Dubrillion, Destrillion (Dubrillion-System)

Dubrillion - Norden - Zavstra - Ehemaliger Herrschersitz "Festung Enisov" - Lounge - Sector Adjutant Agustin Prada, Legat Khamzat Shartov (Ressortleiter Innere Sicherheit Dubrillion)

Agustin blickte den bulligen Khamzat Shartov mit kalter Miene an, während er an der importierten Zigarre zog, die ihm sein Gegenüber kurz vor der Abreise nach Yaga Minor noch angeboten hatte. Der Legat hatte seine eigene Zigarre schon positioniert, kramte allerdings aus einer seiner legeren Hosentaschen eine Art militärisches Sturmfeuerzeug, das einen kaum sichtbaren Funken entzündete, der jedoch massiver und größer war, als jedes andere Feuer zum Anzünden einer Zigarre oder Zigarette, wie es der Bastioner jemals gesehen hatte. Dazu. bevor sich die beiden großgewachsenen Männer setzten, kramte Shartov noch eine am Lauf verchromte und am Griff vergoldete DL-44 Blasterpistole aus seinem hinteren Hosenbund, den das locker sitzende schwarze Hemd die gesamte Zeit über verdeckt hatte und legte diese auf den flachen Tisch vor den beiden Sesseln, genau neben das Feuerzeug, das kaum kleiner war als die Waffe. Agustin musterte die beiden Dinge, die so einiges über den Charakter aussagten, der neben ihn saß. Vorhin das Spektakel mit der stillen Minute während des Interviews und nun das Zurschaustellen des Inventars des bulligen Ex-Söldners. Shartov ließ sich von der Präsenz seines Vorgesetzten Sector Adjutanten gewiss nicht einschüchtern und zog ein Schauspiel ab, wie es Agustin seit jeher hier und da mal gerne tat.

"Sie haben sich im Interview mit Miss Anar gut verkauft, Shartov. Ich will nicht sehen, dass auch nur ansatzweise der Eindruck entsteht, unsere planetaren Streitkräfte seien nach dem Deal mit Truuine merklich schlechter ausstaffiert. Dem haben sie mit Nachdruck einen Riegel vorgeschoben."

Der angesprochene Legat zog tief an seiner Zigarre und beugte sich dann vor. Es fiel Agustin schwer, seine Miene zu lesen. Normalerweise waren Personen mit der Physis, dem Charakter und der Position eines Khamzat Shartov grimmige, grausame Männer, die immer die selbe Miene machten. Dieser Mann jedoch lächelte fast die ganze Zeit. Dem Bastioner war dies schon während seines Interviews mit Galaxy News aufgefallen, als der Ressortleiter die Interviewerin des Öfteren mal mit einem beinahe hämischen Grinsen angesehen hatte, besonders nach etwas härteren Fragen.

"Ich musste noch nicht einmal lügen, Sector Adjutant. Um unsere Streitkräfte ist es gut bestimmt. Sie sind kampferprobt und mit bewährtem und robustem Kriegsgerät ausgestattet. Am Boden würde ich der Rebellenrepublik keine allzu großen Chancen ausmalen, selbst wenn sie in Großverbänden angreifen würden."

Eine Einschätzung, die Agustin bereits von Walder Fondham bereits das ein oder andere Mal gehört hatte. Die Bodentruppen waren 3 Armeen und 12 Korps stark. Bei einer Offensive, so die militärische Faustregel, würde der Angreifer in etwa eine 3 zu 1 Überzahl benötigen, um auch nur in die Nähe einer Erfolgsaussicht zu gelangen. Das bedeutete, dass die Republik im Falle einer Invasion nahezu eine Million Soldaten landen müssten. Für eine Welt im Outer Rim wie Dubrillion war dies ein eher unwahrscheinliches Szenario. Anders sah es hingegen bei der Kriegsführung im Weltraum aus. Ein Punkt, den Agustin sofort aufgriff:

"Die militärische Führung unseres Feindes würde bestimmt keine Bodenoffensive starten. Sie würden eine Raumblockade um Dubrillion errichten und stattdessen schwächer verteidigte Welten angreifen und durch ihre Blockade verhindern, dass auch nur ein Soldat den Fuß von Dubrillion setzt. Wenn eine Welt nach der anderen fällt und sie immer tiefer in den Supersektor eindringen und wir komplett abgeschottet sind, wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis hier erste Umsturzversuche unternommen werden. Ganz abgesehen davon, dass Dubrillion nur eine Welt des Myto-Sektors ist. Alleine, wenn Destrillion fällt, ist die gesamte Energieversorgung unterbunden."

Shartov schnaubte für einen Moment, ging dann aber kurz in sich und nickte leicht. Zumindest in ein paar Punkten schien er Agustin recht zu geben.

"Die verlogenen Medien und Politiker der Rebellen haben sich schon mehr als einmal abfällig über Dubrillions Verteidigung geäußert. In ihrer Arroganz würden sie einen großangelegten Invasionsversuch unternommen, schätze ich. Aber Sie haben recht. Selbst wenn wir die Teufel am Boden in die Hölle schießen, haben sie eine starke Flotte und die unserer Sektorverteidigung ist zu schwach."

Agustin nickte mit kühler Miene und erhob sich nun. Shartov tat es ihm gleich und gemeinsam verließen sie die Räumlichkeiten der Festung, um sich auf den Aufmarschplatz zu begeben, auf dem die Lambda-Fähre des Bastioners bereits wartete. Die anderen Schiffe mit der Delegation des Myto-Sektors, unter anderem auch Governor Clanton, waren bereits gen Yaga Minor gestartet. Vor der Fähre stand ein Zug MSEK-Spezialeinheiten, die dem Sector Adjutanten salutierten. Für ein paar Augenblicke blieb er stehen und musterte die vermummten Soldaten, ehe er nickte und Shartov die Hand reichte. Dann betrat er die Rampe der Fähre, die nur wenige Augenblicke später schloss, sich erhob und im verschneiten Nachthimmel Dubrillions verschwand.



Dubrillion - Orbit - Lambda-Fähre - Agustin
 
[Dubrillion - Dubrillions Norden - Villa "Casa Negro" - Kaminzimmer - allein]

Der Sturm war gekommen, ohne Einladung, ohne Warnung – wie immer auf diesem verdammten Planeten. Lediglich die Gewissheit, dass Dubrillion unter Agustin Prada endlich zur imperialen Ordnung gefunden hatte beruhigte Lucius ein wenig. Und auch der Captain der Imperialen Armee seiner Majestät hatte einen Anteil daran gehabt. Nicht zuletzt für seinen heldenhaften Einsatz im Kampf gegen die Rebellen auf Dubrillion wurde er mit dem Schild des Imperiums ausgezeichnet.

Lucius Black stand an der verglasten Südwand von Casa Negro, der Familienvilla über der den schneebedeckten Ebenen und Bergen des Nordens. Doch heute war etwas anders. Der Sturm brachte keinen Schnee, kein Eis sondern nur Feuchte. Die Temperaturen waren für diese Jahreszeit ungewöhnlich warm, das Wetter ungewöhnlich nass. Regen prasselte auf das Panzerglas, das dick genug war, um jede Außenwelt draußen zu halten. Nur Erinnerung und Gerüchte kamen hindurch.

Dubrillion war nicht gnädig. Aber es war ehrlich. Kein Planet für Träumer, kein Ort für Zufall. Es überlebte, wer verstand. Wer erkannte, wann sich etwas veränderte – und was dies bedeutete. Lucius hatte keine Berichte gelesen, keine direkten Befehle empfangen. Es war nicht so, dass jemand gesprochen hätte. Es war eher... wie eine Lücke im Klang. Eine plötzliche Stille in jenen Kanälen, die sonst vor irrelevanten Details summten.

Eine Lieferung an die Firma, die ausblieb, obwohl sie längst freigegeben war. Ein geplantes Treffen, das verschoben wurde – ohne Ersatz.
Ein alter Kontakt, der im Gespräch langsamer antwortete, vorsichtiger formulierte.

Und dann diese Stimmen. Nebensätze. Halbe Andeutungen.

„Es bewegt sich etwas.“
„Man munkelt... der Raum wird größer.“
„Die Karten sind noch nicht neu gezeichnet – aber jemand hat den Stift schon in der Hand.“

Alles vage. Belanglos, wenn man es oberflächlich betrachtete. Aber Lucius hatte nie an die Oberfläche geglaubt. Er hatte gelernt, das zu lesen, was nicht geschrieben stand. Was zwischen den Zeilen lesbar, oder eher hörbar, war.

Supersektor 8. Nicht ausgesprochen. Nicht bestätigt. Doch die Leere zwischen den Worten sprach für sich. Es wandelte sich etwas, es würde Veränderung geben. Das Imperium war eine mächtige Maschinerie die Durst nach Treibstoff hatte. Das Imperium war das Schild gegen das Chaos der Rebellion, die sich Neue Republik schimpften. Doch das Imperium musste gefüttert werden, sein unstillbares Verlangen nach Rohstoffen befriedigt werden. Das Imperium hatte den Willen, nein die dringende Pflicht, naive Planeten und Systeme zu schützen. Vor der Rebellion. Vor sich selbst.

Er wandte sich vom Fenster ab. Hinter ihm pulsierte das Licht seines Holoterminals in kaltem Blau. Zahlen. Personalprotokolle. Produktionseinheiten. Schürfquoten. Waffenlieferungen. Nichts Auffälliges – und genau das war das Problem.

Wenn eine Flotte sich still verhält, obwohl sie Bewegung braucht – dann bereitet sie sich auf etwas vor. Wenn mehr und mehr Soldaten in den Kasernen trainierten, dann trainierten sie nicht für Paraden.

Lucius ließ sich in seinen Schreibtischsessel sinken, legte die Fingerspitzen aneinander. Sein Blick war kühl. Wach.
Er wusste, was es bedeutete, wenn sich Struktur verschob. Wenn der Imperiale Apparat „neu ordnete“, war das selten bloß Verwaltung. Es war Machtverlagerung. Einflussverschiebung. Und mit jedem neuen Schnitt auf der Karte öffneten sich auch Risse.


Und durch Risse konnte man eindringen. Ein Klopfen. Corona Summer, persönliche Assistenz von Lucius, trat ein – schweigsam, effizient wie immer.

„Nichts Konkretes, Mr. Black“, sagte sie. „Aber... Stimmen. Gespräche auf den Korridoren. Veränderte Routenplanung in mehreren Sektoren.“

Lucius antwortete nicht sofort. Seine Gedanken bewegten sich wie Nebel über kaltem Wasser.

„Sag den Analysten: Ich will eine Schattenkarte. Keine offiziellen Linien – nur Bewegungen. Wer reist, wer schweigt, wer den Ton wechselt.“

Summer nickte, machte kehrt – doch Lucius hielt sie zurück.

„Setze das Reservekapital auf Standby. Wenn diese Unschärfe sich konkretisiert, will ich bereit sein. Kontaktieren Sie die 309., innerhalb von 4 Stunden sollen mindestens drei Züge einsatzbereit sein, wenn nötig. Ach.. und da wäre noch etwas: Schauen Sie bitte nach welcher meiner Kontakte in der Imperialen Verwaltung aktuell 'Gesprächsbedarf' hat.“

Corona Summer schaute Lucius fragend an. „Für was genau, Sir?“ Lucius’ Lippen zuckten kaum merklich.

„Für das, was sie übersehen.“

Denn darin lag der Keim einer Gelegenheit. Wenn sich etwas neu formierte, war es nie perfekt. Es gab Leerstellen. Vakuen. Niemandszonen.
Und genau dort konnte man anknüpfen. Ein System übernehmen, das keiner verteidigte. Einen Markt sichern, den niemand mehr führen wollte.
Eine Offiziersstelle besetzen, die plötzlich frei wurde.

Die Schatten waren nicht nur Bedrohung. Sie waren Deckung. Lucius erhob sich wieder, trat zu einem Schrein in der Wand. Dort lag ein alter Dolch – obsidianfarbener Griff, kühle Klinge. Ein Erbstück, Symbol der Familie. Kein Prunk, keine Gravur. Nur Klarheit. Er hielt die Waffe in der Hand, sah auf die regennassen Fensterscheiben hinaus.


„Sie glauben, sie verschieben Linien“, sagte er leise. „Aber sie öffnen Türen.“

Der Sturm draußen wuchs. Doch im Inneren von Casa Negro war es still. Und im Kopf von Lucius Black begannen die Zahnräder sich zu drehen.

[Dubrillion - Dubrillions Norden - Villa "Casa Negro" - Kaminzimmer - allein]
 
[Dubrillion - Dubrillions Norden - Villa "Casa Negro" - Kaminzimmer - allein]


Die Nachricht hatte Dubrillion wie ein langsam sickerndes Gift erreicht. Noch bevor die offiziellen Kanäle es gesendet hatten, schlich das Gerücht wie ein stiller Schatten durch die Straßen von Dubrillion. Dann, am Abend, die Bestätigung.

Der Imperator war tot.​

Ein Anschlag, hieß es. Feige. Heimtückisch. Die Jedi, jene alte, morsche Sekte, hatten zugeschlagen. Heimlich, verborgen, wie Ratten aus der dunklen Kanalisation. Ein letzter Versuch, die Ordnung zu zerreißen. Aber dieser Versuch wird scheitern, genauso wie ihre absurde Ideologie langfristig nicht überdauern wird.

Lucius hatte das Holobild des Imperators lange betrachtet. Nicht aus Trauer. Sondern aus Analyse. Er war ein Symbol gewesen. Eine Konstante. Jetzt war er ein Platzhalter für Chaos; und für Gelegenheit. Imperatrix Lucienne Vendar war nun die neue Konstante für die imperiale Sicherheit. Jüngste der Mächtigen. Kalt. Zielgerichtet. Ihre erste Öffentlichkeitserklärung war ein Versprechen gewesen: Vergeltung, Rache, Ordnung.

Lucius hatte jedes Wort davon begrüßt. Denn ein Imperium, das zurückschlug, würde kaufen. Würde aufrüsten. Würde führen. Und er würde liefern. Doch mehr noch: Er würde teilnehmen. Er wollte nicht nur Waffen schmieden. Er wollte Befehle geben. Seine eigenen Truppen. Seine eigene Agenda. Und dafür brauchte er Einfluss.

Die alten Gerüchte über Supersektor 8 klangen nun wie eine leise Trommel vor dem Sturm. Es hieß, die Grenzen könnten sich verschieben. Neue Systeme integriert werden. Und zwei Namen waren zuletzt immer wieder gefallen: Cirrus und Uba.

Uba war wenig interessant. Kaum von Bedeutung. Doch Cirrus? Cirrus war kaum geschützt. Ein Herzogtum, traditionsverliebt, ohne starke Armee. Aber mit Rohstoffen. Mit Land. Mit Symbolkraft.

Lucius hatte es analysiert. Ein mäßiger militärischer Vorstoß würde genügen. Vielleicht auch nur eine Blockade mit entsprechender propagandistischer Wirkung auf diesen Zwergen zwischen den Großmächten. Die Zustimmung der neuen Regierung, oder zumindest des Großmoffs, wäre der Schlüssel.

Er aktivierte das Holoterminal erneut. Die Verbindung zum Myto-Sektor stand bereit. Seine alte Bekanntschaft Agustin Prada war als Moff neu im Amt, ehrgeizig, machthungrig und sicherlich an einem guten Deal interessiert.
Ms. Summer, seine Assistentin, hatte angeboten, die Gratulation zu übermitteln. Doch Lucius hatte abgelehnt.

Ein Mann wie Prada verdiente es persönliche Gratulationen von alten Weggefährten zu erhalten. Noch dazu, wenn beide Seiten dies direkt mit geschäftlichen Gesprächen verbinden konnten.


Die Kamera schaltete sich ein. Lucius richtete sich auf. Die Uniform makellos. Die Augen: eiskalt. Die Stimme: ruhig wie Stahl.


-- HOLOGRAM-NACHRICHT AN @Agustin Prada --
-- Verschlüsselt --


„Moff Prada. Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem kürzlichen Aufstieg. Die Black Corporation wünscht Ihnen Klarheit, Durchsetzungskraft und langes Leben. In der Hoffnung, dass wir uns alsbald erneut austauschen können. Es gibt Regionen nahe des Achten Supersektors, die... ungeschützt wirken. Vielleicht braucht es dort Initiative. Und Verantwortung. Sie wissen ja, ich bin stets bereit beides für die imperiale Ordnung zu übernehmen. “


Er lächelte. Kurz. Hart.

„Ach.. und Ich möchte Ihnen ganz persönlich meine Hochachtung aussprechen und hoffe Sie finden gefallen an der kleinen Aufmerksamkeit. Ich freue mich bereits jetzt auf unsere nächste Unterhaltung.“



-- ENDE DER HOLOGRAM-NACHRICHT --
​
Die Verbindung wurde getrennt. Lucius trat zurück ans Fenster. Ohne sich umzudrehen oder seine Assistentin weiter zu beachten deutete Lucius auf seinen Schreibtisch.

„Der Moff soll ihn mit der Nachricht erhalten.“

Auf dem massiven Schreibtisch lag in einer hochwertigen Holzkiste das Geschenk: Ein Schmuckdolch aus Aurodium und Onyx, handgefertigt in den Werkhallen seiner Familie. Wertvoll. Tödlich. Ein Symbol für seine Bereitschaft, für den bevorstehenden Krieg und die Fähigkeit von Black Corp. zu liefern. Insbesondere Waffen.

Draußen tobte der Sturm. Drinnen, in Casa Negro, begann der Krieg bereits. In Gedanken und in Planung. In Klingen, die noch nicht gezogen waren, aber bereits aufblitzten. Lucius Black würde nicht warten, bis er gerufen wurde. Er würde sich selbst das Kommando nehmen.


[Dubrillion - Dubrillions Norden - Villa "Casa Negro" - Kaminzimmer - mit Ms. Summer]
 
Dubrillion – Crystall City – Moff-Residenz – Strategieraum – Agustin, zwei Moffs (Holo), Großmoff Rimora (Holo), Clerks/Sicherheitskräfte

Die "neue alte" Residenz war noch nicht vollkommen "sein". Nicht in dem sentimentalen Sinn, in dem manche Beamte von Besitz sprachen, wenn sie sich selbst beruhigen wollten. Sie war nicht viel mehr als ein Werkzeug – gebaut, um Entscheidungen zu beschleunigen und Widerspruch zu ersticken. Agustin stand am Panoramafenster des Strategieraums und ließ den Blick über Crystall City gleiten. Dubrillion war stets ein Planet gewesen, den man nicht liebte, sondern nutzte – und Agustin nutzte ihn schon seit Jahren besser als jeder vor ihm.

Hinter ihm summten die Projektorsäulen im Leerlauf. Zwei Störfeldgeneratoren hingen wie schwarze Metallspinnen in den Ecken der Decke, ihre Anzeigen in einem ruhigen Takt pulsierend. Ein Clerk – jung, blass, sorgfältig geschniegelt – trat näher, ohne den Abstand zu unterschreiten, der in dieser Residenz zur zweiten Natur geworden war.


"Verschlüsselung aktiv. Die Holo-Verbindung wird in dreißig Sekunden eröffnet, Moff.“

Agustin nickte knapp. Er strich den Ärmel seiner Uniform glatt und trat an den runden Konferenztisch und dessen dunkel polierte Oberfläche. Die Säulen erwachten. Erst flimmernd, dann kristallklar. Drei Projektionen zeichneten sich ab: Großmoff Jory Rimora. Links und rechts davon zwei Moffs – ebenso nicht physisch anwesend, aber dennoch im Raum spürbar. Agustin stieß wohl als letzter in die Konferenz, denn der Grandmoff sprach ihn direkt an. Seine Stimme kam ohne weitere Verzögerung.

"Moff Prada, Moffs. Wir verlieren Zeit.“

Durch exekutive Gewalt ließ sich alles vervielfachen; Geld, Militärmacht, Staatsgewalt. Doch Zeit war das einzige Gut, das selbst das galaktische Imperium nicht drucken konnten. Agustin erwiderte keine Begrüßung. Er nickte nur und es war genug. Rimora ließ keine Einleitung zu. Bilder erschienen in der Luft – Nachrichten, Lagekarten, Flottenrouten, ein Standbild des imperialen Thronsaals, das bereits Geschichte war. Der Tod Imperator Allegious’ war längst kein Gerücht mehr, sondern ein Fakt, der bereits in die ersten Befehle gegossen worden war. Die Ernennung Lucienne Vendars zur Imperatorin – ein Übergang, der in anderen Zeiten Monate an Intrigen gefressen hätte, nun aber wie ein chirurgischer Schnitt vollzogen worden war - genauso, wie von den Verschwörern geplant. Und die Neue Republik: nicht mehr das moralische Gegenstück, das sich in Rhetorik flüchtete, sondern ein Akteur, der die Initiative ergriffen hatte.

"Kashyyyk ist der Auftakt. Die Neue Republik testet unsere Reaktionsfähigkeit, Reichweite und Entschlossenheit. Der Frieden von Umbara ist beendet, egal ob sie es bereits zugeben oder nicht.“

Agustin beobachtete die beiden anderen Moffs, während Rimora sprach. Der eine wirkte wie ein Mann, bei dem das Wort Krieg offensichtlich einen Urinstinkt auslöte. Der andere hielt eine disziplinierte Miene, aber seine Finger zuckten an seinem Datenpad – eine kleine, verräterische Bewegung, die von Nervosität zeugte. Der Bastioner selbst verspürte keine Nervosität. Rimora wechselte die Projektion. Der galaktische Norden. Routen. Sprungpunkte. Und dazwischen – wie Steine in einem Fluss – neutrale Welten.

"Birgis, Bimmiel, Ciutric sind nur einige neutrale Welten, deren strategischer Nutzen unermesslich sein wird: Die Republik wird diese Korridore nicht nutzen, denn ihr Dogma lässt es nicht zu. Ihr Völkerrecht ist eine Leine, an der sie sich selbst führt. Das ist unser entscheidender Vorteil.“

Ein kurzer, stiller Moment entstand – nicht aus Unklarheit, sondern aus Erkenntnis.

"Die imperiale Flotte benötigt raschen Durchlass. Ohne Verzögerungen und ohne öffentliche diplomatische Zwischenfälle.“

Rimora machte eine minimale Pause.

"Und ohne dass die Republik einen Vorwand erhält, die neutralen Welten offen in ihren Block zu zwingen.“

Agustins graublaue Augen ruhten auf den Routenlinien. Dieser Transit war unter Umständen die Differenz zwischen einem schnellen Sieg und einem Krieg, der Jahre andauern und unzählige Ressourcen binden würde. Es war der Schlüssel zu einem Blitzschlag, der dem Imperium die Vorherrschaft über den galaktischen Norden einbringen würde - und Agustin und anderen Interessenten dem Ziel näher bringen würde, das imperiale Machtzentrum sukzessive vom galaktischen Kern in seinen Einflussbereich zu verlagern. Dann erschien eine vierte Projektion – nicht zentral, sondern leicht hinter Rimora versetzt, als wäre sie bewusst in die zweite Reihe gestellt worden. Mehrere Gestalten in dunkler, formeller Kleidung, einige mit dezenten Zeichen ihrer Zugehörigkeit. Durch seine Erfahrung und sein Studium des Ordens wusste Agustin bereits, womit er es zutun hatte: dem Zirkel der Inquisitoren.

Ein Teil der imperialen Verwaltung hätte bei ihrem Anblick instinktiv den Atem angehalten und sich bedroht gefühlt, doch nicht der Moff des Myto-Sektors. Er hatte zu oft erlebt, wie Furcht Entscheidungen vernebelte und wie nützlich eine Klinge war, wenn man sie richtig führte. Sith waren keine Ammenmärchen und nicht seine Feinde. Sie waren Werkzeuge – gefährlich, ja, aber nicht unberechenbar, wenn man verstand, nach welchen Regeln sie spielten

Eine der Gestalten – eine Frau - neigte den Kopf in einer höflichen Geste. Rimoras Stimme blieb ungerührt, als hätte er die Reaktionen im Raum längst einkalkuliert.


"Der Zirkel der Inquisitoren, der diplomatische Arm des Ordens. Sie werden Sie begleiten und unterstützen – diskret, effizient und mit den Mitteln, die ihnen zur Verfügung stehen.“

Er ließ einen Moment vergehen, nicht um Fragen zuzulassen, sondern um den Satz wirken zu lassen. Agustin registrierte, wie sich die Mienen der beiden anderen Moffs minimal verhärteten. Kein offener Protest, keine Worte – nur jene kaum sichtbare Spannung an Kiefer und Schultern, die verriet, dass sie Einwände hatten, sich jedoch nicht trauten, sie in Rimoras Gegenwart auszusprechen.

Agustin ließ den Blick über die Holo-Silhouetten gleiten. Er brauchte die beiden nicht bloßzustellen, ihre Untätigkeit tat dies im Grunde schon.


"Ausgezeichnet“

Sagte er schließlich, und seine kalte Stimme war ruhig und frei von jedem Zögern.

"Dann sind unsere Erfolgsaussichten so gut wie lange nicht mehr.“

Er lehnte sich kaum merklich nach vorn.

"Die Republik wird zögern und debatieren. Sie wird auf Statuten, Komitees und Präzedenzfälle warten, bis ihr eigener Apparat sie gelähmt hat. Wir hingegen werden handeln.“

Seine Augen glitten wieder zu den Routenlinien.

"Mit der Unterstützung des Zirkels werden wir Türen öffnen, die sonst verschlossen bleiben und Widerstände identifizieren, bevor sie zu Hindernissen werden. Ich erwarte nicht nur Durchlass. Ich erwarte, dass wir aus dieser Mission mit mehr zurückkehren als einem Transitkorridor: mit Einfluss, Verpflichtungen – und einer neuen geschaffenen Realität im galaktischen Norden. Die Republik wird die Front dort schon verloren haben, bevor der Krieg offiziell startet."

Er hielt inne, gerade lang genug, um den Satz in den Köpfen der anderen arbeiten zu lassen.

"Großmoff, Sie werden die gewünschten Ergebnisse schon bald erhalten.“

Die Projektionen standen still. Die Inquisitoren blieben stumm, reglos wie Schatten. Der Grandmoff nickte zufrieden, ebenso die beiden anderen Sektor-Herrscher, wenn auch für Kenneraugen mit sichtbarem Widerwillen. Die Würfel waren also gefallen...

Dubrillion – Crystall City – Moff-Residenz – Strategieraum – Agustin, zwei Moffs (Holo), Großmoff Rimora (Holo), Inquisitoren (Holo) Clerks/Sicherheitskräfte
 
Dubrillion – Dubrillion Heart – Provisorische Moff-Residenz – Arbeitszimmer – Agustin, Abella

Die vergangenen Tage und Wochen hatte Agustin fast ausschließlich damit verbracht, seine neu gewonnene Macht im Myto-Sektor zu konsolidieren. Seine Ernennung zum Moff hatte ihm auf dem Papier mit einem einzigen Zug die uneingeschränkte administrative Gewalt über einen essentiellen Sektor des imperialen Nordens übertragen, doch Agustin wusste aus eigener Erfahrung nur zu gut, dass formale Autorität und tatsächliche Macht zwei grundverschiedene Dinge waren. Entsprechend hatte der Bastioner kaum einen Stein auf dem anderen gelassen, seitdem er die Nachfolge seines gestürzten Vorgängers angetreten hatte.

Die alte Sektorverwaltung war gestrafft und in wesentlichen Teilen neu organisiert worden. Ressorts waren zusammengelegt, Zuständigkeiten neu verteilt und einige jener Beamten aus ihren Positionen entfernt worden, deren Loyalität gegenüber der alten Führung der Bastioner für zweifelhaft hielt. Mit Tavik Drayson hatte er einen erfahrenen Mann für die militärischen Angelegenheiten eingesetzt, während Lira Vex die wirtschaftliche Neuordnung und die anstehende Verstaatlichung strategisch bedeutender Teile von Myto-Industries koordinierte. Frank Clanton kontrollierte Innere Sicherheit und Justiz und Veyris Korrhan wachte als Leiter der Staatskanzlei darüber, dass die verschiedenen Teile dieses neu geschaffenen Apparats nicht wieder in jene bürokratische Selbstständigkeit verfielen, die Agustin zutiefst verachtete. Und die Konstruktion nahm mit jeder Stunde mehr Gestalt an. Aber ob sie auch ohne ihren Architekten funktionierte, war eine andere Frage.

Agustin hatte sich in den vergangenen Wochen viel zu häufig selbst dabei ertappt, Entscheidungen an sich zu ziehen, die längst einer der Sector Adjutanten hätte treffen können. Nicht etwa, weil er diesen Männern und Frauen grundsätzlich die notwendige Kompetenz absprach. Im Gegenteil. Er hatte sie gerade deshalb ausgewählt, weil sie in ihren jeweiligen Bereichen zu den Fähigsten gehörten, die ihm zur Verfügung standen. Dennoch fiel es ihm schwer, einen Vorgang aus der Hand zu geben, solange er wusste, dass er ihn selbst kontrollieren konnte. Langfristig war das so nicht tragbar. Der Myto-Sektor war zu groß, seine wirtschaftlichen und militärischen Verflechtungen zu komplex und die kommenden Herausforderungen zu bedeutend, als dass sein gesamter Regierungsapparat davon abhängig sein durfte, dass Agustin persönlich jede relevante Entscheidung überprüfte. Ein effizienter Herrscher hatte keinen Apparat zu erschaffen, der ihm ständig Arbeit abnahm, nur um sie anschließend wieder auf seinen Schreibtisch zu legen.

Er hatte vor, eine fein geölte Maschine zu bauen, die auch ohne seine unmittelbare Anwesenheit funktionierte. Gerade jetzt. Denn während Agustin auf Dubrillion seine Macht konsolidierte, hatte sich die politische Lage innerhalb weniger Wochen dramatischer verändert als in den Jahren seit dem Frieden von Umbara. Die Geschehnisse auf Bastion hatte er mit größter Aufmerksamkeit verfolgt.
Allegious war tot, getötet durch Jedi der Neuen Republik auf imperialem Boden, und mit Lucienne Vendar hatte eine neue Imperatorin den Thron bestiegen. Noch ehe sich die neue Machtkonstellation im Reich vollständig hatte festigen können, war die nächste Nachricht eingetroffen. Die Neue Republik hatte ausgerechnet jene Initiative ergriffen, die zahlreiche Strategen jahrelang beinahe selbstverständlich dem Imperium zugeschrieben hatten, und militärische Operationen gegen das imperial regierte Kashyyyk begonnen. Für Agustin kam diese Entwicklung nur in ihrer Geschwindigkeit überraschend, aber nicht in ihrer Richtung.

Er hatte Aren gegenüber bereits lange zuvor prognostiziert, dass ein erneuter großer Krieg nicht zwangsläufig mit den gewaltigen Flottenkonzentrationen des Inneren Kerns beginnen würde. Die eigentliche Dynamik lag an den äußeren Grenzen, auf jenen Welten, deren Verteidigung schwächer, deren politische Verhältnisse instabiler und deren strategische Möglichkeiten wesentlich weniger festgefahren waren. Kashyyyk mochte noch weit von Myto entfernt liegen, doch der republikanische Angriff hatte eine Grenze überschritten, die sich kaum wiederherstellen ließ.

Der Frieden von Umbara existierte vielleicht noch auf irgendwelchen Dokumenten, aber politisch und faktisch war er genauso tot wie der
Imperator, der vor Wochen noch auf dem Thron gesessen hatte. Ein totaler galaktischer Krieg stand unmittelbar bevor. Und diesmal gedachte Agustin nicht, ihn aus der zweiten Reihe zu beobachten.

Etwas mehr als eine Woche blieb ihm noch, bis auch seine eigene Ernennung öffentlich in jenes Bild gegossen werden würde, das er für angemessen hielt. Dubrillion Heart bereitete sich bereits auf seine offizielle Amtseinführung vor. Große Teile der Hauptstadt würden für diesen Anlass abgeriegelt werden, Einheiten der planetaren Streitkräfte und des imperialen Militärs probten seit Tagen für eine gewaltige Parade und selbst Großmoff Jory Rimora wurde zur eigentlichen Zeremonie erwartet. Es würde der vorläufige Abschluss jener Machtübernahme sein, die auf Yaga Minor begonnen hatte. Bis dahin wollte Agustin allerdings wissen, was seine neue Verwaltung tatsächlich wert war.

Er saß am späten Abend hinter dem breiten Schreibtisch seines Arbeitszimmers und betrachtete die Zusammenfassung der letzten Ressortberichte, während hinter den Panoramafenstern die Lichter Dubrillion Hearts das Gebirgstal erhellten. Seine Uniformjacke hing über der Lehne eines benachbarten Sessels und die obersten Knöpfe seines Hemdes waren geöffnet. Auf dem Tisch stand eine Tasse Tee, deren Inhalt mittlerweile eine Temperatur erreicht hatte, bei der selbst Agustin keine Veranlassung mehr sah, davon zu trinken.

Als Abella den Raum betrat, hob er deshalb zunächst lediglich den Blick. Die Corellianerin hatte sich mittlerweile wohl oder übel daran gewöhnen müssen, dass selbst die privaten Bereiche der neuen Moff-Residenz innerhalb weniger Wochen zu Erweiterungen seines Amtssitzes geworden waren. Datenpads lagen auf Beistelltischen, ein gesichertes Kommunikationsterminal war installiert worden und selbst während gemeinsamer Abende kam es regelmäßig vor, dass irgendein Adjutant mit einer Angelegenheit an ihn herantrat. Abella betrachtete zunächst den Schreibtisch und anschließend Agustin, ehe sie mit einem leichten Lächeln feststellte, dass sie inzwischen beinahe vergessen habe, wie er ohne ein Datenpad in der Hand aussehe. Agustin beendete den Absatz, den er gerade gelesen hatte, bevor er das Gerät deaktivierte.

"Wenn Du mich lediglich von der Arbeit abhalten möchtest, muss ich Dich enttäuschen. Ich hatte mir vorgenommen, heute wenigstens noch die Berichte von Präfekt Nakcohh über Destrillion durchzugehen."

Er deutete auf einen der freien Sessel vor seinem Schreibtisch, während Abella nähertrat. Inzwischen wusste er nur allzu gut, dass die Frau über einen Verstand verfügte, der den vieler fetter und dekadenter Verwalter übertraf, doch darum sollte es hier nicht gehen. Denn dass sie etwas Bestimmtes und ihn nicht beraten wollte, war für ihn nicht besonders schwer zu erkennen. Die Corellianerin erklärte ihm schließlich, dass auf Truuine in einigen Tagen die Gala der Gesellschaft zur Förderung der schönen Künste und imperialer Kultur stattfinden würde. Eine der größeren Veranstaltungen dieser Art, mit zahlreichen Gästen aus der imperialen Oberschicht, der Wirtschaft, Politik und selbstverständlich den Kreisen, in denen Abella selbst seit Jahren verkehrte. Lady Adrianna hatte ihr davon erzählt und dabei auch erwähnt, dass
Aren ebenfalls von der Partie sein würde.

Bei diesem Namen hob Agustin sofort aufmerksam den Blick.

"Aren nimmt daran Teil?"

Abella bestätigte es und fügte mit sichtlichem Amüsement hinzu, dass sie sich bereits gedacht habe, spätestens damit sein Interesse geweckt zu haben. Agustin quittierte die Bemerkung mit einem schmalen Schmunzeln. Seine Begeisterung für Kunstveranstaltungen hielt sich tatsächlich in Grenzen, doch die Gesellschaft, die sich dort versammelte, war eine andere Angelegenheit. Noch interessanter war die Aussicht,
Aren nach den turbulenten vergangenen Wochen persönlich zu sprechen. Seit seiner Aufnahme in den Ritter-Orden hatten sie nur sporadisch Kontakt gehalten und sich nicht mehr persönlich getroffen. Vor allem aber kam Abellas Vorschlag zu einem bemerkenswert passenden Zeitpunkt. Agustin lehnte sich zurück und verschränkte die Hände vor sich.

"Eigentlich hatte ich ohnehin vor, Dubrillion vor der Amtseinführung noch für einige Tage zu verlassen. Im kommenden Monat werde ich dem Sektor für mehrere Wochen den Rücken kehren müssen und bis dahin möchte ich wissen, ob mein Verwaltungsapparat tatsächlich bereits so zuverlässig funktioniert, wie es gegenwärtig den Anschein hat."

Die Aussage brachte Abella offenbar dazu, ihn etwas überraschter anzusehen. Agustin erhob sich daraufhin und trat an eines der großen Fenster. Tief unter ihm bewegten sich die Gleiter durch die Prachtstraßen der Hauptstadt, während sich am Horizont die dunklen Silhouetten der umliegenden Berge abzeichneten.

"Ich habe die letzten Wochen damit verbracht, eine Verwaltung aufzubauen, die nach meinen Vorstellungen funktionieren soll. Als ich mein Ressort auf Sektorebene leitete, konnte ich ja quasi frei walten und schalten, was Klaasen in letzter Konsequenz zum Verhängnis wurde. Jeder Sector Adjutant besitzt nun klare Kompetenzen und weiß, was ich von ihm erwarte."

Für einen Augenblick schwieg er und betrachtete die Stadt.

"Trotzdem lande ich jeden Abend wieder vor einem Berg aus Entscheidungen, von denen die Hälfte niemals bei mir hätte ankommen dürfen. Und bei der anderen Hälfte mische ich mich vermutlich ein, obwohl sie auch ohne mich gelöst worden wäre."

Dass Agustin selbst dies eingestand, war vermutlich bemerkenswerter als die Erkenntnis an sich. Er wusste sehr genau um seine eigene Neigung, Kontrolle nur widerwillig abzugeben. Langsam drehte er sich wieder zu Abella. Nur mit ihr teilte er derartige Gedanken. Dann zeigte sich ein kaltes, zufriedenes Schmunzeln auf seinem Gesicht.

"Also gut. Wir reisen nach Truuine."

Abella schien für einen Moment beinahe enttäuscht darüber zu sein, dass sie wesentlich weniger Überzeugungsarbeit leisten musste als erwartet, und merkte an, dass sie eigentlich mit einer längeren Diskussion gerechnet hatte. Agustin ging zurück zu seinem Schreibtisch und nahm das Datapad mit seinem Terminplan zur Hand. Kurz hielt er inne und sah Abella mit leicht erhobener Braue an. Sie hatte nach und nach eine Freundschaft zur Verlobten Arens aufgebaut und ein paar gemeinsame Tage mit ihr auf dem aquatischen Planeten zu verbringen, würde ihr mit Sicherheit gut tun, um den ganzen Trubel auf Dubrillion zumindest für eine kurze Zeit hinter sich zu lassen. Er aktivierte das Kommunikationsterminal auf seinem Schreibtisch und ließ eine Verbindung zur Staatskanzlei herstellen. Wenige Augenblicke später erschien Veyris Korrhans Stimme aus dem Gerät.

"Euer Exzellenz?"

Agustin nahm wieder hinter seinem Schreibtisch Platz.

"Veyris, bereiten Sie für morgen früh eine Sitzung sämtlicher Sector Adjutanten vor. Ich werde Dubrillion anschließend für einige Tage verlassen und bis zu meiner Rückkehr keine gewöhnlichen Ressortangelegenheiten mehr bearbeiten."

Am anderen Ende entstand eine kurze Pause. Korrhan wusste vermutlich bereits, dass der zweite Teil dieser Anweisung für seinen notorisch kontrollierenden Vorgesetzten wesentlich ungewöhnlicher war als irgendeine kurzfristig angesetzte Reise. Agustin fuhr entsprechend fort.

"Sie werden die Verwaltung während meiner Abwesenheit koordinieren. Sorgen Sie dafür, dass meine Adjutanten meine Abwesenheit nicht zum Anlass nehmen, ihre Grenzen auszutesten, aber lassen Sie ihnen freie Hand, solange sie spuren. Ich möchte ausschließlich dann kontaktiert werden, wenn meine persönliche Autorisierung gesetzlich erforderlich ist, Unsinn veranstaltet wird oder eine Entwicklung von unmittelbarer Bedeutung für die Sicherheit des Sektors eintritt."

Er ließ die Worte einen Moment wirken. Korrhan bestätigte die Anweisung und erkundigte sich anschließend nach dem Ziel seiner Reise. Agustin warf einen kurzen Blick zu Abella.

"Truuine. Die Gesellschaft zur Förderung der schönen Künste und imperialer Kultur veranstaltet dort eine Gala."

Erneut entstand eine merkliche Pause. Abella konnte sich ein leises Lachen nicht verkneifen, das sie nur notdürftig hinter vorgehaltener Hand verbarg

"Gibt es dazu eine Frage?"

"Nein, Euer Exzellenz. Sie können beruhigt verreisen."

"Gut. Informieren Sie die notwendigen Sicherheitsstellen, aber verzichten Sie auf eine öffentliche Ankündigung. Und nehmen Sie keinen Kontakt mit dem Büro der Sektorverwaltung des Prefsbelt-Sektors auf. Wenn Moff Vayliuar ebenfalls dort sein wird, sehe ich keinen Grund, ihm unsere Ankunft vorher mitzuteilen."

Nachdem Korrhan auch diese Anweisung bestätigt hatte, beendete Agustin die Verbindung und wandte sich wieder Abella zu.

"Damit wäre das geklärt."

Die Corellianerin musterte ihn einige Augenblicke und stellte schließlich fest, dass er vermutlich der einzige Mann im Imperium sei, der aus einem gemeinsamen Besuch auf einer Kunstgala einen Test seines Verwaltungsapparates machen konnte. Agustin griff wieder nach seinem Datapad.

"Alles eine Frage der Effizienz, meine Teuerste“

Ein schmales Lächeln zuckte über sein Gesicht, ehe er das Gerät wieder aktivierte. Der Bericht über Destrillion wartete.


Dubrillion – Dubrillion Heart – Provisorische Moff-Residenz – Arbeitszimmer – Agustin, Abella
 
[Dubrillion - Dubrillions Norden - Villa "Casa Negro" - Kaminzimmer - mit Ms. Summer]
​

Moff Prada hatte nicht geantwortet, nicht mit Worten zumindest. Aber Lucius hatte auch keine erwartet. Männer in solchen Positionen antworteten selten auf die wirklich wichtigen Nachrichten, denn Worte waren für jene bestimmt, die einer Absicherung bedurften. Ein Handschlag, eine Unterschrift, eine versiegelte Order zur rechten Zeit waren weit wertvoller als jede höfliche Erwiderung. Und Prada war kein Mann der freundlichen aber ansonsten leeren Worte, vielmehr war er ein Mann der Tat, ein Mann der Weitsicht.

Das Geschenk war angekommen. So viel hatte Ms. Summer ihm bestätigen können. Der wertvolle Schmuckdolch aus Aurodium und Onyx war ordnungsgemäß übergeben worden. Keine Zurückweisung oder Rücksendung. Keine diplomatische Bemerkung darüber, dass ein solches Geschenk unangemessen sei. Prada hatte ihn wohl behalten und das genügte Lucius vorerst. Danach waren einige ruhige Tage vergangen.

Casa Negro war wieder in jene eigentümliche Ruhe zurückgefallen, die Lucius so schätzte. Das Kaminzimmer lag in warmem, unstetem Licht. Holz knackte im Feuer und warf lange Schatten über die dunklen Wände. Über dem Kamin hing das alte Wappen der Familie Black. Es war schon dort gewesen, als Lucius noch ein Kind gewesen war. Damals hatte es größer und bedrohlicher gewirkt, n
un erschien ihm beinahe alles kleiner.
Ms. Summer stand einige Schritte hinter seinem Sessel. In den Händen hielt sie ein Datapad. Lucius hatte sie seit einigen Minuten nicht beachtet. Vor ihm, auf dem niedrigen Tisch neben einem unberührten Glas dunklen corellianischen Weines, lag etwas sehr viel Interessanteres.

Eine imperiale Depesche. Das Siegel des Oberkommandos schimmerte noch immer über dem Dokument.

Lucius hatte die Order bereits dreimal gelesen.
Nicht weil er sie beim ersten Mal nicht verstanden hätte, sondern weil er den Moment genoss. Der Befehl war eine Genugtuung für ihn persönlich aber auch für den verletzten imperialen Stolz. Lucius hatte den feigen Anschlag der Jedi auf den Imperator nicht vergessen. Sie hatten es gewagt, dass Imperium in seinem Innersten anzugreifen. Doch Rache würde kommen, dass Imperium schlägt zurück. Mit aller Härte. Und nun begann es und aus Planung wurden Befehle. Lucius genoss den Befehl den er vom Oberkommando erhalten hatte. Cirrus. Ausgerechnet Cirrus.

Für das Imperium war es kaum mehr als ein unbedeutender Fleck auf der Sternenkarte. Ein kleines, neutrales Herzogtum an der Grenze des imperialen Territoriums. Militärisch vollkommen bedeutungslos. Politisch ein ungewöhnlicher Anachronismus. Eine Welt, die sich mit beinahe bemerkenswerter Sturheit an veraltete Traditionen klammerte, welche anderswo längst von Industrie, Verwaltung und imperialer Effizienz (oder neu-republikanischer Naivität) begraben worden waren. Technologie wurde dort nicht grundsätzlich abgelehnt, doch man begegnete ihr mit jener tiefen Skepsis, die Lucius für eine besondere Form freiwilliger Schwäche hielt. Alte Häuser, alter Adel, alte Rechte. Schwerter und Titel. Abstammung schien mehr zu bedeuten als Leistung. Vergangenheit mehr als Zukunft. Strafen die unmenschlich und gleichzeitig tief befriedigend waren. Ein lebendes Museum.
Und nun sollte Captain Lucius Black dieses Museum besetzen.

Das Imperiale Oberkommando hatte seine Entscheidung in der trockenen Sprache militärischer Bürokratie formuliert. Die territoriale Sicherheit entlang der Grenze müsse gewährleistet werden. Die politische Lage mache eine dauerhafte imperiale Präsenz erforderlich. Strategische Unsicherheiten seien zu beseitigen. Äußerst h
öfliche Worte, doch Lucius wusste, was sie bedeuteten: Einschüchterung, Einmarsch, Besetzung und Unterwerfung. Er nahm sein Weinglas und betrachtete die dunkle Flüssigkeit darin.

„Interessant..“

Ms. Summer hob leicht den Blick.

„Sir?“

Lucius antwortete nicht sofort.
Es gab Zufälle. Zumindest behaupteten andere Menschen das. Lucius selbst hatte im Laufe seines Lebens festgestellt, dass sogenannte Zufälle auffällig häufig dort auftraten, wo einflussreiche Männer kurz zuvor miteinander gesprochen hatten. Er hatte Prada Cirrus nicht genannt, jedenfalls nicht ausdrücklich. Er hatte von ungeschützten Regionen gesprochen. Von Initiative und von Verantwortung. Nun lag vor ihm ein Befehl, der ihm genau diese Verantwortung übertrug. Nicht nur für den Einmarsch, sondern auch für das was folgte.

Vielleicht hatte Prada damit nichts zu tun. Vielleicht hatte irgendein Offizier im Oberkommando dieselben Karten betrachtet wie Lucius und war zum selben Schluss gekommen. Vielleicht hatte seine Nachricht ihren Empfänger aber auch genau im richtigen Augenblick erreicht. Vielleicht über Vielleicht. Lucius nahm einen kleinen Schluck. Am Ende war es auch vollkommen bedeutungslos.
Ein kluger Mann fragte nicht zu lange danach, welche Hand eine Tür geöffnet hatte. Er ging hindurch, bevor es jemand anderes tat oder die Tür sich wieder schloss.

„Wann ist die Order eingetroffen?“

„Vor siebenunddreißig Minuten, Sir.“

„Weitere Mitteilungen?“

„Keine persönlichen.“

Natürlich nicht. Lucius stellte das Glas stoisch zurück. „Und Moff Prada?“

„Keine Antwort.“

Ein kaum sichtbares Lächeln strich über Lucius' Gesicht. „Dann wollen wir seine Ruhe nicht stören.“ Er erhob sich.

Mit einer Bewegung seiner Hand aktivierte er den Holoprojektor. Das warme Kaminzimmer verschwand unter kaltem blauen Licht. Über dem Tisch entstand langsam die Abbildung einer Welt.
Cirrus. Lucius trat näher an das Bild heran. Der blaue Schimmer fand sich nun in seinem Gesicht wieder. Er hatte sich schon früher mit dem Herzogtum beschäftigt. Damals war es kaufmännisches Interesse gewesen. Rohstoffe, Abbaurechte, Verarbeitungsstätten und Bodenwerte. Möglichkeiten für spätere Investitionen. Black Corporation hatte gelernt, dass die wertvollsten Geschäfte häufig dort entstanden, wo andere nur Bedeutungslosigkeit sahen. Nun betrachtete er Cirrus mit anderen Augen. Nicht als Geschäftsmann, sondern als Soldat.

Die Welt besaß keine Verteidigung, die einer imperialen Streitmacht auf Dauer ernsthaften Widerstand leisten konnte. Ihre Neutralität hatte sie jahrzehntelang geschützt. Man hatte sich daran gewöhnt, zwischen größeren Mächten zu existieren, ohne selbst eine zu sein. Es würde nicht mehr als eine Übung werden für seine 309. Mobile-Infanterie Kompanie. Die Männer der sogenannten Sierra-Kompanie waren weder brutale Schlächter, noch abgebrühte Spezialeinheiten. Sie waren loyale Soldaten die genauso wie ihr Kommandant nach Rache für den Imperator dürsteten.


Und Cirrus' Neutralität war kein Schild. Neutralität war eine Übereinkunt, ein Luxus den sich niemand mehr leisten konnte, wenn der Krieg die Galaxis zur Ordnung bringen würde. Und auch Übereinkünfte überlebten nur so lange, wie mächtigere Parteien einen Nutzen in ihnen sahen. Lucius vergrößerte die Projektion. Städte erschienen, sie verbindende Verkehrswege, kleinere Befestigungen, prächtige Residenzen und alte Verwaltungsbezirke. Kurz dachte er an die Menschen dort. An Adlige, die vermutlich noch immer glaubten, ihre Stammbäume hätten außerhalb ihrer eigenen Hallen irgendeine Bedeutung. An Offiziere, die ihre kleinen Truppen in Uniformen aus einer anderen Zeit führten. An Bürger, die das Imperium aus der Ferne kannten und sich vermutlich eingeredet hatten, diese Entfernung sei ein Naturgesetz.

Bald würden sie lernen, dass Grenzen von jenen bestimmt wurden, die sie verteidigen konnten. Endlich würde in der Galaxis das uralte Gesetz des Stärkeren wieder an Bedeutung gewinnen. Und es gab nichts stärkeres und durchsetzungfähigeres in den weiten der Sterne als einen imperialen Mann mit einem Ziel.

Lucius Gedanken schweiften ab und der Offizier blickte erneut auf die blaue Projektion. Der Palast des Herzogs thronte über der Hauptstadt. Doch etwas anderes machte Cirrus noch weitaus interessanter als seine zurückgebliebene Kultur. Der Baron. Der Thronerbe des Herzogtums. Wie es die Ironie des Schicksals will war dieser ein Jedi. Lucius' Gesicht verhärtete sich. Ausgerechnet jetzt. Der Imperator war durch die Hand der Jedi gefallen. Das Imperium hatte noch nicht einmal aufgehört, um seinen toten Herrscher zu trauern. Die Imperatrix hatte Vergeltung geschworen. Überall wurden Loyalitäten geprüft und alte Feinde wieder aus ihren Verstecken gezerrt.

Und an der imperialen Grenze saß ein Herzogtum und erlaubte einem Jedi, Erbe seines Thrones zu sein. Man konnte es Neutralität nennen, vielleicht konnte man es sogar Tradition nennen und sich hinter Titeln und alten Erbfolgen verstecken. Für Lucius war es eine Provokation. Für ein unbedeutsames, neutrales Herzogtum an der Grenze der Imperiums eine bemerkenswert törichte.


„Ein Jedi.“

Er sprach das Wort beinahe gelangweilt aus. Ms. Summer sah auf ihr Datapad.

„Nach den uns vorliegenden Informationen, ja.“

„Und Thronerbe.“

„Ja, Sir.“

Lucius verschränkte die Hände hinter seinem Rücken.

„Dann hat Cirrus sein Problem selbst geschaffen.“

Das Hologramm drehte sich langsam vor ihm. Er verspürte keinen Zorn. Zorn war etwas für Männer, die sich nicht beherrschen konnten. Auch der Tod des Imperators hatte in ihm keine blinde Wut ausgelöst. Hass war brauchbar, wenn man ihn in eine Richtung lenkte. Unkontrolliert jedoch war er nichts weiter als Lärm. Lucius bevorzugte Stille. Und Rache konnte nicht nur kalt, sondern auch als diskreter Wink serviert werden.

Das Oberkommando verlangte die Besetzung von Cirrus. Es verlangte die Sicherung der Welt und die Herstellung imperialer Ordnung. Für die Dauer dieser Aufgabe sollte Lucius als militärischer Statthalter fungieren.
Der Titel gefiel ihm. Jedoch war er unvollkommen.
Militärische Ämter waren vorübergehend. Sie entstanden aus Krisen und verschwanden mit ihnen. Ein militärischer Statthalter herrschte, solange Soldaten auf den Straßen standen und das Oberkommando seine Anwesenheit für notwendig hielt. Eine Besetzung benötigte einen Statthalter, ein imperialer Planet einen Gouverneur. Und ein
Gouverneur blieb.

Lucius sah auf die Projektion der herzoglichen Hauptstadt. Heute sollte er sie besetzen und morgen sollte er sie befrieden. Und irgendwann würde irgendjemand in einem weit entfernten Büro entscheiden müssen, wer eine befriedete Welt verwalten sollte. Lucius konnte sich bereits vorstellen, welchen Namen er für geeignet halten würde. Captain Lucius Black, COO der Black Corporation, Militärischer Statthalter von Cirrus. Und später vielleicht mehr.

Er betrachtete die Rohstoffdaten am Rand der Projektion. Selbst in den lückenhaften Erhebungen waren Vorkommen verzeichnet, die Aufmerksamkeit verdienten. Unter einer Verwaltung, die Modernisierung nicht länger als Angriff auf ihre Traditionen betrachtete, ließ sich aus dieser Welt erheblich mehr gewinnen. Der Planet konnte ausgeschlachtet werden oder langfristig genutzt werden. Lucius fielen unzählige Möglichkeiten ein und Black Corporation konnte Maschinen liefern, Black Corporation konnte Infrastruktur errichten, Black Corporation konnte Waffen bereitstellen.

Und wenn die alte Ordnung von Cirrus unter imperialen Stiefeln zerbrach, würde jemand die Scherben aufsammeln müssen. Lucius hatte nie verstanden, weshalb andere Menschen Scherben für wertlos hielten.
Man musste nur wissen, wie man sie zusammensetzt.

„Ms. Summer.“

„Sir?“

„Informieren Sie die Unternehmensleitung, dass sämtliche laufenden Rüstungsaufträge mit höchster Priorität behandelt werden. Ich will Produktionsreserven ausgewiesen haben. Munition, Ersatzteile, Fahrzeugkomponenten, persönliche Ausrüstung. Alles, was kurzfristig verfügbar gemacht werden kann.“

Sie machte eine Notiz.

„Und die zivilen Geschäftsbereiche?“

Lucius sah weiterhin auf Cirrus.

„Unverändert.“

Eine kurze Pause.

„Vorerst.“

Ms. Summer kannte ihn lange genug, um nicht nachzufragen. Lucius deaktivierte einen Teil der wirtschaftlichen Daten und ließ sich die militärische Lage anzeigen. Der Raum wurde dunkler. Kleine imperiale Symbole erschienen um die Welt. Seine Truppen, seine Schlacht.
Bis zu diesem Augenblick war Cirrus eine Möglichkeit gewesen. Ein Gedanke, entstanden zwischen Gerüchten und Karten. Etwas, das man bei einem Glas Wein betrachten konnte, während draußen der Regen gegen die Fenster schlug. Jetzt hatte die Möglichkeit ein Aktenzeichen und trug das Siegel des Oberkommandos. Es war der Wille der Imperatorin und die Rache für den Imperator. Jetzt gehörte die Möglichkeit ihm.


„Lassen Sie die Offiziere verständigen.“

„Wann wünschen Sie die Besprechung?“

Lucius blickte zur Uhr. „In einer Stunde.“

„Eine Stunde?“

Zum ersten Mal wandte er sich vollständig zu ihr um.

„Das Oberkommando hat mir nicht den Auftrag gegeben, Cirrus zu beobachten, Ms. Summer.“

Seine Stimme blieb ruhig. Sie nickte.

„Selbstverständlich, Sir.“

Lucius ging zurück zum Fenster. Der Sturm hatte endlich nachgelassen. Zwischen schweren Wolken war ein schmaler Streifen schwarzen Himmels sichtbar geworden. Fern über dem Meer zuckte noch einmal ein Blitz, doch sein Donner erreichte die Casa Negro erst viele Sekunden später. Lucius dachte noch einmal an Prada. Keine Antwort, aber vielleicht war das Schweigen Antwort genug. Er dachte an die Imperatrix und ihr Versprechen von Vergeltung. Das Imperium brauchte nach dem Mord an seinem Herrscher keine vorsichtigen Männer. Es brauchte Männer, die verstanden, dass aus Verlust Stärke geschaffen werden konnte. Dass Trauer keinen Nutzen hatte, solange sie nicht in Handlung verwandelt wurde. Und schließlich dachte er an Cirrus. An dessen Herzog, an die Jedi. Lucius dachte an all jene alten Herren in ihren alten Hallen, die vermutlich noch nichts von der Order wussten, die auf Lucius' Schreibtisch lag.

Vielleicht speisten sie gerade. Vielleicht diskutierten sie über Erbfolgen, Jagden und irgendein uraltes Hofzeremoniell. Vielleicht glaubten sie, morgen werde aussehen wie gestern. Lucius legte eine Hand auf die kalte Scheibe. Für einen kurzen Augenblick empfand er beinahe etwas, das Mitleid hätte sein können. Aber nur b
einahe.

„Neutralität ist ein kostbares Privileg.“

Seine Stimme ging im letzten Grollen des Sturms unter.

„Es endet bald.“

[Dubrillion - Dubrillions Norden - Villa "Casa Negro" - Kaminzimmer - mit Ms. Summer]​
 

[Dubrillion - Dubrillions Norden - Villa "Casa Negro" - Bunkerkomplex - Lagebesprechungszimmer - Captain Lucius Black, 1st Lt. Damar, 2nd Lt. McKing,
2nd Lt. Cass, Staff Sgt. Gumbart]

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Eine Stunde später war vom Kaminfeuer nichts mehr zu hören. Nur wenige Etagen trennten das Kaminzimmer vom abhörsicheren Besprechungsraum der Casa Negro, und doch schien Lucius, als hätte er mit dem Überschreiten seiner Kaminzimmerschwelle und der kurzen Fahrt im Turbolift ein komplett anderes Gebäude betreten. Hier gab es weder Gemälde noch schwere Vorhänge, weder Wein noch jene dunklen Hölzer, mit denen Generationen seiner Familie ihren Reichtum zur Schau gestellt hatten. Der Raum war schmucklos. Grauer Stein bildete Wände und Boden, unterbrochen lediglich von schmalen Lichtleisten, deren kaltes Weiß jedes Gesicht bleicher erscheinen ließ, als es war. Imperiale Banner zierten stolz die kahlen Durabeton. In seiner Mitte stand ein langer Tisch aus schwarzem Holz. Darüber schwebte nichts. Noch nicht.

Vier Männer warteten und
Lucius blieb einen Augenblick in der Tür stehen um sie zu mustern. Nicht aus Misstrauen, jedenfalls nicht mehr als gewöhnlich. Er betrachtete Menschen gern, bevor er mit ihnen sprach. Haltung verriet mehr als Worte, Schweigen mehr als irgendeine Meldung. Und dort vor ihm standen die vier Männer, denen er am ehesten das Wort Vertrauen schenken würde.

1st Lieutenant Finn Damar stand an der linken Seite des Tisches. Ein kräftiger Mann, ohne schwerfällig zu wirken. Breite Schultern spannten den Stoff seiner grauen Uniform, deren Kragen so sauber geschlossen war, als hätte er ihn erst vor wenigen Augenblicken kontrolliert. Das dunkle Haar war kurz geschnitten, das Gesicht kantig und von jener unauffälligen Härte, die nicht aus Narben entstand, sondern aus Jahren des Dienstes. Damar war kein Mann großer Gesten. Wenn andere Offiziere ihre Stimme erhoben, wurde seine gewöhnlich leiser.
Lucius schätzte das.
Damar führte den II. Zug, die schwere Infanterie, und war zugleich stellvertretender Kompaniechef der Sierra-Kompanie. Wenn Lucius an der Spitze stand, war Damar die rechte Hand, die dafür sorgte, dass aus einem Befehl Bewegung wurde. Wo Widerstand gebrochen, eine Stellung gehalten oder imperiale Präsenz unmissverständlich sichtbar gemacht werden musste, waren Damars Männer die Antwort. Ihm schenkte der Kompaniechef das größte Vertrauen.

Direkt neben ihm stand
2nd Lieutenant Arthur McKing. McKing war schmaler gebaut. Sehnig. Ein wenig jünger als Damar, mit einem Gesicht, das auf den ersten Blick beinahe zu ruhig für einen Soldaten wirkte. Seine Augen machten diesen Eindruck zunichte. Sie bewegten sich ständig, ohne unruhig zu erscheinen. Tür, Tisch, Lucius, Damar, wieder die Tür, dann erneut zu seinem Captain. Als müsse er einen Raum erst vollständig vermessen, ehe er bereit war, ihm zu vertrauen. Passenderweise lebte der III. Zug davon, Dinge zu sehen, bevor der Feind bemerkte, dass er gesehen worden war. Leichte Infanterie und Aufklärung. McKings Männer waren nicht dafür bestimmt, als Erste eine Mauer einzureißen. Sie sollten herausfinden, wo die Mauer dünn war.

Einige Schritte neben ihm wartete
2nd Lieutenant Orin Cass.
Cass wirkte auf eine andere Weise militärisch. Etwas breiter im Gesicht, das Haar akkurat zur Seite gelegt, die Haltung beinahe pedantisch gerade. An seinem Gürtel hing kein überflüssiger Gegenstand. Selbst seine Handschuhe hatte er, im Gegensatz zu den anderen Offizieren, nach irgendeiner Dienstvorschrift ordnugnsgemäß angelegt. Lucius wusste, dass Cass einen Fahrzeugpark mit derselben Aufmerksamkeit betrachtete, mit der andere Männer ihre Kinder betrachteten. Vielleicht sogar mit etwas Größerer. Selbst jetzt hielt er ein Datapad ein den Händen. Darauf vermutlich Informationen über Lage und Anzahl von Versorgungsfahrzeugen.
IV. Zug. Leichte Infanterie, Transport, Versorgung und Mobilität.
Die Aufgabe klang weniger ruhmreich als ein Sturmangriff, aber Lucius wusste es besser. Eine Kompanie konnte den glorreichsten Angriff der imperialen Militärgeschichte führen und trotzdem verlieren, wenn am nächsten Morgen die Munition am falschen Ort lag. Cass sorgte dafür, dass Männer, Material und Fahrzeuge dort waren, wo Lucius sie brauchte. Bei einer Besetzung würde seine Verantwortung noch wachsen. Straßen mussten kontrolliert, Nachschubwege gesichert und Soldaten zwischen den entscheidenden Punkten bewegt werden. Ohne die Pedanterie von Cass würde die Besetzung von Cirrus nur wenige Tage andauern.

Und schließlich war da
Staff Sergeant James Gumbart.
Gum. Er war der einzige Mann im Raum, der keine Offiziersabzeichen trug. Und der einzige, dessen Anwesenheit Lucius niemandem erklären würde. Gumbart stand etwas abseits der drei Zugführer. Nicht nachlässig, aber weniger steif als die Offiziere. Er war ein Mann, dessen Uniform schon im Sitzen den Eindruck vermittelte, für das Feld gemacht worden zu sein. Kräftiger Nacken, kurz geschorenes Haar und Hände, an denen auch die sorgfältigste Reinigung die Spuren praktischer Arbeit nicht vollständig verschwinden ließ. Sein Gesicht war nicht besonders auffällig. Gerade deshalb blieb es in Erinnerung: Ein schweres Kinn, eine alte, helle Linie nahe der Schläfe und Augen, in denen wenig Neugier lag. Gumbart fragte selten, warum. Er fragte wo, wann und wie viele.
Lucius führte den I. Zug selbst. Doch ein Captain konnte keine Kompanie führen und gleichzeitig jede Tür mit dem Alpha Squad eintreten. Gumbart war deshalb weit mehr als nur irgendein Staff Sergeant. Wenn Lucius einen Punkt auf einer Karte markierte und sagte, dass dieser Ort vor Sonnenaufgang ihm gehören sollte, war Gumbart der Mann, dem er diese Aufgabe anvertrauen konnte. Auch Gumbart würde wie die anderen drei eine Schlüsselrolle in der Eroberung und Besetzung von Cirrus einnehmen. Die Spezialeinheit würde schnell und effektiv zuschlagen, genau dort wo es den Cirresen am meisten wehtun würde. Palast, Parlament, Geheimdienst, Brücken, der Herzog selbst. Gumbart machte diese Dinge zu Lucius' Geschenk.

Fünf Männer. Mehr sollten vorerst nicht wissen, was das Oberkommando beschlossen hatte. Lucius trat nun tiefer in den Raum ein. Die Tür glitt mit einem markanten Zischen hinter ihm zu. Ein leises Schnauben der Türhydraulik folgte. Dann ein dumpfes metallisches Geräusch, als die Verriegelung einrastete. Keiner der Männer sprach, denn es gab noch nichts zu besprechen.
Lucius ging zum Kopfende des Tisches und legte das versiegelte Datapad vor sich.

„Was in diesem Raum besprochen wird, verlässt diesen Raum ausschließlich auf meinen Befehl.“

Sein Blick wanderte von einem zum anderen.

„Keine Nachricht an die Zugtrupps. Keine vorbereitenden Befehle an die Gruppenführer. Keine privaten Gespräche. Auch nicht mit Männern, denen Sie seit zwanzig Jahren vertrauen. Sie kennen das Spiel.“

Gumbart verzog keine Miene. Damar nickte knapp.

„Verstanden.“

Die beiden anderen Lieutenants bestätigten ebenso.
Lucius legte zwei Finger auf das Datapad.

„Die Geheimhaltungsstufe des Oberkommandos gilt ab diesem Augenblick für jeden Mann in diesem Raum. Sollte außerhalb dieses Zimmers jemand von dem erfahren, was ich Ihnen jetzt mitteile, wird der Zorn unserer Imperatrix das kleinere Übel sein.“

Eine Pause, das genügte. Lucius aktivierte den Projektor. Blaues Licht erwachte über dem schwarzen Tisch. Zuerst erschienen Sterne. Dann Linien. Schließlich schälte sich eine einzelne Welt aus dem Dunkel. Cirrus.
Das Licht zeichnete harte Schatten in die Gesichter der Männer.

McKing war der Erste, dessen Blick sich veränderte. Nur geringfügig, er kannte den Namen offenbar. Seine Hand glitt nachdenklich an sein Kinn. Damar blieb erst reglos und beugte sich dann mit intensiven Blick auf den Tisch. Cass betrachtete bereits die eingeblendeten Verkehrswege und verglich sie mit der Anzahl an Fahrzeugen, welche er zu Verfügung hatte. Gumbart sah kurz Lucius an und stoisch und ruhig auf die Projektion.


full
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„Vor weniger als zwei Stunden erhielt ich einen Einsatzbefehl des Imperialen Oberkommandos.“

Lucius ließ den Satz stehen.

„Die Neutralität von Cirrus wird nicht länger als mit den Sicherheitsinteressen des Imperiums vereinbar betrachtet.“

Damar sah nun auf.
Lucius berührte die Projektion und die Grenzen des Herzogtums leuchteten auf. Im Anschluss veränderte sich die Projektion und zeigte wie Cirrus die Grenzen des Imperiums beeinflusst.

„Wir werden das ändern.“

Stille. Kein Jubel, keine überraschten Ausrufe.

„Wie lautet der Auftrag?“, fragte Damar.

Lucius sah ihn an.

„Besetzung.“

Nur ein Wort, das genügte. Die bläuliche Projektion des Planeten drehte sich langsam zwischen ihnen. Das Licht strahlte die wachen Augen der fünf Männer an.

„Cirrus wird unter imperiale Kontrolle gestellt. Ich übernehme nach Abschluss der militärischen Phase die Funktion des militärischen Statthalters. Die politische Ordnung bleibt nur dort bestehen, wo sie unseren Interessen nicht entgegensteht.“

McKing beugte sich ein wenig näher über die Projektion.

„Womit müssen wir rechnen?“

„Mit einer Welt, die zu lange geglaubt hat, Neutralität sei dasselbe wie Sicherheit.“

Lucius vergrößerte das Bild.

„Cirrus besitzt Streitkräfte. Sie sind jedoch weder zahlenmäßig noch technisch auf eine Auseinandersetzung mit Imperialen Streitkräften ausgelegt. Ich habe nicht vor, ihnen Gelegenheit zu geben, diesen Irrtum durch eine lange asymetrische Kriegsführung zu korrigieren.“

Damar verschränkte die Arme hinter dem Rücken.

„Also kein Feldzug.“

„Nein.“

Lucius' Blick blieb auf der Hauptstadt liegen.

„Ein effektiver Machtwechsel.“

Da war ein Unterschied. Er wollte Cirrus nicht verwüsten. Tote Untertanen zahlten keine Steuern. Zerstörte Straßen transportierten keine Rohstoffe. Niedergebrannte Städte benötigten Jahre, ehe sie wieder einen Nutzen hatten. Und Ruinen waren ein erbärmlicher Regierungssitz. Lucius würde der Statthalter sein, effektiv die Macht in den Händen halten. Aber einen Bürgerkrieg wollte er vermeiden, Widerstand brechen. Der Herzog würde nicht beseitigt werden und auch nicht eingesperrt. Der Noch-Souverän würde als Marionette dienen und seinen Hausarrest mit regelmäßigen und beruhigenden Ansprachen an das Volk auflockern.

„Wir verfügen über einhundertvierundvierzig Mann.“, fuhr Lucius fort. „Das reicht nicht, um jeden Quadratkilometer dieser Welt zu besetzen.“

Er sah Damar an.

„Aber ich habe auch nicht vor, jeden Quadratkilometer zu besetzen.“

Damar verstand es als erster. Auf der Projektion erschienen einzelne Markierungen. Der herzogliche Regierungssitz, militärische Einrichtungen, Einrichtungen des Geheimdienstes, wichtige Ministerien, Verkehrsknotenpunkte und Kommunikationszentren. Lucius ließ seinen Blick über die Männer gleiten.

„Ein Staat ist kein Stück Land. Er ist eine Vorstellung. Menschen glauben, dass irgendwo jemand sitzt, der Befehle geben kann und dass diese Befehle etwas bedeuten.“

Sein Finger ruhte über dem Zentrum der Hauptstadt.

„Wir müssen nicht Cirrus nehmen.“

Die Markierung unter seinem Finger färbte sich.

„Wir müssen den Menschen von Cirrus zeigen, dass die Ordnung zurückgekehrt ist.“

Jetzt wandte er sich McKing zu.

„Lieutenant McKing.“

„Sir.“

„Ihr Zug geht zuerst.“

McKings Augen blieben auf der Karte.

„Ich will ein Lagebild, bevor der Hauptteil der Kompanie den Boden berührt. Verkehrswege, Zugänge, militärische Bewegung, Kommunikationsstellen. Alles, was auf den vorhandenen Karten anders aussieht als in der Realität.“

„Wie offen?“

„So wenig wie möglich, so viel wie nötig.“

Lucius trat einen Schritt um den Tisch.

„Niemand auf Cirrus soll aufgrund Ihrer Männer begreifen, was folgt. Wenn die herzogliche Regierung erkennt, dass wir kommen, dann erst, wenn es für Gegenmaßnahmen zu spät ist. Handeln Sie schnell und effektiv.“

McKing nickte.

„Sir.“

Lucius sah zu Cass.

„Lieutenant Cass.“

„Captain.“

„Sobald McKing mir bestätigt, dass die vorgesehenen Korridore nutzbar sind, bringen Sie die Kompanie hinein. Ich will keine Ansammlung von Fahrzeugen, die sich gegenseitig im Weg stehen. Keine Einheit wartet auf Transport. Keine Munition bleibt zurück, weil irgendein Quartiermeister eine Liste falsch gelesen hat.“

Cass' GeGesicht blieb ernst.

„Priorität ebenfalls auf Geschwindigkeit?“

„Auf Kontrolle.“

Lucius deutete auf die Straßen, die von den vorgesehenen Landepunkten in Richtung der Hauptstadt führten.

„Geschwindigkeit ist nur dann von Nutzen, wenn am Ende noch Ordnung besteht. Sie halten unsere Kräfte beweglich und sichern die Verbindung zwischen den besetzten Punkten. Sobald wir stehen, will ich innerhalb kürzester Zeit Männer verlegen können, ohne darüber nachdenken zu müssen, ob ein Fahrzeug verfügbar ist.“

„Ja, Sir.“

Nun Damar.

Lucius musste dessen Namen nicht nennen. Der 1st Lieutenant sah bereits auf die militärischen Markierungen.


„Finn.“

Die Verwendung des Vornamens war selten. Damar hob den Blick.

„Der II. Zug wird unser Gewicht.“

Lucius ließ mehrere militärische Einrichtungen aufleuchten.

„Wenn die örtlichen Streitkräfte Vernunft zeigen, bleiben ihre Kasernen stehen und ihre Männer am Leben. Wenn sie sich anders entscheiden, überzeugen Sie sie. Wenn Zug III und Zug IV für uns Augen und Beine sind, sind Ihre Männer die geballte Faust der Imperatrix.“

Damars Mundwinkel bewegte sich kaum.

„Mit Nachdruck?"

„Mit dem notwendigen Nachdruck.“

Lucius hasste Verschwendung.

„Wir sind nicht dort, um Helden zu produzieren. Weder auf unserer noch auf ihrer Seite. Ich will ihre Waffen gesichert, ihre Befehlskette unterbrochen und ihre Offiziere von der Aussichtslosigkeit eines Widerstandes überzeugt. Wenn Sie McKings Informationen und Cass' Logistik effektiv nutzen, was ich von Ihnen erwarte, dann wird der II. Zug keinen einzigen Schuss abgeben.“

„Und wenn sie sich nicht überzeugen lassen?“

Lucius sah ihn einige Sekunden schweigend an. Etwas Enttäuschung lag in seinem Blick. Damar war ein Skeptiker.

„Dann waren Sie ausreichend höflich.“

Damar nickte.

Mehr musste zwischen ihnen nicht gesagt werden. Schließlich blieb
Gumbart. Der Staff Sergeant hatte während der gesamten Besprechung kaum seine Haltung verändert.

„Gum.“

„Sir.“

Lucius berührte die Projektion. Der herzogliche Palast erschien größer.

„Alpha geht mit mir.“

Jetzt beugte sich Gumbart ein wenig vor.

„Unser Ziel?“

„Die Köpfe.“

Einige Sekunden war nur das Summen des Projektors zu hören.

„Regierungsmitglieder. Militärische Entscheidungsträger. Personen, deren Verschwinden aus der Befehlskette Widerstand verhindert. Der Herzog. Niemand wird erschossen, nur weil er einen Titel trägt.“

Lucius' Finger glitt über die Projektion des Palastes.

„Wir brauchen eine Regierung, der wir Befehle geben können. Die unserer Imperatrix dienen wird, meine Befehle befolgt und das Volk befriedet.“

Dann hielt er inne.

„Mit einer Ausnahme.“

Gumbart wusste bereits, was kam.

„Der Thronfolger.“

Lucius nickte.

Der Baron von Cirrus, Thronerbe eines kleinen Herzogtums, Jedi. Eine Absurdität, die sich das Imperium in friedlicheren Tagen vielleicht hätte leisten können.
Diese Tage waren vorbei. Spätestens seit dem feigen Anschlag auf seine Majestät den Imperator. Jedi waren verantwortlich, Jedi würden Verantwortung tragen. Von jetzt bis in alle Ewigkeit.

„Wenn er sich auf Cirrus befindet, will ich es wissen, bevor er weiß, dass wir dort sind. Sollte er nach der Besetzung auf Cirrus eintrefen, will ich es ebenfalls wissen. Wir lassen ihn rein und werden uns gebührlich um ihn kümmern.“

„Festsetzen?“

Lucius sah Gumbart direkt an.

„Wenn möglich.“

Seine Stimme war vollkommen ruhig.

„Er ist ein Jedi. Behandeln Sie das Wort nicht wie einen Titel, sondern wie eine Warnung.“

Gumbart nickte langsam.

„Lebend ist er wertvoller, tot ist er mir lieber.“

„Verstanden.“

Lucius trat zurück. Vier Männer standen um die Projektion. Vier Teile derselben Maschine. McKing würde die Augen sein, Cass die Beine, Damar die Faust und Gumbart das Messer. Und Lucius würde entscheiden, wohin sie blickten, gingen, schlugen und schnitten. Er war das Gehirn. Einhundertvierundvierzig der besten imperialen Männer. Auf einer Welt mit Städten, Dörfern, Adelshäusern und einer Bevölkerung, die ihre Neutralität vermutlich für älter und mächtiger hielt als irgendeinen imperialen Erlass. Es würde sich zeigen ob diese Menschen ihre Tradition auch für wichtiger hielten als ihr eigenes Leben. Einhundertvierundvierzig Blaster, das war keine Armee zur Eroberung eines Planeten, aber sie musste es auch nicht sein. Wenn Lucius seine Arbeit richtig machte, würde Cirrus kapitulieren, bevor es begriff, dass ein Krieg begonnen hatte.

Damar betrachtete noch immer die Projektion.

„Wann gehen wir?“

Lucius schwieg einen Moment. Das blaue Licht von Cirrus lag auf seinem Gesicht. Hinter den dicken Mauern der Casa Negro war der Sturm inzwischen vollständig verstummt. Kein Regen schlug mehr gegen die Fenster. Kein Donner rollte über die Klippen. Eine eigentümliche Ruhe hatte sich über Dubrillion gelegt. Die Ruhe vor einem Neubeginn.

„Sobald unsere Befehle ausgearbeitet sind, informieren Sie Ihre Zugtrupps.“

Lucius deaktivierte einzelne Ebenen der Projektion.

„Die Mannschaft erfährt ihr Ziel erst dann, wenn ich sicher bin, dass niemand mehr eine Nachricht nach Cirrus schicken kann.“

Cass sah zu ihm.

„Und bis dahin?“

Lucius richtete den Blick auf die vier Männer.

„Bis dahin ist das eine Bereitschaftsübung.“

Ein schmales Lächeln erschien auf seinem Gesicht.

„Unsere Männer dürfen ruhig glauben, dass sie morgen wieder in ihren Betten schlafen.“

Das Hologramm erlosch. Mit einem Mal lag der Raum wieder im kalten Weiß der Deckenleuchten. Cirrus war verschwunden, keine Paläste, keine Straßen, keine Grenzen. Es war fast wie eine Prohphezeiung. Nur fünf imperiale Soldaten standen um einen schwarzen Tisch.

Doch Lucius konnte die Welt noch immer vor sich sehen. Hauptsadt, Palast, Ministerien und die Plätze an denen irgendwann die imperailen Banner wehen würden. Und vielleicht, wenn er seine Karten richtig spielte, würde sie dort noch hängen, wenn niemand mehr von einer militärischen Besatzung sprach. Militärischer Statthalter.. Für den Augenblick zumindest.


Lucius nahm das Datapad vom Tisch.

„Meine Herren.“

Vier Augenpaare richteten sich auf ihn.

„Wir nehmen einem Herzog sein Juwel und einem Jedi sein Spielzeug.“

Er wandte sich zur Tür.

„Hoffen wir auf die freundliche Kooperation und den Intellekt der Cirresen, damit nichts Wertvolles dabei zerbricht.“


[Dubrillion - Dubrillions Norden - Villa "Casa Negro" - Bunkerkomplex - Lagebesprechungszimmer - Captain Lucius Black, 1st Lt. Damar, 2nd Lt. McKing, 2nd Lt. Cass, Staff Sgt. Gumbart]
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[Dubrillion - Dubrillions Norden - Villa "Casa Negro" - Bunkerkomplex - Lagebesprechungszimmer - Captain Lucius Black, 1st Lt. Damar]


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Die Tür hatte sich kaum hinter den anderen mit einem bemerkbaren Zischen geschlossen, als im Lagebesprechungszimmer wieder jene eigentümliche Stille einkehrte, die nur unter der Erde existierte. Kein Wind, kein Regen und kein entferntes Rauschen des Meeres.

Die dicken Wände des Bunkerkomplexes verschluckten Dubrillion vollständig. Selbst das gewaltige Herrenhaus, das nur wenige Etagen über ihren Köpfen auf den dunklen Klippen thronte, schien von hier unten weit entfernt zu sein. Casa Negro existierte an diesem Ort nicht als Familiensitz, nicht als Symbol alten Reichtums oder als Heim der Familie Black. Hier unten war es nur Durastahl und Sicherheit. Ein Ort für Dinge, von denen niemand erfahren sollte und ein Ort an dem Sicherheit die oberste Maxime war.

Lucius stand noch immer am Kopfende des langen Tisches. Der Blick voll Gedanken versunken in das blaue, flackernde Abbild der cirresischen Hauptstadt. Der Blick des Black fokusiert auf sein Ziel. Vor wenigen Augenblicken hatten dort, an jenem Tisch noch fünf imperiale Männer gestanden. Zwei waren übrig.


Cass war als erster gegangen. Er hatte sein Datapad unter den Arm geklemmt und beim Verlassen des Raumes bereits jenen Ausdruck getragen, den Lucius inzwischen gut kannte. Vermutlich existierten in seinem Kopf zu diesem Zeitpunkt bereits Tabellen über Treibstoffverbrauch, Fahrzeugzuweisungen, Lagerhallenbeständen und Marschbereitschaften. McKing war ihm gefolgt, stiller als sonst, den Blick noch immer nachdenklich. Der Auftrag seines Zuges würde früher beginnen als der aller anderen und Lucius wusste, dass der junge Lieutenant bereits darüber nachdachte, wie man Männer auf eine neutrale Welt brachte, ohne dass sie dort wie imperiale Soldaten wirkten. Gumbart hatte zuletzt den Raum verlassen. Ohne Fragen, ohne Bemerkungen. Gum benötigte keine langen Lagebesprechungen. Man sagte ihm, wo die Tür war, und er fand einen Weg hindurch. Ob mit dem Kopf, der Faust oder dem Fuß, er kam herein. Lucius drückte einen Knopf an der Seite des Tisches und das Hologram von Cirrus verschwand mit einem letzten Flackern. Ganz so als würde das Hologramm die Zukunft des cirresischen Herzogtums vorhersagen.

Nur Damar war geblieben.
Lucius hatte ihn nicht darum gebeten und das musste er auch nicht. Der 1st Lieutenant stand auf der anderen Seite des schwarzen Tisches und sah noch immer auf jene Stelle, an der wenige Minuten zuvor Cirrus in bläulichem Licht geschwebt hatte. Nun war dort nichts mehr. Nur die dunkle, beinahe spiegelnde Oberfläche des Holzes und einige vereinzelte Lichtreflexe der schmalen Deckenbeleuchtung. Damar hob langsam den Blick.

„Einhundertvierundvierzig.“ Lucius reagierte nicht sofort. „Soldaten.“

„Ich kann zählen, Finn.“

Damar verzog für einen Augenblick den Mund. Es war kein Lächeln, aber bei ihm kam es einem solchen beinahe gleich.

„Das bezweifle ich nicht, Sir.“

Lucius nahm das Datapad wieder auf, das er vor wenigen Augenblicken beiseitegelegt hatte. Die Einsatzorder befand sich noch immer darauf. Verschlüsselt, versiegelt und mit einer Autorisierung versehen, die aus einem Plan einen imperialen Marschbefehl machte. Cirrus besetzen. Militärischer Statthalter. Vier Worte waren manchmal ausreichend, um das Leben von Millionen Menschen zu verändern.
Er strich mit dem Daumen über die glatte Kante des Gerätes.

„Sie halten die Zahl für zu gering.“

„Ich halte sie für klein.“

„Das ist etwas anderes.“

„Ja.“

Lucius sah ihn an und lächelte scharf. Genau deshalb war Damar noch hier. Andere Offiziere hätten ihm erklärt, dass die Kompanie bereit sei. Sie hätten von Moral gesprochen, von imperialer Überlegenheit und davon, dass ein entschlossener Soldat zehn Feinde ersetzen könne. Solche Sätze klangen hervorragend auf Rekrutierungsplakaten und mochten auch einem gewissen Wahrheitsgehalt entsprechen, denn auch Lucius war überzeugt von der imperialen Überlegenheit, die durch Gene, Fleiß und Disziplin beruhte. Und doch waren leere Worte auf einem Schlachtfeld ungefähr so wertvoll wie die Farbe, mit der man sie auf Flugblätter druckte. Damar sagte ihm offen, was er dachte. Lucius erlaubte ihm das, weil Damar wusste, wann er damit aufzuhören hatte. Lucius schätzt diese beiden Eigenschaften an seiner rechten Hand: Zu genau der richtigen Zeit, exaktrichtige Menge an schlauen Wörtern zu finden war ein seltenes Talent geworden.

„Einhundertvierundvierzig Mann reichen nicht, um Cirrus zu besetzen.“

Damar zog leicht eine Augenbraue hoch. Lucius legte das Datapad zurück auf den Tisch. Sein scharfes Lächeln war einer ernsten Miene gewichen.

„Aber sie reichen, um jene einzuschüchtern und zu kontrollieren, die Cirrus für uns besetzen und kontrollieren werden.“

Einige Sekunden sagte Damar nichts. Dann verstand er.

„Die örtlichen Sicherheitskräfte..“

„Auch.“

Lucius ging langsam um den Tisch.

„Ich brauche keine imperialen Soldaten an jeder Straßenkreuzung. Ich brauche einen cirresischen Polizisten an jeder Straßenkreuzung, der weiß, wem er am Ende des Tages Bericht erstattet.“

Damar folgte ihm mit den Augen.

„Ich brauche Beamte, die morgens ihre Büros betreten, ihre Arbeit erledigen und lediglich feststellen, dass über dem Gebäude eine andere Flagge weht.“

„Und Soldaten, die ihre Kasernen nicht verlassen.“

„Noch besser.“

Lucius blieb stehen.

„Soldaten, die ihre Kasernen verlassen, wenn wir es ihnen befehlen.“

Nun lächelte Damar tatsächlich. Aber nur kurz.

„Das dürfte schwieriger werden.“

„Deshalb nehme ich Sie mit.“

Der 1st Lieutenant nickte langsam.

„Ich brauche einen Herzog, der die Reden vorliest, die nun nicht mehr von cirresischen Höflingen, sondern von einem imperialen Militärattaché geschrieben wurden.“

Lucius wandte sich wieder dem Tisch zu. Das war der Kern der Sache: Eine Besatzung war nicht zwangsläufig eine Frage der Zahl. Hundertvierundvierzig Mann konnten keine Welt kontrollieren, wenn Millionen Menschen beschlossen, ihnen die Kontrolle zu verweigern. Kein Regiment konnte das. Herrschaft entstand nicht aus der Anwesenheit eines Soldaten vor jeder Tür. Sie entstand daraus, dass die Menschen hinter diesen Türen glaubten, Widerstand sei zwecklos. Das Imperium hatte diese einfache Wahrheit auf tausenden Welten verstanden. Cirrus würde keine Ausnahme sein.

„Wie lange brauchen Sie?“

„Wofür?“

„Bis Ihr Zug ausrücken kann.“

Damar dachte kurz nach.

„Wenn es weiterhin als Bereitschaftsübung läuft?“

„Ja.“

„Acht Stunden für vollständige Marschbereitschaft. Sechs, wenn Cass mitspielt.“

„Cass spielt immer mit, wenn man ihm vorher eine Tabelle und ein Klemmbrett gibt.“

„Dann sechs.“

„Fünf.“

Damar blickte ihn an.

„Sir.“

„Sie wollten doch wissen, weshalb ich Sie mitnehme.“

Wieder dieses beinahe unsichtbare Zucken um Damars Mundwinkel.

„Natürlich.“

Lucius ging an ihm vorbei in Richtung Tür.

„Die Männer bekommen ihre übliche Feldmunition. Keine zusätzlichen Ausgaben aus den Depots, solange wir den Abmarsch nicht freigeben. Ich will nicht, dass irgendein übereifriger Unteroffizier anhand einer Munitionsanforderung erkennt, dass unsere Bereitschaftsübung plötzlich sehr ernst geworden ist.“

„Verstanden.“

„Schwere Waffen?“

„Im Depot.“

„Nicht ausgeben.“

Damar blieb stehen.

„Sie erwarten wirklich keinen Widerstand.“

Lucius drehte den Kopf nur ein wenig.

„Natürlich erwarte ich Widerstand.“

Eine kurze Pause.

„Ich plane nur nicht damit, ihn größer aussehen zu lassen, als er ist.“

Damar verstand. Eine Kompanie, die mit allem aufmarschierte, was ihre Depots hergaben, vermittelte eine andere Botschaft als eine disziplinierte Truppe, die mit der Selbstverständlichkeit einer Polizeistreife erschien. Lucius wollte Cirrus nicht den Eindruck vermitteln, dass das Imperium vor ihm Angst hatte. Er wollte ihnen das Gefühl geben, dass ihr Ausgang bereits entschieden war. Es war keine Eroberung, es war eine Besetzung. Niemand würde mit Turbolasern auf Porgs schießen.

„Die schweren Systeme bleiben verladebereit.“, fuhr Lucius fort. „Wenn wir sie brauchen, will ich sie haben. Aber ich werde keine Hauptstadt mit Geschützen begrüßen, solange mir ein höfliches Schreiben dieselbe Tür öffnen kann. Wir wollen diesen Planeten besetzen und keinen Bürgerkrieg anfachen, der wertvolle Ressourcen vernichtet.“

Damar nickte und zog seine Uniform zurecht. Er hatte die feinen Nuancen in der Körpersprache des Captains verstanden und machte sich bereit den Besprechungsraum zu verlassen. Lucius öffnete die Tür mit einem Knopfdruck und erneut schoben sich die Sicherheitstüren mit einem Zischen zur Seite. Der Korridor hinter dem Lagebesprechungszimmer war schmaler als die repräsentativen Gänge des Herrenhauses. Sichtbarer Durabeton, schwarze Türen und weitere eingelassene Lichtleisten. In regelmäßigen Abständen unterbrachen versiegelte Sicherheitsschotten den Gang. Kameras folgten jeder Bewegung. Nichts hier unten war für Schönheit geschaffen worden. Doch Lucius mochte diesen Ort. Schönheit war eine angenehme Form der Macht, etwas das man sich in friedlicheren Zeiten leisten konnte. Zweckmäßigkeit war ihre ehrliche kleine Schwester. Die Schritte der beiden Männer hallten über den Boden und durch die langen Gänge. Damar ging einen halben Schritt hinter Lucius.

„Was wissen die Männer überhaupt?“

„Dass die 309. einer unangekündigten Bereitschaftsprüfung unterzogen wird.“

„Das werden die Männer nicht glauben.“

„Natürlich nicht.“

Lucius drückte erst seine Handfläche gegen und dann seinen Code-Zylinder in einen Scanner. Die nächste Sicherheitstür öffnete sich.

„Soldaten glauben ihren Offizieren grundsätzlich nicht, wenn man ihnen sagt, es sei nur eine Übung. Das ist der Sinn dahinter.“

„Aber diesmal haben sie recht.“

„Das macht es amüsanter.“

Damar schnaubte leise. Sie erreichten den Turbolift und Lucius drückte die Taste. Während sie warteten, sah Damar auf die geschlossene Lifttür.

„McKing braucht mehr als drei Stunden.“

„McKing bekommt mehr als drei Stunden.“

Der Lieutenant sah zu ihm.

„Der III. Zug wird nicht geschlossen verlegt.“

„Wie viele?“

„Das entscheidet McKing.“

Die Lifttüren glitten auseinander.

„Er soll mir keine Parade veranstalten. Kleine Gruppen. Wenn notwendig mit ziviler Kleidung. Handelsreisende, technische Inspektoren, Sicherheitsberater, Söldner, Kopfgeldjäger. Mir ist vollkommen gleichgültig, wie er sie nach Cirrus bekommt, solange ihre Namen nicht in irgendeiner Liste direkt nebeneinander auftauchen.“

„Das braucht Vorbereitung.“

Die Türen schlossen sich. Der Lift setzte sich nahezu geräuschlos in Bewegung. Für einen Moment spiegelten sich beide Männer in der dunklen Metallfläche gegenüber. Captain und Lieutenant. Zwei graue Uniformen, zwei Gesichter, die im kalten Licht noch härter wirkten. Lucius betrachtete sein eigenes Spiegelbild. Er sah nicht müde aus. Gut, denn Müdigkeit war eine private Angelegenheit.

„Finn.“

„Sir?“

„Niemand nimmt Abschied.“

Damar wandte sich ihm zu.

„Keine Frau, keine Geliebte, kein alter Freund aus Kindheitstagen. Kein verdammter Barkeeper bekommt heute Abend eine sentimentale Geschichte darüber erzählt, dass vielleicht etwas Großes bevorsteht.“

„Ich sage den Zugführern Bescheid.“

„Nein.“

Damar wartete.

„Sie sagen den Männern, dass für die Dauer der Bereitschaft Kommunikationsbeschränkungen gelten. Reine Routine. Neue Sicherheitsbestimmungen nach den kürzlichen Vorfällen.“

Lucius musste gar nicht mehr sagen. Jeder Imperiale hätte verstanden.

„Und die Offiziere?“

„Wie gesagt.“

Ein leises Signal ertönte und der Lift hielt.

„Wer jetzt noch jemanden kontaktiert, hat entweder während meiner Besprechung nicht zugehört oder hält sich für wichtiger als meine Befehle.“

Die Türen öffneten sich.

„Beides wäre äußerst enttäuschend.“

Nun war es an der Zeit auf jene zu treffen, die den glorreichen Weg für die imperiale Zukunft von Cirrus ebnen würden. Doch vorher hielt der Captain für einen Moment inne.



[Dubrillion - Dubrillions Norden - Villa "Casa Negro" - Militärischer Teil des Anwesens - vor der Bereitschaftshalle - Captain Lucius Black, 1st Lt. Damar, Soldaten der Sierra-Kompanie]​
 
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