Ord Mantell | Imperium | Mittler Rand – Bright Jewel Sektor - Bright Jewel System | Hangar 42 des MIlitärraumhafens | Sedros und Darel sowie zwei Züge Deathrooper unter dem Kommando von Captain Vondar und Lieutenant Arcoum (NSCs)
Darel bekam kaum Gelegenheit, seine Haltung noch einmal zu überprüfen, ehe sein Meister bereits in den Angriff überging und ihn damit zwang, alles, womit er sich während der vergangenen Tage beschäftigt hatte, unmittelbar praktisch anzuwenden.
Der erste Schlag kam hoch und wurde von Darel noch vergleichsweise sauber abgefangen, doch beinahe im selben Augenblick musste er seine Klinge bereits nach unten führen, um den nächsten Angriff zu parieren. Ein Stich in Richtung seines Oberkörpers folgte, noch bevor er seinen Stand vollständig korrigiert hatte, und als Darel versuchte, aus der erfolgreichen Abwehr einen eigenen Gegenangriff entstehen zu lassen, befand sich Sedros' Klinge längst wieder dort, wo sie sein musste, um diesen abzufangen und unmittelbar selbst erneut Druck aufzubauen.
Bereits nach den ersten Bewegungen wurde Darel mal wieder bewusst, wie groß der Unterschied zwischen seinen Übungen während des Fluges und einem tatsächlichen Duell mit seinem Meister war. Im Decimator hatte er einzelne Bewegungen durchgeführt, seine Haltung überprüft und anschließend korrigieren können, wenn ihm irgendein Detail nicht gefallen hatte. Hier blieb für solche Überlegungen keine Zeit. Sein Meister wartete nicht darauf, dass Darel die korrekte Position seines Fußes gefunden, den Winkel seiner Klinge überprüft oder eine Bewegung gedanklich abgeschlossen hatte. Jeder Fehler führte unmittelbar zum nächsten Problem und jede zu lange Überlegung kostete ihn jene Sekundenbruchteile, die Sedros mühelos auszunutzen wusste.
Trotzdem bemerkte Darel schon früh, weshalb ihm Shien während seines Selbststudiums zugesagt hatte.
Die Form fühlte sich noch lange nicht natürlich an und das Fundament des Shii-Cho war in seinen Bewegungen weiterhin deutlich vorhanden, doch die hohe Deckung und die daraus entstehenden Möglichkeiten vermittelten ihm eine gewisse Struktur, an der er sich orientieren konnte. Eine Parade sollte nicht lediglich einen Angriff verhindern, sondern möglichst unmittelbar eine Position schaffen, aus der sich der Gegner selbst unter Druck setzen ließ. Zumindest verstand Darel inzwischen die dahinterliegende Idee.
Sedros praktisch dazu zu bringen, sich von ihm unter Druck setzen zu lassen, stellte sich erwartungsgemäß als erheblich schwieriger heraus.
Mehrfach gelang es Darel, einen Angriff sauber abzufangen und den Schwung seiner eigenen Klinge unmittelbar in eine Gegenbewegung zu überführen, nur um festzustellen, dass sein Meister diesen Übergang bereits erkannt hatte. Sedros blockte, veränderte den Winkel seiner Klinge und zwang ihn beinahe augenblicklich wieder in die Defensive, sodass Darel zunehmend auf seine Beinarbeit achten musste, um nicht allein durch den konstanten Druck aus einer stabilen Position gedrängt zu werden.
Dabei zahlte sich immerhin aus, dass er sich während des Fluges ausführlich mit seiner neuen
Rüstung beschäftigt hatte. Die zusätzlichen Schutzplatten und das Panzergewebe beeinflussten seine Bewegungen noch immer, doch Darel wusste inzwischen, an welchen Stellen er stärker über Hüfte und Beine arbeiten musste, wenn ihm der Oberkörper nicht denselben Bewegungsradius erlaubte wie gewöhnliche Trainingskleidung. Gerade bei schnellen Richtungswechseln musste er seinen gesamten Stand etwas früher anpassen und Bewegungen stärker aus dem Unterkörper einleiten. Es gelang ihm keineswegs immer, doch zumindest musste er nicht gleichzeitig gegen seinen Meister kämpfen und herausfinden, wie weit er in seiner neuen Rüstung überhaupt den Oberkörper drehen konnte.
Eine knappe Korrektur seines Meisters machte ihn schließlich darauf aufmerksam, dass sein linker Ellenbogen während einer Parade abgesackt war und er dadurch Körperspannung verloren hatte.
Darel erkannte den Fehler beinahe im selben Augenblick, wollte seine Haltung korrigieren und war trotzdem bereits zu spät. Eine erstaunlich kleine Bewegung aus Sedros' Handgelenk genügte, um seine Klinge so ungünstig abzulenken, dass sie gefährlich nahe an seinem eigenen Helm vorbeizischte und Darel instinktiv den Kopf zurückziehen musste.
Für einen kurzen Augenblick spannte sich sein Kiefer an.
Er hatte verstanden.
Viel Zeit, sich über den Fehler zu ärgern, bekam er allerdings nicht, denn sein Meister zwang ihn unmittelbar zurück in den Kampf und forderte gleichzeitig ein höheres Tempo von ihm. Darel versuchte mitzuziehen, doch was zunächst noch wie eine Abfolge einzelner Angriffe und Paraden gewirkt hatte, begann zunehmend ineinanderzufließen. Sedros ließ ihm immer weniger Zeit zwischen den Bewegungen, wechselte die Angriffswinkel und zwang seinen Schüler dazu, nicht nur die Klinge, sondern seinen gesamten Körper schneller zu bewegen.
Darel wich zurück, fing einen Schlag ab, verlagerte sein Gewicht auf das hintere Bein und versuchte den daraus entstandenen Winkel für einen eigenen Gegenangriff zu nutzen, der wiederum von seinem Meister abgefangen wurde. Sedros ließ ihn jedoch nicht zur Ruhe kommen und machte ihm wenig später deutlich, dass er noch immer zu langsam reagierte.
Ein Anflug von Ärger schob sich durch Darels Konzentration, richtete sich allerdings weniger gegen seinen Meister als gegen ihn selbst.
Er wusste, dass er schneller reagieren konnte.
Das eigentliche Problem bestand darin, dass er weiterhin versuchte, jede Bewegung zu verstehen, bevor er sie ausführte. Ein Angriff kam, Darel erkannte den Winkel, suchte beinahe automatisch nach der passenden Parade und führte sie anschließend aus. Dieser Vorgang dauerte vermutlich kaum länger als einen Augenblick, doch gegen Sedros war selbst dieser Augenblick bereits zu viel.
Also zwang Darel sich dazu, weniger darüber nachzudenken.
Der nächste Schlag kam von rechts und seine Klinge bewegte sich bereits, bevor er die entsprechende Parade bewusst formuliert hatte. Sedros wechselte die Richtung, Darel verlagerte sein Gewicht und folgte der Bewegung, wobei er diesmal nicht darauf wartete, seinen Stand vollkommen sauber wiederherzustellen, sondern den Schwung unmittelbar in die nächste Abwehr übergehen ließ.
Nicht jede dieser Bewegungen entsprach Shien.
Unter dem zunehmenden Druck schlichen sich immer wieder vertraute Abläufe des Shii-Cho ein, manches stammte vermutlich noch aus seiner früheren Fechterfahrung und einige Reaktionen hätte Darel im Nachhinein wahrscheinlich überhaupt keiner bestimmten Form zuordnen können. Trotzdem hielt er dadurch länger mit seinem Meister Schritt, und je weniger Zeit ihm blieb, über die einzelnen Bewegungen nachzudenken, desto häufiger reagierte sein Körper einfach auf das, was vor ihm geschah.
Dabei bemerkte Darel kaum, wie sich das Duell aus der Perspektive der übrigen Personen im Hangar verändert haben musste.
Für ihn selbst gab es lediglich Sedros, dessen Lichtschwert und die nächste Bewegung, die er irgendwie abfangen musste. Dass sie sich inzwischen mit einer Geschwindigkeit bewegten, die für einen gewöhnlichen Kämpfer kaum noch erreichbar gewesen wäre, nahm er nicht als etwas Besonderes wahr. Seine eigene Messlatte stand schließlich unmittelbar vor ihm und zeigte ihm mit jedem Angriff, wie viel schneller, präziser und kontrollierter ein ausgebildeter Sith noch sein konnte.
Entsprechend verschwanden auch die Death Trooper beinahe vollständig aus seiner Wahrnehmung.
Erst als die Belastung zunehmend ihren Tribut forderte, begann sich seine Aufmerksamkeit wieder stärker auf den eigenen Körper zu richten. Unter der Rüstung hatte sich längst beträchtliche Wärme angestaut, Schweiß lief ihm über die Stirn und seine Atmung ging zunehmend schwerer, während insbesondere Schultern und Unterarme langsam zu brennen begannen. Seine Paraden wurden dadurch nicht schlagartig schlechter, doch kleine Ungenauigkeiten häuften sich. Ein Fuß stand einige Zentimeter zu weit außen, seine Klinge erreichte einen Angriff einen Augenblick zu spät und zwang ihn zu einer hastigeren Ausweichbewegung, während er bei einer weiteren Parade mehr Kraft einsetzen musste, als eigentlich notwendig gewesen wäre.
Als sein linker Ellenbogen schließlich erneut leicht absackte, bemerkte Darel es diesmal selbst.
Allerdings ebenfalls einen Augenblick zu spät.
Kurz darauf beendete sein Meister den Übungskampf.
Darel verharrte noch einen Moment in seiner Haltung, als würde sein Körper weiterhin mit dem nächsten Angriff rechnen, bevor er langsam die Arme senkte und seine eigene Klinge deaktivierte. Seine Atmung war durch das System seines Helms deutlich zu hören, während er zunächst versuchte, wieder einen ruhigeren Rhythmus zu finden und gleichzeitig die vergangenen Minuten gedanklich durchging.
Natürlich beschäftigten ihn zuerst jene Dinge, die nicht funktioniert hatten.
Sein linker Ellenbogen war mehrmals abgesackt, bei einigen Paraden hatte er unnötig viel Kraft eingesetzt und unter zunehmender Erschöpfung war seine Beinarbeit deutlich unsauberer geworden. Ebenso wenig entging ihm, dass er bei höherem Druck immer wieder in Bewegungen des Shii-Cho zurückgefallen war, anstatt konsequent mit Shien zu arbeiten. Andererseits beschäftigte er sich erst seit wenigen Tagen ernsthaft mit dieser Form. Entscheidend war für ihn deshalb weniger, dass Fehler aufgetreten waren, sondern dass er inzwischen wusste, welche Fehler es waren und woran er arbeiten musste.
Erst nachdem diese erste Analyse abgeschlossen war, nahm Darel seine Umgebung wieder bewusster wahr und erinnerte sich daran, dass sie während des gesamten Kampfes keineswegs allein gewesen waren.
Sein Blick wanderte hinter dem Visier über die anwesenden Death Trooper.
Die Elitesoldaten waren weiterhin mit ihren Vorbereitungen beschäftigt oder zumindest bemüht, genau diesen Eindruck zu vermitteln, doch Darel bemerkte durchaus, dass einige Blicke nun etwas länger auf ihm und Sedros ruhten als zuvor. Niemand starrte sie offen an und erst recht schien keiner der Soldaten plötzlich eingeschüchtert zu sein, doch ihre Aufmerksamkeit hatte sich merklich verändert.
Darel wusste nicht recht, was er davon halten sollte.
Vielleicht war es für die meisten von ihnen schlicht das erste Mal gewesen, zwei Machtnutzer tatsächlich mit Lichtschwertern kämpfen zu sehen. Seine eigene Leistung erschien ihm jedenfalls kaum außergewöhnlich. Sedros hatte ihn über weite Strecken unter Druck gesetzt, mehrere technische Fehler beinahe spielerisch offengelegt und hätte in einem tatsächlichen Kampf vermutlich genügend Gelegenheiten gefunden, das Duell endgültig zu entscheiden.
Dass die Death Trooper einen vollkommen anderen Vergleichsmaßstab besaßen als er selbst, kam Darel dabei kaum in den Sinn.
Stattdessen galt seine Aufmerksamkeit schon bald den beiden Telematen, die sein Meister aktivierte und mit Hilfe der Macht in seine Richtung schweben ließ. Die nächste Aufgabe bestand offenbar darin, die Schussabwehr des Shien zu trainieren, wobei Sedros ihn ausdrücklich darauf aufmerksam machte, dass weder die anwesenden Death Trooper noch irgendwelche explosiven Bestandteile des Hangars als Ziel für reflektierte Trainingsschüsse herhalten sollten.
Darel ließ seinen Blick zunächst zu den beiden kleinen Trainingsdroiden wandern und sah sich anschließend deutlich bewusster um.
Zwei Sentinel-Fähren, zahlreiche Kisten mit Ausrüstung, technische Einrichtungen, verschiedene Versorgungssysteme und etwas mehr als fünfzig Death Trooper stellten tatsächlich eine bemerkenswert große Auswahl an Dingen dar, die man besser nicht versehentlich mit einem reflektierten Blasterschuss traf.
„Ich werde versuchen, Euch jeglichen Papierkram zu ersparen, Meister.“
Die Bemerkung kam trocken durch den Stimmverzerrer seines Helms, ehe Darel sein Lichtschwert erneut aktivierte und sich den beiden Telematen zuwandte.
Während Sedros sich einige Meter entfernt auf einer der Kisten niederließ und offenbar tatsächlich seinem Studium widmete, nahm Darel wieder die hohe Deckung von Shien ein. Dieses Mal konzentrierte er sich allerdings nicht ausschließlich darauf, einen ankommenden Schuss überhaupt abzufangen. Die Warnung seines Meisters hatte ihn auf einen Punkt aufmerksam gemacht, den er bei seinen bisherigen theoretischen Übungen nur am Rande bedacht hatte.
Eine erfolgreiche Parade bedeutete wenig, wenn der abgewehrte Schuss anschließend einen Verbündeten traf oder eine Energiezelle zur Explosion brachte.
Der erste Telemaat feuerte und Darel erkannte die Flugbahn früh genug, um seine Klinge in Position zu bringen und den Schuss seitlich gegen einen freien Abschnitt des Hangarbodens abzulenken. Der zweite Angriff folgte kurz darauf und auch diesmal gelang es ihm, den Winkel so zu wählen, dass der Energieimpuls ungefähr dort landete, wo er keinen Schaden verursachen konnte.
Bei den nächsten Schüssen begann Darel bereits damit, die Winkel bewusster zu verändern.
Position des Droiden, Richtung des Schusses, Stellung seiner Klinge und die freie Fläche hinter dem erwarteten Ablenkungswinkel ließen sich miteinander verbinden, und solange die Telematen in einem überschaubaren Rhythmus feuerten, funktionierte diese Herangehensweise sogar ausgesprochen gut.
Darel begann beinahe automatisch, daraus ein System zu machen.
Genau darin lag allerdings das Problem.
Als die beiden Telematen ihr Tempo erhöhten und gleichzeitig ihre Positionen zueinander veränderten, musste Darel plötzlich mehrere Faktoren gleichzeitig berücksichtigen. Er fing einen Schuss ab, korrigierte den Winkel seiner Klinge und versuchte bereits abzuschätzen, wohin der nächste reflektiert werden musste, während der zweite Droide längst feuerte.
Der Energieimpuls traf ihn an der Schulter.
Darel verzog unter seinem Helm das Gesicht, korrigierte seinen Stand und fing den nächsten Schuss wieder ab. Zwei weitere folgten in schneller Abfolge, wobei es ihm beim ersten noch gelang, die Flugbahn sauber umzulenken, während er beim zweiten beinahe zu lange darüber nachdachte, wohin er ihn eigentlich schicken wollte.
Ein weiterer Treffer schlug gegen seine Rüstung.
Diesmal spannte Darel deutlich den Kiefer an.
Das Problem kam ihm unangenehm bekannt vor.
Es war im Grunde genau dasselbe, das Sedros ihm unmittelbar zuvor im Duell aufgezeigt hatte. Darel versuchte eine Situation vollständig zu verstehen, bevor er auf sie reagierte, obwohl die notwendige Reaktion zu diesem Zeitpunkt längst hätte erfolgen müssen.
Er atmete einmal langsam durch und erinnerte sich an die Vorführung seines Meisters auf Bastion.
Die Klingenbarriere hatte nicht daraus bestanden, jeden einzelnen Schuss zu erkennen, seine Flugbahn vollständig zu analysieren und anschließend eine perfekt ausgewählte Parade durchzuführen. Sedros hatte seine Klinge in einem beständigen Bewegungsfluss gehalten und lediglich jene Korrekturen vorgenommen, die notwendig gewesen waren, um auf die tatsächlichen Angriffe zu reagieren.
Darel stellte sich erneut auf und versuchte diesmal, genau diesen Gedanken wenigstens ansatzweise umzusetzen.
Als der nächste Schuss kam, fing er ihn ab, ließ die Klinge danach allerdings nicht in einer festen Position stehen. Stattdessen führte er die Bewegung weiter und brachte sie in einen neuen Bogen, während der zweite Telemaat bereits feuerte. Darel musste den Winkel korrigieren, traf den Schuss aber rechtzeitig und ließ auch daraus unmittelbar die nächste Bewegung entstehen.
Es fühlte sich zunächst ungewohnt an.
Sein Instinkt verlangte beinahe danach, nach jeder erfolgreichen Parade kurz festzustellen, ob sie tatsächlich funktioniert hatte, bevor er sich dem nächsten Angriff widmete. Genau darauf musste er verzichten.
Die Telematen feuerten weiter und Darel versuchte, die einzelnen Angriffe nicht länger als voneinander getrennte Probleme zu betrachten. Seine Klinge blieb in Bewegung, wechselte zwischen verschiedenen Winkeln und wurde nur dort korrigiert, wo die Flugbahn eines Schusses es notwendig machte.
Natürlich funktionierte es noch lange nicht zuverlässig.
Mehr als einmal musste Darel eine Bewegung hastig abbrechen, weil er den Winkel falsch eingeschätzt hatte, und ein weiterer Energieimpuls traf ihn seitlich am Oberkörper, nachdem er sich zu stark auf den anderen Droiden konzentriert hatte. Trotzdem bemerkte er allmählich einen Unterschied.
Je weniger er versuchte, jede einzelne Bewegung vollständig zu planen, desto schneller reagierte er.
Seine Augen verfolgten weiterhin die Telematen und sein Verstand registrierte ihre Positionen, doch zwischen Wahrnehmung und Bewegung begann etwas zu verschwinden, das Darel bisher beinahe immer dazwischengeschaltet hatte.
Die bewusste Entscheidung.
Ob das bereits jene intuitive Nutzung der Macht war, von der sein Meister immer wieder sprach, oder ob sein Körper lediglich begann, einen neuen Bewegungsablauf zu lernen, konnte Darel nicht sagen. Normalerweise hätte ihn genau diese Unsicherheit vermutlich beschäftigt, doch jetzt hatte er weder die Zeit noch das Bedürfnis, die Frage sofort zu beantworten.
Der nächste Schuss kam und seine Klinge war bereits unterwegs.
Nach einiger Zeit begann Darel allerdings auch mit dieser Verbesserung unzufrieden zu werden. Die Telematen schwebten um ihn herum und zwangen ihn zu unterschiedlichen Abwehrwinkeln, doch er selbst stand noch immer viel zu häufig beinahe auf derselben Stelle.
So würde ein tatsächlicher Einsatz nicht aussehen.
Also begann Darel, die Übung selbst schwieriger zu gestalten.
Zunächst waren es lediglich einige Schritte zur Seite, während er die Klinge weiterhin in Bewegung hielt. Danach wechselte er schneller die Richtung, ging während einer Parade tief in die Knie und stieß sich unmittelbar darauf wieder ab, um dem nächsten Schuss aus einem anderen Winkel zu begegnen. Wenig später ließ er einen der Energieimpulse bewusst passieren, statt ihn abzufangen, weil er seinen Körper mit einem schnellen Seitenschritt aus dessen Flugbahn gebracht hatte.
Darel begann sich zunehmend durch den freien Bereich des Hangars zu bewegen.
Er lief einige Schritte, drehte sich, fing den nächsten Schuss ab und zwang sich anschließend zu einem kurzen Sprung zur Seite. Ein anderes Mal ging er so tief hinunter, dass ein Schuss über seinen Helm hinwegzischte, bevor er sich aus der Bewegung wieder aufrichtete und den Angriff des zweiten Telematen mit seiner Klinge zur Seite schlug. Wo genügend Platz vorhanden war, wechselte er zwischen Vorwärts- und Rückwärtsbewegungen, probierte schnelle Richtungswechsel und versuchte sogar, nach einem kurzen kontrollierten Rutschen wieder möglichst schnell eine stabile Haltung einzunehmen.
Nicht alles davon funktionierte.
Mehrfach brachte er sich selbst aus dem Gleichgewicht, einmal traf ihn ein Trainingsschuss beinahe schon peinlich sauber seitlich gegen den Helm und nach einem etwas zu ambitionierten Sprung benötigte er deutlich länger als gewollt, um seine Klinge wieder zwischen sich und den nächsten Energieimpuls zu bringen.
Aber genau deshalb machte er weiter.
Wenn er einen Fehler machen musste, dann lieber hier.
Während seine Bewegungen mit zunehmender Dauer wieder schwerer wurden und die vorherige Belastung des Duells deutlich in seine Muskeln zurückkehrte, beschäftigte Darel zunehmend eine andere Frage.
Wie wurde er tatsächlich schneller?
Mehr körperliches Training würde helfen. Schnellere Beine, bessere Ausdauer, explosivere Bewegungen und tausendfach wiederholte Abläufe ließen sich trainieren, messen und verbessern. Darin kannte er sich aus. Doch mittlerweile konnte er nicht länger ignorieren, dass sein Meister noch etwas anderes von ihm verlangte.
Darel musste lernen, sich selbst weniger im Weg zu stehen.
Und vielleicht betraf das nicht nur seine Gedanken.
Der Ärger über einen Treffer ließ ihn aufmerksamer werden. Der Ehrgeiz, beim nächsten Angriff schneller zu sein, trieb ihn an. Selbst die Frustration darüber, dass eine Bewegung nicht funktionierte, enthielt Energie, solange er sie nicht nutzlos gegen sich selbst richtete. Bisher hatte Darel solche Gefühle meistens möglichst schnell wieder unter Kontrolle gebracht, weil unkontrollierte Emotionen für ihn seit jeher etwas Irrationales und damit wenig Nützliches gewesen waren.
Vielleicht lag genau dort ein Fehler.
Nicht darin, die Kontrolle aufzugeben. Das erschien ihm weiterhin vollkommen unsinnig.
Aber Kontrolle musste nicht bedeuten, alles zu unterdrücken.
Darel fing einen weiteren Schuss ab, spürte den Ärger über den vorherigen Treffer noch immer in sich und ließ ihn diesmal bewusst bestehen. Nicht als blinde Wut und nicht als Einladung, wild auf die beiden Telematen einzuschlagen, sondern als etwas, das er benutzen konnte. Er ließ den Ehrgeiz zu, schneller zu sein. Die Frustration darüber, noch nicht dort zu stehen, wo er stehen wollte. Den beinahe trotzigen Wunsch, seinem Meister und vor allem sich selbst zu beweisen, dass die Grenze, an die er gerade stieß, keine dauerhafte Grenze bleiben würde.
Und so übte Rel weiter, bewegte sich zwischen den Schüssen der Telematen, lief, sprang, duckte sich, wechselte die Richtung und zwang sich immer wieder dazu, auch aus unbequemen Positionen heraus seine Verteidigung aufrechtzuerhalten. Er würde auf ihrer Mission schließlich ebenfalls nicht auf einem freien Hangarboden stehen und darauf warten können, dass seine Gegner einzeln und aus vorhersehbaren Winkeln auf ihn schossen.
Wenn er lernen wollte, unter realen Bedingungen zu kämpfen, dann musste auch sein Training zumindest versuchen, diesen realen Bedingungen näherzukommen.
Und wenn er schneller werden wollte, würde er herausfinden müssen, ob die Antwort darauf wirklich nur in seinen Muskeln lag.
Oder ob ein Teil davon schon längst in ihm vorhanden war und Darel lediglich lernen musste, ihn kontrolliert von der Leine zu lassen.
Während er einem Schuss mit einer kurzen Seitwärtsbewegung auswich und den nächsten abfing, wanderte sein Blick lediglich für einen Augenblick über die Uniform des Neuankömmlings. Die Rangabzeichen erkannte er schnell genug. Schon lange bevor Bastion und der Sith-Orden sein Leben vollständig verändert hatten, hatte Darel zumindest die grundlegenden Rangstrukturen des imperialen Militärs gekannt. Seine Eltern hatten einen gewissen Faible für die Streitkräfte des Imperiums besessen und insbesondere bei offiziellen Veranstaltungen darauf Wert gelegt, dass ihre Söhne wussten, mit wem sie es zu tun hatten und wie diese Personen entsprechend anzusprechen waren.
Rear Admiral.
Eine Position, die zweifellos Aufmerksamkeit verdiente.
Nur hatte der Mann weder ihn angesprochen noch irgendein Zeichen gegeben, das Training einzustellen, und Sedros saß weiterhin auf seiner Kiste.
Damit war die Sache für Darel vorerst erledigt.
Der nächste Schuss kam und seine Klinge war bereits unterwegs.
Er bewegte sich weiter zwischen den beiden Telematen, versuchte diesmal einen Angriff nicht nur zur Seite abzulenken, sondern gleichzeitig seinen eigenen Körper in eine günstigere Position für den zweiten Droiden zu bringen, und konzentrierte sich erneut vollkommen auf die Übung. Ein hoher militärischer Rang mochte Respekt verdienen, war für Darel aber noch lange kein Grund, einen unmittelbaren Auftrag seines Meisters eigenmächtig abzubrechen.
Erst wenig später veränderte sich die Situation deutlich.
Ein weiterer hochrangiger Offizier betrat den Hangar, begleitet von zwei Sturmtrupplern, und beinahe gleichzeitig erschienen drei weitere Gestalten, deren Auftreten selbst zwischen den zahlreichen schwarzen Rüstungen der Death Trooper kaum zu übersehen war.
Sith.
Darel bemerkte ihre Anwesenheit sogar einen Augenblick, bevor er ihnen seine volle Aufmerksamkeit schenkte.
Es war kein klarer Gedanke und erst recht nichts, was er präzise hätte beschreiben können. Vielmehr schien sich jenes unterschwellige Gefühl zu verändern, das er inzwischen aus der Umgebung seines Meisters und von seiner Zeit im Tempel auf Bastion kannte. Eine eigentümliche Schwere lag plötzlich deutlicher in seiner Wahrnehmung, unangenehm und gleichzeitig auf eine schwer erklärbare Weise beinahe vertraut.
Auf einen Wink von Sedros beendete Darel schließlich das Training.
Mehrere hochrangige Offiziere, zusätzliche Sith und die bereits zuvor versammelten militärischen Befehlshaber waren kaum zufällig gleichzeitig im selben Hangar zusammengekommen. Die Einsatzbesprechung, auf die sie gewartet hatten, würde offensichtlich in kürze beginnen.
Darel fing noch einen letzten Schuss ab, deaktivierte anschließend seine Klinge und ließ die beiden Telematen hinter sich zurück, damit Sedros sich um deren Abschaltung kümmern konnte. Seine Atmung ging durch die vorangegangene Belastung noch immer etwas schneller, weshalb er auf dem kurzen Weg zu seinem Meister bewusst versuchte, sie wieder unter Kontrolle zu bringen.
Rel würde schließlich nicht keuchend neben Darth Naver stehen, wenn sie gleich gemeinsam vor den Befehlshabern dieser Operation auftraten.
Er nahm seinen Platz leicht versetzt neben seinem Meister ein und schwieg.
Als der Rear Admiral schließlich die Aufmerksamkeit der Anwesenden einforderte, richtete Darel seinen Blick auf ihn und hörte schweigend zu.
Zum ersten Mal erhielt er nun genauere Informationen darüber, wie eng das Zeitfenster ihrer bevorstehenden Operation tatsächlich bemessen war. Nach der Landung würden Darth Naver und die übrigen Sith etwa neunzig Minuten besitzen, um ihre jeweiligen Aufgaben auf Agriworld-2079 zu erfüllen. Danach würden die Transporter die Oberfläche verlassen.
Mit ihnen oder ohne sie.
Darel nahm diese Information ohne sichtbare Reaktion auf, prägte sie sich allerdings umso sorgfältiger ein.
Neunzig Minuten.
Das war keine Empfehlung und offenbar ebenso wenig ein Zeitplan, bei dem eine Verzögerung von einigen Minuten anschließend mit einem verärgerten Vorgesetzten endete. Wenn der Rear Admiral meinte, was er sagte, würde die Flotte nach Ablauf dieses Zeitfensters mit dem nächsten Teil der Operation beginnen, unabhängig davon, ob sich noch Sith oder imperiale Soldaten auf der Oberfläche befanden.
Spätestens als der Offizier anschließend mit bemerkenswerter Kälte ankündigte, dass diese Welt brennen würde, bestand daran für Darel kaum noch Zweifel.
Er verspürte bei diesen Worten keine plötzliche moralische Entrüstung. Agriworld-2079 gehörte zur Republik, das Imperium befand sich im Krieg und was mit dieser Welt nach ihrem Abflug geschah, lag weder in seiner Verantwortung noch in seiner Entscheidungsgewalt. Darel fand unnötige Gewalt zwar primitiv und unnötig aber er konnte daran nichts ändern und entsprechend erschien es ihm sinnlos, Energie darauf zu verschwenden, sich unmittelbar darüber aufzuregen.
Eine andere Erkenntnis ließ sich daraus jedoch sehr wohl ableiten.
Sie durften nicht zu spät sein.
Als der Rear Admiral seine Ansprache schließlich mit einem Aufruf an das Imperium und die Imperatorin beendete, blieb Darel ruhig an der Seite seines Meisters stehen.
Sein Körper war vom Training noch immer aufgeheizt, einzelne Muskeln machten sich inzwischen unangenehm bemerkbar und irgendwo unter all der Konzentration spürte er erneut jene Nervosität, die ihn bereits am Vorabend begleitet hatte.
Also wartete Rel schweigend auf die nächsten Anweisungen Darth Navers und war bereit, ihm zu folgen.
[Mittler Rand – Bright Jewel Sektor - Bright Jewel System - Ord Mantell - Worlport - Garnison - Hangar] Rear Admiral Darius Korran und weitere NSC-Kommandeure des Verbandes (NSC), Captain Vondar (NPC), Major Grandor (NSC), Sergeant Tri Tunsa, Darth Naver, Darel Cor, Darth Angelus, Commodore Scytale Mentel