überhaupt hochgeht. Aber das machen Sie natürlich nicht. Sie sehen sich den Sprengsatz an, holen Experten, die die Gefahr beurteilen können. Dann fällen Sie eine Entscheidung im Geheimen. Die Bombe explodiert nicht vor Spielende, dann machen Sie nach außen gar nichts. Oder Sie wissen, sie explodiert, dann erfinden Sie einen Vorwand, um das Stadion leerzubekommen, ohne dass jemand verletzt wird.«

Der Jedi-Rat gab seinen Zuhörern einen Moment, um das klassische Dilemma nachzuvollziehen.

»Auf Coruscant, während der Virus-Krise, war es im Grunde genauso. Das Imperium hat eine Biowaffe platziert mit dem Ziel, möglichst viele Wesen zu töten und den Planeten im Chaos versinken zu lassen. Was passiert auf Coruscant, wenn man derartige Informationen herausgibt? Was hätte das für die Mission von Ian Dice, Eowyn El'mireth und Brianna Kae auf Bastion bedeutet? Nichts gutes, in beiden Fällen. In einer Demokratie wünschen Sie sich das eigentlich anders. Die Republik und seine Organe sollten Informationen, die von so großer Wichtigkeit sind, der Öffentlichkeit nicht vorenthalten müssen. Entscheidungen diesen Maßstabes sollten nicht in Hinterzimmern getroffen werden müssen. Doch manchmal geht es nicht anders, weil der potentielle Schaden, der aus einer Veröffentlichung entsteht, ungleich größer wäre als der Nutzen. In dem Punkt bleibt Ihnen leider nichts anderes übrig als uns, bzw. den zuständigen Behörden zu vertrauen, dass diese die richtige Entscheidung treffen.«

Wes machte eine weitere kurze Pause.

»Vertrauen muss man sich verdienen. Es entsteht durch Kontrolle, überprüfbare Strukturen, wie Sie es nennen. Deshalb sind wir hier, teilen die Informationen die wir können, stehen Rede und Antwort. Die Strukturen gibt es, auch wenn die Entscheidungen nicht immer transparent sind, aus denselben Gründen wie gehabt. Wir gefährden unsere Leute nicht, indem wir operative Details an die Öffentlichkeit und damit auch an das Imperium herausgeben. Wir veröffentlichen keine Anleitung zum Erstellen einer Biowaffe ungeprüft. Ein Ratsmitglied untersteht der Kontrolle durch den Rat als Ganzes. Das Handeln des Rates wird durch den Jediausschuss des Senates überprüft. Dieser tagt im Geheimen, genau wie es bei der Kontrolle des Geheimdienstes auch üblich ist. Ultimativ untersteht der Ausschuss der Kontrolle des Gesamtsenats und dieser wird vom Volk bestimmt, damit schließt sich der Kreis. Das ist die Lösung, die man für das eingangs erwähnte Dilemma gefunden hat, ein Kompromiss natürlich, aber das gehört zum Wesen einer Demokratie.«

Natürlich unterschlug der Taanaber dabei einige wichtige Unterschiede. NRGD und Militär waren Teil der Republik. Die Jedi streng genommen nicht, sie konnten theoretisch die Bande aufkündigen, die Republik im Gegenzug Credits, Privilegien und Schutz streichen. Die Gefahr dass es dazu kommen würde, war nicht gebannt, aber den Eindruck wollte Wes eben nicht machen. Die Möglichkeit wollte er gar nicht erst thematisieren, nichts half dem Imperium mehr als einen Keil zwischen Jedi und Republik zu treiben und das sollten die Anwesenden bitteschön bleiben lassen.

»Sie fragen nach einem konkreten Katalog von Kriterien. Den kann ich Ihnen leider so nicht geben, es kommt auf den Einzelfall an. Außergewöhnliche Bedrohungen lassen sich nicht in ein vorab festgelegtes Schema pressen. Aber es gibt Faktoren: ist Eile geboten? Gefahr in Verzug, wie es bei den Sicherheitsbehörden heißt? Gefährdet eine Veröffentlichung die Republik oder die in ihrer Verfassung festgelegten Rechtsgüter? Der Jedi-Orden und seine Angehörigen richten ihr Handeln nach dem größtmöglichen Wohl aus. Wir versuchen das Gute zu tun und Schaden abzuwenden – von der Republik, von der ganze Galaxis und den Wesen, die sie bevölkern. Eine sehr kluge Person hat einmal gesagt: ›aus großer Macht erwächst große Verantwortung‹. Dazu stehen wir und daran lassen wir uns messen. Der Verantwortung, und der Kontrolle, stellen wir uns gerne.«

Damit schloss Wes seine Rede. Ein bisschen Pathos durfte natürlich auch nicht fehlen. Schließlich durften sie, die hier auf dem Podium standen, nicht wenig Polemik aushalten. Er studierte die Gesichter der Anwesenden und fragte sich, ob es so weiterging. Als nächstes rief Rornan einen Bothan auf. Wenn er den Klischees gerecht wurde, würde es nun sachlicher, informationslastiger werden und dadurch hoffentlich etwas angenehmer. Aber vielleicht freute er sich auch zu früh, es ging gleich an's eingemachte. Ob es eine vorab wissenschaftlich gesicherte Erkenntnis gewesen war, dass die Vernichtung des Ur-Virus zum Ende der Pandemie führen würde. Nun gut… Meisterin Alvaba war eine der besten Kennerinnen des C-Viruses abgesehen von Ian und Brianna, und Dr. Leela Kaveri eine absolute Koryphäe auf ihrem Gebiet, doch vorab wissen hätte das natürlich niemand können. Ein Glück, dass er in allen entscheidenden Punkten von Mya gebrieft worden war. Von den Anwesenden hätte dazu nur wohl nur Rornan mehr dazu sagen können, aber eigentlich war da vom Rat nur Murrrar beteiligt gewesen.

»Die Entscheidung wurde unter Zeitdruck getroffen, ja. Die Theorie vollständig zu überprüfen hätte lange gedauert, die Untersuchenden gefährdet und in der Folge viele Leben gekostet. Zudem gab es Hinweise. Bereits zum Zeitpunkt von Allegious' Tod gab es eine plötzliche massive Steigerung der Aggressivität des Viruses, welche sich anschließend wieder auf einem niedrigeren Niveau einpendelte. Derselbe Effekt ließ sich nach der Vernichtung der ersten auf Bastion erlangten Probe beobachten, aber schwächer als zuvor. Bei der Vernichtung der letzten Virusprobe – dem eigentlichen irreversiblen Akt – lag somit bereits eine experimentell erprobte wissenschaftliche Evidenz vor,«

Erklärte Wes, dem diese Dinge viel weniger lagen als die Fragen der Sicherheitspolitik zuvor. Was dem Rat vielleicht fehlte war eine charismatische und eloquente Jedi-Forscherin für solche Fälle, fand er. Die nächste Frage war harmloser und ließ sich vergleichsweise leicht beantworten.

»Es waren insgesamt mehrere Dutzend Welten betroffen, hauptsächlich Coruscant und seine umliegenden Agriwelten, aber auch einige imperiale Planeten. Wir haben allerdings Gründe zu der Annahme, dass diese vom Imperium bewusst angelegt waren, um den Zusammenhang mit dem Friedensvertrag und der Übergabe Coruscants zu verschleiern. Was die Infektionsketten angeht: die Anzahl der C-Virus-Patienten im Jedi-Tempel beträgt inzwischen null, genauso sieht es in den übrigen Krankenhäusern Coruscants aus. Seit Tagen wurden keine neuen Infektionen mehr gemeldet und die in unseren Laboren befindlichen Virusproben geringerer Güte sind allesamt inaktiv geworden.«

Die restlichen Fragen des Bothan richteten sich an Ian. Er war derjenige mit den Proben und als Heiler konnte er auch viel besser sagen, welche Spätfolgen es gab, das überließ er ihm gerne. Dass die Romanze zwischen ihm und Eowyn thematisiert wurde war wohl nicht zu vermeiden, zumindest wurde nicht so sehr auf seiner Sith-Vergangenheit herumgeritten wie befürchtet. Der letzte Teilnehmer, ein Droide (warum ließ man diese Sorte hier überhaupt zu?) wollte Informationen zum republikanischen Schlag gegen das Imperium auf Kashyyyk wissen, die ihnen schlicht nicht vorlagen. Am ehesten wusste hier sicherlich Rornan Bescheid.

Coruscant – Jedi-Tempel – Nebenraum der Pressekonferenz – Journalisten, Wächter, getarnte Schatten – auf dem Podest Ian, Eowyn, Rornan (NPC) und Wes
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - mit Riuen

Elise ließ sich von ihm zurück zum Bett führen, ohne Widerstand, weil ihr Körper längst aufgehört hatte, so zu tun, als könne er diese Begegnung unbeschadet tragen. Jeder Schritt fühlte sich an, als würde sie durch Wasser gehen, zäh und schwer, und selbst die kurze Strecke zurück zur Bettkante verlangte ihr mehr ab, als sie bereit war sich eingestehen zu wollen. Als sie saß, musste sie für einen Moment die Augen schließen, nur für einen Herzschlag, nur um die Schwärze hinter den Lidern zu ordnen, die sich viel zu verführerisch anfühlte. Sie spürte das Zittern noch immer in ihren Muskeln, die Nachwehen des Traums, die Nachwehen all dessen, was in ihr gewütet hatte, und zugleich spürte sie ihn vor sich, lebendig, warm, atemend. Er war ein Anker, auf den sie sich gerade fokussierte, der ihr half.

Als sie die Augen wieder öffnete, blieb ihr Blick an ihm hängen, als müsse sie sich immer wieder davon überzeugen, dass er wirklich da war und nicht bloß ein weiterer Rest dessen, was ihr Bewusstsein in diesen Tagen mit ihr angestellt hatte. Sie sah die Anspannung in seinem Gesicht, die Müdigkeit, die sich tiefer in seine Züge geschrieben hatte, als sie es je bei ihm gesehen hatte, und hinter allem diese ungebrochene Hast, als würde ein Teil von ihm immer noch rennen. Ein sehr müdes, fast schiefes Lächeln glitt über ihre Lippen, während sie mit einer Hand nach dem Stoff der Decke griff, um etwas Greifbares zwischen sich und das Schwanken der Welt zu bringen.

"Ich bin wach", sagte sie leise, und selbst in ihren eigenen Ohren klang ihre Stimme wie etwas, das aus weiter Ferne zu ihr zurückgetragen wurde, rau, abgenutzt, so als hätte jedes einzelne Wort sich den Weg erst neu bahnen müssen. "Und du bist hier." Quittierung. Sie atmete flach aus, sah ihn weiter an und schüttelte ganz leicht den Kopf, als könne sie damit den Rest seines panischen Tempos einfangen. "Riuen … komm erst einmal hier an. Wirklich. Nicht gleich den nächsten Schritt. Hier, bei mir." Ihr Blick wurde weicher, eindringlicher, so müde sie auch war. "Du lebst. Ich lebe. Das ist gerade das Einzige, was zählt."

Sie hob langsam eine Hand, legte sie an seinen Unterarm und ließ sie dort ruhen, leicht nur, aber mit genau der Beharrlichkeit, die sie immer dann in sich trug, wenn sie jemanden festhalten wollte, ohne ihn festzuhalten. Sie kannte dieses Getriebensein, diese Art, innerlich schon drei Entscheidungen weiter zu sein, weil Stillstand unerträglich war, wenn man Angst hatte. Und sie sah es gerade in ihm, scharf und deutlich, obwohl alles andere sich in ihrem Kopf noch anfühlte, als läge ein dünner Schleier darüber.

"Ich freue mich sehr, dass du hier bist", brachte sie dann hervor.

Die Erschöpfung lag über jedem Satz wie zusätzliches Gewicht. Sie musste immer wieder kurz Luft holen. Als er dann von Thearterra sprach, von Eowyn, vom Ritterschlag, vom Team, sah Elise ihn lange an. Nicht hart. Nicht tadelnd. Sondern mit dieser schwer gewordenen Klarheit, die manchmal gerade dann kam, wenn alles andere in einem zu mürbe geworden war, um sich noch in Ausflüchten zu retten.

"Nein", sagte sie leise. Es war kein scharfes Nein. Eher etwas, das aus tiefster Müdigkeit und ebenso tiefer Gewissheit kam.

Sie senkte den Blick für einen Augenblick auf ihre Hände, auf die feinen Restzittern in den Fingern, dann wieder zu ihm. "Thearterra war kein Ort, an den man einfach geht und dann wiederkommt, als hätte man nur einen schlechten Zwischenstopp hinter sich. Dort ist etwas sehr gefährlich. Nicht im gewöhnlichen Sinn." Ihr Mundwinkel zuckte matt, nicht zu einem Lächeln, eher zu einem müden Zeichen dafür, dass sie Worte suchte, die nicht groß genug waren für das, was sie meinte. "Die Luft, die Stille, der Boden, diese ganze verdorbene Präsenz … es fühlt sich an, als hätte dort etwas die natürliche Ordnung aufgerissen und vergessen, sie wieder zu schließen.

Sie lehnte den Kopf kurz gegen den Bettrahmen hinter sich, weil selbst das aufrechte Sitzen inzwischen eine Übung in Sturheit geworden war. "Ich bin dort fast gestorben." Diesmal ließ sie keinen Raum um den Satz herum, keinen Witz, keinen weichen Abgang. "Ich war so nah dran, dass ich noch jetzt nicht sagen kann, ob ich es nur überlebt habe, weil ich Glück hatte, weil die Macht Mitleid mit mir hatte oder weil dieses verdammte Ding in mir beschlossen hat, dass es noch nicht fertig mit mir ist."

Sie spürte, wie allein das Aussprechen dieser Erinnerung ihr Kälte in die Glieder schob. Bilder wollten hochkommen, unvollständig und doch scharf genug, dass ihr Magen sich verkrampfte. Sie sah Bruchstücke, Geruchsfetzen, das Gefühl von Schmerz, das sich nicht wie Schmerz benahm, sondern wie etwas, das sie von innen neu schreiben wollte. Ihre Lider sanken kurz herab, dann zwang sie sich zurück.

"Du brauchst eine Armee.", sagte sie, und jetzt lag unter der Müdigkeit doch ein alter, eiserner Kern. "Und du gehst da nicht ohne mich hin." Sie sah schon an seinem Gesicht, dass er widersprechen wollte oder zumindest innerlich ansetzte, und hob sofort die Hand. "Hör mir zu. Nicht aus Trotz oder weil ich deinen Größenwahn heute besonders charmant finde. Sondern, weil ich dort gewesen bin. Weil ich weiß, wovon ich spreche. Weil ich eher abschätzen kann als du, was es mit einem macht und was einen dort erwartet, selbst wenn ich nur die Hälfte davon wirklich verstehe."

Ihre Stimme wurde leiser, wärmer, beinahe entschuldigend, ohne dass sie auch nur einen Millimeter von ihrer Haltung abwich. "Ich sage nicht, dass wir nichts tun. Ich sage nur, dass du nicht im Alleingang ein Team aufstellst, weil du Angst hast, mich zu verlieren." Ihre Finger schlossen sich ein wenig fester um seinen Unterarm. Sie wollte es nicht so aussprechen, weil es vermessen war. Sie wollte sich nicht in den Mittelpunkt dieses Ansinnens stellen. Doch sie wusste es und er wusste es auch. Er würde dort hinflliegen, um einen Weg zu finden, sie von ihrem Leiden zu befreien, das war nun mal so. "So rettet man niemanden. So verliert man am Ende zwei."

Sie ließ diese Wahrheit zwischen ihnen stehen, weil sie ehrlich war und weil sie wusste, dass gerade Ehrlichkeit vielleicht das Einzige war, was überhaupt bis zu ihm durchdringen konnte. Dann atmete sie erneut aus und sah ihn länger an, als wollte sie die nächste Aussage erst vollständig in sich prüfen, bevor sie sie ihm gab.

"Was den Ritterschlag angeht …" Ihre Lippen formten jetzt tatsächlich ein schwaches, müdes Lächeln. "Du bist so weit." Es war erstaunlich, wie sicher sie sich darin war, obwohl in ihr sonst kaum etwas gerade unangefochten feststand. "Du bist längst an dem Punkt, an dem es nicht mehr darum geht, ob du Ritter werden könntest. Du bist an dem Punkt, an dem du einer bist, ob es schon jemand offiziell ausgesprochen hat oder nicht." Bastion, Kast. Höchste Schwierigkeitsstufe. Für alle. Und er hatte nicht nur überlebt, er war quasi von 0 auf 100 in Schnipps.

Sie schluckte. Der Hals tat weh. Alles tat weh. Sie merkte erst einen Moment später, dass ihre Sicht verschwamm, nicht weil sie wieder das Bewusstsein verlor, sondern weil sich zwei dicke Tränen aus ihren Augen lösten. Langsam liefen sie über ihre Wangen, warm und schwer, und sie machte nicht den Versuch, sie wegzuwischen. Als er vom Heulen gesprochen hatte, war etwas in ihr weich geworden, zu weich, um es noch zurückzuhalten.

"Und red' nich' so, als müsstest du dich dafür schämen", sagte sie heiser, während die Tränen weiter über ihr Gesicht liefen. Sie zog einmal scharf die Luft ein, weil selbst diese paar Sätze sie mehr Kraft gekostet hatten, als sie wollte. Man sah es ihr an. An dem Zittern an ihrem Kiefer, an der Mühe, den Rücken gerade zu halten, an der Schwere in ihren Augen, die immer wieder kurz an Fokus verloren und sich dann bewusst zurückholten. Trotzdem hielt sie seinen Blick.

"Ich bin so müde, Riuen", sagte sie schließlich. "So müde, dass selbst Denken sich anfühlt, als müsste ich es irgendwo gegen Gebühr beantragen." Ein schwaches, tränenfeuchtes Lächeln stahl sich in ihr Gesicht. "Aber ich bin hier. Und du bist hier. Also bleiben wir erst einmal dabei."

Ihre müden Augen funkelten.

"Lass uns das zusammen angehen. Versprichs mir."
Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - mit Riuen
 
(Mya Donp)

Coruscant – Jedi-Tempel – Myas Büro in Wes' Vorzimmer – Voye und Mya


Mit einem tiefen Stoßseufzer fixierte Mya den Plüsch-Gizka auf ihrem Schreibtisch, den Rat Janson ihr von Umbara mitgebracht hatte. Ein knuddeliges Ding mit riesigen dunklen Augen die ›hab' mich lieb‹ zu buchstabieren schienen. Die samtige Oberfläche, aus der er genäht worden war, war vermutlich viel weicher als die Haut eines kleinen Reptils, obwohl die rothäutige Twi'lek das nicht aus erster Hand beurteilen konnte. Dazu das rotes Schleifchen mit der Stickerei ›gute Besserung‹. Es war schon nett von ihm, seine Intention konnte sie gut verstehen, aber ob es half, seine Beziehung zu Eowyn zu kitten, wenn er ihr das andere gab? In Myas Fall half es leider auch nichts zu vergessen, dass da auf der anderen Seite immer noch Voye D'amiche vor ihr stand, die furchtbar nervige Epicanthix – und furchtbar große. Mya war gute 1,80 Meter groß und das war am Schädel gemessen, nicht an den Lekku. Sie war es nicht gewohnt, zu Leuten aufschauen zu müssen und an die wenigen, bei denen es der Fall gewesen war, hatte sie keine guten Erinnerungen.

Ferlan.

Nicht von ungefähr war das einzige, was schlimmer war als schwach von oben herab angeredet zu werden, wenn sie tatsächlich zu denjenigen aufschauen musste.

»…und überhaupt, wer gibt Euch überhaupt das Recht, darüber zu entscheiden, wen Rat Janson zur Padawan nimmt? Ich habe ein Recht darauf, mit ihm selbst darüber zu sprechen!«

Tief durchatmen. ›Gefühle gibt es nicht, Frieden gibt es.‹ Den Gizka streicheln.

»Wie Ihr bereits mehrfach erwähntet, seht Ihr Euren Schwerpunkt als Lichtschwertkämpferin. Für Rat Janson gilt das so leider nicht. Er ist Ermittler und seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Geist und Energie. Warum wollt ihr denn nicht nochmal Kae fragen? Zufällig weiß ich, dass sie bald einen Padawanplatz frei haben wird.«

Oooh, das würde Mya gefallen. Schnöselige Epicanthix gegen arrogante Echani. Eine Padawan die sich für die beste Kämpferin seit immer hielt und eine Echani-Jedimeisterin die einen Komplex wegen ihrer Größe hatte. Perfekt. Sie wüsste gar nicht, wer ihr da mehr leid tun sollte. Vermutlich Bailee bei dem Konglomerat… Dummerweise ging die Schreckensperson nicht wirklich darauf ein.

»Zufällig hat meine Familie gute Beziehungen in einflussreichen senatsnahen Kreisen was Ihr besser berücksichtigen solltet und zufällig hat meine Familie Nachforschungen angestellt. Es gibt nicht wirklich viele bessere Lichtschwertkämpfer im Rat. ChesaraSyonette ist tot und Rätin El'mireth wird vielleicht nie wieder laufen können…«

Bei der infamen Behauptung sprang Mya sofort auf und funkelte die Epicanthix verärgert an. Jetzt ärgerte sie noch mehr, dass das Weibsbild um mehr als einen halben Kopf größer war als sie. Chesara agierte im Verborgenen. Half wo die Not am größten war, nicht wo es am meisten Publicity gab. Wenn sie in den unteren Ebenen nicht mehr gebraucht würde, würde sie zurückkehren. was Eowyn anging, die hatte alle medizinischen Ressourcen zur Verfügung, die der Orden aufbieten konnte. Wenn es medizinisch möglich war, würde sie bald wieder gesund werden. Wenn es ein Wunder brauchte, dauerte es halt ein bisschen länger.

»Hört auf, solche Lügen zu verbreiten!«

»Rätin Horn ist seit Jahren auf ihrer Spezialmission, Taphon hat ein künstliches Hüftgelenk, Joseline ist blind, Ta'Asul ist mit dem Lichtschwert ziemlich nutzlos…«

»Sie war gut genug für meine Lichtschwertausbildung!«


Fauchte Mya.

»Für Eure vielleicht. Jedenfalls, scheinbar hat noch niemand je Rat Elliundi mit einem Lichtschwert hantieren sehen, damit bleibt nur Euer Chef als Option für eine meinem Stande angemessene Jedi-Ausbildung übrig…«

›Sie vergisst Anakin und Murrrar,‹ dachte die Jedi-Ritterin, entschied aber, sie nicht eines Besseren zu belehren. Die beiden würden es ihr danken, wenn sie davon wüssten. Wobei, ein Wookiee, dann wäre es vielleicht bald vorbei mit Nervensäge.

»…und ich bin mir sicher, dass Rat Janson als mit seinem Ruf als Playboy und einer bekannten Schwäche für Frauen wie mich nicht abgeneigt wäre, mich zu seiner Padawan zu nehmen. Wenn Ihr mich nur endlich mit ihm reden lässt.«

Damit konnte sie leider sogar recht haben, dachte Mya und seufzte. Ziemlich menschlich, aber nicht ganz, brünett, gebräunte Haut, schlank und sportlich… dass sie endlos lang war würde ihn vermutlich gar nicht stören. Auf keinen Fall durfte sie zulassen, dass sie ihren Chef in ein Gespräch verwickelte. Sie musste eine Ehe retten. Auch wenn sie noch gar nicht geschlossen war, aber sie stand bereits in Kontakt mit den Von Berchems und wenn Firedevs sah, dass Janson sich eine weitere Padawan vom selben Typ frau anlachte, dann kriselte es da gewaltig. Außerdem würde sie es nicht ertragen, diese Frau die nächsten Jahre lang ständig in ihrer Nähe zu haben. Nein, das würde sie zu verhindern wissen.

»Ich gebe Euch einen guten Rat, Schwester: wenn Ihr einen Jedi-Rat als Meister wollt, solltet ihr Euch abgewöhnen, öffentlich schlecht über Räte zu sprechen.«

»Das hab' ich doch gar nicht! Nur bekannte Tatsachen geäußert!«


Voye schaffte es sogar, die Twi'lek so unschuldig anzusehen, dass diese einfach nur baff war. Checkte die wirklich nicht, was sie da laberte?

»Außerdem ist Rat Janson gar nicht hier UND er ist gerade erst aus dem Urlaub zurück. Es gibt sogar eine Warteliste von Leuten, die ihn sprechen wollen. Versucht es in einem Monat wieder.«

»Wisst Ihr was? Ich warte hier einfach solange, bis er kommt.«


Keinesfalls. Entweder schmiss sie sie jetzt eigenhändig raus… aber sie konnte Janson ja sonstwo im Tempel auflauern.

»Könnt Ihr euch sparen. Zufällig… äh… hat Janson bereits einem Padawan fest zugesagt. EINEM Padawan, damit Ihr es wisst. Er ist überhaupt nicht so wie Ihr denkt.«

Stille.

»Wirklich?«

»Ja. Wirklich!«


Nochmal Stille.

»Wenn das so ist…«

Voye machte auf dem Absatz kehrt und verließ das Büro. Myas Schwindelei hatte gewirkt. Gut, die feine Jedi-Art war das jetzt nicht und überhaupt…

Plötzlich fiel es ihr wie Schuppen von den Augen: was wenn die Padawan mit den scheinbar guten Kontakten ihrer Notlüge auf den Grund ging? Jansons Padawanlatz musste vergeben werden und zwar schleunigst. Er würde es wohl nicht so schnell tun angesichts der galaktischen Lage im Moment, also musste sie einspringen und wen suchen: Jemand der zu ihm passte, und zu ihrer Coverstory. Ein Mann. Kein Kämpfer. Am besten jemand, der dringend einen Meister benötigte. Gerne eine Herausforderung. Eine abgebrochene Ausbildung vielleicht? Jemand der sich jetzt gerade auf Coruscant aufhielt. Mya durchforstete die Datenbanken, bis sie den perfekten Schüler gefunden hatte: Eriu Curum. Jetzt musste sie ihn nur noch überreden, ja zu sagen.

Nur wenig später stand Mya in den Padawanquartieren vor Erius Zimmer, klopfte, und trat ein, als sie hereingebeten wurde.


»Eriu Curum? Mein Name ist Mya Donp, ich bin die persönliche Assistentin von Jedi-Rat Wes Janson. Kann ich hereinkommen?«

Die Lethan-Twi'lek wartete ab, näherte sich ihm dann und setzte sich auf den Stuhl gegenüber von seinem an dem kleinen Schreibtisch.

»Ich bin auf der Suche nach einem geeigneten Padawan für meinen Chef auf Euren Namen gestoßen und ich denke, das könnte ganz gut passen. Ihr wart Padawan von Sarid, richtig? Wie Ihr wisst, wird sie auf absehbare Zeit noch in ihrer Sondermission gebunden sein. Es wäre angebracht, dass ein anderer Rat eure Ausbildung abschließt und zu einem guten Ende bringt. Von Euren Schwerpunkten her würde es wohl auch gehen. Was denkt Ihr, könntet Ihr Euch das grundsätzlich vorstellen?«

Fragte sie Eriu und sah ihn mit großen Augen an. Er war die Nr. 1 auf ihrer Liste, der am besten geeignete Kandidat. Ansonsten müsste sie versuchen, Eowyn Malek abspenstig zu machen und das wollte sie der Frau eigentlich nicht antun.

Coruscant – Jedi-Tempel – Erius Padawanquartier – Eriu und Mya
 
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