Truuine

[ Innerer Rand | Quarzite Sektor | Quarzite | Alter Raumhafen | an Bord der Lambda-Fähre „Sternenschweif“ ] Kanto Garison
Vorgeschichte hier

Kurz darauf wurde eine übermannshohe Kiste in den Laderaum der „Sternenschweif“ gebracht. Ein älterer Kage in schlichten Gewändern überwachte aufmerksam die Raumhafenarbeiter, die den Hubwagen bedienten. Kanto, der gerade aus seinem privaten Abteil der Fähre kam, trat an den Künstler heran und begrüßte ihn förmlich.

„Sie müssen Zarek Nyr sein. Korin Vesh hat mir bereits von Ihnen erzählt. Ich bin sehr erfreut, dass wir einen so renommierten Künstler für die Gala gewinnen konnten. Wir werden zweieinhalb Tage nach Truuine unterwegs sein. Falls Sie also irgendetwas benötigen, können Sie sich gerne an Frau Nival wenden."

Jetzt, wo alle an Bord waren, begab sich Kanto ins Cockpit und wohnte dem Abflug vom Raumhafen bei. Beim Anblick der grauen Wirbel von Quarzites Atmosphäre, von der sie sich nun immer schneller entfernten, spürte der Kuati, wie ein prickelndes Gefühl der Vorfreude ihn aufstieg. Vorfreude nicht nur auf die Gala, auf intellektuelle Gespräche und eine stilvolle Party. Sondern auch, die Erleichterung, für einige Tage diesem finsteren, steinigen Planeten zu entkommen, der immer nur neue Aufgaben und Schwierigkeiten für ihn bereithielt. Klar, er hatte sich die letzten Monate mit seiner Verantwortung abgefunden und manche Dinge machten sogar Spaß. Vor allem seine eher privaten Projekte, wie zum Beispiel die Vermarktung der „Quarzite Essenz“, von der er ein paar Kisten mit an Bord hatte, um sie auf der Gala unter die Leute zu bringen. Auch der Fortschritt der wirtschaftlichen Projekte waren manchmal befriedigend, aber doch viel zu oft von lästigen Verzögerungen oder gar Sabotage geprägt. Und nun diesen grauen Ball voller Sorgen und Pflichten durch die Transparistahl-Scheiben der „Sternenschweif“ immer kleiner werden zu sehen, ließ sein Herz leichter werden, wo er gar nicht gespürt hatte, was die letzten Wochen auf ihm gelastet hatte.

Ein breites Lächeln stahl sich auf sein Gesicht. Zeit also, etwas Spaß zu haben! Aber ganz so weit war es noch nicht. Er würde die Reise nicht nur nutzen, um seine Schlafreserven aufzufüllen, sondern auch um an seinem privaten Projekt mit der Logistik-Flotte zu arbeiten. Auf der Gala würde auch Gouverneur Theranos Zesh anwesend sein und es würde sich sicher Gelegenheit bieten, ihm von seinen Plänen für dieses gemeinsame Investment zu überzeugen…




~ Zweieinhalb Standardtage später ~​



Die Reisetage auf der „Sternenstaub“ vergingen ereignislos. Kanto hatte genügend Zeit, sich in das Logistik-Projekt einzuarbeiten, gemütlich auszuschlafen und ein zwei Holos zu schauen. Leider waren die übrigen Mitreisenden für Unterhaltung nicht besonders geeignet. Außer ein paar Partien Dejarik mit Mellis Nival gelang es ihm nicht, irgendjemanden zu einem geselligen Zeitvertreib zu verleiten.

Wahrscheinlich lag es daran, dass er Gouverneur und alle anderen an Bord seine Untergebenen waren. Wobei der Kage, Zarek Nyr, so ungesprächig wie seine Kristallskulpturen war und auch Thalia Sassameer, die Ingenieurin von Kuat, hatte offensichtlich keine Lust, sich mehr als nötig mit ihm zu unterhalten.

Kanto seufzte, als er sich von seinem Schreibtisch erhob. Das war wohl das Los, an der Spitze zu stehen. Zumindest an der Spitze des Planeten Quarzite. Aber schon sehr bald würde er sich unter Seinesgleichen mischen können. Er schob den Datenchip mit Unterlagen in die Innentasche seiner Gouverneursuniform und begab sich ins Cockpit, um den Anflug auf Truuine zu beobachten.

Der Planet war eine azurblaue Kugel dekoriert mit weißen Wolkenwirbeln und glitzerndem Eis. In jedem Fall ein schönerer Anblick, als das Grau-in-Grau von Quarzites stürmischer Atmosphäre. Er wusste, dass die interessanten Orte Truuines, allen voran die Hauptstadt Moraband, auf die sie nun Kurs nahmen, sich auf kleinen Inseln befanden, die vom Weltraum aus kaum zu sehen waren. Winzig und weit hinter dem Planeten im All hängend, glitzerte ein Mond. Das musste der Eismond Kyyne sein, auf dem ausgediente Großschiffe ausgeschlachtet wurden. Ein Teil des dort recycelten Phrik wurde im Weltraumaufzug auf Quarzite verbaut. Und über ihnen, viel näher und dadurch größer als Truuine wirkend, prangte der zweite Mond unheilvoll und schlammigrot über ihnen. Naar.

Hinter ihm kündigte das Zischen des Schotts eine weiter Person an, die ins Cockpit trat. Ein unauffälliger Seitenblick offenbarte Thalia Sassameer, die sich wohl auch den Anflug ansehen wollte. Auch sie betrachtete still den Mond Naar, als die „Sternenstaub“ unter ihm vorbei flog.

Kanto drehte den Kopf leicht in ihre Richtung, ohne den Blick von der krankhaft gemusterten Oberfläche des Mondes zu nehmen.
„Das muss der Salzmond Naar sein. Ihr neuer Einsatzort. Sieht spannend aus.“

Die Ingenieurin warf ihm einen „Was Sie nicht sagen“-Blick zu und schwieg. Kanto runzelte missmutig seine Stirn. Das Verhalten dieser Frau war manchmal so abweisend, dass er versucht war, sie disziplinieren zu lassen. Es entstand ein unangenehmes Schweigen, nur durchbrochen von der leisen Kommunikation zwischen den Piloten. Schließlich schien sie sich doch zu einer Antwort durchzuringen.

„Wie Sie sicher wissen, bin ich auf dem Ring aufgewachsen. Meine Ansprüche an natürliche Schönheit sind dementsprechend gering. Naar ist mit Sicherheit nicht der hässlichste Himmelskörper, den ich je gesehen habe.“

Kanto verzog ob des unverhohlenen Sarkasmus unmerklich das Gesicht. Mit „Ring“ war der orbitale Werftkomplex um Kuat gemeint. Nur Familien der Oberschicht Kuats residierten auf der Planetenoberfläche selbst, während der Großteil der Bevölkerung auf dem Ring lebte. Kuati der Mittel- und Unterschicht wie Sassameer war es zwar erlaubt, die Oberfläche zu besuchen und auch die berauschende Schönheit der Natur zu genießen, aber sie konnten sich dort keine Wohnung oder gar Häuser kaufen.
Kanto unterdrücke ein Seufzen. Offensichtlich trug sie ihm ihre Versetzung nach Truuine weiterhin nach. Naja, nicht sein Problem.

Wenige Minuten später befanden sie sich im Landeanflug. Moraband lag in einer breiten Kerbe zwischen zwei vergletscherten Berggipfeln, die eine Insel im Meer bildeten. Man konnte noch nicht von einer großen Stadt sprechen, aber die Pläne von Gouverneur Solaris waren zu erahnen. Ein großer Bereich des Tals und der Bergflanken bis zum Meer hinab hob sich nicht nur durch die vielen Baustellen ab, sondern auch durch das unpassende Grün von Vegetation. Kanto wusste, dass Atmosphäregeneratoren für ein angenehmes Klima in der Stadt sorgten und Pflanzenwachstum überhaupt erst möglich machten.

Beim Anflug auf den Raumhafen erhielten sie eine aufgezeichnete Begrüßungsnachricht von Gouverneur Solaris. Er entschuldigte sich, derzeit noch nicht für einen persönlichen Empfang zu Verfügung zu stehen, hieß sie herzlich auf Truuine und zur Gala willkommen und übermittelte die Details zu ihrer Unterbringung. Kanto war etwas enttäuscht, mit einer Holonachricht abgespeist zu werden. Aber natürlich waren sie bei weitem nicht die wichtigsten Gäste und der Gouverneur hatte sicher gerade alle Hände voll zu tun.

Auf dem Landefeld wurden sie von einem hochrangigen Beamten begrüßt, dessen Namen Kanto sich nicht merken konnte. Er begleitete sie zu einem kleinen, nagelneuen Luxushotel, das so aussah, als wäre es gerade rechtzeitig zur Gala fertig geworden. Es war am Rande des Regierungsviertels und unmittelbar neben dem Landefeld gelegen, von wo aus die Shuttles zu den Gletscherhöhlen der Gala abflogen. Für alle quarziter Gäste war hier ein Flügel reserviert und Kantos Suite ließ tatsächlich nichts zu wünschen übrig. Also begab er sich in Begleitung seiner Kammerdienerin und des Kage Künstlers noch einmal zur „Sternenstaub“ um die Skulptur zu den Kristallhöhlen zu bringen und dort zu installieren. Er wollte die Gelegenheit nutzen, sich vorab einen Überblick über die Lokalität zu verschaffen und vielleicht schon das ein oder andere Gespräch zu führen. Und natürlich wollte er sein privates Interesse daran zeigen, dass die quarziter Kunst auch angemessen präsentiert wurde.



[Innerer Rand | Manaan-Sektor | Truuine-System | Moraband ] Kanto Garison, NSCs Zarek Nyr und Mellis Nival
 
[ Innerer Rand | Manaan-Sektor | Truuine | Moraband | Hangar ] - Aren Vayliuar, Theranos Zesh, Dr. T'rsop, Kal Andrim, Ridley Solaris

Die Männer, die nun mit ihm das Schiff verließen, hatte Aren über die Dauer ihrer Reise bedeutend besser kennenlernen können. Gerade mit den beiden, von ihm frisch beförderten, Verwaltern des Prefsbelt-Sektors hatte er einige Stunden gemeinsam in Gesprächen über die Zukunft des Sektors verbracht und er war ganz guter Dinge. Der Doktor hatte auf ihn zwar anfangs noch etwas ... unnahbar gewirkt, doch war dieses Gefühl mehr und mehr einer gewissen Achtung vor seinem Intelekt gewichen. Und den Eindruck, welchen Aren schon auf Prefsbelt IV sich von Zesh hatte machen können, war nun noch weiter vertieft worden. Auch mit dem Piloten Andrim hatte Aren ein wenig sprechen können. Hatte er zuerst gedacht, es handele sich einfach um einen normalen Angehörigen der Streitkräfte, war Aren dann doch schnell etwas besseren belehrt worden. Für den Mann, welchen er so gastfreundlich in seiner Yacht mitgenommen hatte, waren solche Raumschiffe wohl das Normalste in der Galaxis, bedachte man seine Hintergrundgeschichte. Es war durchaus erfrischend mit einem Menschen zu sprechen, der aus einer ähnlichen sozialen Schicht stammte, damit aber auch ähnlich zurückhaltend umging wie man selbst.

Doch nun befand er sich auf Truuine. Er war in seine Uniform gekleidet, Adriana trug ein weißes, mit meerblauem Stoff durchwobenes Kleid und hatte sich bei ihm eingehakt. Er verband mit diesem Ort viele gute Erinnerungen. Als er das letzte Mal hierher gereist war, hatte alles seinen Anfang genommen, die Intrige, welche ihn letztendlich in die Stellung befördert hatte, welche er nun einnahm. Und so verwunderte es kaum, dass sich ein großes Lächeln auf seinem Gesicht abzeichnete, als er allen voran auf den Gouverneur des Planeten zusteuerte, der umgeben von Sicherheitskräften und einigen hochrangigen Beamten bereits auf sie wartete.


,,Gouverneur Solaris! Es ist mir eine Freude, Sie wieder zutreffen. Es ist viel geschehen, seit dem ich das letzte Mal die Freude hatte, auf Truuine zu verweilen. Ich darf ihnen wohl zu einer Beförderung außerhalb unserer wohlgeschätzten Verwaltungsstrukturen gratulieren."

Wissentlich zwinkerte Aren ihrem Gastgeber zu. Es war ihm nicht entgangen, dass eine der Personen, mit denen er sowohl über seine Firma als auch über die Verwaltung eng verknüpft war, auch Karriere im für viele so mysteriösen Orden der Sith gemacht hatte. Mehr und mehr begann er in diesem so ominösen Feld Kenntnisse zu gewinnen und Fuß zu fassen. Die Zusammenarbeit mit Darth Syphar und Darth Morvax bei der Erstürmung des House of Reign hatte sein Misstrauen wohl etwas gesenkt.

"Darf ich Ihnen meine Verlobte vorstellen? Lady Adriana Figg. Adriana, mein äußerst geschätzter Geschäftspartner Ridley Solaris."

Es folgte eine Vorstellung der anderen Gäste, bevor sie sich auf den Weg ins Praxeum machten, welches Aren noch von seinem letzten Besuch gut in Erinnerung geblieben war. Dort fand Solaris einige Willkommensworte für sie, hatte aber - sehr zu Arens Enttäuschung - nicht viel mehr Zeit für sie. Gleichzeitig konnte er es aber auch viel zu gut verstehen. Eine solche Gala würde mit Sicherheit seine Kapazitäten fordern und Aren kam gleichzeitig auch nicht darum herum, an die Dinge zu denken, welche sich in letzter Zeit auf Truuine generell abspielten. Eine Legatin übernahm die weitere Führung durch das Praxeum und brachte sie schließlich auf ihre Zimmer, wo er und Adriana wieder unter sich sein konnten.

,,Du glaubst gar nicht wie sehr ich mich auf die Gala freue. Weißt du, Aren, Bel Zihirio hatten wir auch bereits einmal nach Gerrethum, oder besser gesagt auf unseren Mond eingeladen. Er ist wirklich ein außergewöhnliches Talent."

Aren lächelte ihr zu. Die große Begeisterung an der künstlerischen Seite der Veranstaltung konnte er mit Adriana wohl nicht teilen, aber er war durchaus dafür bereit, sich von möglichen neuen politischen Kontakten umgarnen zu lassen.

[ Innerer Rand | Manaan-Sektor | Truuine | Moraband | Praxeum] - Aren Vayliuar
 
[ Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Truuine / Südpolarkreis / in einem Kanonenboot auf dem Weg zum nächsten Einsatz ] Vorn, sowie (NPCs) Cestus Varro und Soldaten des Skybridge Bataillons


Erst jetzt fiel Cestus wieder ein, woher er den ungewöhnlich großen Akolythen tatsächlich kannte. Während seines ersten Aufenthalts auf Truuine war er ihm im Rahmen eines kurzen Treffens begegnet, das Gouverneur Solaris arrangiert hatte. Damals jedoch hatte seine Aufmerksamkeit fast ausschließlich dem Gouverneur, den neuen Einsatzbefehlen und der ungewohnten politischen Lage gegolten. Dass ausgerechnet dieser zwei Meter große Hüne dabei im Gedächtnis untergegangen war, ärgerte ihn ein wenig.

„Ihr habt recht, ich erinnere mich. Da wo die Rüstungen vorgestellt wurden und ich und der Gouverneur sich das erste mal getroffen hatten.“

Ein kurzes Schmunzeln huschte über sein Gesicht nach dem Lob den Hühnen.

„Danke, das Skybridge Bataillon ist das erste Bataillon der Blauen Legion die auf Prefsbelt IV aufgestellt wurde. Hier dienen überwiegend Veteranen, ehemalige Söldner sowie Freiwillige mit Kampferfahrung, denen der gewöhnliche Garnisons- und Patrouillendienst auf Dauer zu eintönig wurde und die bewusst eine Einheit suchten, in der Ausbildung, Übungen und Einsätze zum Alltag gehören. “ sagte Cestus mit etwas Stolz in seiner Stimme.

Dem Hühnen dürfte die Feldration offensichtlich schmecken. „Sie haben noch genügend Zeit und von der Kaltverpflegung haben wir noch mehr als genug“.

Nach dem Vorschlag des Hühnen musste er belustigt schnaufen. Dieser Vorn dürfte doch ein einfacheres Gemüt haben, als er angenommen hatte.

„Ein fairer Deal“, erwiderte Cestus und klopfte mit der gepanzerten Hand gegen seinen Blaster. „Rüben wegzuschießen ist unsere Spezialität.“

Für einen kurzen Moment wurde seine Miene wieder ernst.

„Allerdings dürfte es dieses Mal etwas persönlicher werden. Vor uns liegt ein ausgebauter Bunkerkomplex mit einem vorgelagerten Grabennetz. Sobald wir dort hinein müssen, wird der Kampf überwiegend auf mittlere und kurze Distanz geführt werden. Dort zählt jeder Meter.“


Während das Kanonenboot ruhig seinen Kurs hielt, gab Cestus dem Akolythen einen knappen Überblick über den bevorstehenden Einsatz.

„Mir wurde der Auftrag übertragen, den Bunker einzunehmen“, erklärte Cestus ruhig.
„Drei Bataillone der Planetaren Sicherheitskräfte wurden angewiesen, meine Operation nach Kräften zu unterstützen. Offiziell unterstehen sie mir allerdings nicht. Sie verfügen über ihre eigenen Kommandostrukturen und Bataillonskommandeure. Ich habe deshalb keine unmittelbare Weisungsbefugnis ihnen gegenüber.“

Für einen Augenblick ließ er den Blick durch den Raum schweifen.

„Ich hoffe auf ihre Zusammenarbeit und darauf, dass wir uns schnell auf einen gemeinsamen Plan verständigen. Nach jetzigem Stand werde ich mit Skybridge vermutlich das Zentrum übernehmen, während die beiden leichten Infanteriebataillone links und rechts vorgehen. Das Milizbataillon wird voraussichtlich als bewegliche Reserve eingesetzt werden und dort unterstützen, wo zusätzlicher Druck oder Verstärkung benötigt wird. Festgelegt ist das allerdings noch nicht.“

Cestus nickte leicht.

„Kurz bevor wir unser Zielgebiet erreichen, setze ich mich mit den drei Bataillonskommandeuren zusammen. Dann gleichen wir die aktuelle Lage mit unseren Aufklärungsdaten ab, legen die endgültigen Angriffsachsen fest und entscheiden gemeinsam über das weitere Vorgehen. Erst dann steht der endgültige Einsatzplan.“


Während die Formation unbeirrt Kurs auf ihr Ziel hielt, hatten sich die vier Bataillonskommandeure erstmals über einen gemeinsamen Gefechtskanal zusammengeschaltet, um die bevorstehende Operation bis in die letzten Einzelheiten abzustimmen.

Major Cestus Varro würde den Vorstoß mit dem Skybridge-Bataillon der Blauen Legion anführen, mit den unterstützenden Kräften der Planetaren Sicherheitskräfte zu seinen Flanken. Diese wurden durch Major Rhor'kesh, Kommandeur des 2. Leichten Infanteriebataillons der 2. Brigade und Angehöriger der Spezies der Karkarodon, Major Orvek Nesh, einen Quarren und Kommandeur des 3. Leichten Infanteriebataillons derselben Brigade, sowie den betagten Mon Calamari Major Thol'vak, Kommandeur des 1. Milizbataillons der 3. Brigade, vertreten. Persönlich kannten sie einander nicht. Jeder von ihnen hatte vor dem Abflug lediglich die Personalakten der übrigen Offiziere erhalten und sich anhand ihrer bisherigen Laufbahnen ein erstes Bild machen können. Das Gespräch während des Anflugs bildete somit ihre erste tatsächliche Zusammenarbeit.

Die Besprechung verlief sachlich und professionell. Nachdem die aktuellen Luftaufnahmen, die vorgesehenen Landezonen und die bekannten Verteidigungsanlagen der Rebellen gemeinsam ausgewertet worden waren, einigten sich die vier Offiziere auf ein abgestimmtes Vorgehen. Das Skybridge-Bataillon würde den Schwerpunkt des späteren Angriffs im Zentrum übernehmen, während Rhor'kesh und Orvek Nesh mit ihren leichten Infanteriebataillonen die beiden Flanken sicherten und den Feind gleichzeitig an mehreren Abschnitten unter Druck setzten. Thol'vaks Milizbataillon sollte zunächst den Aufbau der Feuerbasis unterstützen, Nachschub und Reserven koordinieren sowie jene Bereiche verstärken, in denen sich der Widerstand als besonders hartnäckig erwies.

Ebenso bestand Einigkeit darüber, den Angriff nicht überstürzt zu beginnen. Die erste Landungswelle würde zunächst die Landezonen sichern, Schützenlöcher und Deckungen anlegen, Mörser- und E-Web-Stellungen errichten sowie den Sanitäts- und Versorgungspunkt aufbauen. Gleichzeitig sollten Aufklärungstrupps die feindlichen Gräben beobachten, Schwachstellen aufklären und den Gegner mit gezieltem Feuer unter Druck setzen. Währenddessen würden die LAAT/i-Kanonenboote unmittelbar nach dem Absetzen der ersten Kompanien zum Brückenkopf zurückkehren, um weitere Soldaten, Munition und Ausrüstung heranzuführen. Erst mit dem Eintreffen der nächsten Welle sollte der eigentliche Angriff beginnen – vorbereitet, koordiniert und von einer bereits aufgebauten Feuerbasis aus geführt. Keiner der vier Bataillonskommandeure hatte Einwände gegen dieses Vorgehen. Für erfahrene Offiziere genügten wenige Minuten, um aus vier eigenständigen Verbänden eine gemeinsame Gefechtsgruppe zu formen.



Nach dem Gespräch verging beinahe eine weitere Stunde, in der die Formation weiterflog, ohne dass etwas die Konzentration der Soldaten nennenswert unterbrach. In der Zeit informierte Cestus seine Offiziere und Vorn über die Pläne. Cestus beabsichtigte, gemeinsam mit seinen erfahrensten Legionären unmittelbar hinter Vorn vorzurücken und mit ihm die Speerspitze des späteren Angriffs zu bilden.

Die restliche Zeit überprüften die meisten ein letztes Mal ihre Ausrüstung, wechselten leise einige Worte mit ihren Kameraden oder studierten die auf ihren Datenpads gespeicherten Karten des Einsatzgebietes. Außerhalb der kleinen Sichtfenster zogen endlose Schneefelder und schroffe Eisformationen vorbei, deren Konturen durch den feinen, unablässig fallenden Pulverschnee zunehmend verschwammen.

Schließlich knackte das Comlink von Cestus.

„Major Varro. Noch zehn Minuten bis zum Einsatzgebiet. Der Hügel ist voraus bereits schwach auszumachen.“ sagte ihm der Pilot

Cestus hob die Hand an sein Com.

„Verstanden. Schott auf der linken Seite etwas öffnen.“

„Jawohl, Sir.“

Mit einem dumpfen Surren glitt die Seitentür des Kanonenbootes etwas zur Seite. Sofort drang eisige Luft in den Mannschaftsraum und wirbelte feinen Schnee hinein. Cestus trat an die Öffnung, umfasste mit der rechten Hand die Haltestange neben dem Schott, zog mit der linken sein Makrofernglas aus der Halterung am Gürtel und lehnte sich aus dem Kanonenboot.


Cestus führte das Gerät an die Augen während ihm Schnee ins Gesicht peitschte und ließ den Blick über das vor ihnen liegende Gelände schweifen.

Zunächst zeigte das Makrofernglas lediglich eine von Schnee überzogene Hügellandschaft, deren sanfte Erhebungen und vereiste Senken beinahe nahtlos ineinander übergingen. Mit einer kurzen Bewegung schaltete er auf den Wärmefilter um. Augenblicklich erschienen vereinzelte helle Signaturen zwischen den kalten Eisflächen. Weitere Eingaben wechselten zur elektromagnetischen Darstellung, auf der deutlich mehrere Energiequellen aufleuchteten. Vermutlich Generatoren, Kommunikationsanlagen oder Geschützstellungen. Schließlich blendete das Gerät die zuletzt aufgenommenen Luftaufnahmen halbtransparent über das aktuelle Bild. Trotz des Schneefalls stimmten die wichtigsten Geländemerkmale nahezu vollständig mit den Aufklärungsdaten überein.

Der Bunker lag dort, wo ihn die Aufklärung gemeldet hatte. Mehrere Schützengräben verliefen um den eisüberzogenen Hügel und verbanden kleinere Feuerstellungen miteinander. Vor den Gräben erstreckte sich eine breite, leicht ansteigende Schneefläche, die einen blinden frontal Angriff teuer machen würde. Gleichzeitig boten mehrere natürliche Eisrücken und Geländefalten um die Feindlichen Stellung ausreichend Deckung, um dort eine Feuerbasis aufzubauen.

Cestus deaktivierte das Makrofernglas, trat wieder in das Innere des Kanonenboots zurück. Das Schott schloss sich darauf erneut und schirmte die Soldaten augenblicklich wieder gegen Wind und Kälte ab.


Er öffnete nun einen gemeinsamen Funkkanal zu den anderen Bataillonskommandeuren der Planetaren Sicherheitskräfte.

„Hier Major Varro. Ich bestätige die Aufklärungsdaten. Die ursprünglichen Landezonen bleiben bestehen. Setzen Sie Ihre Bataillone auf den markierten Koordinaten auf. Die dortigen Eisrücken bieten ausreichend natürliche Deckung für den Aufbau von kleinen Einsatzbasen. Nach dem Aufsetzen zunächst Sicherungsring errichten. Kein überhasteter Vormarsch. Wir koordinieren den Angriff wie besprochen gemeinsam.“

Nacheinander bestätigten die Offiziere die Aussage von Cestus.


Danach wechselte er anschließend auf den Bataillonskanal und überreichte auch Vorn einen Comlink.

„Skybridge Bataillon, aufmerksam!“ begann er mit fester und autoritärer Stimme.

Innerhalb weniger Sekunden verstummten selbst die letzten Gespräche in seinem Kanonenboot.

„Noch zehn Minuten bis zum Aufsetzen. Helme aufsetzen, Ausrüstung und Magazine überprüfen. Jeder kontrolliert seinen Nebenmann. Sobald wir landen, kehren sämtliche Kanonenboote unverzüglich zum Brückenkopf zurück. Sie bringen Nachschub, und weitere Verstärkung, doch bis dahin kämpfen wir ausschließlich mit dem, was wir bei uns tragen, vergessen Sie das nicht.“

Er ließ den Blick ruhig durch den Raum wandern.

„Bleiben Sie bei Ihren Kameraden und vertrauen Sie Ihren Offizieren. Disziplin entscheidet und Kampfeswille heute mehr als Geschwindigkeit.“

Mehrere bestätigende Meldungen erklangen über das Komnetz.
Nach einer kurzen Pause fügte er hinzu.

„Übrigens haben wir heute eine wichtige Unterstützung an unsere Seite“ er blickte zu Vorn, während er weitersprach. Er würde sich den Sith zum heben der Moral zu Nutze machen.

„Einer der Sith-Krieger der sich schon auf der Eiswand durch die Reihen der Feinde geschnitten hat, erweist uns die Ehre den Angriff zu begleiten und mit uns gemeinsam die Rebellen zu zerschlagen .“

Den nächsten Satz sagte er mit voller Inbrunst. „Zeigen wir erneut Truuine was die Blaue Legion leisten kann und vernichten wir unseren Feind!“

Mehrere motivierte Zusprüche von anderen Offizieren und Unteroffizieren war durchs Com zu vernehmen, während ein motivierter Hochruf durch den Raum des Kanonenboots ging und sich die Soldaten währenddessen Vorn zuwandten und ihre Blaster und Vibroschwerter erhoben. Offensichtlich erfreut einen Sith auf ihrer Seite zu wissen.


Nach ein paar Minuten begann langsam die Formation aus den LAAT/i an Höhe zu verlieren.

Mit jedem zurückgelegten Kilometer gewann der schneebedeckte Hügel weiter an Kontur. Die ersten Schützengräben zeichneten sich nun deutlich gegen die weiße Landschaft ab. Vereinzelte Blasterstellungen waren bereits mit bloßem Auge zu erkennen.

Dann durchschnitt plötzlich ein grellroter Blasterbolzen den Schneefall. Er verfehlte das führende Kanonenboot deutlich und verschwand weit hinter der Formation.

Einen Augenblick blieb es ruhig. Dann folgte der zweiter und dritter Schuss, der das Kanonenboot traf und ein dumpfes Geräusch auslöste.

„Sie haben uns entdeckt“, sagte einer der Soldaten ruhig.

Cestus nickte kaum merklich und musste leicht grinsen, während er eine Augenbraue anhob.

„Was Sie nicht sagen Soldat…sicher das es keine kleinen Eisporgs sind?” das brachte ihm von seine umstehenden Kameraden ein paar lacher ein.


Kurz darauf begann ein immer dichter werdender Beschuss aus roten und grünen Blasterbolzen, der von mehreren Rebellenstellungen aufstieg.

Die immer mehr Einschläge prallten gegen die Deflektorschilde der Kanonenboote und ließen bläuliche Energieblitze über die Rümpfe laufen. Während die LAAT/i weiter absanken, nahm das Feuer der Rebellen stetig zu. Immer mehr Geschützstellungen eröffneten das Feuer und tauchten den Himmel in ein unregelmäßiges Netz aus Blasterbolzen.

Schließlich flogen die Transporter die letzten Meter, nur knapp über den Boden hinweg, um kleinere Ziele abzugeben.

Danach setzten die Transporter nahezu gleichzeitig hinter den vereinbarten Eisrücken und natürlichen Deckungen auf. Cestus prüfte kurz die Anzeigen seines HUD und schlug mit der Faust einmal gegen die Brustplatte und sagte laut in seinen Com.


„Skybridge! Absitzen! Los! Los! Los! “

Noch während sich die Seitenschotten öffneten und eisiger Wind in den Innenraum fegte, sprangen die ersten Legionäre bereits in den Schnee. Cestus blickte zu Vorn, und beschloss zumindest auf den Dienstgrad während des zu verzichten „Herr Meri mit mir!“


Rings um die Landezone schlugen danke der Deckung nur vereinzelte Blasterschüsse ein und rissen Fontänen aus Eis und Pulverschnee in die Höhe, während die LAAT/i unmittelbar nach dem Ausladen wieder Schub gaben, um den Gefahrenbereich zu verlassen.

Sofort gab Cestus Befehle durchs Com.
„Alle Mann hinter den Eisrücken! Pioniere zur Feuerbasis Alpha! Mörser sofort in Stellung! E-Webs auf die Geländekante! Munition verteilen! Funkstelle aufbauen! Verwundetensammelpunkt markieren! Sanitätsplatz hinter der zweiten Geländefalte aufbauen! “

Bereits wenige Augenblicke später liefen die ersten Pioniere mit tragbaren Schneefräsen, Feldwerkzeugen und Sprenggeräten an die vorgesehenen Positionen. Andere begannen unmittelbar damit, Deckungen in den vereisten Boden zu treiben und aus Eisblöcken sowie Schnee erste Brustwehren zu errichten. Hinter ihnen wurden die Mörser aufgebaut, Munitionskisten geöffnet und schwere Waffen auf die feindlichen Gräben ausgerichtet.

„Aufklärungstrupps vorwärts und feindliche Feuerstellungen, Sensoren und Annäherungswege melden. Der Angriff beginnt, sobald die Feuerbasis vollständig einsatzbereit ist. An alle anderen nehmen Sie die Feindlichen Stellungen unter beschuss aber achten Sie auf Ihre Munition!“

Während die ersten Spähtrupps zwischen den vereisten Geländefalten verschwanden und über ihren Köpfen unaufhörlich Blasterbolzen durch den Schneefall schnitten, begann das Skybridge-Bataillon damit, den gefrorenen Boden zu seinem eigenen Schlachtfeld zu machen. Hier würden sie bleiben, bis die Mörser bereit waren, eine Rauchwand den Hügel verschlang und der eigentliche Angriff auf die Verteidigungslinie der Rebellen begann.


[ Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Truuine / Südpolarkreis / vor den Gräben von Bunkerhügel T/02 ] Vorn, (NPCs) Major Cestus Varro, Soldaten des Skybridge Bataillons sowie Truppen den Planetaren Sicherheitskräfte
 
[Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Orbit rund um Truuine / Mesh'lane ] - mit Moff Aren Vayliuar, Sektor-Adjutant Theranos Zesh, Gouverneur Dr. T'rsop, Captain Kal Andrim

Da standen sie nun. Alle Personen ihrer Reisegesellschaft herausgeputzt und zum Vorzeigen bereit. Halb hinterfragte T'rsop im Stillen erneut, ob es die beste Grundlage für Zusammenarbeit, Verwaltung und Politik war, sich in ein Korsett aus Etikette und sozialen Regeln zu zwängen - wäre es nicht einfacher und schneller, wenn man sich direkt ehrlich begegnete. So wie man war und ohne Kraft darauf zu verschwenden, sich zu sehr anzupassen?
Dann glitt sein Blick zu
Theranos und der Gouverneur von Prefsbelt IV fragte sich, ob es vielleicht doch Personen gab, die wirklich so waren und nicht nur die Etikette bespielten...

"Irrelevant", wies er sich selbst zurecht, während er sich wieder vollends auf sein Datapad konzentrierte, während er die leisen Vibrationen und Veränderungen des nun beginnenden Landeanflugs bemerkte. Es wischte die unwichtigen - oder zur Zeit unwichtigen - Nachrichten beiseite und beantwortete in formloser Kürze solche Nachrichten, die er für wichtig und dringend hielt.
So gab er sein Okay dafür, dass der Ausschuss von Experten zum Ausbau des Tunnelnetzes bei Red One schonmal ohne ihn tagen und ihm später erste Notizen und Ideen und Anmerkungen zukommen lassen sollte. Ebenso berief er in diesen Ausschuss noch den
Legaten Zahyn Lydien für Verkehr und Infrastruktur sowie Legat Marcon Felth für die Finanzierung nach.
Des Weiteren beauftragte er seinen Kumpel
Gregor Bayl damit, einen Dokumentarfilm mit Aufarbeitungsaspekten zur Herrschaft, Korruption und Ende Robert Kerns zu beginnen, der Kerns Politik als das entlarven sollte, was sie war: giftige und langsame Zersetzung der ganzen Zukunft von Prefsbelt IV. Gleichzeitig sollte dieser Film die Grundannahme implizieren und stärken, dass Red One und seine Verwaltungsstruktur nicht grundsätzlich böse und mit Kern verbündet gewesen war.

Während er die letzten Anweisungen und Nachrichten mit der einen Hand verschickte und sich mit der anderen Hand noch schnell ein Bonbon in den Mund steckte, setzte die Yacht von
Moff Aren sachte auf. T'rsop verstaute sein Datapad und nahm würdevolle Haltung an - während gleichzeitig beim Blick auf seine Gefährten der sarkastisch-zynische Humor des Gelehrten sich meldete, indem er anfragte, was wohl mit dem Prefsbelt-Sektor passieren würde, wenn jetzt das Schiff explodieren und drei der wichtigsten Politiker sowie ein gut vernetzter und sehr erfolgreicher TIE-Pilotencaptain mit einem Augenschlag Geschichte wären. Das wäre ein Chaos, von dem sich das System vermutlich erst in zwei-drei Generationen erholen würde.
Natürlich passierte nichts dergleichen, aber
T'rsop konnte sich ein Schmunzeln und seine Faszination bei diesem Gedankenspiel nicht ganz verkneifen. Bis sich die Tür zur Rampe öffnete und er wieder perfekte neutrale Höflichkeit und Offenheit ausstrahlte.

Bis er eine Sekunde später von dem kalten Wind Truuines begrüßt wurde, leicht zusammenzuckte. "Scheiße kalt ist das hier", dachte er überrascht und schob seine Hände in die je gegenüberliegenden Ärmel seines Gewandes. Klar, hatte er sich rudimentär über Truuine und das dortige Wetter informiert - aber mit Kälte hatte er seit jeher seine Schwierigkeiten und er hatte die Temperaturunterschiede einfach unterschätzt.
Der Moment ging - anders als die Kälte - vorüber und
T'rsop war wieder das Ebenbild eines stoischen Imperialen Gouverneurs. Und schritt langsam mit den anderen die Rampe hinunter zu ihrem Begrüßungskomitee, in dessen Zentrum sich Gouverneur Ridley Solaris befand.
Für den Pau'aner war dieser Arkanier noch ein unbeschriebenes Blatt. Er kannte sein Aussehen und seinen Rang - hatte auf den Flug hierhin aber andere Prioritäten gesetzt. Und nun war es Zeit für den so berühmten ersten Eindruck.

Der Gouverneur von Prefsbelt IV schüttelte dem Gouverneur von Truuine die Hand mit festem Druck. Als
T'rsop bemerkte, dass in den Augen und unterbewussten Untergrundhaltungen von Ridley keine antispezistische Ablehnung vorhanden war, ließ er sein offenes Lächeln zu einem warmen Lächeln aus Ehrlichkeit werden.

"Willkommen auf Truuine, Gouverneur Dr. T'rsop. Und meine Glückwünsche für Ihre Beförderung", begrüßte Ridley ihn. Sie schüttelten noch einen kleinen Moment länger die Hände und der Pau'aner erwiderte den Gruß: "Mich freut es, hier und Teil der Gala der Kristallen Klänge sein zu dürfen. Und ich hoffe, wir finden im Laufe der Tage noch etwas kostbare Zeit, dass ich mit di... Ihnen ins Gespräch kommen kann."
Damit war der für den Gelehrten erfreulich kurze Teil der Begrüßung genüge getan und der andere Gouverneur wandt sich den restlichen zu begrüßenden Wesen zu.

Kurz darauf ging es in das Praxeum. Welches den Architekten in
T'rsop faszinierte in seiner Art und Weise, wie das Natürliche und das Klima von Truuine mit eingewoben waren. Er war für solche natürliche Inkorporationen oder aber auch für eine brutalistische Durchmischung von Natur und Zivilisation zu begeistern - und freute sich daher über die hiesige Architektur mehr als über die für ihn langweilige und wenig aussagende Prefanische Klassik in vielen Teilen seiner Heimatwelt.
Dann blieb er an einem besonderen Kunstwerk hängen. War es aus Eis? Oder aus einem besonderen synthetischen Material? Jedenfalls brachen sich die Farben herrlich in ihm und es umgab eine Aura des Mysteriösen und dadurch der Gefahr. So musste Kunst sein;
T'rsop hätte sich dieses Kunstwerk gerne lange in Ruhe angeschaut. Wurde aber von seinem Pflichtgefühl daran erinnert, dass er ja leider nicht privat, sondern als Gouverneur von Prefsbelt IV hier war.
Und so holte er wieder zur Hauptgruppe auf und ließ sich dann sein Zimmer zeigen, verabschiedete sich als erstes - genug Socializing und Etikette für den Beginn des Tages, wie er fand.

In seinem großen und prachtvollen Zimmer schmiss sich der Pau'aner direkt auf sein Bett, zog seine Schuhe aus, kramte sein Datapad hervor und arbeitete noch etwas, während er nebenbei versuchte, etwas mehr über das Kunstwerk und dessen Art, das er gesehen und bewundert hatte, herauszufinden.
Vielleicht würde sich doch eine Viertel- oder halbe Stunde in den kommenden Tagen finden, in denen er sich einfach an schöner Kunst ergötzen könnten.


[Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine / Moraband / Praxeum / Gästezimmer für T'rsop] - mit Gouverneur Dr. T'rsop
 
[ Innerer Rand | Manaan-Sektor | Truuine | Moraband | Strand ] Thalia Sassameer


Es war ein seltsames Gefühl, mit ihren Stiefeln in dem schwarzen Sand zu laufen. Am besten ging es dort, wo sich der Untergrund mit dem schaumigen Meerwasser vollgesogen hatte, das in kleinen Wellen an den Strand spülte. Aber diese Zone war schmal und man konnte sich ein Spiel daraus machen, den idealen Pfad zu finden, ohne von den Wellen erwischt zu werden.

Thalia dachte an ihre Aussage gegenüber Gouverneur Garison, kurz bevor sie hier gelandet waren. Von wegen dass ihre Ansprüche an natürliche Schönheit gering waren, weil sie ja auf einer riesigen Raumstation aufgewachsen war. Und das stimmte vielleicht auch. Aber sie war nicht immun gegen die Schönheit von Natur.

Und die Natur um Moraband war genau das, in hohem Maße. Schön. Der schwarze Sandstrand floss in einem weichen Bogen von der Stadt und den Bergflanken zum Meer herab. Das eiskalte Wasser hatte die Farbe von blau angelaufenem Stahl und kleine, weiße Schaumhäubchen krönten die sanften Wellen. Hinter ihr erhoben sich majestätisch die eisbedeckten Gipfel der beiden Vulkane, die diese Insel bildeten. Für die Kuati war es das erste Mal in ihrem Leben, dass sie echten Schnee sah. Zwar nur aus der Ferne, aber sie konnte es gar nicht erwarten, außerhalb des Atmosphäre-Schildes zu kommen, der in Moraband für temperiertes Klima sorgte.

Der Strand war fast vollkommen leer. Thalia nahm an, dass das daran lag, dass das Wasser zum Baden viel zu kalt war. Der Atmosphäre-Schild senkte sich, kaum sichtbar, nur wenige Meter hinter der Wasserlinie ins Meer und war offensichtlich nicht dafür ausgelegt, auch das Wasser zu erwärmen. Wäre aus Sicht der Energieeffizienz auch völlig absurd. Sie war also ganz für sich allein – der Gesellschaftszustand, der ihr am liebsten war. Sie hatte absolut keine Lust auf diese unnütze Gala. Sogar noch weniger, wie darauf, sich hier in ein neues Team für das Projekt auf dem Salzmond Naar einzufinden. Sie seufzte.

Vielleicht würde sie während der Arbeit immer mal wieder Zeit finden, hierher zu kommen und die Natur um Moraband zu erkunden. Und ein bisschen für sich zu sein.

Sie warf einen Blick auf das Chrono ihres kleinen Datenwürfels, den sie in ihrer Hosentasche trug. Eine Stunde noch, bis zum Meeting mit dem Legaten für Wirtschaft, Pol Drakkar. Dem Imperator sei Dank – äh, der Imperatrix… ohje, daran würde sie sich so schnell nicht gewöhnen. Immerhin waren alle Herrscher des Imperiums seit ihrer Geburt männlich gewesen. Naja, jedenfalls, es war gut, dass das Meeting nicht irgendwie im Rahmen der Gala stattfand. Je länger Thalia sich von diesem Event fernhalten konnte, desto besser. Aber spätestens heute Abend würde sie im Gefolge des Gouverneurs da hin müssen, alles andere würde Garison zu arg vor den Kopf stoßen. Und in Schale würde sie sich auch noch werfen müssen. Die Kammerdienerin des Gouverneurs hatte während der Reise schon ein Abendkleid für sie vorgeschlagen und Thalia hatte zugestimmt, ohne es eines genaueren Blickes zu würdigen. Es half ja eh nichts. Irgendwie würde sie das schon überstehen. Sie würde bei dem allgemeinen Theater mitmachen und sich zurückziehen, so früh es der Anstand erlaubte.

Sie wanderte weiter am Strand entlang und einen Schwarm fliegender Reptilien, die sich immer wieder waghalsig ins Wasser stürzten, anscheinend um Fische zu fangen. Ihr fiel ein, dass sie ihren Eltern ein Holo schicken sollte. Am besten gleich hier am Strand. Dann war es erledigt.

~~~

Eine knappe Stunde später kam die Orbitalingenieurin am sogenannten Praxeum vorbei, das wohl Gouverneurssitz und Ausbildungsort des Sithordens in einem war. Sie hoffte nur, sie würde hier keinem dieser religiösen Spinner über den Weg laufen. Das Gebäude stand mit seinen verspielten Dachformen im starken Kontrast zum benachbarten Regierungspalast, der ihr Ziel war. Dieser war ein gewaltiger, schwarzer Koloss mit klaren, minimalistischen Formen. Typisch imperial, wie Tahlia fand. Könnte so auf jedem x-beliebigen Planeten stehen. Aber gut, sie war nicht hier, um das Stadtbild zu bewerten.

Sie betrat den Bau und meldete sich an. Die effiziente Architektur schien auf die Mitarbeiter hier abzufärben. Jedenfalls wurde sie ohne Umschweife in einen kleinen Besprechungsraum geführt, wo ein blauhäutiger Pantoraner mittleren Alters bereits auf sie wartete. Er erhob sich bei ihrem Eintreten.

„Frau Sassameer, willkommen auf Truuine. Ich hoffe, die Reise war angenehm.“

Thalia setzte ein Lächeln auf und zwang sich zum erwarteten Smalltalk.

„Ja. Und selbst wenn nicht, der beeindruckende Anblick beim Anflug auf Moraband wäre genug Entschädigung gewesen.“ Sie setzte sich gleich und holte demonstrativ ihr Datapad heraus, damit der Legat schneller zur Sache kam. Pol Drakkar interpretierte die Geste richtig und aktivierte den Holoprojektor.

„Also gut. Wie Sie sicher bereits den Ihnen zur Verfügung gestellten Unterlagen entnehmen konnten, sind die Verhältnisse auf Naar nicht einfach. Ich denke, wir sollten aber zuerst die Anforderungen, die wir an den Weltraumaufzug haben, durchgehen, und uns danach damit beschäftigen, wie wir diese unter den gegebenen Bedingungen erreichen können.“

Sehr gut. Der Mann war zum Arbeiten hier und nicht zum Plaudern…


[ Innerer Rand | Manaan-Sektor | Truuine | Moraband | Regierungspalast ] Thalia Sassameer, Legat für Wirtschaft Pol Drakkar (NSC)
 
| Truuine | Abyston | Raumhafen | Landeplattform |
Lilivienne Évarielle d'Oridin und Begleitung sowie Delegation der Planetenverwaltung von Truuine

Lily raffte das rote Cape an ihrer Schulter etwas zurecht, bevor sie die Rampe ihrer persönlichen Lambda-Fähre herunterschritt. Von der erhobenen Landeplattform des Raumhafens hatte sie einen wunderbaren Blick auf die Bucht von Abyston.

Empfangen wurde sie von einer Delegation der Planetenverwaltung. Gouverneur Solaris war nicht darunter. Man hatte ihnen schon bei Systemeintritt mitgeteilt, dass er kurzfristig verhindert wäre und sich entschuldigen ließ. Die Fondorianerin war also nicht überrascht. Während die Corellianische Korvette, welche die Eskorte für Lily gebildet hatte, über ihre Köpfe hinwegrauschte um einen Orbit um den Planeten einzunehmen, wurden die ersten Hände geschüttelt und Namen der Delegationsmitglieder ausgetauscht. Die Gouverneurin sah kurzzeitig der Korvette nach. Da zuletzt offenbar ein Gefangenentransporter auf dem Weg nach Truuine, in Folge einer Meuterei der Insassen, und unter Mithilfe mindestens zweier Jedi, abhanden kam und man sich hier nicht unweit von Rebellengebiet befand, hatte Bastions Systemverteidigung ihr eine umfangreiche Eskorte aus eigenen Beständen zur Verfügung gestellt. Natürlich hätte sie auch direkt an Bord eines Kriegsschiffes reisen können, doch sie bestand auf die Annehmlichkeiten, welche die umgebauten Luxus-Kabinen ihrer Lambda-Fähre bereit hielten.

Derweil im Vordergrund das diplomatische Protokoll abgearbeitet wurde, schaffte ein Team um Professor Nemdar die Box mit dem Kunstprojekt von Bord. Anschließend ging es schnell, was Lilivienne begrüßte. Die Delegationen verteilten sich auf mehrere Shuttles und traten zügig den Weg in Richtung Planetenhauptstadt Moraband an.

Schon auf dem Flug erkannte Lily, wie anders Truuine im Gegensatz zu Bastion war. Der Großteil der Planetenoberfläche schien aus Ozean zu bestehen. In der Hauptstadt angekommen verfestigte sich der Eindruck dann nur noch. Die Luft hier roch fast unnatürlich frisch. Alles um sie herum war einladend und breit angelegt, zudem üppig bepflanzt. Die meisten der sichtbaren Gebäude mussten neu sein. Unwillkürlich stellte die Gouverneurin fest, dass ihr Gegenpart auf diesem Planeten in kurzer Zeit Beeindruckendes geschaffen hatte. Und dabei hatte Lily gerade einmal die ersten Schritte auf dem Planeten gemacht.
Wie verabredet konnte die Bastioner Delegation in der Gouverneursresidenz unterkommen. Zunächst hatte die Neu-Gouverneurin insistieren wollen, für eine eigene Unterkunft zu sorgen, in der Befürchtung, die Anwesenheit all dieser Gäste könnte für die kleine Verwaltung von Truuine eine unwillkommene Belastung darstellen, doch das großflächige, mehrstöckige Gebäude, welches offenbar Praxeum genannt wurde, beseitigte Lilys Gedanken umgehend. Platz stellte hier wohl kein Problem dar.


“Ist alles zu Ihrer Zufriedenheit, Madame?”, fragte ihre Majordomus Alizée, umringt von zwei Zofen, als die Gouverneurin ihr Gästezimmer bezogen und sich mit den Annehmlichkeiten vertraut gemacht hatte.

“Ich hätte gerne ein heißes Bad. Anschließend sollten wir noch einmal die Garderoben-Optionen für die Gala durchgehen.”

Ohne Umschweife wurden die entsprechenden Vorbereitungen getroffen.

“Der Professor hat seine Unterkunft erreicht?”

Der Wissenschaftler hielt es aus einem geheimniskrämerischen Grund besser, das Kunstobjekt vor der Ausstellung nicht in dieser Residenz aufzubewahren. Das könnte den Effekt verwässern, behauptete er. Ihr blieb nichts anderes, als ihm zu vertrauen.

“Oui, Madame”, bestätigte Alizée.

Lilivienne nickte zufrieden. Als sie die Ausstattung des Bads sah, ließ sie ein belustigtes Schnaufen ertönen.


“Ich lebe auf Bastion offensichtlich viel zu bescheiden.”

| Truuine | Moraband | Praxeum | Lilys Gästezimmer |

Lilivienne Évarielle d'Oridin, Majordomus Alizée Marre sowie zwei Zofen
 
[Innerer Rand | Manaan-Sektor | Truuine-System | Moraband | Praxeum ] - Theranos Zesh


Noch einige Augenblicke verharrte Theranos regungslos vor dem Fenster. Unter ihm setzte sich Moraband unaufhörlich in Bewegung. Immer neue Raumfähren glitten über die Dächer der Hauptstadt hinweg, Gleiter reihten sich in geordneten Bahnen in den dichten Verkehr ein, während in der Ferne immer wieder die Positionslichter weiterer Schiffe am Himmel erschienen. Mit jeder Stunde trafen neue Gäste auf Truuine ein, Künstler, Unternehmer, Wissenschaftler, Politiker und Vertreter unzähliger Institutionen, die in den kommenden Tagen den unterschiedlichsten Bereichen des gesellschaftlichen Lebens begegnen würden. Für viele begann mit ihrer Ankunft eine kurze Auszeit vom Alltag. Für andere eröffneten sich neue geschäftliche Möglichkeiten oder wissenschaftliche Kooperationen. Wieder andere würden schlicht die außergewöhnliche Atmosphäre der Gala genießen.

Auch für ihn würden die nächsten Tage zweifellos zahlreiche Begegnungen bereithalten.

Schließlich löste sich Theranos vom Fenster, trat zurück an den kleinen Schreibtisch seines Gästezimmers und nahm sein Datapad erneut zur Hand. Obwohl die Anreise offiziell abgeschlossen war und bis zum eigentlichen Beginn der Gala am folgenden Morgen keine verpflichtenden Programmpunkte mehr auf ihn warteten, fiel es ihm schwer, die Gedanken an seine neuen Aufgaben vollständig auszublenden. Zu vieles hatte sich in den vergangenen Wochen verändert, als dass er diese unerwartete Ruhe ausschließlich zum Nichtstun hätte nutzen können.

Sein erster Blick galt dabei jedoch nicht den Unterlagen seines Ressorts.
Fast beiläufig öffnete er den verschlüsselten Kommunikationskanal von Imperialis Sensus. Bereits mehrere neue Nachrichten warteten darauf, gelesen zu werden. Das kleine Team vor Ort informierte ihn darüber, dass sämtliche Lieferungen planmäßig eingetroffen waren, der Ausstellungsstand vollständig aufgebaut worden war und auch die verschiedenen Bars, an denen die Weine während der Gala ausgeschenkt werden sollten, inzwischen beliefert worden waren. Den kurzen Berichten lagen mehrere aktuelle Holobilder bei.

Schweigend ließ Theranos die Aufnahmen vor sich erscheinen.

Zwischen den zahlreichen Ausstellungsflächen wirkte Imperialis Sensus beinahe zurückhaltend. Genau diesen Eindruck hatte er von Anfang an erreichen wollen. Dunkle Holzelemente, dezente Beleuchtung und eine klare, elegante Linienführung verliehen dem Stand eine ruhige Wertigkeit, ohne mit den benachbarten Präsentationen um Aufmerksamkeit zu konkurrieren. Nicht Größe sollte die Besucher anziehen, sondern Atmosphäre. Nicht Lautstärke, sondern Qualität.

Ein kaum merkliches Lächeln legte sich auf sein Gesicht.
Bislang war Imperialis Sensus kaum mehr gewesen als ein persönliches Projekt, das er Schritt für Schritt neben seinen politischen Verpflichtungen aufgebaut hatte. Nun würde die Marke erstmals einem Publikum begegnen, das aus erfahrenen Winzern, Unternehmern, Feinschmeckern und Kulturschaffenden aus den unterschiedlichsten Teilen des Imperiums bestand. Allein dieser Gedanke erfüllte ihn mit einer gewissen Zufriedenheit.

Nachdem er die Nachrichten beantwortet und dem kleinen Team für die geleistete Arbeit gedankt hatte, schloss er den Kommunikationskanal wieder und wechselte zu den Unterlagen seines neuen Ressorts.



Die ersten Dokumente betrafen noch Themen, mit denen Theranos vertraut war. Haushaltsplanungen, rechtliche Zuständigkeiten, mögliche Fördermodelle und erste Überlegungen darüber, wie Investitionen innerhalb des Prefsbelt-Sektors künftig stärker koordiniert werden konnten, ließen sich vergleichsweise schnell überblicken. Hier bewegte er sich auf vertrautem Boden. Er verstand, wie Verwaltungsstrukturen ineinandergriffen, konnte wirtschaftliche Kennzahlen einordnen und wusste aus seiner Zeit als Gouverneur nur zu gut, wie eng politische Entscheidungen, rechtliche Rahmenbedingungen und wirtschaftliche Entwicklung miteinander verbunden waren.

Je weiter er sich jedoch durch seine Unterlagen arbeitete, desto häufiger begegneten ihm Fragen, deren Beantwortung weit über dieses Wissen hinausging.

Besonders deutlich wurde dies bei seinen ersten Notizen zu KP-1. Bislang hatte Theranos das bevorstehende Kolonieprojekt vor allem aus jener Perspektive betrachtet, die ihm vertraut war. Welche Verwaltungsstrukturen benötigte eine junge Kolonie? Welche wirtschaftlichen Zweige konnten langfristig gefördert werden? Welche Investitionen waren vertretbar und wie ließ sich verhindern, dass eine zu schnelle Entwicklung Strukturen entstehen ließ, deren Unterhalt später mehr kostete, als die Kolonie selbst erwirtschaften konnte?

Doch bereits die nächste Ebene führte ihn auf ein vollkommen anderes Gebiet.

Welche Energieversorgung war unter den örtlichen Bedingungen tatsächlich sinnvoll? Welche Transportwege mussten zuerst entstehen? Welche Produktionsanlagen ließen sich miteinander verbinden, welche Standorte eigneten sich aufgrund geologischer oder klimatischer Bedingungen besser als andere und welche Kapazitäten mussten bereits Jahre vor dem eigentlichen Bedarf eingeplant werden? Selbst eine scheinbar einfache Entscheidung über den Bau eines Raumhafens zog Fragen nach Bodenbeschaffenheit, Energiebedarf, Verkehrsplanung, Versorgungssystemen und späteren Erweiterungsmöglichkeiten nach sich.

Theranos ließ seinen Finger über das Display gleiten und öffnete einen der technischen Berichte, den er während der Reise lediglich überflogen hatte.

Nach wenigen Seiten verlangsamte sich seine Lesegeschwindigkeit merklich.

Er verstand durchaus, worum es ging. Die grundlegenden Zusammenhänge waren nachvollziehbar, und viele der darin enthaltenen Zahlen konnte er ohne Schwierigkeiten einordnen. Doch zwischen dem Verständnis eines Berichtes und der Fähigkeit, dessen Inhalt fachlich zu entwickeln oder zu beurteilen, bestand ein erheblicher Unterschied.

Theranos legte das Datapad für einen Augenblick auf den Tisch.

Vielleicht hatte er während der vergangenen Tage einen grundlegenden Fehler gemacht.
Seit seiner Ernennung hatte er beinahe selbstverständlich damit begonnen, sich in möglichst viele Themen seines neuen Aufgabenbereiches einzuarbeiten. Das war grundsätzlich richtig gewesen. Wer Entscheidungen traf, sollte zumindest verstehen, worüber er entschied. Dennoch hatte er unbewusst versucht, seine bisherige Arbeitsweise auf eine Aufgabe zu übertragen, deren Umfang eine vollkommen andere Größenordnung besaß.

Als Gouverneur Prefsbelt IVs hatte er sich tief in einzelne Projekte einarbeiten können. Er hatte Berichte gelesen, Ausschüsse begleitet, Bauvorhaben verfolgt und sich teilweise bis in erstaunlich kleine Details mit der Entwicklung seines Planeten beschäftigt. Doch schon damals hatte er dabei auf Legaten, Beamte, Wissenschaftler und externe Fachkräfte zurückgegriffen, dennoch letztlich hatte sich alles auf eine einzige Welt konzentriert, deren Verwaltung, Wirtschaft und gesellschaftliche Strukturen er nach Jahren beinahe auswendig kannte.

Sein neues Ressort ließ sich auf diese Weise kaum führen.
Theranos war ein guter Verwalter. Er besaß ein ausgeprägtes Verständnis für Recht, öffentliche Verwaltung und wirtschaftliche Zusammenhänge, konnte Budgets beurteilen, politische Interessen gegeneinander abwägen und aus einer Vielzahl unterschiedlicher Informationen langfristige Strategien entwickeln. Gerade die Vergangenheit auf Prefsbelt IV hatte gezeigt, dass ihm diese Arbeit lag.

Doch er war kein Ingenieur, ebenso wenig Bauwissenschaftler, Logistiker, Geologe oder Energieexperte, und auch sein Interesse an Architektur machte ihn noch lange nicht zu einem ausgebildeten Architekten. Selbst innerhalb der Wirtschaft existierten Bereiche, deren fachliche Tiefe weit über jene Kenntnisse hinausging, die er für seine bisherige Arbeit benötigt hatte. Produktionswissenschaft, interplanetare Logistik, Ressourcenplanung, industrielle Prozessoptimierung oder die wirtschaftliche Entwicklung ganzer Kolonien waren eigene Disziplinen, mit denen andere Individuen Jahrzehnte ihres Lebens verbrachten.

Seine Aufgabe konnte unmöglich darin bestehen, selbst zum Experten jedes einzelnen Gebietes zu werden, das irgendwann innerhalb seines Ressorts eine Rolle spielen würde.

Aber das musste er auch überhaupt nicht.

Theranos nahm das Datapad wieder auf und betrachtete die geöffneten Unterlagen nun aus einem anderen Blickwinkel.

Seine Aufgabe bestand in etwas anderem. Er musste verstehen, welche Ziele erreicht werden sollten, welche Auswirkungen Entscheidungen auf andere Bereiche hatten und welche Interessen gegeneinander abgewogen werden mussten. Er musste erkennen können, wenn zwei Fachbereiche einander widersprachen, Budgets Prioritäten setzen, politische Rahmenbedingungen schaffen und schließlich jene Entscheidung treffen, die dem gesamten Sektor langfristig den größten Nutzen brachte.

Die Antworten auf die technischen Fragen mussten dagegen von jenen kommen, die sie tatsächlich beantworten konnten.

Ein guter Leiter musste nicht zwangsläufig der klügste Spezialist im Raum sein.Er musste dafür sorgen, dass die richtigen Spezialisten überhaupt in diesem Raum saßen.


Je länger Theranos darüber nachdachte, desto deutlicher erkannte er, dass er für sein neues Amt etwas benötigte und zwar einen eigenen Stab.
Keinen weiteren aufgeblähten Verwaltungsapparat und ebenso wenig eine Ansammlung politischer Berater, deren hauptsächliche Aufgabe darin bestand, ihm zu erklären, welche Formulierung bei welcher Interessengruppe besonders gut ankam. Was er benötigte, waren Fachleute. Individuen, die ihm widersprachen, wenn seine Vorstellungen technisch keinen Sinn ergaben. Experten, die ein Projekt nicht danach beurteilten, ob es politisch attraktiv klang, sondern ob es funktionierte. Ingenieure, Wirtschaftswissenschaftler, Logistiker, Infrastrukturplaner und gegebenenfalls Architekten oder andere Spezialisten, die abhängig von der jeweiligen Aufgabe hinzugezogen werden konnten.

Damit stellte sich allerdings unmittelbar die nächste Frage.
Woher sollte er diese Personen nehmen?

Innerhalb der Verwaltung Prefsbelt IVs kannte Theranos zahlreiche hervorragende Fachkräfte, doch er wollte seinem Nachfolger kaum wenige Tage nach dessen Amtsantritt die besten Mitarbeiter aus der planetaren Verwaltung abwerben. Zudem wäre es wenig sinnvoll gewesen, seinen neuen Stab beinahe ausschließlich mit Personen zu besetzen, deren berufliche Erfahrungen ebenso wie seine eigenen hauptsächlich auf Prefsbelt IV lagen. Wenn er künftig wirtschaftliche Entwicklung auf Ebene eines ganzen Sektors koordinieren sollte, benötigte er zwangsläufig unterschiedliche Perspektiven.

Sein Blick wanderte über die Namen mehrerer Dokumente, ehe er unwillkürlich an Aren dachte.

Moff Vayliuar führte seit Jahren nicht nur eine weitaus größere Verwaltung, sondern verfügte durch seine politischen und wirtschaftlichen Tätigkeiten über Kontakte zu Fachleuten aus unterschiedlichsten Bereichen. Während ihrer gemeinsamen Reise hatte Theranos mehrfach erlebt, wie selbstverständlich Aren auf Informationen, Einschätzungen und Personen zurückgreifen konnte, sobald sich ein Gespräch einem spezifischen Thema zuwandte.

Vielleicht musste er gar nicht bei null beginnen.
Natürlich wollte Theranos keineswegs den Eindruck vermitteln, kaum wenige Tage nach seiner Beförderung bereits nach Mitarbeitern aus dem unmittelbaren Umfeld seines Vorgesetzten zu greifen. Ebenso wenig wollte er, dass Aren seine Anfrage als Versuch verstand, sich durch die Übernahme vertrauter Personen besonders eng an ihn zu binden. Gerade weil Theranos ein gutes Verhältnis zu ihm besaß, war ihm daran gelegen, dass diese Beziehung auf gegenseitigem Vertrauen und tatsächlicher Leistung beruhte.

Andererseits erschien es geradezu unsinnig, vorhandene Erfahrung aus falscher Zurückhaltung nicht zu nutzen.

Vielleicht kannte Aren Personen aus seinem erweiterten Stab, aus früheren Projekten oder aus anderen Teilen der Sektorverwaltung, deren Fähigkeiten innerhalb des neuen Wirtschaftsressorts besser eingesetzt wären. Vielleicht konnte er ihm ebenso schlicht einige Namen empfehlen oder erklären, welche Fachrichtungen Theranos bei der Zusammenstellung seines Teams bislang vollkommen übersehen hatte.

Je länger er darüber nachdachte, desto weniger sah er einen vernünftigen Grund, das Gespräch aufzuschieben.

Theranos öffnete den Kommunikationsbereich seines Datapads und begann eine kurze Nachricht zu verfassen. Wenn Aren für die kommenden Stunden ohnehin keine festen Verpflichtungen hatte, konnten sie ebenso gut einen Teil des Nachmittags gemeinsam verbringen, etwas durch Moraband flanieren, sich auf ein Getränk zusammensetzen oder etwas ähnliches und die Angelegenheit dabei in Ruhe besprechen. In den kommenden Tagen würde die Gala vermutlich kaum Gelegenheit für längere ungestörte Gespräche bieten.

Nachdem er die Nachricht abgeschickt hatte, kehrte Theranos zunächst zu seinen Unterlagen zurück.
Es gab noch einiges zu tun.


[Innerer Rand | Manaan-Sektor | Truuine-System | Moraband | Praxeum ] - Theranos Zesh
 
[Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine-System / Anflug auf Truuine / Firmenfähre der Imperial Spirits Group] Kael Reed, Mitarbeiter der Imperial Spirits (NSC)

Ein leichtes vibrieren ging durch die Fähre als diese aus dem Hyperraum fiel und den Blick auf Truuine freigab, einen größtenteils von Wasser bedeckten Planeten der aus dieser Entfernung tatsächlich ziemlich unspektakulär wirkte. Ewiges Blau, vereinzelt durchsetzt mit kleinsten Landmassen, einige Wolkenfelder und die weißen Polkappen, wobei zumindest letztere seine Aufmerksamkeit für einen Moment auf sich zogen. Irgendwo dort unten, beziehungsweise ziemlich genau dort unten wenn er den Informationen der Veranstalter glauben durfte, hatte jemand beschlossen eine Gala in einem Gletscher abzuhalten. Sicherlich nicht die schlechteste Art einen bleibenden Eindruck bei seinen Gästen zu hinterlassen und ausnahmsweise Mal ausgefallener als irgendein weiterer Saal auf Bastion, Fondor oder einer anderen der Welten, auf denen die imperiale Gesellschaft regelmäßig zusammenkam um sich gegenseitig zu versichern wie wichtig man war.

Kael verzog leicht die Mundwinkel und wandte den Blick vom Sichtfenster ab. Auf dem Tisch vor ihm lag ein Datapad mit einer Auflistung der geladenen Gäste, verschiedener Informationen über die Gesellschaft zur Förderung der schönen Künste und imperialer Kultur und natürlich einem kleinen Dossier über Bel Zhirio und die bevorstehende Aufführung. Anders als wahrscheinlich von seiner Mutter erwartet, hatte er zumindest den letzten Teil tatsächlich gelesen. Musik hatte in seiner Kindheit zu den wenigen Dingen gehört, bei denen seine Eltern die Ausbildung ihrer Kinder nicht ausschließlich nach dem Nutzen für das Familienunternehmen bewertet hatten. Wobei wenn er jetzt genauer darüber nachdachte es wahrscheinlich naiv war anzunehmen, dass vor allem seine Mutter jemals irgendetwas ohne wenigstens einen Gedanken an den späteren Nutzen getan hatte. Trotzdem hatte Kael einige Jahre Instrumentalunterricht hinter sich gebracht, bevor andere Dinge interessanter geworden waren und auch wenn er sich kaum als großen Kunstkenner bezeichnen würde, hatte die Idee einen natürlichen Gletscher und seine Akustik in das eigentliche Kunstwerk einzubeziehen durchaus etwas faszinierendes das beinahe alte Erinnerungen an eine verzerrt glückliche Kindheit weckte.

Weitaus weniger faszinierend war die zweite Hälfte der Inhalte die man für ihn zusammengestellt hatte.

Eine Auflistung von Unternehmern, Verwaltungsbeamten, Aristokraten, Politikern und anderen Menschen bei denen Imperial Spirits es für sinnvoll hielt, dass er mit ihnen ins Gespräch kam, natürlich denn wie sollte ein Erwachsener Mann solche Entscheidungen auch alleine treffen können. Das hier war immerhin nichts so trivial es wie beispielsweise in Imperialen Hinterhofsektoren Krieg zu spielen. Kael ließ sich tiefer in den Sitz sinken und betrachtete kurz seine Spiegelung im gegenüberliegenden Sichtfenster. Die dunkelgraue, beinahe schwarze Galauniform der Imperialen Streitkräfte saß so perfekt wie sie es eben sollte. Silberne Elemente wiesen ihn als Angehörigen des Offizierkorps der Imperialen Armee aus, Rangabzeichen und Codezylinder saßen an den vorgesehenen Stellen. Geschäftsführung und Medienvertreter hätten es vermutlich bevorzugt wenn er in irgendeinem maßgeschneiderten Anzug erschienen wäre, möglichst mit einem kleinen Imperial-Spirits-Abzeichen am Revers und dem Familiennamen so deutlich vor sich her getragen, dass auch der letzte anwesende Unternehmer begriff weshalb er da war und das er selbstverständlich wichtig war. Genau deshalb hatte Kael sich dagegen entschieden.

Es war schon ironisch. Er hatte einen beträchtlichen Teil seiner Jugend damit verbracht seiner Familie zu entkommen, war schlussendlich zur Armee gegangen um endlich etwas zu haben das nur nach seinen eigenen Leistungen funktionierte und stand jetzt trotzdem wieder hier, weil ausgerechnet seine Zugehörigkeit zum Militär ihn für die Familie zu einem noch wertvolleren Vertreter machte. Ein Sohn aus gutem Hause war nett, ein Anteilseigner war besser, ein dekorierter Offizier der Imperialen Armee und gleichzeitig Sohn der Geschäftsführung ließ sich auf einer imperialen Gala jedoch deutlich angenehmer präsentieren und verkaufen. Vielleicht war das auch der Grund weshalb Marika erstaunlich wenig Widerstand gegen seine Entscheidung geleistet hatte in Galauniform seines Ranges entsprechend anzutreten wenn er sich schon für ihre Ziele einsetzen musste. Ein leichtes abfälliges Schnauben kam ihm über die Lippen.


„Lieutenant Reed?“

Er blickte von seinem Spiegelbild auf und zu der jungen Frau, die einige Meter entfernt mit einem Datapad in der Hand auf eine Reaktion wartete. Selene... Selina? Irgendetwas in die Richtung. Sie arbeitete für die Agency, war mit zwei weiteren Mitarbeitern geschickt worden um sich um den geschäftlichen Teil seines Besuches zu kümmern, quasi ein besser bezahlter Babysitter, und hatte in den letzten Stunden erstaunliches Geschick darin bewiesen aufzuzeigen das es möglich gleichzeitig hilfreich und nervtötend zu sein.

„Hm?“

„Wir haben die Landefreigabe für Moraband bekommen. Das Hotel hat unsere Reservierungen bestätigt und der Transport der Präsentationsware wird direkt nach unserer Ankunft abgewickelt.“


Kael nickte nur leicht während sein Blick zu den beiden gesicherten schwarzen Transportkisten an der Seitenwand der Kabine wanderte. Man hatte einige ausgewählte Flaschen und Feinkostwaren mitgeschickt, nicht genug um den gesamten Empfang zu versorgen, aber selbstverständlich genug um sie ausgewählten Personen als Geschenk zukommen zu lassen oder bei Bedarf den Veranstaltern zur Verfügung stellen zu können. Auf den Deckeln prangte das stilisierte Firmenlogo. Dezent genug um nicht geschmacklos zu wirken und deutlich genug um auf jedem Holofoto erkennbar zu sein. Stümper waren die ausgewählten Designer und Gestalter seiner Mutter definitiv nicht, soviel musste man all diesen Speichelleckern am Rockzipfel seiner Familie dann doch zugestehen.

„Die Kisten kommen zunächst ins Hotel.“, informierte Selene/Selina, wie auch immer, nickte als hätte er ihr zugestimmt und machte sich eine Notiz... wofür auch immer. „Ihre Mutter hat außerdem darum gebeten, dass sie vor Beginn der Veranstaltung noch einmal die Liste der Gesprächspartner durchgehen. Besonders Gouverneur—“

„Nein."


Sie hielt inne und blickte ihn irritiert an.

„Sir?“

Kael deutete mit dem Kinn auf das Datapad vor sich.

„Ich habe die Liste gesehen.“

„Dann wissen sie ja—“

„Dass meine Mutter mir gern im voraus am liebsten entsprechend eines Ablaufprotokolls harkleim diktieren würde mit wem ich wann über welches Thema spreche und welches Produkt wir der Person im Anschluss wahrscheinlich verkaufen können, wo sich sinnvolle Pachtverträge, Markteintritte oder Transportangebote platzieren lassen.“


Einen kurzen Moment blieb es still. Die Frau schien darüber nachzudenken wie weit ihre Verantwortung gegenüber Marika Reed ging, wie sinnvoll es war sich jetzt mit ihrem Sohn anzulegen oder später mit ihr. Wahrscheinlich hatte man sie genau für solche Situationen, und für ihr Aussehen auf Fotos eingestellt, was Kael ihr beinahe zugute halten musste, ihre Entscheidungsfindung schien jedoch in einer Schleife festzustecken.

„Mrs Reed hat ausdrücklich darauf hingewiesen, dass ihre Anwesenheit auch der Vertretung der Interessen der Imperial Spirits Group dient.“

„Und als solcher werde ich hier auch auftreten. Nicht als dressierter Schoßhund.“


Kael griff nach dem Datapad, überflog noch einmal die erste Seite und deaktivierte das Gerät.

„Aber wenn meine Mutter bereits entschieden hat mit wem gesprochen wird, über was gesprochen wird und zu welchem Ergebnis dieses Gespräch führen soll, dann hätte sie auch einen Handelsdroiden schicken können.“

„Ich glaube kaum, dass—“

„Nein, wahrscheinlich hätte sie ihn besser vorbereitet. Aber solche Droiden sind nun einmal unnötig teuer.“


Für einen kurzen Moment zuckte es an den Mundwinkeln der Mitarbeiterin, ehe sie sich wieder unter Kontrolle hatte. Zumindest hatte sie Humor.

„Soll ich ihrer Mutter mitteilen, dass sie die Vorgaben ablehnen?“

Kael hob eine Augenbraue.

„Um Himmels willen nein. Sagen sie ihr, dass ich mich selbstverständlich persönlich um die Interessen des Unternehmens kümmern werde.“

Jetzt schien die Arme wirklich verwirrt zu sein. Wo gabelte die Agency eigentlich solche Mitarbeiter auf? „Aber sie haben gerade—“

„Ich habe gesagt, dass ich mit den Leuten reden werde mit denen es sinnvoll ist zu reden. Ich werde nur nicht mit einem Datapad in der Hand von Person zu Person laufen und irgendwelche Gesprächspunkte abarbeiten wie ein Sienarischer Dackel auf Spice.“

Die Frau musterte ihn noch einen Moment bevor sie schließlich nickte.

„Natürlich, Lieutenant.“

Ein Signal erklang aus dem Cockpit und die leichte Veränderung der künstlichen Schwerkraft verriet, dass die Fähre ihren Sinkflug begonnen hatte. Kael stand auf, trat wieder an das Sichtfenster und beobachtete wie der Planet unter ihnen langsam Form annahm. Das Weiß der Polkappe löste sich in einzelne Gletscher und schroffe Gebirgszüge auf, zwischen denen sich dunklere Flächen und schließlich eine größere Ansiedlung erkennen ließen. Moraband.

Kael hatte die Informationen über die Stadt während des Fluges zumindest überflogen. Eine schnell wachsende regionale Hauptstadt, neue Bauprojekte, Industrie, Verwaltungsgebäude und eine durch Atmosphärengeneratoren künstlich wesentlich lebensfreundlichere Umgebung als sie in dieser geografischen Lage eigentlich existieren sollte. Dazu die üblichen Probleme die entstanden wenn man einen Planeten in vergleichsweise kurzer Zeit stärker in imperiale Wirtschafts- und Verwaltungsstrukturen integrierte. Sein Blick wanderte über die heller werdenden Flächen unter ihnen.


„Interessant.“

„Was?“
, fragte die Mitarbeiterin hinter ihm.

Kael deutete hinaus.


„Die Vegetation.“

Sie trat einen Schritt näher, folgte seinem Blick und schien nicht wirklich zu verstehen worauf er hinaus wollte.

„Atmosphärengeneratoren“, ergänzte er.

Sie konsultierte ihr Datapad.


„Ja. Moraband und einige der größeren Ansiedlungen werden über Generatoranlagen klimatisch stabilisiert.“

„Man baut eine Stadt zwischen Gletschern und verändert anschließend das Klima damit sie dort vernünftig funktioniert anstatt sie einfach auf einer der netten Inselketten anzusiedeln."


Die Frau warf ihm einen fragenden Blick zu.

„Halten sie das für schlecht?“

„Nein."
, Kael verzog leicht die Mundwinkel und lächelte. „Für Selbstverliebt.“ Damit wandte er sich wieder dem Fenster zu.

Aus der Luft machte Moraband tatsächlich einen interessanten Eindruck. Neuere Gebäudekomplexe lagen neben älteren Strukturen, dazwischen breite Verkehrswege und Bereiche in denen offensichtlich noch gebaut wurde. Das Regierungsviertel ließ sich relativ leicht ausmachen, genauso wie der nahegelegene Landeplatz und unweit davon ein größerer, ausgesprochen modern wirkender Hotelkomplex, in dem ein Teil der Gäste untergebracht werden sollte. Dass auf einem Planeten, der erst vor vergleichsweise kurzer Zeit noch wesentlich weniger Bedeutung besessen hatte, inzwischen genug hochrangige Besucher zusammenkamen um ein solches Gebäude wirtschaftlich erscheinen zu lassen, sagte wahrscheinlich einiges über die Entwicklung Truuines. Und eine Gala der Imperialen Gesellschaft zwischen den Gletschern würde diesen Bestrebungen der Weiterentwicklung auch nur nochmehr Vorschub leisten. Das Landefahrwerk wurde ausgefahren und wenige Augenblicke später ging ein Ruck durch die Fähre, als sie auf dem Landefeld aufsetzte.


[Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine / Moraband / Landefeld nahe dem Regierungsviertel] Kael Reed, Mitarbeiter der Imperial Spirits (NSC), Empfangspersonal (NSC)
 
Zuletzt bearbeitet:
[Innerer Rand | Manaan-Sektor | Truuine-System | Moraband | Praxeum ] - Theranos Zesh


Nach kurzer Zeit war Theranos bei einem Dokument angekommen.

Was den Namen „Wirtschaftsschutzbehörde“ trug.

Auch dieses Projekt hatte sich durch seine Ernennung verändert.

Die ersten Gedanken dazu waren noch während seiner Zeit als Gouverneur Prefsbelt IVs entstanden, als sich die Frage gestellt hatte, wie bedeutende wirtschaftliche Infrastruktur besser geschützt werden konnte, ohne für jede Anlage und jedes Projekt dauerhaft reguläre militärische Kräfte oder ähnliches binden zu müssen. Ein kleiner fester Berufskader aus Führungskräften, Ausbildern, Spezialisten, Ermittlern, Piloten, Ingenieuren, Logistikern, Verwaltungspersonal und einem begrenzten Pool an Sicherheitspersonal sollte den Kern bilden, während zusätzliche Kräfte abhängig vom jeweiligen Projekt eingesetzt werden konnten.

Damals hatte Theranos vor allem innerhalb der Strukturen Prefsbelt IVs gedacht und als eine Abteilung der Blauen Legion.


Nun verfügte er über einen vollkommen anderen Blickwinkel.

Industrieanlagen, Handelsverbindungen und wirtschaftliche Entwicklungsprojekte endeten nicht an planetaren Grenzen. Gerade ein möglicher Aufbau von KP-1 würde langfristig Versorgungslinien benötigen, während neue Produktionsstandorte ebenso wie bestehende strategische Anlagen Schutz vor Sabotage, Wirtschaftskriminalität oder anderen Bedrohungen benötigten. Ein entsprechend aufgebauter Wirtschaftsschutz konnte damit wesentlich mehr werden als eine weitere Sicherheitsorganisation Prefsbelt IVs.


Und beinahe automatisch musste Theranos an Kal denken.

Noch vor seiner eigenen Ernennung hatte er mit dem Piloten andere Pläne verfolgt. Kal sollte seine Erfahrung ursprünglich beim weiteren Aufbau der fliegerischen Komponenten der Blauen Legion einbringen und bei der Ausbildung neuer Piloten helfen.

Ein Wirtschaftsschutzverband, der irgendwann sektorweit operieren sollte, würde zwangsläufig über eine eigene fliegerische Komponente verfügen müssen. Nicht als Konkurrenz zu den imperialen Streitkräften und ebenso wenig als verkleinertes Militär, sondern für jene Aufgaben, die unmittelbar mit dem Schutz wirtschaftlicher Strukturen verbunden waren. Transporte mussten begleitet, abgelegene Anlagen erreicht, Personal und Spezialisten bewegt werden können.

Dafür benötigte er jemanden, der Fliegerei nicht nur aus theoretischen Einsatzplänen kannte.

Kal Andrim war erfahren, hervorragend ausgebildet und hatte während ihrer bisherigen Zusammenarbeit mehrfach gezeigt, dass er über das unmittelbare Cockpit hinausdachte. Theranos wollte ihm keineswegs irgendeine Position anbieten, deren genaue Aufgaben noch nicht einmal definiert waren. Dafür befand sich das gesamte Konzept in einem viel zu frühen Stadium.

Aber gerade deshalb wollte er seine Meinung hören.

Noch besser wäre es vermutlich, wenn Aren bei diesem Gespräch ebenfalls anwesend war. Ein möglicher sektorweiter Wirtschaftsschutz würde ohnehin früher oder später mit dem Moff abgestimmt werden müssen, und Theranos hielt wenig davon, über Wochen hinweg Konzepte im abgeschlossenen Büro zu entwickeln, nur um anschließend festzustellen, dass grundlegende politische oder organisatorische Fragen vollkommen anders beurteilt wurden.


Also verfasste er eine weitere Nachricht.

Auch Kal fragte er lediglich, ob dieser im Laufe des Nachmittags etwas Zeit für ein Gespräch hätte. Theranos erwähnte knapp, dass er einige seiner früheren Überlegungen zur zukünftigen Verwendung des Piloten noch einmal aufgreifen wolle und sich durch seine neue Position möglicherweise eine interessante Alternative ergeben hatte. Mehr wollte er bewusst nicht über eine Nachricht besprechen.


Gerade als Theranos die Mitteilung versendet hatte und das Datapad weglegen wollte, kam ihm noch T’rsop in den Sinn.

Er kannte seinen Freund gut genug, um ziemlich genau einschätzen zu können, wie wenig Begeisterung dieser gewöhnlich für gesellschaftliche Verpflichtungen aufbrachte, die über das notwendige Maß hinausgingen. Gerade mit Blick auf die kommenden Tage konnte Theranos sich gut vorstellen, dass T’rsop die wenigen verbliebenen ruhigen Stunden vor Beginn der Gala lieber für sich nutzte, etwas arbeitete oder sich seinen eigenen Interessen widmete. Ab dem morgigen Tag würden ohnehin unzählige Begegnungen, Gespräche, Empfänge und andere gesellschaftliche Verpflichtungen auf sie warten, denen sich auch ein Gouverneur nur begrenzt entziehen konnte.

Aus diesem Grund hatte Theranos ursprünglich gar nicht vorgehabt, T’rsop für den Nachmittag einzuplanen. Ihn deshalb jedoch vollkommen außen vor zu lassen, gefiel ihm ebenso wenig. Sollten Aren und Kal auf seine Nachrichten eingehen und sich aus ihrem Treffen später tatsächlich ein gemeinsames Abendessen entwickeln, würde er seinen Freund gerne dabeihaben. Ob T’rsop darauf Lust hatte, konnte dieser schließlich selbst entscheiden.

Theranos nahm daher das Datapad noch einmal zur Hand und verfasste eine kurze Nachricht. Er erklärte T’rsop, dass er für den Nachmittag ein mögliches Treffen mit Aren und Kal angefragt hatte und daraus am Abend vielleicht noch ein gemeinsames Essen entstehen würde. Noch sei nichts endgültig vereinbart, weshalb er ihm später ohnehin noch einmal Bescheid geben würde, sobald Genaueres feststand. Er wollte ihn lediglich frühzeitig informieren und wissen lassen, dass er selbstverständlich eingeladen war und Theranos sich freuen würde, wenn er sich ihnen anschloss.

Nachdem die Nachricht versendet worden war, musste Theranos leicht schmunzeln. Eine Absage hätte ihn keineswegs überrascht und ebenso wenig gestört. Wenn T’rsop nach der gemeinsamen Reise und unmittelbar vor mehreren Tagen voller gesellschaftlicher Veranstaltungen lieber einen ruhigen Abend verbringen wollte, konnte Theranos das durchaus nachvollziehen. Wichtig war ihm lediglich gewesen, seinem Freund die Entscheidung selbst zu überlassen.


Gerade als Theranos das Datapad wieder auf den Tisch legen wollte, erklang das leise Signal einer eingehenden Nachricht.

Eine der ersten Antworten auf seine Nachrichten war bereits eingetroffen.


[Innerer Rand | Manaan-Sektor | Truuine-System | Moraband | Praxeum ] - Theranos Zesh
 
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[Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine / Moraband / Praxeum / Gästezimmer für T'rsop] - mit Gouverneur Dr. T'rsop

Langsam schloss und öffnete T'rsop seine Hand, während er sie abwesend betrachtete und dabei rücklings auf dem Bett lag und den Kopf nach hinten über die Bettkante überstreckt hatte.
"Ein Gedanke - und meine Finger bewegen sich. Durch leichte Stromimpulse und Schläge in den Nervenbahnen und den Muskeln. Aber das ist noch nicht alles. Dann gibt es da noch diese sagenumwobene Macht, die alles zusammenhält. Mit Midi-Chloreanern angezeigt, oder verstärkt, oder vielleicht sogar durch sie entstanden...
Wir wissen soviel über das Wie. Aber über das Wozu wissen wir fast nichts. Und noch weniger, ob die Macht das Wesentliche und Unhintergehbare ist - oder ob auch sie noch von Kräften geleitet wird, die noch grundlegender sind..?
Und wie hängt dieses Elementar-Wesentliche mit dem Bedeutsamen zusammen..?"
, sinnierte der Gelehrte kaum verständlich zu sich selbst sprechend.

Er war in die Tiefen des Seins und der Philosophie versunken. Kurz davor hatte er sich noch etwas ausführlicher mit der entstehenden und voranschreitenden Werft von Prefsbelt IV auseinandergesetzt.
Das Galaktische Imperium war wieder im Krieg mit der Neuen Republik. Welch ein unnötiger Streit, dachte der Pau'aner, würden alle Kräfte und Wesen der Galaxis zusammenarbeiten und das tun, was jede Person am besten konnte, dann wären sie vielleicht schon bei der Vollendung des Besonderen. Aber Krieg, Streit, Neid und Eifersucht waren alle zu tief in den intelligenten und sich selbst bewussten Spezies verankert.
T'rsop war kein Politiker im klassischen Sinne. Er hatte zwar eine Vision für die Zukunft und arbeitete zielstrebig darauf hin - aber er interessierte sich nicht für Politik. Ob das tragende Tier nun Imperium hieß und eine Kaiserin hatte, oder ob es Republik hieß und von einem Senat gesteuert wurde - solange man die Gesellschaft in die Weiterentwicklung führen konnte und jene gute Nahrung in Form von Kreativität, Motivation und Ressourcen bekam, war das alles zweitranging.

Aber nun war
T'rsop - durch Fügung oder Zufall - eben in den Verwaltungsapparat des Galaktischen Imperiums hineingeraten. Dieses würde er also auch unterstützen und schützen, solange es ihm im Gegenzug gute Arbeit ermöglichen ließ. So wie er, zugegebenermaßen als Laie, die militärischen Berichte, die ihm zugänglich waren, verstand, befand sich die Galaxis momentan an einem Kipppunkt. Der Konflikt könnte ein kurzer Streit zwischen den beiden Seiten sein - oder aber wieder zu einem langjährigen und brutalen galaxisweiten Krieg werden.
Und sollte letzteres eintreten, dann wäre die Raumüberlegenheit wahrscheinlich der Schlüssel zum Sieg. Gemeinsam mit überlegener Technologie. Und umso wichtiger würden Werften werden.

Der Gouverneur hatte die finanziellen Ströme seines Planetens noch nicht sicher im Kopf. Aber es wäre enorm wichtig und würde insbesondere im längeren Kriegsfall Wirtschaft und interplanetare bis intergalaktische Relevanz von Prefsbelt IV erblühen lassen, wenn die Werft hervorragende Arbeit liefern würde. Und dafür müsste sie gefördert und ausgebaut werden.
Dafür bräuchte er aber auch Unterstützung und Rückendeckung von
Moff Aren. Also schrieb er diesem sogleich eine Nachricht, in der er das Konzept des Moffs für seinen Verwaltungsbezirk des Sektors erfragte. Kurz nach dem Absenden dieser Anfrage fiel T'rsop noch etwas anderes ein - zur überlegenen Technologie. Diesmal setzte er nicht nur die Standardverschlüsselung ein, sondern nutzte die für höchste Geheimhaltungsstufe. Dort legte er Aren stichpunktartig seine Idee einer geheimen militärischen Forschungsstation dar - und nannte unverbindlich und unter Vorbehalt auch einige Namen führender Wissenschaftler des Imperiums auf ihren Gebieten, die er durch seinen Aufbau der Bibliothek Monspolis und seiner Administratorschaft dort kennengelernt hatte.
Über solche Pläne redete man zwar am besten direkt von Angesicht zu Angesicht - wer es dramatisch mochte, und der Gouverneur war so jemand, am besten unter vier Augen in einer kleinen Kaschemme - aber es schadete sicher nicht, den Moff vorzuwarnen und durchblicken zu lassen, dass diese Idee nicht aus Stolz oder blinder Schmeichelei oder Wichtigtuerei geboren war, sondern Potential besaß.

Über diese Gedanken war
T'rsop wieder in die Faszination gerutscht, was für gewaltige Schmetterlingseffekte doch so banale Sachen hatten oder haben konnten, wie die, dass er nun endlich Ruhe hatte und Nachrichten versenden konnte. Und so ging er im Geiste den Zusammenhang von physischer Galaxis und Gesellschaft durch und kam vom Großen zum Kleinen und Kleinsten. Von den Naturgesetzen, dem Selbstbewusstsein, der Elementarebene. Und schließlich zu seiner Lieblingsfrage: Was hielt das Universum - ja, das Sein an sich - im Innersten zusammen? Und was bedeutete das für das Bedeutsame?
Und darüber sinnierte der Gelehrte nun schon mehrere Minuten.

Gerade, als er seinem Gedanken folgte, dass das Da-Sein auch ohne Bewusstsein gegeben war, aber erst durch dieses Bedeutung erhielt, piepte sein Datapad. Eine neue Nachricht.
Die Finger der Hand, die sich eben während seines Nachsinnens fast meditativ schlossen und öffnete, wanderten an sein Gesicht und fuhren durch und über seine Hautrillen. Dann setzte er sich schwungvoll auf und öffnete die Nachricht. Sie war von
Theranos.
Was wollte wohl sein guter Freund und frisch beförderter Sektor-Adjutant von ihm?

Die Augen des Pau'aners flogen über die Zeilen der Nachricht. Und wurden erst klein von Genervtheit und dann etwas größer durch Erkenntnis.

Theranos war wieder fleißig wie eine geonasianische Drohnenarbeiterin und am Kontakten und Planen. Und hatte ihn eingeladen, sich ihm, Aren und Kal anzuschließen. Den Nachmittag und Abend miteinander zu verbringen.
T'rsop fühlte sich gerade richtig wohl im Bett in der Mischung aus ungestörtem Arbeiten, Gammeln und Philosophieren. Wenn er an die nächsten Tage schon dachte, erfasste ihn Unlust. So viele schöne und spannende Angebote - und er müsste als Gouverneur von Prefsbelt IV rumlatschen, dumme Fragen beantworten, nicht-ernstgemeinte Glückwünsche entgegennehmen und müsste bei all dem auch noch offen und interessiert wirken. Und dringliche Arbeit auf dem Schreibtisch warten lassen.

Nein, er würde diese wundervolle Zeit jetzt voll ausnutzen und sich Ruhe, Wohligkeit, Arbeit und tiefe Gedanken gönnen.
Allerdings würde er so oder so etwas zu Abend essen. Und
Theranos hatte ja extra an ihn gedacht. Dieser Grund war, wenn der Gelehrte ehrlich zu sich selbst war, für ihn gewichtiger, als die Möglichkeit, gute und niedrigschwellige Vernetzungsarbeit zu leisten.
Also begann er - nachdem er für mehrere Minuten erst noch andere Nachrichten beantworte - seine Antwort an den Sektor-Adjutanten zu tippen:

Hallo Theranos.
Danke für deine Einladung. Konspiriert ihr drei erst einmal alleine. Ich habe hier noch wichtige Arbeit liegen.
Solltet ihr allerdings am späten Abend erst speisen, geselle ich mich unter einer Bedingung zu euch: Es geschieht im privaten Rahmen abseits der Öffentlichkeit und Holokameras. Ich halte es für weise, wenn wir uns im Anbetracht der nächsten Tage unsere Kraftreserven für die repräsentativen Dienste nicht direkt verschleudern.

Ohne groß weiter darüber nachzudenken, versandte
T'rsop die Nachricht.
Die letzten wichtigen Nachrichten beantwortete er noch schnell hinweg. Er fragte seinen Freund und Legaten für Propaganda, ob er einen Besuch zur Jubiläumsfeier eines der größten Unternehmen Prefsbelt IV an ihn delegieren könnte - oder ob das ein Drama auslösen würde, was seine Amtszeit unter ein schlechtes Licht stellen würde.
Für den zweiten Tag seiner Rückkehr auf Prefsbelt IV legte er sich das Ausschusstreffen von Finanz und Wirtschaft. ...

Als endlich die letzten Nachrichten beantwortet waren, stellte er sein Datapad auf nicht-empfangsbereit, pickte sich eine Süßigkeit und machte sich an die Betrachtung des Kunstwerks, welches er im Gang so faszinierend fand. Denn er hatte es inzwischen nebenbei gefunden. Als Holo reichte es natürlich nicht an die Wirkung des Originals heran - aber er wollte nicht in den Trubel draußen gehen und beim Anblicken des Meisterwerks von der Seite angequatscht werden, am schlimmsten noch von Presse oder anderen Verwaltern oder Politikern. Nein, nein.
Er würde die nächsten Stunden genießen. Und so verlor er sich in der Form und den Farbenspiel des Kunstwerkes, bevor nach einiger Zeit seine Gedanken wieder in die tiefen philosophischen Fragen glitten.


[Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine / Moraband / Praxeum / Gästezimmer für T'rsop] - mit Gouverneur Dr. T'rsop
 
[Innerer Rand | Manaan-Sektor | Truuine-System | Moraband | Straßen der Stadt] Kal Andrim, Passanten (NSCs)

Moraband auf Truuine schien ein wirklich angenehmer Ort zu sein. Jedenfalls wenn man künstlich durch Maschinen und Energiefelder aufrecht erhaltene Atmosphären mochte. Kal Andrim waren sie zur zweiten Natur geworden, das ging einfach mit dem Leben im imperialen Militär einher. Es gab zwar grundsätzlich unzählige bodengestützte Militärbasen im ganzen Imperium, die Gefechtsflotten waren jedoch vollkommen mobil aufgestellt und kehrten selbst für nötige Wartungs- und Reparaturmaßnahmen größtenteils in raumgestützte Trockendocks ein. Nun, nur weil der Kuati derlei gewohnt war, bedeutete es noch lange nicht, dass er eine vollkommen künstlich aufrecht erhaltene Umgebung einer natürlichen Atmosphäre vorzog. Sicher, Truuine war ein Wasserplanet, sodass Land rar war. Aber die Hauptstadt im Polarkreis zu bauen, statt auf einer der unzähligen tropischen Inseln am Äquator des Planeten? Das konnte er nun wirklich nicht nachvollziehen. Er persönlich würde die Tropen einem zwischen zwei Gletschern eingequetschen vulkanischen Ödland jedenfalls vorziehen. Nicht einmal der Strand hatte hier die richtige Farbe. Von all den wunderschönen Farben, die ein ordentlicher Sandstrand haben konnte, musste man hier mit schwarzer Asche vorlieb nehmen. Nein, das ging so wirklich nicht. Wenn es nach ihm ging, würde dies Kals erster und einziger Besuch Morabands bleiben.

Entsprechend lustlos spazierte der Kuati durch die Straßen der Hauptstadt. Seine Uniform und die Rangabzeichen als Captain brachten ihm sowohl eine gewisse Portion Respekt als auch eine angenehme Anonymität ein. Das war tatsächlich recht angenehm. Die kommenden Tage würden noch anstrengend genug sein und
Kal war tatsächlich ein wenig überrascht, dass das lokale Kuat Drive Yards Büro ihn noch nicht kontaktiert hatte. Eine derartige Nachlässigkeit war tatsächlich recht untypisch für die Firma. Für den Moment aber schätzte Kal einfach das kleine Stück Normalität oder zumindest das, was er sich darunter vorstellte, während er sich so von den Menschenströmen auf den Straßen der Stadt treiben ließ. Viel zu schnell war dieser Moment der augenscheinlichen Freiheit dann aber auch schon wieder vorbei. Der Kommunikator des Kuati machte unaufdringlich und dennoch ebenso unignorierbar auf sich aufmerksam.

Theranos Zesh fragte nach einem Treffen am Nachmittag. Es war als zwangloses Treffen formuliert, aber natürlich war dem Kuati klar, dass es nicht einfach ein belangloses Kaffeekränzchen werden würde. Derlei Treffen hatten immer den einen oder anderen tieferen Sinn und Kal überlegte nicht lange, ob er zusagen sollte. Immerhin war seine Beziehung zum frisch ernannten Sektor Adjutanten der Hauptgrund, warum er überhaupt hier auf Truuine war. Ebenso natürlich antwortete er nicht sofort. In Verhandlungen war es nie gut, allzu übereifrig zu wirken. Entsprechend gönnte er sich in einem Café eine leichte Zwischenmahlzeit zu einem vom Lokal empfohlenen Heißgetränk und ließ etwas über eine halbe Stunde vergehen, bevor er eine Antwort versandte.

>Heute Nachmittag ließe sich einrichten. Schicken Sie mir Zeit und Ort und ich werde erscheinen.<

Anschließend machte sich Kal auf zurück zu seinem Gästezimmer im Praxeum. Er würde sich noch einmal frisch machen, bevor er bei Theranos Zesh vorstellig würde. Es war immer wichtig, einen gepflegten Eindruck zu hinterlassen.

[Innerer Rand | Manaan-Sektor | Truuine-System | Moraband | Straßen der Stadt] Kal Andrim, Passanten (NSCs)
 
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[Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine / Moraband / Luxushotel nahe dem Regierungsviertel] Kael Reed, Mitarbeiter der Imperial Spirits Group (NSC), Hotel- und Praxeumspersonal (NSC)

Vom Landefeld bis zu dem erst vor kurzem eröffneten Hotel waren es nur wenige Minuten, die Kael weitestgehend schweigend verbrachte, nachdem bereits der Anflug genügend Gelegenheit geboten hatte Moraband aus der Entfernung zu betrachten und die Stadt aus der Nähe zumindest auf den ersten Blick wenig Anlass bot diese Einschätzung grundlegend zu verändern. Neu, teuer und mit jener gewissen Sterilität versehen, die Orte beinahe zwangsläufig entwickelten wenn Stadtplaner schneller bauten als Menschen Gelegenheit bekamen ihnen einen eigenen Charakter zu verleihen, erfüllte zumindest das Hotel ziemlich genau jene Erwartungen die man an eine Unterkunft stellte, deren Zimmerpreise wahrscheinlich nicht zuletzt davon lebten, dass ein nicht unerheblicher Teil ihrer Gäste sie ohnehin nicht selbst bezahlte.

Imperial Spirits gehörte glücklicherweise zu jenen Unternehmen, bei denen niemand auf die Idee gekommen wäre den ältesten Sohn der Geschäftsführung in einem einfachen Zimmer unterzubringen, weshalb sich der eigentliche Check-In kaum länger hinzog als die notwendige Bestätigung seiner Identität und Kael bereits wenige Augenblicke später die Schlüsselkarte einer Suite in Händen hielt, die er vorerst ebenso wenig zu sehen beabsichtigte wie den Inhalt der umfangreichen Informationsmappe, die man ihm zusammen mit dieser überreichte. Sein Gepäck konnte das Hotelpersonal schließlich auch ohne seine persönliche Aufsicht in den achtzehnten Stock befördern und nachdem er sich vergewissert hatte, dass die beiden schwarzen Präsentationskisten nicht versehentlich den gleichen Weg nahmen, überließ Kael der Mitarbeiterin der Agency die Organisation des Restes und ließ sich zusammen mit der Ware erneut in den bereitstehenden Gleiter fallen. Seine Mutter hatte, bei aller Neigung auch die banalsten Bestandteile eines gesellschaftlichen Auftritts bis ins letzte Detail vorbereiten zu lassen, zumindest in einem Punkt recht: wenn Imperial Spirits schon einige der besseren Jahrgänge und ausgewählte Feinkost nach Truuine schaffen ließ, war es sinnvoller diese frühzeitig dort abzugeben wo man sie tatsächlich gebrauchen konnte, anstatt später mit zwei Firmenkisten zwischen den übrigen Gästen zur Gala zu erscheinen und den Eindruck zu erwecken sie hätten sich in letzter Minute noch in die Veranstaltung einkaufen müssen.

Das Praxeum lag nah genug, dass auch diese Fahrt kaum Gelegenheit für längere Gespräche bot, wobei Kael ohnehin keine besondere Absicht verspürte seine Anwesenheit dort über die Übergabe hinaus auszudehnen. Sich selbst zu wichtig Nehmende Imperiale Verwaltungsangestellte waren ihm während seiner bisherigen Dienstzeit in unterschiedlichsten Ausprägungen begegnet und nichts davon hatte in ihm ein besonderes Bedürfnis geweckt ausgerechnet ihre Hauptsitze touristisch zu erschließen oder weit über die Notwendige Zeit der Gala unter ihnen zu verweilen, weshalb er sich darauf beschränkte die Kisten samt beiliegender Bestandsliste an das zuständige Personal zu übergeben, sich den Eingang quittieren zu lassen und einige beiläufige Worte darüber zu verlieren, dass die Auswahl sowohl als Präsent für einzelne Gäste als auch zur Ergänzung des späteren Empfangs gedacht war und man die weitere Verwendung selbstverständlich den Veranstaltern überließ. Dass seine Mutter wahrscheinlich zu jeder einzelnen Flasche hätte erklären können welchem Gast sie aus welchem geschäftlichen Grund möglichst sichtbar überreicht werden sollte, musste dabei niemand wissen und Kael empfand wenig Bedürfnis diese Form elterlicher Fürsorge freiwillig weiterzugeben.

Als die Übergabe schließlich erledigt war und seine Begleitung bereits wieder das Datapad zur Hand nahm, vermutlich um den nächsten Punkt irgendeines Zeitplanes hervorzuholen, fiel Kaels Blick über ihre Schulter hinweg auf eine kleine Bar ein Stück die Straße hinunter, die ihm bereits während der Anfahrt aufgefallen war. Bis zum Beginn der eigentlichen Veranstaltung blieben noch einige Stunden, seine Sachen befanden sich im Hotel, Imperial Spirits hatte seine Waren dort wo sie hingehörten und selbst Marika würde einige Kreativität benötigen um daraus noch eine unmittelbare Verpflichtung für ihren Sohn abzuleiten, weshalb er die Sel-wie-auch-immer mit der Anweisung zurückschickte ihm mögliche Änderungen des Galaablaufes weiterzuleiten und sich anschließend ohne größere Eile in Richtung des Lokals bewegte.

Die Uniform sorgte beim Eintreten erwartungsgemäß für einige Blicke, wobei Kael längst nicht mehr entschied ob diese seiner Zugehörigkeit zum Offizierskorps, seiner Hautfarbe oder irgendeiner Mischung aus beidem galten und sich stattdessen einen freien Platz am Tresen suchte, von dem aus sich ein großer Teil des Raumes überblicken ließ. Hinter der Bar standen neben den üblichen galaxisweit verbreiteten Marken mehrere Flaschen deren Etiketten ihm nichts sagten, was für jemanden der einen beträchtlichen Teil seiner Kindheit zwischen Produktpräsentationen, Verkostungen und den gesellschaftlichen Veranstaltungen seiner Familie verbracht hatte inzwischen beinahe Seltenheitswert besaß. So entschied er sich gegen die bequemere Möglichkeit irgendein bekanntes Destillat zu bestellen und deutete stattdessen auf eine lokale Spirituose, die der Barkeeper ihm nach einer kurzen Nachfrage pur einschenkte. Das Halbblut ließ das Glas zunächst einige Augenblicke in der Hand kreisen, nahm den Geruch auf und probierte schließlich einen kleinen Schluck, der ihn weder zu Begeisterungsstürmen hinriss noch jene unmittelbare Abneigung hervorrief, die einige kleinere Produzenten offenbar für ein Qualitätsmerkmal besonders charaktervoller Getränke hielten. Durchaus brauchbar, etwas zu süß für seinen Geschmack und im Abgang überraschend weich, womit sich zumindest die Frage beantwortet hatte ob Truuine neben Gletschern und ambitionierten Bauprojekten auch etwas hervorbrachte das man trinken konnte. Er lehnte sich etwas bequemer gegen den Tresen, nahm einen zweiten Schluck und ließ seinen Blick ohne besondere Absicht durch die Bar wandern. Die Gala würde früh genug beginnen und mit ihr all jene Gespräche, für die seine Mutter ihn überhaupt hierher geschickt hatte; bis dahin konnte die Imperial Spirits Group für einige Zeit auch ohne ihren ausgesprochen widerwilligen Vertreter auskommen.


[Innerer Rand / Manaan-Sektor / Truuine / Moraband / Bar am Praxeum] Kael Reed
 
[Innerer Rand | Manaan-Sektor | Truuine-System | Moraband | Praxeum ] - Theranos Zesh


Die erste Antwort stammte von Kal Andrim.

Theranos öffnete die Nachricht und überflog die wenigen Zeilen, in denen der Captain bestätigte, dass sich ein Treffen am Nachmittag einrichten ließe und Theranos ihm lediglich noch Zeit und Ort mitteilen sollte. Mehr hatte er zu diesem Zeitpunkt auch gar nicht erwartet. Solange Aren noch nicht geantwortet hatte, wollte Theranos ohnehin keinen festen Treffpunkt bestimmen, schließlich erschien es ihm wesentlich sinnvoller, zunächst zu wissen, wann und wo sich der Moff mit ihm treffen wollte und Kal anschließend etwas später dazuzuholen.
Zufrieden schloss Theranos die Nachricht wieder. Damit war zumindest ein Teil seines spontan entstandenen Nachmittags Plans bereits gesichert, und selbst wenn Aren wider Erwarten keine Zeit finden sollte, würde sich das Gespräch mit Kal dennoch führen lassen.

Somit fehlte nur noch die Antwort von von Aren und T’rsop, wobei Theranos bei seinem Freund ohnehin mit keiner besonderen Eile rechnete. Wenn seine Einschätzung richtig gewesen war, hatte sich der neue Gouverneur vermutlich längst irgendwo im Praxeum zurückgezogen und genoss die wenigen Stunden Ruhe, die ihm vor Beginn der morgigen Gala noch blieben.


Da es wenig Sinn ergab, untätig auf weitere Nachrichten zu warten, beschloss Theranos, die Zeit für einen ersten Rundgang durch Moraband zu nutzen. Er war zwar bereits während des Anfluges neugierig auf die Hauptstadt geworden, hatte bislang jedoch kaum mehr von ihr gesehen als das Landefeld, den kurzen Weg zum Praxeum und jenen Ausschnitt, der sich ihm von seinem Fenster aus bot. Gerade weil er in den kommenden Tagen vermutlich einen erheblichen Teil seiner Zeit innerhalb des Gletschermassivs verbringen würde, wollte er die Gelegenheit nutzen, sich wenigstens einen ersten persönlichen Eindruck von der Stadt zu verschaffen.

Bevor er aufbrach, gönnte er sich allerdings noch eine kurze Dusche. Das warme Wasser vertrieb die letzten Spuren der Reise und der vergangenen Stunden, ehe Theranos wenig später mit noch leicht feuchtem Haar vor den geöffneten Schrank seines Gästezimmers. Für einen Augenblick wanderte sein Blick wie selbstverständlich zu einer seiner gewöhnlichen imperialen Dienstuniformen. Für einen Rundgang durch Moraband und ein mögliches anschließendes Treffen mit Aren und Kal wäre sie vollkommen ausreichend gewesen, und Theranos hatte vorsorglich mehrere Garnituren davon mitgebracht. Gerade als er bereits danach greifen wollte, blieb sein Blick jedoch an einer anderen Uniform hängen, die etwas weiter hinten im Schrank hing.


Die dunkelblaue, eigens für ihn angefertigte Uniform hatte er schon seit geraumer Zeit nicht mehr getragen. Goldene Einfassungen zeichneten ihre klare Linienführung nach, während die aufwendig gearbeiteten Schulterstücke und der lange, beinahe mantelartige Schnitt ihr einen wesentlich persönlicheren und repräsentativeren Charakter verliehen als der standardisierten imperialen Dienstkleidung. Theranos betrachtete sie einige Augenblicke und musste schließlich leicht schmunzeln. Eigentlich gab es keinen besonderen Grund, weshalb sie während der vergangenen Monate so häufig im Schrank geblieben war. Zwischen dem alltäglichen Regierungsgeschäft, offiziellen Terminen und schließlich seiner unerwarteten Ernennung hatte sich schlicht kaum eine Gelegenheit ergeben, bei der er sie einer gewöhnlichen Dienstuniform vorgezogen hatte.

Warum also nicht heute?

Kurzerhand änderte Theranos seine ursprüngliche Entscheidung und nahm die dunkelblaue Uniform aus dem Schrank. Wenig später stand er damit vor dem Spiegel, strich den schweren Stoff über Brust und Schultern glatt und richtete anschließend sorgfältig jene Elemente aus, die inzwischen seine neue Stellung erkennen ließen. Die Rangabzeichen eines Sector Adjutant und die entsprechenden Codezylinder wirkten an der vertrauten Uniform zunächst beinahe ungewohnt. Gerade dieser Anblick gefiel ihm jedoch. Die Uniform war unverkennbar dieselbe geblieben, die ihn bereits während seiner Zeit auf Prefsbelt IV begleitet hatte, und dennoch zeigte sie nun ebenso deutlich, dass sich seine Aufgabe inzwischen verändert hatte.

Für einige Augenblicke betrachtete Theranos sein Spiegelbild, ehe ein zufriedenes Lächeln über sein Gesicht huschte. Er hatte beinahe vergessen, wie gerne er diese Uniform eigentlich trug.


Als er sich anschließend noch einmal dem Schrank zuwandte, um zu überprüfen, ob sämtliche für die kommenden Tage vorgesehenen Kleidungsstücke ordentlich verstaut worden waren, blieb sein Blick an einer kleinen Schatulle hängen, die neben den Bestandteilen seiner Galauniform lag.
Theranos zog sie hervor, öffnete den Deckel und betrachtete die beiden darin befindlichen Auszeichnungen.
Ursprünglich hatte er nicht vorgesehen, eine von ihnen jemals selbst zu tragen. Beide waren erst vor kurzem zu Ende seiner Amtszeit auf Prefsbelt IV gestiftet beziehungsweise eingeführt worden und sollten jene ehren, die durch ihren Dienst für den Planeten oder ihre Beteiligung an den zurückliegenden Ereignissen die festgelegten Voraussetzungen erfüllten.
Dass Theranos selbst diese Voraussetzungen ebenfalls erfüllte, war ihm durchaus bewusst gewesen. Dennoch hatte er sich aus den entsprechenden Verleihungen herausgehalten. Eine Auszeichnung zu stiften und sie sich anschließend in seiner Funktion als Gouverneur selbst zu verleihen, war ihm institutionell derart widersinnig erschienen, dass die Angelegenheit für ihn damit zunächst erledigt gewesen war.

Der rest der Planetaren Regierung, also die Legate und der planetare Ordensausschuss von Prefsbelt IV hatten anderes im Sinn. Noch während der eigentlichen Verleihungen waren zwei zusätzliche Exemplare angefertigt und Theranos am Tag nach der Verleihung mit den dazugehörigen Urkunden vorgelegt worden.
An jener Stelle, an der normalerweise die Bestätigung des Gouverneurs gestanden hätte, befand sich bei seinen Exemplaren die gemeinsame Bestätigung der Planetaren Regierung und des planetaren Ordensausschusses von Prefsbelt IV, getragen von den Unterschriften seiner Legaten und der Mitglieder des zuständigen Ausschusses. Damit hatte niemand von ihm verlangt, seine eigene Ehrung zu genehmigen oder sich selbst auszuzeichnen. Die zuständigen Stellen hatten unabhängig von ihm festgestellt, dass für den Gouverneur dieselben Voraussetzungen gelten mussten wie für jeden anderen.

Unter diesen Umständen hatte Theranos schließlich keinen vernünftigen Grund mehr gesehen, die Auszeichnungen abzulehnen. Falsche Bescheidenheit lag ihm ohnehin fern und er hätte Lügen müssen, wenn er nicht zugegeben hätte, dass diese Geste ihn äußerst erfreut hatte.

Er wusste, welchen Anteil er an den Ereignissen gehabt hatte, und wenn andere aufgrund derselben Leistungen ausgezeichnet worden waren, konnte er kaum behaupten, die festgelegten Kriterien hätten ausgerechnet für ihn nicht gegolten. Sein Problem hatte niemals darin bestanden, eine verdiente Ehrung anzunehmen, sondern ausschließlich darin, sie sich selbst zu verleihen.
Noch einen Augenblick betrachtete er die beiden Auszeichnungen, ehe er die Schatulle wieder schloss und sorgfältig an ihren Platz zurücklegte. Heute würden sie dort bleiben. Für seinen Spaziergang durch Moraband bestand keinerlei Anlass, seine Uniform damit zu ergänzen. Morgen jedoch, wenn er zur offiziellen Galauniform wechselte, würden sie erstmals ihren vorgesehenen Platz finden.



Theranos kontrollierte noch einmal den Sitz seiner Uniform, strich eine kaum sichtbare Falte aus dem Ärmel und wandte sich anschließend seinen übrigen Sachen zu. Neben einigen persönlichen Dingen nahm er eine schlichte Aktentasche mit, in der ausreichend Platz für sein Datapad und einige Unterlagen vorhanden war. Er wusste zwar noch nicht, ob das Gespräch mit Aren tatsächlich zustande kommen würde, doch sollte dies der Fall sein, wollte Theranos zumindest jene Dokumente griffbereit haben, die für ihre Unterhaltung über seinen zukünftigen Stab von Interesse sein konnten. Nachdem auch das Datapad darin verschwunden war, verließ er schließlich sein Gästezimmer.

Anstatt jedoch den direkten Weg zum Ausgang des Praxeums zu nehmen, führte ihn sein Weg zunächst in einen anderen Teil des weitläufigen Komplexes. Noch während er aus dem Zimmer ging, war ihm eingefallen, dass sich ja innerhalb des Praxeums auch Räumlichkeiten befanden, die gegenwärtig von Angehörigen und Verbindungsoffizieren der Blauen Legion genutzt wurden. Ein Teil ihrer Kräfte operierte schließlich auf Truuine, und spätestens seit den jüngsten Einsätzen bestand zwischen den planetaren Stellen und der Legion ein entsprechender Koordinationsbedarf.


Theranos änderte seine Route beinahe spontan.
Die Blaue Legion gehörte zu jenem Abschnitt seines Lebens, den er mit seiner Ernennung zum Sektor Adjutant zumindest politisch hinter sich gelassen hatte, obwohl er sich ihr weiterhin eng verbunden fühlte. Sie war während seiner Amtszeit auf Prefsbelt IV aufgebaut und weiterentwickelt worden, hatte Krisen überstanden und war für Theranos längst weit mehr als irgendeine weitere planetare Formation.


Als er wenig später den entsprechenden Bereich betrat, sorgte seine Anwesenheit deshalb für einige überraschte Blicke. Mit einem Besuch des ehemaligen Gouverneurs und inzwischen zum Sector Adjutant ernannten Theranos Zesh hatte offenbar niemand gerechnet. Die anfängliche Überraschung wich jedoch rasch einer deutlich entspannteren Atmosphäre, nachdem Theranos die anwesenden Offiziere begrüßt hatte und schnell erkennen ließ, dass er keineswegs zu einer unangekündigten Inspektion erschienen war.

Er erkundigte sich zunächst nach Major Cestus Varro und erhielt die Auskunft, dass dieser gegenwärtig im Einsatz beziehungsweise mit seinen laufenden Aufgaben gebunden war. Theranos nahm dies mit einem verständnisvollen Nicken zur Kenntnis und bat lediglich darum, dem Major bei Gelegenheit seine Grüße auszurichten. Es würde sich während seines Aufenthaltes auf Truuine vielleicht noch eine Gelegenheit für ein persönliches Gespräch ergeben; erzwingen wollte er eine solche Begegnung jedoch keineswegs, solange Major Varro seinen eigentlichen Verpflichtungen nachging.

Aus der kurzen Nachfrage entwickelte sich dennoch ein längeres Gespräch mit den anwesenden Offizieren. Theranos erkundigte sich nach ihrer Unterbringung, der Zusammenarbeit mit den truuinischen Stellen und dem allgemeinen Verlauf ihrer Aufgaben, ehe er ihnen noch einmal ausdrücklich für den bisherigen Dienst auf Truuine dankte. Gerade hier wollte er nicht den Eindruck vermitteln, seine Beförderung hätte jene Personen für ihn bedeutungslos gemacht, mit denen er während seiner Zeit als Gouverneur zusammengearbeitet hatte. Einige der Anwesenden hatten die Entwicklung der Blauen Legion über längere Zeit begleitet und wussten entsprechend gut, welchen Stellenwert die Formation für ihn besaß.

Natürlich war auch seine neue Stellung längst bemerkt worden. Spätestens die Rangabzeichen seiner Uniform ließen kaum Zweifel daran, dass Theranos nicht länger als Gouverneur Prefsbelt IVs vor ihnen stand. Er bestätigte daher offen, dass seine Ernennung zum Sector Adjutant und das Dr. T’rsop die Regierung des Planeten übernommen hatte. Den Namen seines Nachfolgers kannten zumindest einige der Anwesenden bereits, sei es aus den jüngsten Meldungen von Prefsbelt IV oder aus früheren Begegnungen innerhalb der Verwaltung. Theranos sprach mit sichtlicher Zuversicht über den neuen Gouverneur und machte keinen Hehl daraus, dass er Prefsbelt IV bei ihm in guten Händen wusste.

Als das Gespräch langsam seinem Ende zuging, kam Theranos noch ein anderer Gedanke. Die Gala würde in den kommenden Tagen zahlreiche Gäste aus allen Teilen des Imperiums empfangen, während ein Teil jener Soldaten und Offiziere, die erst vor kurzer Zeit auf Truuine gekämpft und ihren Dienst geleistet hatten, vermutlich kaum daran dachte, selbst einen Fuß in die Veranstaltung zu setzen. Er bat die anwesenden Offiziere deshalb, innerhalb der Blauen Legion weiterzugeben, dass jene Angehörigen, die während der kommenden Tage dienstfrei hatten und sich noch auf Truuine befanden, ausdrücklich eingeladen seien, die Gala zu besuchen. Theranos würde dafür sorgen, dass entsprechende Zugangsberechtigungen beziehungsweise Einladungen hinterlegt wurden, soweit dies organisatorisch mit der Gesellschaft und den Gastgebern abgestimmt werden konnte. Sollte Major Varro rechtzeitig von seinem Einsatz zurückkehren, galt diese Einladung selbstverständlich ebenso für ihn.

Die Reaktion der kleinen Runde fiel sichtbar positiv aus, und einer der Offiziere bemerkte schließlich mit einer Mischung aus Respekt und persönlicher Verbundenheit, dass Theranos zwar inzwischen Verantwortung für einen erheblich größeren Teil des Prefsbelt-Sektors trage, die Blaue Legion jedoch kaum vergessen werde, wer ihren Aufbau einst entscheidend mit vorangetrieben hatte. Theranos nahm die Worte mit einem ehrlichen Lächeln entgegen. Er hätte es unangemessen gefunden, daraus irgendeinen persönlichen Besitzanspruch abzuleiten; die Legion gehörte Prefsbelt IV und jenen, die in ihr dienten. Dennoch bedeutete ihm die erkennbare Verbundenheit mehr, als er in diesem Augenblick ausführlich zum Ausdruck bringen wollte.


Bevor er sich verabschiedete, schüttelte Theranos den anwesenden Offizieren nacheinander die Hand und wünschte ihnen für ihre weiteren Aufgaben auf Truuine einen möglichst ruhigen Verlauf. Erst danach erwähnte er beiläufig, dass er sich nun etwas in Moraband umsehen wollte, woraufhin ihm beinahe unmittelbar angeboten wurde, ihn zumindest für die Dauer seines Aufenthaltes außerhalb des Praxeums begleiten zu lassen. Theranos wollte zunächst darauf hinweisen, dass er lediglich einen Spaziergang durch die Hauptstadt plante und kaum eine Eskorte benötigte, ließ sich jedoch überzeugen, dass zwei Angehörige der Legion ihn begleiten konnten. Wenn sie ohnehin verfügbar waren, hatte er wenig dagegen, zumal er die Gesellschaft der Legionäre in Ihren Wachuniform keineswegs als störend empfand.

Seine Vorstellung, das Praxeum anschließend einfach zu Fuß zu verlassen, hielt ebenfalls nur wenige Augenblicke. Man wies ihn darauf hin, dass der Blauen Legion mehrere Dienstfahrzeuge für Offiziere und Verbindungsaufgaben zur Verfügung standen und kein vernünftiger Grund bestand, den Sector Adjutant mit Aktentasche durch einen Teil der Hauptstadt laufen zu lassen, nur um überhaupt erst zu jenem Bereich zu gelangen, den er sich ansehen wollte. Theranos gab sich schließlich mit einem amüsierten Kopfschütteln geschlagen.

Wenig später verließ er gemeinsam mit seinen beiden Begleitern das Praxeum und trat hinaus in die kühle Luft Morabands. Ein bereitgestellter Dienstgleiter wartete bereits vor dem Gebäude, und nachdem Theranos auf der Rückbank sowie beiden Begleiter nach seiner bitte ihm gegenüber Platz genommen und seine Aktentasche neben sich gestellt hatte, nannte er als erstes Ziel schlicht einen der zentralen Plätze der Hauptstadt. Von dort aus wollte er zu Fuß weitergehen, sich ohne festgelegte Route etwas umsehen und anschließend entscheiden, wo sich ein mögliches Treffen mit Aren und Kal am angenehmsten gestalten ließ.

Kaum hatte sich der Gleiter vom Praxeum entfernt und in den geordneten Verkehr Morabands eingefädelt, meldete sich sein Datapad erneut.


Theranos zog es aus der Aktentasche und öffnete die eingegangene Nachricht.
Diesmal stammte sie von T’rsop.

Schon nach den ersten Zeilen musste Theranos schmunzeln. Sein Freund lehnte den gemeinsamen Nachmittag tatsächlich ab und bestätigte damit ziemlich genau jene Vermutung, die Theranos bereits beim Verfassen seiner Einladung gehabt hatte. T’rsop wollte seine Zeit lieber für die Arbeit und etwas Ruhe nutzen, erklärte sich jedoch bereit, später am Abend zu ihnen zu stoßen, sofern das gemeinsame Essen erst zu späterer Stunde und vor allem im privaten Rahmen abseits von Öffentlichkeit und Holokameras stattfand. Angesichts der gesellschaftlichen Verpflichtungen, die in den kommenden Tagen auf sie warteten, wollte er seine Kraftreserven offenbar nicht bereits am Vorabend verschwenden.

Theranos konnte ihm daraus kaum einen Vorwurf machen. Im Gegenteil, gerade die Forderung nach einem ruhigen Abendessen brachte ihn erneut zum Lächeln. Es war eine Antwort, die derart gut zu seinem Freund passte, dass er beinahe jedes Wort hätte vorhersehen können.

Damit nahm der Nachmittag langsam Gestalt an. Kal hatte zugesagt, T’rsop würde sich ihnen möglicherweise später zum Essen anschließen, und Theranos selbst befand sich bereits auf dem Weg ins Zentrum Morabands.

Jetzt fehlte eigentlich nur noch einer.
Moff Aren Vayliuar.

Theranos lehnte sich etwas zurück, während draußen die Gebäude der Hauptstadt am Fenster des Gleiters vorbeizogen. Bislang entwickelte sich dieser erste Tag auf Truuine erstaunlich angenehm, und wenn Aren ebenfalls Zeit fand, würde aus einem ursprünglich vollkommen freien Nachmittag beinahe von selbst genau jene Mischung aus Arbeit, persönlichen Gesprächen und etwas Erholung entstehen, die Theranos sich für die Stunden vor Beginn der Gala gewünscht hatte.


[Innerer Rand | Manaan-Sektor | Truuine-System | Moraband ] - Theranos Zesh sowie (NPC´s) zwei begleiter der Blauen Legion
 
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