Tagespolitik allgemein

Cem Özdemir hat eine furiose Aufholjagd hingelegt. Er ist im Land seit Jahrzehnten bekannt und viele verbinden ihn mit der grünen Regierungszeit in Baden-Württemberg. Im Wahlkampf ist es ihm gelungen, fast wie ein Amtsinhaber zu wirken, obwohl er gar keiner ist. Er präsentierte sich sehr bewusst als natürlicher Nachfolger von Winfried Kretschmann.

Dabei half ihm das politische Erbe Kretschmanns. Dieser hat den Grünen im Südwesten ein Image gegeben, das deutlich pragmatischer ist als das der Bundespartei. Wirtschaftsnähe, Realpolitik und ein entspannter Umgang mit der Industrie gehören dazu. Genau an diesen Stil knüpft Özdemir an.

Gleichzeitig zeigt er immer wieder Distanz zur Berliner Parteipolitik. Bei Themen wie Klimapolitik, Migration oder dem Verbrenner klang er oft nüchterner als manche Parteifreunde im Bund. Sein Satz, Baden-Württemberg sei die „CSU der Grünen“, bringt diese Eigenständigkeit ziemlich gut auf den Punkt.

Auch strategisch hat er einiges richtig gemacht. Statt sich stark auf Bundesfiguren zu stützen, stellt er seine eigene Rolle in den Mittelpunkt. Unterstützung bekam von Realpolitikern wie Winfried Kretschmann oder Joschka Fischer.

Bemerkenswert ist auch die Einbindung von Boris Palmer. Der Tübinger Oberbürgermeister ist nicht mehr Mitglied der Grünen, im Land aber sehr populär. Dass Özdemir ihn trotzdem eingebunden hat, signalisierte Pragmatismus und sprach damit wohl auch bürgerliche Wähler an.

Der Wahlkampf hat gezeigt, wie wichtig die Persönlichkeit eines Kandidaten sein kann. Programme spielen eine Rolle. Aber für viele Wähler entscheidet am Ende mittlerweile auch in Deutschland, ob jemand glaubwürdig wirkt und ob man ihm zutraut, ein Land zu führen. Genau diesen Eindruck hat Cem Özdemir offenbar bei vielen hinterlassen.
 
Würde mich nicht wundern, wenn die Grünen das Ding einsacken. Manuel Hagel reiht sich nämlich dicht hinter Armin Laschet ein: Wer während des Wahlkampfes, und vor allem auf der Zielgeraden, so desaströs kommuniziert, muss sich dann nicht wundern.
 
Krass bei der Hochrechnung ist, wie unterschiedlich Frauen und Männer gewählt haben.

Frauen
34% Grün
29% CDU
15% AfD
6% SPD
5% Linke
4% FDP

Männer
29% Grün
31% CDU
21% AfD
5% SPD und FDP
4,4 % Linke

Dabei sind Männer in BW leicht in der Unterzahl.
 
Wie wird sowas erfasst? Die Wahl ist doch geheim.
Da werden Männer und Frauen nach ihrer Wahl gefragt und dann wird hochgerechnet.
Kann man denn Umfragen immer trauen und als "in Stein gemeißelt" sehen?
Nicht immer.
Man muss sich schon darauf verlassen können das der Befragte auch die Wahrheit sagt. Tun das viele der Befragten nicht stimmt die Erhebung nicht.
Auch gibt es natürlich auch Möglichkeiten zur Manipulation durch gezielte Fragestellungen.
 
SPD hat sich das redlich verdient. Wer im Bund wort- und tatenlos zusieht, wie der Koalitionspartner tagaus tagein Malocher als faul bezeichnet und an jeder Ecke Arbeitnehmerrechte beschneiden will, muss sich nun wirklich nicht wundern.
 
Jens Spahn schadet der CDU ja auch nicht. Wer die heute noch wählt, dem ist das alles mindestens egal. Gerade darum wär's ja wichtig, wenn die SPD dazu ein glaubhaftes Gegengewicht wäre.
 
SPD hat sich das redlich verdient. Wer im Bund wort- und tatenlos zusieht, wie der Koalitionspartner tagaus tagein Malocher als faul bezeichnet und an jeder Ecke Arbeitnehmerrechte beschneiden will, muss sich nun wirklich nicht wundern.
Es ist glaube ich bereits die fünfte Landtagswahl bei der die SPD Einstellig bleibt. Und dieses Mal kurz vorm Rauswurf.
Was denkst Du, wird es jetzt ein Umdenken bei der SPD geben ?
 
Seit Tagen streikt man im ÖPNV.

Wo ist da die SPD und was hat die dazu zu sagen?

Genau, nichts. Im Jahr 2026 ist man komplett verlassen, wenn man als Streikender Solidarität von der SPD erwartet. Noch deutlicher geht es eigentlich überhaupt gar nicht mehr.

Die Autobranche kriselt massiv und die SPD hat keine Antworten.

Und auf Bundesebene geriert man sich derartig rückgratlos, dass man sich wundert, wieso die nicht alle schon in die CDU eingetreten sind... :crazy
 
In Baden-Württemberg haben nach Umfragen nur 7 % der Arbeiter die SPD gewählt, aber 30 % die AfD.

Ja, der schwäbische Automobilarbeiter muss gerade richtig darben. Da kann man vo lauter Unzufriedenheit darüber, dass man statt 10.000 nur 5.000 Euro Weihnachtsprämie bekommt, und man deswegen vielleicht einen seiner 5 Urlaube streichen muss, aus Protest Faschisten wählen.. :zuck:

Özdemir hat massiv davon profitiert, dass es vielen Wählern aus derm progressiven Lager wohl eher darum ging, Hagel zu verhindern, und deswegen viele Wähler der Linken und der SPD zu den Grünen abgewandert sind. Özdemir und sein Team hat zudem einen sehr guten Wahlkampf gemacht, und eine Aufholjagd hingelegt, die ihm wohl keiner zugetraut hat. Der Schwachsinnige Vorwurf der CDU, die Grünen würden in der Endphase des Wahlkampfs eine Schmutzkampagne fahren. Hagel hat einfach verkackt, und nachdem ein älteres Video von ihm aufgetaucht war, bei der er in sehr ungeschickter Weise über eine minderjährige Schülerin gesprochen hat nochmal "nachgelegt" und kurz vor der Wahl einen weiteren bizzarren Auftritt an einer Schule hingelegt, bei der er eine zuerst eine Lehrein in herablassender Weise abkanzelt und unterbricht, um dann ziemlichen Quatsch über den Klimawandel zu erzählen. Wo da eine "Schmutzkampagne" war weiß wohl nur Jens Spahn, zumal Özdemir sich beharrlich geweigert hat, Hagels Fehltritt auf Nachfrage von Journaliste im Wahlkampf zu instrumentalisieren. Vielleich war Spanh aber auch gerade zu sehr mit seiner eigenen Schmutzkampagne rund das angeblich "Habecksche Heizgesetz" beschäftigt, und deren populistisch aufgeblasene Abschaffung beschäftigt, und hat den Wald vor lauter Schmutzkampagnen nicht mehr gesehen.

C.
 
Was denkst Du, wird es jetzt ein Umdenken bei der SPD geben ?

Weiß ich nicht. Nicht mit dem aktuellen Personal. Klingbeil und Bas sind bis in alle Ewigkeit für Partei- und Ministerämter verbrannt. Vor anderthalb Legislaturperioden hat die SPD noch mit der Abschaffung von Hartz IV Wahlkampf gemacht und in dieser hilft sie der Union dabei, den Ärmsten der Gesellschaft das bisschen Würde wieder wegzunehmen.
 
Seit Tagen streikt man im ÖPNV.

Wo ist da die SPD und was hat die dazu zu sagen?

Genau, nichts. Im Jahr 2026 ist man komplett verlassen, wenn man als Streikender Solidarität von der SPD erwartet. Noch deutlicher geht es eigentlich überhaupt gar nicht mehr.

Die Autobranche kriselt massiv und die SPD hat keine Antworten.

Und auf Bundesebene geriert man sich derartig rückgratlos, dass man sich wundert, wieso die nicht alle schon in die CDU eingetreten sind... :crazy

Es war auch ausgerechnet ein Sozialdemokrat, der auf Arbeitgeberseite in den TV-L-Verhandlungen dieses aus Sicht vieler Beschäftigter äußerst arbeitnehmerunfreundliche Ergebnis mitverhandelt hat. :braue

Vielleicht war es auch ein Stück weit naiv von mir zu hoffen, dass die deutsche Sozialdemokratie, gerade unter Olaf Scholz und in der Zeit der Ampelkoalition, die Kurve bekommt und einige der Fehler der vergangenen Jahre nachhaltig korrigiert. Ob die SPD sich besinnt oder langfristig den bedeutungslosen Weg der FDP geht, bleibt dann wohl abzuwarten.

Eine nächste wichtige Bewährungsprobe und die Möglichkeit sich neu zu erfinden für die SPD werden die kommenden Landtagswahlen in MV und RLP sein. Dort stellt die SPD immerhin durchgehend seit 1999 beziehungsweise seit 1991 den Ministerpräsidenten. Aktuell deutet jedoch einiges darauf hin, dass es zumindest deutliche Verluste geben könnte, im schlechtesten Fall sogar einen Machtwechsel.

Noch besorgniserregender erscheint allerdings die mögliche Regierungsbildung in MV: Eine Beteiligung der AfD ließe sich dort möglicherweise nur durch ein Bündnis aus SPD, CDU und Linke verhindern.. In Sachsen-Anhalt könnte die Lage sogar noch schwieriger werden: Dort wird man vermutlich bereits Glück haben müssen, überhaupt eine Regierung ohne Beteiligung der AfD bilden zu können..
 
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